+++ Mo.14.07.08, 06:30
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Irak 1574 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Truppenabkommen zwischen USA und Irak offenbar gescheitert.
Großbritannien reduziert Zahl der Soldaten im Irak. Zwei Tote bei
Überfall auf Fußballspiel. Deutschlands
Wirtschaftsminister Glos will trotz Sicherheitslage mehr deutsche
Investoren im Irak
Mo.14.07.08 - Die Bemühungen der US-Regierung um ein langfristiges Abkommen zur
Stationierung von Truppen im Irak sind offenbar vorerst gescheitert.
Die "Washington Post" berichtete am Sonntag, Vertreter der Regierungen
in Washington und Bagdad hätten ihre Gespräche beendet.
Ursprünglich wollten beide Seiten ein Sicherheitsabkommen
vereinbart haben, bevor US-Präsident George W. Bush im Januar aus
dem Amt scheidet. Das UN-Mandat, das den US-Einsatz im Irak deckt,
läuft zum Jahresende ab. Die rechtliche Basis für eine
weitere Präsenz amerikanischer Truppen in dem Land wäre damit
ungewiss.
Vertreter der irakischen Regierung hatten bereits vergangene Woche
betont, sie strebten kein formales Truppenabkommen mit den USA an,
sondern allenfalls eine Absichtserklärung. Ministerpräsident
Nuri al-Maliki sorgte zusätzlich für Verstimmung in
Washington, indem er erstmals öffentlich über einen Zeitplan
zum Abzug der US-Truppen sinnierte. Die "Washington Post" zitierte
einen US-Vertreter mit den Worten, beide Seiten sprächen auch
über Daten. Bush hat einen konkreten Zeitplan für den Abzug
bislang aber stets abgelehnt.
Dem Bericht zufolge ist jetzt allenfalls mit einem
Übergangsdokument zu rechnen, demzufolge die USA militärische
Routineeinsätze fortführten dürften, sobald das
UN-Mandat abgelaufen ist. Das Dokument beziehe sich wahrscheinlich aber
nur auf das Jahr 2009, berichtete die "Washington Post". Im Irak
wächst der Druck auf die Regierung, einen Zeitplan für den
Abzug der US-Truppen auszuhandeln. Vizepräsident Tarek al-Haschemi
bekräftigte am Wochenende diese Forderung in einem TV-Interview.
"Die Iraker müssen wissen, wann die Amerikaner und andere Truppen
den irakischen Boden verlassen. Es ist unser Recht, das zu wissen."
Derzeit befinden sich noch rund 140.000 US-Soldaten im Irak. Die "New
York Times" berichtete am Wochenende, die Regierung in Washington denke
über einen rascheren Truppenabzug aus dem Irak nach, um
zusätzliche Einheiten nach Afghanistan verlegen zu können.
Grund sei, dass sich die Lage am Hindukusch stetig verschärfe,
während sich der Irak zunehmend stabilisiere. Im Kampf gegen die
Taliban haben die USA und ihre Verbündeten in den vergangenen
Monaten höhere Verluste erlitten als im Irak. Das
US-Präsidialamt wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.
Großbritannien will die Zahl seiner Soldaten im Irak im kommenden
Jahr deutlich reduzieren. Generalstabschef Jock Stirrup erklärte
am Sonntag, die Streitkräfte hätten nicht die
Möglichkeiten, ihre Soldaten sowohl in Afghanistan als auch im
Irak auf derzeitigem Niveau zu halten. Ursprünglich war geplant,
die Zahl der britischen Soldaten im Irak in diesem Jahr von 4.000 auf
2.500 zu senken. Angesichts der zunehmenden Gewalt war dieser Schritt
verschoben worden.
Die britischen Soldaten sind in der irakischen Stadt Basra stationiert,
wo sie sich hauptsächlich auf die Ausbildung von Soldaten,
Polizisten und Grenzbeamten konzentrieren. Die Zeitung «Sunday
Times» berichtete unter Berufung auf Kreise des
Verteidigungsministeriums, die Regierung werde die Mehrheit der
britischen Soldaten bis Mitte 2009 aus dem Irak abziehen.
Bewaffnete haben am Sonntag nördlich von Bagdad Sportler und
Zuschauer eines Fußballspiels überfallen und zwei Menschen
erschossen. Drei weitere wurden verletzt, darunter ein neun Jahre altes
Kind, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Bei den Getöteten
handelt es sich demnach um einen Polizisten und einen Sunniten, der
sich im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al Kaida im Irak engagierte. Der
Angriff ereignete sich in der Nähe von Dulujia, 75 Kilometer
nördlich der Hauptstadt. In Falludscha kamen bei der Explosion
einer am Straßenrand versteckten Bombe vier Polizisten ums Leben.
Acht Menschen wurden laut Polizei verletzt, unter ihnen vier
Zivilpersonen.
Deutschlands Wirtschaftsminister Michael Glos hat trotz angespannter
Sicherheitslage und einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes
deutsche Unternehmen zu einem größeren Engagement im Irak
aufgerufen.
Der CSU-Politiker besuchte das weitgehend kriegszerstörte Land am
Samstag als erstes Mitglied einer deutschen Regierung seit dem Sturz
Saddam Husseins 2003.
"Ich habe etliche Unternehmen in meiner Begleitung. Sie sind praktisch
die Vorhut für andere, die hoffentlich bald in den Irak kommen und
sich insbesondere auch an den Privatisierungen beteiligen", sagte der
CSU-Politiker dem ARD-Hörfunk in Bagdad. Die irakische Regierung
erklärte, Glos habe die "absolute Bereitschaft" deutscher Firmen
bestätigt, am Wiederaufbau des Landes mitzuwirken.
Während Glos während seines nur einige Stunden dauernden,
zuvor geheimgehaltenen und von scharfen Sicherheitsvorkehrungen
begleiteten Besuchs von einer verbesserten Sicherheitslage sprach,
stuft das Auswärtige Amt Irak unverändert als sehr
gefährlich ein und warnt vor Reisen in das Land. "Deutschen
Staatsangehörigen wird geraten, das Land zu verlassen",
heißt es in den Hinweisen des Ministeriums. "Trotz einer
statistisch verbesserten Sicherheitslage bleibt der Aufenthalt im Irak
gefährlich."
Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, diese Warnungen seien
nicht nur an Reisende gerichtet. "Das gilt für Unternehmen wie
für Privatpersonen. Es gibt da keine unterschiedlichen Hinweise.
Das sind auch keine höflichen Vorschläge. Das ist schon sehr
ernst gemeint", sagte der Sprecher. Die Einschätzung des
Wirtschaftsministers und dessen Aufruf an die Unternehmen wolle er
nicht weiter kommentieren. Das Auswärtige Amt sehe aber keinen
Anlass, an der kritischen Einschätzung für Irak etwas zu
ändern. "Die Reise- und Sicherheitshinweise werden
regelmäßig und sorgfältig auch mit Hilfe anderer
Institutionen überprüft", sagte der Sprecher.
Bei Anschlägen und Feuergefechten, besonders in Bagdad und in den
Gebieten nördlich der Hauptstadt kämen in jedem Monat
weiterhin mehrere hundert Menschen ums Leben, warnt das Ministerium.
Auch das Risiko von Entführungen sei unverändert sehr hoch.
"Ausländer und die sie begleitenden Personen sind in besonderem
Maße gefährdet."
boa (Quellen: afp, ap, rtr)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 14.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Sa.14.07.07 - US-Soldaten erschießen irakische Polizisten +++
London deutet veränderte Politik gegenüber USA an:
Der britische Handelsminister Douglas
Alexander forderte in Washington, in der modernen Welt müssten
"weiche Macht" und Multilateralismus stärker betont werden. "Im 20.
Jahrhundert wurde die Macht eines Landes zu oft daran gemessen, was es
zerstören konnte", sagte Alexander vor dem Council on Foreign
Relations: "Im 21. Jahrhundert sollte Stärke daran bemessen werden,
was wir zusammen aufbauen können."...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707140.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Schwere ISAF-Verluste in Afghanistan - Taliban töten neun
US-Soldaten - Angriff auf Stützpunkt im Grenzgebiet zu Pakistan -
Stundenlange Gefechte - 24 Tote bei Selbstmordanschlag
Mo.14.07.08 - Bei einem Überfall der Taliban auf einen
US-Militärstützpunkt im Nordosten Afghanistan sind am Sonntag
neun amerikanische Soldaten getötet und 15 weitere verletzt
worden. Es war der tödlichste Angriff auf US-Truppen in dem Land
seit drei Jahren. Ein Selbstmordattentäter riss im Süden
Afghanistans 24 Menschen in den Tod.
Der Angriff auf den Stützpunkt im Grenzgebiet zu Pakistan begann
am frühen Morgen, die Gefechte dauerten den Tag über an. Die
Extremisten feuerten vom Dorf Wanat in der Provinz Kunar aus mit
Maschinengewehren, Panzerabwehrraketen und Mörsergranaten auf den
Außenposten, wie die NATO-Schutztruppe ISAF mitteilte. Dabei
seien auch vier afghanische Soldaten verwundet worden. Es sei
außerdem davon auszugehen, dass die Angreifer schwere Verluste zu
verzeichnen hätten.
Zur Nationalität der getöteten Soldaten wollte die NATO
zunächst keine Angaben machen. Aus westlichen Militärkreisen
verlautete aber, es handle sich Amerikaner.
In der Provinz Urusgan sprengte sich am Sonntag ein
Selbstmordattentäter auf einem Motorrad in die Luft. Der Anschlag
ereignete sich an einer belebten Kreuzung in der Nähe einer
Polizeipatrouille. Unter den 24 Todesopfern waren fünf Polizisten.
Mehr als 30 Menschen wurden verletzt.
Bei Kämpfen im Süden des Landes wurden mindestens 40
Aufständische getötet. Zu den zweitägigen Gefechten kam
es in der Provinz Helmand, wie die US-geführten Koalitionstruppen
am Sonntag mitteilten. Die Aufständischen griffen demnach am
Samstag von verschiedenen Seiten eine Patrouille an. Die
Streitkräfte flogen daraufhin Luftangriffe. Mehrere Brücken
und 30 Boote der Aufständischen auf dem Fluss Helmand seien
zerstört worden.
(Quelle: ap)
Nordkorea lehnt neue Versöhnungsgespräche ab - Angebot aus
Südkorea zurückgewiesen - Spannungen nach Tod einer Touristin
weiter verschärft
Mo.14.07.08 - Nordkorea hat nach Berichten staatlicher Medien einen Vorschlag des
südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak zur Wiederaufnahme
von Versöhnungsgesprächen zurückgewiesen. Die
nordkoreanische Zeitung «Rodong Sinmun» schrieb am Sonntag,
der Vorstoß sei es nicht wert, in Betracht gezogen zu werden. Das
Blatt warf Lee betrügerische Taktiken vor, um nicht die
Verantwortung für verschlechterte Beziehungen zwischen beiden
Ländern übernehmen zu müssen.
Lee hatte dem kommunistischen Norden am Freitag angeboten, die
Gespräche wieder aufzunehmen. Allerdings hatte er in einer Rede vor
dem Parlament angekündigt, seine Regierung wolle die Abkommen, die
sein Vorgänger Kim Jong Il mit dem Norden geschlossen habe,
prüfen. Kurz vor Lees Angebot war eine südkoreanische
Touristin in Nordkorea während eines Morgenspaziergans von Soldaten
erschossen worden. Sie hatte das streng abgeschirmte Gelände der
Ferienanlage verlassen.
Südkorea kritisierte Nordkorea für das Vorgehen der Soldaten
scharf und forderte eine Untersuchung des Zwischenfalls. Außerdem
wurden alle Besuche von Südkoreanern in der Anlage bis auf weiteres
gestoppt. Der Norden wies die Forderung zurück und erklärte,
die 53-jährige Touristin habe Warnungen ignoriert und versucht zu
fliehen. Die Tourismusbehörden in Nordkorea forderten eine
Entschuldigung von Seoul für die Einstellung der Besuche aus dem
Süden, die eine «untragbare Beleidigung» darstellten.
Die südkoreanischen Medien reagierten empört auf den Tod der
Touristin. «Wo in der Welt würde ein Soldat auf eine hilflose
Touristin schießen, die in der Nähe eines Hotels ein
Sperrgebiet betritt?», schrieb die Zeitung «Chosun
Ilbo».
Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben seit dem
Amtsantritt des konservativen Präsidenten Lee im Februar
zugenommen. Seine Regierung kritisierte Menschenrechtsverletzungen in
Nordkorea und hat sich skeptisch zu Hilfslieferungen ohne Vorbedingungen
an den verarmten Norden geäußert.
Unterhändler aus sechs Ländern einigten sich am Samstag in
Peking auf weitere Schritte zur Bestätigung der nordkoreanischen
Abrüstungsbemühungen. Danach soll Nordkorea bis Ende Oktober
seine größte Atomanlage vollständig stilllegen. Die
anderen beteiligten Staaten, darunter die USA und China, wollen im
Gegenzug noch ausstehende Hilfslieferungen vervollständigen.
«Die Parteien haben einen wichtigen Konsens erzielt»,
erklärte die Sechsergruppe in einer Stellungnahme. In den
dreitägigen Verhandlungen wurde außerdem beschlossen, dass
ein Expertenteam die nordkoreanischen Anlagen besucht, die Dokumente
prüft und die Ingenieure vor Ort befragt. Die Inspekteure
können dabei auf das Fachwissen der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) zurückgreifen.
Seit der letzten Runde der Verhandlungen im Oktober 2007 hat Nordkorea
seinen Atomreaktor Yongbyon abgebaut und eine Erklärung mit
Einzelheiten zu seinem Atomprogramm vorgelegt. An den Gesprächen
waren auch Südkorea, Japan und Russland beteiligt.
(Quelle: ap)
43 Länder heben in Paris Mittelmeerunion aus der Taufe
Mo.14.07.08 - In Paris haben 43 Länder aus Europa, Afrika und der Nahost-Region
eine Union für das Mittelmeer gegründet. Der
französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte am Sonntagabend
in Paris, auf dem Gründungsgipfel sei eine Erklärung
"einstimmig" angenommen worden. "Die Mittelmeerunion ist der Frieden",
sagte Sarkozy. Auch der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert
sagte, die Region sei einem Friedensabkommen "so nah wie nie". Die
Mittelmeerunion soll die Partnerschaft der EU mit den
Südländern wiederbeleben.
Die Staats- und Regierungschefs der 43 Gründungsmitglieder von
Ägypten bis Zypern trafen im einstigen Pariser
Weltausstellungsgebäude Grand Palais zusammen, um das Projekt
feierlich aus der Taufe zu heben. Die von Sarkozy angeregte
Mittelmeerunion setzt den 1995 begonnenen Barcelona-Prozess der EU fort
und soll um konkrete Projekte etwa zur Reinigung des Mittelmeers und
zur Förderung der Solarenergie herum aufgebaut werden. Den Vorsitz
haben zunächst Frankreich und Ägypten gemeinsam inne.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in
Paris, er sehe im Umfeld des Gipfels "Signale" für Bewegung im
Nahen Osten. Syrien und der Libanon wollen erstmals in ihrer Geschichte
Beziehungen aufnehmen, wie Sarkozy am Samstag nach einem Treffen von
Syriens Staatschef Baschar el Assad mit dem neuen libanesischen
Präsidenten Michel Suleiman ankündigte.
Sarkozy will laut seiner Partei durch eine "Politik der ausgestreckten
Hand" eine Annäherung zwischen den arabischen Staaten und Israel
erreichen. In Paris saßen der syrische Präsident Baschar el
Assad und Israels Regierungschef Ehud Olmert erstmals an einem Tisch.
Beide Länder trennt eine tiefe Feindschaft. Bisher haben nur drei
der Gründerstaaten im Nahen Osten und in Nordafrika diplomatische
Beziehungen zu Israel: Ägypten, Jordanien und die Türkei.
Libyens Staatschef Muammar el Gaddafi nahm nicht an dem Gipfel teil. Er
fürchtet durch das Projekt eine Spaltung der arabischen und
afrikanischen Welt.
Der französische Außenminister Bernard Kouchner sagte zur
Finanzierung der Mittelmeerunion, die bloße Beibehaltung der
EU-Gelder aus dem Barcelona-Prozess reiche "wahrscheinlich nicht aus".
Nach Angaben der Bundesregierung stehen bisher rund 16 Milliarden Euro
bereit. Zusätzliche Mittel sollen unter anderem von
Privatinvestoren kommen. Deutsche Unternehmen haben bereits Interesse
am Bau von Solarkraftwerken südlich des Mittelmeers bekundet.
Kouchner unterstrich die "entscheidende Rolle", die unter anderem
Deutschland bei der Gründung der Union gespielt habe. Auf Druck
von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahmen alle 27 EU-Staaten an
dem Gründungsgipfel teil und nicht nur die Mittelmeer-Anrainer,
wie von Sarkozy ursprünglich geplant.
(Quelle: afp)
PKK fordert von Berlin Druck auf Ankara
Mo.14.07.08 - Im Zusammenhang mit der Entführung von drei deutschen Bergsteigern
in der Türkei hat die kurdische Arbeiterpartei PKK die
Bundesregierung aufgerufen, Druck auf Ankara auszuüben. Berlin
solle die türkische Regierung dazu bringen, die
Militäreinsätze gegen die PKK einzustellen, hieß es in
einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung. Dann werde sich
die PKK-Führung für eine Freilassung der Geiseln einsetzen.
Den Deutschen gehe es gut.
Eine lokale Einheit habe die Bergsteiger auf eigene Faust verschleppt,
zitierte die Nachrichtenagentur Firat aus der Erklärung der PKK.
«Wir werden Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass
die Touristen sicher und wohlbehalten zu ihren Familien
zurückkehren», hieß es weiter. «Voraussetzung
für den Erfolg unserer Initiative ist aber, dass der
türkische Staat seine Operationen einstellt.»
Die Entführung sei eine Reaktion auf das Vorgehen der
Bundesregierung gegen die PKK, bekräftigte die kurdische
Arbeiterpartei: «Solange die (deutsche) Politik gegen das
kurdische Volk anhält, wird es schwierig sein, solche Reaktionen
der Kurden zu unterbinden.»
Eine PKK-Sprecherin im Nordirak schlug am Sonntag vor, internationale
Vermittler sollten eine Waffenruhe in der Region organisieren.
Engagieren könnte sich beispielsweise das Rote Kreuz, sagte Sozdar
Avesta in den Kandil-Bergen im Nordirak. Die Bergsteiger wurden am
Dienstag auf dem Berg Ararat im Osten der Türkei verschleppt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel richtete unterdessen einen eindringlichen
Appell an die Geiselnehmer. «Ich rufe die Entführer auf, die
drei Deutschen umgehend und unversehrt freizulassen», sagte
Merkel der «Bild am Sonntag». Die Bundesregierung werde
alles tun, um ihre Freilassung zu erreichen und arbeite dabei eng mit
der Türkei zusammen. Deutschland lasse sich von den
Entführern aber nicht erpressen.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier traf sich am Sonntag in
Paris mit seinem türkischen Amtskollegen Ali Babacan. Dieser habe
versichert, dass auch die Türkei alles für eine Freilassung
der Deutschen tue, sagte Steinmeier.
Mehrere Medien berichteten, es seien vier Beamte des Bundeskriminalamts
(BKA) am Berg Ararat angekommen. Das Auswärtige Amt wollte dies
nicht kommentieren.
Die Bundesregierung wies zugleich Vorwürfe wegen einer fehlenden
Reisewarnung für das Gebiet in der Osttürkei zurück. Bis
zu der Entführung habe es keine Auffälligkeiten in der Region
gegeben, sagte Steinmeier am Samstag.
Der «Spiegel» berichtete indes, Führungskader der PKK
hätten die Bundesregierung bereits gut eine Woche vor der
Entführung vor «negativen Konsequenzen» ihrer
Kurdenpolitik gewarnt. Der Exekutivrat der «Vereinigten
Gemeinschaften Kurdistans» habe Ende Juni gefordert, die
«feindliche Politik gegen das Kurdische Volk und seine
Befreiungsbewegung» aufzugeben. Kurz darauf habe zudem die
türkische Polizei an das BKA gemeldet, in kurdischen Kreisen
herrsche Unruhe. Möglicherweise könne es zu Anschlägen
und Entführungen kommen. Das BKA habe die
Länder-Innenministerien daraufhin am 2. Juli gewarnt.
Innenstaatssekretär August Hanning bestätigte dem Magazin, es
habe schon vorher Hinweise aus der Türkei gegeben. Nun müsse
man sich möglicherweise auch im Inland auf eine neue Gefahrenlage
einstellen.
(Quelle: ap)
Keine Spur von Enführern der zwei Deutschen in Nigeria
Mo.14.07.08 - Im Fall der zwei in Nigeria verschleppten Deutschen gibt es bisher
keine Hinweise auf die Entführer. Bisher habe sich niemand zu der
Tat bekannt, sagte die Sprecherin der Polizei des Bundesstaates Rivers,
Rita Abbey, der Nachrichtenagentur AFP. Die zwei Mitarbeiter einer
Tochterfirma des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger Berger, die am
Freitag in der Hafenstadt Port Harcourt verschleppt worden waren, seien
aufs Meer gebracht worden, sagte sie. Der Krisenstab in Berlin arbeite
"intensiv an einer baldigen Freilassung" der beiden Deutschen, sagte
ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.
Die nigerianischen Sicherheitskräfte verstärkten am
Wochenende ihre Suche nach den Entführern. "Wir suchen intensiv
nach den Entführern, um die Freilassung der Deutschen zu
erwirken", sagte Abbey. Sie nannte zudem Einzelheiten zu den
Umständen der Geiselnahme. Demnach wurde ein Soldat angeschossen,
als die Entführer die beiden Deutschen in ihre Gewalt brachten.
Einen Bericht der örtlichen Presse, wonach der Soldat wurde,
konnte sie zunächst nicht bestätigen.
Die beiden Deutschen arbeiten für die Firma Julius Berger. Sie ist
seit 1965 in Nigeria tätig und gehört mehrheitlich
nigerianischen Investoren. Das Unternehmen wolle nun die Lage im
Niger-Delta beobachten, sagte ein ranghoher Mitarbeiter. Ob der
Entführungsfall zu einem Rückzug der Firma aus der Region
führen könnte, wollte er nicht sagen. Mehrere
ausländische Unternehmen hatten dies aus Sicherheitsbedenken
bereits getan, darunter auch der französische Reifenhersteller
Michelin.
Entführungen von Ausländern, häufig Mitarbeiter von
Ölfirmen und deren Angehörige, sind im Niger-Delta an der
Tagesordnung. Die Mehrzahl der Entführten wurde bisher nach
wenigen Tagen oder Wochen wieder freigelassen. Die Entführer
verlangen meist, dass die Bevölkerung stärker an den
Einkünften aus den Ölgeschäften beteiligt wird. Anfang
März war ein deutscher Mitarbeiter von Julius Berger im
ölreichen nigerianischen Bundesstaat Rivers von einer bewaffneten
Bande entführt worden. Der Mann kam nach einem Tag wieder frei.
(Quelle: afp)
Hypothekenkrise: IndyMac pleite - Größter
US-Bankenzusammenbruch seit 1984
Mo.14.07.08 - Die Kreditkrise hat in den USA zur schwersten Bankenpleite seit
über zwanzig Jahren geführt.
Der größte unabhängige börsennotierte
Baufinanzierer IndyMac wurde vom Staat übernommen, nachdem das
Geldhaus in massive Kapitalnöte geraten war. Es ist die
drittgrößte Bankenpleite in der US-Geschichte überhaupt
und bereits der fünfte Zusammenbruch eines Geldhauses in diesem
Jahr. Für die kommenden Monate rechnen Branchenkenner mit
zahlreichen weiteren Pleiten, was die Suche des staatlichen
Einlagensicherungsfonds der US-Banken (FDIC) nach einem Käufer
für IndyMac erschweren dürfte. Auch die zwei
größten US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae,
die halbstaatlich sind, stecken in großen Schwierigkeiten.
"Diese Institution ist heute einer Liquiditätskrise zum Opfer
gefallen", sagte der Chef der unmittelbar zuständigen
Sparkassenaufsicht OTS, John Reich, am Freitagabend mit Blick auf
IndyMac. Die Geschäfte der Bank sollen unter dem Dach der FDIC ab
Montag fortgesetzt werden. Der Fonds rechnet mit einem Schaden von vier
bis acht Milliarden Dollar. Die OTS erwartet aber keine
größeren Auswirkungen auf die Märkte, weil die Zahl der
IndyMac-Geschäftspartner vergleichsweise gering sei.
Unter Kunden sorgte die vorübergehende und völlig unerwartete
Schließung der Bank für großen Unmut. "Ich bin
stinksauer. Sie hätten mir etwas sagen können", sagte etwa
eine 29-jährige Friseurin, die verzweifelt vor den verschlossenen
Türen einer IndyMac-Filiale in Los Angeles stand und Geld abheben
wollte. Ein anderer Kunde geriet mit einem Sicherheitsmann aneinander.
Der 1985 gegründete Hypothekenfinanzierer hatte erst vor wenigen
Tagen angekündigt, wegen der Krise über die Hälfte
seiner 7200 Mitarbeiter zu entlassen und sein Geschäft zu
reduzieren. Zuvor war die OTS zu dem Urteil gekommen, dass das Institut
nicht länger über ausreichend Kapital verfüge. Im
vergangenen Jahr hatte IndyMac noch Hypotheken im Volumen von 77
Milliarden Dollar ausgegeben und lag mit einem Marktanteil von gut drei
Prozent insgesamt auf dem neunten Platz der Branche. Inzwischen haben
über 100 US-Hypothekenfirmen im Zuge der Krise ihr Geschäft
eingestellt oder sind Pleite gegangen.
Die OTS machte den New Yorker Senator Charles Schumer für die
IndyMac-Pleite mitverantwortlich. Seine Äußerungen von Ende
Juni, in denen er angezweifelt habe, dass das Unternehmen die
Häuserkrise überleben könne, hätten zu einem
Ansturm der Sparer auf die Konten geführt und damit zu einem
rasanten Kapitalabfluss. Allein in den folgenden elf
Geschäftstagen hätten Kunden mehr als 1,3 Milliarden Dollar
bei IndyMac abgezogen. Der demokratische Politiker wies die
Anschuldigungen zurück und warf der Aufsichtsbehörde im
Gegenzug vor, ihre Arbeit vernachlässigt und IndyMac nicht an
seiner verlustträchtigen Kreditvergabe-Praxis gehindert zu haben.
Die staatliche Übernahme von IndyMac fachte erneut Spekulationen
an, dass auch die stark angeschlagenen Hypothekenfinanzierern Freddie
Mac und Fannie Mae auf einen ähnlichen Rettungsring vom Staat
hoffen könnten. So erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus
verschiedenen Kreisen, dass US-Notenbankchef Ben Bernanke eine
Notfall-Finanzspritze für Freddie und Fannie plane. Eine
Sprecherin der US-Notenbank sagte dagegen, es seien keine Diskussionen
mit den beiden Konzernen über Zugang zum Diskontfenster der
Notenbank geführt worden. Freddie Mac und Fannie Mae droht wegen
der Kreditkrise ebenfalls der Kollaps. Die beiden Institute dominieren
den US-Hypothekenmarkt.
Auch andere Geldhäuser haben mit der Hypothekenkrise massiv zu
kämpfen. Die Investmentbank Bear Stearns stimmte im Frühjahr
unter dem Druck der US-Notenbank Fed ihrem Notverkauf zu. Eine der
größten Hypothekenfirmen des Landes, Countrywide Financial,
rettete sich in die Arme des Finanzkonzerns Bank of America.
Größter Kollaps in der US-Bankengeschichte war bisher der
Crash der Continental Illinois National Bank im Jahr 1984. Vier Jahre
später brach die First RepublicBank zusammen.
(Quelle: rtr)
Weltbank: Nahrungsmittel-Preise werden bis 2012 hoch bleiben
Mo.14.07.08 - Die Weltbank geht von anhaltend hohen Nahrungsmittelpreisen bis
mindestens 2012 aus.
Auch die Energiepreise würden hoch und schwankungsanfällig
bleiben, sagte Weltbank-Präsident Robert Zoellick am Samstag. Die
Preise in beiden Bereichen seien auf einem "gefährlichen Niveau".
Es seien zehn Milliarden Dollar notwendig, um die Ärmsten der Welt
mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Dabei seien auch Bargeld-Hilfen
notwendig. Zwar habe es zuletzt bereits Hilfs-Zusagen in
Milliarden-Höhe gegeben. Doch müssten auch in den kommenden
Jahren Gelder kontinuierlich fließen.
(Quelle: rtr)
Venezuela liefert Karibikstaaten Öl zu Vorzugskonditionen
Mo.14.07.08 - Venezuela will seinen Nachbarn in der Karibik und Südamerika
Öl zu Vorzugskonditionen liefern. Präsident Hugo Chavez
teilte am Sonntag bei einem Treffen der Mitglieder seiner
Petrocaribe-Initiative in Maracaibo mit, die Lieferungen müssten
künftig innerhalb von 90 Tagen zu 40 Prozent bezahlt werden, der
Rest könne bis zu 25 Jahre bei einem Zinssatz von einem Prozent
abgezahlt werden. Bisher mussten die Petrocaribe-Mitglieder die
Hälfte der Lieferung sofort bezahlen.
Chavez nannte die Vereinbarung einen Schutzschild gegen Armut und
Hunger in der Region. Sie gelte, solange der Ölpreis über 100
Dollar pro Barrel liege. 70 Prozent der ausstehenden Beträge
könnten gestundet werden, sollte der Preis über 200 Dollar
das Fass steigen. Einige Mitglieder könnten das Öl auch mit
Waren wie Reis, Bananen und Zucker bezahlen.
An der Veranstaltung in der venezolanischen Stadt Maracaibo nahmen nach
offiziellen Angaben 15 Delegationen teil, darunter elf Staatschefs. Mit
dem Pakt will Chavez seine Vision von einer regionalen
Unabhängigkeit von den USA verwirklichen. Kritik der Opposition,
er verschenke mit einer «Bestechungsdiplomatie» den
Ölreichtum seines Landes, wies Chavez zurück: «Das ist
sehr wahrscheinlich in der US-Botschaft verfasst worden.»
(Quelle: ap)
Nach Unterzeichnung des tschechisch-amerikanischen
Raketenabwehr-Abkommens: Russland drosselt Öl-Lieferungen an
Tschechien
Mo.14.07.08 - Russland hat unmittelbar nach der Unterzeichnung eines
tschechisch-amerikanischen Raketenabwehr-Abkommens seine
Öllieferungen nach Tschechien deutlich gedrosselt.
Das bestätigte der tschechische Regierungsbevollmächtigte
Vaclav Bartuska am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er
widersprach Spekulationen tschechischer Medien, wonach die Drosselung
eine Revanche Russlands auf die Anfang Juli vereinbarte Stationierung
eines US-Radars in Böhmen sein könnte. Seit dem Gasstreit mit
der Ukraine wurde Russland wiederholt vorgeworfen, mit seinen
Energielieferungen gen Westen gezielt politischen Druck auszuüben.
Tschechien forderte Russland in einer offiziellen Note auf, die
Gründe für die Einschränkung zu nennen. Eine
Regierungssprecherin in Prag sagte, der Ausfall könne auch auf
technischen Problemen beruhen. Nach Berechnungen der Online-Ausgabe des
Prager Wirtschaftsmagazins «Euro» würden bei weiter
gedrosselter Zufuhr im Juli statt der vereinbarten 500 000 Tonnen nur
300 000 Tonnen Öl über die «Druschba»-Pipeline
(Freundschaft) nach Tschechien gepumpt. Es bestünden aber
ausreichende Alternativen, um Öl über eine Leitung aus
Ingolstadt (Bayern) zu erhalten, falls die Lieferausfälle
andauerten. Die Ölmenge sei seit dem 4. Juli heruntergefahren
worden.
Gedrosselte Energielieferungen aus Russland sind keine Seltenheit. In
den vergangenen Monaten reduzierte der Ölkonzern Lukoil mindestens
zwei Mal seine Lieferungen an Deutschland. «Wir sind mit dem
gezahlten Preis nicht einverstanden», lautete die Erklärung.
Seit zwei Jahren sind die Öllieferungen an Litauen über einen
nördlichen «Druschba»-Strang unterbrochen. Während
Russland einen Defekt an der Leitung nannte, vermutet die Führung
des EU- und NATO-Mitglieds Litauen politische Motive.
Mit Argwohn wird die russische Energiepolitik seit dem Gasstreit mit
der Ukraine beobachtet, der zum Jahresbeginn 2006 eskalierte. Der
Gasmonopolist Gazprom hatte die Lieferungen gestoppt, weil die Ukraine
sich einer deutlichen Preissteigerung verweigerte. Daraufhin
beschuldigte Moskau die Ukrainer, Gas aus den Transitleitungen zu
klauen. In der Ukraine wie auch bei der EU wird bis heute aber auch
vermutet, dass der mehrtägige russische Gasboykott eine scharfe
Warnung an die prowestliche Führung der von russischer Energie
abhängigen Ukraine sein sollte. Moskau hatte dies stets dementiert.
Der tschechische Regierungsbevollmächtigte Bartuska bezeichnete
ein technisches Problem für die jüngste Drosselung als wenig
wahrscheinlich. «Das müsste schon ein sehr spezielles Problem
sein, weil die Lieferungen an Nachbarländer wie Polen problemlos
laufen.» Einen Erpressungsversuch von russischer Seite schloss er
aus. «Das wäre dumm, denn wir können uns jederzeit
über Ingolstadt ausreichend versorgen», sagte der Beamte. In
Moskau wurde spekuliert, die Drosselung könnte die Folge eines
innerrussischen Konflikts um die Ölexportrechte nach dem
Machtwechsel im Kreml sein. Bartuska wollte dies nicht kommentieren.
(Quelle: dpa)
Kanzlerin Merkel: Energie-Sozialtarife in Deutschland unnötig
Mo.14.07.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Forderungen von
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso zurückgewiesen,
wegen der hohen Energiepreise Sozialtarife für Geringverdiener
einzuführen.
"Deutschland hat solche sozialen Regelungen längst", sagte Merkel
der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. Beim Arbeitslosengeld II
würden im Rahmen der Erstattung der Unterkunftskosten alle
Heizkosten und Stromrechnungen voll ersetzt. Hier sei künftig mit
steigenden Kosten zu rechnen. Zudem könne jeder unter einem
bestimmten Einkommensminimum Wohngeld beantragen, das wegen der
Energiekosten von 90 auf 140 Euro erhöht worden sei.
Merkel zeigte sich allerdings besorgt über die steigenden Preise.
Weltweit trieben die Energiepreise viele andere Kosten nach oben, zum
Beispiel Heizkosten, die Kosten im Verkehr und bei den Lebensmitteln.
Die Kanzlerin fordert daher einen besseren Austausch zwischen
Erzeugerländern und Verbraucherländern, um die Spekulation aus
dem Markt zu nehmen, eine erhöhte Ölförderung und
deutlich mehr Energie-Effizienz in den Industriestaaten. "In Deutschland
müssen wir lernen, unabhängiger von den teuer gewordenen
fossilen Energieträgern wie Öl und Gas zu werden", sagte
Merkel.
(Quelle: rtr)
Atomstreit in Koalition verschärft sich
Mo.14.07.08 - Der Streit in der großen Koalition um die weitere Nutzung der
Atomenergie verschärft sich.
Bundeskanzlerin Angela Merkel verstärkte am Wochenende ihren
Pro-Atomkurs und kündigte an, sich für eine Verlängerung
der Laufzeiten der verbliebenen 17 deutschen Meiler einzusetzen.
CSU-Chef Erwin Huber will im Falle eines Wahlsiegs der Union im
kommenden Jahr den Atomausstieg sofort neu verhandeln und dabei auch
den Bau neuer Reaktoren offenhalten. Die SPD will deshalb nach den
Worten von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel den Atomausstieg im
kommenden Jahr ebenfalls zum prominenten Wahlkampfthema machen.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast schloss ein Bündnis
mit der Union wegen des Atomkurses aus.
Merkel sagte der "Bild am Sonntag", Deutschland könne seine
Energieversorgung klimagerecht auf absehbare Zeit nicht ohne
Atomenergie sicherstellen. "Die Frage der Laufzeitverlängerung
wird sich deshalb spätestens in der nächsten Wahlperiode
stellen", betonte die CDU-Chefin. Union und SPD hatten sich 2005 in
ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, den von der
rot-grünen Vorgängerregierung mit der Industrie
ausgehandelten Atomausstieg bis 2021 nicht anzutasten. Angesichts hoher
Energiepreise und der Debatte um den Klimaschutz will die Union den
Atomausstieg nun aber rückgängig machen.
Ein Neubau-Verbot für Atomkraftwerke im Grundgesetz lehnte die
Kanzlerin ab. "Die Frage der jeweiligen Energieversorgung ist kein
Gegenstand des Grundgesetzes", sagte sie zu entsprechenden Forderungen
der SPD im Gegenzug zu Laufzeitverlängerungen der bestehenden
Meiler.
Auch Huber wandte sich gegen eine Festschreibung des Atomausstiegs.
Zwar wolle gegenwärtig niemand neue Meiler auf den Weg bringen,
sagte der CSU-Chef der "Welt am Sonntag". "Aber Kernkraft ist
Öko-Strom, und Öko-Strom soll man per Grundgesetz verbieten?"
Gabriel forderte deshalb die Union in der "Frankfurter Allgemeinen
Zeitung", klar zu sagen, ob sie auch den Neubau von Atomreaktoren
anstrebe. Wenn die Atomkraft für die Union nur eine
Übergangstechnik sei, "dann dürfte es ihr nicht schwerfallen,
dies in das Grundgesetz zu schreiben." Er regte an, auch die offene
Frage nach der Endlagerung des gefährlichen Strahlenmülls in
der Verfassung zu regeln.
Der Umweltsprecher der CDU, Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust,
und Bundespräsident Horst Köhler plädierten ebenfalls
für eine Laufzeitverlängerung der bestehenden Atomkraftwerke,
machten aber auch klar, dass die Nukleartechnik nur eine
Übergangsenergie seien könne.
Der frühere Chef des UNO-Umweltprogramms und CDU-Politiker Klaus
Töpfer plädierte dagegen im "Spiegel" für eine
Vorreiterrolle Deutschlands beim Atomausstieg: "Jetzt gilt es zu
beweisen, dass eine prosperierende Volkswirtschaft eine
Energieversorgung ohne Kernenergie aufbauen kann", sagte der
frühere Umweltminister.
Grünen-Politikerin Künast sagte Reuters erteilte
Koalitionsspekulationen mit der CDU angesichts der Atomdebatte eine
klare Absage. "Wir stehen für keine Regierung zur Verfügung,
die die Atomkraft verlängern will. Atom ist nicht Öko und ist
auch nicht sicher. Da gibt es kein Wackeln bei uns", sagte sie.
Längere Laufzeiten für jüngere Reaktoren seien schon
jetzt möglich, wenn ältere entsprechend früher
abgeschaltet würden.
Die Debatte um die angebliche Klimafreundlichkeit der Atomkraft und die
hohen Strompreise zeigt unterdessen Wirkung in der öffentlichen
Meinung. 54 Prozent der Befragten einer "Tagesspiegel"/ZDF-Umfrage
sprachen sich für eine längere Laufzeit der Atommeiler aus.
In einer Umfrage der "Bild"-Zeitung plädieren dafür sogar 57
Prozent, wenn sich dadurch die Strompreise stabilisieren ließen.
Die Union will die Energiekonzerne verpflichten, einen Teil der
Mehrgewinne durch längere Laufzeiten von Atomreaktoren zur
Preissenkung einzusetzen. Dies ist aber bei den Firmen bisher
umstritten.
(Quelle: rtr)
Steinbrück will große Koalition auch nach Bundestagswahl
Mo.14.07.08 - Bundesfinanzminister und SPD-Vizechef Peer Steinbrück
plädiert für eine Fortsetzung der großen Koalition
über die nächste Bundestagswahl hinaus.
"Die große Koalition bietet gute Chancen, die wirtschaftliche und
soziale Stabilität zu gewährleisten", sagte Steinbrück
der "Bild"-Zeitung vom Montag nach einem Vorabbericht. Er bezweifele,
"dass Deutschland in seinem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis
ein Experiment mit drei Koalitionspartnern in der Regierung schon jetzt
verkraften würde", sagte der SPD-Politiker.
Als Markenzeichen der Koalition aus Unionsparteien und SPD bezeichnete
Steinbrück, dass es gelinge, sich gegen "das populistische
Wunschkonzert" an Ausgabewünschen zu behaupten. Einer großen
Koalition falle dieser Kurs leichter als anderen Koalitionen.
Seine eigene Partei forderte der stellvertretende Parteivorsitzende
auf, sich stärker zur eigenen Politik zu bekennen. "Wenn gerade
die SPD stärker zu dem stehen würde, was sie seit 1998
erreicht hat - auch in der großen Koalition - dann würde sie
davon profitieren. Das ist eine Frage der Haltung. Daran müssen
wir arbeiten", sagte Steinbrück.
Die große Koalition wurde 2005 von Union und SPD wegen fehlender
anderer Mehrheiten lediglich als Notlösung angesehen. CDU und CSU
streben nach der Wahl 2009 erneut ein Bündnis mit der FDP an.
SPD-Chef Kurt Beck, dessen Partei bis 2005 sieben Jahre mit den
Grünen regiert hatte, warb kürzlich öffentlich für
die FDP als weiteren Bündnispartner. Die Linke wird weder von der
Union noch der SPD auf Bundesebene als Koalitionspartner gesehen.
(Quelle: rtr)
Ost-Standorte besonders von Siemens-Personalabbau betroffen
Mo.14.07.08 - Der geplante Personalabbau bei Siemens könnte nach
Einschätzung von Arbeitnehmervertretern einige Standorte in den
neuen Bundesländern besonders hart treffen wird. "Wir
fürchten, dass die Neuorganisation im Vertrieb die Standorte in
Ostdeutschland überdurchschnittlich stark betreffen wird", sagte
Bettina Haller, Mitglied im Gesamtbetriebsrat und im Aufsichtsrat von
Siemens, dem "Tagesspiegel am Sonntag". In Ostdeutschland sei die
Personaldecke in den vergangenen Jahren ohnehin bereits sehr
ausgedünnt worden. "Ein weiterer Abbau wird einige Standorte in
ihrer Existenz gefährden", sagte Haller.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) riet angesichts des Stellenabbaus
bei Großkonzernen zu Gelassenheit. "Die Großunternehmen
bauen eher Beschäftigung ab. Manchmal ist dies unumgänglich,
wenn die Wettbewerbsfähigkeit erhalten werden muss", sagte Merkel
der "Bild am Sonntag". Sie fügte hinzu: "Manchmal ist es nur
für eine gewisse Zeit." Die Deutsche Bank, die vor einigen Jahren
Personal abgebaut habe, stelle heute wieder ein. Seit Jahren gebe es den
Trend, dass die neuen Arbeitsplätze in kleinen und mittleren
Betrieben entstünden.
Bei Siemens "schmerzt mich besonders, dass Stellen abgebaut werden,
gleichzeitig aber 3200 Stellen frei sind", sagte Merkel weiter. Dies
seien Stellen, für die es zu wenig hochqualifizierte Bewerber gebe.
Daher müssten mehr Anstrengungen für die Bildung unternommen
werden.
(Quelle: afp)
Rewe überlegt Ladenschluss um Mitternacht
Mo.14.07.08 - In einzelnen Rewe-Läden sollen Kunden künftig womöglich
bis Mitternacht einkaufen können. Deutschlands
zweitgrößter Lebensmittelhändler überlegt, in
Einzelfällen den Ladenschluss von 22.00 Uhr auf 24.00 Uhr zu
verschieben. Zur Begründung verwies der Rewe-Vorstandsvorsitzende
Alain Caparros in der «Wirtschaftswoche» auf die «fast
schon beängstigend gute» Umsatz-Entwicklung der letzten
Monate, die der Konzernchef auf den einheitlichen Markenauftritt und
eben auf die verlängerten Öffnungszeiten
zurückführte.
«Wir sind momentan in einer recht komfortablen Situation: Bei
Penny hatten wir im ersten Halbjahr einen Umsatzschub von rund fünf
Prozent. In den Rewe-Märkten liegen wir deutlich über
fünf Prozent», sagte Caparros. Es gebe sogar Monate mit
zweistelligem Wachstum. Die Hälfte des Wachstums geht laut
Caparros auf höhere Preise zurück, etwa bei Milch und Butter.
Im nächsten Halbjahr rechnet der Konzern allerdings nicht mehr mit
einem ähnlichen Preisanstieg.
Der Vorstandschef bestätigte das Interesse am Kauf der 380
Plus-Märkte, die die Tengelmann-Gruppe als Auflage des
Bundeskartellamtes für die Fusion der Ketten Plus und Netto abgeben
muss: «Es wäre natürlich sehr schön, wenn wir uns
mit Tengelmann auf eine Übernahme verständigen
könnten.» Aber zuerst müsse man von den Standorten
überzeugt sein. Danach werde über die finanzielle Komponente
gesprochen: «Wir sind zwar zu einem fairen Angebot bereit, aber
wir zahlen nicht jeden Preis.» Auch an einer Einkaufskooperation
mit den Tengelmann-Kaiser's-Supermärkten sowie an einer
Übernahme der Kette Norma zeigte sich Caparros interessiert.
(Quelle: ap)