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Aktuelle Nachrichten
Irak 1544 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Laut US-Botschafter hat sich Sicherheitslage im Irak verbessert.
Gespräche mit USA über weitere US-Präsenz in Sackgasse
Sa.14.06.08 - Die Sicherheitslage im Irak hat sich nach Angaben der USA deutlich
verbessert. Trotz der jüngsten Militäreinsätze der
irakischen Sicherheitskräfte und der Koalitionstruppen in Basra,
Sadr-City und Mossul sei die Zahl der sicherheitsrelevanten
Zwischenfälle auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gesunken.
Das sagte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Zalmay
Khalilzad, vor dem Weltsicherheitsrat. Die Zahl der zivilen Todesopfer
sei seit Juli vergangenen Jahres um 75 Prozent gefallen.
Der Irak wird den US-Soldaten im Land künftig offenbar keine
uneingeschränkte Bewegungsfreiheit mehr gewähren.
Die US-Forderungen würden die irakische Souveränität
verletzen, sagte Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Freitag bei
einem Besuch in Jordanien. Dies könne sein Land niemals
akzeptieren. Die Gespräche über eine Vereinbarung
befänden sich in einer Sackgasse.
Die USA verhandeln derzeit mit dem Irak über ein Abkommen, das es
den US-Truppen erlauben soll, auch nach dem 31. Dezember 2008 in dem
Land zu bleiben. An dem Tag läuft das Mandat der Vereinten
Nationen aus.
boa (Quellen: dpa, rtr)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 14.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Justizminister: Guantanamo-Prozesse gehen weiter
Sa.14.06.08 - US-Justizminister Michael Mukasey erwartet trotz des Grundsatzurteils
des Obersten Gerichtshofs keine Auswirkungen auf Prozesse im
US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba. "Ich möchte betonen, dass
die Gerichtsentscheidung sich nicht auf Prozesse vor
Militärtribunalen bezieht, die fortgesetzt werden", sagte er in
Tokio beim Treffen der G-8-Justizminister. Die Entscheidung der Richter
beziehe sich lediglich auf das vom Kongress und vom US-Präsidenten
festgelegte Verfahren. Mukasey zeigte sich enttäuscht über das
Urteil, das er jedoch erst noch gründlich prüfen müsse.
Hunderte von Fällen könnten jetzt vor nationalen Gerichten
landen, sagte er. Im Streit um die Rechte der Insassen in Guantanamo auf
Kuba hatte das Oberste Gericht in Washington der Regierung von
Präsident George W. Bush eine schwere Niederlage bereitet. Die
höchsten Richter stellten sich in ihrem am Donnerstag
veröffentlichten Grundsatzurteil auf die Seite der klagenden
Gefangenen und räumten diesen das Recht auf Zugang zu ordentlichen
Gerichten in den USA ein. Die bisherige Praxis, den Gefangenen dieses
Recht zu verwehren, verstoße gegen die Verfassung, urteilten die
Richter mit knapper Mehrheit von fünf zu vier Stimmen. Es war das
dritte Mal, dass das Gericht der Guantanamo-Politik von Bush einen
Riegel vorschob.
(Quelle: afp)
Afghanistan: Taliban stürmen Gefängnis von Kandahar und
befreien Hunderte - Selbstmordattentäter sprengten den Weg frei
Sa.14.06.08 - Kämpfer der Taliban haben das größte Gefängnis der
südafghanischen Stadt Kandahar gestürmt und hunderte Insassen
befreit. Darunter waren gewöhnliche Kriminelle genauso wie
mindestens 350 Taliban-Anhänger, die gegen die NATO-Truppen im
Land kämpfen. «Alle Insassen sind geflohen. Da ist keiner
mehr übrig», sagte Wali Karsai, der Präsident des
Provinzrats von Kandahar und Bruder des afghanischen Präsidenten
Hamid Karsai am Freitag. Mehrere Polizisten wurden bei dem
Überfall getötet, wie viele war zunächst unklar.
Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff auf das
Sarposa-Gefängnis. 30 Aufständische und zwei
Selbstmordattentäter hätten das Gefängnis koordiniert
angegriffen, sagte Taliban-Sprecher Kari Jussef Ahmadi. Hunderte
Taliban seien erfolgreich befreit worden. Der Angriff wurde Ahmadi
zufolge seit zwei Monaten penibel vorbereitet, «um unsere
Taliban-Freunde zu befreien».
Dabei handelte es sich laut Karsai um viele «wichtige»
Taliban. Darunter seien viele Selbstmordattentäter gewesen, die
von der Polizei kurz vor einem Anschlag gestellt worden waren. Karsai
erklärte weiter, in dem Gefängnis seien mindestens 350
Kämpfer der Taliban gewesen, die im Mai in einen Hungerstreik
getreten waren. Wie viele Häftlinge insgesamt in Sarposa
einsaßen, war zunächst nicht bekannt.
Der Angriff erfolgte am späten Freitagabend gegen 21.30 Uhr
Ortszeit. Zuerst explodierte ein mit Sprengstoff beladener Tanklaster
beim Haupttor, dann bombte ein Selbstmordattentäter ein Loch in
die rückwärtige Seite der Anstalt, wie Gefängnischef
Abdul Kabir erklärte. Aufständische stürmten das
Gefängnis. Offenbar gab es heftige Feuergefechte. Etwa 30 Minuten
lang waren in der Stadt Explosionen zu hören, der Raketenbeschuss
dauerte bis in die frühen Morgenstunden (Ortszeit).
Die NATO-Truppen erklärten zunächst nur, sie wüssten,
dass es Kämpfe gegeben habe. Kandahar, die zweitgrößte
Stadt Afghanistans, war früher die Hochburg der Taliban. In den
Provinzen im Süden Afghanistans kommt es immer wieder zu heftigen
Gefechten zwischen NATO-Truppen und Kämpfern der Taliban.
(Quelle: ap)
Großbritannien plant Truppenverstärkung in Afghanistan
Sa.14.06.08 - Die britischen Streitkräfte wollen ihre Truppenpräsenz in
Afghanistan verstärken. Der Londoner Verteidigungsministerium
bestätigte am Freitagabend einen entsprechenden Bericht der BBC,
wollte aber vor der offiziellen Ankündigung in der kommenden Woche
keine Einzelheiten nennen. Die BBC hatte in ihrem Bericht von einigen
hundert Soldaten gesprochen, die zur Verstärkung in den Süden
des Landes geschickt werden sollen. Dort ist das Gros der 7.800
britischen Soldaten stationiert.
US-Präsident George W. Bush hat bei seiner Europareise bei den
Verbündeten für mehr Unterstützung für die
afghanische Regierung geworben. Er trifft den britischen
Premierminister Gordon Brown am (morgigen) Sonntag.
(Quelle: ap)
Simbabwe: Präsident Mugabe droht Opposition bei Sieg mit
Waffengewalt - UN: Humanitäre Lage besorgniserregend
Sa.14.06.08 - Im Fall eines Sieges der simbabwischen Opposition bei der
Präsidentschaftswahl in zwei Wochen hat Amtsinhaber Robert Mugabe
mit Waffengewalt gedroht. Die Veteranen des Befreiungskrieges von der
Kolonialmacht Großbritannien seien bereit, zu den Waffen zu
greifen, um eine Machtübernahme durch die Opposition zu
verhindern, wurde Mugabe von der Staatszeitung "The Herald" zitiert.
Die Schikanierung der Opposition setzte sich fort: Die Polizei
beschlagnahmte zwei Wahlkampfbusse des Chefs der Oppositionspartei MDC,
Morgan Tsvangirai. Die UNO bezeichnete die humanitäre Lage als
"sehr beunruhigend".
"Sie (die Veteranen) kamen nach der ersten Runde der Wahlen in mein
Büro und fragten mich, ob sie zu den Waffen greifen könnten",
sagte Mugabe laut dem Bericht der staatlichen Zeitung auf einer
Versammlung in Murehwa im Nordosten der Hauptstadt Harare. Er
persönlich wolle zwar keinen neuen Krieg, ein Sieg seines Rivalen
Tsvangirai könne einen solchen aber entfachen, erklärte
Mugabe demnach. Zugleich warnte der Präsident die Wähler
davor, einen "Fehler" zu begehen. Mugabe hat Tsvangirai wiederholt als
Marionette der ehemaligen britischen Kolonialmacht dargestellt.
In Gweru im Zentrum des Landes beschlagnahmte die Polizei zwei
Wahlkampfbusse Tsvangirais, wie ein MDC-Sprecher mitteilte. Am
Donnerstag wurde Tsvangirai für insgesamt fast sechs Stunden zwei
mal festgenommen. Er hatte am Mittwoch seine Wahlkampftour durchs Land
gestartet. MDC-Generalsekretär Tendai Biti wurde bei seiner
Rückkehr nach Harare am Donnerstag am Flughafen festgenommen und
wegen Hochverrats angezeigt. Die Behörden werfen ihm vor, mit der
Veröffentlichung einer Übergangsstrategie gegen das
Strafgesetzbuch verstoßen und Hochverrat begangen zu haben. Ihm
droht die Todesstrafe.
Am 27. Juni sollen die Simbabwer in einer Stichwahl über ihren
neuen Präsidenten entscheiden. In der ersten Wahlrunde hatte
Tsvangirai mehr Stimmen errungen als der langjährige Amtsinhaber
Mugabe, jedoch nach offiziellem Ergebnis keine absolute Mehrheit
erreicht.
Insbesondere die Lebensmittelversorgung in Simbabwe verschlechtere
sich, sagte der UN-Untergeneralsekretär für humanitäre
Angelegenheiten, John Holmes. Wahrscheinlich werde der Bedarf der
Bevölkerung nur zu einem Viertel durch die nächste Ernte
gedeckt werden können. Angesichts der ohnehin schon "sehr
schwierigen wirtschaftlichen Lage mit einem bankrotten Sozialsystem"
bedeute das, dass immer mehr Menschen auf humanitäre Hilfe
angewiesen seien.
(Quelle: afp)
Fonds soll Entwicklungsländer im Kampf gegen Klimawandel
unterstützen
Sa.14.06.08 - Ein Sonderfonds mit zunächst zehn Milliarden Dollar soll
Entwicklungsländer im Kampf gegen Klimawandel unterstützen.
US-Finanzminister Henry Paulson rief die anderen Mitglieder der G-8 am
Freitag in Japan auf, den von der Weltbank geführten Fonds zu
unterstützen. Der Kampf gegen den Klimawandel gehörte neben
den Preissteigerungen bei Treibstoffen und Lebensmitteln zu den
wichtigsten Themen der Beratungen der Finanzminister der sieben
führenden Industrienationen und Russlands.
Paulson kündigte in Osaka an, ein erstes Treffen zur Einrichtung
des Fonds werde gegen Ende des Jahres in den USA stattfinden. Mit dem
Geld sollten die Energieeffizienz in den Entwicklungsländern
gesteigert und der Ausstoß an klimaschädlichen Gasen
verhindert werden.
Die Finanzminister der G-8 kamen auch mit ihren Kollegen aus
Australien, Brasilien, China, Südkorea, Südafrika und
Thailand zusammen, um über die Auswirkungen der steigenden
Öl- und Lebensmittelpreise zu beraten, wie das japanische
Finanzministerium mitteilte.
Die französische Finanzministerin Christine Lagarde forderte dabei
mehr Informationen über Ölreserven, um den Druck auf den
Ölpreis zu vermindern. «Wir sollten nicht übereilt
Maßnahmen beschließen, ohne sie zuerst getestet zu
haben», sagte Lagarde am Rande des G-8-Treffens. Die
Gespräche dienten der Vorbereitung des G-8-Gipfels vom 7. bis 9.
Juli.
Es wurde erwartet, dass die Finanzminister den Internationalen
Währungsfonds (IWF) auffordern, erneut zu prüfen, in welchem
Ausmaß Spekulanten für die hohen Ölpreise
verantwortlich sind. Eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums werde
vermutlich auch den Preisanstieg dämpfen, sagte IWF-Chef Dominique
Strauss-Kahn am Freitag in Osaka. Zur G-8 gehören Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Italien, die USA, Kanada, Japan und
Russland.
(Quelle: ap)
UN-Generalsekretär Ban dringt auf Eindämmung der steigenden
Preise
Sa.14.06.08 - UN-Generalsekretätr Ban Ki Moon dringt auf Eindämmung der
steigenden Preise: Jeder Schritt zur Eindämmung der steigenden
Treibstoff- und Lebensmittelpreise ist nach den Worten von Ban wichtig
für die weltweite Stabilität. Die schnell steigenden Preise
könnten zu politischen und Sicherheitsproblemen auf der ganzen
Welt führen, sagte Ban am Freitag nach einem Gespräch mit dem
britischen Premierminister Gordon Brown in London.
Er werde am (heutigen) Samstag in dieser Sache auch Gespräche in
Saudi-Arabien führen. Zu einem Ölpreis-Gipfel am 22. Juni in
Dschidda will auch Brown nach Saudi-Arabien reisen. Es gehe dort um
einen Dialog zwischen den Verbrauchern und den Ölförderern.
(Quelle: ap)
Tausende südkoreanische Lkw-Fahrer streiken wegen hoher Spritkosten
Sa.14.06.08 - Mehr als 5.000 Lkw-Fahrer sind am Freitag in einen Streik getreten, um
gegen gestiegene Spritkosten zu protestieren. Sie fordern von der
Regierung Zuschüsse, Unterstützung bei der Erhöhung von
Transportgebühren und die Einführung eines Mindestlohns, wie
eine Gewerkschaftssprecherin in Seoul mitteilte. Bereits ein kurzer
Streik verursacht der südkoreanischen Exportwirtschaft
Millionenverluste.
Die Frachtarbeitergewerkschaft erwartet eine große
Streikbeteiligung, nachdem nach gescheiterten Verhandlungen Anfang der
Woche 90 Prozent der 13.000 Mitglieder für den Ausstand stimmten,
sagte Sprecherin Chung Hee Seon. Auch nicht der Gewerkschaft
angehörende Fahrer hätten sich dem Streik angeschlossen. Die
Regierung hat angekündigt, 100 Militärlastwagen einzusetzen
und Transporte auf die Schiene zu verlegen.
(Quelle: ap)
EU-Energiekommissar Piebalgs für Energie-Sozialtarife
Sa.14.06.08 - EU-Energiekommissar Andris Piebalgs hat sich angesichts der drastisch
gestiegenen Energiepreise für Sozialtarife ausgesprochen.
"Besonders die Familien treffen die steigenden Preise hart. Deshalb
sind Sozialtarife eine Möglichkeit für die Staaten", sagte
Piebalgs am Freitag in Leipzig bei einer Tagung des europäischen
Gasverbandes Eurogas. "Wir sollten aber nur die unterstützen, die
Schwierigkeiten haben, Nahrung und Heizung zu bezahlen." Generelle
Hilfen seien falsch. Man müsse eher die Reserven beim
Energie-Sparen und bei der Energie-Effizienz ausnutzen, sagte Piebalgs.
Wegen der steigenden Preise für Heizöl und Gas, das in
Deutschland wichtigster Brennstoff zum Heizen ist, hatte bereits
Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) solche Tarife gefordert.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte sich hingegen skeptisch
geäußert und darauf verwiesen, dass etwa bei
Hartz-IV-Empfängern die Heizkosten im Rahmen der Unterkunftskosten
ohnehin mitbezahlt würden.
Piebalgs sprach sich weiter dafür aus, sich von der umstrittenen
Bindung der Gas- an die Ölpreise zu lösen. "Die Schwankungen
beim Öl haben ungeheuer zugenommen", sagte der EU-Kommissar. Wegen
des höheren Ölpreises wird so in der Folge in Deutschland
auch mit einer Steigerung des Gaspreises zum Herbst von etwa 40 Prozent
gerechnet. Die Import-Konzerne schließen im allgemeinen
Verträge mit den Lieferanten ab, die eine solche Bindung vorsehen.
Dies war auch bei Verbraucherschützern auf Kritik gestoßen.
"Langfristig ist die Herausforderung die Preisentwicklung beim
Öl", sagte Piebalgs. "Wir brauchen aber stabilere Preise beim
Gas." Die Entkopplung könne daher ein Weg sein: "Wir müssen
da offen darüber sprechen." Für die notwendige
Erschließung neuer Quellen und den Bau neuer Leitungen brauche
man Investitionen, die direkt über die Gaspreise finanziert werden
könnten. "Es ist im Interesse der Industrie und der Konsumenten,
den Gas- von dem Ölpreis zu entkoppeln."
(Quelle: rtr)
Iren stimmen gegen EU-Vertrag
Sa.14.06.08 - Trotz des Scheiterns des EU-Vertrags von Lissabon bei der
Volksabstimmung in Irland will die Europäische Union ihr
Reformwerk retten.
Die Wähler stimmten bei dem Referendum am Donnerstag mit
deutlicher Mehrheit von 53,4 Prozent gegen den Vertrag, wie das
Endergebnis am Freitag ergab. Dieser kann damit nicht wie geplant 2009
in Kraft treten. Die EU will dennoch die Ratifizierung in den noch
ausstehenden acht Ländern fortsetzen und gemeinsam mit Irland nach
einem Ausweg aus der Krise suchen. "Der Vertrag ist nicht tot, er lebt,
und wir sollten jetzt eine Lösung finden", betonte
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso in Brüssel.
Andere EU-Länder reagierten mit großem Bedauern auf das
Ergebnis der Abstimmung. "Ich bin persönlich bestürzt",
erklärte Frankreichs Europaminister Jean-Pierre Jouyet.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier räumte ein, das Nein
der Iren sei ein schwerer Rückschlag für die EU. Diese hatte
2005 ein Debakel erlebt, als die Wähler in Frankreich und den
Niederlanden die Verfassung ablehnten. Der im Dezember unterzeichnete
Vertrag von Lissabon ist eine abgespeckte Version der Verfassung und
soll die auf 27 Staaten gewachsene EU nach jahrelanger Reformdebatte
demokratischer und handlungsfähiger machen. Der Europäische
Unternehmerverband BusinessEurope warnte, Europa könne sich keine
neue Krise seiner Institutionen leisten.
Doch ein kleines Mitgliedsland mit vier Millionen Bürgern bringt
die Reform jetzt ins Schleudern. Denn der Vertrag kann nur in Kraft
treten, wenn alle Mitgliedsländer ihn annehmen. Irland hielt als
einziges Land ein Referendum ab, weil es in seiner Verfassung
vorgeschrieben ist. Alle anderen Länder lassen die Parlamente
entscheiden. Inzwischen haben 18 Staaten, darunter auch Deutschland,
zugestimmt. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief gemeinsam mit dem
französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy dazu auf, die
Ratifizierung fortzusetzen. So wie Barroso kündigten die beiden
an, auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag
über eine Lösung zu beraten. Der irische
Ministerpräsident Brian Cowen müsse die Ursachen des
Wählervotums erklären.
Die irische Regierung schien zunächst ratlos. Regierungschef Cowen
sagte, es gebe keine rasche Lösung. Finanzminister Brian Lenihan
sagte, es sei nicht möglich, den Vertrag noch einmal neu zu
verhandeln. "Es ist sehr schwierig, wenn man Plan A und Plan B hatte,
zu sehen, wo Plan C liegt." Die Iren gelten eigentlich als sehr
europafreundlich. Denn ihr Land profitierte wie kaum ein anderes vom
Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft vor 35 Jahren. Die
Wirtschaftsleistung pro Kopf liegt bei 146 Prozent des
EU-Durchschnitts, nur Luxemburg ist reicher. "Ich bin sehr, sehr
enttäuscht über dieses Ergebnis", sagte Lenihan und sprach
von einem traurigen Tag für Europa und die Iren.
Fast alle Parteien, Unternehmervereinigungen, die Dachorganisation der
Gewerkschaften und die Bauernverbände hatten die Menschen
aufgefordert, mit Ja zu stimmen. Doch das politische Establishment tat
sich schwer zu erklären, warum der EU-Reformvertrag getreu dem
Kampagnen-Motto "gut für Irland, gut für Europa" ist.
Die Gegner des EU-Vertrages argumentierten, kleinere Länder wie
Irland hätten mit dem Lissabon-Vertrag weniger zu sagen,
Abtreibungen müssten in Irland erlaubt und Firmensteuern
erhöht werden. Mit Nein stimmten nach Einschätzung von
Beobachtern vor allem Arbeiter, die sich als Verlierer der
Globalisierung und europäischen Integration sehen. Die
oppositionelle nationalistische Sinn-Fein-Partei warf der Regierung
vor, Irlands militärische Neutralität nicht gut genug
abgesichert zu haben. Mary Lou McDonald, Europaabgeordnete von Sinn
Fein und Unterstützerin der Kampagne gegen den Vertrag, sagte:
"Das ist ein Augenblick demokratischer Wahrheit. Hört ihr auf das
Volk, oder nicht?" Viele Bürger erklärten, sie hätten
den EU-Vertrag nicht verstanden. Die Wahlbeteiligung war mit 53 Prozent
dennoch verhältnismäßig hoch.
Auch Europaabgeordnete sehen den einzigen Ausweg jetzt darin, den
Vertrag in allen anderen EU-Ländern anzunehmen. Der Sozialdemokrat
Jo Leinen erklärte, als Lösung seien weitere
Ausstiegsklauseln für Irland denkbar. Der CDU-Abgeordnete Elmar
Brok warnte davor, den Vertrag mit solchen Zugeständnissen wieder
aufzuschnüren. Die Grünen stellten den Sinn von
Volksabstimmungen über Europathemen in Frage. "Es ist nicht
wirklich demokratisch, dass weniger als eine Million Bürgerinnen
und Bürger über das Schicksal von fast einer halben Milliarde
entscheiden können", erklärte der Ko-Fraktions-Chef Daniel
Cohn-Bendit. Letzlich waren es 110.000 Wähler, die das Nein-Lager
mehr hatte und die das politische Fundament für 490 Millionen
Einwohner erschütterten.
(Quelle: rtr)
Schwedens Telekom-Gigant Ericsson muss Frauen mehr zahlen
Sa.14.06.08 - Der schwedische Telekom-Konzern Ericsson hat die Gehälter von
über hundert weiblichen Angestellten auf Druck der Behörden
erhöht. Die betroffenen 115 Frauen wurden bislang schlechter
bezahlt als ihre männlichen Kollegen, die die gleiche Arbeit
verrichteten, wie der schwedische Ombudsman für Gleichstellung
Magnus Jacobson sagte: "Als wir die Gehälter von
Ericsson-Mitarbeitern überprüft haben, stellten wir fest, dass
in 54 Prozent der Abteilungen des Konzerns Frauen schlechter bezahlt
wurden als männliche Mitarbeiter." Ericsson habe diese
Ungleichheit sofort korrigieren müssen.
Die Gehälter der 115 Ericsson-Mitarbeiterinnen wurden um monatlich
zwischen 400 und 4000 Kronen (43 bis 430 Euro) erhöht, wie die
Zeitung "Blekinge Laens Tidning" berichete. Ein Viertel der 17.000
Ericsson-Mitarbeiter sind weiblich. Ein schwedisches Gesetz aus dem Jahr
2001 verpflichtet Unternehmen, die Gehaltslisten der Mitarbeiter zur
Prüfung beim Ombudsman vorzulegen. Jacobson sagte, von den rund
1200 in diesem Jahr überprüften Firmen habe knapp die
Hälfte Gehälter anpassen müssen. Etwa 4800 Arbeitnehmer
hätten so eine Gehaltserhöhung bekommen, darunter auch einige
Männer. In 90 Prozent der Fälle seien es jedoch Frauen, die
diskriminiert würden.
Nach EU-Angaben sind die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und
Männern in Europa noch immer beträchtlich. Durchschnittlich
verdienten Frauen in der Europäischen Union 15 Prozent weniger als
Männer. In Deutschland liegt der durchschnittliche Stundenlohn von
Frauen sogar um rund 22 Prozent unter dem ihrer männlichen Kollegen.
(Quelle: afp)
Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser bleibt im Streit um
Altersteilzeit hart
Sa.14.06.08 - Im Streit um die Altersteilzeit in der Metallbranche pochen die
Arbeitgeber darauf, den Zugang der Beschäftigten zum vorzeitigen
Ausstieg aus dem Arbeitsleben deutlich einzuschränken.
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte den am Freitag in
Düsseldorf erscheinenden «VDI nachrichten», in Zeiten
des Fachkräftemangels ergebe es keinen Sinn mehr, vorzeitig
Ältere auszumustern, um Jüngere einzustellen. Mit Blick auf
den Tarifkonflikt sprach er sich für betriebsnahe Lösungen und
eine Beteiligung der Nutznießer an der Finanzierung aus.
Nach Auffassung Kannegiessers sollte bei der Neuregelung der Grundsatz
«nicht mehr so viele, nicht mehr so früh und nicht mehr so
attraktiv» gelten. Die Branche könne heute nicht mehr in
gleichem Umfang wie früher Altersteilzeit nutzen. Der
Gesamtmetall-Chef plädierte für eine Lösung, die
einerseits der Notwendigkeit Rechnung trage, einen Ausstieg in
bestimmten Grenzen zu ermöglichen, und andererseits den Weg zu
einer neuen Einstellung gegenüber älteren Arbeitnehmern
öffne.
Kannegiesser verwies auf die demografische Entwicklung, die einen
Wandel der Einstellung erfordere. Die Betriebe müssten sich darauf
vorbereiten, dass sich dies auch in ihrer Personalstruktur widerspiegle
und das Durchschnittsalter der Belegschaft steige. Sie könnten ihre
Wettbewerbsfähigkeit nur wahren, wenn es ihnen gelinge, die
Mitarbeiter fit zu halten und länger im Unternehmen zu
beschäftigen.
In Baden-Württemberg wird seit Wochen federführend für
alle Bezirke der Metall- und Elektroindustrie über eine Neuregelung
der Altersteilzeit verhandelt. Die staatliche Förderung läuft
2009 aus. Die fünfte Verhandlungsrunde findet am kommenden
Mittwoch statt. Die Arbeitgeber wollen nur noch besonders belasteten
Beschäftigten, etwa langjährigen Nachtschichtarbeitern, einen
Zugang zur Altersteilzeit gewähren. Die IG Metall fordert einen
Anspruch für fünf Prozent der Beschäftigten. Sie hat zu
bundesweiten Warnstreiks aufgerufen.
(Quelle: ddp)
Post gibt eigene Filialen komplett auf
Sa.14.06.08 - Die Deutsche Post will ihr mit eigenem Personal betriebenes Filial-Netz
in den nächsten Jahren schrittweise komplett aufgeben. Ein
Post-Sprecher bestätigte einen Bericht des «Westfalen-
Blatts». Er stellte aber klar, dass die Poststellen nicht
ersatzlos wegfallen würden. Sie sollen stattdessen - wie schon
bisher - in sogenannte Partner-Filialen umgewandelt werden. Diese
befinden sich meist in Läden des Einzelhandels. Der Kundenservice
werde dort nicht eingeschränkt, sondern noch erweitert, so der
Sprecher.
(Quelle: dpa)
Energiepreise treiben Lebenshaltungskosten nach oben -
Verbraucherpreise steigen um drei Prozent - Auch Milch im
Jahresvergleich viel teurer
Sa.14.06.08 - Die weiter steigenden Energiepreise haben die Lebenshaltungskosten im
Mai stark in die Höhe getrieben. Die Inflationsrate stieg von 2,4
Prozent im April auf 3,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am
Freitag in Wiesbaden mitteilte. Ohne die höheren Energiekosten
hätten die Preise nur um 1,9 Prozent zugelegt. Allerdings ist die
Rate kein Höchststand in diesem Jahr. Im März lag sie sogar
bei 3,1 Prozent.
Obwohl Energie in Privathaushalten weniger als 10 Prozent der Kosten
ausmacht, sorgt vor allem der steigende Rohölpreis für die
hohe Inflationsrate, wie Statistiker erklärten. Kraftstoffe
verteuerten sich etwa um 12,3 Prozent und Diesel sogar um 26,4 Prozent.
Damit bestätigten das Bundesamt den Trend an Tankstellen:
Preisunterschiede zwischen Benzin und Diesel gibt es praktisch nicht
mehr.
Leichtes Heizöl wurde im Jahresvergleich sogar um 57,4 Prozent
teurer. Auch die Preise für Strom (plus 7,4 Prozent) und Gas (plus
4,7 Prozent) zogen im Mai deutlich an. Bei einer Preissteigerung ohne
die Energie und damit von 1,9 Prozent wäre nach Definition der
Europäischen Zentralbank der Wert des Euros stabil.
Den Preisanstieg von 0,6 Prozent im Vergleich zum April führt das
Bundesamt ebenfalls auf deutlich höhere Preise für Heizöl
und Kraftstoffe zurück. Leichtes Heizöl verteuerte sich um
12,1 Prozent, Kraftstoffe um 5,1 Prozent.
Mehr Geld mussten die Verbraucher im Jahresvergleich auch für
Nahrungsmittel bezahlen. Für Molkereiprodukte und Eier mussten sie
18,9 Prozent mehr ausgeben, darunter 33,1 Prozent mehr für Quark
und 15,5 Prozent mehr für H-Milch. Speisefette und -öle waren
14,2 Prozent teurer. Auch die Preise für Brot und
Getreideerzeugnisse lagen um 8,8 Prozent höher, Nudeln kosteten
27,4 Prozent mehr.
Allerdings blieben im Vergleich zum April die Preise stabil.
Milchprodukte und Eier verbilligten sich sogar um 3,9 Prozent. H-Milch
kostete 9,9 Prozent weniger, Speisequark und frische Vollmilch 9,5
Prozent. Die Preise für Brot und Getreideerzeugnisse bewegten sich
kaum. Dagegen verteuerten sich saisonbedingt einige Gemüsesorten.
Die Preise für Salat zogen im Durchschnitt um 41 Prozent an,
für Paprika um 26,1 und für Kartoffeln um 4 Prozent.
(Quelle: ap)
Länder lehnen Beteiligung an Betreuungsgeld ab
Sa.14.06.08 - Die Bundesländer lehnen eine Beteiligung an dem von der
Bundesregierung geplanten Betreuungsgeld ab. Der Bundesrat forderte in
einer Stellungnahme zum Kinderbetreuungsausbau-Gesetz, das umstrittene
Betreuungsgeld ausschließlich als Bundesleistung festzulegen. Eine
Mitfinanzierung dieser Maßnahme sei ausgeschlossen, sagte der
rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) in der
Länderkammer.
Zudem warnten die Länder davor, auf die in dem Entwurf der
Bundesregierung vorgesehenen vorgesehene stufenweise Verschärfung
der Betreuungspflicht vor August 2013 zu verzichten. Damit werde der
geplante Rechtsanspruch schon im Vorfeld des eigentlich geplanten
Termins 2013 geschaffen, sagte die baden-württembergische
Sozialministerin Monika Stolz (CDU). Grundsätzlich bekannten sich
die Ländervertreter aber zu dem Ziel des Gesetzes, bis 2013
für 35 Prozent aller Kleinkinder bis zu drei Jahren einen
Betreuungsplatz zu schaffen.
(Quelle: afp)
Bildungsexperte fordert von Schülern mehr Leistung
Sa.14.06.08 - Der Koordinator des Nationalen Bildungsberichts, Eckhard Klieme, hat
von deutschen Schülern mehr Leistungsbereitschaft verlangt. "Die
Pisa-Befragung ergab, dass deutsche Schüler besonders über
ihre schulischen Belastungen klagen. Dabei ist der Leistungsdruck in
asiatischen Gesellschaften und auch in manchen europäischen Staaten
deutlich höher", sagte Klieme. Grünen-Parteichef Reinhard
Bütikofer forderte, den für den Aufbau Ost eingeführten
Solidaritätszuschlag über 2020 hinaus fortbestehen zu lassen
und in einen Bildungssoli umzuwandeln. Unterdessen wies der Deutsche
Lehrerverband die Kritik von Firmen an der Schulbildung zurück.
Der Chef des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sagte der
"Bild"-Zeitung: "Die Betriebe müssen mehr Ausbildungsplätze
anbieten, sie verstoßen sonst gegen ihre patriotische Pflicht zur
Berufsausbildung." Es gebe zwar "viele Baustellen" im Bildungswesen in
Deutschland, sagte Kraus mit Blick auf den vorgestellten
Bildungsbericht. "Aber so schlecht, wie alle immer sagen, sind wir in
Deutschland nicht", sagte Kraus dem Blatt.
Der Frankfurter Bildungsexperte Klieme sprach sich in der Tageszeitung
"Die Welt" auch für eine stärkere Förderung begabter
Schüler aus. "Wenn wir unsere Bildungsreserven nicht richtig
ausnutzen, ist dies für die Gesellschaft problematisch", warnte
Klieme.
Der Bildungsforscher wies zugleich die Forderung von SPD, Grünen,
Linkspartei und einigen Gewerkschaften nach der Einführung einer
Einheitsschule in Deutschland zurück. "Die Einheitsschule bis
Klasse zehn ist ein gesellschaftliches Großexperiment, dessen
möglichen Verlauf und Ausgang ich mit Sorgen verbinde, weil ich
nicht sehe, wo die Akzeptanz in der Gesellschaft und die notwendige
Revolution in der Lernkultur herkommen soll", sagte Klieme. Sorge machte
ihm in diesem Zusammenhang auch, "dass eine Abspaltung privater Schulen
die Folge sein könnte".
Bütikofer sagte der "Saarbrücker Zeitung", bereits heute
könnten Mittel aus den Soli-Einnahmen in die Bildung fließen,
da nicht mehr alle Mittel für den Osten benötigt würden.
In einer solchen Maßnahme sieht der Parteivorsitzende der
Grünen auch einen Beitrag zu einem fairen Zugang zur Bildung in
Deutschland.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
2000 Jahre alter Samen aus Herodes-Festung keimt
Sa.14.06.08 - Israelische Forscher haben einen rund 2000 Jahre alten Samen aus einem
Herodes-Palast zum Keimen gebracht und eine Dattelpalme herangezogen.
Aus dem Samen, den die Forscher nach dem ältesten biblischen
Menschen Methusalem tauften, entwickelte sich binnen 26 Monaten eine
etwa 1,20 Meter hohe Pflanze. Die Forscher präsentieren die
Dattelpalme im US-Fachjournal «Science» (Bd. 329, S. 1463)
vom Freitag. Es handle sich bei Methusalem um den ältesten Samen
der Welt, der gekeimt sei.
Das Forscherteam hatte am 19. Januar 2005, dem jüdischen
«Neujahr der Bäume», drei Dattelsamen angepflanzt. Die
Datteln waren in den 1960er Jahren auf der von König Herodes
ausgebauten Wüstenfestung Masada gefunden und seitdem bei
Zimmertemperatur aufbewahrt worden. Nur einer der Samen, genannt
Methusalem, war gekeimt.
Die Projektleiterin Sarah Sallon vom Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem
berichtete, Methusalem sei gesund, obwohl einige Blätter
weiße Pünktchen aufwiesen. Nach Untersuchungen der zwei
Samen, die nicht aufgingen, sowie der Samenhüllen der gewachsenen
Dattelpalme habe man mit der sogenannten Radiokarbonmethode das Alter
von rund 2000 Jahren bestimmen können. Damit habe Methusalem den
bisherigen Rekord eines 1300 Jahre alten gekeimten Lotussamens gebrochen.
Die judäischen Dattelpalmen, bekannt auch als «Baum des
Lebens», hätten damals dichte Wälder entlang des
Jordan-Flusses gebildet, hieß es in einer Pressemitteilung. Die
Vorfahren der uralten Dattelpalme hätten die jüdischen Zeloten
vermutlich damals mit Früchten versorgt. Sie haben nach ersten
Untersuchungen etwa die Hälfte ihrer Gene mit heutigen
Dattelpalmen gemeinsam. Man werde allerdings erst im Jahre 2010 wissen,
ob Methusalem männlichen oder weiblichen Geschlechts ist. Sollte
die Pflanze weiblichen Geschlechts sein und damit Früchte tragen,
könne man versuchen, die uralte Art weiter zu vermehren. Die
Forscherin wollte auch prüfen, ob die alte Dattelpalme
Heilkräfte besitzt. In der Antike sei sie häufig gegen
Infektionen und Tumore eingesetzt worden.
(Quelle: dpa)
Forscher wollen Wälder und Klima mit Computer-Modellen retten
Sa.14.06.08 - Die Wälder vor der Abholzung bewahren und den Klimawandel
verlangsamen wollen Forscher mit Hilfe von Computer-Modellen. Aufgrund
verbesserter Simulations- und Analysetechniken könnten sie der
Waldzerstörung entgegenwirken. Davon sind Wissenschaftler des
Microsoft Research Cambridge, Großbritannien, der
US-amerikanischen Princeton-Universität und der Universidad de
Alcalá in Madrid überzeugt.
Mit Hilfe der mathematischen Analysen soll laut des Magazins "Vnunet"
geklärt werden, welche Baumspezies besonders bedroht sind und
welche Tierarten unter dem Verlust ihrer Lebensräume stark zu
leiden hätten. Außerdem hat die Abholzung einzelner
Bäume Auswirkungen auf die sich in der Umgebung befindlichen
Pflanzen. Welche Effekte zu erwarten sind und wie die Pflanzen in
Mitleidenschaft gezogen werden, könnte mittels neuer
Computer-Simulationen ebenfalls geklärt werden. Darüber hinaus
versprechen sich die Wissenschaftler Einblicke in die klimatischen
Auswirkungen des Verschwindens einzelner Pflanzenarten. Denn nicht jede
Baumart bindet gleichermaßen viel Kohlendioxid.
(Quelle: gp)