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Irak 1583 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Obama trifft sunnitische Stammesfürsten in Ex-Al-Kaida-Hochburg. Deutschlands Kanzlerin Merkel will neues Irak-Kapitel aufschlagen

Mi.23.07.08 - US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat auf seiner internationalen Wahlkampfreise im Irak die einstige Al-Kaida-Hochburg Anbar besucht.

In der Wüsten-Provinz westlich von Bagdad traf er am Dienstag nach irakischen Angaben sunnitische Stammesfürsten, die sich im Laufe des Irak-Kriegs auf die Seite der US-Truppen geschlagen und damit maßgeblich zum Rückgang der Gewalt in dem Golfstaat beigetragen hatten.

Der Anführer einer von den USA unterstützten Allianz sunnitischer Stämme, Ahmed Abu Rischa, sagte nach dem Treffen, er habe Obama nahegelegt, bei dem von dem Senator beabsichtigten Abzug der US-Truppen sehr vorsichtig vorzugehen. "Wir haben ihm gesagt, dass ein Abzug der US-Streitkräfte nur dann möglich ist, wenn die irakischen Truppen fähig und bereit sind, mit der Sicherheitslage in der Provinz fertig zu werden", sagte Abu Rischa der Nachrichtenagentur Reuters.

Obama peilt im Falle eines Wahlsiegs einen Abzug binnen 16 Monaten an. Am Montag hatte er sich mit Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki getroffen. Der Regierungschef habe die Hoffnung geäußert, dass die US-Soldaten bis 2010 das Land verlassen haben könnten, teilte das Obama-Lager danach mit.

Der Irak ist nach Afghanistan Obamas zweite große Station auf der Mehrländer-Reise, mit der er im Wahlkampf sein außenpolitisches Profil schärfen will. Gerade auf diesem Feld beansprucht sein Rivale John McCain mehr Kompetenzen. Am Donnerstag wird Obama in Berlin erwartet. Außerdem liegen noch Jordanien, Israel, Frankreich und Großbritannien auf seiner Route.

Nach Jahrzehnten von Diktatur und Krieg im Irak will Deutschland die Beziehungen mit dem verwüsteten Öl-Staat trotz aller Sicherheitsprobleme neu aufbauen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach am Dienstag nach ihrem ersten ausführlichen Meinungsaustausch mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki in Berlin von der «Möglichkeit, ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und dem Irak aufzuschlagen». Al-Maliki lud die deutsche Wirtschaft bei seinem ersten Deutschland-Besuch mehrfach zu Handel und Investitionen ein. Die Bundesregierung will weitere Flüchtlinge aus dem Irak aufnehmen.

Unterschiedlich bewerteten Merkel und Al-Maliki die Sicherheitslage in dem Land, in dem immer noch rund 130 000 US- Soldaten und rund 4000 britische Militärangehörige stationiert sind. Nach den Worten des irakischen Ministerpräsidenten hat sich die Sicherheitslage, von der ein breites Engagement der deutschen Wirtschaft abhängig ist, in den vergangenen sechs Monaten entscheidend verbessert. «Wir sind in der Lage, die Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen», sagte Al-Maliki.

Von einer notwendigen Unterstützung durch das amerikanische und britische Militär sprach Al-Maliki, der mit dem demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama am Vortag über die Zukunft des US-Militäreinsatzes in seinem Land diskutiert hatte, nicht mehr. Er versprach den Unternehmen unmittelbaren Schutz. Irak ist einer der größten Erdölproduzenten der Welt. Das Land verfügt mit bis zu 120 Milliarden Barrel (je 159 Liter) über die drittgrößten Erdölvorkommen.

Merkel äußerte sich weit vorsichtiger. Für die Kanzlerin ist die Sicherheitslage «auf dem Weg der Besserung». Man könne nicht sagen, dass alles sicher sei. Bei der Beurteilung müsse nach den verschiedenen Regionen unterschieden werden. Die Lage in den kurdischen Gebieten im Norden und in der südlichen Stadt Basra sei besser als in anderen Landesteilen.

Al-Maliki warb insbesondere um Hersteller von Stahl und Baustoffen zum Wiederaufbau der Infrastruktur. Die BASF-Tochter Wintershall bemüht sich unabhängig davon um Öl-Förderlizenzen. Al-Maliki und Merkel erklärten, beide Seiten wollten an die engen Handelsbeziehungen der Vergangenheit anknüpfen. «In den 70er und 60er Jahren war die deutsche Wirtschaft für den Irak einer der wichtigsten Handelspartner überhaupt. Daran können wir anknüpfen», sagte auch der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Axel Nitschke, der «Passauer Neuen Presse». Konkrete Großaufträge sind aber offensichtlich noch nicht unter Dach und Fach.

Am Mittwoch will Al-Maliki gemeinsam mit Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) an einem deutsch-irakischen Wirtschaftsforum in Berlin teilnehmen. Glos hatte kürzlich als erster deutscher Minister nach dem Sturz des irakischen Diktators Saddam Husseins Bagdad besucht. Merkel sagte Al-Maliki auch Unterstützung beim Aufbau eines föderalen Staatswesens im Irak zu.

Ungeachtet der EU-Pläne um die verstärkte Aufnahme von Irak-Flüchtlingen sagte Al-Maliki, dass sein Land keinen Staatsbürger verlieren wolle. Er betonte, dass es auch keine Diskriminierung von Christen gebe. «Wir sind stolz auf alle.» Seine Regierung werde alles tun, um Christen in den Irak zurückzuholen. Mehrere 100 000 Flüchtlinge aus dem Irak leben derzeit in Nachbarländern. An diesem Donnerstag wollen die EU-Innenminister über ein gemeinsames Vorgehen bei der Aufnahme beraten. Seit Beginn des Krieges vor fünf Jahren sind rund 2,5 Millionen Iraker ins Ausland geflüchtet. Nach UN-Schätzungen verlassen monatlich weiter etwa 60 000 Iraker ihr Land.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) setzt weiter auf die verstärkte Aufnahme irakischer Flüchtlinge. Vor dem EU-Treffen dämpfte er aber Hoffnungen, dass sich die Runde bereits auf eine bestimmte Zahl von Flüchtlingen einigen und diese auf die Mitgliedstaaten verteilen könne. Schäuble meldete Zweifel an, dass sich das Land bereits so stabilisiert habe, dass sich die Aufgabe nicht mehr stelle. Bereits heute nehme Deutschland monatlich rund 600 Menschen aus dem Irak auf. Angesichts von Kritik aus den Ländern verwies er auf einen einstimmigen Beschluss der deutschen Innenminister zugunsten verstärkter Aufnahme. «Ich mache Schritt für Schritt, was wir gemeinsam beschlossen haben.»

boa (Quellen: rtr, dpa)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 23.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundneunzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mo.23.07.07 - Erneut direkte Gespräche zwischen USA und Iran zur Lage im Irak +++ US-Soldaten stürmen Gefängnis in Bagdad +++ Bei Razzien und Anschlägen kamen am Wochenende rund 30 Iraker ums Leben... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707230.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

McCain setzt auf scharfe Sanktionen im Streit mit Iran

Mi.23.07.08 - US-Präsidentschaftskandidat John McCain will den Iran mit scharfen Sanktionen von seinen Drohungen gegen Israel abbringen. Die USA und Europa könnten «erhebliche, sehr schmerzhafte» Strafmaßnahmen verhängen, die Teheran möglicherweise dazu brächten, sein Verhalten gegenüber Israel zu ändern, sagte McCain am Montag in einem Interview des israelischen Fernsehsenders Channel 2.

Auf die Frage nach einem möglichen Militäreinsatz gegen den Iran antwortete McCain, er hoffe, dass es niemals dazu komme und sich die Regierung in Jerusalem nicht so sehr bedroht fühle. Die Vereinigten Staaten würden aber «niemals einen zweiten Holocaust erlauben», betonte der republikanische Politiker. Im Streit mit Teheran gebe es zahlreiche Möglichkeiten, die seiner Meinung nach noch nicht ausreichend ausgereizt seien, sagte der Senator weiter. Israel betrachtet den Iran wegen dessen umstrittenen Atomprogramms als strategische Bedrohung.

(Quelle: ap)
 



 

Drei Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul

Mi.23.07.08 - Bei einem Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat ein Selbstmordattentäter nach offiziellen Angaben am Dienstag drei Menschen mit in den Tod gerissen.

Ein weiterer sei verletzt worden, sagte ein Polizeimitarbeiter, der ungenannt bleiben wollte. Bombenanschläge in Kabul sind im Vergleich zu Attentaten im Westen und Osten des Landes, die als Hochburgen der radikal-islamischen Taliban gelten, eher selten.

(Quelle: rtr)
 



 

Nahost-Konflikt:  Peres empfängt Abbas erstmals in Präsidentenresidenz

Mi.23.07.08 - Israels Präsident Schimon Peres hat seinen palästinensischen Kollegen Mahmud Abbas erstmals in seinem Jerusalemer Dienstsitz empfangen.

Obwohl sich die beiden Männer schon mehrmals getroffen haben, ist es der erste Besuch eines palästinensischen Präsidenten im "Beit Hanasi", der Residenz des israelischen Präsidenten.

"Ich bin voller Zuversicht, dass die Probleme gelöst werden", sagte Peres nach der Begrüßung von Abbas auf dem roten Teppich am Dienstag. Abbas sei der gewählte Führer der Palästinenser und sei standhaft gegen die Hamas geblieben. Darum verdiene er es, auf ehrenhafte Weise empfangen zu werden. Zum ersten Mal wurde zum offiziellen Fototermin auch die palästinensische Flagge neben der israelischen aufgestellt. Bei den Friedensgesprächen zwischen Abbas und dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert in Olmerts Dienstsitz fehlte die Fahne der Palästinenser bisher.

(Quelle: rtr)
 



 

EU verschärft Sanktionen gegen Simbabwe

Mi.23.07.08 - Nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Simbabwe hat die EU schärfere Sanktionen gegen das südafrikanische Land verhängt. Die europäischen Außenminister beschlossen in Brüssel, die Liste der in Europa "unerwünschten Personen" um 37 Simbabwer zu erweitern, die Präsident Robert Mugabe nahestehen. Damit gelten nun fast 170 Simbabwer in der EU als unerwünscht. Erstmals verhängte die EU auch Sanktionen gegen vier Firmen, welche die Regierung Mugabes unterstützen. Das Vermögen der Unternehmen wie auch der Mugabe-Anhänger wird eingefroren.

Der Schritt der EU kam ungeachtet eines Grundsatzabkommens, das der simbabwische Präsident Robert Mugabe und Oppositionsführer Morgan Tsvangirai am Montag schlossen. Mugabe sagte zu, mit Tsvangirai formelle Gespräche zu einer Überwindung der Krise aufzunehmen.

Der 84-jährige Mugabe war Ende Juni für eine sechste Amtszeit an der Spitze des Staates vereidigt worden, nachdem er als alleiniger Kandidat bei der Stichwahl angetreten war. Der Wahlgang wurde vom Westen als "Farce" kritisiert. Tsvangirai hatte den ersten Durchgang der Wahl Ende März für sich entschieden, sich aber wegen einer Einschüchterungskampagne gegen seine Anhänger nicht an der Stichwahl beteiligt.

(Quelle: afp)
 



 

Indische Regierung übersteht Vertrauensabstimmung

Mi.23.07.08 - Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh hat nach heftiger Debatte am Dienstag eine Vertrauensabstimmung im Parlament gewonnen. 275 Abgeordnete stimmten für Singhs Regierung, 256 dagegen. Notwendig wurde das Votum, nachdem sich mehrere linksgerichtete Parteien aus Protest gegen ein geplantes Atom-Abkommen mit den USA aus der Koalition zurückgezogen hatten.

Die Vereinbarung sieht vor, dass Indien seine zivilen Atomreaktoren durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) kontrollieren lässt und dafür Brennelemente und Technologie importieren darf. Weil die Nuklearmacht dem Atomwaffensperrvertrag bislang nicht beigetreten ist, war ihr der Zugang zu ausländischer Technik bislang verwehrt.

(Quelle: ap)
 



 

Venezuela und Russland verstärken Zusammenarbeit bei Energie

Mi.23.07.08 - Russland und Venezuela haben eine Verstärkung ihrer Zusammenarbeit im Energiesektor vereinbart. Der russische Präsident Dmitri Medwedew empfing seinen venezolanischen Kollegen Hugo Chávez in seiner Residenz in Barwicha bei Moskau. Russland und Venezuela seien zwei große Öl- und Gasmächte, deren Handeln über die Frage der Energiesicherheit bestimme, sagte Medwedew bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. "Wir werden zusammenarbeiten, aber unsere Kooperation richtet sich nicht gegen Drittstaaten", versicherte der russische Staatschef.

Die Idee, ein Gaskartell nach dem Vorbild des Ölkartells OPEC zu gründen, sei noch immer aktuell, fügte Medwedew hinzu. Diese Idee beunruhigt die von Gasimporten abhängigen Staaten, die einen Einfluss auf die Preise des Rohstoffes fürchten.

Chávez und Medwedew nahmen an der Unterzeichnung mehrerer Kooperationsvereinbarungen zwischen den drei russischen Konzernen Gazprom, Lukoil und TNK-BP sowie dem venezolanischen Konzern PDVSA teil. Die Konzerne vereinbarten eine Zusammenarbeit bei der Ölförderung und der Untersuchung der Gasvorkommen in Venezuela.

Bei einem Treffen mit dem russischen Regierungschef und Ex-Präsidenten Wladimir Putin in dessen Residenz in Nowo Ogarewo wollte Chávez über den Kauf russischer Waffen durch Venezuela sprechen. Nach russischen Angaben erwägt Venezuela den Kauf russischer Boden-Luft-Raketen vom Typ TOR-M1 sowie von Panzern und U-Booten. Putin sagte, Moskau wolle seine Wirtschaftsbeziehungen mit Caracas "in alle Richtungen" ausbauen. Er zählte unter anderem die Bereiche Verkehr, Raumfahrt und Militärtechnik auf. Chávez sagte, die Zusammenarbeit mit Russland im Bereich Militärtechnik sei für Venezuelas Verteidigung besonders wichtig.

An den Gesprächen in Nowo Ogarewo nahm auch der Chef der russischen Waffenexportbehörde, Sergej Tschemesow, teil. In den vergangenen Jahren hatte Russland bereits Rüstungsverträge in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar (rund 2,2 Milliarden Euro) mit Venezuela abgeschlossen. Caracas kaufte in Moskau zwei Dutzend Kampfflugzeuge, 50 Hubschrauber und 100.000 Kalaschnikow-Gewehre. Chávez ist ein Erzfeind der USA. Washington beobachtet die engen Beziehungen des venezolanischen Staatschefs zu Russland mit Argwohn.

(Quelle: afp)
 



 

WTO-Krisentreffen in Genf

Mi.23.07.08 - Zum Auftakt ihres Treffens zur Rettung der Welthandelsrunde sind Industrie- und Entwicklungsländer mit unterschiedlichen Positionen aufeinandergestoßen. EU-Handelskommissar Peter Mandelson forderte am Montag in Genf einen «fairen Beitrag der stärksten Entwicklungsländer», um die Welthandelsrunde erfolgreich abzuschließen. Die Entwicklungsländer verlangten einen besseren Zugang zu den Agrarmärkten des Nordens. Rund 40 führende Mitglieder der Welthandelsorganisation (WTO) bemühen sich bis Samstag um eine Einigung bei den stockenden Verhandlungen über die Öffnung der Agrar- und Industriemärkte.

Das Treffen gilt als möglicherweise letzte Chance, die 2001 in Doha (Katar) gestarteten Welthandelsgespräche zu retten. Die reichen Staaten auf der einen Seite und die Entwicklungsländer auf der anderen Seite streiten vor allem um die umfangreichen Hilfen für die Bauern des Nordens und den Zugang für Unternehmen des Nordens zu den Märkten des Südens. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (beide CSU) werden gegen Ende der Woche in Genf erwartet.

Auch Glos forderte Brasilien, Indien und China auf, Unternehmen aus Industrienationen den Zugang zu ihren Märkten zu erleichtern. "Neben der Stärkung des multinationalen Handelssystems geht es um einen Impuls für die Weltwirtschaft", schrieb er in der "Financial Times Deutschland" (Montagsausgabe).

«Eine begrenzte Zahl von Entwicklungsländern müssen Zollsenkungen akzeptieren», betonte EU-Handelskommissar Mandelson. Er will einen besseren Marktzugang für Produkte wie Maschinen, Autos und Chemiegüter aus den 27 EU-Ländern in Ländern wie Indien, China und Brasilien erreichen. Brasilianische Delegierte unterstrichen, dass sie die Forderung der EU noch ablehnen.

Die US-Handelsbeauftragte Susan Schwab verlangte ebenfalls einen besseren Zugang für die amerikanische Industrie zu den Märkten des Südens. «Wir wollen neue Möglichkeiten für unsere kleinen und großen Exporteure schaffen», sagte Schwab. Ein Durchbruch in Genf könne ein positives Signal für die kriselnde Weltwirtschaft sein. Zudem wäre eine erfolgreiche Welthandelsrunde ein großer Schub für den Kampf gegen die Armut, so die Vertreterin der USA.

Vertreter der Entwicklungsländer kritisierten die hohen direkten und indirekten öffentlichen Hilfen von 214 Milliarden Euro jährlich für die Bauern der reichen Länder. Die Regierungen des Nordens müssten auch die hohen Einfuhrzölle für Agrarimporte abbauen, verlangte die indonesische Handelsministerin Mari Pangestu.

Ägyptens Handelsminister Rachid Mohamed Rachid betonte, dass die stark gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise die ökonomische Lage vieler armer Länder noch verschärften. Es sei Zeit die Agrarsubventionen zu kappen, weil die Bauern des Nordens wegen der hohen Lebensmittelpreise gut verdienten. Er verurteilte besonders die hohen Subventionen für Biosprit, die in Zeiten von Hunger und Unterernährung nicht zu rechtfertigen seien.

Offizielles Ziel der 2001 gestarteten Welthandelsrunde ist die bessere Einbindung der Entwicklungsländer in die Globalisierung. WTO-Vertreter wiesen darauf hin, dass eine Einigung bei dem Genfer Treffen wegen des anstehenden Wechsels der US-Regierung nötig sei. Ab 2009 könnte eine neue Regierung in Washington das Interesse an den Welthandels-Gesprächen verlieren.

(Quelle: epd)
 



 

USA bietet Doha-Runde Senkung von Agrar-Suventionen an

Mi.23.07.08 - Die USA haben angeboten, ihre Obergrenze für Agrar-Subventionen auf 15 Milliarden Dollar zu senken.

Allerdings müssten im Gegenzug auch andere Länder ihre Märkte weiter öffnen, erklärte die US-Handelsbeauftragte Susan Schwab am Dienstag auf der WTO-Konferenz zum Abbau von Handelsschranken in Genf. Die Europäische Union begrüßte die Ankündigung als Schritt in die richtige Richtung. Schwellenländer kritisierten das Angebot hingegen als lachhaft.

Bislang liegt die gesetzliche Subventions-Obergrenze in den USA bei 48,2 Milliarden Dollar. Tatsächlich bezahlt das Land momentan jährlich aber nur sieben Milliarden Dollar Hilfszahlungen an seine Landwirte.

In einer ersten Reaktion sagte ein Vertreter Indiens, der Vorschlag bestehe noch nicht einmal den "Lach-Test". Auch Brasilien und andere Schwellenländer wiesen das Angebot als unzureichend zurück. "Es ist erst der zweite Verhandlungstag. Deshalb gehen wir davon aus, dass noch Verhandlungsraum besteht und wir die Grenze weiter senken können", sagte ein Diplomat. Die EU-Landwirtschafts-Kommissarin Mariann Fischer Boel erklärte, das Angebot bringe die Verhandlungen voran. Die angebotene Obergrenze wollte sie jedoch nicht bewerten.

(Quelle: rtr)
 



 

Serbien: Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Radovan Karadzic gefasst

Mi.23.07.08 - Der seit 13 Jahren wegen Kriegsverbrechen angeklagte frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic ist gefasst.

Er hatte sich in einem Vorort der serbischen Hauptstadt Belgrad aufgehalten und dort in einer Privatklinik als Spezialist für Alternativmedizin gearbeitet, teilte der serbische Verantwortliche für die Zusammenarbeit mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal, Rasim Ljajic, am Dienstag mit. Er präsentierte dazu ein Foto, auf dem ein dünner Mann mit langen Haaren, einem weißen Bart und Brille zu sehen ist. Karadzic soll im Stadtteil Neu-Belgrad mit falschen Dokumenten unter dem Namen Dragan Dabic gelebt haben. Der Ankläger des serbischen Kriegsverbrechertribunals, Vladimir Vukcevic, sagte, Karadzic sei "glücklich und frei in der Stadt umhergelaufen". "Selbst den Leuten, von denen er eine Wohnung gemietet hat, war seine wahre Identität nicht bewusst."

Karadzic zählt zusammen mit dem früheren General der bosnischen Serben Ratko Mladic zu den meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrechern des Balkankonflikts. Er ist wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 angeklagt und soll an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt werden. Mladic, der für das Massaker an 8000 bosnischen Muslimen 1995 in Srebrenica verantwortlich gemacht wird, ist weiter flüchtig.

Einzelheiten zur Festnahme gaben die serbischen Behörden nicht bekannt, um die Fahndung nach weiteren mutmaßlichen Kriegsverbrechern nicht zu erschweren.

Karadzics Festnahme erfolgte am Vorabend einer Tagung der EU-Außenminister, auf der über eine engere Kooperation mit Serbien beraten werden sollte. Die EU fordert dafür eine "vollständige Zusammenarbeit" Serbiens mit dem Strafgerichtshof. Die Festnahme von mutmaßlichen Kriegsverbrechern gilt als eine Voraussetzung dafür. Erst wenn dies erfüllt ist, kann das im April unterzeichnete Stabilisierungsabkommen der EU mit Serbien in Kraft treten. Es würde die Tür zu Verhandlungen über eine Aufnahme in die Union öffnen. EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn kündigte an, dass die in dem Abkommen vorgesehenen Handelserleichterungen bereits jetzt umgesetzt werden könnten.

Die EU zeigte sich erfreut über die Karadzics Festnahme. "Wir hoffen, dass Serbien auf diesem Wege weiter nach Kriegsverbrechern sucht, die noch in Freiheit sind", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Serbiens Außenminister Vuk Jeremic sagte dazu in Brüssel: "Wir meinen es ernst mit unserer Zukunft in Europa, das haben wir gestern demonstriert. Wir wollen Mitglied der EU sein, eine regionale Kraft für die regionale Stabilität." Zugleich kündigte der Minister an, er werde eine Rückkehr der Botschafter Serbiens in jene EU-Staaten empfehlen, aus denen sie wegen der Anerkennung des Kosovo abgezogen worden seien.

Die Festnahme wurde von zahlreichen Politikern begrüßt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: "Die Opfer dürfen wissen: Massive Menschenrechtsverletzungen bleiben nicht ungestraft." Die Festnahme sei ein "wesentlicher Schritt zu Gerechtigkeit, Frieden und Aussöhnung in der Region." Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Festnahme.

In der der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, die von den Truppen der bosnischen Serben unter Karadzic und seinem Militärchef Mladic 43 Monate lang belagert und beschossen worden war, wurde die Nachricht mit großer Freude aufgenommen. Zahlreiche Bewohner strömten auf die Straßen und feierten die Festnahme des Mannes, der für den Tod von 11.000 ihrer Mitbewohner verantwortlich sein soll. "Ich habe meine ganze Familie angerufen und sie aufgeweckt", sagte Fadil Bico, ein Einwohner der Metropole. Viele äußerten sich aber auch über den Westen enttäuscht, dass es bis zur Festnahme elf Jahre gedauert hat. "Sie hätten ihn jederzeit kriegen können, wenn sie gewollt hätten", sagte ein Mann. Eine Frau sagte, sie hoffe nun auf einen schnellen Prozess gegen Karadzic. Er solle lebenslang ins Gefängnis für die Grausamkeiten, die er mit Unterstützung Serbiens und Montenegros begangen habe.

In Belgrad wurde mit einer raschen Überstellung an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gerechnet. In Justizkreisen hieß es allerdings, Karadzic werde noch mindestens drei Tage in Serbien bleiben, da seine Anwälte gegen die die Auslieferung vorgehen wollten.

Aus Regierungskreisen verlautete, Karadzic sei nach einem Hinweis von einem ausländischen Geheimdienst bereits seit Wochen beobachtet worden. Er habe bei der Festnahme keinen Widerstand geleistet.

(Quelle: rtr)
 



 

BKA verhaftet mutmaßlichen Deutschlandchef der PKK

Mi.23.07.08 - Wenige Tage nach der Freilassung dreier Deutscher aus der Geiselhaft der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK hat das Bundeskriminalamt in Detmold den mutmaßlichen Deutschlandchef der Organisation verhaftet.

Der 47-jährige Türke kurdischer Abstammung werde verdächtigt, als professioneller Kader der PKK unter falschem Namen von März bis Juni 2007 Leiter des PKK-Sektors Süds und anschließend bis Juni diesen Jahres Deutschlandverantwortlicher der PKK gewesen zu sein, teilte die Bundesanwaltschaft am Dienstag in Karlsruhe mit. Ihm werde Rädelsführerschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Zudem soll er während seiner Tätigkeit Anfang August 2007 eine 21-jährige Frau, die von dem damaligen Verantwortlichen der PKK-Region Stuttgart ein Kind erwartete, durch Morddrohungen zum Schwangerschaftsabbruch gezwungen haben.

Gegen den Beschuldigten wurde am Dienstag vom Amtsgericht Detmold Haftbefehl erlassen. Er befindet sich in Untersuchungshaft. Mit den weiteren Ermittlungen sei das BKA beauftragt worden, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit.

Am Sonntag waren drei bayerische Bergsteiger aus PKK-Geiselhaft im türkischen Grenzgebiet zum Iran auf dem Berg Ararat freigekommen. Die Kurdische Arbeiterpartei hatte mit der Entführung eine Änderung der Kurdenpolitik der Bundesregierung erreichen wollen. Kürzlich hatte Innenminister Wolfgang Schäuble den kurdischen Fernsehsender Roj-TV in Deutschland verboten.

Die PKK wird von der Türkei, der Europäischen Union und den USA als Terror-Organisation eingestuft. Sie kämpft seit 1984 für einen Kurden-Staat im Südosten der Türkei.

(Quelle: rtr)
 



 

eutscher Staat spart offenbar Milliarden beim Kindergeld

Mi.23.07.08 - Der Staat spart nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" Milliardenbeträge beim Kindergeld. Im vergangenen Jahr "kam es erstmals zu einem erheblichen Rückgang der Kindergeldzahlungen um zwei Prozent", zitierte die Zeitung aus einem Bericht des Bundesfinanzministeriums. Die Ausgaben sanken demnach auf 34,2 Milliarden Euro und damit unter das Niveau von 2002. Nach geltender Rechtslage würden Bund, Länder und Gemeinden beim Kindergeld bis 2012 noch einmal acht Prozent oder insgesamt knapp drei Milliarden Euro sparen, schrieb die Zeitung.

Dies geht aus den Daten der Steuerschätzung vom Mai hervor. Zwei Faktoren kommen demnach zusammen: Das Kindergeld wird seit 2007 längstens bis zum 25. statt dem 27. Lebensjahr gezahlt; zudem sinkt die Zahl der Kinder erst einmal weiter. Die Koalition wolle den für Herbst erwarteten Existenzminimumsbericht abwarten, bevor sie über eine Kindergelderhöhung im kommenden Jahr entscheidet, berichtete die Zeitung weiter. In Koalitionskreisen werde von einer Anhebung des Kindergelds um zehn Euro gerechnet. Derzeit liegt es bei 154 Euro, ab dem vierten Kind bei 179 Euro.

Nach Berechnungen des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes würde dies nicht einmal reichen, um den Familien einen Ausgleich für die Preissteigerung zu gewähren. "Der Kaufkraftverlust des Kindergeldes beträgt seit 2002 fast zwölf Prozent", zitierte die Zeitung aus einem Schreiben der Verbandsvorsitzenden Heidi Merk an den Haushaltsausschuss des Bundestags. Um das Kindergeld wenigstens auf den realen Wert von 2002 anzuheben, müsse es auf 172 Euro beziehungsweise 200 Euro für das vierte Kind steigen. Dies würde laut Merk zu Mehrkosten von vier Milliarden führen.

"Das Zögern der SPD bei der Kindergelderhöhung ist für mich völlig unverständlich", sagte der familienpolitische Sprecher der Union, Johannes Singhammer (CSU). Die rasante Teuerung bringe Familien noch mehr in Bedrängnis als andere Bevölkerungsgruppen. "Die Eltern brauchen Bares", sagte Singhammer.

(Quelle: afp)
 



 

Alleinerziehende und kinderreiche Familien von Armut bedroht

Mi.23.07.08 - Alleinerziehende und kinderreiche Familien in Deutschland sind in besonderer Weise von Armut betroffen. Bei den Alleinerziehenden beträgt die durchschnittliche Armutsgefährdungsquote 26 Prozent, bei Familien mit drei und mehr Kindern 13 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. In den kinderreichen Familien erhöhe sich das Einkommen in der Regel nur noch durch das Kindergeld, häufig werde zudem nur Teilzeit gearbeitet, hieß es zur Begründung. Besonders hoch ist das Armutsrisiko demnach bei Alleinerziehenden mit drei und mehr Kindern: Hier lag die Quote bei 42 Prozent.

Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2005. Den Angaben des Bundesamtes zufolge gingen 2007 deutschlandweit bei 51 Prozent der Familien mit zwei Elternteilen Mutter und Vater einer Erwerbstätigkeit nach. Nach der "klassischen" Rollenverteilung, bei der ausschließlich der Vater arbeiten geht, gestalteten 35 Prozent der Paare mit Kindern ihr Erwerbsleben.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei ein ausreichendes Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten, insbesondere für Kleinkinder. Bei den unter Dreijährigen haben die Eltern von rund 320.000 Kindern zum 15. März 2007 eine Betreuung in Kindertageseinrichtungen oder in öffentlich geförderter Kindertagespflege in Anspruch genommen. Der Anteil der Kinder in Tagesbetreuung an allen Kindern dieser Altersgruppe belief sich damit auf rund 16 Prozent. Im Jahr 2006 hatte die Betreuungsquote noch bei 14 Prozent gelegen.

Bei den Kindern zwischen drei und fünf Jahren hat sich der Anteil der betreuten Kinder an allen Kindern dieser Altersgruppe im März 2007 auf rund 89 Prozent erhöht, gegenüber 87 Prozent in 2006. Damit nutzten rund zwei Millionen Eltern ein solches Angebot.

Nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes erfreut sich das 2007 eingeführte Elterngeld bei Vätern weiter wachsender Beliebtheit: Der Anteil der Väter, die für die Erziehung ihres 2007 geborenen Kindes Elterngeld erhielten, stieg im ersten Quartal 2008 auf 19 Prozent. Insgesamt wurden von Januar 2007 bis März 2008 720.000 Anträge bewilligt. Die Quote lag damit für den Gesamtzeitraum bei zwölf Prozent. Damit habe sich der Väteranteil gegenüber dem früheren Erziehungsgeld fast vervierfacht.

(Quelle: afp)
 



 

Siemens einigt sich mit Arbeitnehmern auf Stellenabbau

Mi.23.07.08 - Siemens hat sich mit den Arbeitnehmervertretern grundsätzlich über den geplanten Stellenabbau geeinigt.

Die Einschnitte würden ohne betriebsbedingte Kündigungen vollzogen, teilten Betriebsrat und IG Metall am Dienstag mit. In einem Eckpunktepapier verpflichte sich der Technologiekonzern zudem, bis Ende September 2010 keine Standorte zu schließen oder zu verlagern. "Mit der Zusicherung, dass der Konzernumbau ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgt, kommt Siemens der wichtigsten Forderung der IG Metall nach", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber. Siemens plant den Abbau von weltweit knapp 17.000 Arbeitsplätzen, davon rund 5250 in Deutschland. Siemens wollte sich zum Inhalt der Einigung zunächst nicht äußern.

Nach Angaben von Betriebsrat und IG Metall wird die ursprünglich zum Verkauf gestellte Industriemontagesparte SIMS mit ihren 1200 Mitarbeitern gemäß der Eingung im Konzern verbleiben und saniert. In der schlingernden Zugsparte würden in Deutschland keine Werke geschlossen, es bleibe allerdings bei Einschnitten bei der Personalzahl. Die Kürzungen in der IT-Sparte SIS würden zurückgestellt und überprüft. Generell solle der Stellenabbau vor allem über Altersteilzeit und Abfindungen erreicht werden. "Hierzu soll ein Interessenausgleich und Sozialplan abgeschlossen werden." Siemens verpflichte sich, Umschulungen und Fortbildungen anzubieten und zu bezahlen.

Die Arbeitnehmervertreter sicherten im Gegenzug eine schnelle Einigung über weitere Details zu. Bis Mitte August soll das Eckpunktepapier konkreter gefasst und der Sozialplan erarbeitet sein. Ende August wolle der Gesamtbetriebsrat dann einen abschließenden Beschluss fassen. Damit erfüllen die Arbeitnehmervertreter einen der dringlichsten Wünsche der Siemens-Spitze, die die Kosten für den Stellenabbau möglichst noch im laufenden Geschäftsjahr - also bis Ende September - verbuchen will. Finanzchef Joe Kaeser kann die Lasten dann gegen den Milliardengewinn aus dem Verkauf der Autozuliefersparte VDO verrechnen und so die Steuerlast des Unternehmens mindern.

Das Unternehmen rechnet Kreisen zufolge mit Kosten für den Jobabbau im mittleren bis höheren dreistelligen Millionenbereich gerechnet. Vorbild für die Regelung soll der Sozialplan bei der Sanierung der Telefonanlagensparte SEN sein, der selbst Gewerkschaftern als üppig gilt.

Ein Konzernsprecher sagte, derzeit werde den Betriebsräten ein Rahmen vorgestellt, wie sich der anstehende Konzernumbau umsetzen lasse. "Zu den konkreten Details dieses Rahmens, der die Grundlage für weitergehende Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern bildet, wird sich Siemens am Mittwoch im Anschluss an die Tagung der Betriebsräte äußern."

(Quelle: rtr)
 



 

FDP-Chef Westerwelle legt sich nicht auf Koalitionspartner fest

Mi.23.07.08 - FDP-Vorsitzrender Guido Westerwelle will sich trotz des Werbens von CDU-Chefin Angela Merkel nicht auf eine Koalition mit der Union nach der Bundestagswahl 2009 festlegen. «Ich freue mich über das große Interesse von Union und SPD an der FDP», sagte Westerwelle der «Passauer Neuen Presse». Die FDP werde «nüchtern und sachlich» darüber entscheiden, mit wem sie nach der Bundestagswahl eine Koalition eingehen wolle.

Merkel hatte am Sonntag gesagt, die Union kämpfe bei der nächsten Bundestagswahl 2009 für eine Mehrheit zusammen mit der FDP. Westerwelle sagte nun: «Ganz gleich, wer mit uns regieren will - wir werden einen Koalitionsvertrag nur dann unterzeichnen, wenn in ihm ein niedrigeres, einfacheres und gerechteres Steuersystem verankert ist.» Die FDP werde rechtzeitig vor der Bundestagswahl ihre Koalitionsaussage treffen. Der FDP-Chef betonte aber: «Trotz des Linksrutsches der Union sind unsere Gemeinsamkeiten mit ihr derzeit noch immer größer als mit der SPD und mit den Grünen.»

(Quelle: ap)
 



 

Linken-Chef Bisky schließt Koalition mit CDU auf Landesebene nicht aus

Mi.23.07.08 - Linken-Chef Lothar Bisky schließt eine Koalition mit der CDU auf Landesebene nicht vollständig aus. Zwar sei selbst die Vorstellung, in Sachsen-Anhalt zusammen mit der CDU zu regieren, für seine Partei "etwas fern", sagte Bisky im Deutschlandradio Kultur. Es könne aber "Notsituationen" geben, in denen zusammengearbeitet werden könne, "um zwei, drei Sachen durchzusetzen". Bisky reagierte auf ein Interview von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU), der Sympathie für die Linkspartei geäußert hatte.

Böhmer hatte vergangene Woche im MDR gesagt: "Was ich an der Linkspartei respektiere, ist ihre sehr intensive Basisarbeit. Und das fehlt mir bei der CDU." Er fügte allerdings hinzu, dass ein Bündnis von CDU und Linken gegenwärtig nicht vorstellbar sei.

Bisky warf der Union im Umgang mit der Linken "Doppelzüngigkeit" vor: "Dieses Ausgrenzungsgehabe der Hassprediger von der CDU, das müsste irgendwann auch mal beendet werden, um zu einem sachlichen Streit zu kommen."

(Quelle: afp)
 



 

Bayerns SPD-Fraktionschef Maget sagt Nein zur Linken

Mi.23.07.08 - Mit einem klaren Nein zu einer Zusammenarbeit mit der Linken nach der Landtagswahl in Bayern ist SPD-Fraktionschef Franz Maget auf Kritik gestoßen. Maget versicherte am Dienstag in München, nach der Wahl Ende September sei weder eine Koalition noch eine Kooperation mit der Linkspartei denkbar. Auch eine Tolerierung werde es nicht geben. Die bayerische Linke bezeichnete diesen Abgrenzungskurs als «lächerlich und unglaubwürdig». Die CSU bezweifelte Magets Aussagen dagegen und warf ihm «Machthunger» vor.

Alle Optionen einer Zusammenarbeit mit der Linken seien «abwegig», sagte Maget. «Das kann, würde und wird nicht eintreten», betonte er, «wenn es in Frage käme, würde ich es vor der Wahl sagen.» Der SPD-Politiker kritisierte die anhaltende Debatte um die Linke. Je mehr über eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linkspartei diskutiert werde, desto «interessanter» werde sie für Protestwähler. Insbesondere die CSU nutze Spekulationen um mögliche Koalitionen der Linken in Bayern, um ein Feindbild aufzubauen.

Die bayerische Linke kritisierte Magets Abgrenzungskurs als «lächerlich und unglaubwürdig». Mit dieser Haltung blockiere der SPD-Politiker den politischen Wandel im Freistaat, sagte der bayerische Linke-Landeschef Harald Weinberg. «Die SPD war im Landtag eine zaghafte Opposition, die eine miserable Bilanz vorzuweisen hat», kritisierte er. Die Sozialdemokraten seien «keine wirkliche Alternative zur unsozialen Regierungspolitik der CSU». Einen echten Politikwechsel gebe es nur mit der Linken.

CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer bezweifelte indessen, dass Maget es mit seiner Absage an die Linke ernst meine. «Gerade die Bayern-SPD hätte sicher keine Hemmungen, mit der Linken zu paktieren», sagte Haderthauer und fügte hinzu: «Magets Machthunger ist viel zu groß.» Die CSU werde jedoch dafür sorgen, «dass die Linke in Bayern keinen Fuß auf den Boden bekommt».

(Quelle: ddp)
 



 

Knobloch fordert NPD-Verbot und mehr Schulwissen über Nazizeit

Mi.23.07.08 - Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, fordert ein Verbot der rechsextremen NPD. Knobloch lobte am Dienstag einen entsprechenden Vorstoß von Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bei der Gedenkveranstaltung zum 20. Juli in Berlin.

Knobloch sagte: «Wir müssen die NPD verbieten, um die Umtriebe dieser braunen Banden zu verhindern. Wir dürfen es nicht zulassen, dass Rechtsextremisten und Neonazis ungehindert auf öffentlichen Plätzen ihre Propaganda verbreiten.» 2003 war ein Versuch, die NPD zu verbieten, vor Gericht gescheitert.

Knobloch kritisierte eine mangelnde Thematisierung des Nationalsozialismus´ in den bayerischen Lehrplänen. «Die vorgesehene Stundenzahl reicht nicht aus, um alle wichtigen Facetten dieser Zeit tiefgründig zu beleuchten. Die Entrümpelung des Lehrplans darf nicht zu Lasten der Aufarbeitung dieser düsteren Vergangenheit gehen», sagte die Zentralratspräsidentin.

(Quelle: ddp)
 



 

Wissenschaft

Rostocker starten Forschungsprojekt für perfekten Kunstknochen

Mi.23.07.08 - In Rostock startet ein millionenschweres Forschungsprojekt zur Herstellung eines künstlichen Knochenersatzes. Dafür sollen Stammzellen aus Fett- und Knochengewebe, die sich außerhalb des Körpers unter Zellkulturbedingungen vermehren, auf biologisch-synthetischen Gerüsten angesiedelt werden, wie das fördernde Wirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Das Land unterstütze das Vorhaben mit drei Millionen Euro. Das Verbundprojekt startet offiziell am 28. Juli.

Das künstliche Knochenwerk soll mit Kupferverbindungen beschichtet werden. Das könnte nach Angaben der Wissenschaftler Infektionen verhindern und die Einheilung des später implantierten Ersatzknochens fördern. Trotz weltweiter Forschungen sei es bislang noch nicht gelungen, ein Ersatzmaterial zu entwickeln, das in seinen Eigenschaften dem biologischen Knochen gleiche. Der Bedarf an Implantaten sei jedoch enorm, vor allem bei der Behandlung von Unfallverletzungen und Krebserkrankungen.

An dem Verbundprojekt sind das Medizintechnikunternehmen DOT GmbH sowie Rostocker Unikliniken, darunter vor allem die Zellbiologie, die Mikrobiologie und das Forschungslabor der Orthopädischen Klinik, beteiligt.

(Quelle: ddp)
 
 
 
 

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