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Irak 1586 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

McCain kritisiert Obamas Irak-Politik

Sa.26.07.08 - Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain hat die Irak-Politik seines demokratischen Rivalen Barack Obama am Freitag scharf kritisiert. Der ganze Nahe Osten hätte in einem Krieg versinken können, wenn die US-Truppen wie von Obama befürwortet vorzeitig aus dem Irak zurückgezogen worden wären, sagte der Senator aus Arizona bei einem Wahlkampfauftritt vor Veteranen in Denver im Staat Colorado.

Obama hat für den Fall seiner Wahl zum Präsidenten einen Rückzug der US-Kampftruppen aus dem Irak innerhalb von 16 Monaten angekündigt. Obama beendet am (heutigen) Samstag in Großbritannien seine einwöchige Nahost- und Europareise. Er machte dabei auch im Irak Station.

(Quelle: ap)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 26.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundzweiundzwanzigtsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Do.26.07.07 - US-Präsident Bush sieht USA durch Al Kaida im Irak direkt bedroht +++ Attentäter töten bei Fußballfeiern in Bagdad 25 Iraker +++ Iran für Gespräche mit USA auf höherer Ebene... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707260.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

Zwei NATO-Soldaten in Afghanistan getötet

Sa.26.07.08 - Bei Gefechten in Südafghanistan sind zwei NATO-Soldaten getötet und neun weitere verletzt worden. Wie das Verteidigungsministerium in London am Freitag mitteilte, wurde ein britischer Soldat am Donnerstag bei Kämpfen mit Aufständischen in der Provinz Helmand erschossen. Sechs weitere erlitten Verletzungen. Bei einem Bombenanschlag ebenfalls in Helmand kam nach Angaben der Streitkräfte am Freitag ein Angehöriger der dänischen Truppen ums Leben. Drei seiner Kameraden wurden verletzt.

Bei einem weiteren Gefecht in derselben Provinz tötete die Polizei laut Angaben des afghanischen Innenministeriums am Freitag drei Taliban-Kämpfer. Bei Überfällen und Kämpfen im Süden Afghanistans sind seit Jahresbeginn 2.700 Menschen getötet worden.

(Quelle: ap)
 



 

Obama: Krieg in Afghanistan muss gewonnen werden

Sa.26.07.08 - Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat einen größeren Beitrag der amerikanischen NATO-Partner in Afghanistan gefordert. Die USA ihrerseits müssten mindestens zwei zusätzliche Brigaden nach Afghanistan schicken, sagte Obama am Freitag nach einem Gespräch mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy vor Journalisten in Paris. Der Krieg in Afghanistan gegen die Taliban müsse gewonnen werden und die Welt müsse diese Arbeit vollenden, sagte der Senator aus Illinois.

Sarkozy hatte kürzlich die Absicht bekundet, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Obama bezeichnete die Entscheidung als «mutig». Afghanistan war am vergangenen Samstag die erste Station von Obamas Auslandsreise. Er hatte sich bereits zuvor dafür ausgesprochen, die US-Truppen in Afghanistan im Kampf gegen den Terrorismus zu verstärken.

(Quelle: ap)
 



 

Steinmeier zu Überraschungsbesuch in Afghanistan

Sa.26.07.08 - Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist überraschend zu einem viertägigen Besuch in Afghanistan eingetroffen. Steinmeier landete in der westafghanischen Stadt Herat, wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte. Dort besuchte er Projekte zum Wiederaufbau und der kulturellen deutsch-afghanischen Zusammenarbeit. Die Bundesregierung will 2008 insgesamt 140 Millionen Euro für den Wiederaufbau am Hindukusch zur Verfügung stellen. In den kommenden Tagen stehen auch politische Gespräche über die Sicherheitslage in Afghanistan auf Steinmeiers Programm.

Zum Auftakt seiner Reise übergab der Außenminister die von Deutschland mit rund 6,7 Millionen Euro geförderte Trinkwasserversorgung in Herat in afghanische Hände. Sie soll künftig rund eine halbe Million Menschen in der Stadt im Westen Afghanistans mit Trinkwasser versorgen, wie das AA mitteilte. Außerdem informierte sich Steinmeier in Herat über die Restaurierung der historischen Altstadt, die ebenfalls von der Bundesregierung unterstützt wird. Neben Gesprächen mit örtlichen Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft stand auch eine Diskussion mit Studierenden der Universität Herat auf dem Programm.

Die nicht angekündigte Reise ist der dritte Besuch des Außenministers in Afghanistan. Nach Ministeriumsangaben handelt es sich um den längsten Aufenthalt eines Mitglieds der Bundesregierung in dem Land am Hindukusch. Steinmeier wolle sich während seiner Reise alle Aspekte des deutschen Afghanistan-Engagements anschauen, hieß es.

Steinmeier reiste rund sechs Wochen nach der internationalen Afghanistan-Konferenz in Paris an den Hindukusch. Dort hatte die internationale Gemeinschaft Afghanistan Hilfszusagen von umgerechnet rund 13 Milliarden Euro für den Wiederaufbau gemacht.

Deutschland ist nach Angaben des AA der viertgrößte Geberstaat Afghanistans. Im Norden des Landes sind derzeit 3500 deutsche Soldaten im Rahmen der NATO-geführten Internationalen Schutztruppe (ISAF) stationiert. Seit dem 1. Juli stellt Deutschland auch die rund 200 Mann starke Schnelle Eingreiftruppe, die Anschläge verhindern und kritische Situationen beruhigen soll. Deutschland führt zudem die EU-Polizeimission in Afghanistan (EUPOL).

(Quelle: afp)
 



 

EU hält erstes Gipfeltreffen mit Südafrika ab

Sa.26.07.08 - Die Europäische Union und Südafrika sind erstmals zu einem Gipfeltreffen zusammengekommen. Bei dem Treffen im südwestfranzösischen Bordeaux soll es unter anderem um die Lage in Südafrikas Nachbarland Simbabwe und um den Klimawandel gehen. Weitere Themen waren das sudanesische Krisengebiet Darfur und Wirtschaftsfragen. Die EU und Südafrika wollen bei dem Treffen am französischen Atlantik auch eine erste Bilanz ihrer strategischen Partnerschaft ziehen, die sie vor gut zwei Jahren beschlossen hatten.

Neben dem französischen Präsidenten und Gastgeber Nicolas Sarkozy, der derzeit den Ratsvorsitz der EU innehat, nahmen EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Südafrikas Staatschef Thabo Mbeki an dem Gipfel teil. Simbabwe werde als Thema "fast unausweichlich" sein, hieß es bei der EU im Vorfeld. Schließlich sei es "derzeit die größte Krise im südlichen Afrika". Die EU hatte Anfang der Woche härtere Sanktionen gegen Simbabwe verhängt, nachdem die Präsidentschaftswahl im Juni zur Farce verkommen war. Südafrika dagegen, das südliche Nachbarland, hält sich mit Kritik am simbabwischen Staatschef Robert Mugabe auffallend zurück. Südafrika sei aber einer der wichtigsten Handlungsträger in dem Konflikt, hieß es in der EU.

Auf der Tagesordnung des Gipfeltreffens in Bordeaux stehen Themen, die von weltweiter Bedeutung sind, wie Klimawandel, Abwanderung und Nahrungsmittelsicherheit, aber auch wirtschaftliche Fragen und Abkommen. Südafrika führte im vergangenen Jahr Waren im Wert von 137 Milliarden Rand (11,4 Milliarden Euro) in die Europäische Union aus und importierte Waren im Wert von 176 Milliarden Rand aus Europa. Die EU ist damit der größte Abnehmer und Investor für das Land.

Das Gipfeltreffen solle die Beziehungen der EU und Südafrika "auf die nächste Ebene" heben, erklärte die Brüsseler Kommission. Vor gut zwei Jahren hatten beide Seiten eine strategische Partnerschaft beschlossen. Zum Abschluss des Treffens war ein Mittagessen zu Ehren von Südafrikas Staatschef geplant.

(Quelle: afp)
 



 

Abchasien und Georgien doch verhandlungsbereit

Sa.26.07.08 - Die von Georgien abtrünnige Region Abchasien ist nach anfänglicher Ablehnung nun doch zu Verhandlungen über die Beilegung des Territorialstreits in Deutschland bereit.

Die Gespräche könnten auf Expertenebene Ende August in Berlin erfolgen, sagte der abchasische Präsident, Sergej Bagapsch, am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax in der Hauptstadt Suchumi.

Zuvor hatten Diplomaten aus Deutschland und den USA die georgische und die abchasische Seite für Ende kommender Woche an den Verhandlungstisch nach Berlin eingeladen. Ein Treffen dürfe nicht übereilt werden, sagte Bagapsch. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte in der vergangenen Woche seinen Drei-Stufen- Plan persönlich in Abchasien, Georgien und Russland vorgestellt.

Das Papier sieht zunächst einen Gewaltverzicht vor, dann soll die Frage der vermutlich rund 250 000 Flüchtlinge geklärt werden, die im Zuge des Bürgerkrieges Abchasien verließen. Anschließend soll der Wiederaufbau in Angriff genommen und erst ganz zum Schluss der Status Abchasiens diskutiert werden. Moskau hatte die Bemühungen Steinmeiers mit Einschränkungen begrüßt.

Insbesondere lehnen Abchasien und die Unterstützer in Russland eine frühe Rückkehr der Flüchtlinge ab. Zudem fordern beide Seiten einen Abzug georgischer Truppen aus dem Kodori-Tal sowie die Unterzeichnung einer Erklärung durch Tiflis, auf Gewalt bei der Lösung des Regionalkonflikts zu verzichten. «Ich will noch einmal wiederholen, dass ohne eine Lösung dieser beiden Fragen der georgisch-abchasische Konflikt nicht gelöst werden kann», sagte Bagapsch.

Georgien wirft Russland vor, Abchasien annektieren zu wollen. Abchasien strebt eine international anerkannte Unabhängigkeit an. In Abchasien hatten am Freitag die deutsche Botschafterin in Georgien, Patricia Flor, und der US-Diplomat Matthew Bryza mit der Führung in Suchumi gesprochen. Washington unterstützt den deutschen Plan.

(Quelle: dpa)
 



 

Atomkraftgegner reichen Anzeige gegen Meiler in Fessenheim ein

Sa.26.07.08 - Der Dreiländer-Atomschutzverband TRAS hat Anzeige gegen das Kernkraftwerk Fessenheim im Elsass eingereicht und die endgültige Schließung des zweitältesten Atommeilers in Frankreich gefordert. «Das Atomkraftwerk funktioniert nach veralteten und überholten Sicherheitsvorschriften, die den bestehenden Risiken zu wenig oder ungenügend Rechnung tragen», heißt es in der Anzeige, wie der TRAS am Freitag bekannt gab.

Ihre Forderung schickten die Atomkraftgegner aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich an Umweltminister Jean-Louis Borloo und Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. «Angesichts der Serie von sicherheitsrelevanten Vorfällen in Fessenheim haben die Anrainer genug von der Beschwichtigungslitanei der französischen Atomaufsichtsbehörde ASN», schreibt der TRAS.

Wegen der jüngsten Pannenserie ist die gesamte französische Atomindustrie unter Druck geraten. Bei vier Vorfällen in den vergangenen zwei Wochen gelangten mehrere Kilogramm Uran in die Umwelt, mehr als hundert Kraftwerksmitarbeiter wurden leicht verstrahlt. Umweltminister Borloo hat eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen angeordnet. Zu einer breiten Bewegung gegen die Kernkraft ist es bislang aber nicht gekommen. In Frankreich werden rund 80 Prozent des Stroms aus Kernenergie gewonnen.

Die Anlage in Fessenheim bei Mülhausen an der deutschen Grenze mit zwei Reaktoren wurde 1979 in Betrieb genommen. Wegen seines Alters und der erdbebengefährdeten Lage im Rheingraben gilt das Kraftwerk als eines der unsichersten in Frankreich und Westeuropa. «Die Anrainer wollen nicht länger unter diesem Damoklesschwert leben», so der TRAS.

(Quelle: ap)
 



 

Kommunen können laut Gutachten Kohlekraftwerke stoppen

Sa.26.07.08 - Die Kommunen haben nach einem im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erstellten Rechtsgutachten gute Chancen, den Neubau von Kohlekraftwerken auf ihrem Gebiet zu verhindern. Viele Städte und Gemeinden gingen bislang irrtümlich davon aus, dass die Kraftwerksbetreiber Anspruch auf eine Genehmigung hätten, solange das Projekt die Voraussetzungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz erfülle, sagte DUH-Geschäftsführer Rainer Baake am Freitag in Mainz. Dabei könne die kommunale Bauleitplanung als wirksames Instrument gegen klimaschädliche Kraftwerksprojekte eingesetzt werden.

So könnten die Kommunen nach dem Gutachten des Hamburger Verwaltungsrechtlers Martin Wickel in ihren Bebauungsplänen Stadtteile festlegen, in denen bestimmte Luft verunreinigende Stoffe nicht verwendet werden dürfen. Dazu könne auch die Verbrennung von Kohle zur Energiegewinnung zählen. Zudem könne über das Bauplanungsrecht festgelegt werden, dass sich Neubauten in die Umgebung einfügen müssten.

Damit werde der Bau von Kohlekraftwerken erschwert, die in der Regel über hohe Kesselhäuser und Kühltürme verfügen. Derartige Veränderungen in kommunalen Bebauungsplänen seien auch dann noch möglich, wenn ein Kraftwerksbetreiber bereits einen Genehmigungsantrag gestellt habe.

(Quelle: ap)
 



 

Deutsche Autobauer bei Klimaschutz nicht auf der Überholspur - Peugeot-Citroën und Toyota landen bei Studie vorne - BMW als bestes deutsches Unternehmen auf Rang drei

Sa.26.07.08 - Deutsche Autohersteller fahren beim Klimaschutz der Konkurrenz hinterher. Die Nase vorn hat der französische Konzern Peugeot-Citroën auf dem ersten Platz vor dem japanischen Autobauer Toyota, wie eine am Freitag veröffentlichte Studie der Fachhochschule Gelsenkirchen für das Wirtschaftsmagazin «Capital» ergab. Auf Rang drei kam BMW als bestes deutsches Unternehmen.

Insgesamt verglichen die Gelsenkirchener Wissenschaftler 15 Autohersteller aus Europa, den USA und Japan. Dabei kamen VW und Mercedes auf die Plätze sieben und acht. Porsche landete dem Magazin zufolge auf Rang 14 und hat die Flotte mit dem höchsten aktuellen CO2-Ausstoß. Schlusslicht im Kampf gegen den Treibhauseffekt war der US-Konzern Chrysler.

Bei der Untersuchung sei es nicht nur um den aktuellen CO2-Ausstoß der Fahrzeug-Flotten gegangen, erklärte der Leiter des Centers of Automotive Research der Fachhochschule, Ferdinand Dudenhöffer. Betrachtet wurde auch das Potenzial für Einsparungen durch innovative Technik und kleinere Fahrzeuge. So habe etwa BMW vor allem beim künftigen Einsparpotenzial gepunktet, das höher liege als bei allen anderen untersuchten Anbietern.

(Quelle: ap)
 



 

Europäischer Gerichtshof bejaht Klagerecht bei Feinstaub - Städtetagspräsident Ude sieht Schwarzen Peter für Feinstaub in Brüssel und Berlin

Sa.26.07.08 - Der Präsident des Deutschen Städtetags und Münchner Oberbürgermeister Christian Ude hat der EU und der Bundesregierung eine Mitschuld an der hohen Feinstaubbelastung gegeben. Brüssel und Berlin müssten endlich «die schlimmsten Umweltsünder unter den Fahrzeugen aus dem Verkehr ziehen» und strengere Umweltstandards durchsetzen, forderte Ude am Freitag in München.

Er reagierte damit auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, wonach bei Überschreitung der Grenzwerte jeder betroffene Bürger einen lokalen Aktionsplan verlangen kann. Für den Städtetag forderte Ude von der europäischen und der nationalen Ebene, «das Übel endlich an der Wurzel zu bekämpfen und nicht nur dort, wo die Auswirkungen am schlimmsten in Erscheinung treten». Wenn die europäischen und die Bundespolitiker die Feinstaubbelastung reduzieren wollten, was nur zu begrüßen sei, müsste die Gesetzgebung an den Quellen ansetzen und die schlimmsten Autos und Lastwagen stilllegen.

Der Europäische Gerichtshof habe klargestellt, «dass die Grenzwerte nicht unverbindlich auf dem Papier stehen, sondern tatsächlich zwingende Vorgaben sind». Zugleich müsse die Politik den Feinstaub aber nur schrittweise reduzieren und alle betroffenen Interessen berücksichtigen, also auch die Belange des Berufs- und Wirtschaftsverkehrs sowie die Interessen von Anwohnern, die durch Sperrungen und Umleitungen in Mitleidenschaft gezogen würden.

Der Freistaat Bayern hätte sich die Verurteilung in Luxemburg ersparen können, wenn er den von der Stadt München geforderten Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen schon früher aufgestellt hätte, sagte Ude. München habe inzwischen die Satzung für den Einsatz emissionsarmer Brennstoffe verschärft, im Februar ein Transitverbot für Lastwagen eingeführt und werde am 1. Oktober 2008 die Umweltzone innerhalb des Mittleren Rings einführen. Die Feinstaubbelastung bei der Wohnung des Klägers am Mittleren Ring habe die Grenzwerte im ersten Halbjahr 2006 an 61 Tagen überschritten, im Jahr 2007 an 20 Tagen und im laufenden Jahr an 33 Tagen. Dies zeige, «welchen gewaltigen Einfluss die Wetterbedingungen auf die Zahl der Überschreitungstage haben», sagte Ude.

(Quelle: ap)
 



 

Halbleiterhersteller Infineon baut 3000 Stellen ab

Sa.26.07.08 - Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Münchener Rück hat sein Gewinnziel für 2008 wegen der Turbulenzen an den Kapitalmärkten deutlich gesenkt. Statt 3,0 bis 3,4 Milliarden Euro würden nur noch «deutlich über 2 Milliarden Euro» erwartet, teilte der DAX-Konzern in München mit.

Als Grund für den Ergebniseinbruch führte die Münchener Rück die stark gesunkenen Kurse von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren an. Das Kapitalanlageergebnis sei daher im ersten Halbjahr 2008 spürbar zurückgegangen. Die langfristigen Ziele blieben jedoch unverändert. Die Börse reagierte mit empfindlichen Kursabschlägen.

Im zweiten Quartal war der Gewinn ersten Schätzungen zufolge fast um die Hälfte von 1,158 Milliarden auf rund 600 Millionen Euro eingebrochen. Das Eigenkapital ging von Ende März bis Ende Juni von 23,8 auf 21,5 Milliarden Euro zurück. Die genauen Zahlen will die Münchener Rück wie geplant am 6. August vorlegen.

Obwohl das Unternehmen eigenen Angaben zufolge nur mit knapp sieben Prozent ihrer Kapitalanlagen in Aktien engagiert ist, hat es zuletzt erhebliche Abschreibungen auf sein Portfolio vornehmen müssen. Die Abschreibungen auf festverzinsliche Wertpapiere seien im zweiten Quartal hingegen gering ausgefallen. Insgesamt verfügt der Rückversicherer über Kapitalanlagen von rund 166 Milliarden Euro.

Für den weiteren Jahresverlauf ist laut Münchener Rück mit weiteren Abschreibungen zu rechnen, sofern das derzeitige Kursniveau bestehenbleibt. Sollte die von einigen Marktteilnehmern erwartete Kurserholung eintreten, werde dies allerdings nicht der Fall sein.

An ihren längerfristigen Prognosen hielt die Münchener Rück am Freitag fest. Dies gelte auch für das Ziel, den Gewinn je Aktie bis zum Jahr 2010 auf mehr als 18 Euro zu steigern. Darüber hinaus will das Unternehmen den Rückkauf eigener Aktien fortsetzen. Bis zur Hauptversammlung 2009 sollen Aktien im Wert von einer Milliarde Euro erworben werden.

An der Börse wurden die Nachrichten mit Bestürzung aufgenommen. Die Papiere der Münchener Rück gingen bis zum späten Vormittag um 12,48 Prozent auf 101,90 Euro in die Knie. Auch die Aktien anderer Rückversicherer gerieten in den Abwärtsstrudel, darunter die Hannover Rück und Swiss Re.

(Quelle: dpa)
 



 

Höchste Teuerungsrate bei Importpreisen seit fast acht Jahren

Sa.26.07.08 - Angetrieben von immer höheren Energiepreisen sind die Preise für Importware im Juni so stark gestiegen wie seit fast acht Jahren nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte, lag der Index der Einfuhrpreise um 8,9 Prozent über dem Vorjahresstand. Im Mai und im April hatte der Anstieg noch 7,9 beziehungsweise 5,7 Prozent betragen. Allein die Einfuhr von Energieträgern verteuerte sich um 49,7 Prozent.

Importierte Steinkohle kostete den Angaben zufolge 60,3 Prozent mehr als im Juni 2007, Rohöl legte 58,4 Prozent zu und Mineralölerzeugnisse 61,7 Prozent. Eingeführtes Erdgas verteuerte sich im Jahresvergleich um 42,9 Prozent. Ohne Erdöl und Mineralölerzeugnisse hätte der Einfuhrpreisindex im Juni 2008 den Angaben zufolge 2,5 Prozent zugelegt.

Aber auch bei Nahrungsmitteln gab es teils sehr kräftige Preisaufschläge. So musste beispielsweise für Getreide 35,9 Prozent mehr bezahlt werden. Zitrusfrüchte verteuerten sich um 35,7 Prozent. Milch und Milcherzeugnisse legten 9 Prozent zu. Die Kaffeepreise stiegen um 15 Prozent und Rindfleisch wurde 23,2 Prozent teurer.

(Quelle: ap)
 



 

EU-Kommissarin will kleinen deutschen Milchbauern helfen

Sa.26.07.08 - Vor dem Milchgipfel am Dienstag in Berlin hat EU-Kommissarin Mariann Fischer-Boel den kleinen deutschen Milcherzeugern eine Lösung versprochen. Sie sagte der «Bild»-Zeitung: «Ich nehme die Sorgen der deutschen Milchbauern sehr ernst. In den aktuellen Beratungen zur landwirtschaftlichen Lage werden wir eine Lösung für die kleinen Milcherzeuger finden, damit sie auch ohne Milchquoten überleben können.»

Die kleinen Betriebe spielten gerade in wirtschaftlich schwächeren Regionen eine wichtige Rolle, erklärte die EU-Kommissarin. «Daher werden wir Wege finden, ihnen beim Anpassungsprozess zu helfen.» Details nannte Fischer-Boel nicht. Sie forderte die Milchbauern zu enger Zusammenarbeit auf, dadurch würden sie ihre Position in den Verhandlungen mit Molkereien und Handel stärken. Die Milchquoten liefen definitiv im Jahr 2015 aus, betonte sie. «Es gibt viele deutsche Milchbauern, die es gar nicht abwarten können, ihre Milchproduktion zu erhöhen und die enormen Möglichkeiten des wachsenden Weltmarktes zu nutzen», sagte die Kommissarin.

(Quelle: ap)
 



 

SPD will Sozialabgaben nur für Arbeitnehmer senken

Sa.26.07.08 - Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, hat sich dafür ausgesprochen, den Beitrags zur Arbeitslosenversicherung für Arbeitnehmer unter drei Prozent zu senken, aber für die Arbeitgeber bei 3,3 Prozent zu belassen. Schneider sagte der «Thüringer Allgemeinen» zur Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, den Beitrag auf drei Prozent zu senken: «Der Spielraum ist da, ich würde ihn nutzen, um den Beitragssatz für die Arbeitnehmer auf 2,7 Prozent zu senken, möglich sind sogar 2,5 Prozent, wenn wir den Beitragssatz der Arbeitgeber auf dem jetzigen Stand von 3,3 Prozent belassen.»

Der SPD-Politiker sagte, die Unternehmen hätten schon davon profitiert, dass der Beitragssatz von einst 6,5 auf jetzt 3,3 Prozent fast halbiert worden sei. «Ich sehe zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit für eine weitere Entlastung. Die sehe ich aber angesichts steigender Preise für Energie und Nahrungsmittel sehr deutlich bei dem verfügbaren Einkommen der Arbeitnehmerhaushalte», erklärte Schneider. Er fügte hinzu: «Ich bin mir sicher, dass es mit der Union zum 1. Januar 2009 eine Übereinkunft gibt, den Spielraum zur Senkung unter drei Prozent zu nutzen. Davon würden dann alle Arbeitnehmer profitieren und nicht nur die höheren Einkommen.»

Die Bundesagentur habe fast 20 Milliarden Euro auf der hohen Kante. «Damit gibt es eine Sicherung der zukünftigen Pensionsausgaben und ein Rücklage, die man bei sinkendem Beitragssatz langsam aufzehren kann», meinte Schneider. «Aufgabe der Arbeitslosenversicherung ist es aber nicht, Geld einzusparen. Bei deutlicher Zunahme der Arbeitslosigkeit müsste aber tatsächlich der Beitrag wieder steigen.»

(Quelle: ap)
 



 

CDU überholt SPD bei Mitgliederzahlen

Sa.26.07.08 - Erstmalig hat die CDU mehr Parteimitglieder in Deutschland als die SPD. Dies berichtete die «Financial Times Deutschland» am Freitag unter Berufung auf Parteikreise. Ein CDU-Sprecher wollte die Meldung auf Anfrage nicht bestätigen, verwies aber auf ein geplantes Pressestatement von CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla am Montag (12.00 Uhr). Ein SPD-Sprecher sagte, es könne durchaus sein, «dass die CDU die SPD bei den Mitgliedszahlen überholt hat».

Ende Mai lag die SPD mit 531 737 Mitgliedern noch knapp vor der CDU, die damals 531 299 eingeschriebene Anhänger hatte. Die Sozialdemokraten verloren damit innerhalb eines Monats per Saldo erneut 1700 Genossen.

Der SPD-Sprecher betonte, die Entwicklung sei «kein Grund zum Jubeln», denn unterm Strich verliere auch die CDU weiter Mitglieder. Es sei für beide großen Volksparteien eine Herausforderung, wieder mehr Menschen für die Mitarbeit in demokratischen Parteien zu gewinnen.

Mit über einer Million Mitgliedern hatte die SPD 1976 ihren Höchststand verzeichnet. Neueintritte konnten seitdem die Zahl von Sterbefällen und Austritten nicht ausgleichen. Derzeit verzeichnet die Volkspartei nach eigenen Angaben ein durchschnittliches monatliches Minus von rund 1600 Mitgliedern, in den Vorjahren habe die SPD jährlich rund 24000 Genossen verloren, hieß es im Willy-Brandt-Haus. Zum Höhepunkt des parteiinternen Streits um die «Agenda 2010»-Reformen des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder in den Jahren 2003 und 2004 habe der Schwund sogar rund 50 000 Mitglieder jährlich betragen.

Auch die CDU muss allerdings seit Jahren kontinuierliche Mitgliederverluste hinnehmen.

(Quelle: ddp)
 



 

Ypsilanti erwägt neuen Anlauf für Wahl zur Regierungschefin in Hessen

Sa.26.07.08 - Die SPD in Hessen erwägt ungeachtet der Bedenken der Bundesspitze einen neuen Anlauf zur Wahl von Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin mit Hilfe der Linkspartei.

Dies werde die Landes-SPD in den nächsten Wochen besprechen, sagte SPD-Landesvorsitzende Ypsilanti dem Berliner "Tagesspiegel" vom Samstag. Sie lasse sich von niemandem unter Druck setzen. Der Landesverband und die Landtagsfraktion seien sehr geschlossen: "Wir können uns deshalb die Freiheit nehmen, ohne Denkverbote zu überlegen, wie es weiter geht."

Nach der Landtagswahl im Januar war es weder Ministerpräsident Roland Koch (CDU) noch Ypsilanti gelungen, eine Koalition zu bilden, da die favorisierten Bündnisse Schwarz-Gelb und Rot-Grün über keine Regierungsmehrheit verfügen. Koch ist derzeit geschäftführender Ministerpräsident ohne Landtagsmehrheit. Ypsilanti gab nach Widerstand in der SPD-Landtagsfraktion den Plan auf, sich mit Hilfe der Linkspartei zur Regierungschefin wählen zu lassen. Die auch von SPD-Chef Kurt Beck befürwortete Öffnung zur Linkspartei ist in der Partei umstritten.

Zu früheren Äußerungen Becks, wonach die Hessen-SPD nicht zweimal mit demselben Kopf gegen dieselbe Wand rennen werde, sagte Ypsilanti: "Ich sehe in Hessen weder eine Wand noch eine Mauer, sondern ein breites, unbeackertes Feld, das beackert werden will." Natürlich würden die Interessen der Bundespartei in die Erwägungen einbezogen. "Auf meiner Prioritätenliste stehen aber die Inhalte ganz oben, ihnen bin ich zuallererst verpflichtet."

Auf die Hilfe der Grünen kann Ypsilanti zählen. "Wenn die SPD mit uns Koalitionsverhandlungen aufnehmen möchte, und die Ergebnisse überzeugend sind, wird eine rot-grüne Minderheitsregierung an uns nicht scheitern", sagte der Landesvorsitzende Tarek Al-Wazir der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nach Vorabbericht vom Freitag.

(Quelle: rtr)
 



 

Lufthansa wird in Ferienzeit bestreikt - Montag 0.00 Uhr beginnt Arbeitskampf des Boden- und Kabinenpersonals

Sa.26.07.08 - Mitten in der Urlaubszeit müssen die Fluggäste der Lufthansa ab Montag mit weiteren Behinderungen rechnen. In einer Urabstimmung habe sich das Boden- und Kabinenpersonal des Unternehmens mit einer Mehrheit von 90,7 Prozent für einen Arbeitskampf entschieden, sagte ver.di-Bundesvorstand Erhard Ott am Freitag in Berlin. In allen Geschäftsbereichen könne es ab Montag 0.00 Uhr zu unbefristeten Streiks kommen. Die Lufthansa reagierte «mit Unverständnis» auf die Ankündigung des Arbeitskampfes. Eine Sprecherin sagte, man sei «dialogbereit».

Die 52 000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine der größten deutschen Fluggesellschaft wollen mit den Streiks für einen besseren Tarifvertrag kämpfen. An den Maßnahmen würden sich die Bereiche Kabine, Technik, Catering, Cargo, Passage und Systems beteiligen. Der Beginn werde an den einzelnen Standorten abgestimmt. Zeitversetzt würden in der kommenden Woche die Standorte Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart bestreikt. Genaueres sage ver.di nicht, um Lufthansa nicht die Möglichkeit zu geben, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sagte Ott.

Mit den Streiks wollten und müssten die Arbeitnehmer das Unternehmen «wirtschaftlich» treffen, betonte Ott. ver.di sei sich der erheblichen Belastungen für die Passagiere bewusst und bemühe sich, den Konflikt so «schnell wie möglich beizulegen». Wie genau sich der Streik auf den Flugverkehr auswirken werde, sei für ver.di derzeit «nicht kalkulierbar». Das werde sich Montag zeigen.

Lufthansa-Sprecherin Amélie Lorenz erklärte, das Unternehmen werde alles tun, um die Auswirkungen für die Passagiere «so gering wie möglich» zu halten. Einen Bericht der «Rheinischen Post» (Freitagausgabe), nach dem ein detaillierter Notfallplan stets bis zu 75 Prozent der Flüge sicherstellen soll, bestätigte sie allerdings nicht. Sie rechne zudem damit, dass sich beispielsweise vom Kabinen- sowie Check-In-Personal nicht viele Mitarbeiter an den Arbeitsniederlegungen beteiligen. Das hänge mit dem unterschiedlichen gewerkschaftlichen Organisationsgrad der Mitarbeiter in den verschiedenen Sparten des Konzerns zusammen.

Die Gewerkschaft fordert 9,8 Prozent mehr Gehalt bei einer einjährigen Tarifvertragslaufzeit für die rund 52 000 Beschäftigten. Die Lufthansa bot zuletzt an, die Gehälter ab 1. Juli um 4,6 Prozent und zum 1. Juli 2009 noch einmal um 2,1 Prozent anzuheben. Vorgesehen war außerdem eine Einmalzahlung noch in diesem Jahr in Höhe von einem Prozent der Jahresvergütung. Als Laufzeit für den Tarifvertrag bot Lufthansa 21 Monate bis Ende Februar 2010 an. In den bisher vier Verhandlungsrunden waren die Tarifparteien nicht zu einem Ergebnis gekommen.

Lufthansa befindet sich derzeit auch im Tarifkonflikt mit der Pilotenvereinigung Cockpit bezüglich neuer Tarifverträge für die Töchter Eurowings und Cityline. Durch Streiks kam es in der Urlaubszeit bereits zu knapp 1000 Flugausfällen.

Die Lufthansa-Aktie reagierte am Freitag auf die Nachricht mit Kursverlusten und verlor in einem negativen Marktumfeld bis 13.30 Uhr 2,4 Prozent auf 15,25 Euro.

(Quelle: ddp)
 



 

Stiftung zu Zwangsarbeiter-Entschädigung schließt Bücher

Sa.26.07.08 - Acht Jahre nach ihrer Gründung hat die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" zur Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter ihre Arbeit abgeschlossen. Insgesamt wurden knapp 4,48 Milliarden Euro an rund 1,66 Millionen Überlebende ausgezahlt, wie aus dem in Berlin veröffentlichten sechsten und abschließenden Bericht über die Auszahlungen der Bundesregierung hervorgeht. Damit erhielt jeder Empfänger im Schnitt rund 2700 Euro.

Der größte Anteil floss nach Polen. Dort wurden 974 Millionen Euro auf 483.287 Empfänger verteilt. In der Ukraine wurden dem Bericht zufolge 471.167 NS-Opfer mit insgesamt 866 Millionen Euro entschädigt. Nach Russland und Weißrussland flossen rund 766 Millionen Euro an rund 627.000 Empfänger. In Tschechien erhielten 75.769 Überlebende insgesamt knapp 208 Millionen Euro. Insgesamt waren bei der Stiftung den Angaben zufolge 2.316.517 Anträge eingegangen. 644.826 Anträge wurden abgelehnt.

(Quelle: afp)
 



 

Wissenschaft

Lebenserwartung von HIV-Infizierten gestiegen

Sa.26.07.08 - Die Lebenserwartung von HIV-Infizierten ist in den vergangenen Jahren durch Kombinationstherapien stark gestiegen. Sie nahm von 1996 bis 2005 in den Industrieländern um 13 Jahre zu, wie Aids-Experten im britischen Medizinjournal «The Lancet» (Bd. 372, S. 293) berichteten.

Die Forscher werteten 14 Studien aus Europa und Nordamerika aus. Nach ihren Berechnungen hat ein 20-Jähriger, der zwischen 2003 und 2005 eine Behandlung mit den antiretroviralen Medikamenten begonnen hat, im Mittel noch fast 50 Jahre zu leben.

Die Fortschritte zeigten, dass sich Aids von einer tödlichen zu einer chronischen Krankheit entwickelt habe, berichteten die Forscher um Prof. Robert Hogg vom British-Columbia-Aids-Zentrum in Vancouver (Kanada) und Prof. Jonathan Sterne von der britischen Universität Bristol. Trotz dieser positiven Entwicklung erreichten die Infizierten aber noch nicht die normale Lebenserwartung. Außerdem gebe es große Unterschiede unter den Patienten. So stürben HIV-infizierte Drogenabhängige der Statistik zufolge oft deutlich früher.

In derselben «Lancet»-Ausgabe üben Aids-Experten scharfe Kritik an Kollegen aus der Schweiz, die Sex ohne Kondome für einen begrenzten Kreis von Patienten mit deren festen, nicht-infizierten Partnern für vertretbar halten. So ist ungeschützter Geschlechtsverkehr nach Ansicht der Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen bei jenen Patienten zu verantworten, die mit einer Kombinationstherapie behandelt werden, in deren Blut über längere Zeit keine Viren mehr nachgewiesen worden sind und die unter keiner weiteren sexuell übertragbaren Krankheit leiden. Der Forscher David Wilson aus Australien hält diese Empfehlung für viel zu gefährlich.

Der Wissenschaftler und seine Kollegen von der Universität New South Wales in Sydney errechneten das Risiko für Partner, die nach den Empfehlungen der Schweizer ungeschützt Sex miteinander haben dürfen. Das Ergebnis: Bei Homosexuellen steigt das Infektionsrisiko um das Vierfache an im Vergleich zu Paaren, die Kondome benutzen. Auch bei Heterosexuellen gebe es eine geringe Ansteckungsgefahr.

(Quelle: dpa)
 



 

US-Forscher warnt vor Gesundheitsgefahr durch Handys für Kinder

Sa.26.07.08 - Vor den Gesundheitsgefahren durch Handys für Kinder warnt jetzt ein US-amerikanischer Krebsforscher. Zwar haben diverse Studien in der Vergangenheit keine durch Mobiltelefone verursachten Gesundheitsrisiken für Erwachsene belegen können. Bei Heranwachsenden seien die sich entwickelnden Organe jedoch besonders empfindlich und sollten deshalb vor den von Handys ausgehenden elektromagnetischen Strahlen geschützt werden. Darauf weist Dr. Ronald B. Herberman vom University of Pittsburgh Cancer Institute hin.

Der Mediziner hat einen Zehnpunkteplan zusammengestellt, in dem er die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen auflistet. Kinder sollten Mobiltelefone demnach nur im Notfall benutzen. Außerdem ist das Handy möglichst weit vom Körper wegzuhalten, zudem empfiehlt der Arzt die Verwendung von Headsets. Mit diesen Freisprecheinrichtungen lässt sich die Strahlenbelastung am Kopf erheblich senken. Zum eigenen Schutz sollte die Gesprächsdauer nur wenige Minuten betragen. Die Belastung für die beiden Kopfseiten lässt sich zusätzlich reduzieren, indem das Telefon zwischendurch mal am einen und mal am anderen Ohr gehalten wird. Für längere Gespräche sollte auf ein Festnetztelefon umgestiegen werden. Auch das Ausweichen auf SMS sorgt für eine geringere Strahlenbelastung des Körpers.

Zudem sollte das Gerät nicht permanent am Körper getragen werden. Weil die meiste Strahlung von der Rückseite des Mobiltelefons ausgeht, sollte das Tastaturfeld zum Körper hin zeigen, wenn das Telefon nah an der Person getragen werden muss. Um andere Menschen vor einer ungewollten Bestrahlung zu schützen, sollte auf die Benutzung von Mobiltelefonen an stark frequentierten Orten, also beispielsweise in Bussen, verzichtet werden. In Verkehrsmitteln ist das Signal meist schwach, weshalb Mobiltelefone umso stärker strahlen. Deshalb sollten sie in öffentlichen Transportmitteln und in Autos laut dem Arzt lieber nicht verwendet werden. Bereits beim Kauf von Handys sollte die Wahl auf strahlungsarme Geräte fallen.

(Quelle: gp)
 
 
 
 

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