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+++ Mi.18.06.08, 06:30         zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak 1548 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Mehr als 50 Tote bei Autobombenanschlag in Bagdad. Demokratischer US-Präsidentschaftskandidat Obama kündigt Besuch im Irak noch vor Wahl an. Weitere Klage wegen Massakers von Haditha fallengelassen

Mi.18.06.08 - Bei einem verheerenden Autobombenanschlag sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad mehr als 50 Menschen getötet worden.

Rund 80 weitere Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, als der Sprengsatz am Dienstag während des abendlichen Berufsverkehrs in dem Schiiten-Viertel Hurrija im Norden der Stadt detonierte. Bei den Opfern handele es sich ausschließlich um Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Es war der blutigste Anschlag in Bagdad seit Monaten. Der US-Nachrichtensender CNN berichtete, die Bombe sei in der Nähe einer Bushaltestelle explodiert. Ein Markt sowie Wohnungen seien von der Explosion ebenfalls getroffen worden.

In der Provinz Dijala nordöstlich von Bagdad riss ein Selbstmordattentäter mit einer Autobombe an einer Straßensperre zwei Polizisten mit in den Tod. 15 weitere Menschen wurden verletzt.

Im Nordirak protestierten rund 300 Iraker während einer Beerdigung gegen die US-Armee, nachdem amerikanische Soldaten in der Stadt Mossul vier Iraker erschossen hatten. Die US-Armee geht davon aus, dass es sich bei den Toten um El-Kaida-Terroristen handelte. Sie erklärte, einer der Männer habe die Soldaten bei einer Razzia gegen Terroristen in Mossul bedroht. Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete unter Berufung auf die Polizei, die US-Einheit habe einen Vater und seine drei Söhne erschossen. Über mögliche Terror-Aktivitäten der Familie sagte die Polizei nichts.

In Mossul wurde nach Angaben der irakischen Vereinigung zum Schutz von Journalisten ein Sprecher des Rundfunksenders der Provinz Ninive ermordet. Mohieddin al-Nakib sei in der Nähe seines Hauses von Unbekannten erschossen worden, hieß es.

Die irakische Armee will am kommenden Donnerstag ihre Offensive in der südlichen Schiiten-Stadt Amara beginnen. Die Kämpfer der Milizen hätten noch bis zum Sonnenaufgang am Donnerstag Zeit, um den Sicherheitskräften ungestraft ihre Waffen zu übergeben, meldete die regierungsnahe Bagdader Tageszeitung «Al-Sabah». Wer auf das Angebot von Ministerpräsident Nuri al-Maliki nicht eingehe, habe keine Milde zu erwarten.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat noch vor der Wahl im November einen Besuch im Irak und in Afghanistan angekündigt.

Er fühle sich dazu durch den Rückgang der Gewalt in dem Golfstaat ermutigt, sagte Obama am Montag nach einem Telefonat mit dem irakischen Außenminister Hoschijar Sebari. Zugleich bekräftigte er seine Pläne für einen zügigen Truppenabzug, sollte er gewählt werden. "Ich habe betont, wie wichtig es für uns ist, mit dem Abzug zu beginnen und dass wir keine dauerhaften Stützpunkte im Irak wollen", sagte Obama vor Journalisten.

Obama sagte nicht, wann er reisen will. Sein Gegenkandidat von der Republikanischen Partei, John McCain, hat die Außenpolitik und Sicherheitsfragen zu einem zentralen Thema seines Wahlkampfs gemacht und kritisiert den 46-jährigen Obama als zu unerfahren, um die USA zu regieren.

Im Fall des Massakers in der irakischen Ortschaft Haditha wird ein weiterer Beschuldigter vorerst nicht juristisch belangt. Das Militärgericht im kalifornischen Camp Pendleton ließ die Klage gegen Oberstleutnant Jeffrey Chessani am Dienstag aus Verfahrensgründen fallen. Der Offizier kann aber in derselben Angelegenheit ein zweites Mal angeklagt werden. Chessani war der bislang ranghöchste Marineinfanterist, der wegen des Falls vor einem Militärgericht stand.

Bei dem Massaker am 19. November 2005 gingen US-Marineinfanteristen massiv gegen Zivilpersonen in Haditha nordwestlich von Bagdad vor, nachdem ihr Militärkonvoi auf einen Sprengsatz gefahren war. Zunächst wurden fünf Männer aus einem Fahrzeug heraus erschossen. Danach gingen die Soldaten von Haus zu Haus und töteten 19 Bewohner, darunter Frauen und Kinder.

Ursprünglich wurden acht Marineinfanteristen der Verwicklung in das Massaker beschuldigt - vier wegen direkter Beteiligung und vier wegen versuchter Behinderung der anschließenden Ermittlungen. Gegen fünf Angeklagte wurde das Verfahren bereits eingestellt, ein sechster Mann wurde vor kurzem vom Vorwurf der Justizbehinderung freigesprochen.

boa (Quellen: dpa, rtr, ap)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 18.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendvierundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mo.18.06.07 - Blair verzweifelte offenbar angesichts US-Planung für Nachkriegs-Irak +++ Oberbefehlshaber General Petraeus rechnet mit längerem US-Einsatz im Irak +++ Drei US-Soldaten im Irak getötet... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0706180.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Afghanistan Hoffnungsträger Karsai verliert Zustimmung im Westen

Mi.18.06.08 - Auf Präsident Hamid Karsais Schultern lastet schweres Gewicht: Er soll das radikale Erbe der afghanischen Taliban überwinden und sein Land zu einer friedlichen Demokratie umbauen. Nebenbei soll er die Wirtschaft des ärmsten Land Asiens aufrichten, natürlich ohne Korruption und Misswirtschaft. Soweit die Stellenausschreibung. Die Wirklichkeit entfernt sich jedoch zusehends davon und vor allem im Westen steht Karsai längst nicht mehr so hoch im Kurs.

«Die internationale Gemeinschaft ist von ihm enttäuscht, aber aus Ermangelung einer Alternative wird Afghanistan natürlich weiter unterstützt», sagte Karim Pakzad vom Pariser Institut für Internationale und Strategische Beziehungen (IRIS). In den Hauptstädten des Westens macht sich Ungeduld breit. Milliarden wurden investiert, tausende Soldaten entsendet, doch zuletzt hat sich die Lage eher verschlechtert. Es gibt mehr Anschläge und außer dem Drogengeschäft floriert im Land kaum etwas.

Nach dem Sturz des archaischen Taliban-Regimes 2001 war Karsai der ideale Hoffnungsträger: Unverbraucht, intelligent, dem Westen zugetan, aber trotzdem fest in der paschtunischen Stammeskultur verwurzelt. Kritiker im Land verspotten ihn jedoch bisweilen als Marionette des Westens oder als «Bürgermeister von Kabul» - ein bissiger Hinweis auf den begrenzten Einfluss der Zentralregierung in zahlreichen Landesteilen.

Kurz nach dem spektakulären Angriff auf das Gefängnis von Kandahar und der Befreiung hunderter militanter Taliban drohte der sonst immer gefasste Karsai am Sonntag erstmals mit Militäreinsätzen im Nachbarland Pakistan. Erst vor wenigen Wochen hatten Aufständische mal wieder einen Anschlag auf sein Leben verübt - mitten im Zentrum von Kabul schossen sie während einer Militärparade auf ihn. Der Präsident kommt immer mehr unter Druck und will nun offenbar Stärke demonstrieren.

Die Europäische Union steht fest zu ihm. «Natürlich bekommt Präsident Karsai die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, sagte EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner der Nachrichtenagentur AP. «In Zukunft wird es sicher andere Persönlichkeiten geben, aber im Moment ist es er.» Bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen wird sich Karsai um eine weitere Amtszeit bewerben, ein Herausforderer ist nicht in Sicht.

In Karsais Amtszeit wurden im Land Fortschritte erzielt, die kaum jemand infragestellt. Wesentlich mehr Mädchen besuchen inzwischen Schulen, der Gesundheitssektor wurde verbessert, die Regierung propagiert demokratische Werte und Frauenrechte. Doch die Korruption ist im ganzen Land verbreitet, Infrastrukturprojekte kommen nicht voran.

Todesurteile wegen Gotteslästerung und zum Beispiel Versuche, indische Seifenopern im Fernsehen zu verbieten, lassen auch eine Rückkehr ultrakonservativer Moralvorstellungen befürchten. Es sei noch ein langer Weg, bis Afghanistan langfristigen Frieden, nachhaltige Entwicklung und ein dauerhaftes demokratisches Regierungssystem erreiche, räumte Karsai vergangene Woche in Paris ein.

Washington steht fest zu Karsai. In letzter Zeit wurden die Solidaritätsbekundungen zwar seltener und leiser, doch gilt der Präsident immer noch als verlässlicher Partner. Der stellvertretende US-Außenminister und Top-Diplomat für die Region, Richard Boucher, versicherte, dass die Geberländer zwar die Bedeutung der kommenden Wahl betonten, aber unverändert zu Karsai stünden. «Wir werden bei der Wahl helfen und unterstützen, aber die afghanischen Bürger werden entscheiden, wen sie wählen wollen, nicht wir.»

Auf der Geberkonferenz in Paris in der vergangenen Woche wurden der Regierung Karsai erneut Milliarden für den Wiederaufbau zugesagt. Sie werden dringend benötigt, denn Armut stellt immer noch den besten Nährboden für Extremisten dar. Afghanistan wird wohl noch lange sehr viel Hilfe brauchen.

Christopher Langton vom Internationalen Institut für Strategische Studien in London resümiert: «Karsai hat einige der wichtigsten Alliierten frustriert. Ich bin sicher, dass es da einigen unterdrückten Ärger wegen seiner Äußerungen und Handlungen gibt, aber trotzdem unterstützen ihn alle weiterhin.» Auch wenn der Hoffnungsträger längst zum Amtsträger geworden ist, gibt es niemanden, der den Westen für das Land am Hindukusch Besseres hoffen lässt. «Ihr Land ist glücklich, Sie zu haben», lobte der französische Präsident Nicolas Sarkozy seinen afghanischen Kollegen in Paris.

(Quelle: ap)
 


 

Nahost-Konflikt

Unklarheit über Waffenruhe zwischen Israel und Hamas

Mi.18.06.08 - Über eine angeblich zwischen Israel und der radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas vereinbarte Waffenruhe gibt es widersprüchliche Angaben. Nach Angaben des Vermittlers Ägypten haben beide Seiten einem Beginn am Donnerstagmorgen um 06.00 Uhr Ortszeit zugestimmt. Während die Hamas das Abkommen bestätigte, sagte Israels Verteidigungsminister Ehud Barak jedoch, es sei noch "zu früh", um von einer endgültigen Einigung zu sprechen. Da Israel und die Hamas direkte Gespräche abgelehnt hatten, fanden die Verhandlungen unter ägyptischer Vermittlung statt.

Die Waffenruhe werde "beiderseitig und zeitgleich" in Kraft treten, sagte der ägyptische Außenamtssprecher, Hossam Saki. Ägypten werde seine Vermittlung fortsetzen, um noch offene Fragen auszuhandeln. Um welche Punkte es sich dabei handelt, ließ Saki offen.

Noch sei es "zu früh", um von einer Einigung zu sprechen und zu sagen, wann sie in Kraft treten solle, sagte Barak in einer von dem privaten Fernsehsender "10" übertragenen Ansprache. "Wir untersuchen die Möglichkeit, schnell eine Waffenruhe zu erreichen." Auch die Dauer der Waffenruhe sei unsicher, falls es eine Einigung geben werde, sagte Barak weiter.

Auch der Sprecher von Israels Regierungschef Ehud Olmert äußerte sich zurückhaltend. Erst wenn die Hamas den Ausbau ihres Militärapparats stoppe und es Fortschritte bei der Freilassung des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit gebe, "handelt es sich um eine neue Situation", sagte Marc Regev. Schalit war im Juni 2006 von Palästinensergruppen als Geisel genommen worden.

Hamas-Vertreter bestätigten zuvor auf einer Pressekonferenz in Gaza die Vereinbarung einer Waffenruhe. Die Abmachung schließt demnach alle Palästinensergruppen im Gazastreifen ein und soll ein halbes Jahr dauern. Einige Stunden nach Beginn der Waffenruhe sollten auch Grenzübergänge zur Ausfuhr von Waren teilweise geöffnet werden, hieß es.

Seitdem die Hamas vor einem Jahr die Macht im Gazastreifen ergriffen hatte, hatte es nahezu täglich Kampfhandlungen zwischen israelischen Soldaten und palästinensischen Extremisten gegeben; dabei kamen hunderte Menschen ums Leben. Israel wollte bei den Verhandlungen ein Ende des palästinensischen Raketenbeschusses auf israelische Siedlungen vom Gazastreifen aus erreichen. Die Hamas forderte die Aufhebung der israelischen Blockade des Gebietes und eine Öffnung der Grenzübergänge zu den Nachbarstaaten.

(Quelle: afp)
 


 

IAEA: Syrien hat keine Kapazitäten für Atomanlage

Mi.18.06.08 - Syrien hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zufolge derzeit nicht die nötigen Ressourcen für eine Atomanlage in großem Maßstab.

Man habe keine Beweise dafür, dass das Land die personellen Kapazitäten für ein umfangreiches Nuklearprogramm oder Kernbrennstoffe besitze, sagte IAEA-Direktor Mohamed ElBaradei am Dienstag dem Fernsehsender Al Arabiya.

Die israelische Luftwaffe hatte im September einen Bau zerstört, bei dem es sich nach US-Angaben um eine Atomanlage handelte. Die Regierung in Damaskus hatte dies zurückgewiesen und erklärt, zerstört worden sei lediglich eine im Bau befindliche Militäreinrichtung.

(Quelle: rtr)
 


 

Tschad: EU-Friedenstruppe verschließt Augen vor Massaker

Mi.18.06.08 - Der Tschad hat den europäischen Friedenssoldaten im Grenzgebiet zum Sudan schwere Vorwürfe gemacht.

Die EU-Truppe verschließe die Augen vor systematischen Massakern an Zivilisten und Flüchtlingen, die die vorrückenden Rebellen verübten, sagte der tschadische Präsident Idriss Deby am Montag in einer Ansprache an die Nation. "Aber wir sind nicht überrascht, das zu erleben", fügte er hinzu. "Bei der ersten Prüfung durch feindliches Feuer arbeitet diese Truppe mit den Eindringlingen zusammen und lässt es zu, dass die Fahrzeuge von Hilfsmitarbeitern und deren Lebensmittel- und Benzinvorräte in Brand gesetzt werden."

Der Tschad müsse sich fragen, wie effektiv und nützlich solche Einheiten seien, sagte Deby weiter. Mit Blick auf die massiven Vorstöße der Rebellen in den vergangenen Tagen sprach er von einer "internationalen Verschwörung", deren Ziel es sei, sein Land in den Bürgerkrieg zurückzutreiben.

Die bis zu 3700 Mann starke EU-Truppe ist auf Bitten Debys seit März im Einsatz und hat ein UN-Mandat. Sie soll Flüchtlinge aus der sudanesischen Krisenregion Darfur schützen. Die Rebellen lehnen die Friedenstruppe ab. Sie verlangen einen Rücktritt Debys, der seit 1990 an der Macht ist und von der früheren Kolonialmacht Frankreich gestützt wird. Frankreich stellt einen Großteil der europäischen Soldaten.

(Quelle: rtr)
 


 

Simbabwes Präsident Mugabe: Gewehre mächtiger als Wahlen

Mi.18.06.08 - Eineinhalb Wochen vor der Stichwahl ums höchste Amt im Staat in Simbabwe hat Präsident Robert Mugabe seine kriegerischen Äußerungen verstärkt.

Nach Angaben der Staatszeitung «The Herald» erklärte er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Silobela erstmals, dass er das Ergebnis der Stichwahl im Fall einer Niederlage ignorieren werde. «Wir geben unser Land nicht für ein schlichtes Wahlkreuz auf - wie kann ein Kugelschreiber gegen ein Gewehr bestehen?», sagte er.

Bereits zuvor hatten mehrere ranghohe Mitglieder seiner ZANU(PF)- Partei, der Armee sowie seine Frau Grace erklärt, sie würden einen Sieg von Oppositionschef Morgan Tsvangirai nie akzeptieren. Rechtsexperten erklärten, Mugabes Äußerungen grenzten an Hochverrat.

Simbabwes Vize-Präsidentin Joyce Mujuru hat unterdessen «faule Bauern» für die Nahrungsmittelknappheit im Land mitverantwortlich gemacht. Statt das Feld zu beackern würden sie das Land verpachten, klagte Mujuru laut «The Herald». Die Regierung sei sich bewusst, dass es für viele Landwirte schwierig sei, Düngemittel oder Saatgut zu beschaffen. «Das liegt an den Sanktionen, die westliche Länder auf Betreiben von Oppositionschef Morgan Tsvangirai verhängt haben», sagte sie.

Die USA und die Europäische Union haben gegen das Regime von Präsident Robert Mugabe ein Waffenembargo verhängt. Wirtschaftliche Sanktionen gibt es aber nicht. Nach einer chaotischen Bodenreform vor acht Jahren steckt das Land in der schwersten Krise seiner Geschichte. Mujuru verglich die Hyperinflation im Lande mit der in Deutschland zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise.

In Simbabwe treten am 27. Juni Amtsinhaber Robert Mugabe und Oppositionsführer Tsvangirai bei einer Stichwahl um das Präsidentenamt gegeneinander an. Beim ersten Wahlgang verfehlten beide die absolute Mehrheit.

(Quelle: dpa)
 


 

Immer mehr Menschen auf der Flucht

Mi.18.06.08 - Politische Konflikte und Naturkatastrophen treiben immer mehr Menschen auf der Welt in die Flucht. Die Zahl der Vertriebenen stieg 2007 auf mehr als 35 Millionen stark an und erhöhte sich damit im zweiten Jahr in Folge.

Ende vergangenen Jahres zählte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR nach Angaben vom Dienstag 11,4 Millionen Flüchtlinge außerhalb ihrer Heimatländer und 26 Millionen Menschen, die im eigenen Land vertrieben wurden. Im Jahr zuvor waren es 9,9 Millionen und 24,4 Millionen. Auch die Zahl der Asylsuchenden nahm im vergangenen Jahr zu.

Das UN-Hilfswerk zählt in seiner in Genf veröffentlichten Statistik nur Menschen, die wegen Katastrophen, Kriegen oder Bürgerkriegen geflohen sind. Nicht einbezogen sind etwa Armuts- oder Hungerflüchtlinge. Die Gesamtzahl der Vertriebenen wird vom UNHCR auf 31,7 Millionen Menschen geschätzt. Darin seien 4,5 Millionen palästinensischen Flüchtlinge nicht enthalten.

In einer anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni herausgegebenen Erhebung des UNHCR heißt es, dass die meisten Flüchtlinge mit jeweils drei Millionen und zwei Millionen aus Afghanistan und dem Irak kommen. Es folgen 552 000 Flüchtlinge aus Kolumbien, 523 000 aus dem Sudan und 457 000 aus Somalia.

Die meisten Flüchtlinge nahmen im vergangenen Jahr Pakistan, Syrien, Iran und Deutschland auf. In den Ländern, wo Menschen innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben wurden, nehmen Kolumbien mit drei Millionen, der Irak mit 2,4 Millionen und die Demokratische Republik Kongo mit 1,3 Millionen die Spitzenposition ein.

Erstmals seit vier Jahren stellten 2007 auch wieder mehr Menschen Asylanträge. Nach UNHCR-Angaben erhöhte sich ihre Zahl weltweit um fünf Prozent auf fast 650 000. Grund für den Anstieg seien die Unruhen im Irak. Von den gestellten Anträgen wurden im vergangenen Jahr 209 000 angenommen und 259 500 abgelehnt.

Das UNHCR zählte 647 200 Asylgesuche in 154 Ländern. Die Asylsuchenden stammen hauptsächlich aus dem Irak (52 000), aus Somalia (46 100), Eritrea (36 000), Kolumbien (23 200), Russland (21 800), Äthiopien (21 600) und Simbabwe (20 700). Bevorzugtes Ziel sind die USA (50 700), gefolgt von Südafrika (45 600). Danach folgen Schweden, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Griechenland. Deutschland rangiert an achter Stelle.

(Quelle: dpa)
 


 

Überschwemmungen bedrohen Chinas Exportregion

Mi.18.06.08 - Die schweren Überschwemmungen im Süden Chinas haben mittlerweile 169 Menschen das Leben gekostet und bedrohen nun auch die chinesische Exportwirtschaft.

Hohe Pegelstände, Regen und zwei zusammenfließende Flüsse gefährden nach Angaben der örtlichen Behörden mittlerweile die Dämme in der am schwersten betroffenen Provinz Guangdong, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag meldete. Dort würde mittlerweile vor einem "schwarzen Juni" gewarnt.

Im tiefer gelegenen Perlfluss-Delta der Provinz, die als Zentrum der chinesischen Exportwirtschaft gilt, sei die Lage besonders gefährlich. Dort gebe es die nach dem Volumen stärksten Überschwemmungen seit mehr als 50 Jahren, hieß es in einem im Internet veröffentlichten Behördenbericht. In der Stadt Sanshui, wo Kunststofffabriken neben Reisfeldern stehen, stieg schlammbraunes Wasser bis zu den Fenstern flussnaher Häuser.

Experten zufolge sind die Hochwasserschäden zwar bisher geringer als in den Jahren zuvor. Doch die Zuckerrohrernte der Region könnte Schaden nehmen, sollten die schweren Regenfälle eine weitere Woche anhalten, erklärten Regierungsvertreter. Der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller Nestle hat die Produktion in seiner einzigen chinesischen Kaffeeplantage in Guangdong inzwischen wegen der Überschwemmungen gestoppt.

Bereits am Montag wurde gemeldet, dass mehr als eine Million Menschen auf der Flucht vor den Wassermassen seien. Betroffen ist aber auch die südwestliche Provinz Sichuan, wo erst Mitte Mai ein folgenschweres Erdbeben die Bevölkerung heimsuchte. Damals starben mehr als 70.000 Menschen. Wegen der starken Regenfälle drohen in der Krisenregion nun weitere Erdrutsche. Die Behörden bringen daher momentan Tausende Menschen in Sicherheit.

(Quelle: rtr)
 


 

USA: New York plant autofreie Tage im August

Mi.18.06.08 - New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg will seine Metropole zu einem ausgelassenen Tummelplatz für Fußgänger und Radfahrer machen - zumindest an einigen Tagen im Sommer. An drei Samstagen im August sollen zahlreiche Straßen für den Autoverkehr gesperrt werden, wie Bloomberg verkündete. "Summer Streets" lautet das Motto der neuen New Yorker Attraktion, für die am 9., 16. und 23. August eine Rundstrecke von elf Kilometern für Autos komplett gesperrt werden soll.

Fußgänger, Radfahrer, Jogger und Skater können sich dann nach Herzenslust zwischen der Brooklyn Bridge im Süden Manhattans und dem Central Park im Herzen der Stadt austoben. Entlang der Strecke sollen zahlreiche Aktivitäten wie Yoga-Kurse, Gymnastik oder Tanz angeboten werden. Private Sponsoren wollen Fahrräder vermieten. Vorbild für die "Summer Streets" sei das französische Erfolgsprojekt "Paris Plages", sagte Bloomberg. Dabei wird seit 2002 regelmäßig im Sommer ein Sandstrand am Seineufer aufgeschüttet.

(Quelle: afp)
 


 

Neuseeland verbietet herkömmliche Glühbirnen

Mi.18.06.08 - In Neuseeland sind die Tage der herkömmlichen Glühbirnen gezählt. Die Regierung will die althergebrachte Lichtquelle vom Oktober nächsten Jahres an verbieten und durch moderne Energiesparlampen ersetzen, um damit Geld und CO2 einzusparen. «Nur fünf Prozent der Energie nutzt die Glühbirne, um Licht zu erzeugen - der Rest wird als Wärme vergeudet», sagte der neuseeländische Energieminister David Parker am Dienstag.

Als weltweit erstes Land hatte Australien im vergangenen Jahr beschlossen, die Verwendung herkömmlicher Glühbirnen zu untersagen, um den Energieverbrauch und den Ausstoß von Treibhausgasen zu drosseln. Anders als in Australien soll es den Neuseeländern aber erlaubt sein, herkömmliche Glühbirnen für den persönlichen Gebrauch zu importieren.

(Quelle: ap)
 


 

Bosnien-Herzegowina unterzeichnet EU-Assoziierungsabkommen

Mi.18.06.08 - Fast 13 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs hat Bosnien-Herzegowina den ersten Schritt auf dem Weg in die Europäische Union besiegelt.

Der Balkanstaat unterzeichnete am Montag in Luxemburg ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) mit der Gemeinschaft. Abgesehen vom jüngst abgespaltenen Kosovo ist Bosnien-Herzegowina der letzte Nachfolgestaat des früheren Jugoslawien, der dieses Kapitel in den Beziehungen zur EU aufschlägt.

"Mit der Unterzeichnung zeigt Bosnien-Herzegowina, dass es alles hinter sich gelassen hat, was in den 90er Jahren geschehen ist", sagte Präsident Haris Silajdzic bei der gemeinsamen Pressekonferenz nach der Zeremonie. EU-Chef-Diplomat Javier Solana sprach von einem großen Tag für das Land. "Diese Beziehung hält nicht nur heute, sie wird für immer halten." EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn mahnte weitere Reformen und eine Stärkung der staatlichen Institutionen an. Das Land habe keine Zeit zu verlieren, sagte er. Die Regierung müsse sich für einen echten Konsens bei den Reformen einsetzen, die auf dem Weg in die EU nötig seien.

Bosnien-Herzegowina hatte erst vor zwei Monaten mit einer lange umkämpften Polizeireform den Weg für das Abkommen frei gemacht. Nach vierjährigem Streit soll die Polizei der beiden Teilstaaten Republik Srpska und der muslimisch-kroatischen Föderation nun unter einem Dach zusammengeführt werden und damit die Zentralgewalt stärken. Die Serben hatten sich lange dagegen gewehrt und eigene Sicherheitskräfte als Teil ihrer Autonomie verteidigt.

(Quelle: rtr)
 


 

EU-Politiker streiten über Lehren aus dem irischen Nein zum Lissabon-Vertrag

Mi.18.06.08 - Vor dem Krisengipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs am Donnerstag und Freitag in Brüssel streiten EU-Politiker über die Lehren aus dem irischen Nein zum Lissabon-Vertrag. Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker warnte in der "Financial Times Deutschland" davor, Irland nach dem gescheiterten Referendum unter Druck zu setzen oder zu isolieren. Dagegen machte der Sozialisten-Fraktionschef im Europaparlament, Martin Schulz (SPD), Dublin für die Ablehnung des Reformvertrags mit verantwortlich.

"Ich bin darüber beunruhigt, dass es vor allem großen EU-Staaten an Sensibilität gegenüber Irland fehlt", sagte Juncker der "FTD". "Wir überwinden die Krise nicht, wenn wir den Iren Standpauken halten oder sie in die Ecke stellen", kritisierte der dienstälteste europäische Regierungschef. Es sei "arrogant", den Iren zu sagen, ihr Votum zähle nicht, weil es aus einem kleinen Land käme. Die Iren hatten den Vertrag von Lissabon am vergangenen Donnerstag in einer Volksabstimmung mit 53,4 Prozent Nein-Stimmen durchfallen lassen.

Irlands Premierminister Brian Cowen habe in seiner bisherigen Amtszeit nicht viel unternommen, um den Iren den Vertrag zu erklären, bemängelte Schulz im Europaparlament in Straßburg. 70 Prozent der Iren hätten zugegeben, nicht zu wissen, was in dem Vertrag stehe, fügte der SPD-Politiker hinzu. In der "Bild"-Zeitung forderte Schulz die Regierung in Dublin auf, nun eine Lösung zu finden. Falls dies nicht gelinge und alle anderen 26 EU-Staaten den Vertrag ratifizierten, stelle sich für die Iren "automatisch die Frage nach ihrer Vollmitgliedschaft".

EU-Kommissionsvize Günter Verheugen (SPD) lehnte sowohl eine Nachverhandlung als auch Sonderregelungen für Irland ab. "Es geht in der EU nicht, dass alle die neuen Spielregeln akzeptieren, aber ein Land abseits steht", sagte er der "Bild"-Zeitung. Der Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), stellte in der "Neuen Presse" aus Hannover erneut die EU-Erweiterung in Frage, sollte nicht die "notwendige Reform" vorgenommen werden. "Wir wollen keine Gemeinschaft, die sich zu Tode erweitert", sagte er.

Nach französischer Einschätzung hat das irische Nein die EU nicht zum Stillstand gebracht. "Fest steht, dass wir nicht anfangen werden, einen neuen Vertrag aufzusetzen", sagte Europastaatssekretär Jean-Pierre Jouyet in Paris. Außerdem blieben die wichtigsten Anliegen der anstehenden französischen Ratspräsidentschaft die gleichen: Energie und Klima, ein europäischer Einwanderungspakt, die europäische Verteidigungspolitik und die Landwirtschaft.

(Quelle: afp)
 


 

EU soll mehr Flüchtlinge aus Lagern in Drittstaaten aufnehmen

Mi.18.06.08 - Die EU-Kommission hat sich für eine verstärkte Aufnahme von Flüchtlingen aus Krisengebieten in Europa ausgesprochen. Dadurch sollten Länder etwa in Afrika oder Asien entlastet werden, die hunderttausende Vertriebene aus Krisenregionen beherbergten, heißt es in einem am Dienstag in Straßburg vorgestellten Strategiepapier. Die Teilnahme an dem vorgeschlagenen «Umsiedlungsprogramm» für Flüchtlinge aus Lagern in Drittländern soll für die EU-Staaten allerdings freiwillig sein.

Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hatte sich kürzlich dafür ausgesprochen, irakische Flüchtlinge aus den überlasteten Nachbarstaaten Syrien und Jordanien nach Europa umzusiedeln. Schäuble wollte diese Initiative aber auf eine bestimmte Flüchtlingsgruppe beschränken, nämlich Christen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten. Mit einem allgemeinen Umsiedlungs-Programm, wie es die EU-Kommission vorschlägt, wäre eine solche selektive Strategie nur bei Zustimmung aller beteiligten EU-Staaten zu vereinbaren.

Zugleich forderte EU-Innenkommissar Jacques Barrot auch mehr EU-interne Solidarität. Für die am stärksten vom Ansturm von Flüchtlingen betroffenen EU-Staaten seien Programme erforderlich, «die es möglich machen, die Asyllast besser zu verteilen», sagte Barrot.

Konkret schlug der Kommissar die Errichtung eines «Europäischen Asyl-Unterstützungsbüros» (EASO) vor, dass die Mitgliedstaaten bei einer Verbesserung ihrer Asylverfahren beraten soll. Das Büro soll auch Expertenteams zusammenstellen, die von überlasteten Mitgliedstaaten zu Hilfe gerufen werden könnten.

Zugleich will die Kommission die Asylstandards innerhalb der EU weiter angleichen. Die bislang dazu beschlossenen Richtlinien reichten nicht aus, ein EU-weit einheitliches Schutzniveau zu garantieren, hieß es. Die Angleichung soll auch sicherstellen, dass Flüchtlinge nach der Ablehnung eines Asylgesuchs in einem EU-Staat nicht länger im nächsten ihr Glück versuchen. In den vergangenen Monaten war vor allem Griechenland in Kritik geraten, weil dort nach Darstellung des UNHCR im Jahr 2007 nur 0,04 Prozent der Asylbewerber ein Flüchtlingsstatus gewährt wurde.

Wie schwierig eine Vereinheitlichung des Asylrechts in der Praxis ist, wurde am Dienstag an der Debatte des EU-Parlaments über die sogenannte Abschieberichtlinie deutlich. Teile der Grünen, der Sozialistischen Fraktion und der Linken lehnen sie ab, weil sie eine Verlängerung der Abschiebehaft in einzelnen EU-Staaten befürchten. Die Richtlinie, die am (morgigen) Mittwoch verabschiedet werden soll, sieht eine maximale Haftzeit von 18 Monaten vor. Länder mit kürzeren Haftzeiten können dabei bleiben.

EU-weit wurden nach Kommissionsangaben im vergangenen Jahr rund 220.000 Asylanträge gestellt. Hinzu kämen zahlreiche Versuche, illegal in die EU einzuwandern: Im Jahr 2006 seien rund 900.000 Personen beim Versuch, eine EU-Außengrenze zu überqueren, abgewiesen worden. Weitere 500.000 seien im selben Jahr ohne gültige Aufenthaltspapiere in der EU aufgegriffen worden.

(Quelle: ap)
 


 

Deutschland

5,3 Millionen Beschäftigte in der Industrie

Mi.18.06.08 - Die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Industrie wächst dank der guten Konjunktur immer weiter. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte, waren Ende April in Betrieben mit 50 und mehr Beschäftigten gut 5,3 Millionen Menschen beschäftigt. Das waren rund 148.800 Personen oder 2,9 Prozent mehr als im April 2007.

Am stärksten war der Beschäftigtenzuwachs mit 6,1 Prozent im Maschinenbau. In der Herstellung von Metallerzeugnissen wuchs die Beschäftigung nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 5 Prozent, bei der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen um 3 und in der Herstellung von Geräten der Elektrizitätserzeugung, -verteilung und Ähnliches um 2,9 Prozent. Das Ernährungsgewerbe legte um 0,9 Prozent zu. Die chemische Industrie dagegen hatte einen Beschäftigtenrückgang von 0,2 Prozent zu verzeichnen.

(Quelle: ap)
 


 

Auch in CSU Sympathie für Rentenpläne der SPD

Mi.18.06.08 - Nach positiven Reaktionen in der CDU auf die Rentenpläne der SPD haben sich auch in der CSU Befürworter zu Wort gemeldet.

Der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Arbeitnehmervertretung, Konrad Kobler, sagte der "Süddeutschen Zeitung" vom Dienstag, er verstehe nicht, warum die Union eine Verlängerung der Altersteilzeit-Förderung so konsequent ablehne. Ohne derartige Maßnahmen drohe bei der Rente mit 67 eine "zugespitzt gesagt: hinterfotzige Rentenkürzung".

Die Unionsführung hatte am Montag das SPD-Konzept als Bruch der Koalitionsvereinbarung zurückgewiesen. Die SPD strebt eine Verlängerung der Altersteilzeit über 2009 hinaus und das Vorziehen der Teilrente noch vor der Bundestagswahl 2009 an.

"Es muss doch möglich sein, eine Koalitionsvereinbarung zu ändern", sagte Kobler der Zeitung. Schließlich sei das auch in anderen Fällen geschehen. Sympathie für den SPD-Vorstoß hatte bereits der CDU-Arbeitnehmerflügel bekundet. Dessen Vize-Vorsitzender Gerald Weiß sagte der "Berliner Zeitung", nicht jeder Arbeitnehmer könne bis 65 oder 67 voll arbeiten.

Im ZDF wies die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Elke Ferner den Vorwurf zurück, die SPD weiche die vom früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit der Agenda 2010 durchgesetzten Einschnitte in der Sozialpolitik auf: "Wir müssen aber doch auch die Lebensrealität der Menschen beachten." Es gebe Menschen, die nicht bis 67 arbeiten könnten.

(Quelle: rtr)
 


 

Ratzmann will die Grünen zur Union öffnen

Mi.18.06.08 - Der Kandidat für den Bundesvorsitz der Grünen, Volker Ratzmann, will seine Partei weiter zur Union hin öffnen. «Ich bin derjenige, der zeigen möchte, wie wir jenseits der SPD neue Gestaltungsspielräume eröffnen können», sagte Ratzmann der «Financial Times Deutschland» (Dienstagausgabe). Der Grünen-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus fügte hinzu: «Wer sich mit einer SPD an einen Tisch setzen kann, sollte das auch mit der CDU machen können.»

Ratzmann kandidiert im November auf dem Parteitag neben dem Europaabgeordneten Cem Özdemir für die Nachfolge von Parteichef Reinhard Bütikofer. Die Ko-Vorsitzende Claudia Roth tritt im Gegensatz zu Bütikofer wieder an. Ratzmann gehörte früher dem linken Spektrum an, wird heute aber eher dem Realo- oder Reformer-Flügel zugerechnet. «Jeder entwickelt sich», sagte er der Zeitung. Entscheidend sei nicht das Etikett, sondern der politische Inhalt. Zugleich verwies er darauf, dass es in der Partei mittlerweile «einen großen ungebundenen Block» von Grünen gebe, «die sich weder den Reformern noch den Linken zurechnen lassen».

(Quelle: ddp)
 


 

CDU will sich als Umweltpartei profilieren - Aber Festhalten an Atomkraft als 'Öko-Energie' -Entwurf für Grundsatzpapier

Mi.18.06.08 - Die CDU erwägt sich als Ökopartei zu profilieren und programmatisch dem Klima-, Umwelt- und Verbraucherschutz zu verpflichten. Eine Politik der Nachhaltigkeit solle zum «Leitbild» und Klimaschutz zum «Kernziel» der Union werden, berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Mittwochausgabe) unter Berufung auf eine Vorlage für den Bundesvorstand am nächsten Montag. Sie wurde von einer Kommission unter Leitung des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust erarbeitet und nennt der Zeitung zufolge als «Kernanliegen der CDU» eine «soziale und ökologische Marktwirtschaft».

Die Parteiführung wolle, dass dies auf dem kommenden Parteitag in einem Grundsatzpapier beschlossen werde, hieß es. Die Partei besinne sich damit auf eigene christlich-konservative Werte. Zugleich werde aber eingeräumt, dass ein solcher Beschluss die CDU attraktiver machen könnte für bisherige Wähler der Grünen wie auch für künftige schwarz-grüne Koalitionen. Dennoch will die CDU dem Bericht zufolge an der Nutzung der Atomkraft festhalten, die sie zur «Öko-Energie» zählt.

«Die CDU bekennt sich zum Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung, die den wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand mit dem Schutz von Natur, Umwelt und der Lebensqualität der Verbraucher in Einklang bringt», zitiert das Blatt aus dem Entwurf mit dem Titel «Bewahrung der Schöpfung: Klima-, Umwelt- und Verbraucherschutz».

Der Klimawandel sei «bereits heute Realität» und müsse so weit als möglich aufgehalten werden. «Deutschland soll bis zum Jahr 2020 den effizientesten Kraftwerkspark der Welt haben.» Erneuerbare Energien sollten in zwölf Jahren 30 Prozent der Stromerzeugung ausmachen, bis 2050 sollten es 50 Prozent sein. Auch die Verkehrsmittel sollten dem Klimaschutzziel angepasst und umweltschonender werden, etwa durch die Einbindung des Flugverkehrs in ein «globales Emissionshandelssystem». Um Treibhausgase zu reduzieren, solle «eine am CO2-Austoß orientierte Kfz-Steuer» Anreiz sein. Für Führerscheinanwärter müsse «umweltschonende Fahrweise» zur Ausbildung gehören. Ein «starres Tempolimit» für Autos wird aber weiter abgelehnt.

«Auf absehbare Zeit kann auf den Beitrag der Kernenergie in Deutschland nicht verzichtet werden», heißt es der Zeitung zufolge weiter. «Sie ermöglicht es, den Zeitraum zu überbrücken, bis neue klimafreundliche und wirtschaftliche Energieträger in ausreichendem Umfang verfügbar sind.»

«Die Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke ist eine ökonomische wie ökologische Notwendigkeit», sagte Beust, der in Hamburg die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene führt, der «FAZ». Kernkraftwerke seien im Kampf gegen die Erderwärmung «eine der saubersten Energieerzeuger überhaupt». CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte: «Angesichts des Klimawandels müssen auch die Grünen endlich einsehen, dass Kernkraft eine Öko-Energie und ein Garant für stabile Preise ist.»

Pofalla und von Beust verneinten, dass ihr Umweltpapier allein dem Zweck diene, den Grünen und deren Wählern programmatisch näher zu kommen. «Im Gegensatz zu den Grünen spielen wir nicht Umweltschutz gegen Wirtschaft aus», sagte Pofalla. «Wir schließen mit dem Papier eine programmatische Lücke», sagte Beust. «Die erstmalige Verbindung von Klima-, Umwelt- und Verbraucherschutz als politisches Ziel der CDU bedeutet keine Weichenstellung für Schwarz-Grün im Bund, sondern eine Anpassung der CDU an die gesellschaftliche Wirklichkeit.» Beust sagte aber auch: «Die Notwendigkeit, umweltpolitisch umzudenken, kann der CDU auch taktisch nützen.» Pofalla sagte: «Als Volkspartei der Mitte müssen wir inhaltlich breit aufgestellt sein.»

(Quelle: ap)
 


 

Bundespräsident Köhler mahnt Reformen bei Wahl- und Steuerrecht an

Mi.18.06.08 - Bundespräsident Horst Köhler hat grundlegende Reformen im Wahlsystem und Steuerrecht gefordert, um Politik und Bürger für die Zukunft zu stärken.

In seiner "Berliner Rede" sprach sich Köhler am Dienstag für eine längere Wahlperiode des Bundestags und transparentere Entscheidungen aus, um gegen Politikverdrossenheit der Bürger anzugehen. Auch durch eine Anpassung des Steuerrechts solle der Staat den Bürgern entgegenkommen und die Bezieher mittlerer Einkommen entlasten. Dazu sei die Senkung der Sozialabgaben sinnvoll. Köhler drang auf die Fortsetzung der Reformen im Arbeits- und Wirtschaftsleben, die nicht zurückgedreht werden dürften, sondern in einer Agenda 2020 fortgesetzt werden müssten.

Köhler mahnte Reformen im politischen System an, das unter undurchschaubaren Zuständigkeiten, einer Vielzahl von Wahlen und der Dominanz der Parteien leide. "Gegen den hierzulande meist herrschenden Dauerwahlkampf ließe sich die Legislaturperiode des Deutschen Bundestags auf fünf Jahre verlängern", sagte er. Zudem könnten öfter mehrere Landtags- und Kommunalwahlen auf einen Tag gelegt werden. Die Bürger könnten stärker beteiligt werden, wenn sie auf den Wahllisten der Parteien für einzelne Kandidaten stimmen könnten. Köhler mahnte die Parteien, die verbreitete Politikverdrossenheit ernst zu nehmen, da sie die Bindung zwischen Staat und Bürgern gefährde.

Auch bei der Forderung nach Änderungen im Steuerrecht ging Köhler von den Wirkungen auf die Bürger aus. "Die Mittelschicht ... leidet vor allem unter der hohen Steuerbelastung", sagte er. Inzwischen müssten schon Facharbeiterfamilien sehr schnell Steuersätze zahlen, die früher nur für Reiche galten. "Es wäre gut, wenn wir da endlich Entlastung schaffen." Der Präsident sprach sich auch für eine Entlastung bei den Sozialabgaben aus. "Ich glaube, es lohnt sich, weiter darüber nachzudenken, wie die soziale Sicherheit langfristig stärker durch Steuern finanziert werden kann."

Ungewöhnlich deutlich bezog Köhler damit Position in der Debatte über die Entlastung der Bürger bei Steuern und Abgaben. Ein Streitpunkt ist die sogenannte kalte Progression. Dabei wird ein Einkommen, das durch Gehaltserhöhungen steigt, mit einem höheren Satz besteuert, so dass die nominale Steigerung zu realen Verlusten führen kann. Während die CSU und Teile der CDU eine baldige Entlastung der Bürger bei den Steuern fordern, lehnt die SPD dies mit Hinweis auf die Haushaltskonsolidierung ab, die Köhler ebenfalls lobte. Die SPD will eine Entlastung von Abgaben und mehr Steuermittel in den Sozialsystemen.

Köhler bekräftigte seine Forderung nach der Fortsetzung des umstrittenen Reformkurses. "Reformen wie die Riester-Rente, die Rente mit 67 und die Agenda 2010 waren ein guter Anfang.". Köhler mahnte: "Wir sollten das Erreichte nicht zerreden oder gar zurückdrehen." Vor allem in der SPD und in der Linkspartei gibt es Kritik an der Agenda 2010 und Änderungsforderungen. Köhler erneuerte seine Forderung nach einer "Agenda 2020", um das Land weiter zukunftsfest zu machen.

Köhlers diesjährige Rede wurde mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, nachdem er seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit ab 2009 angekündigt und die SPD mit der Professorin Gesine Schwan eine Gegenkandidatin aufgestellt hat.

Die Union wertete Köhlers Rede als Beleg dafür, dass er Bundespräsident bleiben solle. "Die heutige Berliner Rede hat erneut gezeigt: Horst Köhler ist der richtige Bundespräsident für unser Land", erklärte CSU-Chef Erwin Huber. Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, sprach von einer bemerkenswerten Grundsatzrede des Präsidenten, der die richtigen Themen in den Mittelpunkt gerückt habe.

(Quelle: rtr)
 


 

Studiengebühren in Hessen im zweiten Anlauf abgeschafft

Mi.18.06.08 - Im zweiten Anlauf hat der hessische Landtag mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei die umstrittenen Studiengebühren abgeschafft. Mit dem gegen den Willen der geschäftsführenden CDU-Landesregierung unter Ministerpäsident Roland Koch verabschiedeten Gesetz entfallen zum Wintersemester 2008/2009 die Beiträge für das Erststudium wie auch die Langzeitstudiengebühren in Hessen. Eine Rückzahlung schon gezahlter Gebühren sieht das Gesetz aber nicht vor.

Ein erster Versuch zur Abschaffung der Gebühren war wegen einer Panne gescheitert. Beim Kopieren ihres Gesetzestextes ging SPD und Grünen die entscheidende Passage verloren, weshalb Koch sich weigerte, das Gesetz in Kraft zu setzen.

Während Christdemokraten und Liberale der SPD, den Grünen und der Linken bei der Sondersitzung im Landtag erneut Dilettantismus im Gesetzgebungsverfahren vorwarfen, sprach die SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti von einer "ärgerliche Panne", die vorkommen könne. "Dies ist ein guter Tag für Bildungsgerechtigkeit in diesem Land und darum geht es", betonte Ypsilanti in einer erregten Debatte.

Neben der Abschaffung der Studienbeiträge in Höhe von 500 Euro pro Semester für das Erststudium und 500 bis 900 Euro für ein so genanntes Langzeitstudium sieht das Gesetz Zielvereinbarungen über den Studienverlauf vor. Danach sollen Studierende, die zwei Semester nach dem Ende der Regelstudienzeit keine Studienerfolge vorzuweisen haben, nach den Gründen befragt werden. Als Kompensation für den Gebührenausfall will das Land den Hochschulen 46 Millionen Euro pro Semester für Qualitätsverbesserungen zur Verfügung stellen.

Hessens Wissenschaftsministerin Silke Lautenschläger (CDU) sprach mit Blick auf die Panne im ersten Anlauf von "ganz schlampiger Arbeit." FDP und CDU fürchten nun um die Wettbewerbsfähigkeit der hessischen Hochschulen.

Unter dem Motto "Was Hessen kann, können wir schon lange" demonstrierten derweil in Düsseldorf rund 2500 Studenten für eine Abschaffung der Studiengebühren auch in Nordrhein-Westfalen.

(Quelle: afp)
 


 

Kinderärzte: Datenschutz bei Verdacht auf Misshandlung lockern

Mi.18.06.08 - Die Kinder- und Jugendärzte verlangen einen gelockerten Datenschutz bei einem Verdacht auf Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Verbandspräsident Wolfram Hartmann sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Dienstagausgabe), die Mediziner müssten auch bei einem vagen Verdacht handeln können, ohne dass man ihnen die Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht vorwerfe.

«Es muss eine Lockerung des Datenschutzes im Interesse des Kindeswohles geben», sagte Hartmann. Die Mediziner sollten die Möglichkeit erhalten, Hilfsstrukturen einzuschalten, ohne vorher die Eltern des Kindes zu fragen.

Von der Bundesregierung verlangte der Verbandspräsident, die Inhalte der Vorsorgeuntersuchungen von Kindern zu verbessern. »Auf die Verhinderung von Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung wird bisher überhaupt kein Wert gelegt«, kritisierte Hartmann. Nötig sei bei Kindern nicht in erster Linie ein Programm zur Früherkennung von Krankheiten, sondern ein Programm zu deren Verhinderung. Auch die Krankenkassen blockierten eine entsprechende Weiterentwicklung dieser Untersuchungen, weil sie eine Kostenexplosion bei der Verordnung von Heilmitteln befürchten.

(Quelle: ddp)
 


 

Bundesverwaltungsgericht erinnert an Reichtagsbrand-Prozess

Mi.18.06.08 - 75 Jahre nach dem Brand des Berliner Reichstags erinnert das Bundesverwaltungsgericht im Herbst mit Konzerten und Vorträgen an den damaligen Prozess gegen den angeblichen Hauptschuldigen Marinus van der Lubbe. Am 8. und 9. November werden unter anderem zwei Orchesterkonzerte in der Großen Halle des Gerichts aufgeführt werden, wie der Verein Kunst & Justiz im Bundesverwaltungsgericht am Dienstag in Leipzig mitteilte.

Der Reichstag hatte in der Nacht zum 28. Februar 1933 gebrannt, ab September 1933 wurde unter anderem dem holländischen Kommunisten Marinus van der Lubbe vor dem Leipziger Reichsgericht der Prozess gemacht. Kurz vor Weihnachten wurde gegen ihn das Todesurteil verhängt, der mitangeklagte bulgarische Kommunist Georgi Dimitroff und weitere Angeklagte wurden hingegen freigesprochen. Im Gebäude des Reichsgerichts ist heute das Bundesverwaltungsgericht untergebracht.

Die Nationalsozialisten hatten den Brand zum Vorwand für die «Verordnung zum Schutz von Volk und Staat» genutzt und damit die Grundrechte der Weimarer Verfassung weitgehend außer Kraft gesetzt.

(Quelle: ddp)
 


 

Büchner-Preis für österreichischen Autor Josef Winkler

Mi.18.06.08 - Der Georg-Büchner-Preis geht in diesem Jahr an den österreichischen Schriftsteller Josef Winkler. Der 55-Jährige soll die wichtigste deutsche Literaturauszeichnung am 1. November in Darmstadt entgegennehmen, wie die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mitteilte. Der 1953 als Bauernsohn in Kamering im österreichischen Bundesland Kärnten geborene Winkler arbeitet seit 1982 als freier Schriftsteller. Nach längeren Aufenthalten in Italiens Hauptstadt Rom und im indischen Benares lebt er heute in Kärntens Landeshauptstadt Klagenfurt.

In der Begründung der Akademie für die Wahl des Preisträgers heißt es unter anderem, Winkler habe "auf die Katastrophen seiner katholischen Dorfkindheit mit Büchern reagiert, deren obsessive Dringlichkeit einzigartig ist". Was Winkler seit seinem ersten Roman "Menschenkind" von 1979 in barock-expressiver Sprache immer neu anklage, bilde zugleich "das produktive Element einer Hassliebe, in der Blasphemie und Frömmigkeit, Todessehnsucht und Todesangst sich zu einem bewegenden Abgesang auf eine untergehende Welt vereinen".

Winklers neuere Bücher erweiterten nach der eindringlichen Beschreibung der Erfahrung Roms in den Werken "Friedhof der bitteren Orangen" und "Natura Morta" seinen "dichterischen Kosmos noch um die fremde Nähe Indiens".

Der Büchner-Preis ist mit 40.000 Euro dotiert und wird seit 1951 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung vergeben.

(Quelle: afp)
 
 
 
 

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