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Irak 1578 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Kuwait ernennt Botschafter für den Irak

Fr.18.07.08 - Rund 18 Jahre nach der irakischen Invasion in Kuwait gibt es wieder volle diplomatische Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Der frühere kuwaitische Generalstabschef Ali Al Momen wurde zum neuen Botschafter in Bagdad ernannt, wie am Donnerstag in beiden Hauptstädten bekanntgegeben wurde. Kuwait hatte seine Botschaft nach der Invasion von 1990 geschlossen. Anfang 1991 wurde der Irak im ersten Golfkrieg gezwungen, das südliche Nachbarland wieder zu verlassen.

Danach lagen die Beziehungen der beiden Länder bis 2003 brach. Dann eröffnete der Irak eine Botschaft in Kuwait, die vorerst aber nur von einem Geschäftsführer geleitet wurde. Kuwait wiederum schreckte nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen vor der Entsendung eines Botschafters nach Bagdad zurück. Dass dieser Schritt nunmehr vollzogen wurde, werteten Beobachter als Zeichen einer allmählichen Normalisierung der Lage im Irak.

(Quelle: ap)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 18.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundvierzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mi.18.07.07 - Bewaffnete erschießen 29 Dorfbewohner +++ UN-Generalsekretär Ban warnt vor hastigem US-Abzug aus dem Irak... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707180.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

USA wollen angeblich diplomatische Vertretung im Iran öffnen

Fr.18.07.08 - Die USA wollen laut einem britischen Medienbericht erstmals seit 30 Jahren wieder eine diplomatische Vertretung im Iran eröffnen. Entsprechende Pläne sollen im kommenden Monat bekannt gegeben werden, berichtete der "Guardian", ohne nähere Quellen zu nennen. Geplant sei eine Interessensvertretung ähnlich wie auf Kuba. Im vergangenen Monat hatte ein Vertreter des US-Außenministeriums bereits bestätigt, dass eine mögliche US-Vertretung im Iran in Regierungskreisen diskutiert werde.

Die US-Regierung hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass erstmals seit Beginn des Atomstreits mit dem Iran einer ihrer Spitzendiplomaten an einem Treffen mit iranischen Unterhändlern teilnehme. Die Nummer drei im US-Außenministerium, William J. Burns, soll am Samstag zu einem Treffen des EU-Außenbeauftragten Javier Solana mit Irans Atom-Unterhändler Said Dschalili nach Genf reisen. Die USA und der Iran unterhalten seit 1980 keine diplomatischen Beziehungen.

(Quelle: afp)
 



 

Deutschlands Kanzlerin Merkel wirbt in Algerien für enge Gas-Partnerschaft

Fr.18.07.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Algerien im Energiebereich ausbauen.

Bei ihrem ersten Besuch in dem nordafrikanischen Opec-Staat warb sie vor allem für eine Partnerschaft im Gas-Sektor. Darüber habe sie auch mit Präsident Abdelaziz Bouteflika gesprochen, sagte Merkel am Donnerstag. Für künftige Vorhaben sei die Einsetzung einer gemeinsamen Kommission aus Regierungs- und Wirtschaftsvertretern verabredet worden. Sie habe mit Bouteflika auch über die neu gegründete Mittelmeer-Union, die Lage im Nahen Osten und die sudanesische Krisenregion Darfur gesprochen.

Deutschland sei bereit, Algerien gute Angebote vorzulegen und ein zuverlässiger Partner zu sein, sagte Merkel. Die Bundesrepublik wolle ihre Energieversorgung breiter aufstellen, und Algerien sei ein guter Gas-Lieferant für Europa. Umgekehrt könne sich Deutschland bei der Entwicklung der Solarenergie in Algerien einbringen. Die Kanzlerin wurde auf ihrer zweitägigen Reise von einer Wirtschaftsdelegation begleitet, der unter anderem Vertreter der deutschen Energiebranche angehören.

Deutschland bezieht rund 80 Prozent seines Erdgasbedarfs aus Importen vor allem aus Russland und Norwegen. Dabei wird das Gas über Pipelines befördert, die durch Osteuropa laufen. Algerischen Presseberichten zufolge könnten Lieferungen von Flüssiggas über Tankschiffe aus Algerien Deutschland dabei helfen, seine Abhängigkeit von Russland zu verringern. Bislang verkauft Algerien kein Gas an Deutschland. Der nordafrikanische Opec-Staat ist jedoch der sechstgrößte ausländische Öllieferant der Bundesrepublik. Der deutsche Versorger E.ON Ruhrgas schlug vor, dass sowohl Algerien als auch andere nordafrikanische Länder Flüssiggas-Lieferanten für Deutschland werden könnten.

Zudem will Algerien langfristig Solaranlagen in der Sahara entwickeln, um Europa mit Strom zu versorgen. Die staatliche Firma New Energy Algeria (NEAL) plant, ein 3000 Kilometer langes Starkstromkabel nach Deutschland verlegen, um Solarenergie aus der Wüste zu liefern.

(Quelle: rtr)
 



 

Nelson Mandela wird 90 - Sein Einfluss im südlichen Afrika ungebrochen

Fr.18.07.08 - Seine öffentlichen Auftritte sind selten geworden, doch wenn er sich zu weltpolitischen Entwicklungen äußert, dann haben seine Worte Gewicht wie eh und je. So hofften die Menschen im südlichen Afrika unlängst auf eine Stellungnahme von Nelson Mandela zur Krise in Simbabwe. Er erfüllte die Erwartungen bei einer Rede in London, in der er dem simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe tragisches Führungsversagen vorwarf.

Mandela, der am (heutigen) Freitag 90 Jahre alt wird, war einst die Symbolfigur der südafrikanischen Anti-Apartheid-Bewegung, der berühmteste politische Gefangene der Welt und schließlich der erste schwarze Staatspräsident am Kap. Was er vollbrachte, wird oft als südafrikanisches Wunder gepriesen. Denn mit seinem unermüdlichen Einsatz für Versöhnung zwischen Schwarzen und Weißen hat er das Land vor einem Bürgerkrieg bewahrt.

«Ich habe das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft vertreten, in der alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Möglichkeiten zusammenleben», sagte Mandela schon 1964, als er im sogenannten Rivonia-Prozess wegen Sabotage und Aufruhr vor Gericht stand. «Es ist ein Ideal, für das ich leben will und das ich zu erreichen hoffe. Doch wenn es sein muss, bin ich auch bereit, dafür zu sterben.»

Rund 27 Jahre saß Mandela für seine Überzeugungen im Gefängnis, die meiste Zeit davon auf der berüchtigten Zuchthausinsel Robben Island vor Kapstadt. Erst als sich die politischen Verhältnisse unter Präsident Frederik Willem de Klerk änderten, geschah das für viele Unfassbare: Am 11. Februar 1990 verließ Mandela als freier Mann das Gefängnis.

Er und De Klerk arbeiteten fortan zusammen an der Überwindung der Apartheid, wofür sie 1993 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden. Ein Jahr später ging Mandelas Afrikanischer Nationalkongress (ANC) aus den ersten freien Wahlen in Südafrika als klarer Sieger hervor.

«Die Unterdrückten und die Unterdrücker gleichermaßen zu befreien», so beschrieb Mandela das alles überragende Ziel seiner Präsidentschaft. Rachegefühle schien er nie zu hegen, er wirkte nach mehr als einem Vierteljahrhundert in Haft noch nicht einmal verbittert. Er gab den Südafrikanern - Schwarzen wie Weißen - ihren Stolz zurück und führte das Land aus der internationalen Isolation heraus.

Dabei betonte Mandela stets, dass der Wandel Südafrikas vom Apartheid-Regime hin zu einem demokratischen Staat nicht allein sein Verdienst gewesen sei. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Präsident sagte er einem Journalisten: «Ich habe Glück mit den Menschen in diesem Land gehabt.»

Als Mandela im Juni 1999 das Zepter an Thabo Mbeki abgab, sprach man im In- und Ausland mit Bedauern vom Ende einer Ära. «Ihr Erbe ist eines der großartigsten des 20. Jahrhunderts», schrieb der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan an den scheidenden Präsidenten. Fast zehn Jahr später liegt in Südafrika noch vieles im Argen. Zwar verzeichnet das Land weiterhin ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von fünf Prozent, doch lebt etwa die Hälfte der Bevölkerung weiterhin in Armut. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 25 Prozent, die Kriminalitätsrate zählt zu den höchsten der Welt.

Zwischen Schwarzen und Weißen besteht weiterhin eine tiefe Kluft, die sich allein schon aus der Diskrepanz ihrer wirtschaftlichen Lage ergibt. Dennoch ist das Land nicht ins Chaos abgeglitten, wie viele das nach der Machtübernahme der schwarzen Bevölkerungsmehrheit prophezeit hatten. Und dies wird vor allem dem Geist Mandelas zugeschrieben.

So ist er auch immer wieder aus dem Ruhestand herausgetreten. Er gründete die Aids-Stiftung 46664 - benannt nach seiner einstigen Häftlingsnummer -, und zu seinem 89. Geburtstag vor einem Jahr rief er den Ältestenrat ins Leben, dem Friedensnobelpreisträger sowie prominente Politiker und Wissenschaftler im Ruhestand angehören. Mit seinen Initiativen will er vor allem die jüngere Generation zum gesellschaftspolitischen Engagement inspirieren. «Es liegt jetzt in den Händen Eurer Generation, die Welt von diesem Übel zu befreien», sagte er beim Popkonzert anlässlich seines 90. Geburtstags in London, dessen Erlös seiner Aids-Stiftung zugute kam.

Seinen Ehrentag wird Mandela mit seiner Familie in Qunu verbringen. In diesem Ort, rund 1.000 Kilometer südlich von Johannesburg, wuchs er auf, und dort steht auch eine Nachbildung des Hauses, in dem er nach seiner Verlegung von Robben Island bis zur Freilassung gefangengehalten wurde. Er selbst sagte einmal dazu, er habe diese Rekonstruktion gewählt, weil er sich in dem Haus so gut auskenne, dass er sich auch nachts niemals verlaufen würde.

(Quelle: ap)
 



 

Truppenaufmarsch im Grenzstreit zwischen Kambodscha und Thailand

Fr.18.07.08 - Der Konflikt der südostasiatischen Nachbarstaaten Thailand und Kambodscha um einen historisch bedeutenden Tempel im umstrittenen Grenzgebiet eskaliert weiter. Die Streitkräfte beider Länder verdoppelten am Donnerstag ihre Truppen rund um die knapp fünf Quadratkilometer große Tempelanlage. Kambodscha habe die Zahl der Soldaten von 380 auf 800 erhöht, Thailand von 200 auf 400, erklärte der kambodschanische Brigadegeneral Chea Keo.

Die Verteidigungsminister der Nachbarstaaten sollen am Montag zu Gesprächen zusammenkommen, um über eine Lösung der Krise zu sprechen. Kambodscha warf den thailändischen Soldaten auch vor, die Grenze übertreten zu haben. Die Grenzlinie wurde jedoch nie exakt festgelegt. Auf thailändischer Seite kam es unterdessen zu gewaltsamen Zusammenstößen protestierender Nationalisten mit Dorfbewohnern. Dabei wurden nach Behördenangaben mindestens zehn Menschen verletzt. Die Anwohner hatten den Demonstranten zuvor den Weg blockiert, weil sie ein weiteres Anheizen des Konflikts verhindern wollten. Ministerpräsident Samak Sundaravej forderte in Bangkok zur Mäßigung auf und verurteilte das Schüren der Proteste durch nationalistische Gruppen.

Die Tempelanlage Preah Vihear aus dem 11. Jahrhundert liegt in einem Grenzgebiet, das der Internationale Gerichtshof in Den Haag 1962 Kambodscha zugesprochen hat. In Thailand wird diese Entscheidung jedoch nicht von allen akzeptiert. Kulturell gilt der Tempel wegen starker hinduistischer Einflüsse - ähnlich der Tempel in Angkor Wat - als kambodschanisch. Der seit Jahrzehnten friedlich schlummernde Konflikt gewann jüngst an Bedeutung, weil Phnom Penh die Aufnahme der Anlage in die UNESCO-Weltkulturerbeliste beantragte.

Der thailändische Außenminister Noppadon Pattama hatte den Antrag unterstützt, worauf ihm von Nationalisten Verrat an der Heimaterde vorgeworfen wurde. Er reichte Anfang Juli seinen Rücktritt ein. Kurz vor seiner Rücktrittserklärung hatte die Opposition im Oberhaus einen Antrag auf Amtsenthebung Noppadons eingebracht. Der Tempel wurde inzwischen in die Liste des Welterbes aufgenommen.

(Quelle: ap)
 



 

Bulgarien gibt Uran an Russland zurück - Schutz vor möglichem Missbrauch

Fr.18.07.08 - Bulgarien hat sein verbliebenes hochangereichertes Uran an Russland zurückgegeben. Mehr als sechs Kilogramm Uran trafen am Donnerstag in einer russischen Atomanlage ein, wie die US-Behörde für Atomsicherheit in Washington erklärte. Eine erste Landung von fast 17 Kilogramm war im Dezember 2003 nach Russland zurückgeschickt worden.

Das Uran wurde auf der Donau zunächst in die Ukraine verschifft und von dort mit einem Zug in die russische Anlage nahe Tscheljabinsk gebracht. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass das Uran in die Hände von Terroristen fällt. Damit gebe es jetzt kein hochangereichertes Uran mehr in Bulgarien, sagte ein Sprecher der US-Behörde, Brian Wilkes. Auch Deutschland, Serbien, Usbekistan und Polen gaben bereits Uran an Russland zurück. Die USA erhielten Uran unter anderem aus Argentinien, Brasilien, Chile, Dänemark, Italien und Spanien zurück.

(Quelle: ap)
 



 

Großbritannien: Werden unsere Klimaziele deutlich verfehlen

Fr.18.07.08 - Großbritannien wird seine selbst gesteckten Ziele zum Klimaschutz deutlich verfehlen.

Statt der geplanten Senkung des CO2-Ausstoßes um 20 Prozent bis 2010 gegenüber 1990 werde das Land den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases lediglich um 15,5 Prozent verringern, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des britischen Umweltministeriums hervorgeht. Die Regierung in London hatte für sich selbst eine weltweite Führungsrolle im Kampf gegen die globale Erwärmung beansprucht.

Auf ihrem Gipfel in Japan vor einer Woche hatten sich die G8-Staaten überraschend auf eine Halbierung des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes bis 2050 geeinigt. Großbritannien hatte sich zuvor bereits 60 Prozent auferlegt. Nach jüngsten Berichten wird das Land aber auch dieses Ziel verfehlen.

(Quelle: rtr)
 



 

Ermittlungen zu NS-Massaker von Maillé werden ausgeweitet

Fr.18.07.08 - Die deutsche Justiz will ihre Ermittlungen zum Massaker während des Zweiten Weltkrieges in dem französischen Dorf Maillé ausweiten. Der für die Aufklärung von Nazi-Verbrechen zuständige Dortmunder Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß sagte nach einem Ortstermin, er werde dazu in Kürze ein Rechtshilfeersuchen bei den französischen Behörden stellen. In dem Dorf bei Tours an der Loire hatten deutsche Soldaten am 25. August 1944 auf brutale Weise 124 der 500 Bewohner getötet, unter ihnen 42 Frauen und 44 Kinder.

Der Staatsanwalt hatte seit Dienstag in Maillé nach Zeugen der Gräueltat gesucht. Nach Akteneinsicht sei davon auszugehen, dass der Befehl für das Massaker von einem Sicherheitsregiment der Wehrmacht im nahegelegenen Saint-Maure kam, sagte Maaß der Nachrichtenagentur AFP. Ausgeführt wurde das Massaker nach bisherigen Erkenntnissen von einem Ersatzbataillon der Waffen-SS mit zum Teil sehr jungen Soldaten. Die Aktion sei der Führung möglicherweise "aus dem Ruder gelaufen", sagte Maaß.

Er will seine Ermittlungen nun auf zwei Vorfälle in der Region um Tours ausweiten. Dabei seien sieben französische Widerstandskämpfer und fünf Zivilisten erschossen worden, sagte er. Es könne davon ausgegangen werden, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Massaker in Maillé und diesen Erschießungskkommandos gebe.

Vor seiner Rückreise nach Dortmund wolle er auch im französischen Nationalarchiv von Fontainebleau bei Paris nach Hinweisen auf die Verantwortlichen suchen, sagte Maaß. Im November plane er dann einen neuen Ortstermin in der Region.

Ein Militärgericht in Bordeaux hatte 1952 den deutschen Wehrmachts-Leutnant Gustav Schlüter in Abwesenheit wegen Beihilfe zu vorsätzlicher Tötung zum Tode verurteilt. Schlüter kommandierte damals das Sicherheitsregiment in Saint-Maure. Er wurde in der Bundesrepublik nie verfolgt und starb 1965 unbehelligt in Hamburg. In Deutschland gibt es für Kriegsverbrechen keine Verjährungsfrist. In Frankreich hingegen sind sie nach 30 Jahren verjährt.

(Quelle: afp)
 



 

Italienische NS-Zwangsarbeiter fordern Schadensersatz

Fr.18.07.08 - Im norditalienischen Brescia hat ein Prozess um Schadensersatzforderungen italienischer NS-Zwangsarbeiter gegen Deutschland begonnen. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Ansa waren ein Dutzend der rund 70 Kläger bei der Verhandlung anwesend, die anderen ließen sich durch ihre Anwälte vertreten. Sie fordern von der Bundesregierung eine Entschädigung für die als NS-Kriegsgefangene geleistete Zwangsarbeit. Der Richter setzte bei der ersten Anhörung den nächsten Verhandlungstermin auf den 22. Januar 2009 fest.

Zu der Forderung des Klägeranwälte, wegen des Alters ihrer Mandanten eine Vorauszahlung von 35.000 Euro Schadensersatz anzuordnen, behielt sich das Gericht eine Antwort vor. Der Oberste italienische Gerichtshof hatte Anfang Juni entschieden, dass italienische NS-Opfer in Italien Entschädigungsansprüche gegen Deutschland durchsetzen dürfen. Der deutsche Staat darf sich demnach bei Kriegsverbrechen nicht auf seine Immunität berufen. Betroffen sind ehemalige italienische Soldaten, die 1943 nach dem Sturz Mussolinis und dem Ende des deutsch-italienischen Bündnisses nach Hitler-Deutschland verschleppt und zur Zwangsarbeit gezwungen worden waren.

(Quelle: afp)
 



 

Deutschland

Durchschnittsverdienst schützt nicht vor Hartz-IV-Abhängigkeit

Fr.18.07.08 - Für Hartz-IV-Empfänger in einzelnen Regionen würde das durchschnittliche Einkommen eines ungelernten Arbeitnehmers nicht ausreichen, um ihre Abhängigkeit von staatlichen Zahlungen zu beenden.

Die Einkommensschwelle, ab der die Hilfebedürftigkeit vermieden wird, zeigt nach einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bundesagentur für Arbeit (BA) eine große Spannbreite. Sie reiche für verheiratete Paare mit zwei Kindern von 1450 Euro brutto im bayerischen Landkreis Freyung-Grafenau hin zu 1850 Euro in Landkreis Starnberg. Ursache seien die regional unterschiedlichen hohen Wohnkosten.

Im Bundesdurchschnitt liege die Schwelle bei Paaren mit zwei Kindern bei 1600 Euro oder sogar bei 1950 Euro, wenn der staatliche Kinderzuschlag unberücksichtigt bleibe. Damit müsste mancher vierköpfige Hartz-IV-Haushalt mehr verdienen, als eine ungelernte Vollzeitkraft im Durchschnitt im Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich erhält. Dort betrug der Bruttomonatsverdienst laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2007 ohne Sonderzahlungen im Schnitt 1772 Euro.

Ein Alleinstehender ohne Kinder braucht demnach im Schnitt einen Brutto-Verdienst von 1200 Euro monatlich für den Sprung aus der Hartz-IV-Abhängigkeit. Auch hier seien die regionalen Unterschiede aber groß. Die Einkommensschwelle reiche von 1000 Euro Monatsverdienst im thüringischen Hildburghausen bis zu 1450 Euro in Frankfurt am Main wegen der dort höheren Mieten.

Der Sonderbericht der BA berücksichtigt erstmals Daten zum Haushaltsbudget und Bedarf der Hartz-IV-Empfänger. Grundlage sind die Dezember-Zahlen 2007. Damals gab es bundesweit rund 3,62 Millionen Hartz-IV-Haushalte mit 7,02 Millionen Hilfebedürftigen. Als Regelsatz erhalten Bezieher von Arbeitslosengeld II derzeit 351 Euro monatlich. Zudem bekommen sie die Miet- und Heizkosten in voller Höhe erstattet. Die Brutto-Einkommensschwelle, ab der sie keinerlei Zahlungen mehr erhalten, liegt deutlich darüber. Dies liegt daran, dass ihr Einkommen aus Erwerbstätigkeit nur schrittweise mit ihrem Anspruch auf Leistungen aus der Grundsicherung verrechnet wird.

(Quelle: rtr)
 



 

Steigende Energiepreise - Gemeinden drohen Milliarden-Mehrausgaben für Hartz-IV-Empfänger

Fr.18.07.08 - Wegen der steigenden Energiepreise drohen den Kommunen nach Angaben des Deutschen Städtetags Mehrausgaben für Heizkosten von Hartz-IV-Empfängern in Milliardenhöhe. «Es ist schon jetzt abzusehen, dass für die Kommunen allein 2008 über eine Milliarde Euro mehr Unterkunftskosten entstehen», sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Stephan Articus, der «Südwest Presse» (Freitagausgabe).

Neben den der Teuerungswelle bei Energie seien alte Heizgeräte und fehlende Dämmung in den Wohnungen der Leistungsempfänger der Hauptgrund für die Entwicklung, sagte Articus. «Außerdem beteiligt sich der Bund nicht an den steigenden Kosten für die Heizung. Er berechnet seinen Zuschuss nur nach der Zahl der Bedarfsgemeinschaften», betonte er. Allerdings explodierten die Kosten pro Bedarfsgemeinschaft. «Wir fordern daher, dass der Bund generell 29,1 Prozent der Wohn- und Heizkosten übernimmt.»

Außerdem führten die explodierenden Energiepreise zu stark steigenden Sachkosten der Gemeinden für Gebäude und Fahrzeuge. Diese erhöhten sich laut Articus falle 2007 um 5,5 Prozent oder 1,8 Milliarden Euro, und in diesem Jahr drohe eine noch stärkere Zunahme. Zudem könnten Städte mit hohem Haushaltsdefizit noch nicht einmal die vom Bund bereitgestellten Sonderkredite zur Kohlendioxidreduzierung nutzen, weil sie ihren Eigenanteil nicht finanzieren könnten.

(Quelle: ap)
 



 

Bayerische Regierung kritisiert Kahlschlag bei Siemens

Fr.18.07.08 - Die bayerische Staatsregierung hat den Technologieriesen Siemens ungewöhnlich scharf angegriffen.

Der massive Stellenabbau des Münchner Konzerns sei unsensibel vom Vorstand kommuniziert worden, sagte Bayerns Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU) am Mittwochabend im Club der Münchner Wirtschaftspresse. "Siemens muss aufpassen, sonst geht die Motivation der Mitarbeiter kaputt."

Mit Siemens-Chef Peter Löscher stehe das Ministerium im Kontakt. Müller sagte, sie und Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hätten Löscher gebeten, den Abbau von knapp 17.000 Stellen, davon mehr als 5000 in Deutschland, noch einmal zu überprüfen. Das letzte Wort sei hier hoffentlich noch nicht gesprochen.

Wichtig für die Politik sei, dass die Kürzungen, vor allem in der Verwaltung von Siemens, sozialverträglich über die Bühne gingen. Die Menschen bräuchten eine Perspektive, etwa durch Transfergesellschaften. Durch den Stellenabbau, Einsparungen bei externen Beratern und in der Informationstechnik will Siemens die Kosten in der Verwaltung bis 2010 um 1,2 Milliarden Euro senken. Das Unternehmen hat weltweit rund 420.000 Mitarbeiter, davon etwa 130.000 im Inland.

(Quelle: rtr)
 



 

Neun von 16 SPD-Landesverbänden für alte Pendlerpauschale

Fr.18.07.08 - Trotz der Absage von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) wird in der SPD der Ruf nach Steuererleichterungen für Pendler immer lauter. Neun von 16 Landesverbänden wollen zur alten Pendlerpauschale zurück oder die derzeitige Regelung so reformieren, dass Pendler stärker entlastet werden, wie der "Tagesspiegel" und "Die Welt" berichten. Neben der SPD in Bayern, Baden-Württemberg Thüringen, Sachsen, Niedersachsen und dem Saarland streben demnach auch die Sozialdemokraten in Hessen, Bremen und Brandenburg eine Entlastung an.

So fordert die Hessen-SPD in einem nun bekannt gewordenen Landesvorstandsbeschluss laut "Tagesspiegel", die Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer schnell wieder einzuführen: "Das Abwarten bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts verschärft die Diskussion um die Belastung von Arbeitnehmern und führt zu Vertrauensverlusten." In der Brandenburger SPD gibt es nach den Worten ihres Generalsekretärs Klaus Ness "viele Sympathien dafür, nach einem vorliegenden Urteil zu prüfen, wie man eine Entlastung hinbekommt". Die mündliche Verhandlung der Karlsruher Richter soll am 10. September stattfinden, das Urteil noch in diesem Jahr gesprochen werden.

Der Bremer SPD-Landesgeschäftsführer Roland Pahl sagte dem "Tagesspiegel", sein Landesverband wünsche sich "Entlastungen, die sozial gerechter sind, als die alte Regelung". Vor allem Geringverdiener sollen stärker entlastet werden.

(Quelle: afp)
 



 

BGH stärkt Rechte von Alleinerziehenden

Fr.18.07.08 - Der Bundesgerichtshof (BGH) hat den Rechtsanspruch von Alleinerziehenden auf Unterhalt durch den Ex-Partner gestärkt. Nach dem in Karlsruhe verkündeten Urteil können Alleinstehende unter Umständen auch nach dem dritten Geburtstag ihres Kindes selbst dann noch Geld von ihrem Ex-Partner erwarten, wenn ihr Kind ganztägig in der Schule oder Kita untergebracht ist. Eine Vollzeitstelle könne zusammen mit der Betreuung des Kindes am Abend eine ungebührliche Doppelbelastung darstellen. Jedoch ist eine Teilzeitarbeit dem Urteil zufolge unter Umständen ab dem dritten Geburtstag des Kindes zumutbar.

Die Entscheidung des BGH war mit großer Spannung erwartet worden, da es sich um das erste höchstrichterliche Urteil auf Basis des seit Jahresbeginn gültigen neuen Unterhaltsrechts handelte. Darin werden beim Unterhaltsanspruch getrennte Partner aus einer früheren nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft grundsätzlich mit einem geschiedenen Ehepartner gleichgestellt.

Der zwölfte Zivilsenat des BGH überließ es nun in seinem Urteil jedoch den untergeordneten Gerichten, eine nach seinen Vorgaben abzustufende Verpflichtung von Alleinerziehenden zur Berufstätigkeit genauer zu prüfen und mit Erfahrungswerten zu möglichen "Fallgruppen" zu unterfüttern. An das Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) verwies der BGH auch den konkreten Fall einer Fernmeldetechnikerin zurück. Diese hatte ihren früheren Lebensgefährten auf unbefristeten Betreuungsunterhalt verklagt, da sie sich um die beiden gemeinsamen Kinder im Alter von sieben und zehn Jahren kümmern müsse.

Das neue Unterhaltsrecht sieht vor, dass der betreuende von dem anderen Elternteil zunächst nur für die ersten drei Jahre nach der Geburt des Kindes vollen Betreuungsunterhalt zu bekommen hat. Dieser Anspruch verlängert sich im begründeten Einzelfall, "solange und soweit dies der Billigkeit entspricht". In welchen Fällen dies möglich ist, war bislang unklar. Dabei sind laut Gesetz insbesondere die Belange des Kindes - etwa die Frage, wie alt und selbstständig es ist - sowie die Möglichkeiten der Kinderbetreuung zu berücksichtigen.

Aber auch "elternbezogene Gründe" können für eine Unterhaltsverlängerung über die obligatorischen drei Jahre hinaus eine Rolle spielen. Diese gelten dem jetzt ergangenen Urteil zufolge nicht nur bei einst verheirateten Paaren, wo das Gesetz dies ausdrücklich bestimme, sondern auch bei Nicht-Verheirateten. Als Beispiel nannte ein BGH-Sprecher eine gemeinsame Wohnung, die Dauer des Zusammenlebens oder einen gemeinsamen Kinderwunsch.

(Quelle: afp)
 



 

Internet - Erneut starker Anstieg bei Spam-E-Mails

Fr.18.07.08 - Ein sehr starker Anstieg des Aufkommens von Spam-E-Mails ist für das zweite Quartal 2008 zu verzeichnen. In der Zeit von Anfang April bis Ende Juni ist laut Sophos, einem Hersteller von IT-Sicherheitslösungen, nur eine von 28 E-Mails eine "echte" Nachricht gewesen, der Rest war unerwünschter Werbemüll. Bereits im ersten Quartal hatten Sicherheitsexperten eine signifikante Erhöhung verzeichnet. Gemäß dem Magazin "IT News Australia" ist der Anteil der Spam-Nachrichten an der geschäftlichen Korrespondenz im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Viertel des Jahres um 4,2 Prozentpunkte auf 96,5 Prozent gestiegen. Die Besitzer von Handys werden ebenfalls vermehrt mit Werbung belastet, die in Form von SMS bei ihnen eintrifft.

(Quelle: gp)
 



 

Datenschutzbeauftragter Schaar fordert strikte Verwertungsgrenzen für Geodaten bei Google - Unternehmen hat mit Ablichten von Straßenzügen in Deutschland begonnen

Fr.18.07.08 - Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat eine gesetzliche Begrenzung für die Verwertung fotografierter Straßenzüge im Internet gefordert. «Geodaten sollten nur nach vorheriger Einwilligung des Betroffenen genutzt werden dürfen», sagte Schaar am Mittwoch. Google hat damit begonnen, auch in deutschen Städten jedes Haus digital abzulichten und die Bilder in seine riesige Online-Datenbank zu integrieren.

Die Bilder, die dann weltweit zum Abruf aus dem Internet zur Verfügung stehen, könnten mühelos mit Satellitenfotos, Adressdatenbanken und weiteren personenbezogenen Daten verknüpft werden. «Damit werden persönliche Lebensumstände noch intensiver ausgeleuchtet», kritisierte Schaar.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte befürchtet, dass Kriminellen damit Tor und Tür geöffnet werde. Auch mit unerwünschter Werbung oder negativen Konsequenzen bei der Kreditvergabe oder sonstigen Geschäftsabschlüssen sei zu rechnen, wenn Bilder aus dem persönlichen Lebensumfeld für Jedermann frei verfügbar seien.

Das Unternehmen habe zwar versichert, dass einzelne Personen oder Autokennzeichen nicht erkennbar sein sollten. Dennoch gebe es noch Klärungsbedarf, erklärte Schaar. Auch wenn die ins Internet gestellten Aufnahmen verfremdet würden, verfüge Google über die vollständigen Informationen. Es bestehe die Gefahr, dass die gespeicherten Bilddaten in die Hände staatlicher Stellen oder Unternehmen im In- und Ausland gelangten. Der Bundestag habe nun die Chance, diese Bedenken bei den ohnehin im Herbst anstehenden Beratungen über verbesserte Datenschutzregelungen zu berücksichtigen.

(Quelle: ap)
 



 

Wissenschaft

Neues Institut für extreme Zustände der Materie

Fr.18.07.08 - Ein neues Forschungsinstitut in Darmstadt soll weltweit Wissenschaftler miteinander vernetzen, die extreme Zustände der Materie erforschen. Das Extreme Matter Institute (EMMI) wurde am Mittwoch an der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) bei Darmstadt gegründet.

«Wir wollen sowohl die kälteste als auch die heißeste Materie im Universum erforschen», sagte der designierte EMMI-Direktor Peter Braun-Munzinger. In den nächsten Jahren soll auf dem Gelände der GSI ein eigenes Gebäude für das EMMI gebaut werden.

Heiße Materieformen, wie sie etwa in der kosmischen Ursuppe nach dem Urknall oder bei Supernova-Explosionen auftreten, werden in Teilchenbeschleunigern erzeugt. In ihren Laboren erzeugen Physiker aber auch ultrakalte Gase, deren Temperatur nur wenige Milliardstel Grad über dem absoluten Nullpunkt liegt. Es sollen grundlegende physikalische Gesetzmäßigkeiten untersucht werden, die das Verhalten beider Extremformen der Materie regeln, sagte Braun-Munzinger.

«Am EMMI werden Wissenschaftler Gelegenheit haben, aktuelle Forschungsfragen mit der Weltelite zu diskutieren», sagte der Physiker. Darüber hinaus will das Institut Kurse anbieten, die es an Universitäten nicht gibt. Die Universitäten in der Region würden von etwa 30 zusätzlichen vom EMMI finanzierten Professuren profitieren. Neben 50 bis 60 festen Mitarbeitern sollen stets etwa 60 Gastwissenschaftler aus aller Welt an dem neuen Institut tätig sein. «Dem US-amerikanischen Wissenschaftssystem kann man nur mit solchen konzertierten Programmen wie dem EMMI Paroli bieten», sagte Horst Stöcker, der wissenschaftliche Geschäftsführer der GSI.

Das Institut wird von der Helmholtz-Gemeinschaft in den kommenden fünf Jahren mit 18,75 Millionen Euro gefördert. Zwölf Partnerinstitutionen aus dem In- und Ausland, darunter die Universität Frankfurt, die Technische Universität Darmstadt und das Frankfurter Forschungsinstitut FIAS, sollen die Forscherallianz in den nächsten fünf Jahren mit weiteren 54 Millionen Euro unterstützen. Das Institutsgebäude soll hauptsächlich mit Mitteln der Stiftung Giersch erstellt werden.

(Quelle: dpa)
 



 

Stern strahlt heller als drei Millionen Sonnen

Fr.18.07.08 - Im Zentrum der Milchstraße strahlt ein Riesenstern heller als drei Millionen Sonnen. Das haben Potsdamer Astronomen mit dem Infrarot-Weltraumteleskop «Spitzer» der US-Raumfahrtbehörde NASA entdeckt.

Die Pfingstrosen-Nebel-Stern getaufte Riesensonne ist rund eine Million Mal so groß wie unser Tagesgestirn, hat aber nur etwa die 150-fache Masse, wie das Team um Lidia Oskinova in einer der kommenden Ausgaben des Fachjournals «Astronomy & Astrophysics» beschreibt. Der Gigant ist mit der Leuchtkraft von 3,2 Millionen Sonnen derzeit der zweithellste bekannte Stern unserer Heimatgalaxie.

Der blaue Riese liegt 26 000 Lichtjahre entfernt im Sternbild Schütze in einer Gas- und Staubwolke, die wegen ihrer Form den Namen Pfingstrosen-Nebel trägt. Astronomen wussten von der Existenz des Sterns schon früher. Erst mit dem Infrarot-Teleskop «Spitzer» und dem erdgebundenen «New Technology Telescope» der europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile konnten die Astronomen jedoch detailliert durch die Staubschleier des galaktischen Zentrums spähen und die Leuchtkraft des Riesensterns bestimmen. Heller strahlt demnach nur der Stern Eta Carinae im Sternbild Schiffskiel mit einer Leuchtkraft von 4,7 Millionen Sonnen.

Derart große Sterne haben in kosmischen Maßstäben nur eine sehr kurze Lebensdauer und beenden ihre Existenz in einer gigantischen Supernova-Explosion, wie die Potsdamer Forscher betonen. Tatsächlich sei der Pfingstrosen-Nebel-Stern bereits reif für eine Supernova, was allerdings bedeutet, dass die Explosion auch noch Millionen Jahre hin sein kann. «Wenn dieser Stern explodiert, wird er jeden Planet eines nahen Sterns verdampfen», sagte Oskinova. «In größerer Entfernung könnte die Explosion dagegen die Geburt neuer Sterne anstoßen.» Die Druckwelle der Explosion verwirbelt Staub und Gas in der Umgebung, die sich dadurch zu neuen Sternen zusammenballen können.

(Quelle: dpa)
 
 
 
 

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