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Irak 1580 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Wichtigste Sunniten-Gruppe kehrt in Regierung zurück. Großbritannien hält an Abzug aus dem Irak fest. US-General Petraeus: Al Kaida könnte Kampf vom Irak nach Afghanistan verlegen

So.20.07.08 - Der Versöhnungsprozess zwischen den irakischen Bevölkerungsgruppen ist einen wichtigen Schritt vorangekommen.

Die wichtigste sunnitische Bewegung ist nach knapp einem Jahr in die von Schiiten geführte Regierung zurückgekehrt, nachdem das Parlament deren Kandidaten für vakante Ministerposten akzeptiert hat. "Dies ist ein wirklicher Schritt in Richtung politischer Reform", sagte ein Mitglied der Sunnitischen Einigungsfront nach der Abstimmung der Nachrichtenagentur Reuters. Der Schiit und Regierungschef Nuri al-Maliki hatte die sunnitischen Kandidaten bereits zuvor abgesegnet. Die Rückkehr der Sunniten in die Regierung gilt als Durchbruch für eine Versöhnung der verfeindeten Gruppen und die Stärkung des Zentralstaates.

Die Einigungsfront war im August vergangenen Jahres aus der Regierung Malikis ausgetreten. Sie warf ihm vor, ihren Forderungen nach mehr Einfluss auf die Regierungsarbeit nicht nachzukommen. Die sunnitischen Araber, die unter dem früheren Präsidenten Saddam Hussein die Politik beherrschten, hatten die Regierung beschuldigt, sie an den Rand zu drängen.

Großbritannien hält nach Angaben von Premier Gordon Brown am Abzug von Soldaten aus dem Irak fest. "Wir haben die Absicht, die Reduzierung unserer Truppen fortzusetzen. Aber ich werde dazu nicht künstlich einen Kalender festlegen", sagte er bei einem Besuch in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Dort führte er mit Ministerpräsident Nuri el Maliki und Präsident Dschalal Talabani Gespräche über die Zukunft des Iraks und den britischen Einsatz. Brown rückte den wirtschaftlichen Aufbau des Landes in den Vordergrund.

Brown und Maliki hätten bei ihrem Treffen die "Bedeutung einer langfristigen Beziehung beider Länder" unterstrichen, teilte das Büro das irakischen Ministerpräsidenten mit. Auch die Wichtigkeit der "britischen Präsenz im Irak und der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern" seien betont worden, hieß es weiter. Erst einen Tag vor Browns Besuch hatten sich die Regierungen in Washington und Bagdad im Rahmen eines bilateralen Sicherheitspakts auf einen Zeithorizont für den Abzug der US-Truppen geeinigt. Ein konkretes Datum wurde darin aber nicht genannt.

Bei seinem Besuch der Truppen in Basra erinnerte Brown an Londons Vorhaben, die Kontrolle des dortigen Flughafens zu dem Zeitpunkt abzugeben, "wenn das möglich sein wird". "Ich bin hierhergekommen, um mich von dem bisher erreichten Fortschritt zu überzeugen", sagte er. Den Soldaten wünschte Brown "Mut", die einheimischen Sicherheitskräften auszubilden, damit diese eigene Verantwortung übernehmen könnten. Wenn in Basra Demokratie, Sicherheit und Wohlstand herrsche, sei der britische Einsatz geleistet, sagte er.

Während nach dem Einmarsch in den Irak im März 2003 bis zu 46.000 Soldaten im Irak stationiert waren, sind derzeit noch 4000 britische Soldaten auf dem Flughafen in der südlichen Ölstadt Basra stationiert. Der weitere Abzug wurde aus Sicherheitgründen vorübergehend ausgesetzt. Generalstabschef Jock Stirrup kündigte vor einigen Tagen jedoch an, die Zahl der britischen Soldaten solle im ersten Halbjahr 2009 weiter reduziert werden.

Der Oberkommandierende der US-Streitkräfte im Irak General David Petraeus hat davor gewarnt, dass die Terrororganisation Al Kaida den Schwerpunkt ihres Kampfes vom Irak nach Afghanistan verlegen könnte. Geheimdienstinformationen bestätigten dies, sagte Petraeus am Samstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. «Sie werden den Irak nicht verlassen». Aber die Organisation werde «sicherlich mehr Ressourcen, die für den Irak gedacht waren, nach Pakistan oder Afghanistan umleiten», sagt Petraeus.

Die Sicherheitslage im Irak habe sich zuletzt deutlich verbessert und auch die Zahl der eingeschleusten ausländischen Al-Kaida-Kämpfer sei Geheimdienstinformationen zuletzt deutlich zurückgegangen, sagte Petraeus der AP in seinem Büro in der US-Botschaft in Bagdad. Die Informationen der Nachrichtendienste seien nicht von allerbester Qualität, räumte der General ein. Aber sie deuteten trotzdem darauf hin, dass Al Kaida derzeit erwäge, den Schwerpunkt zu verlagern.

Mehr Kämpfer würden in die unruhigen und weitgehend gesetzlosen Stammesgebiete in Pakistan nahe der afghanischen Grenze gebracht. Von dort können sie jederzeit nach Afghanistan eindringen, wie Petraeus erklärte. Streitkräfte und Geheimdienste gehen seit langem davon aus, dass Kämpfer der Taliban und andere Extremisten die Stammesgebiete an der Grenze als Rückzugsgebiet nutzen. Washington machte deswegen zuletzt auch mehr Druck auf die pakistanische Regierung.

Vom Grenzgebiet aus werden immer wieder Angriffe auf die NATO-Truppen in Afghanistan ausgeführt. Die Kämpfe wurden zuletzt immer heftiger: In Afghanistan wurden zuletzt mehr internationale Soldaten getötet als im Irak. Die Führung der US-Streitkräfte dachte zuletzt auch darüber nach, Einheiten aus dem Irak abzuziehen und dafür die Truppen in Afghanistan zu verstärken.

boa (Quellen: rtr. afp, ap)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 20.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundsechzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Fr.20.07.07 - US-Botschafter in Bagdad warnt vor raschem Abzug aus dem Irak +++ Großbritannien kündigt weitere Truppenkürzungen an +++ Größte Sunniten-Partei im Irak beendet Parlamentsboykott +++ Kurden: Türkei nimmt nach Angriff Norden Iraks unter Beschuss +++ Zwei US-Soldaten im Irak des Mordes beschuldigt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707200.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

Vier Polizisten und ein NATO-Soldat in Afghanistan getötet

So.20.07.08 - Bei zwei Bombenanschlägen sind am Samstag in der südafghanischen Provinz Kandahar vier Polizisten und ein NATO-Soldat getötet worden. Außerdem töteten afghanische Soldaten bei einem Gefecht in der Provinz Sabul nach Polizeiangaben neun Taliban-Kämpfer, nachdem diese einen Versorgungskonvoi angegriffen hatten,

Die vier afghanischen Polizisten kamen laut Polizei im Bezirk Majwand ums Leben, als ihr Fahrzeug in eine Sprengfalle geriet. Ein weiterer Beamter sei verletzt worden.

Im Bezirk Pandschwani fuhr ein NATO-Konvoi auf eine am Straßenrand versteckte Bombe. Dabei wurden nach Angaben der NATO ein Soldat getötet und mehrere verwundet. Zur Nationalität des Getöteten wurden keine Angaben gemacht. Mit meisten der in der Gegend stationierten Soldaten sind Kanadier.

Bei einem weiteren Vorfall in der Nähe eines NATO-Stützpunktes außerhalb der Stadt Kandahar sprengte sich ein Selbstmordattentäter an einem Kontrollposten der Polizei in die Luft. Dabei wurden nach Angaben der Polizeiangaben ein Kind und ein Polizist verletzt.

(Quelle: ap)
 



 

Pakistans Ministerpräsident will keine fremde Truppen in seinem Land

So.20.07.08 - Der pakistanische Ministerpräsident Yousaf Raza Gillani hat sich vehement gegen jegliche Einsätze fremder Soldaten auf dem Boden seines Landes ausgesprochen. Pakistan könne innerhalb der eigenen Grenzen alleine gegen Terroristen kämpfen, sagte Gillani am Samstagabend im staatlichen pakistanischen Fernsehen.

Die Regierung in Islamabad war wegen des Rückzugs von Extremisten in die pakistanischen Stammesgebiete entlang der afghanischen Grenze zuletzt verstärkt unter internationalen Druck geraten. Nach Meinung Washingtons und Kabuls verstecken sich in dem Grenzegebiet zahlreiche Kämpfer der Taliban, die gegen die NATO-Truppen in Afghanistan kämpfen.

Vor wenigen Wochen kam es zu einem Zwischenfall, bei dem US-Streitkräfte bei Gefechten im Grenzgebiet eine Stellung auf pakistanischem Boden bombardierten. Pakistan hatte heftig protestiert.

(Quelle: ap)
 



 

Iran hält an Urananreicherung fest - Aber weitere Gespräche mit EU-Außenbeauftragtem Solana vereinbart - USA fordern eine 'klare Antwort'

So.20.07.08 - Der Iran hat in der jüngsten Runde internationaler Gespräche über sein Atomprogramm die Forderung nach einem Stopp der Uranreicherung erneut zurückgewiesen, sich aber zu weiteren Verhandlungen bereiterklärt. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sagte nach dem Treffen am Samstag, er werde bereits in zwei Wochen wieder mit dem iranischen Chefunterhändler Said Dschalili sprechen, entweder persönlich oder telefonisch.

«Das Treffen war konstruktiv, aber wir haben immer noch nicht die gewünschte Antwort bekommen», sagte Solana. Dschalili betonte, Teheran sei weiterhin an konstruktiven Verhandlungen interessiert. Auch der Westen müsse dem Dialog Priorität einräumen, sagte Dschalili. Der US-Diplomat William Burns nahm zum Verlauf der Gespräche keine Stellung. In Washington sagte jedoch Außenamtssprecher Sean McCormack, der Iran habe zwei Wochen Zeit, um eine «klare Antwort» zu geben. «Der Iran muss eine Entscheidung treffen: Verhandeln oder weitere Isolation.»

An dem Treffen in Genf nahmen die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates und Deutschland sowie Solana und Dschalili teil. Erstmals beteiligte sich mit Staatssekretär Burns auch ein ranghoher US-Diplomat an direkten Gesprächen mit Teheran. Die sechs Staaten wollten dem Iran Anreize bieten, sein Atomprogramm einzustellen, insbesondere die umstrittene Urananreicherung. Im Gegenzug sollte es zunächst keine weiteren UN-Sanktionen geben und dann weitere Verhandlungen.

Der Iran werde der Forderung nach einer Einstellung der Urananreicherung auf keinen Fall nachkommen, sagte der Delegierte Kejwan Imani bereits rund eine Stunde nach dem offiziellen Beginn des Treffens vor Journalisten. Aus Diplomatenkreisen verlautete, dass sich Teheran «auf den zweiten oder dritten Schritt» konzentriert habe. Der erste Schritt zu einer weiteren Annäherung, die Aussetzung der Urananreicherung, sei aber nicht diskutiert worden.

Die Anreicherung von Uran dient der Gewinnung von nuklearem Brennstoff, bildet aber auch die Grundlage für den Bau von Atomwaffen. Teheran beteuert, sein Atomprogramm sei rein ziviler Natur. Die in den vergangenen Tagen von beiden Seiten ins Gespräch gebrachte Eröffnung einer diplomatischen Vertretung Washingtons in Teheran oder die Wiederaufnahme von Direktflügen kam in Genf offenbar nicht zur Sprache.

(Quelle: ap)
 



 

Wahl des ersten Präsidenten Nepals gescheitert

So.20.07.08 - Die Wahl des ersten Präsidenten in Nepal rund zwei Monate nach der Abschaffung der Monarchie ist am Samstag knapp gescheitert. Keiner der drei Bewerber erhielt bei der Abstimmung in der Verfassungsgebenden Versammlung die notwendige absolute Mehrheit der Stimmen. Am Montag soll es eine Stichwahl zwischen den beiden aussichtsreichsten Kandidaten geben, wie der Präsident der Versammlung, Kul Bahadur Gurung, mitteilte.

Der Kandidat der nepalesischen Kongresspartei, Ram Baran Yadav, konnte sich 283 von 594 Stimmen sichern und lag damit knapp vorne. Der von den Maoisten nominierte Anti-Monarchist Ramraja Singh, der als Favorit ins Rennen gegangen war, erhielt 270 Stimmen. Kein Abgeordneter stimmte für den dritten Kandidaten, Ram Prit Paswam. Die Maoisten bilden mit rund 220 Mitgliedern die größte Gruppe der 594-köpfigen Versammlung. Sie hatten den parteilosen Singh nominiert, der einst wegen eines Bombenanschlags auf den Königspalast von Kathmandu zum Tode verurteilt wurde.

Der 72-Jährige verlor jedoch in buchstäblich letzter Minute die Unterstützung der viertgrößten Partei, die die ethnische Minderheit der Madheshi repräsentiert. Sie schloss sich dem Nepalesischen Kongress und den marxistisch-leninistischen Kommunisten an und konnte damit ihren eigenen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten durchbringen. Parmanandra Jha setzte sich gegen drei Mitbewerber durch und erhielt 305 Stimmen.

Der Präsidentenwahl kommt eine hohe Bedeutung zu, denn das künftige Staatsoberhaupt wird den neuen Regierungschef vereidigen. Die im April gewählte Verfassungsgebenden Versammlung beschloss zwar Ende Mai die Abschaffung der Monarchie, eine Regierung ist aus ihr aber noch nicht hervorgegangen, weil sich die Parteien nicht auf eine Koalition einigen konnten. Der bisherige Ministerpräsident Girija Prasad Koirala trat Ende Juni zurück, so dass zurzeit ein Machtvakuum besteht.

(Quelle: ap)
 



 

Deutschland

Erste Stimmen bei Grünen für Laufzeit-Verlängerung von Akw

So.20.07.08 - Bei den Grünen werden erste Stimmen zugunsten einer Verlängerung der Laufzeiten von Atommeilern laut. "Eine Verlängerung der Laufzeiten für moderne Kernkraftwerke scheint mir bei rationaler Risikoabwägung durchaus diskutabel", sagte der ehemalige Chef der hessischen Grünen, Hubert Kleinert, dem "Spiegel" laut Vorabbericht. Die Milliardengewinne aus dem Weiterbetrieb der Reaktoren könnten in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt werden, sagte der frühere Bundestagsabgeordnete.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) warnte seine Partei davor, den Bau von neuen Kohlekraftwerken zu blockieren. "Ich glaube nicht, dass wir in den kommenden Jahren allein mit erneuerbaren Energien auskommen", sagte er. "Deswegen müssen wir darüber diskutieren, ob wir nicht für einen Übergangszeitrum neue und effiziente fossile Kraftwerke brauchen."

Die Grünen-Spitze lehnt eine Verlängerung der Laufzeiten bisher kategorisch ab. Sie schließt Koalitionen mit der CDU/CSU für den Fall aus, dass die Union auf einem Wiedereinstieg in die Nutzung der Atomenergie beharren sollte.

(Quelle: afp)
 



 

Angst vor sozialem Abstieg wird in Deutschland größer

So.20.07.08 - Trotz des jünsten wirtschaftlichen Aufschwungs sehen viele Bundesbürger Deutschland nicht mehr als wohlhabendes Land. Laut einer Ipsos-Umfrage glaubt inzwischen nur noch gut die Hälfte der Bundesbürger (55 Prozent), dass unsere Gesellschaft in Wohlstand lebt, wie die «Welt» berichtet. Vor zwei Jahren waren dagegen noch 65 Prozent dieser Auffassung. Drastisch gestiegen ist im Gegenzug die Zahl der Skeptiker: 40 Prozent sehen das Land demnach heute nicht in Wohlstand leben, 2006 waren es nur 29 Prozent.

Auch die zukünftigen wirtschaftlichen Perspektiven werden laut der im Auftrag des Bankenverbandes erstellten, repräsentativen Studie ausgesprochen düster gesehen, wie die Zeitung schreibt. Beinahe sechs von zehn Bundesbürgern rechnen demnach damit, dass der Lebensstandard künftig eher sinken wird. Einen steigenden Wohlstand erwartet hingegen gerade einmal jeder Zehnte der Befragten.

Gleichzeitig wird auch der Ruf nach Schutz durch den Staat wieder lauter. Während die regelmäßige Erhebung des Bankenverbandes für die vergangenen Jahre einen stetig steigenden Anteil derjenigen auswies, die die Sicherung des Wohlstands in erster Linie als individuelle Verantwortung betrachten, zeigt die diesjährige Umfrage erstmals wieder eine Trendumkehr, wie es heißt: Nur noch 62 (2006: 70) Prozent sind der Meinung, dass die Wohlstandssicherung vor allem eine Aufgabe des Einzelnen ist, 31 (25) Prozent sehen dagegen den Staat in der Pflicht.

Die kompletten Ergebnisse der Studie zum Standort Deutschland und zur Zukunft der sozialen Marktwirtschaft will der Verband am Donnerstag vorstellen.

(Quelle: ap)
 



 

Parteien streiten weiter über Pendlerpauschale

So.20.07.08 - Im Streit über die Rückkehr zur alten Pendlerpauschale zeichnet sich in der Koalition keine Annäherung ab. Zwar bekräftigte die CSU am Samstag ihre Forderung, die Altregelung so schnell wie möglich wieder einzuführen. Doch lehnte dies die SPD wie zuvor schon Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unter Verweis auf fehlende Finanzmittel ab. Die Grünen warfen der CSU derweil eine unseriöse Finanzpolitik vor.

Bei einigen Gegenstimmen hatte der CSU-Parteitag am Samstag ein «Regierungsprogramm 2008 bis 2013» beschlossen, in dem eine «spürbare Senkung der Steuerlast» sowie die Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab dem 1. Kilometer verlangt wird. CSU-Chef Erwin Huber räumte ein, bei dem Thema gebe es unterschiedliche Positionen der Unions-Parteien. Dies sei aber kein Grund, ein Zerwürfnis «hochzustilisieren».

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf der CSU indes einen unseriösen Umgang mit dem Thema vor. Erst sei auf Drängen der CSU die Pendlerpauschale abgeschafft worden, jetzt wolle sie sie wieder haben und trotzdem den Haushalt konsolidieren. «Das ist unseriös und das hat auch Frau Merkel erkannt. Sie hat ihrer schwächelnden bayerischen Schwester am Freitag gezeigt, dass sie keinen Respekt mehr vor ihr hat.»

Harsche Kritik kam auch von den Grünen. «Bei der Finanzpolitik kann die CSU es inzwischen in puncto Unseriosität getrost mit den Linken aufnehmen», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck. Angesichts sinkender Umfragewerte überschütte die CSU die Wähler mit Wahlkampfgeschenken: «Sie verteilt Geld, das sie nicht hat, und macht in Bayern Opposition gegen ihre eigene Regierungspolitik in Berlin.»

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück nannte die CSU-Forderungen sogar «Volksverdummung». Die meisten Arbeitnehmer seien von der Abschaffung der alten Pendlerpauschale gar nicht betroffen gewesen. «Beim Großteil des Rests geht es um eine durchschnittliche Belastung von circa zwölf Euro im Monat. Und damit wollen Sie das Problem steigender Energiepreise lösen», fragte er.

Ähnlich äußerte sich Hessens geschäftsführender Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Es stelle sich die Frage, ob der Staat mit der Steuerpolitik eine Veränderung auf den Weltmärkten abfedern müsse. Wenn das Bundesverfassungsgericht die gegenwärtige Regelung zur Pendlerpauschale für verfassungswidrig erklären sollte, dann sei in Deutschland jede Diskussion über eine Bierdeckel-Steuerreform beendet, fügte Koch hinzu.

Derzeit wird die Pendlerpauschale erst ab dem 21. Kilometer berücksichtigt. Die CSU und eine Mehrheit der SPD-Landesverbände fordern eine Rückkehr zur alten Regelung, die ab dem ersten Kilometer galt. Kanzlerin Merkel und die SPD-Führung geben dagegen der Haushaltssanierung den Vorrang. Das Bundesverfassungsgericht wird voraussichtlich im Herbst über die derzeitige Regelung entscheiden.

(Quelle: ddp)
 



 

SPD will 'Kinder-Bafög' für Eltern in der Ausbildung

So.20.07.08 - Die SPD will für junge Eltern in der Berufsausbildung ein Kinder-Bafög einführen.

Generalsekretär Hubertus Heil sagte dem Berliner "Tagesspiegel vom Sonntag" laut Vorabbericht, diese Gruppe brauche gezielte finanzielle Unterstützung. "Ich nenne das Kinder-Bafög."

"Damit würden wir jungen Menschen Bildungschancen eröffnen, die frühkindliche Bildung fördern und etwas für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun." Zudem müsse an jeder Universität und jeder Fachhochschule in Deutschland eine Kita eingerichtet werden. Einzelheiten, etwa zur Finanzierung und dem Zeitplan, nannte Heil nicht. Die SPD setzt wie die Union auf das Thema Familie, um in künftigen Wahlkämpfen zu punkten.

(Quelle: rtr)
 



 

Bayern streicht Oberstufenunterricht über NS-Zeit radikal

So.20.07.08 - Bayern streicht den Unterricht über die Nazi-Zeit laut einem Zeitungsbericht in der Oberstufe radikal zusammen. Der neue bayerische Lehrplan für das Fach Geschichte sehe in den zwei Oberstufenjahren des Gymnasiums nur noch insgesamt sieben Schulstunden zur NS-Geschichte vor, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Auch die Weimarer Republik werde in dem Zeitraum nur noch in sieben Schulstunden behandelt. Für den Nahost-Konflikt seien hingegen 10 Stunden vorgeschrieben, für das "Leben in der entstehenden Industriegesellschaft des 19. Jahrhunderts" sogar 14 Stunden.

Dem Bericht zufolge sollen in der Oberstufe in Bayern nur der Zusammenbruch der Weimarer Republik, Holocaust, Antisemitismus und NS-Propaganda behandelt werden; die Themen Erster und Zweiter Weltkrieg, Novemberrevolution, Innen- und Außenpolitik der 1920er Jahre, Hitlers Außenpolitik sowie Organisation des NS-Führerstaates kämen nicht mehr vor. Begründet werde die Reduzierung in dem Lehrplan mit der bereits erfolgten Behandlung von Nationalsozialismus und Weimarer Republik in der Mittelstufe.

(Quelle: afp)
 



 

Bildungsexperte warnt: Bis 2013 fehlen 100 000 Studienplätze

So.20.07.08 - In Deutschland werden Expertenschätzungen zufolge in fünf Jahren rund 100 000 Studienplätze fehlen. Nach Berechnungen des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie dürfte es im Jahr 2013 für 500 000 Studienberechtigte nur 400 000 Studienplätze geben, berichtet der «Tagesspiegel am Sonntag». Konsequenzen wird das nach Einschätzung von Institutsdirektor Dieter Dohmen vor allem für die Bewerber haben, die ohne Abitur studieren wollen. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) hatte sich kürzlich dafür ausgesprochen, dass die Studienmöglichkeiten für Berufstätige ohne Abitur ausgeweitet werden sollen.

Dohmen sagte voraus, dass angesichts des Studienplatzmangels in den Ballungszentren die Bewerber auf die kleineren Unis in den neuen Ländern ausweichen werden. «Die neuen Bundesländer haben mit Bevölkerungsschwund zu kämpfen», sagte der Bildungsexperte. «Dort können die Hochschulen auch Berufstätige ohne Abitur für sich entdecken.»

(Quelle: ddp)
 



 

Wissenschaft

Vertrauliche Foren für Forscher

So.20.07.08 - Der Münsteraner Stammzellpionier Prof. Hans Schöler hat vertrauliche Foren für Wissenschaftler vorgeschlagen, um den fachlichen Austausch der Forscher zu fördern.

Wer als Journalist an solchen Konferenzen teilnehmen wolle, sollte sich ebenso zur Vertraulichkeit verpflichten wie alle anwesenden Forscher, meint der Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin. Dabei gehe es nicht um die Beschneidung von Informationsrechten, sondern darum zu vermeiden, dass in der Öffentlichkeit verfrühte Hoffnungen geweckt werden, betonte Schöler im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Journalisten sollten weiterhin früh in die wissenschaftliche Diskussion eingebunden werden, damit sie, wenn Befunde ausreichend gesichert seien, fundiert die Öffentlichkeit darüber informieren könnten. «In den USA wird dieses Modell seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert», sagte Schöler. «Das würde ich mir auch für Deutschland wünschen.»

(Quelle: dpa)
 
 
 
 

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