+++ Mo.21.07.08, 06:30
Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak 1581 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Im Irak entführter Brite hat angeblich Selbstmord begangen. Iraks
Regierungschef: Deutschland an Aufbau beteiligen
Mo.21.07.08 - Gut ein Jahr nach der Verschleppung von fünf Briten im Irak haben
die Entführer angeblich in einem Video den Selbstmord einer der
Geiseln bekanntgegeben. Der Wochenzeitung "Sunday Times" sei ein Video
zugespielt worden, auf dem die Entführergruppe mitteile, einer der
im Mai 2007 entführten Männer habe sich umgebracht,
berichteten die britischen Fernsehsender BBC News und Sky News
übereinstimmend. Der Name der Geisel wurde lediglich mit Jason
angegeben. Eine Sprecherin des britischen Außenministeriums sagte,
für die Behauptungen in dem Video gebe es keine unabhängige
Bestätigung.
Die Gruppe Schiitischer Islamischer Widerstand im Irak hatte bereits
zwei Videos über ihre britischen Geiseln veröffentlicht. Der
britische Außenminister David Miliband erklärte, die
jüngste Wortmeldung der Entführer werde bei den
Angehörgen der Geiseln "tiefes Leiden und Sorge" auslösen. Die
Regierung werde weiter "mit jedem zusammenarbeiten, der in diesem Fall
helfen kann".
Der Computerexperte Peter Moore aus der ostenglischen Stadt Lincoln und
seine vier Leibwächter waren im irakischen Finanzministerium in
Bagdad gekidnappt worden. Moore hatte in der irakischen Hauptstadt
für die US-Beratungsfirma BearingPoint gearbeitet, seine
Bodyguards, deren Identitäten nicht bekannt gegeben wurden, waren
bei der kanadischen Sicherheitsfirma GardaWorld angestellt.
Iraks Regierungschef Nuri al-Maliki hat vor seinem Berlin-Besuch die
deutsche Wirtschaft zur Beteiligung am Wiederaufbau seines Landes
aufgerufen.
"Wir haben ein Land aufzubauen und die Deutschen sind berühmt
für gutes und effizientes Arbeiten", sagte Maliki dem "Spiegel".
Der Irak müsse überall von vorne anfangen: "in der
Ölförderung, im Ausbau des Stromnetzes, in allen Industrien.
Das ist viel tun." Sein Land wolle engere Beziehungen mit Deutschland
sowohl wirtschaftlich wie auch politisch.
Maliki wird Anfang dieser Woche in Berlin erwartet. Vor einer Woche war
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos als erster deutscher Minister
seit dem Sturz Saddam Husseins 2003 in Bagdad.
Maliki hob die Rolle Deutschlands bei der Ausbildung irakischer
Sicherheitskräfte hervor, forderte jedoch, dies müsse
künftig auch innerhalb des Iraks möglich sein. "Wir bevorzugen
es aber eindeutig, wenn die Ausbildung künftig im Irak
stattfindet", sagte er. Bislang haben deutsche Experten irakische
Sicherheitskräfte in benachbarten Golfstaaten ausgebildet. Damit
soll deutlich werden, dass sich Deutschland auch weiterhin nicht der von
den USA geführten Allianz anschließt, die auch den Krieg zum
Sturz des früheren Staatschefs Saddam Hussein geführt hatte.
boa (Quellen: afp, rtr)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 21.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Sa.21.07.07 - Gefahr eines Völkermords für demokratischen
Präsidentenbewerber Obama kein Grund für Verbleib im Irak +++
Drei britische Soldaten im Irak bei Angriff getötet +++ Britischer
Heereschef sieht keine Reserven mehr +++ 'Wenigstens bin ich nicht Teil
der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen
Irakkrieg...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Obama fordert mehrere tausend zusätzliche US-Soldaten für
Afghanistan
Mo.21.07.08 - Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama fordert
die sofortige Entsendung von bis zu zwei zusätzlichen
US-Kampfbrigaden nach Afghanistan. Die Lage am Hindukusch sei
gefährlich und dringlich, sagte Obama in einem am Sonntag in den
USA ausgestrahlten Interview mit dem Fernsehsender CBS. Eine US-Brigade
umfasst für gewöhnlich bis zu 4.000 Soldaten.
«Einer der größten strategischen Fehler, die wir nach
dem 11. September gemacht haben, war zu versäumen, die Arbeit hier
zu erledigen. Wir wurden vom Irak abgelenkt», sagte Obama. Die
Verlegung von bis zu zwei Brigaden müsse noch veranlasst werden,
bevor im Januar der nächste Präsident in Washington sein Amt
antrete. «Ich glaube, dass muss unser Hauptschwerpunkt sein,
unsere zentrale Front in unserem Kampf gegen Terroristen», sagte
Obama. Der Demokrat macht sich gleichzeitig für einen raschen
Abzug der US-Truppen aus dem Irak stark.
Der Senator befand sich am Sonntag im Rahmen seiner ersten
Auslandsreise als Präsidentschaftskandidat in Afghanistan. Dort
traf er mit Vertretern der US-Streitkräfte und mit Präsident
Hamid Karsai zusammen, er gab aber keine öffentliche
Erklärung ab. Als weitere Stationen seiner Reise waren Irak,
Jordanien, Israel, Deutschland, Frankreich und Großbritannien
vorgesehen.
(Quelle: ap)
ISAF-Truppen töten afghanische Polizisten und Zivilisten
Mo.21.07.08 - Internationale Truppen haben offiziellen Angaben zufolge neun
afghanische Polizisten nach einer Verwechslung mit
Taliban-Kämpfern getötet.
Beide Seiten bekämpften sich in der Nacht zum Sonntag im Westen
des Landes, weil sie sich gegenseitig für Mitglieder der
Extremisten-Gruppe hielten, wie der stellvertretende Gouverneur der
Provinz Farah, Mohammed Junus Rasuli, sagte. Die ausländischen
Streitkräfte hätten schließlich Unterstützung aus
der Luft angefordert. Bei dem folgenden Angriff auf den Polizeiposten
seien neben den neun Polizisten vier weitere Sicherheitskräfte
verwundet worden, unter ihnen der Polizeichef des Bezirks Anar Dara.
Sowohl die internationale Schutztruppe Isaf als auch die von den USA
angeführten Koalitionsstreitkräfte erklärten, von einem
Vorfall in Farah zu wissen, jedoch lägen keine genauen
Informationen vor.
Unterdessen kamen in der östlichen Provinz Paktika bei einem
nächtlichen Granatenangriff der Isaf mindestens vier einheimische
Zivilisten ums Leben. Soldaten hätten mehrere Granaten abgefeuert,
die ihr Ziel um fast einen Kilometer verfehlt hätten, teilte die
Isaf in einer Stellungnahme mit. Es gebe unbestätigte Berichte
über drei weitere Tote, vier Zivilisten seien bei dem Angriff
zudem verletzt worden. Die Isaf bedauere das Unglück sehr,
hieß es. Die genauen Umstände würden noch untersucht.
Die neuen Vorfälle dürften den Eindruck der Afghanen
verstärken, dass die internationalen Streitkräfte bei ihren
Kampfeinsätzen nicht genügend Rücksicht auf Unschuldige
nehmen. Nach Angaben afghanischer Behörden sind bei Luftangriffen
der US-geführten Koalitionsstreitkräfte im Osten des Landes
in diesem Monat 60 afghanische Zivilisten ums Leben gekommen, darunter
viele Frauen und Kinder. Die Angelegenheit wird noch untersucht.
(Quelle: rtr)
Simbabwes Regierung und Opposition vereinbaren Gespräche
Mo.21.07.08 - Regierung und Opposition in Simbabwe haben nach UN-Angaben eine
Grundsatzeinigung für Verhandlungen erzielt. Diese stehe kurz vor
der Unterzeichnung durch Präsident Robert Mugabe und
Oppositionsführer Morgan Tsvangirai, teilte der UN-Sondergesandten
für Simbabwe, Haile Menkerios, in Johannesburg mit. Sobald die
Unterschrift erfolgt sei, könnten wirkliche Verhandlungen
beginnen, sagte er dem südafrikanischen Hörfunksender SAFM.
Menkerios hatte am Freitag in Pretoria mit dem als Vermittler in der
Simbabwe-Krise tätigen südafrikanischen Präsidenten
Thabo Mbeki und dem Präsidenten der Kommission der Afrikanischen
Union (AU), Jean Ping, gesprochen. Ein AU-Sprecher erklärte in
Addis Abeba, Ping, der am Samstag in Simbabwe sowohl mit Mugabe als
auch mit Tsvangirai sprach, sei "guter Hoffnung", dass es am Montag zur
Unterschrift kommen werde. Aus Kreisen der Oppositionspartei Bewegung
für Demokratischen Wandel (MDC) und der simbabwischen Regierung
verlautete, die Unterzeichnung könne diesen Montag oder Dienstag
erfolgen.
(Quelle: afp)
Simbabwe führt 100-Milliarden-Dollar-Schein ein
Mo.21.07.08 - Das unter einer Hyperinflation leidende Simbabwe führt den
100-Milliarden-Dollar-Schein ein. Die Banknote werde an diesem Montag in
Umlauf gebracht, teilte die simbabwische Zentralbank laut Staatsmedien
mit. In diesem Jahr wurden bereits eine Reihe neuer Geldscheine
eingeführt: im Januar ein Zehn-Millionen-Dollar-Schein, im April
eine 50-Millionen-Dollar-Note. Anfang Mai kamen die 100- und
250-Millionen-Dollar-Scheine, Mitte Mai die 500-Millionen-Scheine. Kurz
danach wurden fünf simbabwische Milliarden, 25 Milliarden und 50
Milliarden gedruckt.
100 Milliarden simbabwische Dollar entsprechen auf dem Schwarzmarkt
ungefähr einem US-Dollar (0,63 Euro). Das Geld würde an diesem
Wochenende für eine Busfahrt vom Zentrum der Hauptstadt Harare in
die Vororte und zurück reichen. Für ein Getränk oder ein
Brot würde es schon knapp: Beides kostete Anfang der Woche etwa 60
Milliarden Dollar.
Das nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl in einer tiefen
Krise steckende südafrikanische Land hat im Juni nach offiziellen
Angaben eine Hyperinflation von 2,2 Millionen Prozent verzeichnet.
Unabhängige Ökonomen schätzen sogar, dass die
tatsächliche Inflation bei zehn bis 15 Millionen Prozent liegt.
Mindestens 80 Prozent der simbabwischen Bevölkerung leben unter der
Armutsgrenze.
(Quelle: afp)
Thailand und Kambodscha wollen offenbar Grenzstreit beilegen
Mo.21.07.08 - Im Territorialstreit zwischen Thailand und Kambodscha haben sich beide
Seiten dazu bekannt, "äußerste Anstrengungen" für eine
friedliche Lösung zu unternehmen. Singapurs Außenminister
George Yeo sagte beim Außenministertreffen der
Südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN), beide Länder
hätten ihren Willen zu einer friedlichen Lösung und zur
Einhaltung ihrer internationalen Verpflichtungen bekannt. Die ASEAN
hätten sie zu größtmöglicher Zurückhaltung
aufgerufen.
In den vergangenen Tagen war der jahrzehntealte Territorialstreit um
den historischen Hindu-Tempel Preah Vihear eskaliert, als
thailändische Demonstranten beim Versuch, auf das Gelände
vorzudringen, festgenommen wurden. Anschließend marschierten zu
beiden Seiten der Grenze Truppen auf. Der Internationale Gerichtshof in
Den Haag hatte 1962 entschieden, dass die Ruinen von Preah Vihear zu
Kambodscha gehören. Der Haupteingang liegt allerdings auf
thailändischer Seite. Ein knapp fünf Quadratkilometer
großes Gelände wird bis heute von beiden Ländern
beansprucht.
(Quelle: afp)
Peking bemüht sich vor Spielen um Verbesserung der
Luftqualität
Mo.21.07.08 - Zur Verbesserung der Luftqualität vor den Olympischen Spielen
steht in Peking seit Sonntag ein Teil der Autos und Fabriken still.
So sollen mittels Verkehrskontrollen je nach Nummernschildern
täglich fast die Hälfte der 3,3 Millionen Autos der
Hauptstadt von den Straßen verbannt werden. Zudem wurden sowohl
in Peking als auch in anderen Städten zahlreiche Fabriken
geschlossen. Die Maßnahmen gelten für einen Zeitraum von
zwei Monaten, der die Olympischen und Paralympischen Spiele umfasst.
Die chronische Luftverschmutzung in der Stadt ist eines der
größten Probleme für die Organisatoren der Spiele.
Peking entwickelt sich derzeit zu einer der verkehrsreichsten
Städte der Welt, täglich kommen mehr als Tausend neue Autos
hinzu. Am Samstag wurden in Peking drei neue U-Bahn-Linien in Betrieb
genommen.
(Quelle: rtr)
Über eine Million demonstrieren für die Freilassung von
Geiseln - Großveranstaltung in Kolumbien - Auch in Paris und
anderen Städten im Ausland
Mo.21.07.08 - Über eine Million Kolumbianer haben am Sonntag bei Demonstrationen
zum Unabhängigkeitstag die Freilassung der rund 700 in der Gewalt
der FARC-Rebellen verbliebenen Geiseln gefordert. «Freiheit!
Freiheit!» riefen die Menschen bei Kundgebungen im ganzen Land.
«Keine Entführungen mehr», riefen Demonstranten in der
Hauptstadt Bogotá. Allein dort versammelten sich nach
Behördenangaben über 900.000 Menschen. Auch in rund 40
Städten im Ausland fanden ähnliche Veranstaltungen statt,
darunter in Paris, London, Miami und New York.
Die Plaza Bolivar im Zentrum Bogotás war gefüllt mit
weiß gekleideten Demonstranten, die Fähnchen in der
Friedensfarbe weiß und rot-blau-gelbe Nationalflaggen schwenkten.
In der Dschungelstadt Leticia sang Popstar Shakira bei einer
Militärparade die Nationalhymne. Der Parade wohnten Präsident
Alvaro Uribe sowie dessen Kollegen aus Brasilien und Peru bei, Luiz
Inácio Lula da Silva und Alan Garcia. Im ganzen Land träten
120.000 Musiker auf, um für die Befreiung der FARC-Geiseln zu
spielen, sagte Uribe.
In Paris eröffnete die kürzlich befreite Geisel Ingrid
Betancourt in der Nähe des Eiffelturms ein «Konzert für
die Freiheit», bei dem Popstar Juanes vor Tausenden auftrat, wie
Shakira ist er ebenfalls Kolumbianer. Betancourt rief den Anführer
der FARC-Rebellen, Alfonso Cano, zu Frieden auf. «Verstehe, dass
jetzt Zeit ist, das Blutvergießen zu beenden, dass die Zeit
gekommen ist, Gewehre mit Rosen zu tauschen», erklärte
Betancourt, die sich mehr als sechs Jahre in der Gewalt der FARC befand.
Der kolumbianische Vizepräsident Fracisco Santos mischte sich in
Bogotá unter die Demonstranten. Die FARC müsse erkennen,
dass ihr Kampf vorbei ist, sagte Santos der Nachrichtenagentur AP.
«Ihre einzige Option ist es, sich an den Verhandlungstisch zu
setzen - das heißt, die Waffen niederzulegen.» Die
Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) kämpfen
seit 44 Jahren gegen die Regierung. Durch die jüngste
Geiselbefreiung, mehrere Militärschläge und den Tod des
früheren Kommandanten gilt die Organisation als stark
geschwächt.
(Quelle: ap)
Dissidenten in Kuba gründen sozialdemokratische Partei
Mo.21.07.08 - Drei kubanische Dissidentenorganisationen haben ihren Zusammenschluss
zu einer sozialdemokratischen Partei bekannt gegeben. Auf dem ersten
Parteitag von Arco Progresista (Fortschrittlicher Bogen) in Havanna
sagte das Führungsmitglied Leonardo Calvo, die neue Organisation
solle dazu beitragen, den angestrebten Wandel in Kuba zu
bewerkstelligen. Arco Progresista gehören die Sozialdemokratische
Koordination, die Volkspartei und die Demokratisch-sozialistische
Strömung an.
Auf dem zweitägigen Parteitag vertreten zwei Dutzend Delegierte
nach Angaben von Arco Progresista 300 bis 400 Mitglieder. Laut Manuel
Cuesta Morúa, einem weiteren Führungsmitglied, steht die
neue Partei auch Christen und Liberalen offen, "die mit den Werten des
Sozialismus" übereinstimmen.
(Quelle: afp)
Entführte deutsche Bergsteiger in der Türkei wieder frei
Mo.21.07.08 - Glückliches Ende des Geiseldramas in der Osttürkei:
Zwölf Tage nach ihrer Entführung sind die drei von der
verbotenen PKK entführten deutschen Bergsteiger wieder auf freiem
Fuß. Die Männer aus Bayern befanden sich am Sonntag in
sicherer Obhut der deutschen und türkischen Behörden. Wie
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin sagte, geht
es ihnen den Umständen entsprechend gut. Sie sollen nach Angaben
türkischer Behörden am (heutigen) Montag nach Deutschland
zurückkehren. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte dies auf
AP-Anfrage am Abend aber nicht bestätigen.
Angehörige und Freunde reagierten ebenso wie Bundeskanzlerin
Angela Merkel mit Erleichterung und Freude.
Fragen zum Hergang der Freilassung der Männer im Alter von 33, 47
und 65 Jahren beantwortete Steinmeier nicht. Der Gouverneur der Provinz
Agri, Mehmet Cetin, erklärte, die Entführer hätten ihre
Geiseln auf einem Hügel zurückgelassen und seien
geflüchtet. Die Deutschen wurden demnach etwa eine halbe Stunde
später von paramilitärischen Truppen abgeholt. Den Kidnappern
seien Verfolger auf der Spur gewesen.
Die Exgeiseln wurden inzwischen in die Stadt Agri gebracht, wo sie
medizinisch untersucht wurden. «Morgen werden wir unsere
deutschen Gäste nach Ankara und dann in ihr Heimatland
zurückbringen», sagte Cetin, der im Gästehaus der Stadt
Agri mit ihnen zu Abend aß. Cetin sagte der türkischen
Nachrichtenagentur Anatolia zufolge, dass die Drei glücklich
seien, denn «Tage voll des Horrors seien nun zu Ende».
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan
kündigte an, die deutsche Delegation nach seiner Rückkehr aus
dem türkischen Teil Zyperns am Sonntagabend zu kontaktieren. Man
werde mit den Deutschen vor Ort in Agri sprechen und alle
Entscheidungen gemeinsam treffen. Auch er äußerte sich
erleichtert über das glückliche Ende des Geiseldramas. Die
drei Männer hätten sich einer medizinischen Untersuchung
unterzogen und bekämen Kleider und alles, was sie sonst
benötigten, sagte Erdogan.
Laut einem Bericht des privaten Fernsehsenders CNN-Türk hatten
sich die Bergsteiger nach ihrer Freilassung zunächst in der
Grenzstadt Dogubayazit befunden. Sie liegt in der Nähe des 5.137
hohen Bergs Ararat, den die insgesamt 13-köpfige Bergsteigergruppe
aus Bayern besteigen wollte. Am Abend des 8. Juli waren sie in einem
Basislager auf rund 3.200 Metern Höhe überfallen worden,
wobei die drei Männer verschleppt wurden.
Die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) erklärte, sie habe die
Deutschen um die Mittagszeit auf freien Fuß gesetzt. Dieser
Schritt basiere auf einer freiwilligen Entscheidung der
Rebellenorganisation und sei nicht unter Druck von außen zustande
gekommen, wurde ein PKK-Sprecher von der prokurdischen
Nachrichtenagentur Firat zitiert.
Die PKK hatte gefordert, dass Berlin «seine feindliche
Einstellung gegenüber dem kurdischen Volk und der PKK»
beenden solle. Die Bundesregierung wies jedoch alle Forderungen
zurück. Die PKK ist seit 1993 in Deutschland verboten
Merkel zeigte sich erleichtert über die Freilassung der drei
Männer. «Der Krisenstab hat hervorragend gearbeitet und ich
möchte mich bei allen denen bedanken, die dazu beigetragen haben -
bei den deutschen Behörden, aber auch bei den
türkischen», sagte sie in der ARD-Sendung «Bericht aus
Berlin». «Wir werden die Freigelassenen hoffentlich bald
sehen und in Deutschland wiederhaben», fügte die Kanzlerin
hinzu.
Auf die Frage, ob ein Lösegeld oder ein politischer Preis an die
PKK gezahlt wurde, sagte Merkel: «Sie wissen, dass wir alles tun,
um die Geiseln freizubekommen. Das ist in diesem Fall gelungen, und
mehr gibt es aus meiner Sicht jetzt dazu nicht zu sagen.»
(Quelle: ap)
EU sieht geringe Chancen für WTO-Durchbruch
Mo.21.07.08 - Die Europäische Union geht mit niedrigen Erwartungen und ohne
einheitliche Linie in die entscheidenden Welthandelsgespräche ab
diesem Montag. "Das wird kein leichter Gang in Genf", sagte
Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach nach einem
Krisentreffen der EU-Handelsminister in Brüssel. In der EU werden
die Chancen auf einen Durchbruch in der sogenannten Doha-Runde auf 50
Prozent geschätzt. Umstritten ist, wie weit die Zugeständnisse
an Schwellenländer wie China und Indien gehen dürfen.
Die einwöchigen Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO)
mit 30 Ländern in Genf ab Montag gelten als letzte Chance für
eine Einigung. Die vor sieben Jahren mit vielen Hoffnungen im Emirat
Katar gestartete Doha-Runde ist festgefahren. Sie soll Handelsschranken
für Agrar- und Industriegüter beseitigen. EU-Handelskommissar
Peter Mandelson bekräftigte laut Teilnehmern des Brüsseler
Treffens seine Einschätzung einer Einigungschance von 50 Prozent.
Auch die WTO-Expertin und Europaabgeordnete Erika Mann (SPD) nannte die
Chancen "denkbar gering".
Grund sind die verhärteten Fronten zwischen Industrie- und
Entwicklungsländern: Die Südländer fordern von den USA
und der EU einen noch weiter gehenden Abbau der Agrarhilfen. Frankreichs
Handelsstaatssekretärin und amtierende EU-Ratsvorsitzende
Anne-Marie Idrac bekräftigte in Brüssel die harte Linie ihres
Landes. Am unnachgiebigsten zeigte sich bei dem EU-Treffen Irland:
Handelsminister John McGuinness nannte ein Veto seines Landes gegen die
gemeinsame EU-Position eine "Option".
Im Gegenzug zum Abbau der Agrarhilfen fordert die EU von den
Südländern einen besseren Zugang für Industriegüter.
Pfaffenbach bekräftigte, dass Deutschland "von den großen
Schwellenländern weitere Zugeständnisse bei der Senkung der
Industriezölle und auch im Bereich Dienstleistungen" erwarte. Die
Bundesregierung dringt in China, Indien oder Brasilien auf einen
besseren Zugang für Auto- oder Maschinenbauer.
Überschattet werden die Genfer Gespräche durch einen Streit
zwischen dem französischen Präsidenten und amtierende
EU-Ratsvorsitzenden Nicolas Sarkozy und Handelskommissar Mandelson. Dorn
im Auge sind Sarkozy unter anderem die von Mandelson in Aussicht
gestellten Kürzungen der milliardenschweren
EU-Landwirtschaftssubventionen. Frankreich profitiert als
größtes EU-Agrarland am stärksten von den Hilfen.
(Quelle: afp)
Merkel kämpft für schwarz-gelbe Koalition
Mo.21.07.08 - Bei der nächsten Bundestagswahl 2009 kämpft die Union
für eine Mehrheit zusammen mit der FDP. Dies sei ein «sehr
realistisches Ziel», sagte die CDU-Vorsitzende und
Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend in der ARD-Sendung
«Bericht aus Berlin».
«Wir kämpfen also für eine andere Koalition»,
stellte sie klar. Doch müsse zugleich betont werden, dass auch das
seit 2005 amtierende Bündnis aus Union und SPD Wichtiges geschafft
habe, wie etwa die Verlängerung des gesetzlichen Rentenalters auf
67 Jahre.
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sagte im ZDF zu möglichen
Koalitionen nach der Bundestagswahl, mit der Linkspartei sei eine
Zusammenarbeit in jedem Fall ausgeschlossen. «Und ansonsten
werden wir uns Partner suchen. Ich finde die rot-grüne Koalition
hat hervorragende Arbeit gemacht, was man jetzt am Arbeitsmarkt, was
man an der Konjunktur ablesen kann. Und wenn man einen dritten Partner
braucht, wird man schauen.»
Er persönlich habe in Rheinland-Pfalz die Erfahrung gemacht, dass
man mit den Liberalen gut zusammen arbeiten könne. «Aber
selbstverständlich schließe ich nicht aus, auch mit der
Union weiterzuarbeiten», sagte Beck. «Wenn der Wähler
so entscheiden würde, dass es nichts anderes Verantwortbares geht,
dann kann man natürlich nicht Nein sagen. Zuerst das Land und dann
die Parteien.»
Beck äußerte die Einschätzung, der Dauerstreit zwischen
CDU und CSU über die Steuerpolitik habe die Schwesterparteien in
eine «große Zerreißprobe» gestürzt. In der
Haut von Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel möchte er
deswegen zurzeit nicht stecken, sagte Beck im ZDF-Sommerinterview.
«Sie hat einen Brief bekommen von zweihundert
CDU/CSU-Abgeordneten, die ihr geschrieben haben, dass sie mit ihrer
Politik in keiner Weise einverstanden sind, der Wirtschaft-, der
Finanzpolitik. Und wenn das so ist, dann hat man ein richtiges
Problem.»
Aus diesem internen Druck erkläre sich auch die Kritik Merkels an
der SPD, meinte Beck. «Dann ist es halt ein beliebtes Spiel in
der Politik, auf den anderen zu zeigen - nach dem Motto: Haltet den
Dieb.» Das Klima zwischen Union und SPD gleiche nach wie vor
einem «Hund- und Katzverhältnis», bemängelte er.
Dies sei «ungut».
(Quelle: ap)
SPD-Chef Beck lässt Ypsilanti in Hessen offiziell freie Hand
Mo.21.07.08 - Trotz der immer noch offenen Machtfrage in Hessen will SPD-Chef Kurt
Beck keinen Druck auf die Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti
ausüben, auf eine Wahl zur Ministerpräsidentin mit Hilfe der
Linken zu verzichten. «Die Entscheidungen fallen auf der
Länderebene», sagte Beck am Sonntag im
ZDF-«Sommerinterview». Beck war bisher nachgesagt worden, er
wolle Ypsilanti dazu bringen, angesichts der bundesweiten politischen
Bedeutung einer Zusammenarbeit mit der Linken lieber Neuwahlen in
Hessen zuzustimmen.
Deutlich wurde Beck indes zu einer Kooperation mit der Linken auf der
Bundesebene. Da gebe es «so viele Diskrepanzen», dass eine
Zusammenarbeit «unmöglich» sei. «Wir müssen
sehen, das sind außenpolitische Fragen, die ein Zusammengehen
völlig ausschließen: Wer Deutschland aus der internationalen
Verantwortung herausführen will, wer die Grundlagenverträge
für Europa ablehnt, der kann nicht mein Gesprächspartner
sein.»
(Quelle: ddp)
Bundeswehrrekruten legen vor Reichstagsgebäude Gelöbnis ab
Mo.21.07.08 - Zum Jahrestag des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 haben Rekruten
erstmals vor dem Reichstag in Berlin ihr Gelöbnis abgelegt.
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verwies bei der
Zeremonie am Sonntagabend laut Redetext darauf, dass alle grundlegenden
Entscheidungen für die deutschen Streitkräfte seit
Gründung der Bundeswehr vom Bundestag getroffen worden seien.
Deshalb sei der Reichstag für das öffentliche Gelöbnis
ein guter Ort. Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) erinnerte in seiner Rede
an das Hitler-Attentat vor 64 Jahren.
Die Soldaten, die Treue und Tapferkeit im Dienst von Land, Recht und
Freiheit gelobten, gehören dem Wachbataillon des
Bundesverteidigungsministeriums an. Zu den Gästen zählten
auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD). Im Vorfeld war kritisiert worden, dass
viele Politiker wegen der Urlaubszeit auf ihre Teilnahme verzichten
wollten. Die Polizei bot 1800 Beamte auf, um Gegendemonstranten und
Störer fernzuhalten, und sperrte zahlreiche Straßen in der
Umgebung zehn Stunden lang ab.
(Quelle: afp)
Richterbundsvorsitzender schlägt mehr Macht für
Staatsanwälte vor
Mo.21.07.08 - Der Vorsitzende des Deutschen Richterbunds, Christoph Frank, will der
Staatsanwaltschaft mehr Kompetenzen einräumen. Die Einhaltung der
rechtstaatlichen Regeln könnten auch die Staatsanwaltschaften
garantieren, sagte Frank dem Nachrichtenmagazin «Focus» laut
Vorabbericht. «Bei Standardmaßnahmen wie Blutentnahmen,
Obduktionen oder der Untersuchung von DNA-Proben könnte
darüber nachgedacht werden, ob wir auf die Anordnung durch den
Richter verzichten,» sagte er. Im Gegenzug solle bei Fehlern das
Verbot gelten, den Beweis zu verwerten. Damit könne der Verzicht
auf den Richtervorbehalt kompensiert werden.
Mit seinem Vorschlag könnten die Ermittlungen beschleunigt werden,
sagte Frank. «Der Polizist ruft bei Verdacht auf Trunkenheitsfahrt
den Staatsanwalt an und berichtet ihm seine Einschätzung. Der
Staatsanwalt entscheidet, ob er beim Richter die Blutentnahme
beantragt. Wenn hier der Staatsanwalt selbst entscheiden könnte,
würden die Ermittlungen beschleunigt und die Gerichte entlastet,
ohne dass der Rechtschutz des Bürgers verkürzt
würde», erläuterte er. Zweifeln, dass die
Staatsanwaltschaft für diese Rolle geeignet sei, widersprach Frank,
der Oberstaatsanwalt in Freiburg ist. «Die Staatsanwaltschaft ist
zu strikter Objektivität verpflichtet. Viele Kollegen wechseln
zwischen Staatsanwaltschaft und Gericht. Das prägt ihr berufliches
Selbstverständnis», sagte er.
(Quelle: ddp)