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Irak 1571 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Britisches Militär zahlt gefolterten Irakern
Millionenentschädigung. Iraks Sicherheitskräfte
können am Boden laut US-General wohl bis Mitte 2009
übernehmen
Fr.11.07.08 - Die britischen Streitkräfte haben sich nach Angaben von
Anwälten zu einer Entschädigungszahlung in Millionenhöhe
an zehn Iraker bereiterklärt. Sie waren in britischer
Gefangenschaft im Südirak gefoltert worden. Die
Entschädigungssumme belaufe sich auf etwa drei Millionen Pfund
(3,8 Millionen Euro), erklärten die Anwälte der Opfer am
Donnerstag in London.
Das Verteidigungsministerium habe sich entschuldigt, verlautete aus
Behördenkreisen. Verteidigungsminister Des Browne hatte in den
vergangenen Monaten bereits eingeräumt, die Soldaten hätten
klar gegen mehrere Artikel der Europäischen
Menschenrechtskonvention verstoßen.
In dem Zivilprozess hatte unter anderem die Familie eines
Hotelangestellten geklagt, der im September 2003 an Verletzungen
gestorben war, die ihm in britischer Haft zugefügt worden waren.
Der 26 Jahre alte Mann hatte der Autopsie zufolge 93 Verletzungen
erlitten, darunter einen Nasenbeinbruch und mehrere Rippenbrüche.
Bei den weiteren Klägern handelte es sich um neun Iraker, die nach
eigenen Angaben ebenfalls in britischer Gefangenschaft gefoltert worden
waren.
Iraks Sicherheitskräfte dürften nach Auffassung eines
hochrangigen US-Offiziers bis Mitte 2009 im Ernstfall ohne die
Unterstützung von amerikanischen Bodenkampftruppen zurechtkommen.
Die US-Bodentruppen würden ihre Arbeit zwischen April und August
kommenden Jahres voraussichtlich weitgehend abgeschlossen haben, sagte
Generalleutnant James Dubik am Mittwoch vor einem Kongressausschuss in
Washington. Allerdings sei denkbar, dass die US-Soldaten noch für
Ausbildungszwecke und Nachschub benötigt werden.
Dubik wollte keine Einschätzung abgeben, wann auch andere
Truppenteile - also Marine und Luftwaffe - ihre Aufgabe erfüllt
haben dürften. Dies hänge davon ab, wie schnell die irakische
Regierung wichtigen Aufgaben nachkomme, etwa dem Aufbau einer eigenen
Luftwaffe.
Dubik lehnte es daher ebenfalls ab, ein konkretes Datum zu nennen
für den Tag, an dem die Iraker in der Lage sein werden,
vollständig ohne Hilfe der USA die Sicherheit in dem Golfstaat zu
gewährleisten. "Ich würde mir kein X im Kalender machen",
sagte Dubik auf die Frage des Abgeordneten Ike Skelton, der den
Repräsentantenhaus-Ausschuss leitete.
Dubik äußerte sich in einer Phase, in der die Iraker
zunehmend einen Abzug der US-Truppen aus ihrem Land als Thema aufwerfen.
So hatte Ministerpräsident Nuri al-Maliki kürzlich erstmals
einen Zeitplan für den Abzug der 150.000 US-Soldaten ins
Gespräch gebracht. Die US-Regierung lehnt es wegen
Sicherheitsbedenken jedoch bisher ab, einen konkreten Truppenabzugsplan
auszuhandeln.
boa (Quellen: rtr, ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 11.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundsiebten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mi.11.07.07 - Drei Tote bei Granatenangriff auf Regierungsviertel in Bagdad +++ USA
haben seit Oktober nur 133 irakische Flüchtlinge aufgenommen +++
US-Demokraten wollen Bush erneut zu Ende von Irak-Einsatz zwingen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707110.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Wochenlanger Schlafentzug bei Jugendlichem in Guantanamo
Fr.11.07.08 - Ein kanadischer Jugendlicher in Guantanamo durfte nach Dokumenten im
Besitz seines Anwalts wochenlang nicht schlafen. Die
US-Streitkräfte wollten ihn auf diese Weise dazu bringen,
bereitwillig auszusagen. Das kanadische Außenministerium war von
diesem Vorgehen bereits 2004 unterrichtet, wie aus den Dokumenten
hervorgeht.
In den drei Wochen vor dem Besuch eines kanadischen
Regierungsvertreters in Guantanamo sei der damals 17-jährige Omar
Khadr nie länger als drei Stunden an einem Ort gewesen, heißt
es in einem Bericht aus dem kanadischen Außenministerium, der
aufgrund einer richterlichen Anordnung im Juni dem Anwalt Khadrs
übergeben werden musste. «In Drei-Stunden-Abständen
wurde er zu einem anderen Zellblock gebracht, womit ihm ein
ununterbrochener Schlaf nicht möglich war», heißt es
in dem Bericht, den der Anwalt Dennis Edney am Mittwoch öffentlich
machte.
Khadr soll im Oktober vor ein Militärgericht gestellt werden. Er
wird beschuldigt, nach einem Gefecht in Afghanistan eine Granate auf
US-Truppen geschleudert und dabei einen Soldaten getötet zu haben.
2002 wurde er im Alter von 15 Jahren gefangen genommen. Im Juni befand
ein kanadischer Richter, dass die Behandlung Khadrs durch die
US-Streitkräfte gegen völkerrechtliche
Anti-Folter-Bestimmungen verstoßen habe. Edney sagte, die jetzt
veröffentlichten Dokumente sollten den kanadischen Premierminister
Stephen Harper veranlassen, in Washington auf die Freilassung Khadrs zu
dringen.
(Quelle: ap)
US-Senat verabschiedet umstrittenes Abhörgesetz
Fr.11.07.08 - Nach monatelangem Tauziehen mit dem Weißen Haus hat der
US-Kongress ein neues Abhörgesetz gebilligt. Nach dem
Repräsentantenhaus verabschiedete auch der Senat den Entwurf mit 69
zu 28 Stimmen. Das Gesetz bestätigt weitgehend die seit den
Terroranschlägen vom 11. September geltenden Abhörregeln.
Telefongesellschaften, die sich nach den Anschlägen vom 11.
September 2001 auf Anweisung der Regierung ohne richterliche Genehmigung
an Lauschaktionen beteiligt hatten, erhalten rückwirkend
Immunität. Das Gesetz hatte zu einer heftigen Debatte zwischen
Bürgerrechtlern und Sicherheitsvertretern geführt.
Den einen gingen die Vollmachten der Geheimdienste zu weit, die anderen
fürchteten, dass ihre Mittel im Kampf gegen den Terrorismus zu
stark beschnitten werden könnten. Das Gesetz gibt den
Abhörpraktiken der Regierung einen neuen, rechtlichen Rahmen,
nachdem vor zweieinhalb Jahren bekannt geworden war, dass tausende
US-Bürger nach den Terroranschlägen vom 11. September ohne
richterliche Genehmigung abgehört worden waren.
(Quelle: afp)
Zwei NATO-Soldaten in Afghanistan getötet
Fr.11.07.08 - Bei einem Bombenanschlag im Osten Afghanistans sind am Donnerstag zwei
NATO-Soldaten getötet worden. Ein dritter wurde bei der Detonation
des am Straßenrand versteckten Sprengsatzes in der Provinz
Paktika verletzt, wie die Streitkräfte mitteilten. Die
Nationalität der Opfer wurde nicht bekanntgegeben, die meisten
dort stationierten Soldaten sind Amerikaner.
In der Provinz Logar erschossen Soldaten der NATO-geführten
Truppen einen mutmaßlichen Taliban, der an der Planung von
Selbstmordanschlägen beteiligt gewesen sein soll. Zwei
Zivilpersonen wurden bei dem Einsatz am Mittwoch verletzt. Zwei
Verdächtige wurden festgenommen.
(Quelle: ap)
Gespräche zwischen simbabwischer Regierung und Opposition
Fr.11.07.08 - Simbabwes Regierungspartei und die Opposition haben am Donnerstag
Gespräche zur Lösung der politischen Krise des Landes
aufgenommen. Vertreter der ZANU-PF und der oppositionellen Bewegung
für Demokratischen Wandel (MDC) seien am Morgen in Südafrika
zusammengetroffen, wie der Sprecher des südafrikanischen
Präsidenten Tabo Mbeki der AP bestätigte. Ein
Oppositionssprecher warnte jedoch vor überzogenen Hoffnungen. Die
Bildung einer Allparteienregierung sei erst verhandelbar, wenn
Präsident Robert Mugabes Schergen die Gewalt gegen Oppositionelle
einstellten.
Der simbabwische Regierungssprecher Bright Matonga bestätigte die
Wiederaufnahme der Gespräche. MDC-Sprecher Nqobizitha Mlilo
forderte jedoch, dass dem im Auftrag der Afrikanischen Union (AU)
vermittelnden Mbeki ein weiterer ranghoher Vermittler zur Seite
gestellt werden müsse. Mugabes Polizei «bringt unsere Leute
um», sagte Mlilo. Bevor die Gewalt ende, könne es keine
substanziellen Verhandlungen geben. Nach Oppositionsangaben wurden seit
der Wahl im März mindestens 90 MDC-Anhänger getötet.
Das Europäische Parlament in Straßburg forderte unterdessen
mit überwältigender Mehrheit die Verhängung von
Sanktionen gegen Mugabes Regime. Kein Staat solle die Stichwahl von
Ende Juni als rechtens anerkennen, forderten 591 Abgeordnete - nur acht
stimmten gegen die Entschließung. Die EU-Staaten sollen sich bei
den Vereinten Nationen um schärfere Sanktionen gegen ranghohe
Mitglieder des Regimes bemühen.
Mbeki bemüht sich seit Monaten, zwischen den beiden Parteien zu
vermitteln. Die Opposition hat ihn jedoch mehrfach wegen seiner
unkritischen Haltung gegenüber Mugabe kritisiert.
Mugabe hatte sich nach Angaben seines Außenministers Simbarashe
Mumbengegwi vom Dienstag zur Bildung einer Allparteienregierung
bereiterklärt. Tsvangirai steht diesem Ausweg aus der Krise
früheren Aussagen zufolge offen gegenüber, allerdings ohne
Beteiligung Mugabes, der das Land seit 28 Jahren regiert.
Der Präsident ließ sich Ende Juni in einer Stichwahl ohne
Gegenkandidaten für eine weitere Amtszeit wählen. Tsvangirai
hatte die erste Wahlrunde im März gewonnen, aber den offiziellen
Ergebnissen zufolge nicht die notwendige absolute Mehrheit erhalten. Er
zog sich wegen gewaltsamer Übergriffe auf seine Anhänger aus
dem Wahlkampf zurück.
(Quelle: ap)
Rebellen im Niger-Delta drohen mit neuen Angriffen
Fr.11.07.08 - Die größte Rebellengruppe in Nigeria hat ihren vor zwei
Wochen ausgerufenen Gewaltverzicht für beendet erklärt und mit
neuen Anschlägen gedroht. Ein Sprecher der Bewegung für die
Emanzipation des Niger-Deltas (MEND) erklärte am Donnerstag der
Nachrichtenagentur AP, der bewaffnete Kampf werde ab Samstag
wiederaufgenommen. Er begründete dies mit der Erklärung des
britischen Premierministers Gordon Brown auf dem G-8-Gipfel in Japan,
dass London die nigerianische Regierung unterstütze. Die MEND und
andere Rebellengruppen verlangen eine größere Beteiligung der
Region an den Öleinnahmen, die im Niger-Delta erzielt werden.
(Quelle: ap)
15 afrikanische Flüchtlinge sterben bei Überfahrt nach Spanien
Fr.11.07.08 - Auf der Flucht nach Spanien sind einem Medienbericht zufolge im
Mittelmeer 15 Afrikaner ums Leben gekommen, darunter auch neun Kinder.
Wie der Rundfunksender Cadena Ser am Donnerstag meldete, wurde das
völlig überfüllten Boot am Mittwochabend von der
Küstenwacht abgefangen. Die Menschen seien in den vergangenen Tagen
auf See verhungert oder verdurstet, ihre Leichen über Bord
geworfen worden, um Platz für die Überlebenden zu schaffen,
sagte ein Behördensprecher.
Ein Patrouillenboot habe vor der Küste von Almeria in
Südspanien 33 Menschen von Bord des Flüchtlingsboots gerettet,
hieß es weiter. Einige Flüchtlinge seien so entkräftet
gewesen, dass sie nicht alleine stehen konnten. Die neun toten Kinder
seien im Alter zwischen einem und vier Jahren gewesen, berichteten
Radio Cadena Ser und andere Medien. Wie die Behörden mitteilten,
wurden vor Almeria am Mittwochabend noch drei weitere
Flüchtlingsboote mit insgesamt 139 Menschen abgefangen.
Jedes Jahr versuchen tausende Afrikaner, oft auf altersschwachen
Booten, nach Spanien und von dort in andere Staaten der
europäischen Union zu gelangen. Es wird vermutet, dass viele dabei
ums Leben kommen.
(Quelle: ap)
Energiekrise in China weitet sich aus
Fr.11.07.08 - Wegen Problemen mit der Kohleversorgung weitet sich in China eine
Energiekrise aus.
Die Provinz Shaanxi kündigte am Donnerstag an, die Leistung ihrer
Kraftwerke zu bestimmten Tageszeiten zu rationieren, wie staatliche
Medien berichteten. Wegen immer knapper werdender Kohlevorräte und
deren schlechter Qualität könne ein Teil der Kraftwerke nicht
auf voller Leistung gefahren werden. Weitere Kapazitäten lägen
wegen technischer Störungen still oder könnten wegen
bekannter Störungen jederzeit ausfallen. Wegen anhaltend
heißen Wetters habe der Verbrauch zuletzt Rekordwerte erreicht und
könne weiter anschwellen.
Im benachbarten Shanxi gibt es bereits seit Ende Juni Rationierungen,
und in der Hauptstadt der Provinz Henan ist mehrfach der Strom
ausgefallen. Dies hat Befürchtungen geweckt, dem Land könne
eine Energiekrise wie 2004 bevorstehen, als es im ganzen Land
Stromausfälle und Lieferengpässe gab, die unter anderem zur
Schließung von Metallhütten führten. Zuletzt wurden
bereits die Strompreise erhöht und der Kohlepreis gedeckelt, was
Beobachtern zufolge aber nicht zur Eindämmung der Probleme
ausreichen dürfte.
(Quelle: rtr)
Internationale Energieagentur erhöht Vorhersage zum Ölbedarf
Fr.11.07.08 - Die Internationale Energieagentur (IEA) hat erstmals seit Monaten ihre
Vorhersage zum weltweiten Ölbedarf erhöht. Die Nachfrage nach
Rohöl werde dieses Jahr bei 86,9 Millionen Fass am Tag liegen,
80.000 Fass mehr als zuletzt angesetzt, erklärte die IEA in ihrem
monatlichen Ölmarktbericht. Im Vergleich zum vorigen Jahr steige
die weltweite Nachfrage damit um 890.000 Fass täglich. Dies liege
daran, dass zwar in den Industrieländern die Nachfrage
zurückgehe, aufstrebende Schwellenländer aber immer mehr
Öl bräuchten. Für kommendes Jahr rechnet die
Energieagentur mit einer um 1,1 Prozent steigenden Nachfrage. Dies
wären nochmals täglich 890.000 Fass mehr als dieses Jahr. Ein
Fass entspricht 159 Litern.
Zuletzt hatte die Energieagentur ihre Vorhersage fünfmal in Folge
gesenkt, nachdem der Ölpreis bis auf 140 Dollar (89 Euro) gestiegen
war. Am Donnerstagmorgen wurde das Fass in Asien für knapp 137
Dollar gehandelt.
(Quelle: afp)
Größte Agrarregion Australiens vor einer Katastrophe - Seit
zehn Jahren anhaltende Trockenheit bedroht das Murray-Darling-Becken
Fr.11.07.08 - Nach zehn Jahren Trockenheit steht das größte
landwirtschaftliche Anbaugebiet Australiens, das Murray-Darling-Becken,
vor einer ökonomischen und ökologischen Katastrophe. Wie aus
einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht hervorgeht,
dürfte es auch in den nächsten Jahren in der Region im
Südosten Australiens nicht ausreichend regnen, um eine Wende
herbeizuführen.
Auch ein neuer Naturschutzplan der Regierung wird nicht rasch genug
greifen, um alle Umweltschäden an dem Flusssystem von Murray und
Darling wieder rückgängig zu machen, wie
Ministerpräsident Kevin Rudd einräumte. «Leider wird die
Trockenheit noch schlimmer werden», stellte die für die
Bewässerung des Murray-Darling-Beckens zuständige Kommission
in ihrem Bericht fest.
Weite Teile Australiens werden seit einem Jahrzehnt von der schlimmsten
Dürre seit hundert Jahren heimgesucht. Die Trockenheit
beeinträchtigt das Wirtschaftswachstum des Landes und hat bereits
in allen großen Städten zu Einschränkungen bei der
Trinkwasserversorgung geführt.
Besonders hart betroffen ist das Murray-Darling-Becken. 42 Prozent der
landwirtschaftlichen Nutzfläche Australiens liegen dort, und auf
den Flächen werden 40 Prozent der Nahrungsmittel des Landes
produziert. Dem Kommissionsbericht zufolge fiel die Niederschlagsmenge
im Juni auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Messungen vor 117
Jahren. Sie betrug lediglich 16 Prozent der durchschnittlichen
Regenmenge.
Nach einem kürzlich veröffentlichten Regierungsbericht droht
wegen der Dürre die Erzeugung der von Bewässerung
abhängigen langwirtschaftlichen Erzeugnisse in der Region bis zum
Jahr 2100 um 92 Prozent einzubrechen. Die Trockenheit hat bereits Bauern
in den Ruin getrieben und bedroht die wirtschaftliche
Überlebensfähigkeit der Kommunen, die von der Landwirtschaft
abhängig sind.
(Quelle: ap)
Frankreichs EU-Ratsvorsitz: Klimapaket hat Priorität
Fr.11.07.08 - Die Verabschiedung eines Klima- und Energiepakets innerhalb der
nächsten sechs Monate ist «absolute Priorität» des
französischen EU-Ratsvorsitzes. Die Erhaltung des
ökologischen Gleichgewichts sei eine beträchtliche
Herausforderung.
Das sagte Präsident Nicolas Sarkozy am Donnerstag vor dem
Europaparlament in Straßburg bei der Vorstellung seines Programms.
«Wir sind die letzte Generation, die eine Katastrophe vermeiden
kann», sagte der Staatspräsident in seiner von häufigem
Beifall aufgenommenen Rede im voll besetzten Straßburger
Plenarsaal. Zur Lösung der institutionellen Krise nach dem Nein
der Iren zum Lissabonner Reformvertrag will Sarkozy am 21. Juli nach
Irland reisen und im Oktober oder Dezember zusammen mit den Iren eine
Lösung vorstellen.
(Quelle: dpa)
Ehemaliger Direktor des UN-Umweltprogramms: G-8-Gipfel hat nicht viel
für Klimaschutz gebracht - Töpfer erteilt deutliche Absage an
Atomenergie
Fr.11.07.08 - Der ehemalige Direktor des UN-Umweltprogramms (UNEP), Klaus
Töpfer, hat das G-8-Abkommen zum Klimaschutz als vollkommen
ungenügend kritisiert. Außer einem "zarten Bekenntnis zum
Klimaschutz" habe sich bei dem G-8-Gipfel in Japan zu dem Thema "nicht
viel getan", sagte Töpfer der in Hannover erscheinenden "Neuen
Presse". Notwendig seien "wesentlich schnellere Weichenstellungen". Von
der UN-Klimaschutzkonferenz im kommenden Jahr in Kopenhagen erwarte er
ein Abkommen mit konkreten Minderungszielen bis 2050 samt verbindlicher
Zwischenziele und Überprüfungsmechanismen.
Um Schwellenländer wie Indien und China auf konkrete Klimaziele zu
verpflichten, benötigen diese Länder laut Töpfer konkrete
Hilfen. Vereinbarungen zur technologischen Zusammenarbeit seien eine
entscheidende Bedingung dafür, dass die Schwellenländer beim
Klimaschutz mitmachen. Langfristig müssten gleiche Emissionsrechte
für jedes Land das Ziel sein, abhängig von der jeweiligen
Bevölkerungszahl.
Eine deutliche Absage erteilte Töpfer der Atomenergie. "Für
das Klimaproblem wird die Kernenergie ohne jeden Zweifel nicht die
Lösung sein", sagte der frühere CDU-Bundesumweltminister.
Höchstens für eine Übergangszeit könne die
Kernenergie als ergänzende Option eine Rolle spielen. "Um
überhaupt etwas für den Klimaschutz zu erreichen, müssten
weltweit schon tausende Kernkraftwerke zusätzlich gebaut werden.
Das ist nicht realistisch und würde die Gefahr
vergrößern, dass nukleares Material in die falschen
Hände gerät", fügte Töpfer hinzu.
(Quelle: afp)
Deutsche Entwicklungsorganisationen nennen G-8-Gipfel erfolglos
Fr.11.07.08 - Der G-8-Gipfel ist nach Einschätzung der deutschen
Entwicklungsorganisationen ohne Erfolg zu Ende gegangen. "Unsere Bilanz
ist Stillstand statt Fortschritt", sagte die Geschäftführerin
des Verbandes der Entwicklungsorganisationen (VENRO), Heike Spielmans,
in einem epd-Gespräch am Mittwoch. So seien im japanischen Toyako
lediglich die längst gefassten Ziele bestätigt worden, ohne
sie zu konkretisieren.
Dies sei der Fall bei der zugesagten Steigerung der Entwicklungshilfe
um jährlich 50 Milliarden US-Dollar bis 2010. "Unsere Forderung
war, dass es nationale Stufenpläne gibt, die festlegen, welches
Land wie viel erreichen muss - das ist nicht geschehen", kritisierte
Spielmans. Auch das Ziel, bis 2010 allen Aids-Patienten Behandlung und
Pflege zukommen zu lassen, sei nicht konkretisiert worden. Das mache die
Zusage unrealistisch, weil bislang erst ein Drittel der Aidskranken
Medikamente erhielten.
Das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" bezeichnete das
Treffen der acht führenden Industrienationen als "Schlag ins
Gesicht der Armen". Es sei schon fast zynisch, sagte
Ernährungsexpertin Carolin Callenius. Der millionenfachen
Verletzung des Menschenrechts auf Nahrung werde nicht begegnet, indem
mit Sorge anerkannt werde, dass die Hungerkrise strukturelle Ursachen
habe, ohne konkrete Lösungsschritte zu beschließen.
Eine gemischte Bilanz des Treffens zieht die Organisation FIAN. "Es ist
erfreulich, dass die reichen Industriestaaten wieder mehr Geld in die
Landwirtschaft in Entwicklungsländern investieren wollen", sagte
der FIAN-Vorsitzende Wolfgang Sterk. Alarmierend sei jedoch, dass das
Geld hauptsächlich für chemischen Dünger,
genmanipuliertes Saatgut und Nahrungsmittelhilfen ausgegeben werden
soll. "Gegen die Kernursachen der Hungerkrise, wie die Agrartreibstoffe,
die Liberalisierung des Welthandels, die ungerechte Landverteilung und
die Spekulation, wurden keinerlei Gegenmaßnahmen eingeleitet",
kritisierte Sterk.
Spielmans hält die jährlichen Treffen der acht führenden
Industrienationen gar für überflüssig. "Einmal, weil
nichts Konkretes herauskommt, die Staaten sich nicht verpflichten",
erläuterte die Entwicklungsexpertin. Zudem seien solche
umfassenden, global wichtigen Themen im Rahmen ausschließlich der
Industriestaaten nicht zu diskutieren. Selbst wenn die wichtigsten
Schwellenländer miteinbezogen würden, so wie seit vergangenem
Jahr, mache dies nur die Hälfte der Weltbevölkerung aus.
"Solche globalen Fragen müssen verbindlich in den Vereinten
Nationen geregelt werden.".
(Quelle: epd)
PKK stellt Bedingungen für Freilassung deutscher Geiseln
Fr.11.07.08 - Die Kurdische Arbeiterpartei PKK hat der Bundesregierung Bedingungen
für die Freilassung der drei entführten Deutschen gestellt.
Berlin müsse seine «feindliche Politik gegenüber dem
kurdischen Volk und der PKK» beenden, verlangten die Rebellen am
Donnerstag. Außenminister Frank-Walter Steinmeier wies alle
Forderungen umgehend zurück: «Die Bundesrepublik lässt
sich nicht erpressen.»
Die deutschen Behörden gingen zuletzt gegen den kurdischen Sender
Roj TV vor. Am 19. verbot hatte das Bundesinnenministerium jegliche
Unterstützung des in Dänemark ansässigen Senders. Die
PKK selbst ist in Deutschland seit 1993 verboten.
Die Kurdische Arbeiterpartei versicherte am Donnerstag, den
Dienstagabend am Berg Ararat im Osten der Türkei verschleppten
Bergsteigern gehe es gut. Solange die Bundesregierung ihre Politik aber
nicht ändere, kämen sie nicht frei. Zudem müsse die
Türkei ihr militärisches Vorgehen gegen die PKK beenden.
«Wir hegen keine Feindseligkeit gegenüber dem deutschen
Volk», hieß es in einer von der PKK-nahen
Nachrichtenagentur Firat verbreiteten Erklärung weiter. Die 33, 47
und 65 Jahre alten Geiseln seien gut behandelt worden. Ein PKK-Sprecher
im Nordirak sagte: «Die deutsche Regierung behandelt uns wie
Feinde, und das wollen wir nicht.» Er teilte nicht mit, ob die
drei Männer aus Bayern auf türkischem oder irakischem Gebiet
festgehalten würden.
Außenminister Steinmeier forderte in Berlin die sofortige und
bedingungslose Freilassung der Geiseln. Der Krisenstab arbeite
unvermindert intensiv an einer Lösung des Falles. Auch
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lehnte die PKK-Forderungen
ab. «Es kommt nicht infrage, dass wir mit der PKK darüber
verhandeln, ob wir deutsche Gesetze anwenden oder nicht», sagte
Schäuble im MDR. Nach seinen Worten wurden auch Mitarbeiter des
Bundeskriminalamtes in die Türkei geschickt.
Türkische Polizeieinheiten durchkämmten auf der Suche nach
den Geiseln die Provinz Agri. Die drei Männer gehörten zu
einer 13-köpfigen Gruppe, die den 5.137 Meter hohen Ararat
besteigen wollten. In einem Basislager auf rund 3.200 Metern Höhe
wurden sie überfallen. Die übrigen Mitglieder der Gruppe
würden von einem Mitarbeiter der deutschen Botschaft konsularisch
betreut, teilte das Auswärtige Amt mit.
Der Deutsche Alpenverein (DAV) bemängelte die Zusammenarbeit mit
dem Auswärtigen Amt (AA). Ein Kriseninterventionsteam des DAV sei
in der Türkei eingetroffen, habe aber keinerlei Kontakt zu der
Gruppe der zehn nicht entführten Bergsteiger herstellen
können. «Das AA schottet hier völlig ab», sagte
DAV-Bergsportleiter Wolfgang Wagner.
Die Alpenverein-Sektion im bayerischen Kelheim organisierte die Reise,
ihr Vorsitzender Helmut H. ist eine der Geiseln. Der 65-Jährige
habe sich selbst zur Verfügung gestellt, da er sich als
Organisator verpflichtet gefühlt habe, sagte seine Schwester
Elfriede. Der 65-Jährige habe als erfahrener Bergsteiger bereits
Touren nach Bolivien und Tibet organisiert.
DAV-Hauptgeschäftsführer Thomas Urban sagte, H. habe schon
zuvor eine Tour auf den Ararat geführt, die normal verlaufen sei.
«Das ist kein exotisches Gebiet.» Auch habe es keine
explizite Reisewarnung gegeben.
Betroffenheit herrschte bei den Kollegen des 33 Jahre alten Lars R.:
«Das hat bei uns wie eine Bombe eingeschlagen. Wir sind alle ganz
erschlagen», sagte Jürgen Engl, der Standortleiter der
Saline Bad Reichenhall. R., der in Laufen an der Salzach wohnt, sei
erst vor neun Monaten Vater geworden.
Das Auswärtige Amt rät in seinen Reisehinweisen seit rund
einer Woche von Reisen in die Provinzen Hakkari, Sirnak und Mardin
sowie das Gebiet um Siirt dringend ab. Seit der Entführung wurden
in den Warnhinweis auch die Provinzen Agri und das angrenzende Igdir
aufgenommen.
(Quelle: ap)
Ausländerpolitik: Dopppelte Staatsbürgerschaft entzweit
Koalitionsparteien
Fr.11.07.08 - In der Koalition bahnt sich ein neuer Konflikt um das
Ausländerecht an.
Nach Ansicht von SPD-Innenpolitikern sollte jungen Menschen
ausländischer Herkunft die doppelte Staatsangehörigkeit
grundsätzlich erlaubt werden. Die CDU hingegen strebt eine
Rückkehr zur alten Regelung aus den neunziger Jahren an, die die
doppelte Staatsangehörigkeit nur in Ausnahmefällen erlaubt.
"Die türkischen Verbände haben völlig Recht damit, dass
die Optionspflicht für junge Erwachsene mit Doppelpass auf den
Prüfstand gehört", sagte der SPD-Politiker Sebastian Edathy
der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Union müsse ihre
Blockade in dieser Frage aufgeben, fügte der Vorsitzende des
Bundestags-Innenausschusses hinzu. Auch der SPD-Innenpolitiker Dieter
Wiefelspütz sagte: "Wir wollen das Optionsmodell lieber heute als
morgen abschaffen."
Nach dieser Optionsregelung müssen sich in Deutschland geborene
Kinder von Ausländern bis zum 23. Lebensjahr für eine der
beiden Staatsangehörigkeiten entscheiden, zuvor haben sie beide.
Tun sie dies nicht, geht ihnen die deutsche Staatsangehörigkeit
automatisch verloren.
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach sagte, auch seine Fraktion wolle
die Optionsregelung abschaffen. Es gebe allerdings einen deutlichen
Unterschied zur SPD. "Wir wollen zurück zum alten
Staatsangehörigkeitsrecht von vor 1999, weil es eben keine
doppelte Loyalitäten bei der Staatsangehörigkeit geben kann",
sagte der CDU-Politiker zu "sueddeutsche.de". Nach dem alten Recht hat
nur derjenige Anspruch auf die deutsche Staatsangehörigkeit, der
seine alte Nationalität abgelegt hat.
Bosbach betonte aber, damit werde die doppelte Staatsangehörigkeit
nicht komplett abgeschafft. In Ausnahmefällen solle diese weiter
möglich bleiben. "Die Frage ist nur, ob das der Regelfall werden
soll. Da sagen wir klar: Nein." Am Vortag hatte bereits die
Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU),
Forderungen türkischer Verbände nach einer Erleichterung der
doppelten Staatsbürgerschaft zurückgewiesen.
Derzeit müssen sich rund 3300 Jugendliche bis zum 23. Lebensjahr
entscheiden, welche Staatsangehörigkeit sie annehmen wollen. Bis
2018 steigt diese Zahl laut Böhmer auf 50.000.
"Die generelle doppelte Staatsbürgerschaft wäre ein schlimmer
integrationspolitischer Holzweg", warnte der Parlamentarische
Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Hartmut Koschyk. Von
Zuwanderern, die deutsche Staatsbürger werden wollten, müsse
erwartet werden können, dass sie "eindeutig Ja zu Deutschland"
sagten.
Grüne und Linkspartei sprangen der SPD bei und forderten die
Abschaffung des Optionsmodells und die Zulassung der doppelten
Staatsbürgerschaft. Der Zwang von jungen Deutschen mit
nichtdeutschen Eltern, sich entscheiden zu müssen, sei eine
unzumutbare Härte, argumentierte Grünen-Fraktionsvize
Hans-Christian Ströbele. "Er kann die jungen Menschen in einen
Loyalitäts- und Identitätskonflikt stürzen." Zudem
handele es sich um ein bürokratisches Monstrum für die
Bundesländer.
Die Linken-Innenexpertin Sevim Dagdelen sagte: "Die Optionspflicht
für junge Erwachsene mit Doppelpass ist in der Tat gegen jede
Vernunft und gehört abgeschafft." Die SPD müsse als
Regierungspartei ihren Worten Taten folgen lassen. Die Linke habe
bereits einen entsprechenden Antrag in den Bundestag eingebracht,
über den im Herbst abgestimmt werde.
(Quelle: rtr)
Regierung pessimistisch bei Konjunktur
Fr.11.07.08 - In der Bundesregierung macht sich im Gegensatz zu den
Konjunkturforschern des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) Konjunkturpessimismus breit.
Die vorliegenden Indikatoren deuteten auf einen kräftigen
Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal hin, erfuhr
die Nachrichtenagentur Reuters von einer Person in der Regierung, die
mit diesem Thema vertraut ist. "Erste Berechnungen (...) kommen zum
Ergebnis, dass das reale Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal
saison- und kalenderbereinigt zwischen minus 0,75 und minus 1,5 Prozent
gegenüber dem Vorquartal abgenommen haben könnte", sagte die
Person. Damit dürfte für das erste Halbjahr nur noch eine
Entwicklung zwischen Stagnation und einem Wachstum von reichlich 0,25
Prozent bleiben. Das DIW geht dagegen davon aus, dass die deutsche
Wirtschaft im zweiten Quartal mit einem Plus von 0,2 Prozent den
Absturz ins Minus vermieden hat.
In Regierungskreisen jedoch hieß es, der erwartete
Rückschlag nach dem stark wachsenden ersten Quartal sei
stärker als erwartet ausgefallen. Die negative Entwicklung gehe
vor allem auf die Industrie und den Bau zurück. Für eine
weiter schwache Entwicklung auch im zweiten Halbjahr sprächen die
rückläufigen Auftragseingänge. Allerdings erscheine es
möglich, dass trotz dieser negativen Faktoren die
Regierungsprognose eines Wachstums von 1,7 Prozent in diesem Jahr noch
gehalten werden kann. Man gehe davon aus, dass aber viele
Konjunkturexperten ihre gerade erst nach oben revidierten Prognosen
werden wieder senken müssen. Die Regierung wird ihre Prognose am
16. Oktober aktualisieren.
Deutlich positiver äußerte sich das DIW. Er sieht zwar die
Konjunktur nach dem kraftvollen Start ins Jahr zunehmend auf die
Kriechspur geraten. Der Sommer, also das dritte Quartal, werde aber mit
einem Plus von 0,3 Prozent wieder geringfügig besser ausfallen als
im Vorquartal mit 0,2 Prozent. Dagegen hatte das Ifo-Institut zuvor
bereits vorausgesagt, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal ins Minus
rutschen werde.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück geht von einem "schlechten
zweiten Quartal" aus. Danach werde sich das Wachstum im dritten und
vierten Quartal allerdings wieder verstetigen. Die Regierungsprognose
für 2009 lautet auf 1,2 Prozent.
Angesichts zuletzt schwächerer Zahlen bei Produktion und
Auftragseingang zeichnet sich laut DIW im Sommer für das
Produzierende Gewerbe erstmals seit vier Jahren ein Rückgang ab.
Das Minus werde nach dem kräftigen Wachstum im ersten Halbjahr
jedoch mit 0,3 Prozent moderat ausfallen.
(Quelle: rtr)
Jeder dritte Bürger macht Abstriche bei den Urlaubsplänen
Fr.11.07.08 - Fast jeder dritte Bürger macht laut einer Umfrage wegen der
steigenden Preise zum Beispiel beim Benzin Abstriche bei seinen
Urlaubsplänen. Die Mehrheit will jedoch wie bisher geplant auf
Reisen gehen, gut jeder Vierte bleibt in den Ferien zu Hause. Das ergab
eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des ARD-
«Morgenmagazins». Angesichts der hohen Spritkosten sprechen
sich 82 Prozent der Befragten für eine Wiedereinführung der
Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer aus, dagegen sind elf Prozent.
(Quelle: dpa)
Lufthansa droht mitten in der Hauptreisezeit Streik - Urabstimmung
Anfang der Woche
Fr.11.07.08 - Ausgerechnet in der Hauptreisezeit drohen der Lufthansa Streiks an zwei
Fronten: Die vierte Tarifrunde für Beschäftigte des Boden-
und Kabinenpersonals ist am Donnerstag nach langen Verhandlungen
gescheitert. Jetzt will die Gewerkschaft ver.di ihre Mitglieder in
einer Urabstimmung über Streiks entscheiden lassen. Käme es
zu einem Arbeitskampf, wäre dies laut Lufthansa der erste
Vollstreik seit 23 Jahren.
Anfang der Woche waren bereits 1.000 Piloten der
Lufthansa-Tochterfirmen CityLine und Eurowings in einen
24-stündigen Ausstand getreten. Die Lufthansa-Aktie verlor 0,9
Prozent.
Ver.di-Sprecher Harald Reutter sagte der Nachrichtenagentur AP nach dem
Scheitern der vierten Tarifrunde: «Bei Lufthansa war kein
Einigungswille erkennbar.» Das geänderte Lufthansa-Angebot
auf 6,7 Prozent mehr Geld habe zwar auf den ersten Blick gut
ausgesehen. Es habe aber gerade einmal die Steigerung der
Lebenshaltungskosten ausgeglichen und den Nachholbedarf der
Beschäftigten nicht berücksichtigt. Einschließlich
Einmalzahlung hatte die Offerte ein Volumen von 7,7 Prozent. Die
Gewerkschaft fordert eine Gehaltserhöhung um 9,8 Prozent.
Lufthansa-Verhandlungsführer und Vorstandsmitglied Stefan Lauer
erklärte: «Es ist nicht nachvollziehbar, dass ver.di bei
diesem Angebot nicht einigungsfähig ist.» Die Lufthansa habe
sich im Laufe der Verhandlungen deutlich bewegt. «Dass ver.di
trotz Kenntnis der aktuellen Entwicklung in der Airlinebranche dennoch
das Scheitern erklärt hat, ist nicht mehr nachvollziehbar.»
Im ersten Quartal hatte die Airline gegen der Branchentrend noch ein
Rekordergebnis eingeflogen.
Laut Reutter wird ver.di Anfang kommender Woche die Urabstimmung
einleiten. Sie dauere etwa zwei Wochen. «Wir rechnen mit sehr
hoher Zustimmung», sagte der ver.di-Sprecher. Anschließend
könnte es zu ersten Arbeitsniederlegungen kommen, theoretisch
schon am letzten Juli-Wochenende.
Das am Mittwoch in der vierten Tarifrunde von Lufthansa vorgelegte neue
Angebot sah eine Erhöhung der Vergütung um 4,6 Prozent ab 1.
Juli 2008 und um weitere 2,1 Prozent ab 1. Juli 2009 vor. Zudem sollten
die Beschäftigungen spätestens mit dem Augustgehalt eine
Einmalzahlung von 1 Prozent einer Jahresvergütung bekommen. Der
Tarifvertrag sollte 21 Monate bis zum 28. Februar 2010 laufen. Die
Lufthansa habe allerdings versucht, in den Verhandlungen dann die
Laufzeit über die 21 Monate hinaus zu verlängern, kritisierte
Reutter.
Gescheitert sind laut Lufthansa die Tarifgespräche für die
34.000 Bodenmitarbeiter, verhandelt wurde ein gleiches Angebot für
14.000 Kabinenbeschäftigte. Diesem hätte neben ver.di aber
auch die Flugbegleitergewerkschaft UFO zustimmen müssen. Ver.di
spricht von Verhandlungen für insgesamt 52.000 Beschäftigte.
Die Gespräche waren nach 16 Stunden in der Nacht zum Donnerstag
vertagt worden. Die Wiederaufnahme der Verhandlungen am Vormittag
brachte keine Einigung.
Ein möglicher Streik in der Haupt-Reisesaison dürfte für
die Lufthansa schmerzhaft sein. So flogen im vergangenen Jahr im Juli
und August jeweils mehr als 5 Millionen Passagiere mit der Airline. Im
Februar waren es dagegen nur 3,8 Millionen.
Am Montag dieser Woche hatten bereits Piloten von CityLine und
Eurowings mit einem eintägigen Streik die Streichung von 641
Flügen erzwungen. Cockpit-Verhandlungsführer Thorsten Gommert
sagte der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag, die Lufthansa habe seit
dem Streik kein verbessertes Angebot vorgelegt. «Derzeit herrscht
eher Eiszeit.» Falls es keine neue Offerte gebe, seien weitere
Streiks abzusehen.
(Quelle: ap)
Tarifkonflikt im Einzelhandel beigelegt
Fr.11.07.08 - Der längste Tarifkonflikt in der Geschichte des deutschen
Einzelhandels ist nach 18 Monaten beigelegt worden. Arbeitgeber und die
Gewerkschaft ver.di einigten sich am Donnerstagabend in Gerlingen bei
Stuttgart auf einen Abschluss für die rund 220.000
Beschäftigten in Baden-Württemberg. Die Einigung, die
vermutlich Pilotcharakter für ganz Deutschland haben wird, sieht
im wesentlichen drei Prozent mehr Geld ab 1. April, eine Einmalzahlung
für das vergangene Jahr und die Streichung des Samstagzuschlags
bis 18.30 Uhr vor.
Wie ver.di-Verhandlungsführer Werner Wild berichtete, werden die
Löhne und Gehälter rückwirkend zum 1. April 2008 um drei
Prozent erhöht. Als Ausgleich für das Jahr zuvor erhalten die
Beschäftigten zudem eine Einmalzahlung von 400 Euro. Der
Tarifvertrag läuft bis zum 31. März 2009. Die Einigung sei
nach «langer und zäher Auseinandersetzung» gelungen,
sagte der Gewerkschafter.
Nach Angaben der Arbeitgeber sieht die Einigung zudem für die
Jahre 2009 und 2010 eine Vorsorgeleistung von je 150 Euro vor. Diese
könnten wahlweise in Form einer Altersvorsorge oder als Guthaben
für ein Langzeitkonto gewährt werden. In der heftig
umstrittenen Frage der Zuschläge verständigten sich die
Tarifparteien laut Hauptverband des Deutschen Einzelhandels auf den
Wegfall für Samstagsarbeit bis 18.30 Uhr. Die
Spätzuschläge in der Woche bleiben nach Angaben von
ver.di-Vertreter Wild aber unangetastet.
Ab 18.30 Uhr gebe es weiterhin einen Zuschlag von 20 Prozent. Für
Samstagsarbeit gebe es in Zukunft erst ab 18.30 Uhr einen Zuschlag in
selber Höhe. Ab 20.00 Uhr werden dann 50 Prozent Zuschlag
fällig, wie Wild berichtete. Über die Erfahrungen mit den
Spätöffnungszeiten wollen Arbeitgeber und Gewerkschaft im
kommenden Jahr Gespräche aufnehmen.
Die Hauptgeschäftsführerin des baden-württembergischen
Einzelhandelsverbandes, Sabine Hagmann, sagte, der Kompromiss habe die
Interessen von beiden Seiten zusammengeführt. «Wir hatten
eine total verfahrene Situation. Die haben wir nun gelöst.»
Der Abschluss könnte Pilotcharakter für die insgesamt 2,7
Millionen Beschäftigten im deutschen Einzelhandel haben.
Darüber soll der gemeinsame Tarifpolitische Ausschuss am Freitag
beraten.
Gewerkschafter Wild sagte, er glaube, dass das Ergebnis von den anderen
Tarifbezirken übernommen werde. «Wir sind alle froh
über den Abschluss.» Die Auseinandersetzung im Einzelhandel
war die längste in der deutschen Nachkriegsgeschichte um einen
Flächentarifvertrag.
Ver.di forderte ursprünglich für die Beschäftigten 5,5
Prozent mehr Lohn. In Baden-Württemberg waren die
Beschäftigten im Lauf des Tarifkonflikts immer wieder zu Streiks
aufgerufen.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA),
wertete den Abschluss als Beweis, dass die Tarifautonomie in
Deutschland funktioniere. «Auch wenn lange um eine Lösung
gerungen wurde, sind die Tarifparteien aus eigener Kraft zu einem
Ergebnis gekommen, das den Interessen beider Seiten Rechnung
trägt», erklärte BDA-Präsident Dieter Hundt. Bei
einem staatlichen Mindestlohn wäre es schwerer, solche
Verträge auszuhandeln, weil der Druck auf die Tarifparteien
schwinde.
(Quelle: ap)
Mehr Beschäftigte bei Dienstleistern
Fr.11.07.08 - Immer mehr Menschen in Deutschland finden einen Job im
Dienstleistungsbereich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom
Donnerstag stieg die Zahl der Beschäftigten im ersten Quartal
gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent. Damit habe sich der Trend von
2007 fortgesetzt.
Gegenüber dem vierten Quartal 2008 verzeichneten die Statistiker
ein Plus bei der Beschäftigung von 1,3 Prozent. Den stärksten
Zuwachs gab es mit 1,5 Prozent in der Datenverarbeitung/Datenbanken. Bei
den Verkehrsdienstleistungen stieg die Zahl der Mitarbeiter um 1
Prozent und bei der Nachrichtenübermittlungen um 0,9 Prozent,
sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen verzeichneten ein Plus von 1,4
Prozent.
Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorquartal um 3,3 Prozent und
binnen Jahresfrist um 8,7 Prozent. Besonders stark fiel der Anstieg im
Bereich Verkehr aus mit 6,9 beziehungsweise 7,9 Prozent.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Forscher entdecken Beweise für Wasser auf dem Mond
Fr.11.07.08 - In vulkanischen Glasperlen vom Mond haben Wissenschaftler kleinste
Mengen Wasser nachgewiesen. Es stammt vermutlich aus der Tiefe des
Himmelskörpers und gelangte durch vulkanische Aktivität an die
Oberfläche. Die Forscher gehen daher davon aus, dass weiteres
Wasser im Inneren und an den Polen des Mondes vorhanden ist. Nach der
bisherigen Theorie von der Entstehung des Mondes, nach der dieser durch
eine gewaltige Kollision der Erde mit einem marsgroßen Körper
entstand, sollte eigentlich alles Wasser verdampft sein. Nach diesem
Fund müssen daher wohl Teile dieser Theorie neu überdacht
werden, schreiben die Forscher um Alberto Saal von der
Brown-Universität in Providence im Fachmagazin «Nature»
(Bd. 454, S. 192).
Bei der gewaltigen Kollision vor 4,5 Milliarden Jahren sollten
eigentlich alle leichten und flüchtigen Elemente, wie zum Beispiel
Wasserstoff, verdampft sein. In Analysen von Glasperlen, die von den
US-amerikanischen Apollo-Missionen auf dem Mond gefunden worden waren,
entdeckten Forscher leichte Elemente wie Schwefel und Kohlenstoff.
Möglich wurde dies durch die sich ständig weiterentwickelnden
Analysemethoden. Jetzt konnten die Wissenschaftler um Saal durch die
Entwicklung der sogenannten Nano-Sekundärionen-Massenspektrometrie
auch einen geringen Wassergehalt in den Glasperlen nachweisen. Bei
diesem Verfahren wird die Probe mit geladenen Teilchen beschossen, was
zur Freisetzung weiterer Teilchen führt, die dann mit
hochempfindlichen Detektoren nachgewiesen werden können. So lassen
sich selbst kleinste Mengen von Elementen in einer Probe bestimmen.
Die Glasperlen entstanden bei Vulkanausbrüchen vor mehr als drei
Milliarden Jahren. Dabei verdampften etwa 95 Prozent des Wassers aus dem
Magma, schätzen die Forscher. Aufgrund dieser Schätzung und
des Wassergehalts in den Perlen berechneten die Forscher, dass das
Gestein vor dem Ausbruch bis zu 750 ppm (parts per million) Wasser
enthielt. Diese Menge entspricht auch dem Gehalt an Wasser, den Geologen
in altem Magma von der Erde nachgewiesen haben. «Das legt die
sehr faszinierende Vermutung nahe, dass das Innere des Monds eben so
viel Wasser enthält wie die oberen Gesteinsschichten der
Erde», sagt Eric Hauri vom Carnegie-Institut für Wissenschaft
in Washington, einer der beteiligten Forscher.
Die Wissenschaftler haben zwei Hypothesen für das Vorkommen von
Wasser auf dem Mond: Entweder verdampfte nicht alles Wasser während
der Kollision, oder das Wasser kam weniger als 100 Millionen Jahre nach
der Kollision durch Meteoriten auf den Himmelskörper. Ob sich
vielleicht auch Spuren von Wasser nach den Vulkaneruptionen an den
Mondpolen angesammelt haben, wo es in lichtlosen Kratern
überdauert haben könnte, wollen Forscher der
US-amerikanischen Weltraumbehörde Nasa demnächst mit der
Lunar-Reconnaissance-Orbiter-Mission herausfinden.
(Quelle: ddp)