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Aktuelle Nachrichten
Irak 1564 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Demokratischer US-Präsidentschaftskandidat Obama schließt
Änderung seiner Irak-Politik nicht aus. Tote bei Bombenanschlag in
Bagdad. Irakischer Ministerpräsident besucht im Juli Deutschland
Fr.04.07.08 - Der designierte demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack
Obama schließt eine Änderung seiner bisherigen Irak-Politik
nicht aus. Sein bevorstehender Besuch im Irak könnte ihn zu einer
Änderung seines Plans veranlassen, im Fall seiner Wahl zum
US-Präsidenten die US-Truppen innerhalb von 16 Monaten
heimzuholen, sagte Obama am Donnerstag während einer Wahlkampftour
im Staat North Dakota. Das hänge alles von seinen Gesprächen
mit den US-Kommandeuren im Irak ab. Er sei sicher, dass er dann mehr
Informationen habe, um seine Irak-Politik weiter zu verfeinern,
erklärte der Senator aus Illinois. Er sage jetzt nur, was er immer
gesagt habe, nämlich dass der Krieg im Irak verantwortungsvoll zu
Ende gebracht werden müsse.
Bei der Explosion einer Autobombe in der Nähe eines Krankenhauses
in Bagdad sind am Donnerstagabend mindestens vier Menschen getötet
worden. Zehn weitere wurden nach Polizeiangaben verletzt. Bei den
Opfern handelt es sich den Angaben zufolge um Zivilpersonen. Der
Anschlag ereignete sich im Westen der irakischen Hauptstadt.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki kommt
demnächst zu einem Besuch nach Deutschland. Regierungssprecher Ali
al Dabbagh erklärte am Donnerstag in Bagdad, Al-Maliki werde am
Sonntag zunächst in die Vereinigten Arabischen Emirate fliegen.
Danach seien Besuche in Italien und Deutschland geplant. Genaue Daten
wurden noch nicht genannt.
Der jordanische König Abdullah plante unterdessen eine Reise in
den Irak. Es wäre der erste Besuch eines arabischen Staatschefs
seit dem Sturz von Saddam Hussein 2003. Regierungssprecher Dabbagh
erklärte, Abdullah werde in der kommenden Woche mit Al-Maliki und
anderen Regierungsvertretern zusammentreffen. Der Besuch sei ein
wichtiger Schritt, um die Beziehungen zwischen dem mehrheitlich
sunnitischen Jordanien und der schiitisch dominierten Regierung im Irak
zu stärken.
boa Quelle: ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 04.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mi.04.07.07 - US-Verteidigungsminister Gates will längeren Irak-Einsatz mit
weniger Truppen +++ Aufständische schießen US-Hubschrauber im
Irak ab +++ US-Staatsanwaltschaft will Todesstrafe wegen Verbrechen im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707040.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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USA benutzten offenbar chinesische Folter in Guantanamo
Fr.04.07.08 - Im US-Gefangenenlager Guantanamo sind laut einem Pressebericht 50 Jahre
alte chinesische Foltermethoden angewandt worden. Wie die "New York
Times" berichtete, wurden im Dezember 2002 bei einer Schulung in
Guantanamo zu Verhörtechniken Unterlagen aus dem Jahr 1957
benutzt, die eine Studie der US-Air Force über chinesische
Foltermethoden im Korea-Krieg dokumentierten. Die Chinesen hätten
gefangene US-Soldaten damals unter anderem durch Schlafentzug und
übermäßig langes Stehen zu Geständnissen
gezwungen, berichtete die Zeitung weiter. Auch seien Gefangene Hunger
oder extremer Kälte ausgesetzt worden.
"Das waren Methoden, mit denen falsche Geständisse erzwungen
wurden", sagte US-Senator Carl Levin laut "New York Times". Mitte Juni
waren die umstrittenen Dokumente den Angaben zufolge Gegenstand einer
Anhörung des US-Senats. Dem Bericht zufolge wurden einige der
genannten Zwangsmaßnahmen bis 2005 tatsächlich bei
Guantanamo-Insassen angewandt. Im selben Jahr hatte der US-Kongress der
Armee verboten, Verhörmethoden anzuwenden, bei denen die
Gefangenen unter Druck gesetzt werden. US-Präsident George W. Bush
räumte dem US-Geheimdienst CIA dennoch das Recht ein, bei
Verhören geheime, "alternative" Methoden anzuwenden.
Quelle: afp)
Weltjustizforum : Neuer Index für Rechtsstaatlichkeit vorgestellt
Fr.04.07.08 - Mit einem Index für Rechtsstaatlichkeit wollen Juristen aus der
ganzen Welt künftig Regierungen beurteilen. Beim Weltjustizforum
in Wien stellten prominente Experten aus 95 Ländern am Donnerstag
ihren Rule of Law Index vor, der in den kommenden Jahren verfeinert
werden soll. Ziel sei es, dass alle Bürger von der
Rechtsstaatlichkeit profitierten.
«Für die Mehrheit der Menschen in der Welt sind die
Spielregeln grundlegend unfair», sagte die frühere irische
Präsidentin Mary Robinson in ihrer Rede. Der sogenannte Krieg
gegen den Terrorismus habe Veränderungen mit sich gebracht:
«Wir sprechen von 'Zwangsbefragungen' statt davon, was es
tatsächlich ist: Folter.» Dieser neuen Normalität
müsse begegnet werden.
Die Organisatoren erklärten, der neue Index solle in drei Jahren
über Profile von 100 Ländern verfügen. Dabei geht es
nicht um eine Rangfolge, sondern um ein umfassendes Bild der Arbeit von
Behörden und Gerichten. Zu den wichtigsten Faktoren, die für
die Bewertung herangezogen werden sollen, gehören Korruption, der
Schutz von Eigentumsrechten und eine unabhängige Justiz.
Quelle: ap)
Washingtons fragwürdige Freunde im Iran
Fr.04.07.08 - Um das Regime in Teheran zu stürzen, finanzieren die USA
Untergrund-Aktivitäten im Iran. Dabei werden Gruppen
unterstützt, die Washington normalerweise als islamistisch und
terroristisch einstufen würde.
In den letzten Monaten seiner Amtszeit scheint US-Präsident George
W. Bush reinen Tisch machen zu wollen und dabei sogar bereit zu sein,
die "Achse des Bösen" aufzulösen, die ihm so lange als
Inkarnation eines Feindbildes gedient hatte: Nordkorea wurde von
Washington offiziell aus der "Achse" entfernt, nachdem es sich in der
Atomfrage konziliant und gefügig erwiesen hat Das Weiße Haus
hat auch hingenommen, dass Israel indirekt - und bald wohl auch direkt
- mit Syrien über eine Friedensregelung verhandelt: Bei positivem
Verlauf dieser Verhandlungen dürfte Damaskus deswegen als
nächster aus der "Achse des Bösen" ausscheiden.
Damit gäbe es keine Achse mehr, weil nur noch der Iran übrig
bliebe. Dieser aber dürfte sich kaum Hoffnungen machen, auch von
dem Makel des "Bösen" befreit zu werden. Im Gegenteil: Das
Weiße Haus scheint entschlossen, nun umso entschiedener gegen den
Iran vorzugehen. Wie Präsident Bush während seiner
Abschiedstournee durch Europa nicht nur einmal versicherte: Alle
Optionen sind offen.
Wer hierbei an direkte US-Angriffe auf den Iran gedacht hatte, der
dürfte sich täuschen. Bush dachte wohl eher an
Untergrund-Operationen im Iran selbst. Er selbst hat Ende letzten
Jahres beim Kongress erfolgreich die Finanzierung von
Untergrund-Aktivitäten im Iran durchgesetzt, die sich auf 400
Millionen Dollar belaufen soll und deren Details in einem geheimen
Präsidenten-Erlass ("Presidential Finding") enthalten sind,
über den jetzt der "New Yorker" berichtet. Der prominente
Vertreter dieses Blattes, Seymour Hersh, schildert darin
ausführlich, wie Bush mit Hilfe von Geheimdienstaktionen und
einheimischen Helfern im Iran plant, das Teheraner Regime zu
destabilisieren.
Ein Teil des Konzepts ist bereits seit geraumer Zeit bekannt, neu
hingegen ist die verstärkte Finanzierung durch den Kongress, der
immerhin von den Demokraten beherrscht wird, deren
Präsidentschaftskandidat, Barack Obama, sich offen für
Diplomatie und Verhandlungen mit dem Iran ausspricht. Der genaue
Verwendungszweck der Gelder ist unbekannt und deswegen auch Anlass zur
Befürchtung von Missbrauch. Es liege aber in der Natur der Sache,
dass über den Einsatz dieser Gelder nicht Buch geführt und
öffentlich Rechenschaft abgelegt wird.
Soviel aber stehe fest: Washington habe seine Unterstützung
für ethnische Minderheiten im Iran verstärkt , darunter vor
allem die Belutschen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet, und eine
Reihe von Explosionen und bewaffneten Zwischenfällen im
Südiran seien möglicherweise auf diese Zusammenarbeit
zurückzuführen.
Amerikanische Experten warnen freilich, dass die Zusammenarbeit mit
bewaffneten Belutschen, und da besonders mit der Bewegung der
"Jund Allah" ("Gottessoldaten"), gefährlich an die
Unterstützung erinnere, die Washington seinerzeit über
Saudi-Arabien und Pakistan den Taliban in Afghanistan leistete: "Jund
Allah" ist eine kleine, aber äußerst militante sunnitische
Gruppierung, die der Ideologie der Taliban und Al Qaidas nahe stehe und
die sich durch extreme Gewaltbereitschaft hervortue.
Auch im Norden des Iran ist seit längerer Zeit US-Hilfe für
militante Gruppen im Gange. Gruppen, die sonst eigentlich von
Washington selbst als "terroristisch" eingestuft werden: So soll der
iranische Zweig der (sonst in der Türkei aktiven) PKK bereits seit
Jahren von Washington Ausbildung und Nachschub erhalten, nämlich
die "PJAK" , die "Partei für ein Freies Leben in Kurdistan", die
in letzter Zeit ihre Angriffe auf iranische Grenzposten und staatliche
Einrichtungen im Nordwestiran intensiviert hat.
Und auch die "Mujaheddin Khalk Organisation" (MKO) wird von Washington
unterstützt: Die "Volksmudschaheddin" werden vom US-State
Department zwar als Terrororganisation gelistet, sie waren es aber
auch, die Washington vor Jahren maßgebliche Informationen
über die iranischen Atomprojekte zugespielt hatten. Die "MKO"
hatte zur Zeit Saddam Husseins Einheiten im Irak stehen, über
deren Zukunft - inzwischen sind sie entwaffnet und unter Kontrolle der
US-Streitkräfte - immer noch keine endgültige Entscheidung
gefallen ist.
Während die USA diese Leute sicher gerne als Agenten gegen Teheran
einsetzen möchten, hat der irakische Ministerpräsident Nuri
Al-Maliki kürzlich Teheran zugesichert, dass er jeden Kontakt
zuwischen der MKO und Ausländern unterbinden wolle: Ihm ist nicht
daran gelegen, sein Land zur Ausgangsbasis für anti-iranische
Operationen werden zu lassen.
Umgekehrt kann den USA auch nicht daran gelegen sein, dass ihre Truppen
im Irak zur Zielscheibe direkter oder indirekter iranischer Angriffe
werden. Militärische Kreise in den USA warnen deswegen vor einer
Ausweitung der amerikanischen Untergrundtätigkeit im Iran. Einer
der prominentesten Gegner dieser Aktionen soll Verteidigungsminister
Robert Gates sein.
Andere Experten mahnen, dass die so großzügig finanzierten
Aktionen ihr erhofftes Ziel ohnehin nicht erreichen werden: Die von
Washington unterstützten Gruppen sind nicht nur politische und
ideologisch mehr als zweifelhaft, sie sind auch nur kleine Minderheiten
im Iran und werden keinen Regimewechsel herbeiführen können.
Im Gegenteil: Terroranschläge und andere Gewalttaten dieser
Gruppen werden die Bevölkerung des Iran nur enger
zusammenschweißen, gegen diese Gruppen, mehr aber noch gegen die
USA, und das Regime wird davon nur profitieren.
Quelle: dw)
UNICEF: Afghanische Kinder leiden weltweit am meisten
Fr.04.07.08 - Kinder in Afghanistan sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF
die vergessenen Opfer der dortigen Gewalt. Auf einer Pressekonferenz in
Kabul prangerte die UN-Sonderbeauftragte für Kinder in bewaffneten
Konflikten, Radhika Coomaraswamy, den Einsatz afghanischer Kinder in
bewaffneten Gruppen und ihren Tod bei Anschlägen oder
Militäreinsätzen an.
"Ich glaube nicht, dass Kinder in einem anderen Land der Welt mehr
leiden als in Afghanistan, nicht nur wegen der fürchterlichen
Gewalt des Krieges, sondern auch wegen der schrecklichen Armut und der
harten Arbeit, die sie aushalten müssen", sagte die
Sonderbeauftragte, die sich zu einem fünftägigen Besuch in
Afghanistan aufhält. Coomaraswamy kündigte an, dass sie einen
umfassenden Bericht zur Lage der Kinder in Afghanistan erstellen und
dem UN-Sicherheitsrat im Oktober vorlegen werde.
Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Palästinenserpräsident Abbas bekräftigt Hoffnung auf
Friedensabkommen mit Israel. . Israels Ministerpräsident Olmert
will wieder Häuser von Attentätern zerstören lassen
Fr.04.07.08 - Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat bei einem
Staatsbesuch in Slowenien die Hoffnung auf den Abschluss eines
Friedensabkommens mit Israel bis zum Jahresende bekräftigt.
US-Präsident George W. Bush habe ihn am Mittwoch angerufen und ihm
nochmals seine Unterstützung versichert, erklärte Abbas am
Donnerstag. Delegationen beider Seiten wollten sich schon in den
kommenden Tagen in Washington treffen.
Abbas traf in Ljubljana mit dem slowenischen Präsidenten Danilo
Turk und anderen Regierungsmitgliedern zusammen. Er warb für ein
größeres europäisches Engagement im
Nahost-Friedensprozess. Die von Präsident Bush gewünschte
Einigung zwischen Israelis und Palästinensern bis zum Jahresende
wird von den meisten Beobachtern als zu optimistisch betrachtet. Abbas
hingegen erklärte: «Wir sollten immer die Hoffnung
behalten.» Die Chance der Verhandlungen solle nicht vergeudet
werden, warnte Abbas.
Der palästinensische Präsident verurteilte den Anschlag in
Jerusalem vom Mittwoch. Nur ein Friedensabkommen könne ein Weg
sein, um den Nahostkonflikt zu lösen, sagte Abbas.
Nach dem tödlichen Angriff eines Palästinensers im Zentrum
Jerusalems hat sich Israels Regierungschef Ehud Olmert für die
Zerstörung der Häuser von Attentätern aus dem Ostteil der
Stadt ausgesprochen. "Diese terroristischen Angriffe, die von Arabern
aus dem Osten Jerusalems begangen werden, müssen gestoppt werden",
zitierte die israelische Tageszeitung "Jediot Ahronot" Olmert.
Dafür werde Israel wenn nötig "auf überzeugende Mittel
oder das Zerstören von Häusern" zurückgreifen. Nach
Angaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beriet Olmert mit
Verteidigungsminister Ehud Barak und Außenministerin Zipi Livni
über weitere Schritte.
Oppositionsführer Benjamin Netanjahu rief die israelische
Regierung zu einer "Politik der eisernen Faust" gegen Gewalt von
"Terroristen aus Ost-Jerusalem" auf. Israels Präsident Shimon Peres
sprach sich in den israelischen Medien ebenfalls für eine
Zerstörung von Wohnungen aus: "Der Terrorist von Mittwoch
hätte vielleicht auf die Ausführung seines Attentats
verzichtet, wenn er gewusst hätte, dass seine Familie für
seine Taten bestraft würde". Israel hatte bereits nach Beginn der
zweiten Intifada 2000 systematisch Häuser von Palästinensern,
die in Attentate verwickelt waren, zerstört. Wegen Zweifeln an der
Wirksamkeit wurde diese Praxis jedoch eingestellt.
Der Attentäter, der am Mittwoch drei Israelis mit einem
Baufahrzeug tötete und über 45 weitere verletzte, stammte aus
Ost-Jerusalem. In dem Stadtteil, der 1967 von Israel besetzt wurde,
leben rund 250.000 Palästinenser. Sie verfügen über einen
speziellen israelischen Ausweis, der ihnen Bewegungsfreiheit im Land
sowie Zugang zum Kindergeld und zu medizinischen Einrichtungen
gewährt. Bereits der Anschlag im vergangenen März auf eine
Talmudschule in Jerusalem war von einem Palästinenser mit
israelischen Papieren ausgeführt worden.
(Quellen: ap, afp)
UN-Tribunal spricht verurteilten Kriegsverbrecher frei
Fr.04.07.08 - Das UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien hat den als
Kriegsverbrecher verurteilten bosnischen Kommandeur in Srebrenica, Naser
Oric, in einem Berufungsprozess freigesprochen. Oric war vor zwei
Jahren verurteilt worden, weil er nach Überzeugung des Gerichts die
Folter und Ermordung serbischer Gefangener in Srebrenica nicht
verhindert hat. Die Serben machen den heute 41-Jährigen für
Gräueltaten im Bosnienkrieg verantwortlich.
Die Richter in Den Haag erklärten am Donnerstag, im ersten Prozess
sei die Verantwortung des bosnisch-muslimischen Kommandeurs für die
Verbrechen nicht ausreichend nachgewiesen worden. Er war zu zwei Jahren
Haft verurteilt und anschließend freigelassen worden, weil er
diese Zeit bereits im Gefängnis verbracht hat. In seiner Heimat
gilt Oric als Held.
Bosnisch-serbische Einheiten überrannten im Juli 1995 die
UN-Schutzzone Srebrenica und anschließend auch ein
Flüchtlingslager der Vereinten Nationen im nahegelegenen Potocari.
In den folgenden Tagen töteten sie 8.000 muslimische Männer
und Jugendliche, die UN-Truppen sahen hilflos zu. Es war das schlimmste
Massaker in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
(Quelle: ap)
US-Häftling verlässt Todestrakt nach 20 Jahren Haft -
DNA-Test bewies Unschuld
Fr.04.07.08 - Nachdem ein DNA-Test seine Unschuld bewiesen hatte, ist ein
46-Jähriger nach mehr als 20 Jahren Haft im Todestrakt eines
US-Gefängnisses freigelassen worden. Der schwer an der
Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS) erkrankte Paul Gregory House
wurde nach Angaben der Justizbehörde am Mittwoch aus der
Krankenabteilung des Gefängnisses in Nashville entlassen. Er war
1986 wegen Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Frau verurteilt
worden. House hatte die Tat zunächst gestanden, später seine
Aussage aber zurückgezogen.
Nachdem ein DNA-Test, der Mitte der 80er Jahre noch nicht möglich
war, den Mann entlastet hatte, ordnete der Oberste Gerichtshof im Juni
2006 die Wiederaufnahme des Verfahrens an. Daraufhin entschied ein
Berufungsgericht, House freizulassen. House, der sich nur mithilfe eines
Rollstuhls fortbewegen kann, steht nun jedoch unter Hausarrest, bis der
Prozess im Oktober endgültig wieder aufgerollt wird. Nach
Medienberichten will der 46-Jährige zu seiner Mutter ziehen.
(Quelle: afp)
Argentinien lehnt Auslieferung von Ex-Juntachef an Deutschland ab
Fr.04.07.08 - Der Oberste Gerichtshof in Argentinien hat die von der deutschen Justiz
geforderte Auslieferung der früheren Junta-Führer Jorge Videla
und Emilio Massera abgelehnt. Damit bestätigten die Richter am
Mittwoch die Entscheidung einer Vorinstanz aus dem Jahr 2005. Die
Staatsanwaltschaft Nürnberg wollte den früheren General und
den Ex-Admiral wegen des Todes der deutschen Studentin Elisabeth
Käsemann zur Zeit der Militärdiktatur 1977 vor Gericht
stellen. Es sei Sache der argentinischen Justiz, über eine Anklage
zu entscheiden, urteilte der Oberste Gerichtshof. Die deutsche
Theologiestudentin Käsemann half in Argentinien Dissidenten, die
flüchten wollten. 1977 wurde sie verschleppt und in einem geheimen
Lager gefoltert und getötet. Ihre Leiche wurde wenige Wochen
später an die Eltern übergeben und in Tübingen bestattet.
(Quelle: ap)
Türkei: AKP verteidigt sich gegen Vorwurf der Islamisierung
Fr.04.07.08 - Die türkische Regierungspartei AKP hat sich am Donnerstag vor dem
Verfassungsgericht gegen Vorwürfe verteidigt, sie betreibe eine
Islamisierung des Landes. Für die APK sprach der stellvertretende
Ministerpräsident Cemil Cicek, die Anhörung fand hinter
verschlossenen Türen statt. Die Staatsanwaltschaft hatte im
März ein Verbot der Regierungspartei beantragt. Mit einem Urteil
wird erst in einigen Monaten gerechnet.
«Jetzt liegt die Entscheidung beim Verfassungsgericht»,
sagte Cicek nach Abschluss der Anhörung beim Verlassen des
Gerichtsgebäudes zu Journalisten. Einzelheiten der von ihm
vorgetragenen Argumente gegen das drohende Parteiverbot nannte er
nicht. Cicek sagte lediglich, er habe das Gericht gebeten, sich im
Interesse der Regierung rasch zu entscheiden.
Staatsanwalt Abdurrahman Yalcinkaya hatte am Dienstag erklärt, es
bestehe die Gefahr, dass die Partei für Gerechtigkeit und
Entwicklung (AKP) von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in
der Türkei das islamische Recht einführen wolle. Er verwies
auf den Versuch der Regierung, Kopftücher an den
Universitäten zuzulassen. Ein entsprechendes Gesetz wurde von der
Regierungsmehrheit verabschiedet, aber später vom
Verfassungsgericht gekippt. Die AKP hat die Vorwürfe
zurückgewiesen und auf die Reformen verwiesen, die eine Aufnahme
von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union
ermöglichten.
Die Staatsanwaltschaft hat auch ein fünfjähriges Berufsverbot
für 71 Politiker gefordert, darunter Ministerpräsident
Erdogan und Staatspräsident Abdullah Gül. Anhänger der
2001 gegründeten AKP warfen der Staatsanwaltschaft vor, sie
untergrabe die Demokratie und wolle die gewählte Regierung
stürzen.
Eine Polizeiaktion, bei der zwei ehemalige Generäle und Dutzende
weitere Regierungskritiker festgenommen wurden, verstärkten die
Spannungen. Die Verdächtigen könnten wegen terroristischer
Verbrechen vor Gericht gestellt werden, weil sie einen Sturz der
Regierung geplant haben sollen, berichteten mehrere Zeitungen am
Donnerstag. Die Pläne sollten den Ermittlern zufolge am 7. Juli in
die Tat umgesetzt werden. Regierungsgegner erklärten, mit der
Polizeiaktion sollten Kritiker mundtot gemacht werden.
Quelle: ap)
Italien erfasst Fingerabdrücke der Roma
Fr.04.07.08 - Trotz heftiger Kritik aus dem In- und Ausland haben die italienischen
Behörden damit begonnen, die Fingerabdrücke der in Lagern
lebenden Roma im Land zu erfassen. Von der Maßnahme sind auch
Kinder betroffen. Innenminister Roberto Maroni hatte das umstrittene
Projekt am Mittwoch im Parlament noch einmal verteidigt.
Die Erfassung der Fingerabdrücke sei zur
Verbrechensbekämpfung notwendig, erklärte der Minister. Es
gehe außerdem darum, illegal Eingewanderte aufzuspüren und
abzuschieben und das Leben der legal in den Behelfsunterkünften
lebenden Bewohner zu verbessern. Die Maßnahme ist Teil der
Bemühungen der Regierung von Ministerpräsident Silvio
Berlusconi, die Straßenkriminalität zu bekämpfen.
Es sei «kein Geheimnis», dass Roma-Kinder, die für
Betteln und Diebstähle ausgenutzt würden, «von einer
Stadt in die nächste gebracht werden, um Kontrollen zu
entgehen», sagte Maroni am Samstag der Zeitung «Corriere
della Sera». UNICEF Italien kritisierte, damit würden
grundlegende Rechte der Kinder verletzt. «Wir können nicht
Opfer zu Kriminellen machen», sagte Sprecher Vincenzo Spadafora
am vorigen Wochenende. Das EU-Parlament will sich nächste Woche
mit der Angelegenheit befassen.
In Italien gibt es mehr als 700 Behelfssiedlungen, die sich vorwiegend
um Rom, Mailand und Neapel konzentrieren. Die meisten Bewohner sind
Roma. Oft fehlt es in den Lagern an ausreichenden sanitären
Einrichtungen.
Quelle: ap)
Brüssel will Mitspracherechte in multinationalen Konzernen
stärken
Fr.04.07.08 - Die EU-Kommission will die Mitspracherechte von Arbeitnehmern in
multinationalen Konzernen stärken. Der Streit über die
Schließung des Nokia-Werks in Bochum und der Volkswagen-Fabrik in
Brüssel hätten gezeigt, dass «eine bessere Konsultation
und Information der Betriebsräte» notwendig sei,
erklärte Sozialkommissar Vladimir Spidla am Mittwoch in
Brüssel. Der Entwurf für eine Neufassung der Richtlinie
über Europäische Betriebsräte, den Spidla vorlegte,
stieß bei Gewerkschaften und Sozialdemokraten jedoch auf scharfe
Kritik.
In ihrem Gesetzentwurf schreibt die Kommission unter anderem vor, dass
der Europäische Betriebsrat über
Umstrukturierungsmaßnahmen rechtzeitig informiert werden
müsse, um eine begründete Stellungnahme abgeben zu
können. Eine eindeutige Frist wird dem Management aber nicht
gesetzt. Die SPD-Vizevorsitzende Andrea Nahles kritisierte den
Vorschlag deshalb als «zu vage» und fügte hinzu:
«Ein konkreter Zeitrahmen ist notwendig.»
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte darüber hinaus, ein
Verstoß gegen die Konsultationspflichten müsse Sanktionen
nach sich ziehen. «Sonst ist das ein stumpfes Schwert»,
sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur AP.
Anspruch auf Einrichtung eines Europäischen Betriebsrats haben
Belegschaften von Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten, die
über Produktionsstandorte in mindestens zwei EU-Staaten mit
jeweils 150 oder mehr Mitarbeitern verfügen. Der Forderung des
Europäischen Gewerkschaftsbunds (EGB), diese Schwelle
herabzusetzen, kam die EU-Kommission nicht nach. Zur Begründung
hieß es aus Kommissionskreisen, die bisherigen Möglichkeiten
seien bei weitem nicht ausgeschöpft: Obwohl EU-weit rund 2.200
Unternehmen die gültigen Schwellenwerte erfüllten, seien
bislang nur 820 Europäische Betriebsräte eingerichtet worden.
Der EGB nannte den Entwurf für die Neufassung der Richtlinie am
Mittwoch unzureichend. «Wir warten auf stärkere und
ehrgeizigere Initiativen», erklärte EGB-Generalsekretär
John Monks.
Scharfe Kritik kam auch von der Bundestagsfraktion der Linken:
«Die Euro-Betriebsräterichtlinie wurde als der große
Wurf angekündigt, ist jedoch keinen Euro-Cent wert»,
kritisierte der europapolitische Sprecher der Fraktion, Alexander
Ulrich. «Die gespielte Empörung über die Fälle
Nokia und Airbus und die Ankündigung, darauf durch verbesserte
Informationspflichten zu reagieren, ist eine arglistige
Täuschung.»
Quelle: ap)
EZB erhöht Leitzinsen - Trichet nennt Inflation
'besorgniserregend' - Experten erwarten keine weiteren Zinsschritte
Fr.04.07.08 - Zur Bekämpfung der hohen Inflation in der Eurozone hat die
Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen angehoben. Der
EZB-Rat erhöhte den Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken
bei der EZB Geld leihen, erwartungsgemäß von 4,00 auf 4,25
Prozent, wie die Bank am Donnerstag nach ihrer Sitzung in Frankfurt am
Main mitteilte. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bezeichnete das
Inflationsniveau als «besorgniserregend». Marktbeobachter
hatten mit dieser Entscheidung gerechnet.
Zuletzt hatte die EZB die Zinsen vor einem Jahr um 0,25 Punkte auf 4,00
Prozent angehoben. Im Juni war die Inflationsrate in der Eurozone auf
4,00 Prozent gestiegen. Preisstabilität sieht die EZB hingegen bei
knapp 2,00 Prozent gewährleistet. Die aktuelle Zinserhöhung
zeige, dass die EZB die Inflationserwartungen ernst nehme, sagte
Trichet. Der EZB-Rat werde alle Entwicklungen sehr genau verfolgen.
Hinsichtlich der Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen
äußerte sich Trichet zurückhaltend. «Wir legen
uns niemals im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest», sagte
er. Im Gegensatz zur letzten Pressekonferenz unterließ er es,
davon zu sprechen, dass sich die EZB in einem Zustand
«erhöhter Achtsamkeit» befinde. Beobachter werteten
diese Aussage dahingegend, dass zunächst keine weitere
Zinserhöhung zu erwarten sei.
Mit Blick auf die konjunkturelle Lage in der Eurozone zeigte sich der
EZB-Präsident ungeachtet der sich stärker abzeichnenden
Eintrübung zuversichtlich. Er hielt an der bisherigen
Einschätzung fest, dass in diesem Jahr sowohl die Inlands- als
auch die Auslandsnachfrage das Wachstum des realen
Bruttoinlandsprodukts stützen dürften, «wenn auch in
geringerem Maß als im Vorjahr».
Bereits im Vorfeld der Zinsentscheidung war es zu kritischen Stimmen
gekommen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte gesagt,
die Notenbank solle bedenken, welche Folgen ihre Entscheidungen
für das Wirtschaftswachstum hätten. Laut dem Chef des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus
Zimmermann, habe Steinbrück dabei nur seine eigenen Zinszahlungen
im Auge gehabt.
Zimmermann zufolge wird die Anhebung des EZB-Leitzinses ihr Ziel
verfehlen. «Der Zinsschritt ist sehr gering, er ist mehr
Symbolik. Realwirtschaftlich, also für Produktion und
Beschäftigung, wird die Maßnahme kaum Effekte haben»,
sagte Zimmermann der Onlineausgabe der «Süddeutschen
Zeitung». Die Entscheidung werde keine Abschwächung der
Konjunktur nach sich ziehen. Auch der Verbraucher werde die
Zinsanhebung nicht spüren.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) begrüßte die
Entscheidung. «Mit ihrer Zinsentscheidung hat die EZB heute ein
klares Signal für Preisstabilität gesetzt», sagte Glos.
Wachstum und Arbeitsplätze ließen sich dauerhaft nur auf der
Grundlage stabiler Preise sichern. Der beste Beitrag einer Notenbank zu
diesen Zielen sei eine glaubwürdige, auf Stabilität
ausgerichtete Geldpolitik.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schloss sich dem an.
«Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank mag unbequem
sein, ist aber notwendig und richtig», sagte BDI-Präsident
Jürgen Thumann. Das Preisklima im Euro-Raum habe sich durch den
Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise dramatisch
verschlechtert. Dabei könne die EZB nicht tatenlos zusehen. Die
vordergründige Betrachtung, Zinserhöhungen würgten den
Aufschwung ab, verkenne die eigentlichen Konjunkturrisiken.
Quelle: ddp)
Hohe Benzinpreise bedrohen Bericht zufolge in Deutschland bis zu 140.000
Arbeitsplätze
Fr.04.07.08 - Die hohen Kraftstoffpreise bedrohen in Deutschland nach einer
«Bild»-Umfrage bei mehreren Branchenverbänden bis zu
140.000 Arbeitsplätze. Nach Angaben des Deutschen Taxi- und
Mietwagenverbands (BZP) seien im Taxigewerbe bis zu 50.000 der 200.000
Arbeitsplätze gefährdet, berichtete die
«Bild»-Zeitung. In der Transportbranche könnten laut
Bundesverband Güterverkehr und Logistik (BGL) bereits nach der
Sommerpause rund 30.000 der knapp 600.000 Arbeitsplätze wegfallen.
Betroffen wären Lkw-Fahrer sowie Angestellte im
kaufmännischen Bereich.
Auch in Bus-Unternehmen, Fahrschulen, der Fischerei-Branche und in
Kfz-Betrieben drohten Entlassungen wegen des hohen Kostendrucks,
schrieb die «Bild»-Zeitung weiter. Darüber hinaus sei
auch bei Kurier- und Postdiensten mit dem Abbau von Arbeitsplätzen
zu rechnen.
Quelle: ap)
Klima-Anstrengungen der G-8-Staaten laut Studie zu zaghaft
Fr.04.07.08 - Die Anstrengungen der G-8-Staaten für den Klimaschutz sind nach
einer Untersuchung für den Umweltverband WWF und die
Allianz-Versicherung weiterhin zu zaghaft. Keiner der führenden
Industriestaaten werde seine Treibhausgasemissionen aus heutiger Sicht
in dem Maße verringern, wie es erforderlich wäre, um die
Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, erklärte die
WWF-Klimaexpertin Regine Günther in Berlin. Auf die besondere
Verantwortung der G-8-Staaten für den Schutz des Klimas verwies
auch Allianz-Vorstandsmitglied Joachim Faber.
Nach einer von dem unabhängigen Institut Ecofys aufgestellten
Rangfolge liegt Deutschland im Ringen um mehr Klimaschutz im Kreis der
G-8-Staaten nach Großbritannien und Frankreich auf dem dritten
Platz. Schlusslicht sind demnach die USA hinter Kanada und Russland. Im
Mittelfeld liegen Italien und Japan. Die Spitzenposition für
Großbritannien wird neben der Einhaltung der Kyoto-Vorgaben mit
dessen besonders starkem Engagement beim Emissionshandel begründet.
Frankreich profitiert neben guten aktuellen Emissionswerten von
ehrgeizigen Zielvorgaben, die allerdings kaum durch kurzfristig
wirksame Maßnahmen untermauert würden.
Deutschland hält den Spitzenplatz im Kreis der G-8 beim Ausbau
erneuerbarer Energien. Das Energieeinspeisegesetz (EEG) wird als
beispielhaft gelobt. Positiv bewertet werden auch die jüngst vom
Parlament beziehungsweise vom Kabinett beschlossenen
Maßnahmenpakete; allerdings würden diese nicht ganz
ausreichen, um das nationale Ziel von 40 Prozent weniger
CO2-Ausstoß bis 2020 zu erreichen. Zur Abwertung im Gesamtranking
führen der Bau neuer Kohlekraftwerke sowie regelmäßige
Interventionen der Bundesregierung zugunsten der Autoindustrie.
(Quelle: afp)
Einnahmen aus Verkauf von Emissionsrechten höher als erwartet
Fr.04.07.08 - Der Verkauf von Zertifikaten für den Emissionshandel lässt
beim Bund die Kasse klingeln. Während für das Gesamtjahr 2008
nur 400 Millionen Euro im Etat veranschlagt sind, könnten die
tatsächlichen Einnahmen bis zum Jahresende brutto bis zu 900
Millionen Euro betragen, erklärte das Bundesumweltministerium am
Mittwoch auf Anfrage.
Netto blieben davon rund 600 Millionen Euro, weil Steuerausfälle
gegengerechnet werden. Für 2009 liegt bereits der Haushaltsansatz
bei 600 Millionen Euro. Bislang erzielte der Staat 23,55 Euro je
Zertifikat.
Die Koalition hatte sich dieses Jahr erstmals entschlossen, einen Teil
der Rechte zum Ausstoß von Kohlendioxid nicht an Fabriken und
Kraftwerke zu verschenken, sondern zu verkaufen. Mit dem Erlös
werden Klimaschutzprojekte finanziert. Die FDP-Politikerin Gudrun Kopp
forderte in der «Rheinischen Post», die Zusatzeinnahmen
sollten stattdessen zur Senkung der Ökosteuer auf Strom genutzt und
so den Verbrauchern zurückgegeben werden.
(Quelle: ap)
Nokia zahlt nach Bochumer Werksschließung Millionen für
Region
Fr.04.07.08 - Der finnische Handyhersteller Nokia und die nordrhein-westfälische
Landesregierung haben ihren Streit um Subventionen für das
mittlerweile geschlossene Bochumer Nokia-Werk beigelegt.
Nokia zahle 20 Millionen Euro und stelle den Erlös aus dem Verkauf
des riesigen Bochumer Werksgeländes zur Verfügung, teilten
Nokia und die Landesregierung am Donnerstag in Düsseldorf gemeinsam
mit. Die Mittel sollten eingesetzt werden, um die Region Bochum
finanziell zu unterstützen. Dazu wolle auch die Landesregierung 20
Millionen Euro aufbringen.
Mit diesem Kompromiss kommt Nokia gut davon: die Landesregierung hatte
von Nokia 60 Millionen Euro Subventionen zurückgefordert, weil das
Unternehmen Zusagen bei der Schaffung von Arbeitsplätzen nicht
eingehalten habe. Das Ministerium hatte auch mit einer Klage gedroht,
falls Gespräche über die Zukunftsperspektiven für den
Standort und die Region nicht zufriedenstellend verlaufen würden.
Beide Seiten erklärten die Auseinandersetzung um diese Thematik nun
für offiziell beendet.
Ingesamt kostet Nokia die Werksschließung damit deutlich
über 200 Millionen Euro. Der Konzern hatte bereits einen Sozialplan
für die rund 2300 Bochumer Festangestellten im Volumen von rund
200 Millionen Euro vereinbart. Nokia stimmte der Gründung einer
Transfergesellschaft zu, in der arbeitslos werdende Mitarbeiter nach
Ablauf der Kündigungsfrist zwölf Monate lang beschäftigt
werden können. Das Werk wurde zum 30. Juni geschlossen, die
Beschäftigten waren aber bereits zum 1. Mai freigestellt worden.
Nokia will aus Kostengründen die Produktion verlagern, zum
großen Teil in ein neues Werk in Rumänien. Die
Ankündigung im Januar hatte bundesweit für Proteststürme
gesorgt. Mit dem Rückzug von Nokia hat Deutschland als
Produktionsstandort für Handys endgültig ausgedient.
(Quelle: rtr)
Tarifvereinbarung über Mindestlohn am Bau steht
Fr.04.07.08 - Die Tarifvereinbarung über den Mindestlohn am Bau ist unter Dach
und Fach. Die noch ausstehende Zustimmung der ostdeutschen
Baugewerbeverbände sei erfolgt, erklärte der sächsische
Baugewerbeverband am Donnerstag in Dresden. Damit sei der Schiedsspruch
der Schlichtungsstelle unter Leitung des früheren
Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement angenommen.
Demnach bleiben die Mindestlöhne in den neuen Bundesländern
von 9,00 Euro in der Lohngruppe 1 (Bauhelfer) und 9,80 Euro in der
Lohngruppe 2 (Angelernte) bis zum 31. August 2009 bestehen. Im Westen
wird der Mindestlohn in der Lohngruppe 1 von 10,40 auf 10,70 Euro und
in der Lohngruppe 2 von 12,50 auf 12,85 Euro erhöht. Der neue, vom
1. September 2008 bis zum 31. August 2009 geltende bundesweite
Mindestlohn-Tarifvertrag für das Baugewerbe könne nun
für allgemeinverbindlich erklärt werden.
Der Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, Uwe Nostitz,
erklärte, seiner Ansicht nach stehe mit der Annahme des
Schiedsspruchs auch vonseiten der Gewerkschaft fest, dass der
Mindestlohn II spätestens zum 31. August 2009 wegfalle. «Wir
erhoffen uns dadurch auch eine effektivere Kontrolle durch die
Zollbehörden, was ebenfalls Verhandlungsziel der ostdeutschen
Mitgliedsverbände war», sagte Nostritz.
Die Industriegewerkschaft BAU erklärte dazu, es werde noch vor
Beginn der nächsten Tarifverhandlungen eine Kommission aus
Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertretern eingesetzt, die offene Fragen
der Vereinheitlichung der Entgeltstrukturen und Arbeitsbedingungen
einschließlich der Mindestlöhne beantworten solle. Man sei
froh, «den Mindestlohn am Bau unter Dach und Fach gebracht zu
haben». Nur Lohnuntergrenzen könnten den ansonsten
einsetzenden freien Fall der Löhne eindämmen, erklärte
Gewerkschaftschef Klaus Wiesehügel.
Quelle: ap)
Lafontaine verspricht Kampf gegen Privatisierungen
Fr.04.07.08 - Der Bundesvorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine, hat die
Privatisierung kommunaler Gesellschaften entschieden abgelehnt.
«Wichtige Dinge der öffentlichen Daseinsfürsorge
müssen in öffentlicher Hand bleiben», forderte
Lafontaine am Donnerstag in Saarbrücken anlässlich des
Masseneintritts Saarbrücker Busfahrer in seine Partei. Der
Betriebsratsvorsitzende der Saarbahn GmbH, Winfried Jung, übergab
Lafontaine die Aufnahmeanträge von 220 der rund 300 Köpfe
umfassenden Belegschaft.
Als Gründe für die Eintrittswelle nannte Jung neben dem Kampf
gegen eine mögliche Teilprivatisierung der städtischen
Muttergesellschaft die Enttäuschung über die
Einkommensentwicklung und den Abbau sozialer Rechte. Einerseits seien
die Belastungen und damit auch der Krankenstand der Busfahrer immer
mehr gestiegen, gleichzeitig jedoch das Renteneintrittsalter
erhöht und die Berufsunfähigkeitsrente abgeschafft worden,
klagte Jung.
Lafontaine sagte, die Privatisierungen der letzten Jahrzehnte
hätten nur zu geringerer Bezahlung, einem schlechteren Service
für die Kunden und zu einem Abbau der Demokratie geführt.
Derartige soziale Fehlentwicklungen seien die Grundlage für das
Erstarken der Linken, die nunmehr im Saarland auf rund 2.500 Mitglieder
kommt.
Quelle: ap)
Grüne setzen auf Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen
Fr.04.07.08 - Die Grünen wollen im Bundestagswahlkampf mit einer Entlastung
kleiner und mittlerer Einkommen von Steuern und Abgaben punkten.
In einem am Donnerstag vorgestellten Papier schlagen die Finanzexperten
der Partei eine Anhebung des Grundfreibetrages für alle
Steuerzahler von 7664 Euro auf 8500 Euro vor. Den Spitzensteuersatz
wollen sie von 42 auf 45 Prozent anheben, er soll aber erst bei
höheren Gehältern greifen als bisher. Familienbezogene
Leistungen wie das Kindergeld und die Kinderfreibeträge wollen sie
zu einer Grundsicherung zusammenführen. Zur Gegenfinanzierung
schlagen die Grünen unter anderem einen Abbau von Subventionen
für große Dienstwagen und eine Finanzumsatzsteuer an den
Börsen vor.
Parteichef Reinhard Bütikofer sagte, das Papier sei noch nicht von
der Partei beschlossen, wesentliche Elemente würden sich aber im
Bundestagswahlprogramm wiederfinden. Anders als CSU oder FDP setzten
die Grünen auf eine solide Finanzierung und eine Kombination von
Steuer- und Abgabenerleichterungen. Unter dem Strich soll der
jährliche Steuerausfall des Staates auf 1,5 Milliarden Euro
beschränkt werden. Der Betrag soll durch zu erwartende
Steuermehreinnahmen ab 2010 aufgefangen werden.
Bei der Höhe des Grundfreibetrages orientieren sich die
Grünen am Hartz-IV-Satz von zurzeit 420 Euro plus den Kosten der
Unterkunft. Mit 8500 Euro liegen sie noch über den Vorstellungen
der CSU von rund 8000 Euro. Anders als die Union wollen sie aber den
Spitzensteuersatz anheben. Die Einkommensgrenze, ab der er bezahlt
werden muss, wollen sie aber von 52.152 Euro auf mindestens 60.000 Euro
anheben. Eine spitze Zahl gibt es noch nicht. Kontrovers diskutiert
wird in der Partei zudem noch, ob der Steuertarif an die
Inflationsentwicklung gekoppelt werden soll, um den Bürgern
automatisch ihre Lohnzuwächse zu belassen.
"Wir haben einen klaren Fokus auf kleine und mittlere Einkommen sowie
Handwerksbetriebe und Firmengründer", sagte die Finanzexpertin
Christine Scheel. So sollen Handwerkerleistungen bis zu einer Grenze
von 1000 statt 600 Euro abgeschrieben werden können. Zur
Steuervereinfachung wollen die Grünen außerdem eine
einheitliche Werbungskosten- und Betriebsausgabenpauschale für
alle Einkunftsarten in Höhe von 2000 Euro pro Jahr einführen.
Zum Umbau der Familienleistungen legen die Grünen bisher nur ein
Gerüst für eine einheitliche Kindergrundsicherung vor.
Bütikofer sagte, in den Details lägen die Positionen noch
weit auseinander. Am Ende dürfte eine Konzentration auf Kinder und
Bildung stehen, kinderlose Gutverdiener würden stärker
belastet. So wollen die Grünen zur Gegenfinanzierung ihres
Konzepts das Ehegattensplitting durch eine Individualbesteuerung
ersetzen: Die Partner könnten sich nur noch den Grundfreibetrag
zurechnen.
Die Grünen greifen zudem die Idee eines Kontos auf, auf das pro
Jahr bis zu 3000 Euro zur betrieblichen und privaten Altersvorsorge
steuerfrei eingezahlt werden können sollen. Bei den Sozialabgaben
wollen die Grünen ähnlich wie bei der Einkommensteuer eine
Progression einführen: Bis zu einer Höhe von 2000 Euro
brutto/Monat sollen die Beiträge schrittweise steigen und nicht
wie jetzt ab dem ersten Euro voll zuschlagen.
Mit einer Finanzumsatzsteuer (Ticket-Tax) wie in Frankreich oder
Schweden wollen die Grünen Geschäfte mit Aktien, Anleihen und
Derivaten besteuern. Ihre Aufwendungen für Autos sollen Firmen nur
noch bis zu einem CO2-Grenzwert absetzen können, dessen Wert sich
an EU-Vorgaben orientieren solle.
Quelle: rtr)
Teile des Bundestagswahlrechts sind verfassungswidrig
Fr.04.07.08 - Das Bundesverfassungsgericht hat Teile des Bundestagswahlrechts
für verfassungswidrig erklärt.
Die Vorschriften zum sogenannte negativen Stimmgewicht verletzten die
Gleichheits-Grundsätze, urteilten die Richter am Donnerstag in
Karlsruhe. Obwohl die letzte Bundestagswahl damit auf einem Wahlfehler
beruhe, werde der derzeitige Bundestag aber nicht aufgelöst. Der
Gesetzgeber müsse jedoch bis Ende Juni 2011 Regelungen finden, mit
denen dieses Paradox künftig vermieden werde. (Az.: 2 BvC 1/07)
Durch das negative Stimmgewicht kann eine Partei mehr Mandate erhalten
als ihr nach den Zweitstimmen zustehen. Umgekehrt kann auch eine Partei
mit zu viel Zweitstimmen weniger Mandate bekommen. Der Grund dafür
ist das Zusammenwirken von Direktmandaten und Zweitstimmen bei einer
Bundestagswahl. Dagegen hatten zwei Wähler geklagt.
(Quelle: rtr)
Zahl der Einbürgerungen nach Deutschland zurückgegangen
Fr.04.07.08 - Die Zahl der Einbürgerungen von Ausländern ist in Deutschland
im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Wie das Statistische
Bundesamt mitteilte, erhielten im Verlauf des Jahres 2007 insgesamt
113.000 Ausländer den deutschen Pass. Das waren 9,5 Prozent weniger
Einbürgerungen als im Vorjahr. Im Jahr 2000 hatten die
Einbürgerungen mit der Einführung des neuen
Staatsangehörigkeitsrechts den Höchststand von knapp 186.700
Personen erreicht. In den Folgejahren hatte die Zahl zunächst
jeweils abgenommen; nur 2006 hatte es wieder eine Zunahme um 6,5 Prozent
gegeben.
Die größte Gruppe der Eingebürgerten stellten 2007 -
wie schon in den Jahren zuvor - Menschen aus der Türkei mit einem
Anteil von 25,5 Prozent. Danach folgten Einbürgerungen von Menschen
aus Serbien und Montenegro sowie Polen.
(Quelle: afp)
Schülernoten für Lehrer im Internet bleiben erlaubt
Fr.04.07.08 - Benotungen von Lehrern im Internet bleiben erlaubt. Das
Oberlandesgericht (OLG) Köln wies auch im Hauptsacheverfahren die
Klage einer Gymnasiallehrerin gegen das Internetforum "spickmich.de"
zurück. Die Lehrer-Bewertung in dem Schülerportal stelle
"keinen unzulässigen Eingriff in das allgemeine
Persönlichkeitsrecht der Klägerin" dar, urteilten die Richter.
Vielmehr handle es sich um "Werturteile", die vom Grundrecht auf
Meinungsfreiheit gedeckt seien. Wegen der grundsätzlichen
Bedeutung des Rechtsstreits ließ das Gericht aber die Revision
gegen das Urteil beim Bundesgerichtshof zu.
Der Zivilsenat bestätigte mit seinem Urteil gleichlautende
Entscheidungen im vorangegangen Eilverfahren; zudem war die Lehrerin
zuletzt auch vor dem Kölner Landgericht im Hauptsacheverfahren
gescheitert. Die Pädagogin machte nun in dem Berufungsverfahren
erneut geltend, die Veröffentlichung ihres Namens und der von ihr
unterrichteten Fächer auf der Internetseite sei ein Verstoß
gegen das Bundesdatenschutzgesetz und eine Verletzung ihres
Persönlichkeitsrechts. Auf "spickmich.de" können Schüler
ihre Lehrer nach Kriterien benoten wie "fachlich kompetent", "gut
vorbereitet", "faire Noten", aber auch "menschlich" und "beliebt". Die
Klägerin hatte auf der Seite die Gesamtnote 4,3 erhalten.
Im Gegensatz zu der Pädagogin befand das OLG, den Betreibern des
Internetforums sei kein unzulässiger Eingriff in
Persönlichkeitsrechte der Klägerin anzulasten. Durch
berufsbezogene Bewertungen wie "motiviert" und "faire Prüfungen"
sei die Lehrerin "nicht in ihrem Erscheinungsbild oder ihrer allgemeinen
Persönlichkeit betroffen, sondern allein in der konkreten
Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit". Eine beleidigende
Schmähkritik sei damit nicht verbunden - auch durch die
Namensnennung werde die Lehrkraft nicht an den Pranger gestellt.
Auch die mehr personenbezogenen Bewertungen wie "cool und witzig" und
"vorbildliches Auftreten" seien letztlich weder als Angriff auf die
Menschenwürde noch als Schmähung einzustufen, urteilte das
Gericht. Einen Unterlassungsanspruch aus dem Recht auf informationelle
Selbstbestimmung habe die Lehrerin ebenfalls nicht: Bei der Angabe von
Name, Schule und Unterrichtsfächern handele es sich "nicht um
besonderes sensible Daten", die zudem von der Homepage der Schule und
damit einer öffentlich zugänglichen Quelle entnommen worden
seien. Zugleich bekräftigte der OLG-Senat, er halte eine
Entscheidung des Bundesgerichtshofs in dem Rechtsstreit für
erforderlich, um die Rechtsprechung zu vereinheitlichen.
(Quelle: afp)
Brüssel billigt Subventionen für Breitbandausbau in
ländlichen Gebieten
Fr.04.07.08 - Die EU-Kommission hat öffentliche Hilfen von 141 Millionen Euro
für den Ausbau des Breitband-Netzes in ländlichen Gebieten
Deutschlands gebilligt.
Mit den Hilfen werde auch der Wettbewerb zwischen verschiedenen
Breitband-Anbieters angekurbelt, teilte die EU-Kommission am Donnerstag
in Brüssel mit.
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erklärte, beim
Breitbandanschluss gebe es in Deutschland noch eine breite Kluft
zwischen Stadt und Land. «Ich freue mich, dass deutsche
Bürger und Unternehmen im ländlichen Raum durch diese
Investition der öffentlichen Hand bei der Breitbandversorgung mit
denjenigen in den Stadtgebieten gleichgestellt werden.»
Der Anschluss von ländlichen Gebieten an die Breitbanddienste sei
für private Betreiber wirtschaftlich meist nicht attraktiv. Die
Kommission zitierte eine aktuelle Umfrage, wonach Städte zu 99
Prozent mit DSL abgedeckt sind. Auf dem Land betrug die Quote Ende 2006
hingegen nur 58,5 Prozent. Ein Großteil des genehmigten Geldes
stammt aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die
Entwicklung des ländlichen Raums.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Magnetfelder dellen das Sonnensystem ein
Fr.04.07.08 - Das Sonnensystem hat keine runde Form. Vielmehr weist es auf seinem
äußeren Rand leichte Dellen auf, wie US-amerikanische
Forscher um Edward Stone vom California Institute of Technology in
Pasadena mit den Messdaten der Raumsonden Voyager 1 und 2 herausgefunden
haben. Die Sonden haben in den Jahren 2004 und 2007 die Grenze des
Sonnensystems erreicht, wo der Sonnenwind genannte Teilchenstrom
unseres Zentralsterns auf die interstellare Materie trifft. Die
zurückgelegte Strecke von Voyager 2 bis zum Rand des Sonnensystems
war deutlich kürzer als die Wegstrecke ihrer Schwestersonde. Die
vom Sonnenwind dominierte Region, die sogenannte Heliosphäre, muss
daher verzerrt sein. Vermutlich verursachten lokale Magnetfelder diese
Deformation, schreiben die Forscher im Fachmagazin «Nature»
(Bd. 454, S. 71).
Die Raumsonden Voyager 1 und 2 driften nach dem Erkunden der
äußeren Planeten des Sonnensystems in verschiedene Richtungen
aus diesem heraus. In einer Distanz von rund 94 astronomischen
Einheiten - worunter Astronomen den Abstand der Sonne zur Erde
verstehen - traf im Jahr 2004 zunächst Voyager 1 auf die Grenze
der Heliosphäre. Dort prasseln die Teilchen des Sonnenwinds auf
die Materie des interstellaren Raums, mit der Folge, dass der
Sonnenwind gestoppt wird. 2007 erreichte Voyager 2 diesen Rand,
benötigte aber zehn astronomische Einheiten weniger an Wegstrecke.
Zum Vergleich: Der Abstand des Pluto zur Sonne beträgt rund 40
astronomische Einheiten.
Da die Messgeräte auf Voyager 2 noch intakt sind, konnten die
Forscher beispielsweise Daten zu Magnetfeldern und Teilchenströmen
auswerten. Sie vermuten, dass sich die Magnetfelder des interstellaren
Raums ungleich verteilen und die Heliosphäre an verschiedenen
Stellen eindellen. Um dies zu bestätigen, müssen die
Raumsonden allerdings noch ein bis zwei Jahre weiter in den Grenzbereich
des Sonnensystems und darüber hinaus vordringen.
(Quelle: ddp)