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Irak 1558 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

USA wollen Truppenstärke im Irak bei rund 150.000 Mann belassen - Entsendung von 30.000 Soldaten Anfang 2009. US-Senat gibt 162 Milliarden Dollar für Kriegsführung frei

Sa.28.06.08 - Das US-Verteidigungsministerium will Anfang nächsten Jahres 30.000 Soldaten in den Irak entsenden. Damit sollen abziehende Brigaden ersetzt und die bisherige Truppenstärke von rund 150.000 Soldaten somit für 2009 aufrecht erhalten werden, wie die Nachrichtenagentur AP am Freitag aus Kreisen des Ministeriums erfuhr. Die Truppenverbände sollen bereits im Laufe der kommenden Woche ihren Marschbefehl erhalten.

Der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, General David Petraeus, hat für den Herbst eine Überprüfung der Truppenstärke angekündigt. Sollte er eine Reduzierung befürworten, könnten einzelne Brigaden anstatt in den Irak nach Afghanistan verlegt werden, wo dringend mehr Soldaten benötigt werden, wie es im Ministerium hieß. Im Irak sind derzeit 146.000 Soldaten im Einsatz. Abzüge einzelner Truppenverbände sollen die Zahl bis Juli zwischenzeitlich auf 142.000 reduzieren.

Der US-Senat hatte am Donnerstag 162 Milliarden Dollar (103 Mrd. Euro) für die Fortführung der Kriege im Irak und in Afghanistan bewilligt. Damit sollen die Einsätze finanziert werden, bis der nächste US-Präsident Anfang nächsten Jahres sein Amt antritt. Seit dem Einmarsch im Irak bewilligte der Kongress damit insgesamt Ausgaben von 650 Milliarden Dollar. Weitere 200 Milliarden Dollar wurden für den Militäreinsatz in Afghanistan ausgegeben, wie Parlamentsmitarbeiter erklärten.

(Quelle: ap)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 28.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendvierundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Do.28.06.07 - Iran knüpft Gespräche mit USA über Irak an Bedingung +++ US-Streitkräfte melden Tod von Al-Kaida-Führer im Irak +++ Mindestens zehn Tote bei Anschlägen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0706280.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Pentagon: Taliban gruppieren sich neu

Sa.28.06.08 - Die Taliban haben sich nach Einschätzung des US-Verteidigungsministeriums rund sieben Jahre nach ihrem Sturz in Afghanistan neu gruppiert. Sie hätten sich «zu einem belastbaren Aufstand vereinigt», heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Bericht des Pentagon. Trotz der Bemühungen, ranghohe Mitglieder zu fassen, dürften die Taliban ihre Anschläge in den kommenden Monaten des Jahres weiter verstärken. Bei den afghanischen Streitkräften und der Polizei seien nur langsam Fortschritte zu verzeichnen, heißt es in dem Dokument weiter. Noch immer hätten die Sicherheitskräfte nicht die nötigen Ausbilder.

(Quelle: ap)
 


 

Nordkorea rüstet ab - Kühlturm von Atomreaktor zerstört

Sa.28.06.08 - In einem symbolischen Akt hat Nordkorea am Freitag den Kühlturm seines Atomreaktors in Yongbyon zerstört.

Der Schritt kam einen Tag nachdem das Land einen Bericht über seine nuklearen Aktivitäten vorgelegt und damit den Weg für ein Ende des Atomstreits frei gemacht hatte. Im Gegenzug lockerten die USA einige Sanktionen gegen das international isolierte Land und strichen es von ihrer Liste der den Terrorismus unterstützenden Staaten.

Wie der südkoreanische Fernsehsender MBC berichtete, wurde der Kühlturm durch eine kontrollierte Explosion zerstört. Dies war Teil der Vereinbarung zur Einstellung des Atomprogramms. US-Außenministerin Condoleezza Rice zeigte sich erfreut. Der Reaktor sei genutzt worden, um Plutonium herzustellen, sagte sie. "Deswegen war es wichtig, Nordkorea zur Einstellung der Plutoniumherstellung zu bekommen."

Das kommunistisch regierte Land hatte sich Ende 2007 gegenüber Südkorea, China, Japan, Russland und den USA zur atomaren Abrüstung verpflichtet. Die Außenminister der G8-Länder betonten am Freitag, es sei wichtig, dass die Gespräche zwischen den Ländern Fahrt aufnähmen.

(Quelle: rtr)
 


 

Arme Länder mit Antrag auf Verbot von Giftmüll-Exporten gescheitert

Sa.28.06.08 - Delegationen aus mehreren armen Ländern sind auf einer UN-Konferenz mit dem Antrag auf ein internationales Verbot von Giftmüll-Exporten gescheitert. Die Vertreter beschlossen am Freitag in Indonesien stattdessen eine Reihe freiwilliger Maßnahmen. «Diese Stoffe sind gefährlich, und das Leben unserer Bürger wird aufs Spiel gesetzt, wenn sie an unseren Küsten abgeladen werden», hatte die nigerianische Umweltministerin Halima Tayo Alao auf der Insel Bali an die Teilnehmer appelliert.

Ein völkerrechtliches Verbot stieß nach Angaben aus Teilnehmerkreisen auf massiven Widerstand unter anderem aus den USA, Japan und Indien. Sie wollen die Recycling-Branche schützen, die sich aufgrund der steigenden Preise für Metalle und andere Rohstoffe im Aufschwung befindet.

Die Befürworter eines Verbots wollten die Basler Konvention vom 22. März 1989 stärken, die die «Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung» regeln soll. Das von 170 Staaten unterzeichnete Abkommen verlangt, dass Müllexporteure vor dem Transport die Zustimmung des Empfängerlandes einholen müssen.

Kritiker machen jedoch geltend, dass die Konvention nicht geeignet sei, um den zunehmenden Strom von Giftmüll und Elektroschrott in arme Länder einzudämmen. Nach ihrer Einschätzung haben Korruption und andere Missstände das Vertragswerk unwirksam gemacht. Zudem sind die USA der Konvention ferngeblieben.

Auch der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms (UNEP), der deutsche Diplomat Achim Steiner, räumte ein, dass die Konvention nicht mit der raschen Entwicklung bei Giftmüll-Exporten Schritt halten könne. Als größte Herausforderung nannte er die Bewältigung des Mülls, der von der weltweit wachsenden Mittelschicht verursacht werde - jährlich 20 bis 50 Millionen Tonnen gebrauchter Fernsehgeräte, Computer, Handys und anderer Elektrogeräte, die zum Recycling in Entwicklungsländer geschickt werden.

In den Blickwinkel der Weltöffentlichkeit rückten Giftmüllexporte vor zwei Jahren, als ein niederländisches Schiff Hunderte Tonnen Giftmüll in der Elfenbeinküste entsorgt hatte. Mindestens zehn Menschen kamen ums Leben, Zehntausende wurden verletzt.

(Quelle: ap)
 


 

G-8-Außenminister stimmen Haltung zu internationalen Konflikten ab

Sa.28.06.08 - Zehn Tage vor dem G-8-Gipfel in Japan haben die Außenminister der Staatengruppe ihre Haltung zu internationalen Konflikten abgestimmt. Sie begrüßten am Freitag in Kyoto die Erklärung Nordkoreas zu seinem Atomprogramm, äußerten sich besorgt über die Lage in Simbabwe sowie das iranische Atomprogramm und berieten über die Sicherheit in Afghanistan.

Die am Donnerstag von Nordkorea übergebene Erklärung wurde von den Außenministern als erster Schritt eines langwierigen Prozesses bezeichnet. «Wir wissen, dass Nordkorea schon häufiger seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist», sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice Condoleezza Rice. Die Erklärung lasse weiterhin einige Fragen offen, etwa zur Urananreicherung in Nordkorea.

Zurückhaltend äußerte sich auch der japanische Außenminister Masahiko Komura, dessen Regierung weiter darauf besteht, dass Nordkorea das Schicksal der in den 70er und 80er Jahren entführten Japaner aufklären soll. Dies sei nicht nur ein Problem Japans, sondern sei auch eine Frage der Menschenrechte, sagte Komura.

Hinsichtlich des iranischen Atomprogramms sprachen sich die Minister der acht führenden Industriestaaten für eine Kombination von «Dialog und Druck» aus. Die internationale Staatengemeinschaft fordert von Teheran, sein Programm der Urananreicherung aufzugeben.

Die Stichwahl in Simbabwe wurde von den Ministern verurteilt. Die G-8 äußerte sich tief besorgt über die Situation in dem ostafrikanischen Land. «Systematische Gewalt, Behinderung und Einschüchterung» hätten eine freie und faire Stichwahl unmöglich gemacht, hieß es in der Erklärung. Bei der Stichwahl trat am Freitag nur Amtsinhaber Robert Mugabe an. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai, der in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl die meisten Stimmen erhielt, hat seinen Verzicht auf eine Beteiligung an der Stichwahl erklärt und dies mit staatlichen Repressionsmaßnahmen gegen seine Partei MDC begründet.

Mit Blick auf die Lage in Afghanistan plädierten die Außenminister für weitere Maßnahmen zur Sicherung des unruhigen Grenzgebiets zu Pakistan. Außerdem forderten sie die Regierung von Präsident Hamid Karsai auf, mehr als bisher für den Kampf gegen die Korruption zu tun.

Der G-8 gehören Deutschland, die USA, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Russland an. Die Staats- und Regierungschefs der Staatengruppe kommen vom 7. bis 9. Juli in Toyako auf der japanischen Nordinsel Hokkaido zu ihrem jährlichen Treffen zusammen.

(Quelle: ap)
 


 

Start für Verhandlungen über neues EU-Russland-Abkommen - Gipfeltreffen in Chanti-Mansiisk gibt grünes Licht für lang verzögerte Gespräche

Sa.28.06.08 - Die EU und Russland haben am Freitag Verhandlungen über ein neues Partnerschaftsabkommen auf den Weg gebracht. Die erste Gesprächsrunde werde am kommenden Freitag in Brüssel stattfinden, erklärten der russische Präsident Dmitri Medwedew und die slowenische EU-Ratspräsidentschaft am Freitag auf ihrem Gipfeltreffen im sibirischen Chanti-Mansiisk.

Grundlage der Verhandlungen ist das bisherige Partnerschafts- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und Russland aus dem Jahr 1997. Es umfasst den politischen Dialog, Handelsfragen, eine Verbesserung des Klimas für gegenseitige Investitionen, Zusammenarbeit bei der Verbrechensbekämpfung, Umweltschutz sowie Kooperation in Kultur und Wissenschaft.

Die EU will Moskau mit dem neuen Abkommen vor allem zu mehr Verlässlichkeit bei Energie-Lieferungen an ihre Mitgliedstaaten verpflichten. «Russland bleibt ein wichtiger Energielieferant der EU, und die EU wird der wichtigste Exportmarkt für Russland bleiben», sagte EU-Kommisisonspräsident José Manuel Barroso in Chanti-Mansiisk. «Für beide Seiten, Produzenten wie Verbraucher, ist die Sicherheit der Energieversorgung von herausragender Bedeutung.»

Russland hat in der Vergangenheit wiederholt Energielieferungen an die Ukraine und Weißrussland unterbrochen. Da die Pipelines zur Versorgung Westeuropas durch diese beiden Staaten verlaufen, war indirekt auch die EU betroffen. In dem geplanten Partnerschaftsabkommen will die Union nun festschreiben, dass Russland den Öl- oder Gas-Hahn künftig nicht mehr ohne Vorwarnung zudrehen darf.

Die Verhandlungen über das neue Abkommen sollten ursprünglich schon im Herbst 2006 beginnen. Wegen eines Handelsstreits zwischen Russland und Polen legte die Regierung in Warschau jedoch ein Veto gegen die Gespräche ein, später wurden sie von Litauen blockiert. Erst Ende Mai wurde das Mandat für die Verhandlungen von allen EU-Staaten einstimmig angenommen.

(Quelle: ap)
 


 

Bei deutschen Entwicklungshilfe-Zusagen droht Wortbruch

Sa.28.06.08 - Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird ihre internationalen Versprechen, die Ausgaben für Entwicklungshilfe und für Forschung bis 2010 drastisch anzuheben, voraussichtlich nicht einlösen können. Grund sei das Bemühen der Koalition, die Neuverschuldung bis 2011 auf Null zu reduzieren, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf den Entwurf der Regierung für den Bundeshaushalt 2009 und für die mittelfristige Finanzplanung. Beides soll kommende Woche vom Kabinett verabschiedet werden.

Das Budget von Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) wächst demnach zwar 2009 wie schon im Vorjahr weit überdurchschnittlich um über zehn Prozent. Dennoch werde die so genannte ODA-Quote, also das Verhältnis von Entwicklungshilfe zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), bei 0,37 Prozent verharren oder allenfalls geringfügig steigen. Merkel hatte für 2010 einen Wert von 0,51 Prozent versprochen.

Grund für die niedrigen ODA-Werte sind dem Bericht zufolge das starke Wirtschaftswachstum in Deutschland und auslaufende Schuldenerlassprogramme zugunsten armer Länder, die die Regierung auf die Quote anrechnet. "Wir brauchen fast das gesamte Geld, um die 0,37 Prozent zu stabilisieren. Damit wird es unmöglich, ein Jahr später 0,51 Prozent zu erreichen", hieß es laut "SZ" in Regierungskreisen.

Ähnliche Probleme hat dem Blatt zufolge Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). Zwar sollen die Forschungsausgaben im nächsten Jahr um 425 Millionen Euro steigen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung sei das aber nicht genug, um 2010 das EU-Ziel von drei Prozent des BIP erreichen zu können. Zuletzt lag die Quote bei etwa 2,5 Prozent. Damit fehlen noch mehr als zehn Milliarden Euro, die die Regierung gemeinsam mit der Wirtschaft aufbringen müsste.

Im Gegenzug kann Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) der Haushaltsplanung zufolge das Ziel erreichen, die Neuverschuldung in den kommenden Jahren weiter zu senken und 2011 einen ausgeglichenen Etat vorzulegen. Zusätzliche Mittel für ihre Ressorts konnten laut "SZ" aber auch Wirtschaftsminister Michael Glos, Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) durchsetzen. Der größte Einzeletat im Haushalt, der von Sozialminister Olaf Scholz (SPD), ist laut "SZ" mit rund 123 Milliarden Euro dagegen leicht rückläufig, weil die Regierung mit sinkenden Kosten für Langzeitarbeitslose rechne.

(Quelle: afp)
 


 

In Frankreich wachsen Löhne und Gehälter schneller - Tarifplus zum vierten Mal in Folge höher als in Deutschland - ver.di fordert Einschreiten gegen den Preisauftrieb

Sa.28.06.08 - In Frankreich steigen die Löhne und Gehälter schneller als in Deutschland. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden meldete am Freitag für das vergangene Jahr einen Zuwachs von 2,3 Prozent bei den tariflichen Monatsverdiensten der Arbeitnehmer in Deutschland. Beschäftigte in Frankreich erhielten dagegen 2007 durchschnittlich 2,7 Prozent mehr. Es war das vierte Jahr in Folge, in dem die Lohnzuwächse in Frankreich höher waren als in der Bundesrepublik.

Der Unterschied fällt beim Vergleich mit der Teuerungsrate beider Länder noch stärker ins Gewicht: So stiegen die harmonisierten Verbraucherpreise in Deutschland um letztes Jahr um 2,3, in Frankreich aber nur um 1,6 Prozent.

Die höchste Steigerung in Deutschland wiesen laut Statistik die tariflichen Monatsverdienste der Arbeitnehmer im Verarbeitenden Gewerbe mit 3,2 Prozent auf. Dies lasse sich unter anderem auf Tariferhöhungen in der deutschen Metallindustrie, in der Chemischen Industrie und im Maschinenbau bis zu 4,1 Prozent zurückführen.

In den übrigen Wirtschaftsbereichen seien die Tarifverdienste der Arbeitnehmer durchschnittlich zwischen 0,9 Prozent (Bergbau) und 1,7 Prozent (Verkehr und Nachrichtenübermittlung) gestiegen. Der Anstieg der Tarifverdienste habe in diesen Branchen somit unter dem der Verbraucherpreise gelegen. Auch in Frankreich lagen 2007 die höchsten durchschnittlichen Tariferhöhungen bei 3,2 Prozent - sie wurden von den Tarifbeschäftigten im Baugewerbe erzielt.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wies am Freitag in Berlin auf den hohen Preisauftrieb hin, der in Deutschland die Lohnerhöhungen auffresse. Zwar seien in den Tarifrunden 2007 erhebliche Zuwächse erstritten worden. Dennoch seien viele Einkommen kaum gestiegen und preisbereinigt sogar gesunken.

Der durchschnittliche Preisanstieg von drei Prozent werde vor allem von einer erheblichen Verteuerung der Fahrt zur Arbeit, der Heizkosten und der Lebensmittel verursacht, erklärte die wirtschaftspolitische Abteilung des ver.di-Vorstands. Daher müsse sich die Bundesregierung dringend für Maßnahmen gegen die Spekulation etwa bei weltweiten Ölgeschäften einsetzen und dazu beitragen, die Finanzmärkte endlich unter Kontrolle zu bringen.

(Quelle: ap)
 


 

Siemens streicht weltweit offenbar 17.200 Stellen

Sa.28.06.08 - Das Milliarden-Sparprogramm bei Siemens kostet Zeitungsberichten zufolge mehr Arbeitsplätze als zunächst befürchtet. Unter Berufung auf interne Pläne berichtete die "Süddeutsche Zeitung", die Konzernspitze um Siemens-Chef Peter Löscher wolle weltweit 17.200 Arbeitsplätze streichen. Wie die "SZ" und "Bild" übereinstimmend berichteten, ist Deutschland mit einem geplanten Abbau von 6400 Stellen bis zum Jahr 2010 besonders betroffen.

Betroffen seien Tausende Führungskräfte des mittleren und oberen Managements, berichtete die "SZ" unter Berufung auf als "streng vertraulich" gekennzeichnete Pläne. Demnach sollen allein in der Verwaltung weltweit 12.500 Stellen wegfallen. In München seien 800, in Berlin 300 Arbeitsplätze betroffen, berichteten "SZ" und "Bild". Der "SZ" zufolge will Siemens die Sanierung seiner angeschlagenen Zugsparte offenbar mit einem Abbau von 2000 Stellen forcieren. Der Technologiekonzern wollte die der Zeitung vorliegenden Zahlen nicht kommentieren.

"Bild" berichtete, das Abbauprogramm hierzulande solle ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat beginnen dem Bericht zufolge am 7. Juli. Bis Herbst sollten die konkreten Abbaupläne stehen und die betroffenen Mitarbeiter informiert werden. Konzernchef Löscher will 1,2 Milliarden Euro Verwaltungskosten einsparen. Der Konzern hat derzeit noch 130.000 Mitarbeiter in Deutschland.

(Quelle: afp)
 


 

IG Metall fürchtet Kahlschlag bei Siemens in Bayern

Sa.28.06.08 - Die IG Metall befürchtet einen Kahlschlag bei Siemens in Bayern. «Wir gehen davon aus, dass hier ein größerer Anteil an Jobs gestrichen wird als im bundesweiten Durchschnitt», sagte der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, am Freitag in Nürnberg. Medienberichten zufolge plant Siemens den Abbau von etwa 15.000 Stellen.

Die Job-Struktur des Konzerns im Freistaat lasse darauf schließen, dass Bayern besonders betroffen sein werde, sagte Neugebauer. So seien von den bundesweit etwa 170.000 Siemens-Stellen fast 100.000 in Bayern angesiedelt, wobei der Anteil der Arbeitsplätze in der Produktion gering sei. Die Vermutung liege nahe, dass der Rotstift auf der stark vertretenen Verwaltungs- und Führungsebene angesetzt werde.

Siemens-Chef Peter Löscher hatte in der «Süddeutschen Zeitung» vom Donnerstag gesagt: «Es kann nicht sein, dass wir nur bei den Arbeitern Opfer einfordern. Es geht jetzt um die Lehmschicht - vor allem das obere und mittlere Management.»

Neugebauer geht nach eigenen Angaben davon aus, dass der Siemens-Vorstand am 7. Juli konkrete Zahlen vorlegen wird. An diesem Tag werde sich der Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrates mit dem Siemens-Gremium treffen, sagte er. Ort und Zeit seien noch unklar. «Meine Botschaft ist: Es gibt eine klare Verantwortung der Siemens AG für die Beschäftigten», betonte der Gewerkschafter.

(Quelle: ap)
 


 

Metall-Tarifgespräche über Altersteilzeit vorerst gescheitert - Im Pilotbezirk Baden-Württemberg - Aber beide Seiten streben Einigung vor Entgelttarifrunde im Herbst an

Sa.28.06.08 - Die Verhandlungen über eine neue Altersteilzeitregelung in der Metall- und Elektroindustrie ab 2010 sind vorerst gescheitert. Beide Seiten erklärten aber ihre Absicht, einen neuen Einigungsversuch zu unternehmen. Der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann sagte am Freitagabend nach der siebten Gesprächsrunde in Böblingen bei Stuttgart, eine Verständigung sei nicht möglich gewesen. Die Arbeitgeber seien nicht bereits gewesen «den Zugang zur Altersteilzeit zu verbreitern».

Der nun nicht zustande gekommene Pilotabschluss für Baden-Württemberg sollte für alle 3,6 Millionen Beschäftigten übernommen werden. Die IG Metall strebt nach Hofmanns Worten weiter eine Altersteilzeitregelung vor Beginn der Tarifrunde im Herbst über Löhne und Gehälter an. Sie werde über eine Zuspitzung des Arbeitskampfs in der Sitzung ihrer Tarifkommission am Montag beraten. Seit dem Ende der Friedenspflicht am 4. Juni haben sich nach Gewerkschaftsangaben bundesweit 270.000 Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt. IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte vor einer Woche gedroht, die Gewerkschaft könne in den kommenden Monaten abwechselnd in jedem Bundesland streiken. «Wir können das Thema gern in die Lohnrunde ziehen, die im Herbst ansteht», sagte Huber.

Die Arbeitgeber wollen nach Angaben ihres Verhandlungsführer Jan Stefan Roell noch vor der Sommerpause eine Einigung versuchen. Er gehe nicht davon aus, dass die Gespräche in Baden-Württemberg wieder aufgenommen würden. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wolle am kommenden Mittwoch über das weitere Vorgehen beraten.

Das verhandelte Gesamtpaket zur Altersteilzeit habe an einer wesentliche Stelle nicht die Zustimmung der Gewerkschaft gefunden, erklärte Roell.

Nach inoffiziellen Angaben beider Seiten scheiterten die Gespräche an der Eingrenzung des Kreises der Anspruchsberechtigten. Die Arbeitgeber wollten nur besonders stark belasteten Beschäftigten den vorzeitigen Ruhestand ermöglichen und Obergrenze zwei Prozent der Beschäftigten in den Betrieben festlegen. Die IG Metall will fünf Prozent und hatte eigentlich einen Anspruch für alle gefordert.

Die Gespräche sind notwendig, weil Ende 2009 der Zuschuss der Bundesagentur für Arbeit (BA) wegfällt. Die Bundesregierung will Frühverrentungen auf Kosten der Sozialkassen beenden. Die BA fördert die Altersteilzeit finanziell, wenn der Arbeitgeber die frei werdende Stelle mit einem Auszubildenden oder einem Arbeitslosen wiederbesetzt.

(Quelle: ap)
 


 

Mehr Schutz für Bürger und Firmen vor Finanzinvestoren

Sa.28.06.08 - Bürger und Unternehmen sollen künftig besser vor aggressiven Finanzinvestoren geschützt werden. Auf der anderen Seite sollen Kapitalbeteiligungen an jungen und innovativen Unternehmen steuerlich gefördert werden.

Der Bundestag beschloss am Freitag dazu zwei jahrelang umstrittene Gesetze. Bei der Opposition und Branchenverbänden stießen die neuen Regelungen für Finanzinvestoren aus unterschiedlichen Gründen auf Kritik. Die Linkspartei nannte den Schutz für Häuslebauer eine Mogelpackung. Hingegen erklärte der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) als Interessenvertretung der Kreditwirtschaft, der Markt und die Institute hätten eh schon auf die neue Lage reagiert. Die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen erhöhten den Verwaltungsaufwand der Unternehmen. Die FDP monierte, Investoren würden abgeschreckt. Dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) geht die Förderung nicht weit genug, die Steuertransparenz sei sehr restriktiv. Deutschland sei damit kein attraktiver Standort.

Mit dem Risikobegrenzungsgesetz will die Koalition für mehr Transparenz beim Einstieg von Beteiligungsgesellschaften in Unternehmen sorgen. Die umstrittene Praxis so genannter Heuschrecken, die kaum langfristiges Interesse an Unternehmen haben und vielmehr kurzfristig ihren Profit maximieren wollen, soll eingeschränkt werden. Außerdem wird in dem Gesetz der Weiterverkauf von Krediten von Häuslebauern reguliert.

Das Gesetz zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungsgesellschaften (MoRaG) soll positive Effekte durch Wagniskapital-Geber verstärken: Kapitalbeteiligungen an jungen und innovativen Firmen sollen steuerlich mehr gefördert werden.

Opposition und DGB kritisierten die beiden Gesetze, die der Bundesrat noch verabschieden muss. Die soziale Marktwirtschaft werde von der Koalition nur noch in Sonntagsreden hochgehalten, bemängelte der FDP-Politiker Frank Schäffler. In der Praxis greife die Politik dagegen immer stärker in den Markt ein. Mit den neuen Gesetzen entscheide die Regierung, welche Investitionen gewünscht seien und welche nicht.

Der Linkspolitiker Axel Troost dagegen kritisierte, getarnt als Förderung junger Unternehmen würden neue Steuersparmodelle geschaffen. Die Regierung fördere aber nicht hilfsbedürftige Firmen, sondern die Private-Equity-Branche. Kreditfinanzierte Ausschüttungen müssten verboten und Private-Equity-Fonds grundsätzlich steuerpflichtig werden. Nur so ließen sich Fälle wie beim Modekonzern Hugo Boss verhindern: Die Firma musste auf Drängen des Finanzinvestors Permira Schulden machen, um 350 Millionen Euro Sonderdividende auszuschütten.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück verteidigte die Gesetze und warf der Opposition vor, Vorurteile zu bedienen. Die Finanzinvestoren dürften nicht in einen Topf geworfen werden, betonte der SPD-Politiker. Zum einen seien sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Andererseits habe die Finanzkrise jedoch gezeigt, dass der Markt nicht alles richte. Ähnlich argumentierte die Union. "Es gibt eben nicht nur Heuschrecken, sondern auch fleißige Bienen", erklärte der CDU-Politiker Klaus-Peter Flosbach.

Der DGB begrüßte die Gesetze, sie seien aber nur ein kleiner Schritt hin zu einer besseren Regulierung von Finanzinvestitionen. Kritisch sehe er, dass es nicht gelungen sei, die Risiken von kreditfinanzierten Unternehmenskäufen und Sonderausschüttungen zu begrenzen, sagte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki. "Die Praxis vieler Finanzinvestoren, Firmen auf Pump zu kaufen und anschließend die Schulden auf das gekaufte Unternehmen abzuwälzen, gefährdet häufig die betroffenen Betriebe in ihrer Existenz."

Der BVK dagegen monierte, die Rahmenbedingungen für die deutsche Private-Equity-Branche würden nicht ausreichend verbessert. Große Fonds würden sich am Finanzplatz Deutschland nicht ansiedeln, auch kleinere und mittlere Fonds würden sich verstärkt außerhalb von Deutschland orientieren.

(Quelle: rtr)
 


 

Kritik an Schäuble-Plänen für zentrales Melderegister

Sa.28.06.08 - In der Koalition bahnt sich Streit um das vom Bundesinnenministerium geplante zentrale Melderegister an. "Die SPD kann nicht erkennen, warum so etwas sein muss", sagte der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz der "tageszeitung". Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) meldete in der "Sächsischen Zeitung" "Gesprächsbedarf" an. Auch die Oppositionsfraktionen kritisierten die Pläne. Das Innenministerium verwies dagegen auf Defizite im derzeitigen Meldewesen. Um diese zu beheben, hätten sich die Regierungschefs von Bund und Ländern 2006 im Aktionsplan "Deutschland online" darauf verständigt, das Meldewesen in eine "zukunftsfähige Strukur" zu überführen.

Laut Innenministerium sollen die rechtlichen Grundlagen für ein Bundesmelderegister durch ein Bundesmeldegesetz geschaffen werden. Dazu legte das Ministerium Anfang Mai einen Referentenentwurf vor, der sich zur Zeit in der Ressortabstimmung befindet.

Die Arbeit an dem Gesetz geht zurück auf Änderungen durch die Föderalismusreform I, durch welche die Kompetenz für das Meldewesen von den Ländern auf den Bund übertragen wurde. Ziel des geplanten zentralen Melderegisters ist demnach unter anderem "die Versorgung der Behörden und sonstiger öffentlicher Stellen durch regelmäßige Datenübermittlungen". Derzeit seien die Daten von rund 4,8 Millionen Einwohnern "fehlerhaft".

Der CDU-Abgeordnete Clemens Binninger verwies in der "Bild"-Zeitung darauf, dass vom geplanten zentralen Bundesmelderegister "bessere Daten und Einsparungen von über 100 Millionen Euro" erwartet würden. Wiefelspütz sprach dagegen mit Blick auf die angegebene Notwendigkeit des Vorhabens von einer "Bringschuld" des Innenministeriums. "Aber die Antworten reichen da noch überhaupt nicht aus." Auch der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar vertrat in der "taz" die Auffassung, ohne Nachweis der Notwendigkeit dürfe es kein zentrales Melderegister geben.

Zypries betonte, es gebe "noch Gesprächsbedarf zu diesem Vorhaben, weil ich noch nicht überzeugt bin, dass wir ein Bundesregister in dieser Form brauchen". Die Kommunen führten Melderegister, manche Bundesländer verfügten zudem über Landesmelderegister und teilweise gebe es auch schon länderübergreifende Meldeportalverbünde.

Die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz nannte die Pläne von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) "ein weiteres Puzzlestück im Datensammlungswahn des Staates". Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte, Schäubles "Sammeltrieb" kenne keine Grenzen. Der Innenminister wolle "im Datenmeer schwimmen".

(Quelle: afp)
 


 

Union schlägt Datenschützer Schaar zur Wiederwahl vor

Sa.28.06.08 - Im Einvernehmen mit Innenminister Wolfgang Schäuble hat die Unionsfraktion im Bundestag den Datenschutzbeauftragten Peter Schaar für eine zweite Amtszeit vorgeschlagen. Dies erklärten Fraktionsvize Wolfgang Bosbach und der innenpolitische Sprecher Hans-Peter Uhl am Donnerstag in Berlin. Beide verwiesen dabei auf die aktuell bekannt gewordene Vielzahl von Verstößen gegen den Datenschutz. Schaar ist seit Dezember 2003 im Amt. Er kann noch ein Mal für fünf Jahre wiedergewählt werden.

Datenschutz bekomme durch die Fortentwicklung der Informationstechniken eine völlig neue Dimension, erklärten Bosbach und Uhl. «Nicht nur das Abwehrrecht der Bürger gegenüber dem Staat, sondern auch der Schutz der Bürger vor Datenmissbrauch durch die Wirtschaft und die Aufklärung der Bürger über die Folgen des sorglosen Umgangs mit den eigenen Daten werden den Datenschutzbeauftragten vor neue Herausforderungen stellen.»

Schaar wurde am 17. Dezember 2003 Bundesbeauftragter für den Datenschutz, seit 1. Januar 2006 hat er den Titel Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit.

Der diplomierte Volkswirt arbeitete unter anderem von 1986 bis 1994 als Referatsleiter beim Hamburgischen Datenschutzbeauftragten, in den Jahren 2001 und 2002 engagierte er sich als Mitglied in der Begleitkommission zur Modernisierung des Datenschutzrechts. Am 1. November 2002 wechselte er in die Privatwirtschaft und gründete ein Datenschutzberatungsunternehmen, das er bis Oktober 2003 als Geschäftsführer leitete.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz wird auf Vorschlag der Regierung vom Bundestag mit einfacher Stimmenmehrheit gewählt. Der Bundespräsident ernennt ihn. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, er kann einmal wiedergewählt werden.

Schaar gilt als ebenso furchtloser wie stetiger Mahner, der keine Scheu davor hat, der Regierung beim Thema Datenschutz deutlich die Meinung zu sagen. Innenminister Schäuble kritisierte er in der Debatte um die Online-Durchsuchung mehrfach scharf. Der Regierung warf er schon vor, den (Daten)Schutz ihrer Bürger «sträflich vernachlässigt» zu haben. Die Folge sei, dass in immer mehr Lebensbereichen immer mehr personenbezogene Daten erfasst würden.

(Quelle: ap)
 


 

Wissenschaft

Klimawandel - Flucht vor der Hitze - Pflanzen erobern Hochlagen

Sa.28.06.08 - Der Klimawandel treibt die Pflanzen der westeuropäischen Wälder in immer höher gelegene Gebiete. Um den steigenden Temperaturen zu entkommen, sind die Pflanzen pro Jahrzehnt bereits um durchschnittlich 29 Meter nach oben geklettert.

Das berichtet ein französisch-chilenisches Forscherteam im US-Fachjournal «Science» (Bd. 320, S. 1768). Die deutlichsten Höhenverschiebungen seien bei schnell wachsenden Pflanzenarten festzustellen sowie bei solchen, die ausschließlich im Gebirge vorkommen.

Jonathan Lenoir vom Laboratoire d`Etude des Ressources Forêt-Bois in Nancy und seine Mitarbeiter hatten das Höhenvorkommen von insgesamt 171 Pflanzenarten in sechs Waldgebieten Westeuropas untersucht, unter anderem in den Alpen, den Nordpyrenäen und den Vogesen. Sie verglichen, in welcher Höhe sich die meisten Pflanzen einer Art im Zeitraum zwischen 1905 und 1985 fanden, und in welcher Höhe zwischen 1986 und 2005.

Insgesamt habe sich bei mehr als zwei Dritteln aller untersuchten Arten der optimale Wachstumsort gegen Ende des 20. und am Anfang des 21. Jahrhunderts nach oben verschoben. Pflanzen mit ähnlichen ökologischen Ansprüchen zeigten dabei ähnliche Höhenveränderungen. Die Wissenschaftler fanden in ihrer Untersuchung auch eine Bestätigung der Theorie, dass Pflanzen höher gelegener Gebiete sensibler auf die Klimaerwärmung reagieren. So sei das ausschließlich im Gebirge vorkommende Birngrün (Orthilia secunda) höher gewandert als die weit verbreitete Einbeere (Paris quadrifolia).

Auch die Annahme, dass sich bei Gewächsen mit einem kurzen Generationswechsel stärkere Veränderungen feststellen lassen, bestätigten die Wissenschaftler: Schnell wachsende Pflanzen wie das Rundblättrige Labkraut (Galium rotifundum) fanden sich im zweiten Untersuchungszeitraum weiter oben als etwa die Echte Mehlbeere (Sorbus aria), ein langsam wachsender Baum.

Für die beobachteten Veränderungen seien mit großer Wahrscheinlichkeit die steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels verantwortlich, schreiben die Wissenschaftler. Andere Faktoren, wie veränderte Regenfälle oder höhere Kohlendioxid-Werte in der Atmosphäre erklärten die Beobachtungen nicht. Es sei davon auszugehen, dass die Veränderungen im Wachstumsort einzelner Pflanzen auch das Ökosystem insgesamt beeinflussten. In welcher Weise und wie stark, müssten weitere Untersuchungen zeigen.

(Quelle: dpa)
 


 

Mars-Boden offenbar geeignet für Leben

Sa.28.06.08 - Die Oberfläche des Mars ist nach einer ersten Untersuchung offenbar geeignet für die Existenz von Leben. "Der Boden auf dem Mars ähnelt einem normalen Gartenboden, in dem man Spargel anbauen kann", sagte Samuel Kounaves von der Universität in Arizona, der die Arbeit des Analyseofens der US-Marssonde "Phoenix" kontrolliert. In den Proben seien Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium oder Natrium enthalten. Sein Team sei überrascht über den relativ hohen Säuregehalt mit einem Ph-Wert von 8 bis 9, sagte der Forscher.

Die Analyse lieferte ferner neue Hinweise dafür, dass ein Teil der Oberfläche des Roten Planeten einst von Wasser bedeckt war. Insgesamt seien die Ergebnisse der Bodenanalyse ähnlich den Untersuchungen von Wüstenböden auf der Erde, sagte Kounaves. Für Leben schädliche Giftstoffe seien nicht gefunden worden.

Die Marssonde "Phoenix" hatte Anfang Juni erste Bodenproben genommen und in ihrem eigenen kleinen Analyseofen untersucht. Die rund 350 Kilogramm schwere Sonde ist mit Instrumenten ausgestattet, die drei Monate lang die Zusammensetzung der Mars-Oberfläche analysieren sollen.

(Quelle: afp)
 
 
 
 

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