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+++ Mi.25.06.08, 06:30         zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak 1555 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Zehn Tote bei Bombenanschlag in Sadr City - Vier Amerikaner unter den Opfern. US-Militär: Fortschritte bei Iraks Armee - US-Hilfe weiter nötig

Mi.25.06.08 - Bei einem Bombenanschlag im Bagdader Stadtteil Sadr City sind am Dienstag mindestens zehn Menschen getötet worden. Unter den Opfern waren auch zwei US-Soldaten und zwei amerikanische Regierungsangestellte, wie eine Sprecherin der US-Botschaft mitteilte. Die Zivilpersonen arbeiteten für das Außen- und das Verteidigungsministerium. Bei dem Anschlag wurden nach Angaben der irakischen Polizei mindestens elf weitere Menschen verletzt, darunter auch ein US-Soldat.

Ziel des Anschlags waren offenbar amerikanische Besucher eines Verwaltungsgebäudes in Sadr City. Die US-Streitkräfte riegelten nach dem Anschlag das Gebäude und den Zugang zu dem Stadtviertel ab.

Ein Selbstmordattentäter riss später in Mossul im Nordwesten des Iraks zwei Menschen mit in den Tod, darunter ein Kind. Der Attentäter sprengte sich mit einem Auto in einer Marktgegend in der Innenstadt in die Luft. 70 Menschen wurden nach Angaben der Polizei verletzt.

Iraks Armee macht nach Einschätzung des US-Militärs zwar deutliche Fortschritte, kann jedoch noch nicht die alleinige Verantwortung übernehmen.

"Sie sind noch nicht soweit", erklärte der Vize-Oberkommandeur der amerikanischen Streitkräfte im Irak, General-Leutnant Lloyd Austin, am Montag. Die Einschätzung wurde in zwei Regierungspapieren bestätigt. Das Verteidigungsministerium schrieb in einem Bericht an dem Kongress, die irakische Armee könne Ende 2008 "überwiegend selbstständig" sein. Der Kongress- Rechnungshof GAO forderte dagegen das Verteidigungs- und Außenministerium zu einer neuen Strategie auf. Viele der vor einem Jahr aufgestellten Ziele seien nicht erreicht worden.

Im vergangenen Monat ist die Gewalt im Irak deutlich zurückgegangen. Von den 18 Provinzen des Landes sind gegenwärtig neun unter irakischer Kontrolle, allerdings beaufsichtigt durch die USA. Das US-Verteidigungsministerium geht davon aus, bis Jahresende zwei weitere übergeben zu können.

boa (Quellen: ap, rtr)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 25.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mo.25.06.07 - Künftiger britischer Premier Brown verteidigt Einsatz im Irak +++ Todesstrafe für 'Chemie-Ali' wegen Mordes an Kurden im Irak +++ Zwei Tote bei Bombenanschlag in der südirakischen Stadt Hilla +++ Sieben US-Soldaten bei Angriffen im Irak getötet... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0706250.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Zahl der Angriffe im Osten Afghanistans um 40 Prozent gestiegen

Mi.25.06.08 - Die Zahl der Angriffe durch Extremisten im Osten Afghanistans ist im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen. Das erklärte der Oberkommandierende der US-Soldaten in Afghanistan, Generalmajor Jeffrey Schloesser, am Dienstag vor Journalisten in Washington. Allein seit Anfang April seien 40 Soldaten der internationalen Koalitionstruppen getötet worden. Bei einer Minenexplosion im Osten des Landes in der Provinz Nangarhar kam am Dienstag ein weiterer NATO-Soldat ums Leben, drei wurden verletzt.

Schloesser sagte, die Angreifer - Kämpfer der Taliban und sonstige Extremisten im afghanisch-pakistanischen Grenzegebiet - gingen auch gezielt gegen Schulen und Projekte des Wiederaufbaus vor, um Fortschritte im Land zunichte zu machen. Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich zuletzt zusehends verschlechtert, vor allem im Süden und Osten des Landes. Die Gewalt dort hat in diesem Jahr bisher fast 2.000 Menschen das Leben gekostet. Deutschland plant sein NATO-Truppenkontingent ab Mitte Oktober von 3.500 auf 4.500 Soldaten aufzustocken. Die Bundeswehr ist allerdings nur im vergleichsweise friedlichen Norden des Landes im Einsatz.

Kampfflugzeuge der Koalitionstruppen griffen am Dienstag flüchtende Aufständische an und töteten 15 von ihnen. Der Polizeichef der Provinz Paktia erklärte, zunächst sei es zu heftigen Kämpfen in der Ortschaft Sajid Karam gekommen. Verletzte habe es nicht gegeben. Ein Sprecher der Koalitionstruppen, Nathan Perry, sagte, eine unbemannte Drohne habe die Aufständischen ausgemacht. Daraufhin sei Luftunterstützung angefordert worden. 15 Kämpfer wurden getötet, weitere vier erlitten Verletzungen.

(Quelle: ap)
 


 

Deutsche Regierung will 1000 Bundeswehrsoldaten mehr für Afghanistan

Mi.25.06.08 - Die Bundesregierung will die Obergrenze für das nächste deutsche Afghanistan-Mandat um 1000 Mann erhöhen. Dies teilten Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan mit. Die von 3500 auf 4500 Mann erhöhte Obergrenze solle der Bundeswehr bei dem ISAF-Einsatz mehr Flexibilität sichern. Am Zuständigkeitsbereich im Norden Afghanistans soll sich nichts ändern. Jung will zudem eine Reduzierung der deutschen Kräfte für das Mandat "Enduring Freedom" von 1400 auf 800 beantragen. Der Bundestag muss den Anträgen im Herbst zustimmen.

Jung und Schneiderhan sowie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatten am Morgen die Obleute des Auswärtigen Ausschusses und des Verteidigungsausschusses informiert. Ziel sei es nicht, die erhöhte Obergrenze sofort auszuschöpfen, sondern lediglich mehr Spielraum zu erhalten, betonten sowohl Jung als auch Schneiderhan auf einer Pressekonferenz. Das geltende Bundestagsmandat für die internationale Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) läuft am 13. Oktober aus.

In dem neuen Mandat soll auch die Rolle von rund 40 deutschen Fernmeldekräften im Süden Afghanistans klargestellt werden, wie Jung ankündigte. Die Bundeswehrsoldaten sind im Auftrag der NATO schon seit längerem in Kandahar. Eigentlich sollte ihr Einsatz zeitlich befristet sein. Da sich aber ihre geplante Ablösung durch einen privaten Anbieter verzögere, müssten sie sich dort vorerst weiter mit einem dänischen Trupp abwechseln, sagte Schneiderhan.

Zu den Kosten für die erweiterte Obergrenze wollte Jung nichts Näheres sagen. Dies hänge davon ab, wie viele Soldaten tatsächlich eingesetzt würden. "Derzeit kommen wir so hin", sagte der Verteidigungsminister. Gegebenenfalls müsse er mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) über weitere Mittel sprechen.

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Reinhold Robbe, begrüßte die Aufstockung. Es gebe schon jetzt einen Fehlbedarf von 300 bis 400 Soldaten, sagte der SPD-Politiker im ARD-Morgenmagazin. "Bei uns wird leider viel zu wenig darüber reflektiert, dass wir insgesamt in acht verschiedenen Stützpunkten unsere Soldaten eingesetzt haben."

Das Bundestagsmandat für die US-geführte Anti-Terror-Operation Enduring Freedom (OEF) läuft im November aus. Auch mit der reduzierten Zahl von 800 Soldaten könne die Bundeswehr ihre OEF-Aufgaben weiter wahrnehmen, sagte Jung.

(Quelle: afp)
 


 

Nahost-Konferenz von Bruch der Waffenruhe überschattet: Millionenhilfe für Palästina - Zwei-Staaten-Lösung angestrebt

Mi.25.06.08 - Überschattet von neuen Raketenangriffen hat die Staatengemeinschaft auf einer Nahost-Konferenz in  Berlin mit Aufbauhilfen in Millionenhöhe einen wichtigen Baustein für einen unabhängigen Palästinenser-Staat gesetzt.

"Uns geht das Geld aus!" Klare Worte vom palästinensischen Ministerpräsident Salam Fajjad an die Geberländer auf der Internationalen Sicherheitskonferenz für die palästinensichen Gebiete am Dienstag in Berlin . Unter dem finanziellen Notstand leide vor allem die Sicherheit im Westjordanland. Dringend notwendig sei eine Verbesserung sowohl des Trainings als auch der Ausstattung der etwa 6000 bis 7000 zivilen Sicherheitskräften dort: "Wir brauchen eine leistungsstarke palästinensische Polizei und eine funktionierende Justizverwaltung", sagte auch der deutsche Außenminister Walter Steinmeier.

Die Bunderregierung kündigte auf der Berliner Konferenz an, 15 Millionen Euro zum Ausbau der Polizei und Justiz zur Verfügung stellen zu wollen. Die USA wollen laut Außenministerin Condoleezza Rice bis 2009 100 Millionen Dollar geben. Insgesamt, so hieß es aus Regierungskreisen, sollen 242 Millionen Dollar bereitgestellt werden. Die Zusagen bezögen sich auf einen Zeitraum bis zum Jahr 2011. Die palästinensische Seite hatte zuvor einen Bedarf von rund 190 Millionen Dollar für 2008 bis 2010 angegeben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, dass man den Menschen vor Ort "sichtbare Zeichen geben müsse, dass für ihr Leben etwas passiert". Steinmeier sagte jedoch auch, den Parteien in der Region damit nicht die schwierige Suche nach einem Kompromiss abnehmen zu können. Ein Kompromiss, so hieß es, müsse eine Zwei-Staaten-Lösung anstreben. Auf diesem Weg könne und werde die internationale Gemeinschaft die Konfliktparteien unterstützen, sowohl politisch als auch finanziell. Fortschritte bei der Lösung des Nahost-Konflikts seien "in unser aller Interesse", betonte Merkel.

Israels Außenministerin Zipi Livni bekräftigte die Unterstützung ihrer Regierung für eine Erweiterung der EU-Polizeimission EUPOL COPPS im Westjordanland um 20 zusätzliche Berater. Als sehr wichtig bezeichnete auch Rice die EUPOL-Mission. Sie sei Vorraussetzung für die Schaffung robuster Institutionen auf palästinensicher Seite.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, forderte ein Ende des israelischen Siedlungsbaus. Dieser stehe den Bemühungen um die Verbesserung der palästinensischen Sicherheitsstrukturen im Wege. Zudem forderte er in seiner Begrüßungsrede einen internationalen Kurswechsel - ohne konkret zu werden, appellierte er an die Verantwortung aller und forderte Unterstützung für einen inner-palästinensischen Frieden.

Das führte beinahe zum Eklat mit Condoleeza Rice, die - entgegen der Tagesordnung - den Ägypter unterbrach. Die Staatengemeinschaft werde eine Versöhnung mit den moderaten Palästinensern im Westjordanland und der Hamas erst unterstützen, wenn als Grundlage dafür zumindest die internationalen Vereinbarungen beachtet würden, die die Palästinenser unterzeichnet hätten, so Rice.

Unterdessen wurde die jüngst vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas erstmals unterbrochen. Israelische Soldaten erschossen am Dienstag im Westjordanland zwei Palästinenser, darunter ein Mitglied des Islamischen Dschihad. Daraufhin wurden aus dem Gazastreifen zwei Raketen auf Südisrael abgefeuert, wozu sich der Islamische Dschihad bekannte.

Bei der dem Nahost-Konferenz folgenden Treffen des so genannten Nahost-Quartetts riefen dessen Mitglieder - UN, EU, USA und Russland - dazu auf, die vor wenigen Tagen vereinbarte Waffenruhe vollständig zu respektieren. Zudem appellierte das Nahost-Quartett nach seinem Treffen in Berlin an Israel, seine Siedlungsaktiviäten einzustellen. Ein neues Treffen des Gremiums ist für September in New York geplant.

(Quelle: dw)
 


 

Simbabwe: Präsident Mugabe hält trotz internationalen Drucks an Wahl fest

Mi.25.06.08 - Ungeachtet internationaler Kritik an der Gewalt gegen Oppositionelle hält Simbabwes Staatschef Robert Mugabe an der Stichwahl um das Präsidentenamt am Freitag fest.

"Die Wahl wird stattfinden", sagte der seit 28 Jahren autoritär regierende Mugabe am Dienstag. Das Leben seines Herausforderers Morgan Tsvangirai, der sich in die niederländische Botschaft geflüchtet hat und wegen der Einschüchterung seiner Anhänger auf die Teilnahme am zweiten Wahldurchgang verzichtet, sei nicht in Gefahr. Nach dem UN-Sicherheitsrat verurteilten auch afrikanische Staaten die Gewalt von Gefolgsleuten Mugabes gegen Oppositionelle und forderten eine Verschiebung der Wahl.

"Der Westen kann schreien so viel er will. Die Wahl wird stattfinden. Wer unsere Legitimität anerkennen will, soll es tun, wer es nicht will, soll es bleibenlassen", sagte der 84-jährige Mugabe auf einer Kundgebung im Westen Simbabwes. Er wolle sich Verhandlungen mit Tsvangirai, der beim ersten Durchgang der Präsidentenwahl die absolute Mehrheit nur knapp verfehlt hatte, nicht verweigern. Zunächst aber müsse die Wahl abgeschlossen werden.

US-Botschafter James McGee forderte die Staaten im südlichen Afrika auf, die Regierung Mugabes und die Wahl am Freitag für illegitim zu erklären. Die Welt könne die Abstimmung allerdings nicht stoppen. Der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade und der Chef der südafrikanischen Regierungspartei ANC, Jacob Zuma forderten, die Wahl zu verschieben. Zuma verlangte zudem ein rasches Eingreifen der Vereinten Nationen (UN) und der Staatengemeinschaft im südlichen Afrika (SADC). Die Lage in Simbabwe sei außer Kontrolle. Der südafrikanische Gewerkschaftsverband Cosatu forderte alle Staaten auf, die Regierung Mugabes nicht anzuerkennen. Der Verband sei entsetzt über das Ausmaß der Gewalt das Mugabe-Regimes gegen das simbabwische Volk.

Der UN-Sicherheitsrat sieht keine Chance mehr auf eine faire Stichwahl. Grund seien die "Kampagne der Gewalt und die der politischen Opposition auferlegten Beschränkungen", erklärte das höchste Gremium der Vereinten Nationen. Es war die erste formelle Stellungnahme des Sicherheitsrats seit dem Ausbruch der Gewalt Ende März. Die Erklärung wurde einstimmig angenommen. Bislang hatten Südafrika, Russland und China Diskussionen über die Lage in Simbabwe blockiert. Insbesondere Südafrika, ein nicht-ständiges Mitglied des Rates, verlangte eine "stille Diplomatie" gegenüber der Regierung Mugabe.

Senegals Präsident Wade wies darauf hin, dass Soldaten am vergangenen Wochenende in das Haus von Tsvangirai eingedrungen seien. Der Oppositionsführer sei aber vorgewarnt gewesen und habe sich rechtzeitig in der niederländischen Botschaft in Harare in Sicherheit bringen können. Dort verbrachte Tsvangirai bereits zwei Nächte. Dem niederländischen Hörfunk sagte Tsvangirai, er könne das Gebäude in den kommenden Tagen verlassen. Die Regierung habe dem niederländischen Botschafter versichert, dass ihm nichts zuleide getan werde.

(Quelle: rtr)
 


 

USA und Vietnam kündigen verstärkten Dialog an

Mi.25.06.08 - Die USA und Vietnam planen einen Dialog auf höherer Ebene unter anderem auf den Gebieten Wirtschaft und Verteidigung. Washington wolle Vietnam außerdem bei Forschungen zum Klimawandel unterstützen, erklärte Ministerpräsident Nguyen Tan Dung nach einem Besuch im Weißen Haus am Dienstag. US-Präsident George W. Bush zufolge stand auf der Tagesordnung auch die Religions- und politische Freiheit in dem asiatischen Land. Bush würdigte die Bemühungen der Regierung in Hanoi und sprach von Fortschritten. Zwischen beiden Staaten haben sich rege Handelsbeziehungen entwickelt, US-Abgeordnete kritisieren allerdings Menschenrechtsverstöße in Vietnam.

(Quelle: ap)
 


 

Russland bereitet sich auf Krieg in der Arktis vor

Mi.25.06.08 - Im Territorialstreit um die Rohstoffvorkommen am Nordpol zeichnet sich neuer Ärger ab: Russlands Militär hat nach eigenen Angaben mit der Ausarbeitung möglicher Kriegspläne für die Arktis begonnen.

Das Verteidigungsministerium habe sich für eine Konkretisierung solcher Szenarien zur «Verteidigung nationaler Interessen» entschieden, nachdem neben Russland weitere Arktis- Staaten Ansprüche auf den Festlandsockel angemeldet haben. Das sagte der Leiter der Abteilung für die Kampfausbildung der Streitkräfte, Generalleutnant Wladimir Schamanow, in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Militärzeitung «Krasnaja Swesda» (Roter Stern).

Ende Mai hatten sich die fünf Arktis-Anrainer Dänemark, Kanada, Norwegen, Russland und die USA bei einem Treffen auf Grönland zur friedlichen Lösung ihres Territorial-Streits verpflichtet. Die Entscheidung über die Ansprüche der einzelnen Länder soll von der UN- Seerechtskommission getroffen werden. Die russische Führung hatte immer wieder betont, sich an UN-Recht zu halten.

General Schamanow erklärte, das russische Militär reagiere auf eine zwölftägige Übung des US-Militärs, bei der im Raum von Alaska zuletzt 5000 Soldaten, 120 Flugzeuge und mehrere Kriegsschiffe im Einsatz gewesen seien. Es gehe in Russland um die Vorbereitung von Einheiten und die Zusammenlegung von Truppen, die für mögliche Kampfhandlungen in der Arktis eingesetzt werden könnten, sagte Schamanow dem Regierungsblatt.

Russland begründet seine Ansprüche auf den Meeresgrund am Nordpol mit Untersuchungen von Bodenproben. Moskauer Wissenschaftler behaupten, der Sockel sei zweifelsfrei mit dem russischen Festland verbunden.

Umweltschützer warnen vor einer wirtschaftlichen Ausbeutung der Polarregion. Sie befürchten, dass die Anrainerländer das Gebiet in ein «riesiges Bergwerk» verwandeln könnten mit womöglich verheerenden Folgen für die Umwelt.

(Quelle: dpa)
 


 

Französischer Senat kippt Referendum über Türkeibeitritt der EU - Streit über Verfassungsreform geht weiter

Mi.25.06.08 - Der französische Senat hat ein in der Verfassungsreform vorgesehenes Referendum für den Fall eines EU-Beitritts der Türkei gekippt. Mit 297 zu 7 Stimmen votierte die obere Parlamentskammer am frühen Dienstagmorgen für die Streichung der Volksbefragen. Das Referendum bleibt aber einer der Hauptstreitpunkte in einer von Staatspräsident Nicolas Sarkozy vorangetriebenen Verfassungsreform, die dem Parlament mehr Rechte geben und Ende Juli von beiden Kammern verabschiedet werden soll.

Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac hatte das Referendum vor zweieinhalb Jahren in die Verfassung schreiben lassen. Vergeblich versuchte er dadurch, die Franzosen zu einem Ja zur EU-Institutionenreform zu bewegen. Sarkozy wollte das Referendum - ein französischer Sonderweg in Europa - in der nun anstehenden Verfassungsreform streichen lassen.

Dagegen hatte sich parteiübergreifender Protest gerichtet, und die Nationalversammlung stimmte für das Festhalten an der Volksbefragung. Nach einem von ihr verabschiedeten Antrag wäre sie für jedes Beitrittsland notwendig, dessen Einwohnerzahl fünf Prozent der EU-Bevölkerung übertrifft.

Die Abstimmung des Senats vom Dienstag ist nicht endgültig. Nationalversammlung und Senat müssen sich in zweiter Lesung einigen, bevor der Kongress mit Drei-Fünftel-Mehrheit die Gesamtreform annehmen kann.

(Quelle: ap)
 


 

Brasiliens Präsident kritisiert Einwanderungsgesetze der EU

Mi.25.06.08 - Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat die Einwanderungsregeln der Europäischen Union scharf kritisiert. Die Gesetze leisteten Diskriminierung und Vorurteilen Vorschub, sagte Lula da Silva am Dienstag. Europa habe Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen und dem Status quo, jedoch könne das Problem illegaler Einwanderung nicht mit einem Einreiseverbot für Arme bekämpft werden. Es müsse vielmehr gelöst werden, «indem man armen Ländern hilft zu wachsen und sich zu entwickeln», sagte der Staatschef.

(Quelle: ap)
 


 

Deutschland

Union will Atomkraft zum Wahlkampfthema machen

Mi.25.06.08 - Die Union will die umstrittene Nutzung der Atomkraft zum Thema im Bundestagswahlkampf machen.

Keine Partei könne es sich angesichts der Klimaveränderungen, der Abhängigkeit vom Öl und unablässig steigender Energiepreise leisten, bei der Energiepolitik eine ideologische Position einzunehmen, "auch nicht die Grünen und auch nicht die SPD", sagte Unions-Fraktionsgeschäftsführer Norbert Röttgen am Dienstag in Berlin. Die Atomenergie sei auf absehbare Zeit unverzichtbar, sagte Röttgen. Die CDU hatte am Vortag in einem Grundsatzpapier zur Umwelt- und Energiepolitik beschlossen, die Atomreaktoren länger als nach dem rot-grünen Ausstiegsbeschluss vorgesehen über 2020 hinaus am Netz zu lassen.

Die Union hatte in der Koalitionsvereinbarung mit der SPD vor drei Jahren die rot-grünen Entscheidungen zur Atomkraft notgedrungen akzeptiert. Zudem stand bisher eine Mehrheit in der Bevölkerung dieser Technologie aus Angst vor radioaktiver Strahlung nach möglichen Unfällen und wegen des ungeklärten Verbleibs des Atommülls kritisch gegenüber. Dies könnte sich mit der Zuspitzung in der Klimadiskussion ändern, da Atomreaktoren kein Kohlendioxid abgeben.

Die Union werde sich in dieser Frage im Wahlkampf klar vom Koalitionspartner SPD abgrenzen. Ein sicheres Kernkraftwerk vorzeitig abzuschalten mache keinen Sinn, sagte Röttgen. Energiepolitik müsse sich an den drei Kriterien Klimaverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Preisen sowie Sicherheit messen lassen. Unter diesen Gesichtspunkten brauche man die Atomenergie noch eine Weile. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte, es werde keine isolierte Kernkraft-Diskussion geben. Auch der Bau neuer Reaktoren sei kein Thema.

Den unionsinternen Streit um die Pendlerpauschale und weitere Maßnahmen gegen die steigenden Energiepreise will die CDU/CSU-Fraktion jetzt in geordnete Bahnen lenken. Fraktionschef Volker Kauder und CSU-Landesgruppenchef Ramsauer sollten bis September mit externen Experten Vorschläge hierzu erarbeiten, sagte Röttgen.

Sechs junge CSU-Parlamentarier um den Abgeordneten Andreas Scheuer hatten zu Wochenbeginn in einem Brief an Fraktionschef Kauder für eine Entlastung der Autofahrer geworben und die Wiedereinführung der vollen Pendlerpauschale vom ersten Kilometer an, eine Autobahnvignette und weitere Maßnahmen gefordert. Entgegen der Haltung von Kanzlerin Angela Merkel und Kauder halten auch viele CDU-Politiker angesichts hoher Spritpreise die volle Pendlerpauschale für richtig.

Der Vorstoß der sechs Abgeordneten sorgte bei der Fraktionsspitze für Verärgerung. Röttgen sagte, es sehe bei der CSU zu dem Brief noch Beratungsbedarf. Ramsauer sagte dagegen, die Vorschläge der Abgeordneten seien zum Teil nur die Wiederholung von Parteibeschlüssen.

(Quelle: rtr)
 


 

FDP beantragt Aktuelle Stunde zu US-Atomwaffen

Mi.25.06.08 - Die FDP-Fraktion hat eine Aktuelle Stunde im Bundestag zu Sicherheitslücken bei US-Atomwaffenlagern in Deutschland und Europa beantragt. Wir möchten von der Bundesregierung wissen, wie es um die Sicherheit von US-Atomwaffenlagern in Deutschland steht, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jürgen Koppelin, am Dienstag in Berlin.

Militärische Geheimhaltungsregeln dürften nicht dazu führen, dass Mängel vertuscht würden, mahnte Koppelin. Der Verbleib überflüssiger Waffensysteme aus dem Kalten Krieg in Deutschland werfe schon genug Fragezeichen auf. «Wenn jetzt noch handfeste Sicherheitsrisiken dazu kommen, muss die Bundesregierung dazu rasch Stellung nehmen und Abhilfe schaffen», forderte der FDP-Politiker.

Hintergrund sind Berichte über gravierende Sicherheitsmängel in europäischen Lagern für US-Kernwaffen. Die meisten Anlagen benötigten zusätzliche Mittel, um die US-Sicherheitsstandards zu erfüllen. So seien Einzäunungen, Beleuchtungsanlagen und Sicherheitssysteme reparaturbedürftig. Zudem sei Personal knapp und nicht immer ausreichend ausgebildet, berichtete unlängst der «Focus» unter Berufung auf einen Bericht der US-Luftwaffe. Dem Blatt zufolge schätzt die Federation of American Scientists (FAS), dass europaweit zwischen 200 und 350 US-Atombomben gelagert sind. Nach ddp-Informationen lagern davon rund 30 Atomwaffen in Büchel in der Eifel.

(Quelle: ddp)
 


 

Friedensforscher warnt vor Nuklearterroristen

Mi.25.06.08 - Nach Bekanntwerden der Sicherheitsmängel bei der Stationierung von US-Atomwaffen in Europa hat der Friedensforscher Götz Neuneck vor der Gefahr durch Nuklearterrorismus gewarnt. "Zur Zeit eines Kalten Krieges war die Gefahr eines staatlichen Einsatzes von Atomwaffen hoch und die des Nuklearterrorismus relativ gering, weil die Waffen in den Händen schwer bewaffneter Militärs lagen", sagte der Abrüstungsexperte vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) der "Thüringer Allgemeinen". Dies habe sich geändert.

"Die Sicherheitsbedingungen sind an manchen Orten so lasch, dass Leute auf die Idee kommen können, sich Atomwaffen oder Plutonium zu besorgen", sagte Neuneck dem Blatt weiter. Die Stationierung der Waffen in Europa sei noch von den Erfahrungen des Kalten Krieges geprägt. "Damals wollte man Atomwaffen schnell einsetzen können. Wenn man sie aber zu sicher macht, kann man sie nicht wirklich schnell einsetzen."

Es sei eine "Absurdität des Kalten Krieges", dass sich immer noch Atomwaffen in Deutschland befinden, sagte Neuneck der "Thüringer Allgemeinen" weiter. Die Waffen gehörten schon aus Sicherheitsgründen schnellstmöglich abgezogen.

(Quelle: afp)
 


 

Amnesty: Bund muss Maßnahmen gegen Verschleppungen ergreifen

Mi.25.06.08 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Bundesregierung zu wirksamen Maßnahmen aufgerufen, um die Verschleppung Terrorverdächtiger über deutsches Territorium künftig zu verhindern. "Die Bundesregierung hätte sehr viel früher auf Berichte über Verschleppungen reagieren müssen, indem sie zum Beispiel die Überflugrechte entzieht oder Flugzeugkontrollen durchführte", kritisierte die Generalsekretärin von Amnesty in Deutschland, Barbara Lochbihler, am Dienstag. Die einzelnen Ministerien müssten sich nun unverzüglich zusammensetzen. Es gehe darum, schnellstmöglich Maßnahmen gegen die menschenrechtswidrige Praxis der Verschleppungen zu entwickeln und umzusetzen.

Auslöser für Lochbihlers Aufforderung war ein neuer Amnesty-Bericht über die Rolle Europas bei der Verschleppung Terrorverdächtiger durch den US-Geheimdienst CIA. Die Menschenrechtsorganisation geht darin auch auf das Schicksal der Deutschen Khaled el-Masri und Mohammed Haydar Zammar ein. Außerdem gab es nach heutigen Erkenntnissen 2001 und 2003 jeweils einen Gefangenentransport über deutsches Staatsgebiet, einen davon mit Zwischenlandung auf dem US-Stützpunkt Ramstein in der Pfalz.

(Quelle: rtr)
 


 

Hohe Energiepreise belasten Verbraucherstimmung - Kauflaune lässt nach

Mi.25.06.08 - Die steigenden Energiekosten und die drohenden Gaspreiserhöhungen belasten die Stimmung der Verbraucher immer stärker. Nach einem kurzen Zwischenhoch im Frühling schätzen die Bürger im Juni zum zweiten Mal in Folge die Konjunktur- und persönlichen Einkommensaussichten sowie ihre Anschaffungsneigung schlechter ein als im Vormonat, teilte das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK in seiner Konsumklimastudie am Dienstag mit.

Für Juli prognostizieren die Marktforscher daher einen Rückgang des Konsumklimaindex von revidiert 4,7 Punkten im Juni auf 3,9 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit Dezember 2005.

Außerdem korrigierten sie ihre Wachstumsprognose für den privaten Verbrauch innerhalb von vier Monaten zum zweiten Mal nach unten: Statt mit bisher 1,0 Prozent rechnen die GfK-Forscher nun für 2008 mit einem Anstieg um nur noch 0,5 Prozent. Ursprünglich war ein Wachstum von 1,5 Prozent erwartet worden. Grund für die Anpassung ist die hohe Inflationsrate um 3 Prozent, wie GfK-Autor Rolf Bürkl erklärte.

Immer neue Höchststände bei Benzin und Diesel verstärkten die Furcht der Verbraucher vor dem Verlust ihrer Kaufkraft, heißt es in der GfK-Studie weiter. Entsprechend büßte der Indikator der persönlichen Einkommenserwartung im Vergleich zum Vormonat 2,9 auf minus 7,2 Punkte ein und liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2006. Im Vorjahr hatte der Wert noch plus 33,6 Punkte betragen.

«Anhaltend hohe Inflationsraten hinterlassen auch bei der Einkommenserwartung ihre Spuren», fasste Bürkl zusammen. Je länger die Inflationsrate nahe der 3-Prozent-Marke verharre, um so größer seien die zu erwartenden Kaufkraftverluste. Damit würden reale Einkommenszuwächse durch die guten Tarifabschlüsse in einigen Branchen größtenteils zunichtegemacht.

Weiter pessimistisch sehen die Verbraucher auch die wirtschaftliche Entwicklung im Land. Der entsprechende Indikator verringerte sich um 5,9 auf 7,5 Punkte und liegt damit erheblich unter dem Vorjahreswert von 69,5 Zählern. Maßgeblich zu dieser Verschlechterung beigetragen habe die noch nicht ausgestandene Finanzmarktkrise und die absehbare Abkühlung der Weltkonjunktur, erklärt Bürkl.

Die Angst vor Einkommenseinbußen wirkt sich auch auf die Kauflaune aus: Der Index der Anschaffungsneigung verlor weitere 3,3 Punkte auf minus 23,7 Zähler. Das ist der niedrigste Wert seit drei Jahren. Im Juni 2007 hatte der Indikator bei minus 4,1 Punkten gelegen.

«Die Preisentwicklung ist in den Köpfen der Verbraucher im Moment das beherrschende Thema», sagte Bürkl. Positive Impulse für den Konsum wie der anhaltende Beschäftigungsaufbau und die guten Tarifabschlüsse würden dadurch in den Hintergrund gedrängt. Für die Studie wurden rund 2.000 Verbraucher befragt. Die nächste Erhebung veröffentlicht die GfK am 28. Juli.

(Quelle: ap)
 


 

Kassenpatienten bekommen steigende Ausgaben zu spüren

Mi.25.06.08 - Die steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen schlagen sich immer mehr auf die Versicherten nieder.

Nach neuen Angaben des Bundesversicherungsamts vom Dienstag könnten bis zu 25 gesetzliche Krankenkassen zum 1. Juli ihre Beiträge anheben. Unter ihnen befinden sich die Gmünder Ersatzkasse und die Hamburg Münchner mit zusammen zwei Millionen Versicherten. Grund sind vor allem die rapide steigenden Arzneikosten. Das Gesundheitsministerium bestätigte zudem, dass die Beitragszahler zum Teil die höheren Tarifsteigerungen für das Krankenhauspersonal auffangen sollen.

Die Spitzenverbände der Kassen kritisierten diesen Schritt. Wenn die Politik die Übernahme eines Teils der Tarifsteigerungen ankündige und zugleich ein millionenschweres Programm zur Neueinstellung von Pflegekräften wolle, müsse sie auch dafür sorgen, dass die Krankenkassen entsprechend ausgestattet würden, "um die zusätzlichen Ausgaben schultern zu können".

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte den Kliniken Hilfe bei der Bewältigung der rund vier Milliarden Euro umfassenden Tariferhöhungen versprochen. Im Gespräch ist, dass Kassen und Beitragszahler rund 50 Prozent übernehmen. Gespräche zwischen Regierung und Koalitionsfraktionen finden dazu in dieser Woche statt. Dabei soll auch geklärt werden, ab wann die Versicherten zahlen müssen. Erwogen wird die Einrichtung eines Sonderfonds.

Die Gmünder erhöht kommende Woche ihren Beitragssatz von 13,9 auf 14,3 Prozent, wobei die Versicherten mit dem Sonderbeitrag 15,2 Prozent zahlen müssen. Die Hamburg Münchner wird acht Punkte teurer auf 16,4 Prozent. Das Bundesversicherungsamt erwartet, dass mehr als 20 Kassen ihre Sätze erhöhen. Bisher kaum zu überblicken sind die regionalen Kassen, wie etwa die AOKs, die nicht dem BVA unterliegen.

Als Grund für die Beitragssteigerungen nannten Gmünder und Hamburg Münchener höhere Ausgaben für Arzneimittel und andere Sektoren. Ingesamt kommt der Durchschnittssatz aller 217 Kassen damit wohl nahe an die Rekordmarke von 15 Prozent heran. In der Folge müsste auch der Beitragssatz für den ab Januar geplanten Gesundheitsfonds hoch ausfallen, den die Regierung bis zum 1. November festlegen muss. Auch bei privaten Versicherern werden für 2009 steigende Beiträge für Neukunden erwartet.

Gesundheits-Staatssekretärin Marion Caspers-Merk sagte, einige Kassen nutzten die Gelegenheit, um sich für den Fonds gut aufzustellen und Schulden abzubauen, andere wiederum trieben echte Ausgabensteigerungen zur Anhebung ihrer Sätze. Ein Ministeriums-Sprecher sagte, die Aufsichtsbehörden würden die Notwendigkeiet der Steigerungen genau prüfen. Die kletternden Arzneiausgaben sind den Kassen seit langem ein Dorn im Auge. Bei der Gmünder lag der Anstieg im vergangenen Jahr bei acht Prozent und in den ersten fünf Monaten dieses Jahr bei zehn Prozent.

Kassen und Wissenschaftler forderten Konsequenzen aus der Finanzentwicklung. Die Verschreibung teurer neuer Arzneimittel ohne wirklichen Zusatznutzen müsse weiter eingedämmt werden, forderte das Mitglied im Gesundheits-Sachverständigenrat, Gerd Glaeske. Der Experte forderte, bei Rabattverträgen zwischen Kassen und Pharmafirmen Mengenprüfungen nicht komplett wegfallen zu lassen. Die Verordnung zu hoher Mengen eines Mittels durch Ärzte müsse bestraft werden. Der neue Arznei-Verordnungsreport der Gmünder habe ergeben, dass die Mediziner zunehmend preiswerte Großpackungen verordneten, von denen ein Großteil ungenutzt bleibe. Gmünder-Chef Rolf-Ulrich Schlenker forderte eine rasche Bewertung von Kosten und Nutzen neuer Arzneimittel. Gegebenenfalls müsse auch über eine staatliche Preisregulierung nachgedacht werden.

(Quelle: rtr)
 


 

Ab 2012 Sozialleistungen nur nach digitaler Signatur

Mi.25.06.08 - AB 2012 wird es Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld I, Wohngeld oder Elterngeld nur noch nach digitaler Signatur geben. Das neue Verfahren soll den Verbrauchern lästigen Papierkrieg mit Arbeitgebern und Behörden ersparen. Die Wirtschaft soll pro Jahr 85 Millionen Euro an Bürokratiekosten sparen, wie der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Hartmut Schauerte, am Dienstag in Berlin erklärte.

Das Bundeskabinett will am (heutigen) Mittwoch grünes Licht für das sogenannte ELENA-Verfahren geben. Nach sechsjähriger Vorarbeit soll die digitale Signatur zunächst für sechs Bescheinigungen gelten:

- Arbeitsbescheinigung nach Ende des Arbeitsverhältnisses

- Nebeneinkommensbescheinigung

- Bescheinigung über geringfügige Beschäftigung

- Bescheinigung nach dem Wohnraumförderungsgesetz

- Fehlbelegungsabgabe

- Bundeselterngeld.

Schauerte sagte, neun Millionen Vorgänge pro Jahr könnten damit vereinfacht werden. In Zukunft solle das System auf 45 weitere Bereiche ausgeweitet werden, zum Beispiel auf das Kindergeld und auf das Arbeitslosengeld II. Jede Maßnahme bringe weitere fünf Millionen Euro an Entlastung für die Wirtschaft. Die Systemkosten sollen nicht höher sein als die bisherigen Verwaltungskosten.

Der Verbraucher benötigt künftig eine Plastikkarte, auf der die Signatur gespeichert werden kann. Das geht zum Beispiel auf den neuen Personalausweisen oder Bankkarten neueren Datums. «Es wird keine neue Karte geben», sagte Schauerte. Auf der Karte wird der Schlüssel gespeichert, der für die Freischaltungen bestimmter Daten erforderlich ist.

Solche digitalen Signaturen können heute schon zum Beispiel bei T-Punkten eingelesen werden. Der Verbraucher soll dafür künftig zehn Euro zahlen. Das Geld soll er aber auf Antrag zurückbekommen, beispielsweise von der Arbeitsagentur.

Die für die Leistungen erforderlichen Daten werden künftig vom Arbeitgeber automatisch an einen der beiden Systemführer übermittelt. Das sind die Technische Abteilung der Deutschen Rentenversicherung und die Informationstechnische Servicestelle der Gesetzlichen Krankenversicherung. Dort kann ein Behördenmitarbeiter, der sich aus Datenschutzgründen ebenfalls mit einer digitalen Signatur ausweisen muss, nur die für die beantragte Leistung erforderlichen Daten abrufen.

Schauerte sagte, künftig könne der Verbraucher Leistungen, bei denen persönliches Erscheinen bei der Behörde keine Pflicht ist, auch von seinem Computer zu Hause beantragen. Dafür braucht er allerdings ein Kartenlesegerät.

Im kommenden Jahr soll die Infrastruktur für das neue System aufgebaut werden. Ab 2010 sollen die Arbeitgeber es mit Daten füttern. Danach sind Testläufe in bestimmten Regionen geplant. Das Gesetz soll dann ab 1. Januar 2012 gelten.

Schauerte betonte, nicht jeder Arbeitnehmer benötige künftig eine Signaturkarte. Er brauche sie aber, wenn er Sozialleistungen beantragen wolle. Im Prinzip werde die bereits bekannte Signaturtechnik erstmals auf das Sozialleistungssystem übertragen.

(Quelle: ap)
 


 

Internet: Fast zwei Drittel der Bundesbürger sind online

Mi.25.06.08 - Zwei Drittel der Bundesbürger sind inzwischen online. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Internetnutzer um fast fünf Prozentpunkte gestiegen und hat erstmals die 65- Prozent-Marke überschritten. Nach dem am Dienstag in Berlin vorgestellten (N)Onliner-Atlas sind 2008 rund 42,2 Millionen Personen über 14 Jahren online.

Zum ersten Mal ist in diesem Jahr der Anteil der Bevölkerung, die das Internet nicht nutzt, unter die 30-Prozent-Marke gefallen. Während es im Jahr 2007 noch 22,2 Millionen (34,1 Prozent) Deutsche gab, die weder das Internet nutzten, noch planten, dies in Zukunft zu tun, verringerte sich der Anteil der Nichtnutzer innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 4,2 Prozentpunkte auf 29,9 Prozent.

Die Befragung von 52.503 Bundesbürgern im Zeitraum Februar bis Mai 2008 ergab darüber hinaus, dass Deutschland bei der Internetnutzung unter 24 EU-Ländern auf Platz acht liegt - hinter den skandinavischen Ländern und Luxemburg. Von den Bundesländern liegen Berlin mit mehr als 70 Prozent, Hamburg mit knapp 70 Prozent und Schleswig-Holstein mit 69 Prozent vorn. Schlusslicht ist das Saarland mit 56,8 Prozent.


(Quelle: ap)
 


 

Arbeitnehmer haben Recht auf unbefristete Teilzeit

Mi.25.06.08 - Das Bundesarbeitsgericht hat die Rechte von Beschäftigten auf Teilzeitarbeit gestärkt. Die Richter gaben am Dienstag einem Flugkapitän Recht, der von seiner Fluglinie eine unbefristete Verringerung seiner Arbeitszeit verlangt hatte. Die Gesellschaft berief sich dagegen auf eine Betriebsvereinbarung, die nur auf das Kalenderjahr befristete Modelle anbot. Sie hatte den Teilzeitwunsch aus betrieblichen Gründen abgelehnt.
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Nach dem sogenannten Teilzeit- und Befristungsgesetz können Arbeitnehmer nach sechs Monaten verlangen, dass die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit verringert wird. Auf dieser Grundlage beantragte der Flugkapitän die unbefristete Verringerung seiner Arbeitszeit um 30 Kalendertage. Der Freizeitblock sollte jeweils vom 17. Dezember bis 15. Januar dauern.

Das Unternehmen stimmte dem nicht zu und verwies auf eine «Betriebsvereinbarung Teilzeit», die verschiedene Teilzeitmodelle regle. Die dort vorgesehenen Modelle für Blockteilzeit würden nur auf das Kalenderjahr befristet angeboten.

Das Arbeitsgericht und das Landesarbeitsgericht hatten der Klage des Flugkapitäns stattgegeben. Auch vor dem höchsten deutschen Arbeitsgericht in Erfurt blieb die Revision der Fluggesellschaft ohne Erfolg. Dem Wunsch des Klägers stünden keine betrieblichen Gründe entgegen. Sie ergäben sich auch nicht aus der Betriebsvereinbarung, hieß es zur Begründung. Der gesetzliche Anspruch auf unbefristete Verringerung und Neuverteilung der Arbeitszeit könne durch eine Betriebsvereinbarung nicht eingeschränkt werden. (Aktenzeichen: Bundesarbeitsgericht Erfurt 9 AZR 313/07)

(Quelle: ap)
 


 

Siemens schreibt Transrapid in Deutschland ab

Mi.25.06.08 - Der Mischkonzern Siemens macht sich knapp drei Monate nach dem Scheitern des letzten deutschen Transrapid - Projekts keine Hoffnungen mehr auf einen Einsatz im Heimatland.

«Für Deutschland haben wir den Transrapid abgeschrieben», sagte Industrie- Vorstand Heinrich Hiesinger am Montagabend in London. Vor diesem Hintergrund sei auch das Aus für die Projektgesellschaft in Berlin zu sehen. Die beiden Transrapid-Partner Siemens und ThyssenKrupp lösen das dortige gemeinsame Büro mit seinen 38 Mitarbeitern zum 1. Oktober auf.

Im März hatte die Politik die geplante Transrapid-Strecke vom Münchner Flughafen in die Innenstadt wegen der Kosten-Explosion endgültig verworfen. Es war der Schlusspunkt einer ganzen Reihe von Rückschlägen für die Magnetschwebebahn in Deutschland. Siemens setzt aber grundsätzlich weiter auf die Technik. «International rechnen wir uns durchaus noch Chancen aus», sagte Hiesinger und nannte explizit China und die USA. In Schanghai besteht die bislang einzige kommerzielle Transrapid-Strecke weltweit.

(Quelle: rtr)
 


 

Wissenschaft

Reichere Rentner und Pensionäre leben länger

Mi.25.06.08 - Wohlhabende Rentner und Pensionäre leben länger als Männer mit geringerer Altersversorgung. Abhängig von der Höhe des Lebenseinkommens und der Altersbezüge unterscheidet sich die Lebenserwartung 65-jähriger Männer um bis zu fünf Jahre, wie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Dienstag in Düsseldorf mitteilte. Dabei leben pensionierte Beamte im Schnitt zwei Jahre länger als Rentner - innerhalb ihrer Gruppe ist zudem die Spreizung größer.

Der Analyse zufolge leben 65-jährige Rentner im Schnitt noch weitere 15,8 Jahre - doch je nach ihrer finanziellen Stellung im Berufsleben unterscheide sich ihre Lebenserwartung um bis zu drei Jahre. So lebten wohlhabende Rentner im Schnitt weitere 17,5 Jahre, schlechter gestellte dagegen nur 14,6 Jahre.

Bei den 65-jährigen Pensionären liegt die weitere Lebenserwartung im Schnitt bei 17,8 Jahren - unterscheidet sich nach wirtschaftlicher und sozialer Position aber sogar um bis zu fünf Jahre. Sie beträgt durchschnittlich 15,8 Jahre bei pensionierten Beamten im einfachen Dienst und 19,6 Jahre bei Beamten des höheren Dienstes.

Die Wissenschaftler des Berliner Forschungsdatenzentrums der Rentenversicherung und des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels untersuchten erstmals auf breiter Datenbasis die weitere Lebenserwartung von Rentnern und Pensionären, wie die Stiftung mitteilte. Sie beschränkten ihre Untersuchung auf Männer, da vor allem in den alten Bundesländern nur ein Teil der älteren Frauen langjährig erwerbstätig gewesen sei.

Die «sozialen Unterschiede bei der Lebenserwartung» seien in den vergangenen Jahren trotz insgesamt steigender Lebenserwartung nicht geringer geworden, erklärten die Forscher. Künftig dürften sie demnach durch hohe Arbeitslosigkeit und Einschränkungen bei der gesetzlichen Alterssicherung und im Gesundheitswesen sogar eher größer werden. In Deutschland gebe es keine umfassende politische Strategie dagegen, dass Menschen in schlechteren sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen im Verhältnis früher sterben.

Die Forscher führen die Ungleichheit bei der Lebenserwartung auf verschiedene Ursachen zurück. So arbeiteten Personen mit höherem Lebenseinkommen oder höherer Laufbahn eher in Berufen, die körperlich nicht so stark belasteten. Zudem hätten sie seltener mit existenziellen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, was sich positiv auf Zufriedenheit und das Gesundheitsbewusstsein auswirke. Auch hätten besser gestellte Personen eher das Geld für zusätzliche Gesundheits- und Altersvorsorgeprodukte.

(Quelle: ap)
 


 

Erbgut eines Menschen verändert sich mit dem Alter

Mi.25.06.08 - Das Erbgut des Menschen ist nicht so starr festgeschrieben wie bislang angenommen und verändert sich laut einer US-Studie im Laufe des Lebens durch Umwelteinflüsse und Ernährung. Wissenschaftler der Johns-Hopkins-Universität entdeckten, dass so genannte epigenetische Merkmale, die nicht in der DNA direkt gespeichert sind, aber dennoch weiter vererbt werden, wandelbar sind. Die Veränderungen innerhalb einer Familie seien dabei ähnlich, heißt es in der Studie weiter.

"Wir beginnen wahrzunehmen, dass die Epigenetik im Herzen der modernen Medizin ist", sagte der Molekularbiologe und Mitautor Andrew Feinberg. Laut den Autoren der Studie lassen sich mittels der Epigenetik auch Krankheiten erklären, die erst im Laufe des Alterungsprozesses auftreten, wie Diabetes oder Krebs. Epigenetische Informationen sind nicht in der DNA selbst, sondern gleichsam aufgepropft zu finden. Sie wirken wie ein Schalter und knipsen bestimmte Gene an- und aus.

Für ihre Studie untersuchten die US-Wissenschaftler DNA-Proben von rund 600 Menschen aus dem Jahr 1991 und Vergleichsproben aus den Jahren 2002 bis 2005. Dabei entdeckten sie bei rund einem Drittel Modifikationen, die keine genetischen Ursachen hatten, sondern im Laufe des Lebens erworben wurden. "Wir haben eine beachtliche Veränderung im Laufe der Zeit festgestellt, die nach unserer Ansicht beweist, dass sich die Epigenetik eines Individuums mit dem Alter verändert", sagte der an der Studie beteiligte Medizinier Daniele Fallin.

(Quelle: afp)
 


 

Krokodile sprechen Schlüpftermin aus dem Ei ab

Mi.25.06.08 - Krokodile sprechen sich französischen Forschern zufolge untereinander ab, wann sie aus dem Ei schlüpfen. Junge Krokodile könnten außerdem aus dem Ei heraus ihre Mutter zum Ausgraben des Geleges bewegen, berichten die Forscher im Journal «Current Biology» (Bd. 18, Nr. 12).

Die Studie bestätigte mit Hilfe von Tonaufnahmen eine seit längerem gehegte Vermutung. Junge Krokodile geben kurz vor dem Schlüpfen Töne von sich, die wie «Umph! Umph!» klingen und auch vom Menschen wahrnehmbar sind. Mit Hilfe dieser Töne einigen sich die Jungtiere darauf, wann sie alle gleichzeitig aus dem Ei schlüpfen. So ist das einzelne Tier besser vor Feinden geschützt. Die Töne locken den Forschern zufolge zudem die Muttertiere an, damit diese die frisch geschlüpften Krokodile verteidigen können.

Die Forscher Amélie Vergne und Nicolas Mathevon von der Université Jean Monnet in Saint Etienne haben mehreren Krokodil-Eiern Tonaufnahmen von Schlüpfrufen vorgespielt. Innerhalb von zehn Minuten seien alle Krokodile geschlüpft. In einem anderen Experiment hätten acht von zehn Krokodilmüttern angefangen, das Gelege auszugraben, als die Forscher ihnen die Aufnahmen vorspielten. Da auch Vögel vom Ei aus mit ihren Eltern kommunizieren, könnte dies ein von ihren gemeinsamen Vorfahren erhaltenes Verhaltensmuster sein.

(Quelle: dpa)
 
 
 
 

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