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+++ Mo.14.07.08, 06:30         zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak 1574 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Truppenabkommen zwischen USA und Irak offenbar gescheitert. Großbritannien reduziert Zahl der Soldaten im Irak. Zwei Tote bei Überfall auf Fußballspiel. Deutschlands Wirtschaftsminister Glos will trotz Sicherheitslage mehr deutsche Investoren im Irak

Mo.14.07.08 - Die Bemühungen der US-Regierung um ein langfristiges Abkommen zur Stationierung von Truppen im Irak sind offenbar vorerst gescheitert.

Die "Washington Post" berichtete am Sonntag, Vertreter der Regierungen in Washington und Bagdad hätten ihre Gespräche beendet. Ursprünglich wollten beide Seiten ein Sicherheitsabkommen vereinbart haben, bevor US-Präsident George W. Bush im Januar aus dem Amt scheidet. Das UN-Mandat, das den US-Einsatz im Irak deckt, läuft zum Jahresende ab. Die rechtliche Basis für eine weitere Präsenz amerikanischer Truppen in dem Land wäre damit ungewiss.

Vertreter der irakischen Regierung hatten bereits vergangene Woche betont, sie strebten kein formales Truppenabkommen mit den USA an, sondern allenfalls eine Absichtserklärung. Ministerpräsident Nuri al-Maliki sorgte zusätzlich für Verstimmung in Washington, indem er erstmals öffentlich über einen Zeitplan zum Abzug der US-Truppen sinnierte. Die "Washington Post" zitierte einen US-Vertreter mit den Worten, beide Seiten sprächen auch über Daten. Bush hat einen konkreten Zeitplan für den Abzug bislang aber stets abgelehnt.

Dem Bericht zufolge ist jetzt allenfalls mit einem Übergangsdokument zu rechnen, demzufolge die USA militärische Routineeinsätze fortführten dürften, sobald das UN-Mandat abgelaufen ist. Das Dokument beziehe sich wahrscheinlich aber nur auf das Jahr 2009, berichtete die "Washington Post". Im Irak wächst der Druck auf die Regierung, einen Zeitplan für den Abzug der US-Truppen auszuhandeln. Vizepräsident Tarek al-Haschemi bekräftigte am Wochenende diese Forderung in einem TV-Interview. "Die Iraker müssen wissen, wann die Amerikaner und andere Truppen den irakischen Boden verlassen. Es ist unser Recht, das zu wissen."

Derzeit befinden sich noch rund 140.000 US-Soldaten im Irak. Die "New York Times" berichtete am Wochenende, die Regierung in Washington denke über einen rascheren Truppenabzug aus dem Irak nach, um zusätzliche Einheiten nach Afghanistan verlegen zu können. Grund sei, dass sich die Lage am Hindukusch stetig verschärfe, während sich der Irak zunehmend stabilisiere. Im Kampf gegen die Taliban haben die USA und ihre Verbündeten in den vergangenen Monaten höhere Verluste erlitten als im Irak. Das US-Präsidialamt wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Großbritannien will die Zahl seiner Soldaten im Irak im kommenden Jahr deutlich reduzieren. Generalstabschef Jock Stirrup erklärte am Sonntag, die Streitkräfte hätten nicht die Möglichkeiten, ihre Soldaten sowohl in Afghanistan als auch im Irak auf derzeitigem Niveau zu halten. Ursprünglich war geplant, die Zahl der britischen Soldaten im Irak in diesem Jahr von 4.000 auf 2.500 zu senken. Angesichts der zunehmenden Gewalt war dieser Schritt verschoben worden.

Die britischen Soldaten sind in der irakischen Stadt Basra stationiert, wo sie sich hauptsächlich auf die Ausbildung von Soldaten, Polizisten und Grenzbeamten konzentrieren. Die Zeitung «Sunday Times» berichtete unter Berufung auf Kreise des Verteidigungsministeriums, die Regierung werde die Mehrheit der britischen Soldaten bis Mitte 2009 aus dem Irak abziehen.

Bewaffnete haben am Sonntag nördlich von Bagdad Sportler und Zuschauer eines Fußballspiels überfallen und zwei Menschen erschossen. Drei weitere wurden verletzt, darunter ein neun Jahre altes Kind, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Bei den Getöteten handelt es sich demnach um einen Polizisten und einen Sunniten, der sich im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al Kaida im Irak engagierte. Der Angriff ereignete sich in der Nähe von Dulujia, 75 Kilometer nördlich der Hauptstadt. In Falludscha kamen bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe vier Polizisten ums Leben. Acht Menschen wurden laut Polizei verletzt, unter ihnen vier Zivilpersonen.

Deutschlands Wirtschaftsminister Michael Glos hat trotz angespannter Sicherheitslage und einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes deutsche Unternehmen zu einem größeren Engagement im Irak aufgerufen.

Der CSU-Politiker besuchte das weitgehend kriegszerstörte Land am Samstag als erstes Mitglied einer deutschen Regierung seit dem Sturz Saddam Husseins 2003.

"Ich habe etliche Unternehmen in meiner Begleitung. Sie sind praktisch die Vorhut für andere, die hoffentlich bald in den Irak kommen und sich insbesondere auch an den Privatisierungen beteiligen", sagte der CSU-Politiker dem ARD-Hörfunk in Bagdad. Die irakische Regierung erklärte, Glos habe die "absolute Bereitschaft" deutscher Firmen bestätigt, am Wiederaufbau des Landes mitzuwirken.

Während Glos während seines nur einige Stunden dauernden, zuvor geheimgehaltenen und von scharfen Sicherheitsvorkehrungen begleiteten Besuchs von einer verbesserten Sicherheitslage sprach, stuft das Auswärtige Amt Irak unverändert als sehr gefährlich ein und warnt vor Reisen in das Land. "Deutschen Staatsangehörigen wird geraten, das Land zu verlassen", heißt es in den Hinweisen des Ministeriums. "Trotz einer statistisch verbesserten Sicherheitslage bleibt der Aufenthalt im Irak gefährlich."

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, diese Warnungen seien nicht nur an Reisende gerichtet. "Das gilt für Unternehmen wie für Privatpersonen. Es gibt da keine unterschiedlichen Hinweise. Das sind auch keine höflichen Vorschläge. Das ist schon sehr ernst gemeint", sagte der Sprecher. Die Einschätzung des Wirtschaftsministers und dessen Aufruf an die Unternehmen wolle er nicht weiter kommentieren. Das Auswärtige Amt sehe aber keinen Anlass, an der kritischen Einschätzung für Irak etwas zu ändern. "Die Reise- und Sicherheitshinweise werden regelmäßig und sorgfältig auch mit Hilfe anderer Institutionen überprüft", sagte der Sprecher.

Bei Anschlägen und Feuergefechten, besonders in Bagdad und in den Gebieten nördlich der Hauptstadt kämen in jedem Monat weiterhin mehrere hundert Menschen ums Leben, warnt das Ministerium. Auch das Risiko von Entführungen sei unverändert sehr hoch. "Ausländer und die sie begleitenden Personen sind in besonderem Maße gefährdet."

boa (Quellen: afp, ap, rtr)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 14.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Sa.14.07.07 - US-Soldaten erschießen irakische Polizisten +++ London deutet veränderte Politik gegenüber USA an: Der britische Handelsminister Douglas Alexander forderte in Washington, in der modernen Welt müssten "weiche Macht" und Multilateralismus stärker betont werden. "Im 20. Jahrhundert wurde die Macht eines Landes zu oft daran gemessen, was es zerstören konnte", sagte Alexander vor dem Council on Foreign Relations: "Im 21. Jahrhundert sollte Stärke daran bemessen werden, was wir zusammen aufbauen können."... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707140.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

Schwere ISAF-Verluste in Afghanistan - Taliban töten neun US-Soldaten - Angriff auf Stützpunkt im Grenzgebiet zu Pakistan - Stundenlange Gefechte - 24 Tote bei Selbstmordanschlag

Mo.14.07.08 - Bei einem Überfall der Taliban auf einen US-Militärstützpunkt im Nordosten Afghanistan sind am Sonntag neun amerikanische Soldaten getötet und 15 weitere verletzt worden. Es war der tödlichste Angriff auf US-Truppen in dem Land seit drei Jahren. Ein Selbstmordattentäter riss im Süden Afghanistans 24 Menschen in den Tod.

Der Angriff auf den Stützpunkt im Grenzgebiet zu Pakistan begann am frühen Morgen, die Gefechte dauerten den Tag über an. Die Extremisten feuerten vom Dorf Wanat in der Provinz Kunar aus mit Maschinengewehren, Panzerabwehrraketen und Mörsergranaten auf den Außenposten, wie die NATO-Schutztruppe ISAF mitteilte. Dabei seien auch vier afghanische Soldaten verwundet worden. Es sei außerdem davon auszugehen, dass die Angreifer schwere Verluste zu verzeichnen hätten.

Zur Nationalität der getöteten Soldaten wollte die NATO zunächst keine Angaben machen. Aus westlichen Militärkreisen verlautete aber, es handle sich Amerikaner.

In der Provinz Urusgan sprengte sich am Sonntag ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad in die Luft. Der Anschlag ereignete sich an einer belebten Kreuzung in der Nähe einer Polizeipatrouille. Unter den 24 Todesopfern waren fünf Polizisten. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt.

Bei Kämpfen im Süden des Landes wurden mindestens 40 Aufständische getötet. Zu den zweitägigen Gefechten kam es in der Provinz Helmand, wie die US-geführten Koalitionstruppen am Sonntag mitteilten. Die Aufständischen griffen demnach am Samstag von verschiedenen Seiten eine Patrouille an. Die Streitkräfte flogen daraufhin Luftangriffe. Mehrere Brücken und 30 Boote der Aufständischen auf dem Fluss Helmand seien zerstört worden.

(Quelle: ap)
 



 

Nordkorea lehnt neue Versöhnungsgespräche ab - Angebot aus Südkorea zurückgewiesen - Spannungen nach Tod einer Touristin weiter verschärft

Mo.14.07.08 - Nordkorea hat nach Berichten staatlicher Medien einen Vorschlag des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak zur Wiederaufnahme von Versöhnungsgesprächen zurückgewiesen. Die nordkoreanische Zeitung «Rodong Sinmun» schrieb am Sonntag, der Vorstoß sei es nicht wert, in Betracht gezogen zu werden. Das Blatt warf Lee betrügerische Taktiken vor, um nicht die Verantwortung für verschlechterte Beziehungen zwischen beiden Ländern übernehmen zu müssen.

Lee hatte dem kommunistischen Norden am Freitag angeboten, die Gespräche wieder aufzunehmen. Allerdings hatte er in einer Rede vor dem Parlament angekündigt, seine Regierung wolle die Abkommen, die sein Vorgänger Kim Jong Il mit dem Norden geschlossen habe, prüfen. Kurz vor Lees Angebot war eine südkoreanische Touristin in Nordkorea während eines Morgenspaziergans von Soldaten erschossen worden. Sie hatte das streng abgeschirmte Gelände der Ferienanlage verlassen.

Südkorea kritisierte Nordkorea für das Vorgehen der Soldaten scharf und forderte eine Untersuchung des Zwischenfalls. Außerdem wurden alle Besuche von Südkoreanern in der Anlage bis auf weiteres gestoppt. Der Norden wies die Forderung zurück und erklärte, die 53-jährige Touristin habe Warnungen ignoriert und versucht zu fliehen. Die Tourismusbehörden in Nordkorea forderten eine Entschuldigung von Seoul für die Einstellung der Besuche aus dem Süden, die eine «untragbare Beleidigung» darstellten.

Die südkoreanischen Medien reagierten empört auf den Tod der Touristin. «Wo in der Welt würde ein Soldat auf eine hilflose Touristin schießen, die in der Nähe eines Hotels ein Sperrgebiet betritt?», schrieb die Zeitung «Chosun Ilbo».

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben seit dem Amtsantritt des konservativen Präsidenten Lee im Februar zugenommen. Seine Regierung kritisierte Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea und hat sich skeptisch zu Hilfslieferungen ohne Vorbedingungen an den verarmten Norden geäußert.

Unterhändler aus sechs Ländern einigten sich am Samstag in Peking auf weitere Schritte zur Bestätigung der nordkoreanischen Abrüstungsbemühungen. Danach soll Nordkorea bis Ende Oktober seine größte Atomanlage vollständig stilllegen. Die anderen beteiligten Staaten, darunter die USA und China, wollen im Gegenzug noch ausstehende Hilfslieferungen vervollständigen.

«Die Parteien haben einen wichtigen Konsens erzielt», erklärte die Sechsergruppe in einer Stellungnahme. In den dreitägigen Verhandlungen wurde außerdem beschlossen, dass ein Expertenteam die nordkoreanischen Anlagen besucht, die Dokumente prüft und die Ingenieure vor Ort befragt. Die Inspekteure können dabei auf das Fachwissen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zurückgreifen.

Seit der letzten Runde der Verhandlungen im Oktober 2007 hat Nordkorea seinen Atomreaktor Yongbyon abgebaut und eine Erklärung mit Einzelheiten zu seinem Atomprogramm vorgelegt. An den Gesprächen waren auch Südkorea, Japan und Russland beteiligt.

(Quelle: ap)
 



 

43 Länder heben in Paris Mittelmeerunion aus der Taufe

Mo.14.07.08 - In Paris haben 43 Länder aus Europa, Afrika und der Nahost-Region eine Union für das Mittelmeer gegründet. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte am Sonntagabend in Paris, auf dem Gründungsgipfel sei eine Erklärung "einstimmig" angenommen worden. "Die Mittelmeerunion ist der Frieden", sagte Sarkozy. Auch der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte, die Region sei einem Friedensabkommen "so nah wie nie". Die Mittelmeerunion soll die Partnerschaft der EU mit den Südländern wiederbeleben.

Die Staats- und Regierungschefs der 43 Gründungsmitglieder von Ägypten bis Zypern trafen im einstigen Pariser Weltausstellungsgebäude Grand Palais zusammen, um das Projekt feierlich aus der Taufe zu heben. Die von Sarkozy angeregte Mittelmeerunion setzt den 1995 begonnenen Barcelona-Prozess der EU fort und soll um konkrete Projekte etwa zur Reinigung des Mittelmeers und zur Förderung der Solarenergie herum aufgebaut werden. Den Vorsitz haben zunächst Frankreich und Ägypten gemeinsam inne.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in Paris, er sehe im Umfeld des Gipfels "Signale" für Bewegung im Nahen Osten. Syrien und der Libanon wollen erstmals in ihrer Geschichte Beziehungen aufnehmen, wie Sarkozy am Samstag nach einem Treffen von Syriens Staatschef Baschar el Assad mit dem neuen libanesischen Präsidenten Michel Suleiman ankündigte.

Sarkozy will laut seiner Partei durch eine "Politik der ausgestreckten Hand" eine Annäherung zwischen den arabischen Staaten und Israel erreichen. In Paris saßen der syrische Präsident Baschar el Assad und Israels Regierungschef Ehud Olmert erstmals an einem Tisch. Beide Länder trennt eine tiefe Feindschaft. Bisher haben nur drei der Gründerstaaten im Nahen Osten und in Nordafrika diplomatische Beziehungen zu Israel: Ägypten, Jordanien und die Türkei. Libyens Staatschef Muammar el Gaddafi nahm nicht an dem Gipfel teil. Er fürchtet durch das Projekt eine Spaltung der arabischen und afrikanischen Welt.

Der französische Außenminister Bernard Kouchner sagte zur Finanzierung der Mittelmeerunion, die bloße Beibehaltung der EU-Gelder aus dem Barcelona-Prozess reiche "wahrscheinlich nicht aus". Nach Angaben der Bundesregierung stehen bisher rund 16 Milliarden Euro bereit. Zusätzliche Mittel sollen unter anderem von Privatinvestoren kommen. Deutsche Unternehmen haben bereits Interesse am Bau von Solarkraftwerken südlich des Mittelmeers bekundet.

Kouchner unterstrich die "entscheidende Rolle", die unter anderem Deutschland bei der Gründung der Union gespielt habe. Auf Druck von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahmen alle 27 EU-Staaten an dem Gründungsgipfel teil und nicht nur die Mittelmeer-Anrainer, wie von Sarkozy ursprünglich geplant.

(Quelle: afp)
 



 

PKK fordert von Berlin Druck auf Ankara

Mo.14.07.08 - Im Zusammenhang mit der Entführung von drei deutschen Bergsteigern in der Türkei hat die kurdische Arbeiterpartei PKK die Bundesregierung aufgerufen, Druck auf Ankara auszuüben. Berlin solle die türkische Regierung dazu bringen, die Militäreinsätze gegen die PKK einzustellen, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung. Dann werde sich die PKK-Führung für eine Freilassung der Geiseln einsetzen. Den Deutschen gehe es gut.

Eine lokale Einheit habe die Bergsteiger auf eigene Faust verschleppt, zitierte die Nachrichtenagentur Firat aus der Erklärung der PKK. «Wir werden Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass die Touristen sicher und wohlbehalten zu ihren Familien zurückkehren», hieß es weiter. «Voraussetzung für den Erfolg unserer Initiative ist aber, dass der türkische Staat seine Operationen einstellt.»

Die Entführung sei eine Reaktion auf das Vorgehen der Bundesregierung gegen die PKK, bekräftigte die kurdische Arbeiterpartei: «Solange die (deutsche) Politik gegen das kurdische Volk anhält, wird es schwierig sein, solche Reaktionen der Kurden zu unterbinden.»

Eine PKK-Sprecherin im Nordirak schlug am Sonntag vor, internationale Vermittler sollten eine Waffenruhe in der Region organisieren. Engagieren könnte sich beispielsweise das Rote Kreuz, sagte Sozdar Avesta in den Kandil-Bergen im Nordirak. Die Bergsteiger wurden am Dienstag auf dem Berg Ararat im Osten der Türkei verschleppt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel richtete unterdessen einen eindringlichen Appell an die Geiselnehmer. «Ich rufe die Entführer auf, die drei Deutschen umgehend und unversehrt freizulassen», sagte Merkel der «Bild am Sonntag». Die Bundesregierung werde alles tun, um ihre Freilassung zu erreichen und arbeite dabei eng mit der Türkei zusammen. Deutschland lasse sich von den Entführern aber nicht erpressen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier traf sich am Sonntag in Paris mit seinem türkischen Amtskollegen Ali Babacan. Dieser habe versichert, dass auch die Türkei alles für eine Freilassung der Deutschen tue, sagte Steinmeier.

Mehrere Medien berichteten, es seien vier Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) am Berg Ararat angekommen. Das Auswärtige Amt wollte dies nicht kommentieren.

Die Bundesregierung wies zugleich Vorwürfe wegen einer fehlenden Reisewarnung für das Gebiet in der Osttürkei zurück. Bis zu der Entführung habe es keine Auffälligkeiten in der Region gegeben, sagte Steinmeier am Samstag.

Der «Spiegel» berichtete indes, Führungskader der PKK hätten die Bundesregierung bereits gut eine Woche vor der Entführung vor «negativen Konsequenzen» ihrer Kurdenpolitik gewarnt. Der Exekutivrat der «Vereinigten Gemeinschaften Kurdistans» habe Ende Juni gefordert, die «feindliche Politik gegen das Kurdische Volk und seine Befreiungsbewegung» aufzugeben. Kurz darauf habe zudem die türkische Polizei an das BKA gemeldet, in kurdischen Kreisen herrsche Unruhe. Möglicherweise könne es zu Anschlägen und Entführungen kommen. Das BKA habe die Länder-Innenministerien daraufhin am 2. Juli gewarnt.

Innenstaatssekretär August Hanning bestätigte dem Magazin, es habe schon vorher Hinweise aus der Türkei gegeben. Nun müsse man sich möglicherweise auch im Inland auf eine neue Gefahrenlage einstellen.

(Quelle: ap)
 



 

Keine Spur von Enführern der zwei Deutschen in Nigeria

Mo.14.07.08 - Im Fall der zwei in Nigeria verschleppten Deutschen gibt es bisher keine Hinweise auf die Entführer. Bisher habe sich niemand zu der Tat bekannt, sagte die Sprecherin der Polizei des Bundesstaates Rivers, Rita Abbey, der Nachrichtenagentur AFP. Die zwei Mitarbeiter einer Tochterfirma des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger Berger, die am Freitag in der Hafenstadt Port Harcourt verschleppt worden waren, seien aufs Meer gebracht worden, sagte sie. Der Krisenstab in Berlin arbeite "intensiv an einer baldigen Freilassung" der beiden Deutschen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Die nigerianischen Sicherheitskräfte verstärkten am Wochenende ihre Suche nach den Entführern. "Wir suchen intensiv nach den Entführern, um die Freilassung der Deutschen zu erwirken", sagte Abbey. Sie nannte zudem Einzelheiten zu den Umständen der Geiselnahme. Demnach wurde ein Soldat angeschossen, als die Entführer die beiden Deutschen in ihre Gewalt brachten. Einen Bericht der örtlichen Presse, wonach der Soldat wurde, konnte sie zunächst nicht bestätigen.

Die beiden Deutschen arbeiten für die Firma Julius Berger. Sie ist seit 1965 in Nigeria tätig und gehört mehrheitlich nigerianischen Investoren. Das Unternehmen wolle nun die Lage im Niger-Delta beobachten, sagte ein ranghoher Mitarbeiter. Ob der Entführungsfall zu einem Rückzug der Firma aus der Region führen könnte, wollte er nicht sagen. Mehrere ausländische Unternehmen hatten dies aus Sicherheitsbedenken bereits getan, darunter auch der französische Reifenhersteller Michelin.

Entführungen von Ausländern, häufig Mitarbeiter von Ölfirmen und deren Angehörige, sind im Niger-Delta an der Tagesordnung. Die Mehrzahl der Entführten wurde bisher nach wenigen Tagen oder Wochen wieder freigelassen. Die Entführer verlangen meist, dass die Bevölkerung stärker an den Einkünften aus den Ölgeschäften beteiligt wird. Anfang März war ein deutscher Mitarbeiter von Julius Berger im ölreichen nigerianischen Bundesstaat Rivers von einer bewaffneten Bande entführt worden. Der Mann kam nach einem Tag wieder frei.

(Quelle: afp)
 



 

Hypothekenkrise: IndyMac pleite - Größter US-Bankenzusammenbruch seit 1984

Mo.14.07.08 - Die Kreditkrise hat in den USA zur schwersten Bankenpleite seit über zwanzig Jahren geführt.

Der größte unabhängige börsennotierte Baufinanzierer IndyMac wurde vom Staat übernommen, nachdem das Geldhaus in massive Kapitalnöte geraten war. Es ist die drittgrößte Bankenpleite in der US-Geschichte überhaupt und bereits der fünfte Zusammenbruch eines Geldhauses in diesem Jahr. Für die kommenden Monate rechnen Branchenkenner mit zahlreichen weiteren Pleiten, was die Suche des staatlichen Einlagensicherungsfonds der US-Banken (FDIC) nach einem Käufer für IndyMac erschweren dürfte. Auch die zwei größten US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae, die halbstaatlich sind, stecken in großen Schwierigkeiten.

"Diese Institution ist heute einer Liquiditätskrise zum Opfer gefallen", sagte der Chef der unmittelbar zuständigen Sparkassenaufsicht OTS, John Reich, am Freitagabend mit Blick auf IndyMac. Die Geschäfte der Bank sollen unter dem Dach der FDIC ab Montag fortgesetzt werden. Der Fonds rechnet mit einem Schaden von vier bis acht Milliarden Dollar. Die OTS erwartet aber keine größeren Auswirkungen auf die Märkte, weil die Zahl der IndyMac-Geschäftspartner vergleichsweise gering sei.

Unter Kunden sorgte die vorübergehende und völlig unerwartete Schließung der Bank für großen Unmut. "Ich bin stinksauer. Sie hätten mir etwas sagen können", sagte etwa eine 29-jährige Friseurin, die verzweifelt vor den verschlossenen Türen einer IndyMac-Filiale in Los Angeles stand und Geld abheben wollte. Ein anderer Kunde geriet mit einem Sicherheitsmann aneinander.

Der 1985 gegründete Hypothekenfinanzierer hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, wegen der Krise über die Hälfte seiner 7200 Mitarbeiter zu entlassen und sein Geschäft zu reduzieren. Zuvor war die OTS zu dem Urteil gekommen, dass das Institut nicht länger über ausreichend Kapital verfüge. Im vergangenen Jahr hatte IndyMac noch Hypotheken im Volumen von 77 Milliarden Dollar ausgegeben und lag mit einem Marktanteil von gut drei Prozent insgesamt auf dem neunten Platz der Branche. Inzwischen haben über 100 US-Hypothekenfirmen im Zuge der Krise ihr Geschäft eingestellt oder sind Pleite gegangen.

Die OTS machte den New Yorker Senator Charles Schumer für die IndyMac-Pleite mitverantwortlich. Seine Äußerungen von Ende Juni, in denen er angezweifelt habe, dass das Unternehmen die Häuserkrise überleben könne, hätten zu einem Ansturm der Sparer auf die Konten geführt und damit zu einem rasanten Kapitalabfluss. Allein in den folgenden elf Geschäftstagen hätten Kunden mehr als 1,3 Milliarden Dollar bei IndyMac abgezogen. Der demokratische Politiker wies die Anschuldigungen zurück und warf der Aufsichtsbehörde im Gegenzug vor, ihre Arbeit vernachlässigt und IndyMac nicht an seiner verlustträchtigen Kreditvergabe-Praxis gehindert zu haben.

Die staatliche Übernahme von IndyMac fachte erneut Spekulationen an, dass auch die stark angeschlagenen Hypothekenfinanzierern Freddie Mac und Fannie Mae auf einen ähnlichen Rettungsring vom Staat hoffen könnten. So erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus verschiedenen Kreisen, dass US-Notenbankchef Ben Bernanke eine Notfall-Finanzspritze für Freddie und Fannie plane. Eine Sprecherin der US-Notenbank sagte dagegen, es seien keine Diskussionen mit den beiden Konzernen über Zugang zum Diskontfenster der Notenbank geführt worden. Freddie Mac und Fannie Mae droht wegen der Kreditkrise ebenfalls der Kollaps. Die beiden Institute dominieren den US-Hypothekenmarkt.

Auch andere Geldhäuser haben mit der Hypothekenkrise massiv zu kämpfen. Die Investmentbank Bear Stearns stimmte im Frühjahr unter dem Druck der US-Notenbank Fed ihrem Notverkauf zu. Eine der größten Hypothekenfirmen des Landes, Countrywide Financial, rettete sich in die Arme des Finanzkonzerns Bank of America. Größter Kollaps in der US-Bankengeschichte war bisher der Crash der Continental Illinois National Bank im Jahr 1984. Vier Jahre später brach die First RepublicBank zusammen.

(Quelle: rtr)
 



 

Weltbank: Nahrungsmittel-Preise werden bis 2012 hoch bleiben

Mo.14.07.08 - Die Weltbank geht von anhaltend hohen Nahrungsmittelpreisen bis mindestens 2012 aus.

Auch die Energiepreise würden hoch und schwankungsanfällig bleiben, sagte Weltbank-Präsident Robert Zoellick am Samstag. Die Preise in beiden Bereichen seien auf einem "gefährlichen Niveau". Es seien zehn Milliarden Dollar notwendig, um die Ärmsten der Welt mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Dabei seien auch Bargeld-Hilfen notwendig. Zwar habe es zuletzt bereits Hilfs-Zusagen in Milliarden-Höhe gegeben. Doch müssten auch in den kommenden Jahren Gelder kontinuierlich fließen.

(Quelle: rtr)
 



 

Venezuela liefert Karibikstaaten Öl zu Vorzugskonditionen

Mo.14.07.08 - Venezuela will seinen Nachbarn in der Karibik und Südamerika Öl zu Vorzugskonditionen liefern. Präsident Hugo Chavez teilte am Sonntag bei einem Treffen der Mitglieder seiner Petrocaribe-Initiative in Maracaibo mit, die Lieferungen müssten künftig innerhalb von 90 Tagen zu 40 Prozent bezahlt werden, der Rest könne bis zu 25 Jahre bei einem Zinssatz von einem Prozent abgezahlt werden. Bisher mussten die Petrocaribe-Mitglieder die Hälfte der Lieferung sofort bezahlen.

Chavez nannte die Vereinbarung einen Schutzschild gegen Armut und Hunger in der Region. Sie gelte, solange der Ölpreis über 100 Dollar pro Barrel liege. 70 Prozent der ausstehenden Beträge könnten gestundet werden, sollte der Preis über 200 Dollar das Fass steigen. Einige Mitglieder könnten das Öl auch mit Waren wie Reis, Bananen und Zucker bezahlen.

An der Veranstaltung in der venezolanischen Stadt Maracaibo nahmen nach offiziellen Angaben 15 Delegationen teil, darunter elf Staatschefs. Mit dem Pakt will Chavez seine Vision von einer regionalen Unabhängigkeit von den USA verwirklichen. Kritik der Opposition, er verschenke mit einer «Bestechungsdiplomatie» den Ölreichtum seines Landes, wies Chavez zurück: «Das ist sehr wahrscheinlich in der US-Botschaft verfasst worden.»

(Quelle: ap)
 



 

Nach Unterzeichnung des  tschechisch-amerikanischen Raketenabwehr-Abkommens: Russland drosselt Öl-Lieferungen an Tschechien

Mo.14.07.08 - Russland hat unmittelbar nach der Unterzeichnung eines tschechisch-amerikanischen Raketenabwehr-Abkommens seine Öllieferungen nach Tschechien deutlich gedrosselt.

Das bestätigte der tschechische Regierungsbevollmächtigte Vaclav Bartuska am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er widersprach Spekulationen tschechischer Medien, wonach die Drosselung eine Revanche Russlands auf die Anfang Juli vereinbarte Stationierung eines US-Radars in Böhmen sein könnte. Seit dem Gasstreit mit der Ukraine wurde Russland wiederholt vorgeworfen, mit seinen Energielieferungen gen Westen gezielt politischen Druck auszuüben.

Tschechien forderte Russland in einer offiziellen Note auf, die Gründe für die Einschränkung zu nennen. Eine Regierungssprecherin in Prag sagte, der Ausfall könne auch auf technischen Problemen beruhen. Nach Berechnungen der Online-Ausgabe des Prager Wirtschaftsmagazins «Euro» würden bei weiter gedrosselter Zufuhr im Juli statt der vereinbarten 500 000 Tonnen nur 300 000 Tonnen Öl über die «Druschba»-Pipeline (Freundschaft) nach Tschechien gepumpt. Es bestünden aber ausreichende Alternativen, um Öl über eine Leitung aus Ingolstadt (Bayern) zu erhalten, falls die Lieferausfälle andauerten. Die Ölmenge sei seit dem 4. Juli heruntergefahren worden.

Gedrosselte Energielieferungen aus Russland sind keine Seltenheit. In den vergangenen Monaten reduzierte der Ölkonzern Lukoil mindestens zwei Mal seine Lieferungen an Deutschland. «Wir sind mit dem gezahlten Preis nicht einverstanden», lautete die Erklärung. Seit zwei Jahren sind die Öllieferungen an Litauen über einen nördlichen «Druschba»-Strang unterbrochen. Während Russland einen Defekt an der Leitung nannte, vermutet die Führung des EU- und NATO-Mitglieds Litauen politische Motive.

Mit Argwohn wird die russische Energiepolitik seit dem Gasstreit mit der Ukraine beobachtet, der zum Jahresbeginn 2006 eskalierte. Der Gasmonopolist Gazprom hatte die Lieferungen gestoppt, weil die Ukraine sich einer deutlichen Preissteigerung verweigerte. Daraufhin beschuldigte Moskau die Ukrainer, Gas aus den Transitleitungen zu klauen. In der Ukraine wie auch bei der EU wird bis heute aber auch vermutet, dass der mehrtägige russische Gasboykott eine scharfe Warnung an die prowestliche Führung der von russischer Energie abhängigen Ukraine sein sollte. Moskau hatte dies stets dementiert.

Der tschechische Regierungsbevollmächtigte Bartuska bezeichnete ein technisches Problem für die jüngste Drosselung als wenig wahrscheinlich. «Das müsste schon ein sehr spezielles Problem sein, weil die Lieferungen an Nachbarländer wie Polen problemlos laufen.» Einen Erpressungsversuch von russischer Seite schloss er aus. «Das wäre dumm, denn wir können uns jederzeit über Ingolstadt ausreichend versorgen», sagte der Beamte. In Moskau wurde spekuliert, die Drosselung könnte die Folge eines innerrussischen Konflikts um die Ölexportrechte nach dem Machtwechsel im Kreml sein. Bartuska wollte dies nicht kommentieren.

(Quelle: dpa)
 



 

Kanzlerin Merkel: Energie-Sozialtarife in Deutschland unnötig

Mo.14.07.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Forderungen von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso zurückgewiesen, wegen der hohen Energiepreise Sozialtarife für Geringverdiener einzuführen.

"Deutschland hat solche sozialen Regelungen längst", sagte Merkel der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. Beim Arbeitslosengeld II würden im Rahmen der Erstattung der Unterkunftskosten alle Heizkosten und Stromrechnungen voll ersetzt. Hier sei künftig mit steigenden Kosten zu rechnen. Zudem könne jeder unter einem bestimmten Einkommensminimum Wohngeld beantragen, das wegen der Energiekosten von 90 auf 140 Euro erhöht worden sei.

Merkel zeigte sich allerdings besorgt über die steigenden Preise. Weltweit trieben die Energiepreise viele andere Kosten nach oben, zum Beispiel Heizkosten, die Kosten im Verkehr und bei den Lebensmitteln. Die Kanzlerin fordert daher einen besseren Austausch zwischen Erzeugerländern und Verbraucherländern, um die Spekulation aus dem Markt zu nehmen, eine erhöhte Ölförderung und deutlich mehr Energie-Effizienz in den Industriestaaten. "In Deutschland müssen wir lernen, unabhängiger von den teuer gewordenen fossilen Energieträgern wie Öl und Gas zu werden", sagte Merkel.

(Quelle: rtr)
 



 

Atomstreit in Koalition verschärft sich

Mo.14.07.08 - Der Streit in der großen Koalition um die weitere Nutzung der Atomenergie verschärft sich.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verstärkte am Wochenende ihren Pro-Atomkurs und kündigte an, sich für eine Verlängerung der Laufzeiten der verbliebenen 17 deutschen Meiler einzusetzen. CSU-Chef Erwin Huber will im Falle eines Wahlsiegs der Union im kommenden Jahr den Atomausstieg sofort neu verhandeln und dabei auch den Bau neuer Reaktoren offenhalten. Die SPD will deshalb nach den Worten von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel den Atomausstieg im kommenden Jahr ebenfalls zum prominenten Wahlkampfthema machen. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast schloss ein Bündnis mit der Union wegen des Atomkurses aus.

Merkel sagte der "Bild am Sonntag", Deutschland könne seine Energieversorgung klimagerecht auf absehbare Zeit nicht ohne Atomenergie sicherstellen. "Die Frage der Laufzeitverlängerung wird sich deshalb spätestens in der nächsten Wahlperiode stellen", betonte die CDU-Chefin. Union und SPD hatten sich 2005 in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, den von der rot-grünen Vorgängerregierung mit der Industrie ausgehandelten Atomausstieg bis 2021 nicht anzutasten. Angesichts hoher Energiepreise und der Debatte um den Klimaschutz will die Union den Atomausstieg nun aber rückgängig machen.

Ein Neubau-Verbot für Atomkraftwerke im Grundgesetz lehnte die Kanzlerin ab. "Die Frage der jeweiligen Energieversorgung ist kein Gegenstand des Grundgesetzes", sagte sie zu entsprechenden Forderungen der SPD im Gegenzug zu Laufzeitverlängerungen der bestehenden Meiler.

Auch Huber wandte sich gegen eine Festschreibung des Atomausstiegs. Zwar wolle gegenwärtig niemand neue Meiler auf den Weg bringen, sagte der CSU-Chef der "Welt am Sonntag". "Aber Kernkraft ist Öko-Strom, und Öko-Strom soll man per Grundgesetz verbieten?"

Gabriel forderte deshalb die Union in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", klar zu sagen, ob sie auch den Neubau von Atomreaktoren anstrebe. Wenn die Atomkraft für die Union nur eine Übergangstechnik sei, "dann dürfte es ihr nicht schwerfallen, dies in das Grundgesetz zu schreiben." Er regte an, auch die offene Frage nach der Endlagerung des gefährlichen Strahlenmülls in der Verfassung zu regeln.

Der Umweltsprecher der CDU, Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust, und Bundespräsident Horst Köhler plädierten ebenfalls für eine Laufzeitverlängerung der bestehenden Atomkraftwerke, machten aber auch klar, dass die Nukleartechnik nur eine Übergangsenergie seien könne.

Der frühere Chef des UNO-Umweltprogramms und CDU-Politiker Klaus Töpfer plädierte dagegen im "Spiegel" für eine Vorreiterrolle Deutschlands beim Atomausstieg: "Jetzt gilt es zu beweisen, dass eine prosperierende Volkswirtschaft eine Energieversorgung ohne Kernenergie aufbauen kann", sagte der frühere Umweltminister.

Grünen-Politikerin Künast sagte Reuters erteilte Koalitionsspekulationen mit der CDU angesichts der Atomdebatte eine klare Absage. "Wir stehen für keine Regierung zur Verfügung, die die Atomkraft verlängern will. Atom ist nicht Öko und ist auch nicht sicher. Da gibt es kein Wackeln bei uns", sagte sie. Längere Laufzeiten für jüngere Reaktoren seien schon jetzt möglich, wenn ältere entsprechend früher abgeschaltet würden.

Die Debatte um die angebliche Klimafreundlichkeit der Atomkraft und die hohen Strompreise zeigt unterdessen Wirkung in der öffentlichen Meinung. 54 Prozent der Befragten einer "Tagesspiegel"/ZDF-Umfrage sprachen sich für eine längere Laufzeit der Atommeiler aus. In einer Umfrage der "Bild"-Zeitung plädieren dafür sogar 57 Prozent, wenn sich dadurch die Strompreise stabilisieren ließen. Die Union will die Energiekonzerne verpflichten, einen Teil der Mehrgewinne durch längere Laufzeiten von Atomreaktoren zur Preissenkung einzusetzen. Dies ist aber bei den Firmen bisher umstritten.

(Quelle: rtr)
 



 

Steinbrück will große Koalition auch nach Bundestagswahl

Mo.14.07.08 - Bundesfinanzminister und SPD-Vizechef Peer Steinbrück plädiert für eine Fortsetzung der großen Koalition über die nächste Bundestagswahl hinaus.

"Die große Koalition bietet gute Chancen, die wirtschaftliche und soziale Stabilität zu gewährleisten", sagte Steinbrück der "Bild"-Zeitung vom Montag nach einem Vorabbericht. Er bezweifele, "dass Deutschland in seinem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis ein Experiment mit drei Koalitionspartnern in der Regierung schon jetzt verkraften würde", sagte der SPD-Politiker.

Als Markenzeichen der Koalition aus Unionsparteien und SPD bezeichnete Steinbrück, dass es gelinge, sich gegen "das populistische Wunschkonzert" an Ausgabewünschen zu behaupten. Einer großen Koalition falle dieser Kurs leichter als anderen Koalitionen.

Seine eigene Partei forderte der stellvertretende Parteivorsitzende auf, sich stärker zur eigenen Politik zu bekennen. "Wenn gerade die SPD stärker zu dem stehen würde, was sie seit 1998 erreicht hat - auch in der großen Koalition - dann würde sie davon profitieren. Das ist eine Frage der Haltung. Daran müssen wir arbeiten", sagte Steinbrück.

Die große Koalition wurde 2005 von Union und SPD wegen fehlender anderer Mehrheiten lediglich als Notlösung angesehen. CDU und CSU streben nach der Wahl 2009 erneut ein Bündnis mit der FDP an. SPD-Chef Kurt Beck, dessen Partei bis 2005 sieben Jahre mit den Grünen regiert hatte, warb kürzlich öffentlich für die FDP als weiteren Bündnispartner. Die Linke wird weder von der Union noch der SPD auf Bundesebene als Koalitionspartner gesehen.

(Quelle: rtr)
 



 

Ost-Standorte besonders von Siemens-Personalabbau betroffen

Mo.14.07.08 - Der geplante Personalabbau bei Siemens könnte nach Einschätzung von Arbeitnehmervertretern einige Standorte in den neuen Bundesländern besonders hart treffen wird. "Wir fürchten, dass die Neuorganisation im Vertrieb die Standorte in Ostdeutschland überdurchschnittlich stark betreffen wird", sagte Bettina Haller, Mitglied im Gesamtbetriebsrat und im Aufsichtsrat von Siemens, dem "Tagesspiegel am Sonntag". In Ostdeutschland sei die Personaldecke in den vergangenen Jahren ohnehin bereits sehr ausgedünnt worden. "Ein weiterer Abbau wird einige Standorte in ihrer Existenz gefährden", sagte Haller.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) riet angesichts des Stellenabbaus bei Großkonzernen zu Gelassenheit. "Die Großunternehmen bauen eher Beschäftigung ab. Manchmal ist dies unumgänglich, wenn die Wettbewerbsfähigkeit erhalten werden muss", sagte Merkel der "Bild am Sonntag". Sie fügte hinzu: "Manchmal ist es nur für eine gewisse Zeit." Die Deutsche Bank, die vor einigen Jahren Personal abgebaut habe, stelle heute wieder ein. Seit Jahren gebe es den Trend, dass die neuen Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Betrieben entstünden.

Bei Siemens "schmerzt mich besonders, dass Stellen abgebaut werden, gleichzeitig aber 3200 Stellen frei sind", sagte Merkel weiter. Dies seien Stellen, für die es zu wenig hochqualifizierte Bewerber gebe. Daher müssten mehr Anstrengungen für die Bildung unternommen werden.

(Quelle: afp)
 



 

Rewe überlegt Ladenschluss um Mitternacht

Mo.14.07.08 - In einzelnen Rewe-Läden sollen Kunden künftig womöglich bis Mitternacht einkaufen können. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler überlegt, in Einzelfällen den Ladenschluss von 22.00 Uhr auf 24.00 Uhr zu verschieben. Zur Begründung verwies der Rewe-Vorstandsvorsitzende Alain Caparros in der «Wirtschaftswoche» auf die «fast schon beängstigend gute» Umsatz-Entwicklung der letzten Monate, die der Konzernchef auf den einheitlichen Markenauftritt und eben auf die verlängerten Öffnungszeiten zurückführte.

«Wir sind momentan in einer recht komfortablen Situation: Bei Penny hatten wir im ersten Halbjahr einen Umsatzschub von rund fünf Prozent. In den Rewe-Märkten liegen wir deutlich über fünf Prozent», sagte Caparros. Es gebe sogar Monate mit zweistelligem Wachstum. Die Hälfte des Wachstums geht laut Caparros auf höhere Preise zurück, etwa bei Milch und Butter. Im nächsten Halbjahr rechnet der Konzern allerdings nicht mehr mit einem ähnlichen Preisanstieg.

Der Vorstandschef bestätigte das Interesse am Kauf der 380 Plus-Märkte, die die Tengelmann-Gruppe als Auflage des Bundeskartellamtes für die Fusion der Ketten Plus und Netto abgeben muss: «Es wäre natürlich sehr schön, wenn wir uns mit Tengelmann auf eine Übernahme verständigen könnten.» Aber zuerst müsse man von den Standorten überzeugt sein. Danach werde über die finanzielle Komponente gesprochen: «Wir sind zwar zu einem fairen Angebot bereit, aber wir zahlen nicht jeden Preis.» Auch an einer Einkaufskooperation mit den Tengelmann-Kaiser's-Supermärkten sowie an einer Übernahme der Kette Norma zeigte sich Caparros interessiert.

(Quelle: ap)
 
 
 
 

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