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Irak 1585 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Türkische Luftwaffe greift PKK-Stellungen im Nordirak an. Tote bei
Selbstmordanschlag Baku. EU vertagt gezielte Hilfe für
Irak-Flüchtlinge
Fr.25.07.08 - Die türkische Luftwaffe hat in der Nacht zum Donnerstag Stellungen
von PKK-Rebellen im Nordirak angegriffen. Wie der Generalstab der Armee
auf seiner Internetseite mitteilte, wurden 13 Verstecke der verbotenen
Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Zap-Region nahe der
türkischen Grenze "bei intensiven Bombardierungen erfolgreich
getroffen". Dabei sei "jegliche zivile Einrichtung geschont" worden.
Opferzahlen nannte die Armee nicht. Sie kündigte lediglich an, dass
die "Verluste der Terroristen derzeit ermittelt" würden.
"Die Anti-Terror-Operationen werden mit Entschiedenheit im In- und
Ausland fortgeführt", hieß es in der Erklärung weiter.
Seit Mitte Dezember griff die türkische Luftwaffe bereits etwa 20
Mal mutmaßliche PKK-Stützpunkte im nordirakischen Berggebiet
an. Bei einer einwöchigen Bodenoffensive im Nordirak im Februar
wurden nach Armeeangaben mindestens 240 PKK-Kämpfer getötet
sowie dutzende Unterschlupfe, Trainingslager und Munitionsdepots
zerstört. Das türkische Parlament hat der Armee für einen
Zeitraum von einem Jahr die Genehmigung für
grenzübergreifende Attacken gegen die in der Türkei verbotene
PKK erteilt. Die Frist endet im Oktober. Ankara vermutet mehr als 2000
PKK-Rebellen im Nachbarland und wirft der autonomen Kurdenregierung im
Nordirak vor, nicht entschieden genug gegen die "Terroristen" vorzugehen.
Im Kampf zwischen den für Unabhängigkeit beziehungsweise mehr
Autonomie kämpfenden Kurdenrebellen und der Armee wurden seit 1984
mehr als 37.000 Menschen getötet. Die PKK wird von der
Europäischen Union, den USA und der Türkei als terroristische
Organisation eingestuft.
Eine Selbstmordattentäterin hat bei einem Anschlag in der
irakischen Stadt Bakuba mindestens acht Menschen mit in den Tod
gerissen. Weitere 24 wurden nach Polizeiangaben verletzt. Die Frau
sprengte sich den Angaben zufolge am Donnerstagabend an einem
Kontrollpunkt eines örtlichen «Erweckungsrats» in die
Luft. Bei dem Erweckungsrat handelt es sich um Sunniten, die sich zum
Widerstand gegen die Terrororganisation Al Kaida im Irak
zusammengeschlossen haben.
Europa verschiebt eine gezielte Aufnahme besonders gefährdeter
Flüchtlinge aus dem Irak. Trotz dringender Appelle von Kirchen,
Amnesty International und anderen Menschenrechtlern ließen die
EU-Innenminister in Brüssel einen solchen Plan vorläufig
fallen. Vor allem Deutschlands Innenminister Wolfgang Schäuble
hatte darauf gedrungen, die Entscheidung über konkrete Schritte
auf September zu vertagen. Statt eine sichere Heimat in Europa zu
finden, sollen geflüchtete Iraker in das Krisengebiet heimkehren.
boa (Quelle: ap, afp, dpa)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 25.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundeinundzwanzigtsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Drogenbekämpfer: Afghanistans Präsident Karsai
schützt Rauschgift-Barone
Fr.25.07.08 - Ein früherer Drogenbekämpfer in der US-Botschaft in
Afghanistan hat Präsident Hamid Karsai beschuldigt, den Kampf
gegen das Rauschgift zu behindern.
Karsais Regierung sei tief in den Schutz der Drogen-Barone verwickelt,
schrieb Thomas Schweich in einem im Internet veröffentlichten
Beitrag für die Sonntagsbeilage der "New York Times". Wie auch die
Taliban verdienten viele Anhänger des Präsidenten am
Rauschgifthandel. Schweich, der im Juni aus dem Drogendezernat des
Außenministeriums ausgeschieden war, schrieb weiter, der Einfluss
der Rauschgift-Barone reiche bis in die Spitzen der Regierung.
Drogenhändler hätten Hunderte Polizeiführer, Richter und
andere Beamte geschmiert.
Schweich kritisierte, das US-Verteidigungsministerium unternehme zu
wenig gegen den Anbau von Drogen. Solange sich die Taliban durch den
Rauschgifthandel finanzierten und die Regierung sich zum Zweck des
Machterhalts auf Opium stütze, werde der Krieg andauern. Seit 2006
sei der Mohnanbau rapide angewachsen, aus Afghanistan stammten 90
Prozent des weltweit angebotenen Heroins.
(Quelle: rtr)
Südafrikanerin wird neue UN-Menschenrechtskommissarin
Fr.25.07.08 - Die südafrikanische Richterin Navanethem Pillay wird neue
Menschenrechtskommissarin der Vereinten Nationen in Genf.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nominierte die 67-Jährige am
Donnerstag zur Nachfolgerin der Kanadierin Louise Arbour, die Ende Juni
von ihrem Posten zurücktrat. Notwendig ist nun noch die Zustimmung
der UN-Vollversammlung, was jedoch als Formsache gilt und nach
UN-Angaben am kommenden Montag über die Bühne gehen
dürfte. Pillay ist seit 2003 Richterin in der Berufungskammer des
Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Zuvor war sie seit 1995
Richterin beim Internationalen Tribunal für Ruanda, von 1999 an
als Präsidentin dieses Strafgerichts.
(Quelle: ap)
Zahl der Hinrichtungen 2007 gestiegen
Fr.25.07.08 - Die Zahl der Hinrichtungen weltweit ist im vergangenen Jahr erneut
gestiegen. In 26 Staaten wurden nach Angaben der
Menschenrechtsorganisation Hands Off Cain (Hände weg von Kain)
5.851 Todesurteile vollstreckt. 2006 seien es 5.635 und im Jahr davor
5.494 gewesen. Nach dem am Donnerstag in Rom vorgestellten
Jahresbericht wurden in China die meisten Menschen hingerichtet, rund
5.000. Starke Zunahmen habe es im Iran, Saudi-Arabien und Pakistan
gegeben.
Die Organisation gegen die Todesstrafe erwartet in China einen
Rückgang der Hinrichtungen. Sie begründet das mit Berichten
von Richtern, Forschern und Menschenrechtsgruppen, nach denen die Zahl
der Verurteilungen zur Höchststrafe im vergangenen Jahr um 30
Prozent zurückgegangen sei. Das chinesische Oberste Gericht hat
mitgeteilt, es habe 15 Prozent der Todesurteile verworfen, die im
ersten Halbjahr 2008 ausgesprochen wurde.
Im Iran wurden 2007 mindestens 355 und in Saudi-Arabien 166
Todesurteile vollstreckt. 2006 waren es 215 beziehungsweise 39. Hands
Off Cain warf beiden Staaten vor, auch Minderjährige hingerichtet
und damit gegen die UN-Konvention über Kinderrechte
verstoßen zu haben.
In den USA wurden 42 Menschen hingerichtet, elf weniger als 2006. Die
niedrigste Zahl seit 13 Jahren wurde auf eine juristische Debatte
über die Rechtmäßigkeit von Hinrichtungen mit einer
Giftspritze zurückgeführt.
Die Zahl der Staaten mit Todesstrafe ging im vergangenen Jahr auf 49
zurück - 2006 waren es noch 51 und davor 54 gewesen. In 26 Staaten
wurden 2007 Verurteilte hingerichtet - 2006 praktizierten noch 28
Staaten die Todesstrafe.
(Quelle: ap)
Lebenslange Haft für ehemaligen Heereskommandeur in Argentinien
Fr.25.07.08 - Wegen Verbrechen während der Militärdiktatur in Argentinien
ist am Donnerstag ein ehemaliger Militärbefehlshaber zu einer
lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Der 81-jährige
frühere Kommandeur des 3. Heereskorps in Cordoba, Luciano Benjamin
Menendez, stand bereits wegen anderer Verurteilungen im Zusammenhang
mit dem sogenannten schmutzigen Krieg während der
Militärherrschaft von 1976 bis 1983 unter Hausarrest. Das Gericht
in Cordoba ordnete nach der neuen Verurteilung wegen Folter und der
Tötung von vier Aktivisten die Überstellung in ein
Gefängnis an.
(Quelle: ap)
Deutsch-französischer Dissens bei WTO-Gesprächen in Genf
Fr.25.07.08 - Die aktuellen Minister-Gespräche im Rahmen der
Welthandelsorganisation (WTO) über ein Abkommen zum weltweiten
Abbau von Handelsschranken sind nach drei Tagen am Scheideweg angelangt.
"Es steht auf der Kippe", erfuhr Reuters am Donnerstag aus deutschen
Delegationskreisen in Genf, wo die Verhandlungen laufen. Strittig war
aber nicht nur zwischen Industrie-, Schwellen und
Entwicklungsländern, wer nun mit weiteren Zugeständnissen den
Weg für einen Erfolg ebnen sollte. Auch zwischen Deutschland und
Frankreich brachen nach Angaben aus deutschen Delegationskreisen
Differenzen auf.
"Man hat den Eindruck dass Frankreich den positiven Abschluss nicht
will", sagte ein hochrangiges Mitglied der deutschen Delegation in
Genf, das namentlich nicht genannt werden wollte. Es verwies auf
Äußerungen von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy,
nach denen sich der Verdacht aufdränge, "dass man es dort als
einen Erfolg betrachtet, wenn es kein Ergebnis gibt". "Es gibt
unterschiedliche Sichtweisen zwischen Deutschland und Frankreich",
formulierte das Delegationsmitglied und unterstrich: "Deutschland
kämpft weiter für einen Erfolg."
Sarkozy hatte zuvor in Frankreich erklärt, das, was in Genf auf
dem Tisch liege, werde er nicht unterzeichnen, sofern es nicht
geändert werde. Frankreich ist unzufrieden mit dem Ausmaß,
in dem die EU Importschranken für Agrargüter abbauen soll. In
den Verhandlungen in Genf geht es im Kern darum, in welchem Maße
die Industrieländer einerseits ihre Subventionen für ihre
Agrargüter zurückführen und als Gegenleistung vor allem
die Schwellenländer andererseits ihre Märkte für
Industriegüter und Dienstleistungen öffnen. Bis Donnerstag
war es noch nicht gelungen, in dieser Frage zu einem Durchbruch zu
kommen.
Die aktuelle Verhandlungsrunde war 2001 in Doha gestartet worden. Sie
sollte insbesondere dem Ziel dienen, die ärmsten Länder
besser in den Welthandel zu integrieren und damit voranzubringen.
Gelingt in Genf aktuell kein Erfolg, so dürfte die Chancen
dafür nach Angaben vieler Beteiligter für längere Zeit
verspielt sein.
(Quelle: rtr)
Serbien lässt Botschafter in europäische Hauptstädte
zurückehren
Fr.25.07.08 - Serbien schickt die wegen des Streits um die Unabhängigkeit des
Kosovos aus den europäischen Hauptstädten abgezogenen
Botschafter wieder zurück auf ihre Posten. Das kündige
Außenminister Vuk Jeremic am Donnerstag an. Damit geht die
Regierung in Belgrad fünf Monate nach der
Unabhängigkeitserklärung der ehemaligen serbischen Provinz
einen weiteren Schritt auf die Europäische Union zu. Zuvor war
bereits die Verhaftung des ehemaligen bosnischen Serbenführers
Radovan Karadzic als positives Signal gewertet worden.
(Quelle: ap)
UNHCR empört über gleichgültige Urlauber neben
Roma-Leichen
Fr.25.07.08 - Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) hat sich
empört über die Gleichgüligkeit der Badegäste
gezeigt, die sich ungeachtet der Leichen zweier ertrunkener
Roma-Mädchen weiter am Strand von Neapel sonnten. "Wir sind
entrüstet und besorgt", sagte die Sprecherin der italienischen
UNHCR-Sektion, Laura Boldrini, der Nachrichtenagentur AFP.
Nach Informationen der italienischen Zeitung "Il Corriere della Sera"
hatten Badegäste vergeblich versucht, die beiden 14 und 16 Jahre
alten Mädchen vor dem Ertrinken zu retten. Nachdem die Leichen an
den Strand gezogen wurden, ließ der Anblick der mit
Badehandtüchern bedeckten Toten die Urlauber ungerührt. Bis
zur Ankunft des Leichenwagens eine Stunde später seien sie
unbeirrt ihren Strandbeschäftigungen nachgegangen.
Dieses Verhalten sei "schockierend, weil es von fehlender
Sensibilität" zeuge, sagte Boldrini weiter. Dass es "keine
politische Reaktion" darauf gegeben habe, sei noch dazu "umso
schockierender". Lediglich der Erzbischof von Neapel zeigte sich bisher
beschämt. Das Foto, das die beiden toten Teenager und im
Hintergrund zwei Urlauber zeigt, sei schlimmer als die Müllbilder
aus dem vergangenen Jahr, sagte er laut Nachrichtenagentur Ansa.
(Quelle: afp)
Frankreichs Parlament hebelt 35-Stunden-Woche aus
Fr.25.07.08 - Der französische Senat hat ein umfassendes Gesetzespaket für
den Arbeitsmarkt verabschiedet, mit dem unter anderem die bisher
geltende 35-Stunden-Woche ausgehebelt wird. Für die Reformen
stimmten die Senatoren der konservativen Regierungspartei UMP von
Präsident Nicolas Sarkozy. Die oppositionellen Sozialisten
votierten dagegen, konnten das Projekt aber nicht stoppen. Da die
Nationalversammlung dem Paket bereits zugestimmt hat, kann es nun in
Kraft treten.
Das Reformpaket sieht als wichtigste Regelung vor, dass die Begrenzung
der Arbeitszeit in Frankreich auf 35 Stunden pro Woche formell zwar
bestehen bleibt. Zugleich bekommen Unternehmen aber ausdrücklich
das Recht, direkt mit ihrer Belegschaft abweichende Arbeitszeiten zu
vereinbaren. Nach Ansicht von Gewerkschaften und anderen Kritikern der
Reform bedeutet dies de facto das Ende der 35-Stunden-Woche. Ebenfalls
geändert werden durch die neuen Gesetze die Regeln zu Streiks, die
künftig nur unter bestimmten Vorbedingungen von den Gewerkschaften
ausgerufen werden dürfen.
Die 35-Stunden-Woche war von der sozialistischen Regierung unter
Premier Lionel Jospin über mehrere Gesetze ab Mai 1988
eingeführt worden. Damit wurde die Arbeitszeit von davor 39 Stunden
herabgesetzt. Ziel war es, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und
mehr Menschen eine Anstellung zu ermöglichen. Laut einer
umstrittenen Schätzung des französischen Statistikinstituts
Insee entstanden so 350.000 zusätzliche Arbeitsplätze.
Präsident Sarkozy hatte die 35-Stunden-Woche im Wahlkampf als
"allgemeine Katastrophe für die französische Wirtschaft"
bezeichnet.
Das Parlament beschloss zudem strengere Regeln für Arbeitslose.
Wenn diese künftig zwei "vernünftige" Jobangebote ausschlagen,
kann ihnen die Unterstützung gekürzt werden.
(Quelle: afp)
Obama ruft in Berlin zu neuem Geist der Zusammenarbeit auf
Fr.25.07.08 - Vor mehr als 200.000 Menschen hat US-Präsidentschaftskandidat
Barack Obama in Berlin die Völker der Welt zu einem neuen Geist
der Zusammenarbeit aufgerufen und dabei auch mehr deutsches Engagement
für den Anti-Terror-Einsatz in Afghanistan verlangt. An der
Siegessäule sagte der US-Demokrat: "Dies ist unser Moment. Dies
ist unsere Zeit." Eine neue Generation müsse der Geschichte ihren
Stempel aufdrücken. Dies gelte für den Klimaschutz ebenso wie
für den Kampf gegen den Terrorismus: "Amerika kann das nicht
allein."
Mit den Worten "Völker der Welt, schaut auf Berlin" erinnerte
Obama an 1948/49, als die Stadt von den Alliierten über eine
Luftbrücke versorgt wurde. Europa und die USA müssten den
Geist, der damals herrschte, wieder beschwören. Zwischen Europa
und den USA gebe es durchaus Meinungsverschiedenheiten, sagte der
Kandidat um die Nachfolge von US-Präsident George W. Bush. Doch
die gemeinsame Last globaler Aufgaben verbinde.
Mit Blick auf den Anti-Terror-Kampf hob Obama hervor: "Dies ist der
Augenblick, in dem wir unsere Entschluss erneuern müssen, die
Terroristen zu verjagen, die unsere Sicherheit in Afghanistan
bedrohen." Er fügte hinzu: "Das afghanische Volk braucht unsere
Truppen und Ihre Truppen; unsere Unterstützung und Ihre
Unterstützung, um die Taliban und El Kaida zu besiegen, seine
Wirtschaft zu entwickeln und beim Wiederaufbau seiner Nation zu helfen."
Obama würdigte Berlin als die Stadt, "wo eine Mauer fiel, ein
Kontinent sich vereinigte und der Lauf der Geschichte bewies, dass
keine Herausforderung zu groß ist für eine Welt, die
zusammensteht". Heute sei die größte Gefahr, dass neue
Mauern die Völker voneinander trennten. Die Mauern zwischen Reich
und Arm, zwischen Rassen und Ethnien, zwischen Einheimischen und
Migranten, zwischen Christen, Moslems und Juden dürften nicht
stehenbleiben. "Jetzt sind dies die Mauern, die wir einreißen
müssen."
Auch bei Obamas Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ging es am Donnerstag
um die transatlantische Zusammenarbeit und die Zukunft Afghanistans.
Steinmeier erläuterte dem US-Senator das deutsche Engagement in
Afghanistan und betonte die notwendige Verbindung von zivilem
Wiederaufbau und militärischer Absicherung.
(Quelle: afp)
Deutsche haben Angst vor Globalisierung und rufen nach dem Staat
Fr.25.07.08 - Immer mehr Deutsche sehen sich als Verlierer der Globalisierung und
setzen auf einen starken Staat.
Die Hälfte der Bevölkerung geht davon aus, dass der weltweite
Handel und Wettbewerb Arbeitsplätze kostet, ergab eine am
Donnerstag veröffentlichte repräsentative Befragung des
Bankenverbandes. Nur noch 55 Prozent meinen, dass sie in einer
Wohlstandsgesellschaft leben - vor zwei Jahren waren es noch 65, vor
sechs Jahren sogar 70 Prozent. Zugleich stieg der Anteil der
Bürger, die mehr soziale Absicherung fordern, binnen zwei Jahren
von 43 auf 60 Prozent. Der Bankenverband forderte als Konsequenz von
der Politik ein schlüssiges Gesamtkonzept für Reformen, das
den Menschen eine Zukunftsperspektive aufzeige.
Ausgerechnet beim Exportweltmeister Deutschland stößt der
Umfrage zufolge die Globalisierung weiter auf große Vorbehalte:
Nur ein Fünftel der Bevölkerung glaubt, dass die weltweite
Vernetzung der Wirtschaft für sie mehr Vor- als Nachteile mit sich
bringt. Nahezu die Hälfte sieht Vor- und Nachteile in der Waage.
In der Folge plädieren fast 80 Prozent der Deutschen für
protektionistische Maßnahmen wie Schutzzölle oder
Einfuhrbeschränkungen zur Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit.
Die Verunsicherung durch die Globalisierung zieht sich wie ein roter
Faden durch die Umfrage. Trotz des Aufschwungs der vergangenen Jahre
erwarten sechs von zehn Deutschen, dass der Lebensstandard sinken wird.
Auch die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft nimmt ab: Nur noch
jeder Zweite meint, dass sie sich bewährt hat. Vor vier Jahren
waren es 56, vor acht Jahren 70 Prozent. Andererseits werden die
Unternehmen als leistungs- und wettbewerbsfähig wahrgenommen: 70
Prozent sehen sie für den globalen Wettbewerb gut gerüstet,
65 Prozent glauben, dass die Globalisierung die Absatzchancen
heimischer Produkte erhöht.
"Die rückläufige Unterstützung für unsere
Wirtschaftsordnung muss Politik und Wirtschaft gleichermaßen
Sorgen bereiten", sagte der Geschäftsführende Vorstand des
Bankenverbandes, Manfred Weber. Die Lösung liege nicht in einer
Abschottung vom Weltmarkt oder in mehr staatlicher Absicherung. Der
Koalition sei es jedoch nicht gelungen, die Menschen durch eine
schlüssige Reformpolitik mitzunehmen. Stattdessen verzettele sie
sich in Einzelproblemen wie der Wiedereinführung der
Pendlerpauschale.
"Wenn die Menschen eine klare Zukunftsperspektive haben, sind sie auch
bereit, sich dafür etwas abverlangen zu lassen", sagte Weber. Der
Umfrage zufolge seien die Deutschen nämlich nicht
grundsätzlich reformmüde. Nur ein Drittel der Befragten gab
an, dass die Reformen der vergangenen Jahre in den Bereichen
Gesundheit, Rente, Arbeitsmarkt und Steuern zu weit gegangen seien.
Für 22 Prozent waren sie dagegen gerade richtig, 36 Prozent
sagten, die Reformen seien nicht weit genug gegangen.
(Quelle: rtr)
Immer mehr Angst in Deutschland vor Altersarmut
Fr.25.07.08 - Immer mehr Menschen in Deutschland haben Angst vor Armut im Alter. Die
GfK-Marktforschung ermittelte im Auftrag der «Apotheken
Umschau», dass 42,3 Prozent der Deutschen sich davor sorgen, dass
die Rente nicht reichen könnte. 2005 lag dieser Anteil noch bei
34,4 Prozent, 2001 bei nur 23,2 Prozent, wie das Apothekenmagazin am
Donnerstag mitteilte.
Besonders groß ist die Sorge vor einem sozialen Abstieg im Alter
bei den 40- bis 59-Jährigen. In dieser Altersklasse fürchten
sich mehr als die Hälfte der Befragten (52,6 Prozent) vor allem
davor, dass ihnen später das Geld ausgehen könnte. Die GfK
fragte 2.010 Bundesbürger ab 14 Jahren nach ihren
größten Ängsten. An erster Stelle lag die
Befürchtung, im Alter zum Pflegefall zu werden (50,6 Prozent), vor
der Angst, unheilbar zu erkranken (48,9 Prozent).
Schon in den Jahren 2001 und 2005 sei diese Fragestellung
repräsentativ erhoben worden, erklärte die «Apotheken
Umschau». Die Besorgnisse, die sich auf die persönliche
Versorgungssituation bezögen oder auswirkten, seien im Laufe der
sieben Jahre angewachsen.
(Quelle: ap)
Zahl der Zeitarbeiter erreicht laut 'Handelsblatt' Rekordstand
Fr.25.07.08 - Die Zahl der Zeitarbeiter in Deutschland hat laut
«Handelsblatt» einen Rekordstand erreicht. Im Durchschnitt
des vergangenen Jahres sei erstmals die Marke von 700 000 Zeitarbeitern
übersprungen worden. Der Anstieg habe sich allerdings in der
zweiten Jahreshälfte erheblich verlangsamt. Das ergebe sich aus
neuen Daten der Bundesagentur für Arbeit. Der neuen Statistik
zufolge waren im vergangenen Jahr durchschnittlich 715 056 Menschen als
Zeitarbeiter beschäftigt. Das sind dem Bericht zufolge gut 135 000
mehr als 2006.
(Quelle: dpa)
Bundesrechnungshof kritisiert Arbeit von Job-Centern
Fr.25.07.08 - Der Bundesrechnungshof hat einem Zeitungsbericht zufolge die Arbeit von
Job-Centern kritisiert. So müssten viele Arbeitssuchende lange auf
eine Beratung warten, meldete die «Hannoversche Allgemeine
Zeitung» unter Berufung auf einen Bericht des Bundesrechnungshofs
an den Arbeits- und Sozialausschuss des Bundestags. Darin heiße
es unter anderem, die Qualität der Vermittlungstätigkeit und
das Fallmanagement hätten sich «gegenüber früheren
Prüfungen nicht grundlegend verbessert».
Hartz-IV-Empfänger warteten «im Durchschnitt neun Wochen vom
Leistungsbeginn an auf ein qualifiziertes Erstgespräch bei einer
Vermittlungskraft», schreibt das Blatt weiter. Bis zur Vorlage
einer schriftlichen Vereinbarung zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt
«vergingen durchschnittlich 16 Wochen». In jedem dritten
Fall würden überhaupt keine Eingliederungsvereinbarungen
geschlossen.
Die aufgedeckten «gravierenden Mängel» bei
Prüfungen in Berlin, Hannover, Köln, München und
Stuttgart seien auch weitgehend unabhängig davon, ob die
Leistungen von der Bundesagentur für Arbeit oder kommunalen
Trägern erbracht worden waren, schreibt der Bundesrechnungshof dem
Bericht zufolge weiter.
(Quelle: ap)
Ifo-Geschäftsklima im Juli unerwartet deutlich gesunken
Fr.25.07.08 - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist so schlecht wie seit knapp
drei Jahren nicht mehr.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Juli unerwartet deutlich von
101,2 auf 97,5 Zähler, wie das Münchner Institut für
Wirtschaftsforschung (Ifo) am Donnerstag mitteilte. Das ist der tiefste
Stand seit September 2005. Von Reuters befragte Volkswirte hatten nur
mit einem Rückgang auf 100,0 Punkte gerechnet. Die Stimmung
verschlechterte sich quer durch alle Branchen - von der Industrie
über den Handel bis zur Bauwirtschaft. "Diese Ergebnisse legen
nahe, dass der konjunkturelle Aufschwung zu Ende geht", sagte
Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Die Aussichten für die kommenden sechs Monate schätzten die
7000 befragten Manager pessimistischer ein. Der entsprechende Teilindex
sank von 94,6 auf 90,0 Punkte. Der Index für die Lage gab von 108,3
auf 105,7 Punkte nach.
Eine Rezession befürchtet das Ifo-Institut aber nicht. "Der
konjunkturelle Gipfel liegt zwar hinter uns, das Wachstum verlangsamt
sich spürbar, eine Rezessionsgefahr sehe ich aber nicht", sagte
Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger zu Reuters. Belastend wirkten vor
allem der hohe Ölpreis und der starke Euro sowie indirekt über
die wirtschaftliche Abschwächung in den USA auch die Finanzkrise.
Der Konsum in Deutschland werde mau bleiben. Auch die Exporterwartungen
der Firmen schwächten sich weiter ab, sagte Abberger.
Der Euro-Kurs fiel unmittelbar nach Veröffentlichung des Ifo-Index
auf das Tagestief von 1,5653 Dollar. Der deutsche Aktienindex Dax
weitete seine Verluste aus. Der Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als
wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen
Wirtschaft.
Viele Analysten gehen davon aus, dass er in den kommenden Monaten
weiter fällt. Eine Rezession erwarten aber auch sie nicht. "Die
Wirtschaft ist noch solide aufgestellt und die Lageeinschätzung
noch relativ gut", sagte Commerzbank-Experte Matthias Rubisch.
(Quelle: rtr)
Deutsche streiken vergleichsweise wenig
Fr.25.07.08 - In Deutschland gehen im europäischen Vergleich sehr wenige
Arbeitsstunden durch Streiks verloren. Wie aus einer am Donnerstag
veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der
FDP-Fraktion hervorgeht, lag die Bundesrepublik selbst im Jahr 2006, als
mit 2,56 Millionen Stunden im Vergleich zu den Vorjahren mehr
Arbeitsstunden verloren gingen, «deutlich unter dem Durchschnitt
der Europäischen Union».
Gleichwohl habe der arbeitskampfbedingte Ausfall in den vergangenen
zehn Jahren tendenziell zugenommen, hieß es weiter. So seien in
den Jahren 1998 bis 2001 insgesamt 870.000 Arbeitsstunden ausgefallen,
was pro Jahr im Schnitt 220.000 Stunden entspricht. Von 2002 bis 2007
waren es 8,05 Millionen Stunden und damit durchschnittlich 1,34
Millionen Stunden pro Jahr.
Bezogen auf das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen der Arbeitnehmer
seien die Stundenausfälle gering, schreibt die Bundesregierung. Sie
beliefen sich im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre auf 0,002
Prozent.
(Quelle: ap)
Böhmer ruft zu ernsthaftem Umgang mit Linkspartei auf
Fr.25.07.08 - Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer
(CDU), hat sich erneut anerkennend über die Linkspartei
geäußert. Im Berliner "Tagesspiegel" kritisierte er den
Umgang mit den Linken insbesondere im Westen: "In Westdeutschland ist
die Argumentationslinie gegenüber der Linkspartei heute noch so,
wie sie bei uns in den frühen 90er Jahren war." Die Linkspartei
sei aber "nicht mehr gleichzusetzen mit der SED", sagte Böhmer.
"Damit zu kommen, dass sie früher die Verantwortung für die
Stasi hatte, das hat 18 Jahre lang niemanden so überzeugt, wie wir
uns das mal gedacht haben."
Böhmer sagte weiter, er halte es für sinnlos, "diese Partei
immer mit dem gleichen Vokabular anzugreifen". Er nehme zur Kenntnis,
dass die Linkspartei "einen erstaunlichen, und zwar gewachsenen
Zuspruch hat". Deshalb müsse sie als politischen Faktor ernst
genommen werden, sagte Böhmer. Bündnisse der CDU mit der
Linkspartei auf Landesebene könne er sich "unter den
gegenwärtigen Bedingungen" nicht vorstellen. Er wisse allerdings
nicht, "was in zwanzig oder dreißig Jahren sein wird".
Böhmer hatte kürzlich in einem MDR-Interview gesagt: "Was ich
an der Linkspartei respektiere, ist ihre sehr intensive Basisarbeit.
Und das fehlt mir bei der CDU."
(Quelle: afp)
15 Prozent aller Lebensmittelproben beanstandet - Bundesamt legt
Kontrollbilanz vor - Keine Rückschlüsse auf
Nahrungsmittelsicherheit
Fr.25.07.08 - Bei amtlichen Lebensmittelkontrollen im vergangenen Jahr ist jeder
vierte Betrieb aufgefallen; 15 Prozent aller Proben wurden beanstandet.
Dieses Ergebnis für das Jahr 2007 legte das Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit am Donnerstag in Berlin
vor. Es machte allerdings darauf aufmerksam, dass die Kontrollen vor
allem dort stattfinden, wo ohnehin ein erhöhtes Risiko zu vermuten
ist. Damit könnten keine Rückschlüsse auf die
Nahrungsmittelsicherheit in Deutschland gezogen werden.
Der Leiter des Bundesamtes, Helmut Tschiersky-Schöneburg, zog
trotzdem die Bilanz, dass die Lebensmittelsicherheit in Deutschland
«auf hohem Niveau» gewährleistet sei. Für die
Kontrolle sind die Bundesländer zuständig; das Bundesamt fasst
lediglich deren Ergebnisse zusammen.
Die Beanstandungen der Lebensmittelproben bezogen sich zur Hälfte
auf eine mangelhafte Kennzeichnung wie ein fehlendes
Mindesthaltbarkeitsdatum oder Mogelpackungen, die eine
größere Füllmenge vortäuschen. 14 Prozent der
beanstandeten Proben waren verdorben oder enthielten Keime, zehn Prozent
waren mit Pflanzenschutzmitteln, Schimmelpilzen oder ähnlichem
verunreinigt.
Mit rund 21 Prozent beanstandeter Proben machten Fleisch, Geflügel
und Wild sowie Produkte daraus die größte Lebensmittelgruppe
aus, gefolgt von Zuckerwaren mit 18,8 Prozent. Eis und Desserts, die
zwei Jahre zuvor an der Spitze lagen, sanken mit 13,5 Prozent auf Platz
sieben.
(Quelle: ap)
Seehofer begrüßt Efsa-Warnung vor Klonfleisch
Fr.25.07.08 - Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer hat die skeptische
Einschätzung der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit
(Efsa) zu Fleisch von geklonten Tieren begrüßt.
Politisch und ethisch habe er die Zulassung solchen Fleischs immer
abgelehnt, erklärte Seehofer am Donnerstag. "Wenn das durch die
Efsa nun wissenschaftlich noch bekräftigt wird, begrüße
ich das." Die Behörde hatte erklärt, Fleisch und Milch von
geklonten Tieren könnten doch mit gesundheitlichen Risiken
verbunden sein. Noch im Januar hatte die Behörde die Einfuhr
solcher Produkte für unbedenklich erklärt, sowohl was den
Verzehr angeht als auch die Folgen für die Umwelt.
Zwar würden die Risiken bei Schweine- und Rindfleisch als
unwahrscheinlich eingeschätzt, sagte Efsa-Chef Vittorio Silano.
Angesichts der bisher geringen Datenbasis seien allerdings weitere
Studien nötig.
Die EU-Kommission hatte eine Untersuchung darüber im März
2007 in Auftrag gegeben, nachdem die US-Lebensmittelbehörde FDA
Klonfleisch von Kühen, Schweinen und Schafen zugelassen hatte.
Seither wurden Hunderte Tiere in den Vereinigten Staaten geklont.
Mehreren EU-Vertretern zufolge haben Großbritannien und
Deutschland das Klonen bisher grundsätzlich unterstützt. Doch
das Bundeslandwirtschaftsministerium erklärte, Deutschland setze
sich mitnichten dafür ein, Klonprodukte in der EU zuzulassen.
Die EU-Kommission will unabhängig von der Einschätzung der
Efsa die Verbraucher in Europa im September zu dem Thema befragen.
(Quelle: rtr)
Datenschützer: Chip im neuen Personalausweis ist Sicherheitsrisiko
Fr.25.07.08 - Der stellvertretende Sprecher des NRW-Beauftragten für
Datenschutz, Nils Schröder, befürchtet Sicherheitsmängel
beim biometrischen Personalausweis. Das größte Risiko sei der
Funkchip, der zum Auslesen verwendet werden soll. «Da besteht
natürlich auch immer die Gefahr, dass jemand den Chip knackt und
irgendwann aus mehreren Metern Entfernung abliest», sagte
Schröder den Dortmunder «Ruhr Nachrichten»
(Donnerstagausgabe).
Schröder rät davon ab, Fingerabdrücke auf dem Pass
speichern zu lassen. «Der Abdruck wird von der Politik immer
wieder als Argument für die Fälschungssicherheit
angeführt. Aber fälschungssicher sind die Ausweise im Grunde
jetzt schon.»
(Quelle: ddp)
Unterhaltungselektronik: HD-Drahtlos-Technologie wird vorangetrieben
Fr.25.07.08 - Die für die drahtlose Übertragung von HD-Videos erforderliche
Technologie soll vorangebracht werden. Um die hochaufgelösten
Videosequenzen per Funk zum Beispiel auf ein TV-Gerät zu
übermitteln, soll zukünftig auf das Wireless Home Digital
Interface (WHDI) zurückgegriffen werden, wenn es nach einer jetzt
neu gegründeten Interessengruppe geht.
Laut dem Magazin "Silicon.de" gehören diesem Konsortium neben dem
israelischen WHDI-Entwickler Amimon fünf namhafte Unternehmen aus
der Unterhaltungselektronik-Branche an. Mit von der Partie sind
Motorola, Samsung Electronics, Hitachi Sharp und Sony. Ziel dieser
Interessengruppe ist es, bis zum Ende dieses Jahres einen WHDI-Standard
festzulegen. Bereits im Jahr 2009 könnte basierend darauf die
Übertragung der High-Definition-Videos innerhalb von Gebäuden
sogar durch Wände hindurch möglich sein, die Reichweite soll
bei bis zu 30 Metern liegen.
Neben den von der Gruppe favorisierten Lösungsansätzen gibt
es Konkurrenzkonzepte wie etwa Wireless HD. Welche Technologie sich
letztlich durchsetzen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen.
(Quelle: gp)
Wissenschaft
Soja kann Spermienzahl reduzieren
Fr.25.07.08 - Wenn Männer viel Sojaprodukte essen, kann sich die Anzahl ihrer
Spermien verringern. Das haben Wissenschaftler der amerikanischen
Harvard-Universität in Boston herausgefunden.
Besonders gering war die Spermienzahl bei jenen Männern, die viele
solcher Nahrungsmittel aßen und zu dick waren. Nach Angaben der
Fachzeitschrift «Human Reproduction» wurde der Zusammenhang
zwischen dem Verzehr von Soja, das pflanzliche Hormone enthält, und
Unfruchtbarkeit bisher nur bei Tieren nachgewiesen.
Der Ernährungswissenschaftler Jorge Chavarro und seine Kollegen
untersuchten 99 Männer, die mit ihren Partnerinnen in einer
Unfruchtbarkeitsklinik zwischen den Jahren 2000 und 2006 behandelt
worden waren. In der Gruppe jener Patienten, die am meisten Sojaprodukte
konsumierten, konnten im Durchschnitt nur 41 Millionen Spermien pro
Milliliter Ejakulat nachgewiesen werden. Die Normalwerte liegen den
Angaben zufolge zwischen 80 und 120 Millionen.
Chavarro vermutet, dass die pflanzlichen Hormone in den Soja- Produkten
Einfluss auf die Spermienzahl haben. Dieser Effekt könnte durch
Übergewicht noch vergrößert werden, da dicke Männer
mehr von dem Hormon Östrogen produzieren als ihre schlanken
Geschlechtsgenossen, erläutert der Forscher. Sojabohnen werden bei
Tieren als Futtermittel genutzt, finden aber auch als Fleisch- und
Milchersatz vor allem in der vegetarischen Küche Verwendung.
(Quelle: dpa)
Kuhmist für den Klimaschutz: Strom für Millionen
Fr.25.07.08 - Der Mist von Kühen und anderen Nutztieren könnte Strom
für Millionen Menschen liefern und zugleich das Klima schützen.
Nach Berechnungen von Wissenschaftlern ist es möglich, allein mit
dem Dung der Tiere in den Vereinigten Staaten 100 Milliarden
Kilowattstunden Elektrizität zu produzieren - das entspricht knapp
drei Prozent des US-Jahresverbrauchs. Damit könnten Millionen von
Haushalten und Büros versorgt werden, schreiben Michael Webber und
Amanda Cuellar von der US-Universität von Texas in Austin in den
«Environmental Research Letters» (Bd. 3, S. 034002).
Beim Verrotten von Fäkalien werden klimaschädliche Gase wie
Methan freigesetzt. Im Szenario der Forscher wird dagegen der Mist der
Nutztiere ohne Sauerstoff in Biogas umgewandelt, das Turbinen für
die Stromproduktion verwenden. Auf diese Weise kann ihren Berechnungen
zufolge die Menge der Treibhausgase, die bei der Stromgewinnung in den
USA entstehen, um etwa vier Prozent gesenkt werden, schreiben die
Experten in dem Physik-Journal.
(Quelle: dpa)
Lkw-Überholverbot kann CO2-Ausstoß deutlich senken
Fr.25.07.08 - Ein Überholverbot für Lkw könnte neuen Berechnungen
zufolge den CO2-Ausstoß in Deutschland deutlich senken. Allein
für die in Deutschland zugelassenen 2,6 Millionen Lastkraftwagen
ergebe sich eine Reduzierung von mindestens 324 480 Tonnen pro Jahr,
teilte das Marktforschungsunternehmen EuPD Research am Mittwoch in Bonn
mit. Dies entspreche der Menge an CO2-Emissionen, die innerhalb eines
Jahres etwa durch den Stromverbrauch der privaten Haushalte in der Stadt
Bochum entstünden. Ein einzelner Kleinwagen müsste 2,3
Milliarden Kilometer fahren, um auf diesen Kohlendioxid-Ausstoß zu
kommen.
Den Angaben zufolge stößt ein Lkw beim Überholen
zusätzliche 416 Gramm CO2 aus. Bereits bei nur einem
Überholvorgang pro Tag und Lkw käme durch die rund 2,6
Millionen in Deutschland registrierten Lastkraftwagen ein
jährlicher Zusatzausstoß von über 324 000 Tonnen CO2
zustande.
(Quelle: ddp)