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Irak 1568 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Iraks Ministerpräsident Maliki macht erstmals Zeitplan für US-Abzug zum Thema

Di.08.07.08 - Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat erstmals einen Zeitplan für den Abzug der US-Truppen aus seinem Land ins Gespräch gebracht.

In den derzeit laufenden Verhandlungen über einen neuen Sicherheitspakt gehe es um die Vereinbarung eines Rückzugs der Truppen oder einen Zeitplan dafür, erklärte Malikis Amt am Montag. Der Chef der irakischen Regierung äußerte sich bei einem Treffen mit arabischen Diplomaten während seines Besuchs in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die USA haben sich bislang gegen einen Zeitplan für den Abzug ihrer 150.000 Soldaten aus dem Golfstaat ausgesprochen, weil sie davon Vorteile für militante Gruppen befürchten. Eine Stellungnahme der USA zum Vorstoß Malikis lag zunächst nicht vor. Vorigen Monat hatte Maliki erklärt, die Verhandlungen über das neue Sicherheitspaket seien in der Sackgasse. Später sprachen beide Seiten allerdings von Fortschritten.

Die Bewegung des einflussreichen Schiitenführers Moktada al-Sadr sprach von einem Schritt in die richtige Richtung. Ein Sprecher Sadrs ließ offen, ob seine Gruppierung nun über eine Rückkehr in die Regierung nachdenken werde. Sadr hatte der Regierung 2007 die Unterstützung für die Weigerung entzogen, einen Zeitplan für den Abzug der US-Soldaten festzulegen.

Der neue Sicherheitspakt, über den derzeit verhandelt wird, soll das zum Jahresende auslaufende Mandat der Vereinten Nationen (UN) über die Präsenz ausländischer Truppen ersetzen.

(Quelle: rtr)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 08.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundvierten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

So.08.07.07 - Blutbad bei Selbstmordanschlägen im Nordirak - Fast 140 Tote +++ Bei Kampfeinsätzen in Bagdad fünf US-Soldaten getötet... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707080.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

Raketenschild-Gespräche zwischen USA und Polen ergebnislos

Di.08.07.08 - Die USA und Polen haben bei kurzfristig angesetzten Gesprächen über den geplanten US-Raketenschild in Washington keine Einigung erzielt. Die Verhandlungen zwischen US-Außenministerin Condoleezza Rice und ihrem polnischen Kollegen Radoslaw Sikorski in Washington seien nicht rechtzeitig vor Rices bevorstehender Reise nach Osteuropa abgeschlossen worden, sagte ihr Sprecher Sean McCormack. Der russische Präsident Dmitri Medwedew bekräftigte seine Ablehnung des Vorhabens. Er warnte US-Präsident George W. Bush am Rande des G-8-Gipfels zudem davor, Litauen in das geplante Abwehrsystem einzubeziehen.

Bei den kurzfristig angesetzten Verhandlungen in Washington sei keine Einigung gelungen, sagte Rices Sprecher. Zugleich räumte er ein, Rice habe ursprünglich gehofft, am Ende ihrer Europa-Reise in Warschau ein Abkommen zu dem geplanten Raketen-Abwehrsystem zu unterzeichnen. Dass Rice nach ihren Besuchen in Prag, Sofia und Tiflis doch noch nach Polen reise, wollte er nicht ausschließen. Das Gespräch in Washington war nach Angaben des polnischen Außenministeriums auf Sikorskis Bitte hin anberaumt worden.

Sikorski sagte über sein Gespräch mit Rice: "Wir hatten einige produktive Ideen und die Gespräche gehen weiter." Die Planungen der USA sehen bisher vor, ab 2011 in Polen zehn Abfangraketen und in Tschechien eine Radarstation zu installieren. Für seine Beteiligung am Raketenschild fordert Polen zusätzliche Sicherheitsgarantien in Form von Abwehrsystemen vom Typ der Patriot-Raketen von den USA. Mit Tschechien hatten die USA bereits im April eine Grundsatzeinigung erzielt.

Medwedews außenpolitischer Berater Sergej Prichodko sagte, der russische Präsident habe Bush im japanischen Toyako "seine ernsthafte Besorgnis" über Presseberichte zu Gesprächen zwischen den USA und Litauen über eine mögliche Stationierung von Abfangraketen in dem baltischen Land mitgeteilt. Medwedew selbst erklärte nach dem Treffen, unter anderem bei den US-Raketenschildplänen gingen die Meinungen zwischen Moskau und Washington auseinander.

Die USA hatten Litauen im Juni als möglichen Alternativstandort für die zehn Abfangraketen ins Auge gefasst, nachdem die Verhandlungen mit Polen stockten. Die litauische Regierung signalisierte bereits Zustimmung. Washington hatte Moskau mehrfach versichert, dass sich das Projekt nicht gegen Russland, sondern gegen mögliche Angriffe aus Staaten wie dem Iran richte.

(Quelle: afp)
 



 

Afghanistan: Schwerster Anschlag in Kabul seit Taliban-Sturz -41 Tote

Di.08.07.08 - Beim schwersten Anschlag in Kabul seit dem Sturz der Taliban vor sieben Jahren sind am Montag 41 Menschen getötet worden.

139 Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt. Der Attentäter rammte Augenzeugen zufolge ein mit Sprengstoff beladenes Auto in zwei Diplomatenfahrzeuge, die auf das Gelände der indischen Botschaft in der afghanischen Hauptstadt fahren wollten. Das afghanische Innenministerium machte "einen Geheimdienst in der Region" für die Tat mitverantwortlich. Afghanistan hat wiederholt pakistanische Agenten beschuldigt, hinter Anschlägen zu stecken. Pakistan, dass die Vorwürfe zurückweist, verurteilte die Tat.

Ein Taliban-Sprecher bestritt, dass die radikal-islamische Bewegung den Anschlag verübt hat. Zuvor hatte ein anderer Rebellen-Sprecher erklärt, die Gruppe stecke hinter der Tat. Die Taliban leugnen oft die Urheberschaft von Anschlägen, bei denen viele Zivilisten getötet wurden. Die 2001 von der Macht vertriebenen Islamisten hatten angekündigt, in diesem Jahr mehr Selbstmordanschläge zu verüben.

Die meisten Toten dürften Wachmänner, auf indische Visa wartende Afghanen und Besucher eines nahe gelegenen Marktes gewesen sein. Unter den Opfern waren auch zwei indische Diplomaten und zwei Angehörige des indischen Wachpersonals.

Einige Verletzte seien in einem kritischen Zustand, teilte das Gesundheitsministerium mit. Unter den Opfern seien Frauen und Kinder, Soldaten und Zivilisten. "Ich sah überall Verletzte und Tote auf der Straße", sagte Danisch Karochil, der in unmittelbarer Nachbarschaft des Tatorts arbeitet.

Über dem Anschlagsort stand eine dichte Rauchwolke. Die Polizei riegelte das Gebiet weiträumig ab. Die Wucht der Explosion zerstörte die beiden Diplomaten-Autos, riss das Tor der Botschaft auf und richtete auch an den Gebäuden auf dem Gelände schwere Schäden an. Indien unterhält enge Beziehungen zu Afghanistan und finanziert dort eine ganze Reihe von Infrastrukturprojekten.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai bezeichnete die Tat als "feigen Angriff", der darauf ziele, die friedlichen Beziehungen des Landes zu Indien und dem Rest der Welt zu stören.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag "auf das Schärfste" und erklärte, die Attentäter wollten demokratische Verhältnisse in Afghanistan verhindern. Deshalb müssten die Hintermänner umgehend gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden. Die indische Regierung erklärte, die Tat werde sie nicht von ihren Verpflichtungen gegenüber Afghanistan abhalten.

Das US-Präsidialamt erklärte am Rande des G8-Gipfels in Japan, Indien und Afghanistan würden vom selben Feind wie die USA bedroht.

(Quelle: rtr)
 



 

Somalia: Leiter des UN-Entwicklungsprogramms in Mogadischu getötet

Di.08.07.08 - Der Leiter des UN-Entwicklungsprogramms UNDP in der somalischen Hauptstadt Mogadischu ist erschossen worden. Osman Ali Ahmed sei von bewaffneten Männern getötet worden, als er eine Moschee im Süden Mogadischus verließ, teilte ein UN-Beamter mit. Ahmed sei wenig später im Krankenhaus gestorben. Die Gewalt in Somalia richtet sich auch gegen die UNO. Erst Ende Juni waren zwei UN-Mitarbeiter entführt, kurz darauf aber wieder freigelassen worden. Im Februar wurde die UN-Vertretung in Mogadischu mit Granaten beschossen.

(Quelle: afp)
 



 

Afrikaner pochen auf Einhaltung von G-8-Versprechen

Di.08.07.08 - Beim G-8-Gipfel in Japan haben sieben afrikanische Länder die führenden Industrienationen zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen in der Entwicklungspolitik aufgefordert. Sie forderten, die Versprechungen vorheriger G-8-Gipfel zu konkretisieren, wonach die Entwicklungshilfe bis 2010 um jährlich 50 Milliarden Dollar gesteigert und die Armut in der Welt halbiert werden soll. Themen des Treffens der Vertreter Afrikas mit den G-8-Chefs waren außerdem die steigenden Ölpreise, die Nahrungsmittelkrise sowie die politische Krise in Simbabwe.

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte nach dem Treffen in Toyako: "Die afrikanischen Länder haben die Befürchtung zum Ausdruck gebracht, dass viele dieser Milleniumsziele schwerer zu erreichen sind, wenn die Rohstoffpreise so ansteigen wie das im Augenblick der Fall ist." Es sei gut, dass die Afrikaner ihr Schicksal verstärkt selbst in die Hand nähmen. Doch hätten sie auch gefordert, "dass wir unsere Versprechen einhalten".

Zu Simbabwe und der umstrittenen weiteren Amtszeit von Staatschef Robert Mugabe sagte Merkel, seitens der Afrikanischen Union sei viel Kritik an der Situation geäußert worden. Deutschland schließe weitere Sanktionen nicht aus.

Beim Biosprit forderte Merkel erneut die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards. Das Ziel sei "keine Verdrängung von Nahrungsmitteln durch Biokraftstoffe". Auch an der zweiten Generation der Biokraftstoffe müsse mit Nachdruck gearbeitet werden.

Äußerungen aus den USA, wonach der Einsatz von Atomkraft der "Lackmustest" für den Klimaschutz sei, wies sie zurück. Bekanntermaßen sei sie für eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken in Deutschland. Sie hob aber zugleich die Bedeutung erneuerbarer Energien hervor. Beim Ölpreis würden von den G-8 verschieden Wege ins Auge gefasst. Sie nannte Maßnahmen gegen Spekulation mit dem Ölpreis sowie bessere Prognosen für die Nachfrage nach dem Energie-Rohstoff.

Der Geschäfsführer von Oxfam Deutschland, Paul Bendix, warf den G8-Staaten mangelnde Glaubwürdigkeit vor. Nach den Berechnungen seiner Hilfsorganisation würden von den zugesagten 50 Milliarden Dollar nur 20 Milliarden zur Verfügung stehen, sagte er dem Sender MDR Info. Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen forderte, die zugesagten Afrika-Hilfen fristgerecht zu leisten.

(Quelle: afp)
 



 

Hunderte Menschen in Mali bei G-8-Gegenveranstaltung

Di.08.07.08 - In Mali sind mehrere hundert Menschen zu einer G-8-Gegenveranstaltung zusammengekommen. "Die Regierung der G-8-Staaten, sehr industrialisierte Länder, sind am stärksten für den Klimawandel und die internationale Lebensmittelkrise verantwortlich", sagte Organisatorin Barry Arminata Toure bei der Eröffnung in der Stadt Katibougou. Dafür müsse es "verlässliche und dauerhafte" Lösungen geben. Der "Gipfel der Armen" will sich besonders mit der Situation der Frauen und der jungen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent befassen.

(Quelle: afp)
 



 

EU schließt 'Einwanderungspakt' gegen Flüchtlinge

Di.08.07.08 - Mit einem "Einwanderungspakt" will die Europäische Union Bedürfnisse des Arbeitsmarktes stillen und sich zugleich stärker gegen Flüchtlinge abschotten. Bei einer ersten Beratung der EU-Innenminister im südfranzösischen Cannes stieß der Vorschlag des französischen EU-Vorsitzes auf breite Zustimmung. Deutschlands Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) verteidigte die Pläne: "Wir machen aus Europa keinen Bunker." Vom Tisch ist auf Druck Spaniens ein Verbot für Massen-Legalisierungen von Flüchtlingen. Am Rande des Treffens hinderte die französische Polizei ein deutsches Fernsehteam am Filmen einer Gegendemonstration.

Der französische Einwanderungsminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Brice Hortefeux sprach von einem "historischen" Abkommen. Damit werde Europa "weder zu einer Festung noch zu einem Sieb", durch das Flüchtlinge unkontrolliert strömen könnten. Nach Hortefeux' Angaben beteiligten sich an der Debatte im Filmfestival-Zentrum an der Côte d'Azur Vertreter von sechs Mitgliedstaaten, darunter Schäuble. Dennoch rechnet der französische EU-Vorsitz beim EU-Gipfel Mitte Oktober fest mit einer Annahme des Paktes durch alle 27 Mitgliedstaaten.

"Wir bekämpfen die illegale Migration und wir steuern die legale Migration", sagte Schäuble zum Ziel des Paktes. Es sei "grober Unsinn" zu glauben, dass Europa damit zu einer Festung werde. Die Einwanderung soll sich künftig nach den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts und der "Aufnahmefähigkeit" der Sozialsysteme richten. Ziel ist eine "zirkuläre Migration", bei der Einwanderer nach einigen Jahren in ihre Heimatländer zurückkehren. Flüchtlingshilfeorganisationen wie Pro Asyl werfen der EU eine Rückkehr zum Gastarbeiter-Prinzip vor.

Beim Vorgehen gegen Einwanderer ohne Aufenthaltserlaubnis schwächte der französische EU-Vorsitz den Text auf Druck Spaniens ab. Ein ursprünglich geplantes Verbot für Massen-Legalisierungen von Einwanderern ist vom Tisch. Das Land hatte 2005 rund 600.000 Flüchtlingen Papiere verschafft, was unter anderem in Deutschland auf Kritik stieß.

Am Rande des Treffens hinderte die französische Polizei deutsche Journalisten daran, eine kleine Demonstrantengruppe zu filmen, die gegen den "Bunker Europa" protestieren wollte. Das Team des Auslandssenders Deutsche Welle wurde nach Angaben von Korrespondent Frank Hofmann eine halbe Stunde ohne Angaben von Gründen festgehalten, obwohl die Journalisten eine Akkreditierung der französischen Regierung für den EU-Ministerrat vorweisen konnten.

(Quelle: afp)
 



 

Euro-Finanzchefs billigen Beitritt der Slowakei zur Eurozone

Di.08.07.08 - Die Finanzminister der EU-Länder mit der Gemeinschaftswährung haben den geplanten Beitritt der Slowakei zur Eurozone einstimmig gebilligt. Das sagte der Vorsitzende der Ministerrunde, der luxemburgische Premier und Ressortchef Jean-Claude Juncker, in Brüssel nach Beratungen mit seinen Amtskollegen. Die offizielle Entscheidung wird morgen im Rahmen des EU- Finanzministerrates getroffen. Dann soll auch der endgültige Umtauschkurs zwischen der Krone und dem Euro festgelegt werden.

(Quelle: dpa)
 



 

Große Koalition in Österreich geplatzt - ÖVP für Neuwahl

Di.08.07.08 - In Österreich ist die große Koalition gescheitert. Die konservative Volkspartei (ÖVP) kündigte am Montag ihre Unterstützung für einen Antrag der Opposition für eine vorgezogene Parlamentswahl an.

"Ich schlage Neuwahlen vor", sagte ÖVP-Chef Vizekanzler Wilhelm Molterer vor Journalisten. "Genug ist genug. Eine gute Zusammenarbeit in der Regierung ist nicht mehr möglich". Die Sozialdemokraten hätten den gemeinsamen Regierungsweg verlassen. Termin für die Neuwahlen könne September sein.

Ein Schwenk der Sozialdemokraten (SPÖ) in der Europapolitik hatte in den vergangenen Wochen zu schweren Spannungen in der Koalition geführt, die seit Anfang 2007 im Amt ist. Die SPÖ war zudem in interne Debatten verstrickt, nachdem Kanzler Alfred Gusenbauer die Parteiführung an Infrastrukturminister Werner Faymann abgegeben hatte.

(Quelle: rtr)
 



 

Kampf gegen Klimawandel - USA setzen Deutschland bei Kernenergie unter Druck

Di.08.07.08 - Im Kampf gegen den Klimawandel dringen die USA auf den Neubau von Atomkraftwerken in großem Stil und setzen Bundeskanzlerin Angela Merkel damit auf dem G-8-Gipfel in Japan massiv unter Druck. «Ein Land, das die Möglichkeit zur verantwortungsvollen Nutzung der Kernenergie hat, steht meiner Ansicht nach auch in der Verantwortung, dies zu tun», sagte der Klimaberater von US-Präsident George W. Bush, James Connaughton, am Montag am Rande des G-8-Gipfels in Toyako vor Journalisten.

Man müsse die Atomkraft nutzen, «wenn man es mit der Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen ernst meint». Durch die Verringerung der Luftverschmutzung könne ein Ausbau der Kernkraftnutzung auch positive gesundheitliche Effekte haben.

Connaughton rechnete vor, dass die bis 2050 angestrebte Halbierung des CO2-Ausstoßes in absoluten Zahlen mehr als 30 Gigatonnen entspreche. Mit 136 neuen Nuklearanlagen könne eine Tonne Ausstoß vermieden werden. Connaughton forderte, die Verringerung von zwei Tonnen über die Kernenergie zu erreichen. Das würde seiner Berechnung zufolge 272 neuen Kraftwerken weltweit entsprechen.

Über Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien alleine könnten die ehrgeizigen Klimaschutzziele nicht erreicht werden, sagte Connaughton. Die Nutzung der Kernenergie sei notwendig, «wenn man wirklichen Fortschritt erreichen will».

(Quelle: ap)
 



 

Umweltministerium gegen längere Laufzeiten von Atommeilern

Di.08.07.08 - Das Bundesumweltministerium hat den Vorschlag des SPD-Politikers Erhard Eppler zurückgewiesen, den Betreibern von Atommeilern längere Laufzeiten zuzugestehen, wenn im Gegenzug auf den Bau neuer Atomkraftwerke verzichtet werde. "Es gibt keine neuen Argumente für die Atomenergie", sagte der Sprecher von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), Michael Schroeren der "Berliner Zeitung". "Es gibt nur eine Endlosschleife, in der dieselben falschen Argumente ständig wiederholt werden".

Atomkraft mache den Strom nicht billiger, sagte Schroeren. "Der Preis für die Kilowattstunde richtet sich nicht nach den Herstellungskosten, sondern nach der Strombörse." Dort bestimme die letzte und teuerste Kilowattstunde den Preis. "Die Strompreise steigen, obwohl wir heute immer noch rund ein Viertel des Stroms aus Atomkraftwerken gewinnen."

Das Bundesumweltministerium sieht Deutschland beim Ausstieg aus der Atomenergie nicht isoliert. "Es ist nicht richtig, dass alle anders denken als wir", sagte der Parlamentarische Staatssekretär Michael Müller (SPD) im NDR. Derzeit nutzten 66 Länder regenerative Energiequellen, aber nur 33 Atomkraft. Im WDR wies Müller darauf hin, dass die meisten Ausbaupläne "schon seit 20, 25 Jahren bekannt sind".

Dagegen sieht sich die deutsche Atomindustrie zum G-8-Treffen in Japan in einer günstigen Position. "Wir stellen fest, dass die Kernenergie weltweit an Akzeptanz gewinnt", sagte der Generalbevollmächtigte des Deutschen Atomforums, Dieter Marx, der "Berliner Zeitung".

Forderungen aus der eigenen Partei, über eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken nachzudenken, bezeichnete Müller im NDR "absolute Minderheitsposition". Außerdem sei dies die falsche Diskussion. "Wir haben schon viel zu viel Zeit verloren, weil wir an alten überholten Strukturen festgehalten haben", sagte er im WDR. Vielmehr müsse darüber nachgedacht werden, wie Energie eingespart werden könne. "Beispielsweise wenn alle Haushalte die effizientesten Geräte hätten, könnte man damit alleine die Hälfte des Kraftwerksparks in der nuklearen Stromerzeugung wegsparen."

Der langjährige SPD-Vordenker Eppler hatte am Wochenende eine längere Laufzeit für bestimmte Atommeiler vorgeschlagen, wenn im Gegenzug keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut würden. Aus der Union kam Zustimmung zu dem Vorschlag, SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bekräftigte dagegen, beim geordneten Ausstieg aus der Atomkraft werde es "keine Rolle rückwärts" geben. Kritik kam von den Grünen.

(Quelle: afp)
 



 

Finanzminister Steinbrück sieht Inflation als längerfristiges Problem

Di.08.07.08 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sieht die derzeit hohe Inflationsrate als längerfristiges Problem. Im Vergleich zur Entwicklung des Wirtschaftswachstums sei die Inflation auf mittlere Sicht das größere Problem, sagte Steinbrück in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der in London sitzenden «Financial Times». Ursache für die aktuellen Teuerungsraten sei die enorme Nachfrage nach Rohstoffen.

Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent erhöht, um damit die gestiegene Inflation und zunehmende Inflationserwartungen zu bekämpfen. Der Schritt war kritisiert worden, weil befürchtet wurde, dass die Konjunktur unter der Zinserhöhung leidet. Steinbrück sieht durch den Schritt der EZB jedoch keine «echte Gefahr» für die Wirtschaft.

(Quelle: ddp)
 



 

Handwerk will Lehrlinge aus Osteuropa für deutsche Betriebe

Di.08.07.08 - Deutsche Handwerksbetriebe sollten nach Ansicht des Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, auch Lehrlinge aus Osteuropa ausbilden dürfen. Nur so sei der drastische Rückgang der Schulabgänger in Deutschland aufzufangen, sagte Kentzler der «Bild»-Zeitung (Dienstagausgabe). «Unsere Betriebe brauchen Nachwuchs. Und wir brauchen Facharbeiter», sagte er. Wenn die Einschränkungen in der EU für den Zuzug auf den deutschen Job-Markt 2009 nicht aufgehoben werden, sollte es zumindest Ausnahmen für Lehrlinge geben.

Bemühungen, junge Migranten in Deutschland für die Handwerksberufe zu gewinnen, bezeichnete der Handwerkspräsident als «gescheitert». «Die Bildungspolitik der vergangenen zehn Jahre ist gescheitert, auch weil die Integrationspolitik gescheitert ist», sagte Kentzler. Vielfach würden die Abgänger von den Haupt- und Realschulen nicht einmal die deutsche Sprache beherrschen.

(Quelle: ddp)
 



 

Arbeitsmarkt soll erst 2011 vollständig geöffnet werden

Di.08.07.08 - Der deutsche Arbeitsmarkt soll voraussichtlich erst 2011 für unqualifizierte Arbeiter aus den neuen EU-Ländern im Osten geöffnet werden. Wie der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Montag bestätigte, erwägt die Bundesregierung, die vollständige Freizügigkeit um zwei weitere Jahre zu verschieben. Im Gegenzug soll die Zuwanderung hoch qualifizierter Fachkräfte erleichtert werden.

Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, betonte Steg. Zurzeit laufe die Feinabstimmung zwischen Arbeits- und Innenministerium. Eine Einigung wird in den nächsten Tagen erwartet. Das Bundeskabinett will das Konzept bereits am 16. oder am 23. Juli beschließen.

Nach Angaben des innenpolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl, sollen geduldete Akademiker und Facharbeiter danach in Zukunft schon dann eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten, wenn sie zwei Jahre lang in Deutschland in ihrem erlernten Beruf gearbeitet haben.

Zudem solle die Verdienstgrenze, von der an sich Spezialisten aus dem Ausland nicht mehr einer Prüfung durch die Bundesagentur für Arbeit unterziehen müssen, von 86.400 auf 63.600 Euro gesenkt werden. «Wenn es sich um Ausländer handelt, die wir brauchen, dann tun wir etwas für sie und ihre Familien», sagte Uhl dem «Kölner Stadt-Anzeiger».

Mit dem EU-Beitritt von acht mittel- und osteuropäischen Staaten im Mai 2004 war den bisherigen Mitgliedern die Möglichkeit eingeräumt worden, die sogenannte Arbeitnehmer-Freizügigkeit für maximal sieben Jahre einzuschränken. Damit sollte unter anderem verhindert werden, dass der Arbeitsmarkt vorzeitig mit Billiglohn-Arbeitern überschwemmt wird.

Nach fünf Jahren ist eine Verlängerung dieser Frist um weitere zwei Jahre aber nur dann möglich, wenn eine schwerwiegende Störung des heimischen Arbeitsmarktes zu befürchten ist. Die Bundesregierung hat theoretisch bis zum 1. Mai 2009 Zeit, der EU-Kommission eine entsprechende Mitteilung zu machen.

Das Arbeits- und das Innenministerium wollten unter Hinweis auf die laufenden Gespräche noch keine Einzelheiten des Programms nennen. Steg wies aber darauf hin, dass sich die Bundesregierung schon 2007 in Meseberg darauf verständigt hatte, den Fachkräftemangel auch über eine erleichterte Zuwanderung hoch qualifizierter Fachkräfte aus dem Osten zu beheben. Dazu wurden im Herbst 2007 zunächst die Zugangsregelungen für osteuropäische Ingenieure aus den Sparten Elektronik sowie Fahrzeug- und Maschinenbau gelockert.

Die Forderung des Handwerks, wegen des Mangels an qualifizierten Auszubildenden Lehrlinge aus Polen und Tschechien anzuwerben, wies das Arbeitsministerium strikt zurück. Diese Frage stelle sich angesichts von 100.000 bis 200.000 Altbewerbern ohne Lehrstelle nicht, sagte Sprecher Stefan Giffeler.

Der DGB forderte die Koalition auf, rasch die Voraussetzungen für flächendendeckende Mindestlöhne zu schaffen, um Lohndumping zu verhindern. Die Grünen warfen der Bundesregierung vor, den deutschen Arbeitsmarkt weiterhin zu stark abzuschotten und auf den Fachkräftemangel völlig unzureichend zu reagieren.

(Quelle: rtr)
 



 

Henkel streicht 1000 Stellen in Deutschland

Di.08.07.08 - Henkel streicht in Deutschland in den kommenden drei Jahren rund 1000 Stellen - davon allein 500 am Stammsitz des Konzerns in Düsseldorf. Ein Unternehmenssprecher begründete den Stellenabbau mit der sich verschärfenden Lage auf den Rohstoffmärkten, dem gestiegenen Ölpreis, der schwächelnden US-Wirtschaft sowie dem nachlassenden Konsum der Verbraucher in Europa. Der Jobabbau solle alle Unternehmensbereiche betreffen und sozialverträglich erfolgen. Denkbar seien etwa Vorruhestandsregelungen und Abfindungen. Betriebsbedingte Kündigungen seien aber nicht ausgeschlossen.

Die Pläne sehen unter anderem vor, die Waschmittelproduktion zu zentralisieren. Die Produktion in Genthin in Sachsen-Anhalt mit 190 Angestellten soll eingestellt, ihre Mitarbeiter möglicherweise an anderen Standorten eingesetzt werden. Zudem soll die zentrale Forschungsabteilung aufgelöst und ihre Aufgaben in die einzelnen Unternehmensbereiche eingegliedert werden. Henkel rechnet nach eigenen Angaben ab 2011 mit jährlichen Einsparungen in Höhe von 150 Millionen Euro. Der größte Teil der Einsparungen werde bereits für kommendes Jahr erwartet.

Der Hersteller von Persil und Pattex mit 15 Produktionsstandorten in Deutschland hatte bereits in Februar angekündigt, bis 2011 weltweit 3000 der insgesamt mehr als 50.000 Stellen abzubauen. Das Unternehmen hatte seinen Gewinn im vorigen Jahr unter dem Strich um acht Prozent auf 941 Millionen Euro gesteigert. Mit dem "Programm zur Effizienzsteigerung" wolle Henkel "aus einer Position der Stärke die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens" sichern, hieß es damals.

(Quelle: afp)
 



 

Linke will 800 Euro Mindestrente für alle

Di.08.07.08 - Mit der Forderung nach einer Mindestrente von 800 Euro für alle will die Linke in die kommenden Wahlkämpfe ziehen. Ein entsprechendes Rentenkonzept beschloss der Parteivorstand am Wochenende auf seiner Klausurtagung, wie Linke-Chef Lothar Bisky am Sonntag nach dem Treffen in Berlin sagte. Dabei setze die Linke bewusst auf umsetzbare Alternativen zur großen Koalition, die bei der Armutsbekämpfung «versagt» habe, fügte Bisky hinzu.

Kern des Konzeptes ist nach Angaben von Parteivize Klaus Ernst der Erhalt der gesetzlichen Rentenversicherung als Basis der Alterssicherung. Mit der Aufhebung der sogenannten Dämpfungsfaktoren und einer Neubewertung von Anrechnungszeiten wie Ausbildung, Studium oder Arbeitslosigkeit solle es möglich werden, bei der Rente wieder auf 70 Prozent des Arbeitsentgeltes zu kommen.

Zur Finanzierung müsse jedoch die Begrenzung des Beitragssatzes auf 20 Prozent bis 2020 und 22 Prozent bis 2030 aufgehoben werden, fügte Ernst hinzu. Das werde jedoch nicht zwangsläufig zu höheren Belastungen der Arbeitnehmer führen, da diese bis zu sechs Prozent ihres Einkommens in die private Altersvorsorge steckten. Diese Mittel stünden dann für die gesetzliche Rentenversicherung zur Verfügung. Richtig sei allerdings, dass die Belastung der Betriebe wachse.

Zudem werden laut Ernst für eine solche Form der Erwerbstätigenversicherung, die keiner Bedarfsprüfung unterliegen soll, mehr Steuermittel benötigt. Allerdings finanziere jetzt schon der Bund mit knapp 13 Milliarden Euro die private Altersvorsorge, die vor allem Besserverdienenden zugutekomme. Dies sei der «falsche Weg». Diese Steuermittel sollten innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung genutzt werden, um gezielt die Altersversorgung von Geringverdienern und Arbeitslosen aufzustocken.

(Quelle: ddp)
 



 

Wissenschaftsrat fordert eine Milliarde Euro für Unis

Di.08.07.08 - Der Wissenschaftsrat kritisiert die Studienbedingungen an deutschen Hochschulen und fordert zusätzliche Investitionen von rund 1,1 Milliarden Euro für eine verbesserte Lehre. Allein zur Verbesserung «der teilweise unzumutbaren Betreuungsrelationen» zwischen Dozenten und Studenten in stark nachgefragten Fächern würden jährlich etwa 357 Millionen Euro gebraucht, sagte der Vorsitzende des Rates, Peter Strohschneider, am Montag in Berlin. Nötig sei zudem ein «Mentalitätswechsel», damit Leistungen in der Lehre genauso gewürdigt würden wie Erfolge in der Forschung.

Das bedeutendste Beratungsgremium von Bund und Ländern für Fragen der Wissenschaftspolitik sprach sich für eine «systematische Verbesserung der Hochschullehre» aus. Möglichst viele Studenten sollten mit nachweislich hohem Kompetenzgewinn ein Studium in der Regelstudienzeit abschließen können, betonte Strohschneider und kritisierte: «Dieses Ziel erreicht man nicht durch ein Absenken des Anspruchsniveaus.» Genauso wenig könnten «überlange Studienzeiten oder dramatisch hohe Durchfallquoten hingenommen werden».

Die vom Bundespräsidenten berufenen Mitglieder der wissenschaftlichen Kommission des Rates warnten, die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Hochschulsystems hänge nicht zuletzt davon ab, ob an den Universitäten «eine neuartige Lehrkultur entsteht, bei der Qualität in der Lehre auch anerkannt und ausgezeichnet wird». Das Gremium forderte deshalb den Aufbau eines umfassenden Systems zur Qualitätsentwicklung, Leistungsanreize für eine gute Lehre und mehr Fortbildungsangebote für Hochschullehrer.

Ratsmitglied Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), sagte, sie erwarte «einen echten Lehr-Ruck» an den Hochschulen. Sollten Bund und Länder entgegen der Empfehlung nicht deutlich mehr Geld investieren, wären die Folgen angesichts der demografischen Entwicklung «fatal».

Vertreter von Gewerkschaften, Bildungsverbänden und der Opposition im Bundestag unterstützten die Empfehlungen des Rates. Die Qualität der Lehre sei seit Jahrzehnten vernachlässigt worden, rügte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Eine Verbesserung sei «überfällig».

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) betonte, didaktische Unterstützungsangebote für Dozenten seien «dringend erforderlich». Angesichts der «katastrophalen Betreuungsrelationen» an den Hochschulen sei zudem die Forderung nach mehr Professoren zu begrüßen. Auch das Deutsche Studentenwerk (DSW) schloss sich den Empfehlungen an.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Nele Hirsch, sagte, mehr Geld und mehr Qualität in der Lehre seien unerlässlich, um allen Studenten ein gutes Studium zu garantieren. Der erste Hochschulpakt habe an der «chronischen Unterfinanzierung» der Unis nichts geändert. Stattdessen werde mit der Exzellenzinitiative der Weg in eine «Zwei-Klassen-Hochschullandschaft» geebnet.

(Quelle: ddp)
 



 

UNESCO nimmt Berliner Siedlungen in Welterbeliste auf

Di.08.07.08 - Die Weltkulturorganisation UNESCO hat die Siedlungen der Berliner Moderne in ihre Liste des Welterbes aufgenommen. Wie die deutsche UNESCO-Kommission mitteilte, handelt es sich um die Gartensiedlung Falkenberg, die Siedlung Schillerpark, die Hufeisensiedlung Britz, die nach dem einstigen Gewerkschaftsbund-Vorsitzenden benannte Wohnstadt Carl Legien, die Weiße Stadt und die Großsiedlung Siemensstadt. Stellvertretend auch für andere Sozialbauten aus der Weimarer Republik hatte das Land Berlin für sie 2006 einen Antrag bei der UN-Kulturorganisation eingereicht.

Die im Grünen und dennoch zentral gelegenen Anlagen enstanden zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Machtantritt der Nationalsozialisten als Antwort auf die damalige Wohnungsnot. Architekten und Stadtplaner wie Bruno Taut, Walter Gropius, Martin Wagner und Hans Scharoun schufen dort praktisch geschnittene, bezahlbare Wohnungen mit Küche, Bad und Balkon, in Häusern ohne Hinterhof und Seitenflügel, nach damaligen Maßstäben mit ungewöhnlich viel Licht, Luft und Sonne. Sie sind Zeugen der sozialen Aufbruchstimmung in einer Zeit, in der die Weimarer Verfassung "jedem Deutschen eine menschenwürdige Wohnung" garantierte.

Ästhetische Vorstellungen der Avantgarde aus Kunst und Architektur verbanden sich dabei mit den sozialen Ideen der politischen Linken. So gesehen waren die sechs Reformsiedlungen auch als Gegenmodell zur privatwirtschaftlichen Bauspekulation mit ihren Mietskasernen konzipiert.

Da von den bisher mehr als 850 Welterbestätten nur rund 20 aus der Moderne stammten, galten die Chancen der Berliner Siedlungen als gut. Mit der Neuaufnahme der Siedlungen der Berliner Moderne ist Deutschland jetzt mit 33 Stätten in der UNESCO-Liste des Welterbes vertreten.

Ebenfalls am Montag setzte das Welterbekomitee den aus dem 11. Jahrhundert stammenden kambodschanischen Hindu-Tempel Preah Vihear an der Grenze zu Thailand auf seine Liste, außerdem die an der Straße von Malakka gelegenen malaysischen Städte Melaka und Georgetown sowie den Ort Kuk in Papua-Neuguinea, in dem einer der weltweit ältesten bewässerten Gärten gefunden wurde.

Am Donnerstag hatte das Komitee beschlossen, das Dresdner Elbtal 2009 aus der Liste des gefährdeten Welterbes zu streichen, falls der Bau der dort geplanten vierspurigen Brücke bis dahin nicht gestoppt und der angerichtete Schaden gutgemacht werden sollte.

(Quelle: afp)
 



 

Computer-Festplatten brauchen Pflege

Di.08.07.08 - Festplatten sind unverzichtbare Bestandteile von Computern. Auf ihnen werden die Daten abgelegt - und für viele Nutzer ist es damit getan. Aber Festplatten brauchen durchaus ein wenig Pflege, wodurch ihre Lebensdauer gesteigert werden kann.

Das Herzstück einer Festplatte ist ein kreisrundes Bauteil, das eine hartmagnetische Beschichtung trägt. Diese Beschichtung wird beim Speichern von Daten auf der in Rotation versetzten Platte magnetisiert. Es handelt sich bei der Festplatte demnach um ein mechanisches Bauteil, bei dem die Platte von über ihr schwebenden Köpfen, die an einem schwenkbaren Arm befestigt sind, gelesen oder beschrieben wird. Der Schwenkarm kann im schlimmsten Fall so locker sein, dass ein Lese- oder Schreibkopf aufsetzt und die Platte zerstört. Um das empfindliche System davor zu schützen, empfiehlt es sich, den Computer an einem möglichst erschütterungsfreien Ort aufzustellen.

Festplatten mögen es nicht, wenn sie nicht richtig belüftet werden und sich überhitzen. Deshalb sollten Heim-Computer nicht ständig eingeschaltet sein, also über eine längere Zeit 24 Stunden am Tag laufen. Die vom PC-Lüfter nach außen geblasene Abluft muss frei entweichen können. Der Rechner ist deshalb so aufzustellen, dass sich in ihm kein Hitzestau bilden kann. Zudem neigen Computer dazu, mit der Zeit innen stark zu verstauben. Das Gehäuse sollte deshalb mindestens einmal im Jahr aufgeschraubt und vorsichtig gereinigt werden. Wer eine Staubsaugerdüse verwendet, darf die Saugleistung nicht zu stark wählen und die Düse nicht direkt auf die Bauteile drücken. Auch tut es dem PC-Lüfter nicht gut, wenn er durch die vom Staubsauger angesaugte Luft in Rotation versetzt wird. Deshalb ist grundsätzlich Vorsicht geboten: Lediglich die Staubschicht ist aus dem Rechner abzusaugen.

Wenn während des Betriebs des Computers knackende Geräusche zu hören sind, könnte dies auf einen mechanischen Defekt der Festplatte hindeuten. Auch wenn der Rechner beim Hochfahren die Festplatte nicht findet, ist dies häufig als Alarmsignal zu werten. In solchen Fällen hilft auch die beste Pflegemaßnahme nicht, zur Sicherheit sollte schnellstmöglich eine Kopie der sich auf der Festplatte befindenden Daten angefertigt werden. Denn falls sie ganz ausfällt, sind so die Daten nicht verloren. Generell empfiehlt es sich, regelmäßige Datensicherungen - beispielsweise mit Hilfe einer externen Festplatte - durchzuführen.

(Quelle: gp)
 
 
 
 

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