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Irak 1539 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
USA nehmen schiitischen Waffenhändler in Bagdad fest - Soll auch
Führer einer Todesschwadron sein. Mehrere Tote bei Anschlägen
am Wochenende. Irakischer Ministerpräsident in Teheran.
Türkische Armee greift kurdische Rebellen im Nordirak an
Mo.09.06.08 - Amerikanische Soldaten haben einen schiitischen Waffenhändler
gefangengenommen, der auch Führer einer Todesschwadron sein soll.
Das teilten die US-Streitkräfte am Sonntag mit. Der
Verdächtige soll schiitische Extremisten zur Ausbildung in den Iran
geschleust und wieder in den Irak zurückgebracht haben.
Die USA werden dem Iran vor, schiitische Milizen mit Waffen und Geld zu
versorgen und ihre Kämpfer auszubilden. Teheran bestreitet dies.
Die Verhaftung des Waffenhändlers fiel mit einem Besuch des
irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki in Teheran zusammen.
Die Verhaftung sei nach Hinweisen bereits inhaftierter Milizionäre
möglich geworden, hieß es in einer Erklärung der
US-Streitkräfte. «Dem gesuchten Mann wird vorgeworfen,
Kommandeur einer Todesschwadron in Basra zu sein, ein Waffenhändler
mit Verbindungen zum Iran und ein Fälscher», erklärten
die Streitkräfte.
In einer weiteren Mitteilung des US-Militärs hieß es, in
Mossul seien sechs sunnitische Extremisten verhaftet worden, darunter
ein mutmaßlicher Führer der Terrorgruppe Al-Kaida im Irak. Am
Sonntag wurden bei einem Angriff auf den Hauptsitz der irakischen
Polizei in Bagdad vier Rekruten getötet und 22 Menschen verletzt,
teilte die Polizei mit. Beim Einschlag einer Mörsergranate im
Verteidigungsministerium wurde ein Mensch getötet und fünf
weitere wurden verletzt.
Bei Bombenanschlägen auf Polizeikonvois wurden am Samstag in
Bagdad mindestens sechs Menschen getötet. Mindestens 23 weitere
wurden teils schwer verletzt, wie die Behörden mitteilten.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat bei seinem
Besuch in Teheran für mehr Unterstützung für sein Land
geworben. Vertiefte Beziehungen Bagdads und Teherans würden zu
Entwicklung und Stabilität im Irak beitragen.
Das sagte Al-Maliki nach Angaben der amtlichen iranischen
Nachrichtenagentur IRNA. Nach einem Gespräch mit Al-Maliki sprach
sich der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad ebenfalls
für mehr Stabilität im Nachbarland aus. «Alle
Nachbarstaaten, Freunde sowie die Vereinten Nationen sollten dem Irak
helfen, diese kritische Phase zu überwinden und endlich Sicherheit
und Stabilität zu erreichen», sagte er. Zugleich forderte er
indirekt die USA auf, das Nachbarland nicht mehr «zu
manipulieren».
Irans Führung hat Bagdad in den vergangenen Tagen davor gewarnt,
einen langfristigen Militärpakt mit den USA einzugehen. In dem
amerikanischen Entwurf für das Abkommen soll die Rede davon sein,
dass die US-Truppen vom Irak aus Staaten angreifen könnten, die
«eine Gefahr für die internationale Stabilität»
darstellen.
Türkische Kampfflugzeuge haben am Samstagabend ein Lager der
kurdischen Untergrundorganisation PKK im Nordirak angegriffen.
Das Ziel sei "effektiv" getroffen worden, teilte der türkische
Generalstab am Sonntag mit. Angaben über Opfer gab es keine. Die
Meldung wurde zunächst auch nicht von der PKK oder einer
unabhängigen Seite bestätigt. Die türkische Armee geht
regelmäßig gegen kurdische Extremisten im Norden des Irak
vor. Im Februar unternahm sie eine breit angelegte Offensive mit
Kampfflugzeugen und Bodentruppen.
Erst vor kurzen war zudem bekannt geworden, dass die Türkei im
Kampf gegen PKK-Rebellen im Nordirak mit dem Iran zusammenarbeitet.
Demnach gibt es einen Informationsaustausch. Zudem seien koordinierte
Angriffe auf die Kämpfer der Kurdischen Arbeiterpartei geplant,
hatte der türkische Heereschef General Ilker Basbug am Donnerstag
gesagt. Iranische Truppen liefern sich immer wieder Gefechte mit
Rebellen der kurdischen PJAK, einer Splittergruppe der PKK. Auch sie
hat nach Einschätzung von Experten Schlupfwinkel im Norden des
Irak.
boa (Quellen: ap, dpa, rtr)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 09.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendfünfundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Guantanamo-Beamte sollten Verhör-Notizen vernichten
Mo.09.06.08 - Das Pentagon hat Vernehmungsbeamte im US-Gefangenenlager Guantanamo
nach Angaben eines Militäranwalts aufgefordert, handgeschriebene
Notizen zu vernichten. Eine entsprechende Anweisung sei in einem
Handbuch zu finden, das die Anklage ihm gezeigt habe, erklärte der
Anwalt des Guantanamo-Häftlings Omar Khadr, William Kuebler, am
Sonntag. Eine solche Zerstörung von Beweismaterial hindere ihn
daran, das angeblich erfolgte Geständnis anzufechten.
In dem Handbuch heißt es laut Kuebler, die Mission habe
rechtliche und politische Dimensionen, die dazu führen
könnten, dass Vernehmungsbeamte vor Gericht aussagen müssten.
«Die Zahl der Dokumente mit Verhör-Informationen gering zu
halten kann gewisse rechtliche Fragen minimieren», heißt es
weiter. Khadr wurde in Afghanistan gefangengenommen, als er 15 Jahre
alt war. Ihm droht ein Verfahren wegen Mordes, weil er 2002 in einem
Feuergefecht eine Granate geworfen haben soll, die einen US-Soldaten
tötete.
(Quelle: ap)
Drei britische Soldaten in Afghanistan getötet
Mo.09.06.08 - Bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan sind am Sonntag drei
britische Soldaten ums Leben gekommen. Damit stieg die Zahl der
getöteten britischen Soldaten seit Beginn des
Afghanistan-Einsatzes 2001 auf 100.
Die Soldaten waren etwa einen Kilometer von ihrem Stützpunkt im
Sangin-Tal zu Fuß auf Patrouille, als sie Ziel des Anschlags
wurde, wie die britischen Streitkräfte in einer Stellungnahme
erklärten. Ein vierter Soldat wurde verwundet. Luftmarschall Jock
Stirrup und Verteidigungsminister Des Brown sprachen den
Angehörigen in einer gemeinsamen Stellungnahme ihr Mitgefühl
aus. Sie betonten, die britischen Truppen leisteten einen wichtigen
Beitrag zur Niederschlagung der Taliban.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Versöhnungstreffen zwischen Palästinensergruppen im Senegal -
Fatah: Abbas auch 2010 unser Kandidat bei Präsidentenwahl
Mo.09.06.08 - In der senegalesischen Hauptstadt Dakar haben sich Vertreter der
verfeindeten Palästinensergruppen Hamas und Fatah zu
Versöhnungsgesprächen getroffen. Ziel sei es gewesen,
Meinungsverschiedenheiten auszuräumen und "die
palästinensische Familie" zu versöhnen, hieß es in einer
Erklärung. Der Dialog sei "brüderlich und direkt" gewesen. Es
sei gelungen, ein "Klima des Vertrauens und des gegenseitigen Respekts"
herzustellen. Das Treffen der palästinensischen Gesandten kam den
Angaben zufolge unter Vermittlung des senegalesischen Staatschefs
Abdoulaye Wade zustande, der derzeit den Vorsitz der Organisation der
Islamischen Konferenz (OIC) inne hat.
Am Freitag hatte ein Sprecher des senegalesischen Präsidenten
gesagt, das innerpalästinensische Treffen sei der erste Teil von
mehrstufigen Vermittlungsbemühungen zwischen Israelis und
Palästinensern. Zunächst sollten die Palästinenser sich
untereinander auf eine gemeinsame Position zum Frieden mit Israel
verständigen. Die Hamas hatte am Donnerstag ein Angebot von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu einem Dialog
angenommen. Die radikalislamische Organisation hatte vor einem Jahr die
Macht im Gazastreifen an sich gerissen. Abbas kontrolliert mit seiner
Fatah-Organisation das Westjordanland.
Abbas wird indes zu einem Besuch in Saudi-Arabien erwartet. Er werde
mit dem König nicht nur über den geplanten Dialog mit der
Hamas, sondern auch über den stockenden Friedensprozess mit Israel
beraten, sagte der palästinensische Vertreter in Riad, Dschamal
Schobaki, der Nachrichtenagentur AFP.
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas wird sich nach Angaben
seiner Fatah-Organisation im Jahr 2010 erneut zur Wahl stellen.
Abbas sei der Kandidat der Fatah, teilte die Gruppe am Samstag mit. Der
palästinensische Präsident hatte bislang erklärt, er
werde für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung stehen.
Die Fatah will Abbas aber nach eigenen Angaben zu einer erneuten
Kandidatur drängen, da ihr personelle Alternative fehlen. Eine
Umfrage vom Mai hatte gezeigt, dass der Großteil der
Palästinenser hinter dem Kurs von Abbas steht.
Der Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern war
zuletzt ins Stocken geraten. Die mit der moderaten Fatah konkurrierende
radikal-islamische Hamas ist gegen Friedensverhandlungen mit Israel.
Abbas hatte die Hamas am Donnerstag zu Versöhnungsgesprächen
aufgerufen. Experten befürchten, dass der Korruptionsskandal um den
israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert das Zustandekommen
eines für Ende des Jahres geplanten Abkommens zusätzlich
behindern werde.
boa (Quellen: afp, rtr)
13 Tote bei Bombenanschlägen in algerischem Bahnhof
Mo.09.06.08 - Bei zwei Bombenanschlägen in einem algerischen Bahnhof sind am
Sonntag nach offiziellen Angaben mindestens 13 Menschen getötet
worden. Es handelte sich um zwei offenkundig aufeinander abgestimmte
Explosionen. Unter den Toten sind zahlreiche Feuerwehrleute und
Soldaten, die nach der ersten Explosion zum Tatort eilten und dann
selbst in einen neuerlichen Bombenanschlag gerieten.
Schauplatz des Anschlags war die Ortschaft Beni Amrane, rund 100
Kilometer östlich der Hauptstadt Algier. Wie aus
Sicherheitskreisen verlautete, richtete sich die erste Explosion gegen
einen Franzosen, der dort bei Gleisarbeiten half. Der offenbar mit
einer Fernsteuerung gezündete Sprengsatz detonierte, als der
Franzose in seinen Wagen stieg. Fünf Minuten später
detonierte eine zweite Bombe, als bereits Rettungskräfte am Tatort
eingetroffen waren.
Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. In dem
nordafrikanischen Land ist eine Gruppierung des islamistischen
Terrornetzwerks Al Kaida aktiv. Im Dezember wurden bei einem Anschlag
in Algier dutzende Menschen getötet, darunter 17 Mitarbeiter der
Vereinten Nationen. Damals bekannte sich eine A-Kaida-Gruppierung zu
der Tat.
(Quelle: ap)
Nord- und Südsudan einigen sich im Konflikt um
Ölförderregion
Mo.09.06.08 - Die Nord- und die Südhälfte des Sudans haben sich auf einen
Fahrplan zur Beilegung des Konfliktes um umstrittene ölreiche
Gebiete an der Grenze der beiden Landesteile geeinigt. Präsident
Omar al Baschir unterzeichnete am Sonntag für den mehrheitlich
arabischen Norden eine entsprechende Vereinbarung, für den
Süden unterschrieb Vizepräsident Salva Kir. Erstmals sollen
auch die Vereinten Nationen (UN) freien Zugang zur Region von Abyei
bekommen.
Beide Parteien wollen sich in dem Grenzstreit dem Urteil eines
internationalen Schiedsgerichts unterwerfen, wenn binnen Monatsfrist
keine Einigung auf dem Verhandlungsweg erreicht werden kann.
Der Konflikt um das ölreiche Gebiet hatte den vor drei Jahren
geschlossenen Friedensvertrag der beiden Landeshälften in den
vergangenen Wochen ernsthaft bedroht. In dem Vertrag von 2005 blieb der
Status von Abyei ausgeklammert, da beide Seiten das Gebiet bereits
damals für sich beanspruchten.
(Quelle: ap)
Simbabwe: Präsident Mugabes Anhänger verhindern Kundgebung
der Opposition in Harare
Mo.09.06.08 - Anhänger von Präsident Robert Mugabe haben nach
Oppositionsangaben erneut eine Kundgebung der Bewegung für
Demokratischen Wandel (MDC) in Harare verhindert. Die Anhänger
Mugabes hatten das Gelände in einem Vorort der Hauptstadt, auf dem
MDC-Politiker sprechen wollten, umzingelt, wie Parteisprecher Nelson
Chamisa erklärte. Deswegen sei die Kundgebung annulliert worden.
Zwei andere Veranstaltungen in der Hauptstadt sollten
planmäßig stattfinden.
Ein Gerichtsurteil vom Samstag hatte zuvor das von der Polizei
erlassene Versammlungsverbot für nichtig erklärt.
Oppositionsführer Morgan Tsvangirai, der in knapp drei Wochen bei
der Stichwahl um das Präsidentenamt gegen Mugabe antritt, setzte
am Sonntag seinen Wahlkampf in Simbabwes zweitgrößter Stadt
Bulawayo fort.
Der Wahlkampf war bislang geprägt von Festnahmen Oppositioneller
und zahlreichen Kundgebungsverboten sowie
Einschüchterungsversuchen durch die Polizei. «Wir
müssen einen Weg finden, unsere Wähler unter diesen
Bedingungen zu erreichen», sagte ein MDC-Sprecher, Nqobizitha
Mlilo.
Die Polizei nahm am Samstag einen weiteren Oppositionspolitiker fest,
den MDC-Abgeordneten Eric Matinenga. Ihm wurde vorgeworfen, Gewalt
geschürt zu haben. Am Sonntag wurde er wieder freigelassen.
Matinenga war im Lauf der Woche bereits ein Mal festgenommen worden,
kam wegen fehlender Beweise aber wieder frei. Sicherheitskräfte
haben der MDC zufolge in den vergangenen zwei Monaten mindestens 60
ihrer Anhänger getötet.
Mugabe regiert das Land seit 1980. In den vergangenen Jahren wurde sein
Regierungsstil zunehmend autoritär.
Nach Einschätzung der Vereinten Nationen (UN) sind in Simbabwe
mindestens zwei Millionen Menschen von Hungertod, Obdachlosigkeit und
Krankheiten bedroht. Das Verbot internationaler Hilfseinsätze vor
der Stichwahl am 27. Juni sei «eine beklagenswerte
Entscheidung», sagte der UN-Koordinator für humanitäre
Einsätze, John Holmes, am Freitag in New York. Darunter zu leiden
hätten die Ärmsten und Verletzlichsten, «vor allem
Kinder». Mugabes Regierung warf den Hilfsorganisationen vor,
verdeckt für die Opposition zu werben.
(Quelle: ap)
Mindestens 26 Tote bei Kämpfen in Sri Lanka
Mo.09.06.08 - Bei schweren Kämpfen im Norden Sri Lankas sind am Sonntag nach
Militärangaben 20 Rebellen und sechs Soldaten getötet worden.
Die Regierungstruppen hätten einen Vorstoß auf das Gebiet
von Welioya geführt und dort die Rebellen angegriffen. Bei dem
blutigen Gefecht wurden den Angaben zufolge außerdem 35 Rebellen
und 18 Regierungssoldaten verwundet.
Die Rebellenorganisation Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)
kämpft seit 1983 für die Unabhängigkeit der Tamilen auf
Sri Lanka. Mehr als 70.000 Menschen wurden dabei getötet.
(Quelle: ap)
Militär in Birma verstärkt Kontrolle von Katastrophengebiet
Mo.09.06.08 - Die Militärjunta in Birma hat die Sicherheitskontrollen im
Katastrophengebiet massiv verstärkt. Auf den Zugangsstraßen
zum Irawadi-Delta hätten Soldaten mit Maschinengewehren
unzählige Straßensperren errichtet, berichtete ein
AFP-Korrespondent am Sonntag aus der Stadt Bogolay. Alle Autos
würden durchsucht. Zudem vertrieben die Soldaten notleidende
Menschen von den Straßen, die dort um Nahrungsmittel betteln
wollten. Die Militärjunta dementierte Berichte, dass sie
Überlebende aus den Notlagern vertreibe und zwinge, in ihre teils
noch überflutete Heimat zurückzukehren.
Fünf Wochen nach dem Wirbelsturm trafen indes fünf
UN-Hubschrauber zur Katastrophenhilfe in Rangun ein. Die von den
Vereinten Nationen gecharterten Hubschrauber waren am Samstagmorgen aus
Bangkok gestartet, wo sie tagelang auf eine Landeerlaubnis in Birma
gewartet hatten. Sie sollen nach Angaben eines Sprechers des
Welternährungsprogramms (WFP) Helfer in einige der am meisten
zerstörten Dörfer im Irawadi-Delta bringen.
"Es ist ein guter Anfang", sagte der Sprecher. Er hoffe, dass die
Helikopter kommende Woche in das Delta fliegen könnten. Das WFP
hatte vor rund zwei Wochen die Erlaubnis von der Militärjunta
erhalten, zehn Hubschrauber in das Land einfliegen zu lassen, in dem
mehr als eine Million Menschen nach wie vor keine ausländischen
Hilfen erhalten haben.
Zu den Vorwürfen der Menschenrechtsorganisation Amnesty
International (ai), dass die Junta die Überlebenden aus den
Notlagern vertreibe, hieß es in der staatlichen Zeitung "New Light
of Myanmar", die Anschuldigungen seien "völlig haltlos". Allen
Zyklonopfern sei Hilfe gegeben worden, so dass sie nun freiwillig nach
Hause zurückkehren könnten. "Ein Sturm dauert nicht mehr als
ein oder zwei Tage", hieß es in der Zeitung weiter. "Jetzt ist
alles vorbei."
Ai hatte am Donnerstag berichtet, dass von den ursprünglich 45
Notlagern in Birma inzwischen nur noch drei existierten. Die Menschen
würden zum Verlassen der Lager gezwungen, obwohl ihre Häuser
noch immer zerstört seien und sie nicht wüssten, wohin sie
gehen sollen.
(Quelle: afp)
Südost-China vom schlimmsten Unwetter seit 50 Jahren heimgesucht
Mo.09.06.08 - Während im Südwesten Chinas die Rettungsmannschaften unter
Hochdruck noch mit den Folgen des verheerenden Erdbebens kämpfen,
wird der Südosten des Landes von den schlimmsten Regenfällen
seit einem halben Jahrhundert heimgesucht.
Zahlreiche Städte seien von Überschwemmungen betroffen, wie
lokale Medien am Sonntag berichteten. Mindestens ein Mensch kam ums
Leben. Dabei soll es sich laut einer Tageszeitung um einen
Grundschüler handeln, der von den Wassermassen in der Provinz
Guangdong am Samstag mitgerissen wurde. Tausende Menschen wurden in
Sicherheit gebracht.
In der Region regnet es seit zwei Wochen heftig, doch allein in den
vergangenen zwei Tagen gingen dem Bericht nach in einigen Gebieten mehr
als 400 Millimeter nieder. Meteorologen sprachen von dem schlimmsten
Unwetter seit 50 Jahren. Für Dienstag sagten sie weitere starke
Regenfälle voraus.
(Quelle: rtr)
Rekordjagd beim Ölpreis löst weltweit Schock aus -
Umweltministerium erwartet weitere Gaspreis-Erhöhung bis zu 40
Prozent
Mo.09.06.08 - Die Rekordjagd der Ölpreise hat am Wochenende unter Politikern,
Verbrauchern und Börsenhändlern weltweit Schock und Besorgnis
ausgelöst.
Die Energieminister der G8-Staaten standen auf ihrem Gipfel im
japanischen Aomori dem rasant gestiegenen Ölpreis hilflos
gegenüber. Die Bundesregierung zeigte sich alarmiert. Australiens
Ministerpräsident Kevin Rudd forderte größeren Druck
auf die Opec zur Förderung von mehr Rohöl. Das Kartell zeigte
sich jedoch unbeeindruckt. In Indonesien ließen sich Studenten
aus Protest gegen hohe Benzinpreise die Lippen zunähen. Die
Finanzmärkte - so auch in Frankfurt - machten sich auf eine
turbulente Woche gefasst.
Der Ölpreis war am Freitag um knapp neun Prozent auf einen neuen
Rekord von mehr als 139 Dollar je Barrel geklettert. Es handelte sich
um den größten je verzeichneten Anstieg in Dollar innerhalb
eines Tages. "Es ist überwältigend, absolut
verblüffend", sagte Chris Feltin, Analyst bei Tristone Capital.
Einige Experten rechneten damit, dass ein Barrel Anfang Juli mit Beginn
der Ferienzeit in den USA über 150 Dollar kosten könnte, was
sich an den Zapfsäulen bemerkbar machen dürfte.
Den wachsenden Ärger über den steilen Preisanstieg bekommt
Australiens Regierungschef Rudd schon jetzt zu spüren. Es sei Zeit
für die G8, bei der Opec wirklich Druck zu machen, sagte er
deshalb am Sonntag dem Fernsehsender Channel Ten. Doch die Opec sieht
die jüngste Rekordjagd Kreisen des Kartells zufolge nicht als
Anlass für eine Sondersitzung.
Wie in Australien fällt auch in Spanien der Ärger der
Menschen auf die Regierung zurück. Ministerpräsident Jose
Luis Rodriguez Zapatero warf seinerseits der Europäischen
Zentralbank (EZB) vor, für den jüngsten Rekord verantwortlich
zu sein. EZB-Chef Jean-Claude Trichet habe mit seiner ungewöhnlich
deutlichen Äußerungen über eine baldige
Zinserhöhung den Dollar in den Keller geschickt und so die
Rekordjagd ausgelöst.
"Der Anstieg des Ölpreises wird zur realen Gefahr für die
Weltwirtschaft", sagte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) am
Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Glos forderte gemeinsame
Anstrengungen von Verbraucher- und Erzeugerländern, um die
Entwicklung beim Ölpreis zu stoppen. In Deutschland müssen
sich die Verbraucher zudem noch in diesem Jahr auf weitaus
stärkere Sprünge bei dem an den Ölpreis gekoppelten
Gaspreis einstellen als bisher erwartet. Über die bekannten 25
Prozent hinaus könne es noch einmal eine Erhöhung um bis zu
40 Prozent geben, sagte der parlamentarische Staatssekretär
Michael Müller der "Welt am Sonntag". Grund seien
Spekulationsgewinne und der hohe Ölpreis.
"Das ist ein Schock", sagte US-Energieminister Sam Bodman zum neuen
Preisrekord. Er forderte deshalb ein Ende staatlicher
Treibstoff-Subventionen. Südkorea kündigte praktisch
zeitgleich an, angesichts des Rekord-Ölpreises ärmere
Bürger mit Milliarden-Hilfen beim Benzin-Kauf entlasten zu wollen.
Für die kommenden zwölf Monate würden umgerechnet 6,5
Milliarden Euro bereitgestellt. In Indonesien hatte die Regierung
dagegen jüngst die Hilfen gekürzt und den Benzinpreis um 30
Prozent angehoben.
Russland kündigte unterdessen Steuererleichterungen für
Ölkonzerne in Höhe von bis zu 8,4 Milliarden Dollar an. So
solle die Produktion angekurbelt werden, da die bereits angebotenen
Steuerkürzungen dafür nicht ausgereicht hätten, sagten
Regierungsvertreter am Rande des Wirtschaftsforums in St. Petersburg.
Russlands neuer Präsident Dmitri Medwedew feierte sein Land dort
als neue Wirtschaftsmacht. Russland ist nach Saudi-Arabien weltweit der
zweitgrößte Erdölexporteur, aber nicht Mitglied der
Opec.
(Quelle: rtr)
Union streitet offen über Pendlerpauschale
Mo.09.06.08 - In der Union ist der Streit über Steuersenkungen und die
Pendlerpauschale vor dem Treffen der Parteispitzen ab Sonntag in Erding
bei München offen entbrannt. Die CDU-Vorsitzende und
Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte die Forderung von CSU-Chef Erwin
Huber nach raschen Steuerentlastungen ab. Der bayerische
Ministerpräsident Günther Beckstein warf Merkel einen
Riesenfehler vor und beklagte mangelnde Unterstützung im
bayerischen Landtagswahlkampf.
Merkel sagte am Sonntagabend in Erding mit Verweis auf den anstehenden
Bundeshaushalt 2009: «Die Spielräume sind sehr
begrenzt». Die Union wolle jetzt zunächst einmal die
Familien entlasten und die Arbeitslosenbeiträge senken. Ein
schuldenfreier Bundeshaushalt bis 2011 Vorrang habe vor
Steuersenkungen. «Die Bundesregierung hat entschieden, in der
Frage der Pendlerpauschale die Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts abzuwarten», sagte sie dem
«Straubinger Tagblatt».
CDU und CSU verständigten sich bereits vor der gemeinsamen
Präsidiumssitzung auf das Ziel, das Kindergeld und den
Kinderfreibetrag zum 1. Januar 2009 zu erhöhen und gleichzeitig
den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 3,3 auf 3,0 Prozent zu
senken.
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch sagte, der
schuldenfreie Haushalt 2011 müsse «in Stein gemeißelt
als Eckpunkt stehen». Alles andere wäre verantwortungslos
gegenüber der nächsten Generation. Auch beim Nein zur
Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer habe
die Kanzlerin Recht. Man müsse das Urteil des
Bundesverfassungsgerichts abwarten, fügte Koch hinzu, der auch
stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender ist. Der
baden-württembergische Ministerpräsident Günther
Oettinger sagte ebenfalls, solange es keinen ausgeglichen Haushalt
gebe, gebe es auch keinen Spielraum für Steuererleichterungen.
Dagegen forderte CSU-Chef Huber die Schwesterpartei auf, angesichts
sinkender Umfragewerte für die Große Koalition auf das
Steuerkonzept seiner Partei einzuschwenken. Für die CSU seien
«Steuersenkung und Konsolidierung des Haushalts gleich wichtig
und vereinbar», sagte er in Erding. «Deshalb müssen
unsere Freunde aus der CDU auch nicht diese Scheinalternative
diskutieren. Wir können beides schaffen», sagte Huber der
«Berliner Zeitung» und forderte, mit der Pendlerpauschale
nicht bis 2010 zu warten.
Der bayerische Ministerpräsidenten Günther Beckstein
kritisierte, dass bei der Pendlerpauschale «die CDU oder
zumindest die Kanzlerin anderer Meinung bleiben wird»: Damit
mache sie «einen Riesenfehler». Politik müsse die
Stimmung der Menschen aufnehmen und sich nicht erst von Karlsruhe
zwingen lassen.
«Der Wahlerfolg der CSU in Bayern wird nicht von Merkels Gnaden
sein», kritisierte Beckstein im Magazin «Focus». Drei
Monate vor der Landtagswahl muss die CSU mit Umfragewerten von 49
Prozent um ihre absolute Mehrheit bangen.
Unterstützung bekam die CSU vom saarländischen
Ministerpräsidenten Peter Müller und vom Chef des
CDU-Arbeitnehmerflügels und nordrhein-westfälischen
Arbeitsminister Karl-Josef Laumann. Müller sagte, das
CSU-Steuerkonzept mit Steuersenkungen von 28 Milliarden Euro bis 2012
sei grundsätzlich richtig. Der Haushalt müsse konsolidiert
werden, aber «trotzdem gibt es Spielräume für eine
deutliche Entlastung der Bürger», wird er von «Bild am
Sonntag» zitiert. Auch «beim Kindergeld und bei der
Pendlerpauschale können wir den Bürgern
entgegenkommen», fügte Müller hinzu. Laumann sagte der
«Welt»: «Wir müssen die Kilometerpauschale
wieder vom ersten Kilometer an zahlen, und zwar in der bisherigen
Höhe.»
(Quelle: ap)
EU-Kommissar beklagt niedrige Bezahlung der Frauen in Deutschland -
Spidla nennt Abstand von 22 Prozent zu Verdiensten der Männer -
Mit Estland, Zypern und Slowakei am unteren Ende in Europa
Mo.09.06.08 - EU-Sozialkommissar Vladidmir Spidla hat die zu niedrige Entlohnung von
Frauen in der Bundesrepublik kritisiert. «In Deutschland liegt
der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen um rund 22 Prozent unter
dem der Männer», sagte Spidla der Tageszeitung «Die
Welt». Damit gehöre Deutschland zu den Staaten mit der
größten Ungleichheit bei der Bezahlung von Männern und
Frauen, beklagte das Mitglied der Europäischen Kommission.
Nur in Estland, Zypern und der Slowakei seien die Unterschiede noch
größer oder ebenso groß, wird Spidla zitiert. Im
Durchschnitt verdienten Frauen in der EU 15 Prozent weniger als
Männer. Nach den Worten des tschechischen EU-Kommissars ist das
Lohngefälle um so niedriger, je geringer die Beteiligung von
Frauen am Arbeitsmarkt ist.
Spidla forderte die Arbeitgeber auf, das Prinzip gleicher Lohn für
gleiche Arbeit auch wirklich anzuwenden. Den Arbeitgebern falle bei der
Bekämpfung von ungerechtfertigten Lohnunterschieden in der EU eine
Schlüsselrolle zu. Dies sei nicht nur eine ethische Frage. Eine
faire Bezahlung würde auch die Motivation der Mitarbeiter
verbessern und damit zu Produktivitätssteigerungen führen.
Weiter setzte sich der für Sozialpolitik zuständige
EU-Kommissar für Maßnahmen zu einer besseren Vereinbarkeit
von Familie und Beruf ein und forderte auch mehr Frauen in
Führungspositionen. Nach Erkenntnissen der Europäischen
Kommission ist die Beschäftigung von Frauen in den vergangenen
Jahren kontinuierlich gestiegen. Zwischen 2000 und 2006 sei sie allein
um 7,5 Millionen gewachsen, die der Männer dagegen nur um 4,5
Millionen. Jede dritte Frau arbeite allerdings nur in Teilzeit
(Männer: acht Prozent).
(Quelle: ap)
Immer schlechtere Berufschancen für Hauptschüler
Mo.09.06.08 - Hauptschüler finden immer schwerer einen Ausbildungsplatz. Das
geht aus dem noch unveröffentlichten Bildungsbericht von Bund und
Ländern hervor, der der dpa vorliegt. Demnach hat jeder zweite
Hauptschüler auch 13 Monate nach Schulabschluss noch keine
Lehrstelle gefunden. Demgegenüber schafft jeder zweite
Realschüler bereits drei Monate nach Schulabgang den Sprung in
eine qualifizierte Ausbildung. Der Bericht soll am Donnerstag
vorgestellt werden.
(Quelle: dpa)
Gewerkschaften für Mitgliederprivilegien in Tarifverträgen
Mo.09.06.08 - Im Kampf gegen den Mitgliederschwund wollen einige Gewerkschaften in
möglichst vielen Tarifverträgen Sondervergünstigungen
unterbringen. «Wir wollen versuchen, in allen
Tarifabschlüssen Vorteilsregelungen für
Gewerkschaftsmitglieder zu vereinbaren», sagte ver.di-Tarifexperte
Jörg Wiedemuth laut Nachrichtenmagazin «Focus». Dies
sei der Gewerkschaft zum Beispiel bei den Verhandlungen für die
9.000 Hafenarbeiter in Deutschland gelungen. Gewerkschaftsmitglieder
erhielten 260 Euro pro Jahr zusätzlich.
Der Vorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Klaus Wiesehügel,
sprach laut «Focus» von einer neuen Entwicklung, die er mit
Sympathie betrachte. Auch die IG Bergbau, Chemie, Energie wolle sich die
neue Strategie zueigen machen, ebenso die Gewerkschaft Nahrung, Genuss,
Gaststätten, heißt es in dem Bericht weiter.
Zurückhaltender sei man bei der IG Metall. Für diese sei ein
Mitgliederbonus im Einzelfall denkbar, aber kein strategisches
tarifpolitisches Ziel. Die Arbeitgeber sind gegen das neue Privileg.
Gesamtmetall-Sprecher Peter Klotzki sagte: «Den Bonus lehnen wir
ab. Die Bezahlung richtet sich nach Tarifvertrag, nicht nach
Gewerkschaftszugehörigkeit.»
(Quelle: ap)