+++ So.01.06.08, 06:30
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Irak 1531 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Mindestens neun Tote bei Selbstmordanschlag
So.01.06.08 - Mindestens neun Menschen sind am Samstag bei einem Selbstmordanschlag
im Westen des Iraks ums Leben gekommen. Der Attentäter
zündete seinen Sprengsatz unmittelbar vor einem Kontrollpunkt der
Polizei in der Stadt Hit, berichtet die BBC. Zuvor schon waren am
Nachmittag in Baakuba bei der Explosion eines Sprengsatzes an einer
Bushaltestelle drei Menschen getötet worden. Sieben Menschen
wurden verletzt, meldete die Agentur Aswat al-Irak.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 01.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendsiebenundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Zwei NATO-Soldaten bei Anschlag in Afghanistan getötet
So.01.06.08 - Bei einem Selbstmordanschlag im Osten Afghanistans sind zwei
NATO-Soldaten getötet und vier weitere verletzt worden. Wie die
NATO-Schutztruppe (ISAF) weiter mitteilte, ereignete sich das Attentat
in Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar an der Grenze zu
Afghanistan. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban. Bei den
jüngsten Kämpfen in Afghanistan sind nach Angaben der
Regierung mehr als hundert Taliban getötet worden.
Ein AFP-Reporter berichtete vom Tatort in Dschalalabad, durch die
Explosion eines mit Sprengstoff präparierten Autos sei das
gepanzerte Patrouillenfahrzeug der NATO-Soldaten vom Typ Humvee schwer
beschädigt worden. Zur Nationalität der Soldaten machte die
ISAF zunächst keine Angaben. Bei den meisten in der Provinz
Nangarhar eingesetzten ISAF-Soldaten handelt es sich jedoch um
Militärs aus den USA. Nach Angaben des Innenministeriums in Kabul
wurden bei dem Anschlag außerdem fünf afghanische Zivilisten
verletzt.
Wie die Regierung in Kabul mitteilte, ging es bei den Kämpfen um
die Rückeroberung des Bezirks Bakwa im Südwesten, den die
fundamentalistischen Einheiten vor Monaten in ihre Gewalt gebracht
hatten. Unter den Getöteten seien auch fünf "wichtige
Kommandeure" der radikalislamischen Taliban, sagte
Innenministeriumssprecher Semarai Baschary in Kabul. An den
Kämpfen waren den Angaben zufolge neben afghanischen auch
internationale Einheiten beteiligt.
Der Bezirk Bakwa in der Provinz Farah sei am Freitag nach acht Monaten
von den Taliban zurückerobert worden, teilte Baschary mit.
"Innerhalb von zwei Tagen wurden mehr als hundert Feinde des Friedens
und der Stabilität getötet", fügte Baschary hinzu. Dies
ist die offizielle Sprachregelung zur Bezeichnung der Taliban, die Ende
2001 von einer internationalen Koalition unter Führung der USA in
Afghanistan von der Macht verdrängt worden waren. Am Donnerstag
hatte ein Kommandeur der afghanischen Armee bereits mitgeteilt, dass
bei einem NATO-Luftangriff in der an der Grenze zum Iran gelegenen
Provinz Farah 30 mutmaßliche Taliban-Kämpfer getötet
worden seien.
(Quelle: afp)
Deutscher von US-Armee in Afghanistan freigelassen
So.01.06.08 - Ein Deutscher afghanischer Herkunft, der fast fünf Monate lang auf
einem US-Stützpunkt in Afghanistan gefangengehalten wurde, ist
frei. Die Bundesregierung habe eine Einigung mit der US-Regierung
über seine Freilassung erzielt, sagte ein Sprecher des
Auswärtigen Amtes in Berlin. Der Mann befinde sich inzwischen auf
der Rückreise nach Deutschland. Laut "Spiegel Online" geht es dem
41-Jährigen gesundheitlich gut. Die deutschen Behörden waren
schon frühzeitig zu dem Schluss gekommen, dass er kein Terrorist
ist, sondern nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war.
Der in Wuppertal lebende Gholam Ghaus Z. war laut "Spiegel" zu einem
Verwandtenbesuch nach Kabul gereist. Er wurde auf dem Gelände des
US-Stützpunktes "Camp Phoenix" festgenommen, als er in einem
Supermarkt der US-Armee einen Rasierapparat kaufen wollte. Die US-Armee
verdächtigte ihn, er habe Sicherheitseinrichtungen auf der Basis
für einen möglichen Anschlag ausspioniert. Sie brachte ihn
deshalb ins Hochsicherheitsgefängnis in Bagram, wo er auch von
Beamten des Bundesnachrichtendienstes (BND) befragt wurde.
Die Bundesregierung bemühte sich laut dem Sprecher des
Auswärtigen Amtes intensiv um seine Freilassung. Am Samstag nahm
ihn dann laut "Spiegel Online" der deutsche Botschafter in Afghanistan,
Hans-Ulrich Seidt, in Empfang. Gholam Ghaus Z. habe schon Ende April
eine Absichtserklärung unterzeichnet, dass er bei seiner
Freilassung nach Deutschland zurückkehren werde.
Der 41-Jährige werde nun von einem deutschen Psychologen betreut,
berichtete der Online-Dienst weiter. Vermutlich solle er in Deutschland
erst einmal in einer Klinik untersucht werden, bevor ihn seine Familie
sehen kann. Einen Wuppertaler Familienangehörigen zitierte
"Spiegel Online" mit den Worten: "Wir sind überglücklich,
dass Gholam Gaus endlich frei ist."
(Quelle: afp)
30 Tote bei Gefechten in Sri Lanka
So.01.06.08 - Heftige Gefechte zwischen srilankischen Truppen und tamilischen
Rebellen haben mindestens 30 Menschen das Leben gekostet. Die
Streitkräfte erklärten am Samstag in Colombo, 26
Aufständische und vier Soldaten seien am Freitag getötet
worden. Schauplatz der Kämpfe seien die Regionen Mannar, Jaffna,
Vavuniya und Welioya gewesen. Außerdem hätten die Rebellen
drei Zivilpersonen und einen Dorfaufseher erschossen. Die Rebellen der
LTTE kämpfen seit 1983 für die Unabhängigkeit der
Tamilen auf Sri Lanka. Mehr als 70.000 Menschen wurden dabei
getötet.
(Quelle: ap)
Birma: Berichte über Vertreibungen aus Flüchtlingslagern
mehren sich - Hilfe für Wirbelsturmopfer wird laut
Hilfsorganisationen schwieriger
So.01.06.08 - In Birma mehren sich die Berichte über die Vertreibung von
Menschen aus den Flüchtlingslagern und anderen Notunterkünften
für die Wirbelsturmopfern. Die Militärregierung zwinge die
Menschen, zurück zu ihren zerstörten Häusern im
Irrawaddy-Delta zu gehen, berichtete am Samstag die in den USA
ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Die
Menschen würden auch aus Klöstern, Schulen und
öffentlichen Gebäuden vertrieben.
Augenzeugen berichteten aus Rangun, dass Flüchtlinge auch aus
einer christlichen Kirche vertrieben worden seien. Das Kinderhilfswerk
UNICEF hatte am Freitag erklärt, Menschen würden oft ohne
jegliche Unterstützung in der Nähe ihrer verwüsteten
Dörfer abgesetzt.
Ziel der Militärregierung sei es offenbar, dass die Menschen mit
der Aussaat und der Bestellung der Felder begönnen, erklärte
die Hilfsorganisation Refugees International. Das Irrawaddy-Delta ist
die Reiskammer Birmas. «Der landwirtschaftliche Wiederaufbau ist
in der Tat lebenswichtig», erklärte die Organisation.
«Wenn die Menschen ohne Hilfe zurückgezwungen werden, dann
wird es für die Hilfsorganisationen aber auch schwieriger, sie zu
erreichen.»
US-Verteidigungsminister Robert Gates kritisierte am Samstag, die
Behinderung der Hilfe habe «zehntausenden Menschen das Leben
gekostet». US-Kriegsschiffe mit Tonnen an Hilfsgütern an Bord
durften wie auch Schiffe aus Frankreich und Großbritannien in
Birma keine Häfen anlaufen. Die USA würden sich aber weiter
bemühen, Hilfe in das Land zu bekommen, sagte Gates.
(Quelle: ap)
Ausländerhatz in Südafrika geht weiter
So.01.06.08 - In Südafrika gehen die fremdenfeindlichen Übergriffe auf
afrikanische Zuwanderer weiter. Mindestens fünf Menschen seien
dabei in dieser Woche ums Leben gekommen, berichtete die Zeitung
«Saturday Star» am Samstag.
Unter Berufung auf einen noch unveröffentlichten Polizeibericht
schreibt das Blatt, die Information widerspreche gegenteiligen
Informationen der Regierung. Die Bilanz liste für den gleichen
Zeitraum 41 Verletzte bei 86 fremdenfeindlichen Übergriffen auf.
107 Gebäude seien entweder geplündert worden oder abgebrannt.
Seit dem Ausbruch der fremdenfeindlichen Gewalt vor drei Wochen sind
ohne die nun bekanntgewordenen Todesfälle offiziell 56 Menschen ums
Leben gekommen. Hunderte wurden vergewaltigt oder verletzt,
Zehntausende flohen in Todesangst in Nachbarländer oder
Notunterkünfte, die nach Einschätzung des UN-Hochkommissariats
für Flüchtlinge (UNHCR) keine menschenwürdigen Standards
haben.
Während die Gewalt in der Region Kapstadt weitergehe, berichteten
Vertriebene im Großraum Johannesburg sowie der Provinz
KwaZulu-Natal von anhaltenden Todesdrohungen und Einschüchterungen.
Die vor allem aus Johannesburg und Pretoria bestehende Provinz Gauteng
hat die von den Gewaltexzessen betroffenen Gebiete zum
Katastrophengebiet erklärt. Nach langem Zögern bat die
Regierung das UNHCR um Hilfe, das 2000 Zelte für 10 000 Menschen
spendete. Das Hochkommissariat sprach von 100 000 Vertriebenen im
Lande, die Regierung schätzte die Zahl auf 35 000.
(Quelle: dpa)
EZB sieht in Euro-Einführung 'Erfolgsgeschichte'
So.01.06.08 - Die Europäische Zentralbank hat anlässlich ihres kommende
Woche gefeierten zehnjährigen Bestehens eine positive Bilanz der
Euro-Einführung gezogen. EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude
Tumpel-Gugerell sprach am Freitag in Frankfurt am Main von einer
«Erfolgsgeschichte». Der Euro habe Stabilität gebracht,
zum Zusammenwachsen Europas beigetragen und Europa mehr Sichtbarkeit in
der Welt verschafft, sagte Tumpel-Gugerell der Nachrichtenagentur ddp.
Tumpel-Gugerell hob hervor, dass die Inflationsraten heute deutlich
niedriger ausfielen als vor der Euro-Einführung. Auch seien die
Zinsen gesunken, wodurch Unternehmen mehr investieren könnten, der
Hauskauf leichter werde und die öffentlichen Haushalte entlastet
worden seien. Positiv sei auch, dass die Wechselkursunsicherheit
zwischen den Staaten beseitigt worden sei. «Alles in allem ist die
europäische Wirtschaft stärker und krisenfester geworden
durch den Euro», sagte Tumpel-Gugerell.
Eine große Herausforderung sei es derzeit angesichts der
jüngsten Preissteigerungen bei Erdöl und Lebensmitteln, eine
Weiterwälzung dieses Kostenschubs zu vermeiden. Als Aufgaben
für die Zukunft nannte sie unter anderem, die Integration der
Finanzmärkte weiter zu vertiefen. So müssten die
Aufsichtspraktiken stärker harmonisiert werden. Am Sitz Frankfurt
am Main hat sich die EZB laut Tumpel-Gugerell «sehr gut
etabliert».
(Quelle: ddp)
SPD-Vorsitzender Beck bietet Grünen und FDP Zusammenarbeit an -
Absage an Linkspartei bekräftigt - Fortsetzung der Großen
Koalition nach 2009 nur im Notfall
So.01.06.08 - SPD-Chef Kurt Beck hat eine Koalition mit der Linkspartei auf
Bundesebene erneut ausgeschlossen und gleichzeitig Grünen und FDP
die Zusammenarbeit angeboten. In seiner Eröffnungsrede auf dem
Zukunftskonvent der SPD in Nürnberg rief er dazu auf, altes
Lagerdenken aufzubrechen und über «neue Schnittmengen»
nachzudenken. Unter Hinweis auf Erfolge der sozialliberalen Koalition
zwischen 1969 und 1982 rief er der FDP zu: «Wir schlagen keine
Türen zu, sondern wir machen auch diese Türen
ausdrücklich auf.»
Beck erinnerte auch an die Zusammenarbeit mit den Grünen unter
Bundeskanzler Gerhard Schröder. «Wir haben überhaupt
keinen Grund, nicht wieder an die rot-grüne Verantwortungszeit
anzuknüpfen. Das war eine gute Zeit für Deutschland, und wir
sind stolz darauf.»
Der SPD-Chef bekräftigte, dass es eine klare Beschlusslage zur
Abgrenzung von der Linkspartei gebe: «Nach 2009 wird es keine
Regierungsbildung oder Duldung mit dieser Gruppierung geben
können», sagte er und erklärte sich erneut bereit, dies
durch einen neuen Parteitagsbeschluss untermauern zu lassen.
Beck betonte, dass er nach der Bundestagswahl keine Fortsetzung der
Großen Koalition anstrebe. «Wir werden alles tun, damit das
nicht wieder notwendig ist», sagte er. Nur wenn es keine andere
verantwortliche Möglichkeit gebe, «geht Deutschland vor der
Befindlichkeit der Parteien».
Insgesamt haben sich fast 3.000 Teilnehmer aus dem gesamten
Bundesgebiet zu der ganztägigen Konferenz angemeldet, die kein
offizielles Beschlussgremium der Partei ist.
Eingeladen wurden Landes- und Bezirksverbände der SPD sowie die
Vorsitzenden der Unterbezirke und Ortsvereine wie auch die Mitglieder
der Foren und Arbeitsgemeinschaften. Offiziell soll der Zukunftskonvent
eine Bilanz der Kampagne «Deutschland-Dialog - Nah bei den
Menschen» ziehen, die zur Vorbereitung des Wahl- und
Regierungsprogramms der SPD für die Bundestagswahl 2009 gestartet
worden war.
Auf dem Konvent soll auch die SPD-Kandidatin für das
Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, reden.
(Quelle: ap)
FDP-Parteitag: Absage an Ampelbündnis
So.01.06.08 - Die FDP hat Ampel-Bündnissen eine deutliche Absage erteilt und
eine tiefgreifende Wende in der Steuerpolitik gefordert. «Wir
sind nicht zuerst Koalitionspartner», sagte Parteichef Guido
Westerwelle in seiner Rede zum Auftakt des FDP-Bundesparteitags am
Samstag in München.
«Die FDP ist in keinem Lager mit einer anderen Partei, wir sind
unser eigenes Lager.» SPD-Chef Kurt Beck hatte zuvor auf dem
Zukunftskongress seiner Partei in Nürnberg FDP und Grünen
eine enge Zusammenarbeit angeboten. In seiner 90-Minuten-Rede vor den
mehr als 600 Delegierten verlangte Westerwelle mit Blick auf die
Steuer- und Abgabendebatte, das «Abkassieren der Mitte»
müsse gestoppt werden.
Nach kontroverser Debatte beschloss der Bundesparteitag, für
Energie entweder die Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent zu senken oder
die Ökosteuer entsprechend zu reduzieren. «Die Dinge des
täglichen Lebens müssen für die Mitte der Gesellschaft
wieder erschwinglich werden», hieß es zur Begründung.
Der Partei- und Fraktionsvorsitzende warnte auch vor einem
«schleichenden Verlust an Freiheitsrechten», gegen den es
zu wenig Widerstand in der Gesellschaft gebe. Mit Nachdruck setzte er
sich für die Wiederwahl von Bundespräsident Horst Köhler
ein. SPD, Grüne und Linke wollten Köhler abwählen und
anschließend eine Regierung bilden. «Ob die SPD etwas
anderes beschließt, es notariell beglaubigen lässt und
anschließend an jede Kirchentür nagelt: Es wird ihr die
Glaubwürdigkeit nicht zurückbringen.»
Heftig attackierte der FDP-Chef den Umgang der Bundesregierung mit der
Mittelschicht. «Bei dieser Regierung sind alle, die arbeiten, die
Deppen der Nation.» Deutschland habe den dritthöchsten
Anteil an Steuern und Abgaben in der Welt. Von 100 Euro Einkommen
blieben nur etwas mehr als 47 Euro netto übrig. «Die
Gerechtigkeitslücke dieser Republik ist die riesige Lücke
zwischen Brutto und Netto», sagte er. Das Abkassieren der
Bürger geschehe durch die «Sozis - und zwar durch die
schwarzen und die roten».
Zum Abschluss ihres Kongresses unter dem Motto: «Mehr Freiheit.
Mehr Wohlstand» will die FDP an diesem Sonntag ein radikales
Steuerkonzept verabschieden. Es sieht je nach Modell Entlastungen
für die Bürger zwischen 28 und 40 Milliarden Euro vor.
Westerwelle betonte in seiner kämpferischen Rede, die FDP wolle
ein faires Steuersystem mit einem fairen Sozialsystem verbinden.
Erwachsene und Kinder sollen den gleichen Steuerfreibetrag bekommen,
der je nach Modell zwischen 8000 und 10 000 Euro liegen solle. Dazu
verlangt die FDP ein Bürgergeld, das alle staatlichen
Sozialleistungen bündelt.
Im außenpolitischen Teil seiner Rede meldete Westerwelle indirekt
den Anspruch der FDP auf das Amt des Außenministers bei einer
Regierungsbeteiligung an. Deutschland falle heute als Kraft für
die Abrüstung faktisch aus. Abrüstungsinitiativen würden
bei einer Regierungsbeteiligung der Liberalen wieder Markenzeichen der
deutschen Außenpolitik werden. Westerwelle kritisierte die
Pläne der USA, in Polen und Tschechien ein Raketenabwehrsystem zu
installieren. Diese Form von Aufrüstung bedeute eine Gefahr der
Spaltung Europas und setze eine neue Rüstungsspirale in Gang.
Der Parteitag verabschiedete einen Antrag für mehr
Forschungsfreiheit. Darin wird eine engere Verzahnung von
Universitäten und forschenden Unternehmen gefordert. Ferner setzen
sich die Freidemokraten für eine bessere Bezahlung von
Wissenschaftlern und eine stärkere Förderung talentierter
Studenten ein. Die Hochschulautonomie wollen sie im Grundgesetz
verankern.
Mit Attacken auf die CSU läutete die FDP zudem den bayerischen
Landtagswahlkampf ein. Die Menschen im Freistaat würden von der
CSU nicht mehr vertreten, sagte FDP-Spitzenkandidat Martin Zeil. Das
CSU- Führungsduo aus Ministerpräsident Günther Beckstein
und Parteichef Erwin Huber «holpert und stolpert wie a rostig's
Dreiradl mit zwei Rädern». Westerwelle sagte mit Blick auf
die jahrzehntelange CSU-Vorherrschaft in Bayern, die FDP kämpfe
dafür, dass hier «die Zeit des Absolutismus endlich zu Ende
geht».
(Quelle: dpa)
Linke wirft SPD 'Anbiederung' an FDP vor
So.01.06.08 - Die Linke reagiert mit scharfen Vorwürfen auf die
Koalitionssignale von SPD-Parteichef Kurt Beck an die FDP.
Linke-Vorstandsmitglied Ulrich Maurer hielt Beck nach dessen Auftritt
auf dem SPD-Zukunftskongress in Nürnberg vor, die SPD
«weiß nicht mehr, was sie will». Auf dem Parteitag
der Sozialdemokraten in Hamburg sei es noch darum gegangen, linke
Wählerschaften einzubinden, jetzt sei «die Anbiederung an
die FDP angesagt».
«Der Standort einer Bachforelle ist leichter zu bestimmen als der
des SPD-Vorsitzenden», befand Maurer.
Beck hatte zuvor in einer mit viel Applaus bedachten Rede die Arbeit
der früheren rot-grünen Koalition gelobt, aber daran
erinnert, dass Deutschland auch unter sozial-liberalen Regierungen eine
«gute Zeit» erlebt habe. «Wir schlagen keine
Türen zu, sondern wir machen auch diese Türen
ausdrücklich auf», sagte Beck. Das «Lagerdenken»
in Deutschland müsse durchbrochen werden.
(Quelle: ddp)
Die meisten Arbeitsmarktprogramme sind erfolglos
So.01.06.08 - Auf wenig Resonanz stoßen die Arbeitsmarktprogramme der
Großen Koalition. Das zeigen jüngste Daten der
Nürnberger Bundesagentur für Arbeit sowie des zuständigen
Sozialministeriums, über die der «Spiegel» in seiner
jüngsten Ausgabe laut einer Vorabmeldung vom Samstag berichtet.
Das gelte etwa für die «Job-Perspektive» und den
«Kommunal-Kombi». Dagegen habe die Zahl der Riester-Renten
nach jüngsten Erhebungen des Ministeriums eine neue Rekordmarke
erreicht.
Mit der Job-Perspektive wollte die Bundesregierung 100.000
geförderte Jobs für Hartz-IV-Empfänger bis 2009 schaffen.
Bis zum April dieses Jahres hatte dieses Programm erst 2.038 Teilnehmer
gefunden. Mit dem Qualifizierungszuschuss für Jugendliche unter 25
Jahren wurden bis zum selben Zeitpunkt sogar nur 135 Stellen geschaffen.
Kaum besser fällt die Bilanz beim sogenannten Kommunal-Kombi aus.
Das Programm sieht Finanzhilfen für Städte und Landkreise vor,
die gemeinnützige Jobs für schwervermittelbare Arbeitslose
schaffen. Bis Mitte April seien beim Bundesverwaltungsamt 768
Anträge für 1.404 Stellen eingegangen, hieß es in einer
Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion. Als
Grund wurden auch zögerliche Entscheidungen in den Ländern
über die erforderliche Kofinanzierung genannt.
Eine neue Rekordmarke hat dagegen die Zahl der Riester-Renten mit gut
elf Millionen erreicht. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres
haben rund 570.000 Bundesbürger eine Riester-Rente neu
abgeschlossen. Vor zwei Jahren lag die Zahl der staatlich
geförderten Vorsorgepolicen erst bei 6,2 Millionen. Entsprechend
haben auch die staatlichen Zulagen ein neues Rekordniveau erreicht. So
haben nach der Statistik des Ministeriums die zuständigen
Behörden in diesem Jahr bislang knapp 870 Millionen Euro ausgezahlt.
(Quelle: ap)
Naturschutzkonferenz endet mit 'Bonner Mandat' -
Umweltschutzorganisationen überwiegend enttäuscht
So.01.06.08 - Mit der Formulierung des «Bonner Mandats» ist am Freitag
die neunte UN-Naturschutzkonferenz in Bonn zu Ende gegangen.
Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht in den gefassten
Beschlüssen ein weltweites Aufbruchsignal für den Artenschutz.
Umweltschutzorganisationen äußerten sich hingegen
überwiegend enttäuscht. Bundespräsident Horst
Köhler forderte die Weltgemeinschaft zu deutlich mehr Anstrengungen
für den Erhalt bedrohter Arten auf: «Wir müssen alle
begreifen, dass die wunderbare Vielfalt der Natur ein gemeinsames Erbe
ist, das wir auch nur gemeinsam bewahren können.»
Seit dem 19. Mai hatten mehr als 5000 Experten aus 191 Staaten
diskutiert, wie es um die Umsetzung der 1993 in Kraft getretenen
UNO-Konvention zur Artenvielfalt bestellt ist. Nach Überzeugung von
Gabriel ist auf der Konferenz der weltweite Aufbruch zum konkreten
Schutz der biologischen Vielfalt gelungen. «In Bonn hat sich die
Weltgemeinschaft auf den Weg gemacht, den anhaltenden Raubbau an der
Natur zu stoppen», betonte der Minister am Freitagmittag zum
Abschluss des Ministersegments der Tagung. Die Vertragsstaatenkonferenz
sollte am Abend mit einer Plenarsitzung zu Ende gehen.
Als «Durchbruch» bezeichnete Gabriel die Einigung gegen
Biopiraterie und zur Schaffung eines Reglements über den Zugang zu
genetischen Ressourcen und die gerechte Aufteilung des Nutzens (ABS).
Das «Bonner Mandat» sieht dafür einen straffen Fahrplan
für die nächsten zwei Jahre vor, um auf der zehnten
Vertragsstaatenkonferenz in Japan ein «Internationales
ABS-Regime» beschließen zu können. Biopiraterie muss
nach 2010 international rechtssicher ausgeschlossen sein, forderte
Gabriel.
Im Rahmen der Konferenz hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein
verstärktes Engagement Deutschlands für den Schutz bedrohter
Lebensräume angekündigt. So werde die Bundesrepublik von 2009
bis 2012 zusätzlich 500 Millionen Euro für den internationalen
Wald- und Artenschutz zur Verfügung stellen. Ab 2013 werde
jährlich eine halbe Milliarde Euro für diesen Zweck
aufgebracht.
Die Naturschutzorganisation WWF in Deutschland nannte die Ergebnisse
der Konferenz ungenügend. Im Moment bewege sich die
Staatengemeinschaft im «Schneckentempo, und so gelingt es uns
nicht, das Artensterben aufzuhalten», sagte ein Sprecher.
Auch die Umweltorganisation NABU ist von den Verhandlungsergebnissen
enttäuscht. «Bereits vor vier Jahren hatte die
Staatengemeinschaft beschlossen, mehr Schutzgebiete einzurichten und
dafür ausreichend Finanzmittel zur Verfügung zu stellen.
Außer Deutschland und Norwegen hat sich hierbei bis heute kein
einziger der reichen Industriestaaten beteiligt», kritisierte
NABU-Präsident Olaf Tschimpke. In Bonn habe es weder konkrete
Beschlüsse zum Stopp der illegalen Abholzung der Regenwälder
noch zum umwelt- und sozialverträglichen Anbau von Agrotreibstoffen
gegeben.
Der Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Achim Steiner,
hält die gewachsene internationale Aufmerksamkeit für den
Artenschutz für das wichtigste Ergebnis der Konferenz: «Wir
haben in den letzten zehn Jahren wenig Fortschritte gemacht, da der
Klimawandel uns sehr viel Zeit und Kraft gekostet hat. Wir können
es uns gar nicht leisten, die Natur auf einem anderen Wege zu
ersetzen».
(Quelle: ddp)
Ex-Muslime veranstalten Kritische Islamkonferenz
So.01.06.08 - Die Gesellschaft muss sich nach Meinung der Islamkritikerin Mina Ahadi
stärker einmischen, wenn Menschenrechte verletzt werden. «Wir
dürfen nicht zulassen, dass die Rechte von Frauen im Namen von
Religion oder Politik missachtet werden».
Das sagte Ahadi (51) der Deutschen Presse-Agentur dpa am Samstag in
Köln. Ahadi ist Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, der an
diesem Wochenende in Köln eine zweitägige Kritische
Islamkonferenz veranstaltet. Die Tagung unter dem Titel
«Aufklären statt verschleiern» soll ein Gegengewicht
zur Islamkonferenz der Bundesregierung bilden.
«Religion ist Privatsache», sagte die Menschenrechtlerin
Ahadi. «Ich bin dagegen, wenn sie zur politischen Angelegenheit
gemacht wird.» Dabei sprach sie sich insbesondere gegen das
Kopftuch und gegen Großmoscheen aus. «Wir haben genug
Moscheen, auch große, in Deutschland. Dass viele Muslime oder
muslimische Verbände höhere Bauten und Minarette fordern, ist
ein politisches Statement, eine Machtprobe.» Dies seien
Forderungen islamischer Bewegungen, die in Deutschland politisch aktiver
werden wollen.
«Viele Muslime und Ex-Muslime wollen nicht von diesen
Verbänden vertreten werden», betonte Ahadi, die 1996 aus dem
Iran nach Deutschland kam. «Ich bin Atheistin und
Religionskritikerin. Aber ich bin für die Religionsfreiheit - aber
eben im Privaten.» Auch seitens der Deutschen wolle sie nicht
unter dem Etikett «Muslimin» angesehen werden. «Wir
sind Mitbürger. Aber wir werden immer noch als Ausländer
betrachtet.» Der Zentralrat der Ex-Muslime, dem inzwischen 500
Menschen angehören, hatte sich im Februar 2007 gegründet.
(Quelle: dpa)