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Irak 1582 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Obama zu Kurzbesuch im Irak eingetroffen
Di.22.07.08 - Der Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten will sich dort wie
zuvor bereits in Afghanistan und Kuwait einen Überblick über
die Lage verschaffen.
Zum zweiten Mal nach 2006 besucht der Senator aus Illinois den Irak -
damals kam er wie jetzt mit weiteren Kongressmitgliedern, um sich ein
Bild von der aktuellen Lage zu machen. Direkt nach seiner Ankunft traf
er sich mit Regierungschef Nuri al-Maliki, um mit ihm unter anderem
über seinen Plan eines kompletten US-Truppenabzugs zu sprechen.
Obama hatte in seiner außenpolitischen Rede in der vergangenen
Woche angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs bei der
Präsidentenwahl im November werde er die amerikanischen Soldaten
aus dem Irak abziehen. Sein republikanischer Widersacher John McCain
warf Obama daraufhin vor, er habe - anders als er selber - keinen
rechten Überblick, weil er nur einmal in dem Zweistromland gewesen
sei.
Obama hatte in seiner Rede in Washington in der vergangenen Woche klar
gemacht, dass es nach fünf Jahren und angesichts von mehr als 4100
getöteten US-Soldaten an der Zeit sei, die
Sicherheitsverantwortung komplett in die Hände der Iraker zu
legen. In Etappen sollten die derzeit noch 146.000 US-Soldaten bis
Sommer 2010 abziehen. Das El Kaida-Terrornetzwerk müsse nicht im
Irak, sondern in Afghanistan bekämpft werden.
Diese Absicht stößt im Irak selbst auf ein geteiltes Echo.
Die Nachrichtenagentur Reuters stellte in Interviews fest, dass Obama
grundsätzlich wegen seiner Hautfarbe und seines familiären
Hintergrunds (seine Mutter ist Weiße, sein Vater Schwarzer) mehr
Vertrauen in der Bevölkerung genießt. Er würde die
Probleme besser verstehen. Andere Befragte bezeichneten den Abzugsplan
als unrealistisch. Die einheimischen Kräfte seien noch nicht so
fit, die Sicherheit im Lande alleine aufrecht zu erhalten.
Obamas Gegenkandidat, John McCain, liegt auf der Linie von
Präsident George W. Bush: Kein baldiger Truppenabzug. McCain hatte
2003 - anders als Obama - für den Irak-Krieg gestimmt. Zuletzt
machte er deutlich, die Sicherheitslage im Land habe sich unter anderem
durch die Aufstockung der Truppen 2007 deutlich verbessert; die etwa
30.000 Mann sind inzwischen wieder abgezogen. Außerdem müsse
anhand der aktuellen Sicherheitslage entschieden werden und nicht auf
der Grundlage eines Zeitplans
Der neue Chef der Münchener Sicherheitskonferenz warnte derweil
vor überzogenen Erwartungen an den Präsidentenwechsel in den
USA. Egal wer die Wahl gewinne, "wir werden nicht plötzlich in ein
transatlantisches Paradies eintreten", sagte Sicherheitskonferenz-Chef
Wolfgang Ischinger der "Berliner Zeitung". Besonders die Erwartungen an
den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Barack Obama
überstiegen teilweise das realistische Maß, sagte der
frühere deutsche Botschafter in den USA. Man könne nicht
erwarten, dass Obama nach seiner Wahl beispielsweise plötzlich das
Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz unterschreiben würde.
Ischinger mahnte, die Europäer sollten nicht bis nach der
Amtseinführung des neuen US-Präsidenten im Januar
nächsten Jahres warten, welche Bitten oder Forderungen er
präsentiere. Stattdessen solle Europa noch vor dem
Präsidentenwechsel ein neues umfassendes Angebot zur
außenpolitischen Zusammenarbeit präsentieren.
boa (Quellen: dw, afp)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 22.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundachtzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
So.22.07.07 - USA rufen nach stärkerer Rolle der Vereinten Nationen im Irak +++
US-Präsident Bush fordert vom Parlament mehr Zeit für seine
Irak-Strategie +++ US-Soldat kommt nach Mord an Familienvater im Irak um
Haft herum +++ Iraks Ministerpräsident Al-Maliki fordert angesichts
zahlreicher offener Gesetzesvorhaben kürzere Parlamentspause...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707220.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Regierung hält an 'Achse des Bösen' fest
Di.22.07.08 - Die US-Regierung will ihr Konzept von der "Achse des Bösen" trotz
der jüngsten Kontakte mit dem Iran und Nordkorea nicht aufgeben.
"Wir werden die Länder in dieser Kategorie belassen, bis sie ihre
Atomwaffenprogramme vollständig und nachprüfbar aufgeben",
sagte US-Präsidentensprecherin Dana Perino in Washington. Die
diplomatischen Initiativen der USA gegenüber Nordkorea hätten
zwar Erfolge gebracht, sagte Perino. "Der Iran ist aber eine ganz
andere Geschichte."
Im Januar 2002 hatte US-Präsident George W. Bush den Begriff
für diese beiden Länder sowie den Irak unter Saddam Hussein
geprägt und diplomatische Kontakte ausgeschlossen. Die erste
Teilnahme eines hochrangigen US-Diplomaten an einem Treffen mit einem
iranischen Vertreter seit Jahrzehnten am Samstag hatte Kommentatoren zu
dem Schluss gebracht, dass sich die US-Regierung vollends vom Konzept
der "Achse des Bösen" abgewendet habe.
Perino machte auch klar, dass sie nicht von einer Zusage des Iran zu
dem "großzügigen Angebotspaket" der internationalen
Gemeinschaft im Atomstreit ausgehe. "Sie haben sich nicht sehr bewegt",
sagte Perino über die Iraner. "Sie lassen eine Gelegenheit
verstreichen." Das Paket war den Abgesandten Teherans von der
5+1-Gruppe aus den UN-Vetomächten und Deutschland vorgelegt
worden. Es sieht wirtschaftliche Anreize vor, falls der Iran auf die
Anreicherung von Uran verzichtet.
(Quelle: afp)
Richter in Guantanamo-Prozess weist Beweismittel zurück - Bin
Ladens Fahrer 'höchst zwanghaften' Bedingungen ausgesetzt
Di.22.07.08 - Der Richter im ersten US-Kriegsverbrecherprozess seit dem Zweiten
Weltkrieg hat Beweismittel gegen den Angeklagten Salim Hamdan, einen
ehemaligen Fahrer Osama bin Ladens, zurückgewiesen. Dieser sei in
Afghanistan nach seiner Festnahme «höchst zwanghaften»
Bedingungen unterworfen gewesen. Militärrichter Keith Allred
ließ der Anklage beim Prozessauftakt am Montag aber die
Möglichkeit, Aussagen zu verwenden, die Hamdan im Gefangenenlager
Guantanamo gemacht hat. Diese sollen aber laut Verteidigung unter
Druckmitteln wie Schlafentzug und Einzelhaft zustandegekommen sein.
Der Jemenit hatte zum Auftakt die Vorwürfe der Anklage
zurückgewiesen und auf nicht schuldig plädiert. Sollte er
wegen Verschwörung und Beihilfe zum Terrorismus verurteilt werden,
droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Der Prozess dauert
voraussichtlich drei bis vier Wochen.
Hamdan wurde im November 2001 an einer Straßensperre in
Afghanistan festgenommen und rund ein halbes Jahr später ins
Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba gebracht. Ihm wird vorgeworfen, Bin
Laden dabei geholfen zu haben, sich nach den Terroranschlägen vom
11. September 2001 dem Zugriff der US-Behörden zu entziehen.
Die Anklage will 22 Personen in den Zeugenstand rufen. Der vom Pentagon
eingesetzte Verteidiger, Korvettenkapitän Brian Mizer, bemüht
sich um Zugang zu drei ranghohen mutmaßlichen
Al-Kaida-Mitgliedern, die in Guantanamo inhaftiert sind, darunter
Khalid Sheikh Mohammed, der als Drahtzieher der Terroranschläge
gilt. Deren Aussage werde zeigen, dass Hamdan lediglich ein
rangniederer Beschäftigter von Bin Ladens Fuhrpark gewesen sei,
erklärte Mizer.
Das Verfahren begann am Montag mit der Auswahl der Geschworenen. Als
potenzielle Jury-Mitglieder ließ das US-Verteidigungsministerium
13 Offiziere nach Guantanamo fliegen. Aus ihren Reihen wurden sechs
Offiziere und eine Ersatzperson ausgewählt.
Die Ankläger planen für die kommenden Monate Prozesse gegen
20 Guantanamo-Insassen - darunter fünf Männer, die
unmittelbar an der Planung der Anschläge vom 11. September 2001
beteiligt gewesen sein sollen. Diese wurden erst 2006 aus geheimen
Gefängnissen der CIA nach Guantanamo verlegt. Letztlich sollen
etwa 80 Häftlinge vor das Militärtribunal gebracht werden.
(Quelle: ap)
38 Tote bei Kämpfen in der westpakistanischen Provinz Baluchistan
Di.22.07.08 - Bei schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und
Aufständischen sind in der westpakistanischen Provinz Baluchistan
mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen. Wie die Zeitung
«Dawn» berichtete, gab es bei den Gefechten am Wochenende
zudem Dutzende Verletzte. Den Angaben zufolge sind unter den Toten
mindestens sechs Sicherheitskräfte. Die Kämpfe seien
ausgebrochen, nachdem Aufständische eine Förderanlage für
Erdgas in der Region angegriffen hatten, hieß es weiter.
(Quelle: dpa)
Empörung in Israel über Schuss auf gefesselten
Palästinenser
Di.22.07.08 - In Israel hat ein Video Empörung ausgelöst, das einen
Soldaten beim Schuss auf einen bereits gefesselten Palästinenser
zeigt. Der Soldat wurde für ein Verhör festgenommen, wie ein
Armeesprecher mitteilte. Eine israelische Nichtregierungsorganisation
hatte ein Video veröffentlicht, auf dem der israelische Soldat
einem mit Handschellen gefesselten Palästinenser aus nächster
Nähe ein Gummigeschoss aufs Bein schießt. Der Mann wurde
offenbar leicht verletzt. Der Zwischenfall ereignete sich demnach
bereits Anfang Juli bei einer Demonstration im Westjordanland.
Das israelische Militär kündigte an, nach seiner Untersuchung
"Maßnahmen" ergreifen zu wollen. Wie diese aussehen könnten,
teilte die Armee zunächst nicht mit. Sie hatte erst nach
Bekanntwerden des Videos und einer Beschwerde der israelischen NGO
B'Tselem Ermittlungen in dem Fall angekündigt. Nach Angaben einer
Armeesprecherin wirft der Film auch Fragen auf: Es sei deutlich, dass
die Aufnahmen nicht am Stück gedreht worden seien. "Wo sind die
fehlenden Sequenzen? Was enthalten sie?" fragte sie. Auch habe sich der
Palästinenser nach seiner Freilassung nicht beschwert.
B'Tselem hatte am Sonntag das Video veröffentlicht, das zeigt, wie
ein israelischer Soldat auf einen gefesselten Palästinenser zielt,
dem die Augen verbunden sind. Der 27-jährige Palästinenser
wurde von einem israelischen Oberstleutnant festgehalten. Er wurde nach
Angaben von B'Tselem nur leicht verletzt.
Der Zwischenfall ereignete sich B'Tselem zufolge am 7. Juli im Dorf
Nilin im Norden des Westjordanlandes. Dort hatte die israelische Armee
nach Demonstrationen gegen die Errichtung einer Sperranlage eine
Ausgangssperre verhängt. Israel errichtet den Wall nach eigenen
Angaben, um sich gegen das Eindringen von Selbstmordattentätern
aus dem Westjordanland zu schützen. Der Internationale Gerichtshof
in Den Haag und die UN-Vollversammlung bezeichnen die Sperrmauer als
illegal.
Derweil nahm die israelische Armee bei einer Razzia im Norden des
Westjordanlandes 20 Anhänger der radikalislamischen Hamas fest,
wie ein Palästinenservertreter mitteilte. Nach
Palästinenserangaben sind unter den Festgenommenen keine
bewaffneten Kämpfer der Hamas. Die israelische Armee wollte die
Razzia zunächst nicht bestätigen.
(Quelle: afp)
Großbritanniens Premier Brown: Differenzen in
Nahost-Friedensprozess sind überbrückbar
Di.22.07.08 - Der britische Premierminister Gordon Brown hat sich bei seinem ersten
Staatsbesuch in Israel und den Palästinensergebieten zuversichtlich
über den Ausgang der Nahost-Friedensgespräche gezeigt.
"Was die beiden Seiten trennt, ist nicht unüberbrückbar",
erklärte Brown am Sonntag nach separaten Gesprächen mit
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert und
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas. Er habe den Eindruck,
dass der Wille zu einem Durchbruch vorhanden sei und je früher
dieser komme umso besser, fügte Brown auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Olmert an.
Zuvor war Brown in Bethlehem gemeinsam mit Abbas vor die Presse
getreten. Dort hatte er den Palästinensern zusätzliche Hilfen
in Höhe von 60 Millionen Dollar in Aussicht gestellt und die
israelische Siedlungspolitik kritisiert. Diese sei nicht
vertrauensfördernd und vergrößere das Leiden der
Palästinenser nur, sagte Brown.
Israelis und Palästinenser hatten im November unter US-Vermittlung
Friedensgespräche aufgenommen. US-Präsident George W. Bush
hofft auf eine grundsätzliche Einigung noch vor dem Ende seiner
Amtszeit im Januar.
(Quelle: rtr)
Simbabwe: Mugabe und Tsvangirai unterzeichnen Grundsatzeinigung
Di.22.07.08 - Nach monatelangem politischem Tauziehen haben der simbabwische
Präsident Robert Mugabe und sein Rivale Morgan Tsvangirai in der
Hauptstadt Harare eine Grundsatzeinigung unterzeichnet. Im Beisein des
südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki vereinbarten Mugabe
und Tsvangirai formelle Verhandlungen zur Überwindung der Krise
nach dem Beginn der Präsidentschaftswahlen im März.
Tsvangirai sprach von einer "historischen Gelegenheit" für
Simbabwe. Mugabe kündigte eine Änderung der Verfassung an.
Beide Seiten hätten sich verpflichtet, ein "intensives
Arbeitsprogramm" zu bewältigen, sagte Mbeki. Die Verhandlungen
sollten "so schnell wie möglich" abgeschlossen werden. Mbeki
versucht seit über einem Jahr, im Auftrag der
Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) zwischen Mugabes
Partei ZANU-PF und der oppositionellen Bewegung für einen
demokratischen Wandel (MDC) von Tsvangirai zu schlichten. Der offiziell
verkündete Wahlsieg Mugabes bei der Präsidentschaftswahl
hatte heftige internationale Proteste ausgelöst, weil die
Anhänger Tsvangirais politisch verfolgt wurden und dieser
daraufhin auf seine Teilnahme an der Stichwahl verzichtet hatte. Beim
ersten Durchgang Ende März hatte Tsvangirai die meisten Stimmen
erhalten, aber knapp die absolute Mehrheit verfehlt.
(Quelle: afp)
USA werfen Iran mangelnde Ernsthaftigkeit vor
Di.22.07.08 - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat dem Iran mangelnde
Ernsthaftigkeit bei den internationalen Gesprächen über das
iranische Atomprogramm vorgeworfen. Iran habe die fünf
ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates und Deutschland
hingehalten, sagte sie am Montag. Es waren ihre ersten öffentlichen
Äußerungen über das Treffen, das am Wochenende in Genf
stattgefunden hatte.
Erstmals hatte sich in der Person von Staatssekretär William Burns
auch ein ranghoher US-Diplomat an direkten Gesprächen mit Teheran
beteiligt. Die iranische Regierung hatte die Forderung nach einem Stopp
seiner Uranreicherung erneut zurückgewiesen, sich aber zu weiteren
Verhandlungen bereiterklärt.
(Quelle: ap)
Russland und China legen nach 40 Jahren Grenzstreit bei
Di.22.07.08 - China und Russland legen nach 40 Jahren einen Territorialstreit an
ihrer 4.300 Kilometer langen Grenze bei, wie die staatlichen
chinesischen Medien am Montag meldeten. Russland werde zwei Inseln im
Nordosten Chinas am Zusammenfluss der Flüsse Heilongjiang (auf
russisch: Amur) und Wusulijiang an die Volksrepublik zurückgeben,
hieß es. Ein entsprechendes Abkommen werde während des
Besuchs des russischen Außenministers Sergej Lawrow am Montag in
Peking unterzeichnet.
Das Ende des Grenzstreits ist ein weiterer Hinweis für das enger
werdende Verhältnis zwischen Moskau und Peking, die einst im Kalten
Krieg sich als Rivalen im kommunistischen Lager gegenüberstanden.
Beide Staaten wollen auf der Weltbühne ein Gegengewicht zu der als
übermächtig empfundenen Supermacht USA bilden. Peking
wünscht außerdem, sich den Zugang zu den russischen Öl-
und Gasvorkommen zu sichern und ist ein Großkunde der russischen
Rüstungsindustrie.
(Quelle: ap)
Verfassung besiegelt konstitutionelle Monarchie in Bhutan
Di.22.07.08 - Mit der Verabschiedung einer neuen Verfassung ist die absolute
Monarchie in Bhutan nach fast 100 Jahren formell beendet worden. Fortan
bezeichnet sich der kleine Himalaya-Staat als konstitutionelle
Monarchie. Der Wandel wurde von König Jigme Keshar Namgyal
Wangchuck persönlich initiiert, und der 28-Jährige war auch
der erste, der die neue Verfassung unterzeichnete, wie am Montag im
Nachbarland Indien bekanntwurde.
Demnach bleibt der König weiterhin Staatsoberhaupt und behält
einen beträchtlichen Einfluss auf die Geschicke Bhutans. Die
politischen Entscheidungen liegen jedoch beim Parlament und der neuen
Regierung unter Ministerpräsident Jigmi Thinley. Zudem kann das
Parlament mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit den Monarchen absetzen. Dies
scheint jedoch kaum zur Debatte zu stehen, da aus der ersten
Parlamentswahl im März die Royalisten als eindeutige Sieger
hervorgingen. In dem zwischen Indien und China gelegenen
Königreich, das bislang völlig abgeschottet war, leben etwa
600.000 Menschen.
(Quelle: ap)
Kolumbien: FARC-Anführer wollen bewaffneten Kampf nicht aufgeben
Di.22.07.08 - Die FARC-Rebellen in Kolumbien wollen ungeachtet aller Appelle am
bewaffneten Kampf festhalten. Die Guerilleros würden weiterhin
Gewalt einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen, heißt es in einer
von den FARC-Anführern Rodrigo Granda und Jesus Santrich
unterzeichneten Erklärung, die am Sonntag im Internet
veröffentlicht wurde. Sie wurde demnach nach einer Rede des
venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez verfasst, der die Rebellen
Anfang Juni aufgeforderte hatte, ihre Waffen niederzulegen und ihre
Geiseln freizulassen.
Die Präsidenten von Ecuador und Bolivien haben ähnliche
Appelle an die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC)
gerichtet. Die Rebellen kämpfen seit 44 Jahren gegen die
Regierung. Durch die jüngste Geiselbefreiung, mehrere
Militärschläge und den Tod des früheren Kommandanten
gilt die Organisation als stark geschwächt.
(Quelle: ap)
15 Personen bei Inspektion von französischer Atomanlage
kontaminiert
Di.22.07.08 - Schon zum dritten Mal binnen zwei Wochen ist es zu einem Zwischenfall
in einer französischen Atomanlage gekommen. Bei 15 Mitarbeitern
der Zentrale Saint-Alban im Südosten des Landes wurden Ende
vergangener Woche leichte Spuren einer Kontamination festgestellt, wie
der Stromkonzern EDF am Montag bekannt gab. Die Experten seien nach der
Inspektion einer Baustelle untersucht worden, dabei seien leichte
Spuren von radioaktiven Elementen gefunden worden.
Die Kontamination sei aber ohne gesundheitliche Konsequenzen, und die
Betroffenen hätten ohne Behandlung nach Hause gehen können,
erklärte EDF. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, um den
Grund der Verstrahlung herauszufinden.
Erst vor zwei Wochen waren in der Atomanlage Tricastin 74 Kilogramm
Uran ausgetreten und in zwei Flüsse gelangt. Am Donnerstag wurde
zudem ein undichtes Kanalisationsrohr in einer Brennstäbefabrik in
Romans-sur-Isère entdeckt, aus dem zwischen 120 und 750 Gramm
Uran ausgelaufen waren. Die Pannen hatten zu scharfen Protesten von
Atomgegnern geführt.
(Quelle: ap)
Europas Banken drohen wegen Konsumkrediten Milliardeneinbußen
Di.22.07.08 - Nach US-Ramschhypotheken drohen Konsumkredite das nächste
Milliardengrab für europäische Banken zu werden.
Einer Studie der Beratungsfirma Oliver Wyman und des
Kredit-Dienstleisters Intrum Justitia zufolge stehen den Instituten in
den nächsten drei Jahren Belastungen wegen problematischer
Privatdarlehen von 120 Milliarden Euro ins Haus. Die Eintrübung
des konjunkturellen Umfelds und sinkende Häuserpreise führten
zu einem drastischen Anstieg der Risikovorsorge für Konsumkredite
und private Hypotheken, sagte Wyman-Partner Matthew Sebag-Montefiore am
Montag. Hinzu kämen Wertberichtigungen für diese Darlehen in
den Büchern der Institute. Dabei seien Banken in Spanien,
Großbritannien und Irland wohl am härtesten betroffen.
Experten warnen seit einiger Zeit, dass mit dem Wirtschaftsabschwung
Konsumkredite vermehrt ausfallen könnten. Insbesondere in den USA
und Großbritannien ist der private Verbrauch stark auf Pump
finanziert - oft über Hypotheken auf das eigene Heim. In
Deutschland spielen diese Kredite dagegen bislang eine kleinere Rolle.
Allerdings wurden viele der in den USA begebenen Darlehen von den
Banken in Wertpapiere gebündelt und weltweit weiterverkauft.
(Quelle: rtr)
Konjunktur trübt sich in Deutschland ein - Industrieproduktion im
Frühjahr gesunken - Keine Impulse vom Privatkonsum
Di.22.07.08 - Nach dem Wirtschaftsboom zu Jahresanfang hat sich die Konjunktur in
Deutschland nach Einschätzung der Bundesbank deutlich
abgekühlt. Die Industrieproduktion sei im Mai gegenüber dem
Vormonat um 2,6 Prozent gesunken, schrieben die Experten in ihrem am
Montag veröffentlichten Monatsbericht für Juli. Die Ausfuhren
hätten an Schwung verloren und der private Konsum habe wegen der
deutlich gestiegenen Energiekosten einen empfindlichen Dämpfer
erhalten.
Laut Bundesbank ist die Produktion im April und Mai gegenüber dem
Vorquartal um 1,8 Prozent gesunken. Auch die Umsätze in der
Industrie fielen schwächer aus, vor allem das Inlandsgeschäft
sei davon betroffen gewesen, berichtete die Bundesbank. Der
Auftragseingang in der Industrie sank den Angaben zufolge im Mai
saisonbereinigt um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat.
Im Durchschnitt der Monate April und Mai stellte die Bundesbank einen
Rückgang bei den Aufträgen von 2,7 Prozent gegenüber dem
Vorquartal fest. Dabei wurden vor allem weniger Investitions- und
Konsumgüter geordert, insbesondere der bisher erfolgsverwöhnte
Maschinenbau musste zuletzt größere Einbußen
hinnehmen. Ein Plus verzeichneten dagegen die Hersteller von
EDV-Geräten und Elektrotechnik.
Die Lieferungen von Waren made in Germany ins Ausland sind der
Bundesbank zufolge im Mai dem Wert nach deutlich gefallen, während
die Einfuhren leicht stiegen. Wenig Impulse für die Konjunktur
kamen im Frühjahr den Angaben zufolge von dem Privatkonsum.
«Trotz anhaltend günstiger Arbeitsmarktentwicklung und
höherer Tarifabschlüsse in der diesjährigen Lohnrunde
blieb die Verbrauchskonjunktur weiterhin schwach», erklärte
die Bundesbank. Grund dürften vor allem die kräftig
gestiegenen Energiekosten sein, die das Budget der Verbraucher belasten
und die Bereitschaft zu Anschaffungen dämpfen.
(Quelle: ap)
Volkswagen fährt Auslieferungsrekord ein - 3,27 Millionen Autos im
ersten Halbjahr 2008 verkauft - Bestmarke in China erreicht
Di.22.07.08 - Trotz der eher mauen weltweiten Autokonjunktur hat der
Volkswagen-Konzern im ersten Halbjahr 2008 einen Auslieferungsrekord
aufgestellt. Der Autobauer teilte am Montag in Wolfsburg mit, in den
ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres seien weltweit 3,27
Millionen Fahrzeuge ausgeliefert worden. Allein in China sei mit einem
Absatz von 531.600 Autos ein Plus von 23,2 Prozent erzielt worden.
Für den Monat Juni allein verzeichnet VW ein Plus von 2,4 Prozent
auf 573.000 Auslieferungen weltweit.
Für Europa war hingegen ein deutlich geringerer Zuwachs zu
vermelden. Hier kletterte die Zahl der Auslieferungen um 1,3 Prozent auf
1,84 Millionen Fahrzeuge. Deutschland schnitt dabei mit einem Plus von
3,7 Prozent auf 534.000 Autos vergleichsweise gut ab. Dagegen verkaufte
der Konzern «im weiter von einer Gesamtmarktschwäche
geprägten Westeuropa» ohne Deutschland nur 1,07 Millionen
Fahrzeuge und damit 3,6 Prozent weniger.
Konzernintern sah die Aufteilung bei den ausgelieferten Fahrzeugen so
aus: Die volumenstärkste Konzernmarke Volkswagen Pkw steigerte den
Absatz um 5,8 Prozent auf 1,9 Millionen Fahrzeuge. Audi legte nach
Konzernangaben 1,4 Prozent auf 516.000 Pkw zu, Skoda steigerte sich um
17,9 Prozent auf 367.000 Autos. Einen Rückgang verzeichnete dagegen
die Marke Seat, die 7,5 Prozent auf 206.000 Fahrzeuge nachgab.
Volkswagen-Nutzfahrzeuge erzielten mit 264.000 ausgelieferten Fahrzeugen
ein Plus von 12,9 Prozent.
Konzernvertriebschef Detlef Wittig erklärte, Volkswagen sehe
«zunehmend Gewitterwolken auf die weltweiten Automobilmärkte
zukommen.» Trotzdem habe sich der Konzern sowohl im Juni als auch
im ersten Halbjahr 2008 besser entwickelt als die Gesamtmärkte und
bei den Marktanteilen weltweit zugelegt.
(Quelle: ap)
Steuereinnahmen im Juni kräftig gestiegen
Di.22.07.08 - Die Steuereinnahmen in Deutschland sind im Juni weiter kräftig
gestiegen. Bund, Länder und Gemeinden haben im Juni zusammen 51,8
Milliarden Euro eingenommen, wie aus dem am Montag veröffentlichten
Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums (BMF) hervorgeht. Das
entspricht einem Anstieg um 4,9 Prozent gegenüber dem
Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr 2008 erhöhten sich die
Steuereinnahmen um 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf
249,7 Milliarden Euro.
In die Kassen des Bundes sind im Juni 25,1 Milliarden Euro und damit
3,5 Prozent mehr an Steuern geflossen als im Juni 2007. Die
Bundesländer konnten im Juni mit Steuereinnahmen von 22,1
Milliarden Euro ein Steuerplus von 4,5 Prozent gegenüber dem
Vorjahresmonat verbuchen.
Die Lohnsteuer ist im Juni um 7,4 Prozent gegenüber dem
Vorjahresmonat auf knapp 12 Milliarden Euro gestiegen. Bei der
veranlagten Einkommensteuer lagen die Einnahmen bei 8,7 Milliarden und
damit um 15,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat.
(Quelle: ddp)
Arbeitsminister will über Mindestlohn für Zeitarbeiter weiter
beraten
Di.22.07.08 - Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) hält die Absage von
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an einen Mindestlohn für Zeit-
und Leiharbeiter offenbar nicht für das letzte Wort. Scholz setze
auf die Absprache der Koalition, über die Aufnahme von acht
weiteren Branchen in das Entsendegesetz in einer Arbeitsgruppe unter
seiner Leitung zu beraten, sagte Scholz' Sprecher Stefan Giffeler am
Montag in Berlin. Entschieden werden solle nach «klaren
Kriterien».
Zuvor hatte sich Merkel offen gegen Scholz gestellt und die Aufnahme
der Zeitarbeitsbranche in das Entsendegesetz abgelehnt. «Es gibt
zwar unterschiedliche Tarifverträge, aber es gibt kein Lohndumping
in der Zeitarbeit», hatte Merkel am Sonntagabend gesagt. Die SPD
hatte schon am Wochenende mit scharfer Kritik reagiert und von einer
schweren Belastung für die Koalition gesprochen.
(Quelle: ap)
Metall-Arbeitgeber lehnen Inflationszuschlag ab
Di.22.07.08 - Die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie müssen
nach Ansicht des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall in der bevorstehenden
Lohnrunde trotz hoher Inflation ein Stück zurückstecken.
«Wenn die Spatzen die Abkühlung der Weltkonjunktur von den
Dächern pfeifen, dürfen wir davor nicht die Ohren
verschließen», sagte Gesamtmetall-Präsident Martin
Kannegiesser dem «Handelsblatt» (Dienstagsausgabe). Er
erteilte damit den IG-Metall-Forderungen nach einem Inflationszuschlag
für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metallindustrie eine
deutliche Absage.
Da auch die Unternehmen durch die hohen Energie- und Rohstoffpreise
erheblich belastet seien, «können wir abgeflossene Kaufkraft
ebenso wenig durch Lohnerhöhungen zurückholen wie die
Zentralbank durch Gelddrucken», warnte Kannegiesser. Im
Übrigen seien die deutschen Metallarbeitnehmer «nach wie vor
die bestbezahlten der Welt».
Die neue Lohnrunde für die 3,6 Millionen Beschäftigten der
Metall- und Elektroindustrie beginnt nach der Sommerpause. Im September
will die Gewerkschaft ihr Forderungspaket vorlegen. Erste regionale
Gremien haben sich bereits für einen ausdrücklichen
Lohnzuschlag wegen der hohen Teuerung starkgemacht. Zudem hatte der
nordrhein-westfälische IG-Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard
für eine höhere Lohnforderung als in der zurückliegenden
Tarifrunde 2007/2008 plädiert. Damals hatte die Gewerkschaft 6,5
Prozent mehr Lohn verlangt.
(Quelle: ddp)
Laut Wirtschaft tausende Lehrstellen frei - DGB sieht Lehrstellenmarkt
weiter kritisch
Di.22.07.08 - Wenige Wochen vor Beginn des neuen Lehrjahres suchen viele Betriebe
noch immer händeringend nach geeigneten Auszubildenden. Laut einer
Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) sind vor
allem in Ostdeutschland noch Tausende Lehrstellen unbesetzt. Am
stärksten von dem Mangel betroffen seien Einzelhandel,
Gastronomie, Metallindustrie, der Bereich Technik/IT sowie
Bürofachkräfte. Der DGB sieht angesichts der mehr als 300.000
unversorgten Altbewerber aber noch keinen Anlass zur Entwarnung.
Wie DIHK-Sprecherin Ute Brüssel am Montag auf Anfrage
erläuterte, gibt es vor allem zwei Gründe für den Mangel
an Bewerbern. Zum einen würden aufgrund der verbesserten
Konjunktur von den Unternehmen wieder mehr Lehrstellen angeboten. Zum
andern gebe es gerade in den östlichen Bundesländern wegen
der demografischen Entwicklung und der Abwanderung einfach zu wenig
Schulabgänger.
Ein dritter Grund ist aber offenbar auch mangelnde Qualifikation einer
Reihe von Bewerbern. Die DIHK-Expertin sprach von einer vielfach
fehlenden «Ausbildungsreife», die zum Teil noch durch
nachgeholte Qualifikation und Bildung ausgeglichen werden kann, wie
Brüssel erläuterte.
DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun forderte Schulabgänger ohne
Lehrstelle in der «Bild»-Zeitung auf, sich rasch zu
bewerben. «Es sind so viele Plätze frei wie schon lange
nicht mehr. Unternehmen suchen oft händeringend Auszubildende -
nahezu bundesweit und in fast allen Branchen», wird er zitiert.
Auch sogenannte Aschenputtel-Berufe abseits der Modeberufe könnten
sich als «das große Los» erweisen, sagte Braun.
Vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1. August oder 1. September ist
besonders in den ostdeutschen Städten das Angebot deutlich
größer als im Vorjahr. So gibt es in Erfurt mit 1.102 noch
freien Plätzen 245 Prozent mehr Stellen als 2007. Aus Gera wurden
noch 180 unbesetzte Lehrstellen gemeldet, in Cottbus sind es 465 und in
Suhl 665.
Aber auch in Berlin gibt es nach der Erhebung mit 1.519 freien
Plätzen rund ein Drittel mehr unbesetzte Stellen für
Auszubildende als im Vorjahr. In Ulm sind es mit 700 offenen Stellen
ein Viertel mehr als 2007, in Hamburg sind noch 609
Ausbildungsplätze unbesetzt, in Regensburg 600, in München
598, in Freiburg 450, in Stuttgart mindestens 420, in Leipzig 380, in
Frankfurt am Main 373, in Wuppertal 250, in Heilbronn 245, in Bochum
185, in Dresden 165, in Essen 80, Kassel 45 und in Trier 34.
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock sieht die Lage
auf dem Lehrstellenmarkt dennoch weiter kritisch. Zwar gebe es aktuell
einen Zuwachs an neuen Ausbildungsplätzen, räumte sie ein.
Das bessere Verhältnis zwischen Lehrstellensuchenden und
gemeldeten Plätzen sei aber vor allem auf die deutliche Abnahme
der Zahl gemeldeter Bewerber zurückzuführen. Nach Angaben der
Bundesagentur für Arbeit hätten im Juni noch immer 145.900
betriebliche Ausbildungsstellen gefehlt.
Nun komme es darauf an, die 385.000 Altbewerber zu versorgen, die in
den vergangenen Jahren leer ausgingen und noch immer auf eine
Lehrstelle hofften. Im Übrigen sollten die Unternehmen und auch
Jugendliche ausbilden, die keine Spitzenzeugnisse, dafür aber
andere Fähigkeiten mitbrächten, sagte die stellvertretende
Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
(Quelle: ap)
Mädchen bei rechtsextremistischem Überfall
lebensgefährlich verletzt
Di.22.07.08 - Bei einem Überfall von Rechtsextremisten auf ein Jugendsommercamp
der Linken in Nordhessen ist ein 13-jähriges Mädchen
lebensgefährlich verletzt worden. Ihr 23-jähriger Bruder
erlitt bei dem Angriff mehrerer schwarz gekleideter und maskierter
Personen leichte Verletzungen. Gegen einen 19 Jahre alten
Rechtsextremisten wurde Haftbefehl wegen versuchten Totschlags
erlassen, wie Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung am Montag in Kassel
mitteilte.
Mit einem Klappspaten und Bierflaschen soll der Mann bei dem
Überfall am Sonntagmorgen am Neuenhainer See bei Homberg (Efze)
auf das Mädchen eingeschlagen haben, das sich mit dem Bruder ein
Zelt teilte und dort schlief. Die 13-Jährige befinde sich
mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr, sagte Jung. Der
mutmaßliche Täter habe angegeben, dass er zwar nicht in der
lokalen rechtsextremistischen Szene organisiert sei, aber ihren Ideen
anhänge.
Von insgesamt sieben nach dem Überfall überprüften
Personen wurden sechs wieder auf freien Fuß gesetzt. Den
Ermittlungen zufolge hatten Mitglieder des Sommercamps der
Jugendorganisation der Linken am Samstag in Schwalmstadt-Treysa gegen
rechte Gewalt demonstriert. Dabei sollen Rechte provoziert haben, unter
ihnen der 19-Jährige, wie Jung weiter mitteilte. Die Polizei nahm
die Personalien der Störer auf. Am nächsten Morgen wurde dann
das Camp angegriffen.
Die hessische Linke sprach am Montag von «vermummten
Neonazis». Pressesprecher Achim Kessler äußerte sich
«zutiefst erschüttert über diesen brutalen
Angriff» und wies Ministerpräsident Roland Koch (CDU) eine
«indirekte Mitverantwortung» zu. Der CDU-Politiker habe die
Linke «mit demagogischen Argumenten aus dem Arsenal des Kalten
Krieges» angegriffen, um sich am rechten Rand der Gesellschaft zu
profilieren.
Die CDU-Fraktion im hessischen Landtag entgegnete, Versuche der
Linkspartei, den Angriff auf die Jugendlichen «durch Attacken
gegen den Ministerpräsidenten für platte und parteipolitische
Zwecke zu instrumentalisieren», seien unwürdig und
verwerflich. Es müsse das Anliegen aller demokratischen Parteien
sein, gegen Extremismus gemeinsam vorzugehen.
Der Sprecher des hessischen Innenministeriums, Thorsten Neels,
kritisierte den Landesverband der Linken für seine
Informationspolitik. Man sei äußerst
«äußerst irritiert» darüber, dass der
Verband bereits vor der Staatsanwaltschaft über den Fall berichtet
habe. Damit habe die Linke Informationen verbreitet, die das
Ministerium nicht öffentlich an die Obleute der Landtagsfraktionen
im Innenausschuss gegeben habe.
(Quelle: ap)
Deutsche Aidshilfe fordert Zulassung von Heroin als Medikament
Di.22.07.08 - Die Deutsche Aidshilfe hat ihre Forderung erneuert, Heroin als
Medikament für Drogensüchtige zuzulassen. CDU und CSU sollten
endlich einer Änderung des Betäubungsmittelgesetzes zustimmen,
sagte der Geschäftsführer der Aidshilfe, Escobar
Pinzón, in Berlin aus Anlass des Gedenktages für verstorbene
Drogenabhängige am Montag. Chemisch reines Heroin (Diamorphin)
könnte dann für die ärztlich kontrollierte Behandlung
von Heroinabhängigen eingesetzt werden.
Pinzón wies darauf hin, dass sich in einem Modellprojekt der
Gesundheitszustand der Abhängigen durch Diamorphin deutlich
verbessert habe und die Beschaffungskriminalität
zurückgegangen sei. Nach Angaben der Bundesregierung starben 2007
in Deutschland 1.394 Menschen durch Drogen. Damit stieg die Zahl der
Drogentoten gegenüber 2006 um 7,6 Prozent.
Der Modellversuch mit ärztlicher Heroin-Vergabe war 2002 mit rund
1.000 Abhängigen gestartet worden und 2006 ausgelaufen. Beteiligt
sind die Städte Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Karlsruhe,
München, Köln und Bonn. Seit 2006 bekommen die
Heroinabhängigen das Diamorphin auf der Grundlage von
Ausnahmegenehmigungen. Diese reichen teils bis 2010. Die
CDU/CSU-Fraktion im Bundestag sperrt sich indes dagegen, einer
Verlängerung des Projekts zuzustimmen.
Der Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige am 21. Juli
wurde zum zehnten Mal von Aids- und Drogenhilfen, Selbsthilfegruppen und
Aktionsbündnissen veranstaltet. In rund 30 Städten
waren Mahnwachen, Gottesdienste, Vorträge und
öffentliche Kundgebungen geplant. Die zentrale Kundgebung fand in
Wuppertal statt.
(Quelle: epd)