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Irak 1555 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Zehn Tote bei Bombenanschlag in Sadr City - Vier Amerikaner unter den
Opfern. US-Militär: Fortschritte bei Iraks Armee - US-Hilfe weiter
nötig
Mi.25.06.08 - Bei einem Bombenanschlag im Bagdader Stadtteil Sadr City sind am
Dienstag mindestens zehn Menschen getötet worden. Unter den Opfern
waren auch zwei US-Soldaten und zwei amerikanische
Regierungsangestellte, wie eine Sprecherin der US-Botschaft mitteilte.
Die Zivilpersonen arbeiteten für das Außen- und das
Verteidigungsministerium. Bei dem Anschlag wurden nach Angaben der
irakischen Polizei mindestens elf weitere Menschen verletzt, darunter
auch ein US-Soldat.
Ziel des Anschlags waren offenbar amerikanische Besucher eines
Verwaltungsgebäudes in Sadr City. Die US-Streitkräfte
riegelten nach dem Anschlag das Gebäude und den Zugang zu dem
Stadtviertel ab.
Ein Selbstmordattentäter riss später in Mossul im Nordwesten
des Iraks zwei Menschen mit in den Tod, darunter ein Kind. Der
Attentäter sprengte sich mit einem Auto in einer Marktgegend in
der Innenstadt in die Luft. 70 Menschen wurden nach Angaben der Polizei
verletzt.
Iraks Armee macht nach Einschätzung des US-Militärs zwar
deutliche Fortschritte, kann jedoch noch nicht die alleinige
Verantwortung übernehmen.
"Sie sind noch nicht soweit", erklärte der Vize-Oberkommandeur der
amerikanischen Streitkräfte im Irak, General-Leutnant Lloyd Austin,
am Montag. Die Einschätzung wurde in zwei Regierungspapieren
bestätigt. Das Verteidigungsministerium schrieb in einem Bericht
an dem Kongress, die irakische Armee könne Ende 2008
"überwiegend selbstständig" sein. Der Kongress- Rechnungshof
GAO forderte dagegen das Verteidigungs- und Außenministerium zu
einer neuen Strategie auf. Viele der vor einem Jahr aufgestellten Ziele
seien nicht erreicht worden.
Im vergangenen Monat ist die Gewalt im Irak deutlich
zurückgegangen. Von den 18 Provinzen des Landes sind
gegenwärtig neun unter irakischer Kontrolle, allerdings
beaufsichtigt durch die USA. Das US-Verteidigungsministerium geht davon
aus, bis Jahresende zwei weitere übergeben zu können.
boa (Quellen: ap, rtr)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 25.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mo.25.06.07 - Künftiger britischer Premier Brown verteidigt Einsatz im Irak +++
Todesstrafe für 'Chemie-Ali' wegen Mordes an Kurden im Irak +++ Zwei
Tote bei Bombenanschlag in der südirakischen Stadt Hilla +++ Sieben
US-Soldaten bei Angriffen im Irak getötet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0706250.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Zahl der Angriffe im Osten Afghanistans um 40 Prozent gestiegen
Mi.25.06.08 - Die Zahl der Angriffe durch Extremisten im Osten Afghanistans ist im
Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen. Das erklärte der
Oberkommandierende der US-Soldaten in Afghanistan, Generalmajor Jeffrey
Schloesser, am Dienstag vor Journalisten in Washington. Allein seit
Anfang April seien 40 Soldaten der internationalen Koalitionstruppen
getötet worden. Bei einer Minenexplosion im Osten des Landes in
der Provinz Nangarhar kam am Dienstag ein weiterer NATO-Soldat ums
Leben, drei wurden verletzt.
Schloesser sagte, die Angreifer - Kämpfer der Taliban und sonstige
Extremisten im afghanisch-pakistanischen Grenzegebiet - gingen auch
gezielt gegen Schulen und Projekte des Wiederaufbaus vor, um
Fortschritte im Land zunichte zu machen. Die Sicherheitslage in
Afghanistan hat sich zuletzt zusehends verschlechtert, vor allem im
Süden und Osten des Landes. Die Gewalt dort hat in diesem Jahr
bisher fast 2.000 Menschen das Leben gekostet. Deutschland plant sein
NATO-Truppenkontingent ab Mitte Oktober von 3.500 auf 4.500 Soldaten
aufzustocken. Die Bundeswehr ist allerdings nur im vergleichsweise
friedlichen Norden des Landes im Einsatz.
Kampfflugzeuge der Koalitionstruppen griffen am Dienstag
flüchtende Aufständische an und töteten 15 von ihnen.
Der Polizeichef der Provinz Paktia erklärte, zunächst sei es
zu heftigen Kämpfen in der Ortschaft Sajid Karam gekommen.
Verletzte habe es nicht gegeben. Ein Sprecher der Koalitionstruppen,
Nathan Perry, sagte, eine unbemannte Drohne habe die
Aufständischen ausgemacht. Daraufhin sei Luftunterstützung
angefordert worden. 15 Kämpfer wurden getötet, weitere vier
erlitten Verletzungen.
(Quelle: ap)
Deutsche Regierung will 1000 Bundeswehrsoldaten mehr für
Afghanistan
Mi.25.06.08 - Die Bundesregierung will die Obergrenze für das nächste
deutsche Afghanistan-Mandat um 1000 Mann erhöhen. Dies teilten
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Generalinspekteur
Wolfgang Schneiderhan mit. Die von 3500 auf 4500 Mann erhöhte
Obergrenze solle der Bundeswehr bei dem ISAF-Einsatz mehr
Flexibilität sichern. Am Zuständigkeitsbereich im Norden
Afghanistans soll sich nichts ändern. Jung will zudem eine
Reduzierung der deutschen Kräfte für das Mandat "Enduring
Freedom" von 1400 auf 800 beantragen. Der Bundestag muss den
Anträgen im Herbst zustimmen.
Jung und Schneiderhan sowie Bundesaußenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) hatten am Morgen die Obleute des Auswärtigen
Ausschusses und des Verteidigungsausschusses informiert. Ziel sei es
nicht, die erhöhte Obergrenze sofort auszuschöpfen, sondern
lediglich mehr Spielraum zu erhalten, betonten sowohl Jung als auch
Schneiderhan auf einer Pressekonferenz. Das geltende Bundestagsmandat
für die internationale Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) läuft
am 13. Oktober aus.
In dem neuen Mandat soll auch die Rolle von rund 40 deutschen
Fernmeldekräften im Süden Afghanistans klargestellt werden,
wie Jung ankündigte. Die Bundeswehrsoldaten sind im Auftrag der
NATO schon seit längerem in Kandahar. Eigentlich sollte ihr Einsatz
zeitlich befristet sein. Da sich aber ihre geplante Ablösung durch
einen privaten Anbieter verzögere, müssten sie sich dort
vorerst weiter mit einem dänischen Trupp abwechseln, sagte
Schneiderhan.
Zu den Kosten für die erweiterte Obergrenze wollte Jung nichts
Näheres sagen. Dies hänge davon ab, wie viele Soldaten
tatsächlich eingesetzt würden. "Derzeit kommen wir so hin",
sagte der Verteidigungsminister. Gegebenenfalls müsse er mit
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) über weitere Mittel
sprechen.
Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Reinhold Robbe,
begrüßte die Aufstockung. Es gebe schon jetzt einen
Fehlbedarf von 300 bis 400 Soldaten, sagte der SPD-Politiker im
ARD-Morgenmagazin. "Bei uns wird leider viel zu wenig darüber
reflektiert, dass wir insgesamt in acht verschiedenen Stützpunkten
unsere Soldaten eingesetzt haben."
Das Bundestagsmandat für die US-geführte
Anti-Terror-Operation Enduring Freedom (OEF) läuft im November aus.
Auch mit der reduzierten Zahl von 800 Soldaten könne die
Bundeswehr ihre OEF-Aufgaben weiter wahrnehmen, sagte Jung.
(Quelle: afp)
Nahost-Konferenz von Bruch der Waffenruhe überschattet:
Millionenhilfe für Palästina - Zwei-Staaten-Lösung
angestrebt
Mi.25.06.08 - Überschattet von neuen Raketenangriffen hat die
Staatengemeinschaft auf einer Nahost-Konferenz in Berlin mit
Aufbauhilfen in Millionenhöhe einen wichtigen Baustein für
einen unabhängigen Palästinenser-Staat gesetzt.
"Uns geht das Geld aus!" Klare Worte vom palästinensischen
Ministerpräsident Salam Fajjad an die Geberländer auf der
Internationalen Sicherheitskonferenz für die palästinensichen
Gebiete am Dienstag in Berlin . Unter dem finanziellen Notstand leide
vor allem die Sicherheit im Westjordanland. Dringend notwendig sei eine
Verbesserung sowohl des Trainings als auch der Ausstattung der etwa
6000 bis 7000 zivilen Sicherheitskräften dort: "Wir brauchen eine
leistungsstarke palästinensische Polizei und eine funktionierende
Justizverwaltung", sagte auch der deutsche Außenminister Walter
Steinmeier.
Die Bunderregierung kündigte auf der Berliner Konferenz an, 15
Millionen Euro zum Ausbau der Polizei und Justiz zur Verfügung
stellen zu wollen. Die USA wollen laut Außenministerin
Condoleezza Rice bis 2009 100 Millionen Dollar geben. Insgesamt, so
hieß es aus Regierungskreisen, sollen 242 Millionen Dollar
bereitgestellt werden. Die Zusagen bezögen sich auf einen Zeitraum
bis zum Jahr 2011. Die palästinensische Seite hatte zuvor einen
Bedarf von rund 190 Millionen Dollar für 2008 bis 2010 angegeben.
Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, dass man den Menschen vor Ort
"sichtbare Zeichen geben müsse, dass für ihr Leben etwas
passiert". Steinmeier sagte jedoch auch, den Parteien in der Region
damit nicht die schwierige Suche nach einem Kompromiss abnehmen zu
können. Ein Kompromiss, so hieß es, müsse eine
Zwei-Staaten-Lösung anstreben. Auf diesem Weg könne und werde
die internationale Gemeinschaft die Konfliktparteien unterstützen,
sowohl politisch als auch finanziell. Fortschritte bei der Lösung
des Nahost-Konflikts seien "in unser aller Interesse", betonte Merkel.
Israels Außenministerin Zipi Livni bekräftigte die
Unterstützung ihrer Regierung für eine Erweiterung der
EU-Polizeimission EUPOL COPPS im Westjordanland um 20 zusätzliche
Berater. Als sehr wichtig bezeichnete auch Rice die EUPOL-Mission. Sie
sei Vorraussetzung für die Schaffung robuster Institutionen auf
palästinensicher Seite.
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, forderte ein
Ende des israelischen Siedlungsbaus. Dieser stehe den Bemühungen
um die Verbesserung der palästinensischen Sicherheitsstrukturen im
Wege. Zudem forderte er in seiner Begrüßungsrede einen
internationalen Kurswechsel - ohne konkret zu werden, appellierte er an
die Verantwortung aller und forderte Unterstützung für einen
inner-palästinensischen Frieden.
Das führte beinahe zum Eklat mit Condoleeza Rice, die - entgegen
der Tagesordnung - den Ägypter unterbrach. Die Staatengemeinschaft
werde eine Versöhnung mit den moderaten Palästinensern im
Westjordanland und der Hamas erst unterstützen, wenn als Grundlage
dafür zumindest die internationalen Vereinbarungen beachtet
würden, die die Palästinenser unterzeichnet hätten, so
Rice.
Unterdessen wurde die jüngst vereinbarte Waffenruhe zwischen
Israel und der radikalislamischen Hamas erstmals unterbrochen.
Israelische Soldaten erschossen am Dienstag im Westjordanland zwei
Palästinenser, darunter ein Mitglied des Islamischen Dschihad.
Daraufhin wurden aus dem Gazastreifen zwei Raketen auf Südisrael
abgefeuert, wozu sich der Islamische Dschihad bekannte.
Bei der dem Nahost-Konferenz folgenden Treffen des so genannten
Nahost-Quartetts riefen dessen Mitglieder - UN, EU, USA und Russland -
dazu auf, die vor wenigen Tagen vereinbarte Waffenruhe vollständig
zu respektieren. Zudem appellierte das Nahost-Quartett nach seinem
Treffen in Berlin an Israel, seine Siedlungsaktiviäten
einzustellen. Ein neues Treffen des Gremiums ist für September in
New York geplant.
(Quelle: dw)
Simbabwe: Präsident Mugabe hält trotz internationalen Drucks
an Wahl fest
Mi.25.06.08 - Ungeachtet internationaler Kritik an der Gewalt gegen Oppositionelle
hält Simbabwes Staatschef Robert Mugabe an der Stichwahl um das
Präsidentenamt am Freitag fest.
"Die Wahl wird stattfinden", sagte der seit 28 Jahren autoritär
regierende Mugabe am Dienstag. Das Leben seines Herausforderers Morgan
Tsvangirai, der sich in die niederländische Botschaft
geflüchtet hat und wegen der Einschüchterung seiner
Anhänger auf die Teilnahme am zweiten Wahldurchgang verzichtet,
sei nicht in Gefahr. Nach dem UN-Sicherheitsrat verurteilten auch
afrikanische Staaten die Gewalt von Gefolgsleuten Mugabes gegen
Oppositionelle und forderten eine Verschiebung der Wahl.
"Der Westen kann schreien so viel er will. Die Wahl wird stattfinden.
Wer unsere Legitimität anerkennen will, soll es tun, wer es nicht
will, soll es bleibenlassen", sagte der 84-jährige Mugabe auf
einer Kundgebung im Westen Simbabwes. Er wolle sich Verhandlungen mit
Tsvangirai, der beim ersten Durchgang der Präsidentenwahl die
absolute Mehrheit nur knapp verfehlt hatte, nicht verweigern.
Zunächst aber müsse die Wahl abgeschlossen werden.
US-Botschafter James McGee forderte die Staaten im südlichen
Afrika auf, die Regierung Mugabes und die Wahl am Freitag für
illegitim zu erklären. Die Welt könne die Abstimmung
allerdings nicht stoppen. Der senegalesische Präsident Abdoulaye
Wade und der Chef der südafrikanischen Regierungspartei ANC, Jacob
Zuma forderten, die Wahl zu verschieben. Zuma verlangte zudem ein
rasches Eingreifen der Vereinten Nationen (UN) und der
Staatengemeinschaft im südlichen Afrika (SADC). Die Lage in
Simbabwe sei außer Kontrolle. Der südafrikanische
Gewerkschaftsverband Cosatu forderte alle Staaten auf, die Regierung
Mugabes nicht anzuerkennen. Der Verband sei entsetzt über das
Ausmaß der Gewalt das Mugabe-Regimes gegen das simbabwische Volk.
Der UN-Sicherheitsrat sieht keine Chance mehr auf eine faire Stichwahl.
Grund seien die "Kampagne der Gewalt und die der politischen Opposition
auferlegten Beschränkungen", erklärte das höchste
Gremium der Vereinten Nationen. Es war die erste formelle Stellungnahme
des Sicherheitsrats seit dem Ausbruch der Gewalt Ende März. Die
Erklärung wurde einstimmig angenommen. Bislang hatten
Südafrika, Russland und China Diskussionen über die Lage in
Simbabwe blockiert. Insbesondere Südafrika, ein
nicht-ständiges Mitglied des Rates, verlangte eine "stille
Diplomatie" gegenüber der Regierung Mugabe.
Senegals Präsident Wade wies darauf hin, dass Soldaten am
vergangenen Wochenende in das Haus von Tsvangirai eingedrungen seien.
Der Oppositionsführer sei aber vorgewarnt gewesen und habe sich
rechtzeitig in der niederländischen Botschaft in Harare in
Sicherheit bringen können. Dort verbrachte Tsvangirai bereits zwei
Nächte. Dem niederländischen Hörfunk sagte Tsvangirai,
er könne das Gebäude in den kommenden Tagen verlassen. Die
Regierung habe dem niederländischen Botschafter versichert, dass
ihm nichts zuleide getan werde.
(Quelle: rtr)
USA und Vietnam kündigen verstärkten Dialog an
Mi.25.06.08 - Die USA und Vietnam planen einen Dialog auf höherer Ebene unter
anderem auf den Gebieten Wirtschaft und Verteidigung. Washington wolle
Vietnam außerdem bei Forschungen zum Klimawandel
unterstützen, erklärte Ministerpräsident Nguyen Tan Dung
nach einem Besuch im Weißen Haus am Dienstag. US-Präsident
George W. Bush zufolge stand auf der Tagesordnung auch die Religions-
und politische Freiheit in dem asiatischen Land. Bush würdigte die
Bemühungen der Regierung in Hanoi und sprach von Fortschritten.
Zwischen beiden Staaten haben sich rege Handelsbeziehungen entwickelt,
US-Abgeordnete kritisieren allerdings Menschenrechtsverstöße
in Vietnam.
(Quelle: ap)
Russland bereitet sich auf Krieg in der Arktis vor
Mi.25.06.08 - Im Territorialstreit um die Rohstoffvorkommen am Nordpol zeichnet sich
neuer Ärger ab: Russlands Militär hat nach eigenen Angaben mit
der Ausarbeitung möglicher Kriegspläne für die Arktis
begonnen.
Das Verteidigungsministerium habe sich für eine Konkretisierung
solcher Szenarien zur «Verteidigung nationaler Interessen»
entschieden, nachdem neben Russland weitere Arktis- Staaten
Ansprüche auf den Festlandsockel angemeldet haben. Das sagte der
Leiter der Abteilung für die Kampfausbildung der Streitkräfte,
Generalleutnant Wladimir Schamanow, in einem am Dienstag
veröffentlichten Interview mit der Militärzeitung
«Krasnaja Swesda» (Roter Stern).
Ende Mai hatten sich die fünf Arktis-Anrainer Dänemark,
Kanada, Norwegen, Russland und die USA bei einem Treffen auf
Grönland zur friedlichen Lösung ihres Territorial-Streits
verpflichtet. Die Entscheidung über die Ansprüche der
einzelnen Länder soll von der UN- Seerechtskommission getroffen
werden. Die russische Führung hatte immer wieder betont, sich an
UN-Recht zu halten.
General Schamanow erklärte, das russische Militär reagiere
auf eine zwölftägige Übung des US-Militärs, bei der
im Raum von Alaska zuletzt 5000 Soldaten, 120 Flugzeuge und mehrere
Kriegsschiffe im Einsatz gewesen seien. Es gehe in Russland um die
Vorbereitung von Einheiten und die Zusammenlegung von Truppen, die
für mögliche Kampfhandlungen in der Arktis eingesetzt werden
könnten, sagte Schamanow dem Regierungsblatt.
Russland begründet seine Ansprüche auf den Meeresgrund am
Nordpol mit Untersuchungen von Bodenproben. Moskauer Wissenschaftler
behaupten, der Sockel sei zweifelsfrei mit dem russischen Festland
verbunden.
Umweltschützer warnen vor einer wirtschaftlichen Ausbeutung der
Polarregion. Sie befürchten, dass die Anrainerländer das
Gebiet in ein «riesiges Bergwerk» verwandeln könnten
mit womöglich verheerenden Folgen für die Umwelt.
(Quelle: dpa)
Französischer Senat kippt Referendum über Türkeibeitritt
der EU - Streit über Verfassungsreform geht weiter
Mi.25.06.08 - Der französische Senat hat ein in der Verfassungsreform
vorgesehenes Referendum für den Fall eines EU-Beitritts der
Türkei gekippt. Mit 297 zu 7 Stimmen votierte die obere
Parlamentskammer am frühen Dienstagmorgen für die Streichung
der Volksbefragen. Das Referendum bleibt aber einer der
Hauptstreitpunkte in einer von Staatspräsident Nicolas Sarkozy
vorangetriebenen Verfassungsreform, die dem Parlament mehr Rechte geben
und Ende Juli von beiden Kammern verabschiedet werden soll.
Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac hatte das Referendum vor
zweieinhalb Jahren in die Verfassung schreiben lassen. Vergeblich
versuchte er dadurch, die Franzosen zu einem Ja zur
EU-Institutionenreform zu bewegen. Sarkozy wollte das Referendum - ein
französischer Sonderweg in Europa - in der nun anstehenden
Verfassungsreform streichen lassen.
Dagegen hatte sich parteiübergreifender Protest gerichtet, und die
Nationalversammlung stimmte für das Festhalten an der
Volksbefragung. Nach einem von ihr verabschiedeten Antrag wäre sie
für jedes Beitrittsland notwendig, dessen Einwohnerzahl fünf
Prozent der EU-Bevölkerung übertrifft.
Die Abstimmung des Senats vom Dienstag ist nicht endgültig.
Nationalversammlung und Senat müssen sich in zweiter Lesung
einigen, bevor der Kongress mit Drei-Fünftel-Mehrheit die
Gesamtreform annehmen kann.
(Quelle: ap)
Brasiliens Präsident kritisiert Einwanderungsgesetze der EU
Mi.25.06.08 - Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat die
Einwanderungsregeln der Europäischen Union scharf kritisiert. Die
Gesetze leisteten Diskriminierung und Vorurteilen Vorschub, sagte Lula
da Silva am Dienstag. Europa habe Angst vor dem Verlust von
Arbeitsplätzen und dem Status quo, jedoch könne das Problem
illegaler Einwanderung nicht mit einem Einreiseverbot für Arme
bekämpft werden. Es müsse vielmehr gelöst werden,
«indem man armen Ländern hilft zu wachsen und sich zu
entwickeln», sagte der Staatschef.
(Quelle: ap)
Deutschland
Union will Atomkraft zum Wahlkampfthema machen
Mi.25.06.08 - Die Union will die umstrittene Nutzung der Atomkraft zum Thema im
Bundestagswahlkampf machen.
Keine Partei könne es sich angesichts der Klimaveränderungen,
der Abhängigkeit vom Öl und unablässig steigender
Energiepreise leisten, bei der Energiepolitik eine ideologische
Position einzunehmen, "auch nicht die Grünen und auch nicht die
SPD", sagte Unions-Fraktionsgeschäftsführer Norbert
Röttgen am Dienstag in Berlin. Die Atomenergie sei auf absehbare
Zeit unverzichtbar, sagte Röttgen. Die CDU hatte am Vortag in
einem Grundsatzpapier zur Umwelt- und Energiepolitik beschlossen, die
Atomreaktoren länger als nach dem rot-grünen
Ausstiegsbeschluss vorgesehen über 2020 hinaus am Netz zu lassen.
Die Union hatte in der Koalitionsvereinbarung mit der SPD vor drei
Jahren die rot-grünen Entscheidungen zur Atomkraft notgedrungen
akzeptiert. Zudem stand bisher eine Mehrheit in der Bevölkerung
dieser Technologie aus Angst vor radioaktiver Strahlung nach
möglichen Unfällen und wegen des ungeklärten Verbleibs
des Atommülls kritisch gegenüber. Dies könnte sich mit
der Zuspitzung in der Klimadiskussion ändern, da Atomreaktoren
kein Kohlendioxid abgeben.
Die Union werde sich in dieser Frage im Wahlkampf klar vom
Koalitionspartner SPD abgrenzen. Ein sicheres Kernkraftwerk vorzeitig
abzuschalten mache keinen Sinn, sagte Röttgen. Energiepolitik
müsse sich an den drei Kriterien Klimaverträglichkeit,
Wirtschaftlichkeit und Preisen sowie Sicherheit messen lassen. Unter
diesen Gesichtspunkten brauche man die Atomenergie noch eine Weile.
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte, es werde keine isolierte
Kernkraft-Diskussion geben. Auch der Bau neuer Reaktoren sei kein Thema.
Den unionsinternen Streit um die Pendlerpauschale und weitere
Maßnahmen gegen die steigenden Energiepreise will die
CDU/CSU-Fraktion jetzt in geordnete Bahnen lenken. Fraktionschef Volker
Kauder und CSU-Landesgruppenchef Ramsauer sollten bis September mit
externen Experten Vorschläge hierzu erarbeiten, sagte Röttgen.
Sechs junge CSU-Parlamentarier um den Abgeordneten Andreas Scheuer
hatten zu Wochenbeginn in einem Brief an Fraktionschef Kauder für
eine Entlastung der Autofahrer geworben und die Wiedereinführung
der vollen Pendlerpauschale vom ersten Kilometer an, eine
Autobahnvignette und weitere Maßnahmen gefordert. Entgegen der
Haltung von Kanzlerin Angela Merkel und Kauder halten auch viele
CDU-Politiker angesichts hoher Spritpreise die volle Pendlerpauschale
für richtig.
Der Vorstoß der sechs Abgeordneten sorgte bei der Fraktionsspitze
für Verärgerung. Röttgen sagte, es sehe bei der CSU zu
dem Brief noch Beratungsbedarf. Ramsauer sagte dagegen, die
Vorschläge der Abgeordneten seien zum Teil nur die Wiederholung
von Parteibeschlüssen.
(Quelle: rtr)
FDP beantragt Aktuelle Stunde zu US-Atomwaffen
Mi.25.06.08 - Die FDP-Fraktion hat eine Aktuelle Stunde im Bundestag zu
Sicherheitslücken bei US-Atomwaffenlagern in Deutschland und Europa
beantragt. Wir möchten von der Bundesregierung wissen, wie es um
die Sicherheit von US-Atomwaffenlagern in Deutschland steht, sagte der
Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion,
Jürgen Koppelin, am Dienstag in Berlin.
Militärische Geheimhaltungsregeln dürften nicht dazu
führen, dass Mängel vertuscht würden, mahnte Koppelin.
Der Verbleib überflüssiger Waffensysteme aus dem Kalten Krieg
in Deutschland werfe schon genug Fragezeichen auf. «Wenn jetzt
noch handfeste Sicherheitsrisiken dazu kommen, muss die Bundesregierung
dazu rasch Stellung nehmen und Abhilfe schaffen», forderte der
FDP-Politiker.
Hintergrund sind Berichte über gravierende Sicherheitsmängel
in europäischen Lagern für US-Kernwaffen. Die meisten Anlagen
benötigten zusätzliche Mittel, um die US-Sicherheitsstandards
zu erfüllen. So seien Einzäunungen, Beleuchtungsanlagen und
Sicherheitssysteme reparaturbedürftig. Zudem sei Personal knapp und
nicht immer ausreichend ausgebildet, berichtete unlängst der
«Focus» unter Berufung auf einen Bericht der US-Luftwaffe.
Dem Blatt zufolge schätzt die Federation of American Scientists
(FAS), dass europaweit zwischen 200 und 350 US-Atombomben gelagert sind.
Nach ddp-Informationen lagern davon rund 30 Atomwaffen in Büchel
in der Eifel.
(Quelle: ddp)
Friedensforscher warnt vor Nuklearterroristen
Mi.25.06.08 - Nach Bekanntwerden der Sicherheitsmängel bei der Stationierung von
US-Atomwaffen in Europa hat der Friedensforscher Götz Neuneck vor
der Gefahr durch Nuklearterrorismus gewarnt. "Zur Zeit eines Kalten
Krieges war die Gefahr eines staatlichen Einsatzes von Atomwaffen hoch
und die des Nuklearterrorismus relativ gering, weil die Waffen in den
Händen schwer bewaffneter Militärs lagen", sagte der
Abrüstungsexperte vom Hamburger Institut für Friedensforschung
und Sicherheitspolitik (IFSH) der "Thüringer Allgemeinen". Dies
habe sich geändert.
"Die Sicherheitsbedingungen sind an manchen Orten so lasch, dass Leute
auf die Idee kommen können, sich Atomwaffen oder Plutonium zu
besorgen", sagte Neuneck dem Blatt weiter. Die Stationierung der Waffen
in Europa sei noch von den Erfahrungen des Kalten Krieges geprägt.
"Damals wollte man Atomwaffen schnell einsetzen können. Wenn man
sie aber zu sicher macht, kann man sie nicht wirklich schnell einsetzen."
Es sei eine "Absurdität des Kalten Krieges", dass sich immer noch
Atomwaffen in Deutschland befinden, sagte Neuneck der "Thüringer
Allgemeinen" weiter. Die Waffen gehörten schon aus
Sicherheitsgründen schnellstmöglich abgezogen.
(Quelle: afp)
Amnesty: Bund muss Maßnahmen gegen Verschleppungen ergreifen
Mi.25.06.08 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die
Bundesregierung zu wirksamen Maßnahmen aufgerufen, um die
Verschleppung Terrorverdächtiger über deutsches Territorium
künftig zu verhindern. "Die Bundesregierung hätte sehr viel
früher auf Berichte über Verschleppungen reagieren
müssen, indem sie zum Beispiel die Überflugrechte entzieht
oder Flugzeugkontrollen durchführte", kritisierte die
Generalsekretärin von Amnesty in Deutschland, Barbara Lochbihler,
am Dienstag. Die einzelnen Ministerien müssten sich nun
unverzüglich zusammensetzen. Es gehe darum, schnellstmöglich
Maßnahmen gegen die menschenrechtswidrige Praxis der
Verschleppungen zu entwickeln und umzusetzen.
Auslöser für Lochbihlers Aufforderung war ein neuer
Amnesty-Bericht über die Rolle Europas bei der Verschleppung
Terrorverdächtiger durch den US-Geheimdienst CIA. Die
Menschenrechtsorganisation geht darin auch auf das Schicksal der
Deutschen Khaled el-Masri und Mohammed Haydar Zammar ein. Außerdem
gab es nach heutigen Erkenntnissen 2001 und 2003 jeweils einen
Gefangenentransport über deutsches Staatsgebiet, einen davon mit
Zwischenlandung auf dem US-Stützpunkt Ramstein in der Pfalz.
(Quelle: rtr)
Hohe Energiepreise belasten Verbraucherstimmung - Kauflaune lässt
nach
Mi.25.06.08 - Die steigenden Energiekosten und die drohenden Gaspreiserhöhungen
belasten die Stimmung der Verbraucher immer stärker. Nach einem
kurzen Zwischenhoch im Frühling schätzen die Bürger im
Juni zum zweiten Mal in Folge die Konjunktur- und persönlichen
Einkommensaussichten sowie ihre Anschaffungsneigung schlechter ein als
im Vormonat, teilte das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK in
seiner Konsumklimastudie am Dienstag mit.
Für Juli prognostizieren die Marktforscher daher einen
Rückgang des Konsumklimaindex von revidiert 4,7 Punkten im Juni auf
3,9 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit Dezember 2005.
Außerdem korrigierten sie ihre Wachstumsprognose für den
privaten Verbrauch innerhalb von vier Monaten zum zweiten Mal nach
unten: Statt mit bisher 1,0 Prozent rechnen die GfK-Forscher nun
für 2008 mit einem Anstieg um nur noch 0,5 Prozent.
Ursprünglich war ein Wachstum von 1,5 Prozent erwartet worden.
Grund für die Anpassung ist die hohe Inflationsrate um 3 Prozent,
wie GfK-Autor Rolf Bürkl erklärte.
Immer neue Höchststände bei Benzin und Diesel
verstärkten die Furcht der Verbraucher vor dem Verlust ihrer
Kaufkraft, heißt es in der GfK-Studie weiter. Entsprechend
büßte der Indikator der persönlichen Einkommenserwartung
im Vergleich zum Vormonat 2,9 auf minus 7,2 Punkte ein und liegt damit
auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2006. Im Vorjahr hatte der Wert
noch plus 33,6 Punkte betragen.
«Anhaltend hohe Inflationsraten hinterlassen auch bei der
Einkommenserwartung ihre Spuren», fasste Bürkl zusammen. Je
länger die Inflationsrate nahe der 3-Prozent-Marke verharre, um so
größer seien die zu erwartenden Kaufkraftverluste. Damit
würden reale Einkommenszuwächse durch die guten
Tarifabschlüsse in einigen Branchen größtenteils
zunichtegemacht.
Weiter pessimistisch sehen die Verbraucher auch die wirtschaftliche
Entwicklung im Land. Der entsprechende Indikator verringerte sich um 5,9
auf 7,5 Punkte und liegt damit erheblich unter dem Vorjahreswert von
69,5 Zählern. Maßgeblich zu dieser Verschlechterung
beigetragen habe die noch nicht ausgestandene Finanzmarktkrise und die
absehbare Abkühlung der Weltkonjunktur, erklärt Bürkl.
Die Angst vor Einkommenseinbußen wirkt sich auch auf die
Kauflaune aus: Der Index der Anschaffungsneigung verlor weitere 3,3
Punkte auf minus 23,7 Zähler. Das ist der niedrigste Wert seit drei
Jahren. Im Juni 2007 hatte der Indikator bei minus 4,1 Punkten gelegen.
«Die Preisentwicklung ist in den Köpfen der Verbraucher im
Moment das beherrschende Thema», sagte Bürkl. Positive
Impulse für den Konsum wie der anhaltende Beschäftigungsaufbau
und die guten Tarifabschlüsse würden dadurch in den
Hintergrund gedrängt. Für die Studie wurden rund 2.000
Verbraucher befragt. Die nächste Erhebung veröffentlicht die
GfK am 28. Juli.
(Quelle: ap)
Kassenpatienten bekommen steigende Ausgaben zu spüren
Mi.25.06.08 - Die steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen schlagen sich immer mehr
auf die Versicherten nieder.
Nach neuen Angaben des Bundesversicherungsamts vom Dienstag
könnten bis zu 25 gesetzliche Krankenkassen zum 1. Juli ihre
Beiträge anheben. Unter ihnen befinden sich die Gmünder
Ersatzkasse und die Hamburg Münchner mit zusammen zwei Millionen
Versicherten. Grund sind vor allem die rapide steigenden Arzneikosten.
Das Gesundheitsministerium bestätigte zudem, dass die
Beitragszahler zum Teil die höheren Tarifsteigerungen für das
Krankenhauspersonal auffangen sollen.
Die Spitzenverbände der Kassen kritisierten diesen Schritt. Wenn
die Politik die Übernahme eines Teils der Tarifsteigerungen
ankündige und zugleich ein millionenschweres Programm zur
Neueinstellung von Pflegekräften wolle, müsse sie auch
dafür sorgen, dass die Krankenkassen entsprechend ausgestattet
würden, "um die zusätzlichen Ausgaben schultern zu
können".
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte den Kliniken Hilfe bei
der Bewältigung der rund vier Milliarden Euro umfassenden
Tariferhöhungen versprochen. Im Gespräch ist, dass Kassen und
Beitragszahler rund 50 Prozent übernehmen. Gespräche zwischen
Regierung und Koalitionsfraktionen finden dazu in dieser Woche statt.
Dabei soll auch geklärt werden, ab wann die Versicherten zahlen
müssen. Erwogen wird die Einrichtung eines Sonderfonds.
Die Gmünder erhöht kommende Woche ihren Beitragssatz von 13,9
auf 14,3 Prozent, wobei die Versicherten mit dem Sonderbeitrag 15,2
Prozent zahlen müssen. Die Hamburg Münchner wird acht Punkte
teurer auf 16,4 Prozent. Das Bundesversicherungsamt erwartet, dass mehr
als 20 Kassen ihre Sätze erhöhen. Bisher kaum zu
überblicken sind die regionalen Kassen, wie etwa die AOKs, die
nicht dem BVA unterliegen.
Als Grund für die Beitragssteigerungen nannten Gmünder und
Hamburg Münchener höhere Ausgaben für Arzneimittel und
andere Sektoren. Ingesamt kommt der Durchschnittssatz aller 217 Kassen
damit wohl nahe an die Rekordmarke von 15 Prozent heran. In der Folge
müsste auch der Beitragssatz für den ab Januar geplanten
Gesundheitsfonds hoch ausfallen, den die Regierung bis zum 1. November
festlegen muss. Auch bei privaten Versicherern werden für 2009
steigende Beiträge für Neukunden erwartet.
Gesundheits-Staatssekretärin Marion Caspers-Merk sagte, einige
Kassen nutzten die Gelegenheit, um sich für den Fonds gut
aufzustellen und Schulden abzubauen, andere wiederum trieben echte
Ausgabensteigerungen zur Anhebung ihrer Sätze. Ein
Ministeriums-Sprecher sagte, die Aufsichtsbehörden würden die
Notwendigkeiet der Steigerungen genau prüfen. Die kletternden
Arzneiausgaben sind den Kassen seit langem ein Dorn im Auge. Bei der
Gmünder lag der Anstieg im vergangenen Jahr bei acht Prozent und
in den ersten fünf Monaten dieses Jahr bei zehn Prozent.
Kassen und Wissenschaftler forderten Konsequenzen aus der
Finanzentwicklung. Die Verschreibung teurer neuer Arzneimittel ohne
wirklichen Zusatznutzen müsse weiter eingedämmt werden,
forderte das Mitglied im Gesundheits-Sachverständigenrat, Gerd
Glaeske. Der Experte forderte, bei Rabattverträgen zwischen Kassen
und Pharmafirmen Mengenprüfungen nicht komplett wegfallen zu
lassen. Die Verordnung zu hoher Mengen eines Mittels durch Ärzte
müsse bestraft werden. Der neue Arznei-Verordnungsreport der
Gmünder habe ergeben, dass die Mediziner zunehmend preiswerte
Großpackungen verordneten, von denen ein Großteil ungenutzt
bleibe. Gmünder-Chef Rolf-Ulrich Schlenker forderte eine rasche
Bewertung von Kosten und Nutzen neuer Arzneimittel. Gegebenenfalls
müsse auch über eine staatliche Preisregulierung nachgedacht
werden.
(Quelle: rtr)
Ab 2012 Sozialleistungen nur nach digitaler Signatur
Mi.25.06.08 - AB 2012 wird es Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld I, Wohngeld oder
Elterngeld nur noch nach digitaler Signatur geben. Das neue Verfahren
soll den Verbrauchern lästigen Papierkrieg mit Arbeitgebern und
Behörden ersparen. Die Wirtschaft soll pro Jahr 85 Millionen Euro
an Bürokratiekosten sparen, wie der Parlamentarische
Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Hartmut Schauerte,
am Dienstag in Berlin erklärte.
Das Bundeskabinett will am (heutigen) Mittwoch grünes Licht
für das sogenannte ELENA-Verfahren geben. Nach sechsjähriger
Vorarbeit soll die digitale Signatur zunächst für sechs
Bescheinigungen gelten:
- Arbeitsbescheinigung nach Ende des Arbeitsverhältnisses
- Nebeneinkommensbescheinigung
- Bescheinigung über geringfügige Beschäftigung
- Bescheinigung nach dem Wohnraumförderungsgesetz
- Fehlbelegungsabgabe
- Bundeselterngeld.
Schauerte sagte, neun Millionen Vorgänge pro Jahr könnten
damit vereinfacht werden. In Zukunft solle das System auf 45 weitere
Bereiche ausgeweitet werden, zum Beispiel auf das Kindergeld und auf
das Arbeitslosengeld II. Jede Maßnahme bringe weitere fünf
Millionen Euro an Entlastung für die Wirtschaft. Die Systemkosten
sollen nicht höher sein als die bisherigen Verwaltungskosten.
Der Verbraucher benötigt künftig eine Plastikkarte, auf der
die Signatur gespeichert werden kann. Das geht zum Beispiel auf den
neuen Personalausweisen oder Bankkarten neueren Datums. «Es wird
keine neue Karte geben», sagte Schauerte. Auf der Karte wird der
Schlüssel gespeichert, der für die Freischaltungen bestimmter
Daten erforderlich ist.
Solche digitalen Signaturen können heute schon zum Beispiel bei
T-Punkten eingelesen werden. Der Verbraucher soll dafür
künftig zehn Euro zahlen. Das Geld soll er aber auf Antrag
zurückbekommen, beispielsweise von der Arbeitsagentur.
Die für die Leistungen erforderlichen Daten werden künftig
vom Arbeitgeber automatisch an einen der beiden Systemführer
übermittelt. Das sind die Technische Abteilung der Deutschen
Rentenversicherung und die Informationstechnische Servicestelle der
Gesetzlichen Krankenversicherung. Dort kann ein
Behördenmitarbeiter, der sich aus Datenschutzgründen
ebenfalls mit einer digitalen Signatur ausweisen muss, nur die für
die beantragte Leistung erforderlichen Daten abrufen.
Schauerte sagte, künftig könne der Verbraucher Leistungen,
bei denen persönliches Erscheinen bei der Behörde keine
Pflicht ist, auch von seinem Computer zu Hause beantragen. Dafür
braucht er allerdings ein Kartenlesegerät.
Im kommenden Jahr soll die Infrastruktur für das neue System
aufgebaut werden. Ab 2010 sollen die Arbeitgeber es mit Daten
füttern. Danach sind Testläufe in bestimmten Regionen
geplant. Das Gesetz soll dann ab 1. Januar 2012 gelten.
Schauerte betonte, nicht jeder Arbeitnehmer benötige künftig
eine Signaturkarte. Er brauche sie aber, wenn er Sozialleistungen
beantragen wolle. Im Prinzip werde die bereits bekannte Signaturtechnik
erstmals auf das Sozialleistungssystem übertragen.
(Quelle: ap)
Internet: Fast zwei Drittel der Bundesbürger sind online
Mi.25.06.08 - Zwei Drittel der Bundesbürger sind inzwischen online. Innerhalb
eines Jahres ist die Zahl der Internetnutzer um fast fünf
Prozentpunkte gestiegen und hat erstmals die 65- Prozent-Marke
überschritten. Nach dem am Dienstag in Berlin vorgestellten
(N)Onliner-Atlas sind 2008 rund 42,2 Millionen Personen über 14
Jahren online.
Zum ersten Mal ist in diesem Jahr der Anteil der Bevölkerung, die
das Internet nicht nutzt, unter die 30-Prozent-Marke gefallen.
Während es im Jahr 2007 noch 22,2 Millionen (34,1 Prozent) Deutsche
gab, die weder das Internet nutzten, noch planten, dies in Zukunft zu
tun, verringerte sich der Anteil der Nichtnutzer innerhalb der
vergangenen zwölf Monate um 4,2 Prozentpunkte auf 29,9 Prozent.
Die Befragung von 52.503 Bundesbürgern im Zeitraum Februar bis Mai
2008 ergab darüber hinaus, dass Deutschland bei der Internetnutzung
unter 24 EU-Ländern auf Platz acht liegt - hinter den
skandinavischen Ländern und Luxemburg. Von den Bundesländern
liegen Berlin mit mehr als 70 Prozent, Hamburg mit knapp 70 Prozent und
Schleswig-Holstein mit 69 Prozent vorn. Schlusslicht ist das Saarland
mit 56,8 Prozent.
(Quelle: ap)
Arbeitnehmer haben Recht auf unbefristete Teilzeit
Mi.25.06.08 - Das Bundesarbeitsgericht hat die Rechte von Beschäftigten auf
Teilzeitarbeit gestärkt. Die Richter gaben am Dienstag einem
Flugkapitän Recht, der von seiner Fluglinie eine unbefristete
Verringerung seiner Arbeitszeit verlangt hatte. Die Gesellschaft berief
sich dagegen auf eine Betriebsvereinbarung, die nur auf das
Kalenderjahr befristete Modelle anbot. Sie hatte den Teilzeitwunsch aus
betrieblichen Gründen abgelehnt.
Anzeige
Nach dem sogenannten Teilzeit- und Befristungsgesetz können
Arbeitnehmer nach sechs Monaten verlangen, dass die vertraglich
vereinbarte Arbeitszeit verringert wird. Auf dieser Grundlage
beantragte der Flugkapitän die unbefristete Verringerung seiner
Arbeitszeit um 30 Kalendertage. Der Freizeitblock sollte jeweils vom
17. Dezember bis 15. Januar dauern.
Das Unternehmen stimmte dem nicht zu und verwies auf eine
«Betriebsvereinbarung Teilzeit», die verschiedene
Teilzeitmodelle regle. Die dort vorgesehenen Modelle für
Blockteilzeit würden nur auf das Kalenderjahr befristet angeboten.
Das Arbeitsgericht und das Landesarbeitsgericht hatten der Klage des
Flugkapitäns stattgegeben. Auch vor dem höchsten deutschen
Arbeitsgericht in Erfurt blieb die Revision der Fluggesellschaft ohne
Erfolg. Dem Wunsch des Klägers stünden keine betrieblichen
Gründe entgegen. Sie ergäben sich auch nicht aus der
Betriebsvereinbarung, hieß es zur Begründung. Der
gesetzliche Anspruch auf unbefristete Verringerung und Neuverteilung
der Arbeitszeit könne durch eine Betriebsvereinbarung nicht
eingeschränkt werden. (Aktenzeichen: Bundesarbeitsgericht Erfurt 9
AZR 313/07)
(Quelle: ap)
Siemens schreibt Transrapid in Deutschland ab
Mi.25.06.08 - Der Mischkonzern Siemens macht sich knapp drei Monate nach dem
Scheitern des letzten deutschen Transrapid - Projekts keine Hoffnungen
mehr auf einen Einsatz im Heimatland.
«Für Deutschland haben wir den Transrapid
abgeschrieben», sagte Industrie- Vorstand Heinrich Hiesinger am
Montagabend in London. Vor diesem Hintergrund sei auch das Aus für
die Projektgesellschaft in Berlin zu sehen. Die beiden
Transrapid-Partner Siemens und ThyssenKrupp lösen das dortige
gemeinsame Büro mit seinen 38 Mitarbeitern zum 1. Oktober auf.
Im März hatte die Politik die geplante Transrapid-Strecke vom
Münchner Flughafen in die Innenstadt wegen der Kosten-Explosion
endgültig verworfen. Es war der Schlusspunkt einer ganzen Reihe von
Rückschlägen für die Magnetschwebebahn in Deutschland.
Siemens setzt aber grundsätzlich weiter auf die Technik.
«International rechnen wir uns durchaus noch Chancen aus»,
sagte Hiesinger und nannte explizit China und die USA. In Schanghai
besteht die bislang einzige kommerzielle Transrapid-Strecke weltweit.
(Quelle: rtr)
Wissenschaft
Reichere Rentner und Pensionäre leben länger
Mi.25.06.08 - Wohlhabende Rentner und Pensionäre leben länger als
Männer mit geringerer Altersversorgung. Abhängig von der
Höhe des Lebenseinkommens und der Altersbezüge unterscheidet
sich die Lebenserwartung 65-jähriger Männer um bis zu
fünf Jahre, wie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am
Dienstag in Düsseldorf mitteilte. Dabei leben pensionierte Beamte
im Schnitt zwei Jahre länger als Rentner - innerhalb ihrer Gruppe
ist zudem die Spreizung größer.
Der Analyse zufolge leben 65-jährige Rentner im Schnitt noch
weitere 15,8 Jahre - doch je nach ihrer finanziellen Stellung im
Berufsleben unterscheide sich ihre Lebenserwartung um bis zu drei Jahre.
So lebten wohlhabende Rentner im Schnitt weitere 17,5 Jahre, schlechter
gestellte dagegen nur 14,6 Jahre.
Bei den 65-jährigen Pensionären liegt die weitere
Lebenserwartung im Schnitt bei 17,8 Jahren - unterscheidet sich nach
wirtschaftlicher und sozialer Position aber sogar um bis zu fünf
Jahre. Sie beträgt durchschnittlich 15,8 Jahre bei pensionierten
Beamten im einfachen Dienst und 19,6 Jahre bei Beamten des höheren
Dienstes.
Die Wissenschaftler des Berliner Forschungsdatenzentrums der
Rentenversicherung und des Rostocker Zentrums zur Erforschung des
Demografischen Wandels untersuchten erstmals auf breiter Datenbasis die
weitere Lebenserwartung von Rentnern und Pensionären, wie die
Stiftung mitteilte. Sie beschränkten ihre Untersuchung auf
Männer, da vor allem in den alten Bundesländern nur ein Teil
der älteren Frauen langjährig erwerbstätig gewesen sei.
Die «sozialen Unterschiede bei der Lebenserwartung» seien
in den vergangenen Jahren trotz insgesamt steigender Lebenserwartung
nicht geringer geworden, erklärten die Forscher. Künftig
dürften sie demnach durch hohe Arbeitslosigkeit und
Einschränkungen bei der gesetzlichen Alterssicherung und im
Gesundheitswesen sogar eher größer werden. In Deutschland
gebe es keine umfassende politische Strategie dagegen, dass Menschen in
schlechteren sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen im
Verhältnis früher sterben.
Die Forscher führen die Ungleichheit bei der Lebenserwartung auf
verschiedene Ursachen zurück. So arbeiteten Personen mit
höherem Lebenseinkommen oder höherer Laufbahn eher in Berufen,
die körperlich nicht so stark belasteten. Zudem hätten sie
seltener mit existenziellen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen,
was sich positiv auf Zufriedenheit und das Gesundheitsbewusstsein
auswirke. Auch hätten besser gestellte Personen eher das Geld
für zusätzliche Gesundheits- und Altersvorsorgeprodukte.
(Quelle: ap)
Erbgut eines Menschen verändert sich mit dem Alter
Mi.25.06.08 - Das Erbgut des Menschen ist nicht so starr festgeschrieben wie bislang
angenommen und verändert sich laut einer US-Studie im Laufe des
Lebens durch Umwelteinflüsse und Ernährung. Wissenschaftler
der Johns-Hopkins-Universität entdeckten, dass so genannte
epigenetische Merkmale, die nicht in der DNA direkt gespeichert sind,
aber dennoch weiter vererbt werden, wandelbar sind. Die
Veränderungen innerhalb einer Familie seien dabei ähnlich,
heißt es in der Studie weiter.
"Wir beginnen wahrzunehmen, dass die Epigenetik im Herzen der modernen
Medizin ist", sagte der Molekularbiologe und Mitautor Andrew Feinberg.
Laut den Autoren der Studie lassen sich mittels der Epigenetik auch
Krankheiten erklären, die erst im Laufe des Alterungsprozesses
auftreten, wie Diabetes oder Krebs. Epigenetische Informationen sind
nicht in der DNA selbst, sondern gleichsam aufgepropft zu finden. Sie
wirken wie ein Schalter und knipsen bestimmte Gene an- und aus.
Für ihre Studie untersuchten die US-Wissenschaftler DNA-Proben von
rund 600 Menschen aus dem Jahr 1991 und Vergleichsproben aus den Jahren
2002 bis 2005. Dabei entdeckten sie bei rund einem Drittel
Modifikationen, die keine genetischen Ursachen hatten, sondern im Laufe
des Lebens erworben wurden. "Wir haben eine beachtliche
Veränderung im Laufe der Zeit festgestellt, die nach unserer
Ansicht beweist, dass sich die Epigenetik eines Individuums mit dem
Alter verändert", sagte der an der Studie beteiligte Medizinier
Daniele Fallin.
(Quelle: afp)
Krokodile sprechen Schlüpftermin aus dem Ei ab
Mi.25.06.08 - Krokodile sprechen sich französischen Forschern zufolge
untereinander ab, wann sie aus dem Ei schlüpfen. Junge Krokodile
könnten außerdem aus dem Ei heraus ihre Mutter zum Ausgraben
des Geleges bewegen, berichten die Forscher im Journal «Current
Biology» (Bd. 18, Nr. 12).
Die Studie bestätigte mit Hilfe von Tonaufnahmen eine seit
längerem gehegte Vermutung. Junge Krokodile geben kurz vor dem
Schlüpfen Töne von sich, die wie «Umph! Umph!»
klingen und auch vom Menschen wahrnehmbar sind. Mit Hilfe dieser
Töne einigen sich die Jungtiere darauf, wann sie alle gleichzeitig
aus dem Ei schlüpfen. So ist das einzelne Tier besser vor Feinden
geschützt. Die Töne locken den Forschern zufolge zudem die
Muttertiere an, damit diese die frisch geschlüpften Krokodile
verteidigen können.
Die Forscher Amélie Vergne und Nicolas Mathevon von der
Université Jean Monnet in Saint Etienne haben mehreren
Krokodil-Eiern Tonaufnahmen von Schlüpfrufen vorgespielt. Innerhalb
von zehn Minuten seien alle Krokodile geschlüpft. In einem anderen
Experiment hätten acht von zehn Krokodilmüttern angefangen,
das Gelege auszugraben, als die Forscher ihnen die Aufnahmen
vorspielten. Da auch Vögel vom Ei aus mit ihren Eltern
kommunizieren, könnte dies ein von ihren gemeinsamen Vorfahren
erhaltenes Verhaltensmuster sein.
(Quelle: dpa)