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Irak 1563 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Lage der christlichen Konfessionen im Irak dramatisch verschlimmert. Deutscher Außenminister Steinmeier sagt Bischöfen Unterstützung zu. Schäubles Ministerium erwartet Lösung für Aufnahme von Flüchtlingen noch in diesem Monat

Do.03.07.08 - Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat vier Bischöfen der bedrängten christlichen Minderheit im Irak Unterstützung zugesichert. Im Mittelpunkt der Unterredung mit den Geistlichen stand am Mittwoch in Berlin die humanitäre Lage der irakischen Flüchtlinge sowie die Verfolgung christlicher und andere Minderheiten im Irak.

Die Bischöfe berichteten, dass sich die Lage der christlichen Konfessionen seit dem Ende der Saddam-Herrschaft dramatisch verschlimmert habe, hieß es im Auswärtigen Amt. Der Druck komme von Extremisten und Kriminellen.

Die Geistlichen machten den Angaben zufolge deutlich, dass die christliche Gemeinschaft im Lande gehalten und weitere Abwanderungen verhindert werden sollten. Derzeit gebe es noch etwa 350.000 bis 400.000 Christen im Irak. 1987 waren es noch 1,4 Millionen.

Die Bischöfe baten um Beistand zur Verbesserung der politischen Lage im Irak, um aufenthaltsrechtliche Erleichterungen für Flüchtlinge sowie um vermehrte Familienzusammenführung. Steinmeier sicherte den Angaben zufolge zu, diese Probleme in der Regierung zu thematisieren. Allein 2007 habe das Auswärtige Amt humanitäre Hilfe im Wert von 4,25 Millionen Euro geleistet. Im laufenden Jahr seien bereits jetzt fast vier Millionen Euro erreicht. Rund die Hälfte des Gelds geht an das UN-Flüchtlingswerk UNHCR.

Das Bundesinnenministerium erwartet eine Lösung für die Aufnahme christlicher Flüchtlinge aus dem Irak noch in diesem Monat auf europäischer Ebene. Es zeichne sich ab, dass Frankreich das Thema im Juli auf die Tagesordnung des europäischen Rats setzen wolle, sagte ein Ministeriumssprecher.

Die chaldäischen Katholiken machten auch auf die Lage Zehntausender Flüchtlinge in Syrien und Jordanien aufmerksam, die von Erspartem leben. «Es ist eingetreten, was wir seit Beginn des Irak-Krieges vorhergesagt haben,» sagte Prälat Karl Jüsten von der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz der AP. Das Geld gehe zu Ende, der Gaststatus der Flüchtlinge gerate in Gefahr.

Die Lage der Christen im Irak hatte sich nach der Ermordung des chaldäischen Erzbischofs Paulos Faradsch Rahho Mitte März weiter zugespitzt. Rahho war offenbar von Al Kaida erpresst worden.

Am (heutigen) Donnerstag ist ein Treffen der irakischen Geistlichen mit dem Erzbischof von Berlin, Georg Sterzinsky, geplant. Der Kardinal ist stellvertretender Vorsitzender des Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Außerdem besuchte eine irakische Delegation der katholischen Organisation Pax Christi die Hauptstadt. Die Delegation wurde am Mittwochmorgen vom Regierungsbeauftragten für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Günther Nooke (CDU), empfangen. Kommende Woche wird ein christliches Mitglied der Bagdader Regierung in Berlin erwartet.

(Quelle: ap)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 03.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendneunundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Di.03.07.07 - Mindestens elf Tote bei Autobombenanschlag in Bagdad +++ Zwei US-Soldaten bei Feuergefechten getötet. Seit Kriegsbeginn verloren rund 3580 US-Soldaten im Irak ihr Leben +++ US-Armee: Iranische Elite-Einheit half bei Anschlag im Irak... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707030.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

UN-Generalsekretär Ban fordert weltweite nukleare Abrüstung

Do.03.07.08 - Am 40. Jahrestag der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine verstärkte nukleare Abrüstung gefordert. Weltweit lagerten immer noch zehntausende Atomwaffen, beklagte Ban in einer in New York am Mittwoch veröffentlichten Erklärung. Deshalb sei eine "radikalere, unumkehrbare und nachprüfbare" Reduzierung der atomare Arsenale geboten. Ban lobte den Atomwaffensperrvertrag als "effektivstes multilaterales Instrument", um die Verbreitung von nuklearen Waffen zu begrenzen.

US-Präsident George W. Bush rief die internationale Gemeinschaft anlässlich des Jahrestages auf, gegen die Staaten vorzugehen, die den Atomwaffensperrvertrag verletzen. "Wir können uns nicht erlauben, dass einige Länder das Abkommen untergraben", erklärte Bush in Washington, ohne allerdings ausdrücklich den Iran und Nordkorea zu nennen. Der Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Allerdings verdächtigt der Westen Teheran, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms Atomwaffen anzustreben. Nordkorea war Anfang 2003 aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgetreten und hatte 2006 nach eigenen Angaben eine Atombombe getestet.

Der Atomwaffensperrvertrag wurde am 1. Juli 1968 von 59 Staaten unterzeichnet und trat 1970 in Kraft. Heute sind 189 Staaten Mitglied. In dem Abkommen verzichten die Unterzeichnerstaaten ohne Atomwaffen auf nukleare Rüstung. Als offizielle Atommächte gelten nur Länder, die vor Januar 1967 Atomwaffen testeten: die USA, Russland, Frankreich, China und Großbritannien. Neben Nordkorea sind Israel, Pakistan und Indien nicht Mitglied des Atomwaffensperrvertrages.

(Quelle: afp)
 



 

Russische Staatsduma billigt Abrüstungsvereinbarungen mit USA

Do.03.07.08 - Die russische Abgeordnetenkammer hat zwei Vereinbarungen mit den USA über amerikanische Hilfe bei der Beseitigung von atomaren, chemischen und anderen Waffen gebilligt. Die Staatsduma stimmte mit 336 gegen neun Stimmen den beiden Protokollen zu einem amerikanisch-russischen Vertrag über den sicheren Transport, die Lagerung und die Beseitigung von Waffen aus dem Jahr 1992 zu.

Russland hat im Rahmen der Vereinbarung bisher mehr als zwei Milliarden Dollar (1,27 Milliarden Euro) erhalten, wie der russische Vizeaußenminister Sergej Kisljak sagte. Bis 2013 rechne sein Land mit der Zahlung von weiteren ein Milliarden Dollar für die Beseitigung der russischen Waffenarsenale.

Das Abkommen stammt aus einer Zeit, in der Russland dringend auf finanzielle Unterstützung bei der Beseitigung von Waffen der früheren Sowjetunion angewiesen war. Die Zahlungen aus dem Ausland erfolgten aber auch dann noch, als es mit der russischen Wirtschaft aufgrund des Ölbooms aufwärtsging.

(Quelle: ap)
 



 

Iranischer Außenminister lobt neues Angebot im Atomstreit

Do.03.07.08 - Irans Außenminister Manuschehr Mottaki hat sich ungewöhnlich positiv zu den laufenden internationalen Verhandlungen über das Atomprogramm seines Landes geäußert. Die Herangehensweise des EU-Außenbeauftragten Javier Solana sei "anders als in der Vergangenheit", sagte Mottaki am Sitz der UNO in New York. Solanas Auftreten sei zuletzt von "Respekt" gekennzeichnet. Der iranische Ölminister Gholam Hossein Nosari bekräftigte die Warnung, dass ein militärischer Angriff auf sein Land eine "heftige" Reaktion nach sich ziehen werde. US-Präsident George W. Bush legte den Akzent auf die Bemühungen um eine diplomatische Lösung.

Solana hatte dem Iran das neue Angebot der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands Mitte Juni unterbreitet. Laut US-Angaben wird Teheran darin bei einem Stopp der Urananreicherung Unterstützung auf den Gebieten Handel, Finanzen, Landwirtschaft und Spitzentechnologie zugesagt.

"Wir sehen neue Fähigkeiten, wir sehen die Möglichkeit, zu einer Lösung mit zahlreichen Facetten zu kommen", sagte Mottaki. Seine Regierung prüfe derzeit das Angebot einer erweiterten Zusammenarbeit im Gegenzug zu einer Einstellung des iranischen Uran-Anreicherungsprogramms. Teheran werde "demnächst" auf das von dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana vorgelegte Angebot reagieren, kündigte Mottaki an.

Solana nannte die jüngste iranische Reaktion auf das internationale Angebotspaket im Atomstreit "interessant". Allerdings liege bisher keine "formale Antwort" vor, sagte eine Sprecherin Solanas. Ein Vertrauter des geistlichen Oberhauptes des Iran, Ayatollah Chamenei, hatte sich am Dienstag für Verhandlungen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland ausgesprochen. Aus Sorge vor Atomwaffen im Iran verabschiedete der UN-Sicherheitsrat bereits drei Resolutionen mit Sanktionen gegen Teheran. Der Iran versichert dagegen, Atomenergie nur zivil nutzen zu wollen.

US-Präsident Bush setzte weiter auf Diplomatie. "Ich habe immer gesagt, dass alle Optionen auf dem Tisch liegen", sagte Bush. Er ziehe eine diplomatische Lösung jedoch vor. Das Weiße Haus hatte zuvor skeptisch auf Aussagen führender iranischer Politiker reagiert, ein neues Angebotspaket, das den Iran zur Aufgabe seines Uran-Anreicherungsprogramms bewegen soll, ernsthaft prüfen zu wollen. "Wir haben jeden Grund skeptisch zu sein", erklärte Präsidentensprecherin Dana Perino.

(Quelle: afp)
 



 

Kolumbiens Armee befreit Ingrid Betancourt nach sechs Jahren Geiselhaft - Unblutige Aktion gegen FARC-Guerilla

Do.03.07.08 - Nach mehr als sechs Jahren in der Gewalt der FARC-Rebellen ist Ingrid Betancourt wieder frei. Die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin wurde am Mittwoch gemeinsam mit 14 weiteren Geiseln in einer spektakulären Aktion ohne Blutvergießen von den Streitkräften befreit. Die 46-Jährige, über deren Zustand es in den vergangenen Monaten große Besorgnis gegeben hatte, wirkte bei ihrer Rückkehr nach Bogotá überraschend gesund. Weltweit wurde ihre Befreiung begrüßt, vor allem in Frankreich, wo die beiden Kinder der kolumbianisch-französischen Politikerin leben.

Bei der Befreiungsaktion fiel kein Schuss und es gab keine Verletzten. Verteidigungsminister Juan Manuel Santos sagte, Agenten des Militärgeheimdienstes seien in die linksgerichtete Rebellengruppe eingeschleust worden. Sie hätten dem für die Geiseln zuständigen lokalen Führer namens Cesar weisgemacht, dass diese zum FARC-Chef Alfonso Cano gebracht werden sollten. Die in drei Gruppen gefangen gehaltenen Geiseln seien daraufhin zu einem Treffpunkt gebracht worden, wo zwei Hubschrauber der kolumbianischen Streitkräfte warteten.

Betancourt sagte, sie sei gefesselt gewesen und habe sich gedemütigt gefühlt. Die Piloten hätten sich als Mitglieder einer Hilfsorganisation ausgegeben, seien mit ihren Che-Guevara-Shirts aber eher «wie Clowns gekleidet» gewesen. Sie und die anderen Geiseln hätten nichts geahnt, bis die getarnten Militärhubschraubern gestartet seien, berichtete die 46-Jährige.

Dann habe sich der Chef der Kommandoaktion zu erkennen gegeben und gesagt: «Sie sind frei.» Die Geiseln seien vor Freude so herumgehüpft, dass fast der Hubschrauber abgestürzt sei, sagte Betancourt. «Gott, das ist ein Wunder. Eine solche perfekte Operation hat es noch nicht gegeben.»

Cesar und ein weiterer Rebell seien während des Fluges neutralisiert worden, sagte Santos. Mehrere Rebellen ließen die Streitkräfte in den Dschungel zurückkehren, in der Hoffnung, dass sie weitere Geiseln freiließen. Nach Regierungsangaben hält die FARC noch 700 Menschen gefangen. Betancourt wurde im Februar 2002 während ihres Wahlkampf als Präsidentschaftskandidatin verschleppt. Sie wurde nun gemeinsam mit drei US-Bürgern sowie elf kolumbianischen Soldaten und Polizisten befreit. Sie machte am Mittwoch deutlich, dass sie noch immer Ambitionen auf die kolumbianische Präsidentschaft hat.

Betancourt begrüßte in Bogota ihre Mutter und ihren Mann. Ihre Kinder Lorenzo und Mélanie wurden am Abend in Paris vom französischen Staatspräsident Nicolas Sarkozy empfangen, der sich für die Freilassung Betancourts eingesetzt hat. Sie flogen noch in der Nacht an Bord einer von der französischen Regierung bereitgestellten Maschine nach Kolumbien.

Weltweit wurde ihre Befreiung mit Erleichterung und Freude aufgenommen. US-Präsident George W. Bush und Sarkozy beglückwünschten ihren kolumbianischen Kollegen Alvaro Uribe zu dem Erfolg. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sagte, sie sei sehr erleichtert und sehr glücklich. Ein Sprecher des Vatikans äußerte die Hoffnung, dass auch die anderen Geiseln bald freikommen und nun ein Befriedungsprozess in Kolumbien beginnen könne. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Rebellen dazu auf, unverzüglich alle verbliebenen Geiseln freizulassen und in einen Dialog über ein Ende der Gewalt in Kolumbien einzutreten.

Verteidigungsminister Santos erneuerte das Angebot an die FARC zu Verhandlungen. Nach Verlusten bei Gefechten mit den Streitkräften und dem Überlaufen zahlreicher Mitglieder hat sich die Zahl der Rebellen auf 9.000 etwa halbiert. Ihr Führer Manuel Marulanda starb in diesem Jahr, zwei weitere wichtige Kommandeure wurden getötet.

(Quelle: ap)
 



 

Nahost-Konflikt

Hisbollah stimmt Gefangenenaustausch mit Israel zu. Briten setzen bewaffneten Hisbollah-Arm auf Terrorliste

Do.03.07.08 - Die radikal-islamische Hisbollah-Bewegung im Libanon stimmt einem Gefangenenaustausch mit Israel zu.

Die Aktion könne in ein bis zwei Wochen über die Bühne gehen, erklärte Hisbollah-Führer Sajjed Hassan Nasrallah am Mittwoch. Die von einem Deutschen vermittelte Übereinkunft sieht die Übergabe zweier vermutlich toter Soldaten an Israel vor, das im Gegenzug fünf libanesische Häftlinge freilässt und die Leichen von etwa 200 Libanesen, Palästinensern und Arabern aushändigt.

Das israelische Kabinett hat dem Austausch bereits am Sonntag zugestimmt.

Die britische Regierung hat den militärischen Flügel der libanesischen Hisbollah-Bewegung auf ihre Terrorliste gesetzt.

Nach der Entscheidung des Innenministeriums von Mittwoch ist es in Großbritannien bei Strafe verboten, der Miliz der Schiitengruppe anzugehören, sie zu unterstützen oder sie mit Geld zu fördern. Zur Begründung hieß es, die Organisation unterstütze den Terrorismus im Irak und in den Palästinenser-Gebieten. Die politischen, sozialen und humanitären Aktivitäten der Hisbollah sind von dem Verbot nicht betroffen.

Das vom Innenministerium verhängte Verbot des militärischen Flügels der Hisbollah muss noch vom Parlament gebilligt werden. Die britische Regierung erklärte, sie halte an ihrer Forderung an die Organisation fest, den Status als militärische Gruppe aufzugeben und sich als Partei am politischen Leben im Libanon zu beteiligen.

Hisbollah-Führer Sajjed Hassan Nasrallah erklärte, das Verbot überrasche ihn nicht. Seine Organisation betrachte die Entscheidung der britischen Regierung als Auszeichnung.

Israel hatte vor zwei Jahren im Libanon Krieg gegen die Hisbollah geführt, die mit dem Iran und Syrien verbündet ist. Die Gruppe war während der kürzlich beigelegten Staatskrise im Libanon treibende Kraft der Opposition gegen die pro-westliche Regierung.

boa (Quelle: rtr)
 



 

Simbabwe: Tsvangirai stellt Bedingungen für Dialog mit Mugabe

Do.03.07.08 - Simbabwes Oppositionsführer Morgan Tsvangirai hat Gespräche mit dem umstrittenen Machthaber Robert Mugabe unter den jetzigen Bedingungen abgelehnt.

Der von der Afrikanischen Union geforderte Dialog über eine Einheitsregierung könne nur auf Grundlage des Ergebnisses der von ihm gewonnenen Präsidentenwahl vom März stattfinden, sagte Tsvangirai am Mittwoch in Harare. Außerdem müsse die Gewalt gegen seine Anhänger aufhören. Unterdessen kursierte im UN-Sicherheitsrat ein US-Resolutionsentwurf, demzufolge Mugabe und dessen engste Gefolgsleute mit Sanktionen abgestraft werden sollen.

Auch der 84-jährige Mugabe, der sich am Wochenende zum Sieger der weltweit verurteilten Stichwahl erklärt hatte, äußerte seine Bereitschaft zu einem Dialog mit Tsvangirai und anderen Parteien. Der Aufruf der AU decke sich mit dem, was Mugabe bereits bei seiner Vereidigung am Sonntag gesagt habe, teilte Informationsminister Sikhanyiso Ndlovu mit. Unklar blieb indes, warum ein Sprecher Mugabes am Dienstag am Rande des AU-Gipfels in Ägypten eine Einheitsregierung nach kenianischem Vorbild noch strikt ausgeschlossen hatte.

Ungeachtet der grundsätzlichen Gesprächsbereitschaft dürfte sich allerdings die Frage nach dem künftigen Regierungschef als unüberwindbares Hindernis erweisen. Der autokratisch herrschende Mugabe hat Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) wiederholt als Marionette der früheren Kolonialmacht Großbritannien und der USA bezeichnet, der er niemals die Regierung überlassen werde. Tsvangirai beanspruchte die Führung der Regierung am Mittwoch dagegen für seine Bewegung, die schließlich im März auch die Parlamentswahl gewonnen und Mugabes Partei Zanu-PF in die Schranken gewiesen habe.

Auch mit Südafrikas Präsident Thabo Mbeki ging der Oppositionschef hart ins Gericht. Schon in der Vergangenheit bescheinigte er ihm, trotz seiner Funktion als regionaler Vermittler in Simbabwe zu sehr auf Mugabes Seite zu stehen. Nun betonte Tsvangirai, die AU müsse einen permanenten Gesandten nach Harare schicken, um Mbeki zu unterstützen. Ähnliche Überlegungen gibt es offenbar auch bei den westlichen Staaten. Wie aus diplomatischen Kreisen verlautete, dringen diese Länder auf die Entsendung eines UN-Beauftragten zur Unterstützung Mbekis. Im Gespräch seien etwa der frühere Präsident Mosambiks, Joaquim Chissano, oder Ghanas Staatsoberhaupt John Kufuor.

Die EU-Kommission schloss sich inzwischen der Forderung der EU-Ratspräsidentschaft Frankreich an, dass Tsvangirai an der Spitze der künftigen Regierung stehen müsse, schließlich habe er bei der ersten Runde im März deutlich mehr Stimmen erhalten als Mugabe und sei der Stichwahl nur wegen der Gewalt ferngeblieben. Mbeki kritisierte diese Haltung im südafrikanischen Rundfunk. Zudem bemängelte er, die Einmischungsversuche der AU und der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC). Sie könnten nicht den Ausgang von Verhandlungen in Simbabwe diktieren.

Anders als die afrikanischen Staaten, die Sanktionen gegen die Führung in Simbabwe ablehnen, strebt der Westen genau diesen Schritt im Rahmen der Vereinten Nationen an. In dem aktuellen US-Entwurf, der Reuters vorlag, wurden insgesamt zwölf simbabische Regierungsvertreter aufgezählt, gegen die sich die Strafmaßnahmen richten sollen. Geplant sind Reisebeschränkungen und das Einfrieren von Vermögen. Mugabe wird in dem Papier als Regierungschef die Verantwortung für die Aushöhlung der Demokratie und die Unterdrückung der Menschenrechte in Simbabwe bescheinigt. Daneben müssen sich beispielsweise auch der Notenbankchef und der Armeechef auf Strafmaßnahmen einrichten.

Simbabwe wird nach britischen Angaben kommende Woche wieder im Sicherheitsrat diskutiert. Bis dahin wollen die USA ihren Entwurf an alle Ratsmitglieder verteilen. Russlands Botschafter Witali Tschurkin signalisierte aber schon Widerstand und dürfte darin von China, ebenfalls Vetomacht, unterstützt werden. Beide Länder verweisen darauf, dass die Krise in Simbabwe ein Problem sei, das die afrikanischen Staaten zu lösen hätten.

(Quelle: rtr)
 



 

Am Horn von Afrika droht eine Hungerkatastrophe

Do.03.07.08 - Die Vereinten Nationen haben am Mittwoch in Nairobi vor einer drohenden Hungerkatastrophe am Horn von Afrika gewarnt. Große Teile der Region bewegten auf eine schwere humanitäre Notlage zu.

Davor warnten das Welternährungsprogramm (WFP), das Kinderhilfswerk UNICEF, die humanitäre UN-Agentur OCHA und andere UN-Einrichtungen in einer gemeinsamen Stellungnahme. Etwa 14 Millionen Menschen in der Region seien in den kommenden Monaten dringend auf Nahrungsmittel und andere Hilfsleistungen angewiesen.

Die Verbindung der steigenden Lebensmittelpreise und der anhaltenden Dürre in der Region bedrohe das Leben von Millionen in Äthiopien, Somalia und Eritrea, aber auch im Norden Kenias und Ugandas, hieß es. Hinzu kämen die Folgen von Konflikten und Krankheiten. Die UN appellierten an die betroffenen Regierungen und die Geberländer, schnellstmöglich auf die Notlage zu reagieren.

«Jetzt ist die Zeit zum Handeln, um das Leben von Kindern zu retten», betonte UNICEF-Regionaldirektor Per Engebak. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hatte bereits in der vergangenen Woche über einen rapiden Anstieg stark unterernährter Kinder in Äthiopien und Somalia berichtet.

(Quelle: dpa)
 



 

Vier Tote bei gewaltsamen Protesten in der Mongolei

Do.03.07.08 - Die gewaltsamen Proteste gegen das Ergebnis der Parlamentswahl in der Mongolei haben nach Behördenangaben mindestens vier Menschen das Leben gekostet. Eine Mitarbeiterin des Außenministeriums bestätigte am Mittwoch einen Bericht des staatlichen Fernsehens, wonach rund 1.000 Personen festgenommen und rund 130 verletzt worden seien. Die Polizei riegelte zum Beginn eines viertägigen Ausnahmezustands das Zentrum der Hauptstadt Ulan Bator teilweise ab.

Die Demonstranten lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei und steckten die Zentrale der Regierungspartei MRVP in Brand. Das Feuer wurde bis zum Mittwochmorgen gelöscht. Plünderer entwendeten Gemälde aus einer Kunstgalerie und Fernseher aus Regierungsgebäuden. Die Polizei setzte Tränengas, Gummigeschosse und Wasserwerfer ein. Das staatliche Fernsehen, das als einziger Sender berichten durfte, zeigte Bilder aus umgestürzten Autos und der beschädigten MRVP-Zentrale.

Von 22.00 Uhr bis 08.00 Uhr galt nach Angaben von Justizminister Munkhorgil ein Ausgehverbot. Präsident Nambaryn Enchbayar, Mitglied der Regierungspartei, rief im Fernsehen zur Ruhe auf. Wegen möglicher Unregelmäßigkeiten bei der Wahl würden Ermittlungen eingeleitet.

Die MRVP kann nach Angaben der Wahlkommission mit 46 der 76 Mandate im Parlament, dem Großen Volkshural, rechen. Das offizielle Endergebnis der Wahl vom Sonntag soll am 10. Juli verkündet werden. Die vagen Betrugsvorwürfe konzentrierten sich zunächst auf zwei Bezirke in der Hauptstadt, in denen zwei prominente Mitglieder der Opposition den Sieg der MRVP anzweifelten. Später stellten die Demonstranten dann die gesamte Wahl in Frage.

(Quelle: ap)
 



 

Millionen indische Lkw-Fahrer streiken wegen hoher Spritpreise

Do.03.07.08 - Wegen gestiegener Spritpreise und hoher Mautgebühren sind am Mittwoch Millionen Lkw-Fahrer in Indien in Streik getreten. Der Ausstand werde andauern, bis es eine Lösung vonseiten der Regierung gebe, sagte Gewerkschaftsführer Gurinder Pal Singh. Gespräche zwischen Regierung und Gewerkschaft waren zuvor gescheitert. Die Gewerkschaft repräsentiert rund 4,8 Millionen Lkw-Fahrer. Sie fordert geringere Steuern auf Diesel und die Rücknahme einer kürzlichen Erhöhung von Mautgebühren.

Weil in Indien rund 70 Prozent aller Güter per Lkw transportiert werden, könnte ein länger andauernder Streik der boomenden Wirtschaft des Landes schaden. Nach einer zweimaligen Erhöhung sind die Spritpreise in diesem Jahr um insgesamt 17 Prozent gestiegen. Die Lkw-Fahrer kritisieren, dass sie für die weltweit steigenden Benzinpreise sowohl an der Tankstelle und noch einmal mit der Maut bezahlen.

(Quelle: ap)
 



 

Deutsche Autobauer schlagen Alarm wegen steigender Stahlpreise

Do.03.07.08 - Die deutschen Automobilbauer rufen angesichts rasant steigender Rohstoffpreise die Stahlkonzerne um Hilfe.

"Das macht uns sehr große Sorgen, auch mit Blick auf unsere Rentabilität", sagte VDA-Chef Matthias Wissmann am Mittwoch in Berlin. Die Belastungen aus den angekündigten Preiserhöhungen könne die Automobilindustrie nicht alleine schultern. Auch die Stahlkonzerne müssten einen Beitrag dazu leisten. Gespräche mit den Herstellern liefen schon. Einzelheiten wollte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) nicht verraten.

Die Automobilbauer drohen zwischen sinkenden Margen und steigenden Rohstoffkosten in die Zange zu geraten. Angesichts der hohen Benzinpreise in Europa und den USA verkaufen sich vor allem Kleinwagen - doch die haben geringere Gewinnspannen. Und die tobende Rabattschlacht sorgt dafür, dass in den Kassen der Hersteller weniger ankommt. Andererseits steigen die Kosten für Energie und Rohstoffe drastisch. Seit Dezember habe sich der Preis für Warmbreitband um 58 Prozent erhöht, sagte Wissmann. Aluminium und Kupfer seien um je 22 Prozent teurer geworden. Der Rohölpreis habe sich binnen zwölf Monaten auf über 140 Dollar pro Barrel verdoppelt. Die Strompreise seien im gleichen Zeitraum um 30 Prozent geklettert.

"Auch wir wissen natürlich, dass die Kostenbasis der Stahlhersteller auf Grund der gestiegenen Eisenerz-, Kokskohle und Schrottpreise ebenfalls unter Druck geraten ist", zeigte der VDA-Chef Verständnis. Die Marktsituation rechtfertige aber nicht so große Preissprünge. "Wir stehen in Gesprächen mit den Automobilfirmen", bestätigte ein Sprecher der ThyssenKrupp-Sparte Steel. Einzelheiten wolle auch er nicht nennen.

Wissmann begrüßte, dass die EU-Kommission die Fusion der beiden Minengesellschaften BHP Billiton und Rio Tinto einer Prüfung unterziehen wolle. Der VDA-Chef empfahl den europäischen Kartellwächtern, sich das Vorhaben "sehr, sehr genau" anzusehen. Durch eine Verschmelzung der Rohstoffriesen würde eine noch größere Marktmacht entstehen.

In Deutschland traten die Pkw-Verkaufszahlen im Juni auf der Stelle. Im vergangenen Monat wurden laut VDA 304.000 neue Autos registriert, ein Prozent mehr als vor Jahresfrist. Dank des Anstiegs Anfang 2008 bleibt zur Jahresmitte ein Zulassungsplus von vier Prozent. Insgesamt gingen in den ersten sechs Monaten 1,63 Millionen Neuwagen in Deutschland an die Kunden. Der VDA hielt an der Erwartung fest, dass in diesem Jahr in Deutschland 3,2 Millionen Pkw neu registriert würden. 2007 waren es 3,15 Millionen. Der Importeursverband VDIK gab sich skeptisch: "Eine Markterholung ist auch im Juni immer noch nicht zu verzeichnen."

Im ersten Halbjahr schlugen die deutschen Hersteller nahezu 2,3 Millionen Wagen im Ausland los, zwei Prozent mehr als vor einem Jahr. Deshalb wurden in Deutschland im ersten Halbjahr mit gut drei Millionen Fahrzeugen zwei Prozent mehr produziert. "Wir werden in diesem Jahr im Inland 5,7 Millionen Pkw produzieren und damit das hohe Vorjahresniveau halten können - ebenso beim Export mit gut 4,3 Millionen Pkw", versprach Wissmann.

Vor allem sparsame Kleinstwagen waren in der ersten Jahreshälfte (plus 27 Prozent) gefragt. Auch die Kompaktklasse legte laut Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zu. Dagegen wurden Wagen der oberen Mittelklasse weniger verkauft. Die Nachfrage nach Sportwagen verringerte sich um 14 Prozent.

(Quelle: rtr)
 



 

UN sehen Investitionsboom bei erneuerbaren Energien - Umweltprogramm spricht von 'Goldrausch'

Do.03.07.08 - Die steigenden Energiepreise und die Sorge um die Klimaerwärmung haben den Vereinten Nationen zufolge im vergangenen Jahr einen regelrechten «Goldrausch grüner Energien» ausgelöst. Die Investitionen in Wind- und Sonnenenergie sowie in andere erneuerbare Energieformen stiegen 2007 um rund 60 Prozent auf 148 Milliarden Dollar (94 Milliarden Euro), wie es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) heißt. 2006 wurden nur 92,6 Milliarden Dollar neu investiert.

Spitzenreiter bei den Neuinvestitionen war mit 50 Milliarden Dollar (32 Milliarden Euro) die Windkraft. An zweiter Stelle kamen die Investitionen in Solartechnologie, mit 28 Milliarden (18 Milliarden Euro) war dies im Vergleich zum Vorjahr zudem der am schnellsten wachsende Sektor. Außerdem wurden im Bereich erneuerbarer Energien rund 56 Milliarden Dollar (35 Milliarden Euro) für Fusionen und Firmenkäufe ausgegeben.

Dieses Interesse der Investoren zeige die Reife des Marktes, sagte UNEP-Chef Achim Steiner. Wie zu Zeiten des Goldrausches ziehe der Boom der erneuerbaren Energien Heerscharen moderner Goldsucher in allen Teilen der Erde an. Die Notwendigkeit, auf umweltfreundliche Technologien umzusteigen, sei den Menschen immer stärker bewusst.

Die meisten Finanzmittel flossen dem Bericht zufolge nach Europa, an zweiter Stelle lagen die USA. Ein wachsendes Interesse an «grüner» Technologie gebe es außerdem in den Schwellenländern China, Indien und Brasilien.

Mehr zum Thema unter : http://sefi.unep.org/english/globaltrends

(Quelle: ap)
 



 

EU will Arbeits- und Sozialrecht in Europa stärken

Do.03.07.08 - Die Europäische Kommission will mit einer neuen Sozialagenda die Menschen für Europa gewinnen.

Ein am Mittwoch vorgelegtes Maßnahmenbündel soll die Rechte von Verbrauchern, Arbeitnehmern und Patienten stärken. So soll der Schutz vor Diskriminierung wegen des Alters oder der sexuellen Orientierung von der Arbeitswelt auf das gesamte Geschäftsleben ausgedehnt werden. Die Rechte der Betriebsräte in EU-weiten Unternehmen sollen klarer geregelt werden. In Deutschland kritisierten die Gewerkschaften den Vorstoß als unzureichend, während die Arbeitgeber den "Regulierungswahn" geißelten.

Die EU-Vorschläge bedeuten in manchen Bereichen nur eine Angleichung des Europarechts an nationale Regelungen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, sprach von einem "Sieg gegen die ideologischen Vorbehalte konservativer deutscher Politfunktionäre". In Deutschland sei der Ansatz gleiches Recht für alle im Antidiskriminierungsrecht bereits verwirklicht. Es gebe daher wenig Anpassungsbedarf.

Dagegen kündigte der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, eine Blockade der Bundesregierung im Ministerrat der EU an. Die Brüsseler Vorschläge seien ein "erneuter Beleg für die Regulierungswut der EU-Kommission". Der Entwurf könne nur einstimmig im Ministerrat beschlossen werden. Die Bundesregierung habe wiederholt deutlich gemacht, dass sie einer Ausweitung der Antidiskriminierung nicht zustimmen werde.

Mit der Sozialagenda will die Kommission die Bürger vom Nutzen der Europäischen Union überzeugen. Zuletzt hatte das Nein der irischen Wähler zum EU-Reformvertrag ein Schlaglicht auf die Skepsis großer Teile der Bevölkerung geworfen.

EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla erklärte, die EU gehe mit der Agenda eine neue Verpflichtung zu einem sozialen Europa ein. "Noch immer sind Millionen Menschen in der EU täglich Diskriminierungen ausgesetzt", sagte er. Die Lücken im EU-Recht müssten geschlossen werden. In einer Umfrage gab ein Drittel der Befragten an, im vergangenen Jahr Zeuge von Diskriminierung oder Belästigung gewesen zu sein. Fast jeder zweite Europäer ist der Meinung, dass dagegen nicht genug getan wird.

In Deutschland stößt der EU-Vorschlag auf großen Protest in der CDU/CSU und in den Wirtschaftsverbänden, obwohl das seit knapp zwei Jahren geltende deutsche Gleichbehandlungsgesetz die meisten Regelungen schon enthält. Die Vertreter der Unternehmen beklagen zuviel Bürokratie und erwarten eine Prozessflut, da sich die Bürger vor Gericht wehren können. Ähnlich hatte die Wirtschaft gegen das Gleichbehandlungsgesetz argumentiert.

Nach dem Entwurf ist im gesamten Geschäftsleben sowie im Bildungs- und Sozialbereich Diskriminierung wegen Alters, Behinderung, Religion oder sexueller Ausrichtung verboten. Rechtlich einklagen kann ein Verbraucher die Gleichbehandlung nur gegenüber einem professionellen Geschäftspartner, also nicht bei einem privaten Vermieter, der nur ein oder zwei Wohnungen vermietet. Zudem muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben: Nicht jedes Restaurant kann gezwungen werden, eine Rollstuhlrampe zu bauen.

Handlungsbedarf sieht die EU bei der Richtlinie über Europäische Betriebsräte in Unternehmen ab 1000 Beschäftigten und mit Standorten in mindestens zwei EU-Ländern. Eine europaweite Arbeitnehmervertretung soll nun "rechtzeitig" über große Veränderungen wie Umstrukturierungen oder Arbeitsplatzabbau informiert und zur Rate gezogen zu werden.

Der Entwurf bleibe in dieser Frage "weit hinter den Notwendigkeiten zurück", erklärte der Deutsche Gewerkschaftsbund. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warf der Kommission vor, "Europa mit Details und Bürokratie" zu überziehen.

(Quelle: rtr)
 



 

15 Prozent aller Europäer fühlen sich diskriminiert

Do.03.07.08 - 15 Prozent aller Europäer sehen sich als Opfer von Diskriminierung. Jeder Zweite von ihnen fühle sich auf Grund seines Alters benachteiligt, berichtete die EU-Kommission in Brüssel bei der Vorstellung einer Eurobarometer-Umfrage am Dienstag. Dies schließe sowohl ältere als auch besonders junge Menschen ein. Die übrigen Betroffenen klagten über Nachteile wegen ihres Geschlechts, ihrer ethnischen Herkunft, einer Behinderung oder anderer Gründe.

EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla wollte am Mittwoch einen Vorschlag für eine umfassende Richtlinie gegen Diskriminierung vorlegen. Wie aus der Umfrage hervorgeht, sehen die Europäer schon jetzt erste Erfolge im Kampf gegen die Benachteiligung: So halten aktuell 45 Prozent aller Befragten die Diskriminierung Behinderter für verbreitet, während es 2006 noch 52 Prozent waren. Eine breite Mehrheit der Europäer räumt ein, dass Ausländer besondere Probleme haben: 62 Prozent erklärten 2008, die Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft sei häufig zu beobachten. Für die Studie waren in jedem EU-Staat etwa 1000 Menschen befragt worden.

(Quelle: epd)
 



 

Deutschland

Opposition kritisiert Haushaltsentwurf von Steinbrück

Do.03.07.08 - Die Opposition im Bundestag hat den Haushaltsentwurf von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) für das kommende Jahr scharf kritisierte. "Steinbrück täuscht die Bürger, indem er alle Risiken konsequent ausblendet", sagte der Grünen-Haushaltsexperte Alexander Bonde der "Berliner Zeitung". "Das ist ein Haushalt, der allenfalls bis zur Bundestagswahl im kommenden Herbst hält." Bonde argumentierte demnach, Steinbrück habe bei der Aufstellung des Etats weder die sich abschwächende Konjunktur noch die Auswirkungen der US-Immobilienkrise berücksichtigt.

Die FDP hält Steinbrück vor, die Sanierung der Staatsfinanzen nicht mit der nötigen Konsequenz voranzutreiben. FDP-Haushaltsexperte Jürgen Koppelin sagte der "Berliner Zeitung", die Regierung sei beim Abbau der Neuverschuldung kraft- und mutlos. "Wer seit dem Regierungsantritt rund 60 Milliarden Euro an Steuern mehr einnimmt, die Neuverschuldung aber nur um 20 Milliarden Euro abbaut, betreibt keine verantwortungsvolle Haushaltspolitik", sagt er.

Das Bundeskabinett beschloss am Mittwochmorgen den Haushaltsentwurf 2009. Der Etat hat ein Gesamtvolumen von 288,4 Milliarden Euro, 5,2 Milliarden mehr als die für 2008 veranschlagte Summe und 2,9 Milliarden Euro mehr, als bislang in der Finanzplanung für das kommende Jahr vorgesehen. Dem Etatentwurf zufolge wird die Neuverschuldung des Bundes 2009 noch einmal 10,5 Milliarden Euro betragen. Ab 2011 soll es einen ausgeglichenen Haushalt geben.

(Quelle: afp)
 



 

OECD: Arbeitsmarkt bleibt trotz Fortschritten problematisch

Do.03.07.08 - Nach großen Fortschritten im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit wird Deutschland einer OECD-Studie zufolge nächstes Jahr auf der Stelle treten.

Die Organisation der 30 Industrieländer schätzt in ihrem Beschäftigungsausblick vom Mittwoch, dass die Erwerbslosenzahl dieses Jahr um 400.000 auf 3,2 Millionen fällt und 2009 auf diesem Niveau verharrt. Die Arbeitsmarktlage charakterisiert die Organisation als verbessert, aber weiter problematisch. Der Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter habe 2007 leicht über dem OECD-Durchschnitt gelegen. Dennoch reiche das Land mit seiner Beschäftigtenquote von 69 Prozent nicht an die Schweiz und einige skandinavische Länder heran, die 75 Prozent und mehr erreichten.

Zudem entfalle ein großer Teil des Beschäftigungswachstums auf Teilzeitarbeitsplätze; mit 22 Prozent aller Beschäftigten habe Deutschland hier einen der höchsten Anteile innerhalb der OECD. Auch bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen tut sich Deutschland besonders schwer: Gut 56 Prozent aller Arbeitslosen suchten 2007 bereits seit mehr als einem Jahr eine Stelle, verglichen mit weniger als 30 Prozent im OECD-Durchschnitt. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen lag damit nur in der Slowakei höher.

Frauen und Migranten seien auf dem Arbeitsmarkt noch immer benachteiligt, teilte die Organisation weiter mit. Etwa 15 Prozent weniger Frauen als Männer mittleren Alters hätten eine Stelle und verdienten als Vollzeitbeschäftigte im Schnitt auch rund ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen. "Unter den 20 OECD-Ländern, für die Daten vorliegen, ist der Lohnabstand zwischen Männern und Frauen damit nach Japan und Korea in Deutschland am stärksten ausgeprägt", heißt es im OECD-Beschäftigungsausblick.

Ebenso liege in Deutschland bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund die Beschäftigungsquote um etwa 15 Prozentpunkte niedriger als in der vergleichbaren Gruppe ohne ausländische Wurzeln. "Dies ist nur knapp zur Hälfte durch Unterschiede im Bildungsniveau zu erklären. Ein weiterer bedeutender Faktor dürfte die Diskriminierung am Arbeitsmarkt sein", schrieben die Autoren der Studie. Es gebe weiterhin Benachteiligungen, obwohl die deutsche Gesetzgebung gegen Diskriminierung zu den fortschrittlichsten im OECD-Bereich gehöre. Die Organisation regte an, die zuständigen Behörden zu ermächtigen, selbst bei Verdacht auf Diskriminierung gegen Unternehmen zu ermitteln.

(Quelle: rtr)
 



 

Siemens verteidigt Pläne für Jobabbau

Do.03.07.08 - Siemens-Vorstandschef Peter Löscher hat die Pläne für den umfassenden Stellenabbau bei dem Münchener Technologiekonzern verteidigt.

"Die Geschwindigkeit mit der sich die Welt verändert, hat dramatisch zugenommen. Wir stellen Siemens darauf ein. Wir müssen effizienter werden", sagte der seit einem Jahr amtierende Manager am Mittwoch. "Wir sehen erste Wolken am Konjunkturhimmel und machen Siemens deshalb jetzt wetterfest." Dazu müsse auch die Verwaltung beitragen.

Kreisen zufolge will Siemens insbesondere in der Verwaltung weltweit 17.150 Stellen abbauen, 6450 davon in Deutschland. Details zu den Stellenstreichungen, mit denen die Verwaltungskosten um mindestens zehn Prozent gedrückt werden sollen, will der Konzern am kommenden Dienstag vorstellen

Trotz öffentlichen Drucks, diese früher zu präsentieren, wollen sich Löscher und Personalchef Siegfried Russwurm an den Zeitplan zur Information der Arbeitnehmervertreter halten. "Wir lassen uns nicht unter Druck setzen. Uns ist die Tragweite unserer Pläne bewusst. Und deshalb informieren wir zuerst die Arbeitnehmervertreter und dann die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit. So sieht es das Betriebsverfassungsgesetz vor. Und genauso machen wir das", erklärte der Vorstandschef.

Russwurm wies Kritik von Arbeitnehmervertretern zurück, Siemens habe Betriebsräte und Gewerkschafter mit seinen Plänen überrollt. "Wir haben alle Gremien - den Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrats (GBR) und die Sprecherorganisation der Leitenden Angestellten - wie vorher abgestimmt zehn Tage vor der zweitägigen Sitzung am 7. und 8. Juli mit detaillierten Unterlagen versorgt. Ich habe die Unterlagen dem GBR-Vorsitzenden persönlich übergeben und erläutert."

Russwurm sagte, er scheue nicht die Auseinandersetzung mit den Beschäftigten. "Ich werde den Betriebsräten zwei Tage lang Rede und Antwort stehen. Das gibt mit Sicherheit eine harte, aber hoffentlich sachliche Diskussion." Arbeitnehmervertreter hatten das Vorpreschen der Konzernspitze beim Stellenabbau als "Wildwest-Manier" kritisiert. Die IG Metall hat gegen einen weitreichenden Stellenabbau bereits Proteste angekündigt.

Der stellvertretende Betriebsratschef Lothar Adler zeigte sich unterdessen versöhnlich. "Die Firmenleitung hat erkannt, dass eine offene Dialogbereitschaft der beste Weg ist, um Lösungen für den geplanten Stellenabbau und den Konzernumbau im Sinne aller betroffenen Mitarbeiter zu finden." Der umfangreiche Fragenkatalog der Betriebsräte sei detailliert beantwortet worden, erklärte er am Mittwoch. "Diese Art der Zusammenarbeit hat eine völlig neue Qualität", frohlockte Adler. "Das neue Management steht zu seinem Wort. Zuerst werden wir die Pläne intern diskutieren."

(Quelle: rtr)
 



 

Bundesländer wollen gewerbliche Sterbehilfe verbieten

Do.03.07.08 - Fünf Bundesländer wollen gewerbliche Sterbehilfe künftig verbieten und haben eine entsprechende Gesetzesinitiative auf den Weg gebracht. Der Tod dürfe nicht zu einem profanen Dienstleistungsangebot werden, sagte Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll (FDP) am Dienstag nach dem Suizidhilfe-Fall des Hamburger Ex-Senators Roger Kusch. Die organisierte Beihilfe zur Selbsttötung solle danach mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden, sagte Goll der "Berliner Zeitung". Am Freitag wird sich der Bundesrat mit der Sterbehilfe befassen.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) forderte den Ausbau der Palliativ-Versorgung und mehr Unterstützung für pflegende Familien. Sie dürften nicht überfordert werden, sagte Schmidt dem epd im mecklenburgischen Wismar. Deshalb werde durch die Pflegereform vor allem die ambulante Pflege gestärkt. Die Politik müsse dafür sorgen, dass Menschen so schmerzfrei und würdevoll wie möglich bis zu ihrem Ende leben könnten.

In Würzburg hatte Kusch am Wochenende nach eigenen Angaben eine 79-jährige Frau beim Suizid begleitet. Der Fall löste bei Politikern, Kirchen und Ärztevertretern bundesweit Empörung aus. Bundesministerin Schmidt kritisierte Kusch scharf. Sie halte es "für makaber, was Herr Kusch gemacht hat", sagte sie. Sein Handeln habe wenig mit einem humanen Verständnis von Politik zu tun.

Auch die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) zeigte sich erschüttert. Der Fall offenbare "Kaltblütigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber dem Hilferuf eines Menschen", sagte sie der Zeitung "Die Welt" (Mittwochsausgabe). Zwar sei er strafrechtlich "kaum zu fassen", dennoch seien gesetzgeberischen Konsequenzen notwendig, um organisierte, geschäftsmäßige Sterbehilfe zu verbieten.

Zu den fünf Ländern, die ein Verbot der Suizidbeihilfe anstreben, gehören neben Baden-Württemberg und Hessen, Bayern, das Saarland und Thüringen. Die entsprechende Gesetzesinitiative brachte Baden-Württemberg auf den Weg. Die Angst der Menschen zu leiden dürfe nicht von Dritten zur eigenen Gewinnmaximierung ausgenutzt werden, sagte der Stuttgarter Justizminister. Ähnlich äußerte sich sein hessischer Kollege Jürgen Banzer (CDU).

Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg Dietrich Hoppe, zeigte sich am Dienstag empört über Kuschs Vorgehen. "Es ist abscheulich und zutiefst empörend, wie hier ein selbstgefälliger Zyniker die Einsamkeit einer alten Frau ausgenutzt hat", sagte er der "Bild"-Zeitung. Von einem Verbot gewerblicher und organisierter Sterbehilfe wären möglicherweise ein Verein von Kusch, aber auch die Sterbehilfe-Organisation Dignitas betroffen.

(Quelle: epd)
 



 

SPD-Papier fordert Strom-Netz AG mit staatlicher Kontrolle

Do.03.07.08 - In der Debatte um mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt wird von der SPD der Plan einer bundesweiten Netzgesellschaft mit Staatsbeteiligung vorangetrieben.

Das Fernleitungsnetz müsse ein neutraler Marktplatz für den Stromtransport werden, heißt es in einem Papier für die SPD-Fraktion, das der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag. "Der von E.ON geplante Netzverkauf sollte zum Anlass genommen werden, eine bundesweite Netz AG zu gründen, die alle Übertragungsnetze in einer Hand bündelt", heißt es in dem Konzept, das Themen für den Bundestagswahlkampf der SPD im Bereich Energie liefern soll. Der Bund müsse in dieser Gesellschaft entweder als Mehrheitseigentümer oder als Minderheitseigner mit Sonderrechten etwa über eine sogenannte Goldene Aktie Einfluss haben.

E.ON hatte auf Druck der EU-Kommission und eines Wettbewerbsverfahrens sich bereit erklärt, sein Strom-Fernnetz zu verkaufen. Zudem sollen Kraftwerkskapazitäten abgestoßen werden. Auch Vattenfall hatte seine Bereitschaft zu einer Trennung vom Fernnetz erklärt. Neben diesen beiden Konzernen dominieren noch RWE und EnBW den Energiemarkt in Deutschland.

Das von einem Mitarbeiter des Umweltministeriums für die SPD-Fraktion geschriebene Papier empfiehlt weiter eine Stärkung des Kartellrechts. Dieses solle den Verkauf von Erzeugungskapazitäten anordnen dürfen, wenn diese vom Markt zurückgehalten werden, um den Preis hochzutreiben. Um den Wettbewerb zu stärken, sollten auch die Kommunen gefördert werden, um eigene Netze zu unterhalten und Kraftwerke zu bauen.

Die SPD-Fraktion hatte auf Grundlage des Papiers Arbeitsaufträge an SPD-geführte Ministerien erteilt. Im August sollen die Ergebnisse gesammelt und von einer Runde um SPD-Fraktionschef Peter Struck und dem SPD-Präsidium in ein Energie-Wahlkampf-Paket gegossen werden, hieß es in Kreisen der Partei. Ein Sprecher der Fraktion hatte das Papier lediglich als "Materialsammlung" bezeichnet.

Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wird in dem Konzept ein Ausbau der Flüssiggas-Importe gefordert. Es enthält aber auch ein Bekenntnis zu fossilen Kraftwerken: "Wir stehen dazu, dass In Deutschland neue Kohle- und Gaskraftwerke gebraucht werden", heißt es dort. Kohlekraftwerke sind wegen ihres vergleichsweise hohen Kohlendioxid(CO2)-Ausstoß umstritten. Der Atomenergie wird darin erneut eine Absage erteilt, am Ausstieg müsse festgehalten werden. Das Konzept sieht sogar eine neue Steuer auf Atomstrom vor, da AKW-Betreiber bei Versicherungs- und Steuerfragen bevorzugt würden.

Außerdem werden angesichts der stark gestiegenen Energiepreise Sozialtarife für Ärmere gefordert. So könnte die Stromgrundgebühr erlassen werden, die etwa 100 Euro pro Jahr beträgt. Auch beim Gas seien die Versorger in der Pflicht, einen Sozialtarif einzuführen, heißt es.

(Quelle: rtr)
 



 

Grünen-Politiker will niedrigeren Steuersatz für Klima-Investitionen

Do.03.07.08 - Um den Klimaschutz zu fördern, verlangt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell mehr finanzielle Unterstützung für Hausbesitzer und Mieter. In der «Bild»-Zeitung (Mittwochausgabe) schlug Fell vor, die Mehrwertsteuer bei privaten Investitionen gegen Energieverschwendung von 19 Prozent auf 7 Prozent zu reduzieren. «Wir müssen den Bürgern möglichst viele Anreize zum privaten Klimaschutz geben", sagte das Mitglied des Bundestagsumweltausschusses. So könnte beispielsweise der Einbau neuer Fenster oder Dämmwände mit der niedrigeren Mehrwertsteuer belegt werden.

Nach Angaben des Verbands der Fenster- und Fassadenhersteller können durch die Nachrüstung aller Altbauten in Deutschland mit neuen Fenstern bis zu zehn Milliarden Liter Heizöl pro Jahr eingespart werden. Bereits heute liege der Mehrwertsteuersatz für besonders förderungswürdige Zwecke wie Bildung, Ernährung und öffentlichen Personennahverkehr bei sieben Prozent, sagte Verbandsgeschäftsführer Ulrich Tschorn der Zeitung.

(Quelle: ddp)
 



 

Wissenschaft

Klimawandel - Seit Jahresbeginn alle Monate zu warm

Do.03.07.08 - Die Serie zu warmer Monate hält an: Alle sechs Durchschnittstemperaturen von Januar bis Juni lagen über dem langjährigen Mittel, wie aus Statistiken des Deutschen Wetterdienstes hervorgeht. Im Juni lag die Durchschnittstemperatur 1,7 Grad über dem Langzeit-Schnitt.

Der Mai war laut Wetterdienst der «zweittrockenste, drittwärmste und drittsonnigste Mai seit Beginn deutschlandweiter Messungen». Auffällig war auch der Januar: In diesem Monat lagen die Temperaturen 4,1 Grad über dem Schnitt. Damit hält die Serie der zu warmen Monate seit Dezember 2007. Davor hatte es drei zu kühle Monate gegeben.

Das vergangene Jahr war als das bisher zweitwärmste Jahr in die deutsche Wettergeschichte eingegangen. Von den sechs wärmsten Jahren seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen - 2000, 2007, 1994, 1934, 2002 und 2006 - entfallen vier auf das neue Jahrtausend.

Der gerade zu Ende gegangene Juni fügte sich mit einer Durchschnittstemperatur von rund 17,1 Grad in die Reihe zu warmer Monate ein (das Mittel liegt bei 15,4 Grad). Damit gab es in den vergangen 15 Jahren nur vier zu kühle Junimonate, aber elf zu warme.

Besonders warme Orte waren Berlin-Alexanderplatz (durchschnittlich 20,1 Grad) und Heidelberg (19,6 Grad). Besonders kalt war es auf dem Kahler Asten im Sauerland (13,0 Grad) und in Schierke im Harz (13,6 Grad).

Während der Norden unter Trockenheit zu leiden hatte, wurden die Mitte und der Süden immer wieder von teils heftigen Gewittern heimgesucht. Den meisten Regen gab es in Rosenheim in Bayern mit 162,4 Litern pro Quadratmeter, während es in Nienburg in Niedersachsen mit 15,3 Litern besonders trocken war. Deutschlandweit war der Juni aber trockener als üblich.

Die Sonne zeigte sich am längsten auf der Greifswalder Oie in Mecklenburg-Vorpommern mit 323 Stunden, besonders sonnenscheinarm war Bad Kohlgrub-Rosshof in Bayern mit 147 Stunden.

(Quelle: ap)
 



 

Straßenverkehr erhöht Allergie-Risiko bei Kindern

Do.03.07.08 - Kinder, die in der Nähe von stark befahrenen Straßen aufwachsen, erkranken häufiger an Allergien. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Helmholtz Zentrums München mit mehr als 3000 Kindern der Stadt.

Die Jungen und Mädchen waren vom Zeitpunkt der Geburt an sechs Jahre beobachtet worden. Kinder, die weniger als 50 Meter von einer viel befahrenen Hauptstraße entfernt wohnten, hatten demnach im Vergleich zu abgeschiedener wohnenden Altersgenossen ein um bis zu 50 Prozent höheres Risiko für Erkrankungen wie asthmatische Bronchitis, Heuschnupfen, Ekzeme und Allergien. Mit steigendem Abstand zur Hauptstraße sei das Risiko gesunken, teilte das federführenden Helmholtz Zentrum am Dienstag mit.

Ihrer Analyse legten die Wissenschaftler um Joachim Heinrich die jeweilige Entfernung der elterlichen Wohnung zu verkehrsreichen Straßen zugrunde sowie auch die für die jeweiligen Wohnadressen der Kinder ausgerechneten Werte der Luftbelastung mit Feinstaub, Dieselruß und Stickstoffdioxid. In die Analyse flossen die Ergebnisse medizinischer Untersuchungen und der regelmäßigen Elternbefragungen ein. Darüber hinaus wurde bei den Kindern im Alter von sechs Jahren das Auftreten spezifischer Antikörper gegen häufige Allergene im Blutserum getestet.

Es zeigte sich, dass mit steigender Feinstaub-Belastung Erkrankungen wie asthmatische Bronchitis sowie Pollen-Allergien zunahmen. Aufgrund erhöhter Stickstoff-Belastung nahmen auch Ekzeme zu. Die Studie wurde im «American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine» (Bd. 177, S. 1331) veröffentlicht.

(Quelle: dpa)
 



 

Leibniz-Briefe in Weltdokumentenerbe aufgenommen

Do.03.07.08 - Der Briefwechsel des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz ist offiziell in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen worden.

Die rund 15 000 Briefe an weltweit 1100 Korrespondenten gelten als einzigartiges Zeugnis der europäischen Gelehrtenrepublik im Übergang vom Barock zur frühen Aufklärung. «Leibniz hat aber auch unserer Zeit noch einiges zu sagen», betonte der Direktor der Leibniz Bibliothek in Hannover, Georg Ruppelt. In seiner Bibliothek wird der Nachlass des Universalgenies erforscht.

Der promovierte Jurist Leibniz (1646-1716) wirkte 40 Jahre lang als Hofrat und Bibliothekar des Welfenherzogs in Hannover und korrespondierte mit den Geistesgrößen seiner Zeit. Er erfand unter anderem den binären Code, eine ausgeklügelte Rechenmaschine, beschäftigte sich mit Bergbau-Technik und der Volksgesundheit. Sagenhafte beidseitig beschriebene 200 000 Manuskriptblätter hinterließ der Philosoph, Mathematiker, Historiker und Fürstenberater. Einige Handschriften sollen als Faksimiles demnächst ins Internet gestellt werden. Zudem wird Leibniz' Privatbibliothek rekonstruiert. «Wir wollen wissen: Woraus hat er geschöpft? Was sind seine Quellen?», sagte Ruppelt.

Der Bibliotheksleiter, der vor Jahren den Antrag bei der UNESCO stellte, begrüßt die Leibniz-Renaissance in Hannover und Niedersachsen. Die Landeshauptstadt will sich künftig stärker als «Leibnizstadt» profilieren. «Einen besseren Paten als Leibniz kann man sich nicht vorstellen», erklärte Ruppelt.

(Quelle: dpa)
 



 

Semantisches Web - Internet kann mitdenken

Do.03.07.08 - Ein besseres und mitdenkendes Internet wollen jetzt deutsche Forscher entwickeln. Das sogenannte semantische Web soll die virtuelle Recherche vereinfachen und die Ergebnisse von Suchmaschinen optimieren. Dafür wird laut dem Magazin "Der Spiegel" künftig nicht nur nach der Bedeutung eines Suchwortes geschaut, sondern dieses auch in Beziehung zu anderen Bedeutungen gesetzt.

So muss eine Suchmaschine beispielsweise die Anfrage "Lkw" auch in Zusammenhang mit "Auto" und "Fahrzeug" sehen, aber nicht mit "Pkw" oder "Geländewagen". Mitdenken ist also angesagt: Einzelne Worte sind auszuschließen, andere aber zu verknüpfen. Diese Bereitstellung von sogenannten Metadaten sollten die bereits existierenden Internet-Systeme "Web Ontology Language" (OWL) sowie "Ressource Description Framwork" (RDF) gewährleisten. Allerdings bestehen derzeit lediglich ein bis zwei Prozent der Internet-Inhalte, meist auf neuen Web-Seiten, aus solchen semantischen Beschreibungen.

Zur Verbesserung dieses Zustands hat das Bundeswirtschaftsministerium nun mehrere Millionen Euro in das Forschungsprogramm "Theseus" investiert, an dem verschiedene deutsche Firmen, Universitäten sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) mitarbeiten. Sie sollen garantieren, dass schon länger bestehende Web-Seiten auch auf die Semantik-Technologie umgestellt werden können.

Erste Möglichkeiten gibt es schon: So können sich Internet-Auftritte mit Hilfe spezieller Software in semantische Web-Seiten verwandeln, deren Inhalte auch bei komplexen Suchanfragen gefunden werden. Allerdings ist dies (noch) nicht zu 100 Prozent zuverlässig. Ein weiterer Lösungsansatz ist die sogenannte Nutzerpartizipation (Beteiligung) wie etwa bei Wikipedia. Web-Inhalte sollen von den Internet-Anwendern aufbereitet und verknüpft werden, Regeln erstellen sie selbst.

Auch die Eingabemethoden von Suchanfragen werden geprüft. Das semantische Web soll beispielsweise die Eingabe über Mobilgerät und Spracheingabe gewährleisten. Ein abfotografiertes Filmplakat könnte unter anderem mit der ins Mikrofron gestellten Fragen "Wo läuft dieser Film?" verarbeitet werden und entsprechende Ergebnisse liefern.

(Quelle: gp)
 
 
 
 

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