+++ So.08.06.08, 06:30
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Irak 1538 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Der Irak will den US-Truppen künftig keine uneingeschränkte
Bewegungsfreiheit im Land mehr garantieren
So.08.06.08 - Dies werde Teil der neuen Vereinbarung über die weitere
Anwesenheit des US-Militärs im Irak sein, sagte Iraks
stellvertretender Regierungschef Barham Salih am Freitag. Die USA
wollten zwar, dass sich die Militärs ohne Einschränkungen
bewegen könnten. Für den Irak sei dies aber nicht akzeptabel.
Beide Seiten verhandeln derzeit über eine Vereinbarung, die den
US-Truppen auch über den 31. Dezember 2008 hinaus eine legale
Einsatz-Grundlage gewährleisten soll. Zu dem Stichtag läuft
das Mandat der Vereinten Nationen aus. Dass es Streit über die
Ausgestaltung der Neuregelung gibt, war bereits durchgesickert. Details
waren aber kaum bekannt geworden.
Bei westlichen Diplomaten hieß es indes, es sei unwahrscheinlich,
dass die USA einer Vereinbarung zustimmen würden, unter der sie
für jeden Militäreinsatz erst die Erlaubnis der irakischen
Regierung einholen müssten. Nach Einschätzung von Beobachtern
ist die irakischen Regierung zudem in einer eher schwachen Position,
weil sie bei der Sicherung ihrer Grenzen und der Bekämpfung von
Extremisten weitgehend auf das US-Militär angewiesen ist.
(Quelle: rtr)
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Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 08.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendvierundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fr.08.06.07 - Bushs künftiger Kriegskoordinator zweifelt an Irak-Strategie +++ Zahl
der im Irak getöteten US-Soldaten steigt auf mehr als 3.500 +++
Türkei ruft Sicherheitszonen an irakischer Grenze aus +++ Sechs Tote
bei Selbstmordanschlägen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0706080.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten: Clinton gewährt
Obama offiziell ihre Unterstützung
So.08.06.08 - Einer der längsten und härtesten Vorwahlkämpfe in der
Geschichte der US-Demokraten ist zu Ende. Senatorin Hillary Clinton gab
offiziell das Ende ihrer Kampagne bekannt und erklärte ihre volle
Unterstützung für ihren Rivalen Barack Obama. "Wir
müssen unseren Kampf jetzt fortsetzen und unsere Ziele erreichen,
indem wir unsere Energie, unsere Leidenschaften, unsere Stärken
nehmen und alles uns Mögliche tun, um dafür zu sorgen, dass
Barack Obama zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten
gewählt wird", sagte Clinton vor Tausenden Anhängern in
Washington.
Diese waren im National Building Museum in der US-Hauptstadt
zusammengeströmt, um die Abschiedsansprache der ehemaligen First
Lady zu hören, die zu Beginn des Vorwahlkampfes als sichere
Favoritin gegolten hatte. Viele Fans der kämpferischen
Politikerin, die meisten von ihnen Weiße, trugen T-Shirts mit
Clintons Namen. Die Veranstaltungshalle im National Building Museuem,
einem großen Kulturkomplex nur wenige Blocks vom Weißen
Haus entfernt, war mit zahlreichen US-Fahnen geschmückt.
"Heute, da ich meinen Wahlkampf aussetze, gratuliere ich ihm zu dem
gewonnenen Sieg und dem außergewöhnlichen Rennen, das er
gelaufen ist. Ich gebe ihm meine Zustimmung und meine volle
Unterstützung", sagte Clinton. Eine Aufzählung politischer
Ziele der Demokraten, darunter vor allem eine für alle
zugängliche Krankenversicherung, endete sie jeweils mit dem Satz:
"Und deshalb müssen wir dafür sorgen, dass Barack Obama zum
Präsidenten gewählt wird." Obama stand seit Dienstag als
Gewinner der Vorwahlen fest.
Nach dem oft ungewöhnlich harten Vorwahlkampf gilt es für die
Demokraten nun, im eigentlichen Duell mit dem Republikaner John McCain
wieder Zusammenhalt herzustellen. Clinton und Obama unternahmen erste
Schritte zu einer Annäherung bei einem Treffen am Donnerstagabend
in Washington. Dabei sprachen sie vermutlich über Clintons
künftige Rolle im Wahlkampf und in einer demokratisch
geführten US-Regierung.
Der Senator von Illinois hatte nach einhelliger Einschätzung von
Beobachtern seinen Wahlkampf besser organisiert als Clinton und vor
allem beim Spendensammeln alle Rivalen hinter sich gelassen. Nun muss
er Clintons traditionelle Wählerschaft, die weiße
Arbeiterklasse, Frauen und Hispanics, von sich überzeugen.
(Quelle: afp)
Republikaner blockieren im US-Senat Gesetz gegen Klimawandel
So.08.06.08 - Die Republikaner im US-Senat haben eine Gesetzesiniative der Demokraten
zum globalen Klimawandel blockiert. Die Demokraten verfehlten am Freitag
um zwölf Stimmen die Mehrheit von 60 Stimmen, mit der sie die
Verzögerungstaktik der Republikaner hätten beenden
können. In der erregten Debatte ging es um die Kosten des
Umweltschutzes für die Wirtschaft und wie damit die Benzinpreise
weiter steigen würden. 48 Senatoren stimmten für, 36 gegen die
Initiative. Mehrheitsführer Harry Reid muss nun entscheiden, ob er
das Gesetz zurückzieht oder im kommenden Jahr einem neuen Kongress
und einem neuen Präsidenten erneut vorlegt.
Vorgesehen sind die Einführung von Höchstgrenzen für den
Kohlendioxidausstoß von Kraftwerken mit dem Ziel, eine
Verringerung um 71 Prozent bis zur Mitte des Jahrhunderts zu erreichen.
Gegner sagen, das laufe auf eine gewaltige Steuererhöhung und eine
Verteuerung der Energiepreise hinaus.
(Quelle: ap)
Energieminister der Öl-Konsumländer blicken ratlos auf
Rekordölpreis
So.08.06.08 - Die Energieminister aus fünf großen Verbrauchernationen
stehen dem jüngsten Rekordölpreis ratlos gegenüber.
Am Rande eines G-8-Treffens zu Energiefragen im japanischen Aomori
bekräftigten die Minister aus den USA, Japan, Indien, China und
Südkorea am Samstag zwar ihre Forderungen nach einer
stärkeren Transparenz auf den Energiemärkten und höheren
Investitionen in die Ölförderung. Neue Ideen zur Lösung
des Problems boten sie allerdings nicht an. Die fünf Länder
stellen zusammen rund die Hälfte des weltweiten Ölverbrauchs.
Uneins blieben die Minister vor allem in der Frage, ob Regierungen
Treibstoff bezuschussen sollten. US-Energieminister Sam Bodman forderte
ein Ende der Subventionen: "Wir wissen, dass die Nachfrage zunimmt,
weil viele Nationen Öl immer noch subventionieren. Das sollte
aufhören." Ein Vertreter des indischen Ölministeriums wies
die Forderungen jedoch umgehend zurück. "Wir als Schwellenland
sind nicht in der Lage die Subventionen komplett aufzugeben", sagte
Hemant Krishnan Singh. Es sei unrealistisch Maßnahmen
abzuschaffen, die dafür da seien, 1,1 Milliarden Menschen zu
helfen. In Indien und China wurden die Treibstoff-Preise zwar trotz
Inflationssorgen jüngst erhöht - nach Auffassung von Experten
jedoch nicht in dem Maße, als dass dies dem rasanten Anstieg des
Ölpreises entspreche.
Der Ölpreis war am Freitag um mehr als elf Dollar auf über
139 Dollar je Fass geklettert. "Das ist ein Schock", sagte US-Minister
Bodman. Die Ölindustrie steht dem Rekordhoch dagegen eher gelassen
gegenüber. Chevron-Vorstandschef David O'Reilly sagte am Samstag
auf einer Konferenz im russischen St. Petersburg, der hohe Ölpreis
sei eine Herausforderung, aber keine Krise.
(Quelle: rtr)
EU-Staaten schließen Kompromiss zu Energiemarktreform
So.08.06.08 - Die EU-Länder haben sich auf die Grundzüge einer Reform des
europäischen Energiemarktes geeinigt.
Die Energiekonzerne haben damit die Wahl, ob sie das Eigentum an ihren
Verteilnetzen für Strom und Gas unter strengen Auflagen behalten
oder sich von ihnen trennen. Damit setzten sich Deutschland, Frankreich
und sieben weitere EU-Länder durch, die gegen einen Zwangsverkauf
der Netze waren. Allerdings gingen die Meinungen über Details
auseinander, sodass beim Aushandeln des endgültigen Textes der
Streit neu aufflammen könnte. "Auch wenn nicht alle
Mitgliedsstaaten mit allen Punkten einverstanden sind, hat der Rat eine
weitreichende Einigung auf die Grundlagen erreicht", erklärte der
slowenische Energieminister Andrej Vizjak am Freitag in Luxemburg.
Die EU-Länder hatten heftig darüber gestritten, wie die
Unabhängigkeit der Verteilnetze für Strom und Gas von den
Energieproduzenten am besten gewährleistet wird. Die EU-Kommission
schlug im September 2007 vor, den Konzernen den Verkauf ihrer Netze
vorzuschreiben. So sei am besten zu erreichen, dass die großen
Erzeuger konkurrierenden Anbietern nicht länger den Netzzugang
erschwerten. Mehr Wettbewerb würde dann zu günstigeren Preisen
führen. Die Kommission wurde von rund einem Dutzend Länder
unterstützt - darunter Großbritannien und Schweden, die
schon lange diese Trennung durchgesetzt haben.
Deutschland, Frankreich und sieben weitere Länder setzten als
gleichberechtigte Option nun ein Modell durch, bei dem die Produzenten
die Netze behalten könnten, die Betreibergesellschaft aber
rechtlich unabhängig sein muss. Der Mutterkonzern kann die
Netztochter in seine Bilanz nehmen und hat noch Einfluss auf die
Investitionen. Dies wird durch einen Anteil von 50 Prozent plus einer
Stimme im Aufsichtsrat erreicht.
Es soll allerdings strenge Vorgaben geben, um die Unabhängigkeit
der Netzgesellschaft zu garantieren. So muss der Netzbetreiber dem
nationalen Regulierer einen Investitionsplan über zehn Jahre
vorlegen, den dieser auch verändern kann. Eine Mehrheit der Manager
der Netztochter dürfen drei Jahre, bevor sie einen Posten
antreten, nicht beim Mutterkonzern gearbeitet haben. Für die
anderen gilt nur eine Karenzzeit von sechs Monaten.
Streit gab es um eine Überprüfungsklausel, mit der
Großbritannien nach einigen Jahren einen automatischen
Übergang zur Eigentumsentflechtung durchsetzen wollte. Nun soll
zwei Jahre nach Umsetzung des Gesetzes ergebnisoffen untersucht werden,
ob die Unabhängigkeit des Netzbetriebs noch schärfer reguliert
werden muss.
Bei der Schlussdebatte zu der Einigung wurde allerdings deutlich, dass
die Mitgliedsstaaten ein und denselben Text unterschiedlich auslegen. So
halten die Niederlande und Portugal es für möglich, eine
Klausel einzuführen, die die Übernahme ihrer
eigentumsrechtlich entflochtenen Unternehmen durch ein integriertes
ausländisches Unternehmen untersagt. Deutschland steht auf dem
Standpunkt, das sei nicht möglich.
Die Bundesregierung befürchtete, dass bei einem Verkauf der Netze
an andere Firmen nicht genug in den dringend notwendigen Ausbau
investiert würde. Doch zwei der vier großen Energieversorger
in Deutschland trennen sich auf Druck der Europäischen Kommission
von sich aus zum Teil von ihren Netzen. E.ON und RWE entschieden sich
dazu gegen die Zusage der Kommission, Kartellverfahren gegen die
Konzerne einzustellen.
Die beiden größten deutschen Energiekonzerne reagierten
jetzt zurückhaltend. "Bevor wir die Entscheidung bewerten,
müssen wir zunächst die Details und Fakten analysieren", sagte
ein E.ON-Sprecher. "Es bleibt abzuwarten, wie das endgültige Paket
aussehen wird", betonte auch eine RWE-Sprecherin. Sie verwies darauf,
dass der Konzern immer gesagt habe, dass auch die Alternative zum
Zwangsverkauf unternehmerische Entscheidungsfreiheit und einen
wirtschaftlichen Betrieb der Netze erlauben müsse.
Die Richtlinie muss auch Zustimmung im Europäischen Parlament
finden. Der dort federführende Industrieausschuss hatte sich
mehrheitlich für die Pflicht zum Verkauf der Netze ausgesprochen.
Die Abstimmungen im Plenum sind am 17. Juni und 8. Juli.
(Quelle: rtr)
Präsident Medwedew feiert Russland als Global Player der
Wirtschaft - USA für weltweite Finanzkrise verantwortlich gemacht
So.08.06.08 - Russlands neuer Präsident Dmitri Medwedew hat die USA für die
weltweite Finanzkrise verantwortlich gemacht und sein Land als neue
Wirtschaftsgroßmacht bezeichnet.
"Das Versagen der weltweit größten Finanzkonzerne, Risiken
richtig einzuschätzen, und die aggressive Finanzpolitik der
größten Volkswirtschaft der Welt haben nicht nur zu
Verlusten bei Unternehmen geführt", sagte Medwedew am Samstag.
"Die meisten Menschen auf diesem Planeten sind auch arm geworden." Zur
Lösung der Krise bot er Russlands Hilfe an und schlug vor, noch in
diesem Jahr eine internationale Finanzkonferenz auszurichten. Die USA
könnten das Problem auf jeden Fall nicht alleine lösen.
"Russland ist jetzt ein Global Player", sagte Medwedew in einer Rede
auf dem jährlichen Wirtschaftsforum für Auslandsinvestoren in
St. Petersburg. Es bestehe eine Kluft zwischen der führenden
Rolle, die die USA in der Weltwirtschaft spielten, und der
tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Vereinigten Staaten.
Dies sei einer der Hauptgründe für die gegenwärtige
Krise. Sein Land könne dazu beitragen, die Lage zu stabilisieren.
US-Handelsminister Carlos Gutierrez wies die Kritik umgehend
zurück. Die USA hätten ihre Politik noch nie auf einem
"ökonomischen Egoismus" aufgebaut. Die Globalisierung sei im
Interesse seines Landes.
Medwedew kündigte weiter an, in Kürze einen Aktionsplan zu
verabschieden, dessen Ziel es sei, Russland zu einem globalen
Finanzzentrum und den Rubel zu einer führenden Währung zu
machen. Zugleich erklärte er, die Schritte der Regierung zur
Liberalisierung des russischen Gasmarkts und zur Senkung der Steuern im
Ölsektor würden dazu beitragen, die weltweiten
Energiemärkte zu stabilisieren.
Arkadi Dworkowitsch, oberster Wirtschaftsberater des Landes,
schränkte allerdings kurz darauf ein, Russland benötige nicht
die Art ausländischer Investitionen, die die Möglichkeiten
der eigenen Unternehmen beeinträchtigen würden. Exxon
Mobil-Chef Rex Tillerson sieht die Attraktivität des russischen
Marktes für ausländische Investoren allerdings ohnehin noch
nicht gegeben. Das Land müsse erst sein Justizsystem verbessern,
sagte er auf derselben Konferenz.
Russland ist der weltgrößte Gasproduzent und
zweitgrößte Ölexporteur. Seit zehn Jahren erlebt das
Land einen Wirtschaftsboom, der durch den ständig steigenden
Ölpreis getrieben wird.
Die vom russischen Staat kontrollierte Gazprom gab unterdessen bekannt,
dass sie bei einem Gaspipeline-Projekt im US-Bundesstaat Alaska
einsteigen will. Man habe den beteiligten Konzernen ConocoPhillips und
BP bereits einen Vorschlag unterbreitet, sagte Gazprom-Chef Alexej
Miller auf der Konferenz. Das Pipeline-Projekt ist in den USA aus
umweltpolitischen Gründen stark umstritten.
Miller kündigte zudem an, dass russisches Gas nach der
Fertigstellung der Ostsee-Pipeline ab 2011 in Rubel gehandelt werden
solle. Weitere Einzelheiten nannte der Gazprom-Chef vorerst nicht.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Soziale Marktwirtschaft verliert laut Umfrage an Zustimmung
So.08.06.08 - Die Mehrheit der Deutschen hat einer Umfrage zufolge ihren Glauben an
die soziale Marktwirtschaft verloren. 38 Prozent der Bundesbürger
haben «keine gute Meinung» von der deutschen
Wirtschaftsordnung und nur noch 31 Prozent «eine gute
Meinung», wie eine Allensbach-Umfrage nach einem Bericht der
«Wirtschaftswoche» ergab. Noch zu Jahresbeginn hatten sich
demnach 39 Prozent der Befragten optimistisch über die soziale
Marktwirtschaft geäußert.
Besonders hoch ist der Meinungsverfall dem Blatt zufolge in
Westdeutschland. Zum ersten Mal haben mehr Menschen (35 Prozent) eine
schlechte als eine gute Meinung (34 Prozent) von ihrer
Wirtschaftsordnung.
Eher negativ wird auch die Konjunktur gesehen: Laut Allensbach-Chefin
Renate Köcher sind nur 26 Prozent der Bevölkerung
überzeugt, dass die derzeit gute Lage wenigstens für die
kommenden sechs Monate andauert, wie die «Wirtschaftswoche»
schreibt. Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung sei nicht
gewachsen. Im Gegenteil: 40 Prozent der Deutschen zweifeln laut Umfrage,
ob die soziale Marktwirtschaft im Zeitalter der Globalisierung
zeitgemäß ist. Weitere 35 Prozent sind in dieser Frage
unsicher.
Eine Alternative zur marktwirtschaftlichen Ordnung sieht allerdings mit
14 Prozent nur eine kleine Minderheit. Knapp die Hälfte der
gesamten deutschen Bevölkerung traut sich kein Urteil zu, ob die
Marktwirtschaft das beste System ist oder eine andere Marktordnung, wie
aus der Studie laut «Wirtschaftswoche» hervorgeht. Die
Umfrage wurde für die Bertelsmann-Stiftung durchgeführt.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos verteidigte das Modell der
sozialen Marktwirtschaft. «Ohne die Überzeugung, dass freie
Märkte und nicht staatliche Dekrete die Kräfte unseres Landes
am besten zur Entfaltung bringen, hätten wir diesen historisch
einmaligen Aufstieg wohl nie geschafft», sagte der CSU-Politiker
dem Blatt laut Vorabmeldung.
(Quelle: ap)
Union will Entlastungen für Eltern ab 2009 - CDU und CSU aber
uneins bei Pendlerpauschale
So.08.06.08 - Familien mit Kindern und Arbeitnehmer können vom kommenden Jahr an
auf Entlastungen hoffen. Die Union will zum 1. Januar 2009 das
Kindergeld und den Kinderfreibetrag erhöhen und die Beiträge
zur Arbeitslosenversicherung von 3,3 auf 3,0 Prozent senken. Das geht
aus dem Entwurf einer gemeinsamen Erklärung von CDU und CSU
für ihre Präsidiumssitzung an diesem Wochenende hervor.
Uneins sind sich die beiden Parteien aber weiter bei den Themen
Pendlerpauschale und Steuersenkungen.
Beide Parteien wollten, dass dieses Ziel bereits bei der
Haushaltsaufstellung berücksichtigt werde, zitieren «Bild am
Sonntag» und «Welt am Sonntag» aus dem Entwurf
für die Präsidiumssitzung im bayerischen Erding. Zur
Pendlerpauschale und Steuersenkungen heißt es nur: «Die CDU
wird im Frühjahr 2009 ihr Steuerkonzept nach den Maßgaben
einfach, niedrig und gerecht vorlegen. In einem gemeinsamen
Wahlprogramm werden CDU und CSU beide Konzepte mit dem Ziel einer
Steuerentlastung zusammenführen.»
Die gemeinsame Präsidiumssitzung von CDU und CSU findet am
(heutigen) Sonntag und Montag in Erding statt. Über die Ergebnisse
wollen die Parteichefs Angela Merkel und Erwin Huber am Montagmittag
(11.30 Uhr) informieren.
Kanzlerin Merkel betonte am Samstag in ihrer Videobotschaft, ab 2011
müsse es einen ausgeglichenen Bundeshaushalt geben. Dieses Ziel
ist laut Huber trotz der geforderten Steuersenkungen möglich.
Seine Partei bleibe auch bei ihrer Forderung, die volle
Pendlerpauschale wieder einzuführen, sagte er. Das sei keine
verfassungsrechtliche Frage, sondern die Antwort auf die Explosion der
Spritpreise. Die CSU sieht sich bei ihrer Forderung zur
Pendlerpauschale von der CDU-Basis gestützt: Dort wachse der Druck
auf die CDU, sagten Huber und CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer.
Der CDU-Politiker Peter Müller stellte sich hinter das
Steuersenkungskonzept der CSU. Er halte es grundsätzlich für
richtig, sagte der saarländische Ministerpräsident. Die
Größenordnung von 28 Milliarden Euro sei «bei einem
schrittweisen Vorgehen durchaus realistisch». Auch bei der
Pendlerpauschale könne man den Bürgern entgegenkommen.
Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen
Rüttgers schließt eine Wiedereinführung der
Pendlerpauschale nicht aus. Allerdings sei dies ein Strategiewechsel
und deshalb problematisch, sagte der CDU-Politiker. Dagegen erteilte er
den Forderungen nach baldigen Steuersenkungen eine klare Absage:
«Ich sehe keine große Steuerreform mehr in dieser
Legislaturperiode.»
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla wies dagegen die Forderungen
zur Pendlerpauschale und zur Senkung der Einkommensteuer zurück,
rief aber gleichzeitig die Union zur Geschlossenheit auf. Die Union
wolle «deutlich machen, dass CDU und CSU die führende
politische Kraft in Deutschland sind, weil wir geschlossen und
erfolgreich auftreten».
(Quelle: ap)
SPD will mit Zehn-Punkte-Aktionsplan Kinderarmut bekämpfen
So.08.06.08 - Mit einem Zehn-Punkte-Aktionsplan will die SPD in Bund, Ländern
und Gemeinden gegen Kinderarmut vorgehen. Neben der Einberufung einer
Nationalen Kinderkonferenz streben die Sozialdemokraten unter anderem
den Ausbau von Kitas zu Eltern-Kind-Zentren und einen gerechteren
Familienleistungsausgleich an, wie aus einer Vorlage für das
SPD-Präsidium hervorgeht. In dem zwölfseitigen Papier zeigt
sich die SPD darüber besorgt, dass "die Chancen eines Kindes auf
Bildung, gesunde Entwicklung, Teilhabe und Selbstbestimmung immer noch
stark von der sozialen Herkunft abhängen".
In der Vorlage für die Sitzung des Parteipräsidiums am Montag
kündigt die SPD an, in sozialdemokratisch regierten Kommunen
"flächendeckend Netzwerke für gesundes Aufwachsen" zu
schaffen - unter anderem durch die Vernetzung von Einrichtungen der
Jugendhilfe, des Gesundheitswesens, der Bildung und der
Wohlfahrtverbände. Zudem strebt die SPD an, allen Kindern ein
Mittagessen zur Verfügung zu stellen, das für Kinder aus
sozial schwachen Familien "zunächst ermäßigt und in der
Perspektive kostenlos sein" soll.
Auf Landesebene wollen die Sozialdemokraten den Ausbau der
Ganztagsbetreuung weiter vorantreiben. Dazu würden SPD-regierte
Länder die entsprechenden Bundesmittel unverzüglich und
vollständig an die Kommunen weiterreichen und um ihren eigenen
Länderanteil aufstocken, heißt es in der Vorlage. Erzieher
sollten qualifiziert aus- und weitergebildet werden, das
Qualifizierungsangebot beim Spracherwerb von Kindern ausgebaut sowie
Tagesmütter und -väter besser qualifiziert werden.
Zugleich erneuert die SPD in dem Papier ihr Bekenntnis zu einer
"gebührenfreien Bildung von der Kindertagesstätte bis
einschließlich zur Hochschule". Bis zum Herbst sollten "konkrete
Zielmarken" für den zahlenmäßigen wie qualitativen
Ausbau der Ganztagsschulen vereinbart werden. Außerdem werde sich
die SPD in den von ihr regierten Ländern für weitgehende
Lernmittelfreiheit einsetzen.
In der Bundespolitik strebt die SPD unter anderem finanzielle Hilfen
für bedürftige Kinder beim Schulmittelbedarf wie Ranzen und
Schreibmaterialien an. Dazu soll ein Bedarfspaket geschnürt
werden, das pro Schuljahr für Kinder aus einkommensschwachen
Familien in einer Größenordnung von 100 Euro finanziert
wird. Darüber hinaus plädieren die Sozialdemokraten für
die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz, um dadurch einen
"weiteren Schub in Richtung einer kindgerechten Gesellschaft" zu
bewirken.
(Quelle: afp)
Schwan warnt SPD vor Abgrenzungsbeschluss zur Linken
So.08.06.08 - Die SPD-Bundespräsidentenkandidatin Gesine Schwan warnt ihre
Partei davor, Koalitionen mit der Linkspartei per Beschluss kategorisch
auszuschließen. «Die SPD muss aufpassen, dass sie sich mit
der Koalitionsaussage für die Bundestagswahl 2009 nicht wieder
selbst eine Falle stellt», sagte Schwan dem Berliner
«Tagesspiegel am Sonntag». Zwar betrage die
Wahrscheinlichkeit einer Koalition der SPD mit der Linkspartei 2009 null
Prozent. Es sei aber «besser und richtiger, wenn man das genau
inhaltlich begründet, als wenn man kategorisch
Abgrenzungsbeschlüsse fällt», argumentierte Schwan.
In einer expliziten Absage an eine Koalition mit der Linkspartei
für 2009 sehe sie keinen Sinn, fügte Schwan hinzu. «Ich
meine, die intellektuell klarere Lösung ist die, die jetzt schon in
Form des Parteiprogramms vorliegt, nämlich zu zeigen, wo es solche
Unvereinbarkeiten gibt, dass es inhaltlich nicht klappt», sagte
Schwan. Der frühere SPD-Chef Franz Müntefering hatte
gefordert, die Absage der Sozialdemokraten an ein rot-rotes Bündnis
mit einem förmlichen Beschluss zu untermauern. Nach
anfänglicher Skepsis hatte SPD-Chef Kurt Beck erklärt, er habe
damit kein Problem, wenn der Bedarf gesehen werde.
(Quelle: ddp)
Diskussion über Neuwahl in Hessen geht weiter
So.08.06.08 - Die Diskussionen über eine mögliche Neuwahl und
Regierungskonstellationen in Hessen geht weiter. Die hessische
Staatskanzlei wies einen Zeitungsbericht zurück, wonach
Ministerpräsident Roland Koch (CDU) eine Neuwahl für den Tag
der Europawahl am 7. Juni 2009 anstrebe.
«Ich weiß nicht, wer das in der Berliner
Gerüchteküche erfunden hat - es entbehrt jeder
Grundlage», sagte Regierungssprecher Dirk Metz der Deutschen
Presse-Agentur dpa am Samstag.
Die «Bild»-Zeitung hatte sich auf die «Unions-Spitze
in Berlin» berufen. Koch setze darauf, für die
Auflösung des Landtags in Wiesbaden Stimmen von den Grünen zu
bekommen. Nach dem Ergebnis der Landtagswahl vom 27. Januar haben weder
CDU und FDP noch SPD und Grüne eine eigene Mehrheit im Parlament.
Koch ist seit April nur noch geschäftsführend im Amt.
Für die Abstimmung über eine Neuwahl bräuchten CDU und
FDP drei Stimmen aus dem linken Lager von SPD, Grünen und der
Partei Die Linke. Im Parlament haben CDU und SPD derzeit jeweils 42
Sitze, die FDP 11, die Grünen 9 und die Linke 6 Sitze. Der Plan
von SPD- Fraktionschefin Andrea Ypsilanti, sich mit Hilfe der Stimmen
der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen, war an
dem Einspruch der SPD-Abgeordneten Dagmar Metzger gescheitert.
Metzger bleibt nach einem ZDF-Bericht vom Samstagabend bei ihrem Nein
zu einer rot-grünen Minderheitsregierung mit Unterstützung
der Linken. Das habe sie dem Sender in einer E-Mail mitgeteilt,
berichtete das ZDF-«heute-journal». Metzger sei aber
über das Verhalten von Ministerpräsident Roland Koch (CDU)
empört. Ausschlaggebend für Metzgers Unmut war demnach Kochs
Weigerung, das Gesetz zur Abschaffung der Studiengebühren zu
unterschreiben.
Das Verhalten von Koch bringe sie zum Nachdenken, teilte Metzger dem
Sender mit. Dieses Nachdenken beschränke sich aber auf die Frage,
ob mit einer CDU, die mit Taschenspielertricks die Interessen der
Bürger mit Füßen trete, irgendeine vertrauensvolle
Zusammenarbeit möglich sei. «Genauso stelle ich eine solche
vertrauensvolle und stabile Zusammenarbeit mit den Linken in
Zweifel.»
Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» hatte zuvor berichtet,
in der hessischen SPD steige die Bereitschaft, sich erneut über
ein rot-rot- grünes Bündnis Gedanken zu machen. Auch Metzger
habe erklärt, sich über das Thema «noch einmal Gedanken
machen (zu) müssen». Parteichefin Ypsilanti will laut
«Spiegel» in den kommenden Monaten erneut die
Möglichkeiten für ein rot-rot-grünes Bündnis
ausloten.
Der Generalsekretär der hessischen SPD, Norbert Schmitt,
erklärte zum Bericht der «Bild»-Zeitung: «Das
Parlament bestimmt den Zeitpunkt von Neuwahlen, nicht Roland Koch. Und
im hessischen Landtag hat er keine Mehrheit mehr.» Man könne
die Bürger nicht so oft wählen lassen kann, bis einem das
Ergebnis passe. Die SPD werde weiter versuchen, den Politikwechsel aus
dem Parlament heraus zu gestalten.
Der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn strebt nach wie vor eine
Jamaika-Koalition mit CDU und Grünen an. Allerdings werde die FDP
nicht beliebig lange auf Signale der Grünen warten, sagte er in
Limburg auf einem Landesparteitag. Ohne Aussicht auf eine
Regierungsmehrheit müsse zügig der Weg zur Neuwahl
spätestens im Sommer nächsten Jahres beschritten werden. Er
halte den Termin der Europawahl für geeignet, auch einen neuen
Landtag zu wählen.
Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des
Senders n-tv käme die SPD nur noch auf 27 Prozent der Stimmen. Die
CDU käme auf 40 Prozent, die FDP auf 11, die Grünen auf 9 und
die Partei Die Linke auf 8 Prozent.
(Quelle: dpa)
Landtagswahlkampf in Bayern: Grünen-Landeschef Daxenberger zum
Spitzenkandidaten gewählt
So.08.06.08 - Grünen-Landeschef Sepp Daxenbeger führt seine Partei als
Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf. Der 46 Jahre alte Bio-Bauer
erhielt am Samstag auf der Landesdelegiertenversammlung in Augsburg 93
Prozent der Stimmen. Damit ziehen die bayerischen Grünen zum
ersten Mal mit einem Mann als alleinigem Spitzenkandidaten in eine
Landtagswahl. Die rund 260 Delegierten beschlossen auf dem
zweitägigen Parteitag ferner ihr Landtagswahlprogramm.
Schwerpunkte sind der Naturschutz und die Bildungspolitik.
Daxenberger wertete sein Wahlergebnis von 93 Prozent «für
eine grüne Partei» als «sensationell». Bis vor
kurzem wäre ein Mann als alleiniger Spitzenkandidat in seiner
Partei noch «undenkbar» gewesen. «Das ist für
mich ein Auftrag und eine Ehre, dass ich die Grünen in den
Wahlkampf führen darf», sagte er. 2003 waren die Grünen
zur Landtagswahl mit einem Viererteam aus den beiden Parteivorsitzenden
und den beiden Fraktionschefs angetreten, 1998 hatte Ruth Paulig die
Partei in den Wahlkampf geführt.
Er habe auf dem Parteitag «richtig gespürt», dass die
bayerischen Grünen «hoch motiviert und
begeisterungsfähig» seien, sagte Daxenberger zum Abschluss
der zweitägigen Versammlung. Wie bereits zum Auftakt des
Parteitags am Freitag betonte er die große Chance, die CSU im
Herbst unter 50 Prozent zu drücken. Dazu wollten die Grünen
ihren Teil beitragen.
In ihrem Wahlprogramm erklärten die Grünen es unter anderem
zum Ziel, Bayern zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie zu versorgen
sowie zur «gentechnikfreien Zone» zu machen. In der
Bildungspolitik setzen sie unter anderem auf eine längere
gemeinsame Schulzeit aller Kinder als bisher. «Und wir stehen
dafür, dass die Schule im Dorf bleibt, und dass wir mehr und
kleinere Klassen bekommen», sagte Daxenberger.
Bei der Diskussion über das Programm wurde eine Reihe von
Änderungsanträgen übernommen. So sollen nach dem Willen
der Grünen bei Kommunalwahlen bereits 16-Jährige abstimmen
dürfen. Aus Gründen der Gleichbehandlung fordert die Partei
außerdem, alle religiösen Symbole an Schulen zu verbieten.
Abgelehnt wurden dagegen unter anderem Anträge auf eine
Legalisierung harter Drogen und eine Aufweichung des Rauchverbots.
Es sei in «unglaublich kurzer Zeit» gelungen, «ein
hervorragendes Programm zu verabschieden», sagte Daxenberger. Der
Parteitag war überraschend mehrere Stunden früher zu Ende
gegangen als geplant. Dies habe aber nicht an der mangelnden
Diskussionsfreude der Delegierten gelegen, sondern an der
professionellen Organisation und auch «am Willen, sich nicht um
jedes Komma zu streiten», sagte der Landeschef. Zum Auftakt des
Parteitags hatte am Freitagabend die Grünen-Bundesvorsitzende
Claudia Roth ihre bayerischen Parteifreunde auf den Landtagswahlkampf
eingeschworen.
(Quelle: ddp)
CSU wirft CDU mangelnde Unterstützung vor Landtagswahl vor
So.08.06.08 - Vor der gemeinsamen Präsidiumssitzung von CDU und CSU werfen
führende CSU-Politiker der Schwesterpartei fehlende
Unterstützung bei der Landtagswahl vor. «Der Wahlerfolg der
CSU in Bayern wird nicht von Merkels Gnaden sein», kritisierte
der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein im
«Focus» die mangelnde Wahlkampfhilfe von Kanzlerin Angela
Merkel und ihrer Partei. Zwar sei die CSU «auf Geschenke der CDU
nicht angewiesen». Diese begehe aber etwa mit ihrem Zögern
bei der Rückkehr zur alten Pendlerpauschale einen Riesenfehler.
«Wenn die alles richtig machen würden, läge die Union
bei dem desaströsen Zustand der SPD ja längst bei 42 oder 43
Prozent und nicht bei mageren 35», sagte Beckstein. Die CSU muss
nach Umfragewerten von zuletzt 48 beziehungsweise 49 Prozent erstmals
seit langem wieder um ihre absolute Mehrheit bei den Landtagswahlen in
vier Monaten bangen.
Der Münchner CSU-Fraktionschef Georg Schmid sagte: «Es
wäre schon hilfreich, wenn wir von der CDU mehr Unterstützung
bekämen.» Es gehe nicht an, dass sich die CDU in der
Großen Koalition häufiger mit der SPD bespreche als mit der
CSU. Es sei «höchste Zeit, dass die CDU die Gemeinsamkeiten
mit und nicht die Gegensätze zu uns betont, um die Kräfte
gegen die Vorstellungen der SPD zu bündeln».
Der stellvertretende CSU-Chef Ingo Friedrich warnte vor den Folgen, die
ein schwaches Abschneiden der Bayern im Land auch für die CDU und
Merkels Kanzlerschaft hätte: Die CDU müsse wissen,
«dass Angela Merkel ohne eine gewohnt starke CSU über 2009
hinaus nicht Kanzlerin bleiben kann».
Zudem streiten die Schwesterparteien laut «Focus» auch
wegen des Termins für die Europawahl am 7. Juni 2009. Da zu dieser
Zeit in Bayern Pfingstferien sind, würde die CSU den Termin
demnach gerne verschieben, da ansonsten die Wahlbeteiligung im
Freistaat sinken und die CSU an der bundesweit berechneten
Fünf-Prozent-Hürde scheitern könnte. Schon im März
habe Beckstein in einem Brief an Merkel und EU-Parlamentspräsident
Hans-Gert Pöttering (CDU) seine Bedenken formuliert, schreibt das
Magazin. Die Kanzlerin aber habe Beckstein zuletzt gesagt, da sei
leider nichts zu machen. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis
kritisierte die ablehnende Haltung der Schwesterpartei: «Die CDU
schießt ein Eigentor, wenn sie uns hier nicht hilft.»
(Quelle: ap)
CDU-Frauen wollen mehr Ämter
So.08.06.08 - Die Frauen in der CDU mahnen einen höheren weiblichen Anteil bei
der Besetzung von Spitzenpositionen an. Die Bundesvorsitzende der
Frauen-Union der CDU, Maria Böhmer, forderte am Samstag auf der
60-Jahr-Feier ihrer Organisation in Berlin, beim 70-Jahr-Jubiläum
müssten unter den CDU-Ministerpräsidenten und -Landeschefs,
in den Vorständen von DAX-Unternehmen und Gewerkschaften sowie bei
den Chefredakteuren und Intendanten ein Drittel Frauen seien.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, die CDU müsse mehr
Frauen als Direktkandidaten aufstellen, «und nicht nur dort, wo
kein Mann kandidieren will». «Stolz» ist die
Frauen-Union laut Böhmer, dass die CDU mit Angela Merkel die erste
Bundeskanzlerin stellt und 2009 erstmals mit einer Kanzlerin in den
Wahlkampf geht.
(Quelle: ddp)