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Irak 1529 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Vorsichtiger Optimismus bei Irak-Konferenz - UN und EU kritisieren Regierung in Bagdad.
Mindestens 16 Tote bei Anschlag im nordwestlichen Irak
Fr.30.05.08 - Zunehmender Optimismus, aber auch Kritik an der Regierung in Bagdad
haben die zweite Internationale Irak-Konferenz in Stockholm geprägt.
Vor 600 Delegierten des «Paktes für den Irak» aus fast
100 Staaten lobte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon «sichtbare
Fortschritte» bei den Bemühungen um Frieden, Stabilität
und Demokratie. Er sagte: «Der Irak bewegt sich jetzt weg von dem
Abgrund, den wir gefürchtet haben wie nichts sonst.» Es gebe
wegen des Rückgangs der Gewalt und der Fortschritte auf
wirtschaftlichem und politischem Gebiet «einen neuen Geist der
Hoffnung».
Iraks Regierungschef Nuri al-Maliki und US-Außenministerin
Condoleezza Rice setzten sich in der schwedischen Hauptstadt für
weitere Schuldenerlasse gegenüber dem Irak ein. Al-Maliki stufte
die Entwicklung in seinem Land als «jenseits der akuten
Gefahr» ein. Die Möglichkeit eines Bürgerkrieges nannte
er «endgültig gebannt». Ein wesentliches Hindernis
für weitere Fortschritte sei aber die hohe Schuldenlast aus der
Zeit des 2003 gestürzten Regimes von Saddam Hussein sowie durch
Kriegsfolgen und Reparationslasten.
Dasselbe gelte auch für nach wie vor geltende Sanktionen gegen das
Land aus der Ära Saddams. Al-Maliki sagte: «Wir erwarten die
aktive Beteiligung der internationalen Gemeinschaft, um diese Last zu
erleichtern.» Der Irak sei kein armes Land und wolle keine Hilfe,
sondern «echte Partnerschaft». Neue Zusagen über
Schuldenerlasse bei der Stockholmer Konferenz konnte er nach dem
Abschluss nicht bestätigen.
Al-Maliki kündigte die Einberufung der dritten Internationalen
Irak-Konferenz 2009 in Bagdad und sagte weiter: «Das wird die
Krönung unserer Anstrengungen werden.» Vor dem Treffen in
Stockholm war auch die Gründungskonferenz 2007 aus
Sicherheitsgründen ins Ausland nach Ägypten verlegt worden.
Ban Ki Moon sagte, er sei optimistisch, dass die Konferenz im kommenden
Jahr in Bagdad durchgeführt werden könne.
Der UN-Generalsekretär wie auch die EU und Schwedens
Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt verlangten einen stärkeren
Einsatz der irakischen Regierung für die knapp vier Millionen
internen und externen Flüchtlinge. Sie kritisierten auch, in
unterschiedlicher Schärfe, anhaltende Menschenrechtsverletzungen
im Irak sowie weiter akute Mängel bei der Versorgung der
Bevölkerung. Mit dem von Bagdad und den UN gemeinsamen getragenen
«Pakt für den Irak» (ICI/«International Compact
with Iraq») soll innerhalb von fünf Jahren ein stabiler
Rahmen für den friedlichen Wiederaufbau des Iraks geschaffen
werden.
Der slowenische Außenminister Dimitrij Rupel meinte als
amtierender Ratsvorsitzender, die Union erkenne die Fortschritte beim
Wiederaufbau und beim Streben nach Demokratie an. Für den weiteren
Prozess im Irak stelle sich die EU «mit Nachdruck hinter die
zentrale Rolle der Vereinten Nationen». Der iranische
Außenminister Manuchehr Mottaki äußerte sich positiv
über eine «verbesserte Kooperation» zwischen seinem
Land und dem Irak.
Rice hob heraus, Washington sei «besonders erfreut»
über die markante Verbesserung der Sicherheitslage in den letzten
zwölf Monaten. Darüber hinaus habe die irakische Regierung
«ganz erhebliche Verbesserungen» der wirtschaftlichen,
politischen und sozialen Situation erreicht. So sei die Inflation
eingedämmt und die Arbeitslosigkeit fast halbiert worden.
Bei einem Selbstmordanschlag im Nordwesten des Iraks sind mindestens 16
Menschen ums Leben gekommen. Bei den Opfern handelte es sich um 14
Polizeianwärter und zwei Polizisten, wie die Behörden der
Stadt Sindschar mitteilten. Dort hatte sich der Täter in einer
Menschenmenge vor einem Rekrutierungsbüro der Polizei in die Luft
gesprengt. Die Bewohner von Sindschar nahe der syrischen Grenze
gehören überwiegend zur Minderheit der Jesiden, einer
Religionsgemeinschaft der Kurden. Bei einer Serie von
Selbstmordanschlägen wurden im vergangenen August hunderte Jesiden
getötet.
boa (Quellen:dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 30.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendfünfundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Mehr als 100 US-Soldaten begingen 2007 Selbstmord
Fr.30.05.08 - Im vergangenen Jahr haben sich so viele US-Soldaten das Leben genommen
wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht, wie am Donnerstag aus Kreisen des
Pentagon verlautete. Insgesamt 108 Truppenangehörige begingen
demnach Selbstmord. Das Verteidigungsministerium hatte
Gewährsleuten zufolge eine noch höhere Zahl befürchtet.
Ein vollständiger Bericht sollte am (heutigen) Donnerstag offiziell
vorgelegt werden.
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In einem im Januar vorgelegten vorläufigen Bericht war von 121
Selbstmorden bei den Streitkräften die Rede gewesen, mehrere
Fälle wurden seitdem aber noch untersucht. 2006 hatten sich 102
US-Soldaten das Leben genommen, im Jahr zuvor waren es 85 gewesen.
(Quelle: ap)
China und Taiwan nehmen direkte Gespräche wieder auf
Fr.30.05.08 - Nach über zehn Jahren diplomatischer Krise wollen China und Taiwan
wieder direkte Gespräche aufnehmen. Er akzeptiere die Einladung
Pekings zu Gesprächen, sagte Taiwans Chefunterhändler Ching
Pin-kun. Das Treffen solle auf Einladung Chinas vom 11. bis 14. Juni in
der chinesischen Hauptstadt Peking stattfinden, meldete die amtliche
Nachrichtenagentur Xinhua. Am Mittwoch waren Chinas Staatschef Hu Jintao
und der Chef der in Taiwan regierenden Kuomintang-Partei (KMT), Wu
Poh-hsiung, in Peking zum ranghöchsten Treffen beider Seiten seit
60 Jahren zusammengekommen.
Bei dem Treffen im Junai soll den Angaben zufolge über direkte
Flüge zwischen China und Taiwan verhandelt werden. Zudem gehe es um
die Erlaubnis für Touristen, von China aus auf die Insel Taiwan zu
reisen. Die für Verhandlungen mit Taiwan zuständige
chinesische Behörde hatte die Einladung zu direkten Gesprächen
am Donnerstag in einem Brief an die korrespondierende Abteilung bei der
taiwanischen Regierung ausgesprochen.
China und Taiwan hatten 1995 direkte Gespräche abgebrochen. Peking
betrachtet die dem chinesischen Festland vorgelagerte Insel Taiwan seit
der Abspaltung 1949 als abtrünnige Provinz und strebt eine
Wiedervereinigung zu seinen Bedingungen an. Dies wird von Taipeh strikt
abgelehnt. Die Unabhängigkeitsbestrebungen des früheren
taiwanischen Präsidenten Chen Shui-bian von der Demokratische
Fortschrittspartei (DPP) hatte in den vergangenen Jahren zu einer
weiteren Abkühlung des Verhältnisses und zu unverhohlenen
Kriegsdrohungen aus Peking geführt. Taiwans neue KMT-Regierung
befürwortet jedoch eine Wiederaufnahme direkter Gespräche.
Ein Besuch des damaligen taiwanischen Präsidenten Li Tenghui in
den USA hatte 1995 zum Abbruch der zwei Jahre zuvor aufgenommenen
Gespräche geführt. China betrachtete die Visite als Schritt in
Richtung Taiwans Unabhängigkeit.
(Quelle: afp)
Junta in Birma lässt Helfer weiterhin nur langsam ins Land
Fr.30.05.08 - Auch fast vier Wochen nach dem Wirbelsturm in Birma lässt die
Militärregierung ausländische Helfer weiterhin nur langsam ins
Land. Zwar erhielten nunmehr alle UN-Mitarbeiter ein Visum für die
betroffenen Gebiete, teilte die UN mit. Dagegen warteten Helfer des
Roten Kreuzes und die vor der Küste kreuzenden Militärschiffe
aber nach wie vor auf eine Zugangserlaubnis. Nach UN-Angaben blieben 60
Prozent der 2,4 Millionen Hilfsbedürftigen weiterhin unerreicht.
Unterdessen setzte die Militärregierung die neue Verfassung
für das südostasiatische Land in Kraft.
Es habe in der vergangenen Woche keine Probleme mehr mit den
Einreiseformalitäten gegeben, sagte der UN-Sprecher für
humanitäre Einsätze, Richard Horsey, in Rangun. Am Mittwoch
sei das letzte von 45 beantragten Visa vergeben worden. Auch die
Hilfsorganisationen World Vision und Save the Children sowie ein
thailändisches Ärzteteam erhielten eine Zugangserlaubnis. Die
meisten der 30 ausländischen Rotkreuz- und Rothalbmond-Mitarbeiter
warteten hingegen noch auf ein Visum, wie Sprecher John Sparrow sagte.
Er bezeichnete die Lage in Birma als "absolut kritisch". Der Bedarf an
sauberem Wasser sei enorm. Helfer berichteten aus den
Katastrophengebieten von verwesenden Leichen und Tierkadavern, die
weiterhin in den Reisfeldern lägen.
Die Militärregierung hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am
vergangenen Freitag zugesagt, alle ausländischen Helfer in die
Katastrophengebiete hineinlassen. Der Staatsminister im Auswärtigen
Amt, Gernot Erler (SPD), sprach von einer weiteren Behinderung
ausländischer Hilfsorganisationen. "Von der Freizügigkeit
für die Helfer, wie sie die Opfer bräuchten, kann noch nicht
die Rede sein", sagte er der "Berliner Zeitung". Seit "Nargis" am 2.
und 3. Mai über das südostasiatische Land fegte, gelten etwa
133.000 Menschen als tot oder vermisst.
"Das landesweite Referendum hat die Verfassung bestätigt und in
Kraft gesetzt", hieß es in einer im staatlichen Fernsehen
verlsenen Erklärung von Junta-Chef Than Shwe. 92,48 Prozent
hätten dem vorgelegten Entwurf zugestimmt, die Beteiligung an dem
Referendum habe bei 98,12 Prozent gelegen. Während die Verfassung
nach Darstellung der Junta den Weg für Wahlen freimacht, sehen
Kritiker darin ein Manöver, um die Macht der seit 1962 herrschenden
Militärregierung weiter zu festigen.
(Quelle: afp)
Arktis-Anrainer wollen beim Umweltschutz zusammenarbeiten
Fr.30.05.08 - Die fünf Anrainerstaaten der Arktis wollen beim Umweltschutz des
Nordpolarmeers zusammenarbeiten. In einer Abschlusserklärung
teilten die Vertreter aus Russland, den USA, Kanada, Norwegen und
Dänemark mit, gemeinsam Maßnahmen ergreifen zu wollen, mit
denen in Übereinstimmung mit internationalen und nationalen
Gesetzen die "empfindliche See-Umwelt" am Arktischen Ozean
geschützt werden kann. Sie wollten darüber hinaus ihre
Zusammenarbeit "auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens und
Transparenz" verstärken, erklärten sie nach ihrem Treffen im
grönländischen Ilulissat.
Es waren die ersten Gespräche auf Ministerebene, bei denen die
Anrainer die Spannungen bei den Gebietsansprüchen lösen
wollten. Seit durch die Klimaerwärmung das Polareis schmilzt,
wachsen auch Begehrlichkeiten zur Nutzung der frei werdenden
Meeresgebiete in der Arktis. Wer die unter dem Polareis versteckten
Rohstoffe nutzen darf, ist umstritten.
Jedem der fünf Anrainerstaaten steht nach internationalem Recht
eine 200-Seemeilen-Zone vor der Küste zur ausschließlichen
wirtschaftlichen Nutzung zu. Die Gebietsansprüche für 1,2
Millionen Quadratkilometer sind dagegen nicht geregelt - und bieten
jeden Menge Gründe für Streitigkeiten zwischen den
Ländern.
(Quelle: afp)
UN-Experten warnen vor Lebensmittelknappheit
Fr.30.05.08 - Die wachsende Nachfrage in den Schwellenländern und die
Rekordpreise beim Öl werden die Nahrungsmittelpreise auch in den
kommenden Jahren hoch halten. Das teilten OECD und Vereinte Nationen zur
Veröffentlichung des Agrarausblicks 2008 in Paris mit.
Neue Essgewohnheiten in den Schwellenländern, Bevölkerungs-
und Wirtschaftswachstum trieben die Nachfrage nach Nahrungs- und
Futtermitteln weiter an. Hart ins Gericht gingen die Experten mit der
Förderung von Biotreibstoffen. «Die Nachfrage nach
Biokraftstoffen erklärt zu einem großen Teil den
Preisanstieg», hieß es.
Derzeit seien die Preise nahezu aller Grundnahrungsmittel auf einem
Rekordhoch, heißt es in dem Agrarausblick. Die Studie wurde neben
der OECD von der UN-Organisation für Ernährung und
Landwirtschaft (FAO) veröffentlicht. Vor allem Dürren in den
wichtigsten Anbauregionen, sowie leere Lagerbestände hätten zu
dem «drastischen» Preisanstieg geführt. Ein weiterer
Faktor, der auch längerfristig eine Rolle spiele, ist nach
Einschätzung von OECD- Agrardirektor Stefan Tangermann der hohe
Ölpreis, denn die Produktion von Nahrungsmitteln sei ein
energieaufwändiges Geschäft.
Viele Grundnahrungsmittel wie Reis oder Mais haben besonders seit
Anfang des Jahres Preissprünge verzeichnet und in einigen
Ländern wie Haiti oder Mexiko zu Hungerrevolten geführt. Am
stärksten betroffen seien die Stadtbewohner in
Entwicklungsländern, die sich nicht selbst ernähren
könnten, erklärten die Agrar- und Wirtschaftsexperten.
«Heute leiden rund 860 Millionen Menschen an Hunger und
Mangelernährung - das zeigt, wie wichtig es ist, wieder
stärker in Landwirtschaft zu investieren», sagte
FAO-Generalsekretär Jacques Diouf. «Landwirtschaft muss
wieder auf die Entwicklungs-Agenda gesetzt werden.»
Auf lange Sicht werden der Studie zufolge Effizienzgewinne und
Produktivitätssteigerungen in der Agrarwirtschaft die wachsende
Nachfrage ausgleichen, so dass die Preise real wieder sinken werden. Ihr
früheres niedriges Niveau würden sie jedoch nicht wieder
erreichen, hieß es. In den kommenden zehn Jahren werden die
realen, also um die Inflation bereinigten Preise für Reis und
Zucker um knapp zehn Prozent, für Weizen um knapp 20 Prozent,
für Butter, Ölsaaten und Grobgetreide um etwa 30 Prozent und
für Pflanzenöl um gut 50 Prozent über den
Durchschnittswerten des vergangenen Jahrzehnts liegen. FAO und OECD
legten zum vierten Mal eine gemeinsame derartige Prognose vor.
OECD-Generalsekretär Angel Gurría forderte eine
Liberalisierung des Handels. «Steigenden Lebensmittelpreisen kann
man nicht durch Protektionismus beikommen», sagte er. «Der
richtige Weg ist eine Öffnung der Agrarmärkte und Freisetzung
der produktiven Kapazitäten der Landwirte, die wiederholt bewiesen
haben, dass sie auf Marktsignale reagieren.»
Nach Einschätzung der Experten müssen EU und USA zudem ihre
Förderpolitik für Biokraftstoffe ändern. So habe sich die
weltweite Ethanolproduktion zwischen 2000 und 2007 verdreifacht,
hieß es. Bis 2017 werde sie sich erneut auf jährlich 127
Billionen Liter verdoppeln. Die Biodieselproduktion dürfte von 11
Billionen Litern jährlich im Jahr 2007 auf ungefähr 24
Billionen Liter im Jahr 2017 ansteigen. «Dieses Wachstum bei
Biokraftstoffen wird die Nachfrage nach Getreide, Ölsaat und Zucker
noch weiter erhöhen und trägt so zu weiteren Preissteigerungen
bei Agrarprodukten bei», hieß es. Es sei «unklar, ob
die Energiesicherheit sowie die ökologischen und wirtschaftlichen
Ziele dieser Maßnahmen mit den gegenwärtigen
Produktionstechnologien erreicht werden können».
(Quelle: dpa)
Deutschland verzichtet auf Streumunition
Fr.30.05.08 - Deutschland verzichtet mit sofortiger Wirkung einseitig auf alle Typen
von Streumunition. Das teilten Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am
Donnerstag gemeinsam in Berlin mit. Die noch vorhandenen Bestände
sollen schnellstmöglich vernichtet werden. Experten gehen hier
wegen der beschränkten Spezialkapazitäten für
Munitionsbeseitigung von einem Zeitraum von mehreren Jahren aus.
In der irischen Hauptstadt Dublin soll am heutigen Freitag der Entwurf
eines Übereinkommens zum sofortigen und umfassenden Verbot von
Streumunition formell angenommen werden. In mehrtägigen
Verhandlungen hatten sich Vertreter aus über 100 Ländern
darauf geeinigt, Einsatz, Herstellung, Transport und Lagerung von
Streubomben zu untersagen.
Steinmeier und Jung bezeichneten dieses Abkommen als einen
«wichtigen Meilenstein zur Weiterentwicklung des humanitären
Völkerrechts». Die Konvention soll Anfang Dezember in Oslo
unterzeichnet und dann schnellstmöglich ratifiziert werden. Mit dem
einseitigen Verzicht will Deutschland nach den Worten der beiden
Minister ein «unübersehbares Zeichen» setzen für
alle Staaten, die noch zögerlich seien.
Die Grünen werteten den Verzicht als bedeutsamen humanitären
Fortschritt. Jetzt müsse die Bundesregierung das Dubliner Signal
nutzen, um wieder zu den Vorreitern einer umfassenden Ächtung von
Streumunition zu werden. «Nur so wird es möglich sein, auch
zu einer de facto Ächtung bei Staaten wie den USA, Israel, China
und Russland zu kommen», betonten Fraktionsvize Jürgen
Trittin und Wehrexperte Winfried Nachtwei.
SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow sah in der die Übereinkunft von
Dublin einen wichtigen Impuls zur Wiederbelebung internationaler
Abrüstungsbestrebungen. Mit sofortiger Wirkung solle auch die
Streubombe des Typs M85 verboten werden, hab er hervor. Libanon hatte
der israelischen Armee vorgeworfen, diese Bomben bei Angriffen auf den
Landessüden genutzt zu haben.
(Quelle: ddp)
Bundestag bekennt sich zu Verantwortung für Israel
Fr.30.05.08 - Der Bundestag hat sich über alle Fraktionen hinweg zur deutschen
Verantwortung für die Sicherheit und Existenz Israels bekannt.
Zugleich sagte das Parlament in einer Debatte zum 60. Gründungstag
des jüdischen Staates eine verstärkte deutsche
Unterstützung des Nahost-Friedensprozesses zu. Die Verantwortung
für die Vergangenheit sei die Triebfeder dafür, sagte
Außenminister Frank-Walter Steinmeier wenige Tage vor seinen
Gesprächen in Jerusalem und Ramallah.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte im März in der ersten Rede
einer deutschen Regierungschefin vor der Knesset Israel den Beistand
gegen die radikal-islamische Hamas und den Iran zugesichert. Aus Anlass
des 60-Jahr-Jubiläums nahm sie deutsch-israelische
Regierungskonsultationen auf, die künftig jährlich geplant
sind. Steinmeier reist am Samstag in den Libanon und dann nach Israel
und in die Palästinenser-Gebiete.
Steinmeier sagte Israel im Atomkonflikt mit dem Iran die entschlossene
Haltung Deutschlands zu. Zur deutschen Verantwortung für den
jüdischen Staat gehöre es, "dem Gerede des iranischen
Staatspräsidenten immer wieder entgegenzutreten", sagte der
SPD-Politiker. "Seine Leugnung des Holocaust ist ebenso
unerträglich wie das Infragestellen des Existenzrechts Israels.
Dazu muss es klare Botschaften geben." Weder der Iran noch andere
radikale Kräfte dürften den jüdischen Staat infrage
stellen, betonte auch SPD-Fraktionschef Peter Struck. Es sei ein
schwerer Makel der israelischen Erfolgsgeschichte, dass das Land sich
seiner Existenz nicht sicher sein könne.
Steinmeier kündigte zudem gezielte Hilfen an, um die Bedingungen
für den stockenden Friedensprozess zu verbessern. Die Menschen in
der Region müssten spüren, dass sich der Weg zum Frieden
lohne. Dazu solle auch die Internationale Konferenz für Sicherheit
in Palästina beitragen, bei der am 24. Juni in Berlin über den
Aufbau von Polizei und Justiz in dem geplanten Staat beraten werden
soll. Mit Blick auf die Entspannung im Libanon und der türkischen
Vermittlung zwischen Syrien und Israel sagte er: "Der nahöstliche
Himmel hat sich leicht aufgehellt."
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn kritisierte die israelische
Siedlungspolitik und die Einschränkungen für die
palästinensische Bewegungsfreiheit. Die Botschaft an die
Palästinenser sei, dass mit Terror und Gewalt kein Frieden zu
erreichen sei, sagte er. Aber auch Israel müsse friedenswillige
Palästinenser mehr stärken als bisher.
Deutschland verbinde mit Israel nicht nur die Verantwortung für
die Geschichte, sondern auch die Wertegemeinschaft der Demokraten,
betonten Unionsfraktionschef Volker Kauder und FDP-Chef Guido
Westerwelle. Die guten freundschaftlichen Beziehungen seien "auch in
unserem eigenen nationalen Interesse, weil Israel die einzige Demokratie
in der gesamten Region ist", sagte Westerwelle. Er sprach vom "Wunder
der Aussöhnung" nach dem Holocaust, das ein Geschenk an die
späteren Generationen sei. Kauder nannte es beglückend, dass
auch in Deutschland wieder jüdisches Leben pulsiere.
Auch Petra Pau von der Linken trat in klaren Worten für Israel
ein. "Wer das Existenzrecht Israels infrage stellt, rüttelt am
Lebensrecht von Jüdinnen und Juden", sagte sie. Sie bezeichnete es
aber nicht wie die anderen Abgeordneten als Teil der deutschen
Staatsräson.
(Quelle: rtr)
Beck sieht SPD klar festgelegt gegen rot-rote Bündnisse
Fr.30.05.08 - Bei der Bundestagswahl 2009 sieht SPD-Chef Kurt Beck seine Partei nach
eigenen Worten klar gegen ein rot-rotes Bündnis festgelegt. Er habe
kein Problem damit, wenn dies auf einem Parteitag mit der
Verabschiedung eines Wahlprogramms nochmals betont werde, sagte Beck in
einem Interview des Bayerischen Rundfunks laut Vorabmeldung. Dies gelte
ohnehin und sei richtig.
Damit bekräftigte Beck seine neue Position im parteiinternen
Streit über den Umgang mit der Linkspartei. Auch Becks
Stellvertreterin Andrea Nahles vollzog diese Kehrtwende, nachdem der
frühere Parteichef Franz Müntefering dies gefordert hatte.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla zeigte sich vom Kurswechsel des
Koalitionspartners unbeeindruckt. «Ein SPD-Parteitagsbeschluss mit
einer Absage an Rot-Rot wäre keinen Pfifferling wert», sagte
er den Dortmunder «Ruhr Nachrichten» laut Vorabmeldung.
Beck und die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti hätten nach der
Hessen-Wahl im Januar ihr Wort gebrochen. «Diesmal würde
eben die ganze Partei ihr Wort brechen, wenn es darauf ankommt.»
Ypsilanti hatte vor der Wahl angekündigt, nicht mit den Linken
zusammenzuarbeiten, wollte sich dann aber mit den Stimmen der Partei zur
Ministerpräsidentin wählen lassen. Dies scheiterte aber am
Widerstand aus ihrer eigenen Partei.
Pofalla sieht nach eigenen Worten in der Aufstellung von Gesine Schwan
als Präsidentschaftskandidatin der SPD ein Signal für ein
rot-rotes Bündnis bei der Bundestagswahl 2009. «Man will mit
den Stimmen der Linken eine Bundespräsidentin ins Amt wählen,
während SPD-Chef Beck versichert, er werde sich mit den gleichen
Stimmen der Linkspartei nie zum Kanzler wählen lassen. Wer soll das
bitte noch glauben?»
In dem BR-Interview nannte Beck als Wunschpartner für eine
Koalition im Bund die Grünen. Es sei realistisch, dass man an das
Bündnis anknüpft. «Das war gute Arbeit, die da gemacht
wurde. Und ich kann mir auch durchaus Brücken zur FDP
vorstellen.»
Zu Medienberichten, nach denen Kanzlerin Angela Merkel in kleiner Runde
sagte, sie wisse nicht, wen sie bei der SPD anrufen solle, erklärte
der Parteichef: «Ich glaube, es wäre gut, wenn sie
überhaupt bei Sozialdemokraten anrufen würde, bevor sie etwas
entscheidet. Das würde sicher zu einem besseren Urteil
führen.»
Seitdem bekanntwurde, dass die SPD die Wissenschaftlerin Schwan zur
Kandidatin für das Bundespräsidentenamt will, ist das Klima in
der Großen Koalition angespannt. Die Union sieht das Vorhaben als
Versuch, auf die Linkspartei zuzugehen, weil die SPD in der
Bundesversammlung auf diese Stimmen angewiesen wäre.
(Quelle: ap)
Zahl der Arbeitslosen bei 3,28 Millionen
Fr.30.05.08 - Der Rückgang der Arbeitslosigkeit schwächt sich langsam ab.
Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in
Nürnberg mitteilte, sank die Zahl der Arbeitslosen im Mai
gegenüber dem Vormonat zwar um 131 000 auf 3,283 Millionen, jedoch
fiel die Abnahme schwächer aus als erwartet. Saisonbereinigt
errechnet sich für den Mai sogar eine leichte Zunahme der
Arbeitslosgikeit um 4000. Gleichwohl ist dies der niedrigste Stand seit
Juni 1993. Die Quote reduzierte sich um 0,3 Punkte auf 7,8 Prozent.
«Die positive Grundtendenz hält an, die Nachfrage nach
Arbeitskräften bleibt auf hohem Niveau», sagte BA-Chef
Frank-Jürgen Weise.
Der Rückgang im Vergleich zum April fiel geringer aus als im
Durchschnitt der vergangenen Jahre. Gründe hierfür seien, dass
sich in den Wintermonaten wegen des milden Wetters und des
Saisonkurzarbeitergeldes in den Bauberufen weniger jahreszeitlich
bedingte Arbeitslosgikeit aufgebaut hatte. Daher falle die sonst
übliche Frühjahrsbelebung in diesem Jahr schwächer aus,
betonte der BA-Chef. Außerdem seien zu Beginn dieses Jahres die
vorruhestandsähnlichen Sonderregelungen für Ältere
ausgelaufen. Dadurch weist die Statistik rund 10 000 Menschen
zusätzlich als arbeitslos aus. Bisher stand diese Personengruppe
nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.
Im Westen Deutschlands nahm die Arbeitslosigkeit im Mai gegenüber
dem Vormonat um 76 000 auf 2,140 Millionen ab (Quote: 6,4 Prozent), in
den neuen Bundesländern um 55 000 auf 1,143 Millionen (Quote: 13,4
Prozent). Damit bleibt die Arbeitslosenquote im Osten der Republik mehr
als doppelt so hoch.
(Quelle: ddp)
Wissenschaftler fordern Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger
Fr.30.05.08 - Hartz-IV-Empfänger sollten nach Ansicht des Wissenschaftlichen
Beirats beim Finanzministerium durch eine Arbeitspflicht zur energischen
Suche nach einem Job angehalten werden.
"Wir halten es für richtig, von Hartz-IV-Empfängern zu
verlangen, dass sie ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen", sagte
der Beiratsvorsitzende Clemens Fuest am Donnerstag bei der
Übergabe eines Gutachtens des Gremiums in Berlin.
Wer erwerbsfähig sei und keinen Job finde, solle vom Staat nur
dann Zuwendungen erhalten, wenn er im Gegenzug zu arbeiten bereit sei,
heißt es in der fast 60-seitigen Expertise. "Den Arbeitslosen
sollten daher Arbeitsgelegenheiten im öffentlichen Bereich oder die
Vermittlung in privatwirtschaftliche Beschäftigung durch
Leiharbeitsfirmen angeboten werden." Werde eine Arbeitsaufnahme
verweigert, müsse das Arbeitslosengeld II "empfindlich gekürzt
werden".
Allerdings werde die Umsetzung dieses Modells zu einem weiter sinkenden
Lohnniveau führen, räumte Fuest ein. Der Kölner
Finanzwissenschaftler plädierte daher dafür, flankierend den
Firmen Zuschüsse zu zahlen, wenn sie Arbeitskräfte im
Niedriglohnsektor einstellten. Alternativ könnten die staatlichen
Leistungen für die Arbeitnehmer aufgestockt werden, um ihnen
auskömmliche Löhne zu gewährleisten.
Fuest bezeichnete die Integration von Menschen aus dem
Niedriglohnsektor in reguläre Beschäftigung als wichtige
Aufgabe. Es sei ökonomisch abträglich und zugleich politisch
problematisch, "wenn man sich damit abfindet, das ganze
Bevölkerungsgruppen nicht mehr in die Arbeitswelt integriert sind".
Dies koste wirtschaftliches Wachstum und führe zu
gesellschaftlicher Spaltung.
Das Gutachten analysiert eine Vielzahl von Kombilohnmodellen. Von der
Umsetzung eines Bürgergeldes oder von Vorschlägen zu einem
bedingungslosen Grundeinkommen raten die Autoren ab. Die
Parlamentarische Finanz-Staatssekretärin Nicolette Kressl sagte,
das Papier enthalte interessante Denkanstöße und werde von
ihrem Ministerium genau studiert.
(Quelle: rtr)
Telekom-Bespitzelungsaffäre: Ex-Bosse im Visier der
Staatsanwaltschaft
Fr.30.05.08 - In der Bespitzelungsaffäre bei der Telekom nimmt die Bonner
Staatsanwaltschaft den Ex-Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke und seinen
ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel ins Visier. Neben den
beiden früheren Topmanagern wird gegen sechs weitere Personen
ermittelt.
Dies teile die Behörde am Donnerstag mit. Die Vertreter der
Arbeitnehmer im Telekom-Aufsichtsrat kündigten in Berlin eine
Strafanzeige gegen das Unternehmen und Unbekannt an. Im Kern geht es um
den Verdacht, dass die Telekom auf der Suche nach undichten Stellen
Kontakte von Managern und Aufsichtsräten zu Journalisten
ausgespäht haben soll. Offiziell geht es um den Vorwurf der
missbräuchlichen Verwendung von Daten und der Verletzung des Post-
und Fernmeldegeheimnisses.
Gegen Telekom-Vorstandschef René Obermann, der Ricke im November
2006 abgelöst hatte, wird nach Angaben von Behördensprecher
Fred Apostel nicht ermittelt. Auch andere aktuelle Vorstandsmitglieder
sind nicht Gegenstand der Ermittlungen. «Wir ermitteln relativ
umfassend, dazu gehören auch Vernehmungen», sagte Apostel.
Die Ermittler durchsuchten auch die Zentrale von Europas
größtem Telekom- Konzern, darunter auch alle Räume der
Entscheidungsträger.
Die Gewerkschaften begründeten den für einen DAX-Konzern
spektakulären Schritt mit «eklatanten Angriffen» auf
die Rechte der Aufsichtsräte bei Europas größtem
Telekomkonzern. «Ich habe den begründeten Verdacht, dass wir
vor einem Abgrund von Bruch von Grundrechten in unserem Land
stehen», sagte DGB-Chef Michael Sommer als Mitglied des
Telekom-Kontrollgremiums. Die Gewerkschaften werden sich im Verfahren
gegen die Telekom von der früheren Bundesjustizministerin Hertha
Däubler-Gmelin (SPD) und Ex- Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP)
vertreten lassen.
Die Gewerkschaften hegen offenbar die Vermutung, dass nur ihre
Mitglieder im Aufsichtsrat und nicht die der Anteilseigner
ausgespäht worden seien. «Im deutschen Unternehmensrecht gibt
es keine Aufsichtsratsmitglieder 1. und 2. Klasse», sagte Sommer
mit Blick auf diesen Verdacht. Der Aufsichtsrat überwache den
Vorstand und nicht umgekehrt. Die Gewerkschaften hätten aber keine
eigenen Erkenntnisse, seit wann und wie umfangreich Gesprächsdaten
ausgewertet worden seien. Nach Angaben des stellvertretenden
Aufsichtsratsvorsitzenden, ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder,
sind den Arbeitnehmervertretern die Bespitzelungs-Vorgänge erst
seit wenigen Tagen bekannt.
Schröder wollte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur
dpa nicht ausschließen, dass neben der Auswertung von
Telefondaten auch weitere Aktionen unternommen wurden, um Informationen
zu sammeln. Er befürchtet für das Unternehmen einen enormen
Schaden aus der Affäre: «Die Auswirkungen auf den Konzern
sind katastrophal. Die Kunden sagten sich, die Daten sind bei der
Telekom nicht mehr sicher.»
Am Mittwochabend hatte der Aufsichtsrat der Telekom über die
Affäre beraten und Obermann den Rücken gestärkt. Auch der
Bund als Großaktionär stellte sich demonstrativ vor
Obermann. Der Vorstandsvorsitzende habe entschiedene Maßnahmen
eingeleitet, allen Vorwürfen nachzugehen und sie aufzuklären,
sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. «Er hat unsere volle
Unterstützung dabei.»
Unterdessen gerät Obermann wegen des Umgangs mit der Affäre
selbst unter Druck. Die umstrittenen Bespitzelungsaktionen fielen nach
bisherigen Informationen in die Amtszeit von Obermanns Vorgänger
Kai- Uwe Ricke, der von Obermann im November 2006 abgelöst wurde.
Ein erster Fall war nach Telekom-Darstellung bereits im Sommer 2007 ans
Licht gekommen, allerdings ohne dass die Telekom darüber bereits
damals Betroffene und Öffentlichkeit informierte. «Die
Telekom hat die Redaktion damals nicht informiert», sagte ein
Telekom-Sprecher der «Süddeutschen Zeitung»
(Donnerstag).
Telekom-Sprecher Philipp Schindera erklärte dies im ARD-
Morgenmagazin mit der schwierigen Lage des Konzerns in der fraglichen
Zeit: «Der Punkt damals war für uns, dass wir in einer Zeit,
wo wir beispielsweise auch einen Streik hatten, wo das Unternehmen vor
der Zerreißprobe war, davon Abstand genommen haben, diesen
Einzelfall an die Öffentlichkeit zu bringen.»
Das Unternehmen informierte den betroffenen Redakteur erst vor einigen
Tagen, nachdem weitere Bespitzelungsfälle aufgetaucht waren. Es
soll sich um den Journalisten Reinhard Kowalewsky vom Magazin
«Capital» gehandelt haben, wie das Magazin bestätigte.
Der Vorstandsvorsitzende des Verlagshauses Gruner+Jahr, Bernd Kundrun,
reagierte mit heftiger Kritik an die Adresse der Telekom: «Das
Haus Gruner+Jahr mit seinen Publikationen "Capital" und "Financial Times
Deutschland" ist nach heutigem Kenntnisstand Angriffspunkt von Aktionen
der Deutschen Telekom gewesen, die ich bisher in unserem Lande nicht
für möglich gehalten hätte», sagte Kundrun am
Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Der Chefredakteur des «Handelsblattes», Bernd Ziesemer,
teilte mit: «Ja, wir gehen davon aus, dass auch das "Handelsblatt"
von der Bespitzelungsaktion bei der Telekom betroffen ist. Wir haben
uns deshalb bereits mit einem Anwalt in Verbindung gesetzt und holen
Rechtsrat ein.»
Die Chefredaktion der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hat Telekom-
Vorstandschef René Obermann in einem Brief aufgefordert
mitzuteilen, welche dpa-Mitarbeiter in welchem Umfang von der
Bespitzelungsaktion betroffen waren. Die Agentur behalte sich die
Einleitung von rechtlichen Schritte vor.
(Quelle: dpa)
Schaar fordert besseren Schutz bei Vorratsdatenspeicherung
Fr.30.05.08 - Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, fordert
einen besseren Schutz der bei der Vorratsdatenspeicherung festgehaltenen
Daten vor unbefugtem Zugriff. Vor dem Hintergrund der
Telekom-Spitzelaffäre schlug Schaar in der Münchner
«Abendzeitung» (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht vor,
die fraglichen Daten von den Abrechnungsdaten zu trennen und
gegebenenfalls verschlüsselt zu speichern. Der Zugriff könnte
über einen Treuhänder, der den Schlüssel für die
Daten verwalte, unter genau definierten Bedingungen erfolgen.
«Ich denke, die größte Gefahr geht nicht von externen
Hackern aus», sagte Schaar. Das größere Risiko bestehe
darin, dass diejenigen Daten auswerten, die berechtigterweise Zugang
haben - also die System-Administratoren oder andere Insider. Schaar
kritisierte die gesetzlich vorgeschriebene Vorratsdatenspeicherung. Nur
Daten, die nicht erfasst würden, könnten auch nicht
missbraucht werden.
Die Idee einer zentralen Datei für Verbindungsdaten unter seiner
Aufsicht hält Schaar hingegen für nicht umsetzbar. «Es
ist völlig unrealistisch, alle gespeicherten Daten in einer
Behörde zusammenzuführen«, sagte Schaar der »Neuen
Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagausgabe). Die in einer zentralen
Datenbank gespeicherte Datenmenge wäre wesentlicher
größer als bei der derzeitigen getrennten Erfassung in den
Unternehmen, erklärte Schaar.
Kontraproduktiv sei der Vorschlag auch deshalb, weil «meine
Unabhängigkeit ganz gravierend beeinträchtigt werden
würde». Der Datenschutzbeauftragte habe private und
staatliche Datensammler zu beaufsichtigen, er sei nicht selbst
Datensammelbehörde.
(Quelle: ddp)
Internet-Sicherheit: Neue Attacken über Flash-Dateien
Fr.30.05.08 - Mit Flash-Dateien versuchen Hacker jetzt die Computer argloser Nutzer
zu attackieren. Die bewusst manipulierten Multimedia-Dateien im Format
swf sind von namhaften Sicherheits-Experten auf einigen chinesischen
Internet-Seiten gefunden worden. Laut dem Magazin "Vnunet.com" warnen
mehrere Hersteller von IT-Sicherheitslösungen, zum Beispiel
Symantec, McAfee und Sans, Anwender vor dem neuen Problem. Adobe, aus
dessen Haus Flash stammt, soll bereits an einer Lösung arbeiten.
Internet-Nutzern wird empfohlen, in ihren Browsern das Flash-Plug-In,
also den entsprechenden Programmzusatz, vorerst zu deaktivieren oder nur
auf vertrauenswürdige Seiten mit Flash-Inhalten zuzugreifen.
(Quelle: gp)
Microsoft-Sicherheitssystem von deutschen Studenten gehackt
Fr.30.05.08 - Das Sicherheitssystem "Cardspace" von Microsoft wurde nun von Studenten
der Bochumer Ruhr-Universität im Rahmen eines IT-Sicherheitstests
geknackt. Trotz verschiedener Sicherheitsmaßnahmen wie moderner
Verschlüsselungen wie SSL konnte auf die vermeintlich sicher
gespeicherten Identitätsdaten zur Authentifizierung im Internet
zugegriffen werden. Ihren Angriff, einen technischen Bericht sowie
mögliche Gegenmaßnahmen haben die Studien-Hacker unter der
Internet-Seite http://demo.nds.rub.de/cardspace auf Englisch
dokumentiert.
Das Identity-Management-System "Cardspace" wird bereits
serienmäßig auf Computern mit dem Microsoft-Betriebssystem
Vista mitgeliefert. Es soll die unsichere Identifizierung auf
Internet-Seiten mit Benutzername und Passwort ablösen, die durch
sogenannte "Phishing"-Methoden von Kriminellen oft herausgefunden
werden. Durch moderne Verschlüsselungstechnik galt das System
bislang als sicher und sollte die registrierten Daten vor Angreifern
schützen. Zur virtuellen Shopping-Tour, für die
Online-Bankgeschäfte wie auch für die elektronische
Gesundheitskarte sollte das System eingesetzt werden. Hersteller
Microsoft ist über das Problem bereits informiert und soll an einer
Lösung arbeiten.
(Quelle: gp)
Wissenschaft
Affen steuern Armprothese mit ihren Gedanken
Fr.30.05.08 - Allein mit der Kraft der Gedanken können Affen eine hoch
entwickelte Armprothese bewegen und sich selbst füttern.
Möglich wurde dies durch den Einbau von Elektroden in den für
Bewegung zuständigen Hirnbereich.
Das berichten US-Wissenschaftler im britischen Journal
«Nature» vom Donnerstag. Gelähmten oder Menschen mit
amputierten Gliedmaßen könnten solche Prothesen helfen, ein
unabhängigeres Leben zu führen.
Die Anwendungsmöglichkeiten von
«Brain-Machine-Interfaces», zu deutsch
«Hirn-Maschinen-Schnittstellen» werden seit einigen Jahren
von Forschern rund um die Welt getestet. Erst im vergangenen November
hatten Experten aus Wien eine Armprothese präsentiert, die sich vom
Patienten mit den Gedanken steuern lässt wie ein natürlicher
Arm. Die nun vorgestellte «Neuroprothese» ermögliche
allerdings eine bisher unerreichte Natürlichkeit in der
Beweglichkeit und ein unkompliziertes Zusammenspiel mit der Umwelt,
schreiben die Forscher um Andrew Schwartz von der University of
Pittsburgh (US-Staat Pennsylvania).
Die neue Armprothese besitzt ein Schulter- und Ellenbogengelenk und
einen Greifer als Hand. Die Elektroden, über die die Bewegungen
gesteuert werden, implantierten die Forscher direkt in den sogenannten
Motorcortex des Gehirns. Dort werden allein beim Gedanken an bestimmte
Bewegungen Nervensignale erzeugt auch wenn die Bewegung selbst
aufgrund einer Verletzung oder Erkrankung der Nerven oder Muskeln nicht
mehr möglich ist. Die Elektroden nehmen die Signale auf und leiten
sie an einen Computer weiter, der sie schließlich in die
entsprechende Bewegung der Prothese umsetzt.
Die Wissenschaftler testeten die Versuche nun an Affen, deren eigenen
Arme am Körper fixiert wurden. Die Prothese wurde den Tieren an
einer Schulter angebracht. Nach einer Lernphase von einige Tagen, gelang
es den Affen nun, ihren Roboterarm zielgerichtet auszustrecken, nach
einer Frucht zu greifen, diese zum Mund zu führen und aufzuessen
und zwar in geschmeidigen und fast natürlichen
Bewegungsabläufen.
Die Tiere konnten die Bewegungsrichtung der Prothese schnell
ändern etwa wenn ein Forscher spontan die Frucht an eine
andere Stelle legte. Auch Hindernisse umschifften sie elegant und selbst
Essensreste im Mundwinkel schoben sich die Tiere mit dem Roboterarm
vorsichtig in den Mund. Kurzum: die Affen nahmen die Prothese als Ersatz
ihrer eigenen, fixierten Arme wahr.
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse sei die Prothese an sich nichts
grundsätzlich Neues, schreibt John Kalaska von der
Université de Montréal (Kanada) in einem Kommentar. Zudem
müssten noch Hindernisse überwunden werden, bevor solche
Prothesen breit angewendet werden. So müsse die
Funktionsfähigkeit der Elektroden auch für längere
Zeiträume sichergestellt und die dazugehörenden Computer auf
tragbare Größe gebracht werden. Wichtig sei zudem, in die
Prothesen Sensoren zu integrieren, die dem Benutzer eine
Rückmeldung über die Bewegungen liefern, etwa damit ein
Gegenstand beim Aufheben weder zerquetscht wird, noch wegen zu geringer
Kraftausübung aus dem Greifer rutscht.
(Quelle: dpa)