Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak 1584 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Gesetz zu irakischer Regionalwahl vorerst gescheitert
Do.24.07.08 - Der irakische Präsidialrat hat eine Gesetzesvorlage für die
geplante Regionalwahl zurückgewiesen. Die Abgeordneten seien
aufgefordert worden, einen neuen Entwurf zu erarbeiten, erklärte
der stellvertretende Parlamentspräsident Chalid al Attija am
Mittwochabend in Bagdad. Demnach wurde die Entscheidung vom kurdischen
Präsidenten Dschalal Talabani und seinem schiitischen
Stellvertreter Adel Abdul Mahdi getroffen, während sich das
sunnitische Mitglied des dreiköpfigen Präsidialrats, Tarik al
Haschemi, im Ausland befand.
Damit dürfte sich die ursprünglich für Oktober geplante
Regionalwahl im Irak weiter verzögern. Beobachtern zufolge kann
sie frühestens Ende Dezember, möglicherweise aber erst im
kommenden Jahr stattfinden. Talabani hatte seinen Widerstand gegen den
Gesetzentwurf angekündigt, nachdem die Kurden die Abstimmung im
Parlament boykottiert hatten. Sie protestierten damit gegen Pläne,
die Ölregion um Kirkuk von Kurden, Turkmenen und Arabern gemeinsam
verwalten lassen, weil sie diese Gegend als Teil des kurdischen
Autonomiegebiets beanspruchen.
Nach dem Auszug der kurdischen Fraktion wurde die Gesetzesvorlage von
127 der 140 noch anwesenden Abgeordneten gebilligt. Nach Darstellung
des Parlaments war dies eine überzeugende Mehrheit. Präsident
Talabani hielt dem jedoch entgegen, dass eine Mehrheit der insgesamt
275 Abgeordneten nicht erzielt worden sei. Deshalb sehe er sich nicht
in der Lage, das Gesetz zu unterzeichnen.
(Quelle: ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 24.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundzwanzigtsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Di.24.07.07 - USA und Iran beraten über Lage im Irak - Neue Gespräche am
heutigen Dienstag +++ Fast 40 Tote bei Anschlägen +++ Seit Kriegsbeginn
sind mindestens 3.636 US-Soldaten im Irak getötet worden +++
Irak-Veteranen verklagen US-Regierung...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707240.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Britischer Soldat in Afghanistan getötet
Do.24.07.08 - Ein britischer Soldat ist in Afghanistan bei einer Bombenexplosion
getötet worden, zwei seiner Kameraden wurden verletzt. Wie das
britische Verteidigungsministerium am Mittwoch mitteilte, befanden sich
die Soldaten am Dienstagabend in der Provinz Helmand auf Patrouille.
Dabei gerieten sie unter Beschuss. Einer der Soldaten wurde während
der Kämpfe von einer Mine verletzt, das Fahrzeug der beiden
anderen wurde nach dem Gefecht von einer am Straßenrand
deponierten Bombe getroffen.
(Quelle: ap)
Obama betont besondere Beziehung zwischen USA und Israel
Do.24.07.08 - Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Barack
Obama, hat während seines Besuchs in Israel die besondere
Beziehung seines Landes mit dem Staat im Nahen Osten unterstrichen.
"Ich bringe hier ein unerschütterliches Bekenntnis zur Sicherheit
Israels", sagte Obama bei einem Treffen mit der israelischen
Außenministerin Zipi Livni in Sderot. Um eine atomare
Aufrüstung im Iran zu verhindern, versprach er "lebhafte
diplomatische Anstrengungen". Auch für den Nahost-Friedensprozess
wolle er sich im Falle seiner Wahl engagieren. Obama traf während
seines Nahost-Aufenthalts zahlreiche israelische und
palästinensische Politiker.
Bereits nach seiner Ankunft auf dem Ben-Gurion-Flughafen sagte Obama,
vor allem gehe es ihm um die "historische und einzigartige Beziehung"
zwischen Israel und den Vereinigten Staaten. Diese könne "nicht
zerstört werden". Während einer Pressekonferenz in der
israelischen Stadt Sderot, die regelmäßig von
Palästinensern aus dem Gazastreifen beschossen wird, wiederholte
Obama sein Versprechen, Atomwaffen im Iran verhindern zu wollen. "Ein
Iran mit Atomwaffen wäre eine ernsthafte Bedrohung", sagte er.
Dies gelte nicht nur für den Nahen Osten, sondern für die
ganze Welt.
Im Falle seiner Wahl als US-Präsident im November werde er sich
schnell für einen Friedensschluss im Nahen Osten einsetzen, sagte
Obama in Sderot weiter. Er werde "nicht einige Jahre" oder bis zu einer
zweiten Amtszeit warten, um den Friedensprozess voranzubringen. Derzeit
bestünden Chancen, die genutzt werden müssten, sagte Obama.
Der US-Politiker stellte sich zudem hinter die israelische Regierung,
die direkte Gespräche mit der radikalen
Palästinenserorganisation Hamas ablehnt. "Es ist schwer für
Israel mit einer Gruppe zu verhandeln, die dessen Existenzrecht nicht
anerkennt."
Gleichzeitig sprach Obama sich erneut für Jerusalem als
künftige Hauptstadt Israels aus. Allerdings sei diese Frage
abhängig von einem endgültigen Friedensabkommen zwischen
Israelis und Palästinensern. Vergangenen Monat hatte Obama die
Palästinenser verärgert, als er sich für Jerusalem als
"ungeteilte" Hauptstadt Israels aussprach. Die palästinensische
Seite beansprucht Jerusalems arabischen Ostteil als Hauptsstadt des
zugesagten künftigen Palästinenserstaats.
A Obama will am heutigen Donnerstag weiter nach Deutschland reisen, wo
er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) treffen sowie eine Rede an der
Siegessäule halten will.
(Quelle: afp)
US-Außenministerin Rice trifft nordkoreanischen Kollegen
Do.24.07.08 - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat sich am Mittwoch trotz
fehlender konkreter Fortschritte zufrieden mit einem Gespräch mit
ihrem nordkoreanischen Kollegen Pak Ui Chun gezeigt. Das Treffen in
Singapur war das erste auf Kabinettsebene zwischen Washington und
Pjöngjang seit vier Jahren. Die Unterredung habe «keine
Überraschungen» gebracht, aber in einem guten Umfeld
stattgefunden, sagte Rice. Die US-Außenministerin hatte zuvor
erklärt, sie wolle gemeinsam mit ihren Kollegen aus Russland,
Japan, Südkorea und China darauf dringen, dass Nordkorea Beweise
für die Abkehr von seinem Atomprogramm vorlegt. Nach Angaben von
Unterhändler Christopher Hill strebt Washington dafür einen
Termin um den 10. August an.
(Quelle: ap)
Venezuela will militärische Kooperation mit Russland
Do.24.07.08 - Eine militärische Zusammenarbeit zwischen Venezuela und Russland
mit einem Waffengeschäft in Milliardenhöhe ist auf schwere
Kritik der USA gestoßen.
Vor allem das geplante Waffengeschäft zwischen beiden Ländern
würde die Verteidigungsbedürfnisse des lateinamerikanischen
Staates klar überschreiten, sagte ein Sprecher des
Außenministeriums in Washington am Dienstag.
Bei seinem Besuch in Moskau hat der venezolanische Präsident Hugo
Chávez dem russischen Militär angeboten, Stützpunkte in
Venezuela zu errichten. «Russland hat viele Möglichkeiten,
sich in der Welt in Stellung zu bringen. Wenn die russischen
Streitkräfte gern in Venezuela Basen errichten möchten, sind
sie herzlich willkommen», sagte der US-Kritiker Chávez am
Abend (Ortszeit). Venezuela liegt aus russischer Sicht ähnlich
günstig wie Kuba. Moskau äußerte sich zunächst
nicht zu dem Angebot von Chávez.
Angesichts der umstrittenen US-Raketenabwehrpläne in Mitteleuropa
hatte Moskau der Führung in Washington mit Gegenmaßnahmen
gedroht. Russische Militärs haben unter anderem die Verlegung von
schweren Langstreckenbombern nach Kuba ins Gespräch gebracht.
Russland ist gegen die Stationierung von US-Abwehrraketen in Polen und
einer Radaranlage in Tschechien, weil es sich dadurch von Washington in
seiner Sicherheit bedroht sieht.
Chávez, der als politischer Widersacher der USA gilt, hatte die
Waffenkäufe bei einem Besuch in Moskau publik gemacht. Bis Mittwoch
soll über den Kauf von Diesel-U-Booten, Panzern und
Luftabwehrraketen-Systemen vom Typ Tor-M1 verhandelt werden, hieß
es. Die in russischen Medien genannten Investitionen von 30 Milliarden
US-Dollar (19 Milliarden Euro) für die kommenden vier Jahre nannte
er allerdings «überzogen».
(Quelle: dpa)
Rumänien gesteht Defizite im Kampf gegen Korruption
Do.24.07.08 - Unmittelbar vor Vorlage eines Zwischenberichts der EU-Kommission zu den
Neu-Mitgliedern Rumänien und Bulgarien hat der rumänische
Außenminister Lazar Comanescu Defizite seines Landes beim Kampf
gegen die Korruption eingestanden. Trotz der Fortschritte in den
vergangenen Jahren gebe es "Bereiche, in denen Rumänien noch besser
werden muss", sagte er dem "Tagesspiegel". Auch das Parlament
müsse weiterhin seinen Beitrag leisten, forderte der
Außenminister mit Blick auf Ermittlungsverfahren gegen hochrangige
Politiker in Rumänien. "Jeder muss seine Arbeit vernünftig
erledigen - das gilt auch für das Parlament."
(Quelle: afp)
Brüssel friert wegen Korruption in Bulgarien EU-Hilfen ein
Do.24.07.08 - Wegen schwerer Versäumnisse im Kampf gegen Korruption und
organisierte Kriminalität in Bulgarien hat die EU-Kommission mehr
als eine halbe Milliarde Euro an Hilfsgeldern auf Eis gelegt. Das geht
aus einem ungewöhnlich scharf formulierten Fortschrittsbericht der
Brüsseler Behörde hervor. Insgesamt belaufen sich die
gesperrten Gelder damit auf rund 800 Millionen Euro. Die bulgarische
Opposition kündigte einen Misstrauensantrag gegen die Regierung
an. Das zweite Neumitglied Rumänien steht zwar auch wegen
Versäumnissen im Korruptionskampf am Pranger, muss aber vorerst
keine Konsequenzen fürchten.
"Der Kampf gegen die organisierte Kriminalität und die Korruption
zeigt nicht genug Ergebnisse", kritisierte der Sprecher von
Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Die EU-Kommission
hatte seit dem EU-Beitritt Bulgariens im Januar 2007 schon mehrfach
Mängel beanstandet und seit Jahresbeginn Hilfsgelder in Höhe
von rund 300 Millionen Euro eingefroren. Die nun gesperrten Gelder in
Höhe von gut einer halben Milliarde Euro betreffen vor allem
Landwirtschafts- und Verkehrshilfen. Die Gelder stünden aber
wieder zur Verfügung, sobald Bulgarien die Missstände behebe,
betonte Barrosos Sprecher.
In einem entscheidenden Punkt schwächte die EU-Kommission den
Bericht ab: Sie droht darin nun anders als in früheren
Entwürfen nicht mehr mit einer Aussetzung der milliardenschweren
Strukturfonds. Bis 2013 sind dafür im EU-Budget rund 6,85
Milliarden Euro für Bulgarien vorgesehen.
Bulgarien und Rumänien stehen unter strenger Beobachtung
Brüssels, da es bereits vor ihrem Beitritt vor gut 18 Monaten
Zweifel an der EU-Reife beider Staaten gab. Dies betrifft unter anderem
die Verwaltung von EU-Geldern, das Justizsystem und die
Nahrungsmittelsicherheit. Die sogenannten Schutzklauseln laufen Ende
2009 aus.
Die konservative bulgarische Opposition reichte einen Misstrauensantrag
gegen die Mitte-Links-Regierung ein. Es ist bereits der sechste seit
2005. Darin wirft die Opposition der Regierung "irreparable materielle
und moralische Schäden" vor.
Die Organisation Transparency International (TI) begrüßte
das Brüsseler Vorgehen. Misswirtschaft sei aber nicht nur in
Bulgarien und Rumänien ein Thema, sondern in vielen
EU-Ländern, erklärte die bulgarische TI-Chefin Diana
Kovatcheva.
(Quelle: afp)
Italien billigt Gesetz gegen illegale Einwanderungen - Bisherige
Regelungen entschieden verschärft
Do.24.07.08 - Das italienische Parlament hat ein Gesetzespaket mit verschärften
Maßnahmen gegen illegale Einwanderungen gebilligt. Nach der
Abgeordnetenkammer stimmte am Mittwoch auch der Senat den neuen
Bestimmungen zu. Demnach werden die Haftstrafen für kriminelle
Ausländer, die sich illegal im Land aufhalten, um durchschnittlich
ein Drittel erhöht. Außerdem soll jeder Eingewanderte, der
zu mehr als zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde,
anschließend grundsätzlich abgeschoben werden. Damit will
die Regierung die gestiegene Anzahl von Straftaten reduzieren, die
überwiegend Ausländern zugeschrieben werden.
Dem neuen Gesetz zufolge ist es künftig auch möglich,
Einwanderer bis zu 18 Monaten in Gefangenenlagern festzuhalten, wenn
sie heimlich ins Land gekommen sind. Bislang war dies nur 60 Tage lang
möglich. Im genannten Zeitraum sollen sich die Behörden um
eine formelle Abschiebung bemühen. In manchen Fällen
können die Betroffenen auch aufgefordert werden, das Land
freiwillig zu verlassen. Tun sie dies nicht und werden abermals
aufgegriffen, zieht dies eine Haftstrafe bis zu vier Jahren nach sich.
Ferner machen sich Vermieter strafbar, wenn sie illegal Eingewanderten
eine Wohnung zur Verfügung stellen.
Ministerpräsident Silvio Berlusconi war im April mit seiner
Mitte-Rechts-Regierung mit dem Versprechen angetreten, die
Kriminalität - und insbesondere die von Ausländern - zu
bekämpfen. Die linksgerichtete Opposition stimmte gegen die
Vorlage und sprach von willkürlicher Diskriminierung von
Einwanderern.
(Quelle: ap)
100 Beschäftigte in französischer Atomanlage kontaminiert -
Laut Betreiber nur leichte Kontamination - Pannenserie dauert an
Do.24.07.08 - Die Pannenserie in französischen Atomanlagen reißt nicht ab:
Nach einem Leck in einem Reaktor der Atomanlage Tricastin in
Südfrankreich wurden 100 Beschäftigte «leicht
kontaminiert», wie der Stromkonzern EDF am Mittwochabend
mitteilte. Es war bereits der vierte Zwischenfall in einer
französischen Atomanlage in den letzten Wochen.
Bei dem neuerlichen Leck in Tricastin seien die Betroffenen
radioaktiven Partikeln ausgesetzt gewesen, die aus einer Leitung eines
abgeschalteten Reaktors entwichen seien, sagte EDF-Sprecherin Caroline
Muller. Die Strahlenbelastung der Betroffenen sei weit unterhalb der
zulässigen Werte gewesen; die Dosis sei kleiner als ein
Vierzigstel des Grenzwertes gewesen. «Was uns Sorge macht ist
weniger das Ausmaß der Verstrahlung als vielmehr die Zahl der
kontaminierten Menschen», sagte Muller. Experten hätten
Ermittlungen aufgenommen.
Erst vor zwei Wochen waren in Tricastin 74 Kilogramm Uran ausgetreten
und in zwei Flüsse gelangt. Ende voriger Woche wurden in einer
Atomanlage im Südosten Frankreichs 15 Arbeiter bei einer
Inspektion verstrahlt. EDF hatte den Vorfall erst am Montag
öffentlich gemacht. Am vergangenen Donnerstag wurde zudem ein
undichtes Kanalisationsrohr in einer Brennstäbefabrik in
Romans-sur-Isère entdeckt, aus dem zwischen 120 und 750 Gramm
Uran ausgelaufen waren. Die Pannen haben zu scharfen Protesten von
Atomgegnern geführt.
(Quelle: ap)
Deutschland
Von 100 Euro Bruttolohn bleiben Arbeitnehmern 64 Euro netto
Do.24.07.08 - Einem Arbeitnehmer in Deutschland bleiben von 100 Euro brutto nach
Abzug von Lohnsteuern und Sozialbeiträgen im Schnitt rund 64 Euro
netto in der Tasche. Durchschnittlich 3093 Euro brutto im Monat
verdiente ein Vollzeitbeschäftigter im produzierenden Gewerbe oder
im Dienstleistungsbereich im Oktober 2006, wie das Statistische
Bundesamt mitteilte. Von dieser Summe gingen 1107 Euro an den Staat und
die Sozialversicherungssysteme - übrig blieben 1986 Euro netto. Das
Verhältnis brutto-netto 2006 entsprach laut Statistik in etwa den
Ergebnissen in den Jahren 1995 und 2001.
Die Beitragssätze der Arbeitnehmer stiegen demnach von 19,7
Prozent 1995 auf 20,5 Prozent 2001 und gingen 2006 wieder leicht auf
20,4 Prozent zurück. Wer in einem großen Unternehmen
arbeitet, verdient nach Angaben der Statistiker mehr: In Firmen mit mehr
als 1000 Beschäftigten betrug der durchschnittliche Bruttolohn
3618 Euro, in Firmen mit 100 bis 249 Arbeitnehmern 2900 Euro und in
kleinen Firmen mit zehn bis 19 Beschäftigten 2534 Euro. Auch die
Berufe mit den höchsten Bruttoverdiensten ermittelte das
Statistische Bundesamt: Es sind Geschäftsführer und
Geschäftsbereichsleiter mit 92.556 Euro im Jahr, gefolgt von
Rechtsvertretern und -beratern mit 82.135 Euro. Auch
Unternehmensberater, Ärzte und Chemiker bekommen demnach ein
überdurchschnittliches Gehalt. Am unteren Ende der Skala liegen die
Friseure mit 15.787 Euro brutto im Jahr. Auch Gebäudereiniger,
Raumpfleger und Wursthersteller verdienen sehr wenig.
(Quelle: afp)
Förderung sinkt laut Bericht schneller als Arbeitslosigkeit:
Rückgang bei Mitteln für Weiterbildung und Eingliederung um
22 Prozent seit 2004 - Kritik von DGB und Linkspartei
Do.24.07.08 - Die Mittel für die Förderung von Arbeitslosen sind einem
Bericht zufolge in den vergangenen Jahren deutlich schneller gesunken
als die Arbeitslosigkeit. Für Weiterbildung,
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Eingliederungszuschüsse
standen im Jahr 2004 und damit vor den Hartz-Reformen insgesamt 18,7
Milliarden Euro zur Verfügung, wie die «Frankfurter
Rundschau» unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für
Arbeit berichtet. 2007 waren es demnach 14,6 Milliarden Euro (minus 22
Prozent). Die Arbeitslosenzahl habe sich im Jahresdurchschnitt um 13
Prozent auf 3,8 Millionen verringert.
Eine Sprecherin von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD)
erklärte dem Blatt zufolge, die Zahlen seien zwar formal korrekt,
gäben gleichwohl ein falsches Bild wider. Die Daten vor und nach
der Hartz-Reform seien nicht vergleichbar. Auch bei der Bundesagentur
hieß es, 2004 und 2007 seien «nur bedingt
vergleichbar».
Von einem «Kahlschlag bei der Förderung von
Arbeitslosen» spricht dagegen die Linkspartei. Deren
mittelstandspolitische Sprecherin Sabine Zimmermann wirft Union und SPD
laut «FR» vor, beim «Fordern» der Betroffenen
«immer schnell bei der Sache» zu sein. «Diese Energie
sollten sie besser in das Fördern stecken», sagte Zimmermann
dem Blatt zufolge. Insbesondere vor dem Hintergrund des
Fachkräftemangels seien die Kürzungen «nicht
vertretbar».
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht hinter dem Rückgang der
Aufwendungen eine «problematische Neuausrichtung» der
aktiven Arbeitsmarktpolitik. Im Mittelpunkt stünden zunehmend
«kurzfristige Maßnahmen», die für einen
bestimmten Arbeitsplatz vorbereiten sollten. Häufig werde die
Förderung nur noch bewilligt, wenn die Betroffenen eine konkrete
Stelle in Aussicht hätten. «Diese kurzfristige Ausrichtung
geht an den Bedürfnissen vieler Langzeitarbeitsloser
vorbei», betonte DGB-Arbeitsmarktexperte Johannes Jakob laut dem
Blatt.
(Quelle: ap)
4000 Telekom-Jobs in diesem Jahr auf der Kippe
Do.24.07.08 - Bei der Deutschen Telekom stehen in diesem Jahr bis zu 4000
Arbeitsplätze auf der Kippe. In der Geschäftskundensparte
T-Systems sei wegen der schwierigen Wirtschaftslage auch 2008 ein
Stellenabbau wie schon in den Vorjahren zu erwarten, sagte ein
T-Systems-Sprecher. Betriebsbedingte Kündigungen könnten
nicht ausgeschlossen werden. Zudem teilte der Bonner Konzern mit, dass
er seine Tochter DeTeImmobilien an die österreichische Strabag
verkauft. Von dem Verkauf sind rund 6240 Mitarbeiter betroffen,
für die es aber "weitreichende Vereinbarungen" zur Sicherung ihres
Arbeitsplatzes geben soll.
"Wenn wir nicht wieder zum Wachstum zurückfinden, wird sich der
Stellenabbau wie in den vergangenen Jahren fortsetzen", sagte der
T-Systems-Sprecher. Seit 2005 seien in der Geschäftskundensparte
alljährlich tausende Stellen weggefallen. Dabei habe es bereits
jeweils auch betriebsbedingte Kündigungen gegeben. Deren Zahl
werde in diesem Jahr jedoch womöglich deutlich höher
ausfallen als bislang. Die Geschäftskundensparte habe im
vergangenen Jahr einen Verlust von 323 Millionen Euro eingefahren.
Hintergrund des Stellenabbaus sei ein Sparprogramm bei T-Systems, das
bereits seit Jahresanfang laufe, erklärte Telekom-Personalchef
Thomas Sattelberger. Das Tochterunternehmen müsse wieder zu mehr
Profitabilität finden. T-Systems beschäftigt weltweit
insgesamt rund 56.500 Mitarbeiter. Um den Stellenabbau voranzutreiben,
sollen die T-Systems-Mitarbeiter ab September mit einem
Abfindungsprogramm zum freiwilligen Ausstieg aus dem Unternehmen bewegt
werden.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bezeichnete den
angekündigten Stellenabbau als "unglaubliche Provokation". Der
Konzernvorstand habe "die letzten Hemmungen verloren", erklärte
Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder. Die Telekom wolle mit ihren
Ankündigungen offenbar die Öffentlichkeit auf weitere
Kündigungen in Zukunft vorbereiten. Die Telekom hatte 2005
angekündigt, innerhalb von drei Jahren insgesamt 32.000 Stellen
streichen zu wollen. Zudem hatte sich der ehemalige Staatskonzern 2007
mit dem Vorhaben durchgesetzt, insgesamt 50.000 Service-Mitarbeiter
auszulagern.
Unterdessen teilte die Telekom mit, die DeTeImmobilien werde zum 1.
Oktober verkauft und künftig von der Strabag weitergeführt.
Angaben über den Kaufpreis machte das Unternehmen nicht. Die
DeTeImmobilien hat einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro pro Jahr.
Ihr größter Kunde ist die Telekom. Der
Immobiliendienstleister hat rund 6240 Mitarbeiter, rund 5600 davon
hierzulande.
(Quelle: afp)
Kanzlerin Merkel hält Vollbeschäftigung in einigen Jahren
für möglich
Do.24.07.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hält Vollbeschäftigung in
einigen Jahren für möglich.
"Ich glaube, dass man dieses Ziel ins Auge fassen sollte", sagte sie am
Mittwoch in Berlin vor Journalisten. In einigen Teilen Deutschlands wie
im Raum München oder Stuttgart sei das Ziel bereits erreicht:
"Daran sieht man, dass das schaffbar ist." Auf einen Jahreszahl, bis
wann Vollbeschäftigung erreicht sein könne, wollte sie sich
allerdings nicht festlegen lassen.
Merkel warnte gleichwohl: "Ich glaube, dass das Brett, das wir bohren,
immer dicker wird." So komme man am Arbeitsmarkt in immer stärker
in den Bereich der Langzeitarbeitslosen, der Menschen, die keine
Ausbildung hätten oder jener mit einem Migrationshintergrund.
Deshalb müsse über weitere arbeitsmarktpolitische
Maßnahmen nachgedacht werden. Insgesamt spreche die demografische
Entwicklung dafür, dass die Beschäftigungschancen in den
kommenden Jahren steigen würden.
Im Juni war die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit 15 Jahren wieder
unter 3,2 Millionen gefallen. Die Bundesagentur für Arbeit sieht
gute Chancen, dass die Zahl in einem Monat im Herbst unter drei
Millionen bleibt.
(Quelle: rtr)
Ackermann wird Honorarprofessor an Frankfurter Goethe-Universität
- Attac kritisiert Ernennung des Deutsche-Bank-Chefs - Hochschule lobt
Verdienste des Managers
Do.24.07.08 - Trotz einiger Proteste im Vorfeld ist Deutsche-Bank-Chef Josef
Ackermann von der Frankfurter Goethe-Universität zum
Honorarprofessor ernannt worden. Die Entscheidung des Präsidiums
gab die Hochschule am Mittwoch bekannt. Zuvor habe der Senat dem
Vorschlag des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften mit
«überwältigender Mehrheit» zugestimmt. Neben
Ackermann wurde auch Fraport-Chef Wilhelm Bender zum Honorarprofessor
bestimmt.
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac kritisierte die Ernennung
heftig und sprach von einer «Unverschämtheit». Dies
zeige, dass die Universitäten immer weniger einer freien Lehre und
Forschung verpflichtet seien und immer mehr den Interessen der
Wirtschaft folgten, sagte Attac-Sprecherin Frauke Distelrath der
Nachrichtenagentur AP. Außerdem sei Ackermann angesichts der
gegen ihn während des Mannesmann-Prozesses erhobenen Vorwürfe
als Honorarprofessor nicht tragbar. Nicht zuletzt deswegen habe die
Universitätsleitung bereits früher von einer solchen
Ernennung abgesehen, sagte sie.
Zu der Kritik wollte sich die Universität nicht äußern
und verwies auf die außergewöhnlichen Leistungen des
Deutsche-Bank-Chefs. Ackermann habe insbesondere in seinen seit 2003 in
Frankfurt durchgeführten Lehrveranstaltungen bewiesen, dass er
«alle Qualifikationen eines hervorragenden akademischen Lehrers
besitzt», betonte Studiendekan Heinz Mathes. «Dass wir zwei
solch hochrangige Manager für unseren Lehrkörper gewinnen
konnten, bietet eine hervorragende Basis für die weitere
Verknüpfung von Theorie und Praxis im Fachbereich
Wirtschaftswissenschaften», sagte Unipräsident Rudolf
Steinberg.
(Quelle: ap)
Kabinett gibt grünes Licht für Internet-Personalausweis
Do.24.07.08 - Die Bundesregierung hat am Mittwoch grünes Licht für die
Einführung eines elektronischen Personalausweises gegeben, der
eine Identifizierung im Internet ermöglicht.
Das Personaldokument in Größe einer Scheck-Karte soll von
November 2010 an ausgegeben werden. Anders als bei Pässen
müssen keine Fingerabdrücke abgegeben werden. Wer
möchte, kann sie aber freiwillig speichern lassen. Kritiker
warnten, wer sich dagegen entscheide, mache sich bei den Behörden
verdächtig. Die alten Personalausweise bleiben bis zu ihrem
Auslaufen gültig.
Die neue Karte enthält auf einem Chip einen elektronischen
Identitätsnachweis, der auf Wunsch für das Internet
freigegeben wird. Damit soll eine sichere Online-Identifizierung
möglich werden, zum Beispiel beim Online-Banking. Um den Service
nutzen zu können, muss ein Lesegerät an den Computer
angeschlossen werden. Firmen, die das neue Verfahren anwenden wollen,
müssen sich zertifizieren lassen, bevor sie die Daten empfangen
dürfen.
Ebenfalls auf Wunsch kann auf dem Chip eine elektronische Signatur
gespeichert werden. Sie kann bei Vertragsabschlüssen im Internet
die eigenhändige Unterschrift ersetzen. Obligatorisch ist ein
digitales Foto, das die Fälschungssicherheit erhöhen soll. Es
darf nur von der Polizei und an Grenzen geprüft werden.
Ursprüngliche Pläne von Innenminister Wolfgang Schäuble,
der auch die Abgabe von Fingerabdrücken zur Pflicht machen wollte,
waren an der SPD gescheitert. Die große Koalition einigte sich
schließlich darauf, die Entscheidung den Bürgern zu
überlassen.
Die innenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gisela Piltz,
kritisierte, die Regelung werde die Bevölkerung in zwei Klassen
spalten: "Diejenigen, die ihren Fingerabdruck abgeben und
unverdächtig sind, und diejenigen, die das nicht tun und sich
verdächtig machen." Der neue Ausweis sei "ein sanfter Einstieg in
die biometrische Totalerfassung der Bevölkerung". Der
Grünen-Innenexperte Wolfgang Wieland warf Schäuble eine
"Sicherheitsmanie" vor. Dabei drohe das Recht auf informationelle
Selbstbestimmung auf der Strecke zu bleiben.
Was der Ausweis kosten wird, steht noch nicht fest. Es werden aber
voraussichtlich mehr als die bisherigen acht Euro sein. Der Besitz
eines Personalausweises ist für jeden Deutschen ab 16 Jahren
Pflicht, beim Reisepass ist das nicht der Fall.
Schäuble erklärte, die Zeit, in der elektronische Formulare
zwar am PC ausgefüllt, aber am Ende doch manuell unterschrieben
und versandt werden müssten, gehöre bald der Vergangenheit
an: "Der elektronische Ausweis spart damit allen Beteiligten Papier,
Druck-, Porto-, Transportkosten und vor allem Zeit." So würden
allein bei Kontoeröffnungen Einsparungen von jährlich rund
130 Millionen Euro möglich.
Der Chaos Computer Club warnte dagegen, Biometriesysteme ließen
sich einfach überlisten. Betrügerischen Unternehmen werde es
mit der elektronischen Identifizierung leichter gelingen, an sensible
Daten der Bürger zu kommen, sagte CCC-Sprecher Frank Rosenberg der
"Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe).
(Quelle: rtr)
Kampagne gegen Genitalverstümmelung geplant
Do.24.07.08 - Mit einer bundesweiten Informationskampagne will die
Frauenrechtsorganisation "Terre des Femmes" gegen
Genitalverstümmelungen an Mädchen vorgehen. Die auf zwei Jahre
angelegte Kampagne gegen Beschneidungen von Klitoris und Schamlippen
steht unter dem Motto "Kein Schnitt ins Leben", teilte die Organisation
am Dienstag in Tübingen mit. In Deutschland lebten mindestens
20.000 Frauen, "die bereits betroffen sind". Darüber hinaus seien
über 4.000 Mädchen "bedroht". Die Auftaktveranstaltung
für die Kampagne findet am 24. November im Berliner
Abgeordnetenhaus statt. Dazu soll auch eine neue Wanderausstellung zum
Thema vorgestellt werden. Laut "Terre des Femmes" werden weltweit jedes
Jahr etwa drei Millionen Mädchen Opfer von
Genitalverstümmelungen aus traditionellen, mythologischen oder
religiösen Gründen. Das seien rund 8.000 Mädchen pro Tag.
Praktiziert wird die Genitalverstümmelung vor allem in 28
afrikanischen Ländern und auf der arabischen Halbinsel (Vereinigte
Arabische Emirate, Oman, Jemen). Sie kommt auch in Teilen Asiens vor
(Indonesien, Malaysia, Indien).
(Quelle: epd)
Migranten stärker gesundheitlich gefährdet
Do.24.07.08 - Migranten sind nach einer Studie in Deutschland gesundheitlich
stärker gefährdet als die übrige Bevölkerung. Durch
ihre soziale Lage und Arbeitsbedingungen seien viele Menschen mit
ausländischen Wurzeln einer überdurchschnittlichen
gesundheitlichen Gefährdung ausgesetzt, teilte die Universität
Bielefeld am Dienstag mit. Im Auftrag des Robert Koch-Instituts
hätten Forscher der Hochschule den ersten umfassenden Bericht zum
Thema "Migration und Gesundheit" erstellt.
Migranten müssen nach Auffassung der Wissenschaftler stärker
unterstützt werden, ihre Gesundheit zu erhalten. Wenn sie
erkrankten, müssten sie trotz sprachlicher und kultureller
Barrieren gleiche Zugangschancen zur Gesundheitsversorgung bekommen.
Menschen mit ausländischen Wurzeln seien nicht grundsätzlich
kränker, erklärte der Bielefelder Gesundheitswissenschaftler
Oliver Razum. Jedoch wurde bei ihnen eine größere Verbreitung
bestimmter Infektionskrankheiten, häufigere und längere
Arbeitsunfähigkeit sowie erhöhte Unfallrisiken festgestellt.
Ausgewertet wurden den Angaben nach amtliche Statistiken,
repräsentative Studien sowie Daten der Sozial- und
Gesundheitsberichterstattung. Ingesamt hat fast ein Fünftel der
Bevölkerung in Deutschland einen Migrationshintergrund.
(Quelle: epd)
Immer mehr gentechnisch verändertes Soja in Lebensmitteln
Do.24.07.08 - In Lebensmitteln findet sich immer häufiger gentechnisch
verändertes Soja. Wie aus dem am Dienstag vorgestellten
Jahresbericht der amtlichen Lebensmittelüberwachung Hessens hervor
geht, ist der Anteil der positiven Proben bei entsprechenden Tests im
vergangenen Jahr auf 53,1 Prozent gestiegen. 2002 lag der Anteil noch
bei 16,6 Prozent.
Nach Angaben der hessischen Lebensmittelprüfer wurde das fragliche
Soja unter anderem in Tütensuppen nachgewiesen, ohne dass dies auf
der Packung angegeben wurde. Gentechnisch verändertes Soja darf bei
der Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden. Der Verbraucher
muss aber durch eine Kennzeichnung darauf aufmerksam gemacht werden.
Nach Angaben der Kontrolleure ist seit 2002 ein kontinuierlicher
Anstieg der Verwendung von verändertem Soja zu verzeichnen. Ursache
sei der weltweit steigende Anbau gentechnisch veränderter
Soja-Pflanzen. Einiges deute darauf hin, dass die Vermischung von
herkömmlichem mit gentechnisch verändertem Soja um sich
greife, sagte der Referatsleiter im hessischen Umweltministerium,
Alexander Becht. Dazu komme, dass mit immer feineren Messmethoden
inzwischen verändertes Soja selbst dann nachgewiesen werden
könne, wenn der Anteil im Lebensmittel bei unter 0,05 Prozent liege.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Schüchterne Stichlinge halten zusammen
Do.24.07.08 - Schüchterne Stichlinge halten zusammen. Das haben britische
Biologen bei Verhaltensanalysen der Fische beobachtet.
Auch die Tiere haben demnach eine Art Persönlichkeit, die ihr
Verhalten gegenüber den Artgenossen beeinflusst. So haben
«mutige» Stichlinge zu allen Mitgliedern ihrer Gruppe
ungefähr gleichviel Kontakt, unternehmen aber insgesamt mehr auf
eigene Faust. Ängstliche Exemplare hingegen fänden sich
häufig in einer kleinen Untergruppe zusammen, berichten die
Forscher um Thomas Pike von der Universität Glasgow in den
«Proceedings B» (online vorab veröffentlicht) der
britischen Royal Society.
Die Biologen hatten untersucht, warum der Kontakt zwischen
verschiedenen Individuen in einer Tiergruppe offensichtlich nicht
zufällig zustande kommt. Dafür hatten sie Dreistachlige
Stichlinge (Gasterosteus aculeatus) mit einem Käscher aus dem
schottischen Fluss Endrick gefangen und zunächst in sechs Aquarien
an die Laborbedingungen gewöhnt. Jedes Tier bekam eine Nummer und
musste seinen «Mut» beweisen, in dem die Forscher die
Wartezeit des Tiers stoppten, bis es sich nach einem milden Schreck
wieder dem Futter zuwandte. Aus diesen katalogisierten Fischen stellten
die Forscher per Zufallszahlengenerator Gruppen zusammen und
beobachteten das Verhalten jedes einzelnen Tiers und seine Interaktion
mit den Artgenossen.
Die Verteilung der unterschiedlichen
«Persönlichkeiten» in der Gruppe könne die
Struktur eines sozialen Netzwerks erheblich beeinflussen, betonten die
Forscher und fügten hinzu: «Unsere Ergebnisse haben
große Bedeutung für das Verständnis der Verbreitung von
Krankheiten und Informationen in sozialen Gruppen.»
(Quelle: dpa)
Weltraumteleskop entdeckt urtümliche Zone im All
Do.24.07.08 - Das «Spitzer»-Weltraumteleskop ist in der Feuerrad-Galaxie
im Sternbild Großer Bär auf Bedingungen gestoßen, wie
sie im jungen Universum geherrscht haben müssen.
In den Außenbezirken der Galaxie mit der Katalognummer Messier
101 fehlen demnach die Bausteine des Lebens, und es gibt auch nur wenig
schwerere Elemente als Wasserstoff und Helium. Der Rand der Galaxie
ähnele daher vermutlich den Bedingungen, unter denen die ersten
Sterne und Galaxien im jungen Universum entstanden seien, berichtete das
Jet Propulsion Laboratory der US-Raumfahrtbehörde NASA am Montag
(Ortszeit) im kalifornischen Pasadena.
Die Astronomen hatten mit dem Weltraumteleskop nach sogenannten
polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen in der Galaxie gesucht.
Diese Verbindungen, die auf der Erde etwa in Abgasen, beim Grillen und
bei anderen Verbrennungsprozessen entstehen, sind nach Ansicht von
Wissenschaftlern eine wichtige Zutat im Rezept für Leben. In der 27
Millionen Lichtjahre entfernten Feuerrad-Galaxie nimmt ihre
Häufigkeit jedoch zum Rand hin ab und fällt dann
plötzlich auf einen nicht mehr nachweisbaren Wert, wie die Forscher
im Fachblatt «The Astrophysical Journal» (Bd. 682, S. 336)
berichten.
«Wer nach Leben in Messier 101 fahnden will, sollte nicht am Rand
suchen», erläuterte Karl Gordon vom Weltraumteleskop-Institut
in Baltimore (US-Staat Maryland). «Die organischen Verbindungen
können in diesen Regionen nicht überleben, vermutlich wegen
der harschen Strahlung.» Die «anorganische» Zone
erscheint auf den Falschfarben-Aufnahmen des Weltraumteleskops rot.
(Quelle: dpa)