+++ So.20.07.08, 06:30
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Irak 1580 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Wichtigste Sunniten-Gruppe kehrt in Regierung zurück.
Großbritannien hält an Abzug aus dem Irak fest. US-General
Petraeus: Al Kaida könnte Kampf vom Irak nach Afghanistan verlegen
So.20.07.08 - Der Versöhnungsprozess zwischen den irakischen
Bevölkerungsgruppen ist einen wichtigen Schritt vorangekommen.
Die wichtigste sunnitische Bewegung ist nach knapp einem Jahr in die
von Schiiten geführte Regierung zurückgekehrt, nachdem das
Parlament deren Kandidaten für vakante Ministerposten akzeptiert
hat. "Dies ist ein wirklicher Schritt in Richtung politischer Reform",
sagte ein Mitglied der Sunnitischen Einigungsfront nach der Abstimmung
der Nachrichtenagentur Reuters. Der Schiit und Regierungschef Nuri
al-Maliki hatte die sunnitischen Kandidaten bereits zuvor abgesegnet.
Die Rückkehr der Sunniten in die Regierung gilt als Durchbruch
für eine Versöhnung der verfeindeten Gruppen und die
Stärkung des Zentralstaates.
Die Einigungsfront war im August vergangenen Jahres aus der Regierung
Malikis ausgetreten. Sie warf ihm vor, ihren Forderungen nach mehr
Einfluss auf die Regierungsarbeit nicht nachzukommen. Die sunnitischen
Araber, die unter dem früheren Präsidenten Saddam Hussein die
Politik beherrschten, hatten die Regierung beschuldigt, sie an den Rand
zu drängen.
Großbritannien hält nach Angaben von Premier Gordon Brown am
Abzug von Soldaten aus dem Irak fest. "Wir haben die Absicht, die
Reduzierung unserer Truppen fortzusetzen. Aber ich werde dazu nicht
künstlich einen Kalender festlegen", sagte er bei einem Besuch in
der irakischen Hauptstadt Bagdad. Dort führte er mit
Ministerpräsident Nuri el Maliki und Präsident Dschalal
Talabani Gespräche über die Zukunft des Iraks und den
britischen Einsatz. Brown rückte den wirtschaftlichen Aufbau des
Landes in den Vordergrund.
Brown und Maliki hätten bei ihrem Treffen die "Bedeutung einer
langfristigen Beziehung beider Länder" unterstrichen, teilte das
Büro das irakischen Ministerpräsidenten mit. Auch die
Wichtigkeit der "britischen Präsenz im Irak und der
wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern" seien betont
worden, hieß es weiter. Erst einen Tag vor Browns Besuch hatten
sich die Regierungen in Washington und Bagdad im Rahmen eines
bilateralen Sicherheitspakts auf einen Zeithorizont für den Abzug
der US-Truppen geeinigt. Ein konkretes Datum wurde darin aber nicht
genannt.
Bei seinem Besuch der Truppen in Basra erinnerte Brown an Londons
Vorhaben, die Kontrolle des dortigen Flughafens zu dem Zeitpunkt
abzugeben, "wenn das möglich sein wird". "Ich bin hierhergekommen,
um mich von dem bisher erreichten Fortschritt zu überzeugen",
sagte er. Den Soldaten wünschte Brown "Mut", die einheimischen
Sicherheitskräften auszubilden, damit diese eigene Verantwortung
übernehmen könnten. Wenn in Basra Demokratie, Sicherheit und
Wohlstand herrsche, sei der britische Einsatz geleistet, sagte er.
Während nach dem Einmarsch in den Irak im März 2003 bis zu
46.000 Soldaten im Irak stationiert waren, sind derzeit noch 4000
britische Soldaten auf dem Flughafen in der südlichen Ölstadt
Basra stationiert. Der weitere Abzug wurde aus Sicherheitgründen
vorübergehend ausgesetzt. Generalstabschef Jock Stirrup
kündigte vor einigen Tagen jedoch an, die Zahl der britischen
Soldaten solle im ersten Halbjahr 2009 weiter reduziert werden.
Der Oberkommandierende der US-Streitkräfte im Irak General David
Petraeus hat davor gewarnt, dass die Terrororganisation Al Kaida den
Schwerpunkt ihres Kampfes vom Irak nach Afghanistan verlegen
könnte. Geheimdienstinformationen bestätigten dies, sagte
Petraeus am Samstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.
«Sie werden den Irak nicht verlassen». Aber die
Organisation werde «sicherlich mehr Ressourcen, die für den
Irak gedacht waren, nach Pakistan oder Afghanistan umleiten»,
sagt Petraeus.
Die Sicherheitslage im Irak habe sich zuletzt deutlich verbessert und
auch die Zahl der eingeschleusten ausländischen
Al-Kaida-Kämpfer sei Geheimdienstinformationen zuletzt deutlich
zurückgegangen, sagte Petraeus der AP in seinem Büro in der
US-Botschaft in Bagdad. Die Informationen der Nachrichtendienste seien
nicht von allerbester Qualität, räumte der General ein. Aber
sie deuteten trotzdem darauf hin, dass Al Kaida derzeit erwäge,
den Schwerpunkt zu verlagern.
Mehr Kämpfer würden in die unruhigen und weitgehend
gesetzlosen Stammesgebiete in Pakistan nahe der afghanischen Grenze
gebracht. Von dort können sie jederzeit nach Afghanistan
eindringen, wie Petraeus erklärte. Streitkräfte und
Geheimdienste gehen seit langem davon aus, dass Kämpfer der
Taliban und andere Extremisten die Stammesgebiete an der Grenze als
Rückzugsgebiet nutzen. Washington machte deswegen zuletzt auch
mehr Druck auf die pakistanische Regierung.
Vom Grenzgebiet aus werden immer wieder Angriffe auf die NATO-Truppen
in Afghanistan ausgeführt. Die Kämpfe wurden zuletzt immer
heftiger: In Afghanistan wurden zuletzt mehr internationale Soldaten
getötet als im Irak. Die Führung der US-Streitkräfte
dachte zuletzt auch darüber nach, Einheiten aus dem Irak
abzuziehen und dafür die Truppen in Afghanistan zu verstärken.
boa (Quellen: rtr. afp, ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 20.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundsechzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fr.20.07.07 - US-Botschafter in Bagdad warnt vor raschem Abzug aus dem Irak +++
Großbritannien kündigt weitere Truppenkürzungen an +++
Größte Sunniten-Partei im Irak beendet Parlamentsboykott +++
Kurden: Türkei nimmt nach Angriff Norden Iraks unter Beschuss +++ Zwei
US-Soldaten im Irak des Mordes beschuldigt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707200.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Vier Polizisten und ein NATO-Soldat in Afghanistan getötet
So.20.07.08 - Bei zwei Bombenanschlägen sind am Samstag in der
südafghanischen Provinz Kandahar vier Polizisten und ein
NATO-Soldat getötet worden. Außerdem töteten
afghanische Soldaten bei einem Gefecht in der Provinz Sabul nach
Polizeiangaben neun Taliban-Kämpfer, nachdem diese einen
Versorgungskonvoi angegriffen hatten,
Die vier afghanischen Polizisten kamen laut Polizei im Bezirk Majwand
ums Leben, als ihr Fahrzeug in eine Sprengfalle geriet. Ein weiterer
Beamter sei verletzt worden.
Im Bezirk Pandschwani fuhr ein NATO-Konvoi auf eine am
Straßenrand versteckte Bombe. Dabei wurden nach Angaben der NATO
ein Soldat getötet und mehrere verwundet. Zur Nationalität
des Getöteten wurden keine Angaben gemacht. Mit meisten der in der
Gegend stationierten Soldaten sind Kanadier.
Bei einem weiteren Vorfall in der Nähe eines
NATO-Stützpunktes außerhalb der Stadt Kandahar sprengte sich
ein Selbstmordattentäter an einem Kontrollposten der Polizei in
die Luft. Dabei wurden nach Angaben der Polizeiangaben ein Kind und ein
Polizist verletzt.
(Quelle: ap)
Pakistans Ministerpräsident will keine fremde Truppen in seinem
Land
So.20.07.08 - Der pakistanische Ministerpräsident Yousaf Raza Gillani hat sich
vehement gegen jegliche Einsätze fremder Soldaten auf dem Boden
seines Landes ausgesprochen. Pakistan könne innerhalb der eigenen
Grenzen alleine gegen Terroristen kämpfen, sagte Gillani am
Samstagabend im staatlichen pakistanischen Fernsehen.
Die Regierung in Islamabad war wegen des Rückzugs von Extremisten
in die pakistanischen Stammesgebiete entlang der afghanischen Grenze
zuletzt verstärkt unter internationalen Druck geraten. Nach
Meinung Washingtons und Kabuls verstecken sich in dem Grenzegebiet
zahlreiche Kämpfer der Taliban, die gegen die NATO-Truppen in
Afghanistan kämpfen.
Vor wenigen Wochen kam es zu einem Zwischenfall, bei dem
US-Streitkräfte bei Gefechten im Grenzgebiet eine Stellung auf
pakistanischem Boden bombardierten. Pakistan hatte heftig protestiert.
(Quelle: ap)
Iran hält an Urananreicherung fest - Aber weitere Gespräche
mit EU-Außenbeauftragtem Solana vereinbart - USA fordern eine
'klare Antwort'
So.20.07.08 - Der Iran hat in der jüngsten Runde internationaler Gespräche
über sein Atomprogramm die Forderung nach einem Stopp der
Uranreicherung erneut zurückgewiesen, sich aber zu weiteren
Verhandlungen bereiterklärt. Der EU-Außenbeauftragte Javier
Solana sagte nach dem Treffen am Samstag, er werde bereits in zwei
Wochen wieder mit dem iranischen Chefunterhändler Said Dschalili
sprechen, entweder persönlich oder telefonisch.
«Das Treffen war konstruktiv, aber wir haben immer noch nicht die
gewünschte Antwort bekommen», sagte Solana. Dschalili
betonte, Teheran sei weiterhin an konstruktiven Verhandlungen
interessiert. Auch der Westen müsse dem Dialog Priorität
einräumen, sagte Dschalili. Der US-Diplomat William Burns nahm zum
Verlauf der Gespräche keine Stellung. In Washington sagte jedoch
Außenamtssprecher Sean McCormack, der Iran habe zwei Wochen Zeit,
um eine «klare Antwort» zu geben. «Der Iran muss eine
Entscheidung treffen: Verhandeln oder weitere Isolation.»
An dem Treffen in Genf nahmen die fünf ständigen Mitglieder
des UN-Sicherheitsrates und Deutschland sowie Solana und Dschalili
teil. Erstmals beteiligte sich mit Staatssekretär Burns auch ein
ranghoher US-Diplomat an direkten Gesprächen mit Teheran. Die
sechs Staaten wollten dem Iran Anreize bieten, sein Atomprogramm
einzustellen, insbesondere die umstrittene Urananreicherung. Im
Gegenzug sollte es zunächst keine weiteren UN-Sanktionen geben und
dann weitere Verhandlungen.
Der Iran werde der Forderung nach einer Einstellung der
Urananreicherung auf keinen Fall nachkommen, sagte der Delegierte
Kejwan Imani bereits rund eine Stunde nach dem offiziellen Beginn des
Treffens vor Journalisten. Aus Diplomatenkreisen verlautete, dass sich
Teheran «auf den zweiten oder dritten Schritt» konzentriert
habe. Der erste Schritt zu einer weiteren Annäherung, die
Aussetzung der Urananreicherung, sei aber nicht diskutiert worden.
Die Anreicherung von Uran dient der Gewinnung von nuklearem Brennstoff,
bildet aber auch die Grundlage für den Bau von Atomwaffen. Teheran
beteuert, sein Atomprogramm sei rein ziviler Natur. Die in den
vergangenen Tagen von beiden Seiten ins Gespräch gebrachte
Eröffnung einer diplomatischen Vertretung Washingtons in Teheran
oder die Wiederaufnahme von Direktflügen kam in Genf offenbar
nicht zur Sprache.
(Quelle: ap)
Wahl des ersten Präsidenten Nepals gescheitert
So.20.07.08 - Die Wahl des ersten Präsidenten in Nepal rund zwei Monate nach der
Abschaffung der Monarchie ist am Samstag knapp gescheitert. Keiner der
drei Bewerber erhielt bei der Abstimmung in der Verfassungsgebenden
Versammlung die notwendige absolute Mehrheit der Stimmen. Am Montag
soll es eine Stichwahl zwischen den beiden aussichtsreichsten
Kandidaten geben, wie der Präsident der Versammlung, Kul Bahadur
Gurung, mitteilte.
Der Kandidat der nepalesischen Kongresspartei, Ram Baran Yadav, konnte
sich 283 von 594 Stimmen sichern und lag damit knapp vorne. Der von den
Maoisten nominierte Anti-Monarchist Ramraja Singh, der als Favorit ins
Rennen gegangen war, erhielt 270 Stimmen. Kein Abgeordneter stimmte
für den dritten Kandidaten, Ram Prit Paswam. Die Maoisten bilden
mit rund 220 Mitgliedern die größte Gruppe der
594-köpfigen Versammlung. Sie hatten den parteilosen Singh
nominiert, der einst wegen eines Bombenanschlags auf den
Königspalast von Kathmandu zum Tode verurteilt wurde.
Der 72-Jährige verlor jedoch in buchstäblich letzter Minute
die Unterstützung der viertgrößten Partei, die die
ethnische Minderheit der Madheshi repräsentiert. Sie schloss sich
dem Nepalesischen Kongress und den marxistisch-leninistischen
Kommunisten an und konnte damit ihren eigenen Kandidaten für das
Amt des Vizepräsidenten durchbringen. Parmanandra Jha setzte sich
gegen drei Mitbewerber durch und erhielt 305 Stimmen.
Der Präsidentenwahl kommt eine hohe Bedeutung zu, denn das
künftige Staatsoberhaupt wird den neuen Regierungschef vereidigen.
Die im April gewählte Verfassungsgebenden Versammlung beschloss
zwar Ende Mai die Abschaffung der Monarchie, eine Regierung ist aus ihr
aber noch nicht hervorgegangen, weil sich die Parteien nicht auf eine
Koalition einigen konnten. Der bisherige Ministerpräsident Girija
Prasad Koirala trat Ende Juni zurück, so dass zurzeit ein
Machtvakuum besteht.
(Quelle: ap)
Deutschland
Erste Stimmen bei Grünen für Laufzeit-Verlängerung von
Akw
So.20.07.08 - Bei den Grünen werden erste Stimmen zugunsten einer
Verlängerung der Laufzeiten von Atommeilern laut. "Eine
Verlängerung der Laufzeiten für moderne Kernkraftwerke scheint
mir bei rationaler Risikoabwägung durchaus diskutabel", sagte der
ehemalige Chef der hessischen Grünen, Hubert Kleinert, dem
"Spiegel" laut Vorabbericht. Die Milliardengewinne aus dem
Weiterbetrieb der Reaktoren könnten in den Ausbau erneuerbarer
Energien gesteckt werden, sagte der frühere Bundestagsabgeordnete.
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne)
warnte seine Partei davor, den Bau von neuen Kohlekraftwerken zu
blockieren. "Ich glaube nicht, dass wir in den kommenden Jahren allein
mit erneuerbaren Energien auskommen", sagte er. "Deswegen müssen
wir darüber diskutieren, ob wir nicht für einen
Übergangszeitrum neue und effiziente fossile Kraftwerke brauchen."
Die Grünen-Spitze lehnt eine Verlängerung der Laufzeiten
bisher kategorisch ab. Sie schließt Koalitionen mit der CDU/CSU
für den Fall aus, dass die Union auf einem Wiedereinstieg in die
Nutzung der Atomenergie beharren sollte.
(Quelle: afp)
Angst vor sozialem Abstieg wird in Deutschland größer
So.20.07.08 - Trotz des jünsten wirtschaftlichen Aufschwungs sehen viele
Bundesbürger Deutschland nicht mehr als wohlhabendes Land. Laut
einer Ipsos-Umfrage glaubt inzwischen nur noch gut die Hälfte der
Bundesbürger (55 Prozent), dass unsere Gesellschaft in Wohlstand
lebt, wie die «Welt» berichtet. Vor zwei Jahren waren
dagegen noch 65 Prozent dieser Auffassung. Drastisch gestiegen ist im
Gegenzug die Zahl der Skeptiker: 40 Prozent sehen das Land demnach heute
nicht in Wohlstand leben, 2006 waren es nur 29 Prozent.
Auch die zukünftigen wirtschaftlichen Perspektiven werden laut der
im Auftrag des Bankenverbandes erstellten, repräsentativen Studie
ausgesprochen düster gesehen, wie die Zeitung schreibt. Beinahe
sechs von zehn Bundesbürgern rechnen demnach damit, dass der
Lebensstandard künftig eher sinken wird. Einen steigenden Wohlstand
erwartet hingegen gerade einmal jeder Zehnte der Befragten.
Gleichzeitig wird auch der Ruf nach Schutz durch den Staat wieder
lauter. Während die regelmäßige Erhebung des
Bankenverbandes für die vergangenen Jahre einen stetig steigenden
Anteil derjenigen auswies, die die Sicherung des Wohlstands in erster
Linie als individuelle Verantwortung betrachten, zeigt die
diesjährige Umfrage erstmals wieder eine Trendumkehr, wie es
heißt: Nur noch 62 (2006: 70) Prozent sind der Meinung, dass die
Wohlstandssicherung vor allem eine Aufgabe des Einzelnen ist, 31 (25)
Prozent sehen dagegen den Staat in der Pflicht.
Die kompletten Ergebnisse der Studie zum Standort Deutschland und zur
Zukunft der sozialen Marktwirtschaft will der Verband am Donnerstag
vorstellen.
(Quelle: ap)
Parteien streiten weiter über Pendlerpauschale
So.20.07.08 - Im Streit über die Rückkehr zur alten Pendlerpauschale
zeichnet sich in der Koalition keine Annäherung ab. Zwar
bekräftigte die CSU am Samstag ihre Forderung, die Altregelung so
schnell wie möglich wieder einzuführen. Doch lehnte dies die
SPD wie zuvor schon Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unter Verweis
auf fehlende Finanzmittel ab. Die Grünen warfen der CSU derweil
eine unseriöse Finanzpolitik vor.
Bei einigen Gegenstimmen hatte der CSU-Parteitag am Samstag ein
«Regierungsprogramm 2008 bis 2013» beschlossen, in dem eine
«spürbare Senkung der Steuerlast» sowie die
Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab dem 1. Kilometer verlangt
wird. CSU-Chef Erwin Huber räumte ein, bei dem Thema gebe es
unterschiedliche Positionen der Unions-Parteien. Dies sei aber kein
Grund, ein Zerwürfnis «hochzustilisieren».
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf der CSU indes einen
unseriösen Umgang mit dem Thema vor. Erst sei auf Drängen der
CSU die Pendlerpauschale abgeschafft worden, jetzt wolle sie sie wieder
haben und trotzdem den Haushalt konsolidieren. «Das ist
unseriös und das hat auch Frau Merkel erkannt. Sie hat ihrer
schwächelnden bayerischen Schwester am Freitag gezeigt, dass sie
keinen Respekt mehr vor ihr hat.»
Harsche Kritik kam auch von den Grünen. «Bei der
Finanzpolitik kann die CSU es inzwischen in puncto Unseriosität
getrost mit den Linken aufnehmen», sagte der Parlamentarische
Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker
Beck. Angesichts sinkender Umfragewerte überschütte die CSU
die Wähler mit Wahlkampfgeschenken: «Sie verteilt Geld, das
sie nicht hat, und macht in Bayern Opposition gegen ihre eigene
Regierungspolitik in Berlin.»
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück nannte die CSU-Forderungen
sogar «Volksverdummung». Die meisten Arbeitnehmer seien von
der Abschaffung der alten Pendlerpauschale gar nicht betroffen gewesen.
«Beim Großteil des Rests geht es um eine durchschnittliche
Belastung von circa zwölf Euro im Monat. Und damit wollen Sie das
Problem steigender Energiepreise lösen», fragte er.
Ähnlich äußerte sich Hessens
geschäftsführender Ministerpräsident Roland Koch (CDU).
Es stelle sich die Frage, ob der Staat mit der Steuerpolitik eine
Veränderung auf den Weltmärkten abfedern müsse. Wenn das
Bundesverfassungsgericht die gegenwärtige Regelung zur
Pendlerpauschale für verfassungswidrig erklären sollte, dann
sei in Deutschland jede Diskussion über eine
Bierdeckel-Steuerreform beendet, fügte Koch hinzu.
Derzeit wird die Pendlerpauschale erst ab dem 21. Kilometer
berücksichtigt. Die CSU und eine Mehrheit der
SPD-Landesverbände fordern eine Rückkehr zur alten Regelung,
die ab dem ersten Kilometer galt. Kanzlerin Merkel und die
SPD-Führung geben dagegen der Haushaltssanierung den Vorrang. Das
Bundesverfassungsgericht wird voraussichtlich im Herbst über die
derzeitige Regelung entscheiden.
(Quelle: ddp)
SPD will 'Kinder-Bafög' für Eltern in der Ausbildung
So.20.07.08 - Die SPD will für junge Eltern in der Berufsausbildung ein
Kinder-Bafög einführen.
Generalsekretär Hubertus Heil sagte dem Berliner "Tagesspiegel vom
Sonntag" laut Vorabbericht, diese Gruppe brauche gezielte finanzielle
Unterstützung. "Ich nenne das Kinder-Bafög."
"Damit würden wir jungen Menschen Bildungschancen eröffnen,
die frühkindliche Bildung fördern und etwas für die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun." Zudem müsse an jeder
Universität und jeder Fachhochschule in Deutschland eine Kita
eingerichtet werden. Einzelheiten, etwa zur Finanzierung und dem
Zeitplan, nannte Heil nicht. Die SPD setzt wie die Union auf das Thema
Familie, um in künftigen Wahlkämpfen zu punkten.
(Quelle: rtr)
Bayern streicht Oberstufenunterricht über NS-Zeit radikal
So.20.07.08 - Bayern streicht den Unterricht über die Nazi-Zeit laut einem
Zeitungsbericht in der Oberstufe radikal zusammen. Der neue bayerische
Lehrplan für das Fach Geschichte sehe in den zwei Oberstufenjahren
des Gymnasiums nur noch insgesamt sieben Schulstunden zur NS-Geschichte
vor, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Auch die Weimarer
Republik werde in dem Zeitraum nur noch in sieben Schulstunden
behandelt. Für den Nahost-Konflikt seien hingegen 10 Stunden
vorgeschrieben, für das "Leben in der entstehenden
Industriegesellschaft des 19. Jahrhunderts" sogar 14 Stunden.
Dem Bericht zufolge sollen in der Oberstufe in Bayern nur der
Zusammenbruch der Weimarer Republik, Holocaust, Antisemitismus und
NS-Propaganda behandelt werden; die Themen Erster und Zweiter Weltkrieg,
Novemberrevolution, Innen- und Außenpolitik der 1920er Jahre,
Hitlers Außenpolitik sowie Organisation des NS-Führerstaates
kämen nicht mehr vor. Begründet werde die Reduzierung in dem
Lehrplan mit der bereits erfolgten Behandlung von Nationalsozialismus
und Weimarer Republik in der Mittelstufe.
(Quelle: afp)
Bildungsexperte warnt: Bis 2013 fehlen 100 000 Studienplätze
So.20.07.08 - In Deutschland werden Expertenschätzungen zufolge in fünf
Jahren rund 100 000 Studienplätze fehlen. Nach Berechnungen des
Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie
dürfte es im Jahr 2013 für 500 000 Studienberechtigte nur 400
000 Studienplätze geben, berichtet der «Tagesspiegel am
Sonntag». Konsequenzen wird das nach Einschätzung von
Institutsdirektor Dieter Dohmen vor allem für die Bewerber haben,
die ohne Abitur studieren wollen. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD)
hatte sich kürzlich dafür ausgesprochen, dass die
Studienmöglichkeiten für Berufstätige ohne Abitur
ausgeweitet werden sollen.
Dohmen sagte voraus, dass angesichts des Studienplatzmangels in den
Ballungszentren die Bewerber auf die kleineren Unis in den neuen
Ländern ausweichen werden. «Die neuen Bundesländer
haben mit Bevölkerungsschwund zu kämpfen», sagte der
Bildungsexperte. «Dort können die Hochschulen auch
Berufstätige ohne Abitur für sich entdecken.»
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Vertrauliche Foren für Forscher
So.20.07.08 - Der Münsteraner Stammzellpionier Prof. Hans Schöler hat
vertrauliche Foren für Wissenschaftler vorgeschlagen, um den
fachlichen Austausch der Forscher zu fördern.
Wer als Journalist an solchen Konferenzen teilnehmen wolle, sollte sich
ebenso zur Vertraulichkeit verpflichten wie alle anwesenden Forscher,
meint der Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare
Biomedizin. Dabei gehe es nicht um die Beschneidung von
Informationsrechten, sondern darum zu vermeiden, dass in der
Öffentlichkeit verfrühte Hoffnungen geweckt werden, betonte
Schöler im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Journalisten sollten weiterhin früh in die wissenschaftliche
Diskussion eingebunden werden, damit sie, wenn Befunde ausreichend
gesichert seien, fundiert die Öffentlichkeit darüber
informieren könnten. «In den USA wird dieses Modell seit
vielen Jahren erfolgreich praktiziert», sagte Schöler.
«Das würde ich mir auch für Deutschland
wünschen.»
(Quelle: dpa)