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Irak 1557 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Mindestens 38 Tote bei Bombenanschlägen

Fr.27.06.08 - Bei zwei Bombenanschlägen im Irak sind am Donnerstag mindestens 38 Menschen getötet worden - 18 vor einem Regierungsgebäude in Mossul und 20 bei einer Versammlung von Stammesführern in Karma westlich von Bagdad. Nach Wochen einer relativen Ruhe hat die Gewalt im Irak zuletzt wieder deutlich zugenommen.

In der nordirakischen Stadt Mossul explodierte eine Autobombe, als der Gouverneur der Provinz Nineve, Duraid Kaschmola, gerade die Schäden eines früheren Granatenangriffs inspizierte. Offenbar richtete sich der Anschlag gegen ihn. Etwa 60 Menschen wurden verletzt.

In einem Gebäude der Stadtverwaltung von Karma, 30 Kilometer westlich von Bagdad, sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft. Bei den Todesopfern handelt es sich um Teilnehmer eines Treffen von Stammesführern mit US-Offizieren. Die Scheichs haben sich gegen die sunnitische Aufstandsbewegung und die Terrororganisation Al Kaida im Irak gestellt. Der Attentäter betrat das Gebäude durch einen Hintereingang. Er habe die Kontrollen offenbar deswegen passieren können, weil er eine irakische Polizeiuniform getragen habe, sagte ein Polizist.

Karma liegt in der Provinz Anbar. Dort wollen die US-Truppen die Verantwortung für die Sicherheit in wenigen Tagen an die Iraker übergeben.

(Quelle: ap)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 27.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausenddreiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mi.27.06.07 - Weiterer Parteifreund von US-Präsident Bush fordert Irak-Abzug +++ Irakischer Minister mit Haftbefehl gesucht +++ UN fordern Hilfe für palästinensische Flüchtlinge im Irak... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0706270.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Palästinenser feuern erneut Rakete auf Süden Israels ab

Fr.27.06.08 - Eine Woche nach Inkrafttreten einer Waffenruhe haben radikale Palästinenser erneut eine Rakete auf den Süden Israels abgefeuert. Nach Angaben eines Armeesprechers wurde dabei niemand verletzt. Die El-Aksa-Brigaden bekannten sich zu dem Beschuss. Die Rakete ging in der Nähe der Stadt Sderot nieder, die häufig Ziel von Angriffen aus dem Gazastreifen ist. Es war bereits der vierte Raketenbeschuss auf den Süden Israels seit Beginn der Waffenruhe, die Ägypten vermittelt hatte.

Am Dienstag hatte die Gruppe Islamischer Dschihad drei Raketen auf Israel abgefeuert. Dabei waren zwei Menschen verletzt worden. Israel schloss daraufhin am Mittwoch drei Übergänge in den Gazastreifen.

(Quelle: afp)
 


 

Simbabwe: Präsident Mugabe hält an umstrittener Stichwahl fest

Fr.27.06.08 - Ungeachtet wachsenden internationalen Drucks hält der simbabwische Machthaber Robert Mugabe an der von Kritikern als Farce gewerteten Stichwahl um das Präsidentenamt am (heutigen) Freitag fest. Auf einer Wahlveranstaltung erklärte er zwar am Donnerstag, er sei zu Gesprächen mit der Opposition bereit. Die Regierung bekräftigte aber zugleich ihren harten Kurs gegen ihre Gegner. Mugabe werde gegenüber der Opposition nicht nachgeben, sagte der stellvertretende Informationsminister Bright Matonga.

Wenn die Stichwahl stattfinde, seien Verhandlungen über die Zukunft Simbabwes sinnlos, erklärte Oppositionsführer Morgan Tsvangirai am Donnerstag. «Wenn Herr Mugabe sich zum Sieger erklärt und sich selbst als Präsident betrachtet, sind die Verhandlungen beendet», sagte Tsvangirai in einem Interview mit der britischen Zeitung «The Times».

Der Politiker hielt sich wieder in der niederländischen Botschaft in Harare auf, die er am Mittwoch vorübergehend für eine Pressekonferenz in seinem Haus verlassen hatte. Er bekräftige dabei seinen Rückzug von der Stichwahl, da die Repressalien gegen seine Anhänger zu groß geworden seien.

Angesichts des harten Vorgehens gegen die Opposition rücken indes auch zunehmend afrikanische Regierungen von Mugabe ab. Der ehemalige südafrikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela kritisierte das Regime erstmals öffentlich. Er erklärte am Mittwochabend in einer Rede in London, in Simbabwe sei ein tragisches Versagen der politischen Führung zu beobachten.

Bedeutung haben seine Äußerungen deshalb, weil Mandela vielen als moralische Autorität des Kontinents gilt. Auch in seinem Heimatland, dessen Präsident Tabo Mbeki sich bislang scheut, Mugabe zu kritisieren, ist sein Einfluss nach wie vor sehr groß. Tsvangirai begrüßte die Äußerungen als «Zeichen der Solidarität». Der simbabwische Informationsminister Sikhanyiso Ndlovu sagte dagegen, Mandela habe sich westlichem Druck gebeugt.

Ein Gericht in Simbabwe genehmigte unterdessen die Freilassung des inhaftierten Generalsekretärs der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), Tendai Biti, gegen Kaution und unter Auflagen. Biti war am 12. Juni nach seiner Rückkehr aus dem Exil in Südafrika festgenommen worden. Ihm wurde Verrat und die Beleidigung des Präsidenten vorgeworfen. Biti habe die Kaution umgehend bezahlt, sagte sein Anwalt, Lewis Uriri.

Zahlreiche Anhänger der Opposition suchten am Donnerstag den zweiten Tag in Folge Zuflucht in der südafrikanischen Botschaft in Harare. Ein Sprecher des südafrikanischen Außenministeriums gab ihre Zahl mit etwa 180 an, darunter Frauen und Kinder.

(Quelle: ap)
 


 

Vier Tote bei Angriff auf Militärpatrouille in Afghanistan

Fr.27.06.08 - Aufständische haben am Donnerstag südlich der afghanischen Hauptstadt Kabul eine Patrouille der US-geführten Koalitionstruppen angegriffen. Dabei wurden nach Angaben der Streitkräfte drei Soldaten und ein afghanischer Dolmetscher getötet. Ein Fahrzeug des Militärkonvois wurde zerstört. Zur Nationalität der getöteten Soldaten wurden keine Angaben gemacht. Der Angriff ereignete sich im Bezirk Sajdabad in der Provinz Wardak, rund 70 Kilometer von Kabul entfernt.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich zuletzt zusehends verschlechtert, vor allem im Süden und Osten des Landes. Der Krieg hat in diesem Jahr bisher fast 2.000 Menschen das Leben gekostet. Deutschland plant sein NATO-Truppenkontingent ab Mitte Oktober von 3.500 auf 4.500 Soldaten aufzustocken. Die Bundeswehr ist allerdings nur im vergleichsweise friedlichen Norden des Landes im Einsatz.

(Quelle: ap)
 


 

Nordkorea legt Atom-Bericht vor - USA beenden Sanktionen

Fr.27.06.08 - Nach monatelanger Verzögerung hat Nordkorea einen Bericht über seine nuklearen Aktivitäten vorgelegt und damit den Weg für ein Ende des Atomstreits frei gemacht.

US-Präsident George W. Bush kündigte daraufhin eine Aufhebung von Sanktionen und die Streichung des Landes von der den Terrorismus unterstützenden Staaten an. Gleichwohl verlangte er am Donnerstag in Washington eine Offenlegung aller nuklearer Aktivitäten und den vollständigen Abbau aller atomaren Einrichtungen in dem kommunistisch regierten Land.

Nordkorea hat sich Ende vorigen Jahres gegenüber Südkorea, China, Japan, Russland und den USA zur atomaren Abrüstung verpflichtet. Im Gegenzug soll das verarmte und isolierte Land Wirtschaftshilfen und diplomatische Konzessionen erhalten. Die Regierung in Pjöngjang hatte vor zwei Jahren einen atomaren Sprengsatz gezündet und damit weltweite Empörung ausgelöst. Der am Donnerstag in Peking vorgelegte Bericht hatte sich wegen Streitigkeiten über den Inhalt sowie über Geld und andere Hilfen verzögert.

Nach Angaben der USA will Nordkorea bereits am Freitag den Kühlturm seines Atomreaktors in Yongbyon zerstören. Zu dem symbolischen Akt - die aus dem Turm entweichenden Wolken sind auf Satellitenbildern Beleg für die atomaren Aktivitäten des Landes - wurden auch Vertreter westlicher Medien eingeladen.

Bush drohte Nordkorea mit Konsequenzen für den Fall, dass es seinen Verpflichtungen zur Offenlegung und Abrüstung nicht nachkommen sollte. "Die USA haben keine Illusionen über das Regime in Pjöngjang", sagte der Präsident vor Journalisten. Das Land verletze die Menschenrechte, reichere Uran an, teste Atomwaffen und gebe sie weiter, erprobe Raketen, bedrohe Nordkorea und weitere Nachbarn.

Bush unterzeichnete einen Erlass, Nordkorea von der Liste der Staaten zu streichen, die den Terrorismus unterstützen. Das Präsidialamt kündigte zudem an, binnen 45 Tagen Handelssanktionen aufzuheben. In dieser Zeit würden die USA sorgfältig überprüfen, ob Nordkorea seine Verpflichtungen einhalte.

Außenministerin Condoleezza Rice sprach von einem wichtigen ersten Schritt auf dem Weg zur endgültigen Beilegung des Konflikts. Sie äußerte sich im japanischen Kyoto zuversichtlich, dass die USA in der Lage seien, die Einhaltung der Zusagen zu überprüfen. Die USA erwarteten dazu auch den Zugang zum Reaktor in Yongbyon.

Die angekündigte Aufhebung der Sanktionen gegen Nordkorea stößt derweil bei den US-Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama auf Skepsis. Konservative Republikaner zeigten sich enttäuscht und bezeichneten die Entscheidung von US-Präsident George W. Bush als beschämend. «Das ist der endgültige Kollaps von Bushs Außenpolitik», sagte John Bolton, der frühere US-Botschafter der Regierung Bush bei den Vereinten Nationen. Das Regime in Nordkorea gewinne dadurch «politische und wirtschaftliche Legitimität».

Senator McCain zeigte sich zunächst misstrauisch und mahnte zur Vorsicht. Er sei gespannt darauf, alle Einzelheiten der neuen Sachlage zu erfahren, sagte der Republikaner am Donnerstag bei einem Wahlkampfauftritt im US-Staat Ohio. Obama schloss sich seinem Senatskollegen an: «Mit den Worten von Ronald Reagan: Wir müssen vertrauen, aber nachprüfen.» Die Gefahr durch die Verbreitung von Nuklearwaffen sei zu lange vernachlässigt worden, kritisierte der Demokrat.

boa (Quellen: rtr, ap)
 


 

Oberstes US-Gericht spricht Bürgern Recht auf Waffe zu

Fr.27.06.08 - Erstmals in der US-Geschichte hat das Oberste Gericht des Landes den Bürgern ein Recht auf Waffenbesitz zugesprochen.

Mit der am Donnerstag verkündeten Entscheidung brachte es auch eine Anordnung zu Fall, die eine strikte Waffenkontrolle in der Hauptstadt Washington vorsah. Die mit Spannung erwartete Entscheidung fiel mit 5 gegen 4 Stimmen denkbar knapp aus.

Im Mittelpunkt der juristischen Beratungen stand der zweite Zusatz zur amerikanischen Verfassung. Strittig war, ob diese Bestimmung das Recht des Einzelnen auf Waffenbesitz regelt oder ob es um das allgemeine Recht zum Dienst in der Nationalgarde geht. In ihrer bisher letzten Befassung mit dem Thema konnten sich die Obersten Richter 1939 nicht zu einer Einigung durchringen.

Nun kam die Mehrheit der Richter zu dem Entschluss, dass der Bürger das Recht auf Waffenbesitz unabhängig vom Dienst in der Nationalgarde hat - etwa zur Selbstverteidigung in den eigenen vier Wänden. Richter Antonin Scalia, der mit der Mehrheit gestimmt hatte, betonte jedoch, dieses Recht sei keineswegs grenzenlos. So stehe es außer Frage, dass Gesetze befolgt werden müssten, die das Tragen von Waffen in Schulen oder Regierungsgebäuden nicht erlaubten.

Die US-Regierung sowie der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain begrüßten die Entscheidung. Letzterer verglich das Recht auf Waffenbesitz mit fundamentalen Rechten wie dem der Meinungsfreiheit.

(Quelle: rtr)
 


 

Kalifornien will Emissionen um zehn Prozent senken

Fr.27.06.08 - Kalifornien plant ein umfangreiches Klimapaket und will damit seiner Vorreiterrolle in den USA gerecht werden.

Fußgängerfreundlichere Städte, schadstoffarme Autos, Investitionen in erneuerbare Energien und strengere Vorgaben für die Industrie sollen den Schadstoffausstoß des Bundesstaats bis in zwölf Jahren um zehn Prozent unter das jetzige Niveau senken. "Dies ist von enormer Bedeutung, nicht nur für Kalifornien", sagte Mary Nichols, Chefin der Umweltbehörde, die den Plan ausgearbeitet hat. "Wenn wir hier aktiv werden, können wir andere Staaten unseres Landes darin motivieren, selbst etwas zu tun."

Der von Arnold Schwarzenegger regierte Bundesstaat gilt als Vorbild beim Klimaschutz in den USA. Die Europäische Union plant, den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu verringern, Deutschland um 40 Prozent.

Das Kalifornien-Paket sieht vor, dass vor allem der Energiebedarf von Häusern gesenkt wird und Öl-Konzerne umweltfreundlichere Treibstoffe entwickeln. Die Stromversorger sollen ein Drittel der Energie aus Wind- und Solarkraft gewinnen. Zudem sollen auf kalifornischen Straßen künftig mehr Elektro- und Wasserstofffahrzeuge rollen und Hochgeschwindigkeits-Züge als Alternative zum umweltschädlichen Luftverkehr angeboten werden. Die ersten Vorschläge können 2010 Gesetz werden.

(Quelle: rtr)
 


 

Europa: Airlines sollen für C02-Abgase künftig zahlen

Fr.27.06.08 - Fluggesellschaften sollen von 2012 an für den Ausstoß von Treibhausgasen bei Flügen in oder nach Europa zur Kasse geben werden.

Darauf verständigten sich Vertreter der EU-Staaten und des Europäischen Parlaments, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag aus Verhandlungskreisen erfuhr. Demnach soll die Branche ab 2012 am Handel mit Verschmutzungsrechten teilnehmen. Die Airlines müssten dann für 15 Prozent ihrer Abgase CO2-Zertifikate in Auktionen kaufen, der Rest wird kostenlos zugeteilt.

Die Luftfahrtbranche kritisierte die Einigung scharf. Der internationale Verband der Ferienflieger IACA erklärte, die 15 Prozent seien angesichts hoher Kerosinkosten nicht verkraftbar. "Wir haben in diesem Jahr schon 24 Pleiten im Luftfahrtsektor gesehen und erwarten weitere. Was brauchen Gesetzgeber noch, um zu erkennen, dass die Branche in schwierigen finanziellen Schwierigkeiten steckt?", sagte IACA-Präsident Christoph Mueller. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber sagte der "Bild"-Zeitung: "Was Brüssel vorhat, ist ein Irrsinn!"

Der Einigung muss noch das Europäische Parlament in zweiter Lesung im Juli zustimmen, wenn Verhandlungen im Vermittlungsausschuss vermieden werden sollen. "Es ist ein Erfolg, dass wir eine Einigung gefunden haben. Es ist ein guter Kompromiss", sagte der EU-Vertreter.

Der Ausstoß an Treibhausgas im Luftverkehr soll bis 2012 auf 97 Prozent der jährlichen Emissionen in der Basisperiode 2004 bis 2006 sinken, von 2013 bis 2020 soll er auf 95 Prozent weiter reduziert werden. Zu beiden Punkten vereinbarten Rat und Parlament eine Revisionsklausel. Denn derzeit wird die Richtlinie über Emissionshandel neu verhandelt, zu dem nach den Energiekonzernen auch andere Industriebranchen verpflichtet werden sollen. Würde für die meisten Industriezweige eine kostenlose Zuteilung der handelbaren Verschmutzungsrecht vereinbart, bliebe es für die Luftfahrt bei 15 Prozent. Sollte die Industrie zu einer höheren Auktionierung verpflichtet werden, müssen die Fluggesellschaften nachziehen.

Mit der Gesetzgebung soll der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases im Luftverkehr bis 2020 um fünf Prozent reduziert werden. Dies gehört zu einem Paket von Regulierungen, mit denen die EU ihre Klimaschutzziele erreichen will. Die Emissionen an Treibhausgas sollen bis 2020 um 20 Prozent unter das Niveau von 1990 sinken. Der seit 2005 bestehende Handel mit Zertifikaten über Kohlendioxyd-Emissionen ist das wichtigste Instrument der EU im Kampf gegen den Klimawandel. Firmen können dabei Anrechte auf eine Menge CO2-Ausstoß erwerben. Belasten sie die Umwelt weniger, können sie mit dem Verkauf überzähliger Zertifikate Geld verdienen. Das soll ein Anreiz zu Investitionen in umweltfreundliche Technologie schaffen.

Das Europäische Parlament kam den EU-Ländern bei den wichtigen Punkten der Regelung weit entgegen. Es hatte als Startdatum 2011 gefordert. Dafür sollen jetzt aber sowohl Flüge innerhalb Europas als auch Interkontinentalflüge von oder nach Europa von Anfang an dem Emissionshandel unterliegen. Die EU-Kommission wollte den ausländischen Airlines länger Zeit geben. Das Parlament forderte zudem, die Fluggesellschaften für 25 Prozent der Zertifikate bezahlen lassen, die EU-Länder wollten nur zehn Prozent.

(Quelle: rtr)
 


 

Steuer- und Abgabenlast in Deutschland die neunthöchste in Europa

Fr.27.06.08 - Die Gesamtbelastung mit Steuern und Sozialabgaben in Deutschland ist die neunthöchste in Europa. Mit einem Anteil von 39,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) war die Abgabenlast in Deutschland im Jahr 2006 geringer als in den skandinavischen Staaten, in Belgien, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Österreich, wie aus einem am Donnerstag veröffentlichten Vergleich der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. An der Spitze lag Dänemark mit einer Steuer- und Abgabenquote von 49,1 Prozent.

Bei den Spitzensätzen für die Einkommenssteuer liegt Deutschland mit 47,5 Prozent auf dem sechsten Platz hinter Dänemark, Schweden, den Niederlanden, Finnland sowie Belgien und Österreich, die sich den fünften Platz teilen. Der niedrigste Spitzensteuersatz wurde im vergangenen Jahr in Rumänien gezahlt, wo auf die höchsten Einkommen nur 16 Prozent Steuern entrichtet werden mussten.

Ähnlich groß sind die Unterschiede bei der Körperschaftssteuer: Die Sätze reichen hier von nur zehn Prozent in Zypern und Bulgarien bis zu 35 Prozent in Malta. Deutschland liegt mit einem Satz von derzeit 29,8 Prozent an sechster Stelle. Seit 1995 sank die Körperschaftssteuer in Deutschland damit um 27 Prozentpunkte.

Bei der Betrachtung der impliziten Steuersätze, die laut Eurostat die tatsächliche durchschnittliche Abgabenbelastung angeben, fällt die Rangfolge allerdings vollkommen anders aus. Die implizite Besteuerung von Kapital fällt mit 42,5 Prozent ausgerechnet im bei Investoren beliebten Irland am höchsten aus, am geringsten mit nur 8,4 Prozent in Estland. Deutschland teilt sich mit einem impliziten Steuersatz auf Kapital von 23,4 Prozent mit Österreich einen moderaten 11. Platz unter den 16 Staaten, für die Angaben zur tatsächlichen Abgabenbelastung von Unternehmen vorliegen.

Verglichen damit ist die durchschnittliche Abgabenbelastung des Faktors Arbeit in Deutschland mit 39,6 Prozent relativ hoch. Die Bundesrepublik liegt damit auf dem achten Platz unter 26 EU-Staaten, für die entsprechende Daten vorliegen. Bei der Belastung des Konsums, also dem Durchschnitt aus der Mehrwertsteuer und Verbrauchssteuern wie der Mineralöl- oder Tabaksteuer liegt Deutschland mit einer Quote von 18,2 Prozent am unteren Ende der Skala. Nur in Spanien, Litauen, Italien, Griechenland und Rumänien sind die Konsumsteuern geringer.

Insgesamt ist die Steuer- und Abgabenlast in der EU in den vergangenen zehn Jahren mit einem Durchschnitt von rund 40 Prozent weitgehend stabil geblieben. Nach einem merklichen Rückgang in den Jahren 2000 bis 2004 stieg sie zuletzt wieder, was von Eurostat auf die verbesserte Wirtschaftslage zurückgeführt wird.

(Quelle: ap)
 


 

Deutsche Wirtschaft laut Konjunkturprognose am Ende des Aufschwungs - Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung senkt Prognose für 2009 - BIP-Zuwachs für 2008 angehoben

Fr.27.06.08 - Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Einschätzung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) am Ende des Aufschwungs. Zwar hoben die Wissenschaftler der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ihre Prognose für das Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2008 um 0,5 Prozent auf 1,8 Prozent an. Ihre Erwartungen für das kommende Jahr senkten sie in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Gutachten jedoch deutlich herab.

Statt der noch im März erwarteten 1,5 Prozent sagte das Düsseldorfer Institut nun nur noch einen BIP-Zuwachs von 0,9 Prozent für 2009 voraus. Gebremst werde der Konjunkturmotor vor allem durch die hohen Rohstoffpreise, pessimistischere Absatzperspektiven und höhere Kreditzinsen. Die Nachfrage nach Investitionsgütern wie auch die Auslandsnachfrage gingen daher deutlich zurück. Auch durch den privaten Konsum könnte die negative Konjunkturentwicklung nicht aufgefangen werden, erklärten die Wissenschaftler.

Wegen der hohen Teuerung und einer stärkeren Tendenz zum Sparen rechnet das IMK in diesem Jahr nur mit 0,3 Prozent mehr Privatkonsum. Im nächsten Jahr dürfte der Zuwachs den Berechnungen zufolge bei 0,7 Prozent liegen.

Die für 2008 noch einmal angehobene Wirtschaftsprognose beruht dem Institut zufolge auf zahlreichen Sondereffekten. So sei wegen des milden Winters das Baugewerbe auch im Winter aktiv geblieben. Zudem hätten die Unternehmen im ersten Quartal ungewöhnlich viele Maschinen und Anlagen gekauft, um noch in den Genuss der günstigeren Abschreibungsbedingungen von 2007 zu kommen. Schon im zweiten Quartal 2008 dürfte das BIP laut IMK jedoch deutlich zurückgehen, saisonbereinigt um etwa ein Prozent.

(Quelle: ap)
 


 

Nur 13 Prozent sind mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden

Fr.27.06.08 - Nur 13 Prozent aller Beschäftigten sind einer Umfrage zufolge rundum mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden. Dagegen bewerten 32 Prozent ihre Arbeitsbedingungen als mangelhaft, wie aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichtem DGB-Index «Gute Arbeit» hervorgeht. Rund die Hälfte der Arbeitnehmer (55 Prozent) bewerten ihre Arbeitsbedingungen als mittelmäßig. Unter besonders schlechten Bedingungen müssen vor allem Leiharbeiter arbeiten.

Im Vergleich zu 2007 hat sich die prozentuale Verteilung von guter, mittelmäßiger und schlechter Arbeit allerdings leicht verbessert. Der Anteil guter und mittelmäßiger Arbeit hat sich den Angaben zufolge um jeweils einen Prozentpunkt erhöht, der Anteil schlechter Arbeit ist um zwei Prozentpunkte gesunken.

Insgesamt zeigt sich laut DGB jedoch, dass es den meisten Beschäftigten an Einfluss-, Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten mangelt. Der berufliche Alltag sei geprägt von Arbeits- und Zeitdruck, körperlich einseitiger oder schwerer Arbeit, sowie emotionalen Belastungen. Außerdem fehle vielen Befragten ein Mindestmaß an beruflicher Zukunftssicherheit und ein ausreichendes Einkommen.

Besonders schlecht beurteilen die Beschäftigten in Bauberufen ihre Arbeit (4 Prozent gut, 41 Prozent schlecht). Auch Bäcker, Fleischer und Köche sind überdurchschnittlich unzufrieden (10 Prozent gut, 48 Prozent schlecht. In den Verkehrsberufen sprechen nur sechs Prozent von guten, aber 49 Prozent von schlechten Bedingungen.

Der DGB-Index vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie beruht auf den Aussagen von rund 6.800 Befragten vom Mini-Jobber bis zur leitenden Angestellten. Laut DGB ist er damit repräsentativ für die Beschäftigten in Deutschland. Drei Kategorien flossen in den Index ein: «Ressourcen» (Kreativität, Aufstiegsmöglichkeiten oder Führungsqualitäten), «Belastungen» des Berufslebens (Arbeitsintensität, körperliche und emotionale Anforderungen) und «Einkommen und Sicherheit».

(Quelle: ap)
 


 

Bundestag entrümpelt GmbH-Recht

Fr.27.06.08 - Unternehmensgründungen in Deutschland sollen nach dem Willen des Bundestages erleichtert und beschleunigt werden. Mit den Stimmen von Union, SPD und Grünen verabschiedete das Parlament am Donnerstag in Berlin einen schwarz-roten Gesetzentwurf zur Reform der Rechtsform der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sprach von einer «historischen Reform», die das GmbH-Recht erstmals seit 1892 grundlegend entrümpele und endlich den heutigen Bedingungen anpasse.

Anders als im ursprünglichen Regierungsentwurf vorgesehen soll das Stammkapital, das bei der Gründung einer GmbH aufgebracht werden muss, nicht von 25 000 auf 10 000 Euro gesenkt werden. Vielmehr soll als Alternative zur GmbH eine haftungsbeschränkte «Unternehmergesellschaft» (UG) eingeführt werden, die bereits mit einem Stammkapital von einem Euro gegründet werden kann. Damit soll laut Zypries eine Gründung kleiner, innovativer Firmen deutlich erleichtert werden.

Um innerhalb einiger Jahre eine höhere Eigenkapitalausstattung zu erreichen, muss die UG in ihrer Bilanz ein Viertel ihres Jahresüberschusses als Rücklage einstellen. Erreicht die UG die Stammkapitalgrenze von 25 000 Euro, kann sie in eine GmbH umfirmieren, muss es aber nicht. Zudem sollen einfache Standardgründungen von UG und GmbH durch die Einführung eines «Musterprotokolls» beschleunigt und verbilligt werden.

Ferner werden Zypries zufolge auch das Haftungskapital sowie das «Ende eines GmbH-Lebens» neu geregelt. Damit solle gegen die zunehmende Zahl von Firmen-«Bestattungsfällen» im Mittelstand vorgegangen werden. Gescheiterte Unternehmer könnten sich mit den Regelungen gegen Insolvenzmissbrauch künftig nicht mehr der Verantwortung entziehen, unterstrich die Ministerin.

(Quelle: ddp)
 


 

Parlament uneins über Regelung zu Patientenverfügung

Fr.27.06.08 - Der Bundestag zeigt sich im Ethik-Streit über die Verbindlichkeit und die Reichweite von Patientenverfügungen tief gespalten.

Der SPD-Rechtsexperte Joachim Stünker warb am Donnerstag im Parlament für einen von ihm eingebrachten Gesetzentwurf, wonach derlei Vorabbestimmungen über medizinische Behandlungen weitgehend verbindlich werden sollen und der Wille des Patienten "unabhängig von Art und Stadium der Erkrankung" beachtet werden soll. Andere Politiker insbesondere der Union kritisierten dagegen, der Antrag gehe zu weit.

Den von Stünker eingebrachten Antrag haben bisher 115 SPD-Abgeordnete, 43 Mitglieder der FDP-Fraktion, 25 Mitglieder der Linksfraktion und 24 Grünen-Abgeordnete unterzeichnet. Auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries steht dahinter.

"Der einzelne hat ein Recht zu leben, aber nicht die Pflicht zu leben", betonte Stünker. Die Bestimmung über die leibliche oder seelische Integrität gehöre zum ureigensten Bereich jeder Persönlichkeit. Allerdings müsse vor Umsetzung einer Verfügung von Ärzten und Betreuern einvernehmlich festgestellt werden, dass die Verfügung auf die aktuelle Lebenssituation zutreffe.

Eine Gruppe um Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach will den Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen hingegen nur dann billigen, wenn eine Erkrankung zwingend zum Tode führt. Ein entsprechender Antrag liegt vor, wurde aber noch nicht ins Parlament eingebracht. Verhandelt wird derzeit mit den Autoren anderer Anträge, die sich ebenfalls gegen einen Automatismus zur Anwendung einer Patientenverfügung wenden.

Bosbach sagte der "Berliner Zeitung", zwar müsse das Selbstbestimmungsrecht des Einzlenen gestärkt werden. Es müssten aber Sicherheiten eingebaut werden, "damit Willensänderungen bis zuletzt berücksichtigt und Irrtümer und Fehlvorstellungen nicht zwangsläufig zur Beendigung lebenserhaltender Maßnahmen führen". Der CDU-Politiker Markus Grübel warnte in der Debatte, der aktuelle und der vorausverfügte Wille seien nicht identisch. Kein Arzt wisse auch, ob der Patient das richtige Formular ausgefüllt habe. Daher müsse die Reichweite begrenzt werden.

Laut Zypries haben in Deutschland rund acht Millionen Menschen eine Patientenverfügung unterschrieben. In ihnen sind Anordnungen zur medizinischen Behandlung für den Fall enthalten, dass sich der Patient wegen einer schweren Krankheit oder einer Verletzung nicht mehr selbst äußern kann. So kann in diesen etwa vorgegeben sein, dass auf eine Beatmung oder künstliche Ernährung verzichtet werden soll.

Zypries unterstrich, es gehe um Situationen, die jeden treffen könnten, wie etwa ein Schlaganfall oder ein Verkehrsunfall. Der Gesetzgeber dürfe sich seiner Verantwortung nicht entziehen und müsse in diesem wichtigen Bereich endlich Rechtssicherheit schaffen, schrieb sie in der "Frankfurter Rundschau". Viele Menschen hätten Angst, der modernen Apparatemedizin hilflos ausgeliefert zu sein.

(Quelle: rtr)
 


 

Linke zieht nach Karlsruhe wegen EU-Reformvertrag

Fr.27.06.08 - Mit einer Verfassungsklage in Karlsruhe will die Linke den EU-Reformvertrag zu Fall bringen. Fraktionschef Gregor Gysi sagte am Donnerstag in Berlin, die Klage richte sich gegen eine Einschränkung des im Grundgesetz verankerten Sozialstaates durch den Lissabon-Vertrag. Nach Ansicht der Linken ist das deutsche Zustimmungsgesetz verfassungswidrig, weil es den Schutz der menschlichen Würde unter den Vorbehalt der Dienstleistungsfreiheit stellt.

Gysi wies darauf hin, dass die Würde des Menschen laut Grundgesetz unantastbar ist und daher als oberster Wert der Verfassung weder durch ein Gesetz eingeschränkt werden noch mit anderen Rechtsgütern wie den Grundrechten abgewogen werden könne. Zudem verstoße der Vertrag gegen die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zur Parlamentsarmee, wonach die Zustimmung des Bundestages zu jedem bewaffneten Einsatz deutscher Streitkräfte zwingend sei.

Mit dem Ratifizierungsgesetz, das von Bundestag und Bundesrat mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet wurde, wird von deutscher Seite die Voraussetzung für das Inkrafttreten des EU-Reformvertrags geschaffen. Das Gesetz muss noch von Bundespräsident Horst Köhler ausgefertigt werden.

Der Vertrag von Lissabon, der wesentliche Teile der gescheiterten EU-Verfassung enthält, kann erst nach der Ratifizierung in allen 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in Kraft treten. Gegenwärtig liegt der Lissabon-Vertrag jedoch wegen des irischen Referendums auf Eis. Auch in Tschechien ist er Gegenstand eines Urteils der Verfassungsrichter.

(Quelle: ddp)
 


 

Explodierende Energiepreise heizen Teuerung im Juni an

Fr.27.06.08 - Explodierende Energiepreise haben die Inflation im Juni kräftig angeheizt.

Die Verbraucherpreise stiegen in Nordrhein-Westfalen um 3,0, in Sachsen um 3,4 und in Hessen um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Statistischen Landesämter am Donnerstag mitteilten. Im Mai hatte die Teuerungsrate im gesamten Bundesgebiet bei 3,0 Prozent gelegen. Von Reuters befragte Analysten erwarten nun einen Anstieg auf 3,3 Prozent. Das wäre der höchste Wert seit Dezember 1993 (4,2%). Das Statistische Bundesamt wird am Freitag eine erste bundesweite Schätzung abgeben, wenn weitere drei Länder ihre Daten veröffentlicht haben.

Größter Preistreiber waren erneut die Energiepreise. Heizöl kostete etwa in Hessen 61,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Diesel und Benzin verteuerten sich um 16,4 Prozent. An vielen Tankstellen mussten für einen Liter Sprit zeitweise Rekordpreise von mehr als 1,55 Euro je Liter hingeblättert werden. Grund dafür ist der hohe Ölpreis, der sich seit Wochen nahe dem Rekordhoch von rund 140 Dollar je Fass bewegt.

Das Ölkartell Opec sagt für die kommenden Wochen neue Spitzenpreise voraus. Im Sommer dürfte ein Fass zwischen 150 und 170 Dollar kosten, sagte Opec-Chef Chakib Chelil dem französischen Fernsehsender "France 24". Erst gegen Jahresende könnte das Öl dann wieder billiger werden.

Dann erst rechnet auch die Bundesbank wieder mit einem nachlassenden Preisdruck. Für das Gesamtjahr erwartet sie eine Teuerungsrate von rund drei Prozent. Auch Analysten erwarten im Sommer keine Entspannung. "Erst danach ist mit einem leichten Nachlassen des Inflationsdrucks zu rechnen", sagte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus. Die hohe Inflation dämpft die Kaufkraft der Verbraucher. Im ersten Quartal stiegen die Preise bereits schneller als die Löhne.

Die Preise steigen auch in anderen Euro-Ländern rasant. In Belgien war die Teuerungsrate im Juni mit 5,8 Prozent so hoch wie seit fast 24 Jahren nicht mehr. Für den gesamten Euro-Raum erwarten die von Reuters befragten Analysten eine Rekordinflationsrate von 3,9 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht stabile Preise auf mittlere Sicht nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gesichert. Sie hat deshalb signalisiert, ihren Leitzins kommende Woche erstmals seit gut einem Jahr von derzeit 4,0 auf dann 4,25 Prozent anzuheben.

(Quelle: rtr)
 


 

CDU will mit längeren Akw-Laufzeiten Strompreise senken

Fr.27.06.08 - Die CDU will nach den Worten von Generalsekretär Ronald Pofalla durch längere Laufzeiten für Atomkraftwerke für sinkende Strompreise sorgen. Die Konzerne müssten bei längeren Laufzeiten nicht nur die Preise senken, sondern auch mehr Geld in die Forschung für erneuerbare Energien investieren, forderte Pofalla im ARD-Morgenmagazin. "Wir sind der festen Überzeugung, dass wir eine Laufzeitverlängerung der sichersten Kernkraftwerke in Europa, nämlich der deutschen Kernkraftwerke, benötigen, um sichere Energiepreise sicherzustellen und um dem Klimawandel gerecht zu werden."

Unabhängig vom Koalitionsvertrag, in dem der Ausstieg aus der Atomenergie festgeschrieben sei, lege er als Generalsekretär die Position der CDU dar, sagte Pofalla. Künftige schwarz-grüne politische Konstellationen sieht Pofalla durch diese Marschrichtung offenbar nicht gefährdet. "Wenn Sie sich mit Grünen unter vier Augen unterhalten, dann geben die mittlerweile sogar zu, dass dieser Ausstieg, so wie er damals von Rot-Grün vereinbart worden ist, unter den jetzigen Gegebenheiten falsch ist", sagte der CDU-Generalsekretär. "Die Grünen sollten das, was sie hinter verschlossenen Türen sagen, jetzt auch nach außen sagen."

Der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) sprach sich für den Neubau von Atomkraftwerken in Deutschland aus. Der Präsident des Verbands, Anton Börner, sagte der "Bild"-Zeitung, mit zusätzlichen Kernkraftwerken könne "das Energieangebot steigen". So könne Strom wieder billiger werden. Gleichzeitig verlangte Börner Steuererleichterungen für Wirtschaft und Verbraucher. "Der Staat muss die zusätzlichen Steuermehreinnahmen an die Bürger zurückgeben, zum Beispiel über niedrigere Steuersätze oder eine Gutschrift", sagte der BGA-Präsident dem Blatt.

(Quelle: afp)
 


 

Pannen im Atomlager Asse heizen Debatte um Atomkraft wieder an

Fr.27.06.08 - Die Pannen im Atommülllager Asse in Niedersachsen haben die Debatte über die Nutzung der Atomkraft erneut angeheizt.

"Kernenergie ist nicht sauber, Kernenergie ist dreckig. Das beweist das Beispiel Asse", sagte der SPD-Abgeordnete Jörg Tauss am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde im Bundestag. Wenn die Union die Atomkraft im Bundestagswahlkampf zum Thema machen wolle, habe er nichts dagegen: "Da haben wir gute Argumente." Auch der stellvertretende Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin, verwies auf die ungelöste Endlagerfrage für Atomabfälle. "Asse ist das Vorbild für Gorleben", sagte er mit Blick auf das dort geplante Atommüllendlager. "Wenn Atomkraft Ökoenergie ist, dann bin ich kein Öko mehr", sagte der Ex-Umweltminister. Die Union hatte die kohlendioxidfreie Atomkraft kürzlich als Ökoenergie bezeichnet.

Sprecher der Union warfen den Grünen vor, sie hätten die Debatte nicht wegen der Probleme in Asse, sondern wegen ihres Widerstands gegen Atomkraft insgesamt beantragt. "Ihnen geht es darum, die Kernenergie schlecht zu reden", sagte der Abgeordnete Axel Fischer.

In Niedersachsen sorgt das Lager Asse seit Wochen für Wirbel. Dabei geht es vor allem darum, ob die Behörden die Öffentlichkeit ausreichend informiert haben. Dem Helmholtz-Zentrum als Betreiber und dem Bergamt als Genehmigungsbehörde ist bereits seit Jahrzehnten bekannt, dass Salzlauge in das als Atommüll-Endlager genutzte ehemalige Salzbergwerk eindringt. Das kann nach Meinung von Kritikern die Standfestigkeit der Stollensysteme gefährden und irgendwann könnte radioaktiv verseuchtes Wasser wieder an die Oberfläche gelangen. In Asse sind rund 130.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Abfall eingelagert. Nach bisherigen Plänen sollte Asse 2014 geschlossen werden, wobei das Lager geflutet werden könnte.

Zuständig für Asse ist indirekt auch das Bundesforschungsministerium von Annette Schavan (CDU). Es wurden wegen der Pannen Forderungen laut, die Aufsicht künftig dem Umweltministerium zu übertragen. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), Schavan sowie der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) hatten sich am Dienstag auf ein Expertengremium verständigt, dass sich mit dem Zustand von Asse befassen soll. Gabriel nannte eine Änderung der Zuständigkeiten keinen Beitrag zur Lösung der Probleme.

(Quelle: rtr)
 


 

Greenpeace geht mit der Elektronik-Branche härter ins Gericht

Fr.27.06.08 - Greenpeace zeigt die größten Ökosünder aus der IT- und Unterhaltungselektronik-Branche auf. In ihrer regelmäßig durchgeführten Untersuchung hat die Umweltschutzorganisation jetzt noch schärfere Kriterien für Schadstoffe und andere Aspekte angelegt. Deshalb schneiden die überprüften Unternehmen schlechter ab als zuvor. Im Ende Juni veröffentlichten "Greener Electronics Guide" haben nur Sony und Sony Ericsson mehr als fünf von zehn möglichen Punkten erreicht. Nokia hat im Vergleich zur drei Monate alten vorangegangenen Studie rund einen Punkt verloren und ist damit auf unter fünf Punkte gefallen. Das schlechteste Ergebnis erzielten Microsoft mit knapp über zwei Punkten und Nintendo mit weniger als einem Punkt.

Bewertet werden nicht nur Kriterien wie der Schadstoffgehalt der Produkte, sondern auch die Energieeffizienz und die Haltung der Hersteller zum Thema Recycling und Entsorgung. Auch Klimaschutzaspekte gehen in die Bewertung mit ein. Erstmals wurde der "Greener Electronics Guide" im August 2006 von Greenpeace erstellt, seitdem wird er quartalsweise veröffentlicht.

(Quelle: gp)
 


 

Schar der Gegner von Studiengebühren wächst

Fr.27.06.08 - Studiengebühren in Deutschland bleiben ein rotes Tuch. 70 Prozent aller zahlenden Studierenden sprechen sich dafür aus, die Gebühren sofort abzuschaffen, wie aus aktuellen Ergebnissen einer Langzeitstudie der Universität Hohenheim vorgeht, die am Donnerstag in Stuttgart veröffentlicht wurden. Danach sprachen sich nur 16 Prozent der Befragten Studenten für einen Erhalt der Gebühren aus. Die Zahl derjenigen, die sich als Gebührengegner bezeichnen, stieg im Vergleich zu 2007 nochmals an - von 60 auf aktuell 63 Prozent.

Für den «Gebührenkompass» wurden den Angaben zufolge von einem Hohenheimer Marktforschungsteam an 54 Universitäten in den derzeit sieben deutschen Gebührenländern insgesamt 6150 Studierende interviewt - pro Uni mindestens 100. Die meisten von ihnen vertraten dabei die Auffassung, dass die Gebühren keine Vorteile bringen. 74 Prozent der Befragten gaben an, bislang keine Verbesserung der Lehre durch die Zahlungen wahrgenommen zu haben. Auch für die Zukunft erwarten die meisten Zahler keine Verbesserungen.

Befragt nach der Zufriedenheit mit der Verwendung der Gebühren gaben die Befragten im Bundesdurchschnitt ihren Universitäten auf einer Notenskala von 1 (sehr zufrieden) bis 6 (sehr unzufrieden) lediglich die Note 4,55. Im Vorjahr war es noch eine 3,5. Die besten Noten erhielten noch die Universität Bayreuth (3,75), die Universität Clausthal-Zellerfeld (3,81), die Uni Konstanz (3,89) sowie die Unis in Bamberg und Aachen (jeweils 3,93).

Unter den Ländern schneiden die Universitäten in Bayern, die im Durchschnitt auf eine Note von 4,27 kamen, sowie die baden-württembergischen Unis (4,43) noch am besten ab. Am Ende des Rankings befinden sich Hamburg und Nordrhein-Westfalen (beide 4,76). Ursachen für die Unzufriedenheit sind der Studie zufolge fehlende Transparenz und mangelhafte Information über die Gebührenverwendung, aber auch Angst vor einem Missbrauch der Gebühren für Kürzungen der Hochschulmittel der Länder. Den Angaben zufolge nahmen die Universitäten in den Gebührenländern im vergangenen Semester insgesamt rund 350 Millionen Euro Studiengebühren ein.

(Quelle: ddp)
 


 

Megapixel-Kameras: Weniger ist oft mehr

Fr.27.06.08 - Kompakte Digitalkameras warten mit immer höheren Pixel-Werten auf. Die schiere Anzahl der Bildpunkte ist aber nicht grundsätzlich ein Garant für bessere Bilder. Unter Umständen sind die hohen Pixel-Werte für den Kunden sogar eher von Nachteil. Mit solchen Pixelprotzen angefertigte Aufnahmen sind mitunter schlechter als Fotos, die mit weniger pixelstarken Kameras angefertigt worden sind. Eine Erklärung hierfür liefert jetzt das Magazin "Chip Online". Der Bildsensor, der die Fotos aufnimmt, ist in kompakten Kameras schon aus Platzgründen vergleichsweise klein. "Bei zehn und mehr Megapixeln drängen sich die einzelnen Bildpunkte förmlich auf dem Sensor", erklärt Christian Riedel, Chefredakteur des Magazins. "Dadurch kommt es oft schon bei leichtem Dämmerlicht zu störendem Bildrauschen."

Zudem ist bei den Kompaktkameras nicht nur die Pixelzahl dafür verantwortlich, wie ansehnlich die Fotos ausfallen. Vor allem die Qualität des Objektivs ist ein entscheidender Faktor. Je hochwertiger das Linsensystem ist, desto besser sind seine Abbildungseigenschaften. Bei Kompaktkameras mit schlechten optischen Systemen können starke Farbsäume und Unschärfen die schönsten Fotomotive entstellen.

Bei digitalen Spiegelreflexkameras gelten in Bezug auf die Pixelzahl andere Regeln. In ihren Gehäusen herrschen geräumigere Verhältnisse, weshalb die Chips normalerweise größer sind. Das Bildrauschen und andere negative Effekte sind deshalb bei Kameras mit hohen Pixelwerten eher selten zu beobachten. Aber auch für sie gilt: Je hochwertiger die eingesetzten Objektive sind, desto bestechender ist die Qualität der Fotos.

(Quelle: gp)
 


 

Wissenschaft

Studienzentrum beantragt Abberufung von Türkeiforscher Sen

Fr.27.06.08 - Der Türkeiforscher Faruk Sen soll von seinem Posten als Direktor des Essener Zentrums für Türkeistudien (ZfT) abberufen werden. Dies beantragte der ZfT-Vorstand in einer Sondersitzung, nachdem Sen die Lage von Türken in Europa mit der Judenverfolgung in der NS-Zeit verglichen hatte. Seinen Antrag richtete der Vorstand an den Düsseldorfer Integrationsminister Armin Laschet (CDU) als Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung ZfT. Laschet will dazu nun eine Sondersitzung des Kuratoriums einberufen. Sen, der das renommierte ZfT 1985 mitbegründete, kündigte rechtliche Schritte gegen die drohende Abberufung an.

Das Institut der Universität Duisburg-Essen will der deutschen Öffentlichkeit Informationen und Hintergründe zur Türkei, den türkischen Migranten und Zuwanderern aus anderen Herkunftsländern zur Verfügung stellen. Es ist eine Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Der umstrittene Judenvergleich stammt aus einem Artikel von Sen, den die türkische Zeitung "Referans" im Mai veröffentlicht hatte. Darin bezeichnete der Türkeiforscher die Türken als "neue Juden Europas". Mit diesen Äußerungen habe Sen "dem deutsch-türkischen Verhältnis, der Integrationspolitik und vor allem dem Stiftungszweck schwer geschadet", erklärte der ZfT-Vorstand nach seiner kurzfristig einberufenen Sitzung.

Sen bezeichnete die Forderung nach seiner Abberufung in der Berliner "tageszeitung" als "Überreaktion des Vorstands". Dessen Beschluss sei "absolut falsch" und für ihn nicht hinnehmbar. "Das ist eine Entscheidung, gegen die ich mich juristisch wehren werde", sagte Sen, der sich laut "taz" zur Zeit in Istanbul aufhält. In einer Erklärung von Sen hieß es, nach einem Gespräch mit dem früheren Vizevorsitzenden des jüdischen Zentralrats, Michel Friedman, bedauere er ausdrücklich die Verwendung der Bezeichnung "neue Juden Europas".

Laschet wies darauf hin, dass die Sondersitzung des Kuratoriums laut Satzung frühestens in 14 Tagen stattfinden könne. Die ebenfalls vom ZfT-Vorstand beantragte sofortige Entbindung Sens von seinen Geschäften obliege der Satzung zufolge dem Vorstand selbst. Zugleich erneuerte Laschet seine Kritik an den Äußerungen des 60-jährigen Wissenschaftlers. Dessen historische Vergleiche seien "inakzeptabel".

Das Institut der Universität Duisburg-Essen will der deutschen Öffentlichkeit Informationen und Hintergründe zur Türkei, den türkischen Migranten und Zuwanderern aus anderen Herkunftsländern zur Verfügung stellen. Es ist eine Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen.

(Quelle: afp)
 


 

Unsauberes Wasser für jede zehnte Erkrankung verantwortlich

Fr.27.06.08 - Unsauberes Wasser ist nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für jede zehnte Erkrankung und sechs Prozent der Todesfälle weltweit verantwortlich. Besonders betroffen seien Kinder, erklärte die WHO: In der Altersgruppe unter 14 Jahren sei unsauberes Wasser sogar Ursache für ein Viertel aller Todesfälle sowie 22 Prozent der Erkrankungen. Arme Staaten litten zudem stärker an Problemen mit Wasserverschmutzung als Industriestaaten.

Während in den Industriestaaten nur 0,5 Prozent der Todesfälle auf verschmutztes Wasser zurückzuführen seien, liege der Anteil in den Entwicklungsländern bei acht Prozent. Ein Extremfall sei Angola, wo 24 Prozent aller Todesfälle durch unsauberes Wasser verursacht sei.

Als Konsequenz forderte die WHO-Expertin Annette Prüss-Üstün die Regierungen auf, in Projekte zur Gewinnung sauberen Wassers zu investieren. Jeder in diesem Bereich investierte Dollar bringe acht Dollar Einsparungen im medizinischen Bereich sowie Gewinne durch höhere Arbeitsproduktivität, erklärte sie.

(Quelle: afp)
 


 

Gigantischer Asteroideneinschlag formte den Mars

Fr.27.06.08 - Astronomen haben auf dem Mars die mit Abstand größte Einschlagspur eines Asteroiden in unserem Sonnensystem identifiziert. Das Borealis-Becken auf dem Roten Planeten zeuge von einer gigantischen Kollision vor rund vier Milliarden Jahren.

Das berichten drei Forschergruppen im britischen Fachjournal «Nature» (Bd. 453, S. 1212, 1216 und 1220). Diese seit 1984 diskutierte Idee hätten Modellrechnungen jetzt bestätigt. Damit sei eines der größten Rätsel in der Geschichte der Marsforschung gelöst. Seit Jahrzehnten hätten Wissenschaftler sich gefragt, warum die Nordhalbkugel des Roten Planeten so glatt und eben sei, die Südhalbkugel hingegen so rau und bergig.

Das Borealis-Becken auf der Nordhalbkugel dehnt sich über rund 40 Prozent der Mars-Oberfläche aus und ist so groß wie die irdischen Kontinente Europa, Asien und Australien zusammen. Es gehört zu den flachsten Regionen im Sonnensystem. Manche Forscher nehmen an, dass es früher einen Ozean beherbergte. Die Südhalbkugel des Roten Planeten ist dagegen stark zerklüftet und liegt vier bis acht Kilometer höher als das Becken. Seit die «Voyager»-Sonden in den späten 1970er Jahren Bilder vom unterschiedlichen Charakter der Mars- Halbkugeln zur Erde funkten, haben Astronomen gerätselt, ob die unterschiedlichen Oberflächen durch interne geologische Prozesse oder durch einen gigantischen Asteroideneinschlag entstanden sind.

Den neuen Modellrechnungen zufolge kann ein Einschlag die Formation am besten erklären. Der Mars wurde demnach vor spätestens 3,9 Milliarden Jahren in einem Winkel von 45 Grad von einem rund 2000 Kilometer großen Objekt getroffen - das ist größer als der Pluto, wie Forscher um Jeffrey Andrews-Hanna vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) berichten. Astronomen diskutieren den Angaben zufolge nur zwei größere Kollisionen im Sonnensystem: Als kontrovers gilt ein möglicher gigantische Einschlag auf dem sonnennächsten Planeten Merkur, als weitgehend gesichert dagegen, dass ein bis zu marsgroßes Objekt in der Frühzeit des Sonnensystems den Mond aus der Erde geschlagen hat. Beide Ereignisse waren jedoch so katastrophal, dass keinerlei Spuren mehr erhalten sind.

Die größten erhaltenen Einschlagbecken sind nach dem Borealis- Bassin das 2400 mal 1800 Quadratkilometer große Hellas-Bassin auf dem Mars und das 2100 mal 1500 Quadratkilometer große Südpol-Aitken- Bassin auf dem Mond.

(Quelle: dpa)
 
 
 
 

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