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Irak 1551 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Irak steigert Ölexporte

Sa.21.06.08 - Irak hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten seine Ölexporte gesteigert, nachdem die Angriffe auf Pipelines drastisch zurückgegangen seien. Ölminister Hussein al Schahristani sagte, die Zahl der Sabotageakte sei von rund 30 pro Monat im vergangenen Jahr auf nur noch vier im vergangenen Monat zurückgegangen. Deshalb habe der Irak mehr Öl über seine nördliche Pipeline von Kirkuk in die Türkei exportieren können. Möglich geworden sei dies, weil sich in dem Gebiet viele sunnitische Gruppen vom Einfluss der Terrorgruppe Al Kaida im Irak losgesagt hätten.

(Quelle: ap)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 21.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendsiebenundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Do.21.06.07 - Soldaten entdecken halb tote Kinder in Bagdader Waisenhaus +++ Zahl der Toten nach Anschlag in Bagdad erhöht sich auf 87... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0706210.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Drei Viertel der US-Bürger sehen ihr Land auf falschem Kurs

Sa.21.06.08 - Angesichts steigender Lebensmittel- und Benzinpreise, der Immobilienkrise und der anhaltenden Kriegseinsätze im Ausland sehen gut drei Viertel der US-Bürger ihr Land auf falschem Kurs. 76 Prozent von 1.000 Befragten waren sich bei einer am Freitag veröffentlichten Erhebung darin einig, dass sich die USA nicht in die richtige Richtung entwickelten. Im April hatten nur 71 Prozent diese Auffassung vertreten, Ende 2007 waren es 66 Prozent. Die Umfrage wurde vom Forschungsinstitut Ipsos für die Nachrichtenagentur AP durchgeführt.

Demnach sind nur noch 17 Prozent mit dem Kurs ihres Landes zufrieden. Dies ist der niedrigste Wert seit Beginn der einschlägigen Erhebungen im Jahre 2003. Im April hatten noch 24 Prozent Zufriedenheit bekundet. Rund 60 Prozent der US-Bürger, die zwischen dem 12. und 16. Juni befragt wurden, machten die Wirtschaftslage für ihre negative Haltung zum Staat verantwortlich. 23 Prozent nannten schlechte Regierungsführung als Grund, 20 Prozent sahen im Irak-Krieg den kritischsten Faktor.

Die Zustimmungsquote zu US-Präsident George W. Bush betrug der Umfrage zufolge 29 Prozent - etwas mehr als der bisherige Tiefpunkt von 28 Prozent im April. 67 Prozent bekundeten explizit ihre Ablehnung seines politischen Kurses. Die Wirtschaftspolitik des republikanischen Präsidenten wurde sogar von 72 Prozent missbilligt. Der von den Demokraten kontrollierte Kongress kam aber keinesfalls besser weg: Nur 23 Prozent waren mit dessen Arbeit zufrieden, 72 Prozent bezeichneten sie als falsch.

(Quelle: ap)
 


 

US-Abgeordnete erleichtern Lauschangriff auf Privattelefonat

Sa.21.06.08 - Das US-Repräsentantenhaus hat ein Gesetz zur Erleichterung staatlicher Lauschangriffe auf Privattelefonate in den USA gebilligt. Trotz der Einwände von Bürgerrechtlern und führenden Demokraten schlossen sich bei der Abstimmung in Washington 105 demokratische Abgeordnete den Republikanern an und verhalfen dem Entwurf so zu einer Mehrheit von 293 zu 129 Stimmen. US-Präsident George W. Bush hatte den nach monatelangen Verhandlungen zwischen beiden Parteien erzielten Kompromisstext zuvor ausdrücklich gebilligt und ein Ja-Votum empfohlen.

Für die US-Nachrichtendienste sei es "unerlässlich" zu erfahren, "mit wem die Terroristen sprechen, was sie sagen und was sie planen", sagte Bush. Das Gesetz soll US-Telefongesellschaften vor strafrechtlicher Verfolgung wegen des Abhörens von Kunden im Auftrag staatlicher Stellen schützen. Ihnen wird darin rückwirkend Immunität gewährt.

Ende 2005 war bekannt geworden, dass Telekommunikationskonzerne nach den Terroranschlägen vom 9. September 2001 mit Ermittlern kooperiert und auf deren Aufforderung hin Informationen über Privatgespräche auch ohne richterliche Anordnung weitergegeben hatten. Bürgerrechtler kritisierten, damit sei ein Datenschutzgesetz aus dem Jahr 1978 verletzt worden. Darin wird die Zustimmung eines Richters als Voraussetzung für einen staatlichen Lauschangriff genannt.

Der nun verabschiedete Gesetzentwurf besagt, dass die Telefonanbieter straffrei bleiben, wenn ihnen von Regierungsstellen zuvor schriftlich zugesagt wurde, dass die außergerichtlichen Abhörmaßnahmen rechtens seien. Damit könnten etwa 40 Gerichtsverfahren hinfällig werden, die derzeit vor US-Gerichten gegen Telefonkonzerne geführt werden.

Demokraten und Republikaner aus Repräsentantenhaus und Senat hatten sich am Donnerstag auf den Kompromisstext geeinigt. Von führenden Demokraten kam scharfe Kritik. Der Text sei "kein Kompromiss, sondern eine Kapitulation", sagte Senator Russ Feingold. Auch die demokratische Chefin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, machte Vorbehalte geltend. Die Zustimmung des Senats stand noch aus.

(Quelle: afp)
 


 

13 Menschen bei Anschlag auf Konvoi in Afghanistan getötet

Sa.21.06.08 - Ein Selbstmordattentäter hat bei einem Anschlag auf einen US-Militärkonvoi im Süden Afghanistans elf Zivilisten und einen Soldaten mit in den Tod gerissen. Nach Polizei- und Armeeangaben sprengte sich der Mann auf einem überfüllten Basar im Bezirk Girischk in der Provinz Helmand in die Luft, als der Konvoi vorbeifuhr. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Ebenfalls in Helmand starben zwei Soldaten der US-geführten Militärkoalition bei Gefechten mit Aufständischen. Helmand gilt als Hochburg der islamistischen Taliban.

Laut dem Polizeichef der Provinz Helmand, Mohammed Hussein Andiwal, galt der Selbstmordanschlag einem NATO-Konvoi. In einer Erklärung der US-geführten Koalition hieß es, ein Soldat und ein afghanischer Dolmetscher seien getötet worden. Die Nationalität des Soldaten gab die Koalition nicht an, ebenso wenig wie die der beiden bei Gefechten in Helmand getöteten Soldaten.

Bei der am Donnerstag abgeschlossenen Armeeoffensive in der Nähe der südafghanischen Stadt Kandahar wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kabul 56 Taliban-Kämpfer getötet. Bei dem zweitägigen Einsatz starben demnach auch zwei afghanische Soldaten und ein Zivilist. Mehr als tausend Soldaten der afghanischen Armee und der NATO hatten am Mittwoch eine Großoffensive gegen islamistische Kämpfer in der Region um Kandahar gestartet. Sie reagierten damit auf eine Befreiungsaktion der Taliban. Ihre Kämpfer hatten am Freitag vergangener Woche das Gefängnis von Kandahar gestürmt und rund tausend Gefangene befreit, darunter amtlichen Angaben zufolge etwa 400 Taliban.

Ein in Afghanistan entführter Franzose kam nach drei Wochen frei. Bei dem in Afghanistan zusammen mit zwei gleichfalls verschleppten afghanischen Begleitern freigekommenen Franzosen handelt es sich nach Angaben des Außenministeriums in Paris um den 37-jährigen Johan Freckhaus. Der Geschäftsmann war am 29. Mai in der Provinz Ghasni auf der Straße zwischen Kandahar und Kabul zusammen mit einem Mitarbeiter und seinem Fahrer entführt worden.

(Quelle: afp)
 


 

Weitere 1000 Bundeswehrsoldaten sollen nach Afghanistan

Sa.21.06.08 - Die Bundesregierung will offenbar 1000 weitere Soldaten nach Afghanistan schicken. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wollten ihre Pläne am Mittwoch publik machen, berichten die "Welt" und die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf Koalitionskreise. Bisher liegt die Obergrenze für das ISAF-Mandat bei 3500 Soldaten. Die Empfehlung von Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan stehe seit Monaten fest, berichtet die "FR". Das Kanzleramt habe die Veröffentlichung aus politischen Gründen hinausgezögert.

Die Truppenstärke der Bundeswehr bewegt sich in Afghanistan aufgrund der schlechten Sicherheitslage schon seit geraumer Zeit an der Obergrenze. Am 1. Juli wird überdies die schnellen Eingreiftruppe in den Dienst gestellt, die künftig von Masar-i-Scharif im Norden des Landes aus auch Angriffe der Taliban abwehren soll. Die Verteidigungspolitiker der Koalitionsfraktionen und der Bundeswehrverband drangen daher darauf, dass die Bundesregierung ihre Pläne auf den Tisch legt. Am kommenden Mittwoch sollten nun zuerst die außen- und verteidigungspolitischen Experten der Parlamentsfraktionen und dann die Öffentlichkeit informiert werden, berichtet die "Frankfurter Rundschau".

Der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold sagte der "Welt", er erwarte, dass sich das neue Mandat "ehrlich macht". Er spielte damit auf die knapp 40 Fernmeldetechniker der Bundeswehr an, die bereits seit 2007 im Süden Afghanistans eingesetzt werden, obwohl sich das Bundestagsmandat auf den Norden bezieht. Er halte es für wichtig, "dass wir uns beim Mandat nicht in Grauzonen bewegen".

Laut "Frankfurter Rundschau" plant die Bundesregierung auch, den deutschen Beitrag zur US-geführten Anti-Terror-Mission "Enduring Freedom" (OEF) von 1400 auf 800 Soldaten zu reduzieren. Die Verkleinerung solle sich aber ausschließlich auf den Anteil der Marine beziehen, die bisher bis zu 1300 Soldaten zur Kontrolle der Seewege am Horn von Afrika einseten darf. Die 100 Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) sollten weiter zur Verfügung stehen. In der SPD-Fraktion gebe es aber Bestrebungen, den KSK-Anteil zu streichen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verzögerte laut "FR" die Bekanntgabe der Pläne mit Rücksicht auf die Landtagswahl in Bayern. Die "Berliner Zeitung" hatte berichtet, dass das Kanzleramt darauf gedrungen habe, sich öffentlich erst möglichst spät festzulegen.

(Quelle: afp)
 


 

Nahost-Konflikt

Palästinenser-Präsident Abbas reformiert Sicherheitskräfte - Arafat-Gefolgsleute gehen. Mehrheit der Israelis begrüßt Feuerpause mit Hamas

Sa.21.06.08 - Vor der Berliner Nahost-Konferenz zur Reform der Polizei hat Palästinenser- Präsident Mahmud Abbas seine Sicherheitskräfte umstrukturiert.

Per Dekret verfügte Abbas in den vergangenen Wochen unter anderem eine Frühpensionierung zahlreicher Offiziere, die unter seinem Vorgänger Jassir Arafat aufgestiegen waren. Zudem erteilte er einer Geheimdienst-Einheit erweiterte Vollmachten, die als Gegengewicht zur Hamas-Miliz gilt. Mit der von den USA unterstützten Reform sollen 30.000 Stellen gekürzt und eine straffere Führung erreicht werden. Dies geht aus Papieren hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlagen.

Die sogenannten Präventivkräfte erhalten danach weitgehende Befugnisse zur Strafverfolgung, die normalerweise der Polizei vorbehalten sind. Das Dekret legalisiert zudem die Gefängnisse des Dienstes und sichert unter der Kontrolle des Justizministeriums strikten Vertrauensschutz für die Einsätze zu. Die Einheit soll jede Bedrohung der Regierung und öffentlicher Einrichtungen abwenden und "Verbrechen dieser Art vorbeugen". Der Dienst stand vor mehr als zehn Jahren an der Spitze eines Feldzuges der Fatah gegen die Hamas.

Der Chef des von der EU finanzierten Trainingsprogramms für die Polizei, Colin Smith, kritisierte die Entscheidung. Jede Sicherheitsreform sollte der zivilen Polizei die Führung geben, mahnte er. "Die zivile Polizei sollte Verdächtige festnehmen. Das ist transparent, kontrollierbar und das System, das in den meisten demokratischen Staaten dieser Welt gilt."

Menschenrechtsorganisationen warnen seit längerem vor einer Zunahme von Übergriffen der Sicherheitsdienste. Es sei auch im Westjordanland ein Trend zur Militarisierung festzustellen, erklärte die Unabhängige Palästinensische Kommission für Bürgerrechte vor kurzem. "Aus der Gesetzlosigkeit droht sich zunehmend eine Art Sicherheitsstaat, Polizeistaat zu entwickeln." Das Parlament ist seit der Machtübernahme der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen blockiert.

Befürworter der Reform machen geltend, dass eine straffere Führung die Chancen für den Friedensprozess verbesserten. Israel verlangt vor Lockerungen seiner Besatzungspolitik, dass die Abbas-Regierung entschlossen gegen Extremisten und Milizen vorgeht. Die Verjüngung der Sicherheitskräfte soll zudem dazu beitragen, dass die Einheiten loyal zur Regierung sind und nicht mehr zu den verschiedenen Fraktionen. Die meisten Jüngeren haben nicht in den Aufständen gegen Israel gekämpft. "Ein neues Kapitel beginnt", sagte der 46-jährige Hilal Wahid, der das Angebot zur Frühpensionierung angenommen hat. "Unsere Zeit ist vorbei."

Die internationale Konferenz am Dienstag konzentriert sich auf die zivilen Sicherheitskräfte. Mit rund 118 Millionen Euro sollen der Aufbau von Polizei und Justiz gefördert werden.

Eine Mehrheit der Israelis unterstützt einer Umfrage zufolge die Waffenruhe mit der radikalislamischen Hamas- Organisation. Zugleich rechnen fast zwei Drittel aller Befragten (64 Prozent) damit, dass die Feuerpause nicht lange halten wird.

Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage der Tageszeitung «Jediot Achronot» hervor. Danach befürworten 56 Prozent der Israelis die Waffenruhe, während 39 Prozent diese ablehnen.

Der unter Korruptionsverdacht stehende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat der Umfrage zufolge mit der Feuerpause keine großen Sympathiepunkte bei den Bürgern sammeln können. Acht Prozent gaben an, sie hätten jetzt eine bessere Meinung von ihrem Regierungschef, während elf Prozent Olmert noch schlechtere Noten geben als zuvor.

Könnten die Israelis ihren nächsten Ministerpräsidenten direkt wählen, dann käme es zu einem Patt zwischen Außenministerin Zipi Liwni von der Kadima-Partei und Oppositionsführer Benjamin Netanjahu von der Likud-Partei. Jeweils 30 Prozent der Befragten stimmten für jeweils einen der beiden Politiker.

Die vorerst auf sechs Monate befristete Waffenruhe zwischen Israel sowie der Hamas und zwölf weiteren militanten Organisationen im Gazastreifen war am Donnerstagmorgen 06.00 Uhr Ortszeit (05.00 Uhr MESZ) in Kraft getreten und hat seitdem gehalten.

Für die repräsentative Umfragen wurden wie in Israel üblich 500 Personen befragt. Die Fehlerquote liegt den Angaben zufolge bei plus/minus 4,4 Prozentpunkten.

boa (Quelle: rtr, dpa)
 


 

Berichte über israelischen Probelauf für Angriff auf den Iran

Sa.21.06.08 - Israelische Kampfflugzeuge sollen laut «New York Times» bei einem Großmanöver einen etwaigen Angriff auf den Iran geprobt haben. Die israelischen Streitkräfte wollten diesen Bericht am Freitag weder bestätigen noch dementieren. Das Militär «trainiert regelmäßig für die unterschiedlichsten Einsätze, um auf die Herausforderungen vorbereitet zu sein, die sich aus einer Bedrohung Israels ergeben könnten», hieß es in einer Erklärung.

Dem Zeitungsbericht zufolge fand die Übung Anfang Juni über dem östlichen Mittelmeer statt. Mehr als 100 Kampfflugzeuge seien beteiligt gewesen. Sie hätten dabei eine Strecke von rund 1.500 Kilometern zurückgelegt, was in etwa der Entfernung zur iranischen Atomanlage Natans entspreche. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat einen Angriff auf den Iran nicht ausgeschlossen, sollte der Atomstreit mit Teheran nicht auf diplomatischem Wege beigelegt werden können.

(Quelle: ap)
 


 

Tausende demonstrieren gegen thailändische Regierung - Rücktritt des Ministerpräsidenten gefordert

Sa.21.06.08 - In der thailändischen Hauptstadt Bangkok haben am Freitag tausende Menschen den Rücktritt von Ministerpräsident Samak Sundaravej gefordert. Etwa 2.000 von ihnen gerieten mit Polizisten aneinander, dabei wurden nach Angaben von Journalisten etwa ein Dutzend Demonstranten verletzt. Eine weitere Gruppe von etwa 1.000 Teilnehmern durchbrach eine Polizeiabsperrung, um zu Regierungsbüros zu gelangen. Insgesamt strömten rund 1.000 Demonstranten nach Bangkok, wie einer der Teilnehmer berichtete.

Sie haben angekündigt, das Regierungsgebäude so lange friedlich zu belagern, bis Samaks Regierungskoalition zurücktritt. Der Ministerpräsident gilt als Platzhalter für den 2006 vom Militär gestürzten Thaksin Shinawatra, der sich inzwischen wegen Machtmissbrauchs vor Gericht verantworten muss. Seine Partei PPP hat die Parlamentswahl im Dezember gewonnen, in seinem Kabinett sind jedoch zahlreiche Vertraute Thaksins vertreten. Samak und seine Minister hielten sich am Freitag nicht im Regierungsgebäude auf.

(Quelle: ap)
 


 

Brasilien richtet neues Indianerreservat im Amazonas-Gebiet ein

Sa.21.06.08 - Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat am Freitag die Einrichtung eines neuen Indianerreservats im Herzen des Amazonas-Regenwalds besiegelt. Die Kayapo-Indianer hatten sich seit 1994 um die Gründung des 1,5 Millionen Hektar großen Reservats im Staat Pará bemüht, waren aber auf den Widerstand von Siedlern und Holzfällern gestoßen. «Wir kommen Stück für Stück voran, aber wir machen die nötigen Eroberungen», erklärte Lula da Silva bei der Unterzeichnungszeremonie in der Hauptstadt Brasilia.

Die brasilianische Verfassung aus dem Jahr 1988 schrieb vor, dass angestammtes Indianerland binnen fünf Jahren abgegrenzt und den indigenen Bewohnern übergeben werden sollte. Dieser Prozess ist noch immer nicht abgeschlossen. Heute befinden sich rund elf Prozent des Staatsgebiets und fast 22 Prozent der Amazonas-Region in indianischer Hand. Studien zufolge wird der Regenwald in Indianerreservaten am besten geschützt, da die Ureinwohner die Grenzen bewachen. Nationalparks und Naturreservate haben zumeist nicht ausreichend Personal, um das Gebiet zu überwachen. In den vergangenen Jahren hat der Druck durch Holzfäller, Viehzüchter und Bauern auf die Regierung stark zugenommen, die Größe der Reservate zu beschränken.

(Quelle: ap)
 


 

Ban dringt auf Neuordnung der internationalen Präsenz im Kosovo - Italiener Zannier neuer UN-Verwalter - Russland blockiert europäische EULEX-Mission

Sa.21.06.08 - Ungeachtet des Widerstands Russlands hält UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an dem Plan für eine Neuordnung der internationalen Präsenz im Kosovo fest. Demnach soll die UN-Mission UNMIK die Oberaufsicht über die jetzt unabhängige frühere serbische Provinz an die EU-Rechtsstaatsmission EULEX abgeben.

Ursprünglich sollte dies nach dem Inkrafttreten der neuen Verfassung am vergangenen Sonntag geschehen. Der Übergang der Aufsicht von den UN zur EU wird jedoch von Russland - Vetomacht im Sicherheitsrat und treuer Verbündeter Serbiens - teilweise abgelehnt. Die 2.200 Mann starke EULEX, der Polizisten, Juristen und Verwaltungsbeamte angehören, muss daher zunächst offiziell noch unter dem Dach der UN-Mission weiterarbeiten.

Die Vereinten Nationen hatten hatten die Verwaltung nach dem Kosovo-Krieg 1999 übernommen. Mit Inkraftreten der neuen Verfassung vor knapp einer Woche ging die Entscheidungsgewalt an die gewählten Institutionen des Landes über. Mehr als 40 UN-Mitgliedstaaten haben bislang das Kosovo anerkannt.

Der UN-Generalsekretär sagte am Freitag vor dem Weltsicherheitsrat in New York, die Vereinten Nationen müssten sich nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos im Februar den neuen Realitäten stellen. Die UN seien nicht nicht mehr in der Lage, die Aufgaben einer Übergangsverwaltung so effektiv wie in der Vergangenheit zu erfüllen. Deshalb soll ein Großteil der Aufgaben an die Europäische Union abgegeben werden.

Ban berief am Freitag den italienischen Diplomaten Lamberto Zannier zum neuen Leiter der UNMIK. Er löst auf diesem Posten den Deutschen Joachim Rücker ab.

An der Sitzung des Sicherheitsrats am Freitag nahm auch der serbische Präsident Boris Tadic teil. Er bekräftigte, dass sein Land die Unabhängigkeit des Kosovos niemals anerkennen werde.

(Quelle: ap)
 


 

Ökonom: Weltgetreidemärkte regulieren

Sa.21.06.08 - Der Agrarökonom Joachim von Braun hat sich für eine Regulierung der Weltgetreidemärkte ausgesprochen. "Wir brauchen verlässliche Regeln", sagte der Leiter des Washingtoner Forschungsinstituts für Ernährungspolitik, IFPRI, am Donnerstagabend in Frankfurt am Main. Exportverbote wie in China und Vietnam seien die falschen Antworten auf die Ernährungskrise. Um Preisschwankungen einzudämmen, sei vielmehr eine globale "virtuelle Getreidebank" sinnvoll, die analysiere, informiere und am Markt interveniere.

Eine Getreidebank wird laut Braun auch Thema beim Gipfel der acht großen Industrienationen (G-8) Anfang Juli in Japan sein, die sich mit der Ernährungskrise befassen. Braun zog Parallelen zur Finanzwelt und plädierte für offene Märkte. Zur Stabilisierung der Preise sollte die Getreidebank auf ähnliche Weise am Markt tätig werden wie eine Zentralbank, die die Geldmenge steuert. Zugleich müssten Getreidereserven abrufbar sein, um Hungersnöte zu vermeiden. Für die Finanzmärkte existiere der Internationale Währungsfonds.

Trotz erwarteter Rekordernten in China, Indien und anderen Teilen der Welt rechnet Braun mit weiter hohen Lebensmittelpreisen: "Der Konsum läuft weiter davon, die Produktion kommt nicht nach." In der Landwirtschaft werde die Konkurrenz zwischen Energie und Ernährung bleiben, auch wegen des voraussichtlich weiteren Anstiegs der Ölpreise. Um die Produktivität der Landwirtschaft zu steigern, müssten Milliarden investiert werden. Die Verbeserung der Anbaumethoden und Sorten brauche aber auch Zeit: "Die greifen erst mit Verzögerung", sagte Braun.

(Quelle: epd)
 


 

EU vertagt Antworten zu Reformvertrag und Energiepreisen

Sa.21.06.08 - Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union haben konkrete Antworten zur EU-Vertragskrise und den hohen Energiepreisen vertagt.

Beide Themen sollen nun im Oktober unter französischer Ratspräsidentschaft erneut besprochen werden, wie aus dem Entwurf zum Abschlussdokument des Gipfels hervorgeht, der Reuters am Freitag vorlag.

Nach dem Nein der Iren in einem Referendum zum Reformvertrag von Lissabon sei mehr Zeit nötig, um die Lage zu analysieren, heißt es in dem Dokument. Irland müsse nun selbst Vorschläge unterbreiten, wie es weitergehen solle. Der irische Außenminister Micheal Martin hatte zuletzt allerdings Erwartungen gedämpft, dass schon im Herbst der Weg zu einer Lösung der Krise freigemacht werden könne. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte davor, zu lange zu zögern: "Wir müssen jetzt so zügig wie möglich die Arbeit an diesem Vertrag weiterführen."

Der Lissabon-Vertrag sieht Regelungen vor, um die mittlerweile auf 27 Staaten angewachsene Union schlagkräftiger zu machen, das europäische Parlament zu stärken und in der Außenpolitik mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen. Dem Vertrag müssen alle Mitglieder zustimmen.

Offenbar mit Rücksicht auf die skeptische Haltung Tschechiens gibt es in dem Entwurf für die Erklärung nun aber keinen direkten Aufruf, den Ratifizierungsprozess für das Vertragswerk in den noch ausstehenden Mitgliedstaaten auf jeden Fall fortzusetzen. Stattdessen wird lediglich festgestellt, dass der Vertrag bislang in 19 Ländern ratifiziert worden ist. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte bereits erklärt, ohne den Vertrag könnten keine weiteren Staaten in die Union aufgenommen werden.

In dem Entwurf rufen die Staats- und Regierungschefs die EU-Kommission zudem auf, steuerliche Schritte zu prüfen, um den Rekordpreisen beim Öl zu begegnen. Auch hier wurde eine Frist bis zum Herbst-Gipfel im Oktober gesetzt, um die verschiedenen Vorschläge aus Italien, Österreich und Frankreich zu prüfen.

Italien hatte eine sogenannte Robin-Hood-Steuer angeregt, die vor allem die großen Mineralölkonzerne treffen würde, die von den steigenden Preisen profitieren. Die Einnahmen sollten an Bedürftige verteilt werden. Österreich wiederum will mit Steuern die Spekulation bekämpfen, während Frankreich ein Senkung der Mehrwertsteuer ins Spiel brachte, um etwa die protestierenden Spediteure und Fischer zu besänftigen.

Deutschland hatte auf die Vorschläge mit Skepsis reagiert, da sie die Anpassung der Wirtschaft an die voraussichtlich dauerhaft hohen Energiepreise behindern würden. Zudem könnten Steuerentlastungen den Wettbewerb in der EU verzerren. Im Abschlussdokument soll nun zwar erklärt werden, dass Hilfen für Arme in Betracht kämen, diese aber befristet und auf diese Gruppe beschränkt bleiben müssten. Auch in Deutschland wird unter anderem aus der SPD ein Sozialtarif für die Betroffenen gefordert.

Dem Papier zufolge verweist die EU aber vor allem auf ihr Klimapaket mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Zudem bezeichnet sie weitere Anstrengungen für eine höhere Energie-Effizienz und zum Energie-Sparen als nötig. Auch der Dialog mit den Öl-Förderländern solle verstärkt und mehr Transparenz auf den Märkten geschaffen werden.

(Quelle: rtr)
 


 

Hessens SPD-Chefin Ypsilanti für Gespräche mit der Linken auf allen Ebenen

Sa.21.06.08 - Die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti hat sich für Gespräche auch mit Politikern der Linken "auf allen Ebenen" ausgesprochen. Sie wies damit im Deutschlandradio Kultur Kritik an dem Treffen von SPD-Bundespolitikern mit Vertretern der Linkspartei zurück. "Politiker sollten auf allen Ebenen miteinander reden", sagte Ypsilanti. Zugleich dürfe die Begegnung aber nicht überbewertet werden.

Die politischen Ebenen der SPD müssten laut Ypsilanti jeweils für sich entscheiden, wo eine Zusammenarbeit mit der Linken möglich sei und wo nicht; "in der Bundesebene sehen wir, dass das nicht geht". Der Seeheimer Kreis der SPD-Rechten hatte das Treffen mit Politikern der Linken zuvor kritisiert.

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler empfahl der SPD im Sender n-tv, sich zur Linken hin zu öffnen. "Die SPD kann genauso leicht, wie sie mit den Liberalen eine Koalition eingegangen ist, mit den Linken eine Koalition eingehen", sagte Geißler, der auch Mitglied des globalisierungskritischen Netzwerks Attac ist. Er rief die Sozialdemokraten zu mehr "radikalem Denken" auf. Die SPD könne nicht beides machen: "Auf der Bundesebene mit den Schmuddelkindern und Verrätern gar nichts machen, aber eine Etage tiefer koaliert Herr Wowereit mit der Linken, und Frau Ypsilanti möchte auch eine Koalition machen". Erforderlich sei eine klare Entscheidung, was ja nicht heiße, "dass alle Vorschläge der Linken von der SPD übernommen werden müssen".

(Quelle: afp)
 


 

BKA-Gesetz heftig umstritten

Sa.21.06.08 - Der schwarz-rote Gesetzentwurf zur Neuregelung der Befugnisse des Bundeskriminalamtes (BKA) im Anti-Terror-Kampf stößt bei den drei Oppositionsfraktionen im Bundestag auf entschiedene Ablehnung. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warb dagegen am Freitag bei der ersten Lesung des Gesetzes im Bundestag nachdrücklich für die geplanten Neuregelungen. Auch der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz verteidigte die Regierungsvorlage, meldete aber erneut Nachbesserungsbedarf an.

Mit dem Gesetz soll das BKA zur Abwehr von Terrorgefahren künftig unter anderem die Befugnis zu heimlichen Online-Durchsuchungen von Computern sowie zur optischen und akustischen Wohnraumüberwachung erhalten. Schäuble verwies darauf, dass Deutschland und Europa in das Fadenkreuz des internationalen Terrorismus gerückt seien. Die Bedrohung sei «groß», warnte der Innenminister. Der Gesetzentwurf schaffe jedoch «keine neuen Befugnisse für das BKA», sondern übertrage Kompetenzen, welche die Länderpolizeien bereits jetzt hätten. Die Vorlage setzte lediglich die in der Föderalismusreform I getroffene Entscheidung um, dem BKA zur Abwehr des Terrorismus eine polizeiliche Gefahrenabwehrbefugnis zu erteilen.

Wiefelspütz sprach vom «wichtigsten Sicherheitsgesetz» der Legislaturperiode, das zugleich ein »ganz normales Polizeigesetz« sei. Neu sei allein die Online-Durchsuchung. Dabei sei die Vorlage der Bundesregierung gut, doch hätten die Abgeordneten den Anspruch, daraus ein »sehr gutes Gesetz zu machen«. Daher werde man bei den weiteren Beratungen »an der einen oder anderen Stelle vielleicht noch Verbesserungen einfügen können«. Dabei werde es nicht zu grundsätzlichen Veränderungen kommen, doch müsse es noch »Präzisierungen« geben.

Die FDP-Parlamentarierin Gisela Piltz kritisierte, die große Koalition wolle das BKA in eine »Überwachungsbehörde von bislang nicht vorstellbarem Ausmaß umgestalten«. Wenn Sie Terroristen nachgeben, indem Sie die Freiheit einschränken«, mache man sich zu deren Erfüllungsgehilfen, sagte Piltz an die Adresse von Union und SPD. Die Koalition betreibe eine Sicherheitspolitik, »bei der jeder ein Verdächtiger ist«.

Für die Linksfraktion warf ihre Abgeordnete Ulla Jelpke der Bundesregierung vor, sie wolle Grundrechte »schleifen, um die allumfassende Überwachung der Bürger« zu gewährleisten. Vom dem BKA-Gesetz seien nicht nur Terroristen betroffen, sondern sämtliche Einwohner Deutschlands. Mit dem Gesetz werde eine »geheim ermittelnde Staatspolizei« geschaffen, warnte sie. Wenn Terroristen die Demokratie gefährdeten, könne ihnen nichts Besseres passieren, »als dass die Bundesregierung ihnen diese Arbeit abnimmt, indem sie Schritt für Schritt den Überwachungsstaat weiter ausbaut«.

Der Grünen-Abgeordnete Wolfgang Wieland sagte, mit dem Gesetz werde eine »Monsterbehörde auf den Weg« gebracht. Man werde ein Bundeskriminalamt bekommen, »das alles kann, was auch das Bundesamt für Verfassungsschutz kann, aber keinerlei parlamentarische Kontrolle haben wird«. Dabei sei das neue BKA-Gesetz aus Sicherheitsgründen »so notwendig wie ein Kropf".

(Quelle: ddp)
 


 

Junge Schwerverbrecher sollen für immer inhaftiert werden können

Sa.21.06.08 - Jugendliche Schwerverbrecher sollen für immer eingesperrt werden können. Voraussetzung ist, dass von ihnen auch nach einer langen Haftstrafe eine große Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht.

Der Bundestag beschloss am Freitag die Einführung der nachträglichen Sicherungsverwahrung für Straftäter, die mindestens sieben Jahre Jugendhaft abgesessen haben und mit großer Wahrscheinlichkeit weitere schwere Verbrechen begehen werden.

Justizministerin Brigitte Zypries sagte, die Maßnahme dürfe nur die Ultima Ratio in Einzelfällen sein, wenn die Allgemeinheit vor Schwerstverbrechern nicht anders zu schützen sei. Für junge Täter sei die Sicherungsverwahrung ein besonders scharfer Eingriff, weil die Prognose bei ihnen ausgesprochen schwierig sei. Daher seien die Hürden noch höher gesetzt worden als bei Erwachsenen, außerdem müsse die Sicherungsverwahrung jedes Jahr statt alle zwei Jahre überprüft werden. Anders als bei Erwachsenen soll die Sicherungsverwahrung auch nicht bereits im Urteil angeordnet werden können, um den Jugendlichen die Chance zu einer positiven Entwicklung während der Haftzeit zu geben.

Die Opposition kritisierte das Gesetz. Der Linkspolitiker Wolfgang Neskovic erinnerte an den Film "Minority Report", in dem Mörder mit der Hilfe von Hellsehern schon vor Begehung der Tat gefasst und bestraft werden. Niemand könne aber die Entwicklung eines jungen Straftäters mit ausreichender Sicherheit vorhersagen, um ihn für immer einzusperren. "Jeder Mensch ist und bleibt Träger von Chance und Risiko", betonte Neskovic. Der FDP-Politiker Jörg van Essen stellte die Notwendigkeit des Gesetzes infrage, da es keinen dramatischen Anstieg der Morde mit jugendlichen Tätern gebe.

Bisher liegt die Höchststrafe für jugendliche Straftäter bei zehn Jahren Haft. Das Gesetz muss noch den Bundesrat passieren.

(Quelle: rtr)
 


 

DGB sieht Soziale Marktwirtschaft in Legitimationskrise

Sa.21.06.08 - 60 Jahre nach Einführung der D-Mark befindet sich die soziale Marktwirtschaft nach Auffassung von DGB-Chef Michael Sommer in einer "schweren Legitimationskrise". Das große Versprechen der wirtschaftlichen Nachkriegsordnung sei es gewesen, dass sich Leistung lohne und jeder die gleichen Chancen haben solle - dieses Versprechen aber werde "für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht mehr eingelöst", sagte Sommer der "Berliner Zeitung".

Nach seinen Angaben sind die Reallöhne seit Mitte der 90er Jahre kaum gestiegen, zudem arbeite heute jeder Fünfte im Niedriglohnbereich. "Für die Mehrheit der Alleinerziehenden, Langzeitarbeitslosen und Migranten bleibt sozialer Aufstieg eine Illusion", sagte der DGB-Chef, nach dessen Worten langfristige Unternehmensstrategien zudem oftmals der "Jagd nach dem kurzfristigen Profit" zum Opfer fallen.

(Quelle: afp)
 


 

Schiedsspruch im Streit über Baumindestlohn

Sa.21.06.08 - Die Verhandlungen über den Mindestlohn am Bau sind mit einem Schiedsspruch des früheren Wirtschaftsministers Wolfgang Clement zu Ende gegangen. Der Schlichter empfahl den Tarifparteien am späten Freitagabend in Königswinter bei Bonn, die beiden Mindestlöhne im Osten beizubehalten, aber nicht wie im Westen zu erhöhen. Während IG BAU und Bauindustrie Zustimmung signalisierten, ist das Verhalten des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB) unklar. Über den Kompromissvorschlag wollen die ostdeutschen Landesverbände in der kommenden Woche entscheiden.

Clement sagte, es seien schwierige Verhandlungen gewesen. Sie dauerten elf Stunden. Knackpunkt waren die beiden Mindestlöhne für Bauhelfer und angelernte Arbeiter im Osten. Der ZDB wollte den höheren Mindestlohn für Angelernte abschaffen, was die IG BAU strikt ablehnt. Wenn sich die Tarifpartner in dem Streit nicht auf eine Linie einigen, ist der Baumindestlohn in ganz Deutschland hinfällig.

Nach dem Kompromissvorschlag des früheren SPD-Politikers bleiben die Mindestlöhne im Osten erhalten und werden dafür nicht wie im Westen erhöht. Auf ostdeutschen Baustellen werden derzeit 9,00 Euro beziehungsweise 9,80 Euro pro Stunde bezahlt. Im Westen ist bereits eine Erhöhung von 10,40 auf 10,70 Euro beziehungsweise 12,50 auf 12,85 Euro vereinbart.

Der Vizepräsident des sächsischen Baugewerbeverbandes, Uwe Nostitz, sagte in der Nacht in Königswinter: «Unsere Erwartungen sind nicht ganz erfüllt worden.» Die ostdeutschen Verbände würden in der kommenden Woche über den Kompromissvorschlag entscheiden. Das Ergebnis ist laut Nostitz offen. Die Tarifparteien haben bis zum 4. Juli Zeit, den Vorschlag anzunehmen.

IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel äußerte sich nach dem Schiedsspruch zuversichtlich: «Die Erfolgsgeschichte der Mindestlöhne am Bau wird fortgesetzt. Das haben wir heute mit Hilfe des Schlichters Wolfgang Clement erreicht.» Allerdings bedauerte er, dass es wohl keine Erhöhung der Ost-Mindestlöhne geben wird. «Das kann uns nicht gefallen.» Die Alternative wäre aber der Wegfall der Mindestlöhne in Ost und West gewesen. Nach seiner Ansicht haben die Mindestlöhne am Bau Vorbildcharakter für andere Branchen.

Auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, in dem große Unternehmen organisiert sind, begrüßte Clements Vorschlag. Es sei der beste Kompromiss gefunden worden, um die Mindestlöhne zu erhalten und einen fairen Wettbewerb für die Zukunft zu sichern, sagte Vizepräsident Klaus Hering. Fernziel seien einheitliche Mindestlöhne in Ost und West.

Wiesehügel hatte vor den Verhandlungen nochmal betont, dass die Mehrheit der Bauarbeiter den höheren Mindestlohn für Facharbeiter erhalte. Bauhelfer machten nur einen kleinen Teil derjenigen aus, die Mindestlohn bezögen. «In Wirklichkeit wollen die Arbeitgeber den Mindestlohn drücken», sagte der IG-BAU-Vorsitzende.

Sollte es zu keiner Einigung in dem Streit kommen, wäre die gesamte Mindestlohn-Vereinbarung am Bau für Ost und West in Gefahr: Die Mindestlöhne sind in einem bundesweiten Tarifvertrag geregelt, der am 31. August ausläuft. Die Erhöhung der West-Mindestlöhne ist bereits beschlossen. Die Regelung kann aber erst bei einer Einigung für den Osten in Kraft treten.

Die 1997 beschlossene Lohnuntergrenze schützt die Unternehmen vor Lohndumping und ruinösem Preiswettbewerb. Auch aus dem Ausland entsandte Arbeiter müssen mindestens den Mindestlohn erhalten. Unter anderem deshalb rettete die Regelung in der zurückliegenden Baukrise laut einer Untersuchung der Bauindustrie 200.000 Arbeitsplätze vor dem Aus.

(Quelle: ap)
 


 

In Marburg werden Solardächer Pflicht

Sa.21.06.08 - Als erste Stadt in Deutschland schreibt Marburg Bauherren verbindlich und flächendeckend die Nutzung von Sonnenenergie vor. Eine entsprechende, bundesweit einzigartige Solarsatzung hat die Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen der rot-grünen Koalition sowie der Linken verabschiedet, wie ein Sprecher der Stadt mitteilte. Laut Beschluss will die Stadt damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Bürger vor der erwarteten Energiepreisexplosion schützen.

Die Satzung schreibt Bauherren die Nutzung der Sonnenenergie für Warmwasser und Heizung vor. Als Ersatz zu der sogenannten Solarthermie sind teilweise auch Photovoltaik-Anlagen zur Stromgewinnung oder andere Klima schützende Maßnahmen zulässig. Die "solare Baupflicht" greift nicht nur für neue Häuser, sondern auch bei größeren Anbauten, beim Austausch der Heizanlage oder einer größeren Dachsanierung. Dadurch soll über die Jahre auch der Altbaubestand mit Solaranlagen ausgerüstet werden. Über die Förderprogramme des Bundes hinaus stellt die Stadt vor allem für denkmalgeschützte Gebäude zusätzliche Mittel zur Verfügung.

Während der heftigen Debatte der Marburger Stadtverordneten lehnten CDU, FDP und die Marburger Bürgerliste die Satzung wegen ihres Zwangscharakters ab. Der Abgeordnete der Bürgerliste, Hermann Uchtmann, sprach erneut von einer "Ökodiktatur". Auch Handwerkskammer und Industrie hatten sich gegen die Solarsatzung ausgesprochen, obwohl sie insbesondere dem Handwerk zusätzliche Aufträge bringen soll.

Laut Stadtverordnetenbeschluss soll die Solarsatzung zum 1. Oktober in Kraft treten. Einwände des Regierungspräsidiums in Gießen könnten allerdings zu einer Verzögerung führen. Die Landesbehörde hatte im Mai zu einer früheren Fassung der Satzung rechtliche Bedenken angemeldet, sich aber zu der jetzt beschlossenen Form und einem neuen Rechtsgutachten noch nicht geäußert. Halte das Regierungspräsidium an den Einwänden fest, werde er die Solarsatzung erst nach einer gerichtlichen Klärung unterzeichnen, kündigte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) an.

(Quelle: afp)
 


 

Älteste vom Computer erzeugte Klangabfolge ist wieder zu hören

Sa.21.06.08 - Der britische Sender BBC hat aus seinen Archiven die älteste von einem Computer erzeugte Klangabfolge hervorgeholt. Bereits im Jahr 1951 waren die Töne in Manchester von einem Computer erzeugt worden. Es handelte sich hierbei um einen "Ferranti Mark 1". Damals waren die von der Maschine erzeugten Klänge derart erstaunlich, dass sie aufgezeichnet worden sind. Seinerzeit hat der Rechner die britische Nationalhymne "In the Mood" von Glenn Miller und einen Teil des populären Kinderliedes "Baa Baa Black Sheep" vorgetragen. Zu hören sind die Klänge im Web unter http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/7458479.stm

(Quelle: gp)
 
 
 
 

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