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Irak 1562 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Irak will von ausländischen Unternehmen zehn Mrd Dollar
Schadenersatz für Zahlungen an Saddam. Verträge zwischen Irak
und westlichen Ölmultis gescheitert
Mi.02.07.08 - Der Irak hat Dutzende ausländische Unternehmen wegen
Bestechungszahlungen an die frühere Regierung von Saddam Hussein
auf insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt.
In der am Montag vor einem US-Bundesgericht in Manhattan eingereichten
Zivilklage geht es um Gelder aus dem "Öl für
Lebensmittel"-Programm der Vereinten Nationen, die abgezweigt worden
sein sollen, um sich Verträge mit dem Irak zu sichern.
Unter den beklagten Unternehmen sind etwa der Ölmulti Chevron, die
französische Großbank BNP Paribas, die Pharmakonzerne
GlaxoSmithKline und Roche sowie Töchter von Schering Plough und
ABB. Aus Deutschland werden Daimler, mehrere zum Siemens-Konzern
gehörende Firmen sowie das Medizintechnikunternehmen B. Braun
Melsungen genannt.
Durch die Bestechungspraxis seien Milliarden Dollar verloren gegangen,
"die sämtlich direkt in Lebensmittel, Medizin und andere
humanitäre Güter übersetzt werden konnten, die für
das irakische Volk bestimmt waren", heißt es in der Klageschrift.
Es handle sich um den größten Finanzbetrug in der Geschichte
der Menschheit. Die Korruption rund um das "Öl für
Lebensmittel"-Programm habe Leben und Gesundheit der Iraker unmittelbar
beeinträchtigt.
Das UN-Programm existierte von 1996 bis 2003 und hatte ein
Gesamtvolumen von rund 67 Milliarden Dollar. Es erlaubte dem Irak, trotz
der wegen seines Überfalls auf Kuwait verhängten Sanktionen
begrenzte Mengen Erdöl zu verkaufen, um aus den Einnahmen
Lebensmittel und andere Güter für die Bevölkerung zu
kaufen. Einer Untersuchung im UN-Auftrag zufolge waren 2200 Unternehmen
aus 66 Ländern an den Praktiken beteiligt, wodurch Vertreter Iraks
in den Genuss von Zahlungen über 1,8 Milliarden gekommen seien.
Die westlichen Ölmultis werden vorerst nicht in den Irak
zurückkehren. Die Regierung in Bagdad und die fünf Konzerne
Shell, BP, ExxonMobil, Chevron und Total hätten sich nicht auf die
Art der Bezahlung einigen können, teilte Ölminister Hussein el
Schahristani mit. Die Konzerne bestanden demnach auf eine Bezahlung in
Öl - "aber wir teilen unser Öl nicht", sagte Schahristani.
Der Irak wolle lediglich die Hilfe von Experten in Form von Beratung und
technische Unterstützung bei der Ölförderung, betonte
der Minister. Das Öl gehöre den Irakern.
Irak hat das drittgrößte Ölvorkommen der Welt. Es wird
auf 115 Milliarden Barrel geschätzt. Derzeit fördert das Land
2,5 Millionen Barrel am Tag, das ist so viel wie beim Einmarsch der
US-Armee 2003. Rund 2,11 Millionen Barrel täglich werden
exportiert. Mit Hilfe der ausländischen Konzerne wollte das
Ölministerium die Produktion binnen fünf Jahren auf 4,5
Millionen Barrel pro Tag steigern. Die Förderanlagen und die
Infrastruktur zum Transport des Öls im Irak sind veraltet. Unter
der Herrschaft von Saddam Hussein hatte die internationale Gemeinschaft
das Land mit Sanktionen belegt.
Die westlichen Ölmultis waren einst Aktionäre der Irakischen
Ölgesellschaft, die bis 1961 das Monopol auf die
Ölförderung innehatte. Sie wurde in den Jahren 1961 bis 1972
schrittweise verstaatlicht.
In der vergangenen Woche hatte das Ölministerium in Bagdad die
Unterzeichnung von Vorverträgen mit den fünf Ölmultis
über eine technische Unterstützung bei der
Ölförderung angekündigt. 41 weitere ausländische
Firmen etwa aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sollten
Verträge mit kurzer Laufzeit zur Ölförderung im Norden
und Süden des Landes bekommen. Die Vergabe dieser Verträge
wurde auf Juni 2009 verschoben, wie Schahristani weiter sagte. Auch bei
diesen Abkommen gehe es nicht um eine Beteiligung an der Förderung,
sondern um Dienstleistungsverträge, betonte der Minister.
Einer endgültigen Abmachung mit ausländischen Firmen steht
aber ein weiteres Hindernis im Wege: das Ölgesetz, dem das
Parlament noch zustimmen muss. Schahristani hatte dies für Ende des
Jahres angekündigt, doch Beobachter bezweifeln das. Umstritten ist
nämlich nach wie vor die Aufteilung der Erlöse aus den
Ölverkäufen zwischen den 18 irakischen Provinzen.
boa (Quellen: rtr, ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 02.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendachtundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mo.02.07.07 - Ministerpräsident al-Maliki kündigt Regionalwahlen
für dieses Jahr an +++ Australiens Ministerpräsident plant
Truppenabzug aus Irak +++ Brown-Berater: El Kaida bringt Terrortaktik aus
Irak nach London...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707020.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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UN-Bericht: Arme und reiche Länder von wirtschaftlicher
Unsicherheit betroffen
Mi.02.07.08 - Reiche und arme Länder haben laut einem UN-Bericht in diesem Jahr
zumindest eines gemeinsam: ein zunehmenden Gefühl von
wirtschaftlicher Unsicherheit. Diesem Gefühl lägen vor allem
«Handelsschocks» aufgrund steigender Öl- und
Nahrungsmittelpreise, kriselnder Finanzmärkte, Naturkatastrophen
und bewaffneter Konflikte zugrunde, heißt es in dem am Dienstag
veröffentlichten Jahresbericht über weltweite wirtschaftliche
und soziale Trends.
Unter der Entwicklung litten die armen Länder allerdings mehr als
die reichen. Die Unruhen, die Anfang 2008 wegen steigender
Nahrungsmittelpreise in einer Reihe von Ländern ausgebrochen
seien, hätten gezeigt, auf welch schwacher Grundlage der
Lebensunterhalt der Menschen am unteren Ende der Entwicklungsleiter
stehe. In dem Bericht werden 35 Länder aufgeführt, die wegen
einer Nahrungsmittelkrise Hilfe benötigten, angeführt vom
Irak, Simbabwe, Swaziland, Somalia und Lesotho.
Der UN-Untergeneralsekretär für wirtschaftliche und soziale
Angelegenheiten, Sha Zukang, schlug die Einrichtung eines globalen
Fonds im Umfang von zehn Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro) vor,
der Ländern bei der Bewältigung der Folgen der steigenden
Zahl von Naturkatastrophen helfen soll. Seit 2000 liege der weltweite
Schaden solcher Katastrophen bei jährlich durchschnittlich 83
Milliarden Dollar - eine Steigerung um fast das Siebenfache seit den
70er Jahren. Sha schlug außerdem eine Art Marshall-Plan für
die eine Milliarde Menschen vor, die von weniger als einem Dollar pro
Tag leben.
(Quelle: ap)
Millionen in Simbabwe wegen Arbeitsverbot für NGOs von Hunger
bedroht
Mi.02.07.08 - Bis zu vier Millionen Simbabwer sind wegen des von der Regierung
verhängten Arbeitsverbots für Hilfsorganisationen Hunger und
Mangelernährung ausgesetzt. Wenn das Anfang Juni erlassene Verbot
nicht bald aufgehoben werde, «wird es ein enormes Problem
geben», sagte John Holmes, der UN-Koordinator für
humanitäre Einsätze, am Dienstag. Die Regierung von
Präsident Robert Mugabe müsse handeln. Zwei bis vier
Millionen Menschen seien bis Oktober auf Lebensmittelhilfe angewiesen.
Darüber hinaus rechnen die UN im Herbst erneut mit einer
schlechten Ernte in dem südafrikanischen Land. In der
Dürrezeit von Januar bis März sollen daher fünf
Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein. Simbabwes
Haupternte im April war nach Angaben der
Welternährungsorganisation (FAO) bereits die schlechteste seit
Jahren. Die Regierung untersagte Nichtregierungsorganisationen (NGO) am
5. Juni die Arbeit im Land nahezu völlig. UN-Hilfsorganisationen
wie UNICEF oder das Welternährungsprogramm (WFP) sind bei der
Verteilung von Hilfsgütern jedoch auf die Mitarbeit von NGOs
angewiesen.
Die Verteilung von Lebensmitteln für Millionen Menschen wurde
seither von der Regierung übernommen. Im Wahlkampf vor der
Stichwahl um das Präsidentenamt vom vergangenen Freitag wurden
Hilfsorganisationen zufolge vor allem Anhänger Mugabes mit
Lebensmitteln bedacht.
(Quelle: ap)
Millionen Menschen nach Beben in China ohne Lebensunterhalt
Mi.02.07.08 - Das Erdbeben im Südwesten Chinas Mitte Mai hat rund zwei Millionen
Menschen ihres Lebensunterhalts beraubt. Seit dem Beben der Stärke
8,0 seien 700.000 Chinesen in der betroffenen Region arbeitslos,
berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf
die Provinzregierung. Zudem hätten 1,15 Millionen Bauern ihre
Existenzgrundlage verloren. Bei dem Erdbeben vom 12. Mai, das vor allem
die Provinz Sichuan traf, waren 88.000 Menschen ums Leben gekommen oder
werden seitdem vermisst. Etwa fünf Millionen Menschen wurden
obdachlos.
Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO)
bezifferte den Schaden für die Landwirtschaft in der Erdbebenregion
auf sechs Milliarden Dollar (rund 3,8 Milliarden Euro). Insgesamt
hätten über 30 Millionen Menschen in ländlichen
Gemeinden ihr Land, ihre Tiere, Häuser oder Getreidelager
verloren. Die FAO schätzt, dass der Wiederaufbau der
Landwirtschaft in Sichuan drei bis fünf Jahre dauern wird.
(Quelle: afp)
Bangladesch erhöht Treib- und Brennstoffpreise deutlich
Mi.02.07.08 - Bangladesch hat als Reaktion auf den stark gestiegenen Ölpreis die
Benzin- und Brennstoffpreise deutlich erhöht. Diesel sei um 37,5
Prozent, Benzin um fast 34 Prozent, Flüssiggas um 67 Prozent und
Heizöl um die Hälfte heraufgesetzt worden, sagte ein Sprecher
des Energieministeriums am Dienstag. Im Gegenzug würden die Hilfen
für Arme und Bauern ausgebaut.
"Die Entscheidung war für die Regierung nicht leicht", sagte der
Sprecher. Die staatliche Bangladesh Petroleum Company habe jedoch
zuletzt nicht mehr tragbare Verluste eingefahren. Auch andere Staaten in
der Region haben zuletzt ihre staatlich festgesetzten Benzinpreise
erhöht.
(Quelle: rtr)
USA: Sinkende Nachfrage nach Großwagen - Chrysler schließt
Werk
Mi.02.07.08 - Angesichts der sinkenden Nachfrage nach spritfressenden Großwagen
hat der US-Autobauer Chrysler die Schließung eines Werks auf
unbestimmte Zeit angekündigt. Von der Schließung des
Standorts St. Louis Süd im US-Bundesstaat Missouri seien insgesamt
1500 Mitarbeiter betroffen, teilte Vizechef Tom LaSorda mit. "Es ist
unwahrscheinlich, dass sie wieder zurückkommen. Wir sehen für
die Zukunft keinen Bedarf." In dem Werk werden Minivans produziert.
Auch am Standort St. Louis Nord, in dem Pick-Up-Trucks gebaut werden,
soll die Produktion demnach ab September zurückgefahren werden. 900
Mitarbeiter stünden vor der Entlassung. Die Rekordpreise für
Treibstoff haben in den USA die Nachfrage nach PS-starken Pickup-Trucks
und Jeep-Fahrzeugen sinken lassen. Chrysler hat nach eigenen Angaben in
diesem Jahr 14 Prozent weniger Autos verkauft. "Wir werden künftig
verstärkt kleinere Fahrzeuge produzieren", sagte Chrysler-Vize Jim
Presse. Vor Chrysler hatten sich bereits Ford und General Motors
entschieden, die Produktion spritfressender Pickup-Trucks zu drosseln.
(Quelle: afp)
US-Atomkraftwerke halten Sicherheitsvorschriften nicht ein
Mi.02.07.08 - Die Betreiber von Atomkraftwerken in den USA halten immer noch nicht
einige der Sicherheitsvorschriften ein, die nach einem Reaktorbrand vor
33 Jahren erlassen wurden. Zu diesem Ergebnis kommt ein
Untersuchungsbericht des US-Kongresses. Seit 1995 gab es in 54
Atomkraftwerken 125 Brände, also fast zehn in jedem Jahr. Keiner
davon habe aber die Sicherheit der Anlagen oder das Herunterfahren der
Reaktoren gefährdet, hieß es. Die meisten seien durch
elektrische Kurzschlüsse oder bei Wartungsarbeiten entstanden.
Die Atomaufsicht habe einige seit langem bestehende Fragen mit den
Betreibern der Anlagen immer noch nicht klären können, stellt
der Bericht fest. Dabei gehe es um die 1976 und 1980 beschlossenen
Auflagen nach dem Brand im Atomkraftwerk Browns Ferry in Alabama in
1975. Der Brand wütete sieben Stunden im Block 1 des Kernkraftwerks.
Dem Kongressbericht zufolge werden in den Anlagen weiterhin nicht
genehmigte Löschmittel verwendet. Es fehlen die verlangten
automatischen Löschvorrichtungen. Kabel werden mit
Feuerschutzmaterialien umwickelt statt die Kabel selbst auf ihre
Feuersicherheit zu testen.
Die Atomindustrie äußerte sich zu dem Bericht zunächst
nicht. Er müsse erst genau geprüft werden, sagte John Keeley,
Sprecher des Industrieverbandes Nuclear Energy Institute.
(Quelle: ap)
UN kritisieren Praxis der Todesstrafe in den USA
Mi.02.07.08 - Die Vereinten Nationen haben die Praxis der Todesstrafe in den USA
kritisiert. Vor allem die Regierung im US- Bundesstaat Alabama verhalte
sich «gleichgültig» gegenüber der möglichen
Hinrichtung Unschuldiger.
Das sagte der Sonderberichterstatter des UN-Menschenrechtsrates, Philip
Alston, am Montag bei einer Pressekonferenz in New York. «Das
System ist einfach nicht darauf angelegt, dass Fälle von
Unschuldigen auftauchen können. Es ist möglich, dass Alabama
bereits unschuldige Menschen hingerichtet hat», heißt es in
Alstons Bericht. Auch in Texas hätten Regierungsvertreter die
Möglichkeit eingeräumt, Unschuldige hingerichtet zu haben.
Seit 1973 seien in den USA bereits 129 Todeskandidaten begnadigt
worden, sagte Alston. Die Begnadigung von zum Tode Verurteilten nehme
jedes Jahr zu. Derzeit werde aber viel Zeit und Energie darauf
verwendet, Exekutionen zu beschleunigen. Es sei notwendig zu
analysieren, warum die Strafjustiz in vielen Fällen versage und
warum unschuldige Menschen zum Tode verurteilt werden, kritisierte
Alston.
Der Rechtsprofessor an der Universität von New York hatte für
seinen Bericht zwei Wochen lang unter anderem Richter,
Bürgerrechtsbewegungen, Opfer und Zeugen in Washington und New York
sowie in Montgomery (Alabama) und Austin (Texas) besucht. «In
einem Rechtssystem, in dem Mängel bekannt sind, die die Regierung
jedoch nicht beheben will, werden immer wieder Fehler begangen»,
warnte er.
(Quelle: dpa)
Chile: Lebenslange Haft für Pinochets Ex-Geheimdienstchef
Mi.02.07.08 - Der frühere Geheimdienstchef des chilenischen Ex-Diktators
Pinochet ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gericht in
Santiago de Chile befand Manuel Contreras für schuldig, an der
Ermordung des ehemaligen chilenischen Armeechefs Carlos Prats beteiligt
gewesen zu sein. Der 1974 in Buenos Aires zusammen mit seiner Frau durch
eine Autobombe getötete Prats war ein Vertrauter von Pinochets
Vorgänger, dem sozialistischen Präsidenten Salvador Allende.
Er hatte sich nach Pinochets Militärputsch im September 1973 ins
argentinische Exil begeben.
Neben Contreras, der bereits wegen Menschenrechtsverletzungen im
Gefängnis sitzt, wurden weitere Ex-Geheimdienstler wegen des
Bombenanschlags zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die Tochter von Prats,
Cecilia, begrüßte das Urteil. Mit der Entscheidung des
Richters könne nun die "wahre Geschichte" der Armee geschrieben
werden.
In dem Prozess war auch Pinochet selbst angeklagt worden. Der
Ex-Diktator war allerdings im Dezember 2006 verstorben, ohne dass er zur
Rechenschaft gezogen werden konnte. Während Pinochets Herrschaft
von 1973 bis 1990 wurden in Chile knapp 3200 Menschen ermordet.
Nachweislich wurden mindestens 28.000 Menschen gefoltert; vermutlich
ist die Zahl der Folteropfer jedoch wesentlich höher.
(Quelle: afp)
Politische Spannungen in der Türkei eskalieren - Zwei
türkische Generäle unter Verdacht auf Umsturzpläne
festgenommen
Mi.02.07.08 - Die politischen Spannungen in der Türkei eskalieren: Während
Generalstaatsanwalt Abdurrahman Yalcinkaya vor dem Verfassungsgericht
mit seinem Schlussplädoyer im Verbotsprozess gegen die
Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan
begann, lief eine Verhaftungswelle gegen nationalistische
Regierungsgegner an. Im Zuge von Ermittlungen gegen eine
rechtsgerichtete Bande, die einen Putsch gegen Erdogan vorbereitet haben
soll, nahm die Polizei am Dienstagmorgen unter anderem zwei
Ex-Generäle und einen prominenten Oppositionsjournalisten fest.
Erdogan-Kritiker sprachen von einem Versuch, Gegner der Regierung zum
Schweigen zu bringen.
Yalcinkaya wirft der AKP islamistische Tendenzen vor und verlangt ein
Verbot der Partei, die bei den Parlamentswahlen im vergangenen Sommer
fast 47 Prozent der Stimmen erhalten hatte. In seinem
Schlussplädoyer, über dessen Inhalt zunächst nichts
bekannt wurde, dürfte Yalcinkaya seine Vorwürfe gegen die AKP
bekräftigt haben. An diesem Donnerstag wird die AKP die Gelegenheit
zu einem Schlusswort haben. Mit einem Urteil wird in wenigen Wochen
gerechnet. Die meisten Beobachter rechnen mit einem Verbot der AKP,
weil die meisten Verfassungsrichter als Gegner der Regierung gelten.
Die Festnahmen, die gleichzeitig mit Yalcinkayas Plädoyer
stattfanden, wurden deshalb sofort mit dem AKP-Prozess in Zusammenhang
gebracht. Alle, die gegen die Umwandung der Türkei in einen
islamischen Gottesstaat einträten, seien "akut gefährdet",
sagte ein Sprecher der Oppositionszeitung "Cumhuriyet" dem Fernsehsender
CNN-Türk. Die Räume der Ankaraner Vertretung von "Cumhuriyet"
waren am Morgen durchsucht worden; Bürochef Mustafa Balbay wurde
festgenommen.
Unter den Festgenommenen war auch der Ex-General Sener Eruygur, der
Chef des regierungskritischen "Vereins für das Gedankengut
Atatürks" ist. Ein weiterer Ex-General, Hursit Tolon, wurde
ebenfalls in Gewahrsam genommen. Insgesamt wurden 24 Personen in Ankara
und Istanbul festgenommen, meldete der Fernsehsender Haber7. Eine
Bestätigung lag zunächst nicht vor. Die Festnahmen standen im
Zusammenhang mit Ermittlungen gegen eine nationalistische Gruppe, die
einen Staatsstreich gegen Erdogan geplant haben soll. Die Istanbuler
Staatsanwaltschaft ermittelt seit Monaten gegen die Organisation
"Ergenekon"; mehr als 40 Verdächtige befinden sich in
Untersuchungshaft.
(Quelle: afp)
Polens Präsident Kaczynski will EU-Reformvertrag nicht
unterzeichnen
Mi.02.07.08 - Der polnische Präsident Lech Kaczynski will den EU-Reformvertrag
nicht unterzeichnen. Nach der gescheiterten Volksabstimmung in Irland
sei der Vertrag derzeit "gegenstandslos", sagte Kaczynski in einem auf
der Internetseite der Zeitung "Dziennik" veröffentlichten
Interview. Die Weigerung Kaczynskis, die Ratifizierungsurkunde zu
unterzeichen, ist auch ein schwerer Schlag für Frankreichs
Präsident Nicolas Sarkozy, der während der französischen
EU-Ratspräsidentschaft den Ratifizierungsprozess trotz des irischen
"Neins" weiter vorantreiben will.
Es sei schwer zu sagen, wie es mit dem Vertrag von Lissabon nun
weitergehe, sagte Kaczynski. Die Behauptung, die EU könne ohne den
Reformvertrag nicht weiterexistieren, sei aber "nicht seriös".
Polens rechtsliberaler Regierungschef Donald Tusk und der
nationalkonservative Kaczynski hatten sich Ende März nach einem
wochenlangen politischen Tauziehen auf eine Ratifizierung des
EU-Vertrags durch das Parlament geeinigt. Das polnische Unterhaus und
der Senat stimmten Anfang April für ein Gesetz, das Kaczynski die
Ratifizierung des Vertrags von Lissabon erlaubt. Der EU-skeptische
Präsident hat das Gesetz zum Reformvertrag bereits unterschrieben,
die Ratifizierungsurkunde aber noch nicht unterzeichnet.
Die Oppositionspartei PiS vom Zwillingsbruder des Präsidenten,
Ex-Regierungschef Jaroslaw Kaczynski, hatte mit ihrer Ablehnung des
Reformvertrags gedroht, um den polnischen Beitritt zur europäischen
Menschenrechtscharta zu verhindern. Die Charta ist in den Vertrag von
Lissabon eingebunden. Die polnischen Konservativen befürchteten
Entschädigungszahlungen für Enteignungen von ehemals
deutschen Gebieten nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die Einführung
der Homoehe. Die Regierung kam der PiS daraufhin mit dem
Ratifizierungsgesetz entgegen und verzichtete auf ihr Vorhaben, der
Charta beizutreten.
Die Zukunft des Reformvertrags von Lissabon ist völlig offen. Nach
der Ablehnung der Iren bei der Volksabstimmung am 12. Juni vertagten die
Staats- und Regierungschefs der EU die Debatte auf Oktober. Bis dahin
soll Irland erste Lösungsvorschläge erarbeiten. Der
Reformvertrag wird damit höchstwahrscheinlich nicht wie angestrebt
am 1. Januar 2009 in Kraft treten.
Sarkozy hatte am Montagabend in einem Fernsehinterview bekräftigt,
dafür zu sorgen, dass die EU-Staaten mit der Ratifizierung
fortfahren. Neben Polen steht die Ratifizierung auch in Tschechien wegen
des europakritischen Präsident Vaclav Klaus auf der Kippe.
(Quelle: afp)
Frankreichs Pläne für seinen EU-Ratsvorsitz
Mi.02.07.08 - Frankreich nennt für seinen EU-Ratsvorsitz vier klare
Prioritäten: Klimaschutz, Agrarpolitik, Einwanderungspakt und
Verteidigung. Dazu kommen die Mittelmeerunion und - nach dem Nein der
Iren zur EU-Reform - die Ratifizierung des EU-Reformvertrages.
Die Zustimmung der Bürger zur EU will Sarkozy zudem mit vielen
«sichtbaren» Einzelinitiativen wie der Deckelung der
Benzinsteuer, Finanzhilfen für Fischer oder Steuerabbau für
Gastwirte gewinnen.
- MITTELMEERUNION: Schon am 13. Juli soll in Paris auf einem EU- Gipfel
mit den Mittelmeer-Anrainern die «Union für das
Mittelmeer» gegründet werden. Dann sollen konkrete Projekte
zu Wasserversorgung, Umweltschutz und Infrastruktur beschlossen werden.
Gefährdet wird die Mittelmeerunion vom Nahost-Konflikt. Umstritten
ist die Einladung zeitweise «geächteter» Führer
wie Libyens Muammar el Gaddafi und Syriens Baschir el Assad.
- KLIMASCHUTZ: Die EU soll den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent
drücken und gleichzeitig den Anteil erneuerbarer Energiequellen auf
20 Prozent steigern. Sarkozy setzt dabei auf Kernkraft als saubere
Energie. Er will umweltfreundliche Produkte steuerlich begünstigen
und Importe aus Ländern ohne vergleichbaren Umweltschutz belasten.
- EINWANDERUNGSPAKT: Die Einwanderung soll EU-weit gesteuert und das
Asylrecht harmonisiert werden. Statt Familiennachzugs will Frankreich
Zuwanderung nach den Bedürfnissen der Wirtschaft. Die EU soll ihre
Außengrenzen besser überwachen und illegale Einwanderer
schnell abschieben. Die Kooperation der Herkunftsländer will
Sarkozy mit Entwicklungspolitik gewinnen. Massenlegalisierungen will
Sarkozy verbieten, doch dürfte dies an Spaniens Widerstand
scheitern.
- VERTEIDIGUNG: Frankreich will eine EU-Eingreiftruppe, gemeinsame
Lufttransporter und einen Flugzeugträgerverband, einen echten
Planungsstab in Brüssel und eine Integration der inneren und
äußeren Sicherheit. Die EU soll militärisch autonom
agieren oder mit der NATO, in die Frankreich voll zurückkehren
will. Problem: Die Briten und andere wollen keine Doppelstrukturen
NATO/EU.
- AGRARPOLITIK: Frankreich will neben der Neuverteilung der
Subventionen eine Reform der Agrarpolitik nach 2012 vorbereiten. Paris
will eine Präferenz für EU-Produkte nach Gesundheitskriterien,
die Garantie der Lebensmittelversorgung durch eigene Produktion und
mehr Ausgaben für die Agrarforschung. Weil Frankreich bisher
größter Nutznießer der Beihilfen ist, argwöhnen
einige Partner wie London, es gehe um eine Initiative zur Verewigung
der Hilfen für die französischen Bauern.
(Quelle: dpa)
UNHCR: Zugbrücken von der 'Festung Europa' herunterlassen
Mi.02.07.08 - Das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR hat eine solidarische
Flüchtlingspolitik gefordert. Von der "Festung Europa" müssten
Zugbrücken heruntergelassen werden, sagte der
UNHCR-Regionalvertreter für Deutschland, Österreich und die
Tschechische Republik, Gottfried Köfner, am Montag in Berlin. Er
lobte die angekündigte Aufnahme irakischer Flüchtlinge als
guten Anfang. Köfner sprach auf der vom Zentrum für
Antisemitismusforschung, von Pro Asyl und dem
Bundestags-Menschenrechtsausschuss veranstalteten Konferenz "Festung
Europa".
Kritik äußerte Köfner daran, dass trotz der geplanten
Schaffung eines gemeinsamen EU-Asylsystems große Unterschiede
zwischen der Asylpolitik der Mitgliedsstaaten herrschten. Die
Glaubwürdigkeit eines gemeinsamen EU-Asylsystems stehe auf dem
Spiel, wenn heute die Erfolgschancen eines EU-Asylantrags davon
abhingen, in welchem Land der Antrag gestellt werde.
Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang
Benz, erinnerte angesichts der Flüchtlingsströme nach Europa
an die Lage der deutschen jüdischen Flüchtlinge zur NS-Zeit.
Die Welt habe sich "arg gleichgültig" gegenüber der Not der
Juden verhalten, sagte Benz. Heute wie damals sei kein Emigrationsland
an verarmten Einwanderern interessiert.
Auch die jüdischen Flüchtlinge waren darauf angewiesen,
illegal und teilweise mit Hilfe von Schleppern in andere Länder
einzureisen, erläuterte Benz. Viele Flüchtlinge wurden nur
geduldet, durften nicht arbeiten, wurden inhaftiert oder nach Australien
und Kanada deportiert.
Benz erinnerte an die Konferenz von Evian vor 70 Jahren: Dort trafen
sich Vertreter von 32 Staaten, um über Einwanderungsquoten und
mögliche Zufluchtsgebiete für jüdische Flüchtlinge
aus dem Deutschen Reich zu beraten. Kein Land erklärte sich bereit,
die Aufnahmebedingungen für Flüchtlinge zu lockern. Evian sei
nicht nur eine humanitäre Katastrophe für die damalige Zeit
gewesen, sondern wirke heute noch fort, sagte Benz.
Heiko Kauffmann, Mitbegründer von Pro Asyl, forderte eine
UN-Weltkonferenz für die Rechte von Flüchtlingen. Es brauche
endlich Gerechtigkeit für die armen Länder. Deutschland und
die EU trügen in dem Maße Verantwortung für die
Flüchtlingsbewegungen, wie ihre Politik Faktor für die weitere
Verarmung der Länder im Süden sei.
(Quelle: epd)
Deutschland
Arbeitslosenzahl sinkt auf 3 160 000
Mi.02.07.08 - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand
seit 16 Jahren gesunken. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit
(BA) am Dienstag waren im Juni 3,16 Millionen Jobsuchende registriert,
das ist ein überraschend deutlicher Rückgang um 123 000
gegenüber dem Vormonat. Experten hatten mit einer Abnahme von unter
100 000 gerrechnet. Die Arbeitslosenquote reduzierte sich um 0,3
Prozentpunkte auf 7,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl
der Arbeitslosen um 528 000 zurück.
Die Nachfrage der Unternehmen nach Mitarbeitern sei unverändert
hoch, erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Als Gründe
nannte er neben der guten konjunkturellen Entwicklung mit einer starken
Frühjahrsbelebung auch eine verbesserte Beratung und Vermittlung
von Arbeitslosen durch die Arbeitsagenturen.
Fast die Hälfte des Rückgangs verzeichnen mit minus 57 000
die neuen Länder. Dort sind nun 1,086 Millionen ohne Arbeit.
Allerdings ist die Arbeitslosenquote mit 12,7 Prozent im Osten weiter
doppelt so hoch wie im Westen mit 6,2 Prozent - hier sank die Zahl der
Arbeitslosen um 66 000 auf 2,074 Millionen.
Einen niedrigeren Juni-Wert verzeichnete die Bundesagentur zuletzt 1992
mit 2,838 Millionen. Angesichts der positiven Entwicklung hält
Weise eine Unterschreitung der Drei-Millionen-Grenze in diesem Jahr
für möglich. «Rein rechnerisch könnten wir unter
die Marke von drei Millionen Arbeitslosen kommen», betonte er.
Angesichts der Gefahren für die Konjunktur durch Inflation, hohen
Ölpreis und die Finanzkrise warnte er aber zugleich vor zu
großer Euphorie. Neben den offiziell als arbeitssuchend
registrierten Menschen müssten sich die Arbeitsagenturen auch um
mit die krank gemeldeten oder in Weiterbildungsmaßnahmen
befindlichen Arbeitslosen kümmern. Zusammen mit der «stillen
Reserve» von Erwerbslosen, die sich bewusst nicht bei den
Agenturen melden, betrage die Zahl der Arbeitslosen eigentlich rund
fünf Millionen.
Mit einer Quote von 3,8 Prozent verzeichnet Bayern erstmals seit
November 2000 die niedrigste Quote unter allen Bundesländern.
(Quelle: ddp)
Deutschland hat bei Gleichstellung von Frauen Nachholbedarf
Mi.02.07.08 - Ein halbes Jahrhundert nach Verabschiedung des
Gleichberechtigungsgesetzes am 1. Juli 1958 hat Deutschland in Sachen
Chancengleichheit für Frauen und Männer noch immer einiges
nachzuholen. Zwar gehört die Bundesrepublik zu den wenigen
Ländern, die eine Frau als Regierungschefin vorweisen können.
Und auch der Anteil der Frauen im Bundestag liegt mit rund 30 Prozent
EU-weit im obereren Drittel. Doch im Berufsleben haben Frauen nach wie
vor deutlich weniger Einfluss als in anderen EU-Staaten.
Die Beschäftigungsrate der Frauen zwischen 15 und 64 Jahren ist in
Deutschland in den letzten Jahrzehnten zwar kontinuierlich gestiegen.
Derzeit liegt sie laut einer Erhebung des Statistischen Amtes der EU
(Eurostat) bei rund 61 Prozent (Männer etwa 72 Prozent). Dies
bleibt aber weit hinter Ländern wie Island, Norwegen, der Schweiz
oder Dänemark zurück, wo zwischen 70 und 80 Prozent der Frauen
berufstätig sind. Zudem arbeiten in Deutschland nur etwa die
Hälfte der Frauen Vollzeit - deutlich weniger als etwa in
Finnland, Frankreich, Slowenien, Ungarn oder Polen.
Hinzu kommt, dass der durchschnittliche Stundenlohn der Frauen in
Deutschland laut Eurostat 20 Prozent unter dem der Männer liegt.
Die besten Ergebnisse können in dieser Hinsicht Belgien, Malta und
Slowenien vorweisen: Dort liegt das Lohngefälle unter neun Prozent.
Fast 15 Prozent der Frauen in Deutschland gelten als
armutsgefährdet - deutlich mehr als in den skandinavischen
Ländern, Österreich und den Niederlanden.
Besonders gering sind die Aufstiegschancen der Frauen in der
Wirtschaft. So schaffen es in Deutschland nur etwa 0,2 Prozent aller
weiblichen Erwerbstätigen in die Chefetagen von Unternehmen. Bei
den Männern ist der Anteil der Bosse mindestens vier Mal so hoch.
Frauen als Chefinnen oder Vorstandsvorsitzende der 50 größten
nationalen Unternehmen sind in Deutschland offenbar die absolute
Ausnahme: Laut Eurostat ist ihr Anteil statistich gesehen "gleich Null".
Bei der Berufswahl der Frauen hat sich in den letzten Jahren laut
Eurostat wenig geändert: Nach wie vor interessieren sich
Mädchen vor allem für Berufe im Dienstleistungssektor, etwa im
Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen und im Einzelhandel.
(Quelle: afp)
Einzelhandel schafft im Mai unerwartet hohes Umsatzplus
Mi.02.07.08 - Die Geschäfte im deutschen Einzelhandel sind im Mai trotz der
hohen Inflation überraschend gut gelaufen.
Der Umsatz stieg um 3,5 und preisbereinigt (real) um 0,7 Prozent im
Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag
mitteilte. Im Vergleich zum Vormonat hatten die Einzelhändler 1,7
Prozent mehr in der Kasse, real blieb ein Plus von 1,3 Prozent. Von
Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem realen Zuwachs von 0,5
Prozent zum Vormonat gerechnet und reales Minus von 1,0 Prozent zum
Vorjahr vorausgesagt.
Besonders gut lief das Geschäft mit Bekleidung: Der Umsatz mit
Textilien und Schuhen legte um 14 Prozent im Vergleich zum Mai 2007 zu.
Auch Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte und Baubedarf
waren mit einem Plus von 4,9 Prozent sehr gefragt. Der sonstige
Facheinzelhandel - etwa mit Büchern und Schmuck - steigerte die
Einnahmen um 4,3 Prozent. Der Lebensmittel-Einzelhandel erhöhte
seinen Umsatz um 1,8 Prozent.
Den stärksten Umsatzrückgang gab es im Versandhandel mit 2,4
Prozent. Auch Getränkehändler, Fleischer und andere
Lebensmittel-Facheinzelhändler setzten 0,8 Prozent weniger um. Mit
Kosmetik und medizinischen Produkten wurde 0,1 Prozent weniger umgesetzt.
Von Januar bis Mai hatten die Einzelhändler 2,2 Prozent mehr in
den Kassen als im Vorjahreszeitraum, real aber 0,4 Prozent weniger.
Für 2008 insgesamt strebt der Branchenverband HDE ein Umsatzplus
von zwei Prozent an, real wäre dies ebenfalls ein leichtes Minus.
(Quelle: rtr)
Wissenschaft
Verlust der Tropenwälder ungebremst
Mi.02.07.08 - Die Abholzung der Tropenwälder schreitet ungebremst voran: In den
Jahren von 2000 bis 2005 verschwanden insgesamt 27 Millionen Hektar
Regenwald von der Erdoberfläche, 2,4 Prozent des gesamten
Tropenwaldes.
Dies berichten Wissenschaftler aus Indonesien und den USA in den
«Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften. Damit sei
die Abholzungsrate zu Beginn des 21. Jahrhundert noch genauso hoch wie
in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Fläche des neu
abgeholzten Regenwaldes ist größer als Großbritannien.
Besonders verheerend sei die Situation in Brasilien, berichten die
Forscher um Matthew Hansen von der South Dakota State University in
Brookings nach der Auswertung von Satellitendaten. Fast 48 Prozent der
insgesamt neu abgeholzten Fläche entfielen auf das
südamerikanische Land viermal mehr als auf Indonesien, das in
der Liste der Länder mit den höchsten Waldverlusten als
nächstes folgt.
Wie die Forscher weiter berichten, konzentriert sich die Abholzung auf
bestimmte «Hotspots»: Außer Brasilien und Indonesien
gehören unter anderem Nord-Guatemala, das östliche Bolivien
und das östliche Paraguay zu diesen Hotspots. Nur gut fünf
Prozent der abgeholzten Wälder entfielen hingegen auf Afrika.
Hansen und seine Mitarbeiter hatten Satellitenbilder mit geringer
Auflösung mit hochauflösenden kombiniert. Das sei eine
praktikable und zeitgleich kostengünstige
Monitoring-Möglichkeit, mit der das Verschwinden der Wälder
regelmäßig, sogar jährlich dokumentiert werden
könne.
Da Wälder Kohlendioxid speichern, wirkt sich der Verlust der
Tropenwälder nachteilig auf den globalen Kohlenstoffgehalt aus und
beschleunigt den Klimawandel. Außerdem droht mit der Abholzung ein
erheblicher Verlust der Artenvielfalt, da die Tropenwälder
Lebensräume mit überdurchschnittlich hoher Artendichte
darstellen.
(Quelle: dpa)
Wissenschaftler pumpen erstes CO2 unter die Erde
Mi.02.07.08 - Beim europäischen Forschungsprojekt zur unterirdischen Einlagerung
von Kohlendioxid ist am Montag das erste klimaschädliche Gas
abgesenkt worden. Nach Fertigstellung von drei mehr als 800 Meter tiefen
Bohrungen gingen die Experimente zum Klimaschutz damit in die
entscheidende Phase, sagte der Vorstandsvorsitzende des
federführenden Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ), Reinhard
Hüttl, in Ketzin westlich von Potsdam. Dort sollen in den kommenden
zwei Jahren zu Forschungszwecken 60.000 Tonnen CO2 unter die Erde
gepumpt werden.
Die Versuche sind Teil eines Projektes zur CO2-armen Stromerzeugung mit
Kohle. Europäische Wissenschaftler wollen unter Leitung des GFZ
herausfinden, ob mit einer speziellen Technik beim Verbrennen von Kohle
abgetrenntes Kohlendioxid langfristig unterirdisch gespeichert werden
kann. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass das Gas in die
Atmosphäre gelangt und die Klimaerwärmung anheizt. Der
Energiekonzern Vattenfall baut derzeit ein Pilotkraftwerk mit
CO2-Abtrennung im brandenburgischen Schwarze Pumpe.
«Die Speicherung des Treibhausgases CO2 ist eine Option zum
Zeitgewinn bei der Entwicklung und Einführung CO2-armer
Energietechnologien», sagte Hüttl. Mit dem Projekt in Ketzin
stehe ein weltweit einzigartiges Labor zur Verfügung, in dem die
Speicherung und die Wechselwirkung des Gases mit der Umwelt detailliert
untersucht werden könne. Für die Experimente wird industriell
gefertigtes CO2 aus Tanks benutzt, wie es auch in der
Lebensmittelindustrie verwendet wird.
Umweltschützer kritisieren, dass die Technologie frühestens
2020 und damit für den Klimaschutz zu spät marktreif sein
werde. Außerdem werde der landschaftszerstörende Abbau von
Braunkohle fortgesetzt, beklagen etwa die Brandenburger Grünen.
Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sieht die CO2-Speicherung
allenfalls als Übergangstechnik. In Deutschland gebe es maximal
für eine Kraftwerksgeneration geeignete Speicherkapazitäten,
erklärte er. Im Ketziner Projekt soll das Treibhausgas in eine
Salzwasserlösung in tiefliegendem m Sandstein gepumpt und über
Sonden beobachtet werden.
Die Europäische Union strebt an, bis 2050 die
Kohlendioxid-Emission aller Kraftwerke in der EU mit der so genannten
Carbon-Capture-and-Storage-Technologie (CCS) zu minimieren. Der
Vorsitzende der Europäischen Technologieplattform ZEP, Kurt
Häge, hatte zu Beginn der Bohrungen in Ketzin erklärt, es gebe
nach heutigem Wissensstand genügend Lagerstätten, in denen
das CO2 unterirdisch gespeichert werden könnte.
(Quelle: ap)
Chamäleon lebt die meiste Zeit im Ei
Mi.02.07.08 - Ein Chamäleon auf Madagaskar hat eine einzigartige
Lebensgeschichte: Es lebt nur ein Jahr und verbringt davon auch noch die
meiste Zeit im Ei. Die jungen Tiere entwickeln sich darin zunächst
acht bis neun Monate lang.
Plötzlich - zu Beginn ihres aktiven Lebens im November - erscheine
eine große Zahl frisch geschlüpfter Chamäleons im
trockenen Südwesten des Inselstaates, berichten US-Forscher in den
«Proceedings» der US-Akademie für Wissenschaften
(«PNAS»; Bd. 105, S. 8980) vom Dienstag. Jüngere oder
ältere Tiere gebe es nicht.
Nach dem Schlüpfen wachsen die Reptilien schnell heran: Sie werden
innerhalb von zwei Monaten geschlechtsreif, pflanzen sich dann fort und
sterben bald darauf. Das Chamäleon namens Furcifer labordi habe
damit eine einzigartige Lebensgeschichte unter den vierbeinigen Wesen
auf der Erde, schreiben Cristopher Karsten von der Oklahoma State
University in Stillwater. Es gebe keinen anderen Vierbeiner, der sein
aktives Leben auf eine so kurze Zeit reduziert habe im Vergleich zur
langen Zeit im geschützten Ei. Eine solche Aufteilung sei eher bei
kurzlebigen Insekten üblich.
(Quelle: dpa)