Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak 1577 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Übergabe der zehnten Provinz an die Streitkräfte des Landes -
Iraks Regierung will bis Jahresende volle Sicherheits-Kontrolle.
Mindestens 15 Tote bei Bombenanschlag im Nordirak
Do.17.07.08 - Die irakische Regierung will bis zum Jahresende die Zuständigkeit
für die Sicherheit des ganzen Landes übernehmen.
Dieses Ziel nannte Sicherheitsberater Mowaffak al-Rubaie bei der
Übergabe einer weiteren Provinz an die Streitkräfte des
Landes. Mit Gottes Hilfe werde die Armee zum Jahresende das gesamte
Land unter ihre Kontrolle bringen, sagte Al-Rubaie am Mittwoch. Derzeit
sind die Iraker in zehn von 18 Provinzen für die Sicherheit
zuständig.
Das wachsende Vertrauen der Regierung in die eigenen
Sicherheitskräfte hatte vorige Woche Ministerpräsident Nuri
al-Maliki mit dem Vorschlag demonstriert, einen Zeitplan für den
Abzug der US-Truppen festzulegen. Vertreter der US-Streitkräfte
zeigen sich indes skeptisch über die irakischen Ambitionen.
Der Rückzug aus dem Irak ist eines der Schlüsselthemen im
US-Wahlkampf. Der republikanische Bewerber John McCain liegt auf der
Linie von Präsident George W. Bush, der sich gegen einen Zeitplan
ausgesprochen hat. McCains demokratischer Rivale will die
amerikanischen Soldaten binnen 16 Monaten aus dem Golfstaat abziehen.
Bei einem Autobombenanschlag im Nordirak sind am Mittwoch mindestens 15
Menschen getötet worden, darunter sieben Kinder. 90 Menschen
wurden verletzt, wie die Polizei in Tal Afar mitteilte. Das mit
Sprengstoff bestückte Fahrzeug explodierte demnach am späten
Nachmittag (Ortszeit) auf einem beliebten Markt in der Stadt.
(Quellen: rtr, ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 17.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertunddreizehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Di.17.07.07 - Mindestens 100 Tote bei Anschlägen - Allein in der nordirakischen Stadt Kirkuk sterben 80 Menschen +++
US-Militär: Offensive südlich von Bagdad gegen Extremisten +++ UNICEF: Lage irakischer
Kinder verschlechtert...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707170.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
US-Truppen töten nach Angriff acht Zivilisten in Afghanistan
Do.17.07.08 - US-geführte Koalitionstruppen haben in der
südwestpakistanischen Provinz Farah acht Zivilisten getötet
und zwei weitere verletzt. Die Koalition teilte mit, am Vortag sei
einer ihrer Konvois in Bakwa in der Provinz Farah unter anderem mit
Maschinengewehren angegriffen worden. Die Soldaten hätten das
Feuer erwidert und Luftunterstützung angefordert. «Ein Haus
wurde getroffen», hieß es in der Mitteilung weiter.
«Acht Zivilisten wurden getötet, zwei andere wurden
verletzt.» Der Vorfall werde untersucht.
(Quelle: dpa)
USA erwägen Truppenverstärkung in Afghanistan noch dieses Jahr
Do.17.07.08 - Angesichts der zunehmenden Gewalt in Afghanistan erwägen die USA
eine Verstärkung ihrer Truppen dort noch in diesem Jahr. Das
Pentagon prüfe Möglichkeiten, eher früher als
später zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu entsenden,
sagte Verteidigungsminister Robert Gates am Mittwoch vor Journalisten
in Washington. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht
gefallen.
Die ursprünglichen Planungen sehen eine Truppenverstärkung
erst für das nächste Jahr vor. Gates und Generalstabschef
Admiral Mike Mullen haben bisher erklärt, sie wollten erst die
Truppen im Irak verringern, ehe sie mehr Soldaten nach Afghanistan
schickten.
Die Aufständischen in Afghanistan haben in den vergangenen Monaten
ihre Offensive gegen die Koalitionstruppen ausgeweitet.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel und Hisbollah tauschen Tote und Gefangene aus - Trauer in Israel
und Freude im Libanon
Do.17.07.08 - Israel und die libanesische Hisbollah haben am Mittwoch den von einem
deutschen Geheimdienstler vermittelten Austausch von Toten und
Gefangenen abgewickelt.
Die Aktion brachte Israel Gewissheit, dass seine vor zwei Jahren
verschleppten Reservisten Eldad Regew und Ehud Goldwasser tot sind. Am
Nachmittag wurden offenbar fünf Häftlinge von Israel in den
Libanon entlassen. Unter ihnen war auch der wegen Ermordung einer
Vierjährigen und ihres Vaters zu lebenslanger Haft verurteilte
Samir Kantar.
Die schiitische Miliz übergab dem Internationalen Roten Kreuz
(IKRK) zwei schwarze Särge mit den Leichen der beiden Soldaten. Im
Gegenzug händigte Israel die sterblichen Überreste von
Kämpfern der Hisbollah und der Palästinenser aus.
Die Übergabe der beiden Särge war die erste Bestätigung
des Todes von Goldwasser und Regew. Die israelische Armee
erklärte, die Identität der beiden Reservisten sei eindeutig
geklärt. Ihre Entführung war vor zwei Jahren Auslöser
eines 34 Tage währenden Krieges, bei dem auf libanesischer Seite
etwa 1200 und in Israel 159 Menschen ums Leben kamen.
Die Väter der beiden Armeereservisten berichteten von großen
Schmerzen beim Anblick der Bilder mit den Särgen. "Das war nicht
leicht anzusehen", sagte Schlomo Goldwasser dem israelischen Rundfunk.
Andererseits sei die Nachricht vom Tod seines Sohnes nicht
überraschend gekommen. "Aber ja, es tut trotzdem weh." Zwi Regew
sagte im Armeerundfunk, er habe bis zuletzt gehofft, seinen Sohn lebend
in die Arme schließen zu können.
Nachbarn Regews weinten, als sie die Nachricht vom Tod der beiden
Soldaten vernahmen. "Das steigert meine Motivation, für dieses
Land zu kämpfen, und zeigt uns, mit wem wir es zu tun haben",
sagte der mit den Tränen kämpfende Schlomo Laniado, der mit
Regew in derselben Reservisteneinheit gedient hatte.
Die Hisbollah feierte den Austausch als Triumph. "Israel wird nun den
großen arabischen Heiligen Krieger Samir Kantar und seine
Kameraden dem IKRK übergeben", sagte ihr Funktionär Wafik
Safa nach Aushändigung der Särge. Im Süden des Libanon
waren Städte und Dörfer mit gelben Hisbollah-Fahnen
geschmückt. Auch die Küstenautobahn nach Beirut war beflaggt.
Israel verurteilte die Jubelfeiern. "Samir Kantar ist ein brutaler
Kindermörder", sagte ein Regierungssprecher. "Wer ihn als Helden
feiert, trampelt auf der einfachsten menschlichen Würde."
Für viele Israelis war die Austauschaktion eine schmerzhafte
Notwendigkeit. Mit der Begnadigung des wegen vierfachen Mordes
verurteilten Kantars hatte Präsident Schimon Peres am Dienstag den
Weg für die Aktion freigemacht. Er fühle "bitteren und
unerträglichen Schmerz" bei seiner Entscheidung, die keinesfalls
mit Vergebung gleichgesetzt werden dürfe, sagte Peres. Israel habe
aber die Pflicht, sich um die Rückgabe seiner Soldaten zu
bemühen. Das Kabinett hatte den Austausch mit 22 zu drei Stimmen
gebilligt. Dazu gehört auch die Übergabe der Leichen von 200
Arabern und der sterblichen Überreste von im Libanon-Krieg
getöteten israelischen Soldaten.
Ministerpräsident Ehud Olmert hatte Kantar als letztes Faustpfand
für Informationen über das Schicksal des seit 1986 im Libanon
vermissten Piloten Ron Arad bezeichnet. Arad hatte sich bei einem
Luftangriff mit dem Schleudersitz in Sicherheit gebracht. Ein neuer
Bericht der Hisbollah erbrachte nach israelischer Darstellung keine
neuen Erkenntnisse.
Der Gefangenenaustausch war im Auftrag der Vereinten Nationen von einem
deutschen Geheimdienstler vermittelt worden. Bei der Bundesregierung
löste der Austausch ein geteiltes Echo aus. "Das ist ein Erfolg.
Wir sind dankbar dafür. Dass die beiden israelischen Soldaten tot
sind, bedauern wir zutiefst", sagte ein Regierungssprecher.
Deutschlands Rolle sei es, "aufgrund der Kontakte in der Region und
aufgrund des hohen Vertrauens, das der Bundesnachrichtendienst in der
Region genießt, Brücken zu bauen und zu vermitteln".
(Quelle: rtr)
USA: Iran kann mit Rakete Europa angreifen
Do.17.07.08 - Der Iran besitzt nach Einschätzung des
US-Verteidigungsministeriums inzwischen Raketen, mit denen er Teile Ost-
und Südeuropas angreifen kann.
Der Leiter der US-Raketenabwehr, Trey Obering, sagte am Dienstag, er
gehe davon aus, dass die Islamische Republik wie von ihr selbst
behauptet über eine ballistische Rakete mit einer Reichweite von
2000 Kilometern verfüge. Auf Grundlage von
Geheimdienstinformationen und der iranischen Medienberichte rechne er
zudem damit, dass der Iran die Reichweite künftig weiter
vergrößern könne. Zu der Frage, ob das iranische
Militär bereits eine solche Rakete getestet habe, wollte sich
Obering nicht äußern.
In der vergangenen Woche hatte das iranische Militär mehrere
Raketen getestet. Darunter war auch eine neue Version der
Mittelstrecken-Rakete Schahab-3, die in ihrer alten Ausführung eine
Reichweite von 1300 Kilometern hat. Das neue Modell soll 2000 Kilometer
weit fliegen und damit Ziele etwa in Griechenland, Serbien,
Rumänien und Weißrussland treffen können.
Die Raketentests verschärften die Spannungen im Atomstreit mit dem
Westen weiter. Die USA reagierten mit einer Sicherheitsgarantie für
ihre Verbündeten in der Golf-Region. Die ohnehin schon hohen
Ölpreise stiegen wegen Spekulationen über Angriffe der USA
oder Israels auf iranische Atomanlagen und iranischen
Vergeltungsschlägen auf neue Rekordstände.
Der Iran bestreitet Vorwürfe, er arbeite unter dem Deckmantel der
Stromerzeugung an Atomwaffen und lehnt einen Stopp der Uranreicherung ab.
(Quelle: rtr)
USA bekräftigen Haltung zum Iran - Vorerst keine Verhandlungen
Do.17.07.08 - Im Atomstreit mit dem Iran wollen die USA ihre erstmalige Teilnahme an
direkten Gesprächen mit dem Land nicht als Richtungswechsel
verstanden wissen.
"Nichts hat sich geändert", sagte eine Sprecherin des
Präsidialamtes am Mittwoch. Falls die Führung in Teheran das
von der Staatengemeinschaft vorgelegte Anreizpaket zur Aussetzung der
umstrittenen Urananreicherung nicht annehme, werde es keine
Verhandlungen, sondern zusätzliche Sanktionen geben, erklärte
sie.
Zuvor war bekanntgeworden, dass der Staatssekretär im
US-Außenministerium, William Burns, an dem Treffen des
EU-Chefdiplomaten Javier Solana sowie der Vertreter von fünf
weiteren Mächten mit Irans Chefunterhändler Said Dschalili am
Samstag in Genf teilnehmen wird. Burns werde aber nicht als
Verhandlungspartner auftreten, betonten die USA. Es handele sich
lediglich um eine einmalige Teilnahme, um Einigkeit zu demonstrieren.
Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel einer zivilen Nutzung
der Nuklearenergie nach Atomwaffen zu streben, weist dies aber
zurück.
(Quelle: rtr)
Indonesien bedauert Gräueltaten von 1999 in Osttimor
Do.17.07.08 - Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hat die
Gräueltaten von 1999 in Osttimor bedauert. Eine Entschuldigung
für Morde, Folter und Vertreibungen sprach er allerdings nicht aus,
wie die Tageszeitung "Jakarta Post" am Dienstag in ihrem Online-Dienst
berichtete. Yudhoyono äußerte sich auf der Ferieninsel Bali
bei der Entgegennahme des Berichts einer Wahrheitskommission über
die Gewalt bei der Loslösung Osttimors.
Die Kommission mit Vertretern Osttimors und Indonesiens kam zu dem
Schluss, dass indonesische Soldaten, Polizisten und Zivilbeamte mit
einer organisierten Gewalt-Kampagne gegen Befürworter der
Unabhängigkeit vorgingen. Yudhoyono nahm den 300-seitigen Bericht
zusammen mit Osttimors Präsident José Ramos-Horta entgegen.
Beide Seiten unternahmen keine Bemühungen, die Täter vor
Gericht zu bringen, sondern plädierten für Versöhnung.
Bisher wurde ein Milizenführer zu zehn Jahren Haft verurteilt, aber
bereits nach zwei Jahren wieder freigelassen.
Menschenrechtsorganisationen versuchen immer wieder, den damaligen
indonesischen Armeechef und Verteidigungsminister Wiranto vor Gericht zu
bringen.
Die Bevölkerung der früheren portugiesischen Kolonie Osttimor
stimmte 1999 in einem UN-Referendum mit großer Mehrheit für
die Unabhängigkeit. Indonesische Sicherheitskräfte und Milizen
reagierten mit einer Terrorkampagne. Mindestens tausend Menschen starben.
Eine internationale Eingreiftruppe stoppte schließlich die
Gewalt. Osttimor (Timor-Leste) kam unter UN-Verwaltung und wurde 2002 in
die Unabhängigkeit entlassen. Indonesien hatte die Osthälfte
der Insel Timor 1975 besetzt.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker wertete den Bericht der
Wahrheitskommission als einen ersten Schritt zur Aussöhnung.
Zugleich kritisierte die Organisation in Göttingen, dass Indonesien
und Osttimor kein Interesse an einer weiteren Strafverfolgung zeigten.
Ohne rückhaltlose Aufklärung und Bestrafung werde eine
Aussöhnung zwischen Indonesiern und Ostimoresen kaum möglich
sein.
(Quelle: epd)
20 Polizisten bei Rebellenüberfall in Indien getötet
Do.17.07.08 - Bei einem Überfall mutmaßlicher maoistischer Rebellen sind
im indischen Unionsstaat Orissa am Mittwoch mindestens 20 Polizisten
getötet worden. Die Angehörigen einer Spezialeinheit wurden
von den Kämpfern aufgehalten und zu einem Umweg gezwungen, wie der
örtliche Polizeichef Gopal Nanda mitteilte. Auf der Strecke sei
ihr Fahrzeug von der Explosion einer Landmine getroffen worden.
Anschließend seien die Polizisten von Rebellen beschossen worden.
Die Maoisten bezeichnen sich als Naxaliten, benannt nach dem Dorf
Naxalbari bei Kalkutta, in dem die Bewegung 1967 gegründet wurde.
Sie fordern Landbesitz für Arbeiter und Arme und orientieren sich
in ihrem Kampf nach eigenen Angaben an dem chinesischen
Revolutionsführer Mao Tse Tung. Ihr Kampf hat bislang mehr als
6.000 Menschen das Leben gekostet.
(Quelle: ap)
Kolumbiens Präsident Uribe gibt Missbrauch von Rotkreuz-Symbol zu
Do.17.07.08 - Bei dem spektakulären Einsatz zur Befreiung von Ingrid Betancourt
haben die kolumbianischen Streitkräfte nach Angaben von
Präsident Alvaro Uribe ohne Erlaubnis das Symbol des Roten Kreuzes
verwendet. Ein Mitglied der Gruppe habe sich das Emblem an die Kleidung
geheftet, erklärte Uribe am Mittwoch in Bogota. Seine Regierung
habe sich bereits beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)
entschuldigt.
Eine solche nicht genehmigte Verwendung bei einem Militäreinsatz
ist ein Verstoß gegen die Genfer Konvention, nach der das Symbol
des Roten Kreuzes geschützt ist. IKRK-Sprecher Florian Westphal
sagte in Genf, das IKRK habe Uribes Erklärung akzeptiert.
Der Soldat habe entgegen der Anordnungen gehandelt, sagte Uribe.
Bereits nach ersten Medienberichten über eine Verwendung des
IKRK-Symbols Ende vergangener Woche habe die Regierung eine
Untersuchung eingeleitet. Der Mann habe erklärt, er sei beim
Anblick der zahlreichen Guerilla-Kämpfer überaus nervös
geworden.
Der Fernsehsender CNN hatte am Dienstag von Bildern berichtet, auf
denen vor dem Einsatz ein Mitglied der Rettungsmission einen
Aufnäher mit dem Rot-Kreuz-Symbol an der Kleidung trägt.
Derjenige, der die Bilder gezeigt hatte, wollte die Aufnahmen unbefugt
verkaufen.
Betancourt war vor zwei Wochen von kolumbianischen Soldaten zusammen
mit 14 weiteren Geiseln aus den Händen der linksgerichteten
FARC-Rebellen befreit worden. Internationalen Bemühungen um die
Freilassung der Geiseln liefen seit Monaten.
(Quelle: ap)
Weltgericht fordert von USA Hinrichtungsstopp von fünf Mexikanern
Do.17.07.08 - Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat die USA aufgefordert,
die Hinrichtung von fünf zum Tode verurteilten Mexikanern vorerst
zu verhindern. Das oberste UN-Gericht gab damit am Mittwoch einem
Eilantrag Mexikos statt. Die Regierung von US-Präsident George W.
Bush hat dem Gericht jedoch bereits zuvor die Zuständigkeit
abgesprochen.
Mexiko hatte im Juni bei einer Anhörung vor dem Gericht in Den
Haag argumentiert, die USA hätten gegen ihre internationalen
Verpflichtungen verstoßen, weil sie ein Urteil des UN-Gerichts
aus dem Jahr 2004 missachteten. Das Gericht hatte damals geurteilt, die
USA hätten verhafteten Mexikanern ihr Recht auf konsularischen
Beistand verweigert und die Fälle müssten noch einmal
überprüft werden. Die Hinrichtungen sollen bis zum Abschluss
der Überprüfungen ausgesetzt werden.
Derzeit sitzen fünf Mexikaner in amerikanischen Todeszellen. Als
erster von ihnen soll am 5. August Jose Medellin hingerichtet werden.
Er wurde wegen der Vergewaltigung und Ermordung zweier junger
Mädchen vor 15 Jahren zum Tode verurteilt.
(Quelle: ap)
EU will Umstieg auf energiesparende Produkte vorantreiben
Do.17.07.08 - Industrie und Verbraucher in Europa sollen sich dank neuer Regeln aus
Brüssel auf energiesparende und umweltfreundliche Produkte
umstellen.
Die EU-Kommission schlug am Mittwoch in Brüssel Mindeststandards
für die Herstellung von Gütern vor, die indirekt einen
Einfluss auf den Energieverbrauch haben. Beispiele sind Fenster,
Dämmmaterial oder Wasserhähne. Die Verbraucher sollen durch
eine Kennzeichnung zum Kauf dieser Waren gebracht werden, die sich
durch niedrigere Strom- und Gasrechnungen bezahlt machen sollen.
Allein in Gebäuden könnte so der Energieverbrauch bis 2030 um
30 Prozent sinken, sagte EU-Industriekommissar Günter Verheugen.
Die Umstellung sei nicht nur für den Klimaschutz dringend
notwendig, sondern auch angesichts der ständig steigenden
Energiepreise. Umweltkommissar Stavros Dimas rief dazu auf, von
Verbrauchsgewohnheiten abzukehren, die für Klimawandel und
Umweltzerstörung mit verantwortlich seien.
Die EU-Kommission will die Öko-Design-Richtlinie, die bereits
technische Mindestvorgaben für energiebetriebene Waren wie
Kühlschränke oder Wasserboiler macht, auf indirekt für
den Energieverbrauch relevante Produkte ausdehnen. In Zukunft
wären damit zwei Drittel aller relevanten Waren erfasst, sagte
Dimas. So könnten wassersparende Duschköpfe oder Hähne
den Warmwasserverbrauch reduzieren. Die Hersteller würden
verpflichtet, umweltrelevante Eigenschaften anzugeben. So soll der
Verbraucher etwa erkennen können, mit welchem Fenster er am
meisten Energie sparen kann.
Über die Mindeststandards hinaus soll die Industrie selbst
Qualitätskriterien erarbeiten, an der sich alle Hersteller messen
können. Sollten die Unternehmen dieser Forderung nicht nachkommen,
könnte die Kommission später strengere Vorschriften auf den
Weg bringen, sagte Verheugen.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Bund will Lkw-Verkehr auf Schiene und Flüsse verlagern
Do.17.07.08 - Die Bundesregierung will den dramatisch wachsenden Güterverkehr
stärker auf Bahn und Schiff verlagern und so die Autobahnen frei
halten.
Das Kabinett billigte am Mittwoch den "Masterplan Güterverkehr und
Logistik", der unter anderem eine nach Tageszeiten und
Stauschwerpunkten gestaffelte Lkw-Maut und Überholverbote für
Lastwagen vorsieht. "Wenn wir heute nicht eingreifen, kommt der
Verkehrsinfarkt", sagte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. "Wenn der
Verkehr stillsteht, bricht die Wirtschaft zusammen."
Der Güterverkehr wird nach jüngsten Studien bis 2025 im
Vergleich zu 2004 um rund 70 Prozent wachsen. Für den Lkw-Verkehr
auf Fernstraßen sagen Experten ein Plus von über 80 Prozent
voraus. Die Straße allein könne daher das Wachstum nicht
bewältigen. Zudem sind Bahn und Schiff deutlich umweltfreundlicher
als Lastwagen. Der Verkehrshaushalt stellt im kommenden Jahr 10,2
Milliarden Euro bereit, um Straßen und Schienen auszubauen und
vor allem instand zu halten. Der bereits Anfang des Jahres vorgestellte
Katalog von 35 Einzelvorhaben stieß aber in Wirtschaft und beim
ADAC auf Kritik.
Schon jetzt geht auf vielen der 12.500 Autobahnkilometern in
Stoßzeiten oder an Baustellen häufig nichts mehr. Tiefensee
hat sich 2500 Kilometer rot angestrichen, die extrem staugefährdet
seien. Davon sind 1200 Kilometer mit Verkehrssteuerungsanlagen
ausgestattet, die restlichen sollen möglichst bis 2012
nachgerüstet werden. Bis dahin wird nach Tiefensees Plan auf einem
Teil der Strecken Lkw das Überholen verboten, vor allem auf
zweispurigen Bahnen. Damit sollen sogenannte Elefantenrennen auf der
linken Spur der Vergangenheit angehören.
An anderen neuralgischen Flaschenhälsen im Autobahnnetz soll bei
Bedarf die Standspur für den Verkehr freigegeben werden. Zudem
will Tiefensee die Sanierung der Autobahnen beschleunigen. Die
Tageslichtbaustelle, an der von Sonnenaufgang bis -untergang gearbeitet
werde, soll die Regel werden. Auch an Sonn- und Feiertagen sowie nachts
solle häufiger gebuddelt werden. 35 Prozent aller Autobahnstaus
werden von Baustellen verursacht.
Mit dem Masterplan sollen außerdem Lösungen für den
stark wachsenden Güterverkehr gefunden werden. Dabei setzt die
Regierung auf die Lenkungswirkung einer flexiblen Maut, die nach
Tiefensees Worten Mitte 2010 eingeführt werden soll.
Speditionen, die ihre Laster zum Beispiel zwischen 05.00 und 09.00 Uhr
an Stuttgart oder München vorbeischicken oder durch das Ruhrgebiet
dirigieren, müssen dann deutlich mehr Maut zahlen. Voraussetzung
dafür ist, dass nahezu alle Lkw mit Bordcomputern zur
automatischen Mautberechnung ausgerüstet sind. Diese Quote liegt
derzeit noch zu niedrig.
Mehr Geld soll dabei in den Ausbau der Schienenwege fließen, zum
Beispiel für eine bessere Hinterlandanbindung der Häfen. Fast
eine Milliarde Euro werden in die Wasserwege investiert.
Kritikern zufolge reicht das aber nicht aus. Zurzeit werden 70 Prozent
des Güterverkehrs über die Straße abgewickelt und nur
18 Prozent über die Schiene sowie zwölf Prozent über
Wassertrassen.
Der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich sprach von ideologisch
motivierte Anti-Lkw-Politik. Dies werde Waren für die Bürger
verteuern und die 30.000 Transportunternehmen in Deutschland
gefährden, die wegen der hohen Spritpreise ohnehin unter Druck
stünden.
Der ADAC hatte kritisiert, der Masterplan ziele zu sehr darauf ab, den
Straßenverkehr zu verteuern, um mehr Verkehr auf die Schiene zu
verlagern. Weil die Güterkapazitäten der Schiene ausgereizt
seien, werde dies aber Wunschdenken bleiben. Der Deutsche Industrie-
und Handelskammertag (DIHK) kritisierte, der Plan sei keine Antwort auf
die Herausforderungen der Logistikbranche. Vielmehr bringe es vor allem
neue Kosten.
(Quelle: rtr)
Bewährungsstrafe für ausländerfeindlichen Angriff in
Mügeln
Do.17.07.08 - Knapp ein Jahr nach den ausländerfeindlichen Ausschreitungen im
sächsischen Mügeln hat das Landgericht Leipzig einen
23-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf
Bewährung verurteilt. Die Strafkammer milderte damit am Mittwoch
die Entscheidung der Vorinstanz ab, die den Gewalttäter ebenfalls
zu einer Haftstrafe verurteilt hatte, ihm aber keine Bewährung
zugesprochen hatte. Frank D. musste sich wegen Volksverhetzung und
Sachbeschädigung verantworten.
Nach den Feststellungen des Amtsgerichts Oschatz hatte D. im August
vergangenen Jahres die Scheibe einer Pizzeria eingeschlagen, in die
sich eine Gruppe von acht Indern vor einer aufgeputschten Menge
geflüchtet hatte. Zwar habe er selbst keine
ausländerfeindlichen Parolen gerufen, sich aber durch sein
Verhalten offensichtlich mit den rechtsextremistischen Forderungen
seiner Mittäter identifiziert.
D. hatte mit mehr als 20 Mittätern die Inder über den
Mügelner Marktplatz gehetzt. Vorausgegangen waren
Auseinandersetzungen zwischen den Indern und deutschen Besuchern eines
Stadtfestes in der sächsischen Kommune. Das Geschehen hatte weit
über die Grenzen Sachsens hinaus für Entsetzen gesorgt.
D. sagte vor dem Landgericht, er bereue seine Teilnahme an den
Ausschreitungen. Er habe einen großen Fehler gemacht, der sich
auf sein Leben erheblich augewirkt habe. So hätten sich Freunde
von ihm abgewandt und er fürchte, wegen des Vorfalls Nachteile bei
der Arbeitssuche zu haben.
Staatsanwalt Christoph Kruczynski nannte die Hetzjagd von Mügeln
einen Vorfall, der an Hässlichkeit und Widerwärtigkeit kaum
zu übertreffen sei. Die in der Pizzeria eingeschlossenen Menschen
hätten Todesangst ausgestanden. Auch diese Folgen für die
Opfer müssten bei der Beurteilung des Geschehens in Betracht
gezogen werden.
Würde man nur die Tat isoliert betrachten, käme für den
Angeklagten nur Gefängnis infrage. Dass er in diesem Fall dennoch
für eine Bewährungsstrafe plädiere, sei nicht als ein
Zurückweichen der Justiz vor Ausländerfeindlichkeit zu
werten. Frank D. habe sich aber bei seinem Opfer entschuldigt und wolle
für den von ihm angerichteten Sachschaden Ersatz leisten. Das Geld
dafür habe er bereits bei seinem Anwalt hinterlegt. Dies und eine
günstige Sozialprognose sprächen für den Angeklagten.
Der Verteidiger des 23-Jährigen verwies darauf, dass sein Mandant
bisher strafrechtlich nicht auffällig geworden sei. Dass das
Oschatzer Gericht eine Strafe ohne Bewährung ausgesprochen habe,
sei unter dem Gesichtspunkt der Generalprävention geschehen, sagte
Rechtsanwalt Ulf Ihle. Mit der Entschuldigung und der Geldzahlung habe
er aber gezeigt, dass er die Tat bereue. Dass er nur gegen das
Strafmaß in Berufung gegangen sei unterstreiche zudem, dass er
seine Schuld anerkenne.
Außer gegen Frank D. hatte die Staatsanwaltschaft gegen sieben
weitere mutmaßliche Täter ermittelt. Gegen einen
22-jährigen Mittäter war eine Freiheitsstrafe von sechs
Monaten auf Bewährung sowie eine Geldbuße verhängt
worden. Gegen dieses Urteil hat der Mann Berufung eingelegt, über
die im Oktober verhandelt werden soll. Ein 18-Jähriger und ein
35-Jähriger hatten die gegen sie verhängten Geldstrafen
akzeptiert. Vier Ermittlungsverfahren wurden nach Angaben der
Staatsanwaltschaft eingestellt.
(Quelle: ap)
Teure Energie treibt Inflationsrate auf 15-Jahres-Hoch
Do.17.07.08 - Explodierende Energie- und Lebensmittelpreise haben im Juni für
die höchste Inflationsrate seit fast 15 Jahren gesorgt.
Die Verbraucherpreise stiegen um 3,3 Prozent im Vergleich zum
Vorjahresmonat, bestätigte das Statistische Bundesamt am Mittwoch
eine erste Schätzung. Höher lag die Teuerungsrate zuletzt im
Dezember 1993 mit 4,2 Prozent. Führende Wirtschaftsinstitute
erwarten im Sommer wegen anhaltend hoher Ölpreise einen weiteren
Anstieg. "Der Höhepunkt kommt erst noch", sagte Ifo-Konjunkturchef
Kai Carstensen.
Deutschland weist nach den Niederlanden die geringste Inflation aller
15 Euro-Länder aus. Im Euro-Raum erreichte sie mit 4,0 Prozent den
höchsten Wert seit Beginn der Statistik 1997. Die Teuerungsrate
ist damit doppelt so hoch wie von der Europäischen Zentralbank
(EZB) angestrebt. Um den Preisauftrieb zu dämpfen, hatte sie ihren
Leitzins im Juli zum ersten Mal seit 13 Monaten angehoben. Slowenien
wies mit 6,8 Prozent die höchste Rate aus, vor Belgien (5,8),
Luxemburg (5,3) und Zypern (5,2). In den USA kletterten die
Lebenshaltungskosten mit 5,0 Prozent so stark wie seit 1991 nicht mehr.
Ähnlich hohe Werte sind in Deutschland nicht zu befürchten,
sagte Ifo-Experte Carstensen. "Ende des Jahres könnte die
Teuerungsrate wieder unter drei Prozent fallen", sagte der Ökonom
des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo). In den
Sommermonaten dürfte sie zunächst aber auf etwa 3,5 Prozent
steigen. Das Ölkartell Opec hält dann einen Rekordpreis von
150 bis 170 Dollar je Fass für möglich. Schon jetzt ist
Rohöl mit etwa 140 Dollar doppelt so teuer wie vor einem Jahr.
2009 dürfte der Inflationsdruck weiter nachlassen, erwartet das
Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Die hohen
Nahrungsmittelpreise bieten den Produzenten einen Anreiz, ihre
Produktion auszudehnen, was langfristig die Preise drücken
sollte", sagte DIW-Konjunkturchef Christian Dreger zu Reuters. Die
Konjunkturabkühlung in den Industrie- und wichtigen
Schwellenländern werde zudem die Energienachfrage nicht mehr so
stark steigen lassen wie bisher. Das drücke den Ölpreis.
Wegen der stark steigenden Lebenshaltungskosten rechnen Ifo und DIW nur
mit einem leichten Wachstum des privaten Konsums in diesem Jahr. "Die
Hoffnung, dass der private Konsum den Konjunkturmotor spielen wird,
kann man begraben", sagte auch der Schweizer Wirtschaftsprofessor Hans
Wolfgang Brachinger. Die "gefühlte Inflation" liegt nach seinen
Berechnungen um ein Vielfaches höhe als die offizielle Rate. Ein
Grund dafür sei, dass sich viele Produkte des täglichen
Bedarfs wie Benzin, Butter und Obst überdurchschnittlich
verteuerten. Im Frühjahr habe der Index der wahrgenommenen
Inflation den Rekordwert von 12,8 Prozent erreicht, sagte Brachinger zu
Reuters. Viele Verbraucher würden daher größere
Anschaffungen verschieben.
Die Deutschen mussten vor allem für Energie und Nahrungsmittel
mehr bezahlen, die etwa ein Fünftel ihrer Ausgaben ausmachen.
"Diese beiden Bereiche erklären weit mehr als die Hälfte der
gesamtem Preissteigerung gegenüber dem Vorjahr", erklärten
die Statistiker. Ohne Energie hätte die Teuerungsrate nur 1,9
Prozent betragen. Von Mai auf Juni zogen die Preise insgesamt um 0,3
Prozent an.
Für leichtes Heizöl musste 61,9 Prozent mehr gezahlt werden
als im Juni 2007. Superbenzin verteuerte sich um 10,5 Prozent, Diesel
um 30 Prozent. Strom kostete 7,2 und Gas 5,3 Prozent mehr.
Nahrungsmittel wurden um 7,6 Prozent teurer. Für Quark wurde 31,1
Prozent mehr verlangt, für Schnittkäse 27 Prozent. Margarine
verteuerte sich um 23,3 Prozent, Butter um 8,1 Prozent, Nudeln um 27,9
Prozent und Brötchen um 8,8 Prozent. Fisch und Fischwaren kosteten
1,2 Prozent mehr.
(Quelle: rtr)
Kabinett beschließt Mindestlohn-Gesetze
Do.17.07.08 - Nach monatelangem Streit hat sich die Koalition auf gesetzliche Regeln
für weitere Branchen-Mindestlöhnen geeinigt. Das
Bundeskabinett beschloss am Mittwoch das neue Entsendegesetz und das
Mindestarbeitsbedingungengesetz, wie Regierungskreise der AP in Berlin
berichteten. Gemäß dem Koalitionsbeschluss vom Juni 2007
sollen damit Lohndumping und unfaire Billigkonkurrenz bekämpft
werden.
Zuvor hatten Arbeits- und Wirtschaftsministerium sowie das Kanzleramt
am Dienstagabend in einer höchst ungewöhnlichen
Nachverhandlung unmittelbar vor der Kabinettsbefassung noch einmal
stundenlang gestritten. Nötig gewesen sei noch «einiges an
Gesprächen auf höchster Ebene», hieß es. Auf
Wunsch von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) seien Details
geändert worden, darunter eine Befristung der Verordnungen zum
Gesetz über Mindestarbeitsbedingungen. Im Grundsatz seien beide
Gesetzentwürfe aber erhalten geblieben. Über Details der
Einigung wollte Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) am Nachmittag (14.00
Uhr) auf einer Pressekonferenz berichten.
Die beiden Vorhaben regeln die Bedingungen, unter denen weitere
branchenbezogene Mindestlöhne für allgemeinverbindlich
erklärt werden können. Konkrete Branchen für die Aufnahme
in das Entsendegesetz sind noch nicht benannt, wie es weiter hieß.
Das sei der nächste Schritt.
Glos hatte monatelang erbitterten Widerstand gegen Scholz' Pläne
geleistet, obwohl sich Arbeitsministerium und Kanzleramt im Grundsatz
bereits einig waren. Auch andere Unionspolitiker hatten es immer wieder
als Fehler bezeichnet, dass festgesetzte Mindestlöhne im Einzelfall
auch Tarifvereinbarungen verdrängen können. Dabei soll es nun
aber doch bleiben, wie es weiter hieß.
Damit hat Scholz einen Etappensieg verbucht. Der Grundsatzstreit in der
Koalition dürfte aber dennoch weiter gehen. So ist bereits
absehbar, dass die Einigung auf Branchen, die ins Entsendegesetz
aufgenommen werden, äußerst schwer fallen dürfte.
Acht Branchen hatten bis Ende März die Aufnahme in das
Entsendegesetz beantragt, darunter die Zeitarbeit und das Wachgewerbe.
Das Entsendegesetz regelt schon jetzt, dass unter anderem am Bau,
für die Gebäudereiniger und für die Briefdienstleister
tariflich vereinbarte Mindestlöhne für alle in Deutschland
beschäftigten Arbeitnehmer gleichermaßen gelten.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte die Bundesregierung
erneut vor der Einführung von allgemeinverbindlichen
Mindestlöhnen in weiteren Branchen. Sein Verband lehne Scholz'
Pläne strikt ab, sagte Hundt der «Bild»-Zeitung.
«Sollten die Entwürfe in ihrer jetzigen Form umgesetzt
werden, werden wir sie sehr genau prüfen und uns juristische
Schritte vorbehalten», sagte der BDA-Präsident.
Hundt warnte erneut vor dem Abbau Tausender Arbeitsplätze, wenn
die Pläne des SPD-Ministers Scholz umgesetzt würden.
«Das Beispiel Postbranche mit dem Verlust von über 6.000 Jobs
im ersten Halbjahr 2008 hat uns gezeigt, wie schädlich ein
Mindestlohn ist», sagte er.
Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Ralf Brauksiepe
(CDU), zeigte sich indes zufrieden über den Kompromiss mit dem
Koalitionspartner SPD. Dies sei ein Erfolg für alle Beteiligten und
auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel, sagte der Abgeordnete im
ZDF-Morgenmagazin.
(Quelle: ap)
Arbeitgeberpräsident Hundt: Verteilungsspielraum bei
Tarifabschlüssen eingeschränkt
Do.17.07.08 - Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat angesichts der sich
abzeichnenden Konjunkturabschwächung vor zu hohen
Tarifabschlüssen gewarnt.
Die erkennbare spürbare Konjunkturabkühlung müsse bei
den im Herbst anstehenden Verhandlungen in der Metall- und
Elektroindustrie ebenso berücksichtigt werden wie bei allen
Tarifrunden im kommenden Jahr, sagte Hundt der "Bild"-Zeitung vom
Mittwoch. "Dies schränkt den Verteilungsspielraum ein." Um
Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer zu entlasten, solle der Beitragssatz
zur Arbeitslosenversicherung spätestens zum 1. Januar 2009 auf 2,7
von 3,3 Prozent gesenkt werden. Zudem müssten die
Beitragssätze für die gesetzliche Krankenversicherung stabil
gehalten werden.
Angesichts des rasanten Preisanstiegs nehmen in der IG Metall die
Erwartungen für einen deutlichen Lohnaufschlag zu. So hat sich die
Verwaltungsstelle Ludwigsburg für Lohnerhöhungen um neun
Prozent ausgesprochen. Der aktuelle Lohntarifvertrag für die
Branche läuft am 30. Oktober aus. Der IG-Metall-Vorstand will im
August eine Forderungshöhe empfehlen. In der vergangenen Tarifrunde
für die 3,5 Millionen Beschäftigten der Metall- und
Elektroindustrie hatte die IG Metall 6,5 Prozent gefordert. Vereinbart
wurde schließlich eine Tariferhöhung in zwei Stufen von 4,1
Prozent und anschließend 1,7 Prozent.
Um den Arbeitnehmern jenseits der Tariferhöhungen mehr
Nettoeinkommen zu verschaffen, wird in der Bundesregierung eine weitere
Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags erwogen. Im Gespräch
in eine Absenkung um 0,3 Punkte auf 3,0 Prozent. Bei den
Krankenkassenbeiträgen drohen wegen der gestiegenen Ausgaben und
Kosten allerdings Erhöhungen. Die Regierung wird im Herbst im
Rahmen der Gesundheitsreform erstmals den Beitragssatz für den
Gesundheitsfonds festlegen.
(Quelle: rtr)
Wirtschaft schlägt neues Modell zur Hochschulfinanzierung vor -
Studiengebühr von 1.000 Euro gefordert
Do.17.07.08 - Mit Hilfe von Studiengebühren und eines
länderübergreifenden Finanzierungstopfs sollen nach
Vorstellungen der Wirtschaft die Finanzprobleme der deutschen
Hochschulen gelöst werden. Die derzeitige Finanzierung sei
gekennzeichnet durch fehlende Investitionsanreize, mangelnde
Nachfrageorientierung und unzureichende Studienfinanzierung, kritisierte
der Direktor des arbeitgebernahen Kölner Instituts der deutschen
Wirtschaft (IW), Michael Hüther, am Mittwoch bei der Vorstellung
des neuen Hochschulfinanzierungsmodells in Berlin. Das Modell wird von
den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft unterstützt.
Kern des Konzepts ist den Angaben zufolge ein von Bund und Ländern
gemeinsam finanzierter Pool von fünf Milliarden Euro, aus dem
Lehrgutscheine für Studenten finanziert würden, die diesen ein
höchstens fünfjähriges Studium ermöglichen sollen.
Jährliche Studiengebühren in Höhe von 1000 Euro
müssten dazu direkt an die Hochschulen fließen. Ein
monatliches Bildungsbudget von 120 Euro, nicht rückzahlbare
Zuschüsse für Studenten aus sozial benachteiligten Familien
und Studiendarlehen sollen Bewerbern zudem die Finanzierung eines
Studiums ermöglichen.
Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels müssten
in den kommenden Jahren zudem mindestens 100 000 zusätzliche
Studienplätze geschaffen werden, hieß es. Die
zusätzlichen Kosten für die Länder bei einer Umsetzung
des Modells in Höhe von insgesamt rund 1,26 Milliarden Euro bis
2018 könnten durch steigende Steuereinnahmen langfristig
refinanziert werden. Unterstützt wird das Modell von der
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), dem
Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und dem Stifterverband
für die Deutsche Wissenschaft.
(Quelle: ddp)
Bund und Länder für Fortführung der Exzellenzinitiative
Do.17.07.08 - Bund und Länder wollen die bis 2011 befristete Exzellenzinitiative
zur Förderung der Spitzenforschung fortsetzen. Nach einer Sitzung
der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK)
am Mittwoch in Berlin erklärten Forschungsministerin Annette
Schavan und der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner
zudem, auch Hochschulpakt und Pakt für Forschung und Innovation
fortführen zu wollen. Alle drei Initiativen sollen Themen beim
Bildungsgipfel von Kanzlerin Angela Merkel im Oktober werden.
Schavan (CDU) und Zöllner machten aber deutlich, bevor man konkret
über eine Fortsetzung der Exzellenzinitiative spreche, müsse
der Bericht über die 2005 gestartete Initiative von Deutscher
Forschungsgemeinschaft (DFG) und Wissenschaftsrat vorliegen. Diese
Analyse werde bis zum 30. November erwartet. Schavan betonte, die
Exzellenzinitiative habe viel Dynamik in das Wissenschaftssystem
gebracht und brauche Verstetigung. Zöllner sagte, unter den
Ländern bestehe Einmütigkeit, «dies gemeinsam
fortzuführen».
Letzte Woche hatten sich DFG und Wissenschaftsrat ebenfalls für
eine Fortsetzung der 2005 gestarteten Initiative ausgesprochen und
für eine zweite Runde 20 bis 30 Prozent mehr Geld gefordert.
Derzeit ist die Exzellenzinitiative mit 1,9 Milliarden Euro
ausgestattet. Sie wird zu drei Vierteln vom Bund getragen, den Rest
zahlen die Länder.
Einigkeit herrschte bei Bund und Ländern den Angaben zufolge auch
darüber, den Hochschulpakt für den Kapazitätsausbau bei
Studienplätzen und den Pakt für Forschung und Innovation bei
außeruniversitären Projekten fortzuführen. Laut
Hochschulrektorenkonferenz benötigen die Hochschulen jährlich
2,6 Milliarden Euro für den Ausbau der Studienplätze. Die
Kultusministerkonferenz erwartet bis 2012 rund 700.000 zusätzliche
Studierende.
Zudem sprachen sich Bund und Länder für einen Ausbau des
Stiftungswesens aus. Sie setzten eine Arbeitsgruppe ein, die
prüfen soll, welche Möglichkeiten es für einen Ausbau
gibt. Den Vorschlag des nordrhein-westfälische
Wissenschaftsministers Andreas Pinkwart (FDP) für ein nationales
Studenten-Stipendium, nach dem Studenten elternunabhängig mit bis
zu 300 Euro monatlich gefördert werden sollen, sahen Schavan und
Zöllner aber skeptisch. Schavan merkte an, eine solche
Förderung habe Konsequenzen auf das gesamte Stiftungswesen und das
Bafög.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Marskamera liefert Bilder von riesiger Schlucht
Do.17.07.08 - Die Stereokamera der europäischen Raumsonde «Mars
Express» hat Detailbilder einer gigantischen Schlucht auf dem
Roten Planeten geliefert. Die Echus-Schlucht gelte als eines der
größten Quellgebiete für vergangenes Wasser auf dem Mars.
Das teilte die europäische Raumfahrtbehörde ESA in Paris mit.
Von der Schlucht am Marsäquator erstrecke sich das
Kasei-Grabensystem 3000 Kilometer weit nordwärts. In der Fachwelt
sei allerdings umstritten, ob das Grabensystem durch Niederschlag,
Grundwasserquellen oder Magmaflüsse auf der Oberfläche
entstanden sei, berichtete die ESA.
Die Bilder der deutschen «High Resolution Stereo Camera»
(HRSC; hochauflösende Stereokamera) zeigen noch 17 Meter
große Details auf der Marsoberfläche. Die benötigten
Daten waren bereits im September 2005 gewonnen worden, wurden aber erst
jetzt veröffentlicht.
(Quelle: dpa)
Mehr unter:
http://www.esa.int/marsexpress