+++ Sa.07.06.08, 06:30
Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak 1537 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.07.06.08 - Es liegen keine neuen Nachrichten zum Thema Irak vor.
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 07.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausenddreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Do.07.06.07 - US-General Lute hatte Bedenken gegen Truppenverstärkung im Irak +++
Bei Doppelanschlag in schiitischem Viertel Bagdads mindestens sieben
Menschen getötet. Body Count: Zahl ziviler Opfer bei
amerikanischen Luftangriffen deutlich gestiegen. Fast 3.500 US-Soldaten
seit Beginn des Irak-Kriegs ums Leben gekommen +++ Kalifornische
Wähler sollen über Truppenabzug aus dem Irak abstimmen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0706070.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Chefs der US-Luftwaffe nach Nuklear-Skandalen gefeuert
Sa.07.06.08 - Die beiden höchsten Chefs der US-Luftwaffe sind wegen mehrerer
Skandale gefeuert worden.
Stabschef General Michael Moseley und Staatssekretär Michael Wynne
seien aufgefordert worden, ihre Posten bei der Air Force niederzulegen,
sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates am Donnerstag. In ihrer
Amtszeit war es zu mehreren brisanten Zwischenfällen gekommen.
Unter ihrem Kommando waren versehentlich Atomsprengkopf-Komponenten an
Taiwan geliefert worden. Ein weiterer Skandal der US-Luftwaffe war der
Flug eines Bombers im vergangenen August mit scharfen
Atomsprengköpfen quer über die USA.
(Quelle: rtr)
USA ziehen sich weitgehend aus UN-Menschenrechtsrat zurück
Sa.07.06.08 - Die USA ziehen sich aus dem UN-Menschenrechtsrat weitgehend
zurück. Außenministerin Condoleezza Rice sei der Meinung,
dass es wenig bringe, sich an einem Gremium zu beteiligen, das im
wesentlichen nur Israel angreife, sagte ihr Sprecher am Freitag. Die
USA würden nur noch an Debatten des Rates teilnehmen, wenn es
unbedingt nötig sei. Washington hat im Menschenrechtsrat auf
eigenen Wunsch nur einen Beobachterstatus. Daran werde festgehalten,
sagte Außenamtssprecher Sean McCormack. Sehen lasse man sich in
Genf aber nur noch, wenn es um «Themen von tiefen nationalen
Interesse» gehe und sich die USA «verpflichtet»
fühlten.
(Quelle: ap)
US-Botschafter: Simbabwes Präsident Mugabe nutzt Lebensmittelhilfe
als Waffe
Sa.07.06.08 - Das Regime von Robert Mugabe will in Simbabwe offenbar mit allen
Mitteln an der Macht bleiben und nutzt dabei auch die
Hilfsbedürftigkeit der Menschen aus. Die Regierung setze
Lebensmittel als politische Waffe ein, sagte der US-Botschafter in
Simbabwe, James McGee. Drei Wochen vor der Stichwahl um das
Präsidentenamt würden Lebensmittel vor allem an Anhänger
Mugabes verteilt. Die Polizei untersagte sämtliche
Wahlkampfauftritte von Oppositionsführer Morgan Tsvangirai und
setzte den Politiker für rund zwei Stunden fest.
Tsvangirai wurde mit seinen Begleitern an einer Straßensperre in
der zweitgrößten Stadt Bulawayo gestoppt und zu einer
Polizeiwache eskortiert. Der Oppositionsführer sei 25 Minuten lang
verhört worden, sagte sein Sprecher George Sibotshiwe. Die Polizei
habe erklärt, alle Wahlkampfveranstaltungen Tsvangirais seien bis
auf weiteres verboten. Nach Angaben seiner Bewegung für
Demokratischen Wandel (MDC) wurde als Grund Sorge um Tsvangirais
Sicherheit genannt. Eine solche Erklärung sei Unsinn,
erklärte die MDC.
Die Hilfswerke der Vereinten Nationen reagierten unterdessen mit
großer Sorge auf das Verbot internationaler Hilfseinsätze in
Simbabwe vor der Stichwahl am 27. Juni. Mehr als vier Millionen
Menschen seien von der am Donnerstag ergangenen Anordnung von
Präsident Robert Mugabe betroffen, teilte das UN-Büro
für die Koordinierung Humanitärer Angelegenheiten in Genf mit.
Ohne die Unterstützung durch private Hilfsorganisationen seien die
Menschen abhängig von der Regierung und Mugabes Partei. Mehrere
Beobachter fürchten, sie könnten Nahrungsmittel nur an
diejenigen verteilen, die den amtierenden Staatschef unterstützen.
US-Botschafter McGee erklärte, Anhänger der Opposition
erhielten nur dann Lebensmittel, wenn sie ihren Ausweis und damit ihre
Berechtigung zur Stimmabgabe am 27. Juni abgeben. Sollte die Regierung
weiter so handeln, seien Todesopfer in Simbabwe die Folge, warnte McGee
in einer Videokonferenz.
(Quelle: ap)
21 Tote bei Bombenanschlag auf Sri Lanka
Sa.07.06.08 - Bei einem Bombenanschlag auf einen vollbesetzten Bus sind am Freitag in
einem Vorort der srilankischen Hauptstadt Colombo mindestens 21 Menschen
getötet worden. 47 Menschen seien verletzt worden, teilte die
Polizei mit. Es war bereits der zweite Anschlag auf Zivilisten
innerhalb von drei Tagen. Am Mittwoch waren 19 Menschen bei einem
Anschlag auf einen Zug in Colombo verletzt worden.
Präsident Mahinda Rajapaksa machte die tamilische
Rebellenorganisation Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) für den
Anschlag verantwortlich. Nach Angaben von Militärsprecher Udaya
Nanayakkara detonierte ein am Straßenrand versteckter Sprengsatz,
als der Bus vorbei fuhr. Sollte die LTTE tatsächlich für die
Tat verantwortlich sein, hätte sie damit ihre Fähigkeit
bewiesen, trotz einer Vielzahl von Sicherheitskontrollen auch tief im
Gebiet der Regierungstruppen agieren zu können. «Es sieht so
aus, als ob der Krieg jetzt in die Hauptstadt gekommen ist»,
sagte ein 30-jähriger Augenzeuge.
Die LTTE kämpft seit 1983 für die Unabhängigkeit der
Minderheit der Tamilen auf Sri Lanka, die sich von der Mehrheit der
Singhalesen unterdrückt fühlen. Mehr als 70.000 Menschen
wurden in dem Kampf getötet.
(Quelle: ap)
Frankreichs plädiert für gemeinsame EU-Verteidigungspolitik
Sa.07.06.08 - Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat sich bei
einem Besuch in Athen am Freitag für eine EU-weite gemeinsame
Verteidigungspolitik ausgesprochen. Europa brauche sowohl die NATO als
auch eine eigene Verteidigung, sagte Sarkozy in einer Rede vor dem
griechischen Parlament. Dafür werde sich Frankreich einsetzen,
wenn das Land am 1. Juli den EU-Ratsvorsitz übernehme. Für
die Türkei forderte Sarkozy eine privilegierte Partnerschaft statt
eines Beitritts zur Europäischen Union.
«Eine Verbindung, so eng wie möglich», müsse das
Ziel sein und sei das Beste für beide Seitene, erklärte der
Staatspräsident. Außerdem werde sich die französische
Ratspräsidentschaft für eine Einigung aller 27 EU-Mitglieder
in Sachen Einwanderung und Asyl einsetzen. Niemand wolle «ein
geschlossenes Europa», betonte Sarkozy. «Aber wir wollen
auch kein Europa, das machtlos vor unkontrollierten Einwanderungswellen
steht.»
Sarkozy reist am (heutigen) Samstag in den Libanon weiter. Begleitet
wird er unter anderem vom französischen Premierminister Francois
Fillon.
(Quelle: ap)
'Internationale Energieagentur: Technologierevolution' im Kampf gegen
Klimawandel gefordert
Sa.07.06.08 - Die Internationale Energieagentur (IEA) hat eine weltweite
"Technologierevolution" im Kampf gegen den Klimawandel gefordert. Nur
durch die Investition von einem Prozent des weltweiten
Bruttoinlandsprodukts sei es möglich, die
Kohlenstoffdioxidemissionen bis zur Mitte dieses Jahrhunderts zu
halbieren, sagte IEA-Geschäftsführer Nobuo Tanakabei der
Vorstellung eines entsprechenden Berichts in Tokio. Dieses wiederum sei
notwendig, um den Anstieg der Durchschnittstemperaturen ausreichend zu
begrenzen, fügte er hinzu.
"Wir benötigen sofortiges politisches Handeln und einen noch nicht
dagewesenen Technologiewandel. Es geht im Grunde um eine neue, weltweite
Technologierevolution", sagte Tanaka. In dem Bericht der in Paris
ansässigen IEA heißt es, zur wirksamen Bekämpfung des
Kliomawandels reiche eine einzelne Technologie oder Form der
Energiegewinnung nicht aus. Es müsse daher verstärkt auf das
Abtrennung und Einlagern von CO2-Emissionen gesetzt werden, auf
Energieeffizienz, aber auch auf erneuerbare Energien genauso wie auf
Atomenergie.
(Quelle: afp)
Greenpeace kritisiert 'Herunterspielen' von Atom-Vorfall in Sloweinen
Sa.07.06.08 - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat Bundesumweltminister Sigmar
Gabriel (SPD) vorgeworfen, den Vorfall im slowenischen Atomkraftwerk
Krsko in ersten Stellungnahmen heruntergespielt zu haben. "Der
Zwischenfall ist überhaupt nicht harmlos. Wenn es zu einem
Kühlmittelverlust in einem Reaktor kommt, ist das einer der
schlimmsten Unfälle, die in einem Atomkraftwerk passieren
können", sagte Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer. Die
slowenische Regierung räumte Fehler nach dem Störfall ein und
gab gleichzeitig europaweite Entwarnung. Sie will keine Experten der
Internationalen Atomenergiebehörde IAEA anfordern, weil die Lage
unter Kontrolle sei.
Greenpeace-Experte Breuer sagte der Deutschen Welle, wenn ein
Atomreaktor nicht sowohl im laufenden Betrieb als auch im abgeschalteten
Zustand gekühlt werde, "wird es unweigerlich zu einer Kernschmelze
kommen". Gabriel hatte am Mittwochabend gesagt, von dem Zwischenfall,
der sich wenige Stunden zuvor in Slowenien ereignet hatte, gehe
für Deutschland keine Gefahr aus. "Ich verstehe die Reaktion von
Gabriel nicht, denn offensichtlich war der Eindruck in Slowenien, dass
ein Unfall vorliegt, der womöglich nicht mehr zu beherrschen ist",
sagte dazu Breuer.
Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad (SPD)
sagte, bei einem Kühlmittelverlust im Hauptkühlsystem handele
es sich um einen "sehr ernsten Vorfall". Der Grünen-Atomexperte
Hans-Josef Fell erklärte, der Vorfall müsse nach
Einschätzung von Experten zu einem Druckabfall im Kühlsystem
des Akw geführt haben. "Das ist die erste Stufe zu einer
Kernschmelze, zu der es 1986 auch in Tschernobyl kam".
Der slowenische Umweltminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Janez
Podobnik sagte beim Treffen der EU-Umweltminister in Luxemburg, die
Atomsicherheitsbehörde seines Landes habe zunächst nur eine
Übung in dem Atomkraftwerk gemeldet. Das sei "ein Fehler" gewesen.
Die Situation sei aber "vollständig unter Kontrolle, und es gibt
keine Auswirkung auf die Umwelt oder auf Menschen". Laut EU-Kommission
wurde kein Entweichen von Radioaktivität in die Umwelt festgestellt.
Die IAEA befasst sich mit dem Zwischenfall. Die slowenische
Behörde für Atomsicherheit habe die IAEA über einen
"ungewöhnlichen Vorfall" informiert, teilte die UN-Organisation mit
Sitz in Wien mit. Ein "ungewöhnlicher Vorfall" sei die niedrigste
der vier Alarmstufen im Warnsystem der slowenischen Behörde. Die
slowenische Vertretung bei der IAEA teilte mit, IAEA-Inspekteure
würden nicht gebraucht, da der Vorfall nicht so ernst gewesen und
die Lage unter Kontrolle sei.
(Quelle: afp)
Bundestag beschließt erstes Klimapaket
Sa.07.06.08 - Der Bundestag hat nach wochenlangem Streit grünes Licht für
das erste Klima- und Energiepaket der Bundesregierung gegeben. Die
Parlamentsmehrheit stimmte am Freitag für mehr Strom und Wärme
aus erneuerbaren Energien.
Der Anteil von Öko-Strom am Energieverbrauch soll bis 2020 auf bis
zu 30 Prozent verdoppelt werden. Vor allem Windenergie soll zulegen, die
Solarförderung wird zurückgefahren. Beim Heizen soll der
Anteil erneuerbarer Energien über eine Pflicht bei Neubauten
steigen. Der Anteil von Strom aus der kombinierten Nutzung von Strom und
Wärme (Kraft-Wärme-Kopplung) soll sich bis 2020 auf rund ein
Viertel verdoppeln. Außerdem ist geplant, das Ablesen von Strom-
und Gaszählern für den Wettbewerb zu öffnen.
Die Opposition warf der Koalition Versagen bei der Klimapolitik vor und
warnte vor einem Scheitern der Klimaschutzziele. Umweltminister Sigmar
Gabriel (SPD) verteidigte die Pläne. Dies sei «ein gewaltiger
Schritt nach vorne» auf dem Weg zur Energiewende. Deutschland
habe bereits die Hälfte der Senkung der Treibhausgase um 40
Prozent bis 2020 erreicht. Mit den Gesetzen würden weitere zehn
Prozent geschafft. Gabriel räumte ein, dass die Energiekosten
zunächst teurer würden. Der Bundesrat muss noch über die
Gesetze entscheiden. Die Regierung hatte das zweite Klimapaket wegen des
Streits über die Kfz-Steuerreform auf Mitte Juni verschoben.
(Quelle: dpa)
Roth schwört bayerische Grüne auf Wahlkampf ein
Sa.07.06.08 - Grünen-Chefin Claudia Roth hat ihre bayerischen Parteifreunde in
Augsburg auf den Landtagswahlkampf eingeschworen. Zum Auftakt der
Landesdelegiertenversammlung sagte Roth am Freitag, für die
Landtagswahl im Herbst erwarte sie einen «bayerischen
Epochenschnitt». Die CSU werde die 50-Prozent-Hürde
reißen. Damit gingen 46 Jahre CSU-Dominanz zu Ende. «Wir
sehen die Endmoräne der absoluten schwarzen Macht», rief die
Parteichefin den mehr als 200 Delegierten im Kongresszentrum zu.
Grünen-Landeschef Sepp Daxenberger sagte, er sehe für seine
Partei erstmals die Chance, mehr als zehn Prozent der Stimmen zu holen
und in Bayern für einen Wechsel zu sorgen.
Roth betonte, sie freue sich auf den Landtagswahlkampf und sei sich
»ganz sicher», dass die Grünen sehr erfolgreich sein
würden. Scharfe Attacken richtete sie gegen die große
Koalition im Bund, die sie auf dem «historischen Tiefpunkt»
angekommen sieht. Die CSU tue auf der Berliner Ebene alles, um die
«schlechte Politik dieser Regierung noch zu toppen - nach unten
hin». «Sie fällt zum einen durch Nichtstun auf und zum
anderen durch Blockade», kritisierte die Grünen-Chefin.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sei der für sie am
meisten «rückwärtsgewandte Wirtschaftsminister«,
an den sie sich erinnern könne. Er nehme die Chancen im
innovativen Bereich nicht wahr und werde dadurch selbst zu einem
«Standortrisiko».
Bei der Bewahrung der Schöpfung und bei einer nachhaltigen,
gerechten Politik sieht Roth zunehmende Diskrepanzen zwischen CSU und
Christen. Gerade aktive Christen wüssten, wie viel mehr
Übereinstimmung sie mit den Grünen beispielsweise in der
Stammzelldebatte hätten. »Wir sind näher an Christen,
wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Irak geht«,
fügte sie hinzu. »Es gibt neue Bündnisse, lasst uns
diese zum Tragen bringen.«
Wer einen Mindestlohn blockiere, brauche von Gerechtigkeit zu reden.
Der Mensch müsse von seiner Arbeit leben können. «Das
ist eine klare Mindestanforderung an Gerechtigkeit.» Roth warf
der CSU vor, sie eröffne einen
«Steuersenkungswettlauf», der die politischen
Gestaltungsmöglichkeiten für die Zukunft massiv
einschränke. »Das ist keine Zukunftspolitik, sondern nackter
Klientelismus«, bemängelte sie.
Mit Blick auf die Innen- und Sicherheitspolitik warf sie der
Bundesregierung vor, Deutschland in einen
»Schnüffelstaat« umzubauen: »Unser
Verfassungsminister tritt den Rechtsstaat mit Füßen.«
Daxenberger, der am Samstag von den Delegierten zum Spitzenkandidaten
gekürt werden soll, sagte: »Erstmals, seit wir in Bayern zu
Wahlen antreten, ist die Wahl zum bayerischen Landtag spannend.«
Mehr und mehr Menschen stellten fest, »das was in der Luft
liegt". Für viele Menschen seien die Grünen
Hoffnungsträger für eine Politik, mit der Bayern modern,
bunt, offen und zukunftsfähig werde.
Auf dem zweitägigen Parteitag wollen die Delegierten unter anderem
über den 64-seitigen Entwurf des Landtagswahlprogramms
diskutieren. Es liegen zahlreiche Änderungsanträge vor. Am
Samstag soll das Programm beschlossen werden.
(Quelle: ddp)
Offener Machtkampf in Hessen - Landtag muss erneut über
Studiengebührengesetz abstimmen
Sa.07.06.08 - Der Machtkampf zwischen der linken Landtagsmehrheit in Hessen und der
geschäftsführenden CDU-Landesregierung hat am Donnerstag einen
neuen Höhepunkt erreicht. Ministerpräsident Roland Koch (CDU)
kündigte im Wiesbadener Landtag überraschend an, das bereits
verabschiedete rot-grüne Gesetz zur Abschaffung der
Studiengebühren nicht zu unterzeichnen. Als Grund gab Koch an, das
Gesetz sei handwerklich unzulänglich. SPD, Grüne und Linke
warfen Koch politisch motivierte Trickserei vor. Der Fehler hätte
durch einen einfachen Hinweis aus der Welt geschafft werden können.
Nun muss sich der Landtag erneut mit dem Gesetz befassen.
Die Landesregierung hat nach der Verfassung das Recht, gegen ein Gesetz
ein Veto einzulegen, wenn sie es für verfassungsrechtlich
hält. Genau so argumentiert nun die hessische Regierung. Ihr
Sprecher Dirk Metz sagte, der Gesetzentwurf sei verfassungswidrig und
unbrauchbar, weil notwendige Änderungen nicht übernommen
worden seien. Der Landtag hatte erst am Dienstag mit den Stimmen von
SPD, Grünen und Linkspartei die vor anderthalb Jahren
eingeführten Studiengebühren gegen den Willen der CDU
abgeschafft. Damit sollte das Studium in Hessen ab Herbst wider
unentgeltlich sein.
Nach Kochs plötzlicher Ankündigung wurde die Landtagssitzung
am späten Nachmittag unterbrochen und der Ältestenrat trat
zusammen. Dort einigten sich die Parteien auf eine dritte Lesung des
Gesetzes in einer Sondersitzung des Parlaments am 17. Juni. Dem
Prozedere entsprechend legte Koch ein Veto gegen das Gesetz ein, sein
Kabinett wird das Gesetz am kommenden Montag ebenfalls ablehnen. Danach
muss das Gesetz erneut in den Wissenschaftsausschuss, bevor der Landtag
erneut darüber entscheiden kann.
SPD-Landes- und -Fraktionschefin Chefin Andrea Ypsilanti betonte, die
Studenten in Hessen müssten dennoch keine Angst vor weiteren
Gebühren haben. «Es gibt zum Wintersemester keine
Studiengebühren in Hessen mehr», sagte sie. Ypsilanti nannte
Kochs Vorgehen «einen ganz miesen Trick». In dem
Gesetzentwurf von SPD und Grünen habe lediglich «ein Satz
gefehlt». Mit einem einfachen Hinweis hätte dies noch am
Dienstag korrigiert werden können.
Die CDU habe bereits vor der entscheidenden Lesung am Dienstag von dem
Fehler gewusst, sagte Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir, der von
einem «Foulspiel der Landesregierung» sprach. Die Linke warf
Koch gar «Taschenspielertricks» vor. Das Fallen der
Studiengebühren werde Koch nicht verhindern können, hieß
es von der Linksfraktion.
Mit den Worten «es ist schon peinlich», räumte die
Hochschulexpertin der Grünen, Sarah Sorge, gleichwohl handwerkliche
Fehler ein. In dem Gesetzentwurf habe schlicht «der entscheidende
Satz» gefehlt, mit dem das Außerkraftsetzen der
Gebühren wirksam geworden wäre. Der Passus sei dem
Änderungsantrag im Laufe des Verfahrens «verloren
gegangen», es sei aber auch CDU und FDP klar gewesen, «dass
dies ein Versehen war». Sorge nannte es ein «Unding»,
dass eine Landesregierung so mit der Verantwortung für das Land
umgehe. «Die haben uns ins Messer laufen lassen», fügte
sie hinzu.
CDU-Fraktionschef Christean Wagner sprach hingegen von einer
«Riesenblamage» und einem «Ausdruck von
Dilettantismus» bei SPD und Grünen. Die Parteien seien
ausreichend und umfänglich beraten worden, hätten diese
Beratungen aber nur unvollständig umgesetzt. Das könne man
aber nun nicht der Regierung anlasten, sagte Wagner. «Irgendwann
ist dann die Kooperationsbereitschaft mal am Ende», fügte er
hinzu.
(Quelle: ddp)
Umfrage: Volksparteien schwach wie nie zuvor
Sa.07.06.08 - Union und SPD sind laut ARD-Deutschlandtrend so schwach wie nie zuvor -
die Partei Die Linke ist dagegen stark im Kommen.
Die SPD sackt nach der Erhebung von Infratest dimap im Auftrag der
ARD-«Tagesthemen» auf ihren schlechtesten Wert im
«Deutschlandtrend» seit September 2004, die Linke erreicht
ihren besten Wert überhaupt. SPD-Chef Kurt Beck landet auf der
Beliebtheitsskala erstmals hinter Linke-Parteichef Oskar Lafontaine,
teilte die ARD am Donnerstag mit. Die Zufriedenheit mit der großen
Koalition ist so niedrig wie seit Januar 2007 nicht mehr.
In der Sonntagsfrage büßt die SPD bundesweit im Vergleich
zum Vormonat 3 Punkte ein und erreicht nur noch 24 Prozent der Stimmen.
Die Union verliert ebenfalls 3 Punkte und kommt auf 34 Prozent. Die
kleinen Parteien können hingegen zulegen: die Linke erreicht 14
Prozent (plus 2 Punkte), die FDP 13 Prozent (plus 3 Punkte), die
Grünen kommen auf 12 Prozent (plus 2).
Union und SPD müssen starke Kompetenzverluste hinnehmen, die
Oppositionsparteien können dabei zulegen. Die Linke steigert sich
auf dem Gebiet der sozialen Gerechtigkeit auf 13 Prozent (plus 5 Punkte
im Vergleich zum Januar 2008). Die SPD verliert auf diesem Gebiet 9
Punkte und kommt auf 34 Prozent, die Union auf 17 Prozent (minus 4). Die
FDP kann bei der Steuerpolitik besonders stark punkten und liegt nach
den Angaben nun bei diesem Thema knapp hinter der Union und vor der
SPD. Die Grünen punkten auf dem Gebiet der Klimapolitik.
Nur 17 Prozent der Bundesbürger haben großes oder sehr
großes Vertrauen in die politischen Parteien, 82 Prozent haben
kein oder nur wenig Vertrauen. 81 Prozent vertrauen auch den
Großunternehmen wenig oder gar nicht, die Gewerkschaften kommen
immerhin auf 32 Prozent Zuspruch (66 Prozent kein oder nur wenig
Vertrauen).
Nur noch 27 Prozent der Bundesbürger sind mit der Arbeit der
Bundesregierung zufrieden (minus 7 im Vergleich zum Vormonat), 72
Prozent sind nicht zufrieden (plus 7). Dennoch sind zwei Drittel (65
Prozent) dafür, dass die große Koalition bis zur
Bundestagswahl im nächsten Jahr fortgeführt wird. 32 Prozent
sind dafür, den Bundestag aufzulösen und damit eine vorzeitige
Neuwahl zu ermöglichen.
Bei der Frage nach der Politikerzufriedenheit schneidet SPD-Chef Beck
schlechter ab als alle anderen abgefragten Spitzenpolitiker. Nur noch 21
Prozent der Bundesbürger sind mit seiner Arbeit zufrieden (minus 2
im Vergleich zum Vormonat). Lafontaine erreicht 22 Prozent Zustimmung
(plus 2). Die Liste der beliebtesten Parteipolitiker führt im Juni
mit 73 Prozent (plus 7) Außenminister Frank-Walter Steinmeier
(SPD) an und löst Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ab, die mit 71
Prozent (plus 3) auf Platz zwei folgt. Den größten Zuwachs
an Zustimmung erhält FDP-Chef Guido Westerwelle (plus 14 Punkte
auf 51 Prozent), der Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD)
auf Platz vier folgt.
38 Prozent sind der Auffassung, dass Steinmeier der beste
Kanzlerkandidat für die SPD bei der nächsten Bundestagswahl
wäre, 17 Prozent halten Berlins Regierenden Bürgermeister
Klaus Wowereit für den besten SPD-Kandidaten, 14 Prozent denken
dies über Steinbrück und nur 7 Prozent über Beck.
Datenbasis: Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18
Jahren - 1000 Befragte vom 2. bis 3. Juni, Sonntagsfrage: 1500 Befragte
von 2. bis 4. Juni. Fehlertoleranz: 1,4 (bei einem Anteilswert von 5
Prozent) bis 3,1 Prozentpunkte (bei einem Anteilswert von 50 Prozent.
(Quelle: dpa)
Bundesbank erhöht Inflationsprognose kräftig - Wachstum robust
Sa.07.06.08 - Die Bundesbank hat wegen der rasant steigenden Preise für Energie
und Nahrungsmittel ihre Inflationsprognosen für dieses und
nächstes Jahr kräftig angehoben.
Das Wirtschaftswachstum bleibe dagegen 2008 noch robust, während
sich für 2009 leichte Bremsspuren abzeichnen sollten, teilte die
Bundesbank am Freitag in Frankfurt mit. Auf dem Arbeitsmarkt werde sich
die Lage weiter entspannen.
In ihrer halbjährlichen Vorhersage, die im vergangenen Dezember
zum ersten Mal veröffentlicht worden war, schraubten die
Bundesbank-Ökonomen ihre Prognose für die Inflationsrate in
diesem Jahr von 2,3 auf 3,0 Prozent nach oben. "Das Preisklima in
Deutschland ist derzeit erheblich eingetrübt und dürfte sich
nur allmählich aufhellen", hieß es. Gegen Ende des Jahres sei
eine leichte Entspannung möglich. Dennoch werde die Teuerungsrate
auch 2009 nicht unter die Marke von zwei Prozent - dem
Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) - fallen
und 2,2 Prozent betragen. Bislang hatte die Bundesbank im kommenden Jahr
mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent gerechnet.
Das Wirtschaftswachstum bleibt nach Ansicht der Bundesbank sowohl
robust. Nach einer Delle im Sommer werde die Konjunktur zur Jahreswende
wieder an Schwung gewinnen, erwarten die Experten. Für dieses Jahr
erhöhten sie ihre Wachstumsprognose von 1,9 auf rund 2,25 Prozent.
Da dieses Jahr drei Arbeitstage mehr aufweist als das kommende Jahr,
fällt die kalenderbereinigte Prognose mit zwei Prozent etwas
niedriger aus. Das sind aber immer noch 0,4 Punkte mehr als bei der
Prognose im Dezember. 2009 werde die Wirtschaft dann um rund 1,5 Prozent
wachsen - ein Minus von 0,6 Prozent im Vergleich zur alten Vorhersage.
Positiv sieht die Bundesbank den deutschen Arbeitsmarkt. Die Zahl der
Erwerbstätigen werde in diesem und auch im kommenden Jahr nochmals
zunehmen. Die Arbeitslosenquote sinke 2008 auf 7,8 Prozent und 2009
weiter bis auf 7,6 Prozent. 2007 betrug sie noch neun Prozent.
(Quelle: rtr)
Experte: Ertrag der Schwarzarbeit bei 347 Milliarden Euro
Sa.07.06.08 - In Deutschland werden nach Einschätzung des Linzer
Wirtschaftswissenschaftlers Friedrich Schneider in diesem Jahr rund 347
Milliarden Euro durch Schwarzarbeit erwirtschaftet. Ein Viertel aller
Deutschen arbeite regelmäßig ohne Rechnung, sagte Schneider
bei einem Vortrag an der Hochschule Pforzheim. Die Gründe
dafür seien die zunehmende Abgabenbelastung, der starre
Arbeitsmarkt sowie einen zunehmenden Wandel in den Einstellungen und
Werten der Deutschen: Nur 22 Prozent der Bürger hierzulande
sähen in Schwarzarbeitern Betrüger.
Schwarzarbeit sei nicht nur für den Arbeitnehmer lohnend, sondern
auch für den Auftraggeber, sagte Schneider. "Wenn ein Maler eine
Stunde schwarz arbeitet, so verdient er zwischen neun und 17 Euro die
Stunde. Der offizielle Stundenlohn liegt bei 42 Euro." Die
Bundesregierung hatte erst am Mittwoch eine stärkere
Bekämpfung der Schwarzarbeit beschlossen. Danach sollen
Beschäftigte künftig bei der Arbeit einen Lichtbildausweis
dabei haben und nicht mehr den Sozialversicherungsausweis, der nicht
fälschungssicher ist. Arbeitgebern sollen Bußgelder drohen,
wenn ihre Mitarbeiter keine Papiere vorzeigen können. Auf
Großbaustellen sollen durchgehend Kontrolleure eingesetzt werden.
Laut Schneider hat auch das Ausmaß der Korruption in Deutschland
in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Er schätzt, dass sie die
Bundesrepublik in diesem Jahr 295 Milliarden Euro kosten wird. Der
Schaden entstehe vor allem durch eine verminderte Produktivität der
Volkswirtschaft: Viele Firmen kämen bei der Vergabe
öffentlicher Aufträge wegen Bestechungsaktivitäten ihrer
Konkurrenten mit ihrem eigenen guten Angebot nicht zum Zuge.
(Quelle: afp)
Autofahrer klagen gegen Kfz-Massenscanning
Sa.07.06.08 - Zwei Autofahrer aus Niedersachsen und Bayern haben Klage gegen den
anlasslosen Massenabgleich von Kfz-Kennzeichen mit polizeilichen Dateien
erhoben. Trotz der jüngsten Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts in der Angelegenheit hätten sich nur
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) und sein
bayerischer Amtskollege Joachim Herrmann (CSU) bislang geweigert, die
Massenkontrollen des Straßenverkehrs in ihren Ländern
einzustellen, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten
Mitteilung der Kläger.
Die Klage sei mittlerweile beim Bundesverfassungsgericht eingegangen,
sagte der niedersächsische Kläger Oliver Steinkamp auf
ddp-Anfrage. Jetzt müsse man abwarten, ob sie zur Entscheidung
angenommen werde. Entgegen den klaren Vorgaben des Grundgesetzes werde
in Niedersachsen und Bayern «ein massenhafter Abgleich von
Nummernschildern ohne besonderen Anlass routinemäßig
praktiziert», heißt es in den eingereichten Klageschriften.
Das Bundesverfassungsgericht hatte im März 2008 entschieden, dass
die automatische Erfassung von Autokennzeichen nur unter strengen
Auflagen zulässig ist und die entsprechenden Gesetze in Hessen und
Schleswig-Holstein für verfassungswidrig erklärt. Andere
Länder hatten daraufhin den Massenabgleich ausgesetzt. Nach
Auffassung der Verfassungsrichter dürfen Kennzeichen nicht ohne
Anlass und «ins Blaue hinein» und auch nicht
flächendeckend erfasst werden. Ansonsten könne «ein
Gefühl des Überwachtwerdens» entstehen.
Steinkamp verwies darauf, dass in Niedersachsen das Kfz-Massenscanning
im Dezember 2007 eingeführt worden sei, obwohl die vergleichbaren
Regelungen in Hessen und Schleswig-Holstein bereits kurz vor der
Entscheidung gestanden hätten.
(Quelle: ddp)
Italienisches Urteil zu NS-Entschädigung löst Streit aus
Sa.07.06.08 - Im Streit über eine Pfändung deutschen Vermögens in
Italien zur Entschädigung von NS-Opfern hält sich die
Bundesregierung eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof offen.
Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, nannte dies
am Freitag einen möglichen Schritt gegen italienische
Gerichtsurteile. Diese machen Medienberichten zufolge die Pfändung
etwa von deutschen Kulturinstituten möglich, damit griechische
Opfer Entschädigungszahlungen erhalten. Jäger nannte den
Zugriff auf deutsche Vermögenswerte in Italien aber wenig
wahrscheinlich. Die Regierung verteidigte ihre Haltung auch im Streit
mit italienischen Zwangsarbeitern, die ebenfalls Entschädigungen
von Deutschland fordern.
Hintergrund ist das Urteil eines italienischen Zivilgerichts im Fall
der Überlebenden eines SS-Angriffs auf ein griechisches Dorf, die
bisher keine Entschädigung durchsetzen konnten. Laut
"Süddeutscher Zeitung" nutzten sie nun den EU-Rechtsrahmen und
klagten in Italien auf Vollstreckung ihrer Ansprüche. Nach Angaben
ihrer Anwälte erlaubt das Urteil den Zugriff auf deutsche
Kulturinstitute in Italien, die zum Aufbringen der Entschädigung
zwangsverkauft werden könnten, wenn Deutschland nicht direkt zahle.
Die Bundesregierung ist nach Jägers Angaben bereits mit der
italienischen Regierung in Kontakt. Das Urteil werde derzeit
übersetzt und dann ausgewertet. Auf die Frage, ob man den
Internationalen Gerichtshof in Den Haag anrufen werde, sagte er: "Das
ist in der Tat eine Möglichkeit, die man ins Auge fassen
könnte." Die Gefahr eines Zugriffs auf deutsches Vermögen
halte die Regierung aber für "sehr überschaubar". Nach
internationalem Recht dürfe weder gegen Botschaftsvermögen,
noch gegen Vermögen staatlicher Kultureinrichtungen, etwa
Goethe-Institute und deutsche Schulen, vollstreckt werden.
Auch der Streit über die Entschädigung italienischer
Zwangsarbeiter kommt durch die römische Justiz wieder in Bewegung.
Den Berichten zufolge erlaubten die Zivilrichter Klagen der
früheren Zwangsarbeiter auf Schadenersatz durch die
Bundesrepublik. Der Rechtsgrundsatz, wonach Staaten für ihr
hoheitliches Handeln nicht von Bürgern anderer Länder
verklagt werden dürften, gelte nicht bei schweren
Rechtsverletzungen.
Deutschland unterscheidet bei der Entschädigung mit Hinweis auf
das Völkerrecht zwischen zivilen Zwangsarbeitern und
Militärinternierten. Die Zwangsarbeiter-Stiftung habe für
zivile Opfer bereits 1,89 Millionen Euro gezahlt; zudem habe man im
Rahmen eines Abkommens von 1961 Beiträge im Wert von damals 40
Millionen Mark für die Opfer gezahlt. Die
Militärinternierten, die in der NS-Zeit nach Deutschland
verschleppt wurden, konnten nach der Haager Landkriegsordnung dagegen
zur Arbeit verpflichtet werden, wie Jäger sagte. Daher
könnten sie keine Zahlungen aus der Stiftung erhalten. Diese
Fälle waren schon bei der Gründung der Stiftung umstritten.
Jäger sagte, man dürfe die deutsche Verantwortung für
die NS-Verbrechen nicht nur in rechtlichen Begriffen sehen. Die
Bundesrepublik habe in der Vergangenheit bereits erhebliche Anstrengung
zum Ausgleich unternommen. Andererseits habe die Bundesrepublik ein
Interesse am Prinzip der Staatenimmunität gegen Klagen
ausländischer Bürger, dessen Aufgabe unabsehbare Konsequenzen
hätte.
(Quelle: rtr)
Zwangsarbeiter-Stiftung sieht Aufarbeitung nicht abgeschlossen
Sa.07.06.08 - Auch ein Jahr nach Ende der Auszahlung von fast 4,4 Milliarden Euro an
ehemalige NS-Zwangsarbeiter will die Stiftung «Erinnerung,
Verantwortung und Zukunft» den Opfern weiter helfen. «Vor
allem in Osteuropa leben noch Hunderttausende früherer
Zwangsarbeiter unter schwierigsten sozialen Umständen», sagte
der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Martin Salm, am Donnerstag in
Berlin. Viele der Opfer seien nach ihrer Rückkehr ins Heimatland
erneut diskriminiert worden.
Laut Salm werden Nachkommen der damals verfolgten Gruppen auch heute
noch stark benachteiligt. Dies betreffe insbesondere Homosexuelle in
vielen osteuropäischen Ländern. Auch die Lage der Roma sei
besorgniserregend. Mit einem Stipendienprogramm für Jurastudenten,
für das die Stiftung den Angaben zufolge über 280 000 Euro
bereitgestellt hat, soll eine bessere Interessenvertretung der Roma
gewährleistet werden.
Die am 2. August 2000 gegründete Stiftung wurde von der deutschen
Wirtschaft und aus Steuergeldern mit rund 5 Milliarden Euro
ausgestattet. Im vergangenen Juni wurden davon 4,37 Milliarden Euro an
über 1,66 Millionen Überlebende oder deren Erben in fast
Ländern ausgezahlt. Jährlich stehen der Stiftung den Angaben
zufolge rund acht Millionen Euro für verschiedene Projekte zur
Verfügung. Bislang seien daraus etwa 1500 Projekte unterstützt
worden.
(Quelle: ddp)