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Irak 1559 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Massengrab mit rund 30 Leichen entdeckt. Iraks Polizei entdeckt
Al-Kaida-Geheimgefängnis mit sieben Toten. Irakische Regierung
plant vierten staatlichen Ölkonzern
So.29.06.08 - Irakische Polizisten haben in der Nähe eines Sees nordwestlich der
Hauptstadt Bagdad ein Massengrab mit rund 30 Leichen entdeckt. Unter
den Getöteten sind Frauen und Kinder, wie die
Sicherheitskräfte am Samstag mitteilten. Viele der Opfer wurden
demnach vor ihrem Tod gefesselt, neben ihnen wurden Patronenhülsen
gefunden. Die Gegend um den Tharthar-See galt mehrere Jahre lang als
Hochburg von Al Kaida im Irak.
Im Irak hat die Polizei vermutlich ein Geheimgefängnis der
Extremistengruppe Al-Kaida ausgehoben und dort sieben Leichen mit
Folterspuren gefunden.
Die Beamten machten die Entdeckung bei der Durchsuchung eines
mutmaßlichen Al-Kaida-Unterschlupfs am Rande von Samarra, wie die
Polizei am Samstag weiter mitteilte. Zuerst seien sie auf einen Raum
gestoßen, auf dessen mit Eisenstangen verstärkter Tür
das arabische Wort für Gefängnis geschrieben war. In dem Raum
hätten sie die Leiche einer Frau gefunden, die gefoltert und
erschossen worden sei. In einem anderen Raum hätten sechs
Männerleichen ebenfalls mit Folter- und Schusswunden gelegen.
Bei der Razzia seien elf mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder
festgenommen worden, teilte die Polizei weiter mit. Kämpfe mit
ihnen habe es nicht gegeben, da sie im Schlaf überrascht worden
seien. Lebende Gefangene seien in dem Haus in Benat al-Hassan nicht
gefunden worden. Die Opfer, die Iraker waren, seien vermutlich
entführt worden, teilte die Polizei weiter mit. Einer von ihnen
sei Jurist gewesen. Benat al-Hassan ist ein Vorort von Samarra, das
rund 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad liegt.
Die irakische Regierung will rund acht Millionen Dollar (fünf
Millionen Euro) für den Aufbau eines vierten staatlichen
Ölkonzerns bereitstellen. Das Unternehmen solle Öl- und
Gasvorkommen in der Provinz Maisan erschließen, die Rohstoffe
fördern und exportieren, teilte die Regierung am Samstag mit. Das
Vorhaben muss noch vom Parlament gebilligt werden.
boa (Quellen: ap, rtr)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 29.06.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendfünfundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fr.29.06.07 - US-Kongress äußert erhebliche Zweifel an irakischer Armee +++
Irakische Sicherheitskräfte offenbar an konfessionsgebundener
Gewalt beteiligt +++ 30 Tote bei Bombenanschlag auf Taxistand in Bagdad +++ 20
geköpfte Leichen im Irak entdeckt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0706290.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Wettlauf um das irakische Öl - Gigantische Reserven
So.29.06.08 - Die irakische Regierung lässt erstmals seit Beginn des Krieges
westliche Ölkonzerne ins Land. Die hoffen auf riesige Gewinne
¿ und könnten am Ende alles verlieren.
Beim Thema Irak geraten Öl-Analysten ins Schwärmen. "Das Land
hat eine sehr reiche Geologie - es sind vermutlich die
zweitgrößten Ölvorkommen der Welt, vielleicht sind sie
sogar einzigartig", sagt etwa Amy Myers Jaffe, Mitautorin des
Baker-Berichts zur Lage im Irak, der vor zwei Jahren für die
US-Regierung erstellt worden war.
Noch immer liegen die Bodenschätze weitgehend brach: Die
Produktionsstätten sind von jahrelangem Verschleiß
gezeichnet, die Ölfelder zum Teil beschädigt und die zur
Förderung unerlässliche Wasserversorgung ist vielerorts ein
ungelöstes Problem. Nach Angaben des Ölministeriums werden
derzeit nur 27 von 80 Ölfeldern bewirtschaftet. "Die
größte Herausforderung ist wahrscheinlich die Ausbildung",
sagt Amy Myers Jaffe, Expertin für strategische Energiepolitik.
"Es fehlt an Experten."
In diesem Bereich sind die großen Unternehmen seit längerem
aktiv. Man unterstütze die Iraker im Bereich der Datenanalyse und
bei der Ausbildung von Ingenieuren, sagt etwa Kevin Church, Sprecher
des fanzösischen Multis Total. Auch Shell, BP und andere Konzerne
beraten das Ölministerium.
Diese Firmen sind nun die ersten Ölgesellschaften, die im
größeren Maßstab im Irak arbeiten können. Am
heutigen Montag wird das Ölministerium offiziell bekannt geben,
mit welchen Unternehmen die Regierung technische
Unterstützerverträge schließen wird. Es ist bereits
durchgesickert, dass dies Exxon Mobil, Shell, Total und BP sein werden.
Die Verträge sollen ein Volumen von jeweils 500 Millionen
US-Dollar haben, bezahlt werden kann auch mit Öl.
"Wir interessieren uns immer für potenzielle
Geschäftsgelegenheiten", sagt David Nicholas, Sprecher von BP
Shell. Und der Irak könnte langfristig ganz hervorragende bieten:
Die Reserven werden auf 115 Milliarden Barrel geschätzt; in den
westlichen Wüstengebieten könnten weitere 100 Milliarden
liegen. Dank der Bodenbeschaffenheit sind die Produktionskosten gering.
Zunächst einmal wird es jedoch lediglich um die Instandsetzung
existierender Förderstätten gehen. Ölminister Hussein
al-Schahristani will die Produktion von derzeit 2,5 Millionen Barrel am
Tag auf 6 Millionen steigern. Mit den derzeitigen Exporten wird das
Land in diesem Jahr vorraussichtlich 70 Milliarden Dollar einnehmen -
auch dank des hohen Ölpreises, der viermal höher liegt als
vor dem Irak-Krieg und mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr.
Den Firmen dürfte es mittelfristig vor allem um den Zugriff auf
das Öl gehen. "Der Aktienkurs der Firmen hängt von den
Ölreserven ab, die sie buchen können - deshalb ist der Zugang
so wichtig", sagt Leila Benali, Expertin bei Cambridge Energy Research
Associates. "Mit den jetzt ausgehandelten Verträgen können
sie zwar keine Reserven buchen, aber sie sind ein Weg, schon einmal
Fuß zu fassen."
Abkommen, die Unternehmen an Ölvorkommen beteiligen, sind vor
allem dann üblich, wenn ein großes Risiko besteht oder die
jeweilige Firma die Erschließung neuer Lagerstätten
übernimmt. Solche Abkommen wären in den westlichen
Wüstengebieten denkbar, glaubt die Myers Jaffe. Die Industrie
wartet bereits auf die nächste Runde von Aufträgen, die noch
im Sommer ausgeschrieben werden sollen.
Mehr als 70 Firmen würden sich gerne engagieren - ungeachtet der
Gefahren im Irak, wo der Alltag von Anschlägen, Entführungen
und ethnischer Gewalt geprägt ist. "Im Irak herrscht sicher kein
freundliches Investitionsklima. Aber seien wir ehrlich: Bei einem
Ölpreis von 140 Dollar pro Barrel gibt es ganz klar die
Notwendigkeit, neues Öl zu beschaffen - und es gibt nicht sehr
viele Länder, wo das geht", sagt Gal Luft, Direktor des auf
Energiesicherheit spezialisierten Washingtoner Thinktanks Institute for
the Analysis of Global Security (IAGS).
Doch Gewalt ist nicht das einzige Problem. "Die Firmen nehmen das
Risiko auf sich, am Ende alles zu verlieren, weil es noch immer keine
stabile Regierung gibt", sagt Luft und verweist auf die Verstaatlichung
der Ölindustrie in zahlreichen Ländern. Die Nationalisierung
des Sektors - der im Irak bis 1972 von eben jenen Konzernen dominiert
wurde, die nun zurückkehren - war eine der wenigen Maßnahmen
Saddam Husseins, die bis heute populär sind.
Doch so etwas wie Rechtsicherheit wird es für die
ausländischen Firmen vorerst nicht geben: Seit mehr als einem Jahr
ist das Parlament nicht in der Lage, ein Ölgesetz zu
verabschieden, da die Bevölkerungsgruppen um die Einnahmen
streiten. Die kurdische Regionalregierung beansprucht die Kontrolle
über die Ressourcen im Norden und hat bereits Verträge mit
kleineren ausländischen Firmen abgeschlossen - die von der
Zentralregierung nicht anerkannt werden. Rund 80 Prozent der bekannten
Reserven liegen im schiitischen Süden, die einst politisch
dominierenden Sunniten im Zentrum des Landes verfügen über
keine Vorkommen. Ein Ziel der jetzt vergebenen
Unterstützerverträge ist es, erst einmal den
gesetzgeberischen Stillstand zu umgehen.
"Es wird Vereinbarungen geben, welche die Ölkonzerne an den
Vorkommen beteiligen", glaubt der IAGS-Direktor Luft. "Die Frage ist
nur, welche Gültigkeit sie ohne ein Ölgesetz haben werden. Es
gibt keine Garantie, dass die Firmen jemals irgendwelche Profite sehen."
(Quelle: dw)
US-Generalstabschef zu Gesprächen in Israel - Angeblich auch Thema
Iran auf dem Programm
So.29.06.08 - US-Generalstabschef Mike Mullen ist zu Gesprächen nach Israel
gereist, bei denen es einem Gewährsmann zufolge auch um das Thema
Iran ging. Mullen und der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak
hätten über das umstrittene iranische Atomprogramm
gesprochen, verlautete am Samstag aus Kreisen des
Verteidigungsministeriums in Jerusalem. Offiziellen Angaben zufolge
stand nach Mullens Ankunft am Freitag unter anderem ein Treffen mit dem
israelische Generalstabschef Gabi Aschkenasi auf dem Programm.
US-Medienberichten zufolge probte die israelische Luftwaffe bei einem
Großmanöver Anfang Juni gezielt einen Angriff auf den Iran.
Nach iranischer Darstellung dient das Atomprogramm ausschließlich
der Energiegewinnung. Die USA, Israel und andere Staaten werfen Teheran
dagegen vor, den Bau einer Atombombe zu planen.
(Quelle: ap)
US-Präsident Bush kündigt Sanktionen gegen Simbabwe an
So.29.06.08 - Nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Simbabwe hat
US-Präsident George W. Bush Sanktionen gegen die Regierung von
Robert Mugabe angekündigt. Die Stichwahl mit Mugabe als einzigem
Kandidaten sei eine Schande, sagte Bush am Samstag. Die afrikanischen
Staaten sprachen sich dagegen gegen internationale Strafmaßnahmen
aus. Das Ergebnis der Stichwahl vom Freitag wurde noch am Wochenende
erwartet, bevor Mugabe zum Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU)
nach Ägypten reist.
Bush erklärte, er habe das Außen- und das Finanzministerium
wegen der «eklatanten Missachtung» von Demokratie und
Menschenrechten damit beauftragt, ein Waffenembargo und
Reisebeschränkungen für Regierungsmitglieder auszuarbeiten.
Die Sanktionen seien gegen «die illegitime Regierung von Simbabwe
und diejenigen, die sie unterstützen» gerichtet.
Der britische Premierminister Gordon Brown bezeichnete die Stichwahl
als «neuen Tiefpunkt» für den südafrikanischen
Staat. Die Weltgemeinschaft lehne «das illegitime Regime des
Robert Mugabe» ab, sagte Brown und forderte die afrikanischen
Staaten auf, Mugabes Herrschaft ein Ende zu setzen. Zuvor hatte der
UN-Sicherheitsrat sein Bedauern über die umstrittene Abstimmung
geäußert.
Bei einem Außenministertreffen der AU am Samstag in Scharm el
Scheich hieß es, wichtiger als Strafmaßnahmen sei es,
Regierung und Opposition an einen Tisch zu bringen. Beide Seiten
sollten einen Dialog aufnehmen.
Die MDC von Oppositionsführer Morgan Tsvangirai bat die AU um die
Entsendung von Friedenstruppen nach Simbabwe. Außerdem könne
die Union einen Sonderbotschafter ernennen, sagte der die
Vizepräsidentin der Partei, Thokozani Khupe.
Nach Angaben von Wahlbeobachtern war die Beteiligung an der Abstimmung
am Freitag sehr gering. Viele Wähler seien nur aus Angst zu den
Urnen gegangen, sagte der Leiter des Beobachterteams des
Pan-Afrikanischen Parlaments, Marwick Khumalo. Die Wahlbeteiligung sei
«sehr, sehr niedrig». Außerdem hätten viele
Wähler ihren Stimmzettel absichtlich ungültig gemacht oder
für Tsvangirai gestimmt. Khumalo widersprach damit der staatlichen
Zeitung «The Herald», die eine hohe Wahlbeteiligung
vermeldete.
Tsvangirai hatte seine Kandidatur wenige Tage vor der Stichwahl
zurückgezogen und als Grund die ausufernde Gewalt gegen
Anhänger seiner Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC)
genannt. Damit stand am Freitag Mugabe als einziger Kandidat zur Wahl,
der Tsvangirai in der ersten Runde Ende März unterlegen war.
Der simbabwische Justizminister Patrick Chinamasa erklärte, das
Wahlergebnis werde vermutlich noch am Wochenende veröffentlicht.
Mugabe könnte sich beim AU-Gipfel am Montag dann als strahlender
Wahlsieger präsentieren. Bisher sehe es nach «einem
deutlichen Sieg» für den Amtsinhaber aus, sagte Chinamasa.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erklärte, es sei
zutiefst bedauerlich, dass die Stichwahl stattgefunden habe. Die
Voraussetzungen für eine freie und faire Abstimmung seien nicht
gegeben gewesen. Eine schärfere Formulierung scheiterte dem
Vernehmen nach insbesondere am Widerstand Südafrikas, aber auch
Russlands und Chinas.
US-Außenministerin Condoleezza Rice kündigte an, schon am
Montag werde dem Sicherheitsrat eine Resolution vorgelegt, die
«eine starke Botschaft der Abschreckung» nach Simbabwe
sende. «Für die internationale Gemeinschaft ist es Zeit zu
handeln», sagte Rice. Die USA, Großbritannien und
Frankreich befürworten Sanktionen.
(Quelle: ap)
Ärzte ohne Grenzen: Hunderte Simbabwer aus Südafrika
abgeschoben
So.29.06.08 - Südafrika hat nach Angaben der Organisation Ärzte ohne
Grenzen rund 450 Simbabwer über Nacht in ihre Heimat abgeschoben.
Mitarbeiter hätten die Flüchtlinge - darunter Frauen und
Kinder - am Freitag in einem Gefangenenlager an der Grenze besucht,
erklärte die Organisation. Am Samstag sei das Lager leer gewesen.
Die Leiterin von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika, Rachel
Cohen, nannte die Abschiebung inakzeptabel und eine Verletzung
internationalen wie südafrikanischen Rechts. Die Simbabwer seien
erst in den vergangenen Tagen vor der politischen Gewalt in ihrer
Heimat geflohen und hätten das Recht, Asyl zu beantragen, sagte
Cohen. Der simbabwische Staatschef Robert Mugabe ließ am Freitag
eine im Ausland als Farce kritisierte Stichwahl um das
Präsidentenamt durchführen, bei der er als einziger Kandidat
antrat. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai hatte sich nach
ausufernder Gewalt gegen seine Anhänger aus dem Wahlkampf
zurückgezogen.
(Quelle: ap)
Obama und Clinton demonstrieren Einigkeit im US-Wahlkampf
So.29.06.08 - Im Endspurt zur Wahl des neuen US-Präsidenten haben sich die
einstigen Rivalen um die Nominierung des demokratischen Kandidaten,
Barack Obama und Hillary Cinton, zum ersten Mal gemeinsam ihren
Anhängern präsentiert. In einem kleinen Ort im US-Bundesstaat
New Hampshire mit dem symbolträchtigen Namen Unity (Einheit) zeigte
sich der designierte Kandidat Obama geehrt, nun als Verbündeter
mit Clinton auf der Bühne zu stehen. Clinton versicherte, nach den
"hart umkämpften" Vorwahlen stünde sie von nun an "Seite an
Seite" mit Obama.
"Ich bin stolz, sie eine Freundin nennen zu können und ich
weiß, wie sehr wir als Partei und als Land sowohl Bill als auch
Hillary Clinton in den kommenden Monaten und Jahren brauchen werden,"
sagte Obama. Die Unterstützung der beiden sei nicht nur für
seine Bewerbung wichtig. Das amerikanische Volk brauche ihre Visionen
und Klugheit.
Wie schon im privaten Kreis bei einem Treffen mit Spendengebern zuvor
in Washington, forderte Clinton ihre Anhänger auf, bei der Wahl am
4. November für den Senator von Illinois zu stimmen. "Wenn ihr der
Ansicht seid, dass wir eine neue Richtung brauchen, ein neues Programm,
wählt Obama und ihr werdet den Wandel bekommen, den ihr und wir
brauchen und verdienen", sagte sie vor etwa 4000 Anhängern. Was auf
den Feldern von Unity beginne, werde auf den Stufen des Capitols in
Washington enden.
In Washington hatte Clinton den designierten
Präsidentschaftskandidaten ihren mehr als 200 wichtigsten
Geldgebern im Vorwahlkampf vorgestellt. Obama seinerseits rief zur
Unterstützung Clintons bei der Tilgung ihres im Vorwahlkampf
angehäuften Schuldenbergs von 22,5 Millionen Dollar auf und
beteiligte sich selbst mit einem persönlichen Scheck in Höhe
der gesetzlich erlaubten Obergrenze von 2300 Dollar (1462 Euro). Die
Clintons revanchierten sich umgehend und spendeten zweimal dieselbe
Summe für den Wahlkampf Obamas.
Hillary Clinton und Obama flogen nach der Veranstaltung im Mayflower
Hotel in Washington mit einer gemeinsamen Maschine zu ihrem ersten
gemeinsamen öffentlichen Auftritt nach Unity. Nicht nur wegen des
Namens fiel die Wahl auf den kleinen Ort: Hier hatten beide im Januar
bei den Vorwahlen exakt 107 Stimmen errungen.
(Quelle: afp)
USA und EU planen Austausch von Personendaten
So.29.06.08 - Die USA und die Europäische Union haben laut «New York
Times» (NYT) Fortschritte bei einem geplanten Abkommen erzielt,
das einen Austausch personenbezogener Daten zwischen den
Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden beiderseits des Atlantiks
ermöglichen soll.
Dazu gehören dem Bericht zufolge Daten über
Kreditkarten-Transaktionen, Reisen und Gewohnheiten bei der
Internetnutzung. Das mögliche Abkommen wäre ein
«diplomatischer Durchbruch» für die USA im Kampf gegen
den Terrorismus, schrieb die «New York Times» am Samstag
unter Berufung auf ein internes Verhandlungspapier.
Bei den im Februar 2007 begonnen Gesprächen hätten sich beide
Seiten in zentralen Punkten über ein «bindendes
internationales Abkommen» weitgehend geeinigt. Allerdings
bestünden weiterhin strittige Fragen, wie etwa die, ob es
EU-Bürgern ermöglicht werden soll, die US-Regierung wegen des
Umgangs mit ihren persönlichen Daten zu verklagen. Der Bericht sei
gemeinsam vom US-Heimatschutz-, Außen- und Justizministerium und
den entsprechenden EU-Stellen verfasst worden, schreibt die Zeitung.
Nur wenige Monate nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001
hatten die USA und die europäische Polizeibehörde Europol ein
Abkommen zum Austausch von Daten unterzeichnet. Die Übermittlung
personenbezogener Daten ist davon allerdings nicht abgedeckt. Die
Europäer sehen vor allem deshalb Probleme, weil aus ihrer Sicht der
Datenschutz in den USA nicht ausreicht.
(Quelle: dpa)
Russlands Ministerpräsident Putin warnt Ukraine vor NATO-Beitritt
So.29.06.08 - Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat die Ukraine
davor gewarnt, sich weiter um einen NATO-Beitritt zu bemühen. Bei
einer Mitgliedschaft Kiews könnte Russland lukrative Verträge
mit ukrainischen Unternehmen aufkündigen, erklärte Putin nach
einem Treffen mit der ukrainischen Regierungschefin Julia Tymoschenko
am Samstag in Moskau.
Die Rüstungs- und Elektronik-Industrie der Ukraine ist auf
Geschäfte mit den russischen Streitkräften und der Moskauer
Weltraumbehörde angewiesen. Für eine Produktion nach
NATO-Standards müsse Kiew seine Rüstungsindustrie enorm
nachrüsten, sagte Putin im russischen Fernsehen. Die Moskauer
Regierung lehnt einen Beitritt der Ukraine wie auch Georgiens zu dem
westlichen Verteidigungsbündnis vehement ab.
(Quelle: ap)
Serbische Koalition einigt sich auf Regierungschef
So.29.06.08 - Serbiens neue pro-europäische Koalitionsregierung hat am Freitag
den 57-jährigen Demokraten Mirko Cvetkovic für das Amt des
Ministerpräsidenten nominiert.
Mit dem Entschluss für den scheidenden Finanzminister sind nahezu
alle Ministerämter besetzt. Eine Vereidigung des
Regierungsbündnisses bis Ende kommender Woche ist möglich.
Die serbischen Sozialisten hatten am Montag entschieden, sich an dem
Regierungsbündnis unter Führung der Demokratischen Partei von
Präsident Boris Tadic beteiligen. Der Schritt war erwartet worden,
nachdem die Partei des in UN-Haft gestorbenen Slobodan Milosevic die
Koalitionsverhandlungen mit den anti-europäischen Nationalisten
abgebrochen hatte. Damit sitzen die Sozialisten nun erstmals seit
über einem Jahrzehnt ihren ehemaligen Verbündeten, den
Nationalisten, im Parlament gegenüber.
(Quelle: rtr)
Serben im Kosovo bilden eigenes Regionalparlament
So.29.06.08 - Serbische Politiker haben im Kosovo am Samstag ein eigenes
Regionalparlament gebildet und damit die Spannungen nach der
Unabhängigkeitserklärung der ehemaligen serbischen Provinz
weiter verstärkt. Der Versammlung in der ethnisch geteilten Stadt
Mitrovica im Norden des Kosovos gehören 45 Mitglieder an, die bei
der Kommunalwahl im Mai bestimmt wurden. Sie sei «das Fundament
der serbischen Protektion des Kosovos», sagte einer der
Hardliner, Marko Jaksic. Das Kosovo hat im Februar seine
Unabhängigkeit erklärt und ist inzwischen von den meisten
EU-Mitgliedern als eigener Staat anerkannt.
(Quelle: ap)
Deutschland
Führende CDU-Politiker kritisieren Zustand der Partei
So.29.06.08 - Führende CDU-Politiker haben den Zustand der Partei kritisiert und
damit indirekt auch die Amtsführung von Parteichefin Angela Merkel
angegriffen. "Wir brauchen mehr Kampfgeist und mehr Mut - auch zum
zuerst Unpopulären", sagte Parteivize Christian Wulff dem Magazin
"Focus". Die CDU müsse "frühere Wähler
zurückgewinnen, die unser Profil zu wenig erkennen". Wenn die SPD
schwanke, "ist das kein Grund für uns, auch zu schwanken". Neue
sozialpolitische Beschlüsse wie die Erhöhung des
Schonvermögens für die Bezieher von Arbeitslosengeld II oder
zur Altersteilzeit lehnte Wulff ab.
Noch deutlicher äußerte sich der frühere
Unionsfraktionschef Friedrich Merz: "Wenn die Union, insbesondere die
CDU, so gut wie alles aufgibt, was sie über Jahrzehnte für
richtig gehalten hat, dürfen wir uns über die Abwanderung
unserer Stammwähler nicht wundern", sagte er dem
Nachrichtenmagazin "Spiegel". Merz warf Merkel und ihrer Regierung vor,
falsche Prioritäten zu setzen: "Die Entlastung der Familien mit
mittleren Einkommen in Deutschland ist jetzt wichtiger als
überproportionale deutsche Beitragszusagen." Merz forderte auch
die Wiederherstellung der vollen Pendlerpauschale und ein Aussetzen des
Gesundheitsfonds.
Zu einem Festhalten am bisherigen Kurs rief CDU-Generalsekretär
Ronald Pofalla auf. "Deutschland braucht weitere Reformen für mehr
Wachstum", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Samstag. Diese
dürften aber nicht gegen die Bevölkerung durchgesetzt werden,
weil sonst "die Menschen Ängste entwickeln und daraus Kräfte
entstehen, die den Reformzielen entgegenwirken". Für die
Bundestagswahl 2009 peilt die CDU/CSU ungeachtet jüngster
schwacher Umfragewerte laut Pofalla das Ziel 40 Prozent "plus x" an.
Der "Mitteldeutschen Zeitung" in Halle sagte der
CDU-Generalsekretär, seine Partei wolle vor allem in
Ostdeutschland stärkste politische Kraft sein.
Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder äußerte sich
überzeugt, dass die CDU ihr Umfragetief überwinden werde.
"Die Werte für die CDU müssen bis zur Bundestagswahl 2009
besser sein als in den Umfragen heute", sagte er dem "Tagesspiegel" am
Sonntag. Das werde mit der erwarteten zunehmenden Polarisierung im
Wahlkampf aber auch geschehen.
(Quelle: afp)
SPD-Debatte über Kanzlerkandidatur reißt nicht ab
So.29.06.08 - In der SPD reißt die Debatte über die Kanzlerkandidatur
nicht ab. Der SPD-Vordenker Erhard Eppler machte sich am Samstag
dafür stark, mit Parteivize und Außenminister Frank-Walter
Steinmeier an der Spitze in die Bundestagswahl 2009 zu ziehen. Nach
Ansicht von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ist im
Rennen um die SPD-Kanzlerkandidatur indes noch keine Vorentscheidung
für den Vizekanzler gefallen. «Wer unser Kanzlerkandidat
wird, ist noch offen», sagte er. Die SPD werde zu einem Zeitpunkt
entscheiden, den Parteichef Kurt Beck bestimme.
In einer Forsa-Umfrage sprachen sich 51 Prozent der Parteianhänger
dafür aus, dass Ex-SPD-Chef Franz Müntefering Herausforderer
von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird. Allerdings glaubten nur
31 Prozent der SPD-Anhänger und 22 Prozent aller Wähler, dass
Müntefering gegen die Amtsinhaberin gewinnen könnte.
Müntefering war im vergangenen Jahr wegen der schweren Erkrankung
seiner Frau als Vizekanzler und Arbeitsminister zurückgetreten.
63 Prozent der SPD-Anhänger waren der Umfrage zufolge zudem der
Ansicht, SPD-Chef Kurt Beck solle Parteivorsitzender bleiben. 31
Prozent sähen es lieber, Beck würde von diesem Amt
zurücktreten.
Auch Eppler stellte sich hinter Beck. «Ich habe den Eindruck, er
weiß, was er will, und er hat politische Substanz», sagte
der frühere Bundesminister und sprach er sich dagegen aus,
Steinmeier an die Spitze der Partei zu stellen. Der Außenamtschef
«wäre ein guter Kanzlerkandidat», sagte Eppler und
fügte hinzu: «Aber nur Gottes Zorn könnte ihn jetzt zum
Parteivorsitzenden machen.»
Unterdessen sagte der Politikwissenschaftler Werner Patzelt der SPD
eine schwere Zukunft voraus. Solange sie SPD im Bund regiere,
könne sie «visionäre Schönheitskonkurrenzen»
mit der Linkspartei nur verlieren, argumentierte er. Rücke die SPD
aber nach links, verliere sie «die Liebhaber des
Realitätsprinzips. Das führt geradewegs in die
Opposition.»
Das Problem lässt sich nach Ansicht von Patzelt auch nicht
lösen, wenn die SPD mit einer Doppelspitze in den Wahlkampf ziehen
sollte, der Parteichef den «Brückenbau nach links»
toleriere und der Kanzlerkandidat glauben mache, die
sozialdemokratische Brücke reiche stabil bis zur Mitte der
Gesellschaft. «Wahrscheinlich ist es Zeit für einen Abgesang
- nicht auf die SPD, wohl aber auf diese Partei als Hegemonialmacht der
Linken», lautet das Fazit des Politikwissenschaftlers.
Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass kündigte derweil
an, sich auch bei der Bundestagswahl für die SPD zu engagieren.
Obwohl er nie hundertprozentig mit der Partei einverstanden gewesen
sei, werde er sich weiter für die SPD stark machen, sagte der
80-Jährige.
(Quelle: ddp)
Bundeshaushalt 2009 hat Volumen von 288,4 Milliarden Euro - Bund
will 2009 10,5 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen
So.29.06.08 - Der Bundeshaushalt 2009 hat ein Volumen von 288,4 Milliarden Euro. Die
Neuverschuldung liege bei 10,5 Milliarden Euro, sagte Finanzminister
Peer Steinbrück (SPD) dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Das
Haushaltsvolumen liegt damit um 5,2 Milliarden Euro über der
für 2008 veranschlagten Summe. Ab 2011 soll es demnach wie
angekündigt einen ausgeglichenen Haushalt ohne neue Schulden geben.
"Wir erreichen 2011 und 2012 jeweils eine Null", sagte Steinbrück.
"Und 2012 ist sie tief schwarz, da sie so gut wie ohne
Privatisierungserlöse zustande kommt."
Der Finanzminister lobte die Kompromissbereitschaft der übrigen
Kabinettsmitglieder in den Verhandlungen über den Etat für
2009. "Die Kollegen haben sich sehr kooperativ verhalten und die
Kanzlerin hat meinen Kurs unterstützt", sagte Steinbrück. So
seien Mehrforderungen der Minister im Volumen von zunächst 7,5
Milliarden Euro im Laufe der Verhandlungen um 4,6 Milliarden Euro
reduziert worden. "Damit bin ich sehr zufrieden."
Der Minister betonte, ihm sei es darauf angekommen, dass seine
Ministerkollegen "mit den Ergebnissen leben können". Vor einigen
Wochen hatte Steinbrück noch mehrere Ressortchefs wegen aus seiner
Sicht überzogener Etatforderungen scharf kritisiert.
(Quelle: afp)
Umweltminister Gabriel will Atomstrom mit Sondersteuer verteuern
So.29.06.08 - Umweltminister Sigmar Gabriel will Atomstrom einem Magazinbericht
zufolge verteuern.
In einem internen Papier seines Ministeriums plädiere der
SPD-Politiker dafür, künftig eine Brennelementesteuer von
einem Cent pro Kilowattstunde zu erheben, berichtete der "Spiegel" am
Samstag vorab. Zugleich warne Gabriel die Union davor, weiter für
längere Reaktorlaufzeiten zu kämpfen. "Der Atomausstieg hat
einen tiefen gesellschaftlichen Konflikt in unserem Land befriedet",
sagte der Minister dem Magazin. "Wer das rückgängig machen
will, reißt die alten Gräben wieder auf."
Stattdessen erneuerte Gabriel seinen Vorschlag, alte Meiler früher
abzuschalten und moderne Atomkraftwerke dafür länger laufen zu
lassen. "Das könnten die Betreiber freiwillig und ohne Genehmigung
sofort tun, um die Laufzeiten der sichersten Reaktoren bis weit
über 2020 hinaus zu verlängern und damit viel Geld zu
verdienen", sagte er der "Leipziger Volkszeitung". Die Betreiber
ersparten sich dadurch Nachrüstungen und könnten genauso viel
Atomstrom erzeugen wie zuvor. Zugleich sinke das Risiko, das von alten
Meilern ausgehe. Die Versorger spekulierten aber offenbar auf andere
Mehrheitsverhältnisse nach der Bundestagswahl 2009 und eine Abkehr
vom Atomausstieg.
FDP-Vize Rainer Brüderle sprach sich wie die Union für
längere Laufzeiten der Atomreaktoren aus, auch um den
explodierenden Energiekosten entgegenzuwirken. "Länger laufende
Atomkraftwerke senken nach meiner Schätzung den Strompreis um etwa
zehn Prozent", sagte er der "BZ am Sonntag". BASF-Chef Jürgen
Hambrecht bezeichnete die Energiepolitik der Regierung als Irrsinn. "Wir
verabschieden uns von der Atomenergie und haben keine Ahnung, wie wir
den Bedarf stattdessen wettbewerbsfähig decken wollen", sagte er
der "Süddeutschen Zeitung". Zugleich trieben
Milliarden-Subventionen für die Solarenergie den Strompreis in die
Höhe.
(Quelle: rtr)
Immer mehr Niedriglöhne im Einzelhandel
So.29.06.08 - Im Einzelhandel breiten sich Niedriglöhne immer weiter aus. Fast
ein Drittel aller Beschäftigten erhalte mittlerweile weniger als
7,50 Euro brutto die Stunde, schreibt das Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel» unter Berufung auf neuen Berechnungen des Instituts
für Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Essen.
Demnach verdienten 12 Prozent aller Einzelhandelskräfte oder
317.520 Beschäftigte im Jahr 2006 sogar weniger als 5 Euro pro
Stunde. In der Zwischenzeit könne sich die Zahl der
Niedriglöhner noch weiter erhöht haben.
Während die Tarifparteien im Einzelhandel seit mehr als einem Jahr
um einen Flächentarifvertrag ringen, erledigten in den
Geschäften zunehmend sogenannte Minijobber die Arbeit. Die Zahl der
Billigkräfte, die bis maximal 400 Euro pro Monat verdienen, sei
inzwischen auf mehr als 900.000 gestiegen. Zugleich gehe die
Tarifbindung im Handel weiter zurück: Laut IAQ seien 2006 nur noch
37 Prozent der westdeutschen Betriebe Mitglied in einem
Arbeitgeberverband gewesen. Drei Jahre zuvor habe das noch auf fast die
Hälfte der Firmen zugetroffen, schreibt das Magazin.
(Quelle: ap)
Kommando Spezialkräfte lockt mit Prämien Soldaten
So.29.06.08 - Mit finanziellen Anreizen will die Bundeswehr-Eliteeinheit Kommando
Spezialkräfte (KSK) mehr Soldaten anwerben.
Der Chef des unter Personalproblemen leidenden KSK in Calw
(Baden-Württemberg), Brigadegeneral Hans-Christoph Ammon, erwartet,
dass die Sollstärke der Truppe von rund 1200 Soldaten in etwa vier
Jahren erreicht wird. Rund zwölf Jahre nach Gründung der
meist im Verborgenen operierenden Spezialeinheit sprach sich Ammon in
einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa langfristig auch
für die Aufnahme von Frauen aus.
«Die Zulage für die KSK-Soldaten betrug bisher etwa 450
Euro. Diese Zulage ist nun auf 963 Euro erhöht worden», sagte
Ammon. Dies habe zu einer steigenden Bewerberzahl geführt.
Darüber hinaus sei ein Prämiensystem im Gespräch: So soll
es nach bestandenem Eignungstest 3000 Euro geben, nach Abschluss der
zweijährigen Basisausbildung 10 000 Euro und weitere 5000 Euro
für jedes verlängerte Jahr über die
Mindestverpflichtungszeit von sechs Jahren beim KSK hinaus.
Der 57-jährige Kommandeur betonte, dass die Erhöhung der
Zulage nur ein Teil der Maßnahmen sei. «Deswegen führen
wir seit kurzem unser eigenes Vorbereitungsprogramm für alle
Bewerber durch. In zehn Wochen bereiten wir sie psychisch und auch
physisch auf den Aufnahmetest vor. Dabei werden nicht die Kriterien
gesenkt, sondern die Bewerber besser darauf vorbereitet, sie zu
bestehen.» Das Programm habe sich bewährt. «Die
Besteherquote bei den Aufnahmetests war mit 20 bis 30 Prozent bislang
sehr gering», sagte Ammon. «Ich bin aber zuversichtlich,
dass wir durch gezielte Maßnahmen bisherige Beschränkungen
überwunden haben.»
Grundsätzlich sei der Dienst im KSK auch für Frauen
möglich, betonte Ammon. Bisher seien keine Frauen unter den
Kommandosoldaten, weil die physischen Anforderungen bei den
Eignungsverfahren zu hoch seien. «Das hat nichts mit
Frauenfeindlichkeit zu tun, sondern hängt mit den besonderen
Belastungen von Kommandosoldaten in Operationen von Spezialkräften
zusammen.» Es gebe hochqualifizierte Aufgaben für Frauen bei
den Spezialkräften, aber eben nicht in der bisherigen klassischen
Form des Kommandosoldaten. Zurzeit würden geeignete und
verantwortbare Aufgaben für den Einsatz von Frauen definiert.
(Quelle: dpa)
Immer weniger Bürger vertrauen der Demokratie
So.29.06.08 - Immer mehr Menschen verlieren das Vertrauen in die Demokratie. Jeder
dritte Bundesbürger glaubt, dass Demokratie keine Probleme mehr
löst, in Ostdeutschland sind inzwischen sogar 53 Prozent der
Bürger dieser Ansicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der
SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, die der Zeitung "Tagesspiegel am
Sonntag" vorliegt. Die Initiatoren der Studie zeigten sich erschrocken,
dass der Glaube an das politische System über die sozial Schwachen
hinaus insgesamt dramatisch zurückgegangen ist.
Dies deute darauf hin, dass viele Menschen fürchten,
demnächst abzurutschen "und sie machen das System dafür
verantwortlich", sagte Stiftungsmitarbeiter Frank Karl der Zeitung. In
der vom Münchener Institut Polis/Sinus erstellten Studie sollten
eigentlich Gründe für die zunehmende Wahlenthaltung gesucht
werden. Entdeckt wurde dabei aber eine große grundsätzliche
Distanz der Bürger zur Politik: "Ich fürchte, rund ein Drittel
der Menschen hat sich schon von der Demokratie verabschiedet", sagte
Karl.
Der Studie zufolge entfernen sich zunächst jene Schichten, die
sich selbst als abgehängt oder arm betrachten. Die Distanz zur
Demokratie reiche aber weit über diese Gruppe hinaus. Der Befragung
zufolge fühlen sich nur noch 62 Prozent der Bürger gerecht
behandelt, während jeder Vierte (26 Prozent) sich
ausdrücklich beklagt und angibt "ungerecht" behandelt zu werden.
Unter den demokratiefernen Schichten finden sich besonders viele
Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger. "Aus persönlichem
Misserfolg wird Staatsferne", urteilte Karl.
(Quelle: afp)
Hälfte der Bürger will Fingerabdruck im Personalausweis
So.29.06.08 - Die Hälfte der Deutschen will künftig freiwillig ihren
Fingerabdruck auf dem elektronischen Personalausweis speichern lassen.
Nach einer Umfrage des Nachrichtenmagazins "Focus" lehnen 40 Prozent
solch eine Speicherung ab, zehn Prozent zeigten sich unentschieden. Der
elektronische Personalausweis wird voraussichtlich Ende 2009 in
Deutschland eingeführt. Der Bundesbeauftragte für den
Datenschutz, Peter Schaar, hatte in der Vergangenheit vor einer
Speicherung der Fingerabdrücke in dem Dokument gewarnt, weil sie
etwa auf illegale Weise ins Internet gelangen könnten.
(Quelle: afp)
Islamische Prediger laut Studie schlecht ausgebildet
So.29.06.08 - Islamische Prediger sind laut einer Studie nur unzureichend auf ihren
Aufenthalt in Deutschland vorbereitet und können kaum zur
Integration türkischer oder arabischer Migranten beitragen. Zudem
gehörten bis zu 20 Prozent von ihnen einer
fundamentalistisch-konservativen Strömung an, berichtete der
«Spiegel» unter Berufung auf die Studie «Imame in
Deutschland» des Duisburger Sozialwissenschaftlers Rauf Ceylan.
Der Sohn türkischer Einwanderer besuchte demnach für die
Recherche Gottesdienste und führte Interviews mit Imamen.
Dabei habe Ceylan unter anderem festgestellt, dass in den Moscheen
lediglich die korrekte Rezitation des Korans im Vordergrund stehe,
berichtete das Magazin. Eine «inhaltliche Auseinandersetzung mit
dem heiligen Buch» sei «nicht primäres Ziel».
Weil viele islamische Prediger gar nicht über eine
wissenschaftliche Ausbildung verfügten, seien sie zudem
anfällig für «oberflächliche
Interpretationen».
Aus den Reihen dieser «Laien-Theologen» rekrutierten sich
nicht selten Extremisten, wurde Ceylan zitiert. Lediglich ein
Fünftel der Imame besitzt demnach eine akademische Ausbildung. Die
meisten von ihnen sind bei den Moscheen des türkischen Dachverbands
Ditib angestellt. Diese Elite-Prediger seien als Einzige geeignet, bei
der Integration ihrer Gemeindemitglieder zu helfen.
Allerdings kämen sie nur für vier Jahre nach Deutschland. Ein
Erfahrungsaustausch zwischen Neulingen und Deutschland-Kennern sei
«seitens der Religionsbehörde gar nicht
erwünscht», erklärte der Forscher. Deshalb müssten
neue Imame immer wieder von vorn anfangen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Klimawandel - Nordpol könnte im Sommer erstmals eisfrei sein
So.29.06.08 - Der Nordpol könnte nach Einschätzung eines
US-Wissenschaftlers in diesem Sommer erstmals seit Menschengedenken
eisfrei werden.
Anzeige
Mark Serreze vom amerikanischen Schnee- und Eisdatenzentrum in Colorado
sagte am Freitag im US-Nachrichtensender CNN, nach der ungewöhnlich
großen Eisschmelze im vergangenen Jahr gebe es dieses Jahr
besonders viel sogenanntes Ein-Jahres-Eis. Dieses schmelze leichter als
die in Jahrzehnten und Jahrhunderten gewachsenen Eismassen. «Ich
würde sagen, es steht eins zu eins, dass der Nordpol
abschmilzt.»
Im vergangenen Jahr war die Eisfläche des ganzjährig
zugefrorenen Arktischen Ozean so stark zurückgegangen wie noch nie.
Erstmals konnte im September 2007 die sogenannte Nordwest-Passage kurz
für den Schiffsverkehr freigegeben werden. Durch den kalten Winter
bildete sich Serreze zufolge viel Eis in der Arktis neu. Wie weit dies
jedoch halte, werde von den konkreten Wetterbedingungen abhängen.
Wissenschaftler beobachten seit etwa einem halben Jahrhundert eine
Abnahme der arktischen Meereseisfläche.
(Quelle: dpa)