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Irak 1540 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Fünf Tote bei US-Luftangriffen - Iran: US-Präsenz behindert
irakischen Einheitsprozess
Di.10.06.08 - Bei einem Angriff der US-Luftwaffe im Nordwesten des Iraks sind am
Montag fünf mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder getötet
worden. US-Soldaten waren nach Militärangaben auf der Suche nach
Extremisten im Einsatz und konnten landesweit 13 Verdächtige
festnehmen. In einer abgelegenen Region im Nordwesten kamen sie unter
heftigen Beschuss und forderten Verstärkung aus der Luft an. Nach
dem Angriff seien zahlreiche Waffen sowie Sprengstoff sichergestellt
worden, hieß es aus Militärkreisen.
Im Osten von Bagdad explodierte am Montag eine Autobombe unweit einer
Patrouille der irakischen Streitkräfte. Dabei wurden ein Leutnant
sowie drei Passanten in den Tod gerissen, wie die Polizei mitteilte.
Mindestens sieben Menschen wurden verletzt.
Der geistliche Führer des Irans sieht in der Präsenz der USA
den Grund für die unsichere Lage im Irak.
Die Einmischung der Besatzer in innerstaatliche Angelegenheiten sei die
größte Schwierigkeit auf dem Weg zur nationalen Einheit,
sagte Ajatollah Ali Chamenei am Montag bei einem Besuch des irakischen
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Chamenei sicherte der
Regierung in Bagdad erneut seine Unterstützung zu: "Es ist unsere
religiöse Pflicht, dem Irak zu helfen."
Die USA und der Irak verhandeln derzeit über ein Abkommen, das es
den US-Truppen erlauben soll, auch nach dem Ende des UN-Mandats am 31.
Dezember in dem Land zu bleiben. Iran und Irak führten in den
1980er Jahren einen acht Jahre langen Krieg, bei dem etwa eine Million
Menschen starben. Seit dem Sturz Saddam Husseins durch die von den USA
geführte Invasion 2003 hat der Einfluss des Iran im Irak
zugenommen. Die USA werfen der Islamischen Republik vor, den Irak durch
die Finanzierung, Ausbildung und Ausstattung von schiitischen
Aufständischen zu destabilisieren.
boa (Quellen: ap, rtr)
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 10.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendsechsundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Weltweite Rüstungsausgaben steigen weiter
Di.10.06.08 - Der kräftige Aufwärtstrend bei den weltweiten
Rüstungsausgaben hält auf breiter Front an. Das berichtete
das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI (Stockholm
International Peace Research Institute) am Montag.
Die Militärhaushalte stiegen im letzten Jahr im Vergleich zu 2006
um sechs Prozent auf 858 Milliarden Euro (1,339 Billionen Dollar). Seit
1998 betrug der Zuwachs 45 Prozent. Die höchsten Steigerungsraten
in dieser Zeit verzeichneten die Staaten Osteuropas
einschließlich der früheren Sowjetunion mit einem Plus von
162 Prozent. Russland legte 2007 beim Militärhaushalt um 13
Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.
Fast die Hälfte aller Rüstungsausgaben auf der Welt entfiel
mit 45 Prozent auf die USA. Seit 2001, dem Jahr der
Terroranschläge in New York und Washington, sind sie in den
Vereinigten Staaten um 59 Prozent gestiegen. Grund seien die Kriege im
Irak und in Afghanistan sowie der im eigenen Land ausgerufene
«Krieg gegen den Terror», hieß es im
SIPRI-Rüstungsjahrbuch.
Deutschland liegt in der Tabelle der Länder mit den höchsten
Militärausgaben auf dem sechsten Platz und hat nach
SIPRI-Berechnungen mit 23,7 Milliarden Euro (36,9 Milliarden Dollar)
einen Anteil von drei Prozent an den weltweiten Ausgaben. Hinter den
einsam führenden USA mit jährlichen Ausgaben von 350
Milliarden Euro (547 Milliarden Dollar) folgen fast gleichauf
Großbritannien, China und Frankreich. Sie geben jeweils etwa ein
Zehntel des US-Betrages für militärische Zwecke aus. Vor
Deutschland liegt auch noch Japan.
Beim internationalen Waffenhandel ermittelte das Institut einen Anstieg
um sieben Prozent für die Zeit von 2003 bis 2007 gegenüber
der Zeit von 2002 bis 2006. Deutschland war während dieser Spanne
der drittgrößte Rüstungsexporteur der Welt mit einem
Marktanteil von zehn Prozent. Die USA lagen mit 31 Prozent vorn,
gefolgt von Russland mit 25 Prozent.
Als dringend überfällige Antwort auf die derzeitigen Trends
bezeichnete SIPRI-Chef Bates Gill eine «Wiederbelebung der
internationalen Rüstungskontrolle». Dafür gebe es in
den kommenden zwei Jahren mit Blick auf mögliche neue politische
Führungen in Ländern wie Frankreich, Deutschland,
Großbritannien, Japan, Russland und vor allem demnächst in
den USA «neue Chancen und Öffnungen».
Die Notwendigkeit neuer Anstrengungen bei der Rüstungskontrolle
ergibt sich für SIPRI auch aus den nach wie gigantischen Arsenalen
an Atomwaffen. Acht Staaten verfügen hier über insgesamt 10
200 gefechtsbereite Sprengköpfe, während Vereinbarungen
über Rüstungskontrolle oder Nicht-Weiterverbreitung
«entweder schwanken oder kaum Fortschritte machen»,
heißt es im Jahrbuch.
Mit 14 blieb die Zahl der Kriege im letzten Jahr gegenüber 2006
unverändert. Während etwa in Burundi und Uganda zwei
bewaffnete Konflikte beendet werden konnten, kamen zwei neue auf den
Philippinen und in Somalia hinzu. Die Stockholmer Friedensforscher
zählen in dieser Statistik auch nach wie vor den von
Präsident George W. Bush ausgerufenen «Krieg gegen den
Terrorismus» auf - mit den USA als Ort des Geschehens. Generell
sei die Definition und Eingrenzung von Kriegen durch die
«fragmentierte Anwendung militärischer Gewalt und die
Zersplitterung beteiligter Akteure» kompliziert geworden, meint
SIPRI.
Die Liste der 15 Staaten mit den höchsten Rüstungsausgaben im
letzten Jahr wurde im SIPRI-Jahrbuch 2008 veröffentlicht:
in Mrd. Dollar Weltanteil in %
1. USA
|
547,0
|
45
|
| 2. Großbritannien |
59,7
|
5
|
3. China
|
58,3
|
5
|
4. Frankreich
|
53,6
|
4
|
5. Japan
|
43,6
|
4
|
| 6. Deutschland |
36,9
|
3
|
7. Russland
|
35,4
|
3
|
8. Saudiarabien
|
33,8
|
3
|
9. Italien
|
33,1
|
3
|
10. Indien
|
24,2
|
2
|
11. Südkorea
|
22,6
|
2
|
12. Brasilien
|
15,3
|
1
|
13. Kanada
|
15,2
|
1
|
14. Australien
|
15,1
|
1
|
15. Spanien
|
14,6
|
1
|
(Quelle: dpa)
Studie: Hilfe für Afghanistan kommt kaum bei Menschen an
Di.10.06.08 - Die internationalen Milliardenhilfen für Afghanistan kommen nach
der Studie einer nichtstaatlichen Organisation häufig nur in
Bruchteilen bei den Menschen an.
Von 100 gespendeten Dollar erreichten in einigen Fällen nur 20
Dollar die Afghanen, erklärte die unabhängige Organisation
Integrity Watch Afghanistan (IWA) wenige Tage vor der Geberkonferenz
für Afghanistan in Paris. Bis zu 50 Prozent des seit 2001
bereitgestellten Geldes floss demnach in Sicherheitsmaßnahmen
für die zahlreichen ausländischen Helfer und deren Bezahlung.
IWA-Autor Lorenzo Delesgues forderte die Geberländer auf, ihre
Hilfe effektiver zu organisieren und die Ausgaben besser zu steuern.
"Hilfe besteht nicht nur darin, medizinische Unterstützung zu
leisten oder Schulen zu bauen", sagte er am Montag in Kabul bei der
Vorlage der Studie. "Sie besteht auch darin, dem Staat zu mehr
Unabhängigkeit zu verhelfen. Das wird aber von den
Geberländern zu wenig gemacht."
Afghanistan will am Donnerstag in Paris um weitere 50 Milliarden Dollar
bitten. Sechs Jahre nach dem Sturz der Taliban ist der Krieg gegen die
islamischen Extremisten noch nicht beendet und Afghanistan gehört
noch immer zu den ärmsten Staaten der Welt. Deutschland beteiligt
sich an dem Nato-Einsatz mit rund 3500 Soldaten, die im Norden für
die Sicherheit verantwortlich sind und beim Wiederaufbau helfen.
Der Studie zufolge wurden in den vergangenen sieben Jahren 25
Milliarden Dollar (rund 16 Milliarden Euro) bereitgestellt, davon seien
15 Milliarden Dollar ausgegeben worden. Zwischen 15 und 30 Prozent des
Geldes sei in Sicherheitsmaßnahmen investiert worden. Bis zu 20
Prozent sind demnach in die sogenannte "Technische Hilfe" geflossen.
Dahinter verbergen sich die Gehälter für ausländische
Experten, die im Falle einer Hilfsorganisation der US-Regierung bis zu
22.000 Dollar (etwa 14.000 Euro) im Monat erhalten.
70 Prozent der Hilfe laufen zudem nicht über die Regierung. Damit
habe der Staat nicht genügend Kontrolle über die Ausgaben,
kritisierte die IWA. Außerdem sei die Regierung nach wie vor zu
90 Prozent von ausländischen Spenden abhängig und schulde
damit dem Volk zu wenig Rechenschaft. Die internationale Gemeinschaft
müsse stärker dafür sorgen, dass Afghanistan von seinem
Rohstoffreichtum profitiere. Die IWA macht die ineffektiven Hilfen auch
für die grassierende Korruption mitverantwortlich. Die Verteilung
des Geldes über zahlreiche Subunternehmer öffne
Schmiergeldern und Bestechung Tor und Tür.
(Quelle: rtr)
Iran warnt Israel vor 'schmerzhafter Antwort' auf Angriff
Di.10.06.08 - Israel muss nach einer Meldung der amtlichen iranischen
Nachrichtenagentur IRNA im Falle eines Angriffs auf Iran mit einer
«schmerzhaften Antwort» rechnen. IRNA zitierte den
iranischen Verteidigungsminister Mostafa Nadschdschar am Montag mit den
Worten, die Kriegsdrohung des israelischen Verkehrsministers Schaul
Mofas sei töricht gewesen.
Mofas, ein früherer Verteidigungsminister, hatte am Wochenende
einen Krieg gegen den Iran als unvermeidlich bezeichnet, sollte dieser
nicht sein Atomprogramm einstellen. Ministerpräsident Ehud Olmert
distanzierte sich von dieser Äußerung. Mofas erklärte
schließlich, es handele sich um seine persönliche Meinung,
nicht die der gesamten Regierung. Allerdings gibt es auch daneben rege
Spekulationen über geheime amerikanisch-israelische Pläne,
gegen das iranische Atomprogramm vorzugehen.
(Quelle: ap)
Simbabwe: Human Rights Watch ruft zu mehr Druck auf Mugabe auf
Di.10.06.08 - Angesichts andauernder politischer Gewalt in Simbabwe hat Human Rights
Watch die Nachbarländer und die Afrikanische Union zu
verstärktem Druck auf Präsident Robert Mugabe aufgefordert.
Die Menschenrechtsorganisation habe 36 Todesfälle und mehr als
2.000 Fälle von Verletzungen registriert, wofür
Parteigänger Mugabes mit Unterstützung von Polizei und
Streitkräften verantwortlich seien. Tatsächlich könnten
die Zahlen viel höher sein.
Sollte sich die Lage in den verbleibenden drei Wochen vor der Stichwahl
um das Präsidentenamt zwischen Mugabe und Oppositionsführer
Morgan Tsvangirai nicht drastisch verbessern, werde keine
glaubwürdige Abstimmung möglich sein, sagte Tiseke Kasambala,
eine Expertin von Human Rights Watch, die den am Montag
veröffentlichten Bericht erstellte.
Seit der ersten Runde der Wahl im März seien tausende Simbabwer
vertrieben worden, Krankenhäuser hätten Opfer nicht behandeln
dürfen, Dutzende Oppositionsaktivisten seien festgenommen worden,
Wohnungen und Geschäfte von Oppositionsanhängern
geplündert worden. Es sei Zeit für ein entschlosseneres
Vorgehen, sagte Kasambala.
Der sambische Informationsminister George Mulongoti, dessen Land den
Vorsitz der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC)
innehat, erklärte, es gebe wenige Alternativen. Die Krise und die
Notwendigkeit einer Vermittlung würden noch über die
Stichwahl am 27. Juni hinaus andauern. «Die Schwierigkeit ist,
dass Simbabwe ein souveräner Staat ist.» Die anderen
afrikanischen Länder könnten Mugabe daher allenfalls beraten.
Human-Rights-Watch-Expertin Kasambala forderte indes, die
diplomatischen Bemühungen um ein Ende der Krise der Afrikanischen
Union (AU) zu übertragen. Diese sei für schwerere Krisen
zuständig. «Die internationale Gemeinschaft scheint
unfähig, Druck auf Herrn Mugabe auszuüben», sagte
Kasambala telefonisch aus London. «Es ist mir nicht klar,
warum.»
Mugabe regiert das Land seit 1980. In den vergangenen Jahren wurde sein
Regierungsstil zunehmend autoritär. Der Wahlkampf war bislang
geprägt von Festnahmen Oppositioneller und zahlreichen
Kundgebungsverboten sowie Einschüchterungsversuchen durch die
Polizei.
(Quelle: ap)
Friedensabkommen für Somalia unterzeichnet
Di.10.06.08 - Die somalische Regierung und ein Bündnis von Oppositionsgruppen
haben am Montag ein Friedensabkommen unterzeichnet, das ein Ende der
Gewalt und den Rückzug der äthiopischen Truppen vorsieht. Das
Abkommen stellt einen wichtigen Schritt zu einem Ende der Kämpfe
in Somalia dar. Es bleibt aber abzuwarten, ob die Hardliner in der
Opposition, die die von den UN vermittelten Gespräche in Dschibuti
verurteilt haben, die Vereinbarung respektieren werden.
«Das Abkommen ist ein glänzender Schritt hin zum
Frieden», erklärte der somalische Informationsminister Ahmed
Abdisalam, der die Verhandlungen auf Regierungsseite geführt hat.
Von der oppositionellem Allianz für die Wiederbefreiung Somalias
war zunächst keine Reaktion zu erhalten.
Somalia ist seit dem Sturz von Machthaber Mohamed Siad Barre im Jahr
1991 ohne funktionierende Zentralregierung. Ein groß angelegter
UN-Einsatz unter Führung der US-Streitkräfte scheiterte in
den 90er Jahren. Das Land versank wieder in Anarchie. Nachdem
islamische Fundamentalisten vor einer Machtübernahme standen,
griffen äthiopische Truppen 2006 ein, um die Regierung zu
stützen. Doch die Gewalt konnten auch sie nicht eindämmen.
(Quelle: ap)
Birma verspricht Bauern nach Wirbelsturm 'nötige Hilfe'
Di.10.06.08 - Gut fünf Wochen nach dem Wirbelsturm in Birma hat die
Militärjunta den Landwirten und Fischern im zerstörten
Irawadi-Delta die "nötige Hilfe" versprochen, damit diese ihre
Arbeit bald wieder aufnehmen können. Das berichtet die
Staatszeitung "New Light of Myanmar", ohne allerdings den finanziellen
Rahmen der Unterstützung zu nennen. Derzeit würden
verschiedene Anstrengungen unternommen, um die Landwirtschaft - den
wichtigsten Wirtschaftssektor des Landes - wieder aufzubauen und die
wirtschaftliche Lage des Menschen vor Ort zu verbessern.
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So würden Bauern Maschinen und verschiedene Reissorten erhalten,
die Fischer Boote und Fischereizubehör. Das südostasiatische
Land war am 2. und 3. Mai von dem Wirbelsturm "Nargis" heimgesucht
worden. Seitdem gelten dort rund 133.000 Menschen als tot oder vermisst.
Das Irawadi-Delta gilt als Reiskammer des Landes und ist für die
Versorgung der Bevölkerung von großer Bedeutung. Die
schweren Verwüstungen durch "Nargis" hatten Ängste vor einer
Hungersnot in Birma ausgelöst.
(Quelle: afp)
Japan kündigt deutliche Senkung von CO2-Emissionen an
Di.10.06.08 - Japan will seinen Kohlendioxidausstoß bis 2050 um 60 bis 80
Prozent senken. Für die kommenden zwölf Jahre kündigte
Ministerpräsident Yasuo Fukuda eine Senkung um 14 Prozent an, wie
sie auch in Europa realistisch sei. Sein Land sei zu schwierigen
Schritten bereit, um mit gutem Beispiel voranzugehen, sagte Fukuda in
Tokio. Er hoffe, dass es auf dem G-8-Gipfel im Juli zu einem
internationalen Konsens über Maßnahmen zum Klimaschutz
kommen werde.
Japan ist Gastgeber dieses G-8-Gipfels, auf dem der Klimawandel eines
der wichtigsten Themen sein wird. Fukuda kündigte weiter an, Japan
werde 1,2 Milliarden Dollar (770 Millionen Euro) für einen
internationalen Fonds zur Reduzierung von Treibhausgasen beisteuern.
Außerdem wolle Tokio die Einrichtung eines weltweiten Marktes
für den Emissionshandel unterstützen. Es sei wichtig, einen
solchen Markt zu schaffen, der auf einer gesunden, echten Nachfrage
basiere und «nicht auf einem Geldspiel».
«Alle Nationen der Welt, einschließlich unserer eigenen,
müssen an diesen Bemühungen teilnehmen, damit sie
funktionieren», sagte Fukuda. Mit der Übernahme einer
Führungsrolle bei der CO2-Reduzierung könne Japan sein
internationales Ansehen vergrößern und seine Wirtschaft
stärken. Der Regierungschef rief alle Staaten der Welt auf, ihren
Kohlendioxidausstoß bis 2050 um die Hälfte zu kürzen.
Dazu seien extreme Anstrengungen nötig, räumte er ein.
Derzeit bemüht sich Japan, seine Verpflichtungen aus dem
Kyoto-Protokoll einzuhalten. Diese sehen eine Reduzierung des
Ausstoßes von Treibhausgasen bis 2012 um sechs Prozent unter den
Stand von 1990 vor. Zwar sei der japanische Ausstoß in den
vergangenen Jahren leicht gestiegen, doch hätten die Emissionen
bald ihren Höhepunkt erreicht. In den kommenden zwölf Jahren
sei daher eine Senkung um 14 Prozent gegenüber dem aktuellen Stadt
möglich. Ein festes Ziel für 2020 legte Fukuda indes nicht
fest.
(Quelle: ap)
Erneut Proteste in Indien gegen hohe Energiepreise
Di.10.06.08 - Im indischen Teil Kaschmirs haben am Montag Hunderte
Regierungsmitarbeiter gegen die gestiegenen Energiepreise demonstriert.
Die Polizei ging mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen die
Menge vor, die sich in Srinagar vor dem Sitz der Regionalregierung
versammelt hatte. Dutzende Menschen wurden festgenommen. Im Bundesstaat
Assam im Nordosten des Landes machten die Menschen mit einem
Generalstreik ihrem Ärger über den hohen Ölpreis Luft.
"Senkt die Preise für Benzin, Diesel und Gas", schrien die
Demonstranten in Srinagar. Die indische Bundesregierung hatte die Preise
für Benzin und Diesel am vergangenen Mittwoch um zehn Prozent
erhöht, woraufhin es landesweit zu Protesten kam. Die an der
Regierung beteiligten Kommunisten und die Opposition hatten zu
Demonstrationen gegen die Preiserhöhung aufgerufen. Die Inflation
in Indien liegt derzeit bei mehr als acht Prozent, die höchste Rate
seit dreieinhalb Jahren.
(Quelle: rtr)
Gewaltsame Proteste gegen teures Diesel in Südeuropa
Di.10.06.08 - Südeuropäische Lkw-Fahrer haben ihrem Zorn über die
explodierenden Dieselpreise am Montag auch mit Gewalt Luft gemacht.
Spanische Fernfahrer warfen die Windschutzscheiben der Lastwagen von
Kollegen ein, die sich nicht an einem unbefristeten Streik beteiligen
wollten. Portugiesische Kollegen drohten mit einer Blockade der
zentralen Lieferrouten für die Touristenzentren an der Algarve.
Die Aktionen griffen auch auf Südfrankreich über. Hier legten
rund 200 Lastwagen Bordeaux lahm und rollten im Schneckentempo durch
die Stadt. Im belgischen Lüttich demonstrierten laut
Nachrichtenagentur Belga bis zu 20.000 Menschen gegen die steigenden
Lebenshaltungskosten.
US-Präsident George W. Bush rief vor seiner Europa-Reise dazu auf,
die Abhängigkeit der Industriestaaten von Mineralöl zu
verringern. Dafür sei mehr Flexibilität nötig. "Die
amerikanische und die europäischen Volkswirtschaften müssen
beweglich sein, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen",
sagte er. Bush wird nach dem EU-USA-Gipfel in Slowenien am
Dienstagabend in Berlin erwartet.
Außer in Spanien riefen auch portugiesische
Transportgewerkschaften einen unbefristeten Streik aus. Aus Angst vor
Lieferengpässen versuchten sich die Spanier und Portugiesen
daraufhin in Scharen mit Benzin und Lebensmitteln einzudecken. Vor
spanischen Tankstellen bildeten sich lange Schlangen, an einigen Orten
gingen die Vorräte aus. Auch in den Supermärkten ging es hoch
her, nachdem die Spediteure erklärt hatten, binnen weniger Tage
werde Frischware knapp.
"Niemand verdient mehr genug, um sich zu ernähren: weder die
Fahrer noch die Fischer, einfach niemand", erklärte Jaime Diaz,
Präsident des spanischen Speditionsverbandes. "Jemand muss eine
Lösung finden." In Spanien hat sich Diesel in den vergangenen
zwölf Monaten um 35 Prozent verteuert. Zugleich rutscht die
viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone derzeit in ihren
schlimmsten Abschwung seit 15 Jahren, nicht zuletzt weil sie wegen
einer einheimischen Immobilienblase stärker als andere von der
US-Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen wird.
Auch in Deutschland wird der Unmut immer lauter. "Irgendwas wird in der
nächsten Zeit schon passieren", sagte Barbara Rauch vom Deutschen
Speditions- und Logistikverband (DSLV). "Aber in geordnetem Rahmen."
Auch der Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung
schließt nicht aus, dass "spontan etwas geschieht", wie
BGL-Sprecher Martin Bulheller sagte. Hauptgeschäftsführer
Karlheinz Schmidt warnte vor einem "Sterben auf Raten" im Gewerbe. Wenn
die Spediteure die Kosten nicht an die Auftraggeber weitergeben
könnten, rechne er mit einer steigenden Insolvenzrate bis
Jahresende.
Wie in Europa nehmen auch in Asien die Proteste gegen die hohen
Energiepreise zu. Malaysias Regierung versuchte den wachsenden
Volkszorn mit einer Kürzung der Ministergehälter zu
besänftigen. Das eingesparte Geld soll einen Beitrag zur
Subventionierung der Treibstoffpreise leisten. In der vergangenen Woche
hat das südostasiatische Land wie Indien und Indonesien die
Verteuerung an die Bürger weitergegeben und die Benzinpreise um
zehn Prozent angehoben.
(Quelle: rtr)
Deutschland und Frankreich einigen sich im Autostreit
Di.10.06.08 - Nach monatelangem Streit um den Klimaschutz bei Autos haben sich
Deutschland und Frankreich doch noch eine Einigung erzielt.
Beide Länder verständigten sich am Montag beim
deutsch-französischen Ministertreffen im bayerischen Straubing auf
Grundzüge für die Beschränkung des
Kohlendioxid(CO2)-Ausstoßes. Damit sollen die EU-Vorgaben
abgeändert werden, die vor allem Deutschland als Produzent von
Mittel- und Oberklassewagen als zu strikt angesehen hatte.
"Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass Deutschland und Frankreich
handlungsfähig sind", sagte Frankreichs Staatspräsident
Nicolas Sarkozy. "Es ist ein wichtiger Durchbruch gelungen", betonte
auch Kanzlerin Angela Merkel. Die Verständigung sieht vor allem
flexiblere Regelungen beim Greifen der CO2-Ziele und den Strafen bei
Verstößen vor. Details würden nun von den
Umweltministern geklärt, sagte Merkel. Der Vorstoß muss auch
noch von den anderen EU-Staaten akzeptiert werden, um die Pläne
der EU-Kommission zu ändern. Die Weichen für eine
Verständigung unter französischer EU-Präsidentschaft in
der zweiten Jahreshälfte seien aber gestellt, betonte die
Kanzlerin.
Bestehen bleibt dem deutsch-französischen Vorschlag zufolge das
EU-Ziel, den CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten ab 2012 auf 120
Gramm pro Kilometer zu beschränken. Dabei soll nun aber
Rücksicht auf die Produktionszyklen der Hersteller genommen
werden, da völlig neuentwickelte Modelle auch erst nach 2012 auf
den Markt kommen können. Zugleich verständigten sich die
Länder auf ein weitere langfristiges Ziel: Danach soll der
Ausstoß ab 2020 auf 95 bis 110 Gramm sinken. Der
EU-Umweltausschuss hatte 95 Gramm gefordert.
Auch die Strafen bei Verstößen gegen das 2012-Ziel sollen
nicht automatisch greifen, sondern in einem stufenweisen Prozess
einsetzen. Die Strafen bei kleineren Abweichungen vom Ziel werden der
Verständigung zufolge noch einmal gemildert. Hier sind Details
noch offen.
Auf Druck der deutschen Autobranche sollen bei dem 120-Gramm-Ziel auch
die sogenannte Öko-Innovation berücksichtigt werden, die
nicht die Motortechnik betreffen. Dafür sollen sechs bis acht
Gramm CO2 auf das 120-Gramm-Ziel angerechnet werden. Diese Innovationen
könnten etwa neuartige Reifen oder Klimaanlagen sein.
(Quelle: rtr)
Deutsche Exporte steigen im April unerwartet deutlich
Di.10.06.08 - Die deutschen Exporteure haben im April überraschend viele Waren
im Ausland abgesetzt.
Der Umsatz stieg um 13,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf
89,8 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Montag
mitteilte. Im Vergleich zum Vormonat legten die Ausfuhren kalender- und
saisonbereinigt um 1,2 Prozent zu. Von Reuters befragte Analysten hatten
hier lediglich mit einem Plus von 0,5 Prozent erwartet. Trotz des
starken Euro legten die Exporte in die Länder außerhalb der
EU überdurchschnittlich stark zu. Sie stiegen binnen Jahresfrist
um 18,4 Prozent.
Von Januar bis April erhöhten sich die Ausfuhren um 7,7 Prozent
auf 342,3 Prozent. Der Branchenverband BGA sagt für das Gesamtjahr
ein Exportplus von rund fünf Prozent voraus.
Importiert wurden im April Waren im Wert von 71,0 Milliarden Euro. Das
sind 11,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Vergleich zum März
sanken die Einfuhren um 2,1 Prozent. Die deutsche Handelsbilanz schloss
mit einem Überschuss von 18,7 Milliarden Euro.
(Quelle: rtr)
Dax-Unternehmen bilden offenbar wenig aus
Di.10.06.08 - Deutschlands größte Unternehmen verlassen sich bei der
Ausbildung junger Menschen offenbar auf kleine und mittlere Firmen. Mit
eigenen Anstrengungen halten sie sich zurück, wie die "Frankfurter
Rundschau" berichtet. Das Blatt beruft sich auf eine Umfrage der
Grünen-Bundestagsfraktion. Demnach brachten es die im Deutschen
Aktienindex (Dax) vertretenen Konzerne 2007 auf eine Ausbildungsquote
von 5,2 Prozent. Der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt liegt bei 6,5
Prozent.
"Ausgerechnet die stärksten deutschen Unternehmen kommen in ihrer
Mehrzahl ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für die Ausbildung
junger Menschen nicht nach", sagte die bildungspolitische Sprecherin der
Grünen, Priska Hinz. Auch der konjunkturelle Aufschwung und die
Klage über einen Fachkräftemangel hätten daran nichts
geändert. Vielmehr brachte auch die verbesserte wirtschaftliche
Lage keinen Anstieg der Ausbildungsquote. Dabei gebe es aber eine
große Spannbreite, berichtet das Blatt. Mit einer
Ausbildungsquote von neun Prozent liege der Maschinen- und Fahrzeugbauer
MAN an der Spitze der 30 Dax-Konzerne, der Finanzkonzern Hypo Real
Estate mit 0,8 Prozent am Ende.
Bei einigen Unternehmen registrierten die Grünen einen
ausgeprägten Unwillen, Informationen offenzulegen. "Bei vielen
musste mehrfach nachgehakt werden, einige machten zunächst
unbrauchbare Angaben (Thyssen-Krupp und Deutsche Post)", heißt es
in der Auswertung. Wie schon bei der vorigen Umfrage habe sich die
Deutsche Börse komplett geweigert, etwas über ihre
Ausbildungsleistung zu sagen. Auch SAP habe diesmal geschwiegen.
"Transparente Unternehmensführung sieht anders aus", betonte Hinz.
(Quelle: afp)
BDI Präsident fordert anonyme Beschwerdestellen - Mitarbeiter
sollen kriminelle Chefs anzeigen
Di.10.06.08 - Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI),
Jürgen Thumann, hat sich für die Einrichtung anonymer
Beschwerdestellen in Betrieben ausgesprochen, bei denen Mitarbeiter
Straftaten ihrer Vorgesetzten anzeigen können.
Der «Bild»-Zeitung (Montag) sagte Thumann unter Hinweis auf
rechtswidrige Machenschaften in Unternehmen wie Lidl, Telekom und
Siemens: «In einigen deutschen Firmen gibt es diese
Möglichkeit bereits, aber ich wünsche mir, dass mehr
Unternehmen freiwillig so verfahren. Besonders bei Korruption machen
solche anonymen Beschwerdestellen Sinn.»
Der BDI-Chef verteidigte die Wirtschaft zugleich gegen pauschale
Korruptions-Vorwürfe: «Ich kann nicht bestreiten, dass es
derzeit eine Negativserie gibt, aber aus meiner Sicht sind es
Einzelfälle. Mehr als 99 Prozent der Unternehmer in Deutschland
verhalten sich absolut anständig.» Er warnte davor,
«die gesamte deutsche Wirtschaft in Kollektivhaftung für das
Fehlverhalten Einzelner zu nehmen.»
Er fügte jedoch hinzu: «Jeder Fall muss konsequent
aufgeklärt und die Verantwortlichen nach unseren Gesetzen
verurteilt werden. Offensichtlich stimmen bei einigen Managern die
Grundwerte einfach nicht mehr! Da geht sogar der Respekt für
Menschen verloren. Der Image-Schaden ist immens. Es gibt
Rattenfänger wie die Linkspartei, die eine solche Stimmung
ausnutzen wollen, um das System der sozialen Marktwirtschaft zu
untergraben.»
(Quelle: dpa)
Metaller verhandeln am 18. Juni weiter über Altersteilzeit
Di.10.06.08 - IG Metall und Arbeitgeber haben ihre Gespräch über die
Altersteilzeit in der Nacht zum Dienstag ohne Ergebnis vertagt. Die
Verhandlungen sollten am 18. Juni fortgesetzt werden, sagte der
IG-Metall-Sprecher Kai Bliesener. Der Bezirksleiter der IG Metall
Baden-Württemberg, Jörg Hofmann, drohte am Montag in
Böblingen mit bundesweiten Warnstreiks. Vor dem Verhandlungslokal
demonstrierten zum Auftakt der Gespräche im Pilotbezirk
Baden-Württemberg rund 1.000 junge Gewerkschaftsmitglieder.
Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes
Südwestmetall, Peer Michael Dick, sagte dem rbb-Inforadio, die
Unternehmer hätten schon bei der bisherigen Regelung «enorme
Kosten geschultert». Da könne es nicht sein, dass der
Wegfall der staatlichen Zuschüsse von den Arbeitgebern getragen
werde.
Dick sagte, bei den Verhandlungen gebe es «viele
Stellschrauben». So müsse erst einmal geklärt werden,
«wann setzt der Anspruch ein, wie lange geht die Altersteilzeit,
wann ist das Ende vorgesehen, wie viele Arbeitnehmer dürfen in
Altersteilzeit». Die IG Metall verlangte die Vorlage eines
verbesserten Angebots. Ende 2009 läuft die staatliche
Förderung der Altersteilzeit aus.
Die Tarifparteien streiten seit Monaten über eine
Nachfolgeregelung. Ein Knackpunkt bei den Gesprächen ist, ob
künftig Arbeitgeber oder Arbeitnehmer den bisherigen finanziellen
Anteil des Bundes tragen.
Die Arbeitgeber wollen den Anspruch für die Altersteilzeit stark
einschränken. Nach Vorstellungen der Arbeitgeber sollen nur noch
solche Beschäftigte einen Anspruch auf Altersteilzeit haben, die
eine 20-jährige Betriebszugehörigkeit nachweisen können
und während der letzten 15 Jahre mindestens zwölf Jahre lang
Nachtschicht im Drei-Schicht-System oder Dauernachtschicht gearbeitet
hätten.
(Quelle: ap)
CSU blitzt mit Pendlerpauschale bei Unionstreffen ab
Di.10.06.08 - Im unionsinternen Streit um Steuersenkungen und Pendlerpauschale hat
sich die CSU nicht gegen Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel
durchsetzen können. "Wir wollen keine Steuersenkungen auf Pump",
sagte Merkel am Montag nach einer zweitägigen Klausur beider
Parteiführungen im bayerischen Erding.
Einigkeit erzielten die Unionsparteien dagegen mit milliardenschweren
Zusagen für Familien: Sie sollen ab 1. Januar 2009 mehr Kindergeld
und höhere Kinderfreibeträge bekommen. Die Erhöhung
würde aber nach der im Herbst erwarteten Neuberechnung für
das Existenzminimum ohnehin notwendig und war von der CDU bereits im
vorigen Jahr angekündigt worden. Zudem will die Union die
Beiträge zur Arbeitslosenversicherung ab dem nächsten Jahr
auf 3,0 von 3,3 Prozent senken. Beide Themen sollen bereits am Mittwoch
im Koalitionsausschuss mit der SPD beraten werden. Die Sozialdemokraten
forderten am Montag Entlastungen vor allem für Familien mit
geringen Einkommen.
Für Steuersenkungen blieb die Union dabei, diese erst im kommenden
Frühjahr in einem gemeinsamen Wahlprogramm für die Zeit nach
2009 festzuschreiben. Das CSU-Motto "Mehr netto vom brutto" werde das
Leitmotiv sein, sagte Merkel. Bei der Pendlerpauschale will die
Kanzlerin erst handeln, wenn das Bundesverfassungsgericht die 2007
eingeführte Beschränkung der Steuerbegünstigung auf
Fahrten ab 21 Kilometer aufheben sollte.
"Wir haben unterschiedliche Auffassungen beim Thema Pendlerpauschale",
räumte CSU-Vorsitzender Erwin Huber ein. Für die CSU bleibe
die Forderung nach der alten Regelung mit einer Pauschalen ab dem
ersten Kilometer aber auf der Tagesordnung. Seine Partei will mit ihrem
Steuersenkungskurs schon bei den bayerischen Landtagswahlen in diesem
Herbst punkten. Mitglieder der CDU-Führung rieten der CSU nach
Angaben von Teilnehmern, sie solle sich als Regierungspartei in Bayern
in ihrem Wahlkampf mehr auf eigene Erfolge konzentrieren, wie etwa die
guten Arbeitslosenzahlen.
Merkel und Huber bemühten sich vor Journalisten, die
Gemeinsamkeiten herauszustellen. Finanzielle Entlastungen für die
Bürger und die Konsolidierung der Staatsfinanzen hin zu einem
Haushalt ohne neue Schulden seien für die Union keine
Gegensätze, unterstrichen beide.
Schon die Mehrausgaben der Familienförderung für 2009 zu
finanzieren, werde bei den Beratungen zum nächsten Haushalt eine
"extrem schwierige Arbeit", sagte die Kanzlerin. Das Finanzministerium
rechnet mit zwei Milliarden Euro Mehrausgaben. Die genaue Höhe des
Kindergeldes und der Freibeträge sollen erst auf Basis des neuen
Existenzminimums festgelegt werden.
Alle Entlastungen müssten mit dem Ziel der Haushaltskonsolidierung
vereinbar sein, sagte Merkel. Verbesserungen für Familien seien
wichtiger als die Pendlerpauschale. Zuletzt hatten sich
CDU-Spitzenpolitiker wie der Chef des Arbeitnehmerflügels,
Karl-Josef Laumann, und der saarländische Ministerpräsident
Peter Müller der CSU angeschlossen. "In dieser Frage hat die
Kanzlerin jetzt entschieden. Und diese Führungsentscheidung ist am
Ende auch akzeptiert worden", sagte ein Klausurteilnehmer.
CSU-Chef Huber meinte, seine Partei fühle sich von der CDU nicht
im Stich gelassen. Er respektiere deren Position. "Das stört nicht
die große Geschlossenheit." Bayerns Ministerpräsident
Günther Beckstein versicherte indessen, die CSU werde "diese Frage
nicht zu den Akten legen". Die CDU begehe einen "Riesenfehler",
für die Pendler erst eine Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts abzuwarten. Merkel konterte, dies sei kein
ungewöhnlicher Vorgang.
Die Mittelstandsvereinigung der Union nannte das Ergebnis von Erding
"ernüchternd". Die Entlastung für die Bürger sei
angesichts der guten Konjunktur und der Steuermehreinnahmen zu gering,
kritisierte Verbandschef Josef Schlarmann. Der Beitrag zur
Arbeitslosenversicherung könne noch viel stärker
zurückgefahren werden als geplant.
(Quelle: rtr)
SPD und Union versprechen Familien mit Kindern mehr Geld
Di.10.06.08 - Familien in Deutschland können bereits zum Jahreswechsel mit
finanzieller Entlastung rechnen. Union und SPD sprachen sich am Montag
grundsätzlich dafür aus, Kinder ab 1. Januar unter anderem
steuerlich besser zu stellen. Das Thema soll bereits am Mittwoch im
Koalitionsausschuss in Berlin weiter diskutiert werden.
CDU und CSU einigten sich zum Abschluss einer gemeinsamen
Präsidiumssitzung im bayerischen Erding darauf, das Kindergeld und
den Kinderfreibetrag zum 1. Januar 2009 zu erhöhen. Ein Betrag
wurde zwar nicht genannt, im Gespräch sind jedoch zehn Euro mehr
Kindergeld pro Monat. Derzeit gibt es für das erste, zweite und
dritte Kind monatlich 154 Euro, für jedes weitere Kind monatlich
179 Euro.
Die SPD beschloss in Berlin einen Zehn-Punkte-Aktionsplan gegen
Kinderarmut. Darin fordert sie unter anderem, dass Finanzämter
künftig bei der Einkommensteuer für alle Kinder nur noch
einen einheitlichen, fixen Kinderfreibetrag berücksichtigen.
Zurzeit wirkt der Kinderfreibetrag je nach Einkommen und Steuersatz
unterschiedlich, so dass er für Besserverdienende teils um mehr
als 70 Euro über dem Kindergeld liegt. Dies will die SPD
ändern. Es könne nicht angehen, das Spitzenverdiener von den
Freibeträgen stärker profitierten als Geringverdiener vom
Kindergeld, sagte Generalsekretär Hubertus Heil.
Weiterhin fordert die SPD mehr ganztägige Kinderbetreuung,
kostenlose Mittagessen und Schulbücher für Bedürftige
sowie eine gebührenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule.
Schulabbrecher sollen eine «zweite und dritte Chance»
bekommen - unter anderem durch einen Rechtsanspruch auf einen
Hauptschulabschluss.
CDU und CSU sprachen sich in Erding zudem dafür aus, den
Arbeitslosenbeitrages von derzeit 3,3 auf drei Prozent zu senken. Einer
von der CSU geforderten Wiedereinführung der alten
Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer erteilte CDU-Chefin Angela
Merkel hingegen eine klare Absage.
Bei diesem Thema ist mit weiterem Streit in der Union zu rechnen, da
die CSU auf ihrer Forderung beharrt und sich auch mehrere CDU-Politiker
gegen den Merkel-Kurs aussprachen. Unterstützung bekam die
Kanzlerin hingegen von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU).
(Quelle: ap)
Umweltminister Gabriel fordert Energie-Sozialtarif für ärmere Haushalte
Di.10.06.08 - Der rasante Ölpreis-Anstieg muss nach Ansicht von
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel für Geringverdiener durch
Sozialtarife abgefedert werden.
In anderen europäischen Staaten gebe es bereits niedrige oder
kostenfreie Tarife für ärmere Haushalte bis zu einem
bestimmten Energieverbrauch, sagte der SPD-Politiker am Montag in
Berlin. Zugleich forderte er eine Entkopplung der Öl- von den
Gaspreisen. Kanzlerin Angela Merkel sprach sich für ein Festhalten
an der Atomkraft aus, um so bezahlbare Energiepreise zu sichern.
Gabriel sagte, die gegenwärtige Situation zeige die Notwendigkeit
der Abkehr "von der Droge Öl, von der Droge Gas". Zum einen sei
ein effizienter Umgang mit diesen Energieträgern notwendig, zum
anderen müsse verstärkt auf erneuerbare Energien gesetzt
werden. Beides wolle die Regierung mit ihrem vergangene Woche
verabschiedeten Klimapaket erreichen. Damit sollten die Heizkosten
insgesamt sinken. Gabriel fügte hinzu: "Es wird sicherlich noch
eine ganze Reihe anderer Vorschläge geben, die wir jetzt beraten
müssen, wie wir vor allem für Geringverdiener die Chance
bieten, sich mehr zu entkoppeln von diesen Preisexplosionen."
Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn bezeichnete die
vorgeschlagenen Sozialtarife als Tropfen auf den heißen Stein.
Menschen mit niedrigem Einkommen müsse vielmehr beim Energiesparen
geholfen werden.
Der Ölpreis war Ende vergangener Woche um knapp neun Prozent auf
einen neuen Rekord von fast 140 Dollar pro Fass geklettert, was
weltweit Besorgnis und Ratlosigkeit ausgelöst hatte. Zu
Wochenbeginn beruhigte sich der Ölpreis ein bisschen: Ein Barrel
(159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI kostete am Abend 136,20
Dollar. Der Preis für die in Europa führende Nordseesorte
Brent sank auf 135,60 Dollar.
CDU-Chefin Merkel sagte, die Union stehe für einen Energiemix. Den
Ausstieg aus der Kernenergie halte sie daher für falsch. Im Kreise
der G-8-Staaten sei Deutschland das einzige Land, das aus den
sichersten Kraftwerken aussteigen wolle. "Wer ernsthaft von bezahlbaren
Energiepreisen redet, der muss an dieser Stelle umdenken", forderte
sie. Gabriel hingegen sagte, er kenne keine Wohnung, die mit
Kernenergie geheizt oder ein Auto, das mit Brennstäben betrieben
werde. Der Energiebedarf in der Welt werde nur zu drei Prozent durch
Atomenergie gesichert.
Gabriel teilte die Erwartungen seines Staatssekretärs Michael
Müller, wonach im Herbst nach dem bereits bekannten Anstieg um 25
Prozent erneut eine Verteuerung des Gaspreises um bis zu 40 Prozent
droht. Wirtschaftsminister Michael Glos bezeichnete diese
Einschätzung als Spekulation. Gabriel sagte, auch ein Ölpreis
von 100 Dollar sei vor einigen Jahren vielfach als Spekulation abgetan
worden. Er sprach sich für eine Entkopplung des Gas- vom
Ölpreis aus. Allerdings habe die Politik hier kaum
Einflussmöglichkeiten.
In der "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe) schlug
Staatssekretär Müller einen Vertrag der Europäischen
Union mit Russland vor: "Wir brauchen einen Energiepakt." Europa
könne Russland die Technologie zur Gasförderung bieten.
"Russland sollte im Gegenzug Preissicherheit bieten."
(Quelle: rtr)
Studie - Klimaschutzprogramm schafft halbe Million neue Jobs
Di.10.06.08 - Durch das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung kann einer Studie
zufolge die Arbeitslosigkeit rapide gesenkt werden.
Die geplanten Maßnahmen in diesem Sektor führten unter dem
Strich bis zum Jahr 2020 zu 500.000 zusätzlichen Jobs, ergab eine
am Montag in Berlin vorgestellte Studie des Potsdam Instituts für
Klimalagenforschung und des Fraunhofer-Instituts im Auftrag des
Umweltministeriums. Bis zum Jahr 2030 können demnach sogar 800.000
Stellen geschaffen werden.
Umweltminister Sigmar Gabriel sagte auf einer Klimakonferenz in Berlin,
die von der Regierung vorgesehenen Veränderungen lösten einen
immensen Innovations- und Wachstumsschub aus. Der effiziente Umgang mit
Ressourcen und der Einsatz nachwachsender Rohstoffe biete die Chance
"auf ein wirklich neues deutsches Wirtschaftswunder". Die Ergebnisse
des Zwischenberichts zu den Effekten des Energie- und Klimaprogramms
hätten auch ihn überrascht. Die Zahlen seien eher konservativ
kalkuliert.
Das Paket der Regierung reduziert der Studie zufolge die Energieimporte
bis zum Jahr 2020 um rund 20 Milliarden Euro und bis 2030 um fast 35
Milliarden Euro pro Jahr. Die Nettoinvestitionen in den Energiesektor
steigen um mehr als 30 Milliarden Euro jährlich. Das
Bruttoinlandsprodukt werde zudem im Jahresdurchschnitt bis 2030 um mehr
als 50 Milliarden Euro über dem Niveau liegen, das ohne
Klimaschutzmaßnahmen erreicht würde.
Die Autoren der Studie kommen zudem zu dem Ergebnis, dass die
Meseberg-Beschlüsse des Kabinetts die Treibhausgasemissionen bis
2020 im Vergleich zu 1990 um 35 Prozent reduzieren werden. Mit weiteren
Maßnahmen, vor allem im Bereich der Energieeffizienz, könne
Deutschland die angestrebte Reduzierung der Emissionen um 40 Prozent
bis 2020 erreichen.
Am Freitag hatte der Bundestag ein Klimapaket verabschiedet, mit dem
die Bundesregierung ihr Klimaziel erreichen will. Dieses enthält
unter anderem eine stärkere Förderung von Ökostrom sowie
Anreize zur energetischen Sanierung von Gebäuden.
(Quelle: rtr)
Schriftsteller Peter Rühmkorf ist tot
Di.10.06.08 - Der Dichter und Schriftsteller Peter Rühmkorf ist tot. Das teilte
der Reinbeker Rowohlt Verlag am Montag mit. Demnach ist der
gebürtige Dortmunder am Sonntag in seinem Haus im Lauenburgischen
in Schleswig-Holstein gestorben. Der Wahlhamburger wurde 78 Jahre alt.
Wenige Stunden vor der Nachricht vom Tod des
Georg-Büchner-Preisträgers war bekanntgeworden, dass er den
Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor 2009 erhält. Der
schwer an Krebs erkrankte Schriftsteller habe vor gut einer Woche auf
seinem Krankenlager von der Preisvergabe erfahren, teilte die Stiftung
Brückner-Kühner mit. Die Auszeichnung soll nun im Februar
2009 während einer Festveranstaltung seiner Witwe Eva
Rühmkorf im Kasseler Rathaus überreicht werden.
Bundespräsident Horst Köhler drückte der Witwe des
Schriftstellers in einem Kondolenzschreiben sein Beileid aus.
«Mit Peter Rühmkorf verliert die deutsche Literatur der
Gegenwart einen ganz Großen», betonte Köhler.
«Seine einzigartige Verbindung von Intelligenz und Humor, von
Melancholie und Spielfreude, von privatesten Empfindungen und
öffentlichen Anliegen hat die Leser immer wieder erstaunt und
begeistert.» Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU)
würdigte den Verstorbenen als «Schriftsteller von
großer Lebensklugheit, einen Dichter von Rang und einen
scharfzüngigen, politisch engagierten Chronisten».
Rühmkorfs rund 50-jähriges Schaffen war mit zahlreichen
Preisen geehrt worden. 1979 erhielt er den Erich-Kästner-Preis,
1980 den Bremer Literaturpreis, 1986 den Arno-Schmidt-Preis, 1987 war
er documenta-Schreiber in Kassel. Rühmkorf war korrespondierendes
Mitglied der Akademie der Künste der DDR und erhielt 1988 den
Heinrich-Heine-Preis (DDR). 1989 bekam er die Ehrendoktorwürde der
Universität Gießen, 1993 folgte der
Georg-Büchner-Preis. Über ein Dutzend seiner Gedichte fand
Eingang in den Kanon der deutschen Literatur des Literaturkritikers
Marcel Reich-Ranicki.
Rühmkorf wurde am 25. Oktober 1929 in Dortmund geboren und wuchs
bei Stade in Niedersachsen auf. Von 1951 bis 1957 studierte er
zunächst Pädagogik, bis er sich in Hamburg der Germanistik
und Kunstgeschichte zuwandte.
Seit 1955 arbeitete der Dichter nach Rowohlt-Angaben als
Mitgründer der Zeitschrift «Studentenkurier», die
später in «Konkret» umbenannt wurde. Von 1958 bis 1964
war Rühmkorf als Lektor im Rowohlt Verlag tätig. Seitdem
lebte und arbeitete er als freier Autor in Hamburg.
Zu seinen wichtigsten Werken gehören «Die Jahre die Ihr
kennt» (1972), «Bleib erschütterbar und
widersteh» (1984), «Haltbar bis Ende 1999» (1979)
sowie die Tagebücher «TABU I» (1995) und «TABU
II» (2004). Nach einer mehrbändigen Werksausgabe erschien
zuletzt im April dieses Jahres der Gedichtband
«Paradiesvogelschiß».
In der Preisankündigung der Stadtverwaltung Kassel wurde am Montag
das «unübertroffen vielstimmige Werk» des Dichters
gewürdigt. Rühmkorfs Werk sei Anleitung zum politischen
Widerspruch, irdischen Vergnügen und ästhetischen Genuss,
hieß es in der Begründung der Jury.
In der Reaktion auf den Tod des Schriftstellers hieß es von der
Stiftung Brückner-Kühner, Rühmkorf sei über den
Preis «hoch erfreut» gewesen. Der mit 10 000 Euro dotierte
Kasseler Literaturpreis wird seit 1985 jährlich von der Stadt
Kassel und der Stiftung Brückner-Kühner verliehen. Zu den
bisherigen Trägern zählen unter anderen Loriot, Robert
Gernhardt und Gerhard Polt. Im vergangenen Jahr ging der Preis an F.W.
Bernstein.
(Quelle: ddp)