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Irak 1543 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.13.06.08 - Es liegen keine neuen Nachrichten zum Thema Irak vor.
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 13.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendneunundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Oberster US-Gerichtshof erteilt Bushs Guantanamo-Politik Abfuhr
Fr.13.06.08 - Der Oberste Gerichtshof in Washington hat den Gefangenen auf dem
US-Stützpunkt Guantanamo weitreichende Rechte zugebilligt und
damit der Anti-Terror-Politik von Präsident George W. Bush eine
Abfuhr erteilt. Bush erklärte am Donnerstagabend während
seines Besuchs in Rom, er werde die Entscheidung respektieren, auch
wenn er die Meinung des Gerichts nicht teile.
Dem Urteil zufolge können die auf Kuba einsitzenden
ausländischen Terrorverdächtigen bei zivilen US-Gerichten
Einspruch gegen ihre Haft einlegen. Es war bereits das dritte Mal, dass
der Supreme Court Bush Guantanamo-Politik monierte.
Das Urteil fiel mit fünf gegen vier Stimmen allerdings sehr knapp
aus. Für die Mehrheitsgruppe erklärte Oberrichter Anthony
Kennedy, die US-Gesetze und die Verfassung seien darauf ausgelegt,
selbst in außergewöhnlichen Zeiten Bestand zu haben. Deshalb
dürften den Guantanamo-Häftlingen keine
verfassungsmäßigen Rechte vorenthalten werden. Ferner wurde
das System, unter dem die US-Regierung diese Männer zu feindlichen
Kombattanten erklärt hat, als unangemessen gerügt.
Unklar blieb zunächst, ob das Urteil unmittelbare Klagen der rund
270 Insassen nach sich ziehen würde. Diese befinden sich teilweise
schon seit mehr als sechs Jahren in dem Gefangenenlager, das kurz nach
den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet wurde.
Der konservative Oberrichter John Roberts kritisierte die
Mehrheitsentscheidung. Die Inhaftierten genössen bereits
weitreichenden Schutz.
(Quelle: ap)
US-Veteranen verlangen Aufschluss über Waffentests der 60er Jahre
Fr.13.06.08 - Nach rund 40 Jahren verlangen Veteranen der US-Marine Aufschluss
über Waffentests mit chemischen und biologischen Komponenten
während des Kalten Krieges. Sie befürchten, dass ihre
heutigen Krankheiten auf schädliche Substanzen zurückgehen,
denen sie damals vermutlich ausgesetzt waren. Für den
späteren Donnerstag war eine erste Anhörung der Betroffenen
vor dem Ausschuss für Kriegsveteranen des
Repräsentantenhauses in Washington vorgesehen.
Das Repräsentantenhaus erwägt eine Gesetzesinitiative, wonach
das Verteidigungsministerium sein chemisches und biologisches
Waffenprogramm der 60er Jahre offenlegen muss. Außerdem sind
weitreichende Entschädigungsleistungen für die daran
Beteiligten geplant. Eine ähnliche Vorlage soll noch in diesem
Monat auch im Senat zur Abstimmung gebracht werden.
Als einer der wichtigsten Zeugen wollte der heute 74-jährige Jack
Alderson vor dem Ausschuss auftreten. Der einstige Marineleutnant
stellte bei einem Veteranentreffen 1993 fest, dass mehr als die
Hälfte seiner rund 500 Kameraden aus den 60er Jahren entweder
schon gestorben oder von Krebserkrankungen betroffen war. Er selbst
leidet an Hautkrebs, Allergien und chronischer Müdigkeit. Alderson
und andere Veteranen wollen nun wissen, ob ihr schlechter
Gesundheitszustand von einem seinerzeitigen Kontakt mit
schädlichen Substanzen verursacht wurde.
Eine ähnliche Debatte gab es in den USA bereits in den 80er Jahren
über die chemische Substanz Agent Orange, die im Vietnamkrieg
eingesetzt wurde. Damals hieß es, dass Krebserkrankungen sehr
wohl darauf zurückgeführt werden könnten. Der Kongress
setzte schließlich durch, dass die Betroffenen und ihre Kinder
eine umfangreiche Entschädigung erhielten.
Dies wird nun auch für die Marinesoldaten angestrebt, die in den
60er Jahren auf Kriegsschiffen im Pazifik an Waffentests beteiligt
waren. Damals wurden unter anderem Fiebererreger untersucht sowie
Magen-Darm-Bakterien. Deren Schädlichkeit ist heute hinreichend
bekannt.
Gleichwohl dürfte es schwer sein, einen unmittelbaren Zusammenhang
zwischen solchen Substanzen und der Krebserkrankung eines ehemaligen
Soldaten herzustellen. Bradley Mayes von der Veteranenabteilung des
Verteidigungsministeriums wollte vor dem Kongressausschuss denn auch
argumentieren, dass ein neues Entschädigungsgesetz unnötig
sei, wie die Nachrichtenagentur AP vorab erfuhr. Michael Kilpatrick,
stellvertretender Leiter der Gesundheitsabteilung im Pentagon,
räumte indessen ein, dass ein solcher Zusammenhang zwar schwer
nachzuweisen sei, aber nicht ausgeschlossen werden könne.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Sieben Tote und 51 Verletzte bei Explosion im Gazastreifen
Fr.13.06.08 - Im nördlichen Gazastreifen ist ein zweistöckiges Haus
explodiert. Dabei kamen nach Angaben der Notdienste sieben
Palästinenser ums Leben, darunter auch ein vier Monate alter
Säugling. Angaben des Notdienstes zufolge wurden zudem 51 Menschen
zum Teil schwer verletzt, darunter auch viele Frauen und Kinder. Nach
Ansicht palästinensischer Zeugen und der radikalen
Palästinensergruppe Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert,
wurde das Haus in Beit Lahja bei einem israelischen Luftangriff
getroffen. Israel wies die Anschuldigungen zurück.
Wie der Fernsehsender der Hamas berichtete, gehörte das Haus einem
ihrer lokalen Militärchefs. Dieser sei zum Zeitpunkt der Explosion
nicht zu Hause gewesen. Nach Angaben der Notdienste gehörten die
meisten Opfer der Explosion zu einer einzigen Familie, bei den Toten
handele es sich um Hamas-Mitglieder. "Die gesamte Verantwortung
für dieses Verbrechen liegt bei der israelischen Besatzung", sagte
der Sprecher der Hamas-Regierung, Taher el Nunu.
Der Hamas-Abgeordnete Mushir el Masri sagte dem Fernsehsender der
Hamas: "Der Feind muss den Preis dafür bezahlen. Wir werden
angesichts dieses schrecklichen Verbrechens nicht tatenlos bleiben."
Der militärische Arm der Hamas, die Essedin-el-Kassam-Brigaden,
teilte kurz nach der Explosion mit, sie hätten auf den Angriff
"geantwortet" und mehrere Raketen auf Israel abgefeuert.
Das israelische Militär wies die Anschuldigungen unterdessen
zurück. "Es wurden Ermittlungen eingeleitet", teilte ein Sprecher
der Armee mit. "Die (israelische) Armee hat mit dem, was die
Palästinenser berichten, nichts zu tun. Unsere Luft- und
Bodenstreitkräfte waren zu diesem Zeitpunkt nicht im Einsatz." Bei
dem Vorfall könne es sich auch um eine Explosion "im Inneren des
Hauses" in Folge falsch gehandhabter Sprengkörper gehandelt haben,
hieß es.
(Quelle: afp)
Erneut zwei britische Soldaten in Afghanistan getötet
Fr.13.06.08 - Im Süden Afghanistans sind erneut zwei britische Soldaten ums
Leben gekommen. Wie das Verteidigungsministerium in London mitteilte,
seien die beiden auf einer routinemäßigen
Fußpatrouille in der Nähe ihres Stützpunktes in der
Unruheprovinz Helmand erschossen worden. Ein dritter Soldat wurde
verletzt. Erst am Sonntag waren drei britische Soldaten in der Provinz
getötet worden. Die Zahl der getöteten Soldaten stieg seit
Beginn des Afghanistaneinsatzes im Jahr 2001 auf 100.
(Quelle: dpa)
Afghanistan bekommt rund 20 Milliarden Dollar Hilfszusagen
Fr.13.06.08 - Trotz deutlicher Kritik an Präsident Hamid Karsai und seiner
Regierung unterstützt die Staatengemeinschaft den Wiederaufbau in
Afghanistan mit weiteren 21 Milliarden Dollar (13,6 Milliarden Euro).
Zusagen in dieser Höhe kamen am Donnerstag auf einer
Geberkonferenz in Paris zusammen, wie der französische
Außenminister Bernard Kouchner am Abend erklärte.
Verknüpft mit dem neuen Geld ist die Forderung an Karsai, endlich
entschlossen gegen Korruption vorzugehen. Von einem
«gegenseitigen Deal» sprach der UN-Sonderbeauftragte Kai
Eide.
«Wir brauchen eine bessere Führung in Kabul und wesentlich
bessere Koordinierung», erklärte Eide. «Ein 'Weiter
so' darf es nicht geben», sagte Deutschlands Außenminister
Frank-Walter Steinmeier. Die Zweifel blieben auch nach der Konferenz.
Auf die Frage, ob die afghanische Seite ausreichende Versicherungen zur
Korruptionsbekämpfung gegeben habe, sagte Kouchner auf der
Abschlusspressekonferenz: «Nein.»
Dennoch summierten sich die Zusagen auf mehr als 20 Milliarden Dollar
und übertrafen damit die Erwartungen deutlich. Der
größte Beitrag (10,2 Milliarden Dollar) kommt von den USA,
Deutschland steuert in den kommenden zwei Jahren 420 Millionen Euro
bei, Großbritannien umgerechnet 714 Millionen Euro.
Präsident Karsai braucht für einen fünfjährigen
Entwicklungsplan, den er am Donnerstag in Paris vorstellte, insgesamt
50 Milliarden Dollar. Seine Strategie, die von der Staatengemeinschaft
angenommen wurde, sieht neben Maßnahmen gegen die Korruption die
Stärkung der privaten Wirtschaft und Landwirtschaft sowie die
Verbesserung von Sicherheit, Gesundheitsversorgung und Bildung vor.
Sechseinhalb Jahre nach dem Sturz der Taliban trete sein Land in eine
neue Phase ein, sagte der Präsident.
Seit Beginn des Wiederaufbaus nach einem Vierteljahrhundert Krieg sind
bereits 15 Milliarden Dollar Hilfszahlungen nach Afghanistan geflossen.
Dennoch leben noch rund 80 Prozent der Bevölkerung ohne Strom, in
vielen Provinzen gibt es noch so gut wie keine Straßen.
«Aber 85.000 Kinder sind in den ersten Lebensmonaten nicht
gestorben, weil sich die Gesundheitsversorgung verbessert hat»,
betonte Steinmeier.
Karsais Entwicklungsplan sieht die schrittweise Übernahme der
Verantwortung durch die afghanische Regierung vor. Steinmeier
bekräftigte das Ziel der EU, die Anstrengungen für die
Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte zu verdoppeln. Auf
Spekulationen in Deutschland, Berlin werde sein Truppenkontingent in
Afghanistan von 3.500 bis auf 4.800 Mann erhöhen, ging Steinmeier
nicht konkret ein.
Neben der Sicherheit soll der Aufbau einer legalen Landwirtschaft
Priorität erhalten. Der Opiumanbau ist dramatisch gestiegen, aus
Afghanistan kommen 90 Prozent des weltweit gehandelten Heroins.
«Die Entwicklung der Landwirtschaft wurde vernachlässigt,
sie ist der zentrale Baustein gegen die Drogenwirtschaft», sagte
Karsai.
(Quelle: ap)
Verteidigungsminister Jung hält Bundeswehr-Verstärkung in
Afghanistan für nötig
Fr.13.06.08 - Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) will das deutsche
Bundeswehr-Kontingent in Afghanistan aufstocken. Dies sei auch
notwendig, weil die Bundeswehr von Juli an im Norden des Landes die
Schnelle Eingreiftruppe stelle, sagte Jung im Deutschlandfunk. Deshalb
müsse noch vor der Sommerpause Klarheit über die künftige
Stärke des Kontingents geschaffen werden. Zahlen nannte Jung
nicht. Bisher stellt die Bundesswehr knapp 3500 Soldaten. Die
"Financial Times Deutschland" berichtete unter Berufung auf
Regierungskreise, Deutschland erwäge eine Aufstockung auf 4400 bis
4800 Soldaten.
In Brüssel beraten seit Donnerstag die NATO-Verteidigungsminister
über die Lage in Afghanistan. Mit der Schnellen Eingreiftruppe soll
die Bundeswehr künftig auch Angriffe der Taliban abwehren. Mit den
bisherigen Aufgaben ist das deutsche Kontingent aber bereits praktisch
ausgeschöpft.
(Quelle: afp)
Deutsche Marine soll Piraten bekämpfen können
Fr.13.06.08 - Die Bundesregierung will der Deutschen Marine bei ihren Einsätzen
auf den Weltmeeren die Bekämpfung von Seeräubern
ermöglichen. Unter dem Eindruck der jüngsten
Piratenüberfälle vor der Küste Somalias beschlossen laut
der «Süddeutschen Zeitung» die Spitzen von Union und
SPD die Einsetzung einer Arbeitsgruppe unter Federführung des
Kanzleramtes. Diese soll noch vor der Sommerpause Vorschläge
machen, wie auch ohne Grundgesetzänderung Marine-Einsätze
gegen Piraten ermöglicht werden können.
(Quelle: dpa)
Bush ruft Europäer zu Zusammenarbeit in Nahost und Iran auf
Fr.13.06.08 - US-Präsident George W. Bush ruft die Verbündeten in Europa zu
einer intensiven Zusammenarbeit in der Nahost-, Iran- und
Anti-Terror-Politik auf. «Anstatt auf unseren Differenzen
herumzureiten, gibt es eine immer größere
Übereinstimmung unserer Interessen und Ideale», heißt
es in dem vorab bekanntgewordenen Text einer Rede, die Bush am
(heutigen) Freitag bei seinem Besuch in Paris halten will. «Bei
Führern wie Berlusconi und Brown, Merkel und Sarkozy sehe ich
Engagement für ein starkes und zielbewusstes Europa, das die Werte
der Freiheit in seinen Grenzen und darüber hinaus
voranbringt.»
Bush befindet sich derzeit auf seiner Abschiedstournee durch Europa. Er
ist bereits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammengetroffen. Am
Donnerstag stand in Rom eine Begegnung mit dem italienischen
Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf dem Programm. Weitere
Treffen waren vorgesehen mit dem französischen
Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy sowie mit dem britischen
Premierminister Gordon Brown.
(Quelle: ap)
China und Taiwan vereinbaren ständige Vertretungen
Fr.13.06.08 - China und Taiwan haben in ihren ersten formellen Verhandlungen seit
fast zehn Jahren die Einrichtung ständiger Vertretungen
vereinbart. Sie sollten konsularische Funktionen übernehmen, sagte
ein Mitglied der taiwanischen Delegation am Donnerstag in Peking.
Details müssten noch geklärt werden. Bei den Gesprächen,
die bis heute dauern, geht es auch um eine Ausweitung der
Charterflüge zwischen China und Taiwan.
China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz. Die ersten
formellen Gespräche seit 1999 laufen über halbamtliche
Organisationen.
Das Abkommen zum Flugverkehr würde den Weg ebnen für
regelmäßige Charterflüge über die Meerenge von
Taiwan. Damit könnten jährlich mehrere hunderttausend
chinesische Touristen nach Taiwan reisen. Bislang sind die
Direktflüge auf vier chinesische Feiertage beschränkt.
Zwischen China und Taiwan gibt es seit 59 Jahren keine direkten
Linienflüge.
Die taiwanische Delegation will nach eigenen Anagaben auch weitere
Hilfe im chinesischen Erdbebengebiet anbieten. Ihr gehören zwei
stellvertretende Minister an - die ranghöchsten
Regierungsvertreter, die bisher an bilateralen Gesprächen
teilnahmen.
(Quelle: ap)
Schüler in Kambodscha demonstrieren gegen Kinderarbeit
Fr.13.06.08 - Am internationalen Tag gegen Kinderarbeit haben gestern in Kambodscha
hunderte Schüler gegen die Ausbeutung von Kindern demonstriert. In
der Hauptstadt Phnom Penh nahmen rund 500 Schulkinder an einem
Protestmarsch teil, der von der Internationalen Arbeitsorganisation
(ILO) in Zusammenarbeit mit der kambodschanischen Regierung organisiert
wurde. Sie trugen Plakate und Spruchbänder mit Aufschriften wie
"Kinderarbeit ist ungerecht" oder "Kinder brauchen keine Arbeit, sondern
Unterricht".
"Viele meiner Freunde können nicht zur Schule gehen, weil ihre
Eltern Geld von ihnen fordern," sagte der 15-jährige Schüler
Roeun Ra der Nachrichtenagentur AFP zu seiner Teilnahme an der
Demonstration. Er selbst sei von seinen Eltern zum Müllsammeln
gezwungen worden.
Der Staatssekretär im kambodschanischen Bildungsministerium, Chey
Chab, versicherte den Demonstranten, die Regierung setze sich gegen
Kinderarbeit ein. Schließlich seien Kinder "die starke Kraft des
Landes", sagte er in einer Rede. Nach Angaben der Weltbank werden in
Kambodscha rund anderthalb Millionen Kinder unter 14 Jahren zum Arbeiten
gezwungen. In dem asiatischen Land leben rund ein Drittel der 14
Millionen Einwohner von weniger als 0,50 Dollar pro Tag.
(Quelle: afp)
Experten: Kinderarbeit durch Bildung bekämpfen
Fr.13.06.08 - Bildung ist nach Einschätzung der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) das beste Mittel zur Bekämpfung der
Kinderarbeit. Die Zahl der Kinder zwischen fünf und 14 Jahren, die
arbeiten müssen, wird von der ILO auf 165 Millionen geschätzt.
Deswegen rief die Organisation, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus
181 Ländern vertreten sind, zum diesjährigen Welttag gegen
Kinderarbeit am Donnerstag zu einer Bildungsoffensive auf.
Oft arbeiteten die Kinder viele Stunden am Tag und teilweise unter
gefährlichen Bedingungen. Kinderarbeit und Armut stehen nach
Angaben der Unterorganisation der Vereinten Nationen in einem engen
Zusammenhang. Viele arme Familien seien nicht in der Lage, das Geld
für Schulgebühren oder Lernmaterialien aufzubringen. Auch
hänge oft das Überleben der Familie vom Einkommen der Kinder
mit ab, so dass die Arbeit wichtiger erscheine als Bildung. Besonders
Mädchen seien benachteiligt.
Nach den Zielen der Vereinten Nationen (Millenniums-Zielen) sollen bis
2015 alle Kinder wenigstens die Grundschule absolvieren, und
Mädchen und Jungen sollen dabei gleichermaßen
berücksichtigt werden. Dazu bedarf es nach ILO-Auffassung unter
anderem überall der allgemeinen Schulpflicht, der Förderung
eines Bewusstseinswandels, damit auch Mädchen zur Schule geschickt
werden, sowie gezielte Bildungsprogramme, die sich an arbeitende Kinder
richten.
(Quelle: dpa)
Kubas Regierung kündigt Abschaffung von Einheitslohn an
Fr.13.06.08 - Die kubanische Regierung hat die Abschaffung des Einheitslohns
zugunsten erhöhter Produktivität angekündigt. Es gebe die
Tendenz, "dass alle das Gleiche verdienen und diese Gleichmacherei ist
nicht hilfreich", sagte der stellvertretende Arbeitsminister, Carlos
Mateu, der offiziellen Zeitung "Granma". In der staatlich
kontrollierten Wirtschaft des Landes verdienen die meisten Kubaner
monatlich umgerechnet im Durchschnitt rund elf Euro. Bei vielen Familien
reichen die geringen Einkommen kaum bis zum Ende eines Monats, um sich
mit dem Nötigsten zu versorgen.
In Zukunft solle jeder Arbeiter das verdienen, "was er zu produzieren
fähig ist", sagte Mateau der Zeitung weiter. Es sei ungerecht und
schädlich, Arbeitern weniger oder mehr zu zahlen, als sie
verdienten." Auch wer eine Dienstleistung anbiete, werde zukünftig
für deren Qualität bezahlt. Das neue Gehaltssystem sei ein
"Werkzeug" zur Steigerung von Produktivität und Qualität. Die
bereits im Februar von der kommunistischen Regierung beschlossene
Neuerung soll demnach spätestens ab Anfang August in allen
Betrieben des Landes wirksam sein.
Die neue Regelung reiht sich in mehrere Liberalisierungsmaßnahmen
ein, die der im Februar zum Nachfolger seines Bruders Fidel
gewählte 76-jährige Raúl Castro seitdem getroffen hat.
Unter anderem hob er das Verkaufsverbot für Computer, Fernseher und
andere Elektrogeräte auf. Zur Freude vor allem der Jugend werden
seit Mitte April zudem Handys frei verkauft, die allerdings sehr teuer
sind.
(Quelle: afp)
USA: Obama würde laut Umfrage gegen McCain gewinnen
Fr.13.06.08 - Barack Obama hat laut einer Umfrage gute Chancen, im November bei der
Wahl des neuen US-Präsidenten den Republikaner John McCain zu
besiegen.
In einer gemeinsamen Erhebung des Fernsehsenders NBC und des "Wall
Street Journals" sprachen sich 47 Prozent für den demokratischen
Senator aus Illinois aus. Er kam damit auf sechs Punkte mehr als der
Kriegsveteran McCain. Es war die erste Umfrage dieser Art, seit die
Kandidaten beider Parteien feststehen.
Noch klarer würde der Sieg ausfallen, sollte Obama zusammen mit
Hillary Clinton antreten und dabei auf McCain und den ehemaligen
Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, treffen. Im Falle einer
solchen Konstellation gaben 51 Prozent der Befragten an, für das
Duo der Demokraten zu stimmen; nur 42 Prozent favorisierten die
Republikaner. Sowohl Obama als auch McCain sind derzeit noch auf der
Suche nach ihrem jeweiligen Vizepräsidentschaftskandidaten.
Nach der am Mittwoch veröffentlichten Erhebung fand Obama vor
allem bei Schwarzen, Hispanics, Frauen und Arbeitern Rückhalt.
McCain kam hingegen besonders bei weißen Männern besser an,
die bei der Wahl vor vier Jahren etwas mehr als ein Drittel aller
Wähler stellten. Hier verbuchte der Senator aus Arizona einen
komfortablen 20-Punkte-Vorsprung auf Obama. 54 Prozent erklärten
ferner, sie würden einen Kandidaten bevorzugen, dem sie einen
echten Wandel in Washington zutrauten. Dabei sei es unerheblich, ob er
über viel politische Erfahrung verfüge.
Befragt wurden insgesamt 1000 registrierte Wähler. Die Fehlerquote
lag bei 3,1 Prozentpunkten.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Koalition einig über Kfz-Steuer und Entlastung für Familien
Fr.13.06.08 - Union und SPD haben sich im Grundsatz über die Reform der
Kfz-Steuer ab 2010 und auf Entlastungen für Familien zum
Jahresbeginn 2009 verständigt. Das teilten Vertreter beider Seiten
nach dem Koalitionsausschuss mit. Eine Entscheidung über die
Ausweitung des Mindestlohns auf weitere Branchen wurde dagegen ebenso
vertagt wie die über das Ausmaß der geplanten Senkung des
Beitrages zur Arbeitslosenversicherung. Für die Reform der
Erbschaftsteuer wurde ein Zeitplan verabredet. Die Opposition zeigte
sich unterdessen wenig beeindruckt von den Beschlüssen der
Koalitionsspitzen.
Zur Kfz-Steuer wurde gleich zu Beginn der rund vierstündigen
Beratungen vereinbart, dass diese Steuer statt den Ländern
künftig dem Bund zufließen soll. Dieser erhält damit die
Freiheit, die Besteuerung am CO2-Ausstoß auszurichten, um einen
Anreiz zum Kauf umweltfreundlicher Fahrzeuge zu setzen.
Zur Arbeitslosenversicherung waren sich Union und SPD einig, dass es
einen Spielraum für eine Absenkung des Beitrages zum Jahreswechsel
gibt. Während sich aber CDU und CSU bereits auf eine Senkung um 0,3
Prozentpunkte auf dann 3,0 Prozent festlegen wollten, beharrte die SPD
darauf, zunächst bis September auszuloten, wie groß der
Spielraum tatsächlich ist.
Zum Thema Mindestlohn nahm die Koalitionsrunde einen Sachstandsbericht
von Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) und Kanzleramtschef Thomas de
Maizière (CDU) zur Kenntnis. Beck äußerte sich
darüber "enttäuscht", sprach aber dennoch von Fortschritten.
Im Ringen um die Erbschaftsteuer wollen Union und SPD noch offene
Fragen zunächst auf Fachebene klären. Die Schlussberatung im
Bundestag ist für Anfang Oktober vorgesehen, die Entscheidung im
Bundesrat Anfang November. Keine neue Entscheidung gab es zur
Pendlerpauschale, auf deren volle Wiederherstellung die CSU drängt.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel kritisierte die Entscheidungen zu
Kindergeld und Arbeitslosenbeiträgen als zu unkonkret. Positiv
bewertete er hingegen auf MDR Info die geplante Reform der Kfz-Steuer.
Auch Grünen-Fraktionsvize Fritz Kuhn vermisst konkrete
Entscheidungen darüber, wie die Regierung ihre Vorhaben finanzieren
will. Die Kfz-Steuer sei vom Konzept her falsch, weil sie lineare statt
progressive Sätze vorsehe, sagte er im SWR.
(Quelle: afp)
Jusos, DGB-Jugend und Attac fordern sozialeren Kurs der SPD
Fr.13.06.08 - Die SPD-Nachwuchsorganisation Jusos, die DGB-Jugend und das
globalisierungskritische Netzwerk Attac fordern Kurskorrekturen von der
SPD-Spitze. Die SPD müsse sich jetzt auf soziale Projekte
verständigen, diese glaubwürdig vertreten und auch
durchsetzen, sagte die Juso-Bundesvorsitzende Franziska Drohsel der in
Essen erscheinenden «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung»
(Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht. «Die Ergebnisse der
neoliberalen Ära sind allgegenwärtig: soziale Spaltung,
prekäre Beschäftigung, mangelnde soziale Aufstiegschancen und
Armut», sagte Drohsel. Daher sei nun «Umverteilung von oben
nach unten» notwendig.
Sven Giegold vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac Deutschland
sagte, der SPD fehle ein politisches Projekt. «In den
Gründerjahren der SPD wollte sie den Kapitalismus niederringen,
heute versteht niemand mehr, wofür die SPD eigentlich steht»,
sagte Giegold dem Blatt. Die Orientierung an sozialer Gerechtigkeit
dürfe nicht zugunsten «eines schwabbeligen Konzepts von
´Chancengleichheit´ aufgegeben werden».
DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf, forderte von der SPD
stärkere Anstrengungen für Berufseinsteiger. Der Missbrauch
von Praktika sei ein Massenphänomen geworden und der Berufseinstieg
Jugendlicher gestalte sich zunehmend prekär. «Ich erwarte
von einer SPD der Zukunft eine Politik, die sich stärker an den
Bedürfnissen und der Lebenswirklichkeit der Menschen orientiert
und sie nicht in prekäre Lebens- und Arbeitssituationen
zwingt», sagte Rudolf der Zeitung.
(Quelle: ddp)
Deutsche Bildung erneut in Kritik - Zu viele Schulabbrecher und
Hauptschüler ohne Berufschance, zu wenig Studenten - und auch die
Weiterbildung kommt nicht voran
Fr.13.06.08 - Trotz vieler Reformen zeichnet der Bildungsbericht 2008 von Bund und
Ländern erneut ein kritisches Bild über den Zustand von
Schulen und Hochschulen in Deutschland. Kindergärten und
frühkindliche Bildung seien dagegen deutlich besser geworden, hob
die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Annegret
Kramp-Karrenbauer (Saarland/CDU), bei der Vorstellung des Berichts am
Donnerstag in Berlin hervor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
kündige an, sie werde die Bildungspolitik zur Chefsache machen. Am
22. Oktober will sie mit den Länder-Ministerpräsidenten
über die Probleme reden.
Kritisch stellt der Frankfurter Bildungsforscher Eckhard Klieme mit
seinem Wissenschaftlerteam in dem Bericht heraus, dass weiter Jahr
für Jahr knapp 80 000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss
verlassen. Das sind fast 8 Prozent des Jahrganges. Zugleich können
40 Prozent der Hauptschüler auch 30 Monate nach Schulende immer
noch nicht in eine qualifizierte Berufsausbildung vermittelt werden.
Der Bericht beklagt weiter zu geringe Studentenzahlen und zu hohe
Abbruchquoten vor allem in Studiengängen wie Maschinenbau, Chemie,
Informatik, Mathematik und Physik, um den Fachkräftebedarf der
Wirtschaft zu sichern. Für Kindergärten und Schulen fehlt in
den kommenden Jahren qualifizierter Pädagogen-Nachwuchs. Auch ist
der Anteil der Bildungsausgaben am Brutto-Inlandsprodukt von 6,9
Prozent im Jahr 2005 auf 6,2 Prozent in 2006 zurückgegangen.
Merkel sagte bei einem Festakt zum 60-jährigen Bestehen der
sozialen Marktwirtschaft: ««Wohlstand für alle
heißt heute und morgen: Bildung für alle.» Sie werde
sich «ganz persönlich dieser Sache annehmen». Dabei
kündigte sie «eine Bildungsreise durch die Bildungsrepublik
Deutschland» an. Mit Blick auf die föderale Verantwortung
der Länder bei der Bildung sagte Merkel, die Bürger
interessierten sich nicht für Zuständigkeiten. «Sie
erwarten, dass die Verantwortlichen gemeinsam dazu beitragen, dass
unser Bildungssystem jedem die Chance auf Einstieg und Aufstieg
ermöglicht.»
Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mahnte bei den
Ländern Reformen an. Die Schulen müssten durchlässiger
werden. «Kein Bildungsgang darf mehr in einer Sackgasse
enden», sagte Schavan auf einer eigens einberufenen
Pressekonferenz. An der Präsentation des gemeinsamen
Bund-Länder-Berichts nahm kein Vertreter der Bundesregierung teil.
Kramp-Karrenbauer versicherte, die Länder würden ihre
Zuständigkeit für die Bildung nicht aufgeben. Dort, wo sie
mit dem Bund gemeinsam Verantwortung trügen, wollten sie auch
konstruktiv mit ihm zusammenarbeiten. Der Bericht biete eine gute
Grundlage für das Bund-Länder-Spitzengespräch im Herbst.
Die KMK-Präsidentin wie auch die Bildungssprecher der SPD- wie
unionsgeführten Bundesländer, Doris Ahnen (Rheinland-Pfalz)
und Jan-Hendrick Olbertz (Sachsen-Anhalt) sagten übereinstimmend,
der durch den Schülerrückgang in den kommenden Jahren
freiwerdende finanzielle Spielraum müsse für Reformen in
Schulen und Hochschulen genutzt werden.
Strittig bleibt zwischen Unions- und SPD-Ländern die Frage der
künftigen Schulstruktur und die Zukunft der Hauptschule. Ahnen
sagte, die Konzentration von Problemfällen in den Hauptschulen
erfordere andere Rahmenbedingungen. Dagegen warnte Olbertz davor, sich
jetzt mit verschiedenen Schulformen «zu befehden».
Scharf wies Kramp-Karrenbauer Kritik der Wirtschaft an angeblich
mangelnder Ausbildungsfähigkeit vieler Jugendlicher zurück.
Mit Blick auf den Lehrstellenrückgang sagte die
KMK-Präsidentin, gegenseitige Schuldzuweisungen führten nicht
weiter. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
kritisierte, ein rohstoffarmes Land wie Deutschland könne es sich
nicht erlauben, rund 25 Prozent der Schulabgänger
ausbildungsunfähig aus dem Schulsystem zu entlassen. Daran habe
sich seit dem PISA-Schock von 2000 nichts geändert.
(Quelle: dpa)
Union gegen Rechtsanspruch auf Hauptschulabschluss
Fr.13.06.08 - Die Union im Bundestag lehnt die Pläne der SPD für einen
Rechtsanspruch auf einen Hauptschulabschluss ab. Der
arbeitsmarktpolitische Sprecher der Fraktion, Ralf Brauksiepe (CDU),
sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung»
(Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht: «Wir sind von der
Sinnhaftigkeit dieses Vorschlags noch nicht überzeugt.» Im
Koalitionsvertrag sei auf Drängen der Union eine
Überprüfung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente auf ihre
Effektivität vereinbart worden. «Jetzt im Rahmen eines
Projekts zur Reduzierung dieser Maßnahmen eine neue Pflicht zu
schaffen, wäre unsinnig», betonte er.
Der CDU-Politiker sagte, die Gesetzgebungspläne für Reformen
auf dem Arbeitsmarkt müssten zu einem guten Ende gebracht werden.
Am Ende gehe es um ein Gesamtpaket, in dem sich beide Seiten
wiederfinden müssten.
(Quelle: ddp)
Vor 60 Jahren - Währungsreform bringt die D-Mark: Neue Banknoten
aus den USA, Kupon-Aufkleber für die Ostmark
Fr.13.06.08 - Rundfunk-Sondermeldungen und Extrablätter ließen am
Sonnabend, dem 19. Juni 1948, die westdeutschen Bürger den Inhalt
ihrer Geldbörsen und Brieftaschen zählen: Am nächsten
Tage, so verkündeten die drei westlichen Militärgouverneure,
werde in ihrem Besatzungsgebiet eine Währungsreform
durchgeführt. Die inflationäre Reichsmark des besiegten
Deutschland werde durch die neue D-Mark ersetzt.
Jeder Bürger, ob Kind oder Greis, konnte ein
«Kopfgeld» von 60 Reichsmark 1:1 gegen die aus den USA
eingeflogenen DM-Noten eintauschen. Das gleiche Verhältnis galt
für Verbindlichkeiten wie Löhne und Gehälter, Mieten und
Renten. Unter dem Strich kam ein Gesamtumtauschverhältnis -
einschließlich des Guthabens der Masse der Sparer - von 100
Reichsmark zu 6,50 D-Mark zustande. Dagegen blieben das
Produktivvermögen, Aktien, Haus- und Grundbesitz sowie alle
privaten Lagerbestände unangetastet.
Bereits in den Monaten zuvor hatte die von allen erwartete Reform zu
hektischen Aktivitäten geführt. Flucht in die Sachwerte,
dunkle Schwarzmarktgeschäfte, das radikale Horten wertvoller Waren
sowie Währungsspekulationen mit Dollar und Pfund gehörten zum
Alltag. Doch schon am 21. Juni schien alles wie verwandelt. Die
Schaufenster waren plötzlich mit Waren gefüllt, Lebensmittel
im Überfluss vorhanden. Sogar ein Volkswagen war zum Preis von 5300
DM innerhalb von acht Tagen zu haben. «Für die meisten
Zeitgenossen», so resümierte der Bielefelder
Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser, «stand weder der Tag der
Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 noch die
Konstituierung des Bonner Parlaments am 7. September 1949 für den
entscheidenden Neubeginn in Staat und Wirtschaft, sondern eben der 20.
Juni 1948.»
Dieser bis dahin schärfste Währungsschnitt in Deutschland
markierte aber auch eine folgenschwere Zäsur in der deutschen
Nachkriegsgeschichte: Er war - so der Historiker Heinrich August Winkler
- «die nächste Station auf dem Weg zur deutschen
Teilung». Die Geldreform bildete jedoch das unerlässliche
wirtschaftliche Fundament für den Separatstaat, dessen Aufbau die
Westmächte kurz zuvor auf einer Konferenz in London bei den
Westdeutschen in Auftrag gegeben hatten.
Die Sowjetunion, der Alliierte des Westens im Krieg gegen
Hitler-Deutschland, hatte bis dahin am gemeinsam verkündeten Ziel
einer deutschen Wirtschaftseinheit festgehalten. Doch Moskaus Eintreten
für eine gesamtdeutsche Finanzlösung wurde von Washington als
der Versuch angesehen, ganz Deutschland in die sowjetische
Einflusssphäre einzubeziehen.
Nun war für die Russen Eile geboten, um eine Überschwemmung
ihrer Besatzungszone mit abgewerteten Reichsmarknoten zu verhindern. Am
23. Juni 1948 zog Moskau mit einer Währungsreform für
Ostdeutschland nach - mit einer «Kopfquote» von 70
Reichsmark gegen 70 neue Mark der (Ost-)Deutschen Notenbank. Wegen
fehlender neuer Scheine wurden die alten Noten provisorisch mit einem
aufgeklebten Kupon zur neuen Währung erkoren.
Doch in Ostdeutschland blieb der wirtschaftliche Effekt der Reform
zunächst aus. Private Unternehmen waren benachteiligt worden,
wohlgefüllte Warenlager kaum vorhanden. Die großzügige
1:1-Umwertung der Konten der Volkseigenen Betriebe (VEB), der
Sowjetischen Militäradministration, der Parteien und
Zentralbehörden ließ zudem die Geldschöpfung der
Notenbank auf viel zu hohem Niveau beginnen. Wie im Westen war damit
auch im Osten Deutschlands eine Grundentscheidung über die
künftige Vermögensverteilung getroffen, dazu das Fundament
für den Übergang zu einer zentralen Planwirtschaft gelegt
worden.
(Quelle: ddp)
Ministerpräsidenten setzen Grenzen für ARD/ZDF im Internet
Fr.13.06.08 - Die Ministerpräsidenten der Länder sind sich weitgehend einig
über Grenzen für den Internet-Auftritt der
öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.
Deren Angebot müsse sendungsbezogen sein und dürfe keine
"elektronische Presse" sein, sagte der Vorsitzende der
Ministerpräsidentenkonferenz, Hessens Regierungschef Roland Koch,
am Donnerstag in Berlin. Untersagt werden sollen den Internet-Diensten
von ARD und ZDF etwa Kontaktbörsen, Beratungsdienste oder auch
Freizeittipps mit Querverweisen auf Leistungsanbieter. Offen ist noch,
ob und was im Bereich der Unterhaltung für die Sender möglich
sein soll.
Nach Kochs Worten müssen sich die Ministerpräsidenten nun
zunächst noch in einer zweiten Runde über die wenigen offenen
Punkte einigen. Für die SPD-geführten Länder sagte
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, die wenigen
Punkte sollten noch zu klären sein. Danach wollen die Länder
mit einer gemeinsamen Position im September in die Verhandlungen mit
der EU-Kommission gehen. Im Oktober ist nach Kochs Worten dann die
Unterzeichnung des Staatsvertrages vorgesehen.
EU-Medienkommissarin Viviane Reding hatte am Wochenende die Pläne
von ARD und ZDF kritisiert. Es sei nicht einzusehen, warum mit dem Geld
der Gebührenzahler privaten Verlagen im Internet unlauterer
Wettbewerb gemacht werden solle, sagte sie.
Erlaubt bleiben soll den öffentlich-rechtlichen Sendern nach Kochs
Worten, Aufzeichnungen von internationalen Großereignissen im
Sport ins Netz zu stellen. Es gehe um einen Zeitraum von mindestens 24
Stunden nach dem Ereignis. Abrufbar sein soll das dann maximal sieben
Tage. Diese Regelung soll auch für die Fußball-Bundesliga
gelten.
Während die privaten Rundfunkanbieter und die Verleger es
begrüßten, dass zeitliche und inhaltliche
Beschränkungen angestrebt würden, kritisierten die ARD und
der Journalistenverband djv gerade dies. Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff
erklärte in Saarbrücken, auch die Unterhaltung sei eine
unverzichtbare Säule des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und
gehöre zum Auftrag der Grundversorgung. Er verstehe Kochs
Äußerungen so, dass die bestehenden Online-Angebote der ARD
offenbar nicht im Widerspruch zum Arbeitsentwurf der Länder stehe.
Allerdings müsse dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch die
Möglichkeit der Weiterentwicklung gegeben werden.
djv-Chef Michael Konken sprach von zu starren Grenzen. So sei kein
publizistisch interessanter Internet-Auftritt zu schaffen, der die
vorhandene Palette von Angeboten im Netz sinnvoll erweitere.
Hingegen sprach der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) von
einem Schritt in die richtige Richtung. Es sei allerdings eine
Nachbesserung bei der Negativliste zum Thema Ratgeber notwendig.
(Quelle: rtr)
Britischer Sender BBC plant Online-Archiv
Fr.13.06.08 - Ein umfassendes Online-Archiv für die Sendungen der letzten rund
80 Jahre will der britische TV-Sender BBC (http://www.bbc.co.uk).demnächst
veröffentlichen. Ältere Sendungen sollen so nicht in
Vergessenheit geraten. Außerdem existieren derzeit laut der
Zeitung "The Guardian" zu einigen Ausstrahlungen bei Anbietern anderer
Internet-Seiten offenbar mehr Informationen als auf der Web-Seite der
BBC. Das will der Sender mit seinem Archiv ändern. Auch in
Deutschland genießen etliche Produktionen der britischen
Rundfunkanstalt hohes Ansehen, darunter beispielsweise aufwendige
Natur-Dokumentationen.
(Quelle: gp)