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Irak 1579 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
USA und Irak suchen 'allgemeinen Zeithorizont' für US-Truppenabzug
Sa.19.07.08 - In der Frage des Rückzugs der US-Truppen aus dem Irak streben
US-Präsident George W. Bush und der irakische
Ministerpräsident Nuri el Maliki lediglich einen "allgemeinen
Zeithorizont" an. Nach Angaben des Weißen Hauses sprachen sich
die beiden Politiker bei einer Videokonferenz dagegen aus, ein
bestimmtes Datum für den Rückzug festzulegen. Die
US-Truppenpräsenz im Irak müsse von den Bedingungen vor Ort
abhängen, hieß es in der in Tucson im US-Bundesstaat Arizona
veröffentlichten Erklärung.
Bush und Maliki sind demnach weiterhin einer Meinung, die laufenden
Verhandlungen über ein Abkommen über die künftigen
Beziehungen zwischen beiden Ländern "so schnell wie möglich"
abzuschließen. Angesichts der sich verbessernden Sicherheitslage
im Irak könne in dem Abkommen ein "allgemeiner Zeithorizont"
für die Übergabe von Städten und Provinzen an irakische
Sicherheitskräfte sowie für den weiteren US-Truppenabzug
genannt werden.
Nach US-Presseberichten vom vergangenen Wochenende hatten Washington
und Bagdad ihre Verhandlungen über ein Abkommen zur dauerhaften
Stationierung von US-Streitkräften im Irak vorübergehend auf
Eis gelegt. Die "Washington Post" berichtete, ein solches
Truppenabkommen werde in der Amtszeit von Bush nicht mehr zustande
kommen. Die Verhandlungsführer hätten ursprünglich mit
einem Vertragsabschluss bis Ende Juli gerechnet. Nun arbeiten beide
Regierungen den Angaben zufolge an einem Übergangsdokument, das
den USA auch nach Ablauf des UN-Mandats Ende des Jahres im Irak
militärische Einsätze erlauben soll.
(Quelle: afp)
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 19.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundfünfzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Religionsvertreter fordern stärkere UN-Rolle bei Dialog der
Kulturen
Sa.19.07.08 - Vertreter der Weltreligionen haben zum Abschluss einer dreitägigen
Konferenz in Spanien eine stärkere Rolle der Vereinten Nationen
beim interreligiösen Dialog gefordert. Die UN sollten bei der
Versöhnung verschiedener Religionen und Kulturen helfen,
erklärten die Teilnehmer am Freitag. Bei der Konferenz in Madrid
waren auf Einladung des saudiarabischen Königs Abdullah Vertreter
von Juden, Christen, Muslimen, Hindus und anderen Glaubensrichtungen
zusammengekommen.
Von der Konferenz waren keine konkreten Ergebnisse erwartet worden, das
Zustandekommen des Treffens galt als Fortschritt an sich. «Es gab
auch zuvor interreligiöse Konferenzen, aber nie vom König von
Saudi-Arabien», sagte der einzige israelische Teilnehmer, Rabbi
David Rosen. «Das ist ein unglaublicher Fortschritt.» Auf
der Teilnehmerliste stand der Chef des Komitees für
interreligiösen Dialog des US-Zentralrats der Juden allerdings als
Amerikaner, denn Rosen hat auch die US-Staatsbürgerschaft.
Die dreitägige Veranstaltung verstand sich als rein religiös
- Themen wie der Irak-Krieg oder der Nahost-Konflikt sollten bei den
Beratungen außen vor bleiben. König Abdullah hat seit seiner
Thronbesteigung 2005 immer wieder für Toleranz zwischen den
Religionen geworben. Im vergangenen Jahr traf er als erster
saudiarabischer Monarch den Papst. Kritiker fanden es jedoch unpassend,
dass gerade Saudi-Arabien in Madrid für Toleranz warb, denn im
Land der heiligen Stätten von Mekka und Medina gilt die strenge
islamische Auslegung des sunnitischen Wahhabismus.
(Quelle: ap)
Zwei Mitarbeiter einer französischen Hilfsorganisation in
Afghanistan entführt
Sa.19.07.08 - In Afghanistan sind zwei Mitarbeiter einer französischen
Hilfsorganisation entführt worden. Die beiden Franzosen wurden am
Freitag in den frühen Morgenstunden in ihrem Haus in Nili in der
zentralen Provinz Day Kundi von einer Gruppe Bewaffneter aus dem Schlaf
gerissen und entführt, wie die Hilfsorganisation Action Contre la
Faim (ACF) mitteilte. Die Eindringlinge hatten zuvor vor dem Haus
postierte Wachleute überwältigt. Nach Informationen von ACF
sind beide Mitarbeiter am Leben.
Das Außenministerium in Paris bestätigte die Entführung
und richtete umgehend einen Krisenstab ein. Bei den Mitarbeitern
handelt es sich ACF zufolge um zwei Freiwillige. Die Organisation hat
sofort nach Bekanntwerden der Entführung ihre Arbeit im Land
zunächst ausgesetzt. ACF «verurteilt den kriminellen Akt,
der erneut alle Akteure der humanitären Hilfe trifft und damit die
Unterstützung der Zivilbevölkerung gefährdet».
Ob islamische Extremisten der Taliban oder Kriminelle, die auf diesem
Weg Lösegeld erzielen wollen, hinter der Tat stehen, war
zunächst völlig unklar. ACF ist seit 1979 in Afghanistan
tätig und hat dort inzwischen nach eigenen Angaben etwa zehn
ausländische und 158 lokale Mitarbeiter. Frankreich hat im Rahmen
des NATO-Einsatzes ISAF rund 1.500 Soldaten im Land stationiert und die
Entsendung von 700 weiteren zugesagt.
In Afghanistan wurden seit vergangenem Jahr auch mehrere Deutsche
entführt. Im Juli 2007 wurden zwei deutsche Bauingenieure zusammen
mit fünf afghanischen Kollegen in der Provinz Wardak von
Kämpfern der Taliban verschleppt. Der 43-jährige Rüdiger
Diedrich wurde wenige Tage nach der Entführung erschossen
aufgefunden. Der zweit Ingenieur, Rudolf Blechschmidt, wurde im Oktober
nach fast drei Monaten Gefangenschaft von seinen Entführern
freigelassen. Mit ihm wurden auch seine entführten afghanischen
Begleiter auf freien Fuß gesetzt.
Im August wurde die 31-jährige Christina M. aus einem Restaurant
in Kabul entführt. Die Entwicklungshelferin wurde nach zwei Tagen
von der afghanischen Polizei befreit.
(Quelle: ap)
Abchasien beharrt auf Unabhängigkeit von Georgien
Sa.19.07.08 - Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat die
Regierung der abtrünnigen Region Abchasien nicht zur Annahme eines
internationalen Plans zur Beilegung des Konflikts mit der georgischen
Zentralregierung bewegen können. Präsident Sergei Bagapsch
wies am Freitag nach einem Treffen mit Steinmeier den Plan als
unannehmbar zurück. Als Vorbedingung verlangte er einen Abzug der
georgischen Truppen aus der Region. Außerdem lehnte er
Verhandlungen über den Status der Region ab, da sich Abchasien als
unabhängig betrachte.
Steinmeier wollte sich von dem Rückschlag nicht entmutigen lassen.
Die Unterstützer des internationalen Plans hielten es für
notwendig, dass der Dialog wiederhergestellt werde, sagte der deutsche
Außenminister. Er hoffe, dass die Beratungen über den
Vorschlag weiter gingen.
Steinmeier war am Freitag in die abchasische Hauptstadt Suchumi
gereist, um zwischen Georgien und Abchasien zu vermitteln. Am
Donnerstag hatte er Gespräche mit der georgischen Regierung in
Tiflis geführt. Dort sprach er sich für eine friedliche
Beilegung des Konflikts auf der Grundlage der territorialen Einheit
Georgiens aus.
Steinmeier reiste nach Abschluss der Gespräche in Suchumi nach
Moskau weiter, wo er sich mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow
traf. Lawrow bezeichnete die Vorschläge zur Beilegung des
Abchasien-Konflikts als Schritt in die richtige Richtung, forderte aber
ebenso wie Bagapsch einen Abzug der georgischen Truppen aus Abchasien.
Abchasien hatte sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der
Staatsgründung in Georgien 1992 für unabhängig
erklärt. Dies wird von Moskau ebenso unterstützt wie die
Unabhängigkeitsbestrebungen in Südossetien, einer weiteren
georgischen Region. Georgien, das den Beitritt in die NATO anstrebt,
besteht darauf, dass beide Regionen zu seinem Territorium gehören.
Der internationale Vermittlungsplan verlangt unter anderem
Sicherheitsgarantien und enthält Regelungen zur Rückkehr
georgischer Flüchtlinge nach Abchasien, zur
Wirtschaftsförderung und einen Entschluss zum endgültigen
Status der Region. Größte Hürde scheint die abchasische
Forderung nach einem georgischen Truppenabzug als erstem Schritt zu
sein.
(Quelle: ap)
Unterhaus stimmt für Frau als Premier in Haiti
Sa.19.07.08 - Das Abgeordnetenhaus des Parlament in Haiti hat dem Vorschlag von
Präsident René Preval zugestimmt, das Amt des
Premierministers mit einer Frau zu besetzen. 61 Abgeordnete stimmten
für Michèle Pierre-Louis, die Preval im Juni ins Rennen
geschickt hatte, 20 enthielten sich. Ein Deputierter stimmte dagegen.
Nach der ersten Abstimmung muss jetzt noch der Senat zustimmen, der
zuvor bereits zweimal Kandidaten Prevals hatte durchfallen lassen.
Pierre Louis gilt als Politikerin, die dem Präsidenten sehr nahe
steht.
(Quelle: dpa)
Niederlage für Argentiniens Präsidentin in Agrarstreit
Sa.19.07.08 - Im Streit zwischen Bauern und Regierung über die Erhöhung von
Exportsteuern auf Agrarprodukte in Argentinien hat der Senat gegen eine
Gesetzesvorlage von Präsidentin Cristina Kirchner gestimmt. Nach
einer 18-stündigen Debatte seien Befürworter und Gegner
jeweils auf 36 Stimmen gekommen, berichtete die Tageszeitung
"Clarín" am Donnerstag in ihrer Online-Ausgabe. Daraufhin musste
Vizepräsident Julio Cobos, der gegen die Gesetzesvorlage seiner
Präsidentin stimmte, eine Entscheidung herbeiführen. Einen
Rücktritt lehnte Cobos danach ab.
In den argentinischen Medien wird die Abstimmung als Niederlage, aber
auch als Chance für einen Richtungswechsel der Regierung bewertet.
Noch hat sich Präsidentin Kirchner nicht öffentlich
geäußert. Sie hatte den Konflikt im März durch eine
drastische Erhöhung der Exportsteuern auf Getreide und
Ölsaaten wie Soja angefacht. Daraufhin hatten Landwirte mit
Streiks, Lieferboykott und Straßenblockaden protestiert. In den
Supermärkten der Städte war es zu teils erheblichen
Versorgungsengpässen gekommen. Der Export von Getreide und Soja kam
zum Erliegen.
Mit ihrer Exportsteuererhöhung hat die Präsidentin das Land
gespalten. Zwei Anhebungen hatten die Bauern akzeptiert, die dritte ging
ihnen zu weit. Die Verordnung, die bis zu weiteren Entscheidungen in
Kraft bleibt, sieht vor, dass die Steuern gemäß dem
Weltmarktpreis steigen. Vor allem Landwirte mit kleinen und mittleren
Anbauflächen fürchten dadurch um ihre Existenz. Die Regierung
rechnet mit Mehreinnahmen von rund zwei Milliarden US-Dollar für
die leeren Kassen. In der unteren Parlamentskammer war das Gesetz Anfang
Juli mit knapper Mehrheit angenommen worden.
Nach den ersten Protesten versicherte Kirchner, die zusätzlichen
Steuern dienten den Armutsbekämpfung. Die Agrarverbände
bestehen darauf, dass die Verordnung abgeschafft und komplett neu
verhandelt wird. Gegner und Befürworter hatten die Nacht auf
Donnerstag die Debatte im Senat auf Großbildleinwänden
verfolgt. Eduardo Buzzi, Präsident eines der vier großen
Agrarverbände, sprach von einem "wunderbaren" Ergebnis und
bewertete die Entscheidung als "historisch und hoffungsvoll für die
politischen Institutionen und den Föderalismus" des Landes.
(Quelle: epd)
UN wollen weltweit sanitäre Grundversorgung verbessern
Sa.19.07.08 - Weltweit müssen nach UN-Angaben fast 1,2 Milliarden Menschen ihre
Notdurft im Freien verrichten. Insgesamt hätten über 2,5
Milliarden Menschen keinen Zugang zu hygienischen
Sanitäreinrichtungen, teilten das Kinderhilfswerk UNICEF und die
Weltgesundheitsorganisation WHO am Donnerstag in Genf mit.
Die Organisationen präsentierten einen Zwischenbericht nach Ablauf
des ersten Halbjahres des "Internationalen Jahres der sanitären
Grundversorgung" 2008. Danach sank die Zahl der Menschen ohne Zugang zu
sauberem Trinkwasser erstmals unter die Grenze von einer Milliarde.
Die mangelhafte Versorgung mit sanitären Anlagen gefährde vor
allem das Leben von Kleinkindern. "Wir brauchen dramatische
Verbesserungen", erklärte UNICEF-Direktorin Ann Veneman. Fehlende
sanitäre Grundversorgung und verschmutztes Trinkwasser seien eine
der Hauptursachen für die hohe Kindersterblichkeit in vielen
Ländern der Erde.
Die UN hätten sich in ihren Millenniumszielen vorgenommen, bis
2015 die sanitäre Versorgung für mindestens die Hälfte
aller Menschen sicherzustellen, denen sie bisher fehlt. Wenn die
Entwicklung so weitergehe, könne das Millenniumsziel zur
sanitären Grundversorgung nicht erreicht werden, warnte Veneman.
(Quelle: epd)
Kreditkrise - Neue Milliardenverluste bei US-Bank Merrill Lynch
Sa.19.07.08 - Die angeschlagene US-Investmentbank Merrill Lynch hat nach neuen
enormen Abschreibungen ihren vierten Milliardenverlust in Folge
erlitten. Sie zählt damit zu den weltweit größten Opfern
der Kreditkrise.
Im zweiten Quartal stürzte die Bank mit 4,7 Milliarden Dollar weit
tiefer ins Minus als von Experten erwartet. Binnen vier Quartalen
summierten sich die Verluste der drittgrößten US-
Investmentbank damit auf rund 19 Milliarden Dollar (12 Mrd Euro).
Allein in den vergangenen drei Monaten fielen neue Wertberichtigungen
von fast 10 Milliarden Dollar an, räumte Merrill Lynch am
Donnerstag nach US-Börsenschluss in New York ein. Die
Abschreibungen der Bank im Zuge der Kreditkrise erreichen damit
inzwischen rund 40 Milliarden Dollar. Weltweit mussten Banken bislang
deutlich mehr als 400 Milliarden Dollar an Wertberichtigungen verbuchen.
Merrill Lynch hatte zuletzt im zweiten Quartal 2007 schwarze Zahlen
geschrieben. Damals wurde ein Gewinn von 2,1 Milliarden Dollar
ausgewiesen. Für dringend benötigtes frisches Kapital trennt
sich die Bank nun von ihrem lukrativen 20-Prozent-Anteil am
Finanzdaten-Anbieter Bloomberg.
Der Verkauf der Beteiligung an dem Konzern des New Yorker
Bürgermeisters Michael Bloomberg bringt rund 4,4 Milliarden Dollar
ein. Weitere 3,5 Milliarden Dollar sollen über einen anderen
Anteilsverkauf hereinkommen. Überlegungen, die Beteiligung von 49
Prozent am Vermögensverwalter BlackRock zu verkaufen, wurden
hingegen verworfen.
Unter den Investmentbanken schlägt sich Branchenführer
Goldman Sachs in der Krise bisher am besten. Aber auch die Nummer zwei,
Morgan Stanley, schrieb zuletzt schwarze Zahlen. Merrill Lynch
trägt mit den gigantischen Verlusten mit Abstand die rote Laterne.
Allerdings blieb ihr ein Notverkauf wie der fünftgrößten
Investmentbank Bear Stearns bisher erspart.
Der seit Ende vergangenen Jahres amtierende Merrill-Lynch-Chef John
Thain verschaffte der Bank frisches Kapital in Milliardenhöhe und
streicht derzeit mehr als 4000 der Ende 2007 noch rund 63 000 Stellen.
Seit dem Ausbruch der Kreditkrise vor gut einem Jahr verlor Merrill
Lynch fast zwei Drittel des Börsenwerts. Auch nach den
jüngsten Quartalszahlen kam die Aktie nachbörslich massiv
unter Druck. Die Erträge der Bank lagen im vergangenen Quartal mit
2,1 Milliarden Dollar im Minus nach plus 9,5 Milliarden Dollar im
Vorjahr.
(Quelle: dpa)
IWF hebt Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft leicht an
Sa.19.07.08 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognosen
für das globale Wachstum leicht erhöht. Er erwarte für
dieses Jahr ein Wachstum der Weltwirtschaft von 4,1 Prozent und 2009 von
3,9 Prozent, teilte der Währungsfonds am Donnerstag auf der
Grundlage von Schätzungen mit. Zuvor waren es 3,7 Prozent für
2008 und 3,8 Prozent für 2009.
Der IWF begründete die etwas zuversichtlicheren Schätzungen
mit dem besser als zunächst erwarteten ersten Quartal. Die Anhebung
der Prognosen betraf bis auf wenige Ausnahmen alle großen
Volkswirtschaften und Wirtschaftsregionen. So rechnet der IWF jetzt
damit, dass die US-Wirtschaft 2008 um 1,3 Prozent und 2009 um 0,8
Prozent wachsen wird. Von der deutschen Wirtschaft erwartet IWF dieses
Jahr ein Wachstum von 2,0 Prozent. Bisher waren es 1,4 Prozent.
Für 2009 sagte das IWF ein Plus des deutschen Bruttoinlandsprodukts
von 1,0 Prozent voraus und behielt die Prognose bei.
Als Gründe für das 2009 nachlassende Wachstum nannte der IWF
unter anderem die gestiegenen Energie- und Nahrungsmittelpreise,
außerdem verwies er auf die strengeren Kreditkonditionen vor allem
in den USA.
(Quelle: ddp)
EZB-Präsident Trichet sieht Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale
Sa.19.07.08 - Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Gefahr einer
Lohn-Preis-Spirale im Euro-Raum. «Der jüngste Anstieg der
Lohnstückkosten ist ein Indiz, das wir berücksichtigen
müssen», sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet der
«Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Freitagsausgabe). Die 320
Millionen Bürger des Euro-Raums könnten sich aber darauf
verlassen, dass der EZB-Rat auf mittlere Frist Preisstabilität
wahren werde.
Die Lehre aus dem Ölpreisschock der 70er Jahre des vergangenen
Jahrhunderts sei, dass der Versuch, die Haushalte von den
unerwünschten Folgen dieser Einkommenseinbußen abzuschirmen,
eine Inflationsspirale auslösen könne, die zu Arbeitslosigkeit
und Stagnation führe, erklärte Trichet dem Blatt zufolge.
Trichet kündigte weitere Gespräche mit der chinesischen
Regierung über den Wechselkurs des Yuan an. «Meiner Meinung
nach läge eine Beschleunigung der Yuan-Aufwertung im Interesse der
chinesischen Partner, weil sie den inflationären Druck in China
abmildern würde», erklärte der EZB-Präsident.
(Quelle: ddp)
UN-Experten kritisieren neue EU-Einwanderungsregeln
Sa.19.07.08 - UN-Experten haben die verschärften EU-Regeln zur Bekämpfung
von illegaler Einwanderung kritisiert.
Vor allem die darin vorgesehenen Inhaftierungszeiträume von bis zu
18 Monaten seien exzessiv, hieß es in einer am Freitag
veröffentlichten Stellungnahme von zehn Menschenrechtsexperten.
"Irreguläre Einwanderer sind keine Kriminellen. Sie sollten im
Regelfall gar in Gewahrsam genommen werden." Sie hätten ihre
Bedenken daher auch in Briefen an die französische
Ratspräsidentschaft und die anderen EU-Mitgliedsländer
geäußert, erklärten die Experten. In der kommenden
Woche wollen die EU-Innen- und Justizminister über die neuen
Regeln beraten.
Nach den unlängst vereinbarten Regeln können Ausländer
bis zu eineinhalb Jahre in Gewahrsam genommen werden, wenn sie gegen
die Einwanderungsgesetze verstoßen haben. Zudem soll ihnen ein
fünfjähriges Verbot für die Wiedereinreise erteilt
werden können. Menschenrechtler sowie südamerikanische
Staats- und Regierungschefs haben die Regeln scharf kritisiert.
Nach Schätzungen der Europäischen Kommission halten sich bis
zu acht Millionen Menschen in der EU auf, die illegal eingewandert
sind. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres wurden mehr als
200.000 von ihnen festgenommen, weniger als 90.000 wurden ausgewiesen.
(Quelle: rtr)
EU-Abgeordnete lehnen Klimaschutzvorschläge ab
Sa.19.07.08 - Die EU-Kommission stößt mit ihrem geplanten Gesetzpaket zur
Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase auf Widerstand im
EU-Parlament. "Der Großhandelspreis für Strom in Europa
würde um 50 Prozent steigen", warnte der CDU-Abgeordnete Markus
Pieper am Donnerstag in Brüssel. Bereits am Vorabend protestierte
der parlamentarische Regionalausschuss gegen den Vorschlag, die
Zertifikate für den Handel mit Verschmutzungsrechten künftig
nicht mehr kostenlos an die Industrie zu verteilen.
Die EU-Kommission plant eine Versteigerung der Zertifikate, was die
Unternehmen ermuntern soll, verstärkt in klimafreundliche
Technologien zu investieren. Die EU-Abgeordneten befürchten aber,
dass die Konzerne ihre Mehrkosten an die Bürger weiterreichen.
Die Abgeordneten des Regionalausschuss stimmten stattdessen für
ein sogenanntes "Benchmark"-Modell. Dieses würde es nach Angaben
Piepers bei der kostenlosen Zuteilung von Zertifikaten belassen, wenn
die Industrie modernste Umwelttechnik einsetzt. Der Regionalausschuss
ist im Gesetzprozess nicht federführend, seine Meinung hat aber
Signalwirkung.
Die Europäische Union will ihren Kohlendioxid-Ausstoß bis
2020 um mindestens 20 Prozent senken. Das Gesetzpaket dazu soll bis Ende
des Jahres geschnürt werden. Die Zeit drängt, weil 2009 ein
neues EU-Parlament gewählt und eine neue EU-Kommission gebildet
wird. Außerdem will die EU bei den ebenfalls 2009 anstehenden
internationalen Klima-Verhandlungen Geschlossenheit zeigen.
(Quelle: epd)
Erneut Flüssigkeit in Atomanlage in Frankreich ausgetreten
Sa.19.07.08 - In Frankreich hat sich binnen eineinhalb Wochen ein zweiter
Zwischenfall in einer Atomanlage ereignet: Nach dem Auslaufen
radioaktiver Flüssigkeit im südfranzösischen Tricastin
trat nun in einer Brennstäbefabrik in der Nähe von Grenoble
uranhaltige Flüssigkeit aus. Aus einer brüchigen Leitung
seien "zwischen 120 und 750 Gramm Uran" ausgetreten, erklärte die
Atomaufsicht ASN. Eine Gefahr für die Umwelt bestehe nicht, das
Uran sei nicht ins Freie gelangt. Frankreichs Umweltminister Jean-Louis
Borloo kündigte an, er wolle sämtliche Kontroll- und
Sicherheitsmechanismen "eingehend prüfen".
Nach Angaben der Brennstäbefabrik, einer Tochterfirma des
französischen Atomkonzerns Areva, sei die Leitung schon "seit
mehreren Jahren" brüchig gewesen, erklärte die
Aufsichtsbehörde in Lyon. Die Firma FBFC habe die Behörde am
Donnerstagabend informiert, und diese habe die Anlage in
Romans-sur-Isère noch in der Nacht untersucht. Den Kontrolleuren
zufolge sei der Vorfall auf der gängigen Gefahrenskala von null
bis sieben bei eins einzuordnen - als "Anomalie" wie der Vorfall in
Tricastin. Der erneute Zwischenfall sei dennoch nicht vergleichbar mit
Tricastin, sagte eine ASN-Sprecherin. In Romans-sur-Isère sei
kein Uran in die Umwelt gelangt, und das Grundwasser sei "sehr weit
weg".
Der Verwaltungsbezirk Drôme erklärte, die Betreiberfirma sei
bei Instandhaltungsarbeiten auf die schadhafte Betonleitung aufmerksam
geworden. Das Unternehmen habe rasch reagiert und mit den nötigen
Untersuchungen begonnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die radioaktive
Flüssigkeit in den Boden gesickert sei, sei "sehr, sehr gering",
sagte eine Bezirkssprecherin. Laut der Areva-Tochter handelt es sich um
eine Leitung, die eine Fertigungsstätte mit einer Reinigungsanlage
verbindet. "Die Leitung, die versagt hat, wurde geschlossen",
erklärte das Unternehmen.
Umweltminister Borloo sagte, er wolle bis zum Herbst alle Mechanismen
der französischen Atomanlagen eingehend prüfen, vor allem was
Information, Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen angehe. Wichtig
sei ihm auch, dass nach einem Zwischenfall schnell gehandelt werde.
In Tricastin waren Anfang vergangener Woche in einem Betrieb zur
Reinigung radioaktiv verstrahlter Materialien sechs Kubikmeter
uranhaltige Flüssigkeit in die Umwelt gelangt. Der Betreiberfirma
Socatri wurde vorgeworfen, sie habe die Aufsichtsbehörde erst
Stunden später in Kenntnis gesetzt. Das Mutterhaus Areva feuerte
den Leiter des Betriebs.
(Quelle: afp)
22 Jahre nach AKW-Katastrophe in Tschernobyl - Bayerische Pilze
weiterhin radioaktiv belastet
Sa.19.07.08 - 22 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl sind bayerische
Pilze und andere Waldprodukte immer noch radioaktiv belastet.
«Unsere Empfehlung bleibt nach wie vor, dass besonders die
sogenannten Risikogruppen wie Kinder und Schwangere Waldpilze,
Waldbeeren und Wildgerichte von ihrem Speiseplan streichen
sollten», teilte das Umweltinstitut München am Donnerstag
mit. Auch Folgeprodukte wie Heidelbeerjoghurt, Preiselbeermarmelade und
ungefilterte Säfte aus Waldbeeren sollten gemieden werden.
Südbayern und der Alpenraum waren vom radioaktiven Niederschlag
nach der Tschernobyl-Katastrophe vom April 1986 vergleichsweise stark
betroffen, wie es weiter hieß. Vor allem im Westen, Süden
und Osten Münchens könnten Röhrenpilze, wie Maronen und
Semmelstoppelpilze, noch Werte deutlich über dem nach Tschernobyl
festgesetzten Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse
aufweisen. Bei Schwarzwild, das sich frei im Wald bewegen könne
und nicht in einem Gehege gezogen werde, sei noch mehr Vorsicht
geboten. Bei Wildschweinen seien schon Spitzenwerte von bis zu 70 000
Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen worden. Wegen der langen
Halbwertszeit von 30 Jahren des radioaktiven Cäsium-137 sei eine
wesentliche Änderung der Situation auch in den kommenden Jahren
nicht zu erwarten.
Einen Schwellenwert, wann die belasteten Speisen gefährlich werden
können, gibt es nach Angaben von Christina Hacker, Vorstand im
Umweltinstitut München, nicht. «Schlimmstenfalls kann die
Radioaktivität im Körper Krebs hervorrufen», sagte sie
auf ddp-Anfrage. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte so wenig wie
möglich davon aufgenommen werden. Anhand der biologischen
Halbwertszeit, also der Dauer, bis die Strahlung vom Körper wieder
abgebaut wird, lassen sich die Auswirkungen konkret bemessen. So
führt beispielsweise der Genuss von 500 Gramm mit 3000 Becquerel
Cäsium-137 belasteten Pilzen zur gleichen Gesundheitsbelastung wie
einmal Lungenröntgen.
Radioaktive Strahlen lösen laut Umweltinstitut in menschlichen
Zellen eine Vielzahl physikalischer, chemischer und biologischer
Effekte aus. So entstehen freie Radikale, die sich zu giftigen
Verbindungen zusammenschließen und damit den Zellschaden
verstärken. Normalerweise erkennt das Immunsystem solche
atypischen Zellen und zerstört sie. Versagen Reparatur- und
Abwehrsystem - beispielsweise weil das Immunsystem geschwächt ist
- werden die Veränderungen an die folgenden Zellgenerationen
weitergegeben; der Schaden wird immer größer. Vor allem
Kinder sind von Natur aus gefährdet: Während des Wachstums
teilen sich Zellen häufiger; für die Reparatur einer
geschädigten Zelle bleibt oft nicht genügend Zeit.
(Quelle: ddp)
Kalte Progression kostet deutschen Steuerzahler bis zu 133 Euro im Monat
Sa.19.07.08 - Trotz Tariferhöhungen müssen Steuerzahler in diesem Jahr
wegen der so genannten kalten Progression spürbare
Reallohneinbußen hinnehmen. Nach Berechnungen des Instituts der
deutschen Wirtschaft (IW) kostet die hohe Inflationsrate die
Bürger je nach Einkommenshöhe bis zu 133 Euro im Monat, wie
die «Bild»-Zeitung berichtet. Ursache sei die kalte
Progression, die zu einer höheren Steuerlast aufgrund gestiegener
Bruttoeinkommen und gleichzeitig hoher Teuerungsrate führe.
So verliere ein Beschäftigter mit 1.750 Euro Bruttolohn im Monat
6,50 Euro Kaufkraft. Bei einem Durchschnittsverdiener mit 3.000 Euro
Brutto betrage das monatliche Minus 26,34 Euro. Der Reallohnverlust
eines Beschäftigten mit 10.000 Euro Bruttolohn liege sogar bei
132,91 Euro im Monat. Bei den Berechnungen legten die IW-Fachleute
demnach eine durchschnittliche Lohnerhöhung von drei Prozent und
eine Inflationsrate von ebenfalls drei Prozent zugrunde.
IW-Direktor Michael Hüther forderte angesichts der großen
Einbußen die Bundesregierung auf, die Steuersätze
jährlich in Höhe der Inflationsrate anzuheben. «Wir
müssen den Einkommensteuertarif jedes Jahr an die Inflation
anpassen», sagte er. Dafür müssten Grundfreibetrag und
alle anderen Einkommensgrenzen um die Inflationsrate erhöht
werden.»
(Quelle: ap)
SPD-Linke pocht auf gesetzliche Mindestlöhne -Im Kampf gegen
Dumpinglöhne - Rossmann: 'Am Ende werden auch CDU und CSU es
mitmachen'
Sa.19.07.08 - Der Koalitionskompromiss zur Einführung weiterer
Branchenmindestlöhne reicht aus Sicht der SPD-Linken nicht aus.
Die Einigung mit der Union sei ein guter Anfang, aber als nächster
Schritt müsse der flächendeckende, gesetzliche Mindestlohn
folgen, sagte der Sprecher der Parlamentarischen Linken, Ernst-Dieter
Rossmann, der Nachrichtenagentur AP in Berlin. «Wie viele andere
europäische Länder auch kommt Deutschland nicht umhin,
Lohnuntergrenzen zum Schutz vor Dumpinglöhnen einzuziehen.»
Der Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Pinneberg zeigte sich sicher,
dass man in zehn Jahren die Einführung des gesetzlichen
Mindestlohns in der deutschen Sozialgeschichte mit den Namen der
Arbeitsminister Müntefering und Scholz verbinden werde.
«Dahin zielt die historische Entwicklung. Und am Ende werden auch
CDU und CSU es mitmachen.» Die seit 2006 von Rossmann
geführte Parlamentarische Linke ist die stärkste Gruppierung
innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion, rund 100 Abgeordnete gehören
ihr an.
Rossmann lobte den Koalitionskompromiss beim Mindestlohn und den
Kabinettsbeschluss über das neue Entsendegesetz und das
Mindestarbeitsbedingungengesetz. Er stellte fest: «Die
Gefechtslage beim Mindestlohn ist so, dass die SPD hocherfolgreich ist
in dieser Großen Koalition. Das darf man drei Mal
unterstreichen.» Das Thema Mindestlöhne sei damit zwar nicht
zur vollen Zufriedenheit der SPD geklärt. «Aber mehr war in
der Koalition und dieser Legislaturperiode nicht machbar.»
Rossmann warnte die Union vor Willkür bei der nun anstehenden
Festlegung derjenigen Branchen, die über das Entsendegesetz einen
allgemeinverbindlichen Tarif-Mindestlohn bekommen sollen. «Es
wird spannend zu sehen, ob die Union dazu steht oder politische
Willkür bei der Auswahl der Wirtschaftszweige walten lässt.
Auch die CDU muss sich an die Regeln halten, die nun klar gefasst
sind.»
Nach einjährigem Streit hatte sich die Koalition diese Woche auf
gesetzliche Regeln für Mindestlöhne in weiteren Branchen
geeinigt. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch das neue
Entsendegesetz und das Mindestarbeitsbedingungengesetz. Ziel ist die
Eindämmung von Lohndumping und unfairer Billigkonkurrenz.
Ungelöst blieb aber die zentrale Streitfrage, in welchen Branchen
künftig Lohnuntergrenzen festgesetzt werden sollen.
(Quelle: ap)
CSU-Parteitag bejubelt Merkel trotz Neins zur Pendlerpauschale
Sa.19.07.08 - Trotz eines neuerlichen Neins zur alten Pendlerpauschale ist
Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag auf dem CSU-Parteitag mit
Jubel bedacht worden. Die CDU-Vorsitzende lehnte die Forderung der
bayerischen Schwesterpartei ab, unabhängig vom Urteil des
Bundesverfassungsgerichts wieder Steuerentlastungen ab dem ersten
Kilometer zu gewähren. Zugleich zollte sie aber der CSU und Bayern
großes Lob und schloss sich der Forderung «mehr Netto vom
Brutto» an.
Der Parteitag stimmte später einstimmig dem Steuerkonzept von
CSU-Chef Erwin Huber einschließlich der Forderung nach
Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale zu. Nach Intervention
Hubers lehnten die Delegierten zwei Anträge ab, die auf sofortige
Abschaffung des Solidarzuschlags und völligen Wegfall der
Erbschaftsteuer abzielten. Nach rund fünfeinhalb Stunden vertagte
sich der Parteitag am Abend auf Samstag.
Merkel hatte in ihrer Gastrede zuvor den Streit über die
Pendlerpauschale heruntergespielt und die Gemeinsamkeit der Union
beschworen. Den Berliner Koalitionspartner SPD griffen sowohl die
CDU-Vorsitzende als auch CSU-Chef Huber zum Teil scharf an. Zwei Monate
vor der bayerischen Landtagswahl lobte die Kanzlerin die Finanz-,
Wirtschafts- und Bildungspolitik der CSU als vorbildlich: «Bayern
ist da, wo der Bund hin will», rief Merkel.
Ihr neuerliches Nein zur alten Pendlerpauschale verband Merkel mit
einem Lob für die Bayern: Der Bund müsse 2011 das schaffen,
was dem Freistaat schon gelungen sei, «nämlich keine
Schulden mehr auf Kosten der Jüngeren». Das sei aber
finanzpolitisch der einzige Streitpunkt, sagte die Kanzlerin und lobte
ausdrücklich das CSU-Steuerkonzept, das Entlastungen für
Normalverdiener und Familien ab 2011 vorsieht.
Vor der Bundestagswahl 2009 werde es ein gemeinsames Konzept geben,
aber «nicht auf Pump». Steuersenkung und solide
Haushaltspolitik seien beides Markenzeichen der Union: «Es gibt
kein Entweder-Oder, es muss immer ein Sowohl-Als-Auch geben»,
sagte Merkel. Huber hatte zuvor in seiner Eröffnungsrede die
Forderung der Partei bekräftigt: «Wer fünf Milliarden
für die großen Unternehmen hat, der muss auch das Geld
aufbringen für die Pendlerpauschale.» Angesichts der
explodierenden Benzinpreise müsse sofort gehandelt werden.
Auch der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein
bemühte sich vor Journalisten, die Differenzen mit Merkel
herunterzuspielen. Mit der Pendlerpauschale habe die CSU «ins
Schwarze getroffen». Aber der Streit mit der CDU in so einer
Einzelfrage «tut der Liebe keinen Abbruch», es herrsche
«nicht etwa Krieg oder massiver Krach».
Den sozialdemokratischen Koalitionspartner kritisierte Merkel mit
deutlichen Worten: «Die SPD ist, wo man hinschaut,
zerrissen.» Das gelte bei der Agenda 2010 oder der Rente mit 67
ebenso wie bei der Wiederwahl von Bundespräsident Horst
Köhler oder der Zusammenarbeit mit den Linken. Huber sagte, es sei
ganz egal, wer Kanzlerkandidat der SPD werde. Sie sei ausgelaugt und
«reif für die Opposition».
Merkels Rede bedachten die Delegierten mit stehenden Ovationen. Zudem
bot der CSU-Parteitag der Kanzlerin, die am Donnerstag ihren 54.
Geburtstag gefeiert hatte, ein Geburtstagsständchen und sang
«Happy birthday, liebe Angie». Huber überreichte ihr
eine Torte mit weißblauen Rauten, die in Anspielung auf das
Wahlziel der CSU den Schriftzug «50 plus x» trug.
Merkel sagte: «Lasst uns gemeinsam kämpfen!» Die Union
in Deutschland könne nur stark sein, wenn die CSU in Bayern stark
sei. «Deshalb möchte die CDU auch eine enge
Zusammenarbeit.»
(Quelle: ap)
Eltern wird immer häufiger das Sorgerecht entzogen -
Kinderschutzbund mahnt zu mehr Prävention in Krisenfamilien
Sa.19.07.08 - Angesichts steigender Zahlen beim Sorgerechtsentzug und der
Inobhutnahme von Kindern mahnt der Präsident des Deutschen
Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, eine verstärkte Prävention
an. "Kommunen könnten durch eine bessere Präventionsarbeit
Millionensummen sparen, die sie derzeit in die Heimunterbringung
für Kinder aus Krisenfamilien stecken", sagte Hilgers der
"tageszeitung". Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ordneten
Gerichte im Jahr 2007 in 10.800 Fällen einen vollständigen
oder teilweisen Sorgerechtsentzug an. Zudem kamen 28.200
Minderjährige zu ihrem eigenen Schutz in die Obhut der
Jugendämter.
Laut Kinderschutzbund-Präsident ist die Inobhutnahme
gefährdeter Kinder der letzte Ausweg und viel teurer als
Präventionsarbeit: Die Heimunterbringung eines Kindes koste
zwischen 70.000 und 100.000 Euro pro Jahr. Hilgers, der auch
Bürgermeister von Dormagen ist, empfahl, Eltern schon direkt nach
der Geburt von einem Vertreter des Jugendamts besuchen zu lassen. In
vielen Städten gebe es allerdings noch nicht genug Personal
dafür. "Durch die aktuellen Todesfälle von Kindern aus
Problemfamilien ist die Prävention leider völlig aus dem
Blickfeld geraten."
Den Daten des Statistischen Bundesamts zufolge wird Eltern in
Deutschland immer häufiger das Sorgerecht entzogen. Die Zahl der
Sorgerechtsentzüge stieg im vergangenen Jahr um 12,5 Prozent,
gegenüber 2005 sogar um 23 Prozent. In Bremen, wo der Fall des
misshandelten Kevin für Aufsehen gesorgt hatte, stieg die Zahl der
Sorgerechtsentzüge besonders stark. Dort verdoppelte sich die Zahl
der Fälle von 56 im Jahr 2006 auf 126 im Jahr 2007. Es folgten
Niedersachsen (plus 31 Prozent) und Thüringen (plus 30 Prozent).
Dagegen sank die Zahl der Sorgerechtsentzüge in Schleswig-Holstein
um 18 Prozent, in Berlin um 15 Prozent und in Sachsen-Anhalt um 14
Prozent.
Die Zahl der Inobhutnahmen war laut jüngsten Angaben des
Statistischen Bundesamts im Jahr 2007 um 8,4 Prozent auf 22.800
gestiegen. Dabei werden Minderjährige zu ihrem Schutz meist
für einige Stunden oder Tage zum Beispiel in einem Heim
untergebracht. In 435 Fällen nahmen die Jugendämter Kinder
oder Jugendliche gegen den erklärten Willen der Eltern in ihre
Obhut, während es 2006 lediglich 151 so genannte Herausnahmen
gegeben hatte.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Tiere kreischen und grunzen seit Millionen Jahren
Sa.19.07.08 - Fische tun es, Frösche auch, Vögel und Menschen sowieso
sie kommunizieren mit Hilfe von Lauten. US-Forscher haben jetzt gezeigt,
dass die dafür nötigen Hirnstrukturen bereits vor mehr als
400 Millionen Jahren bei einem gemeinsamen Vorfahren dieser Wirbeltiere
entstanden sind.
Die anderen Strukturen, die für die Lautbildung nötig sind
zum Beispiel die Schwimmblase der Fische oder der Kehlkopf des
Menschen entstanden unabhängig voneinander im weiteren
Verlauf der Entwicklung, berichten die Wissenschaftler im US-Fachjournal
«Science» (Bd. 321, S. 417).
Das Team um Robert Baker vom Marine Biological Laboratory in Woods Hole
(US-Staat Massachusetts) hatte die für die Lautbildung
zuständigen Nervenzellen im Gehirn von Larven dreier Arten von
Froschfischartigen (Batracoidae) gesucht: dem Nördlichen
Bootsmannfisch Porichthys notatus sowie den Krötenfischen Opsanus
beta und Opsanus tau. Diese Fische sind berühmt für ihre
lauten Paarungs- und Revierverteidigungsrufe. Die Muskeln an der
Schwimmblase, welche die Lautbildung steuern, gehören zu den
schnellsten im Tierreich und können bis zu 200 Mal in der Sekunde
kontrahieren.
Die Wissenschaftler fanden die für die Muskelbewegungen
zuständigen Nervenzellen nun an der Basis des sogenannte
Rautenhirns und dem oberen Rückenmarkabschnitt der Fische. Ihre
Position im Gehirn stimme mit der bei anderen lautbildenden Wirbeltieren
wie Fröschen, Vögeln und Säugetieren überein.
Daraus folgern die Forscher, dass die Nervenzellen bereits in einem
gemeinsamen Vorfahren dieser Tierklassen angelegt wurden. Vermutlich
entstanden sie mit der Evolution der Knochenfische (Osteichthyes) vor
mehr als 400 Millionen Jahren. Aus den Knochenfischen gingen
später die anderen Tierklassen hervor.
(Quelle: dpa)