+++ Mo.23.06.08, 06:30
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Irak 1553 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Selbstmordattentäterin reißt 15 Menschen in den Tod
Mo.23.06.08 - Eine Selbstmordattentäterin hat am Sonntag in Bakuba mindestens 15
Menschen mit in den Tod gerissen. 40 weitere wurden verletzt. Aus
Polizeikreisen verlautete, die Frau habe ihren Sprengsatz vor dem
Büro des Gouverneurs der Provinz Dijala und einem angrenzenden
Gerichtsgebäude gezündet. Die Bombe versteckte sie offenbar
unter ihrem weiten Gewand.
Die Polizei erklärte, wahrscheinlich sei eine Patrouille in rund
200 Meter Entfernung Ziel des Anschlags gewesen. Zum Zeitpunkt des
Anschlags gegen 13.00 Uhr hielten sich allerdings zahlreiche
Zivilpersonen auf der Straße auf. Einige verkauften
Getränke, Tee und Zigaretten, andere bereiteten Dokumente für
Behördengänge vor. Unter den Todesopfer waren nach Angaben
aus Polizeikreisen sieben Beamte.
In jüngster Zeit wurden Anschläge vermehrt von Frauen
verübt. Im vergangenen Jahr wurden im Irak acht
Selbstmordanschläge von Frauen registriert, in diesem Jahr sind es
bisher schon fast 20. Die US-Streitkräfte haben erklärt,
Terrororganisation rekrutierten verstärkt Frauen für
Selbstmordanschläge, weil diese die Sicherheitskontrollen leichter
umgehen könnten.
(Quelle: ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 23.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendneunundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Sa.23.06.07 - US-Truppen stoßen bei Irak-Offensive auf heftigen Widerstand - 17
Kämpfer der Al Kaida getötet +++ US-General: Armee könnte
Anfang 2008 Abzug aus Irak einleiten +++ Schicksal der beiden deutschen
Irak-Geiseln weiter ungewiss...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0706230.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Iran droht mit 'vernichtender' Reaktion auf Militärschlag
Mo.23.06.08 - Der Iran hat mit einer «uneingeschränkt vernichtenden»
Reaktion im Falle eines israelischen Militärschlags gedroht.
Verteidigungsminister Mostafa Mohammad Nadschar sagte laut einer
Meldung des staatlichen Fernsehens am Sonntag, die Regierung werde jede
feindliche Aktion entschlossen entgegnen.
Die jüngste israelische Militärübung nannte Nadschar
«eine psychologische Operation». Einem Bericht der
«New York Times» zufolge probte die israelische Luftwaffe
Anfang Juni über dem östlichen Mittelmeer gezielt einen
Angriff auf den Iran. Das Manöver sei ein Beweis dafür, dass
Israel die globale Sicherheit gefährde, sagte ein
Regierungssprecher am Samstag laut einer Meldung der amtlichen
iranischen Nachrichtenagentur IRNA.
Der Chef des Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed
ElBaradei warnte eindringlich vor einem Militärschlag gegen den
Iran. Ein Angriff könne die Region in einen
«Feuerball» verwandeln, sagte ElBaradei dem Fernsehsender
Al Arabija. Er selbst werde in diesem Fall als Generaldirektor der IAEA
zurücktreten.
Die Regierung in Teheran bekräftigte unterdessen ihr Festhalten an
der Urananreicherung. Die westliche Forderung nach einer Einstellung
der Aktivitäten sei «unlogisch», sagte
Regierungssprecher Gholam Hussein Elham. Auf den jüngsten
Verhandlungsvorschlag im Atomstreit werde sein Land in angemessener
Zeit antworten. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hatte das
neue Angebot vor einer Woche unterbreitet.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Kämpfe im Nordlibanon wieder aufgeflammt - Anhänger und
Gegner der Regierung liefern sich Gefechte in Tripoli. Israel
öffnet Warenübergänge in den Gazastreifen
Mo.23.06.08 - Neue Kämpfe zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung
haben den Libanon erschüttert. Mindestens vier Menschen wurden
dabei getötet und rund 30 weitere verletzt, wie die
Sicherheitskräfte und Mitarbeiter von Krankenhäusern
mitteilten. Die Kämpfe im Umkreis der nördlichen Hafenstadt
Tripoli begannen in der Nacht zum Sonntag, ebbten aber bis Mittag
wieder ab. Die Streitkräfte entsandten zusätzliche Soldaten
in das Gebiet.
Die Spannungen in Tripoli waren in den vergangenen Tagen ständig
gestiegen. Bei den Kämpfen wurden schließlich auch
Granatwerfer und Maschinengewehre eingesetzt. Bereits im Mai hatten
sich Regierungsanhänger und Unterstützer der Hisbollah-Miliz
im Libanon blutige Gefechte geliefert, denen mehr als 80 Menschen zum
Opfer fielen. Gut 200 weitere wurden verletzt.
Unter Vermittlung der Arabischen Liga einigten sich beide Seiten
schließlich auf eine gemeinsame Regierung. Diese kam aber bislang
nicht zustande. Ministerpräsident Fuad Siniora wies am Samstag
Rücktrittsforderungen der Opposition zurück.
Im palästinensischen Flüchtlingslager Ein el Hilweh im
südlichen Libanon detonierte am Sonntag ein Sprengsatz. Dabei
wurden nach Behördenangaben mehrere Menschen verletzt, darunter
auch Imad Jassin, der Anführer einer Organisation, die dem
Terrornetzwerk Al Kaida nahesteht. In dem Lager kommt es häufig zu
Gefechten zwischen radikalen Gruppen und Anhängern der
gemäßigteren Fatah des palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas.
Israel hat drei Tage nach Inkrafttreten einer Waffenruhe im
Gazastreifen mit der Öffnung der Warenübergänge in das
Palästinensergebiet begonnen.
Ein Sprecher der zivilen Verbindungseinheit der israelischen Armee
teilte am Sonntag mit, die Übergänge Sufa und Nachal Oz seien
bereits geöffnet. Auch die Sperre des Karni-Übergangs in das
von der radikalislamischen Hamas kontrollierte Gebiet solle aufgehoben
werden.
Eine vorerst auf sechs Monate befristete Waffenruhe zwischen Israel und
den militanten Gruppen im Gazastreifen war am Donnerstag in Kraft
getreten. Drei Tage später sollten die Warenübergänge von
Israel in den Gazastreifen teilweise wieder geöffnet werden. Wenn
sich die Waffenruhe dauerhaft als stabil erweist, sollen weitere
Transportbeschränkungen wegfallen.
Die Eltern des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit
wollen die Lockerung der israelischen Blockade des Gazastreifens
gerichtlich verhindern. Das Oberste Gericht in Jerusalem sollte gestern
über einen entsprechenden Antrag beraten, wie der israelische
Rundfunk meldete. Die Eltern wollen verhindern, dass die wirtschaftliche
Blockade des Gazastreifens aufgehoben und die Grenzübergänge
geöffnet werden, während ihr Sohn noch in Geiselhaft sitzt.
Schalit war vor zwei Jahren von militanten Palästinensern
entführt und in den Gazastreifen verschleppt worden.
boa (Quellen: ap, rtr)
UN sehen weiter düstere Lage in Darfur
Mo.23.06.08 - Die Lage der Menschen in der sudanesischen Krisenregion Darfur wird
sich nach UN-Prognosen in diesem Jahr weiter verschlechtern.
Zusätzlich zur mangelnden Sicherheit leiden die Bewohner an den
Folgen einer schlechten Ernte wegen nur schwachen Regens sowie den
steigenden Lebensmittelpreisen auf den Weltmärkten, wie das
Welternährungsprogramm (WFP) und andere UN-Organisationen am
Sonntag mitteilten. Dabei wurde auch auf die Gefahr von
Unterernährung hingewiesen.
Das WFP hat seine Hilfslieferungen nach Darfur seit Mai halbiert, da
seine Konvois zunehmend unter Beschuss gerieten. Der bewaffnete
Konflikt zwischen afrikanischen Rebellen einerseits und
Regierungstruppen sowie arabischen Reitermilizen andererseits hat schon
300.000 Menschen das Leben gekostet. Rund 2,5 Millionen wurden in die
Flucht getrieben.
(Quelle: ap)
Somalia: Leiter der UN-Flüchtlingshilfe in Mogadischu entführt
Mo.23.06.08 - Der Leiter des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Mogadischu ist
nach Angaben der Organisation von Bewaffneten aus seinem Haus in der
somalischen Hauptstadt verschleppt worden. «Wir haben Berichte
erhalten, dass der Leiter des UNHCR-Büros in Mogadischu, ein
Somalier, entführt wurde», sagte UNHCR-Sprecherin Millicent
Mutuli am Sonntag im benachbarten Kenia. Ein Angehöriger des
entführten Hassan Mohamed Ali berichtete, sechs Bewaffnete seien am
Samstagabend in dessen Wohnung eingedrungen und hätten ihn
verschleppt.
In Somalia gab es in jüngster Zeit eine Reihe von
Entführungen. Zu Beginn des Jahres waren Mitarbeiter von Ärzte
ohne Grenzen betroffen, weshalb die Organisation ihre
ausländischen Mitarbeiter aus dem Land abzog. Aufständische
Islamisten bekämpfen die Übergangsregierung in Mogadischu, die
dort seit Dezember 2006 mit der Unterstützung ausländischer
Truppen herrscht. Seit 1991 gibt es in Somalia keine funktionierende
Zentralregierung mehr.
(Quelle: ap)
Simbabwischer Oppositionsführer nimmt nicht an Stichwahl teil
Mo.23.06.08 - Der simbabwische Oppositionsführer Morgan Tsvangirai nimmt nicht
an der Stichwahl um das Präsidentenamt teil. Der Vorsitzende der
Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) gab seine Entscheidung am
Sonntag auf einer Pressekonferenz in Harare bekannt. Als Grund
führte er die Gewalt gegen Oppositionsanhänger an.
«Eine glaubwürdige Wahl ist unmöglich», sagte
Tsvangirai. «Wir können die Menschen nicht bitten, am 27.
Juni ihre Stimme abzugeben, wenn sie dafür mit dem Leben
bezahlen.» Präsident Robert Mugabe habe einen Krieg
erklärt, an dem die Opposition nicht teilnehmen werde.
«Unser Sieg ist sicher, aber er kann nur verschoben
werden.» Es liege nun in der Verantwortung der Vereinten Nationen
sicherzustellen, dass die Menschen in Simbabwe vor Gewalt
geschützt würden. Tsvangirai kündigte an, bis Mittwoch
neue Vorschläge zur Zukunft des Landes vorzulegen.
Tausende militante Gefolgsleute der Regierung blockierten am Sonntag
das Gelände, auf dem die MDC am Nachmittag eine
Wahlkampfkundgebung hatte abhalten wollen. Nach Angaben der MDC
besetzten Polizisten und Soldaten den Ort der Veranstaltung.
Die erste Runde der Präsidentenwahl Ende März hatte
Tsvangirai gewonnen, allerdings verfehlte er dem offiziellen Ergebnis
zufolge die absolute Mehrheit. Die Stichwahl gegen Amtsinhaber Mugabe
war für kommenden Freitag geplant.
Unabhängigen Menschenrechtsgruppen zufolge kamen bei politischer
Gewalt vor der Wahl 85 Menschen ums Leben, Zehntausende wurden aus
ihren Häusern vertrieben, zumeist Anhänger der Opposition.
Der britische Premierminister Gordon Brown verurteilte am Samstag
«jene, die die jüngste entsetzliche Eskalation der Gewalt
betreiben». Selbst afrikanische Staaten wie Angola, die
traditionell Mugabe nahestehen, äußern inzwischen Besorgnis.
(Quelle: ap)
Rebellen in Nigeria verkünden einseitige Waffenruhe
Mo.23.06.08 - Die größte Rebellengruppe Nigerias hat einen einseitigen
Waffenstillstand verkündet. Diese werde am Dienstag um Mitternacht
in Kraft treten, erklärte die Bewegung für die Emanzipation
des Niger-Deltas am Sonntagabend. Danach werde es vorerst keine
Angriffe mehr geben. Man folge damit dem Rat von Ältesten, die zu
neuen Friedensbemühungen aufgerufen hätten.
Die Bewegung für die Emanzipation des Niger-Deltas hat sich zu
zahlreichen Übergriffen auf nigerianische Erdölanlagen sowie
zur Entführung von Mitarbeitern der Ölindustrie bekannt. Die
Organisation verlangt eine gerechtere Beteiligung der Menschen vor Ort
an den Einnahmen aus der Ölförderung.
(Quelle: ap)
Flüchtlinge stürmen Spanien-Exklave Melilla
Mo.23.06.08 - Rund 70 afrikanische Flüchtlinge haben in der Nacht zum Sonntag
von Marokko aus den wichtigsten Grenzübergang der spanischen
Nordafrika-Exklave Melilla gestürmt. Einige von ihnen gelangten auf
spanisches Hoheitsgebiet.
Andere wurden von der marokkanischen und der spanischen Polizei
abgefangen, wie der Rundfunk berichtete. Einige Beamte seien verletzt
worden, weil die Flüchtlinge Steine geworfen hätten. In
Melilla wurde eine Großfahndung eingeleitet.
Vor drei Jahren hatten Tausende von Afrikanern versucht, in immer neuen
Wellen von marokkanischem Gebiet aus in die spanischen Exklaven Melilla
und Ceuta zu stürmen. 14 Flüchtlinge waren dabei ums Leben
gekommen. Spanien ließ daraufhin die Grenzbefestigungen der beiden
an der Nordküste Afrikas gelegenen Städte ausbauen und die
Zäune auf bis zu sechs Meter erhöhen. Diesmal versuchten die
Flüchtlinge nicht, die Zäune zu überwinden, sondern
stürmten direkt auf den Übergang los und überrannten die
Grenzposten.
(Quelle: dpa)
Saudi-Arabien erhöht Förderung und verspricht noch mehr
Öl
Mo.23.06.08 - Saudi-Arabien hat seine Erdölförderung deutlich ausgeweitet.
Sein Land habe die Förderung in den vergangenen Monaten von neun
Millionen auf inzwischen 9,7 Millionen Barrel pro Tag hochgefahren,
sagte der saudiarabische König Abdallah zur Eröffnung der
Ölpreiskonferenz in Dschiddah. "Wir erklären uns bereit, auch
weiterem Bedarf nachzukommen", fügte er hinzu. Saudi-Arabien wird
nach den Worten Aballahs zudem eine Milliarde Dollar in einen Fonds der
Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) einzahlen, aus
dem Entwicklungsländer unterstützt werden.
Saudi-Arabien hatte im Vorfeld der Ölpreiskonferenz in Dschiddah
eine Erhöhung der Fördermengen in Aussicht gestellt.
Unterstützung erhielt das Land von Kuwait, traditionell ein enger
Verbündeter des Königsreichs und der USA. Sein Land werde
"nicht zögern", die Produktion zu erhöhen, falls die
Märkte dies verlangten, sagte der kuwaitische Ölminister
Mohammed el Olaim.
Kritik an Saudi-Arabien übte OPEC-Chef Tschakib Chelil, der eine
Erhöhung der weltweiten Ölförderung ablehnte. Die auf
den Märkten gezahlten Preise hätten absolut nichts mit dem
Angebot und der Nachfrage zu tun, sagte er vor Beginn der
Ölpreiskonferenz in Dschiddah. "Wir glauben, dass der Markt im
Gleichgewicht ist. Es ist kein Problem des Angebots" von Öl, hob
er hervor. Ein Sondertreffen der OPEC-Staaten lehnte Chelil, der auch
algerischer Ölminister ist, ab. Das nächste reguläre
Treffen finde im September statt, erst dann solle erneut über die
Fördermenge des Erdölkartells beraten werden, forderte er.
(Quelle: afp)
Erdgasreiche bolivianische Provinz stimmt für Autonomie
Mo.23.06.08 - Die erdgasreiche bolivianische Provinz Tarija hat sich ersten
Zählungen zufolge mit deutlicher Mehrheit für eine Autonomie
ausgesprochen. In einem Referendum am Sonntag stimmten rund 80 Prozent
der Wähler für weitgehende Unabhängigkeit von der
Zentralregierung, wie zwei private Umfrageinstitute berichteten. Mit
dem Endergebnis ist nach Angaben der Wahlbehörde nicht vor
Mittwoch zu rechnen.
Dem Institut Ipsos, Apoyo, Opinion and Mercado zufolge votierten 82
Prozent der Stimmberechtigten für eine Autonomie. Die Fehlerquote
wurde mit zwei Prozentpunkten angegeben, etwa 28 Prozent beteiligten
sich demnach nicht an der Abstimmung. Das Meinungsforschungsinstitut
Unitel berichtete von einer Zustimmungsquote von 79 Prozent und gab die
Fehlerqoute mit einem Prozentpunkt an.
In der Stadt Tarija feierten zahlreiche Menschen die
veröffentlichten Zahlen. Gouverneur Mario Cossio erklärte vor
einer begeisterten Menge, Autonomie müsse die Basis für
«ein neues Bolivien» sein. «Autonomie ist der neue
Weg», rief Cossio.
Tarija ist bereits die vierte Provinz, die mehr Autonomie fordert. Der
linksgerichtete Präsident Evo Morales hat die Referenden als
illegalen Versuch bezeichnet, seine Regierung zu stürzen. Tarija
verfügt über rund 85 Prozent der Erdgasreserven Boliviens.
Präsident Morales selbst hat für den 10. August ein
Referendum über seine Amtsführung angesetzt.
(Quelle: ap)
Deutschland
Oppositionsparteien fordern Abzug von US-Atomwaffen
Mo.23.06.08 - Nach Berichten über Sicherheitsrisiken in Atomwaffenlagern haben
Politiker der Oppositionsparteien den Abzug aller US-Nuklearwaffen aus
Deutschland gefordert. «Die Atomwaffen in Deutschland sind ein
Überbleibsel aus dem Kalten Krieg und müssen weg»,
sagte der FDP-Chef Guido Westerwelle der «Berliner Zeitung»
laut Vorabmeldung. Kritik kam auch von den Grünen und der
Linkspartei.
«Wenn es Sicherheitsrisiken gibt, ist das ein Grund mehr, alle
noch in Deutschland lagernden taktischen Atomwaffen abzuziehen»,
sagte Westerwelle. Die Bundesregierung sollte rasch mit den USA eine
Lösung herbeiführen. Der Abzug könne auch ein Signal
für neue Abrüstungsbemühungen in Europa sein.
Der stellvertretende Fraktionschef der Grünen, Jürgen
Trittin, forderte, neben dem Abzug aller Atomwaffen müsse
Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die nukleare Teilhabe Deutschlands
verzichten. Diese sieht eine Beteiligung der Bundeswehr an einem von
der NATO geführten Atomkrieg vor.
Der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, sagte: «Wenn die
Bundesregierung ein Kreuz hätte, würde sie unverzüglich
von den USA den Abzug der Atomwaffen möglichst unter deren
Verschrottung verlangen.» Damit wären Deutschland und Europa
sicherer. Die Mängel bei der Lagerung der Atombomben zeigten:
«Mit Atomwaffen gibt es keine Sicherheit.» Der
SPD-Außenpolitiker Niels Annen sagte dem Blatt, der Abzug der
US-Atomwaffen wäre ein riesiger Schritt, um bei der nuklearen
Abrüstung voranzukommen.
Die Union äußerte sich dagegen zurückhaltend: Die
Waffen müssten nach den höchsten Sicherheitsstandards
gelagert werden, sagte der außenpolitische Sprecher der Fraktion,
Eckart von Klaeden. «Wir können aber nicht auf sie
verzichten, solange es Nuklearwaffen auf der Welt gibt. Sie
schützen auch uns.» Die nukleare Teilhabe müsse
Bestandteil der deutschen Sicherheitspolitik bleiben. «Wir
müssen uns auch davor wappnen, dass uns zum Beispiel ein Land wie
der Iran in Zukunft zu Geiseln nimmt.»
Die US-Atomwaffenlager in Europa entsprechen in vielen Fällen
nicht den Sicherheitsanforderungen des US-Verteidigungsministeriums.
Das geht aus einem internen Bericht zu den Atomwaffenlagern der
Luftwaffe in der ganzen Welt hervor. Die Autoren kommen auf den 118
Seiten zu dem Ergebnis, dass die Sicherheit zwar grundsätzlich
«in Ordnung ist, aber verbessert werden muss». Zu den
beanstandeten Anlagen gehört auch das Lager in Büchel in der
Eifel.
(Quelle: ap)
Drei Millionen Kinder und Jugendlich in Deutschland sind arm
Mo.23.06.08 - Die Kinderarmut in Deutschland ist nach Aussagen des Kinderhilfswerks
deutlich größer als bisher angenommen. "Nach Berechnungen
des Kinderhilfswerks sind nicht wie bisher angenommen 2,4 Millionen
Kinder und Jugendliche, sondern rund drei Millionen als arm
einzustufen", sagte der Präsident der Organisation, Thomas
Krüger, dem "Focus". Die neue Zahl ergebe sich durch
präzisere Betrachtung der vorhandenen Daten. So sei bisher noch
nicht berücksichtigt worden, dass die Armut bei Jugendlichen
stärker ansteige als bei Kindern. "Diese Jugendlichen sind
weitgehend von sozialen und kulturellen Aktivitäten
ausgeschlossen", sagte Krüger.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Klima und Krankheiten hängen zusammen
Mo.23.06.08 - Egal ob nach dem Zyklon «Nargis» in Birma oder nach den
schweren Unwettern im Mittleren Westen der USA: Den Nachrichten
über Naturkatastrophen folgen stets die Warnungen vor der
Ausbreitung von Krankheiten. «Im System unserer Erde hängt
alles zusammen», sagt der Leiter der US-Wetterbehörde NOAA,
Conrad Lautenbacher. Wissenschaftler aus 73 Ländern und 50
internationalen Organisationen haben sich zusammengetan, um bestehende
Erdbeobachtungssystem zu vernetzen.
Die Initiative trägt den Namen Global Earth Observation System of
Systems, kurz GEOSS. Ziel ist der Aufbau eines weltumspannenden
Beobachtungsnetzes, das ein besseres Verständnis für die
globalen Zusammenhänge des Klimawandels liefert. Alle Arten von
Daten sollen einfließen. «Es ist Wissenschaft ohne
Grenzen», sagt Lautenbacher.
Die Erhebung von Klimadaten sei auf einem hohen technischen Niveau,
sagt der Direktor der American Public Health Association (APHA), George
Benjamin. Darüber hinaus sei es aber notwendig, nach der Auswertung
der Daten zielgerichtet gegen die Folgen für Mensch und Umwelt
vorzugehen.
Studien haben beispielsweise gezeigt, dass es einen Zusammenhang
zwischen Cholera-Erkrankungen in Indien und der Temperatur im Golf von
Bengalen gibt, wie Lautenbacher sagt. Veränderungen bei Vegetation
oder Luftfeuchtigkeit könnten als Gradmesser für den Ausbruch
von Malaria-Epidemien oder anderen Krankheiten dienen.
Doch nicht nur Wetterdaten seien von Bedeutung, erklärt der
NOAA-Chef. Ebenso maßgeblich seien Informationen über die
Bevölkerung, über Transportwege, Migration und soziales
Verhalten.
Barbara Hatcher, Generalsekretärin der World Federation of Public
Health Associations (WFPHA), vergleicht diese Art der Forschung mit der
Arbeit des englischen Arztes John Snow. Der Mediziner identifizierte im
19. Jahrhundert die Quelle für Cholera-Todesfälle in London,
indem er den Wohnsitz der Opfer und die Herkunft ihres Trinkwassers auf
einer Karte verzeichnete.
Wie Umweltfaktoren die Gesundheit des Menschen beeinflussen
können, zeigt auch ein Beispiel aus Alaska. Robert Corell vom
Heinz-Zentrum für Wissenschaft, Wirtschaft und Umwelt wurde mit der
Untersuchung gehäuft auftretender allergischer Reaktionen in der
Region beauftragt. Er fand heraus, dass der anaphylaktische Schock auf
den Stich einer Biene zurückzuführen war, die in feuchten
Böden überwintert. Diese Bienenart war nie zuvor in Alaska
heimisch, aber im Zuge der Klimaerwärmung verlagerte sich ihr
Lebensraum in Richtung Norden.
Bryan McNally, Mediziner an der Universität von Emory im US-Staat
Georgia, plädiert dafür, dass sich Krankenhäuser mit
Meteorologen vernetzen. So könnten sie sich auf mögliche
Hochwasserkatastrophen, Wirbelstürme oder andere schwere Unwetter
vorbereiten.
Bei drohenden Überschwemmungen etwa dürfe es nicht nur um den
Schutz des Eigentums gehen, sagt Joshua Rosenthal, Experte der
Nationalen Gesundheitsinstitute. Die Warnungen müssten zugleich
Hinweise auf mögliche Krankheiten enthalten, beispielsweise im
Falle einer möglichen Ausbreitung von Bilharziose.
(Quelle: ap)