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Irak 1554 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Deutsche Fluggesellschaft Blue Wings fliegt erstmals Passagiere in den Irak

Di.24.06.08 - Die Düsseldorfer Fluggesellschaft Blue Wings fliegt laut einem Pressebericht erstmals Passagiere in den Irak. Jeden Sonntag geht nach Angaben der in Essen erscheinenden «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (Montagausgabe) ein Airbus A 320 von Frankfurt direkt nach Arbil im Norden des Iraks. Blue Wings fliege im Auftrag des Frankfurter Reise-Unternehmens Everest Travel dorthin, sagte eine Sprecher der Fluggesellschaft der Zeitung. Zunächst werde die Strecke bis Ende Oktober geflogen.

(Quelle: ddp)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 24.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

So.24.06.07 - Hochrangige Al-Kaida-Mitglieder im Irak festgenommen +++ Zwei US-Soldaten und ein britischer Soldat getötet... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0706240.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

EU-Länder verschärfen Sanktionen gegen den Iran

Di.24.06.08 - Im Atomstreit mit dem Iran haben sich die EU-Mitgliedsländer auf neue Sanktionen geeinigt. Die neuen Strafmaßnahmen beinhalten vor allem ein europaweites Geschäftsverbot für die größte iranische Handelsbank Melli, wie EU-Vertreter mitteilten. Zudem soll das Vermögen weiterer Iraner eingefroren und ihnen ein Einreiseverbot erteilt werden. Mit den Strafen soll der Druck auf Teheran erhöht werden, die Uran-Anreicherung zu beenden. Die USA begrüßten die neuen Sanktionen.

Die Sanktionen wurden während des in Luxemburg tagenden Rates der Landwirtschafts- und Fischereiminister beschlossen. Nach Veröffentlichung der neuen Sanktionen im offiziellen EU-Amtsblatt am Dienstag muss die Handelsbank Melli ihre Aktivitäten in den europäischen Filialen London, Hamburg und Paris einstellen, wie EU-Vertreter mitteilten. Melli betreibt rund 3100 Filialen, davon 16 im Ausland. Sie hatte im Geschäftsjahr vom März 2005 bis März 2006 Warenkreditbriefe in Höhe von rund 5,1 Milliarden Dollar (rund 3,3 Milliarden Euro) für Importe in den Iran ausgegeben. Melli wurde 1923 unter anderem mit deutscher Hilfe gegründet.

Der UN-Sicherheitsrat hatte bereits in seiner März-Resolution dazu aufgefordert, allen iranischen Banken "mit gesteigerter Wachsamkeit" zu begegnen. Der Iran verfügt über rund 76 Milliarden Dollar Kapital im Ausland.

Zudem wurden mit den neuen Sanktionen einer Liste von Iranern, die einem Einreiseverbot in die EU unterliegen oder deren Vermögen eingefroren wurde, weitere 20 Namen und 15 Organisationen hinzugefügt. Wer nun auch von Sanktionen betroffen ist, wurde zunächst nicht bekannt. Nach EU-Angaben stehen die Menschen und Organisationen in Verbindung mit iranischen Atom- und Waffenprogrammen. Iranische Politiker seien von den neuen Strafmaßnahmen aber nicht betroffen, da Europa weiterhin einen Dialog mit Teheran wünsche, sagte ein Diplomat.

Die 27 EU-Mitgliedstaaten hatten seit Mai an neuen Strafmaßnahmen gegen den Iran gearbeitet. Bis zu ihrer Inkraftsetzung wurde aber der Besuch des EU-Außenbeauftragten Javier Solana in Teheran Mitte Juni abgewartet. Solana hatte dem Iran im Auftrag der Sechsergruppe (Deutschland, China, Frankreich, Großbritannien, Russland und USA) ein neues Verhandlungsangebot vorgelegt. Der Iran hat sich zu dem neuen Angebot bislang noch nicht offiziell geäußert.

(Quelle: afp)
 


 

Nahost-Konflikt

Geberkonferenz für zerstörte Flüchtlingssiedlung im Libanon

Di.24.06.08 - Für den Wiederaufbau einer bei Kämpfen zerstörten palästinensischen Flüchtlingssiedlung im Libanon haben die Teilnehmer einer internationalen Geberkonferenz in Wien rund 120 Millionen Dollar (77 Millionen Euro) zugesagt. Das teilte ein UN-Sprecher vom Abschluss der eintägigen Konferenz am Montag mit. Die Kosten für den Wiederaufbau von Nahr el Bared und der umliegenden Gebiete im Norden des Libanons werden nach Angaben des libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora mit rund 450 Millionen Dollar veranschlagt.

Siniora hatte zu Beginn der Konferenz die Staatengemeinschaft aufgefordert, wie zugesagt den Wiederaufbau der Flüchtlingssiedlung zu unterstützen. Das Lager Nahr el Bared am Stadtrand von Tripoli wurde im vergangenen Jahr bei dreimonatigen Kämpfen der libanesischen Armee gegen militante Islamisten, denen Verbindungen zur Terrororganisation Al Kaida nachgesagt wurden, völlig zerstört. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR warten 5.449 palästinensische Familien auf den Wiederaufbau der Siedlung.

Im Libanon leben rund 400.000 Flüchtlinge in zumeist völlig überfüllten Lagern. Viele Familien wurden vor rund 60 Jahren bei der Gründung des Staates Israel aus ihrer Heimat vertrieben.

Das Wiederaufbauprojekt wird getragen vom Libanon, der Weltbank und den Vereinten Nationen. Die Hälfte der Kosten soll die internationale Gemeinschaft tragen, die arabische Seite will die andere Hälfte übernehmen, wie der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, erklärte.

Bei Kämpfen zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung in Tripoli wurden in der Nacht zum Montag weitere vier Menschen getötet, wie die Behörden mitteilten. Damit wurden seit Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzungen am Sonntag mindestens acht Menschen getötet. 44 wurden verletzt. Die Spannungen in Tripoli waren in den vergangenen Tagen ständig gestiegen. Bei den Kämpfen wurden schließlich auch Granatwerfer und Maschinengewehre eingesetzt. Bereits im Mai hatten sich Regierungsanhänger und Unterstützer der Hisbollah-Miliz im Libanon blutige Gefechte geliefert, denen mehr als 80 Menschen zum Opfer fielen.

(Quelle: ap)
 


 

Simbabwe: Staatengemeinschaft will Mugabe unter Druck setzen

Di.24.06.08 - Nach dem Rückzug der simbabwischen Opposition aus der Präsidentenwahl zeichnet sich eine härtere Gangart der internationalen Gemeinschaft gegen den umstrittenen Staatschef Robert Mugabe ab.

Der britische Premierminister Gordon Brown verlangte am Montag "eine mächtige und geschlossene Botschaft" an das Regime in Harare. Überraschend deutliche Kritik kam zudem von den afrikanischen Staaten, die sich lange Zeit hinter Mugabe gestellt haben. Der UN-Sicherheitsrat plante Diplomaten zufolge noch für den Abend ein Treffen zu dem Konflikt.

"In der Afrikanischen Union, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen muss sich die Welt auf sehr harte Maßnahmen verständigen", hatte zuvor auch Mark Malloch-Brown betont, der Afrika-Staatsminister der britischen Regierung. Die ehemalige Kolonialmacht werde sich auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass Mugabe nicht länger als rechtmäßiges Staatsoberhaupt betrachtet werde.

Die USA unterstützten die Forderung. Ohne Stichwahl verliere Mugabe jede Legitimität, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice. Die Regierung in Harare müsse zudem für die Angriffe auf die Opposition zur Rechenschaft gezogen werden. Angesichts der Gewalt sei am Freitag keine freie und faire Abstimmung möglich.

Vor den Beratungen im Sicherheitsrat legte Großbritannien den Diplomaten zufolge den Entwurf für eine Erklärung vor. Selbst Südafrika signalisierte Bereitschaft zu diesem Schritt, der als relativ schwach gilt. Bisherige Bemühungen um ein Eingreifen des mächtigsten Gremiums der UN waren an der Regionalmacht gescheitert.

Deutschlands Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderte die Staatengemeinschaft auf, "endlich entschlossen der Gewalt, dem Morden und der Einschüchterung entgegenzutreten". Deutschland begrüße "jedes deutliche und geschlossene internationale Signal an Harare", sagten auch Diplomaten. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier appellierte an Simbabwes Machthaber, "endlich abzulassen von Gewalt und Einschüchterung als Mittel der Politik".

Oppositionschef Morgan Tsvangirai hat sich am Sonntag wegen der anhaltenden Gewalt aus der Stichwahl zurückgezogen. Zudem suchte er Schutz in der niederländischen Botschaft. Tsvangirai habe die Nacht in der Vertretung verbracht, aber nicht um Asyl gebeten, sagte ein Sprecher in Den Haag. Der 56-Jährige sei eingeladen, so lange zu bleiben, wie er es aus Sicherheitsgründen für nötig halte.

In Harare stürmten Sicherheitskräfte am Montag den Hauptsitz von Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), in dem in den vergangenen Wochen Dutzende Anhänger Zuflucht gesucht haben. Mehr als 60 Menschen seien abgeführt worden, darunter Frauen und Kinder, teilte die Partei mit.

Tsvangirai erklärte, er sei weiterhin zu Verhandlungen mit Mugabes Partei Zanu-PF bereit, wenn zuvor die Gewalt gegen seine Anhänger eingestellt werde. An die Nachbarstaaten richtete er den Appell, für eine Verschiebung des Wahltermins zu sorgen. Die Regierung in Harare teilte dagegen mit, dafür sei es zu spät. Die Abstimmung werde wir geplant abgehalten.

(Quelle: rtr)
 


 

EU hebt Sanktionen gegen Kuba auf

Di.24.06.08 - Die Europäische Union hat die bereits seit 2005 ausgesetzten Sanktionen gegen Kuba endgültig aufgehoben. Einen entsprechenden Beschluss der EU-Außenminister von vergangener Woche setzten die Agrarminister der Mitgliedstaaten bei ihrem Treffen in Luxemburg um, wie die slowenische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte. Die EU hatte die Sanktionen gegen Kuba 2003 nach einer Verhaftungswelle gegen Dissidenten verhängt, sie jedoch zwei Jahre später wieder ausgesetzt. Spanien lobte den Schritt als Demonstration der "Unabhängigkeit von Washington". Die USA hatten die Aufhebung bereits im Vorfeld kritisiert.

Die EU-Sanktionen gegen die kommunistisch regierte Karibikinsel bestanden in einer Einschränkung von bilateralen Treffen mit ranghohen kubanischen Regierungsvertretern sowie in Einladungen an Dissidenten durch die Botschaften der EU-Staaten an Nationalfeiertagen. Die Aufhebung der Sanktionen ist eine Reaktion auf die Übernahme der Macht durch Fidel Castros Bruder Raúl, der nach seiner Amtsübernahme einen vorsichtigen Reformprozess einleitete. An Raúl Castro knüpft die EU die Hoffnung auf eine Demokratisierung.

Spanien lobte den Schritt der Europäischen Union. "Die EU hat ihre Unabhängigkeit und Autonomie in ihrer Außenpolitik demonstriert", sagte der spanische EU-Staatssekretär Diego Lopez Garrido. Im Vorfeld und nach der Entscheidung habe es Erklärungen des Weißen Hauses gegeben, die "direkte Opposition" gegen die EU-Pläne signalisierten. Brüssel habe jedoch seine Fähigkeit bewiesen, "einen eigenen außenpolitischen Pfad zu wählen".

Die USA hatten die Pläne im Vorfeld als "verfrüht" kritisiert. Der Verantwortliche der Lateinamerika-Abteilung im US-Außenministerium, Tom Shannon, hatte in einem Interview gesagt, Europa laufe Gefahr, zu schnell in Beziehungen mit einem Land zu treten, das noch immer diktatorisch regiert werde. Er verwies zudem auf unterschiedliche Präferenzen zwischen USA und EU. Während die USA an einem "Politikwechsel" interessiert sei, ziele die EU auf einen "ökonomischen Wandel" ab.

Kubas Revolutionsführer Fidel Castro hatte die geplante Aufhebung als "enorme Heuchelei" bezeichnet. Diese trete umso offener zutage, angesichts der Tatsache, dass die EU gleichzeitig ihre Abschiebungsregelungen "brutal" verschärft habe. Zudem werde die Aufhebung der Sanktionen "keinerlei wirtschaftliche Folgen" für Kuba haben, da die US-Sanktionen fortbestünden. Gegen Kuba besteht seit 1962 ein US-Embargo.

(Quelle: afp)
 


 

Erneut Ansturm illegaler Einwanderer auf Grenze in Melilla

Di.24.06.08 - Dutzende illegale Einwanderer haben am Sonntagabend erneut versucht, die Grenzanlagen der spanischen Exklave Melilla im Norden Marokkos zu überwinden. Die afrikanischen Einwanderer seien von marokkanischen und spanischen Grenzpolizisten aufgehalten worden, berichtete die Nachrichtenagentur Europa Presse unter Berufung auf lokale Behörden. Bereits in der Nacht zuvor hatten rund 70 illegale Einwanderer versucht, einen Grenzposten Melillas zu stürmen. Nach Angaben der Stadtverwaltung gelang es dabei nur wenigen Einwanderern, die Grenzanlage zu überwinden.

Bei den Vorfällen handelt es sich um die ersten massiven Anstürme illegaler Einwanderer auf Melilla seit 2006. Bei dem Versuch, mit dutzenden weiteren Afrikanern spanisches Territorium zu erreichen, war damals ein Mensch ums Leben gekommen. Im Jahre 2005 starben bei ähnlichen Vorfällen 14 Immigranten. Zwischen Marokko und Spanien gibt es wegen der beiden Exklaven Melilla und Ceuta grundlegende Differenzen. Rabat betrachtet die beiden Exklaven an der Mittelmeerküste als integralen Bestandteil Marokkos. Die Exklaven sind jedoch seit mehr als 400 Jahren unter spanischer Hoheit.

(Quelle: afp)
 


 

WHO: Wassermangel tötet täglich 4000 Menschen

Di.24.06.08 - Weltweit sterben jeden Tag 4000 Menschen durch verunreinigtes Trinkwasser. Wenn Regierungen und Behörden die Trinkwasserversorgung nicht nachhaltig verbessern, kommen in diesem Jahr 1,6 Millionen Menschen durch Krankheiten um, die auf unsauberes Trinkwasser zurückzuführen sind.

Dies gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor dem Auftakt einer internationalen Wasserkonferenz bekannt, die am heutigen Dienstag in Singapur beginnt.

Der Wassermangel in vielen Weltregionen wird in Zukunft noch schlimmer, weil mehr Menschen mehr Trinkwasser brauchen und der Klimawandel Dürren verursacht, sagte der WHO-Koordinator für Wasser und Gesundheit, James Bertram. «Es ist ein Problem, dass alle Entwicklungs- und Industrieländer plagt», sagte er nach einem Bericht der «Straits Times» vom Montag. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) schätzt, dass in Asien 700 Millionen Menschen nicht genügend Trinkwasser haben. Bertram verlangte dringend Investitionen in Entsalzungs- und Wiederaufbereitungsanlagen für Abwasser.

Zu der Konferenz in Singapur kommen mehrere hundert Wasserexperten und Regierungsvertreter zusammen, um über Wassermanagement und Lösungsansätze zu diskutieren. Singapur gilt als leuchtendes Beispiel für nachhaltige Wasserversorgung: Der Stadtstaat bereitet Abwasser zu Trinkwasser auf und nutzt große Teile seines kleinen Territoriums einschließlich der dicht bebauten Innenstadt zum Auffangen von Regenwasser.

(Quelle: dpa)
 


 

Ölpreishöhenflug auch nach Krisengipfel ungebrochen

Di.24.06.08 - Nach dem Krisengipfel in Saudi-Arabien können Wirtschaft und Verbraucher vorerst nicht auf ein Ende des Ölpreishöhenflugs hoffen.

Opec-Präsident Chakib Chelil sagte am Montag im algerischen Rundfunk, derzeit bestehe kein Bedarf für eine ausgeweitete Produktion der Ölförderländer des Kartells: "Die Preise werden bis zum Ende des Jahres hoch bleiben." Zu Wochenbeginn zog der Ölpreis wieder an und notierte bei rund 137 Dollar.

Auf dem Öl-Gipfel in Dschidda hatte Saudi-Arabien am Wochenende mit dem Versprechen einer Produktionsausweitung den Preis vorübergehend drücken können. Der deutschen Wirtschaft bereitet die Rekordjagd beim Öl zunehmend Kopfzerbrechen. Die Stimmung in den Chefetagen hat sich so stark eingetrübt wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr, wie der Ifo-Geschäftsklimaindex für Juni zeigt.

Der Ölpreis hatte vorige Woche ein Rekordhoch von fast 140 Dollar pro Fass erreicht - dies bedeutet eine Verdoppelung binnen eines Jahres. Saudi-Arabien hatte Förder - und Verbraucherländer am Wochenende an einen Tisch gebracht, um die Lage nach der Preisexplosion zu beraten. Der weltgrößte Ölexporteur sagte zwar eine Ausweitung der Produktion zu, legte sich aber nicht auf konkrete Ziele fest. Bei Bedarf soll die Tagesförderung allerdings über die 9,7 Millionen Barrel hinaus steigen, die das arabische Land für Juli plant. Die Opec will indes erst im September entscheiden, ob sie die Fördermengen ausweitet.

Deutschlands Wirtschaftsminister Michael Glos wertete den Öl-Gipfel dennoch als Erfolg. Es sei wichtig gewesen, dass ein Dialog zwischen den großen Ölförder- und Ölverbraucherländern in Gang gekommen sei. Die Opec-Spitze sieht jedoch derzeit keinen Handlungsbedarf, die Förderung auszuweiten. Auf den Weltmärkten gebe es keine Nachfrage nach mehr Öl, sagte Opec-Präsident Chelil.

Dies stieß bei Experten auf Kritik: "Das Kartell konterkariert damit das Signal, das Saudi-Arabien geben wollte", sagte Experte Michael Bräuninger vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Gespräch mit Reuters. Dennoch sei es wahrscheinlich, dass der Preis bis zum Jahresende bis auf rund 100 Dollar zurückgehen werde. Dämpfend wirke neben einer saudischen Produktionsausweitung auch die jüngste Benzinpreiserhöhung im zweitgrößten Verbraucherland China. Auch Experte Klaus Schrüfer von der SEB-Bank rechnet mit einem Rückgang des Ölpreises bis Ende 2008, jedoch "Richtung 110 Dollar".

Eine Entspannung wäre bei den deutschen Firmen hoch willkommen, die die höheren Energiekosten immer mehr zu spüren bekommen: "Die stark gestiegenen Ölpreise belasten offensichtlich zunehmend die deutsche Wirtschaft", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die von seinem Institut befragten 7000 Manager bewerteten sowohl die Geschäftsaussichten als auch die Lage schlechter als noch im Mai.

Konsumenten und Unternehmen ächzten hierzulande unter den steigenden Energiekosten, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger. Der Ölpreis drücke die Margen der Firmen und fresse die Lohnerhöhungen der Menschen an den Tankstellen wieder auf: "Das ist eine starke Belastung, aber es sieht noch nicht nach einer Rezession aus."

Die deutsche Industrie hat den Ölpreishöhenflug bislang relativ gut weggesteckt und befindet sich nach Einschätzung des BDI "in einer sehr robusten Verfassung". Der starke Euro habe beim Einkauf von Öl sogar seine Vorteile, denn Öl werde auf Basis des Dollarkurses gehandelt, sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann in Berlin.

(Quelle: rtr)
 


 

CDU setzt auf Atomkraft und erneuerbare Energien

Di.24.06.08 - Die CDU will angesichts von Klimawandel und steigenden Energiepreisen stärker auf Atomkraft und erneuerbare Energien setzen. Der Parteivorstand beschloss am Montag in Berlin ein Grundsatzpapier zur Umwelt-, Klima- und Verbraucherpolitik.

Bis 2050 soll Deutschland demnach den überwiegenden Anteil seines Bedarfs aus erneuerbaren Energien decken. Im Unterschied zu den Grünen hält die Union aber an der Atomenergie fest. «Kernkraft ist für die CDU Öko- Energie», sagte Generalsekretär Ronald Pofalla. Atomkraftwerke seien umweltschonender und lieferten den «wesentlich preiswerteren» Strom.

Der Atomausstieg steht aus Sicht von Pofalla vor der Bundestagswahl 2009 nicht zur Disposition. «Ich glaube, dass das in dieser Legislaturperiode nicht Gegenstand aktiver Regierungspolitik werden wird», sagte der CDU-Generalsekretär. Mit den Energiekonzernen solle über eine Verlängerung der Laufzeiten der bestehenden Atommeiler gesprochen werden. Ein beachtlicher Teil von Zusatzgewinnen, die hieraus möglich seien, solle künftig in geringere Tarife und die Forschung fließen.

Mit dem Papier wollen die Christdemokraten ihr Profil auf diesem Politikfeld stärken. «Wir spielen den Umweltschutz nicht gegen die Wirtschaft aus», sagte Pofalla. «Insbesondere die Grünen betreiben ihre Umweltpolitik noch immer sehr ideologisch.»

(Quelle: dpa)
 


 

Kanzlerin Merkel: Globalisierung mit Gottvertrauen angehen

Di.24.06.08 - Die Herausforderungen der Globalisierung sind nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Engagement für die soziale Marktwirtschaft und dem christlichen Selbstverständnis zu bewältigen. Langfristig sei die "menschliche Ordnung" auch wirtschaftlich die bessere Ordnung, sagte Merkel am Freitag auf der Bundestagung des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der Union in Berlin. In einer zusammenwachsenden Welt werde auch die Frage nach den eigenen Überzeugungen immer wichtiger, ergänzte die Kanzlerin. Daher sei es an der Zeit, den christlichen Glauben wieder offensiver zu vertreten, statt "nur im stillen Kämmerlein".

Weltweit werde Marktwirtschaft immer häufiger nicht mehr mit Demokratie und sozialen Werten verbunden, so Merkel weiter. Es gelte deshalb, bestimmte Werte unverrückbar zu machen. Dazu zählten Mindestarbeitsstandards, der Schutz der ökologischen Ressourcen und des geistigen Eigentums sowie Standards im Welthandel. Man müsse andere Kulturen ernst nehmen und zugleich die eigene Art zu leben für andere attraktiv machen, unterstrich sie. Als sichere Basis dafür könne das Gottvertrauen dienen.

Auch in Deutschland selbst sei das "Urvertrauen" in die soziale Marktwirtschaft gestört, ergänzte die CDU-Politikerin. Sie müsse erneut dafür stehen, allen die Chance für den Aufstieg zu ermöglichen. Dies funktioniere nur durch mehr Bildung. Der Zugang zu Bildung für möglichst jeden sei "eine essenzielle Frage der Überlebensfähigkeit unserer Gesellschaft", unterstrich Merkel. Wenn Menschen immer weniger über ihre Geschichte, Traditionen und Werte wüssten, könnten sie auch die Globalisierung nicht verstehen.

Der Bundesvorsitzende des EAK, Thomas Rachel (CDU), wandte sich gegen eine "christenfeindliche Bildungspolitik". Es sei der falsche Weg, den Religionsunterricht aus den Schulen und christliche Symbole aus öffentlichen Gebäuden zu verbannen, kritisierte er. Die Union werde sich daher weiter vehement gegen eine solche Politik einsetzen.

(Quelle: epd)
 


 

Inflation frisst Lohnzuwachs der Arbeitnehmer auf

Di.24.06.08 - Die hohe Teuerung in Deutschland hat die Verdienstzuwächse der Arbeitnehmer im ersten Quartal wieder aufgezehrt.

Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer in der Industrie und im Dienstleistungssektor verdiente durchschnittlich 3064 Euro brutto im Monat und damit 2,8 Prozent mehr als in den ersten drei Monaten 2007, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag auf Grundlage vorläufiger Ergebnisse mitteilte. Da die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum um 2,9 Prozent kletterten, gab es real keine Einkommenssteigerung.

Das Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sieht die Entwicklung aufgrund der bisherigen Tarifabschlüsse günstiger. «Die Tarifverträge geben Anlass zur Hoffnung, dass im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt eine kleine Reallohnsteigerung herauskommen könnte», sagte der Leiter des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck, der dpa. So lägen die Abschlüsse für die Stahlindustrie, die chemische Industrie und den öffentlichen Dienst im ersten Halbjahr oberhalb der Preissteigerungsrate. Wichtige Tarifrunden für die Banken sowie die Metall- und Elektroindustrie stehen noch an. «Da kommt noch ein bisschen», sagte Bispinck.

Die Preisexplosion an den Zapfsäulen und bei Milchprodukten hatte die Teuerung in Deutschland im Mai erneut auf die Drei-Prozent-Marke getrieben. Die jährliche Teuerungsrate erreichte 3,0 Prozent. Preistreiber waren vor allem Kraftstoffe und Heizöl, obwohl der Anteil der Energie an den Gesamtausgaben der privaten Haushalte weniger als zehn Prozent beträgt. Im März hatte die Jahresteuerung schon einmal bei 3,1 Prozent gelegen. Im April war sie auf 2,4 Prozent zurückgegangen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht Preisstabilität bei Jahresraten knapp unter zwei Prozent gewahrt. Um die hohe Inflation im Euro-Raum in den Griff zu bekommen, will die EZB in Kürze die Zinsen erhöhen.

In den einzelnen Branchen war die Verdienstentwicklung nach Angaben des Statistischen Bundesamtes unterschiedlich: Über den größten Verdienstanstieg im Vergleich zum Vorjahresquartal konnten sich die Beschäftigten im Kredit- und Versicherungsgewerbe mit 3,4 Prozent freuen. Im Handel gab es ein Plus von 3,1 Prozent. Am geringsten stiegen die Bruttomonatsverdienste im Bergbau mit 1,2 Prozent sowie in der Energie- und Wasserversorgung mit 1,6 Prozent. Im Jahr 2007 lag der Bruttojahresverdienst eines Arbeitnehmers im Schnitt bei 40 368 Euro. Im Kredit- und Versicherungsgewerbe wurde mit 56 218 Euro der höchste, im Gastgewerbe mit 23 444 Euro der niedrigste Verdienst gezahlt. 10,4 Prozent des Jahresverdienstes oder 4185 Euro wurden im Durchschnitt als Sonderzahlung vergütet.

(Quelle: dpa)
 


 

Sozialverband fordert Inflationsschutz für Renten

Di.24.06.08 - Der Sozialverband Deutschland fordert eine Inflationsschutzklausel bei der Rente und die Abschaffung von Kürzungsfaktoren. «Der schleichende Wertverlust der Renten muss gestoppt werden», sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer am Montag. Viele Senioren kämen kaum noch über die Runden.

Bauer erinnerte an die drei Nullrunden und eine geringe Erhöhung seit 2004. Die gestiegenen Krankenkassenbeiträge und den vollen Pflegeversicherungsbeitrag für Rentner dazugenommen, ergäben sich Kaufkraftverluste von mindestens zehn Prozent. Die Erhöhung um 1,1 Prozent zum 1. Juli gleiche nicht einmal die auf 2,6 Prozent geschätzte Inflationsrate aus. Nach den außerplanmäßigen Erhöhungen in diesem und im nächsten Jahr sei in den Folgejahren nur mit sehr geringen Anpassungen zu rechnen. Der Effekt der Kürzungsfaktoren sei so stark, dass niedrige Bruttolohnerhöhungen regelmäßig zu Nullrunden bei den Renten führten.

Der SoVD forderte daher, die lohnorientierte Rentenanpassung um eine Inflationsschutzklausel zu ergänzen: Wenn die Rentenanpassung unter der Inflationsrate des Vorjahres und die Bruttolohnentwicklung darüber liegt, werden die Renten in Höhe der Inflationsrate angepasst. Sind auch die Bruttolöhne geringer gestiegen als die Inflationsrate, werden die Renten in Höhe der Löhne angepasst. Außerdem müsse der Riester-Faktor dauerhaft ausgesetzt und der Nachholfaktor abgeschafft werden, um weitere Rentenkürzungen zu verhindern, verlangte Bauer.

Der Riester-Faktor berücksichtigt die Aufwendungen der aktiven Beschäftigten für eine zusätzliche Altersvorsorge und bedeutet eine um rund 0,6 Prozentpunkte geringere Rentenanpassung. Die Bundesregierung hatte ihn für dieses und nächstes Jahr ausgesetzt, um den Rentnern nicht noch eine Nullrunde oder Mini-Erhöhung zuzumuten. Der Nachholfaktor soll Rentenkürzungen ausgleichen, die 2005 und 2006 eigentlich fällig gewesen wären. Er sieht vor, ab 2011 Rentenanpassungen so lange zu halbieren, bis das Kürzungsvolumen eingespart ist.

(Quelle: ap)
 


 

Annäherung bei Verhandlungen zu Altersteilzeit - Tarifparteien der Metallindustrie streben Freitag eine Einigung in dem Konflikt an

Di.24.06.08 - Die Verhandlungen für eine Neuregelung der Altersteilzeit in der Metall- und Elektroindustrie steuern auf eine Entscheidung zu. IG Metall und Südwestmetall kündigten am Montagabend nach rund vierstündigen Gesprächen in Sindelfingen an, die Verhandlungen am Freitag mit dem Ziel einer Einigung fortsetzen zu wollen. Beide Seiten deuteten an, sich in Streitpunkten angenähert zu haben. «Wir bewegen uns in Lösungskorridoren», sagte der baden-württembergische IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Ob diese tragfähig seien, müsse sich aber noch erweisen.

Die siebte Verhandlungsrunde am Freitag bewerteten sowohl Hofmann als auch der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Jan Stefan Roell, als entscheidenden Termin. Wenn es bis Freitagabend keine Lösung gebe, glaube er nicht, dass der Konflikt in Baden-Württemberg gelöst werden könne, sagte Roell. Hofmann schloss sich dieser Auffassung an.«Wir sollten am Freitag die Chance nutzen, eine Lösung zu finden», betonte der Gewerkschafter. Ansonsten sehe er vor der Lohnrunde im Herbst kaum noch eine Chance dafür.

Die Unterbrechung der Gespräche wurde im Einvernehmen vereinbart, um einzelne Aspekte eines möglichen Kompromisses durchzurechnen. Roell zufolge liegt ein Modell auf dem Tisch, «das beide Seiten für möglich halten». Die Thematik sei aber sehr komplex. Es gebe noch fünf bis sechs offene Punkte, die erst besprochen werden könnten, wenn konkrete Zahlen zu den Kosten vorliegen. Beide Seiten benötigten für diese Berechnungen Zeit.

IG Metall und Arbeitgeber in Baden-Württemberg verhandeln seit Wochen federführend für die gesamtdeutsche Metallbranche über eine Nachfolgeregelung für die Altersteilzeit. Die staatliche Förderung für den vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben läuft Ende 2009 aus. Als einer der Knachpunkte der seit Wochen von Warnstreiks begleiteten Verhandlungen gilt die Frage, wie viele Beschäftigte künftig noch einen Anspruch auf Altersteilzeit haben sollen. Die Arbeitgeber wollen nur noch besonders belasteten Mitarbeitern einen Anspruch gewähren.

IG-Metall-Bezirksleiter Hofmann bekräftigte, dass seine Gewerkschaft ohne einen allgemeinen Anspruch auf Altersteilzeit, der auf alle Betriebe gleich wirke, keinen Tarifvertrag abschließen werde. Dennoch zeigte er sich zuversichtlich. «Wenn wir nicht weitergekommen wären, hätten wir die Verhandlungen abgebrochen», versicherte Hofmann. Auf Details zum vorliegenden Modell gingen beide Seiten nicht ein. Hofmann zufolge geht es um einen «Ordnungsrahmen» mit Mindestbedingungen für betriebliche Vereinbarungen. Diese Bedingungen müssten so formuliert werden, dass sie für beide Seiten akzeptabel seien.

(Quelle: ddp)
 


 

Unbekannte zerstören Gentechnik-Versuchsfeld der BASF

Di.24.06.08 - Unbekannte haben ein Gentechnik-Versuchsfeld der BASF bei Ludwigshafen zerstört. Die Täter hätten Löcher in den Zaun um das Gelände des BASF-Agrarzentrums in Limburgerhof geschnitten und nahezu alle Kartoffelpflanzen auf den Versuchsparzellen aus dem Boden gerissen, teilte BASF am Wochenende mit. Wie hoch der Schaden sei, der durch die Zerstörung des Feldversuchs entstanden sei, werde derzeit geprüft. Auf jeden Fall werde das Unternehmen Anzeige erstatten.

In den Feldversuchen in Limburgerhof testete BASF gentechnisch veränderte Kartoffeln zur Produktion von Stärke für industrielle Anwendungen sowie Kartoffeln mit einer gentechnisch erhöhten Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule. Die Feldversuche waren laut Unternehmensangaben im April 2007 vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit genehmigt worden. Die Versuchsknollen seien dann im April dieses Jahres gepflanzt worden.

(Quelle: ddp)
 


 

Vertrauliche Meldedaten von 15 Kommunen im Internet einsehbar

Di.24.06.08 - Wegen einer Panne in einer Softwarefirma sind die Meldedaten von 15 deutschen Kommunen monatelang im Internet frei verfügbar gewesen. Mit Hilfe eines Zugangscodes war es möglich, Adressen, Passbilder und Religionszugehörigkeiten von etwa 500.000 Bürgern herauszufinden, wie das Unternehmen HSH aus Ahrensfelde bei Berlin am Montag mitteilte. Nutzerkennung und Passwort waren demnach auf einer Webseite zwischen März und Juni verfügbar. «Da ist uns ein Lapsus passiert», sagte Firmensprecher Sven Kollmorgen. Inzwischen sei die Sicherheitslücke aber geschlossen.

Über den Fall berichtete zuerst das ARD-Magazin «Report München» am Montag. Das sogenannte Informationsregister der Firma HSH benutzen nach Unternehmensangaben insgesamt 425 Kommunen. 15 dieser Städte und Gemeinden hätten einen voreingestellten Benutzerzugang nicht wie vorgesehen geändert. Diesen Zugang benutzte die Firma HSH aber zu Demonstrationszwecken für eine Internet-Gewerberegisterauskunft, wie Sprecher Kollmorgen sagte. Bei der Mausbewegung über den Link waren demnach die Zugangsdaten für die Melderegister zu sehen.

Nach Firmenangaben wurden mit dem Zugang Daten von 3 der insgesamt 15 betroffenen Kommunen abgerufen, wie Sprecher Kollmorgen sagte. Die Zugriffe seien protokolliert worden. Alle drei Gemeinden befinden sich demnach in Brandenburg.

Nach Angaben des Unternehmens, das sich auf Software für Behörden spezialisiert hat, konnten mit dem Zugang keine kompletten Melderegister abgerufen werden. Laut Kollmorgen musste nach einem konkreten Namen gesucht werden, um einen Treffer zu erhalten.

Die Kennung sei zwischen dem 15. März bis zum vergangenen Freitag im Internet verfügbar gewesen. Inzwischen sei es nicht mehr möglich, damit Daten abzurufen. «Alle E-Government-Anwendungen wie Online-Melderegisterauskunft, Online-Anträge oder -auskünfte sind nach wie vor sicher und halten die datenschutzrechtlichen Bestimmungen konsequent ein», erklärte das Unternehmen. Welche Kommunen von der Sicherheitslücke betroffen waren, sagte der Sprecher nicht. Die 15 befänden sich im gesamten Bundesgebiet.

(Quelle: ap)
 


 

Wie Patente der Software-Industrie schaden können

Di.24.06.08 - Patente werden auf Erfindungen erteilt. Software ist hiervon in Europa ausgenommen. Trotzdem werden Patente erteilt, die nicht nur den Entwicklern von Computer-Programmen wirtschaftlich schaden könnten.

Das derzeit geltende europäische Recht besagt, dass Software dem Urheberrecht unterstellt ist. Von der Patentierbarkeit ist sie jedoch ausgeschlossen. Der Grund hierfür ist, dass es sich bei den Computer-Programmen zwar grundsätzlich um logische Abläufe handelt, diese jedoch nicht als Erfindung im eigentlichen Sinne gesehen werden können.

Dessen ungeachtet hat das Europäische Patentamt (EPA) laut der Unternehmerinitiative "Patentfrei.de" in den vergangenen Jahren zwischen 30 000 und 50 000 Software-Patente erteilt. Diese Patente beziehen sich demnach zu einem großen Teil auf grundlegende Ideen und Konzepte in der Entwicklung von Computer-Programmen. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Idee des "Warenkorbs", wie er heute in den meisten Online-Shops zu finden ist. Auch das Konzept der Kreditkartenzahlung sowie weitere Aspekte aus dem E-Commerce-Bereich sind patentiert.

Laut Patentfrei.de sind diese Patente rechtskräftig, obwohl sie illegitim erteilt worden sind. Julien Zazoff von der Interessenvereinigung weist darauf hin, dass Software-Entwickler hierdurch wirtschaftlich bedroht werden. "Obwohl sie Urheber des Programmes sind, können sie dieses nicht risikofrei wirtschaftlich nutzen. Die Gefahr liegt insbesondere in dem enormen Haftungs- und Prozesskostenrisiko, das mit der Verletzung verbunden und für ein durchschnittliches Unternehmen nicht tragbar ist." Weil bereits sehr viele Software-Patente existieren, ist eine Umgehung aber nahezu unmöglich. Jedoch birgt die Situation nicht nur für Software-Entwickler Risiken. Patentfrei.de warnt davor, dass auch gewerbliche Nutzer und Distributoren von Software jederzeit von den Patentinhabern verklagt werden könnten.

Kommt es zu einem Rechtsstreit, kann es aufgrund der Komplexität der Materie Jahre dauern, bis die Gültigkeit des Patents überprüft ist. In dieser Zeit entstehen hohe Kosten, viele durchschnittliche Unternehmen gehen nicht zuletzt wegen der gerichtlichen Auseinandersetzung in die Insolvenz. Um die Lage in Zukunft zu verbessern, ist die EU bestrebt, eine gemeinsame Patentgerichtsbarkeit und ein Gemeinschaftspatent zu schaffen. Dieser Schritt wird von vielen Branchenkennern zwar begrüßt. Aber sie sehen die Umsetzung als problematisch an. Das Europäische Patentamt würde mehr Einfluss als bisher erhalten. Würde auch weiterhin Software patentiert, würde die Lage noch unüberschaubarer, zudem könnte die Patentqualität leiden. Hauptsächliche Leidtragende wären weiterhin die Software-Entwickler und Unternehmen in der IT-Branche - und das nicht nur in Deutschland.

(Quelle: gp)
 
 
 
 

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