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Irak 1576 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
28 irakische Rekruten bei Selbstmordanschlag getötet. Hohe
Haftstrafen für drei irakische Terroristen
Mi.16.07.08 - Bei einem doppelten Selbstmordanschlag im Irak sind mindestens 28
irakische Rekruten getötet und 55 weitere verletzt worden. Das
Attentat wurde östlich der Stadt Bakuba verübt, wie Polizei
und Krankenhaussprecher mitteilten. Bakuba liegt im Nordosten der
Hauptstadt Bagdad in der Provinz Dijala, die als Hochburg des
Terrornetzwerks El Kaida gilt. Dort soll in nächster Zeit erneut
eine Sicherheitsoffensive starten.
Die beiden Selbstmordattentäter zündeten ihre Bomben den
Angaben zufolge vor einem Rekrutierungszentrum der Armee am
El-Saad-Stützpunkt, wo sich junge Männer eingefunden hatten.
Ein Attentäter trug eine irakische Uniform. "Wir waren
ungefähr 30 Menschen, die am Eingang standen", sagte der
17-jährige Falah Ali Hussein, der bei dem Attentat verletzt wurde.
"Sie riefen gerade unsere Namen auf, als es eine große Explosion
gab." Auf dem Stützpunkt sind auch US-Truppen stationiert, es
wurden jedoch keine US-Soldaten verletzt oder getötet. Das
US-Militär sprach von 16 Toten und 30 Verwundeten
In den nächsten Tagen und Wochen soll in der Region eine Offensive
gegen El Kaida starten. Ein Sprecher des Innenministeriums hatte am
Sonntag "schwere Kämpfe" angekündigt. Einen genauen
Zeitrahmen nannte er nicht. In den vergangenen Monaten wurden in Dijala
zahlreiche Selbstmordanschläge verübt. Die
Aufständischen von El Kaida bekämpfen eine Bewegung
sunnitischer Milizen, die sich mit den US-Truppen verbündet haben.
Wegen des vereitelten Attentats auf den früheren irakischen
Ministerpräsidenten Ijad Allawi in Berlin hat das Oberlandesgericht
Stuttgart drei Iraker zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die Richter
befanden die Männer am Dienstag zudem der Mitgliedschaft in der
ausländischen terroristischen Vereinigung Ansar al Islam für
schuldig.
Der Angeklagte Ata R. wurde als Rädelsführer zu zehn Jahren
Haft, der Angeklagte Mazen A.H. zu siebeneinhalb Jahren und der
Angeklagte Rafik Y. zu acht Jahren Haft verurteilt. Das Gericht fand sie
der versuchten Beteiligung an einem Mord für schuldig.
Richterin Christine Rebsam-Bender erklärte bei der
Urteilsverkündung, der in Stuttgart lebende 34-jährige Ata R.
sei ein «wichtiges, führendes Mitglied von Ansar al Islam in
Deutschland» gewesen. Er habe regelmäßig Kontakt zur
Führungsebene der Organisation im Irak gehabt. Bei ihm seien die
Fäden zusammengelaufen.
Der 26-jährige Mazen A.H. aus Augsburg sollte nach ihren Worten
der Nachfolger Ata R.s werden. Er sei praktisch seine rechte Hand
gewesen. Der 33-jährige Rafik Y. aus Berlin bot sich nach
Überzeugung des Gerichts an, das Attentat auf Allawi
durchzuführen. Dazu habe er die telefonische Genehmigung durch Ata
R. und Mazen A.H. bekommen.
Anti-Terror-Einheiten hatten die drei Iraker am 3. Dezember 2004 an
ihren jeweiligen Wohnorten in Deutschland festgenommen. Das Attentat
sollte am selben Tag bei einer Veranstaltung während des
Deutschlandbesuchs des damaligen irakischen Regierungschefs Allawi in
Berlin verübt werden. Bei den Angeklagten waren weder Waffen noch
Sprengstoff gefunden worden.
Die Bundesanwaltschaft hatte jeweils etwas höhere Strafen
beantragt: elf Jahre für den 34-jährigen Ata R. und jeweils
acht Jahre und neun Monate für die beiden anderen Angeklagten. Die
Anwälte der drei Angeklagten beantragten Freispruch. Sie hatten die
Vorwürfe zurückgewiesen.
Die Männer hatten laut Anklage Geld gesammelt, das im Irak
für Selbstmordattentate verwendet werden sollte. Allen drei
Angeklagten warf die Bundesanwaltschaft eine radikal-islamische
Einstellung vor. Ata R. soll als Rädelsführer, die anderen
beiden als Ansar-al-Islam-Mitglieder von Deutschland aus für die
Organisation vornehmlich in den Bereichen Finanzierung und Rekrutierung
tätig gewesen sein.
Nach Einschätzung deutscher Behörden kämpft Ansar al
Islam für die Errichtung eines islamischen Kurdenstaates nach dem
Vorbild des gestürzten Taliban-Regimes in Afghanistan. Auch in der
Bundesrepublik sind Anhänger aktiv. Gegründet wurde die Gruppe
im Dezember 2001 im Irak.
Nach 141 Verhandlungstagen und mehr als zwei Jahren Verhandlungsdauer
war vergangene Woche die Beweisaufnahme abgeschlossen worden. Das
Gericht hatte 64 Zeugen vernommen und rund 170 Beweisanträge
behandelt. Das Verfahren hatte sich so in die Länge gezogen, weil
Rafik Y. immer wieder Anträge gestellt hatte.
boa (Quellen: afp, ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 16.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundzwölften Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Erstmals Video von Verhör in Guantanamo veröffentlicht
Mi.16.07.08 - In Kanada ist zum ersten Mal eine Videoaufzeichnung eines Verhörs
im US-Gefangenenlager Guantanamo veröffentlicht worden. Die
Anwälte des damals 16 Jahre alten Häftlings Omar Khadr gaben
die Bilder heraus, die zeigen, wie ihr Mandant von einem kanadischen
Geheimdienstbeamten verhört wird.
Khadr, einem kanadischen Staatsangehörigen, wird vorgeworfen, nach
einem Gefecht in Afghanistan eine Granate auf US-Truppen geschleudert
und dabei einen Soldaten getötet zu haben. 2002 wurde er im Alter
von 15 Jahren gefangen genommen. Das sieben Stunden lange Video wurde
über vier Tage hinweg aufgenommen und ursprünglich als geheim
eingestuft.
Während des Verhörs berichtet Khadr, er sei im
US-Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan gefoltert worden. Er
hob sein orangefarbenes Hemd, um Wunden zu zeigen, die nach seinen
Worten auf diese Folterung zurückgehen. Zehn Minuten lang weint
Khadr auf dem Video, das Gesicht in seinen Händen verborgen.
Außerdem wirft er der Leitung des Gefangenenlagers vor, ihm trotz
seiner Bitte nicht die angemessene medizinische Versorgung gewährt
zu haben.
Khadr wirkt auf dem Video zeitweise ruhig, dann wieder resigniert und
verzweifelt. «Hilf mir, töte mich», schluchzt er
mehrmals. Die Aufnahme wurde von einer versteckten Kamera aufgezeichnet.
Ein Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums wies die
Vorwürfe zurück. Khadr sei in US-Gewahrsam nicht misshandelt
worden. «Unsere Politik ist es, Insassen menschlich zu behandeln.
Khadr ist menschlich behandelt worden», sagte der Sprecher.
Unterdessen belegen Verhörprotokolle im Verfahren gegen den als
mutmaßlichen Terroristen jahrelang in Guantanamo inhaftierten
Fahrer Osama Bin Ladens, dass diesem 50 Tage lang der Schlaf entzogen
wurde. Das teilte der vom US-Verteidigungsministerium ernannte
Verteidiger Salim Ahmed Hamdans, Korvettenkapitän Brian Mizer, am
Montag mit. Mizer forderte, dass im Prozess gegen Hamdan Anklagepunkte
gestrichen werden, die auf Aussagen in Verhören der
«Operation Sandman» beruhten.
Mizer sagte, Samdan sei in dem Gefangenenlager Guantanamo ab dem 11.
Juni 2003 der Schlaf entzogen worden. Während der «Operation
Sandman» habe er auch Besuch von «Alfred Hitchcock»
erhalten, wobei aus den Protokollen nicht hervorgehe, was sich hinter
diesem Codenamen verbirgt.
Der nun etwa 37-jährige Hamdan wurde im November an einer
Straßensperre in Afghanistan verhaftet. In seinem Auto wurden
zwei Boden-Luft-Raketen gefunden. Bei einer Verurteilung wegen
Verschwörung zum und Unterstützung von Terrorismus droht ihm
eine lebenslange Haftstrafe.
Schlafentzug wird oft als unmenschliche Behandlung von Gefangenen
kritisiert. US-Staatsanwälte in Kriegsverbrecherverfahren gegen
die Guantanamo-Häftlinge Mohammed Dschawad und Omar Khadr haben
dagegen erklärt, Schlafentzug sei keine Folter. Dschawad und Khadr
haben sich über Schlafentzug in den vergangenen Monaten beschwert.
(Quelle: ap)
Demokratischer US-Präsidentschaftskandidat Obama will El Kaida in
Afghanistan militärisch besiegen
Mi.16.07.08 - In einer außenpolitischen Grundsatzrede hat
US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama für den Fall seiner
Wahl eine Ausweitung des Militäreinsatzes gegen Terorgruppen in
Afghanistan und Pakistan angekündigt. Vor allem aus dieser Region
und nicht etwa aus dem Irak drohten den USA neue Terroranschläge,
sagte der Demokrat in Washington. Deswegen wolle er als Präsident
Soldaten aus dem Irak abziehen und die Truppen in Afganistan
verstärken. Obama bekannte sich ausdrücklich zu einer Politik
der militärischen Stärke gegen den Terrorismus und warf
seinen republikanischen Gegnern in diesem Punkt falsche
Prioritäten vor.
"Präsident Bush und Senator McCain hätten erkennen
müssen, dass die zentrale Front im Kampf gegen den Terror nicht im
Irak liegt und dort auch nie lag", sagte Obama. "El Kaida hat eine
wachsende Basis in Pakistan, die wohl nicht weiter von ihrem alten
Unterschlupf in Afghanistan entfernt ist als eine Zugfahrt von
Washington nach Philadelphia." Sollte es einen weiteren Terrorangriff
in den USA geben, "dann wird er wahrscheinlich aus der selben Gegend
kommen, in der auch der 11. September geplant worden war", sagte Obama.
"Und trotzdem haben wir derzeit fünf Mal mehr Truppen im Irak als
in Afghanistan."
Mit dem starken Engagement im Irak hätte die Regierung Bush
falsche Prioritäten gesetzt, kritisierte Obama. "Dieser Krieg (im
Irak) lenkt uns ab von den Drohungen, denen wir ausgesetzt sind. Dieser
Krieg geht auf Kosten unserer Sicherheit, unseres Ansehens in der Welt,
unseres Militärs, unserer Wirtschaft und unserer Ressourcen." Als
Präsident wolle er die US-Truppen binnen 16 Monaten aus dem Irak
abziehen und die Einsatzkräfte in Afghanistan aufstocken.
Der republikanische Gegenkandidat John McCain warf Obama vor, mit
seiner Strategie eine Niederlage der USA im Irak zu riskieren. Er
selbst würde als Präsident "den Kurs in Afghanistan genauso
ändern, wie wir ihn im Irak geändert haben, um gemeinsam zu
einem Sieg zu kommen".
Obama profitiert im Wahlkampf von der Tatsache, dass er den
Irak-Einsatz von vornherein abgelehnt hatte. Die Rede wie auch die
bevorstehenden Besuche im Irak und in Afghanistan werden als Versuch
gewertet, sich den Wählern als künftiger Oberbefehlshaber
vorzustellen.
(Quelle: afp)
US-Diplomat nimmt erstmals an Atomverhandlungen mit dem Iran teil
Mi.16.07.08 - In Abkehr von ihrer bisherigen Iran-Politik entsenden die USA am
Wochenende erstmals einen ranghohen Diplomaten zu internationalen
Verhandlungen über das Teheraner Atomprogramm. Das erfuhr die
Nachrichtenagentur AP aus US-Regierungskreisen in Washington.
Nach Informationen des Gewährsmanns wird der dritthöchste
US-Diplomat, William Burns, an dem Genfer Treffen zwischen dem
EU-Außenbeauftragten Javier Solana und dem iranischen
Chefunterhändler Said Dschalili teilnehmen. Dabei sollen dem Iran
Anreize geboten werden, sein Atomprogramm einzustellen.
Offizielle Kontakte zwischen Teheran und Washington sind extrem selten.
Obwohl die USA Teil einer Sechs-Staaten-Koalition sind, die den Iran
von seinem Vorhaben abbringen wollen, Uran anzureichern, hat Washington
bisher direkte Kontakte in der Angelegenheit abgelehnt. Der ranghohe
Regierungsbeamte räumte ein, dass Burns' Teilnahme an den Genfer
Gesprächen einen Politikwechsel bedeute. Er betonte zugleich, dass
Burns nicht zu einem Vieraugengespräch mit Dschalili
zusammentreffen und mit ihm verhandeln werde.
Der Iran hat in Reaktion auf die jüngste, von der EU
übermittelte Initiative signalisiert, dass er nicht die Absicht
habe, auf die Urananreicherung zu verzichten.
(Quelle: ap)
Bürgerrechtsgruppen in Simbabwe fordern Neuwahlen
Mi.16.07.08 - Bürgerrechtsgruppen in Simbabwe haben am Dienstag Neuwahlen als
Ausweg aus der politischen Krise in dem südafrikanischen Land
gefordert. Sie drohten mit Protestaktionen für den Fall, dass die
Politiker ihre Forderung ablehnten und Regierung und Opposition
versuchten, eine Allparteienregierung zu bilden.
Die Lösung liege in einer Neuwahl, die von einem
Übergangsgremium organisiert werden sollte, in der weder die
Regierungspartei ZANU-PF von Präsident Robert Mugabe noch die
Opposition eine Rolle spielen dürften, erklärten Vertreter
von mehr als 40 Bürgerrechts-, Studenten- und religiösen
Gruppen nach einem Treffen in der Hauptstadt Harare.
Opposition und Regierung führen derzeit unter
südafrikanischer Vermittlung Gespräche über die Bildung
einer Allparteienregierung. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai
steht diesem Ausweg aus der Krise früheren Aussagen zufolge offen
gegenüber, allerdings ohne Beteiligung Mugabes, der das Land seit
28 Jahren regiert.
Der Präsident ließ sich Ende Juni in einer Stichwahl ohne
Gegenkandidaten für eine weitere Amtszeit wählen. Tsvangirai
hatte die erste Wahlrunde im März gewonnen, aber den offiziellen
Ergebnissen zufolge nicht die notwendige absolute Mehrheit erhalten. Er
zog sich wegen gewaltsamer Übergriffe auf seine Anhänger aus
dem Wahlkampf zurück.
(Quelle: ap)
Kolumbiens Militär missbrauchte laut CNN Rotkreuzsymbole
Mi.16.07.08 - Bei der Aktion zur Befreiung von Ingrid Betancourt und 14 weiteren
Geiseln aus der Hand von FARC-Rebellen hat Kolumbiens Militär laut
CNN möglicherweise Rotkreuzsymbole missbraucht. Wie der Sender
berichtete, seien ihm von militärischer Seite ein Video und
entsprechende Fotos angeboten worden. Darauf seien Symbole des
Internationalen Komitees vom Roten Kreuz auf den Uniformen von Soldaten
unmittelbar vor deren Aufbruch zu der Befreiungsaktion zu sehen. Das
wäre ein Verstoß gegen die Genfer Konventionen, hieß
es.
(Quelle: dpa)
Wiesenthal-Zentrum auf der Spur von NS-Verbrecher Heim
Mi.16.07.08 - Das Simon-Wiesenthal-Zentrum ist auf der Spur des meistgesuchten
Nazi-Verbrechers Aribert Heim. Der Leiter des Dokumentationszentrums,
Efraim Zuroff, sagte am Montag zum Abschluss einer
Südamerikareise, es gebe Hinweise, dass der heute 94-jährige
frühere SS-Arzt in der Umgebung der chilenischen Stadt Puerto
Montt oder dem 160 Kilometer entfernten San Carlos de Bariloche in
Argentinien lebe.
Zuroff suchte seit Mittwoch vergangener Woche nach Hinweisen auf den
Österreicher Heim, der im KZ Mauthausen als «Dr. Tod»
und «Schlächter von Mauthausen» berüchtigt war.
Er traf dabei auch den Bürgermeister von San Carlos, Marcelo
Gascon.
Zuroff sagte, er sei davon überzeugt, dass es Menschen gebe, die
wüssten, wo Heim sich aufhalte. «Eine Person in diesem Alter
kann nicht auf sich alleine gestellt leben», sagte er. Ein
Hinweis darauf, dass Heim noch lebe, sei ein millionenschweres
Bankkonto auf seinen Namen und andere Investitionen, die bisher niemand
beansprucht habe. Um Ansprüche auf dieses Vermögen
einzufordern, müsse ein Erbe einen Beweis vorlegen, dass Heim
gestorben sei.
Ein Sprecher des zuständigen baden-württembergischen
Landeskriminalamtes sagte, nach Heim werde weiter intensiv gefahndet.
Der Aufenthaltsort sei unbekannt. «Falls er noch lebt, wissen wir
nicht wo er ist.»
Heim soll 1941 als SS-Arzt im Konzentrationslager Mauthausen zahlreiche
Häftlinge gefoltert und getötet haben. «Von allen
Lagerärzten in Mauthausen war Heim der schrecklichste»,
sagte ein politischer Gefangener 1949. Die Aussage wird in einem
österreichischen Haftbefehl für Heim zitiert. Er arbeitete
nach dem Krieg als Arzt in Süddeutschland. Als 1962 Anklage gegen
ihn erhoben wurde, tauchte er unter. In Puerto Montt lebte eine seiner
Töchter seit den 60er Jahren.
Unterdessen forderte die spanische Staatsanwaltschaft Medienberichten
zufolge den Nationalen Gerichtshof in Madrid auf, Ermittlungen im Fall
von vier ehemaligen KZ-Aufsehern aufzunehmen. Außerdem solle
geprüft werden, ob Spanien wegen des Todes spanischer Insassen die
Auslieferung der vier Beschuldigten aus den USA beantragen solle,
berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press am Montag.
Unter ihnen ist der mutmaßliche ehemalige KZ-Aufseher John
Demjanjuk. Dieser scheiterte im Mai mit allen rechtlichen
Möglichkeiten, seine Abschiebung aus den USA nach Deutschland,
Polen oder in sein Geburtsland Ukraine zu verhindern. Die
Bundesbehörden der USA bemühen sich schon seit drei
Jahrzehnten um die Abschiebung Demjanjuks.
(Quelle: ap)
Deutscher Staatsanwalt untersucht Nazi-Massaker in Frankreich
Mi.16.07.08 - Ein deutscher Staatsanwalt hat mit der Spurensuche nach einem der
schwersten Kriegsverbrechen der Nazis in Frankreich begonnen.
Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß und sein Ermittlerteam trafen am
Dienstag in Maillé südlich von Tours ein. Deutsche Truppen
töteten dort am 25. August 1944 insgesamt 124 Menschen, darunter
44 Kinder.
Die genauen Umstände des Massakers sind bis heute nicht
vollständig aufgeklärt. 60 bis 100 Soldaten sollen beteiligt
gewesen sein. Die Suche nach möglichen noch lebenden Tätern
gehört zu den Zielen von Maaß, dem
nordrhein-westfälischen Chefankläger für NS-Verbrechen.
«Ich empfinde Schande für das, was die Deutschen hier
begangen haben», sagte Maaß. «Ich entschuldige mich
dafür.» Drei Tage lang wollen die Ermittler aus Dortmund in
dem Dorf Zeugen oder Angehörige der Opfer der Bluttat befragen,
das Archiv sichten und Details über die möglichen
Stationierungsorte der Wehrmacht sammeln. Auch eine Kranzniederlegung
an der Gedenkstätte ist geplant.
Der Staatsanwalt von Tours, Philippe Varin, sprach von einem
«außergewöhnlichen Ereignis». Es sei das erste
Mal, dass eine deutsche Justizdelegation auf französischem Boden
wegen eines Kriegsverbrechens ermittle.
Das Massaker war eine Vergeltung für einen Anschlag der
französischen Résistance auf zwei Militärfahrzeuge in
der Nacht zuvor. Nach dem Abzug wurde das 500-Einwohner-Dorf mit
Granaten in Schutt und Asche gelegt. Zwei Monate zuvor hatten deutsche
Truppen in Oradour 642 Menschen ums Leben gebracht, was als schwerstes
Kriegsverbrechen der Deutschen in Frankreich gilt.
Für das Massaker von Maillé wurde der deutsche Leutnant der
Reserve Gustav Schlüter bereits 1952 in Bordeaux in Abwesenheit
zum Tode verurteilt. Ihm wurde Beihilfe zur Vorsätzlichen
Tötung zur Last gelegt. Gefasst wurde er nie und starb 1965 in
Hamburg.
Die Bluttat geriet Jahrzehnte in Vergessenheit. Erst 1987 wurde sie
wiederentdeckt, als die Vereinten Nationen Akten zu Kriegsverbrechen
freigaben. Wer die Aktion leitete und welche Einheiten beteiligt waren,
ist bis heute nicht abschließend geklärt. Zeugenbefragungen
und Recherchen französischer Medien und Historiker hatten die
Ermittlungen 2004 wieder ins Rollen gebracht.
(Quelle: ap)
Haftstrafen wegen Polizeigewalt beim G-8-Gipfel in Genua
Mi.16.07.08 - Sieben Jahre nach dem von Gewalt überschatteten G-8-Gipfel in
Genua sind in Italien 15 Beamte zu Haftstrafen zwischen fünf
Monaten und fünf Jahren verurteilt worden. Laut der italienischen
Nachrichtenagentur Ansa wurden 30 weitere Angeklagte freigesprochen. Die
Anklage lautete auf Misshandlung und schikanöse Behandlung von
Demonstranten, die während des G-8-Gipfels im Juli 2001 in einer
Kaserne von Bolzaneto festgehalten wurden.
Die Kaserne von Bolzaneto ist rund 15 Kilometer von Genua entfernt.
Dort waren rund 250 Demonstranten von der Polizei festgehalten worden.
In der Krankenstation wurden demnach festgenommene Frauen gezwungen,
sich vor männlichen Bediensteten auszuziehen. "Das Gericht hat
anerkannt, dass schwerwiegende Dinge in der Kaserne von Bolzaneto
vorgefallen sind", sagte Staatsanwalt Vittorio Ranieri Miniati laut
Ansa. Der Strafvollzugsinspektor Biagio G. wurde zu fünf Jahren
Haft verurteilt.
Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und
Sicherheitskräften in Genua hatte ein Polizist einen
23-jährigen italienischen Globalisierungsgegner erschossen. Mehrere
hundert Menschen wurden damals verletzt. Im Dezember 2007 waren 24
Globalisierungsgegner zu Haftstrafen zwischen fünf Monaten und elf
Jahren verurteilt worden. Ein drittes Verfahren gegen 29 Polizisten und
Mediziner im Strafvollzug wegen Gewalt gegen Demonstranten ist noch
nicht abgeschlossen.
(Quelle: afp)
Belgische Regierung vor dem Aus
Mi.16.07.08 - Belgien taumelt von einer Regierungskrise zur nächsten. Knapp vier
Monate nach seinem Amtsantritt bot Ministerpräsident Yves Leterme
in der Nacht zum Dienstag seinen Rücktritt an. Der aus dem
niederländischsprachigen Teil Belgiens stammende Christdemokrat
zog damit die Konsequenz aus dem Dauerkonflikt mit seinen frankophonen
Koalitionspartnern. Der Parteichef der frankophonen Sozialisten, Elio
di Rupo, brachte am Dienstagnachmittag die Ernennung eines
französischsprachigen Ministerpräsidenten ins Gespräch.
Obwohl König Albert II. über das Rücktrittsgesuch
Letermes noch nicht entschieden hat, schlug Di Rupo als Nachfolger den
Chef der frankophonen Liberalen und bisherigen
Vizeministerpräsidenten Didier Reynders vor. Damit goss er neues
Öl ins Feuer: Die frankophonen Wallonen sind in Belgien in der
Minderheit, die Regierungen werden deshalb schon seit Jahrzehnten von
Politikern aus dem niederländischsprachigen Flandern geführt.
Reynders selbst hatte sich zuvor für einen Verbleib Letermes im
Amt ausgesprochen: «Wir müssen mit der heutigen
Regierungsmehrheit und mit Leterme als Ministerpräsident
weitermachen», sagte der Liberalen-Chef dem Fernsehsender VRT.
Auch die Vorsitzende der französischsprachigen Christdemokraten,
Joelle Milquet, bedauerte «die unerwartete Entscheidung Yves
Letermes».
Leterme dringt gemeinsam mit anderen flämischen Politikern seit
Monaten auf mehr Autonomie für die wirtschaftlich prosperierende
Region, die das französischsprachige Wallonien mit
milliardenschweren Transferzahlungen subventioniert. In seinem
Rücktrittsersuchen beklagte der Christdemokrat, eine Einigung mit
den wallonischen Parteien auf eine Staatsreform habe sich als
unmöglich erwiesen. «Das zeigt, dass der belgische
Föderalismus an seine Grenzen gestoßen ist»,
erklärte Leterme.
Der Ministerpräsident stand unter erheblichem Druck, weil seine
Christdemokraten (CD&V) ein Wahlbündnis mit der
flämisch-nationalistischen Partei NVA bilden. Deren Vorsitzender
Bart De Wever drohte am Montag mit einem Bruch der Allianz, falls die
Frist zur Aushandlung einer Staatsreform über Dienstag hinaus
verlängert werden sollte. Der Fraktionsvorsitzende des
Bündnisses CD&V/NVA, Servais Verherstraeten, forderte
Zugeständnisse der französischsprachigen Seite. «Jetzt
sind die französischsprachigen Kollegen gefordert», sagte
Verherstraeten dem belgischen Fernsehen.
Die Koalitionsregierung aus Christdemokraten, Liberalen, Sozialisten
sowie flämischen und wallonischen Nationalisten war am 20.
März nach fast zehn Monaten Staatskrise gebildet worden. Nach der
Parlamentswahl am 10. Juni 2007 hatten sich die Spannungen zwischen den
6,5 Millionen Flamen und rund vier Millionen Wallonen erheblich
verschärft.
Die oppositionellen flämischen Sozialdemokraten (SPA)
kritisierten, die Regierung habe sich als unfähig erwiesen, die
Krise zu lösen. «Entweder zaubert sie noch ein weißes
Kaninchen aus dem Hut oder es gibt Neuwahlen», sagte die
SPA-Vorsitzende Caroline Gennez.
(Quelle: ap)
US-Notenbankchef Bernanke malt düsteres Konjunkturbild -
US-Rezession?
Mi.16.07.08 - US-Notenbankchef Ben Bernanke hält es für möglich, dass
die Finanzkrise die Vereinigten Staaten bereits in eine Rezession
gezogen hat.
Die Konjunkturrisiken hätten durch zahlreiche Belastungsfaktoren
weiter zugenommen, sagte Bernanke am Dienstag bei einer Anhörung
vor dem Senat in Washington. Es sei derzeit unklar, ob sich die USA
technisch gesehen bereits in einer Rezession befänden. Fest stehe
aber: "Die Menschen sind sehr besorgt." Der düstere Ausblick
Bernankes schickte US-Aktien auf Talfahrt.
"Ob es nun eine technische Rezession ist oder nicht, die Kombination
von nachlassendem Wohlstand, einem schwachen Arbeitsmarkt, steigenden
Nahrungsmittel- und Energiepreisen, Zwangsversteigerungen und immer
härteren Kreditkonditionen - all das zusammen setzt die Familien
heftig unter Druck", sagte Bernanke. Volkswirte sprechen von einer
technischen Rezession, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinander
folgenden Quartalen schrumpft.
Ungemach droht der US-Wirtschaft nach Einschätzung Bernankes
derzeit gleich an mehreren Fronten: "Die Möglichkeit weiter
steigender Energiepreise, die Verschärfung der Bedingungen bei der
Kreditvergabe durch die Banken und der immer tiefere Abschwung am
Immobilienmarkt sind allesamt Abwärtsrisiken für den
Wirtschaftsausblick." Der Preisverfall am Häusermarkt, von dem die
inzwischen globale Finanzkrise vergangenen Sommer ihren Anfang genommen
hatte, könne noch über den Jahreswechsel hinaus anhalten,
warnte er. Die meisten Unternehmen dürften in den verbleibenden
Monaten des Jahres darüber hinaus zurückhaltender
investieren. "Zur selben Zeit haben sich die Risiken für den
Inflationsausblick zuletzt weiter verstärkt."
An der Wall Street fielen die Aktienkurse nach Bernankes
Äußerungen auf neue Tagestiefs. Auch der Dollar verlor zum
Euro an Boden; zum Schweizer Franken fiel der Greenback bis auf
Parität. Der Preis für das Fass US-Leichtölbrach um rund
neun Dollar ein. Die USA sind der mit Abstand größte
Ölverbraucher weltweit. Profitieren konnten von der von Analysten
als sehr pessimistisch eingestuften Tonlage Bernankes lediglich die
US-Staatsanleihen. Sie gelten in Krisenzeiten als recht sicheres
Investment.
US-Präsident Georg W. Busch sagte in Washington, er sei nach wie
vor zuversichtlich im Hinblick auf die weitere Entwicklung der
Wirtschaft. "Ich bin kein Ökonom, aber ich glaube wir wachsen
noch." Er fügte jedoch hinzu: "Aber die Wirtschaft wächst
nicht so, wie sie sollte."
Unter dem Eindruck immer neuer Hiobsbotschaften von den US-Banken sieht
Bernanke die Fed vor allem in der Pflicht, alles für eine rasche
Stabilisierung des amerikanischen Finanzsystems zu tun. "Es ist aktuell
die allerhöchste Priorität der Fed, den Finanzmärkten
dabei zu helfen, zur Normalität zurückzukehren." Der gesamte
Finanzsektor stehe derzeit unter immensem Druck.
Die Fed hatte in den vergangenen Tagen zusammen mit der Regierung ein
Hilfspaket für die beiden angeschlagenen großen
Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac geschnürt. Diese
Hilfsaktion hatte an den Finanzmärkten aber nur kurzzeitig
für eine bessere Stimmung gesorgt.
Nach den Worten Bernankes hätten die früheren Bemühungen
von Regierung und Fed zwar Früchte getragen, die Lage zu beruhigen
und Schaden von der weltgrößten Volkswirtschaft abzuwenden.
Trotz Zinssenkungen und neuer Refinanzierungsmöglichkeiten, die
die Fed den Banken einräumte, sehe sich die US-Wirtschaft aber
nach wie vor einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten gegenüber. Das
Konjunkturprogramm der Regierung scheine zu helfen. "Wir brauchen aber
noch Zeit, um zu sehen, ob noch mehr nötig ist", sagte der
Fed-Chef.
Trotz ihrer Rezessionsbedenken hob die Notenbank in ihrem
halbjährlichen Bericht an das Parlament in Washington ihre
Prognose für das Wirtschaftswachstum 2008 auf ein bis 1,6 Prozent
an. Zuletzt war sie von einem Wachstum von lediglich 0,3 bis 1,2
Prozent ausgegangen. Grund sei die Hoffnung, dass die Steuerschecks der
Regierung den Konsum kurzfristig beleben könnten. Zudem erwartet
sie, dass sich die Konjunktur im laufe der kommenden beiden Jahre
wieder erholt. Angesichts der zuletzt stark gestiegenen Preise für
Energie und Lebensmittel erhöhte die Federal Reserve zugleich ihre
Prognose für die Teuerung in diesem Jahr auf 3,8 bis 4,2 Prozent.
(Quelle: rtr)
Nervosität wegen Finanzkrise hievt Euro auf Rekordhoch
Mi.16.07.08 - Der Euro ist auf ein Rekordhoch zum Dollar gestiegen. Für die
Gemeinschaftswährung mussten zeitweise bis zu 1,6038 Dollar
gezahlt werden - so viel wie noch nie seit ihrer Einführung an den
Finanzmärkten 1999.
Experten sagten, vor allem die Furcht vor neuen Hiobsbotschaften von
der US-Wirtschaft setze dem Dollar zu. Selbst das Hilfspaket für
die angeschlagenen Hypotheken-Institute Fannie Mae und Freddie Mac
wurde am Markt zunehmend skeptisch gesehen, was auch die Aktienkurse
weltweit unter Druck setzte.
Viele Anleger sähen in den Maßnahmen nur eine Verlagerung
der Risiken von den Unternehmen zum US-Finanzministerium, sagte ein
Händler. Das dürfte zu einem deutlich höheren
Staatsdefizit führen und wäre damit schlecht für den
Dollar.
Mit einer Rede vor dem Senat verstärkte US-Notenbankchef Ben
Bernanke die Nervosität. Viele Finanzmärkte und Institutionen
stünden weiterhin erheblich unter Druck, sagte er. Die Notenbank
rechnet 2008 nur noch mit einem moderaten Wirtschaftswachstum und mit
einer schrittweisen Erholung in den kommenden zwei Jahren. Damit habe
Bernanke gesagt, "dass das Finanzsystem in einer Krise ist", sagte
WestLB-Chef-Volkswirt Holger Sandte. "Das wird realwirtschaftliche
Folgen haben, und deswegen sind die Anleger verunsichert, was zu
heftigen Schwankungen an den Märkten führt." Zudem schienen
für Bernanke wieder die Risiken für das Wachstum in den
Vordergrund rücken. "Damit dürfte eine baldige
Zinserhöhung wieder unwahrscheinlicher werden," sagte der
Volkswirt.
Die Erleichterung über die Rettungsmaßnahmen für
Freddie Mac und Fannie Mae, die dem Dollar Rückenwind gegeben und
den Euro am Montag unter 1,5850 Dollar gedrückt hatte, verflog
rasch. Am Dienstagnachmittag pendelte die Gemeinschaftswährung in
großen Schwüngen um 1,60 Dollar. Den Referenzkurs legte die
EZB mit 1,5990 (Vortag: 1,5847) Dollar fest. Im Referenzkursverfahren
der Banken EuroFX wurde der Wert mit 1,6013 Dollar ermittelt.
Selbst ein "erschreckender ZEW-Index" habe nicht gereicht, um den
Dollar in besseren Licht dastehen zu lassen, sagten Analysten. Der
Index, der die Erwartungen von Finanzexperten in Deutschland
widerspiegelt, war für Juli auf minus 63,9 Punkte gefallen;
Analysten hatten mit minus 55 Zähler gerechnet. Auch die aktuelle
Situation schätzten die Befragten unerwartet pessimistisch ein.
"Man könnte meinen, dass unter den Finanzmarktspezialisten langsam
Endzeitstimmung aufkommt", kommentierten die Analysten der NordLB die
Daten. Dass der Euro dennoch im Anschluss an die Daten bis auf 1,6038
Dollar zulegte, sei schon überraschend und zeige, wie nervös
die Investoren seien, sagten Händler.
Dem deutschen Exporteursverband BGA zufolge wird der Anstieg des Euro
auch deutliche Spuren hinterlassen: Nachdem die Exporte Deutschlands
2007 noch um 8,5 Prozent gestiegen waren, werde nun für das
laufende Jahr nur noch "mit einer Sechs vor dem Komma" gerechnet, sagte
ein Verbandssprecher.
Angesichts der nervösen Stimmung an den Märkten profitierten
die europäischen Rentenpapiere einmal mehr von ihrem Ruf als
krisensicherere Titel. Während der Dax auf ein Zwei-Jahres-Tief
sank, stieg der Bund-Future um 51 Ticks auf 112,80 Zähler. Die
zehnjährige Bundesanleihe gewann 42 Ticks auf 99,25 Punkte und
rentierte mit 4,342 Prozent. Die Umlaufrendite öffentlicher
Anleihen sank auf 4,47 (4,57) Prozent. Der Rex-Rentenindex notierte 0,7
Prozent höher bei 114,5826 Zählern.
(Quelle: rtr)
Experten: Ölpreis belastet Konjunktur stärker als
Finanzmarktkrise
Mi.16.07.08 - Die Finanzmarktkrise wird die deutsche Wirtschaft nach
Einschätzung von Experten weniger stark belasten als die hohen
Energiepreise. Der Chefvolkswirt Europa der Bank of America, Holger
Schmieding, und der Chefvolkswirt von Union Investment, David Milliker,
sehen die größte Gefahr für die Konjunktur in den hohen
Rohölkosten. Dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger zufolge steht die
deutsche Wirtschaft vor einer Phase der Stagnation. Der Bundesverband
der Deutschen Industrie rechnet für das kommende Jahr mit einer
deutlich schwächeren Konjunktur.
«Den hohen Ölpreis und die schwächelnde US-Konjunktur
halte ich für viel bedrohlicher», sagte Milliker der
«Frankfurter Rundschau» mit Blick auf die Finanzmarktkrise.
Diese hatte mit dem Zusammenbruch des US-Hypotheken-Finanzierers IndyMac
und der Krise der halbstaatlichen Branchenriesen Fannie Mae und Freddie
Mac in den vergangenen Tagen einen neuen Höhepunkt erreicht.
Die US-Immobilienkrise werde aus zwei Gründen nicht nach Europa
schwappen, sagte Milliker: Zum einen habe Deutschland bereits zwischen
2001 und 2004 wegen «der faulen Baufinanzierung Ost» seine
Kreditkrise durchlitten. Zum zweiten seien europäische Banken
lediglich mit vier Prozent am US-Immobilienmarkt beteiligt.
Auch Ökonom Schmieding sieht in den hohen Ölpreisen die
weitaus größere Gefahr für die deutsche Konjunktur. Der
Verbraucher müsse durch die hohen Preise für Benzin und
Lebensmittel «sehr viel schultern», sagte Schmieding im
Deutschlandradio Kultur.
«Wir haben den Höhepunkt des Aufschwungs hinter uns»,
sagte Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat der
Regierung, der «Passauer Neuen Presse». Die Hoffnung, der
private Verbrauch könne den Konsum beleben, habe sich trotz
Lohnerhöhungen in den jüngsten Tarifrunden nicht bewahrheitet.
«Unter dem Strich bleibt für viele Privathaushalte eher
weniger als mehr übrig. Der Hauptgrund dafür sind die
gestiegenen Energiepreise», sagte Bofinger.
Nach Einschätzung des BDI sind die Hauptgründe für die
erwartete Abschwächung der deutschen Konjunktur eine sinkende
Auslandsnachfrage, die hohen Ölpreise und nachlassende
Investitionsneigung. «Der Abschwung ist schon eingeleitet, 2009
werden wir zurückfallen in die alte
Wirtschaftsschwäche», sagte
BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf im
ZDF-Morgenmagazin.
Nach Einschätzung der Unicredit-Bank wird die Finanzmarktkrise
allerdings die Wirtschaft noch auf Jahre belasten. «Es ist eine
schwere Krise, die drei bis fünf Jahre die Wirtschaft heftig
belasten könnte», sagte der Kreditanalyse-Chef des Instituts
Jochen Felsenheimer der «Berliner Zeitung». Das Hauptproblem
sei, dass die Banken nur noch ungern und zu hohen Zinsen Kredite
vergäben. Das hemme das Wachstum der Wirtschaft auch in
Deutschland.
(Quelle: ap)
ZEW-Konjunkturbarometer fällt im Juli auf Rekordtief
Mi.16.07.08 - Die Konjunkturerwartungen der Analysten und Anleger sind im Juli
eingebrochen und auf ein Rekordtief gefallen.
Das ZEW-Barometer sank um 11,5 auf minus 63,9 Punkte, wie das
Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)
am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte 46 Volkswirte hatten im
Schnitt lediglich mit einem Rückgang auf minus 55,0 Zähler
gerechnet.
"Der hohe Ölpreis, der starke Euro, die Krise in den USA, die
Leitzinserhöhung der EZB und eine schwache inländische
Konsumnachfrage dürften die deutschen Unternehmen in den kommenden
sechs Monaten belasten", hieß es zu der monatlichen Umfrage unter
rund 300 Börsianern.
Die Lage bewerteten die Experten ebenfalls schlechter als im Mai. Der
Teilindikator brach um 20,6 auf 17,0 Zähler ein. Volkswirte hatten
im Schnitt mit einem Rückgang auf 32,7 Punkte gerechnet.
(Quelle: rtr)
Wirtschaftsweiser Bofinger: Deutscher Wirtschaft steht Stagnation bevor
Mi.16.07.08 - Die deutsche Wirtschaft steht nach Einschätzung des
Wirtschaftsweisen Peter Bofinger vor einer Phase der Stagnation.
"Wir haben den Höhepunkt des Aufschwungs hinter uns", sagte das
Mitglied im Sachverständigenrat der Regierung der "Passauer Neuen
Presse" vom Dienstag. Die Hoffnung, der private Verbrauch könne den
Konsum beleben, habe sich trotz Lohnerhöhungen in den
jüngsten Tarifrunden nicht bewahrheitet. Unter dem Strich bleibe
für viele Privathaushalte eher weniger als mehr übrig. Der
Hauptgrund dafür seien die gestiegenen Energiepreise. "Die
Binnennachfrage wird als Wachstumsmotor zum Totalausfall."
Für eine spürbare Steuer- oder Abgaben-Entlastung der
Bürger sieht Bofinger derzeit aber weder eine Notwendigkeit noch
Möglichkeiten. "Der Staat braucht das Geld." Erst wenn sich die
Konjunktur weiter abkühle und sich Auftragseingänge und
Produktion weiterhin so ungünstig entwickelten wie im Mai,
müsse der Staat aktiv werden. Dann sollte die Regierung über
mehr Investitionen oder einmalige Steuerschecks nach US-Vorbild
nachdenken. "Jeder Bürger könnte auf diesem Wege sehr schnell
und direkt entlastet werden. So würden Spielräume für
mehr privaten Konsum geschaffen", sagte Bofinger.
Von Entlastungen und Zuschüssen zur Kompensation gestiegener
Energiekosten riet Bofinger indes ab. Das erhöhe nur die
Spielräume der Ölanbieter für weitere
Preiserhöhungen. Er sei zudem überzeugt, dass der Ölpreis
schon bald wieder relativ stark zurückgehen werde. "Sein jetziges
Niveau ist eindeutig überzeichnet. Dafür gibt es keine
fundamentale Rechtfertigung."
(Quelle: rtr)
Deutschland will EU-Klimaschutz für die Industrie entschärfen
Mi.16.07.08 - Die Bundesregierung fordert eine massive Entschärfung der in der
EU geplanten Klimaschutzvorschriften für die Industrie.
Diese habe nur noch begrenzte Möglichkeiten, den Ausstoß von
Treibhausgas zu mindern, erklärte das Wirtschaftsministerium am
Dienstag in Berlin nach einer Konferenz mit Unternehmen über den
Klimaschutz. Das Wirtschaftsministerium stellt das von der
EU-Kommission vorgeschlagene Ziel, die Kohlendioxyd-Emissionen bis 2020
um 21 Prozent zu senken, grundlegend in Frage. Dies sei weder in der
Energiewirtschaft noch in der Industrie ohne Wachstums- und
Arbeitsplatzverluste möglich, erklärte
Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann.
Der Rückgang der Treibhausgasbelastungen durch die Industrie ist
jedoch Kernstück des Klimaschutzpakets, mit dem die EU bis 2020
den CO2-Ausstoß um 20 Prozent senken will, um den Klimawandel
aufzuhalten. Die Einigung auf dieses Ziel war der wichtigste Erfolg der
deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007.
Homann unterstrich die bereits bekannte Forderung Deutschlands, der
Industrie auch in Zukunft beim europäischen CO2-Emissionshandel
die Verschmutzungsrechte kostenlos zuzuteilen. Die EU-Kommission hatte
offen gelassen, in welchen Schritten die Branchen ab 2013 für die
CO2-Emissionszertifikate bei Auktionen bezahlen sollen. Darüber
wird derzeit noch gestritten. Ziel ist jedoch eine 100-prozentige
Auktionierung für die gesamte Industrie bis 2020.
Eine Versteigerung der Emissionsrechte gefährde die Investitions-
und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, erklärte Homann.
Branchen wie der Papier- und Glasindustrie würde das
wirtschaftliche Aus drohen. "Diese zusätzlichen Kosten führen
letztlich zu Wachstums- und Arbeitsplatzverlusten und nutzen dem
Weltklima nicht." Die Erfolge bei der CO2-Reduktion würden binnen
weniger Wochen zunichtegemacht, wenn wesentliche Akteure wie die USA,
China und Indien bei der Klimaschutzpolitik nicht mitzögen.
Die Industrie habe bereits den Löwenanteil zum Abbau des
Treibhausgases in Deutschland geleistet. Zu den 168 Millionen Tonnen
CO2, die von 1990 bis 2006 eingespart wurden, habe die Wirtschaft 130
Millionen Tonnen beigetragen. "Die Veranstaltung zeigt, wo die Grenzen
liegen und dass wir die Wirtschaft beim Klimaschutz nicht
überfordern dürfen", sagte Homann. Auch angesichts der
explodierenden Öl- und Gaspreise könnten zusätzliche
Klimaschutzmaßnahmen "nur mit großer Zurückhaltung"
erwogen werden.
(Quelle: rtr)
CDU-Sozialausschüsse für Erhöhung des
Hartz-IV-Regelsatzes
Mi.16.07.08 - Angesichts der gestiegenen Stromkosten haben sich die
CDU-Sozialausschüsse für eine Erhöhung des
Hartz-IV-Regelsatzes ausgesprochen. Der stellvertretende Vorsitzende der
Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Gerald Weiß,
schlug im Südwestrundfunk am Dienstag vor, anhand einer
«Sonder-Verbrauchsstichprobe» zu ermitteln, wie groß
der Zuschuss auszufallen habe. Während die Linke und der DGB seit
langem diese Erhöhung verlangen, hat die Union dies bisher
abgelehnt.
Den Beziehern von Hartz IV, die ihre Stromrechnung aus dem Regelsatz
von derzeit 351 Euro bezahlen müssten, sei nicht zuzumuten, bis zur
nächsten planmäßigen Erhöhung noch fünf Jahre
zu warten, meinte Weiß in dem Interview. Er verlangte auch eine
sofortige Rückkehr zur alten Pendlerpauschale. Die Politik solle
«nicht warten, bis das Bundesverfassungsgericht uns dazu
anhält», sagte der Chef der Arbeitnehmergruppe der
Unionsfraktion im Bundestag. «Es brennt wirklich bei der
Belastungsfrage.» Eine Verringerung der Steuern auf Kraftstoffe
lehnte er ab.
(Quelle: ap)
Streit um Pendlerpauschale erfasst zunehmend auch SPD
Mi.16.07.08 - Der Streit um die Pendlerpauschale erfasst zunehmend auch die SPD.
Immer mehr Landesverbände fordern entgegen der Linie der
Bundesspitze die Rückkehr zur alten Regelung. Nach Sachsen und
Thüringen forderte am Dienstag auch die SPD in
Baden-Württemberg die Wiedereinführung der alten, ab dem
ersten Kilometer geltende Unterstützung für den Weg zur
Arbeit. In weiteren SPD-Landesverbänden rührt sich ebenfalls
Widerstand. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) stellte
sich erneut gegen eine Rückkehr zur alten Regelung. In der Union,
wo dies vor allem die CSU fordert, verteidigte der hessische
Regierungschef Roland Koch (CDU) die geltende, erst ab dem 21.
Kilometer greifende Pauschale.
Thüringens SPD-Chef Christoph Matschie und der sächsische
SPD-Vorsitzende Thomas Jurk sprachen sich dagegen aus, das Urteil des
Bundesverfassungsgerichtes abzuwarten. "Der Bundestag muss nach der
Sommerpause entscheiden, wie es für die Pendler weitergeht", sagte
Matschie der Zeitung "Die Welt". Die SPD-Chefin in
Baden-Württemberg, Ute Vogt, sagte der "Financial Times
Deutschland" vom Mittwoch, ihr Landesverband wolle eine ab dem ersten
Kilometer geltende Regelung.
SPD-Generalsekretär Heil zeigte in der Internet-Ausgabe des
"Kölner Stadt-Anzeigers" kein Verständnis für die
Forderung nach eine schnellen Novelle der Pauschale: "Es gibt im Herbst
eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die wir abwarten
wollen. Es gibt keinen Grund, dem bayerischen Wahlkampf auf dem Leim zu
gehen." Auch Steinbrück lehnte kurzfristige Entlastungen erneut
ab. Die richtige Antwort auf die steigenden Energiepreise sei ein
effizienterer Einsatz von Energie.
Seit 2007 wird die Steuervergünstigung für Pendler nur noch
ab dem 21. Kilometer gewährt. Das Bundesverfassungsgericht
verhandelt am 10. September über Normenkontrollanträge
verschiedener Finanzgerichte, die darin einen Verstoß gegen den
Gleichheitsgrundsatz sehen. Mit einem Urteil, vor dem die
Bundesregierung jedwede Änderung ausgeschlossen hat, ist erst im
Herbst zu rechnen. Eine Rückkehr zur alten Regelung lehnen die
Spitzen von CDU und SPD wegen der damit verbundenen Kosten ab.
Koch sagte im Deutschlandradio Kultur, der Staat könne nicht die
Belastungen der Bürger durch die hohen Energiepreise mit
Steuersenkungen abfedern. Man könne nicht glauben, dass die sehr
schwierige Lage für viele Bürger durch eine Veränderung
des Steuersatzes oder durch eine Pendlerpauschale für die ersten
20 Kilometer lösbar wäre, sagte der CDU-Politiker.
Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Sozialverbände, Gerald
Weiß, sagte hingegen, bei aller Abwägung der Risiken
für den Bundeshaushalt müsse man Prioritäten setzen. "Es
brennt wirklich bei der Belastungsfrage", und deshalb müsse bei
der Pendlerpauschale gehandelt werden, sagte er im SWR.
Nach Angaben des ADAC kostet der Liter Super inzwischen in vielen
Regionen fast 1,60 Euro. Für Diesel, das vor allem von
Fernpendlern getankt wird, muss man bundesweit über 1,50 Euro
zahlen.
(Quelle: rtr)
DGB fordert Maßnahmen gegen hohe Inflation
Mi.16.07.08 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert angesichts der hohen
Inflationsrate von zuletzt mehr als drei Prozent Politik und Wirtschaft
zu umfassenden Gegenmaßnahmen auf. Notwendig sei beispielsweise
die Einführung einer Spekulationssteuer, sagte das für
Wirtschaftspolitik zuständige DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki
der in Chemnitz erscheinenden «Freien Presse»
(Mittwochausgabe). Durch die Abgabe könne «preistreibende
Zockerei auf den Energie- und Lebensmittelmärkten»
bekämpft werden. Vor allem für Haushalte mit geringem
Monatsbudget stellten die hohen Preise für Kraftstoff und
Nahrungsmittel eine große finanzielle Belastung dar.
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Zudem kritisierte Matecki die Zinspolitik der Europäischen
Zentralbank (EZB). Das Institut müsse von weiteren
Zinserhöhungen absehen, da sie zur Abbremsung der Inflation
ungeeignet seien. Matecki betonte, höhere Zinsen verteuerten die
Kredite für Investoren und Verbraucher. Gleichzeitig sinke das
Wachstum und die Arbeitslosigkeit nehme zu.
Erschwerend kommt laut Matecki hinzu, dass die Lasten der Inflation in
der Gesellschaft ungleich verteilt sind. Haushalte mit monatlichen
Nettoeinkünften von bis zu 900 Euro konsumierten 111 Prozent ihres
Einkommens und lebten damit auf Pump. Dagegen werde in Haushalten mit
sehr hohen Nettoeinkünften monatlich nicht mehr als die
Hälfte des Einkommens verbraucht. Zudem könnten
Besserverdienende jeden fünften Euro auf die Seite legen.
Steigende Lebensmittel- und Energiepreise seien für sie daher
leichter zu verkraften.
Das Europäische Statistikamt in Straßburg (Eurostat) stellt
am Mittwoch die Verbraucherpreise für den Monat Juni vor.
(Quelle: ddp)
Immer buntere Berufswelt
Mi.16.07.08 - Die Berufswelt wird in diesem Sommer wieder ein bisschen bunter. Ab 1.
August können sich Schulabgänger erstmals zum
Speiseeishersteller ausbilden lassen. Neu ist auch der Beruf des
Automatenfachmanns oder der des Personaldienstleistungskaufmanns.
Insgesamt sieben Berufe stehen ab dem kommenden Ausbildungsjahr neu zur
Verfügung. Außerdem wurden einige Ausbildungsordnungen
modernisiert. Von Gewerkschaftsseite kommt aber auch Kritik samt der
Warnung vor der Schaffung von Nischenberufen.
Was macht ein Automatenfachmann beziehungsweise eine -fachfrau? Neben
den naheliegenden Tätigkeiten wie Aufstellen und Wartung von
Automaten stehen auch Abrechnungen und Kassenabschlüsse auf dem
Programm oder die Ermittlung des Konsumverhaltens, wie es beim
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn heißt.
Die Ausbildung selbst ist auf drei Jahre samt Berufsschulbesuch
angelegt. Sie soll für den späteren Einsatz in Unternehmen der
Automatenwirtschaft oder in Verkehrsunternehmen, gastronomischen
Betrieben, Geldinstituten oder Freizeiteinrichtungen vorbereiten.
Bereits nach zwei Jahren können Lehrlinge die Ausbildung beenden
und als «Fachkraft für Automatenservice» arbeiten.
«Es gibt harte Kriterien, die erfüllt sein müssen,
damit eine Tätigkeit zu einem Ausbildungsberuf wird», sagt
Petra Westpfahl, die beim BIBB Projektleiterin im Bereich Metallberufe
ist. Dazu gehört nach ihren Worten zum Beispiel, dass die
Arbeitsaufgaben nicht schon längst von anderen Berufen hinreichend
abgedeckt sind. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die
Ausbildungsziele in einem überschaubaren Rahmen bewältigt
werden können.
«Die Lehrlinge müssen auch genügend Perspektive haben,
sich in diesem Bereich weiterentwickeln zu können»,
erläutert Westpfahl. Es dürften eben keine Nischenberufe sein,
bei denen die Lehrlinge quasi nur in ihrem Betrieb arbeiten
können, nicht aber in anderen Firmen.
In diese Richtung zielt die Kritik des Deutschen Gewerkschaftsbundes
(DGB): «Wir wollen, dass Schulabgänger einen Beruf erlernen,
mit dem sie später mobil sind», betont Thomas Giessler, beim
DGB für Berufspolitik zuständig. Gerade die in diesem Jahr
erstmals angebotene Ausbildung zum Speiseeishersteller löst bei ihm
Unverständnis aus. «Das ist größter Quatsch. So
etwas kann man als Zusatzqualifikation etwa beim Konditorberuf
anbieten», findet er. «Wir wollen dynamische Kernberufe,
kein Berufebasteln.»
Er kritisiert nicht nur möglicherweise als neue Ausbildung
getarnte Nischenberufe. Auch das Angebot von bloß
zweijährigen Ausbildungsgängen ist ihm ein Dorn im Auge.
«Ich unterstelle denjenigen, die so etwas anbieten, dass sie ein
zusätzliches Auswahlkriterium haben wollen», sagt der
Gewerkschafter. Zwar werde häufig betont, jeder, der die
zweijährige Ausbildung beende, könne auch noch ein Jahr
dranhängen, ein Rechtsanspruch bestehe aber nicht.
Doch in diesem Jahr sind nach seiner Ansicht auch sinnvolle neue Berufe
dabei - zum Beispiel der Produktionstechnologe, der im
Entwicklungsbereich eines Unternehmens zum Einsatz kommt und die
Stabilität der Prozesse und die Qualität der Produkte
überwacht. «Das ist wirklich etwas Neues», sagt
Giessler.
Schulabgänger können sich darüber hinaus ab 1. August
noch zum Fotomedienfachmann/-frau, zum
Personaldienstleistungskaufmann/-frau sowie zur Servicekraft für
Schutz und Sicherheit ausbilden lassen - sowie zur Fachkraft für
Automatenservice, der Zwei-Jahres-Variante des Automatenfachmanns.
Darüber hinaus wurden zum neuen Ausbildungsjahr unter anderem die
Ausbildungsordnungen für Friseure und Seiler überarbeitet.
Letztere stellen Netze und Seile sowohl in traditioneller Fertigung als
auch mit modernster Technik her, die sehr hohen Sicherheitsstandards
(etwa in der Luft- und Raumfahrttechnik) genügen müssen.
Ehe aber eine Tätigkeit zu einem der bislang rund 340 staatlich
anerkannten Ausbildungsberufe wird, kann viel Zeit ins Land gehen. Denn
schließlich müssen alle Seiten gehört, Expertisen
formuliert und schließlich Lehrpläne aufgestellt werden.
Aktuelle Ausbildungszahlen für die neuen Berufe 2008 liegen nach
Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)
frühestens im September vor.
Über den Erfolg eines neuen Ausbildungsberufs lässt sich
ohnehin erst viel später etwas sagen, wie Hella Lüth vom DIHK
zu bedenken gibt. Probleme gibt es immer dann, wenn sich zu wenige
Schulabgänger in einer Region für einen bestimmten Beruf
entscheiden, so dass die Organisation des Berufsschulunterrichts
schwierig wird. «Aber ein richtiger Flop war in der letzten Zeit
bei den neuen Ausbildungen nicht dabei», sagt Lüth.
(Quelle: ap)
Deutsche beziehen länger Rente
Mi.16.07.08 - Die Deutschen beziehen immer länger Rente. Der Durchschnitt liegt
inzwischen bei 17,4 Jahren, wie aus Zahlen der Deutschen
Rentenversicherung hervorgeht. Noch 1995 waren es nur 15,8 Jahre, 1960
in den alten Ländern sogar nur 9,9 Jahre. Inzwischen beziehen
Frauen 19,9 Jahre Rente, Männer 15 Jahre. Im Osten lag die
Bezugsdauer insgesamt mit 18,1 Jahren etwas höher als im Westen
(17,3 Jahre). Im Durchschnitt liegt das «Wegfallalter»
bundesweit bei 76,6 Jahren. Männer beziehen im Schnitt bis zum
Alter von 73,8 Jahren Rente, Frauen bis 79,6.
(Quelle: ap)
SPD will Abkommen mit USA über weitreichenden Datenaustausch
billigen
Mi.16.07.08 - Die SPD-Fraktion will einem Abkommen über eine Ausweitung des
Datenaustauschs mit den USA zustimmen. Das sagte der innenpolitische
Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, der
«Neuen Osnabrücker Zeitung». «Justiz- und
Innenministerium haben unsere Vorbehalte gegen den geplanten
Datenaustausch überzeugend ausgeräumt.»
Die Vorschriften würden nach der Sommerpause problemlos das
parlamentarische Zustimmungsverfahren durchlaufen. Er gehe davon aus,
dass das Abkommen Anfang 2009 in Kraft trete. Die Bundesregierung und
die USA hatten sich im März auf ein Abkommen verständigt, das
einen automatischen Abgleich von Fingerabdrücken und DNA-Profilen
ermöglichen soll. Dadurch soll der Zugriff auf Informationen des
Partnerlandes über Terrorverdächtige erleichtert und
beschleunigt werden.
Nach Einschätzung von Wiefelspütz ist das Abkommen
«rechtsstaatlich einwandfrei». Dagegen erklärte der
Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, laut
«NOZ» in einer Stellungnahme für den Innenausschuss:
«Aus datenschutzrechtlicher Sicht bleibt das Abkommen weit hinter
vergleichbaren Vereinbarungen auf europäischer Ebene
zurück.» Nach eingehender Prüfung blieben erhebliche
Vorbehalte.
Auf große Bedenken trifft der Zeitung zufolge eine Bestimmung des
Abkommens, wonach auch sensible Informationen über Sexualleben und
Gesundheit sowie Rasse, Religion, politische Überzeugung und
Gewerkschaftszugehörigkeit möglicher Terroristen oder
Krimineller übermittelt werden. Wiefelspütz sagte, diese
höchst sensiblen Daten dürften nur in seltenen
Ausnahmefällen weitergegeben werden. Es seien extrem hohe
Hürden für eine Übermittlung eingebaut.
(Quelle: ap)
SPD verliert im Juni 1.743 Mitglieder
Mi.16.07.08 - Die SPD hat im Juni 1.743 Mitglieder verloren. Die Gesamtzahl sank von
531.737 auf 529.994 zum Stichtag 30. Juni, wie die Partei am Dienstag in
Berlin berichtete. Darunter waren 365.735 Männer (69,1 Prozent)
und 164.259 Frauen (30,99 Prozent). Ob die SPD damit hinter die CDU als
mitgliederstärkste Partei zurückgefallen ist, war
zunächst nicht klar. Der CDU lagen die neuesten Zahlen noch nicht
vor, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte.
(Quelle: ap)
Regierung einigt sich auf niedrigere Hürden für Zuwanderung
Mi.16.07.08 - Die Bundesregierung will ausländischen Fachkräften den Zugang
zum Arbeitsmarkt erleichtern.
Gegen Billig-Arbeiter aus den EU-Beitrittsländern will sie die
Abschottung dagegen bis 2011 verlängern. Dies geht aus einem von
Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Arbeitsminister Olaf
Scholz (SPD) ausgearbeiteten Aktionsprogramm hervor, das am Mittwoch
nach Angaben aus Regierungskreisen vom Kabinett beschlossen werden soll.
Akademiker aus den neuen EU-Staaten sollen dem Reuters am Dienstag
vorliegenden Beschlussvorschlag zufolge vom 1. Januar kommenden Jahres
an leichter nach Deutschland kommen dürfen. Für sie
entfällt dann die Vorrangprüfung, mit der bislang belegt
werden muss, dass sie keine einheimischen Arbeitsuchenden
verdrängen. Auch für Akademiker aus Drittstaaten wird der
Arbeitsmarkt geöffnet, für sie bleibt es aber bei der
Vorrangprüfung. Zudem wird die Mindestverdienstgrenze für
hoch qualifizierte Fachkräfte von 86.400 auf 63.600 Euro gesenkt.
Zuwanderer mit diesem Einkommen bekommen von Anfang an ein dauerhaftes
Aufenthaltsrecht.
Die bislang Ende April 2009 auslaufende Abschottung des Arbeitsmarktes
gegen Billig-Arbeiter aus den neuen EU-Ländern wird letztmalig um
zwei weitere Jahre bis 2011 verlängert. Dies gilt für die zum
1. Mai 2004 beigetretenen Staaten wie Polen, außer Zypern und
Malta.
Deutschland ist mit diesem Kurs weitgehend allein. Bis auf
Österreich haben die übrigen EU-Staaten ihren Arbeitsmarkt
weitgehend geöffnet. Für die 2007 beigetretenen Rumänen
und Bulgaren wird die Ausnahme von der Freizügigkeit bis Ende 2011
verlängert.
Für in Deutschland lebende, aber nur geduldete Ausländer soll
eine neue "Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke der Beschäftigung"
eingeführt werden. Diesen "sicheren Aufenthaltsstatus" sollen
Hochschulabsolventen und Fachkräfte bekommen, die zwei Jahre lang
durchgängig beschäftigt waren. Dies gilt auch für
"Geduldete, die gut integriert sind", und hier eine Berufsausbildung
oder ein Studium absolviert haben.
Die Bundesregierung will mit dem Aktionsprogramm dem drohenden
Fachkräftemangel begegnen. "Der Wettbewerb um hoch qualifizierte
Fachkräfte wird sich weiter intensivieren", heißt es in der
Vorlage. "Daher gilt es, die Zuwanderungsregelungen attraktiver zu
gestalten, um die Position Deutschlands zu stärken." Zudem will
die Regierung per monatlicher Umfrage bei den Unternehmen den
Fachkräftebedarf ermitteln. Das Arbeitsministerium will zudem eine
neue Allianz mit Vertretern der Sozialpartner, der Wissenschaft und der
Länder einberufen, die die Bundesregierung "bei Entscheidungen zur
arbeitsmarktadäquaten Zuwanderung beraten" soll.
Die Stellung der vom Arbeitsministerium gewünschten neuen Allianz
wurde im Vergleich zum Entwurf des Programms aber abgeschwächt. In
der Kabinettsvorlage ist von einer Geschäftsstelle keine Rede
mehr. Im Entwurf waren dafür noch Kosten von bis zu zwei Millionen
Euro jährlich vorgesehen. Auch ist nun ausdrücklich
festgehalten, dass die Allianz keinen neuen Kurs in der
Zuwanderungspolitik formulieren soll: "Aufgabe der Allianz ist es
nicht, ein Zuwanderungs-Punktesystem oder ein Konzept zur
Potenzialzuwanderung zu entwickeln."
(Quelle: rtr)
Die meisten ausländischen Studenten in Deutschland kommen aus China
Mi.16.07.08 - Die meisten ausländischen Studenten an deutschen Hochschulen
kommen aus China. Wie aus einer am Dienstag veröffentlichten
Studie des DAAD und der Hochschul-Informations-System GmbH hervorgeht,
waren im Studienjahr 2007 gut 25.600 Studenten aus China
eingeschrieben, es folgen mit jeweils zwischen 10.000 und 12.000
Studenten Bulgarien, Polen und Russland.
Insgesamt hatten sich den Angaben zufolge an deutschen Hochschulen
246.369 Ausländer eingeschrieben, das waren zwölf Prozent
aller Studenten. Rund 188.000 von ihnen sind sogenannte
Bildungsausländer, die im Ausland ihre Studienzugangsberechtigung
erworben haben. «Seit einigen Jahren belegt Deutschland im
internationalen Vergleich den dritten Platz bei der Zahl der
ausländischen Studierenden nach den USA und
Großbritannien», hieß es weiter.
Bei der Fächerwahl liegen Wirtschaftswissenschaften vorn. An den
Universitäten folgten Germanistik und Informatik, an den
Fachhochschulen Maschinenbau und Elektrotechnik.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Japanische Forscher entwickeln langlebigen Flash-Speicher
Mi.16.07.08 - Einen sehr langlebigen Flash-Speicher haben jetzt japanische Forscher
entwickelt. Das Speichermedium soll einige Jahrhunderte halten und zudem
bei niedrigeren Voltzahlen arbeiten als herkömmliche Flash-Chips.
Aufgrund ihrer speziellen Bauweise können die elektronischen
Komponenten laut dem Magazin "Vnunet" über 100 Millionen Mal mit
Daten bespielt werden, ohne dadurch so rasch zu altern wie
herkömmliche Chips. Außerdem kommen sie mit einer
Betriebsspannung von nur rund sechs Volt aus. Erfunden worden ist der
neue Speicher-Typ von Forschern des National Institute of Advanced
Industrial Science and Technology und der Universität von Tokyo.
Flash-Speicher finden in Geräten wie Digitalkameras, MP3-Playern
oder Notebooks wie dem Eee PC von Asus Verwendung. Die Lebensdauer der
heute gängigen Produkte wird mit ungefähr einem Jahrzehnt
beziffert, allerdings kann ein häufiges Bespielen und Löschen
von Daten die Chips rascher altern lassen. Es ist laut der japanischen
Forscher davon auszugehen, dass derzeit gebräuchliche
Flash-Speicher maximal etwa 10 000 Beschreib- und
Löschvorgänge aushalten. Außerdem arbeiten sie bei einer
Spannung von circa 20 Volt.
(Quelle: gp)
US-Studie warnt vor Gesundheitsgefahren durch Klimawandel -
Erkenntnisse der Wissenschaftler des Umweltministeriums beim
Weißen Haus nicht willkommen
Mi.16.07.08 - Wissenschaftler des US-Umweltministeriums haben detailliert
Gesundheitsgefahren durch die Klimaerwärmung aufgelistet. Es werde
mehr Tote durch Hitzewellen, Waldbrände, Krankheiten und Smog
geben, die vom globalen Klimawandel ausgelöst würden,
schrieben sie in einem am Montag in Washington vorgestellten, 149 Seiten
umfassenden Bericht. Es ist die erste wissenschaftliche Analyse der
Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Gesundheit der
Bevölkerung.
Für das Weiße Haus kommen diese Erkenntnisse ungelegen. Die
Regierung von Präsident George W. Bush vertritt bisher den
Standpunkt, der Klimawandel habe keine direkten Auswirkungen auf die
Gesundheit von Menschen. Eine solche Verbindung anzuerkennen würde
bedeuten, dass sie gesetzliche Maßnahmen zur Begrenzung des
Ausstoßes von Treibhausgasen ergreifen müsste. Das hat sie
bisher abgelehnt.
Die Wissenschaftler des Umweltministeriums erklärten nun, die
Gefahren für die Gesundheit nähmen mit Ausmaß und
Schnelligkeit des Klimawandels zu. Die globale Erwärmung sei
unmissverständlich - und die Menschen seien dafür
verantwortlich.
Ihrem Bericht zufolge wird die Zahl der Toten durch extremes Wetter und
Krankheiten, die durch Organismen wie Zecken übertragen werden, mit
dem Anstieg der Temperaturen zunehmen. Es werde mehr Allergiekranke
geben, weil im wärmeren Klima mehr Pollen fliegen. Smog,
Hauptursache für Atemwegs- und Lungenerkrankungen, werde in weiten
Teilen der USA zunehmen. Auf der anderen Seite dürften Krankheiten
und Todesfälle durch Kälte zurückgehen.
«Dieses Dokument zeigt unausweichlich und unverkennbar, dass
globale Erwärmung nicht nur menschliche Gesundheit und Wohlstand
bedroht, sondern bereits heute nachteilig beeinflusst», sagte die
stellvertretende Chefin des Umweltverteidigungsfonds, Vickie Patton.
«Was dieses Dokument zeigt ist, dass das Gebot zu handeln jetzt
besteht.»
Die Regierung hat bereits am Freitag die Studie abgelehnt und ihren
Standpunkt bekräftigt, dass das Gesetz zur Luftreinhaltung (Clean
Air Act) nicht das richtige Werkzeug zur Kontrolle des Klimawandels sei.
Ein Sprecher von Umweltminister Stephen Johnson, Jonathan Shradar,
sagte, der wissenschaftliche Befund sei klar und der Klimawandel sei ein
wichtiges Problem. Johnson wolle aber nicht eine
«überstürzte Entscheidung auf Grundlage des falschen
Gesetzes» - dem Clean Air Act von 1970 - treffen. Besser sei es,
wenn der Kongress ein neues Gesetz verabschiede, dass sich
ausschließlich mit dem Klimawandel befasse. «Wenn es eine
Gefährdungsfeststellung gibt, wird der Clean Air Act wieder in
Kraft gesetzt und die Regulierung könnte beginnen», sagte
Shradar weiter.
Industrieverbände erklärten zu der Studie, der dort
angedeutete Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit sei
schwach. «Die Frage ist keine wissenschaftliche. Es ist eine
rechtliche und politische Frage, wie hoch die Auswirkungen sein
müssen, um den außerordentlichen Einsatz des Clean Air Acts
zu rechtfertigen», sagte ein Vertreter eines Koordinationsrates
der Stromerzeuger, Scott Segal. Niemand bezweifle, dass in einer
Hitzewelle Menschen ums Leben kämen. Die Frage sei, ob dies eine
Folge von Menschen verursachter Treibhausgase seien.
(Quelle: ap)
Humangenetiker: Mitschuld an Nazi-Gesetzen
Mi.16.07.08 - Deutsche Humangenetiker haben erstmals geschlossen eine «schwere
Schuld» ihrer damaligen Fachkollegen am Massenmord von behinderten
Menschen im Nationalsozialismus eingeräumt.
75 Jahre nach der Verkündung des «Gesetzes zur
Verhütung erbkranken Nachwuchses» am 14. Juli 1933 sprach die
Deutsche Gesellschaft für Humangenetik von einer
maßgeblichen Beteiligung deutscher Ärzte und Wissenschaftler
an den menschenverachtenden Paragrafen. Diese seien sowohl an der
Vorbereitung und pseudowissenschaftlichen Begründung als auch an
den grausamen Zwangsmaßnahmen, die das Gesetz auslöste,
beteiligt gewesen.
Durch den Missbrauch ihrer wissenschaftlichen Autorität treffe die
Humangenetiker von damals eine schwere Schuld, teilte die Deutsche
Gesellschaft für Humangenetik am Montag mit. Das Gesetz sei die
Grundlage für eine systematische und gewalttätige Missachtung
fundamentaler Menschenrechte gewesen: Nach 1933 wurden zunächst
vermutlich 400 000 Menschen durch Zwangssterilisationen
verstümmelt. Einige tausend starben an den Folgen dieser
Operationen. Am Ende mündete die staatlich gesteuerte Entrechtung
behinderter Menschen im Massenmord der sogenannten Euthanasieprogramme.
«Das Verhalten der Humangenetiker ist umso unverständlicher,
als auch beim damaligen Kenntnisstand der Genetik die biologische
Unsinnigkeit der Eugenik offenkundig war», heißt es in der
Erklärung. Das Gesetz sei damit auch ein historisches Dokument des
Versagens von Wissenschaftlern.
Zur Zukunft heißt es in der Erklärung: «Im Bewusstsein
ihrer historischen Verantwortung bekennen sich die Mitglieder der
Deutschen Gesellschaft für Humangenetik zu ihrer Verpflichtung, ...
für den Respekt vor allen Menschen in ihrer natürlichen
genetischen Verschiedenheit einzutreten. Dies bedeutet insbesondere eine
Absage an jede Form der Diskriminierung aufgrund ethnischer Merkmale
oder aufgrund von genetisch bedingter Krankheit oder Behinderung.»
Die Erklärung erfolgte auf dem Internationalen Kongress für
Genetik in Berlin, der erstmals seit mehr als 80 Jahren in Deutschland
tagt. Rund 2000 Wissenschaftler aus aller Welt werden bis Donnerstag die
neuesten Entwicklungen der Vererbungslehre bei Menschen, Tieren und
Pflanzen diskutieren
(Quelle: dpa)