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Irak 1549 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Truppen machen schiitische Extremisten für Anschlag vom
Dienstag verantwortlich. Einigung im US-Kongress auf weitere
Finanzierung des Irak-Kriegs. UNICEF fordert mehr Hilfe für
irakische Flüchtlingskinder
Do.19.06.08 - Die US-Streitkräfte im Irak haben am Mittwoch schiitische
Extremisten für den verheerenden Autobombenanschlag in Bagdad mit
51 Todesopfern verantwortlich gemacht. Geheimdienstinformationen
deuteten daraufhin, dass eine Gruppe unter der Führung von Hajdar
Mehdi Chadum al Fauadi den Anschlag verübt habe, sagte
Militärsprecher Steve Stover. Ziel sei es gewesen, die Gewalt
zwischen Sunniten und Schiiten zu schüren und eine Rückkehr
sunnitischer Flüchtlinge in den Stadtteil zu verhindern.
Die irakische Regierung kündigte an Mittwoch an, sie werde die
Terroristen besiegen. Das Kabinett erklärte in einer Stellungnahme,
die Attentäter hätten die Moral der extremistischen Gruppen
nach einer Reihe von Rückschlägen in Bagdad, Basra und Mossul
anheben wollen. «Dieses Verbrechen wird unseren Willen, die
Terroristen zu besiegen und die erreichten Erfolge in der Sicherheit zu
erhalten, nicht beeinflussen», hieß es in der
Stellungnahme. «Wir werden unsere Entschlossenheit, die
Hauptstadt und die Provinzen vor Terroristen und Mördern zu retten,
noch steigern.» Die US-Botschaft und die
US-Militärführung verurteilten «diesen barbarischen
Akt» und sicherten zu, mit den irakischen Sicherheitskräften
zusammenzuarbeiten, um die Täter zu finden.
Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Anschlag
scharf. Es handele sich um einen «abscheulichen Angriff»,
sagte Ban und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.
Der Anschlag vom Dienstag war der blutigste in der irakischen
Hauptstadt seit Anfang März, als ein doppelter Bombenanschlag 68
Menschen das Leben kostete. Zunächst bekannte sich niemand zu der
Tat, sie galt jedoch als Werk von Al Kaida im Irak.
Nach langem Tauziehen haben sich Demokraten und Republikaner im
US-Repräsentantenhaus auf die weitere Finanzierung der
Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan geeinigt. Die von
den Fraktionsspitzen beider Parteien am Mittwoch vereinbarte Vorlage
sieht die Bereitstellung von 165 Milliarden Dollar (106,5 Milliarden
Euro) für etwa ein Jahr vor. Dies lässt dem Nachfolger von
Präsident George W. Bush, der sein Amt am 20. Januar 2009 antreten
wird, ausreichend Spielraum, um seine eigene Irak-Politik festzulegen.
Der Fraktionsvorsitzende der Demokraten, Steny Hoyer, und sein
republikanischer Kollege John Boehner zeigten sich sicher, dass Bush
die Gesetzesvorlage nach der Verabschiedung im Kongress unterzeichnen
werde. Die Forderung der Demokraten nach einer Einengung des
Handlungsspielsraums Bushs wurde in der Vereinbarung fallengelassen.
Außerdem erhält der Präsident fast alle von ihm
beantragten Gelder für die Militäreinsätze im Irak und
in Afghanistan.
Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF hat verstärkte Hilfe für
hunderttausende Flüchtlingskinder im Irak gefordert. Seit 2006
hätten über 850.000 Kinder und Jugendliche zusammen mit ihren
Familien ihre Häuser verlassen müssen und befänden sich
innerhalb des Landes auf der Flucht, erklärte die Organisation.
Fast jedes zweite irakische Kind im Grundschulalter könne nicht zur
Schule gehen, jedes fünfte Kind leide an chronischer
Mangelernährung. Vor allem in zentralen und südlichen
Landesteilen bestimmten Wassermangel, Stromausfälle, die Angst vor
Anschlägen und verfallene Schulen den Alltag der Kinder,
bemängelte UNICEF.
Das Kinderhilfswerk arbeitet nach eigenen Angaben mit 90 irakischen
Mitarbeitern und Partnern in allen Landesteilen des Irak. Für ihr
Hilfsprogramm benötigt die Organisation demnach insgesamt rund 25
Millionen Euro. Seit 2003 habe UNICEF Deutschland durch Spenden der
Bundesbürger die Hilfe für Kinder im Irak mit rund 7,3
Millionen Euro unterstützen können. "Selbst wenn wir die
Gewalt im Irak vielleicht im Augenblick nicht stoppen können, so
können wir doch das Leiden der Kinder lindern und für ihre
Rechte eintreten", sagte Tom Koenigs, Vorstandsmitglied von UNICEF
Deutschland.
boa (Quellen: ap, afp)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 19.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendfünfundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Di.19.06.07 - Briten töten im Kampf gegen Schiiten-Miliz 36 Iraker +++
Multinationale Streitkräfte töten im Irak 20
Aufständische +++ Neun Menschen sterben bei Bombenanschlag in Bagdad +++
Irakischer Ministerpräsident Al-Maliki: USA dürfen
Stämme nicht bewaffnen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0706190.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Israel bietet dem Libanon direkte Friedensgespräche an. Olmert und
Barak stimmen Waffenruhe mit Hamas zu
Do.19.06.08 - Zwei Jahre nach dem Libanon-Krieg hat Israel dem nördlichen
Nachbarland offiziell direkte Friedensverhandlungen angeboten. Ein
Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert
bestätigte, Israel sei an einer Friedensregelung mit dem Libanon
interessiert und wolle «direkte und bilaterale»
Gespräche führen. Dabei sollten alle Streitpunkte auf den
Verhandlungstisch kommen, einschließlich der umstrittenen Frage
der Scheba-Farmen im Länderdreieck mit Syrien.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und sein
Verteidigungsminister Ehud Barak haben einer Waffenruhe mit der
radikalislamischen Hamas im Gazastreifen zugestimmt. Die beiden
Politiker hätten diese Entscheidung nach der Rückkehr des
israelischen Gesandten Amos Gilad aus Ägypten getroffen, berichtete
der öffentliche Rundfunk in Israel. Olmerts Sprecher Mark Regew
lehnte zunächst jede Stellungnahme ab. Die Hamas hatte am
Dienstagabend erklärt, die Waffenruhe solle sechs Monate dauern.
Anzeige
Der Reservegeneral Gilad, politischer Berater im
Verteidigungsministerium, sagte im Rundfunk, es gebe eine Einigung
über eine vollständige Waffenruhe. Wenn es neue Schüsse
vom Gazastreifen auf Israel gebe, handele es sich um Verletzungen der
Übereinkunft, wer auch immer hinter den Angriffen stehe. Er
vertraue darauf, dass Ägypten den Waffenschmuggel von der
Sinai-Halbinsel in den Gazastreifen unterbinden werde. Es werde
beschleunigte Verhandlungen über einen Austausch
palästinensischer Gefangener mit dem israelischen Soldaten Gilad
Schalit geben. Schalit war 2006 am Rande des Gazastreifens von drei
bewaffneten Palästinensergruppen entführt worden, darunter
auch die Hamas.
Nach monatelangen Verhandlungen hatte Ägypten bereits am Dienstag
erklärt, Israel und die Hamas hätten einen Waffenstillstand
für den Gazastreifen vereinbart. Beide Seiten hätten einem
Beginn der Waffenruhe am Donnerstagmorgen um 06.00 Uhr Ortszeit
zugestimmt, sagte der ägyptische Außenamtssprecher, Hossam
Saki. Die Waffenruhe werde "beiderseitig und zeitgleich" in Kraft
treten. Ägypten werde seine Vermittlung fortsetzen, um noch offene
Fragen auszuhandeln. Um welche Punkte es sich dabei handelt, ließ
Saki offen. Die Hamas bestätigte das Abkommen. Israels
Verteidigungsminister Barak sagte zunächst jedoch, es sei noch "zu
früh", von einer endgültigen Einigung zu sprechen.
Seitdem die Hamas vor einem Jahr die Macht im Gazastreifen ergriffen
hatte, hatte es nahezu täglich Kampfhandlungen zwischen
israelischen Soldaten und palästinensischen Extremisten gegeben;
dabei kamen hunderte Menschen ums Leben. Israel wollte bei den
Verhandlungen ein Ende des palästinensischen Raketenbeschusses auf
israelische Siedlungen vom Gazastreifen aus erreichen. Die Hamas
forderte die Aufhebung der israelischen Blockade des Gebietes und eine
Öffnung der Grenzübergänge zu den Nachbarstaaten.
boa (Quellen: dpa, afp)
USA und China wollen Wirtschaftsbeziehungen verbessern
Do.19.06.08 - Die USA und China wollen ihre Wirtschaftsbeziehungen verbessern. Sie
verständigten sich am Mittwoch zum Abschluss von
Wirtschaftsgesprächen auf höchster Ebene auf die Aufnahme von
Verhandlungen über ein Investitionsabkommen. Es könnte
US-Unternehmen in China deutlich bessere Bedingungen verschaffen als
bisher.
Beide Länder wollen zudem auf den Gebieten der Energiesicherheit
und im Kampf gegen die Umweltverschmutzung zusammenarbeiten, wie
Finanzminister Henry Paulson auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit
dem stellvertretenden chinesischen Ministerpräsidenten Wang Qishan
in Washington bekanntgab. Es war die vierte Gesprächsrunde im
Rahmen des sogenannten Strategischen Wirtschaftsdialogs zwischen den
USA und China. Wang bezeichnete die Gespräche als «vollen
Erfolg».
(Quelle: ap)
Bush fordert Öffnung von US-Schutzgebieten für
Öl-Förderung
Do.19.06.08 - US-Präsident George W. Bush hat eine Öffnung von
Tierschutzgebieten und Küstengewässern für die
Öl-Förderung verlangt.
Der Kongress müsse die entsprechenden Verbote aufheben, forderte
Bush am Mittwoch in Washington. Die seit 1981 geltende Sperre für
Bohrungen vor den Küsten sei angesichts des hohen Öl-Preises
"überholt und kontraproduktiv". Auch das Arctic National Wildlife
Refuge in Alaska dürfe nicht mehr Tabu sein. Die Demokraten, die
in beiden Kongress-Kammern die Mehrheit stellen, haben die Forderungen
wiederholt abgelehnt. Schon vor Bushs Rede nannte der
Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, und die Präsidentin des
Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, die Vorschläge sinnlos
und ein Geschenk an die Öl-Industrie.
Der Benzinpreis ist in diesem Monat in den USA erstmals über die
psychologisch wichtige Marke von vier Dollar je Gallone (etwa 0,70 Euro
pro Liter) gestiegen. Republikaner und Demokraten geben sich
gegenseitig die Schuld dafür und bringen Gesetzesvorschläge
ein, um die heimische Förderung zu erhöhen. Das Tier-Refugium
in Alaska ist etwas größer als Bayern und seit längerem
als Bohrgebiet im Gespräch. Vor der Ost- und Westküste der
USA sollen der Regierung zufolge zudem 18 Milliarden Barrel Öl
liegen - genug, um den einheimischen Verbrauch für zweieinhalb
Jahre zu decken. Das Bohr-Verbot kann jedoch nur vom Kongress
aufgehoben werden.
Der Öl-Preis wird auch zunehmend zu einem Hauptthema im Wahlkampf.
Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain
unterstützt Bush, während der Demokrat Barack Obama strikt
dagegen ist. Im Kongress dürften die Demokraten im November ihre
Mehrheit ausbauen.
(Quelle: rtr)
Prozess gegen türkische Sängerin wegen Aussage über Armee
Do.19.06.08 - Vor einem Istanbuler Gericht hat der Prozess gegen eine populäre
transsexuelle Sängerin begonnen, die mit Äußerungen in
einer Fernsehshow die Verehrung der Türken für ihre Armee
untergraben haben soll. Das Verfahren gegen die 56-jährige
Bülent Ersoy sei gleich nach der Eröffnung auf den 24.
September vertagt worden, sagte ein Gerichtssprecher. Ersoy, eine der
bekanntesten Sängerinnen des Landes, sei nicht zur
Prozesseröffnung erschienen, sondern habe sich von einem Anwalt
vertreten lassen. In dem Verfahren drohen der Diva bis zu drei Jahre
Haft.
Die Anklage in dem Prozess lautet auf "Entfremdung des Volkes von der
Armee". Anlass sind Äußerungen von Ersoy in einer
Fernsehshow, die während der türkischen
Militärintervention gegen die kurdischen PKK-Rebellen im
benachbarten Nordirak im Februar ausgestrahlt wurde. Ersoy sagte unter
anderem, selbst wenn sie Kinder haben könnte, würde sie ihre
Söhne nicht hergeben, nur weil einige "Leute am grünen Tisch"
das wollten. Ersoy betonte später, sie stehe zu ihren
Äußerungen. Der als Junge geborene und schon in den siebziger
Jahren populäre Bülent Ersoy hatte sich 1980 einer
Geschlechtsumwandlung unterzogen, mit der er zur Frau wurde. Sie
gehört bis heute zu den beliebtesten Stars in der Türkei.
(Quelle: afp)
Schweden erlaubt Überwachung von Telefon und E-Mail
Do.19.06.08 - Das schwedische Parlament hat am Mittwoch ein umstrittenes
Sicherheitsgesetz gebilligt, das den Behörden das Abhören von
Telefongesprächen und Lesen von E-Mails erlaubt. Nach hitziger
Debatte wurde das Gesetz, das im Januar in Kraft tritt, mit 143 gegen
138 Stimmten angenommen. Ein Abgeordneter enthielt sich. Demonstranten
hatten aus Protest gegen das Gesetz vor dem Parlament George Orwells
Roman «1984» verteilt.
Protestiert hatten gegen das Gesetz auch Unternehmen wie Google und der
schwedische Telekommunikationskonzern TeliaSonera. Sie verglichen es
mit dem Überwachungsprogramm der US-Regierung. Mit dem neuen
Gesetz folge Schweden beim Beispiel von Ländern China und Saudi
Arabien, erklärte Google-Datenschutzexperte Peter Fleischer.
(Quelle: ap)
Deutsche Unternehmen machen mehr Gewinn
Do.19.06.08 - Die deutschen Unternehmen machen wieder höhere Gewinne. Nach einer
am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung des Instituts der
deutschen Wirtschaft in Köln erreichte die Umsatzrendite nach
Steuern 2006 mit 3,6 Prozent den höchsten Wert der vergangenen zehn
Jahre. Gegenüber dem Vorjahr liege die Steigerung bei 0,2
Prozentpunkten.
Bis die deutschen Firmen zur ausländischen Konkurrenz
aufschließen, dürfte aber nach Einschätzung des
arbeitgebernahen Instituts noch geraume Zeit vergehen. So kamen nach
internationaler Abgrenzung Kapitalgesellschaften der gewerblichen
Wirtschaft in Großbritannien, der Schweiz und Spanien schon im
Jahr 2005 - neuere Daten liegen hier nicht vor - auf Renditen von
über 8 Prozent. Für Deutschland betrug der entsprechende Wert
nur gut 4 Prozent.
Dank der gestiegenen Renditen konnten die deutschen Unternehmen auch
ihr Eigenkapital aufstocken. Gemessen an der Bilanzsumme betrug der
durchschnittliche Anteil der Eigenmittel 2006 gut 25 Prozent - zehn
Jahre zuvor waren es lediglich 16 Prozent.
(Quelle: ap)
Verhandlungen über Altersteilzeit in der Metallbranche abgebrochen
Do.19.06.08 - Die Tarifverhandlungen für eine Neuregelung der Altersteilzeit in
der Metall- und Elektroindustrie sind in der Nacht zu heutigen
Donnerstag ergebnislos abgebrochen worden. Voraussichtlich würden
die Gespräche am Montag fortgesetzt, sagte der
baden-württembergische IG-Metall-Sprecher Kai Bliesener am
frühen Donnerstagmorgen der Nachrichtenagentur ddp. Dieser Termin
stehe aber noch unter Vorbehalt. Einzelheiten würden im Laufe des
Donnerstags mitgeteilt.
In Baden-Württemberg wird federführend für die
gesamtdeutsche Metallbranche über die künftige Regelung der
Altersteilzeit verhandelt. Hauptstreitpunkt ist die Frage, wie viele
Beschäftigte künftig einen Anspruch auf Altersteilzeit haben
sollen. Die Arbeitgeber wollen den Zugang auf besonders belastete
Beschäftigte beschränken - wie etwa langjährige
Nachtschichtarbeiter. Die Gewerkschaft will indes erreichen, dass
mindestens fünf Prozent der Beschäftigten eines Betriebes
auch künftig vorzeitig zu gesicherten Bedingungen ausscheiden
können. Die Neuregelung wird notwendig, weil die staatliche
Förderung für den vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben
Ende 2009 ausläuft.
(Quelle: ddp)
Union und SPD streiten über Bildungspolitik
Do.19.06.08 - Vor dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigten
Bildungsgipfel deutet sich ein Streit innerhalb der Großen
Koalition ab. Nach einem Bericht der in Essen erscheinenden
«Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» stoßen die
Pläne der SPD für einen Rechtsanspruch auf einen
Hauptschulabschluss bei der Union auf Kritik. «Wir müssen
gezielt die Schulen stärken, damit sie es schaffen, jeden
Jugendlichen zu einem Abschluss zu führen. Doch die Forderung nach
einem Rechtsanspruch geht an der Situation vorbei», wird die
Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, zitiert.
(Quelle: ap)
SPD will mehr Berufstätige ins Studium bringen - Im Kampf gegen
drohenden Fachkräftemangel - Oppermann pocht auf Rechtsanspruch auf
Hauptschulabschluss
Do.19.06.08 - Die SPD will mehr Berufstätigen ein Studium ohne Abitur
ermöglichen. Ihr Zugang zur Hochschule müsse vereinfacht und
bundesweit vereinheitlicht werden, verlangte der Parlamentarische
Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann,
am Mittwoch in Berlin. Ziel sei es, die Zahl der Studierenden ohne
Abitur von aktuell 9.700 auf 30.000 bis 50.000 zu steigern - auch, um
dem drohenden Mangel an qualifizierten Fachkräften vorzubeugen.
Weiter sagte Oppermann, wenn die 16 Länder es nicht schafften, den
Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte zu vereinfachen,
müsse notfalls eben das Grundgesetz geändert und dem Bund die
dafür notwendige Kompetenz verschafft werden.
Nach den Vorstellungen der SPD-Fraktion sollen alle Arbeitnehmer, die
eine Meisterprüfung ablegen, damit automatisch die allgemeine
Hochschulreife erlangen. Wer eine Berufsausbildung abschließt und
drei Jahre in dem Job arbeitet, soll die Fachhochschulreife bekommen.
Dies werde die SPD zum Thema auf dem nationalen Bildungsgipfel am 22.
Oktober machen, sagte Oppermann.
Er nannte es einen «Offenbarungseid» der Länder, dass
jährlich 76.000 Jugendliche ohne Abschluss die Schulen
verließen, was einem Anteil von acht bis zehn Prozent entspreche.
Die SPD wolle deshalb einen Rechtsanspruch auf einen nachträglichen
Hauptschulabschluss schaffen. Er sei zuversichtlich, dies beim
Koalitionspartner CDU durchzusetzen, sagte Oppermann. «Da hat die
CDU gar keine Chance, sich dem zu entziehen.»
Die SPD-Fraktion hatte am Vortag unter anderem ein Konzept zum Kampf
gegen den Fachkräftemangel beschlossen. Es sieht zusätzlich
unter anderem Verbesserungen beim Meister-Bafög und einen
«Hochschulpakt II» zur Schaffung von 200.000
zusätzlichen Studienplätzen bis 2015 vor.
(Quelle: ap)
SPD-Bundespolitiker trafen sich mit Vertretern der Linken
Do.19.06.08 - Mehrere SPD-Bundespolitiker haben sich nach einem Bericht der
Wochenzeitung "Die Zeit" mit Vertretern der Linken zu einem
Gespräch getroffen. An dem Treffen in Berlin nahmen demnach
für die SPD die Bundestagsabgeordneten Niels Annen, Frank Schwabe,
Christine Lamprecht und die Geschäftsführerin der
sozialdemokratischen "Denkfabrik", Angela Marquardt, teil. Die
Linkspartei war demnach mit ihrer Parteivize Halina Wawzyniak, dem
früheren Berliner Landeschef Stefan Liebich sowie den
Bundestagsabgeordneten Jan Korte und Barbara Höll vertreten.
Annen sagte dazu der "Zeit", es sei "ein gutes Gespräch unter
konkurrierenden Parteien" gewesen. Keineswegs sei das Treffen als Beginn
von rot-roten Kooperationen auf Bundesebene zu werten. Wawzyniak
wertete die Begegnung als "ganz normal". Junge Linke, die mit der SED
nichts am Hut hätten und Sozialdemokraten seien oft nur
zufällig in unterschiedlichen Parteien gelandet. Man sei jung und
wolle sich austauschen. Laut "Zeit" sind weitere Treffen dieser Art
geplant. An einem dieser Termine wolle auch der
Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, teilnehmen.
Die Begegnung wurde dem Bericht zufolge von der "Denkfabrik"
organisiert, die sich als Diskussionsforum vor allem jüngerer
SPD-Politiker und als "kreativer Impulsgeber" in der
SPD-Bundestagsfraktion versteht. Mitglied ist auch Parteivize Andrea
Nahles. Marquardt, die früher der PDS angehörte, war erst
kürzlich zur SPD gewechselt.
(Quelle: afp)
Regierung beschließt zweites Klimapaket - Sachverständige
kritisieren Zugeständnisse
Do.19.06.08 - Die Bundesregierung hat den zweiten Teil ihres Klimaschutzprogramms auf
den Weg gebracht. Das Kabinett beschloss am Mittwoch unter anderem, ab
2009 die Lkw-Maut deutlich zu erhöhen und die Energiestandards
für Häuser drastisch zu verschärfen. Umweltminister
Sigmar Gabriel sprach vom größten Klimaschutzprogramm
weltweit. Die Deutschen sollen dafür in den kommenden zwölf
Jahren 313 Milliarden Euro investieren.
Über den zweiten Teil des Integrierten Klima- und
Energieprogramms, das die Große Koalition im Sommer 2007
verabredet hatte, war in der Regierung wochenlang gestritten worden. Sie
musste den Kabinettsbeschluss deshalb verschieben und die umstrittene
Umstellung der Kfz-Steuer auf CO2-Werte auf 2010 vertagen.
Beschlossen wurden nun fünf Maßnahmen. Neben der
Erhöhung der Maut und den verschärften Energiestandards geht
es um eine Umstellung der Heizkostenabrechnung, die Einführung
«intelligenter» Stromzähler und den raschen Ausbau der
Stromnetze, um den Transport von Ökostrom sicherzustellen. Oberstes
Ziel des Pakets ist Energieersparnis. Die dadurch verringerten Kosten
sollen die Investitionen über längere Frist wieder einspielen.
Umweltminister Gabriel betonte zudem, dass der Staat bei den
Investitionen helfen will. Allein für den Klimaschutz in
Wohngebäuden würden zwei Milliarden Euro bereitgestellt.
Insgesamt sei das Klimaprogramm im internationalen Vergleich das
ehrgeizigste. «Das werden Sie weltweit nicht noch mal
finden», sagte der SPD-Politiker im ZDF-Morgenmagazin.
Deutschland hat sich vorgenommen, seinen Ausstoß an
gefährlichen Treibhausgasen bis 2020 um 40 Prozent unter den Wert
von 1990 zu bringen. 2007 waren davon bereits 20,4 Prozentpunkte
erreicht. Mit dem Klimaschutzprogramm erwartet die Regierung, eine
Verminderung um 34,3 Prozent erreichen zu können. Noch fehlen also
Maßnahmen, um die Lücke zu schließen.
Der Sachverständigenrat für Umweltfragen mahnte deshalb
weitere Anstrengungen an und kritisierte, dass das Programm zum Teil
verwässert worden sei. «Zugeständnisse, wie sie
teilweise gemacht wurden, bleiben hinter den Innovationspotenzialen
Deutschland zurück», erklärte der Rat in Berlin. Er
verlangte Ehrgeiz bei der anstehenden Reform des europäischen
Emissionshandels.
Die Spediteure klagen jedoch über die Maut-Reform. Dabei zahlen
umweltfreundliche Lastwagen künftig zwar weniger als
Dreckschleudern. Für alle wird jedoch mehr als bislang fällig.
Der Durchschnittswert steigt von 13,5 auf 16,2 Cent je Kilometer.
Der Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL)
erklärte, er befürchte eine Insolvenzwelle. Schon jetzt
stünden die Unternehmen wegen extrem gestiegener Dieselpreise
«mit dem Rücken an der Wand», sagte
Hauptgeschäftsführer Karlheinz Schmidt der «Neuen
Osnabrücker Zeitung». Das Rationalisierungspotenzial sei
ausgeschöpft. «Wird jetzt noch die Mauterhöhung
draufgepackt, müssen fünf bis sieben Prozent der Unternehmen
Insolvenz anmelden», warnte Schmidt.
(Quelle: ap)
Laut Studie Energieverbrauch in Deutschland stark gesunken
Do.19.06.08 - Der Energieverbrauch in Deutschland ist vor allem wegen der
Preisexplosion bei Rohöl so stark zurückgegangen wie in
keinem anderen Land der Erde.
Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Statistik des
Ölkonzerns BP konsumierten Wirtschaft und Verbraucher vergangenes
Jahr 311 Millionen Tonnen Primärenergie - rund 18,5 Millionen
Tonnen oder 5,6 Prozent weniger als 2006. Weltweit legte der Verbrauch
dagegen um 2,4 Prozent zu. Dafür ist zur Hälfte China
verantwortlich, dessen Energieverbrauch um 7,7 Prozent zulegte.
Prozentual ging der Energieverbrauch nur in Dänemark und
Aserbaidschan stärker zurück, in Tonnen gerechnet fiel das
Minus dort aber erheblich geringer aus als in Deutschland. Der
Ölpreis befindet sich bereits seit über sechs Jahren im
Aufwärtstrend. Der jährlichen BP-Statistik zufolge ist das
die längste Steigerungsphase seit Beginn der Industrialisierung.
Zurzeit kostet ein Fass (rund 159 Liter) der US-Sorte WTI knapp 134
Dollar - das ist zwölf Mal mehr als vor zehn Jahren. Drastische
Preisanstiege gab es aber auch bei Gas oder Kohle.
In der Folge drosselten nicht nur Deutschland, sondern auch andere
Industrieländer den Verbrauch von Primärenergie: Öl,
Gas, Kohle sowie Wasserkraft und Nuklearenergie. Für die
OECD-Staaten insgesamt ergibt die BP-Statistik für 2007 nur einen
Zuwachs von 0,3 Prozent. In den rasant wachsenden Schwellenländern
- allen voran China und Indien - stieg der Primärenergieverbrauch
dagegen um 5,5 Prozent. In diesem Energiesog sehen viele Experten den
Hauptgrund für die anhaltenden Preissteigerungen.
So gelang es im vergangenen Jahr nicht, den Energiehunger im
asiatisch-pazifischen Raum zu stillen. Bei Rohöl fiel sogar die
durchschnittliche produzierte Menge um 130.000 Barrel pro Tag oder 0,2
Prozent. Der BP-Statistik zufolge waren dafür vor allem die
Produktionsdrosselungen der Opec-Länder im November 2006 und im
Februar 2007 verantwortlich. Der Produktionsanstieg außerhalb der
Opec, vor allem in Russland, konnte das nicht ausgleichen.
Insgesamt zeigt der Welt-Energie-Report BP zufolge, dass die Vorkommen
fossiler Brennstoffe weiterhin ausreichen, um eine wachsende Produktion
zu unterstützen. Die anhaltende Schwäche des Ölangebots
und die wachsende Nachfrage in den Schwellenländern setzten jedoch
den Erhalt der Energiesicherheit weltweit an die Spitze der politischen
Agenda. Am Wochenende wollen Vertreter von Produzenten- und
Verbraucherländern im saudi-arabischen Dscheddah über den
hohen Rohölpreis beraten.
(Quelle: rtr)
Internet-Browser Mozilla Firefox 3 ab sofort erhältlich
Do.19.06.08 - Mit dem Mozilla Firefox 3 steht ab sofort eine überarbeitete
Version des bei vielen Anwendern beliebten Browsers zur Verfügung.
Laut Hersteller soll die neue Software zwei- bis dreimal schneller sein
als ihre Vorgängerin. In einer Entwicklungszeit von rund drei
Jahren sollen mehr als 15 000 Verbesserungen eingebaut worden sein. Der
neue Firefox enthält unter anderem eine intelligente Adressleiste
und einen Schutz vor schädlicher Software, sogenannter Malware. In
50 verschiedenen Sprachen ist das Programm kostenlos erhältlich.
Heruntergeladen werden kann es unter http://www.mozilla-europe.org/de/.
(Quelle: gp)
Wissenschaft
Ausländerfeindliche Haltungen und Geringschätzung der
Demokratie laut Studie weit verbreitet
Do.19.06.08 - Ausländerfeindliche Einstellungen sind in Deutschland weit
verbreitet, ebenso wie eine Geringschätzung der Demokratie. Zu
diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Universität Leipzig zu
Ursachen rechtsextremer Einstellungen. Als Konsequenz aus der Studie im
Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung plädierten die
Wissenschaftler für eine "sensible Erinnerungskultur"
bezüglich der deutschen NS-Vergangenheit und für mehr
gesellschaftliche Teilnahmemöglichkeiten insbesondere für
Migranten und bildungsferne Bevölkerungsschichten.
Mit ihrer neuen Studie knüpfen die Leipziger Forscher an eine 2006
veröffentlichte Repräsentativbefragung an, für die sie
seinerzeit mehr als 5000 Deutsche befragt hatten. Diese erste
Untersuchung ergab, dass rechtsextreme Einstellungen kein
Randphänomen, sondern in der Mitte der Gesellschaft verwurzelt
sind.
Ausländerfeindlichkeit ist demnach die am weitesten verbreitete
rechtsextreme Einstellung - 26,7 Prozent der Befragten stimmten damals
entsprechenden Thesen zu. Neun Prozent gaben an, sie betrachteten die
Diktatur als die unter Umständen bessere Staatsform. 15,2 Prozent
sehnten sich nach einem "Führer" mit starker Hand, 26 Prozent nach
einer einzigen Partei, von der die "Volksgemeinschaft" verkörpert
werde.
Für ihre aktuelle Untersuchung führten die Wissenschaftler
nun mit 60 der damals Befragten insgesamt zwölf
Gruppendiskussionen. Die Teilnehmer stammten aus unterschiedlichen
sozialen Schichten, Generationen und Berufszweigen. Bei den
Gesprächen stellten die Leipziger Forscher unter Leitung von Elmar
Brähler und Oliver Decker nach eigenen Angaben fest, dass
ausländerfeindliche Ressentiments "mit besorgniserregender
Selbstverständlichkeit" formuliert wurden - auch von Menschen, die
in der ersten Studie nicht durch rechtsextreme Äußerungen
aufgefallen waren.
Auch verzeichneten die Forscher in den Diskussionen eine "alarmierende
Geringschätzung des demokratischen Systems". Demokratie werde
weitgehend nur als Garant von individuellem Wohlstand akzeptiert.
Zugleich empfanden die Gesprächsteilnehmer einen "hohen
gesellschaftlichen Normierungsdruck", verbunden mit der Zustimmung zu
Sanktionen für abweichenden Verhalten. Dadurch würden
besonders Migranten und Arbeitslose gesellschaftlich ausgegrenzt,
warnten die Wissenschaftler. Von großer Bedeutung bei der
Entstehung rechtsextremer Einstellungen sei zudem der Umgang mit der
NS-Vergangenheit: Eine Verweigerung der Auseinandersetzung mit der
Nazi-Diktatur befördere rechtsextreme Einstellungen.
(Quelle: afp)
Ärmere Kinder haben mehr Gesundheitsprobleme
Do.19.06.08 - Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien in Deutschland
ernähren sich schlechter, bewegen sich weniger und haben mehr
Gesundheitsprobleme als ihre Altersgenossen.
Dies Ergebnis einer Studie mit 11 000 deutschen Schülern von 11,
13 und 15 Jahren bestätigt die Trends eines Reports der
Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die WHO-Untersuchung wurde am
Dienstag in Kopenhagen veröffentlicht. Klaus Hurrelmann von der
Universität Bielefeld wertete gemeinsam mit anderen
Wissenschaftlern die deutschen Ergebnisse in einem jetzt
veröffentlichten Buch aus.
«In Deutschland haben wir eine gespaltene Tendenz», sagte
Hurrelmann, «die große Mehrheit von 80 Prozent der Kinder
und Jugendlichen nimmt ihren Körper ernst und achtet auf die
Ernährung.» Eine Minderheit jedoch neige zu
gesundheitsschädlichem Verhalten. Grundsätzlich hätten
sich die deutschen Heranwachsenden im Vergleich zur letzten Befragung
vor vier Jahren verbessert. «Beim Tabakkonsum waren sie damals
noch Spitzenreiter zusammen mit den Befragten in Österreich»,
so Hurrelmann. So sei bei 15-jährigen Mädchen und Jungen der
Anteil regelmäßiger Raucher von 32 Prozent auf 22
beziehungsweise auf 18 Prozent gefallen.
Laut Hurrelmann stünden die deutschen Schüler in dem
«Gesundheits- PISA-Test» im guten Mittelfeld. Doch zeige die
Studie auch, dass die Gesellschaft sich vermehrt der rund 20 Prozent
Kinder und Jugendlichen annehmen müsse, die unter anderem wegen
ihrer sozial prekären Lage auch ihre Gesundheit schädige.
International wurden in der «Health Behavior in School-aged
Children»(hbsc)-Studie 2006 in Europa und Nordamerika 204 000
Schüler befragt. Laut WHO kam dabei unter anderem heraus, dass in
Nordamerika am wenigsten Tabak, dafür aber am meisten Cannabis
konsumiert wird. Zudem sei bei Jungen die Neigung zu
gesundheitsgefährdendem Verhalten in vielen Ländern höher
als bei Mädchen. Die von der WHO erarbeiteten Vorgaben, wie etwa
die tägliche körperliche Betägigung von mindestens einer
Stunde, würden am ehesten von Jugendlichen aus der Slowakei
erfüllt.
(Quelle: dpa)
Schimpansenweibchen setzen Lockrufe offenbar strategisch ein
Do.19.06.08 - Weibliche Schimpansen wollen laut einer wissenschaftlichen Studie zwar
so viele Geschlechtspartner wie möglich - sie protzen aber nicht
damit, um etwaige Konkurrentinnen fernzuhalten. "Schimpansenweibchen
setzen ihre Kopulationsrufe flexibel und strategisch ein, um die
Aggressivität anderer Weibchen zu vermeiden", hieß es in der
Studie, die ein Forscherteam vorstellte. Demnach stießen die
Weibchen Lockrufe aus, wenn sich Männchen in der Nähe
befanden, beim Geschlechtsakt blieben sie jedoch oft sehr ruhig, um
Rivalinnen nicht auf sich aufmerksam zu machen.
Das Forscherteam der Universität St. Andrews und des Leipziger
Max-Planck-Instituts untersuchte das Verhalten von Schimpansen im
Budongo Forest in Uganda. "Die Konkurrenz zwischen weiblichen
Schimpansen kann in der Wildnis gefährlich hoch sein", sagte Simon
Townsend, einer der Autoren der Studie. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass
die Weibchen ihr Lockrufverhalten taktisch einsetzen, um das Risiko
dieser Konkurrenz zu minimieren." Die Studie ergab zudem, dass die
Kopulationsrufe der Weibchen nicht in Zusammenhang mit ihrer
Fruchtbarkeit stehen.
(Quelle: afp)
Drei Super-Erden entdeckt
Do.19.06.08 - Astronomen haben in unserer Galaxie gleich drei Super-Erden entdeckt,
die denselben Stern umkreisen.
Der Stern HD 40307 sei unserer Sonne ähnlich, und die kleinste der
drei Super-Erden habe nur die rund vierfache Masse der Erde, teilte die
Europäische Südsternwarte (ESO) am Montag in Garching bei
München mit. Als Super-Erden werden nach ESO-Angaben alle Planeten
außerhalb unseres Sonnensystems mit der ein- bis 15-fachen Masse
der Erde bezeichnet.
Der nun untersuchte Stern befinde sich 42 Lichtjahre von der Erde
entfernt in Richtung der Süd-Sternbilder Dorado (Schwertfisch) und
Pictor (Malerstaffelei), berichtete die ESO. Die drei Exo-Planeten haben
die 4,2 bis 9,4-fache Masse der Erde. Sie umkreisen ihren Stern jedoch
wesentlich schneller als unser Heimatplanet die Sonne: In 4,3, 9,6 und
20,4 Tagen. Exo-Planeten sind alle Planeten außerhalb unseres
Sonnensystems. Auf die erste Entdeckung eines Exo-Planeten 1995 folgten
bislang rund 300 weitere. Die meisten sind allerdings lebensfeindliche
Gasriesen wie Jupiter oder Saturn.
Die nun entdeckten Planeten wurden gefunden, weil sie mit ihrer
Anziehungskraft ihren Stern bei jeder Umkreisung hin und her bewegen.
Wie die Planeten beschaffen sind, berichteten die Forscher nicht. Die
Entdeckung gelang mit dem HARPS-Spektrograph auf dem 3,6-Meter- Teleskop
der ESO im chilenischen La Silla. Mit diesen Instrumenten
«können wir nun kleinere Planeten mit der zwei- bis
zehnfachen Masse der Erde erspähen», sagte der beteiligte
Astronom Stéphane Udry vom Observatorium der Universität
Genf auf der internationalen Konferenz Extra Solar Super-Earths in
Nantes (Frankreich).
Auf der Konferenz wurden zwei weitere mit HARPS erspähte
Planetensysteme vorgestellt mit jeweils zwei Planeten. «Diese
gesamten Planeten sind nur die Spitze des Eisbergs», sagte Michael
Mayor, ebenfalls von der Universität Genf. «Die Analyse der
mit HARPS untersuchten Sterne zeigt, dass etwa ein Drittel der
sonnenähnlichen Sterne entweder Super-Erden oder
neptunähnliche Planeten mit einer Umlaufzeit unter 50 Tagen
haben.» Exo-Planeten mit kürzerer Umlaufzeit sind leichter zu
finden als mit längerer.
(Quelle: dpa)