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Irak 1556 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Erneut Amerikaner im Irak getötet. Zwei Tote und 15 Verletzte bei
Bombenexplosion in Kerbela
Do.26.06.08 - Im Irak sind am Mittwoch erneut drei Amerikaner getötet worden.
Die drei Soldaten und ein einheimischer Übersetzter starben, als
eine Bombe in der nördlichen Provinz Ninive explodierte. Das teilte
das US-Militär mit. Am Dienstag waren bei einer Bombenexplosion in
Bagdad bereits fünf US-Bürger ums Leben gekommen, darunter
zwei Soldaten, ein Diplomat und zwei zivile Angestellte des US-
Verteidigungsministeriums.
Bei einer Bombenexplosion in der zentralirakischen Stadt Kerbala sind
zwei Menschen getötet worden, darunter ein Kind. 15 weitere
Menschen wurden zum Teil schwer verletzt; einige von ihnen schwebten in
Lebensgefahr, wie ein Sanitäter sagte. Die Bombe explodierte
demnach in einem Bus unweit des Mausoleums des Imams Abbas in der
schiitischen Pilgerstadt, 110 Kilometer südlich der Haupstadt
Bagdad. Nach Angaben eines AFP-Journalisten eilten mehrere Krankenwagen
zum Anschlagsort, um die Opfer medizinisch zu versorgen.
(Quellen: dpa, afp)
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 26.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendzweiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Grüne kritisieren Afghanistan-Strategie der deutschen Regierung
Do.26.06.08 - Als «falsches Signal» hat die Grünen-Vorsitzende
Claudia Roth den Plan des Verteidigungsministeriums gewertet, das
deutsche Kontingent in Afghanistan um 1000 Soldaten aufzustocken:
«Die Bundesregierung setzt nur den Status Quo fort und ändert
nichts grundlegend an ihrer Strategie.»
«Es wird nur planlos an den Symptomen herumgedoktert»,
sagte sie der «Passauer Neuen Presse». Zwar müsse
Deutschland am Hindukusch weiter Verantwortung übernehmen.
«Aber einfach nur mehr Militär zu schicken, ist der falsche
Ansatz», kritisierte Roth. «Das liefert Wasser auf die
Mühlen der Populisten, die einen vollständigen Abzug
fordern.»
Roth äußerte sich auch kritisch zu Jungs Absicht, im
Gegenzug zur Aufstockung des Afghanistan-Mandats die
Anti-Terror-Operation «Enduring Freedom» (OEF) von 1400 auf
800 Soldaten zu reduzieren. Notwendig sei «ein echter
Strategiewechsel», forderte sie. «Die Operation Enduring
Freedom muss beendet und der zivile Aufbau massiv vorangebracht
werden.»
Nach monatelangem Druck aus der NATO will die Bundesregierung das
deutsche Kontingent für Afghanistan um 1000 auf 4500 Soldaten
erhöhen. Das wären fast viermal so viel Kräfte wie zu
Beginn des Bundeswehreinsatzes vor sechseinhalb Jahren. Der Bundestag
entscheidet spätestens Anfang Oktober über diese derzeit
größte und gefährlichste deutsche Militärmission.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte am Dienstag in
Berlin, zur Erfüllung der Aufgaben in der internationalen
Schutztruppe ISAF und zur Sicherheit der eigenen Soldaten brauche die
Bundeswehr Reserven und mehr Flexibilität. Die jetzige Obergrenze
von 3500 Soldaten sei mehrfach überschritten worden. Derzeit seien
3492 deutsche Soldaten unter ISAF im Einsatz, darunter 200 in der
schnellen Eingreiftruppe, die vom 1. Juli an zum Schutz der ISAF im
Norden eingesetzt wird.
Auch der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion,
Winfried Nachtwei, fordert die Bundesregierung zu einem Strategiewechsel
in Afghanistan auf. «Es fehlt das Signal für eine dringend
notwendige Verstärkung des zivilen Aufbaus», sagte er der
«Münsterschen Zeitung». Er nannte die geplante
Ausweitung des Afghanistan-Mandats «aus militärischer
Sicht» einen «plausiblen Schritt». Politisch gebe es
aber ein «Missverhältnis zwischen militärischem und
zivilem Engagement». Der «Thüringer Allgemeinen»
(Mittwoch) sagte Nachtwei: «Wir brauchen eine regelrechte Aufbau-
Offensive.»
Die SPD-Linke im Bundestag trägt nach einem Bericht der
«Berliner Zeitung» eine Ausweitung des Bundeswehreinsatzes
in Afghanistan mit. «Die Veränderungen sind völlig
unproblematisch. Der Charakter des Einsatzes wird damit nicht
verändert», sagte ihr Sprecher Niels Annen der Zeitung. Er
begrüßte auch die von Jung vorgesehene Reduzierung des
OEF-Mandats. Ein völliger Ausstieg der Bundeswehr aus OEF sei zwar
noch sinnvoller. «Aber die Bewegung geht in die richtige
Richtung», sagte der SPD-Politiker.
Der CSU-Außenpolitiker Karl-Theodor zu Guttenberg sagte der
«Passauer Neuen Presse», es bedürfe noch «einer
kommunikativen Glanzleistung, um auch die Bevölkerung
mitzunehmen» bei der Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes.
Verteidigungsminister, Außenminister und nötigenfalls die
Kanzlerin müssten «offener sein und klarer sagen, was wir
weshalb in Afghanistan machen».
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israel lässt Übergänge zum Gazastreifen vorerst
geschlossen
Do.26.06.08 - Wenige Stunden nach der Verletzung der Waffenruhe durch militante
Palästinenser hat Israel den Gazastreifen vorübergehend
wieder abgeriegelt. Eine Öffnung soll von der weiteren Entwicklung
abghängig gemacht werden.
Nach einem Raketenangriff auf Südisrael haben die
Streitkräfte am Mittwoch alle Grenzübergänge für
den Güterverkehr in den Gazastreifen geschlossen. Die Truppen
erklärten, lediglich der Grenzübergang Eres, den nur
Fußgänger benutzen können, bleibe geöffnet. Eine
mögliche Öffnung der Übergänge an diesem Donnerstag
hänge von der weiteren Entwicklung ab, sagte der hochrangige
Mitarbeiter im israelischen Verteidigungsministerium Peter Lerner in
Tel Aviv.
Mitglieder der militanten Palästinensergruppe Islamischer Dschihad
hatten am Dienstag drei selbst gebaute Raketen auf die israelische
Grenzstadt Sderot abgefeuert und zwei Zivilpersonen leicht verletzt.
Israel sprach daraufhin von einer schweren Verletzung der Waffenruhe,
der vor sechs Tagen in Kraft trat.
Die Hamas warf Israel vor, mit der Schließung der
Grenzübergänge die Waffenruhe zu brechen. Die militante
Palästinenserorganisation erklärte, sie stehe zu der
Waffenruhe. Allerdings betrachte man sich nicht als Polizeitruppe, die
die Einhaltung zu kontrollieren habe, sagte der Hamas-Führer
Chalil al Haja am Mittwoch. Die Hamas werde Druck auf den Islamischen
Dschihad ausüben, aber es werde niemals geschehen, dass die Hamas
einem Widerstandskämpfer eine Waffe ins Gesicht halte. Israel
betrachtet dagegen Hamas als Kontrollmacht im Gazastreifen, die
für Ruhe und Ordnung sowie die Einhaltung der Feuerpause zu sorgen
hat.
Der Islamische Dschihad bezeichnete den Raketenangriff als "Rache"
für den Tod eines hochrangigen Mitglieds. Der Kommandeur war bei
einer Razzia israelischer Truppen in Nablus im Westjordanland
getötet worden. Der Beschuss Israels sei eine "Ausnahme". Trotz
aller Vorbehalte wolle der Dschihad weiterhin die Waffenruhe einhalten.
Allerdings sei es nicht hinnehmbar, dass der Gazastreifen aus dem
Zirkel der Gewalt herausgelöst werde und Israel damit freie Hand
im Westjordanland habe, heißt es weiter.
Die Hamas warf Israel am Mittwoch eine Reihe von Verletzungen der
Waffenruhe vor. Danach sollen in zwei Fällen palästinensische
Landwirte beschossen worden sein. Eine israelische Armeesprecherin wies
die Vorwürfe als unbegründet zurück. Die Hamas hat nach
einem blutigen Bruderkrieg mit der Fatah-Organisation von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas Mitte Juni vergangenen
Jahres die Kontrolle im Gazastreifen übernommen.
Israel will im Zuge der Vereinbarung über die Waffenruhe die seit
Monaten bestehende Blockade des Gazastreifens zwar lockern, aber das
Tempo für Erleichterungen von Fortschritten in den Verhandlungen
zur Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit abhängig
machen. Schalit wurde am 25. Juni vor zwei Jahren von israelischem
Boden in den Gazastreifen verschleppt.
Der Sondergesandte des Nahost-Quartetts, Tony Blair, hatte eine
Öffnung des Gaza-Streifens zuvor als wichtigste Voraussetzung
für Fortschritte bei den Friedensgesprächen zwischen Israel
und den Palästinensern bezeichnet. Mit Hilfe der Ende vergangener
Woche in Kraft getretenen Waffenruhe müsse es gelingen, die
israelische Blockade des von der Hamas kontrollierten
Palästinensergebiets zu beenden, sagte Blair am Dienstag im ZDF.
Darüber hinaus sei die Hauptaufgabe, eine politische Einigung in
den Kernfragen wie der Gebietsaufteilung zwischen den Konfliktparteien
herbeizuführen. Dies werde auch eine Lösung der
Siedlungsproblematik ermöglichen. (stu)
(Quelle: dw)
Tsvangirai lehnt militärische Intervention ab - Simbabwischer
Oppositionsführer setzt auf südafrikanischen Staatenbund SADC
- Beratungen in Swaziland
Do.26.06.08 - Der simbabwische Oppositionsführer Morgan Tsvangirai lehnt eine
militärische Intervention in seinem Land ab. «Interventionen
sollten sich auf das Feld der Diplomatie beschränken», sagte
der in die niederländische Botschaft in Simbabwe geflüchtete
Politiker der «Frankfurter Rundschau». In Swaziland kamen am
Mittwoch Vertreter des südafrikanischen Staatenbundes SADC
zusammen, um über einen Ausweg aus der Krise zu beraten.
Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki, der von der
Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) zum Vermittler im
Streit zwischen dem langjährigen Machthaber Robert Mugabe und
Tsvangirai ernannt wurde, nimmt an den Beratungen allerdings nicht teil.
Ein Sprecher erklärte zur Begründung, Mbeki sei nicht
Mitglied des SADC-Sicherheitsausschusses.
Tsvangirai setzt offenbar große Hoffnungen in die SADC und die
Afrikanische Union (AU). «Wir denken, dass in der hiesigen Region
und in Afrika genügend Kompetenz vorhanden ist, um diese Krise
anzupacken, alle Parteien zusammenzubringen und schließlich eine
Lösung zu finden», sagte er der «Frankfurter
Rundschau». Eine Regierung der Nationalen Einheit, wie sie der
südafrikanische Präsident Thabo Mbeki vorgeschlagen hatte,
sieht Tsvangirai skeptisch. Mbeki sei von der SADC als Vermittler
beauftragt worden, habe diese Rolle «aber niemals wirklich
zufriedenstellend ausgefüllt», sagte Tsvangirai. «Wir
wollen eine von der Afrikanischen Union verantwortete Initiative.»
In einem weiteren Interview mit der britischen Zeitung «The
Guardian» sprach sich Tsvangirai für den Einsatz von
UN-Friedenstruppen aus, um faire Wahlen in Simbabwe zu garantieren. Ein
solcher Einsatz biete den Menschen in Simbabwe die «beste
Chance», ihre Meinung frei auszudrücken.
In London waren am Dienstag Pläne des Verteidigungsministeriums zu
einem möglichen Eingreifen in Simbabwe bekanntgeworden. Die Zeitung
«The Times» hatte über zwei Pläne berichtet. In
einem Fall sollten britische Truppen eingesetzt werden, um angesichts
der humanitäre Krise im Land Nothilfe zu leisten, der zweite Plan
sah einen Einsatz zur Evakuierung britischer Staatsbürger vor. Die
Regierung betonte jedoch, es sei kein militärisches Eingreifen in
Simbabwe geplant. Es handle sich nur um Notfallpläne.
(Quelle: ap)
FAO erwartet weiter hohes Preisniveau bei Nahrungsmitteln
Do.26.06.08 - Die Welternährungsorganisation erwartet nach den Worten ihres
Generaldirektors Jacques Diouf weiterhin weltweit hohe
Nahrungsmittelpreise. Diouf forderte deshalb am Mittwoch eine
höhere Produktion. Klimawandel, verstärkte Nachfrage nach
Biotreibstoff, geringe Vorräte und größere Nachfrage in
Schwellenländern wie China und Indien würden für ein
anhaltend hohes Preisniveau sorgen. Ohne einen Anstieg der
Nahrungsmittelproduktion könne das Problem nicht gelöst
werden, sagte der FAO-Generaldirektor vor einer Regionalkonferenz in
Innsbruck. Die Investitionen in die Landwirtschaft müssten deshalb
erhöht werden. Zugleich rief er die Staats- und Regierungschefs
der führenden Industriestaaten und Russlands (G-8) auf, das Thema
auf ihrem Gipfel im Juli in Japan auf die Tagesordnung zu nehmen. Der
gastgebende japanische Ministerpräsident Yasuo Fukuda hat dies
bereits in Aussicht gestellt.
(Quelle: ap)
Weltbank kündigt Lebensmittel-Fonds für arme Länder an
Do.26.06.08 - Die Weltbank hat den Aufbau eines Fonds angekündigt, um arme
Staaten beim Kauf von Grundnahrungsmitteln zu helfen.
Der Umfang stehe noch nicht fest, sagte die für Lateinamerika und
die Karibik zuständige Vize-Präsidentin Pamela Cox am Montag
in Cancun. Gegenwärtig gehe die Bank "mit dem Hut in der Hand" von
Spender zu Spender und bitte um Unterstützung. Die Weltbank hatte
im vergangenen Monat ein Programm mit einem Umfang von 1,2 Milliarden
Dollar aufgelegt, um Staaten wie Haiti und Liberia bei den stark
gestiegenen Nahrungspreisen zu helfen.
(Quelle: rtr)
Oxfam: Biotreibstoffe treiben 30 Mio Menschen in die Armut
Do.26.06.08 - Die Hilfsorganisation Oxfam sieht wegen des zunehmenden Einsatzes von
Biotreibstoffen 30 Millionen Menschen von der Armut bedroht.
Die Nachfrage in den reichen Staaten führe zu einer Zunahme der
Lebensmittelpreise, erklärte Rob Bailey von Oxfam am Mittwoch. Der
weltweite Anstieg bei den Kosten für Nahrung sei zu 30 Prozent auf
Biotreibstoffe zurückzuführen. Bailey rief insbesondere die
Europäische Union auf, ihre Ziel einer Bio-Quote von zehn Prozent
aufzugeben. Die EU hat derartige Forderungen wiederholt
zurückgewiesen.
(Quelle: rtr)
Walfangkommission scheitert bei wichtigsten Themen
Do.26.06.08 - Alle Hoffnungen auf ein Verbot des kommerziellen Walfangs oder ein
mögliches Schutzgebiet für Wale haben sich auf der
Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) zerschlagen.
Die Entscheidung über diese umstrittenen Themen wurde in Santiago
de Chile auf kommendes Jahr vertagt. Befürworter und Gegner des
Walfangs hätten sich darauf verständigt, ihre jeweiligen
Forderungen nicht zur Abstimmung zu stellen, sagte der chilenische
Delegationschef Cristián Maquieira. Eine Arbeitsgruppe aus 20
Ländern solle bis zur nächsten IWC-Tagung 2009 auf Madeira
Lösungsvorschläge zu den kontroversen Themen erarbeiten.
Im Zuge der Vereinbarung stellte Japan seine Forderung nach
Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs zurück. Japanische
Walfänger töten jährlich rund tausend Wale. Sie
stützen sich dabei auf ein Schlupfloch im IWC-Moratorium aus dem
Jahr 1986, das Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken genehmigt. Der
Sprecher der japanischen Delegation, Glenn Inwood, sagte, Tokio habe als
Zeichen seiner Kompromissbereitschaft Buckelwale aus dem entsprechenden
wissenschaftlichen Programm herausgenommen.
Die aus zahlreichen lateinamerikanischen Staaten bestehende
Buenos-Aires-Gruppe verzichtete ihrerseits darauf, über die von
Japan strikt abgelehnte Einrichtung eines Wal-Schutzgebiets im
südlichen Atlantik abstimmen zu lassen. Argentinien, Belize,
Brasilien, Chile, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, Mexiko, Nicaragua,
Panama, Peru und Uruguay setzen sich dafür ein, im Südatlantik
eine Zone einzurichten, in der Walfang dauerhaft verboten, das
Beobachten von Walen durch Touristen jedoch gefördert wird.
Für die Annahme des Vorschlags sind 75 Prozent der Stimmen der 80
IWC-Mitgliedsländer nötig, ein vorangegangener Versuch
scheiterte bereits. Nun wird darüber frühestens im kommenden
Jahr abgestimmt.
Grönland stellte unterdessen den Antrag, jährlich
zusätzlich zehn Buckelwale erlegen zu dürfen. Eine Abstimmung
darüber fand jedoch nicht statt. Gemäß den IWC-Statuten
ist Grönlands Ureinwohnern die Waljagd zum Eigenbedarf gestattet.
Die Tierschutzorganisation International Fund for Animal Welfare (IWAF)
kritisierte die Vertagung der Abstimmungen. "Es ist der Walfang, der
gestoppt werden muss, nicht die Abstimmung im IWC", sagte eine
Sprecherin. Es sei erschreckend, dass 2000 Teilnehmer zu einem
internationalen Treffen nach Chile reisten, ohne schließlich
Entscheidungen zu treffen.
(Quelle: afp)
EU-Bericht: Rassismus in Europa weiter auf dem Vormarsch
Do.26.06.08 - Die EU-Agentur für Grundrechte ist besorgt über den
anhaltenden Anstieg rassistisch motivierter Straftaten in Europa. Seit
dem Jahr 2000 zeichne sich ein "sehr beunruhigender Trend" ab, sagte die
Vorsitzende Anastasia Crickley am Dienstag in Brüssel bei der
Vorstellung des Jahresberichts 2008. Der Behörde zufolge sind unter
anderem Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Dänemark,
Finnland, Österreich und Irland betroffen. Andere Länder
hätten vermutlich ähnliche Probleme, besäßen aber
nicht genügend Datenmaterial, betonte Crickley.
Die Agentur forderte die europäischen Staaten auf, die
EU-Richtlinie zur Bekämpfung rassistischer Diskriminierung
angemessen umzusetzen. Ernste Probleme bei der Anwendung gebe es etwa in
Frankreich, Italien und Polen, hieß es. In etlichen Staaten,
darunter Deutschland, sei zwischen 2006 und 2007 keine einzige Sanktion
wegen rassistisch motivierter Diskriminierung verhängt worden. "Die
Zahl und die Schärfe der Sanktionen sind jedoch ein Gradmesser
dafür, wie wirkungsvoll das System zur Bekämpfung von
Diskriminierung ist", betonte die Behörde.
(Quelle: epd)
EZB-Präsident Trichet droht mit Regulierung von
Rohstoffmärkten
Do.26.06.08 - Angesichts dramatischer Preissteigerungen für Öl und
Nahrungsmittel hat EZB- Präsident Jean-Claude Trichet mit der
Regulierung von Märkten gedroht. Falls die Beteiligten unter sich
keine befriedigenden Verhaltensregeln vereinbarten, müsse
reglementiert werden, sagte Trichet vor dem Wirtschafts- und
Währungsausschuss des Europaparlaments in Brüssel. «Die
Märkte müssen transparent sein.» Trichet wies auf die
Inflationsrisiken hin und bekräftigte damit indirekt die Neigung
des EZB-Rats zur Zinserhöhung.
(Quelle: dpa)
EU-Umfrage: Deutsche haben große Angst vor Armut
Do.26.06.08 - Kaum ein Volk in Europa hat so große Angst vor einem finanziellen
Abstieg wie die Deutschen. Das zeigt eine Umfrage in den 27
Mitgliedsländern der EU, die die EU-Kommission am Dienstag in
Brüssel vorstellte. 31 Prozent aller Bundesbürger glauben
demnach, dass sich die finanzielle Situation ihres Haushalts in den
nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird. Pessimistischer
zeigten sich nur die Ungarn (49 Prozent), die Portugiesen (41), die
Bulgaren und die Griechen (beide 35).
Wenig besorgt sind dagegen die Finnen und die Dänen, wo nur acht
und zehn Prozent der Bürger wirtschaftliche Einbußen
befürchten. Auch die Malteser, die Niederländer, die
Luxemburger und die Iren zeigen sich gelassen. Große Unterschiede
ermittelte die EU-Kommission auch innerhalb Deutschlands: Während
in den östlichen Bundesländern vier von zehn Bürgern
beunruhigt in ihre Geldbeutel sehen, sind es im Westen 29 Prozent.
Insgesamt stellte die Brüsseler Behörde einen "deutlichen
Vertrauensschwund der Bürger in ihre nationale Wirtschaft" fest. Zu
den drängendsten Problemen gehört aus Sicht der Europäer
die Inflation, auch die Arbeitslosigkeit wird als besorgniserregend
hoch empfunden. Für die Eurobarometer-Studie waren in jedem der 27
EU-Staaten etwa 1.000 Bürger befragt worden.
(Quelle: epd)
Deutsche Auswanderer reizt Aussicht auf ein besseres Leben
Do.26.06.08 - Wenn Deutsche auswandern, dann lockt sie vor allem die Hoffnung auf ein
besseres Leben im Ausland. Hauptanreize seien dabei der Wunsch nach
einem besseren Job und einem höheren Einkommen, wie aus einer
Studie des Prognos-Instituts für das Bundeswirtschaftsministerium
hervorgeht. Gut zwei Drittel der Befragten erwarteten sich demnach vom
Gang ins Ausland bessere Berufs- und Einkommensperspektiven.
Wer als Fach- und Führungskraft in der Wirtschaft ins Ausland
geht, war der Studie zufolge bereits in Deutschland beruflich
erfolgreich. Demnach streben gerade diejenigen bessere
Lebensverhältnisse im Ausland an, die bereits in Deutschland
überdurchschnittlich gut verdienen - und setzen dabei auf ein
höheres Einkommen und niedrigere Steuern. Anders ist es bei
Wissenschaftlern: Diese gaben in der Prognos-Befragung als Hauptgrund
für das Auswandern die schlechte Einkommens- und
Beschäftigungssituation in Deutschland an.
Fach- und Führungskräfte, die aus Deutschland auswandern,
leben laut Befragung seit durchschnittlich sechs Jahren im Ausland, sind
mit 63 Prozent überwiegend männlich und zu 84 Prozent
Aakdemiker. Gut ein Fünftel der Befragten arbeiten in einem
naturwissenschaftlich-technischen Feld und damit in Berufen, die
hierzulande schon heute vom Fachkräftemangel betroffen sind.
Befragt wurden 1410 FAch- und Führungskräfte aus Wirtschaft
und Wissenschaft, die dauerhaft im Ausland leben.
Auswanderungswillige oder Ausgewanderte kritisierten bei der Befragung
die zu hohe Belastung durch Steuern und Abgaben sowie zuviel
Bürokratie. Fach- und Führungskräfte aus der Wirtschaft
gaben an, erst dann wieder nach Deutschland zurückkehren zu wollen,
wenn sich die Einkommens-, Steuer- und Abgabensituation hierzulande
veränder. Stärker ausgeprägt war der Wunsch zur
Rückkehr bei Wissenschaftlern und Forschern.
Im vergangenen Jahr zogen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes
rund 161.000 Deutsche ins Ausland - das sind soviel Menschen, wie
Osnabrück Einwohner hat. Es ist die höchste Auswandererzahl
seit 1954.
(Quelle: afp)
Armutsbericht sorgt weiter für Kontroverse in der Koalition
Do.26.06.08 - Der Armutsbericht sorgt trotz der Verabschiedung im Kabinett weiter
für Differenzen innerhalb der großen Koalition. Der Text
wurde vom Kabinett formell gebilligt und um eine Einschätzung der
positiven Entwicklung in 2006 und 2007 ergänzt, wie
Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte. Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos (CSU) zeigte sich dennoch unzufrieden mit dem
überarbeiteten Bericht. Es werde die positive Entwicklung der
vergangenen Jahre nicht genügend gewürdigt, erklärte der
Minister. Der Bericht, demzufolge 13 Prozent der Deutschen von Armut
bedroht sind, bezieht sich auf das Jahr 2005.
Es habe eine "umfassende Überarbeitung im Rahmen der
Ressortabstimmung gegeben", sagte Steg. Er verwies darauf, dass sich
die Armutsrisikoquote auf 13 Prozent halbiert habe. Es sei zu erwarten,
dass sich die bessere wirtschaftliche Lage im nächsten Bericht
deutlich niederschlagen werde.
Dem vom Kabinett gebilligten Text zufolge werden neben den 13 Prozent
von Armut bedrohten Deutschen weitere 13 Prozent nur durch
Sozialleistungen vor der Armut bewahrt. Die Bundesregierung sieht die
Bekämpfung der Armut dennoch auf einem guten Wege: Durch
Sozialleistungen wie das Arbeitslosengeld II, Wohngeld und die
familienpolitischen Leistungen sei die Armutsrisikoquote halbiert
worden.
Bei Kindern habe das Armutsrisiko sogar von 34 auf zwölf Prozent
gesenkt werden können, hieß es in der Erklärung des
Arbeitsministeriums weiter. Das Armutsrisiko von Älteren habe
trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bis 2005 nicht
zugenommen. Der Schlüssel zur Vermeidung von Armut seien bessere
Chancen durch mehr Bildung und Beschäftigung. Arm ist nach
offizieller Definition, wer als Alleinlebender weniger als 60 Prozent
des jeweiligen mittleren Einkommens verdient. Die Armutsgrenze liegt
somit beim Einkommen von 781 Euro für einen Alleinstehenden.
"Statt die alltägliche Armut in Deutschland zu negieren und mit
geschönten Daten kleinzureden, sollte die Bundesregierung endlich
wirksame Instrumente zur Beseitigung von Armut diskutieren",
erklärte Linken-Parteivize Katja Kipping. Der Armutsbericht "liest
sich wie ein misslungener Versuch, die Versäumnisse der
Bundesregierung in der Armutsbekämpfung schön zu verpacken",
erklärte der Grünen-Sozialexperte Markus Kurth. Der
Sozialverband VdK forderte ein Gesamtkonzept gegen Armut in
Deutschland. Die Schere zwischen Arm und Reich dürfe nicht noch
weiter auseinandergehen, erklärte VdK-Präsident Walter
Hirrlinger.
(Quelle: afp)
DGB wirft ostdeutschen Arbeitgebern 'Brutalkapitalismus' vor
Do.26.06.08 - Viele Arbeitgeber in Ostdeutschland gefährden nach Ansicht des
Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) das Grundprinzip der Tarifautonomie.
Angesichts der schwachen Gewerkschaftsbindung und des niedrigen
Organisationsgrads von Unternehmen in Arbeitgeberverbänden im
Osten versage die Tarifautonomie zunehmend, sagte der DGB-Vorsitzende
Michael Sommer der in Chemnitz erscheinenden "Freien Presse". Von
diesem Problem sei allerdings der gesamte dienstleistungsorientierte
Sektor in Deutschland betroffen. Daher komme es "verstärkt zu
prekären Arbeitsverhältnissen und damit zu Armutslöhnen".
Viele Arbeitgeber bekämpfen nach Meinung Sommers gewerkschaftliche
Betätigung massiv und agieren dabei ausgesprochen radikal. "Man
könnte oft meinen, dass sie den Standpunkt vertreten, nach dem
Realsozialismus sei jetzt der Brutalkapitalismus an der Reihe und nicht
die soziale Marktwirtschaft", sagte der DGB-Chef. Es gebe viele
Arbeitgeber, die sich darin gefielen, geringe Löhne zu bezahlen.
"Und solange sie das politisch und ökonomisch durchsetzen
können, versuchen sie, diese Position zu halten." Dies sei eine
"besondere Form der Ausbeutung".
Sommer forderte erneut die Einführung eines Mindestlohns. Es gebe
derzeit Millionen Menschen in Deutschland, die zu wenig verdienten und
für die der Staat ergänzende Lohnleistung aufbringen
müsse. Dabei sei es "völlig widersinnig", dass der Staat sich
bereit erkläre, "anstelle der Arbeitgeber flächendeckend Teile
des Lohns zu bezahlen, sagte der DGB-Vorsitzende. Die Staatskasse werde
enorm belastet. Es sei davon auszugehen, dass heute bereits etwa zwei
Milliarden Euro an ergänzendem Hartz IV gezahlt würden.
(Quelle: afp)
Siemens will angeblich bis zu 15.000 Stellen streichen
Do.26.06.08 - Auf seinem strikten Sparkurs will Siemens Medienberichten zufolge
deutlich mehr Stellen streichen als bisher befürchtet.
Weltweit sollten 10.000 bis 15.000 Arbeitsplätze in Verwaltung und
Vertrieb wegfallen, berichtete das "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe)
am Mittwoch unter Berufung auf Arbeitnehmerkreise. "Die Welt"
berichtete unter Verweis auf das Konzernumfeld, dass zwischen 10.000
und 20.000 Stellen wegfallen könnten. Bisher war in Medien
über eine Zahl von maximal 10.000 Stellenstreichungen spekuliert
worden.
Ein Siemens-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Die Verhandlungen
mit den Arbeitnehmervertretern liefen, sagte er. Der Konzern werde sich
"sehr bald" zum geplanten Personalabbau äußern. Details
wollte er nicht nennen. Am 7. Juli tagt der Wirtschaftsausschuss des
Konzerns.
Siemens will bis 2010 rund 1,2 Milliarden Euro in Vertrieb und
Verwaltung sparen. Die Ausgaben sollen um zehn Prozent auf weniger als
elf Milliarden Euro gedrückt werden. Vorstandschef Peter
Löscher sagte der "Welt": "Wir werden das so
sozialverträglich wie möglich gestalten." Auf
Kündigungen wird dem Blatt zufolge voraussichtlich verzichtet.
Löscher betonte, dass aber kein Weg an Stellenstreichungen in der
Verwaltung vorbeiführe. "Die Fabriken schlank aufstellen und bei
den Stäben oben alles so belassen - das geht nicht." Siemens
beschäftigt weltweit knapp 400.000 Mitarbeiter.
Ein Sprecher der IG Metall Bayern sagte, der Gewerkschaft lägen
noch keine genaueren Informationen zum Stellenabbau vor. "Wir kennen
keine Zahlen." Die IG Metall erwarte, dass Siemens zunächst den
vom Gesamtbetriebsrat vorgelegten Fragenkatalog beantwortet. Mit rund
200 Einzelfragen will die Gewerkschaft herausfinden, in welchen
Ländern und welchen Unternehmensteilen welche Stellen wegfallen
sollen. Erst mit diesen Informationen könnten sich die
Mitbestimmungsgremien vernünftig mit dem Thema befassen, sagte der
Sprecher. Unabhängig von dem genauen Umfang der Jobkürzungen
erwarte man vom Konzern, "dass er sich um jede und jeden kümmert
und eine Perspektive anbietet. Da muss Siemens kreativ sein."
(Quelle: rtr)
UniCredit vor massivem Stellenabbau - HVB betroffen
Do.26.06.08 - Die italienische Großbank UniCredit steht vor einem massiven
Stellenabbau.
Nach der Übernahme des heimischen Rivalen Capitalia seien in
Italien und in Deutschland, wo der UniCredit die Münchener HVB
gehört, jeweils Tausende von Stellen bedroht, sagte eine mit der
Situation vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.
Die konkreten Sparpläne werde die UniCredit an diesem Donnerstag
veröffentlichen. Ein UniCredit-Sprecher wollte sich nicht zu den
Informationen äußern und verwies auf eine Präsentation
des Vorstands am Donnerstag in Wien.
Dem Stellenabbau in Westeuropa werde ein deutlicher Aufbau in den
rasant wachsenden Märkten in Osteuropa gegenüberstehen,
hieß es in den Kreisen. Um die Sparziele zu erreichen, werde
erwogen, Verwaltungsaufgaben von Deutschland in Niedriglohnländer
in Osteuropa zu verlagern.
Die HVB gehört seit 2005 zur UniCredit. Seitdem ist sie radikal
umgebaut worden. Die einstige Tochter und Ertragsperle Bank Austria
wurde nach Mailand abgegeben, dafür wird die Kompetenz für
das Investmentbanking der gesamten Gruppe bei der HVB gebündelt.
Ende 2005 hatten die Münchner rund 27.300 Mitarbeiter, Ende 2007
waren es nur noch 24.800. Für die UniCredit-Gruppe waren zuletzt
gut 180.000 Menschen tätig.
(Quelle: rtr)
Beck sieht Krise in SPD überwunden
Do.26.06.08 - SPD-Chef Kurt Beck sieht die Krise in der SPD als weitgehend
überwunden an. Am Rande einer Betriebsbesichtigung in Leuna
bekräftigte er am Mittwoch seine Bereitschaft, die Partei weiter zu
führen. Zugleich dementierte er erneut entschieden, seinen
Rückzug angedeutet zu haben.
Er habe am Dienstag vor der SPD-Bundestagsfraktion eine Rede gehalten,
die auf Zukunft, Führungswillen und Gemeinsamkeit angelegt gewesen
sei, sagte Beck. Er habe seinen Willen deutlich gemacht, «dass wir
als SPD und ich als ihr Vorsitzender um unsere Chance kämpfen
werden», fügte der rheinland-pfälzische
Ministerpräsident hinzu. Dabei sei es selbstverständlich, dass
man sich selber nicht wichtiger als die Sache nehme.
Beck hob hervor, die SPD sei zu einer Geschlossenheit
zurückgekehrt, die notwendig gewesen sei. «Die Krise in der
SPD ist weitestgehend überwunden», fügte er hinzu. Es
gebe ein gutes Zusammenwirken aller Gremien, der Bundestagsfraktion, der
Mitglieder der Bundesregierung und den in den Ländern
Verantwortlichen.
(Quelle: ap)
Heß-Gedenkveranstaltung in Wunsiedel zu Recht verboten
Do.26.06.08 - Ein Neonazi-Aufmarsch für Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß
in Wunsiedel ist von den Behörden zu Recht verboten worden. Nach
einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom Mittwoch durfte das
Verbot auch damit begründet werden, dass bei der Veranstaltung die
Gefahr bestanden habe, es könne zu Volksverhetzung kommen. Nach
dem Volksverhetzungs-Paragraphen macht sich strafbar, wer in einer
öffentlichen Versammlung die Würde der NS-Opfer verletzt
sowie nationalsozialistische Gewalt und Willkürherrschaft billigt.
Mit ihrer Entscheidung wiesen die Richter eine Klage des
Neonazi-Anwalts Jürgen Rieger ab. Sie vermochten dem
Rechtsextremisten nicht in seiner Argumentation folgen, wonach die
Grundrechte der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit dem Verbot
entgegengestanden hätten. Zwar sahen die Richter ebenfalls einen
Eingriff in den Grundgesetzartikel 5, der die Meinungsfreiheit
schützt. Allerdings sei dieser gerechtfertigt gewesen, weil nach
Artikel 1 des Grundgesetzes die Würde des Menschen besonderen
Schutz genieße. Das Verbot aus dem Jahr 2005 sei deshalb mit der
Verfassung zu vereinbaren.
In der Versammlung sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
die Würde der Opfer des NS-Regimes verletzt und die Person
Heß in einer besonderen Weise positiv bewertet worden. Dies
ergibt sich nach Überzeugung der Richter aus Äußerungen
im Zusammenhang mit der geplanten Veranstaltung und entsprechenden
Versammlungen, die in den Vorjahren anlässlich des
Heß-Todestags in Wunsiedel stattfanden.
Schließlich wäre bei der Versammlung auch eine Störung
des öffentlichen Friedens eingetreten, weil sie voraussichtlich
weit über Wunsiedel hinaus Beachtung gefunden hätte.
Insbesondere bei den überlebenden Opfern und bei den Nachkommen
der getöteten Opfer wäre vermutlich eine Furcht vor
künftigen Angriffen auf ihre Menschenwürde und vor der
gefährlichen Ausbreitung rechtsextremen Gedankenguts
ausgelöst worden, urteilten die Richter.
Heß starb am 1987 im Kriegsverbrechergefängnis
Berlin-Spandau und ist in Wunsiedel beerdigt. Seither organisierten
Rechtsextremisten immer wieder Gedenkveranstaltungen. Zwischen 2001 und
2004 waren die Kundgebungen erlaubt, bei denen Tausende von Neonazis
aufmarschierten. Seit 2005 sind die Gedenkveranstaltungen wegen
verschärfter Gesetze verboten. (Aktenzeichen
Bundesverwaltungsgericht: 6 C 21.07)
(Quelle: ap)
Wissenschaft
WHO-Checkliste soll Todesfälle bei Operationen verhindern
Do.26.06.08 - Mit einer Sicherheits-Checkliste will die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) die Zahl der Todesfälle und schweren Komplikationen bei
größeren chirurgischen Eingriffen weltweit verringern. Laut
einer von der britischen Wissenschaftszeitschrift "The Lancet"
veröffentlichten Studie wäre die Hälfte der
Todesfälle und Komplikationen im Zusammenhang mit
größeren Operationen vermeidbar, wenn eine Reihe einfacher
Sicherheitsvorschriften eingehalten würde. "Vermeidbare
Operationsverletzungen und Todesfälle stellen eine wachsende Sorge
dar", beklagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. Durch die Checkliste
könnten Operationsfehler verhindert und die Sicherheit für
die Patienten verbessert werden.
Schätzungen zufolge gibt es jährlich etwa 234 Millionen
größere Operationen pro Jahr. In Industriestaaten kommt es
dabei Studien zufolge in drei bis 16 Prozent der Fälle zu schweren
Komplikationen. In Entwicklungsländern liegt die Todesrate bei
schweren Eingriffen zwischen fünf und zehn Prozent. Allein durch
Fehler bei der Vollnarkose stirbt in einigen Ländern südlich
der Sahara jeder 150. Patient, wie die WHO erklärte.
Die jetzt vorgestellte Checkliste wurde von der medizinischen
Fakultät der Universität Harvard zusammengestellt und soll
weltweit und unter den verschiedensten sanitären Bedingungen
anwendbar sein. Bei Pilotstudien an acht Standorten sei die Sicherheit
für die Patienten durch Einhaltung der Sicherheitsvorschriften
verdoppelt worden, erklärte die WHI. Dies habe zu einem starken
Rückgang der Todesfälle und Komplikationen bei chirurgischen
Eingriffen geführt.
Die Checkliste sieht beispielsweise vor, dass ein Koordinator eines
Operationsteams alle medizinischen Instrumente, Nadeln und Tupfer
zählt, bevor der Patient den Operationsblock verlässt. Zudem
soll vor Beginn jedes Eingriffs überprüft werden, dass alle
bekannten Allergien des Patienten notiert wurden.
(Quelle: afp)