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Irak 1532 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Australische Soldaten verlassen den Irak. Frankreichs Außerminister Kouchner zu Besuch in südostirakischer Stadt Nasirija. Zwei Tote bei Bombenexplosion in Bagdad

Mo.02.06.08 - Australien hat rund 500 Soldaten aus dem Irak abgezogen. Die Truppe habe am Sonntag ihren Stützpunkt im Süden des Landes verlassen, teilte ein Sprecher des britischen Militärs mit.

Damit erfüllt der seit November amtierende australische Ministerpräsident Kevin Rudd sein Wahlversprechen, die Soldaten bis zum Jahresende nach Hause zu holen. Umfragen zufolge sind 80 Prozent der Australier gegen den Krieg im Irak.

Seit der Übergabe der Provinz Dhi Kar an die irakischen Behörden waren die australischen Soldaten zuletzt als Ausbilder der Sicherheitskräfte des Irak tätig. Britischen Angaben zufolge sollen zivile australische Ausbilder im Land bleiben. Australien war eines der ersten Länder, die den USA militärische Unterstützung zu Beginn des Irak-Kriegs zusagten. Irakischen Angaben zufolge sollen US-Soldaten ihre australischen Kollegen ersetzen.

In Bagdad explodierte am Sonntag eine Autobombe in der Nähe der iranischen Botschaft. Mindestens zwei Zivilpersonen wurden getötet, fünf weitere Menschen erlitten Verletzungen, wie die Polizei erklärte. Unter den Verletzten seien drei Sicherheitsbeamte der Botschaft. Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Kontrollstelle der Polizei wurden am Samstag mindestens zehn Menschen getötet. Zwölf weitere wurden teils schwer verletzt, wie die Behörden in der Stadt Hit rund 140 Kilometer westlich von Bagdad mitteilten. Sechs der Toten waren Polizisten.

Der französische Außerminister Bernard Kouchner traf am Samstag zu einem nicht angekündigten Besuch in der südostirakischen Stadt Nasirija ein. Er wurde nach der Landung auf der US-Basis der Stadt vom schiitischen Vizepräsidenten Adel Abdul Mahdi und Provinzgouverneur Asis Kadhim Alwan begrüßt. Kouchner kam aus Amman, wo er tags zuvor ein Abkommen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie in Jordanien unterzeichnet hatte. Kouchner bezeichnete seinen Besuch als «Zeichen des Friedens und der Kooperation». Er sei gekommen, um über den französischen Beitrag zum Wiederaufbau des Iraks zu sprechen.

boa (Quellen: rtr, ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 02.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendachtundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Sa.02.06.07 - Allein im Mai 2000 Zivilisten im Irak getötet. Zahl der im Irak seit Kriegsbeginn getöteten US-Soldaten auf knapp 3500 gestiegen +++ US-Präsident Bush schickt Top-Beraterin zur Unterstützung nach Bagdad +++ US-Verteidigungsminister Gates will langfristige amerikanische Truppen-Präsenz im Irak... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0706020.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Mehr als 100 Taliban bei Kämpfen in West-Afghanistan getötet

Mo.02.06.08 - Im Westen Afghanistans haben einheimische und ausländische Truppen nach offiziellen Angaben mehr als 100 Taliban-Kämpfer getötet.

Der Einsatz nahe der Grenze zu Iran in der Provinz Farah habe drei Tage gedauert, teilte das afghanische Innenministerium am Sonntag mit. Unter den afghanischen und US-geführten Soldaten habe es keine Opfer gegeben. Über zivile Opfer lägen keine Informationen vor. Die Taliban konnten für eine Stellungnahme zunächst nicht erreicht werden.

In der Hauptstadt Kabul kam nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Sonntag bei einem Bombenanschlag auf einen Armee-Bus eine Zivilistin ums Leben. Fünf weitere Menschen seien verletzt worden, darunter drei Soldaten. Die Hochburgen der Taliban liegen im Süden und Osten des Landes. Der Westen Afghanistans gilt - wie auch der Norden, in dem die Bundeswehr stationiert ist - als vergleichsweise ruhig.

(Quelle: rtr)
 


 

Hisbollah übergibt Überreste israelischer Soldaten

Mo.02.06.08 - Die Hisbollah-Miliz im Libanon hat Israel am Sonntag die sterblichen Überreste israelischer Soldaten übergeben. Das erklärte Hisbollah-Sprecher Wafik Safa in der Grenzstadt Nakura nur wenige Minuten, nachdem Israel einen verurteilten Spion freigelassen hatte. Der Verurteilte mit libanesischer und israelischer Staatsbürgerschaft, Nasim Nisr, wurde dem Roten Kreuz übergeben. Er verbüßte eine sechsjährige Haftstrafe, weil er für die Hisbollah spioniert haben soll. Die israelischen Soldaten wurden während des Krieges gegen die Hisbollah 2006 getötet. Das Rote Kreuz bestätigte den Erhalt einer Kiste mit sterblichen Überresten von der Hisbollah. Sie werde sie an die israelischen Behörden weiterleiten.

(Quelle: ap)
 


 

Behörden errichten Lager für Flüchtlinge in Südafrika

Mo.02.06.08 - Rund drei Wochen nach Beginn der fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Südafrika haben die Behörden in Johannesburg mit der Errichtung von Flüchtlingslagern begonnen. In Zusammenarbeit mit dem UN-Flüchtlingswerk (UNHCR) wurden am Wochenende Zeltstädte für die vor der Gewalt geflohenen Ausländer - meist Simbabwer und Mosambikaner - errichtet. Insgesamt sollen derzeit im ganzen Land noch etwa 40.000 Ausländer vertrieben sein. Sie leben zumeist in Polizeirevieren, Kirchen oder Gemeindezentren.

Die Opferzahl stieg unterdessen weiter an: Nach Angaben vom Samstag kamen mindesten 62 Menschen ums Leben. Rund 670 weitere seien verletzt worden, teilte die Polizei mit. Bislang war von 56 Todesopfern die Rede. Den Behörden zufolge erlagen jedoch weitere Menschen im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Die fremdenfeindlichen Übergriffe auf Ausländer begannen in den Armenvierteln von Johannesburg und breiteten sich dann schnell auf andere Landesteile aus. Sie richteten sich vor allem gegen illegal Eingewanderte, denen vorgeworfen wurde, Südafrikanern die Arbeitsplätze wegzunehmen. Zwei Jahre vor der Fußball-Weltmeisterschaft hat die beispiellose Gewaltwelle den Ruf des Landes als Bastion wirtschaftlicher und politischer Stabilität in Afrika nachhaltig beschädigt.

In und um Kapstadt reagierten die Behörden rasch und errichteten für die Ausländer «sichere Orte», die von Menschenrechtsorganisationen jedoch als Internierungslager kritisiert wurden. Die Zusammenarbeit mit dem UNHCR in Johannesburg, der Wirtschaftsmetropole des Landes, ließ darauf schließen, dass die Regierung nicht mit einer schnellen Lösung des Problems rechnete. Südafrika als wirtschaftlich erfolgreichstes Land der Region zieht Flüchtlinge aus vielen Staaten an. Allein drei Millionen Menschen aus dem zerrütteten Simbabwe sollen in Südafrika Zuflucht gesucht haben.

(Quelle: ap)
 


 

Laut UNO erst 40 Prozent der Wirbelsturmopfer in Birma versorgt

Mo.02.06.08 - Einen Monat nach der Wirbelsturmkatastrophe in Birma hat der Großteil der Betroffenen nach Angaben der Vereinten Nationen noch keine Hilfe erhalten. Nur 41 Prozent der Opfer hätten bisher in irgendeiner Form Unterstützung bekommen, sagte der UN-Sprecher in Birma, Aye Win, in Rangun. US-Verteidigungsminister Robert Gates warf Birmas Militärjunta angesichts der zögerlichen Zulassung ausländischer Helfer "kriminelle Unterlassung" vor. Gates kündigte zudem den Abzug von vier Marineschiffen von der Küste Birmas an, weil die Regierung die Entladung der Hilfsgüter blockiere.

Rund eine Millionen Menschen in den betroffenen Gebieten seien bislang von den Helfern erreicht worden, sagte Win. Auch nach Angaben der Hilfsorganisation Mediziner ohne Grenzen sind viele der 2,4 Millionen Betroffenen noch auf Hilfe angewiesen. Bislang seien viele abgelegene Dörfer noch nicht von Helfern erreicht worden, da sie nur Einheimischen bekannt seien und allein durch Boote erreicht werden könnten, sagte der Vorsitzender der Organisation in Japan, Satoru Ida.

Wenn die Regierung in Birma ihre Haltung nicht ändere, kämen noch mehr Menschen ums Leben, warnte US-Außenminister Gates nach seiner Abreise von der Konferenz über regionale Sicherheit in Singapur auf dem Weg nach Bangkok. Das Verhalten Birmas sei "kriminelle Unterlassung". Wenn die Junta weiter die Entladung der Hilfsgüter von vier US-Marineschiffen blockiere, würden die Schiffe von der Küste Birmas zurückgerufen, der Abzug sei eine Frage von Tagen, sagte Gates zuvor auf der Konferenz in Singapur. Die USA hätten die birmanische Regierung insgesamt 15 Mal gebeten, die Hilfslieferungen vornehmen zu dürfen, sagte Gates.

Nach dem Wirbelsturm "Nargis" am 2. und 3. Mai gelten in dem südostasiatischen Land rund 133.000 Menschen als tot oder vermisst. Zehntausende leben in Behelfsunterkünften. Birma hatte weltweit für Empörung gesorgt, da es wochenlang die Einreise internationale Helfer ablehnte.

Die Militärjunta wies Bedingungen für humanitäre Hilfe zurück. "Wir würden Hilfe und Unterstützung von jedem Land und jeder Organisation herzlich begrüßen, wenn sie mit echtem guten Willen geleistet werden, und wenn es keine Bedingungen oder Politisierung gibt", sagte Vizeaußenminister Aye Myint auf der Regionalkonferenz in Singapur.

(Quelle: afp)
 


 

US-Demokraten finden Kompromiss zu Florida und Michigan

Mo.02.06.08 - Die Demokratische Partei in den USA hat im erbitterten Kampf um die Nominierung eines Präsidentschaftskandidaten einen Kompromiss für die Vorwahlen in Michigan und Florida erzielt. Die ursprünglich ausgeschlossenen Bundesstaaten dürfen nun doch am Nominierungsparteitag im August teilnehmen, ihr Stimmrecht wurde jedoch halbiert. Hillary Clinton, die die volle Zulassung der Delegierten gefordert hatte, behielt sich einen Einspruch gegen die Entscheidung vor. Diese bringt ihr im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur zwar mehr Delegierte als ihrem Rivalen Barack Obama, kann aber dessen Vorsprung nicht wettmachen.

Ein interner Ausschuss der Partei hatte sich in einem Hotel in Washington getroffen, um über die umstrittenen Wahlergebnisse aus Florida und Michigan zu beraten. Da diese ihre Vorwahlen entgegen den Vorschriften schon im Januar organisiert hatten, wurden die Delegierten von der Parteiführung vom Nominierungsparteitag ausgeschlossen. Weder Clinton noch Obama machten dort Wahlkampf, in Michigan stand Obamas Name nicht einmal auf den Wahlzetteln. Clinton ging aus beiden Abstimmungen als Siegerin hervor. Als sich in den vergangenen Wochen ein immer deutlicherer Vorsprung Obamas im Rennen um die Kandidatur abzeichnete, forderte die New Yorker Senatorin, dass Florida und Michigan doch mitstimmen dürfen.

Die Zulassung Floridas beschloss der Ausschuss einstimmig, die Einladung Michigans wurde mit 19 zu acht Stimmen entschieden. Clinton-Berater Harold Ickes sagte nach der Entscheidung, die Senatorin behalte sich das Recht vor, einen weiteren Parteiausschuss in der Sache anzurufen, der im Juli die letzten Vorbereitungen für die Kandidatenkür trifft.

Obama trat unterdessen aus seiner langjährigen Kirchengemeinde in Chicago aus, nachdem diese wegen radikaler Predigten in die Kritik geraten war. Die Kirche Trinity United Church of Christ war in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach in die Kritik geraten. In der vergangenen Woche hatte ein Gastprediger dort rassistisch geprägte Bemerkungen über Obamas Rivalin Hillary Clinton gemacht.

Zuvor hatte bereits Obamas Pastor Jeremiah Wright den Wahlkampf des Senators von Illinois in Schwierigkeiten gebracht, weil er die USA in Predigten als rassistisches und ungerechtes Land bezeichnet hatte. Obama hatte sich kurz darauf von Wright losgesagt, der früher die Gemeinde Trinity United Church of Christ geleitet hatte.

(Quelle: afp)
 


 

Wahlsieg für Gruevski in Mazedonien - Regierungspartei erreicht fast 50 Prozent der Stimmen - Ausschreitungen und Unregelmäßigkeiten überschatten Wahl

Mo.02.06.08 - Die Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Nikola Gruevski hat die mazedonischen Parlamentswahl gewonnen. Nach Auszählung von mehr als 80 Prozent der Stimmen lag die konservative Partei VMRO-DPMNE mit über 48 Prozent uneinholbar vorn, wie die staatliche Wahlkommission mitteilte. Die Wahl wurde allerdings überschattet von schweren Ausschreitungen und Unregelmäßigkeiten.

Gruevski hatte am Sonntagabend bereits vor der Wahlkommission unter dem Jubel von hunderten seiner Anhänger im Zentrum der Hauptstadt Skopje erklärt, seine Partei habe genug Stimmen erhalten, um die Mehrheit im Parlament zu stellen. Später gratulierte ihm auch die unterlegene Radmilia Sekerinska von den oppositionellen Sozialdemokraten.

Die größte Partei der albanischen Minderheit, die Demokratische Union für die Integration (DUI), erklärte, sie werde die Ergebnisse der Wahl wegen der Zwischenfälle in sieben Gemeinden nicht anerkennen, darunter auch in der Stadt Tetovo.

Bei Schießereien am Wahltag wurden nach Regierungsangaben mindestens ein Mensch getötet und acht weitere verletzt. Die Polizei nahm 13 Verdächtige fest. Wie die Regierung nach Schließung der Wahllokale mitteilte, gab es in rund einem Prozent der Wahllokale Unregelmäßigkeiten. Dort muss neu gewählt werden. Die Wahllokale befinden sich zumeist in den von der albanischen Minderheit bewohnten Gegenden.

Die Wahl gilt als Test für den von der Regierung angestrebten Beitritt Mazedoniens zur NATO und zur EU. Die Annäherung wird zurzeit noch vom Namensstreit mit Griechenland blockiert. Der Leiter der EU-Vertretung in Mazedonien, Erwan Fouere, zeigte sich angesichts der Gewalt «tief besorgt». Die EU und die USA hatten an den Balkanstaat zuvor appelliert, «null Toleranz» gegenüber Gewalt und Unregelmäßigkeiten bei der Wahl zu zeigen.

Bei der vorgezogenen Parlamentswahl waren 1,7 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen. Angetreten waren 1.540 Kandidaten von 18 Parteien; das Parlament in Skopje hat 120 Sitze.

(Quelle: ap)
 


 

Schweizer lehnen umstrittenes Einbürgerungsverfahren klar ab

Mo.02.06.08 - Die Schweizer haben einen umstrittenen Vorschlag zur Verschärfung des Einbürgerungsverfahrens bei einer Volksabstimmung am Sonntag klar abgelehnt. 63,8 Prozent der Wähler sprachen sich gegen die Initiative der rechtspopulistischen Volkspartei (SVP) von Exjustizminister Christoph Blocher aus. Auch zwei weiteren Initiativen zum Gesundheitssystem und über einen «Maulkorb» für Regierungsvertreter, die ebenfalls von der SVP unterstützt wurden, erteilten die Schweizer eine Abfuhr.

Das von Blocher vorgeschlagene Verfahren für Einbürgerungen hätte künftig wieder die Gemeinden über die Gesuche bestimmen lassen. Einspruchmöglichkeiten bei einem Gericht hätte es dann nicht mehr geben sollen. Die Initiative war eine Reaktion auf Urteile des Schweizer Bundesgerichts aus dem Jahr 2003. Darin wurden die Gemeinden verpflichtet, für Einbürgerungen ein rechtsstaatliches Verfahren mit einer Widerspruchmöglichkeit einzuführen. Davor gab es kommunale Urnenabstimmungen über Einbürgerungsgesuche, die bei Immigranten vom Balkan fast immer scheiterten.

Die Kampagne der SVP wurde vielfach als ausländerfeindlich kritisiert. Die Gewerkschaften Unia und Travail.Suisse bezeichneten die deutliche Ablehnung der Einbürgerungsinitiative am Sonntag als klares Signal gegen einen Missbrauch des Themas Migration zur politischen Profilierung.

SVP-Präsident Toni Brunner bedauerte dagegen den Ausgang. Künftig werde es massiv mehr Einbürgerungen geben. Grüne und Sozialdemokraten kündigten an, einen Anlauf zur Vereinfachung der Einbürgerungsverfahren zu starten.

Keine Chance hatte vor dem Volk die Initiative «Volkssouveränität statt Behördenpropaganda», die die Informationstätigkeit des Bundes vor Abstimmungen einschränken wollte. 75,2 Prozent der Stimmberechtigten und alle Kantone lehnten sie ab. Eine Abfuhr erhielt auch der Verfassungsartikel «Für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Krankenversicherung»: 69,5 Prozent der Stimmberechtigten sowie alle Kantone lehnten den Artikel ab.

(Quelle: ap)
 


 

Deutschland

Umweltminister Gabriel erhebt in der Klimapolitik Vorwürfe gegen Kanzlerin

Mo.02.06.08 - In einem persönlichen Vermerk zur CO2-Steuer erhebt Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) schwere Vorwürfe gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Union. Gabriel schrieb laut «Welt am Sonntag» den Vermerk für SPD-Chef Kurt Beck.

«CDU/CSU machen es sich derzeit bequem und lehnen jeden Vorschlag ab, ohne eigene Vorschläge zu machen», zitiert die Zeitung aus dem Schreiben. Der Umweltminister sehe das Motiv dieser Strategie darin, dass die Union der SPD schaden wolle. «Die SPD soll sich die Kritik der Umweltverbände, des ADAC und der Automobilindustrie für ihr Versagen in der Kfz-Steuerregelung zuziehen», sagte Gabriel. Auf diese Weise wolle sich die Union «das Image der Schützer der Autofahrer aneignen».

An einer Stelle greife der Umweltminister Merkel direkt an: «Es kann nicht sein, dass sich die Kanzlerin als Klimaschützerin profiliert und CDU/CSU in der Realität alles blockieren», zitiert die Zeitung weiter. Damit meine er auch das Erneuerbare Energiengesetz, die Kraft-Wärme-Kopplung, den Ausbau der Stromnetze «und vieles mehr». «Ich plädiere deshalb für eine absolut harte Linie gegenüber CDU/CSU», erklärte Gabriel.

(Quelle: ddp)
 


 

Mehrheit der SPD-Wähler gegen rot-rot-grünes Bündnis im Bund

Mo.02.06.08 - Die Mehrheit der SPD-Anhänger sieht eine mögliche rot-rot-grüne Bundesregierung nach der Bundestagswahl 2009 mit Sorge. 53 Prozent erwarten, eine solche Links-Koalition sei «eher schlecht» für die Zukunft des Landes. Nur 37 Prozent fänden ein solches Links-Bündnis «eher gut». Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für «Bild am Sonntag». Auch bei allen Befragten sind die Gegner einer rot-rot-grünen Regierung mit 63 Prozent («eher schlecht») gegenüber 23 Prozent («eher gut») in der Mehrheit.

72 Prozent der Deutschen glauben SPD-Chef Kurt Beck nicht, wenn er sagt, er schließe eine Zusammenarbeit mit der Linken nach der Bundestagswahl 2009 aus. Nur 21 Prozent glauben Beck. Selbst von den SPD-Anhängern sagt eine Mehrheit (55 Prozent), sie vertraue Becks Aussagen nicht. Nur 43 Prozent glauben dem eigenen Vorsitzenden. Emnid befragte am 28. und 29. Mai 1001 Bundesbürger.

(Quelle: ddp)
 


 

Siegfried Lenz will nicht mehr für die SPD Wahlkampf machen

Mo.02.06.08 - Der Schriftsteller Siegfried Lenz will keinen Wahlkampf mehr für die SPD machen. «Der Zustand dieser Partei lässt mir wenig Möglichkeiten, mir vorzustellen, dass ich mich noch einmal vom Schreibtisch verabschiede, um für diese Partei zu plädieren», sagte der Schriftsteller laut einer am Sonntag verbreiteten Vorabmeldung in der ARD-Talksendung «Beckmann», die am Montagabend ausgestrahlt werden sollte.

Er sei fassungslos, wie mühelos Oskar Lafontaine derzeit die SPD und Kurt Beck vor sich her treibe, fügte Lenz an: «Das hätte ich mir nie vorstellen können! Das wäre nicht unter Helmut Schmidt geschehen, und nicht unter Willy Brandt. Unter Herrn Beck ist es geschehen, und das bezeichnet natürlich auch seinen Führungsstil.»

Der 82-jährige Lenz ist einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller der Nachkriegsliteratur. Sein berühmtestes Werk, «Deutschstunde» (1968) beschreibt «die Freuden der Pflicht» - so ein Schulaufsatz-Thema - im nationalsozialistischen Deutschland. Lenz, der sich in den 60er und 70er Jahren öffentlich für Brandt und Schmidt stark machte, vermisst heute bei den Sozialdemokraten «einen Menschen, der mir Hoffnung gewährt und Vertrauen gibt, das ich mir wünsche. Ich bringe es auf den Punkt Helmut Schmidt.»

(Quelle: ap)
 


 

FDP beschließt Steuerkonzept

Mo.02.06.08 - Gut ein Jahr vor der Bundestagswahl hat die FDP bei ihrem Parteitag in München ihren unabhängigen Kurs bekräftigt und ein eigenes Steuerkonzept verabschiedet. Die mehr als 600 Delegierten des Bundesparteitags in München stimmten zum Abschluss der zweitägigen Veranstaltung am Sonntag mehrheitlich für ein Konzept, mit dem die Bürger um gut 32 Milliarden Euro entlastet werden sollen. FDP-Chef Guido Westerwelle griff die Steuerpolitik der schwarz-roten Regierung scharf an und hob die Selbstständigkeit der FDP hervor.

Das unter Federführung des Finanzexperten Hermann Otto Solms erarbeitete Konzept sieht einen Drei-Stufen-Tarif von 10 Prozent, 25 Prozent und 35 Prozent bei einem Grundfreibetrag von 8000 Euro vor. Die Landesverbände Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hatten zuvor ihre eigenen Steuer-Anträge zurückgezogen. Der Vorschlag aus Nordrhein-Westfalen sah Steuersätze von 10, 20 und 30 Prozent und einen Grundfreibetrag von 10 000 Euro vor. Ein Kompromiss wurde bei der Bemessungsgrenze von Eingangs- und Spitzensteuersatz erreicht.

Westerwelle zeigte sich im Anschluss an die Debatte am Sonntag «hochzufrieden». Die FDP zeige mit dem Beschluss, dass sie «mutig und zugleich auch seriös» sei. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte, die FDP sei «klar in ihren Positionen» und gehe mit einem «einheitlichen Signal» in den Bundestagswahlkampf. Der nordrhein-westfälische Landeschef Andreas Pinkwart bedauerte dagegen, dass die Liberalen sich nicht für «ein noch mutigeres Konzept» mit niedrigeren Steuersätzen entschieden hätten.

In seiner Rede hatte Westerwelle am Samstag den unabhängigen Kurs seiner Partei hervorgehoben und die Steuerpolitik der Regierung scharf attackiert. Die FDP befinde sich nicht in einem «Lager mit einer anderen Partei«. »Wir sind nicht zuerst Koalitionspartner von irgendjemandem, sondern wir sind zuerst die einzige liberale Partei in Deutschland.« Gleichzeitig warf er der schwarz-roten Regierung Wortbruch in der Steuerpolitik vor. Die Koalition habe eine «rabiate Steuer- und Abgabenerhöhungspolitik« umgesetzt. Alle, die arbeiten, seien damit die »Deppen der Nation«. Der Mittelstand werde durch die »roten und die schwarzen Sozis« abkassiert.

Westerwelle erteilte in seiner 90-minütigen Rede außerdem Koalitionssignalen von SPD-Chef Kurt Beck eine Absage. »Wenn SPD, Linkspartei und Grüne bereit sind, das höchste Staatsamt gemeinsam zu besetzen, dann werden sie auch bereit sein, eine Regierung gemeinsam zu bilden«, wenn es der Wähler zuließe. Die SPD habe dadurch ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Desweiteren verabschiedete die FDP einen Leitantrag zur Verbesserung der Forschung in Deutschland, mit dem etwa die Autonomie der Hochschulen im Grundgesetz verankert werden soll.

Auch beschlossen die Delegierten einstimmig einen Dringlichkeitsantrag zur Stärkung des Schutzes personenbezogener Daten im nicht-öffentlichen Bereich. Ebenfalls beschlossen wurde eine Reduzierung der Energiekosten durch die Absenkung der Mehrwertsteuer für Energie von 19 auf 7 Prozent oder »alternativ einer entsprechenden Senkung der sogenannten Ökosteuer".

(Quelle: ddp)
 


 

Arbeitgeber wollen niedrige Sozialbeiträge erzwingen - Verfassungsklage gegen Regierung geplant - Steinbrück-Sprecher: Keine Aussicht auf Erfolg

Mo.02.06.08 - Die Arbeitgeber wollen mit einer Klage gegen die Bundesregierung eine Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erzwingen. «Der rechtswidrige Griff der Bundesregierung in die Taschen der Beitragszahler muss gestoppt werden», sagte Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt der «Bild am Sonntag». Das Finanzministerium gab dem Plan keine Erfolgsaussichten.

Mit dem Eingliederungsbeitrag leite Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) Jahr für Jahr Beiträge zur Arbeitslosenversicherung in Höhe von fünf Milliarden Euro in den Bundeshaushalt und bezahle damit Verwaltungskosten und Fördermaßnahmen für Arbeitslosengeld-II-Empfänger. «Dies ist nicht zulässig», zitierte das Blatt Hundt. Mit dem Geld müsse vielmehr der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung um weitere 0,6 Prozentpunkte gesenkt werden.

Hundt: «Unsere Anwälte bereiten gerade eine Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe vor. Die entsprechende Klage der deutschen Arbeitgeber gegen das Vorgehen der Regierung wird erhoben, wenn die Große Koalition nicht bis spätestens Ende August dieses Jahres einlenkt und die Beiträge entsprechend senkt.»

Steinbrücks Sprecher Torsten Albig widersprach der Auffassung Hundts. Auf Anfrage der AP sagte er am Sonntag, das Verfahren sei zulässig. «Die Klage hat keine Aussicht auf Erfolg», gab er sich sicher.

(Quelle: ap)
 


 

Bundesbürger sehen laut Umfrage düster in die Zukunft - Historiker: Erinnerung an die Weimarer Republik

Mo.02.06.08 - Die Bundesbürger haben kein Vertrauen in eine gute Zukunft. Nur neun Prozent der Befragten glauben laut einer Umfrage im Auftrag der «Stuttgarter Zeitung» (Montagausgabe), dass es ihren Kindern einmal besser gehen wird als ihnen. 62 Prozent fürchten, dass es ihren Kindern schlechter gehen wird. Obwohl die Wirtschaft wächst und die Arbeitslosigkeit zurück geht, bezweifeln die Bundesbürger, dass es bei ihnen persönlich aufwärtsgeht.

Die Ergebnisse der Befragung belegen die Verunsicherung der Mittelschicht, wie die Zeitung schreibt. Rund ein Viertel der Befragten erwartet keine Veränderung der Lebensunterschiede für ihre Kinder, drei Prozent machten keine Angabe.

Die von der CSU angestoßene Debatte um Steuersenkungen zur Entlastung der Mittelschicht findet bei den Befragten großen Anklang: 78 Prozent gaben an, die Politik müsse die Steuern senken, damit sich Leistung wieder lohne, nur 19 Prozent sprachen sich dagegen aus. Unentschieden bewertet wurde die Frage, ob die Sozialbeiträge gesenkt werden sollten: Mit jeweils 48 Prozent halten sich Zustimmung und Ablehnung die Waage.

Neun von zehn Befragten sprachen sich in diesem Zusammenhang dafür aus, das Bildungswesen zu verbessern. 59 Prozent meinten, der Sozialstaat müsse ausgebaut werden, damit sich Leistung wieder lohne, wie die Zeitung berichtete.

Der große Pessimismus, mit dem die Bundesbürger in die Zukunft blicken, steht in starkem Gegensatz zum Optimismus der Mittelschicht in den 50er und 60er Jahren. Der Heidelberger Historiker Edgar Wolfrum sagte der Zeitung, «die mentale Situation eines Teils der deutschen Mittelschicht heute ist am ehesten vergleichbar mit der Untergangsstimmung der Weimarer Republik».

Es gebe eine Zukunftsangst, die von Abstiegs- und Bedrohungsszenarien geprägt sei. «Das hängt mit der unzulänglichen, hilflosen Art und Weise zusammen, wie die Volksparteien auf die Sorgen der Bevölkerung und die populistische Linkspartei reagieren», sagte Wolfrum.

Infratest dimap hatte 1.000 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte befragt.

(Quelle: ap)
 
 
 
 

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