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Irak 1567 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Bis 13 Tote bei zwei Anschlägen im Irak. Sunnitischer Führer
fällt Mordanschlag zum Opfer. Demokratischer
US-Präsidentschaftskandidat Obama zeigt sich irritiert über
Aufregung zu Irak-Aussagen
Mo.07.07.08 - Bei zwei Anschlägen im Irak sind nach Polizeiangaben am Sonntag
bis zu 13 Menschen getötet worden.
In der nördlichen Provinz Dijala kamen bei einem Bombenattentat
auf einen Konvoi des kurdischen Politikers Mohammed Ramadan mindestens
sieben Menschen ums Leben. Unter den Toten waren demnach die Frau des
Funktionärs sowie zwei oder drei seiner Söhne. Der Politiker
selber wurde bei dem Anschlag verletzt. Ramadan ist ein führendes
Mitglied der Patriotischen Union Kurdistans von Präsident Dschalal
Talabani.
Ein mit den USA verbündeter sunnitischer Stammesführer ist am
Sonntag im Irak einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Wie die
irakische Polizei und Mediziner mitteilten, wurde Ali Abdul Ridha al
Badri in Iskandarija, 50 Kilometer südlich von Bagdad, nach einem
Treffen mit US-Soldaten von einer Bombe getötet, die an seinem
Wagen befestigt war.
Bei einem weiteren Anschlag auf eine Polizeistreife im Norden der
Hauptstadt Bagdad kamen sechs Zivilisten ums Leben. Insgesamt 14
Menschen wurden durch die Explosion der Autobombe verletzt, darunter
drei Polizisten.
Die Anschläge ereigneten sich in einer Zeit relativer Ruhe im
Irak. Nach Einschätzung von amerikanischen und irakischen
Vertretern ist das Gewaltniveau derzeit so gering wie seit vier Jahren
nicht mehr.
Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat sich
irritiert über die Aufregung über seine jüngsten
Irak-Bemerkungen gezeigt.
"Aus meiner Sicht bedeutet es keinerlei Veränderung gegenüber
früheren Aussagen, wenn ich sage, ich werde meine Politik
weiterentwickeln", sagte Obama am Samstag während eines Flugs zu
einer Wahlkampfveranstaltung. "Das ändert auch nichts an meiner
Strategie, dass dieser Krieg beendet werden muss und dass ich ihn als
Präsident beenden werde."
Obama hatte zuletzt erklärt, er gehe davon aus, seine Pläne
für einen schnellen Truppenabzug nach Gesprächen mit den
Generälen der US-Armee im Irak zu überarbeiten. Dies war als
Abschwächung seiner bisherigen Position verstanden worden, mit der
er im innerparteilichen Kampf um die Kandidatur die frühere First
Lady Hillary Clinton aus dem Rennen geworfen hat. In Umfragen stimmen
deutlich mehr Amerikaner dem Plan von Obamas republikanischem
Gegenkandidaten John McCain zu, den Truppenabzug mindestens bis 2013 zu
strecken und vorher eine stabile demokratische Regierung in Bagdad
sicherzustellen.
"Ich war etwas irritiert von der hektischen Diskussion, die ich mit
meiner - aus meiner Sicht ziemlich unverfänglichen - Erklärung
ausgelöst habe", sagte Obama. "Ich habe nichts anderes gesagt als
bisher." Er werde aber die Fakten und die Entwicklung am Boden nicht
ignorieren. "Ich habe immer versucht, aus Fehlern zu lernen und mich zu
verbessern. Es gibt auch bei Präsidentschaftskandidaten eine
Lernkurve."
boa (Quellen: ap, rtr)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 07.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertunddritten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Afghanistan ordnet Untersuchung von US-Luftangriff an
Mo.07.07.08 - Afghanistan hat die Untersuchung eines US-Luftangriffes angeordnet, bei
dem Behörden zufolge 15 Zivilisten getötet wurden.
Präsident Hamid Karsai erklärte am Sonntag, die Regierung
habe die Koalitionstruppen wiederholt aufgefordert, ihre Angriffe besser
zu koordinieren. Die US-Armee erklärte dagegen am Samstag, bei dem
Hubschrauberangriff in der nordöstlichen Provinz Nuristan seien am
Freitag "mehr als ein Dutzend" Extremisten getötet worden und
keine Zivilisten. Der Gouverneur der Provinz hatte dagegen
erklärt, unter den Toten seien keine feindlichen Kämpfer.
(Quelle: rtr)
Pakistan: Mindestens zwölf Tote bei Selbstmordanschlag in Islamabad
Mo.07.07.08 - Ein Jahr nach dem Sturm auf die Rote Moschee sind bei einem
Selbstmordanschlag auf Polizisten in der pakistanischen Hauptstadt
Islamabad mindestens 12 Menschen getötet worden. Die Behörden
bestätigten, unter den Toten seien zehn Polizisten. Der Sender Geo
TV berichtete unter Berufung auf Krankenhäuser, mindestens 19
Menschen, darunter 15 Polizisten, seien ums Leben gekommen. Nach
Polizeiangaben hatte sich der Täter im Stadtzentrum, etwa 200
Meter von der Roten Moschee, in einer Gruppe von Polizisten in die Luft
gesprengt.
(Quelle: dpa)
Dalai-Lama-Gesandte werfen China mangelndes Engagement vor
Mo.07.07.08 - Gesandte des Dalai Lama haben China mangelnde Bereitschaft zu einem
ernsthaften Dialog vorgeworfen und eine Fortsetzung der Gespräche
infrage gestellt.
Das jüngste Treffen in Peking Mitte der Woche sei von
persönlichen Angriffen auf das geistliche Oberhaupt der Tibeter
geprägt gewesen, sagte Lodi Gyari, einer der Teilnehmer, am
Samstag. Man habe den Eindruck gewonnen, dass die Gespräche nur
geführt würden, um einen friedlichen Ablauf der Olympischen
Spiele sicherzustellen.
"Die Tibeter haben immer mehr das Gefühl, dass die Taktik der
chinesischen Regierung darin besteht, uns eine Zeit lang hinzuhalten",
sagte Gyari. Die Exil-Regierung habe den Vertretern Chinas daher gesagt,
dass eine Fortsetzung der Gespräche zwecklos sei, solange die
andere Seite nicht ernsthaft an einem Dialog interessiert sei. Dennoch
sei ein erneutes Treffen nach den Spielen im Oktober vereinbart worden.
Das jüngste Treffen war das zweite nach der Niederschlagung der
Proteste in Tibet im März. China hat den Dialog erst unter
internationalem Druck angeboten. Westliche Vertreter drohten mit einem
Boykott der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im August,
sollte die kommunistische Führung nicht auf die Tibeter zugehen.
Der Dalai Lama kämpft für mehr Autonomie und kulturelle
Rechte in der Himalaya-Region. China wirft ihm separatistische
Bestrebungen vor und macht die "Dalai-Clique" für die Gewalt in
Tibet und nachfolgende Proteste beim Olympischen Fackellauf
verantwortlich.
(Quelle: rtr)
Druck zur Erweiterung der G-8 wächst
Mo.07.07.08 - Die Gruppe der Acht (G-8), deren Gipfeltreffen am heutigen Montag in
Japan beginnt, umfasst die führenden Industrienationen der Welt.
Zumindest war das einmal so. Denn längst wächst der Druck,
diesen exklusiven Club zu erweitern. «Wann wird aus der G-8 die
G-13?» fragt Lael Brainard vom Brookings-Institut in Washington.
«Keines der anstehenden Probleme kann ohne Beteiligung von Staaten
wie China, Indien, Mexiko, Brasilien und Südafrika gelöst
werden.»
Die Bedeutung der G-8 in der Weltwirtschaft hat sich gewandelt. Die
USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien,
Kanada und Russland standen 2007 nach Angaben des Internationalen
Währungsfonds für 58 Prozent der Weltwirtschaft - zehn Jahre
zuvor waren es noch 65 Prozent. Gemessen an der wirtschaftlichen
Größe übertrifft China schon jetzt die Hälfte der
G-8-Mitglieder, und das Bruttoinlandsprodukt von Brasilien ist
größer als das von Russland.
Die derzeitigen G-8-Staaten erlebten ihre Boomphase in den Jahrzehnten
nach dem Zweiten Weltkrieg. Seitdem haben aber auch andere Länder
beträchtlich aufgeholt, allen voran China. Die
viertgrößte Volkswirtschaft der Welt liegt nur noch knapp
hinter Deutschland. Brasilien rangiert auf Platz zehn, direkt hinter
Kanada, aber noch vor Russland. Und direkt hinter Russland liegt Indien.
Aber es geht nicht nur um wirtschaftliche Größe. Zu den
fünf von Brainard genannten Ländern gehören bedeutende
Militärmächte sowie die beiden bevölkerungsreichsten
Staaten der Welt, China und Indien. Und wenn es um die Klimadebatte
geht, bleibt festzuhalten, dass China beim Ausstoß von
Kohlendioxid inzwischen fast mit den USA gleichgezogen hat.
«Die Welt hat sich dramatisch verändert», sagt Robert
Hormats von Goldman Sachs International, der die US-Präsidenten
Gerald Ford, Jimmy Carter und Ronald Reagan bei der Vorbereitung der
Wirtschaftsgipfel unterstützt hat. «Die neue globale
Machtstruktur ist nicht mehr das, was sie einmal war.»
Es wäre nicht das erste Mal, dass sich der exklusive Club
öffnet. Die jährlichen Gipfeltreffen der wichtigsten
Industriestaaten begannen 1975 als «Gruppe der Sechs», kurz
G-6: Dazu gehörten die USA, Großbritannien, Frankreich,
Italien, die Bundesrepublik Deutschland und der damalige Aufsteiger
Japan. Schon beim zweiten Weltwirtschaftsgipfel wurde Kanada aufgenommen
- aus der G-6 wurde die G-7. Russland kam 1997 dazu.
Damit globale Probleme wie zum Beispiel die Armut in Afrika angegangen
werden können, werden zu den G-8-Gipfeltreffen schon seit Jahren
weitere Teilnehmer eingeladen. Insgesamt 22 Staats- und Regierungschefs
werden dieses Mal erwartet. Es sei damit die größte
Versammlung der G-8, die es je gegeben habe, erklärte die
japanische Regierung.
Ob die G-8 nun auch formell erweitert werden sollte, ist unter den
Mitgliedern umstritten. Der französische Staatspräsident
Nicolas Sarkozy ist dafür, ebenso der britische Premierminister
Gordon Brown. Es sei unvernünftig, Staaten wie China, Indien oder
Brasilien nur zum Mittagessen am dritten Tag einzuladen, erklärte
Sarkozy: «Es liegt in unserem eigenen Interesse, sie an den
Verhandlungstisch zu bringen, sie wie Partner zu behandeln und mit ihren
Verpflichtungen zu konfrontieren.»
Japan, der bislang der einzige asiatische Staat in der Gruppe, hegt
dagegen Vorbehalte. Bringe man beispielsweise 40 Staaten für zwei
Tage zusammen, schränke das schließlich die
Redemöglichkeit für jeden einzelnen ein, sagte der
stellvertretende Außenminister Masaharu Kohno.
Und dann geht es ja auch noch um die Demokratie. Zu den Prinzipien der
Gründungsmitglieder gehörte es, eine offene Demokratie zu
fördern, wie John Kirton von der Universität von Toronto
erklärt. Er verweist darauf, dass die G-8 bei der Demokratisierung
von Ländern wie Spanien Mitte der 70er Jahre und der Sowjetunion in
den 90er Jahren eine große Rolle spielten. China entspreche
diesem Kriterium der Mitgliedschaft nicht, schrieb Kirton. Schon durch
die erweiterten Treffen und den Einschluss eines Delegierten der
Europäischen Union hätten die G-8-Gipfel erheblich an
Bedeutung gewonnen. Statt auf die Erweiterung solle sich die Gruppe
lieber auf den Ausbau ihrer Institutionen konzentrieren.
(Quelle: ap)
Mexikaner pflanzen mehr als acht Millionen Bäume an einem Tag
Mo.07.07.08 - In Mexiko haben am Samstag Freiwillige mehr als acht Millionen
Bäume gepflanzt.
Mit dem staatlich unterstützten Programm solle ein kleiner Teil
des Schadens repariert werden, der der Umwelt zugefügt werde, sagte
Präsident Felipe Calderon. Die Regierung stellte die Setzlinge zur
Verfügung. Greenpeace sprach von einer reinen Publicity-Aktion.
Sinnvoller wäre es gewesen, gegen illegale Rodungen vorzugehen,
erklärte die Umweltschutzgruppe. Dabei gehen in Mexiko
jährlich 240 Quadratkilometer Wald verloren, laut der Vereinten
Nationen eine der höchsten Raten der Welt.
(Quelle: rtr)
Brasilien: Mehr als 20 Prozent der Rodungen im Amazonas-Becken illegal
- 'Es reicht nicht aus, ein Schutzgebiet auf dem Papier einzurichten'
Mo.07.07.08 - Jeder fünfte im brasilianischen Regenwald gefällte Baum kommt
aus Schutzgebieten, in denen Rodungen illegal oder zumindest erheblich
eingeschränkt sind. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die am
Sonntag veröffentlicht wurde.
Aufgrund der Auswertung von Satellitenbildern ermittelte die
brasilianische Umweltbehörde, dass 22 Prozent aller Rodungen des
vergangenen Jahres in Indianerreservaten oder anderen Schutzgebieten
erfolgten. «Das zeigt, dass unsere Reservate nicht gut
geschützt sind», sagte Umweltminister Carlos Minc der
Zeitung «O Globo». «Es reicht nicht aus, ein
Schutzgebiet auf dem Papier einzurichten, um die Erhaltung des Waldes
zu sichern.»
Der Studie zufolge nahmen die Rodungen in Schutzgebieten 2007 binnen
Jahresfrist um 6,4 Prozent zu. Das gesamte Ausmaß der Rodungen im
Amazonas-Becken ging hingegen um 20 Prozent zurück, was von der
Regierung als Erfolg gefeiert wurde. Erst im Juni hat Präsident
Luiz Inacio Lula da Silva drei neue Naturreservate im Amazonas-Becken
eingerichtet, in denen Rodungen verboten sind. In zwei weiteren
Gebieten dürfen nur die Bewohner Nüsse, Früchte und
Kautschuk aus dem Wald beziehen.
Der Amazonas-Regenwald erstreckt sich über 6,2 Millionen
Quadratkilometer. Davon befinden sich 63 Prozent in Brasilien. Etwa 20
Prozent des ursprünglichen Waldes ist bei Rodungen, durch die
Landwirtschaft oder andere Erschließungen zerstört worden.
(Quelle: ap)
Venezuelas Präsident Chávez droht mit Ausweisung
europäischer Banken
Mo.07.07.08 - Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat damit gedroht,
europäische Banken des Landes zu verweisen. Hintergrund ist die
umstrittene neue EU-Richtlinie zur Abschiebung von Flüchtlingen,
die im Juni vom Europäischen Parlament verabschiedet wurde. Banken
und andere Unternehmen aus Ländern, die die neue Richtlinie
anwenden, könnten ihre Zulassung in Venezuela verlieren, sagte
Chávez am Samstag. Die Warnung sei «ernst gemeint».
Bereits im Juni hatte der venezolanische Präsident den EU-Staaten
wegen der neuen Richtlinie mit einem Öllieferstopp gedroht.
(Quelle: ap)
Fast 150 afrikanische Flüchtlinge landen auf Teneriffa
Mo.07.07.08 - Mindestens 148 afrikanische Flüchtlinge haben am Samstag in einem
kleinen Glasfaserboot die Kanareninsel Teneriffa erreicht. Sie gingen am
Strand von La Tejita an Land und versuchten noch, ins Landesinnere zu
laufen. Windsurfer hatten aber bereits die Polizei informiert, die die
Flüchtlinge festnahm. Ein Mann brach erschöpft am Strand
zusammen und wurde ins Krankenhaus gebracht. Die übrigen
Flüchtlinge - allesamt männlich - wurden am Strand vom Roten
Kreuz versorgt. Unter ihnen waren nach Behördenangaben mindestens
sechs Minderjährige.
Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte, die Flüchtlinge
würden in den nächsten Tagen in ein Aufnahmelager auf
Fuerteventura gebracht. Nach der gesetzlich festgelegten Frist von 40
Tagen können sie in ihre Heimatländer abgeschoben werden.
Allerdings gelingt es den Behörden meist nicht, die Identität
der Flüchtlinge festzustellen, weil diese keine Ausweispapiere bei
sich tragen. In diesem Fall werden sie in der Regel aufs spanische
Festland gebracht, wo sie sich als Einwanderer ohne Papiere auf die
Suche nach Arbeit machen können.
(Quelle: ap)
Rechtsextreme greifen Homosexuellen-Parade in Budapest an
Mo.07.07.08 - Während einer Homosexuellen-Parade in Budapest ist es zu
Ausschreitungen gekommen. Polizisten, die am Samstag den Marsch entlang
der Andrassy-Straße schützen sollten, wurden von
Gegendemonstranten mit Pflastersteinen und Brandsätzen angegriffen.
Ein Polizeifahrzeug wurde in Brand gesetzt. Die Polizei setzte
Wasserwerfer sowie Tränengas ein und nahm 45 Personen fest. Zwei
Polizisten erlitten Verletzungen.
Die Teilnehmer der Parade wurden von den Randalierern mit Eiern,
Flaschen und Steinen beworfen. Die Gegendemonstranten gehörten
offenbar rechten ultranationalistischen Gruppen an. Sie protestierten
auch dagegen, dass ab Januar 2009 gleichgeschlechtliche Paare in Ungarn
ihre Partnerschaft registrieren lassen können.
Die ungarische EU-Parlamentarierin Katalin Levai sagte der
Nachrichtenagentur MTI, die Randalierer hätten die Scheibe des
Polizeiwagens eingeworfen, in dem sie zusammen mit dem ehemaligen
Staatssekretär Gabor Szetey saß. Dieser hatte sich im
vergangenen Jahr als erster ranghoher ungarischer Politiker
öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt.
(Quelle: ap)
EU-Kommissionspräsident Barroso für Energie-Sozialtarife
Mo.07.07.08 - Angesichts der Preissteigerungen bei Energie hat sich
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso für Sozialtarife
ausgesprochen.
"Die Mitgliedstaaten können dafür sorgen, dass die
einkommensschwächsten Bevölkerungsgruppen nicht den Anschluss
verlieren - und sie sollten auch entsprechend handeln", sagte Barroso
der Zeitung "Bild am Sonntag". "Ein Sozialtarif für den
Grundbedarf an Energie wäre ein Beispiel für eine gute
Lösung."
Vor dem G-8-Gipfel in Japan rief Barroso dazu auf, die
Abhängigkeit von Öl und Gas zu verringern. Er verwies auf den
Maßnahmenkatalog der EU-Kommission, der auf mehr
Energieeffizienz, den Ausbau erneuerbarer Energiequellen und weniger
Treibhausgase abzielt. Im Kampf gegen den Klimawandel und steigende
Energiepreise erinnerte Barroso Deutschland an die Bedeutung der
Atomenergie. "Wir wissen, dass die Kernenergie in Deutschland ein
heikles Thema ist. Andererseits sehen immer mehr Länder in der
Kernenergie eine - zumindest vorübergehende - Lösung, um den
Klimawandel zu stoppen und unsere Abhängigkeit von Öl und Gas
zu verringern."
Die Kommission schreibe den Mitgliedstaaten nicht vor, wie ihr
Energiemix aussehen müsse, "das entscheiden sie selber", sagte
Barroso und fügte hinzu: "Die Verträge verpflichten uns, die
Bemühungen der Länder, die sich für die Kernenergie
entschieden haben, im Bereich der Kernforschung und der nuklearen
Sicherheit zu unterstützen. Eine offene Debatte über das
Für und Wider der Kernenergie ist daher unvermeidlich."
(Quelle: rtr)
Transportverband: Dieselpreis vernichtet 20.000 Jobs
Mo.07.07.08 - Im Transportgewerbe droht durch die hohen Energiepreise nach
Darstellung eines Branchenverbandes der Verlust von bis zu 20.000
Arbeitsplätzen.
Die Politik sei sich der Folgen des hohen Dieselpreises und der
Abgabenlast für kleine und mittelständische Unternehmen nicht
bewusst, erklärte der Bundesverband der Transportunternehmen (BVT)
am Sonntag. Als Sofortmaßnahme forderte der Verband einen
Gewerbediesel oder eine einheitlich niedrige Dieselsteuer für alle
im gewerblichen Transport tätigen Verkehrsträger. Vorstellbar
sei auch ein niedrigerer Mehrwertsteuersatz auf Energie.
(Quelle: rtr)
Metall- und Elektroindustrie sieht für 2008 stärkeres Wachstum
Mo.07.07.08 - Der Branchenverband der Metall- und Elektroindustrie erwartet für
das laufende Jahr ein stärkeres Wachstum als bisher vorausgesagt.
Die Produktion könne im laufenden Jahr insgesamt um bis zu sechs
Prozent zulegen, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin
Kannegießer der Zeitung «Euro am Sonntag» laut
Vorabmeldung. Zuletzt hatte der Branchenverband einen Zuwachs von
fünf Prozent in Aussicht gestellt.
Für das kommende Jahr gab sich Kannegießer indes
zurückhaltend: Es gebe «immer mehr Anzeichen, die auf eine
Abkühlung auch in der Metall- und Elektroindustrie
hindeuten», sagte er. Damit könnte auch der Jobboom in der
Branche zuende gehen: «Ein Rückgang der Produktion ist im
kommenden Jahr möglich. Daher könnte es auch mit dem
Stellenaufbau vorbei sein.»
(Quelle: ap)
Siemens-Betriebsrat droht Management mit Widerstand
Mo.07.07.08 - Siemens will seine Beschäftigten ab heute über den Umfang des
angekündigten Stellenabbaus informieren. Man wolle den
Belegschaftsvertretern die exakten Zahlen, heruntergebrochen auf die
einzelnen Standorte, präsentieren und den Betriebsräten
«zwei Tage lang Rede und Antwort stehen», sagte
Personalvorstand Siegfried Russwurm der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung». Arbeitnehmervertreter forderten ein
Abrücken von der Maximalforderung und drohten mit Streik.
Siemens-Chef Peter Löscher hatte in einem Interview indirekt
Berichte bestätigt, wonach im Konzern insgesamt gut 17.000
Arbeitsplätze wegfallen sollen, davon 6.400 in Deutschland.
Über dieses Stellenabbau-Programm soll nun verhandelt werden.
Arbeitnehmervertreter drohten mit Streik für den Fall, dass das
Unternehmen an seiner Maximalforderung festhält. Die Zahl von
17.000 Stellen sei völlig überhöht: «Bevor wir
Siemens und damit unsere Arbeitsplätze gefährden, ist es
unsere Pflicht, notfalls auch einen Arbeitskampf
durchzuführen», wurde Gesamtbetriebsratsmitglied Werner
Mönius zitiert.
Details über ihre Pläne will die Unternehmensleitung am
Dienstag auf einer Pressekonferenz veröffentlichen.
(Quelle: ap)
Unionsfraktion wirft Autoindustrie Versäumnisse im Kampf gegen
Klimawandel vor
Mo.07.07.08 - Die Unionsfraktion wirft den deutschen Autobauern Versäumnisse im
Kampf gegen den Klimawandel vor. Die Autohersteller hätten es
jahrelang versäumt, sich stärker um die Entwicklung
umweltfreundlicher Elektromotoren zu kümmern.
Das sagte der Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Volker Kauder
(CDU), dem Magazin «Der Spiegel». Die Unternehmen sollten
stärker in die Forschung investieren, um leistungsfähigere
Batterien auf den Markt zu bringen. «In zehn Jahren werden
Elektroautos eine große Rolle spielen.» Dies dürfe die
deutsche Autoindustrie nicht verschlafen.
Die Europäische Union (EU) will strengere Abgaswerte für die
Autoindustrie einführen. Bis 2012 soll der Ausstoß an
Kohlendioxid (CO2) im Durchschnitt der Fahrzeugflotte auf 120 Gramm pro
Kilometer gesenkt werden. Deutschland und Frankreich haben allerdings
vereinbart, dass es einen gleitenden Aufschub bis 2015 geben soll, der
auf Produktionszyklen Rücksicht nimmt. Die Autoindustrie hatte
Kritik an ihren Klimaschutz-Bemühungen zurückgewiesen.
(Quelle: dpa)
Bauminister Tiefensee will bis zu 30 Windparks auf See errichten lassen
Mo.07.07.08 - Angesichts des stetig steigenden Gas- und Ölpreises will die
Bundesregierung nach einem Zeitungsbericht verstärkt auf
Windenergie setzen. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee habe einen
Raumordnungsplan zum Bau von bis zu 30 Windparks in der Nord- und Ostsee
fertiggestellt. Das berichtet die «Welt am Sonntag».
«Wir setzen auf regenerative Energien und nicht auf
Atomkraft», sagte der SPD-Politiker der Zeitung. Jeder Windpark
werde rund eine Milliarde Euro kosten.
(Quelle: dpa)
Arbeitsminister Scholz will Recht auf allgemeinen Bildungsabschluss
Mo.07.07.08 - Bundesarbeitsminister Oalf Scholz hat seine Forderung nach einem Recht
auf lebenslanges Lernen noch einmal ausgeweitet. Er wolle eine Debatte
darüber, «ob nicht jeder jederzeit einen allgemeinen
Bildungsabschluss nachholen können sollte», sagte der
SPD-Politiker der «Welt am Sonntag». «Das wäre
ein Signal an alle, dass man mit eigener Leistung sein Leben verbessern
kann und dass man dabei nicht wie heute auf unüberwindbare
Hürden stößt.»
Seine Forderung nach einem Rechtsanspruch auf einen Hauptschulabschluss
begründete Scholz damit, dass 500.000 Arbeitslose keinen
Schulabschluss hätten und die Hälfte aller
Langzeitarbeitslosen ohne Berufsabschluss sei. «Wir müssen
also dafür sorgen, dass alle einen Schulabschluss haben. Darum
setze ich mich dafür ein, dass jeder lebenslang das Recht hat,
seinen Hauptschulabschluss nachholen zu können.» Der
Arbeitsminister will im Rahmen von berufsvorbereitenden und
-fördernden Maßnahmen Arbeitslosen ein Recht auf den
Hauptschulabschluss geben, stößt damit aber auf den
Widerstand des Koalitionspartners.
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt sieht der Arbeitsminister kritisch,
auch wenn die Zahl der Schulabgänger sinke und das
Lehrstellenangebot in diesem Jahr wohl erstmals größer als
die Zahl der Bewerber sei. «Die ganze Wahrheit ist, dass es eine
große Zahl von Altbewerbern gibt, die nach wie vor keine Chance
bekommen», sagte Scholz. «Uns fehlen pro Jahr 100.000 bis
200.000 Ausbildungsverträge. Vor diesem Hintergrund ist es
unverantwortlich, von Ausbildungsunfähigen zu sprechen. Wir
dürfen niemanden aufgeben.»
Der Mangel an Fachkräften mit einer normalen Berufsausbildung
könne schnell behoben werden, indem «wir diejenigen, die dazu
bereitstehen, ausbilden». Darum müsse es mit den
Ländern «eine gemeinsame Kraftanstrengung für eine
bessere Qualifizierung von jungen Leuten» geben. «Wir
müssen mit den Ländern über Schulabbrecher reden,
über die Zahl der Ausbildungsverträge und über die
Durchlässigkeit unseres Bildungssystems», sagte Scholz.
Trotz unbestreitbarer Erfolge sei die Durchlässigkeit des
Bildungssystems immer noch Thema, sagte der SPD-Politiker. «Zum
Beispiel ließe sich der Mangel an Ingenieuren schnell beheben,
wenn wir denjenigen, die eine Lehre und drei Jahre Berufserfahrung oder
die einen Meisterbrief haben, den Hochschulzugang ermöglichen. Ich
möchte, dass in den Hochschulgesetzen aller 16 Länder steht:
Wer einen Meister hat, der darf studieren», sagte Scholz.
(Quelle: ap)
Brandenburgs Hochschulen: Weiterhin traditionelle
Geschlechterverteilung in Studiengängen
Mo.07.07.08 - An den Brandenburger Hochschulen gilt noch immer die traditionelle
Geschlechterverteilung in den einzelnen Studiengängen. Wie
Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) in einem Fachbericht
mitteilte, sind fast drei Viertel der Ingenieurwissenschafts-Studenten
männlich. Der Anteil der Frauen liegt gerademal bei 28 Prozent. In
mathematischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen sind knapp
64 Prozent der Studenten Männer.
Dagegen bieten Sprach- und Kulturwissenschaften das umgekehrte Bild.
Fast 72 Prozent der in diesen Fächern eingeschriebenen Studenten
sind weiblich.
Nahezu ausgeglichen ist das Verhältnis der Geschlechter Wanka
zufolge bei Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Diese
Studiengänge weisen 52,5 Prozent weibliche und 47,5 männliche
Studenten aus. Bei den Schulabgängern gibt es erhebliche
Differenzen zwischen Mädchen und Jungen. Während fast die
Hälfte aller Mädchen die Zugangsberechtigung für ein
Hochschulstudium erwirbt, ist das bei den Jungen nur ein Drittel. An den
Hochschulen jedoch sind weibliche Studenten mit 50,2 Prozent nur ganz
knapp in der Überzahl. Bei Promotionen führen die Männer
bereits mit 56,4 Prozent, bei Habilitationen mit 71 Prozent.
Völlig dominant sind sie auf der Ebene Professor: Nicht einmal
jede fünfte Professur ist in Brandenburg von einer Frau besetzt.
(Quelle: ddp)