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Irak 1550 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Irakische Armee beginnt Militäraktion gegen Schiiten-Milizen
Fr.20.06.08 - Die irakische Armee hat mit Unterstützung der US-Truppen einen
Militäreinsatz gegen schiitische Milizen im Süden des Irak
gestartet. "Der Einsatz hat in der vergangenen Nacht angefangen", sagte
der Polizeisprecher am Donnerstag in der Provinz Missan, Mehdi el
Assadi. Zuvor war am Mittwochabend ein viertägiges Ultimatum
abgelaufen, bis zu dessen Ende die Aufständischen ihre Waffen
abgeben sollten. Dutzende Milizionäre kamen dieser Aufforderung
nach.
Die irakische Armee hatte auf einen Befehl von Regierungschef Nuri el
Maliki hin bereits seit Samstag ihre Truppen in der Region
verstärkt. Nach Angaben der US-Armee im Irak ist Missan zum Zentrum
für Waffenschmuggel vom Iran in den Irak geworden.
(Quelle: afp)
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 20.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendsechsundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Menschenrechtsgruppe: Ärzte weisen Folter in US-Haft nach
Fr.20.06.08 - Ärztliche Untersuchungen haben einer Menschenrechtsgruppe zufolge
eindeutig Spuren der Folter bei Terrorverdächtigen aus
US-geführten Militär-Gefängnissen nachgewiesen.
An den elf untersuchten ehemaligen Inhaftierten, unter anderem aus Abu
Ghraib und Guantanamo, seien psychische und physische Merkmale von
Misshandlungen gefunden worden, teilte die amerikanische Gruppe
Physicians for Human Rights am Mittwoch mit. Viele der Männer
litten noch Jahre später an den Folgen. Die Verdächtigen seien
im Irak oder Afghanistan gefangengenommen worden und nach mehreren
Jahren der Haft ohne Anklage freigelassen worden. Sie seien zwei Tage
lang klinisch und psychologisch untersucht worden.
(Quelle: rtr)
USA: Präsidentschaftsbewerber McCain fordert Bau von 45
Atomkraftwerken bis 2030
Fr.20.06.08 - Als Ausweg aus der gegenwärtigen Energiekrise hat sich
US-Präsidentschaftsbewerber John McCain für den Bau von 45
neuen Atomreaktoren bis zum Jahr 2030 ausgesprochen. Er sei ein
Anhänger der Atomkraft als "saubere, sichere und effiziente
Energiequelle", sagte der Kandidat der Republikaner in Springfield
(US-Bundesstaat Missouri). Sein Ziel sei der Bau von hundert neuen
Atomkraftwerken, um "Häuser, Fabriken und Städte der USA mit
Strom zu versorgen". McCain erinnerte daran, dass sei mehr als 30 Jahren
kein neues Kernkraftwerk mehr gebaut wurde.
Angesichts des explodierenden Ölpreises entdecken die USA derzeit
die Atomkraft wieder als Stromquelle. Seit April hat der Konzern
Westinghouse Electric zwei Verträge für den Bau neuer
Reaktoren abgeschlossen. Der schwere Unfall in dem Atommeiler von Three
Mile Island (Pennsylvania) vor fast 30 Jahren (1979) hatte den
Reaktorbau zum Stillstand gebracht. Derzeit gibt es in den USA rund
hundert Reaktoren, die rund 20 Prozent des Stromverbrauchs abdecken.
(Quelle: afp)
Iran: Sind im Atomstreit zu neuen Verhandlungen bereit
Fr.20.06.08 - Im Streit über sein Atomprogramm will der Iran mit Deutschland und
den fünf UN-Vetomächten über das jüngste Anreizpaket
beraten.
Außenminister Manuchehr Mottaki sagte am Donnerstag bei einem
Besuch in Uganda, die Islamische Republik habe die Sechser-Runde
über ihre Bereitschaft zu Verhandlungen informiert. Die
Vorschläge würden derzeit aber noch geprüft und zu
gegebener Zeit werde seine Regierung eine offizielle Antwort geben.
Mottaki forderte gleichzeitig aber auch, dass die UN-Vetomächte und
Deutschland einen "ernsthaften Blick" auf Teherans Vorschläge
werfen sollten.
EU-Chefdiplomat Javier Solana hatte dem Iran am vergangenen Wochenende
ein neues Angebot unterbreitet. Das Land hatte sich trotz Androhung
neuer Sanktionen zunächst unnachgiebig gezeigt und erklärt,
dass ein Atomstopp nicht verhandelt werde. Der Iran steht im Verdacht,
unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms nach Nuklearwaffen zu
streben. Die Regierung in Teheran hat stets erklärt, sie wolle die
Atomkraft lediglich zur Stromgewinnung nutzen.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Hamas ruft Westen zur Beendigung von Boykott auf
Fr.20.06.08 - Nach Beginn einer Waffenruhe im Gazastreifen hat die radikalislamische
Palästinenserorganisation Hamas den Westen zur Aufgabe seiner
Boykottpolitik aufgefordert. Die internationale Gemeinschaft solle ihre
Haltung ändern, nachdem sich Hamas zu einer Waffenruhe
verpflichtet habe.
Das sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri am Donnerstag in Gaza. Der
Westen müsse auch die Wahlen vom Januar 2006 anerkennen, die Hamas
gewonnen habe. Bis zum Nachmittag gab es keine Verstöße
gegen die Waffenruhe mit Israel.
Zuvor hatten unter anderem Israel, die USA und Deutschland zu verstehen
gegeben, dass sie ihre bisherige Politik nicht ändern wollten.
Grund für die Isolation ist, dass sich Hamas bislang weigert, die
Bedingungen des Nahost-Quartetts zu erfüllen. Danach muss Hamas
das Existenzrecht Israels sowie alle bislang zwischen Israel und den
Palästinensern geschlossenen Verträge anerkennen.
Außerdem sollen die radikalen Islamisten der Gewalt und dem
Terror abschwören.
EU-Chefdiplomat Javier Solana äußerte die Hoffnung, dass die
Waffenruhe von Dauer sein werde. Zur Möglichkeit direkter Kontakte
der EU mit Hamas wollte er sich nicht konkret äußern. Die
Waffenruhe könne «eine Dynamik schaffen, die die Fortsetzung
eines politischen Dialogs ermöglicht», sagte Solana.
Die Waffenruhe zwischen Israel sowie Hamas und zwölf weiteren
militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen war am Donnerstag
um 06.00 Uhr Ortszeit (05.00 Uhr MESZ) in Kraft getreten. Am Mittwoch
hatten militante Palästinenser noch über 40 Raketen und
Mörsergranaten auf israelische Grenzgemeinden abgefeuert. Im
Gegenzug griff die israelische Armee nach Angaben eines Sprechers eine
Gruppe von Männern im Gazastreifen an, die Raketen
abschießen wollten. Nach palästinensischen Angaben wurde
dabei ein Hamas-Mitglied getötet. Die israelische Marine feuerte
Warnschüsse auf palästinensische Fischerboote ab.
Hamas und Israel drohten im Falle von Verstößen der jeweils
anderen Seite gegen die Waffenruhe mit harten Reaktionen. Hamas
betonte, man habe das Recht, auf israelische Verstöße zu
reagieren. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte dem
deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel», ein
israelischer Militäreinsatz im Gazastreifen sei nicht
auszuschließen. «Mit unserer Geduld angesichts des Terrors
aus Gaza ist es bald vorbei. Wir sind dem Punkt sehr nahe, an dem wir
das nicht weiter hinnehmen werden.»
Drei Tage nach Inkrafttreten der Waffenruhe sollen die
Warenübergänge in den Gazastreifen teilweise wieder
geöffnet werden. Anschließend sollen die
Transportbeschränkungen weiter gelockert werden, wenn die
Waffenruhe hält. Eine Öffnung des Rafah-Grenzübergangs
vom Gazastreifen nach Ägypten soll im Rahmen der Verhandlungen
über einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und Hamas erfolgen.
Olmert reist am kommenden Dienstag zu Gesprächen mit dem
ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak nach Kairo.
Israelische Medien meldeten am Donnerstag, Olmert wolle mit Mubarak
über regionale Fragen, die Waffenruhe, sowie einen
Häftlingsaustausch mit Hamas sprechen. Auch sein Unterhändler
Ofer Dekel wollte sich kommende Woche bei Gesprächen in
Ägypten um eine Freilassung des vor zwei Jahren in den
Gazastreifen verschleppten israelischen Soldaten Gilad Schalit
bemühen.
Der Vater des von militanten Palästinensern unter Leitung von
Hamas entführten Soldaten, Noam Schalit, kritisierte die Tatsache,
dass die Waffenruhe mit Hamas eine Freilassung seines Sohnes nicht
gewährleistet. Das Verhalten Israels in der Frage seines
entführten Sohnes erinnere ihn an eine
«Bananenrepublik», sagte Schalit der israelischen Zeitung
«Haaretz» vom Donnerstag. Nach Medienberichten will er
juristische Schritte gegen die Regierung unternehmen.
(Quelle: dpa)
Vier Oppositionelle in Simbabwe getötet
Fr.20.06.08 - Die Gewalt gegen Anhänger der Opposition in Simbabwe dauert an.
Bei einem Bombenanschlag in der Nacht zum Donnerstag seien vier
Aktivisten getötet worden, teilte Oppositionssprecher Nqobizitha
Mlilo in Harare mit. Ziel des Attentats in der Nähe der Hauptstadt
war demnach das Haus eines der Aktivisten.
Den Angaben zufolge wurden vor dem Anschlag militante Anhänger des
langjährigen Staatschefs Robert Mugabe in der Nähe des Hauses
gesehen. Mlilo forderte ein Ende der Gewalt. Eine Bestätigung der
Polizei für den Vorfall war zunächst nicht zu erhalten.
Am 27. Juni sollen die Simbabwer in einer Stichwahl zwischen Mugabe und
Oppositionsführer Morgan Tsvangirai entscheiden. Der seit 28 Jahren
amtierende Mugabe drohte der Opposition mehrfach auch mit Waffengewalt.
(Quelle: ap)
Pro Asyl: Europas Außengrenzen sind zum Massengrab geworden -
Organisation appelliert an Europäisches Parlament
Fr.20.06.08 - Harsche Kritik an der europäischen Flüchtlingspolitik
übt die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl. «Für
Menschen auf der Flucht sind Europas Außengrenzen zum Massengrab
geworden», schrieb Günter Burkhardt,
Geschäftsführer von Pro Asyl, in einem Exklusivbeitrag in der
«Frankfurter Rundschau». Die Zahlen sprächen eine
klare Sprache: «8.114 Tote im Mittelmeer und Atlantik, 2.486 im
Kanal von Sizilien, 3.986 zwischen Nordafrika und Spanien, in der
Meerenge von Gibraltar und bei den Kanaren, 885 in der Ägäis
seit 1988».
Während die EU-Innenminister wie zuletzt Anfang Juni die Aufnahme
schutzbedürftiger Flüchtlinge aus dem Irak diskutierten,
fände an den EU-Außengrenzen «in ihrem Auftrag ein
erbarmungsloser Kampf gegen Schutzsuchende statt», rügte
Burkhardt. Die europäischen Staaten hätten die
EU-Außengrenzen in den vergangenen Jahren aufgerüstet und
gingen mit Härte gegen Flüchtlinge und Migranten vor. Die
Politiker sprächen nicht von Flüchtlingen, sondern
«lieber über «illegale Migranten»».
Viele Bootsflüchtlinge kämen jedoch aus Staaten, in denen
Krieg, Terror und Verfolgung an der Tagesordnung seien. «Europa,
jahrhundertelang der Kontinent der Emigration und der Flucht vor
unerträglichen Verhältnissen, darf es nicht hinnehmen, dass
das Sterben an den Außengrenzen zur Normalität wird»,
mahnte Burkhardt. Pro Asyl appelliere an das Europäische
Parlament: «Ein Europa, das die Menschenrechte ernst nimmt, muss
Menschen retten aus Seenot ebenso wie vor Verfolgung.»
(Quelle: ap)
EU-Gipfel in Brüssel sucht nach Auswegen aus der Krise
Fr.20.06.08 - Eine Woche nach dem Nein der Iren zum EU-Reformvertrag haben die
europäischen Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfeltreffen
nach Auswegen aus der Krise gesucht. Vorrang habe nun, "sich mit den
Sorgen der europäischen Bürger zu befassen", sagte
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in
Brüssel. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte, nicht zu viel
Zeit zu verlieren. Konkrete Vorschläge sind allerdings
frühestens im Herbst zu erwarten. Großbritannien
ratifizierte den Vertrag kurz vor Beginn des Gipfels.
Er kann jedoch nur in Kraft treten, wenn alle 27 Mitgliedstaaten dies
tun. Der irische Premierminister Brian Cowen wollte seinen Kollegen die
Gründe für die Ablehnung des Vertrages beim Referendum in der
vergangenen Woche erläutern. Schlussfolgerungen wollte er dabei
nicht ziehen. Auch der irische Außenminister Micheal Martin
dämpfte die Erwartungen: Er rechne selbst bei dem nächsten
Gipfeltreffen Mitte Oktober noch nicht mit Lösungen. Irland werde
den Staats- und Regierungschefs dann lediglich einen "Bericht über
Fortschritte" unterbreiten können.
Merkel sagte, Europa könne sich "keine erneute Reflexionsphase
leisten". Dabei spielte sie auf die Lähmung der EU nach dem Nein
der Franzosen und Niederländer zur EU-Verfassung vor drei Jahren
an. Auch den Rückzug weniger Staaten auf ein Kerneuropa lehnen die
meisten Mitgliedsländer ab.
Kurz vor Beginn des Gipfels ratifizierte das traditionell
europa-skeptische Großbritannien den Lissabon-Vertrag; damit
haben nunmehr 19 der 27 EU-Staaten den Vertrag parlamentarisch
ratifiziert. Irland ist der einzige EU-Staat, in dem über den
Reformvertrag bei einer Volksabstimmung entschieden wurde. Durch das
Nein Irlands ist das eigentlich für Anfang 2009 geplante
Inkrafttreten des Vertrages fraglich geworden.
Um Bürgernähe zu demonstrieren, berieten die Staats- und
Regierungschefs am Abend zunächst über die hohen Kraftstoff-
und Lebensmittelpreise und mögliche Entlastungen für die
Verbraucher. Über das Vorgehen sind sich die EU-Staaten aber
uneins. Zum Auftakt ihres Treffens machten die Staats- und
Regierungschefs den Weg für frei, dass die Slowakei als 16.
EU-Land den Euro einführen kann. Den Beitritt zur Eurozone zum 1.
Januar 2009 müssen am 8. Juli noch die europäischen
Finanzminister besiegeln.
(Quelle: afp)
Merkel vehement gegen 'Europa der zwei Geschwindigkeiten'
Fr.20.06.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich vehement gegen
Überlegungen ausgesprochen, Irland nach dem Referendum zum
Lissabon-Vertrag aus dem europäischen Einigungsprozess abzukoppeln.
Ein Europa der zwei Geschwindigkeiten sei nicht zielführend, sagte
Merkel in ihrer Regierungserklärung zu den Konsequenzen aus dem
Nein der Iren zu zum Vertrag von Lissabon.
"Die Geschlossenheit Europas ist kein Selbstzweck, sie ist ein hohes
Gut", sagte die Kanzlerin. Zwar könnten die Mitgliedsstaaten in
Einzelfragen wie dem Schengen-Beitritt oder der Einführung des Euro
durchaus eigene Wege gehen. Aber wenn es um die institutionelle
Weiterentwicklung gehe, "brauchen wir die Einstimmigkeit".
Merkel mahnte eine rasche Suche nach Lösungen an. Wenn Europa
jetzt im Bedauern verharre, werde dadurch Zeit verschwendet, "die wir
nicht haben". Irland solle nach dem Referendum die Chance gegeben
werden, selbst wieder ins Spiel zurückzukehren. Das Land solle im
Herbst darlegen, wie es sich das weitere Vorgehen vorstellt. Sie sei
überzeugt, dass eine Lösung mit den Iren gefunden werde, sagte
Merkel.
Die Kanzlerin warb zugleich eindringlich dafür, die Ratifizierung
des EU-Vertrages fortszusetzen. "Wir brauchen den Vertrag von Lissabon,
der Vertrag von Nizza reicht nicht aus." Sie würdigte in diesem
Zusammenhang ausdrücklich die Ratifizierung des Vertrages in
Großbritannien. Dies sei "für Europa eine ganz, ganz wichtige
Nachricht".
(Quelle: afp)
EU-Kommissionschef Barroso fordert Zuschüsse für Energie und
Lebensmittel
Fr.20.06.08 - Vor dem Hintergrund steigender Energie- und Lebensmittelpreise hat
EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso Unterstützung für
einkommensschwache Haushalte gefordert. «Die EU-Kommission ist
dafür, dass die einzelnen Mitgliedsländer Menschen mit
niedrigen Einkommen durch staatliche Maßnahmen wie Beihilfen oder
Zuschüsse soweit unterstützen, dass sie sich die Energie und
Lebensmittel, die sie zum Leben brauchen, auch leisten
können», sagte der Politiker der Tageszeitung «Die
Welt». Die Zuschüsse könnten beispielsweise am
Grundbedarf ausgerichtet sein.
Nach Einschätzung von Barroso werden die «Ölpreise sehr
wahrscheinlich auf Dauer steigen». Seit Monaten bricht der
Ölpreis alle Rekorde. Erst am Montag hatte er seinen bisherigen
Höchststand von knapp 140 Dollar erreicht. Am Donnerstag kostete
ein Barrel (159 Liter) Leichtöl im elektronischen Handel der New
Yorker Börse zeitweise 136,91 Dollar.
(Quelle: ap)
Verdrängung des Deutschen als EU-Amtssprache befürchtet
Fr.20.06.08 - Der Bundestag warnt vor einer Verdrängung des Deutschen als
Amtssprache in der Europäischen Union. Sämtliche EU-Dokumente
müssten vollständig übersetzt werden, heißt es in
einem von den Koalitionsfraktionen, FDP und Grünen in den
Bundestag eingebrachten Antrag. Die EU-internen Vorgaben führten
dazu, dass vieles nur auf Englisch oder Französisch vorgelegt
werde. "Wiederholt wurden für den Deutschen Bundestag beratungs-
und entscheidungsrelevante Dokumente überhaupt nicht oder nicht
vollständig in deutscher Sprache vorgelegt", heißt es in der
Resolution.
Deshalb bestünden "erhebliche Zweifel an der Bereitschaft der
Kommission, transparent und offen mit den nationalen Parlamenten
zusammenzuarbeiten", heißt es in dem Text weiter. Diese Parlamente
könnten ihre Prüfrechte aber nur dann qualifiziert wahrnehmen,
wenn alle beratungsrelevanten Dokumente rechtzeitig und
vollständig in den Muttersprachen vorliegen. Deshalb müsse in
den Haushaltsverfahren der kommenden Jahre dafür Sorge getragen
werden, dass die erforderlichen Mittel für die
Übersetzungsarbeit zur Verfügung stehen. Der Antrag wurde
nach der Debatte im Parlament zunächst an die Ausschüsse
verwiesen.
Der CSU-Politiker Johannes Singhammer sprach im "Münchner Merkur"
von einem bislang einmaligen Vorgang. "Deutlicher kann man das
Misstrauen gegenüber der EU-Kommission nicht aussprechen." Laut
dem Blatt waren Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bereits mehrfach bei der
EU-Kommission vorstellig geworden, um eine Gleichbehandlung
einzufordern - bislang ohne Erfolg. Der zuständige EU-Kommissar
Leonard Orban verwies auf die hohen Kosten für Dolmetscher. In
Brüssel werden dem Bericht zufolge jährlich mehr als drei
Millionen Seiten Papier übersetzt. Insgesamt werde für
Übersetzungen jährlich knapp eine Milliarde Euro ausgegeben.
(Quelle: afp)
Grünen-Chef sieht keine Annäherung der CDU an grüne
Positionen
Fr.20.06.08 - Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer bewertet ein
Positionspapier der CDU zur ökologischen Marktwirtschaft nicht als
Annäherung an die Grünen.
"Mit dem neuen Papier möchte die Union ökologischer
erscheinen als sie ist", sagte der Parteivorsitzende der
"Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag. Es gebe keine
größeren Chancen auf eine schwarz-grüne Koalition auf
Bundesebene, wie am Streitthema Atomkraft erkennbar sei. Die CDU wolle
mit ihrer Strategie vielmehr verhindern, dass bestimmte
Wählergruppen sich von ihr abwendeten. Die politischen
Schnittmengen der Grünen mit der SPD seien weiter größer
als mit der Union. Mit der SPD sei der Atomausstieg vereinbart worden.
Die CDU, die stattdessen längere Laufzeiten fordert, sei noch
nicht so weit. Auch hätten die Grünen mit der SPD bei der
Altbausanierung mehr hinbekommen als nun vereinbart sei.
Die CDU-Führung will die Partei stärker für Koalitionen
mit den Grünen öffnen und deshalb den Umwelt- und Klimaschutz
zu einem ihrer Kernanliegen machen. Ein entsprechendes Grundsatzpapier
soll erstmals kommende Woche im Vorstand beraten und im Herbst auf dem
nächsten Parteitag beschlossen werden. Erarbeitet wurde das Papier
von einer Kommission unter Leitung von Hamburgs Bürgermeister Ole
von Beust (CDU), der seit kurzem die erste schwarz-grüne Koalition
auf Länderebene führt.
(Quelle: rtr)
Wirtschaftsweiser: Arbeitnehmer am Aufschwung beteiligen
Fr.20.06.08 - Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat die deutschen Unternehmer
aufgefordert, sich 60 Jahre nach der Einführung der Sozialen
Marktwirtschaft an deren Grundregeln zu erinnern. "Dazu gehört eine
angemessene Beteiligung der Arbeitnehmer am Aufschwung", sagte Bofinger
der "Passauer Neuen Presse". Diese Regel sei "im vergangenen Jahrzehnt
außer Kraft gesetzt worden". Seit drei Jahren erlebe Deutschland
einen sehr kräftigen Aufschwung. In dieser Zeit seien die
Löhne weniger gestiegen als die Inflation.
"Die Unternehmer haben die Situation über Jahre schlecht geredet.
Sie wären in der Lage gewesen, sehr viel mehr für ihre
Mitarbeiter zu leisten", sagte der Wirtschaftsweise. Die Wirtschaft sei
erfolgreich, die Menschen jedoch hätten immer weniger Geld zur
Verfügung, konstatierte Bofinger. Es gebe Ausgliederungen, um
Tariflöhne zu umgehen und dazu kämen noch Top-Manager, die
sich ungeniert riesige Gehaltssteigerungen genehmigten. "Dieses
Nebeneinander von Maßlosigkeit und unglaublichem Geiz bei der
Entlohnung von Mitarbeitern schafft Unzufriedenheit", stellt der
Professor für Volkswirtschaftslehre fest.
Am 20./21. Juni trat die Wirtschafts- und Währungsreform in Kraft.
60 Jahre später hält ein Großteil der Deutschen laut
einer Bertelsmann-Umfrage die wirtschaftlichen Verhältnisse
hierzulande für ungerecht.
(Quelle: afp)
DGB enttäuscht über Vermittlung von ALG-II-Empfängern
Fr.20.06.08 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Eingliederungsbilanz
für Bezieher von Arbeitslosengeld II als "insgesamt bitter
enttäuschend" bezeichnet. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach
sagte der "Berliner Zeitung", besonders auffällig sei, dass die
Optionskommunen ohne Unterstützung der Bundesagentur besonders
schlecht abschneiden. "Eine Kommunalisierung der Arbeitsmarktpolitik
kann also keine Lösung sein", betonte sie. Die Zahlen würden
aber auch verdeutlichen, "dass der Versuch, Langzeitarbeitslose
hauptsächlich über Ein-Euro-Jobs in den Arbeitsmarkt zu
integrieren, zum Scheitern verurteilt ist".
Laut einer Studie der Bundesagentur für Arbeit schaffen
Hartz-IV-Empfänger nur selten den Sprung in den ersten
Arbeitsmarkt. Nur 3,4 Prozent der erwerbsfähigen Bezieher des
Arbeitslosengeldes II können demnach jeden Monat im
Bundesdurchschnitt auf sozialversicherungspflichtige Jobs vermittelt
werden.
Anders bewertete der Deutsche Industrie- und Handelskammertag die
Studie. Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim
Dercks sagte der Zeitung, im Zuge der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt
seien die Chancen auch für gering Qualifizierte gestiegen. Mit
sinkender Zahl der Arbeitslosen könnten sich die Arbeitsagenturen
und Kommunen auch intensiver um jeden Einzelnen kümmern. "Das alles
hilft aber nicht, wenn die Politik jetzt über das
Mindestarbeitsbedingungengesetz und Entsendegesetz flächendeckende
Mindestlöhne einführt", betonte er. Auch das längere
Arbeitslosengeld I reduziere die Anreize zur Beschäftigungsaufnahme.
(Quelle: afp)
IG Metall distanziert sich von der Linkspartei
Fr.20.06.08 - Die IG Metall geht auf Distanz zur Linkspartei. Gewerkschaftschef
Berthold Huber verwahrte sich jetzt in einem Schreiben an die
Linke-Vorsitzenden Lothar Bisky und Oskar Lafontaine gegen «jede
offene oder klammheimliche Vereinnahmung» durch deren Partei. Der
stellvertretende Linke-Chef Klaus Ernst wies den Vorwurf am Donnerstag
zurück.
Huber schrieb dem Berliner «Tagesspiegel» zufolge ferner,
die IG Metall arbeite mit allen demokratischen Parteien zusammen.
Äußerungen diverser Politiker der Linken machten ihm
deutlich, dass es bei dieser Partei «ein ungeklärtes Bild
über die Gewerkschaften gibt». Die IG Metall brauche
«keine Ratschläge, wie wir unsere Politik anzulegen
haben».
Huber unterstrich den Angaben zufolge, es möge den
«Vorstellungen mancher Linker entsprechen, in Aufständen und
Permanentdemonstrationen die richtige Strategie für die
Gewerkschaften zu sehen». Die IG Metall bezweifele dies jedoch.
Ernst sagte der Nachrichtenagentur ddp, der Brief von Huber werde von
Lafontaine und Bisky «ordnungsgemäß beantwortet»
werden. Er versicherte zugleich, es gebe «keine Vereinnahmung der
Gewerkschaften durch die Linke». Der Vize-Parteichef fügte
hinzu: «Das ist absurd. Das ist weder gewollt noch praktisch in
irgendeiner Form sichtbar.»
Dagegen versuche die SPD, trotz unterschiedlicher Positionen etwa bei
der Rente mit 67 Einfluss auf die Gewerkschaften zu nehmen. Ernst
betonte: «Die Gewerkschaften sind unabhängig und müssen
es auch bleiben.» Sie könnten sich zwar darüber freuen,
dass die Linke gewerkschaftliche Positionen auf ihrer Agenda habe -
«aber wir wollen die Gewerkschaften nicht dominieren».
(Quelle: ddp)
Bundesverfassungsgericht stärkt Beamtenstellung
Fr.20.06.08 - Beamte müssen grundsätzlich auf Lebenszeit berufen werden -
nur in Ausnahmefällen dürfen sie auf Zeit eingestellt werden.
Das hat das Bundesverfassungsgericht entschieden.
Eine nordrhein-westfälische Vorschrift zur Vergabe von
Führungsämtern auf Zeit - etwa für Schuldirektoren -
erklärte Karlsruhe in einem am Donnerstag veröffentlichten
Beschluss für verfassungswidrig und nichtig. Eine Berufung auf Zeit
gefährde die Unabhängigkeit der Beamten von politischen
Einflüssen, die gerade in Führungspositionen besonders wichtig
sei, befanden die Richter (Az: 2 BvL 11/07 - Beschluss vom 28. Mai
2008).
Geklagt hatten ursprünglich zwei Schulleiter und ein
Abteilungsleiter in der Forstverwaltung. Das Bundesverwaltungsgericht
hatte die Verfahren dem Karlsruher Gericht vorgelegt. Nach dem NRW-
Beamtengesetz mussten die Betroffenen nach höchstens zehn Jahren
Amtszeit mit einer Rückstufung ins normale Beamtenverhältnis
rechnen.
Nach Ansicht des Zweiten Senats wird dadurch die für das
Berufsbeamtentum grundlegende Unabhängigkeit untergraben. Denn der
Beamte müsse ständig befürchten, in seine vorherige
Position zurückgestuft zu werden - was mit Gehaltseinbußen,
aber auch Ansehensverlust verbunden sei. «Eine solche
Maßnahme erlaubt ansonsten nur das Disziplinarrecht»,
argumentierte das Gericht. Zwei der sieben beteiligten Richter stimmten
gegen die Entscheidung.
Von der seit 1997 im Beamtenrechtsrahmengesetz vorgesehenen
Möglichkeit, Führungspositionen auf Zeit zu vergeben, hatten
zunächst zwölf Länder Gebrauch gemacht. Vier Länder
nahmen die Gesetze inzwischen wieder zurück, weil damit nicht - wie
erhofft - mehr Flexibilität erreicht worden sei. Die bayerische
Regelung wurde 2004 vom Bayerischen Verfassungsgerichtshof gekippt.
Aus Sicht der Karlsruher Richter ist das
«Lebenszeitprinzip» im Beamtentum entscheidend, um
Neutralität und Stabilität der Verwaltung zu sichern. Gerade
angesichts wechselnder politischer Führungen seien unabhängige
Beamte wichtig, die durch einen gesicherten Status unsachlichen
Beeinflussungen widerstehen könnten. Ausnahmen von diesem Prinzip
sind danach nur zulässig, wenn die Aufgabe eine Berufung auf Zeit
erfordert - etwa bei kommunalen Wahlbeamten und bei politischen Beamten.
Auch mit dem Leistungsprinzip lasse sich die Regelung nicht
rechtfertigen, erläuterte das Gericht. Denn nach der NRW-Regelung
«kann» die erste Amtszeit von fünf Jahren um weitere
fünf verlängert werden, danach «soll» die Position
auf Lebenszeit verliehen werden. Darauf habe der Beamte aber keinen
Anspruch; es werde nicht einmal geprüft, ob er sich bewährt
habe.
(Quelle: dpa)
Ausländer sind bei der Bildung stark benachteiligt
Fr.20.06.08 - Die in Deutschland lebenden Ausländer sind bei der Bildung noch
immer erheblich benachteiligt. 40 Prozent aller Jugendlichen ohne
deutschen Pass bleiben ohne jede berufliche Qualifizierung, wie aus dem
im Bundestag vorgestellten Ausländerbericht der
Integrationsbeauftragten Maria Böhmer (CDU) hervorgeht. "Deshalb
ist ihr Risiko, arbeitslos zu werden, doppelt so hoch wie bei den
Deutschen", sagte Böhmer laut Redetext. Ebenfalls 40 Prozent der
ausländischen Jugendlichen besuchten die Hauptschule, insgesamt 18
Prozent brächen ihre Schulausbildung ab. Lediglich acht Prozent
schafften das Abitur.
Als Konsequenz mahnte Böhmer "neue Wege" in der
Integrationspolitik an. "Noch immer hängt der Bildungserfolg in
Deutschland von der ethnischen und der sozialen Herkunft ab."
Jugendliche aus Zuwandererfamilien stammten häufig aus sozial
schwachen Schichten und seien deshalb doppelt betroffen. Entscheidend
für die Bildungschancen der jungen Ausländer sei indes auch,
"ob zu Hause Deutsch gesprochen wird und wie Eltern ihre Kinder
unterstützen.
Böhmer appellierte mit Nachdruck an die Länder, ihre
Selbstverpflichtungen aus dem Nationalen Integrationsplan zu
erfüllen und sich stärker für Bildung und Integration
einzusetzen. Zwar sei bereits einiges erreicht worden. Aber die
PISA-Studie und der jüngste Bildungsbericht zeigten, dass die
Länder "mit Hochdruck weiterarbeiten" müssten. "Gemeinsam
müssen wir noch mehr tun", fügte Böhmer hinzu. "Wir
müssen noch besser werden."
Böhmer rief zugleich die Wirtschaft zu mehr Anstrengungen für
die Integration auf. Die Kenntnisse und Fähigkeiten von
Zuwanderern müssten stärker anerkannt und genutzt werden. Das
sei ökonomische Notwendigkeit und moralische Pflicht, wonach sich
auch immer mehr Unternehmen richteten.
Böhmer zog insgesamt eine positive Bilanz der deutschen
Integrationspolitik. Jedes Jahr stelle der Bund für diese
Schlüsselaufgabe eine dreiviertel Milliarde Euro bereit. Allein
für die Integrationskurse seien es 155 Millionen Euro. Diese
Mittel seien eine gute Investition in die Zukunft. "Wir haben ein
Umdenken in Gang gebracht: Schluss mit der Ideologie, keine
Schönfärberei, wo Probleme existieren; aber auch keine
Probleme konstruieren, die es nicht gibt."
(Quelle: afp)
Studie bezweifelt positive Energiebilanz regionaler Produkte - Bildung
von Genossenschaften empfohlen
Fr.20.06.08 - Regionale Produkte sind in ihrer Herstellung nicht automatisch
energiesparender und damit ökologischer als Importware aus dem
Ausland. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag
veröffentlichte Studie der Universität Gießen. Der
Energieaufwand für Anbau, Ernte und Transport hänge nicht von
der Entfernung zum Markt ab, sondern von der Betriebsgröße,
argumentieren die Forscher. Produkte aus kleineren Betrieben
könnten dabei bis zu fünfmal mehr Energie verbrauchen als
solche aus größeren Betrieben.
Studienleiter Elmar Schlich, Professor für Prozesstechnik an der
Uni Gießen, untersuchte für seine Studie Tafeläpfel in
den deutschen Anbauregionen Bodensee, Rheinhessen und Niederelbe. Dabei
zeigte sich, dass vor allem der Transport der Äpfel in kleineren
Betrieben aufwendiger ist, weil die Fahrzeuge kleiner sind. Zudem
verfügten kleinere Betriebe nicht über eigene
Kühlhäuser, so dass die Ware in externe Kühlhäuser
transportiert werden müsse.
Bei Betrieben mit einer Jahresproduktion von mehr als 1.000 Tonnen
Tafeläpfeln beträgt demnach der Energieaufwand nur 0,1
Kilowattstunden pro Kilogramm, wobei 40 Gramm Kohlendioxid pro Kilo
freigesetzt werden. Betriebe, die weniger als 200 Tonnen Äpfel
erzeugen, verbrauchen dagegen bis zu 0,5 Kilowattstunden pro Kilo und
erzeugen dabei bis zu 200 Gramm CO2 pro Kilo.
Regionale Klein- und Kleinstbetriebe könnten energetisch bei
weitem nicht mit größeren Betrieben konkurrieren,
erklärte Schlich. Nur bei einer ausreichenden
Betriebsgröße könne im Apfelanbau zu Recht von
regionalen Lebensmitteln mit hoher ökologischer Qualität
gesprochen werden. «Insoweit gibt es keinen Grund, Äpfel
globaler Herkunft wegen des angeblich so verschwenderischen Umgangs mit
Energie oder wegen der vermuteten Klimaschädlichkeit
anzuprangern», sagte Schlich.
Die Forschungsergebnisse stellten somit die landläufige Meinung
infrage, dass regionale Lebensmittel wegen der kurzen Wege
grundsätzlich weniger Energie erforderten als Lebensmittel globaler
Herkunft, hieß es in der Mitteilung. Die Wissenschaftler
empfehlen kleineren Betrieben in der Region, Kooperativen und
Genossenschaften zu bilden, um eine ausreichende
Betriebsgröße zu erreichen.
(Quelle: ap)