Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak 1552 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Irak will Ölförderung massiv ausbauen - US-Konzerne werden
bei Rechtevergabe angeblich nicht bevorzugt
So.22.06.08 - Der Irak will die Förderkapazitäten für Öl
mittelfristig massiv ausbauen: «Wir haben die Nachfrage, wir
haben die Reserven, und wir haben jetzt auch das Geld, die
Ölförderung mittelfristig um vier Millionen Barrel pro Tag zu
erhöhen».
Das sagte der führende Ölberater von Ministerpräsident
Nuri al-Maliki, Thamer al-Ghadban, dem Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel». Erstmals seit dem Fall Bagdads im Jahr 2003 liege die
Ölförderung jetzt stabil bei 2,5 Millionen Barrel
obwohl der irakische Ölsektor immer noch mit zahlreichen Problemen
kämpft. Die Sicherheitslage sei nach wie vor schlecht, ein Teil
des Öls werde geschmuggelt, es fehle ein nationales Ölgesetz,
schreibt das Magazin.
Ghadban widersprach dem Verdacht, amerikanische Konzerne würden
bei der Rechtevergabe bevorzugt. Davon könne keine Rede sein.
Welche ausländischen Firmen am meisten profitieren würden,
hänge allein von deren Angeboten ab. Vergangene Woche war
bekanntgeworden, dass der Irak mit fünf westlichen Konzernen
Verträge geschlossen hat ohne jede Ausschreibung. Ghadban
kündigt aber noch für diesen Sommer eine erste
öffentliche Bieterrunde an, «welche ausländische
Unternehmen direkt an der Erschließung unserer Ölfelder
beteiligt». Eine zweite Runde werde nicht viel später
folgen. Der Irak braucht die Investitionen und die technische Hilfe
westlicher Konzerne, um die vernachlässigten und beschädigten
Ölfelder besser auszubeuten.
(Quelle: dpa)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 22.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendachtundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fr.22.06.07 - Irakische Regierung und Kurden lösen Streit über
Öleinnahmen +++ Mindestens 16 Tote bei Selbstmordanschlag auf Sunniten
im Nordirak +++ US-Streitkräfte melden Tod von 14 amerikanischen
Soldaten +++ US-Militär setzt Offensive im Norden von Bagdad fort +++
Irakisch-amerikanische Kontroverse nach Rettung halb verhungerter und
verwahrloster Kinder in Bagdader Waisenheim: Irakischer Minister nennt
US-Militär 'schamlos'...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0706220.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Fünf ausländische Soldaten bei Anschlag in Afghanistan
getötet - Neue Gewalt in der südlichen Provinz Kandahar
So.22.06.08 - Bombenanschläge haben am Samstag in Afghanistan fünf
ausländische Soldaten das Leben gekostet. Vier Soldaten der
US-geführten «Operation Enduring Freedom» wurden bei
einer Explosion in Kandahar getötet, ein polnischer ISAF-Soldat
kam bei einem Anschlag in der Provinz Paktika ums Leben.
Bei der Explosion in Kandahar wurden zwei weitere Mitglieder der
Koalitionstruppen schwer verletzt, wie ein Militärsprecher
mitteilte. Demnach detonierte der Sprengsatz am Samstagmorgen
während eines Einsatzes der Koalitionstruppen in der
Unruheprovinz. Nähere Einzelheiten und die Nationalität der
Opfer wurden zunächst nicht bekanntgegeben.
In Kandahar haben NATO-Truppen und afghanische Soldaten in den
vergangenen Tagen eine Offensive gegen die wiedererstarkten Taliban
gestartet. Dabei wurden die Aufständischen nach
Militärangaben aus der Gegend von Arghandab vertrieben, mehr als
50 wurden getötet. Die Kämpfe im Süden Afghanistans
haben sich den vergangenen Monaten stark ausgeweitet. 2007 kamen
landesweit mehr als 8.000 Menschen bei Anschlägen und
Überfällen ums Leben - die höchste Opferzahl seit der
US-Invasion vom Herbst 2001. In diesem Jahr fielen bislang gut 1.500
Menschen der Gewalt zum Opfer.
(Quelle: ap)
IAEA-Chef ElBaradei warnt vor Angriff auf den Iran
So.22.06.08 - Der Chef der UN-Atomenergieorganisation (IAEA), Mohamed ElBaradei, hat
eindringlich vor militärischen Angriffen auf den Iran gewarnt. "Ein
militärischer Angriff wäre schlimmer als alles andere", sagte
ElBaradei mit Blick auf Drohungen aus den USA und Israel. "Er
würde den Nahen Osten in einen Feuerball verwandeln", sagte er dem
Fernsehsender El Arabija. ElBaradeis Warnung folgte auf einen Bericht
der US-Zeitung "New York Times", die von einem israelischen
Luftwaffenmanöver berichtet hatte, in dem offenbar eine Attacke auf
den Iran geübt wurde.
Sollte es im Streit um das iranische Atomprogramm zu militärischen
Auseinandersetzungen kommen, wäre er nicht in der Lage, seine
Arbeit an der Spitze der IAEA fortzusetzen, warnte der IAEA-Chef. Die
UN-Behörde überwacht die friedliche und störungsfreie
Nutzung der Atomenergie in ihren Mitgliedstaaten. "Ein Angriff
würde im Iran einen Notfallplan zur schnellen Herstellung einer
Atombombe auslösen, und das mit der Zustimmung aller Iraner, selbst
derjenigen, die im Westen leben", warnte ElBaradei. Er sehe im
iranischen Atomprogramm zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine
"unmittelbare Gefahr" der Weiterverbreitung von Atomwaffen.
Der Westen verdächtigt den Iran, heimlich an der Entwicklung von
Atomwaffen zu arbeiten. Teheran weist dies zurück. Der
EU-Außenbeauftragte Javier Solana reiste am vergangenen Wochenende
nach Teheran und legte ein neues Verhandlungsangebot der EU vor.
(Quelle: afp)
Frankreich schließt Atom-Abkommen mit Algerien
So.22.06.08 - Der französische Premierminister François Fillon hat am
Samstag in Algier ein Abkommen über eine Zusammenarbeit bei der
zivilen Nutzung der Atomkraft mit Algerien unterzeichnet.
Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte das Exportgeschäft bei
einem Besuch in dem nordafrikanischen Staat im Dezember vorbereitet.
Fillon wurde von sechs Ministern und rund einem Dutzend
Führungskräften französischer Unternehmen begleitet.
Während seines zweitägigen Besuchs in Algier wollte Fillon
auch für einen Beitritt des Landes zu der von Sarkozy angestrebten
Mittelmeerunion werben. Dazu hat die algerische Regierung bislang keine
eindeutige Haltung eingenommen.
(Quelle: ap)
UNHCR: Hohe Lebensmittelpreise verstärken Flüchtlingskrise
So.22.06.08 - Wegen des weltweiten Anstiegs der Lebensmittel- und Energiepreise droht
nach Einschätzung der UN-Flüchtlingsorganisation (UNHCR) eine
Verschärfung der weltweiten Flüchtlingskrise. "Extreme
Preisanstiege haben in vielen Orten zu Instabilität und Konflikten
geführt, mit dem sehr realen Potential, zur Flucht zu führen",
sagte UNHCR-Chef Antonio Guterres. Neben den üblichen Gründen
für eine Flucht würden neue Probleme wie der Klimawandel die
Lage verschärfen. Nach Angaben der Weltbank haben sich die
Lebensmittelpreise binnen drei Jahren verdoppelt. In einigen
Ländern führt dies zu gewaltsamen Unruhen.
Guterres kritisierte zudem die Einwanderungspolitik vieler Staaten. In
einigen Ländern werde im Kampf gegen illegale Einwanderung nicht
richtig unterschieden "zwischen denen, die sich zur Auswanderung
entschieden haben und denen, die durch Verfolgung und Gewalt zur Flucht
gezwungen wurden". "Flüchtlinge beweisen unglaublichen Mut und
Ausdauer beim Überwinden enormer Hürden, um sich ein neues
Leben aufzubauen", betonte der UN-Flüchtlingskommissar. Sie
müssten in ihren Gastländern Schutz finden, da
Flüchtlingsrechte Menschenrechte seien. Ende 2007 gab es nach
UN-Angaben weltweit 11,4 Millionen Flüchtlinge, die außerhalb
ihres Heimatlands lebten, sowie 26 Millionen Binnenflüchtlinge.
(Quelle: afp)
China erhöht Benzinpreise drastisch
So.22.06.08 - Trotz der Bemühungen, die dramatisch steigenden Energiepreise
unter Kontrolle zu bringen, ist eine Entspannung nicht in Sicht. Die
Erwartungen an den für heute in Saudi-Arabien geplanten
Öl-Krisengipfel in Dschidda dämpfte der Gastgeber bereits im
Voraus.
Der Ölpreis werde vom Markt bestimmt, hieß es in einer
Stellungnahme. Unterdessen bremsten beim EU-Gipfel in Brüssel
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Regierungschefs
Hoffnungen auf die Begrenzung der Mehrwertsteuersätze auf Benzin
und andere Mineralölprodukte, wie sie der französische
Präsident Nicolas Sarkozy zur Entlastung der Bürger gefordert
hatte. Steuerentscheidungen müssen in der EU einstimmig beschlossen
werden.
Eine drastische Erhöhung der Energiepreise in China in der Nacht
zum Freitag hatte den Ölpreis nur kurzzeitig gedrückt. Ein
Rückgang der Nachfrage wirkt sich preisdämpfend aus. Nach
einem Rückgang des US-Ölpreises am Donnerstag um mehrere
Dollar, zog dieser am Freitag aber wieder deutlich an. Ein Barrel (159
Liter) der US-Sorte WTI zur Auslieferung im Juli kostete am Nachmittag
135,25 Dollar. Das waren 3,32 Dollar mehr als zum Handelsschluss am
Vortag. Der Rekord liegt bei knapp 140 Dollar. Der Preis für ein
Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im August stieg um 3,30
Dollar auf 135,30 Dollar.
Wenige Tage zuvor hatte schon die Ankündigung Saudi Arabiens, die
Fördermenge nach oben zu schrauben, nur vorübergehend für
Entspannung an den Ölmärkten gesorgt. Das Land will von Juli
an täglich 500 000 Barrel mehr Öl fördern als noch im
Frühjahr. Für Sonntag hat das Land Staatschefs,
Konzernvorstände, Minister und Investmentbanker zu einem
Krisengipfel eingeladen. Rohstoffexperte Frank Schallenberger von der
Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erwartet keine dauerhaft
sinkenden Ölpreise nach dem Treffen: «Wenn die OPEC sieht,
dass die Welt mit einem Ölpreis von 130 Dollar zurechtkommt, warum
sollte die Organisation dann darauf drängen den Preis zu
senken», sagte er in einem dpa-Gespräch. Venezuelas
Staatspräsident Hugo Chávez drohte der Europäischen
Union (EU) unterdessen wegen der neuen Abschieberegeln für illegale
Einwanderer mit einem Erdöl-Lieferboykott.
Beim EU Gipfel in Brüssel zeigten sich die 27 Mitgliedstaaten in
der Diskussion über eine Begrenzung der Mehrwertsteuersätze
gespalten. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso
fasste die Debatte so zusammen: «Manche Mitgliedstaaten waren sehr
stark dafür, die Mehrwertsteuern zu deckeln, andere waren strikt
dagegen.» Für den französischen Präsidenten ist
nicht akzeptabel, dass die Staatskassen von den rasant gestiegenen
Preisen für Mineralölprodukte profitieren. Nach Angaben von
Sarkozy soll die Kommission ihm Vorschläge machen. Er will dann
beim Gipfel im Oktober ein Maßnahmenbündel im Kampf gegen
hohe Energiepreise präsentieren.
Die Folgen des stetig steigenden Ölpreises vor allem für
ärmere Menschen bereitete den Staats- und Regierungschefs Sorge. In
ihrer Schlusserklärung zum Gipfel sprachen sie sich aber auch
ausdrücklich gegen «wettbewerbsverzerrende finanzpolitische
und andere politische Eingriffe» aus. Diese könnten
Anpassungen des Marktes verhindern. Nur für sozial schwache
Bevölkerungsgruppen sollen Hilfen möglich sein.
Bei den Kraftstoffpreisen in Deutschland gibt es keine Entwarnung: Die
Preise für Benzin hielten sich über dem hohen Niveau von 1,50
Euro. Dem unter hohen Spritpreisen leidenden Transportgewerbe machte
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) aber keine Hoffnung auf
Steuerentlastungen. Dafür gebe es keinen Spielraum, sagte er auf
einer Logistiktagung. Der Auto Club Europa ACE rechnet für die
nächsten Wochen wieder mit leicht sinkenden Spritpreisen.
«Wenn die Nachfrage bei einem der größten
Energieverbraucher (China) sinkt und das Angebot des größten
Produzenten steigt, hat das normalerweise eine dämpfende Wirkung
auf die Preise», sagte ein ACE-Sprecher.
In China kostete Benzin an den Tankstellen am Freitag 16 Prozent und
Diesel 18 Prozent mehr. Wegen der gestiegenen Ölpreise gab es in
China eine wachsende Kluft zwischen den künstlich niedrig
gehaltenen Treibstoffpreisen und dem Rohölpreis. Benzin und Diesel
kostet jetzt zwischen 6,20 und 7,17 Yuan oder umgerechnet 58 bis 67
Euro-Cent. Viele Raffinerien hatten die Produktion eingestellt, weil sie
die gestiegenen Kosten nicht an die Kunden weitergeben und damit nicht
mehr profitabel arbeiten konnten. Es kam bereits zu Engpässen.
In Wien ermittelte die Organisation erdölexportierender
Länder (OPEC) unterdessen einen gestiegenen Ölpreis. Nach
Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel (159
Liter) am Donnerstag 129,44 Dollar. Das waren 99 Cent mehr als am
Mittwoch. Die OPEC berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf
der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells.
Bereits am Donnerstag berichtete die «New York Times», dass
einige westliche Ölunternehmen sich schon bald an der
Öl-Förderung im Irak beteiligen könnten. Neben mehreren
kleineren Unternehmen stünden Exxon Mobil, Shell, Total und BP in
Verhandlungen mit der irakischen Regierung. Das könnte die
weltweite Ölproduktion ausweiten.
(Quelle: dpa)
US-Anklagewelle wegen Kreditkrise
So.22.06.08 - In einer spektakulären Welle von Verhaftungen und Anklagen sind
die US-Justizbehörden landesweit gegen mehr als 400
Verdächtige im Zusammenhang mit der Kreditkrise vorgegangen.
Durch Hypotheken-Betrügereien sollen sie einen Schaden von rund
einer Milliarde US-Dollar (645 Millionen Euro) angerichtet haben. Auch
zahlreiche Banken sind im Visier der Behörden. Die monatelangen
Ermittlungen im Zuge der Finanzkrise erreichen damit einen neuen
Höhepunkt.
Im Rahmen der konzertierten Operation «Heimtückische
Hypothek» seien allein in dieser Woche mehr als 60 Beschuldigte
festgenommen worden, gab das Justizministerium am Donnerstag in
Washington bekannt. Die seit März laufenden Untersuchungen der
Bundespolizei FBI und der Justiz hätten 144 Fälle von
Kreditbetrug aufgedeckt mit insgesamt 406 Beschuldigten. «Wir
ermitteln, verfolgen und Gerechtigkeit wird geschehen», sagte
FBI-Direktor Robert Mueller. Auch die gefürchtete
US-Börsenaufsicht SEC führt seit längerem umfangreiche
Untersuchungen.
Im prominentesten Fall wurden am Donnerstag in New York zwei Ex-
Fondsmanager der Investmentbank Bear Stearns festgenommen und vor
Gericht geführt. Die beiden 52 und 46 Jahre alten Männer waren
im Juni vergangenen Jahres für den aufsehenerregenden
Zusammenbruch zweier Hedge-Fonds verantwortlich, der mit am Anfang der
Finanzkrise stand. Anleger verloren rund 1,4 Milliarden Dollar. Die
Manager sollen die Investoren über die Lage der Fonds
getäuscht haben. Bear Stearns selbst musste im Frühjahr wegen
Insolvenzgefahr ihrem Notverkauf an die Großbank J.P. Morgan Chase
zustimmen.
Unter den Angeklagten sind Berichten zufolge Immobilienmakler,
Anwälte, Finanzierer und auch Kreditnehmer.
«Hypotheken-Betrug (...) ist eine ernsthafte Bedrohung unserer
Wirtschaft, unseres Immobilienmarktes und für den Seelenfrieden von
Millionen von amerikanischen Hausbesitzern», sagte
Vize-Justizminister Mark Filip.
Die meisten Betrugsfälle stehen in Verbindung mit kaum besicherten
Hypotheken («subprime») für Kreditnehmer mit
zweifelhafter Bonität. Der reihenweise Ausfall dieser riskanten
«subprime»-Kredite bewirkte die bis heute anhaltende
Finanzkrise. Weltweit mussten Banken deswegen bislang rund 400
Milliarden Dollar abschreiben.
(Quelle: dpa)
US-Präsidentschaftkandidatur: Obama liegt in Umfrage erstmals 15
Prozent vor McCain
So.22.06.08 - Der Kandidat der US-Demokraten bei der Präsidentschaftswahl,
Barack Obama, liegt einer neuen Umfrage zufolge in der Gunst der
Wähler 15 Prozent vor seinem republikanischen Rivalen John McCain.
Bei der Befragung von eingetragenen Wählern in den gesamten USA
für das Magazin "Newsweek" sprachen sich 51 Prozent für Obama
aus, 36 Prozent gaben McCain ihre Unterstützung. Obama profitiere
offensichtlich vom Ende des langwierigen und zähen
Nominierungskampfes gegen seine innerparteiliche Rivalin Hillary
Clinton, weil deren Anhänger jetzt ihn unterstützten,
berichtete das Magazin.
Die Befragungen zeigten, dass Obama noch weiter zulegen könne, da
viele Wähler ihre Unzufriedenheit mit dem republikanischen
Präsidenten George W. Bush äußerten, berichtete
"Newsweek". Monate vor der Wahl im November seien zuverlässige
Vorhersagen zwar nicht möglich, schränkte das Magazin ein,
doch stehe Obama derzeit besser da als seine demokratischen
Vorgänger John Kerry und Al Gore zum vergleichbaren Zeitpunkt.
(Quelle: afp)
Studie: US-Atomwaffenlager in Europa nicht sicher
So.22.06.08 - Die meisten US-Atomwaffenlager in Europa entsprechen nach einer
internen Studie der amerikanischen Luftwaffe nicht den minimalen
Sicherheitsstandards des Pentagons. Dies berichtet die Organisation
Federation of American Scientists (FAS) auf ihrer Webseite.
Als erste Konsequenz plane das US-Militär die Atomwaffen auf
weniger Lager in Europa zu verteilen, berichten die Wissenschaftler, die
sich dabei auf andere Quellen bezogen. Einer der Standorte, bei denen
Probleme festgestellt wurden, sei möglicherweise der
Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel in der Eifel, hieß es in dem
Bericht der FAS.
Die FAS-Militäranalysten hatten die Veröffentlichung von
Details der Studie erreicht, die in Auftrag gegeben wurde, nachdem im
August 2007 sechs Atomsprengköpfe ohne Wissen der
Luftwaffenführung quer durch die USA geflogen worden waren. Die FAS
schätzt, dass in Europa etwa 200 bis 350 US-Atombomben gelagert
sind, darunter 10 bis 20 im Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel, wie
der Nachrichtenmagazins «Focus» berichtete.
Nach Angaben der Wissenschaftler werden in der internen Studie unter
anderen Probleme mit dem Sicherheitssystem, der Umzäunung und bei
der Stabilität der Gebäude moniert. In einem Fall seien
Wehrpflichtige, die nur neun Monate Ausbildung gehabt hätten,
eingesetzt worden, um die Atomwaffen gegen Diebstahl zu schützen.
Außer in Deutschland gibt es Stützpunkte in Belgien,
Großbritannien, Italien, der Türkei und den Niederlanden.
(Quelle: dpa)
Fidel Castro wirft EU Heuchelei vor
So.22.06.08 - Der frühere kubanische Präsident Fidel Castro hat die
Aufhebung der EU-Sanktionen gegen sein Land und die Forderungen nach
Respektierung der Menschenrechte als "Heuchelei" bezeichnet.
Während die EU von Kuba die Achtung der Menschenrechte verlange,
misshandele sie illegal aus Lateinamerika gekommene Einwanderer, indem
sie "brutale Methoden" anwende, um sie abzuschieben, schrieb Castro in
einer am Freitag im Internet veröffentlichten Kolumne.
Die Europäische Union (EU) hatte sich am Donnerstag darauf
verständigt, ihre Sanktionen gegen Kuba aufzuheben. Die
Strafmaßnahmen waren 2003 verhängt worden, weil Kuba gegen
Regimegegner im Land vorgegangen war. 2005 waren die Sanktionen bereits
ausgesetzt worden. Mit ihrer völligen Aufhebung soll der
kubanische Präsident Raul Castro zu mehr Reformen ermutigt werden.
Er hatte das Amt im Februar von seinem erkrankten Bruder Fidel
übernommen, der nach wie vor Chef der Kommunistischen Partei ist.
(Quelle: rtr)
Großbritannien stoppt Ratifizierung von EU-Vertrag
So.22.06.08 - Nach Aufforderung eines Verfassungsrichters hat Großbritannien
die Ratifizierung des EU-Vertrags gestoppt.
Die Regierung werde die Entscheidung des Gerichts über einen
Einspruch gegen die Reform abwarten, erklärte Premierminister
Gordon Brown am Freitag am Rande des EU-Gipfeltreffens in Brüssel.
Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass sein Land trotzdem seinen
Zeitplan einhalten kann. Die Entscheidung des Gerichts werde in der
kommenden Woche erwartet und die formellen Schritte der Ratifizierung
seien bis dahin ohnehin nicht abgeschlossen.
Das Gericht prüft, ob der Vertrag nach der britischen Verfassung
ohne ein Referendum angenommen werden darf. Den Einspruch hat der
EU-Gegner Stuart Wheeler eingereicht, ein Millionär und
Anhänger der oppositionellen Konservativen Stuart Wheeler. Brown
war von dem vorsitzenden Richter in einem Brief aufgefordert worden, die
Entscheidung abzuwarten. Das britische Oberhaus hatte den Reformvertrag
am Mittwoch ratifiziert.
(Quelle: rtr)
EZB-Chefvolkswirt deutet Zinserhöhung an
So.22.06.08 - Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen
Stark, hat eine baldige Zinserhöhung angedeutet. Angesichts der
hohen Inflationserwartungen halte er es für notwendig, «dass
wir ernsthaft das derzeitige Leitzinsniveau überprüfen»,
sagte Stark dem «Spiegel» nach einer Vorabmeldung vom
Samstag. «Es spricht vieles dafür, dass wir rasch zu einem
Ergebnis kommen werden.»
Der Zentralbankrat der EZB tagt Anfang Juli das nächste Mal. Den
möglichen Zinsschritt begründete Stark damit, «dass es
nicht zu einer Lohn-Preis-Spirale nach oben» kommen dürfe.
Die Finanzmarktkrise hält Stark für weitgehend ausgestanden.
Einige Marktsegmente normalisierten sich schon wieder, andere suchten
noch nach einem neuen Gleichgewicht. Der Prozess könne auch noch
einige Zeit in Anspruch nehmen, und so lange könne der Markt
sprunghaft bleiben. «Aber ich hoffe, dass das Schlimmste hinter
uns liegt», wurde er zitiert. Für die USA sagt der
EZB-Chefvolkswirt nur eine schleppende wirtschaftliche Erholung voraus.
«Die USA haben wahrscheinlich eine längere Phase schwachen
Wachstums vor sich.»
Vor knapp zwei Wochen hatte bereits EZB-Präsident Jean-Claude
Trichet erneut auf die Möglichkeit hingewiesen, im Kampf gegen
Inflation die Zinsen zu erhöhen. Er wolle eine Erhöhung
«um einen kleinen Betrag» bei der Sitzung im kommenden Monat
nicht ausschließen, hatte er in Paris gesagt. Angesichts der
wirtschaftlichen Herausforderungen komme es entscheidend darauf an, den
Preisauftrieb unter Kontrolle zu halten, betonte Trichet. Zentralbanken
erreichen das mit hohen Leitzinsen, die Kredite für Unternehmen
und Verbraucher verteuern.
(Quelle: ap)
Russland: Präsident Medwedew nennt Umweltschutz Frage der
nationalen Sicherheit
So.22.06.08 - Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat vor den Auswirkungen von
Umweltverschmutzungen auf die nationale Sicherheit des Landes gewarnt.
"Unser Land ist in einem bedrohlichen Zustand. Wenn wir uns damit nicht
befassen, können wir in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren in
der Situation sein, dass ein Teil der Landesfläche nicht mehr
bewohnbar ist", sagte Medwedew in St. Petersburg. "Umweltschutz ist
eine Frage der nationalen Sicherheit."
Seit seinem Amtsantritt im vergangenen Monat legt Medwedew großes
Augenmerk auf die Umweltpolitik. Er ordnete bereits Maßnahmen zur
Reduzierung des russischen Energieverbrauchs um 40 Prozent bis 2020 an.
Nach Angaben von Experten drohen in Russland unter anderem
Umweltschäden durch Atomabfälle und ein Abschmelzen des Eises
in Sibirien durch die Erderwärmung.
(Quelle: afp)
Großbritannien will mit 'Grüner Revolution' Energie sparen
So.22.06.08 - Die britische Regierung will mit einer "Grünen Revolution"
erneuerbare Energien fördern und die Menschen zum Energiesparen
bewegen.
Ein entsprechendes Programm, das kommende Woche vorgestellt werden
soll, sei "die ambitionierteste Energiestrategie, die
Großbritannien je gesehen hat", sagte der zuständige
Staatssekretär Malcolm Wicks am Wochenende im BBC Radio. Ziel sei
es, die Gewinnung von Strom durch erneuerbare Energien bis 2020 in
Richtung 15 Prozent zu erhöhen. "Das ist eine Grüne
Revolution." Derzeit macht beim Strom der Anteil erneuerbarer Energien
- überwiegend Windenergie - weniger als fünf Prozent aus.
Der Zeitung "Guardian" zufolge, der das Dokument vorlag, könnte
ein Viertel der Häuser mit Solar-Heizungsanlagen ausgestattet
werden. Außerdem solle künftig 30 Mal mehr Strom durch
Windkraftanlagen vor der Küste erzeugt werden als bisher.
Hausbesitzer würden dazu verpflichtet, die Energieeffizienz ihrer
Immobilien zu erhöhen. Der Plan könne große Teile der
britischen Landschaft verändern und habe möglicherweise
"großen Einfluss auf unser Leben... und zwar nicht nur
positiven", schrieb die Zeitung.
Bislang hat die Regierung sich dem Ziel verschrieben, bis 2010 zehn
Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Einer
EU-Vereinbarung nach muss das Land diese Menge weiter steigern.
Vergangene Woche warnte ein Bericht des Parlaments jedoch davor, dass
die Ziele nicht erreicht würden - es sei denn, die Regierung
verstärke ihre Bemühungen drastisch.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Steuereinnahmen um 6,1 Prozent höher als im Vorjahr
So.22.06.08 - Die Steuereinnahmen von Bund und Ländern sind in den ersten
fünf Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr kräftig
gestiegen. Wie das Magazin «Wirtschaftswoche» vorab unter
Berufung auf das Bundesfinanzministerium berichtete, nahmen Bund und
Länder von Januar bis Mai 197,9 Milliarden Euro ein. Das sind 6,1
Prozent mehr als 2007.
Die Steuereinnahmen des Bundes stiegen demzufolge um 3,4 Prozent auf
93,5 Milliarden Euro. Die Länder steigerten ihre Einnahmen um 6,9
Prozent auf 81,7 Milliarden Euro.
Den stärksten Zuwachs gab es dem Blatt zufolge bei der
Zinsabschlagsteuer, die um 25,9 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro stieg.
Um 13,1 Prozent erhöhte sich das Aufkommen der nicht veranlagten
Einkommensteuer. 12,4 Prozent mehr nahm der Fiskus aus der
Einfuhrumsatzsteuer ein. Die Einnahmen aus der Lohnsteuer stiegen um 7,7
Prozent. Einen Rückgang gab es bei der Tabaksteuer, die um 8,0
Prozent auf 4,8 Milliarden Euro sank. Noch stärker war der
Rückgang der Körperschaftssteuer, die um 22,5 Prozent auf 4,4
Milliarden Euro eingebrochen ist.
(Quelle: ddp)
SPD-Chef Beck demonstriert Führungswillen
So.22.06.08 - Im Konflikt um seine Amtsführung hat SPD-Chef Kurt Beck interne
anonyme Kritik als feige bezeichnet und die Partei zu Solidarität
aufgerufen.
Auf einem Landesparteitag der Sozialdemokraten in Berlin demonstrierte
er Führungswillen und kündigte ein geschlossenes Auftreten
des Vorstands an. Parteivize und Außenminister Frank-Walter
Steinmeier mahnte in Hannover, die «kleinlichen
Streitereien» müssten aufhören. Während Steinmeier
und Bundestagsfraktionschef Peter Struck die Partei Die Linke scharf
angriffen, forderten andere namhafte SPD-Politiker einen entspannteren
Umgang mit der Partei von Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine.
Unterdessen berichtete «Der Spiegel», in der SPD -
vornehmlich bei führenden Vertretern des rechten
Parteiflügels - würden «immer konkretere Szenarien
für einen Putsch gegen den Vorsitzenden durchgespielt». Nur
wie sie den Sturz einfädeln sollten, wüssten Becks Gegner
nicht. Im Gespräch sei, dass Steinmeier im Herbst mit der
Kanzlerkandidatur auch den Parteivorsitz übernehme.
Der Sprecher des konservativen «Seeheimer Kreises» in der
SPD, Klaas Hübner, sagte der Nachrichtenagentur dpa: «"Der
Spiegel" erfindet im Wochenrhythmus einen Putsch, der nicht
stattfindet. Es lohnt sich nicht einmal, das noch zu dementieren, weil
absolut nichts dran ist.» Niedersachsens SPD-Vize Hauke Jagau
sagte nach Steinmeiers Rede beim Landesparteitag in Hannover:
«Frank-Walter Steinmeier soll Bundeskanzler werden.» Beck
erklärte, die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur stehe
noch nicht an.
Beck betonte: «Ich werde nicht hinter den Baum gehen, weil es da
bequemer ist, ich werde stehen, auch wenn das nicht immer
vergnügungssteuerpflichtig ist.» Der Parteichef appellierte:
«Wenn sich jemand gegen einen aus unseren Reihen in unfairer
Weise stellt, dann müssen wir auch die Kraft haben, für ihn
einzustehen.» Wer kritisiere, ohne dafür einzustehen, sei
«unsolidarisch und feige». Zum Zustand des SPD-Vorstandes
sagte Beck, nach einigen Problemen habe man «begriffen, dass wir
zusammenzuarbeiten haben». Er fügte hinzu:
«Miteinander ist viel schöner als gegeneinander.»
Niedersachsens SPD-Chef Garrelt Duin sagte, die eigenen Genossen seien
«bis ins Mark verunsichert», weil führende
Sozialdemokraten und Bundesminister sich öffentlich
widersprächen und kritisierten. Die SPD müsse vielmehr die
Rolle als «Schutzmacht der kleinen Leute»
zurückerobern. «Ich will, dass wir den Genossinnen und
Genossen vor Ort den Stolz zurückgeben, Sozialdemokrat zu
sein.»
Struck mahnte eine härtere Abgrenzung seiner Partei von der Linken
an. In der «Bild am Sonntag» kritisierte er erneut das
Treffen junger SPD-Abgeordneter mit Parlamentariern der Linken.
«Dieses Treffen war Kinderkram.» Seiner Ansicht nach sollte
es auch kein Gespräch mit der Linken über die SPD-Kandidatin
Gesine Schwan für die Bundespräsidentenwahl im nächsten
Jahr geben.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte hingegen der
«Neuen Ruhr/Rhein Zeitung» (Samstag): «Ich finde es
nicht dramatisch, sich mit denen auseinanderzusetzen.» Das
Wichtigste sei Glaubwürdigkeit. «Deswegen ist es so
gefährlich, vor der Wahl zu sagen "Ich mache nichts mit den
Linken" und in Hessen doch der Versuchung zu unterliegen.»
Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti sagte in Kassel: «Wir
dürfen die Linken nicht dämonisieren.» Sie war mit
ihrem Plan, sich mit den Stimmen der Linken zur
Ministerpräsidentin einer rot-grünen Minderheitsregierung
wählen zu lassen, am Widerstand aus den eigenen Reihen
gescheitert. Beck hatte seinen Kurs gegen die Linke kurz nach der
Hessen-Wahl im Januar abgemildert.
(Quelle: dpa)
Rüttgers kritisiert Köhler-Forderung nach mehr Reformen
So.22.06.08 - Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers
(CDU) hat den Aufruf von Bundespräsident Horst Köhler zu mehr
Reformen scharf kritisiert. Es sei nicht sinnvoll, ständig Neues zu
fordern, sagte Rüttgers dem Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel» nach einer am Samstag verbreiteten Vorabmeldung.
«Man kann nicht so tun, als müsse es mit den Reformen erst
richtig losgehen», fügte er hinzu.
Rüttgers wies auch Köhlers Forderung zurück, die vom
früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf den Weg
gebrachte Agenda 2010 dürfe nicht zurückgedreht werden.
«Es gibt keinen Grund, die Agenda 2010 wie eine Monstranz vor sich
herzutragen», sagte Rüttgers dazu.
Der CDU-Politiker wandte sich außerdem gegen die von
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geäußerte These, dass
Bildung die zentrale soziale Frage sei. Zwar sei eine optimale
Ausbildung für junge Leute wichtig. Doch wenn ein 55-jähriger
Lagerist seinen Job verliere, habe er kaum noch Chancen, durch
Fortbildung eine neue Stelle zu finden, merkte Rüttgers dazu an.
Diese Menschen müssten daher durch das soziale Netz aufgefangen
werden.
Mit Blick auf die Umweltpolitik der CDU und mögliche künftige
Koalitionspartner sagte Rüttgers, die CDU dürfe sich nicht den
Grünen andienen. «Unser Wunschpartner sind die Liberalen.
Heiraten und mit einer anderen flirten ist eine schlechte
Kombination», betonte er.
(Quelle: ddp)
Bayerns Ministerpräsident Beckstein macht Berlin für
CSU-Probleme verantwortlich
So.22.06.08 - Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein hat die
Bundesregierung für die schwierige Situation der CSU vor der
Landtagswahl im September verantwortlich gemacht. Wegen der
Großen Koalition in Berlin habe die CSU «keinen
uneingeschränkten Rückenwind», sagte der CSU-Politiker
der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» und
fügte hinzu: «Ich bin über alle Maßen freundlich
gegenüber Berlin, wenn ich das sage.»
Beckstein, der die Erwartung eines CSU-Wahlergebnisses von «50
plus X» als «eine enorme Messlatte» bezeichnete,
kündigte an, seine Partei werde den Wahlkampf aus eigener Kraft
führen und die Wahl auch aus eigener Kraft gewinnen.
Selbstverständlich freue sich die CSU aber über jede
Unterstützung, die sie von der Schwesterpartei CDU bekomme. Eine
Öffnung in Richtung der Grünen - wie von der CDU in Hamburg
praktiziert - sieht Beckstein als schwierig an: Das Wertesystem der
bayerischen Grünen sei von dem der CSU am weitesten entfernt.
«Wir müssen selbst stark sein», betonte der
Ministerpräsident.
(Quelle: ap)
CDU-Arbeitnehmerflügel schürt Streit um Mindestlohn
So.22.06.08 - Nach dem Wirtschaftsflügel der Union macht nun auch der
Arbeitnehmerflügel Front gegen die Mindestlohngesetze von
Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD).
Der Arbeitsmarktexperte der Bundestagsfraktion, Ralf Brauksiepe, warnte
vor einer Gefährdung der Tarifautonomie. "Tarifverträge
müssen Vorrang behalten vor staatlichen Eingriffen", sagte der
CDU-Politiker dem Magazin "Der Spiegel" laut Vorabbericht vom Samstag.
Er wandte sich insbesondere gegen das Vorhaben, dass gesetzlich
verankerte Mindestlöhne Tarifverträge in Branchen mit
geringer Tarifbindung verdrängen könnten. Auch die Ausweitung
von Mindestlöhnen auf die Zeitarbeit lehnte er ab.
Scholz zeigte sich indes zuversichtlich, dass es trotz des Dauerstreits
in der Koalition und der Bedenken des Wirtschaftsministeriums
demnächst eine Einigung geben werde. Seine Gesetzentwürfe
seien in der Schlussabstimmung und würden "bald Kabinettsbeschluss
werden", sagte der Minister am Samstag im RBB-Inforadio nach Mitteilung
des Senders. Die Forderung des Wirtschaftsministeriums, bei
konkurrierenden Tarifverträgen jeweils den niedrigsten Lohn
vorzuschreiben, lehnte er erneut ab. Dies wäre nach seinen Worten
verfassungswidrig.
Scholz hatte die Entwürfe zur Ausweitung des Entsendegesetzes auf
weitere Branchen und zur Neuauflage des
Mindestarbeitsbedingungengesetzes am Montag - fünf Monate nach
seinem ersten Anlauf - in die Ressortabstimmung gegeben. Nach
vorläufiger Planung soll das Kabinett sie am 16. Juli billigen.
Der Bundestag soll sich erstmals im Oktober damit befassen.
(Quelle: rtr)
Altersforscher warnen vor gesundheitlichen Folgen der
Frühverrentung
So.22.06.08 - Altersforscher haben die von SPD und Gewerkschaften geforderte
Verlängerung der Regelungen zur Altersteilzeit mit dem Hinweis auf
negative gesundheitliche Folgen kritisiert. «Wer gesunde
Menschen, die 90 Jahre alt werden können, dazu verlockt, mit 60 in
den Ruhestand zu gehen, schickt sie auf einen gefährlichen
Weg», sagte die Leiterin des Zentrums für lebenslanges
Lernen an der Jacobs Universität Bremen, Ursula Staudinger, dem
«Spiegel» nach einer Vorabmeldung vom Samstag.
«Die Probleme mit Stress und körperlichem Verschleiß
am Arbeitsplatz liegen auf der Hand», wurde Staudinger zitiert,
«aber wir unterschätzen massiv, wie zentral Arbeit für
das Wohlbefinden des Großteils der Bevölkerung ist.»
Statt für einen früheren Ruhestand sollte sich die SPD
dafür einsetzen, dass ältere Arbeitnehmer weitergebildet
werden und Menschen in körperlich anstrengenden Berufen
rechtzeitig Alternativen bekommen, erklärte die Expertin.
Nach einer noch unveröffentlichten Studie des Deutschen Zentrums
für Altersfragen ist der Übergang in den Ruhestand zwar
keinesfalls generell ungesund, wie das Blatt weiter berichtete. Aber je
früher vor der normalen Rentengrenze und je unfreiwilliger er
ablaufe, desto größer sei die Gefahr von
Gesundheitsschäden.
40 Jahre lang am Arbeitsplatz Giftdämpfe einzuatmen oder am
Fließband nur eine Bewegung auszuführen, sei zweifellos
ungesund. Doch hier seien Arbeitsmediziner und Personalmanager gefragt,
nicht Rentenversicherer, sagte der Direktor des Max-Planck-Instituts
für Bildungsforschung, Ulman Lindenberger, dem Blatt zufolge.
«Die Fähigkeiten von älteren Menschen werden massiv
unterschätzt», sagte er, «aber Unternehmer müssen
erst lernen, sie zu mobilisieren und zu erhalten.»
Lindenberger sieht eine neue soziale Frage aufkommen: Hochgebildete,
wohlhabende Menschen seien am ehesten in der Lage, ihren Ruhestand aus
eigenen Kräften gesund und aktiv zu gestalten: «Die joggen
und lernen Sprachen.» Für die weniger privilegierte Mehrheit
hingegen sei die Herausforderung durch Arbeit ungleich wichtiger, um
auch geistig fit zu bleiben.
Bei einer großangelegten Studie hat der Mannheimer
Altersökonom Axel Börsch-Supan laut «Spiegel»
festgestellt: «Die Freude über den Vorruhestand verpufft
schnell.» Viele wollten wieder zurück in den Job, allerdings
mit einer reduzierten Arbeitszeit, hat auch Staudinger herausgefunden.
Für «supergefährlich» hält
Börsch-Supander die Fortführung der Altersteilzeit, wie die
SPD sie fordert. «Freibier für alle, das war schon immer
beliebt. Aber dieses Freibier wäre ein vergiftetes
Geschenk», sagte der Wissenschaftler dem Blatt zufolge.
(Quelle: ap)