+++ Di.03.06.08, 06:30
Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak 1533 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Mindestens neun Tote bei Selbstmordanschlag in Mossul. Australischer
Ex-Premier soll wegen Irak-Einsatz vor Gericht
Di.03.06.08 - Ein Selbstmordattentäter hat am Montag in der nordirakischen Stadt
Mossul mindestens neun Menschen mit in den Tod gerissen. Fast 50
weitere wurden nach Polizeiangaben verletzt, als der Attentäter
sein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug vor der Kontrollstelle einer
Polizeiwache in die Luft sprengte. Unter den Toten waren fünf
Polizisten und vier Zivilpersonen, wie ein Polizeisprecher
erklärte. Mossul ist nach Einschätzung der
US-Streitkräfte die letzte Stadt, die als Hochburg von Al Kaida im
Irak genutzt wird.
Der frühere australische Premierminister John Howard soll sich
wegen der Beteiligung seines Landes am Irak-Krieg vor dem
Internationalen Strafgerichtshof (IStG) verantworten. Wie der
australische Rundfunk berichtete, bezichtigt ein Zusammenschluss von
Rechtsanwälten, Akademikern und Politikern Howard als
Kriegsverbrecher, weil er australische Soldaten in einen nicht von der
UNO gut geheißenen Krieg geschickt habe. "Wir haben auf 52 Seiten
Beweise zusammengstellt", sagte der Sprecher der Initiative, Glen
Floyd. Der Antrag wurde demnach dem IStG in Den Haag zugestellt.
Howards Nachfolger Kevin Rudd, der inzwischen einen Rückzug aus
dem Irak ankündigte, warf der Vorgängerregierung bei einer
Parlamentssitzung vor, den Irak-Einsatz ohne stichhaltige
Begründung angeordnet zu haben. Weder sei es gelungen,
Terroranschläge zu verhindern, noch seien im Irak
Massenvernichtungswaffen gefunden worden, sagte Rudd. Die
humanitäre Lage sei nicht verbessert worden, die terroristische
Bedrohung habe sich im Grunde noch verstärkt.
Eine 500 Mann starke Kampfeinheit hatte am Sonntag ihren Abzug aus dem
Süden Iraks eingeleitet. Die Australier räumten die Provinzen
Dhi Kar und Muthanna, wie der irakische Gouverneur Asis Kadum Alwan
mitteilte. Auch nach dem Abzug der Kampftruppen werden sich im Irak und
den benachbarten Ländern noch rund tausend australische
Sicherheitskräfte aufhalten, darunter eine 110 Mann starke Einheit
in Bagdad.
boa (Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 03.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendneunundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
So.03.06.07 - Britisches Militär dringt offenbar auf Abzug aus dem Irak +++
Ministerpräsident Al-Maliki warnt Türkei vor Einmarsch in den
Nordirak +++ Acht Tote bei Beschuss eines sunnitischen Viertels in Bagdad +++
Besserer Schutz für Journalisten im Irak gefordert...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0706030.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
China warnt vor Rüstungswettlauf im All - Sieht Schuld bei USA
Di.03.06.08 - Chinesische Militärexperten haben vor einem Rüstungswettlauf
im Weltraum gewarnt.
"Strategische Konfrontationen im Weltall können nur schwer
vermieden werden", hieß es in einem am Montag vorliegenden Buch
von Wu Tianfu und Xu Nengwu. Es gebe Anzeichen dafür, dass ein
Rüstungswettlauf im Entstehen sei. "Wir können sagen, dass die
Militarisierung des Weltraums jetzt schon nicht aufzuhalten ist." Die
Autoren machten die USA verantwortlich. "Eine Großmacht,
beherrscht von der Vorstellung einer absoluten Vorherrschaft im
Weltraum, macht einen großen Lärm über die Dominanz im
All, erschafft so Rivalen und provoziert Konfrontationen", erklärte
Wu.
Die USA haben ihrerseits Chinas Militär eine Expansion in den
Weltraum vorgeworfen. Vor dem Kongress in Washington erklärte
Jeffrey Horne vom Strategischen Kommando im vergangenen Monat, das
kommunistische Land bau "aggressiv" seine Fähigkeit aus, Satelliten
abzuschießen. Die USA müssten "proaktiv unsere
Fähigkeiten im Weltall verteidigen".
(Quelle: rtr)
Deutschlands Außenminister besorgt über Friedensprozess in
Nahost
Di.03.06.08 - Nach seinem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
hat sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD)
besorgt über den Stand des israelisch-palästinensischen
Friedensprozesses geäußert. "Die Zeit wird eng", sagte
Steinmeier in Ramallah mit Blick auf das ursprüngliche Vorhaben,
bis November eine Rahmenvereinbarung für eine
Zweistaatenlösung zu erreichen. Er rief beide Seiten dazu auf,
"alles zu unterlassen, was dagegen steht". Zuvor hatte Israels
Außenministerin Zipi Livni Steinmeier Unterstützung bei der
Vorbereitung der Sicherheitskonferenz für die
palästinensischen Gebiete am 24. Juni in Berlin zugesichert.
Steinmeier sagte, die Gespräche seien in einem "schwierigen
Status". Als Hindernisse auf dem Weg zum Frieden nannte er zum einen
die Gewalt, die von radikalen Palästinensern aus dem Gazastreifen
ausgeht. "Dazu gehört aber auch der Siedlungsbau", sagte er an die
Adresse Israels gerichtet. Dieser mache die Gespräche von Abbas
mit Israels Ministerpräsident Ehud Olmert "alles andere als
einfach". Abbas und Olmert wollten sich am Nachmittag in Jerusalem
treffen. Ungeachtet internationaler Appelle zur Einstellung der
Siedlungsaktivitäten in den Palästinensergebieten hatte
Israel am Sonntag eine Ausschreibung zum Bau von 884 Wohnungen in zwei
östlichen Stadtteilen Jerusalems veröffentlicht.
Abbas sagte, falls der Siedlungsbau im Westjordanland und in
Ost-Jerusalem fortgeführt werde, "wird es nicht möglich sein,
dass wir eine Friedensregel erreichen". Der
Palästinenserpräsident dankte zugleich der Bundesregierung
für ihr Engagement beim Aufbau von palästinensischen
Sicherheitsstrukturen und des Justizwesens.
Die Gespräche Steinmeiers, der am Vormittag Israels
Verteidigungsminister Ehud Barak und Livni getroffen hatte, dienten
auch der Vorbereitung der Sicherheitskonferenz für die
palästinensischen Gebiete.
(Quelle: afp)
Dutzende Oppositionsanhänger in Simbabwe festgenommen
Di.03.06.08 - Die Polizei in Simbabwe hat nach Berichten staatlicher Medien
mindestens 70 Anhänger der Opposition festgenommen. Auch ein neu
gewählter Abgeordneter wurde abgeführt, wie sein Anwalt am
Montag mitteilte. Die Bundesregierung äußerte sich besorgt
über die Entwicklung und erklärte, damit gebe es weitere
Belege für eine Schwächung der Opposition vor der Stichwahl
um das Präsidentenamt in knapp vier Wochen.
Die Oppositionsanhänger wurden im Distrikt Buhera rund 240
Kilometer südlich der Hauptstadt Harare festgenommen, wie die
staatliche Zeitung «Herald» berichtete. Ihnen wird
vorgeworfen, in der vergangenen Woche Anhänger der
Regierungspartei angegriffen und verletzt zu haben. Der Abgeordnete
Eric Matinenga von der oppositionellen Demokratischen Wandel (MDC)
wurde seinem Anwalt zufolge in Gewahrsam genommen, als er die
Verdächtigen am Samstag besuchen wollte.
Seit der ersten Runde der Präsidentenwahl am 29. März wurden
bereits mindestens sechs weitere Abgeordnete der Opposition
festgenommen. Zuletzt wurde am Sonntag der Politiker Arthur Mutambara
inhaftiert, dessen Partei mit der MDC zusammenarbeitet. Der MDC zufolge
wurden bereits mehr als 50 ihrer Anhänger getötet und
tausende aus ihren Häusern vertrieben.
Bei der Stichwahl am 27. Juni tritt Amtsinhaber Robert Mugabe gegen
Oppositionsführer Morgan Tsvangirai an. Ein Sprecher des
Auswärtigen Amts in Berlin appellierte am Montag an die Regierung,
einen transparenten und störungsfreien Ablauf des Wahlgangs
sicherzustellen.
(Quelle: ap)
Kritik an Umsiedlung von Gewaltopfern in Südafrika
Di.03.06.08 - In Südafrika hat die Umsiedlung von Opfern fremdenfeindlicher
Übergriffe in Flüchtlingslager heftige Kritik provoziert.
Hilfsorganisationen wie Oxfam und Ärzte ohne Grenzen kritisierten
sie als unsicher und ungeeignet für eine menschenwürdige
Unterbringung.
Weder seien die Flüchtlinge über ihre Rechte noch ihre
Optionen aufgeklärt worden. Außerdem lehnten Anwohner die
Lager ab, weil sie fürchten, die Camps könnten Gewalt und
Kriminalität anziehen. Regierungszusagen, dass die Lager nur zwei
Monate existieren, wurden als illusorisch abgetan.
In Kapstadt marschierten mehrere hundert Flüchtlinge zum Parlament
und forderten ein Einschreiten der Vereinten Nationen. Ein Sprecher
verlangte zudem Entschädigungen für die Opfer. Drei Wochen
nach Ausbruch der Gewalt gegen afrikanische Zuwanderer wurden bis
Montag knapp 3000 Vertriebene aus Polizeiwachen im Großraum
Johannesburg in die Flüchtlingslager gebracht. Die Aktion war am
Wochenende schleppend angelaufen. Die Regierung will 19 000 Menschen
umsiedeln, die aus Furcht um ihr Leben in Kirchen, Polizeiwachen oder
Rathäuser geflohen waren.
Rachel Cohen von Ärzte ohne Grenzen (MSF) kritisierte, eines der
Lager befinde sich neben einer staubigen Bergwerkshalde. Sie
berichtete, dass Flüchtlinge eingeschüchtert und Familien
auseinandergerissen worden seien. «Die Leute erzählen uns,
dass sie sich wie in einer Falle fühlen und nicht wissen, an wen
sie sich in ihrer Not wenden sollen - jedermann versagt dabei, ihnen
Schutz zu geben, das UNHCR eingeschlossen.» Das
UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) hatte der
Regierung beratende Hilfe zugesagt. Viele geflohene Ausländer
würden sich zudem aus Furcht vor einer Abschiebung weiter
versteckt halten, hieß es in einer Erklärung von MSF.
Seit dem Gewaltausbruch sind nach Polizeiangaben 62 Menschen
getötet und 670 verletzt worden. Die Attacken auf Mosambikaner,
Simbabwer, Somalier, Äthiopier, Nigerianer, Pakistani oder
Chinesen hatten in Johannesburgs Armenviertel Alexandra begonnen und
sich landesweit ausgebreitet. Das UNHCR schätzt die Zahl der
Vertriebenen auf 100 000, die Regierung dagegen auf 35 000 Menschen.
Ein Mosambikaner, den der Mob bei der Fremdenhatz angezündet
hatte, wurde am Montag in seiner Heimat beigesetzt. Fotos des
brennenden Ernesto Nhamuave hatten weltweit für Erschütterung
gesorgt. Wütende Bewohner hatten ihn und seinen Schwager durch
Johannesburgs Armenviertel Ramaphosa gejagt. Nhamuaves Schwager
überlebte, weil er sich tot stellte.
(Quelle: dpa)
Pakistan: Acht Tote bei Anschlag vor dänischer Botschaft in
Islamabad
Di.03.06.08 - Bei einem Selbstmordanschlag vor der dänischen Botschaft in
Pakistans Hauptstadt Islamabad sind mindestens acht Menschen
getötet worden. Fast 30 weitere Menschen seien verletzt worden,
berichteten das pakistanische Fernsehen und die Behörden. Der
Selbstmordattentäter habe sich in einem Auto in die Luft gesprengt,
der Anschlag habe offenbar der dänischen Botschaft gegolten, sagte
ein ranghoher Vertreter der Sicherheitskräfte. Die Explosion
hinterließ einen tiefen Krater vor der Botschaft, das
Gebäude selbst sowie das Büro einer benachbarten
Hilfsorganisation wurden beschädigt.
Nach Diplomatenangaben hatte die Botschaft in den vergangenen Monaten
die meisten ausländischen Mitarbeiter ausgelagert. Hintergrund
waren Drohungen in Zusammenhang mit dem erneuten Abdruck umstrittener
Karikaturen des Propheten Mohammed in dänischen Zeitungen. Der
dänische Außenminister Per Stig Moeller berief in Kopenhagen
eine Dringlichkeitssitzung ein.
(Quelle: afp)
Regierungsbildung in Nepal vorerst gescheitert
Di.03.06.08 - Nur wenige Tage nach der Ausrufung der Republik ist die
Regierungsbildung in Nepal vorerst gescheitert. Die Parteien konnten
sich am Montag nicht auf die Besetzung der Ämter des
Regierungschefs und des Präsidenten einigen. Die bei der Wahl zur
verfassungsgebenden Versammlung siegreichen ehemaligen maoistischen
Rebellen um ihren Führer Prachanda beanspruchten beide Posten. Die
nepalesische Kongresspartei und die Kommunistische Partei forderten
jedoch mindestens eines der Ämter für sich.
Prachanda, dessen Partei keine absolute Mehrheit hat, braucht die
Unterstützung mindestens eines Koalitionspartners. Die Maoisten
drohten, notfalls zu Straßenprotesten aufzurufen, um ihrer
Forderung Nachdruck zu verleihen.
König Gyanendra willigte unterdessen ein, den Palast in der
Hauptstadt Kathmandu in der nächsten Woche zu räumen. Dies
habe Gyanendra am Montag in einem Gespräch im Narayanhiti-Palast
erstmals zugesichert, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums.
Vor der Ausrufung der Republik am vergangenen Mittwoch hatte die
verfassungsgebende Versammlung die Abschaffung der Monarchie beschlossen.
(Quelle: ap)
Zwei weitere bolivianische Regionen stimmen für Autonomie
Di.03.06.08 - Bei Volksabstimmungen in zwei weiteren Regionen Boliviens haben die
Bürger mit klarer Mehrheit für eine Verwaltungsautonomie
gestimmt. Die Referenden in Beni und Pando waren von der
Zentralregierung unter Präsident Evo Morales für illegal
erklärt worden. Erste Prognosen sahen den Anteil der Ja-Stimmen
für die Autonomie zwischen 75 und 80 Prozent, mehr als 30 Prozent
der Wahlberechtigten blieben aber den Urnen fern.
Anzeige
Vor zwei Wochen hatten sich bereits die Wähler in der
rohstoffreichen Region Santa Cruz mit gut 80 Prozent der Befragten
für mehr Eigenständigkeit ausgesprochen und damit der Politik
des indianischstämmigen Präsidenten Evo Morales und seiner
sozialistischen Regierung eine Absage erteilt. Die Volksbegehren sind
eine Reaktion auf einen gescheiterten Verfassungsentwurf von Morales,
der den Ureinwohnern mehr Autonomie und dem Präsidenten mehr
Vollmachten verleihen sollte. Morales willigte inzwischen in ein
Referendum über seine Amtsenthebung ein, das für den 10.
August geplant ist.
(Quelle: afp)
Entwurf - USA wollen Klimaschutzziele bei G-8-Gipfel blockieren
Di.03.06.08 - Die USA wollen den G-8-Ländern die Initiative beim Klimaschutz
entziehen.
Dies geht aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden
Verhandlungsentwurf für den nächsten G-8-Gipfel Anfang Juli
im japanischen Hokkaido hervor. Einem Kommentar auf dem vom 5. Mai
datierten P-apier zufolge soll die Umsetzung der Reduktionsziele bei
Treibhausgasen dem von US-Präsident George W. Bush favorisierten
"Treffen der größten Volkswirtschaften" (Major Economies
Meeting) übertragen werden.
Nur wenn aus diesen 17 Staaten keine eigenen Vorschläge zum
Klimaschutz kommen, sind die USA demnach bereit, im Rahmen des
G-8-Treffens über den Klimawandel zu beraten. Voraussetzung sei
aber, dass die formulierten mittelfristigen Klimaziele nicht zu Lasten
der 17 größten Volkswirtschaften ausfielen. Die 17 Staaten
mit den weltweit höchsten Treibhausgas-Emissionen werden am Rande
des G-8-Gipfels vom 7. bis 9. Juli zu eigenen Beratungen
zusammentreffen. Der Zusammenschluss geht auf eine Initiative von
US-Präsident Bush aus dem vergangenen Jahr zurück. Die
Mitglieder haben schon mehrmals über den Klimawandel beraten.
(Quelle: rtr)
Deutsche Welthungerhilfe: Agrarsektor in Entwicklungsländern
fördern
Di.03.06.08 - Angesichts der steigenden Preise für Lebensmittel fordert die
Deutsche Welthungerhilfe eine stärkere Förderung der
Landwirtschaft in Entwicklungsländern. Die Hungerkrise sei Folge
einer jahrzehntelangen Vernachlässigung der Landwirtschaft in den
Entwicklungsländern, sagte der Generalsekretär der
Organisation, Hans-Joachim Preuß, bei der Vorstellung des
Welthungerhilfe-Jahresberichts in Berlin. Um die Auswirkungen auf die
Entwicklungsländer zu verringern, müssten Fördermittel
erhöht und langfristig eingesetzt werden, forderte Preuß im
Vorfeld der am Dienstag beginnenden Konferenz der
Welternährungsorganisation FAO in Rom.
"Untersuchungen haben gezeigt, dass Investitionen in die ländliche
Infrastruktur, die Verbreitung von Produktinnovationen wie besseres
Saatgut und die nationale Agrarforschung große Auswirkungen haben
- allerdings nicht über Nacht", sagte Preuß. Die
Welthungerhilfe habe im vergangenen Jahr knapp 50 Millionen Euro des
135,5 Millionen Euro umfassenden Jahresbudgets für langfristige
Maßnahmen wie die Verbesserung von Infrastruktur oder die
Beratung von Kleinbauern ausgeben, sagte die Vorsitzende der
Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble.
Wichtig sei zudem eine Abkehr von jeglicher Politik, "die den
Wettbewerb zwischen Teller und Tank" zusätzlich verschärfe,
sagte Preuß. "Dazu gehört insbesondere die Beendigung der
Subventionierung von Biokraftstoffen." Zudem müssten
EU-Agrarsubventionen früher als bisher geplant im Jahr 2013
auslaufen. Es sei bereits absehbar, dass eine Halbierung der weltweit
Hungernden auf 400 Millionen gemäß der sogenannten
UN-Milleniumsziele nicht mehr gelinge, warnte Preuß. "Vielmehr
steuern wir auf die Zahl von einer Milliarde Hungernden zu."
Nach Angaben der Welthungerhilfe trugen im vergangenen Jahr fast
250.000 Spender mit 31,7 Millionen Euro zu dem Gesamtbudget der
Organsiation bei. Die restlichen fast 94 Millionen stammten von
öffentlichen Institutionen wie der Europäischen Union, dem
UN-Welternährungsprogramm oder der Bundesregierung, sagte
Schäuble. Nach dem Skandal um die Verwendung von Spendengeldern
bei der deutschen UNICEF-Sektion Ende des vergangenen Jahres habe es
einen Spendeneinbruch von rund zwei Millionen Euro gegeben. Die
Spendenbereitschaft sei inzwischen aber wieder auf dem vorherigen
Niveau, sagte Schäuble.
(Quelle: afp)
IWF erhöht Wachstumsprognose für die Eurozone - Ärgste
Folgen der Finanzmarktkrise stehen noch bevor
Di.03.06.08 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose
für die 15 Staaten der Eurozone erhöht. Die Volkswirtschaften
der Währungsunion würden im laufenden Jahr voraussichtlich um
1,75 Prozent zulegen, heißt es in einem Papier, das der IWF
für die Eurozone am Montag in Frankfurt am Main
veröffentlichte. Noch im April hatte der Währungsfonds der
Eurozone für 2008 lediglich ein Wachstum von 1,4 Prozent
prognostiziert.
Die neue Vorhersage sei noch vorläufig, erklärte der
stellvertretende Leiter der Europa-Abteilung des IWF, Alessandro
Leipold, am Rande von Beratungen der Finanzminister der Euro-Staaten in
Frankfurt. Endgültig werde sich der Währungsfonds in seiner
Juli-Prognose zur weltweiten Wirtschaftslage festlegen. Klar sei aber:
«Die wirtschaftliche Aktivität in der Eurozone hat sich als
widerstandsfähiger erwiesen, als wir zunächst angenommen
haben.»
An ihrer pessimistischen Prognose von nur 1,25 Prozent Wachstum
für das Jahr 2009 halten die IWF-Experten aber fest. Nach ihrer
Einschätzung werden sich die Folgen «globaler Schocks»
wie der Finanzmarktkrise und der steigenden Inflation in den kommenden
Monaten intensivieren.
«Die steigenden Rohstoff- und Lebensmittelpreise werden die
Verbrauchernachfrage beeinträchtigen», schreibt der IWF. Die
Inflationsrate werde «in der näheren Zukunft»
wahrscheinlich oberhalb der Marke von drei Prozent bleiben.
Zudem drohe die US-Immobilienkrise auch in anderen Staaten die
Bautätigkeit zu vermindern und das Vermögen der
Privathaushalte zu schmälern. Auch die Verschärfung der
Kreditbedingungen infolge der Finanzmarktkrise, die sich bislang noch
nicht überall bemerkbar machten, «wird mit der Zeit
erheblichen Druck ausüben». Überdies schade der starke
Euro der europäischen Exportwirtschaft.
Der Europäischen Zentralbank (EZB), die am Montag in Frankfurt
ihre Gründung vor zehn Jahren feierte, bescheinigte der IWF gute
Arbeit. Insbesondere habe sie «zeitig und proaktiv» auf die
Finanzmarktturbulenzen reagiert und sich damit als
«stabilisierender Faktor» erwiesen.
Allerdings fehle der Währungsunion weiter eine gemeinsame
Wirtschaftspolitik. «Die Wirtschaftsunion bleibt eine
Baustelle», was unter anderem an den starken
Wachstumsunterschieden zwischen den 15 Euro-Staaten deutlich werde,
kritisierte der IWF. Ähnlich verhalte es sich mit der
Haushaltspolitik.
Hinsichtlich der Finanzmarktaufsicht sei zwar die im April von den
EU-Finanzministern vereinbarte Zusammenarbeit ein Fortschritt. Gefordert
sei nun aber eine «starke politische Führung»,
erklärte IWF-Experte Leipold mit Blick auf die Finanzminister der
Euro-Staaten, die anlässlich des EZB-Jubiläums in Frankfurt
tagten.
(Quelle: ap)
Auftragseingang im deutschen Maschinenbau um 35 Prozent gestiegen
Di.03.06.08 -Die deutschen Maschinenbauer haben im April die Delle beim
Auftragseingang des Vormonates mehr als wett gemacht. Die Bestellungen
stiegen im Vergleich zum Vorjahr um satte 35 Prozent, wie der Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau am Montag in Frankfurt am Main
mitteilte. Das Inlandsgeschäft legte dabei um 19 Prozent zu. Bei
der Auslandsnachfrage gab es ein Plus von 44 Prozent im Vergleich zum
Vorjahresniveau.
«Im April haben die Aufträge erwartungsgemäß
wieder zugelegt. Dabei wurde der kleine Rückgang im März mit
minus fünf Prozent mit jetzt plus 35 Prozent sogar deutlich
überkompensiert. Die Auslandsbestellungen wurden zusätzlich
gepuscht durch Großanlagenorders», erklärte
VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.
(Quelle: ap)
Zahl der Minijobs weiter gestiegen
Di.03.06.08 - Immer mehr Bundesbürger haben einen Nebenjob: In den ersten drei
Monaten des Jahres stieg die Zahl der Minijobber gegenüber dem
ersten Quartal 2007 um 353.000 oder 5,7 Prozent auf 6,7 Millionen. Im
Vergleich zum letzten Quartal 2007 blieb die Zahl der 400-Euro-Jobber
nahezu konstant, wie die Minijob-Zentrale der Deutschen
Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See am Montag in Bochum mitteilte.
Seit März 2005 gebe es aber einen leichten Rückgang um 0,3
Prozent.
Ein solcher Job kann neben dem Hauptberuf, aber auch bei
Arbeitslosigkeit, im Studium oder auch als alleinige Tätigkeit
ausgeübt werden und ist für den Arbeitnehmer steuer- und
abgabenfrei. Der Arbeitgeber muss einen Minijobber offiziell anmelden
und zahlt dann einen Pauschalbetrag für Renten- und
Krankenversicherung.
Die meisten Minijobber (6,5 Millionen) sind im gewerblichen Bereich
beschäftigt, deren Zahl erhöhte sich im Vergleich zum
Vorquartal nur leicht um 0,1 Prozent. Deutliche Zunahmen gab es bei den
Nebenjobs in Privathaushalten. Im ersten Quartal 2008 stieg die Zahl um
10,3 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten 2007 und liegt nun
bei 152.000. Seit 2005 verzeichnete die Minijob-Zentrale hier sogar ein
Plus von mehr als 48 Prozent.
Immer mehr Minijobber stocken mit einer freiwilliger Eigenleistung den
Pauschalbeitrag des Arbeitgebers zur Rentenversicherung auf, um
höhere Ansprüche zu erwerben. Ihr Anteil ist innerhalb eines
Jahres von rund 200.000 auf 260.000 (plus vier Prozent) gestiegen.
Im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind mit 98 je 1.000 Einwohner die
meisten Minijobber in Bremen beschäftigt. An zweiter und dritter
Stelle folgen Baden-Württemberg mit 94 und Nordrhein-Westfalen mit
90 Minijobbern je 1.000 Einwohner. Der Frauenanteil beträgt
derzeit 64 Prozent, bei Beschäftigungen in Privathaushalten sogar
93 Prozent.
(Quelle: ap)
Fast 19.000 Euro öffentliche Schulden je Bürger
Di.03.06.08 - Auf jedem Einwohner Deutschlands lasten im Schnitt 18 880 Euro
öffentliche Schulden. Das ergibt sich rechnerisch aus der Summe von
1,553 Billionen Euro, mit der Bund, Länder und Gemeinden Ende
vergangenen Jahres in der Kreide standen.
Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte, lag
die öffentliche Verschuldung um 0,5 Prozent höher als am Ende
des Vorjahres. Den größten Anteil hatte der Bund mit 11 637
Euro Schulden je Einwohner, gefolgt von den Ländern mit 5898 Euro
und den Gemeinden mit 1447 Euro.
Bei den Ländern gab es erhebliche Unterschiede: Mit einer
öffentlichen Schuldenlast von 3012 Euro pro Einwohner - aus Landes-
und Gemeindehaushalten - wies Bayern die geringste Pro-Kopf-
Verschuldung auf, gefolgt von Sachsen mit 3648 Euro pro Einwohner.
Dreimal so hohe öffentliche Schulden lasteten auf den
Saarländern (10 907 Euro) und den Menschen in Sachsen-Anhalt (9920
Euro). Die Werte der Stadtstaaten liegen deutlich über denen der
Flächenländer: In Bremen betrug die öffentliche
Schuldenlast pro Kopf 21 894 Euro, in Berlin 16 783 Euro und in Hamburg
12 300 Euro.
In den meisten Bundesländern hat die öffentliche Verschuldung
2007 nur gering zugenommen, in sechs Bundesländern sank sie sogar.
Am stärksten war der Rückgang mit 4,9 Prozent in Sachsen, an
zweiter Stelle steht Mecklenburg-Vorpommern mit einem Rückgang um
4,5 Prozent. Eine Zunahme der öffentlichen Schulden wurde dagegen
in Bremen, dem Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Sachsen-Anhalt und in
Nordrhein-Westfalen verzeichnet.
(Quelle: dpa)
Grüne: Abstimmung bei Bundespräsidentenwahl freigeben
Di.03.06.08 - Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Uschi Eid lehnt einen
Fraktionszwang bei der Wahl des Bundespräsidenten in einem Jahr ab.
«Es geht um eine Personenwahl. Beide Kandidaten, Amtsinhaber
Horst Köhler wie Gesine Schwan, haben ihre Qualitäten. Ich bin
dafür, dass wir die Abstimmung bei der Präsidentenwahl
freigeben«, sagte Eid der »Hannoverschen Allgemeinen
Zeitung" (Montagausgabe). Die Entwicklungspolitikerin, die sich dem
Bundespräsidenten durch das gemeinsame Verständnis
internationaler Politik verbunden fühlt, hatte vor vier Jahren
entgegen der Empfehlung der Grünen-Führung in der
Bundesversammlung für Köhler votiert.
(Quelle: ddp)
Özdemir will neuer Grünen-Chef werden
Di.03.06.08 - Auf dem Grünen-Parteitag im November kommt es möglicherweise
zu einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz. So kündigte am
Montag der Grünen-Europaabgeordnete Cem Özdemir seine
Bewerbung um die Nachfolge des scheidenden Parteichef Reinhard
Bütikofer an. Sein möglicher Gegenkandidat, der
Grünen-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Volker
Ratzmann, hielt sich eine Kandidatur noch offen.
Özdemir sagte, er traue sich zu, «gemeinsam mit der Partei
Ideen zu entwickeln und das Land zu gestalten». Er betonte:
«Wenn die Partei das möchte, stehe ich zur
Verfügung». Im großen Wahljahr 2009 wolle er seine
Erfahrungen einbringen und seinen «Beitrag dafür leisten,
dass die Grünen ein eigenständiges Profil bekommen».
Das habe auch mit Verantwortung zu tun, fügte der 42-Jährige
hinzu. «Es war ja öfter zu hören, dass die
Jüngeren in der Partei angeblich nicht bereit seien, Verantwortung
zu übernehmen - ich bin es», fügte Özdemir hinzu.
Ratzmann sagte, es bleibe dabei, dass er sich «vor der
Sommerpause erklären» werde. Schon vor einem Monat habe er
gesagt, dass es sich um eine «große Herausforderung und ein
honoriges Amt» handele und er «großes
Interesse» an der damit verbundenen Aufgabe habe. Er habe aber
auch immer betont, nun «in der Partei mit entsprechenden
Kreisen» Gespräche zu führen und zu sondieren. Danach
werde er eine «abschließende Bewertung vornehmen».
Seine Entscheidung werde er «auf jeden Fall vor der
Sommerpause» bekannt geben.
Erst am Wochenende hatte sich die Vorsitzende der
Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, für Ratzmann
an der Parteispitze ausgesprochen. Zugleich hatte sie
Befürchtungen von Grünen-Realpolitikern widersprochen, wonach
Ratzmann wegen seiner linken Vergangenheit ihren Parteiflügel im
Vorstand der Grünen nicht gut vertreten werde.
Özdemir, der dem Realo- oder Reformer-Flügel der Partei
angehört, sagte, Ratzmann sei ein «mehr als respektabler
Kandidat». Er und Ratzmann hätten «ein
unterschiedliches Profil und unterschiedliche Inhalte», für
die sie stünden. Dabei sehe er seine Kandidatur «nicht als
Gegnerschaft». Es sei vielmehr «ein Angebot an die
Partei».
Bütikofer hatte im März angekündigt, dass er im Herbst
nicht wieder für das Amt kandidieren werde. Seine Ko-Vorsitzende
Claudia Roth will sich dagegen auf dem Parteitag für eine weitere
Amtszeit bestätigen lassen.
Bütikofer sagte am Montag zur Nachfolger-Debatte, sollten sich
mehrere Bewerber für diese «schwierige Aufgabe in die
Pflicht nehmen» lassen, sei eine demokratische Wahl gerade
für eine Partei wie die Grünen nicht nachteilig. Er nehme zur
Kenntnis, dass die Partei gute jüngere Kräfte haben,
«die so was auch können». Man tue gut daran, sie
einzubinden.
Bütikofer betonte zugleich, der neue Bundesvorstand müsse
alle Parteiflügel einbeziehen, wenn man die nächste
Bundestagswahl erfolgreich bestehen wolle. Die Delegierten würden
die Kandidaten daraufhin prüfen, ob sie ihnen «eine solche
konstruktive Rolle» zutrauten.
Der baden-württembergische Grünen-Vorsitzende Daniel
Mouratidis unterstützte Özdemirs Kandidatur. Özdemir sei
der richtige Mann zur richtigen Zeit, sagte Mouratidis. Er bringe nicht
nur große Erfahrung in der Integrations- und Innenpolitik mit,
sondern habe auch Durchsetzungskraft und Charisma: «Cem
Özdemir kann Säle begeistern.»
(Quelle: ddp)
Oppositionspolitiker machen gegen Vorratsdatenspeicherung mobil
Di.03.06.08 - Angesichts der Telekom-Affäre machen Politiker der
Oppositionsparteien gegen die Vorratsdatenspeicherung mobil. Der
ehemalige Bundesinnenminister, Gerhart Baum (FDP), sagte am Montag im
Hörfunksender HR-info: «Wir schützen die Telekom-Daten
gegen den Staat - und müssen uns fragen, wer schützt uns
eigentlich vor den Providern, also unter anderem vor der Telekom.»
Die Schutzrechte der Bürger müssten durch eine Reform des
Datenschutzrechtes verstärkt werden, forderte Baum.
Die frühere Bundesjustizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), sagte im Südwestrundfunk, der
Gesetzgeber müsse verhindern, das Riesendatensammlungen mit
persönlichen Daten überhaupt entstehen. Der Fall Telekom
beweise, wie gefährlich und verfassungsrechtlich bedenklich die
Vorratsdatenspeicherung sei. Das Gesetz schreibt den
Telekommunikationsunternehmen vor, Telefon-Verbindungsdaten ein halbes
Jahr zu speichern, um sie Behörden bei der Strafverfolgung unter
Umständen geben zu können.
Grünen-Fraktionsvize Christian Ströbele bekräftigte
derweil seine Forderung, den Datenschutz ins Grundgesetz aufnehmen. Er
betonte im HR-Info: «Es muss klar sein, dass es einen Kernbereich
privater Lebensführung für alle Bürgerinnen und
Bürger gibt, an die weder der Staat ran darf, noch die
Unternehmen.»
Die Linke-Innenexpertin Petra Pau kritisierte: «Man sieht jetzt,
wozu die Vorratsdatenspeicherung führt und welche Begehrlichkeiten
offensichtlich auch in der Wirtschaft geweckt werden.»
Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy wies die Forderungen nach neuen
Gesetzen zurück. Im Kern sei diese Debatte überflüssig,
sagte der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag auf NDR Info und
fügte hinzu: «Wo es kriminelle Energie gibt, können Sie
die besten Gesetze machen - wenn der Wille vorhanden ist, dagegen zu
verstoßen, dann wird das weiterhin passieren.»
(Quelle: ddp)