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Irak 1547 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.17.06.08 - Es liegen keine neuen Nachrichten zum Thema Irak vor.
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 17.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausenddreiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Israel und Syrien verabreden weitere indirekte Gespräche. Israels
Ministerpräsident Olmert bekräftigt Weiterbau in
Ost-Jerusalem. Kämpfe zwischen Islamisten und Soldaten im
Gazastreifen
Di.17.06.08 - Nach der zweiten Runde ihrer indirekten Verhandlungen haben Israel und
Syrien für die kommenden Wochen weitere Gespräche verabredet.
Türkischen Angaben zufolge sind auch die künftigen Treffen
unter der Vermittlung der Regierung in Ankara geplant. Weder
türkische noch israelische Regierungsvertreter kündigten
einen baldigen direkten Kontakt der verfeindeten Nachbarn an. Auch der
israelische Wunsch nach einer Begegnung von Ministerpräsident Ehud
Olmert mit Syriens Präsident Baschar al-Assad sei am Montag nicht
zur Sprache gebracht worden, hieß es in der Delegation aus
Jerusalem.
Israel und Syrien hätten sich auf die Termine für eine dritte
und vierte Gesprächsrunde verständigt, hieß es in
türkischen Regierungskreisen nach Abschluss der zweitägigen
Gespräche, die an einem geheimen Ort stattfanden und bei denen
türkische Diplomaten zwischen den Delegationen hin und her
pendelten. Ein israelischer Regierungsvertreter kündigte sogar
"Treffen auf einer ständigen Basis" an.
Israel hat großes Interesse an einem Erfolg des seit acht Jahren
ersten Anlaufs für eine Lösung des Konflikts mit Syrien.
Olmert ist wegen einer Korruptionsaffäre innenpolitisch stark
geschwächt und die USA haben zur Rettung der stockenden
Nahost-Verhandlungen zuletzt ihren Druck auf die Regierung in Jerusalem
erhöht.
Israel hatte vor der Verhandlungsrunde in der Türkei ein Treffen
zwischen Olmert und Assad am 13. Juli am Rande eines EU-Treffens mit
anderen Mittelmeer-Anrainern in Paris vorgeschlagen. Es gehe nicht um
ein stundenlanges Treffen, hieß es in Regierungskreisen. Auch ein
kurzer direkter Kontakt beider Politiker könne die Dinge
voranbringen. Israels Präsident Schimon Peres sagte, die
Verhandlungen sollten "von Angesicht zu Angesicht und auf höchster
Ebene" stattfinden. Israelische Delegationsmitglieder räumten
allerdings ein, dass die Hoffnungen darauf nicht allzu groß
seien, solange in den Gesprächen nichts Konkretes auf dem Tisch
liege.
Olmert wies indes den US-Druck auf die Verhandlungen mit den
Palästinensern zurück, Um ein Abkommen bis zum Ende der
Amtszeit von US-Präsident George W. Bush Ende des Jahres zu
erreichen, müsse die Jerusalem-Frage ausgeklammert werden,
verlangte er nach dem Besuch von US-Außenministerin Condoleezza
Rice. Es sei ausreichend, sich zunächst nur über einen
Rahmenplan für das weitere Vorgehen zu einigen, sagte Olmerts
Sprecher Mark Regew. Die Palästinenser erklärten, eine
Vereinbarung ohne Jerusalem komme nicht in Frage.
Israel betrachtet ganz Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt und
zählt auch annektierte Gebiete im Stadtosten dazu. Die
Palästinenser wollen ihrerseits Ost-Jerusalem zur Hauptstadt eines
eigenen Staates machen, den sie im Westjordanland und im Gazastreifen
anstreben.
Wie am Wochenende die USA kritisierten am Montag auch die
EU-Außenminister den israelischen Siedlungsbau in den besetzten
Gebieten als Hindernis im Friedensprozess. Grundsätzlich sei die
Gemeinschaft zu einem Ausbau ihrer Beziehungen zu Israel bereit,
erklärten die Minister in Luxemburg. Dies müsse aber immer
auch im Kontext zu den Fortschritten im Friedensprozess gesehen werden.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat derweil
Pläne zum Weiterbau in Ost-Jerusalem bekräftigt.
Der israelische Onlinedienst «ynet» meldete am Montag,
Olmert habe US-Außenministerin Rice am Vorabend bei einem Treffen
gesagt, man wolle kein neues palästinensisches Land konfiszieren.
In den jüdischen Vierteln im arabischen Ost-Jerusalem, die Israel
im Rahmen einer endgültigen Friedensregelung behalten wolle, werde
man jedoch weiter bauen.
Rice hatte den israelischen Siedlungsausbau als Problem bezeichnet und
sich «sehr besorgt» darüber geäußert.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nannte die Pläne nach
einem Treffen mit Rice in Ramallah «das größte
Hindernis für den Nahost-Friedensprozess».
Am Montag wollte Rice ein Dreiertreffen mit dem israelischen
Verteidigungsminister Ehud Barak und dem amtierenden
palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fajad abhalten.
Dabei sollte es unter anderem um Erleichterungen im täglichen Leben
der rund 2,4 Millionen Palästinenser im Westjordanland gehen.
Rice forderte, Israel müsse mehr bei der Aufhebung von
Straßensperren im Westjordanland tun. Zwar habe es hier
Fortschritte gegeben, jedoch sei das nicht genug, sagte Rice. Die USA
wie auch die Europäische Union drängen Israel dazu, die Zahl
der über 600 Straßensperren und Kontrollposten zu reduzieren,
damit durch freieren Personen- und Warenverkehr die Wirtschaft
angekurbelt werden kann.
Es ist die sechste Reise von Rice in die Region, seit der
Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern im
vergangenen November wieder fortgesetzt wurde. Bei einer
Nahost-Konferenz im amerikanischen Annapolis hatten beide Seiten
vereinbart, sich bis Ende 2008 in den Hauptstreitpunkten ihres Konflikts
zu einigen.
Israelische Soldaten und Kämpfer des Islamischen Dschihad haben
sich an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen bewaffnete
Kämpfe geliefert. Die radikale Palästinenserbewegung sprach
von einem Angriff auf eine israelische Armee-Einheit. Ein israelischer
Militärsprecher erklärte, die Soldaten hätten die
Palästinenser dabei erwischt, als sie im Süden des
Gazastreifens nahe des Übergangs Sufa Bomben an der Absperrung
platzieren wollten. Sie hätten das Feuer auf die Männer
eröffnet und dabei drei "getötet oder verwundet".
boa (Quellen: rtr, dpa, ap)
USA wollen zur Beruhigung zwischen Afghanistan und Pakistan beitragen -
Taliban nehmen Dörfer bei Kandahar ein - 35 Aufständische bei
Kämpfen getötet - Großritannien sendet mehr Truppen
Di.17.06.08 - Die USA wollen zur Beruhigung der gereizten Stimmung zwischen
Afghanistan und Pakistan beitragen. Präsident George W. Bush rief
die Regierungen beider Seiten am Montag dazu auf, Gespräche zu
führen und Geheimdienstinformationen auszutauschen. Nach einer
Drohung des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai mit
Militäreinsätzen im Nachbarland zur Bekämpfung von
Taliban-Kämpfern bestellte Pakistan am Montag den afghanischen
Botschafter ein.
Hunderte militante Taliban nahmen unterdessen strategisch wichtige
Dörfer nördlich von Kandahar ein. Rund 500 Kämpfer seien
im Bezirk Arghandab einmarschiert, erklärte der oberste
Regierungsvertreter des Bezirks, Mohammad Faruq. Ein Stammesführer
warnte davor, dass die Taliban die Obstplantagen der Region als
perfektes Rückzugsgebiet für Angriffe auf Kandahar nutzen
könnten. «Im Krieg mit den Russen haben sie nicht einmal
versucht, Arghandab einzunehmen. Ihre Verluste waren zu hoch»,
sagte Hadschi Ikramullah Khan.
Die NATO kündigte an, zusammen mit den afghanischen
Streitkräften wieder mehr Soldaten in die Gegend um die
zweitgrößte Stadt des Landes zu schicken. Die
Koalitionstruppen würden sich jeder potenziellen Bedrohung
entgegenstellen, sagte Sprecher Mark Laity. Beim Angriff auf das
Gefängnis in Kandahar am Freitag wurden rund 400 Kämpfer der
Taliban befreit.
Der diplomatische Streit war indes mit der Drohung Karsais eskaliert.
Außenamtssprecher Mohammed Sadiq sagte in Islamabad, Botschafter
Anwar Anwarsai sei am Montag ein scharfer Protest übermittelt
worden. Karsai hatte erklärt, sein Land habe ein Recht zur
Entsendung von Truppen nach Pakistan, da Taliban-Kämpfer von dort
nach Afghanistan einreisten und afghanische und internationale Soldaten
angriffen.
Bush wollte sich während eines Besuchs in London nicht dazu
äußern, ob er Karsais Drohung unterstütze. Er sagte
aber, er verstehe dessen Bedenken. Auch die Beziehungen der USA zu
Pakistan sind jedoch nicht spannungsfrei. In der vergangenen Woche
bombardierten US-Flugzeuge Ziele an der afghanisch-pakistanischen
Grenze. Dabei kamen nach pakistanischen Angaben elf Mitglieder seiner
paramilitärischen Sicherheitskräfte ums Leben.
Der britische Premierminister Gordon Brown kündigte unterdessen
eine Verstärkung der Truppen seines Landes in Afghanistan an. Etwa
230 Pioniere, Logistiker und militärische Ausbilder sollten in den
kommenden Monaten in den umkämpften Süden des Landes entsandt
werden, teilte Browns Büro am Montag mit. Gegenwärtig hat
Großbritannien rund 7.800 Soldaten in Afghanistan stationiert,
die meisten davon in der südlichen Provinz Helmand. Seit Beginn
des Einsatzes 2001 kamen in Afghanistan 102 britische Soldaten ums
Leben.
Bei Kämpfen der afghanischen und der NATO-Truppen mit
Aufständischen wurden seit Samstag nach Militärangaben 35
Aufständische getötet. In der Provinz Sabul griffen
Aufständische am Sonntag eine Militärpatrouille an, bei dem
anschließenden Gefecht und hinzugerufenen Luftangriffen wurden 20
Rebellen getötet. Im Bezirk Sangin der Provinz Helmand griffen
Aufständische am Samstag ebenfalls Einheiten der afghanischen und
der internationalen Streitkräfte an. Im Lauf des Gefechts
forderten die NATO-Soldaten Luftunterstützung an. 15
Aufständische wurden getötet.
(Quelle: dpa)
Streikwelle in Südkorea weitet sich aus
Di.17.06.08 - Nach den LKW-Fahrern sind am Montag in Südkorea auch die
Bauarbeiter in den Streik getreten.
Die Arbeiter wollen auf diese Weise billigeren Treibstoff und
höhere Löhne durchsetzen. Die Arbeitsniederlegungen
erhöhen den Druck auf die Regierung unter Präsident Lee Myung
Bak, der innenpolitisch bereits schwer angeschlagen ist. Es wurde zudem
erwartet, dass ein Gewerkschaftsdachverband seine mehr als 600.000
Mitglieder zur Arbeitsniederlegung aufrufen werde, um gegen Lees
Privatisierungspläne und Rentenreformvorhaben zu protestieren.
Die Zustimmungswerte Lees sind nach weniger als vier Monaten im Amt
stark gesunken. Jüngst hatte ein Abkommen für den Import von
US-Rindfleisch für heftige Proteste gesorgt. Die Vereinbarung wird
vom Volk aus Angst vor Rinderwahnsinn abgelehnt. Die LKW-Fahrer
protestieren dagegen seit Tagen gegen die hohen Energiepreise.
(Quelle: rtr)
Ölpreise klettern auf neue Rekordstände
Di.17.06.08 - Die Ölpreise haben am Montag nach dem G8-Finanzministertreffen am
Wochenende ihre Rekordjagd mit einem Sprung Richtung 140 US-Dollar
wieder aufgenommen.
Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI zur Auslieferung im Juli
kostete am Montag in New York zeitweise 139,89 Dollar und damit so viel
wie noch nie. Innerhalb von wenigen Minuten war der Ölpreis am
Mittag um mehr als vier Dollar gestiegen. Zuletzt kostete ein Barrel
137,93 Dollar und damit 3,06 Dollar mehr als am Freitag. Der bisherige
Höchstwert war am 6. Juni mit 139,12 Dollar je Barrel erreicht
worden. Auch der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent
kletterte am Montag mit 139,32 Dollar auf einen neuen Rekordwert.
Nach Ansicht der Finanzminister der sieben größten
Industriestaaten und Russlands (G8) stellen die hohen Ölpreise
zusammen mit hohen Nahrungsmittelpreisen eine ernste Bedrohung für
die Weltwirtschaft dar. Sie könnten zu einem höheren
Inflationsdruck weltweit führen. Sie bewirkten einen
«enormen Kaufkraftentzug, auch in der Eurozone»,
erklärte dazu der deutsche Finanzstaatssekretär Thomas Mirow
zum Abschluss der zweitägigen Beratungen der G8- Finanzminister am
Samstag im japanischen Osaka.
Aus Sicht der UniCredit sind die Rohstoffpreise nach der Finanzkrise
zum beherrschenden Thema der Politik geworden. Dies sei die klarste
Botschaft des G8-Treffens vom Wochenende in Japan. Damit werde
Stagflation, also eine stagnierende Wirtschaft bei erhöhtem
Inflationsdruck, offenbar zur beherrschenden Sorge der Politik. Einer
solchen Konstellation sei nur schwer zu begegnen, da die erhöhte
Inflation Zinserhöhungen erfordere und die lahmende Wirtschaft
eigentlich Zinssenkungen.
Am Montagmorgen hatte die Aussicht auf eine mögliche
Produktionsausweitung Saudi-Arabiens die Ölpreise noch leicht
sinken lassen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte nach einer
Visite des Landes am Wochenende gesagt, das mächtigste Mitglied
der Organisation Erdöl exportierender Länder (OEPC) wolle
seine tägliche Ölproduktion im Juli um 200 000 Barrel
erhöhen. Dies habe ihm Saudi-Arabiens Ölminister Ali
al-Nuaimi zugesagt. Zugleich habe Saudi-Arabien aber darauf bestanden,
dass die Industrieländer ihrerseits Maßnahmen gegen die
hohen Ölpreise ergreifen sollten, sagte Ki-moon. Genannt wurden
Steuersenkungen und die Eindämmung von Spekulationen.
Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender
Länder (OPEC) stieg unterdessen erneut. Nach Berechnungen des
OPEC- Sekretariats vom Montag kostete ein Barrel am Freitag 130,52
Dollar. Das waren 75 Cent mehr als am Donnerstag. Damit notiert der
sogenannte Korbpreis knapp unter seinem Rekordstand von 130,87 Dollar,
der am 9. Juni erreicht wurde. Die OPEC berechnet ihren täglichen
Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells.
(Quelle: dpa)
Wenig Hoffnung auf rasches Ende der EU-Krise
Di.17.06.08 - Ein rasches Ende der schweren EU-Krise nach dem Scheitern des
«Lissabon-Vertrags» bei einer Volksabstimmung in Irland ist
nicht in Sicht. Es sei noch «viel zu früh», um eine
Lösung zu finden, sagte Irlands Außenminister Micheál
Martin.
Er lehnte die Idee eines «Europas der zwei
Geschwindigkeiten» ab, so Martin am Montag am Rande eines Treffens
der EU-Außenminister in Luxemburg. «Es gibt einen
aufrichtigen Wunsch in Irland, dass wir ein volles, begeistertes
Mitglied der Europäischen Union und im Herzen Europas bleiben
wollen».
Auch beim EU-Krisengipfel am Donnerstag in Brüssel, der von dem
«Nein» der Iren zum Reformvertrag überschattet wird,
gilt eine Lösung als ungewiss. «Ich habe keine
Lösung», gestand der derzeitige Vorsitzende des
EU-Außenministerrates, Dimitrij Rupel. Unter Hinweis auf den
Gipfel fügte er hinzu: «Wir müssen ja auch noch ein
bisschen Arbeit für unsere Chefs übriglassen. Wir müssen
abwarten, nachdenken, analysieren, konsultieren - und die Abstimmung
respektieren, die stattgefunden hat.»
Auch andere EU-Außenminister forderten, zunächst die
Gründe für die Ablehnung der Iren zu analysieren. 53,4 Prozent
der Iren hatten am Donnerstag gegen die neue Rechtsgrundlage der EU
gestimmt. Sie kann nur in Kraft treten, wenn sie von allen 27
EU-Staaten ratifiziert wird.
«Es ist völlig verfrüht, improvisierte Lösungen
vorzuschlagen», sagte der italienische Außenminister Franco
Frattini zu Überlegungen des deutschen Außenministers
Frank-Walter Steinmeier (SPD), Irland könne «eine
Zeitlang» aus der europäischen Integration aussteigen und
damit eine enge Integration von 26 EU-Staaten ermöglichen.
«Wir sollten erst einmal unserem irischen Kollegen zuhören,
wir sollten das irische Volk respektieren und ihm zuhören»,
sagte Frattini.
Der britische Außenminister David Miliband versicherte, die
Ratifizierung des Vertrags in Großbritannien werde fortgesetzt.
Irland brauche keine Angst zu haben, von der EU zurückgelassen zu
werden. «Der Vertrag ist völlig eindeutig, dass er die
Zustimmung der 27 Mitglieder braucht, um Rechtskraft zu erlangen. Das
sollte die Sorgen Irlands entkräften. Es ist völlig klar, dass
wir die Position der irischen Regierung und des irischen Volkes
respektieren müssen.»
«Das Leben geht weiter», sagte EU-Chefdiplomat Javier
Solana. «Ich weiß nicht, wie wir das praktisch lösen
werden, aber wir werden es zweifellos lösen und wir werden unsere
Arbeit fortsetzen.» «Ich glaube, dass wir keine Zauberformel
finden werden», sagte Luxemburgs Außenminister Jean
Asselborn. «Wir müssen den Iren zuhören. Das
heißt, dass wir Irland auf der selben Augenhöhe betrachten
müssen wie Frankreich und Holland 2005», sagte er. Es sei
wichtig, «dass wir in Lissabon ankommen als 27».
Frankreich und die Niederlande hatten 2005 bei Volksabstimmungen den
Entwurf einer EU-Verfassung abgelehnt. Die EU hatte dann in
mühsamen Verhandlungen den Reformvertrag als Ersatz ausgehandelt.
Asselborn schlug eine Erklärung der EU vor, mit der Sorgen der Iren
vor EU-Entscheidungen über die Neutralität, Finanz- und
Abtreibungspolitik des Landes entkräftet und ein erneutes
Referendum gerechtfertigt werden könnte. «Der Prozess der
europäischen Einigung und Integration wird nicht aufhören, der
Reformvertrag ist nicht tot. Die EU bedeutet ständiges
Krisenmanagement», sagte der finnische Außenminister
Alexander Stubb.
Der irische Außenminister Martin betonte: «Die Entscheidung
muss respektiert werden. Das ist eine demokratische Entscheidung des
irischen Volkes.» Die EU befinde sich jetzt «in einer
ungewissen Lage, in unsicheren Gewässern»: «Aber Europa
war früher schon in dieser Situation und gemeinsam haben wir es
immer wieder geschafft, einen Weg nach vorne zu finden.»
(Quelle: dpa)
Deutsch-französische CO2-Einigung laut Studie Rückschlag
für EU-Klimapolitik
Di.17.06.08 - Der deutsch-französische Vorstoß zu CO2-Grenzwerten für
Autos würde laut einer Studie einen großen Rückschlag
für die EU-Klimapolitik bedeuten. Statt der von der EU-Kommission
für 2020 angestrebten Minderung des Treibhausgas-Ausstoßes
der Pkw um 18 Millionen Tonnen pro Jahr in Deutschland könnten nach
dem neuen Kompromiss nur noch knapp 5 Millionen eingespart werden,
schreibt die «Frankfurter Rundschau» unter Berufung auf eine
Studie des Öko-Instituts. Das sei weniger als ein Drittel.
Die CO2-Emissionen in diesem Sektor würden in den nächsten
zwölf Jahren nur um fünf Prozent sinken, sollte der
Vorstoß umgesetzt werden, schreibt die Zeitung. Vorige Woche
einigten sich Berlin und Paris nach langem Streit auf einen
Klimakompromiss. Danach müssten die Neuwagen-Flotten den Wert von
120 Gramm CO2 pro Kilometer de facto nicht wie bisher geplant 2012,
sondern erst 2015 erreichen.
(Quelle: ap)
Honda nimmt Serienproduktion von Null-Emissionen-Auto auf
Di.17.06.08 - Der japanische Autohersteller Honda hat am Montag die Serienproduktion
eines neuen Null-Emissionen-Fahrzeugs aufgenommen. Der FCX Clarity wird
mit Wasserstoff und Strom angetrieben, aus dem Auspuff kommt lediglich
Wasserdampf und keines der Gase, die für die globale Erwärmung
verantwortlich gemacht werden. Die ersten Modelle sollen im Juli an
eine begrenzte Zahl von Kunden im US-Staat Kalifornien ausgeliefert
werden, später ist dann der japanische Markt an der Reihe.
Die Produktionszahlen sind jedoch noch gering. Honda rechnet nur mit
mehreren hundert Modellen in den ersten drei Jahren. Eines der
größten Hindernisse auf dem Weg zu einer größeren
Verbreitung von Brennstoffzellen-Fahrzeugen sind die hohen Kosten und
der Mangel an Wasserstofftankstellen.
(Quelle: ap)
Innenminister Schäuble plant Bevölkerungsschutzgesetz
Di.17.06.08 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will die Kompetenz des
Bundes beim Katastrophenschutz stärken. «Technischer
Fortschritt und zunehmende Mobilität haben die Welt nachhaltig
verändert», sagte Schäuble am Montag in Berlin
anlässlich der Vorstellung der Jahresberichte des Technischen
Hilfswerks (THW) sowie des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz
und Katastrophenhilfe (BBK). Es sei Kernaufgabe des Staates, die
Bürger vor Gefahren wie Naturkatastrophen und Terroranschlägen
zu schützen. Mt den Innenministern der Länder habe er sich
daher auf ein «Bevölkerungsschutzgesetz» geeinigt.
Das Gesetz soll die Zusammenarbeit von Bund und Ländern
vereinfachen, indem die Länder bei Großschadenslagen
Kompetenzen an den Bund abgeben können. Das operative
Krisenmanagement solle dabei grundsätzlich bei den Ländern
bleiben. Der Bund solle nur «auf Ersuchen und im Einvernehmen mit
den betroffenen Ländern» tätig werden. Das Gesetz
könne laut Schäuble noch im Herbst dieses Jahres verabschiedet
werden. Als eine der «neuen und dramatisch gewachsenen
Herausforderungen» nannte Schäuble den Klimawandel.
Das THW beschäftigt rund 800 haupt- und 80 000 ehrenamtliche
Mitarbeiter. Beim größten Einsatz im Inland 2007 waren 7500
Helfer beim Orkan «Kyrill» im Einsatz. Im Ausland hat das
THW 2007 Einsätze in Ghana und Uganda durchgeführt, derzeit
ist es in Myanmar und China tätig.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
wurde vor vier Jahren von der Bundesregierung als nationaler und
internationaler Ansprechpartner im Bevölkerungsschutz errichtet. In
Zusammenarbeit mit dem Bundesinnenministerium organisierte das
Bundesamt die länderübergreifende Übung «Lükex
2007», in der der Fall einer Pandemie simuliert wurde.
(Quelle: ddp)
Schwan sieht auch bei Gegenkandidat der Linken noch Chancen -
SPD-Bewerberin bietet Linkspartei erneut Gespräche an
Di.17.06.08 - SPD-Kandidatin Gesine Schwan rechnet sich auch dann noch Siegchancen
bei der Wahl des Bundespräsidenten aus, wenn die Linkspartei einen
eigenen Bewerber nominieren sollte. Ihre Kandidatur habe in diesem Fall
«selbstverständlich» noch Sinn, betonte Schwan am
Sonntagabend in der ZDF-Sendung «Berlin direkt».
Ein Gegenkandidat der Linkspartei sei immer eine Option gewesen, mit
der sie gerechnet habe. Dieses «Kleinklein der Parteien»
interessiere die Menschen aber nicht, am Ende komme es darauf an, wie
sich die Mitglieder der Bundesversammlung entschieden.
Den Vorwurf der Linkspartei, die SPD und damit auch sie selbst
verweigere den Kontakt, wies Schwan zurück: Sie selbst habe
schließlich auch den Linken Gespräche angeboten. «Sie
können mich ja einladen», sagte Schwan. Und dann werde sie
«natürlich» auch hingehen.
Am Wochenende hatten sich die Anzeichen dafür verdichtet, dass die
Linke einen eigenen Kandidaten für das höchste Staatsamt
nominieren könnte. Wichtig sei, «welche Inhalte die oder der
Präsident vertritt», sagte Parteichef Oskar Lafontaine am
Sonntagabend im ZDF. «Und das wird bei der Entscheidung die
ausschlaggebende Rolle geben.» Vielleicht komme die Linke ja dazu,
«zu sagen, wir bitten jemanden, für uns zu kandidieren, der
im Wesentlichen unsere Politik vertritt».
Fraktionschef Gregor Gysi verwies auf die Vorteile eines eigenen
Kandidaten. «Es zeigt auch unsere Eigenständigkeit und dass
wir nicht abhängig davon sind, dass die Anderen einen Kandidaten
oder eine Kandidatin aufstellen. Und es zeigt auch, dass
Gesprächslosigkeit Konsequenzen hat.»
Offiziell will sich die Linkspartei aber erst nach der Landtagswahl in
Bayern festlegen, die endgültig über die
Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung entscheidet. Schwan
ist bei ihrer Wahl nicht nur auf Stimmen von SPD und Grünen,
sondern auch aus der Linkspartei angewiesen. Zur Zeit haben Union und
FDP, die eine Wiederwahl von Bundespräsident Horst Köhler
unterstützen, noch eine hauchdünne Mehrheit in der
Bundesversammlung.
(Quelle: ap)
SPD-Spitze einstimmig für umstrittenes Rentenkonzept
Di.17.06.08 - Ungeachtet der scharfen Kritik von Union und Arbeitgebern hat die
SPD-Spitze ihr Konzept für einen früheren Renteneinstieg
einstimmig gebilligt.
Dies teilte Generalsekretär Hubertus Heil nach einer
Präsidiumssitzung am Montag in Berlin mit. Die SPD will damit die
von der Bundesagentur für Arbeit (BA) geförderte
Altersteilzeit bis zum Jahr 2015 zu verlängern. Eigentlich soll die
Förderung Ende 2009 auslaufen. Voraussetzung für eine
Altersteilzeit soll aber sein, dass die frei werdende Stelle in dem
Betrieb durch einen frisch ausgebildeten neuen Mitarbeiter besetzt wird.
Zudem setzt die SPD auf einen einfacheren Zugang zur sogenannten
Teilrente. Diese soll nach dem Willen der Sozialdemokraten künftig
schon ab dem 60. Lebensjahr bezogen werden können. Derzeit geht
dies erst mit 63 Jahren. Die Abschläge, die die Arbeitnehmer durch
den vorzeitigen Bezug von Rentenleistungen hinnehmen müssen, soll
das jeweilige Unternehmen ausgleichen. Zu der Teilrente soll der
Arbeitnehmer beliebig viel hinzuverdienen dürfen.
Die Vorschläge zielen vor allem darauf ab, die schrittweise
Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre abzumildern. Die Union
kritisiert die Pläne als Subventionierung der Frühverrentung,
ebenso die Arbeitgeber.
(Quelle: rtr)
IG Metall verschärft Warnstreiks im Streit über Altersteilzeit
Di.17.06.08 - Die IG Metall verschärft ihre Warnstreiks im Streit über eine
Fortsetzung der Ende kommenden Jahres auslaufenden
Altersteilzeit-Förderung. Diese Woche seien bundesweit Aktionstage
bei Automobilkonzernen und Zulieferern geplant, sagte ein
IG-Metall-Sprecher am Montag auf AP-Anfrage. Dabei seien Aktionen an
allen Standorten der Konzerne geplant. Unter anderem sollen Bosch und
Daimler betroffen sein.
Insgesamt haben sich laut IG Metall bislang seit dem Ende der
Friedenspflicht am 4. Juni weit mehr als 100.000 Beschäftigte an
Warnstreiks beteiligt, vornehmlich in Baden-Württemberg, wo die
Pilot-Tarifverhandlungen geführt werden. Am Mittwoch gehen die
Gespräche dort in die nächste Runde.
Die Gewerkschaft verlangt von den Arbeitgebern der Metall- und
Elektroindustrie Ersatz für die auslaufende Förderung der
Altersteilzeit. Die Arbeitgeber wollen die Förderung aber nur
für besonders belastete Arbeitnehmer übernehmen.
(Quelle: ap)
Sozialverbände demonstrieren für Anhebung des
Arbeitslosengeldes II
Di.17.06.08 - Vertreter von Gewerkschaften und Sozialverbänden haben am Montag
vor dem Brandenburger Tor für die Anhebung des Arbeitslosengeldes
II demonstriert. Anlass war eine parallel stattfindende Anhörung
zum Thema im Bundestag. Am Rande der Kundgebung kam es zu
Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.
Die Redner forderten die Unterbindung «missbräuchlicher und
überhandnehmender" Einsätze von Ein-Euro-Jobs. Zugleich
sprachen sie sich für ein «soziales Europa« aus. Doro
Zinke, Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin-Brandenburg,
forderte, die Regelleistung für Arbeitslosengeld-II-Empfänger
müsse auf 420 Euro im Monat aufgestockt werden. Der Chef der
Berliner Linken, Klaus Lederer, betonte, er unterstütze diese
Forderung. Aus finanziellen Gründen sei es vielen Berlinern nicht
möglich, gleichberechtigt am Leben teilzunehmen.
Für Proteste und Rangeleien sorgte die Entfernung dreier Plakate
mit Porträts von Ex-VW-Personalvorstand Peter Hartz,
Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Arbeitsminister Olaf Scholz
(beide SPD) durch die Polizei. Eigenen Angaben zufolge hatten die
Veranstalter gezielte Farbwürfe auf die Bilder vorgesehen. Wie
Sprecher der Berliner Polizei sagten, habe bezüglich des
Straftatbestandes »Beleidigung« Gefahr im Verzug bestanden.
»Mit der Beschlagnahme der Bilder sollte die Straftat verhindert
werden, bevor sie begangen wird«, sagte eine beteiligte
Polizistin.
Die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Parteivorsitzende der
Linken, Katja Kipping, bemühte sich im Anschluss um die Herausgabe
der Bilder. Kipping kritisierte: »Das Agieren der Polizei war
alles andere als klug, es war unverhältnismäßig und
eskalierend.»
(Quelle: ddp)
Studie: 73 Prozent halten wirtschaftlichen Verhältnisse für
ungerecht
Di.17.06.08 - 60 Jahre nach Einführung der Sozialen Marktwirtschaft halten 73
Prozent der Deutschen laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung die
wirtschaftlichen Verhältnisse hierzulande für ungerecht.
Trotz des Aufschwungs bezeichneten nur 13 Prozent der Befragten die
Verteilung von Einkommen und Vermögen als gerecht, teilte die
Stiftung am Montag in Gütersloh mit. Repräsentativ wurden
hierfür im Mai 1800 Bürger zu ihrer Meinung über die
Soziale Marktwirtschaft befragt. Hintergrund der Studie ist, dass sich
am Freitag (20. Juni) die Währungsreform im Westen Deutschlands
zum 60. Mal jährt. Der Tag gilt als Geburtsdatum der Sozialen
Marktwirtschaft.
Das deutsche Wirtschaftsmodell werde insgesamt kritisch bewertet: Nur
noch 31 Prozent der Menschen hätten eine positive Meinung von der
Sozialen Marktwirtschaft, während sie von 38 Prozent negativ
bewertet werde. Neben der Umfrage hatte die Stiftung gemeinsam mit der
Heinz Nixdorf Stiftung und der Ludwig Erhard Stiftung von Januar bis
April bereits ein «Bürgerforum» veranstaltet, in dem
350 Beteiligte über die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft
diskutierten. Diese Ergebnisse flossen auch in die Umfrage mit ein. So
stimmten etwa 76 Prozent der Befragten der Forderung zu, das
Steuersystem müsse vereinfacht werden.
«Absolut dominant war aber die Forderung nach besseren
Bildungschancen», sagte Projektleiter Robert Vehrenkamp,
«die wurden in den Diskussionen des Bürgerforums immer
wieder genannt.» Sie würden als Schlüssel zu mehr
Chancengleichheit betrachtet. Dies hatte auch Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) zum Jubiläum der Sozialen Marktwirtschaft gefordert.
«Wohlstand für alle» bedeute heute «Bildung
für alle», betonte Merkel vergangene Woche.
(Quelle: dpa)
Gas binnen eines Jahres um 25 Prozent verteuert
Di.17.06.08 - Energie hat sich nach einer Studie des Verbraucherportals Verivox
binnen eines Jahres drastisch verteuert. So legte der Strompreis um bis
einem Drittel zu, der Gaspreis um bis zu einem Viertel.
Die Experten untersuchten nach Angaben vom Sonntag die jeweils 100
Anbieter mit den stärksten Preiserhöhungen.
Diese Versorger erhöhten ihren günstigsten verfügbaren
Gas-Tarif alle mindestens um 14 Prozent. Die Stadtwerke Duisburg
verlangten als Spitzenreiter 25 Prozent mehr. Ein Durchschnittshaushalt
muss hier mit Mehrkosten von rund 320 Euro pro Jahr rechnen, hieß
es. Allein 42 der Versorger in der Gruppe mit den höchsten
Steigerungsraten seien aus Nordrhein-Westfalen. In Schleswig-Holstein
waren es nur zwei.
Bei den Stromversorgern kamen die meisten der 100 Versorger mit den
höchsten Preissteigerungen aus Bayern (61). Den größten
Preissprung beim Grundversorgungstarif gab es nach Verivox-Angaben
binnen eines Jahres bei den Gemeindewerken Markt Lichtenau, wo der
Strompreis 34 Prozent zulegte. Allerdings hätten die regionalen
Versorger in Bayern mit der Landesregierung vereinbart gehabt, im Jahr
2007 - vor dem Studienzeitraum - Strompreise nicht zu erhöhen.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Forscher und Krebsärzte für Vorsicht bei Handy-Nutzung
Di.17.06.08 - Forscher und Krebsärzte aus mehreren europäischen
Ländern und den USA haben bei der Mobiltelefonnutzung wegen
möglicher Gesundheitsgefahren vorbeugend zur Vorsicht aufgerufen.
Bis die Wirkung der Handy-Strahlung auf den Körper und
insbesondere auf das Gehirn endgültig erforscht sei, sollten
Kinder unter zwölf Jahren generell nicht mobil telefonieren,
heißt es dem im Internet veröffentlichten Aufruf der 20
Wissenschaftler aus Frankreich, Italien, den Niederlanden und den USA.
Kinderhirne seien noch im Wachstum begriffen und reagiertens auf die
Strahlung ausgesetzt als die von Erwachsenen. Aber auch für
Erwachsene empfehlen die Forscher, mit Freisprechanlagen oder über
Lautsprecher zu telefonieren und das Handy selbst im Ruhezutand nicht
am Körper zu tragen. Generell sollte ein Abstand von einem Meter
zu einem Mobiltelefon eingehalten werden, heißt es in dem Appell,
der auf die Initiative des französischen Psychiaters David Servan
Schreiber zurückgeht. Insbesondere sollte die Nutzung des Handys
bei schwachem Signal oder bei schneller Fortbewegung im Auto oder Zug
vermieden werden, weil dabei die Strahlung steigt.
Das französische Gesundheitsministerium betonte, es gebe keinen
wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die Handy-Nutzung "ein
erwähnenswertes Risiko" für die Gesundheit sowohl bei
Erwachsenen als auch bei Kindern darstelle. Mehrere Studien, die noch
vertieft werden müssen, haben jedoch Hinweise auf ein "schwaches"
Risiko bei intensiver und langjähriger Nutzung geliefert. Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) lässt derzeit diese Gefahr in
einer groß angelegten Studie in 13 Ländern untersuchen.
Bisher wurden dazu erst Teilergebnisse veröffentlicht.
(Quelle: afp)