+++ Mo.28.07.08, 06:30
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Irak 1588 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Streitkräfte räumen Tötung unschuldiger Iraker ein.
Türkisches Militär zerstört zwölf PKK-Stellungen im
Nordirak. Sieben Tote bei Anschlag auf Pilger
Mo.28.07.08 - Die US-Streitkräfte im Irak haben die Tötung von drei
unschuldigen Irakern eingeräumt. Die getöteten seien
rechtschaffene Bürger gewesen, hieß es in einem
Untersuchungsbericht des US-Militärs. Nach dem Zwischenfall Ende
Juni auf einer Zubringerstraße des Flughafens Bagdad hatten die
Streitkräfte erklärt, es habe sich um Aufständische
gehandelt, die einen Militärkonvoi beschossen hätten. Eine
Kette von Missverständnissen habe zu dem tragischen Ergebnis
geführt. «Weder die Soldaten noch die Zivilisten waren
schuld.»
Der Wagen der drei irakischen Bankangestellten näherte sich der
Untersuchung zufolge mit großer Geschwindigkeit dem
Militärkonvoi und reagierte nicht auf Warnschüsse. Die
Soldaten fühlten sich deshalb bedroht und eröffneten das
Feuer, wie es weiter hieß. Ursprüngliche Erklärungen
der US-Streitkräfte, wonach aus dem Auto auf die Soldaten gefeuert
wurde und später eine Waffe sichergestellt wurde, hätten sich
als falsch erwiesen. «Das war ein extrem unglücklicher und
tragischer Zwischenfall», erklärten die Streitkräfte.
Die türkische Armee hat am Sonntag bei Luftangriffen zwölf
Stellungen der kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak zerstört.
Dabei hätten "die Terroristen Verluste erlitten", erklärte
die Armee auf ihrer Website. Der Kampf gegen die PKK werde sowohl in der
Türkei als auch jenseits der Grenzen weitergehen, hieß es.
Der Norden Iraks gilt als Rückzugsgebiet der PKK, die von der
Türkei, der Europäischen Union und den USA als
Terrororganisation eingestuft wird. Jüngst hatte sie durch die
Entführung von drei deutschen Bergsteigern für Aufsehen
gesorgt. Die Regierung in Bagdad hat wiederholt gegen türkische
Militäreinsätze in der irakischen Provinz Kurdistan
protestiert. Im Gegenzug hat die Türkei dem Irak vorgeworfen, nicht
hart genug gegen Tausende PKK-Kämpfer in der Region vorzugehen.
Bewaffnete haben am Sonntag südlich von Bagdad sieben schiitische
Pilger erschossen. Die Täter hätten den jungen Männern
im Dorf Madain aufgelauert, erklärte ein Polizeisprecher. Die
Pilger seien auf dem Weg zu einem Heiligtum im Bagdader Stadtviertel
Kasimija gewesen. Dort werden zum Todestag eines im 8. Jahrhundert
verstorbenen schiitischen Heiligen mehrere zehntausend Pilger erwartet.
boa (Quellen: ap, rtr)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 28.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundvierundzwanzigtsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Dutzende Taliban bei Nato-Luftangriff in Afghanistan getötet
Mo.28.07.08 - Nato-Truppen haben bei einem Luftangriff im Südosten Afghanistans
mehrere Dutzend Taliban-Kämpfer getötet.
Der Provinz-Gouverneur forderte nach eigenen Angaben die
Unterstützung der Soldaten an, nachdem die Taliban am frühen
Sonntagmorgen das Verwaltungsgebäude der Stadt Sepra angegriffen
und mehrere Polizisten getötet hätten. "Bei dem Luftangriff
haben sie 50 bis 70 Rebellen getötet", sagte der Gouverneur.
Der Vorfall ereignete sich in der südöstlichen Provinz Chost
nahe der Grenze zu Pakistan. In der Region, in der viele Paschtunen
leben, sind die Taliban sieben Jahren nach ihrer Verdrängung von
der Macht in Afghanistan wieder besonders aktiv. Der deutsche
Außenminister Frank-Walter Steinmeier befindet sich derzeit zu
Besuch in Afghanistan.
(Quelle: rtr)
Indien nach Anschlagserie in Alarmbereitschaft - 46 Tote
Mo.28.07.08 - Nach einer zweitätigen Anschlagserie in Indien hat die Regierung
am Sonntag das ganze Land in Alarmbereitschaft versetzt.
In allen großen Städten wurden die Sicherheitsvorkehrungen
erhöht. Die Polizei warnte mit Flugblättern und per
Lautsprecher vor verdächtigen Gegenständen. Bei
Bombenanschlägen in Ahmedabad und Bangalore waren zuvor seit
Freitag mindestens 46 Menschen ums Leben gekommen.
Eine kleine Gruppe namens "Indische Mudschahedin" bekannte sich zu den
Anschlägen. Die indische Zentralregierung macht militante Gruppen
aus Pakistan und Bangladesch für die Anschlagswelle verantwortlich.
Experten sehen Anhaltspunkte dafür, dass bisher friedliche
muslimische Gruppen, die in Indien meist verarmt und
vernachlässigt leben, nun mit ausländischer Unterstützung
Gewalttaten verüben.
In Ahmedabad, einer relativ wohlhabenden Stadt im Westen Indiens,
explodierten insgesamt 16 Bomben, unter anderem auf einem belebten
Marktplatz und vor einem Krankenhaus. 45 Menschen starben, 161 wurden
verletzt. In Bangalore, einem IT- und Outsourcing-Zentrum im Süden
des Landes, war am Freitag eine Frau getötet worden. 15 Personen
wurden verletzt.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt - Israels Armee tötet Hamas-Mitglied in Hebron
Mo.28.07.08 - Die israelische Armee hat in der Nacht zum Sonntag in Hebron im
Westjordanland nach einem längeren Feuergefecht ein Mitglied der
radikalislamischen Hamas-Organisation getötet.
Israelische Medien berichteten, es handele sich um den Drahtzieher
eines Anschlags in der israelischen Wüstenstadt Dimona, bei dem im
Februar eine 73-jährige Frau getötet worden war. Der
bewaffnete Hamas-Arm Issedin el Kassam kündigte daraufhin
Racheanschläge gegen Israel an. Israel hatte vor mehr als fünf
Wochen eine Waffenruhe mit den militanten
Palästinenserorganisationen im Gazastreifen vereinbart, darunter
auch Hamas.
Nach Hamas-Angaben handelte es sich bei dem in Hebron Getöteten um
den 25 Jahre alten Abdul Asis al-Natscheh. Die Mutter des Hamas-
Mitglieds erzählte, die Soldaten hätten sie gezwungen, ihren
Sohn, der sich in seinem Haus verschanzt hatte, per Lautsprecher zur
Aufgabe aufzufordern. Er habe dies jedoch verweigert. Die Armee habe das
Haus nach einem mehrere Stunden andauernden Feuergefecht zerstört.
Unter den Trümmern sei die zerfetzte Leiche gefunden worden. Eine
israelische Armeesprecherin teilte mit, während des Feuergefechts
seien in dem Gebäude mehrere Explosionen zu hören gewesen.
Vermutlich seien dort deponierte Sprengsätze explodiert.
Unterdessen flammt die Gewalt unter den Palästinensern im
Gazastreifen wieder auf. Bei einer Serie von Bombenanschlägen in
Gaza-Stadt wurden am Freitag mindestens sieben Menschen getötet,
darunter mehrere Mitglieder der radikalislamischen Hamas. Die Hamas, die
den Gazastreifen seit über einem Jahr kontrolliert, startete
daraufhin am Samstag eine Großrazzia gegen Anhänger der
rivalisierenden Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas.
Nach Angaben des Palästinensischen Zentrums für
Menschenrechte PCHR wurden mindestens 160 Menschen festgenommen und zum
Zentralgefängnis von Gaza gebracht. Über 40 Fatah-nahe
Einrichtungen wurden durchsucht und geschlossen. Die Fatah bestritt
allerdings jede Mitwirkung an den Anschlägen und nannte Konflikte
innerhalb der Hamas als Ursache. Festgenommen wurde auch ein
palästinensischer Kameramann des ARD-Fernsehens. Nach Angaben des
ARD-Büros Tel Aviv ist er allerdings kein Fatah-Mitglied. Die Hamas
beschlagnahmte ebenfalls Bürogegenstände und das Auto eines
unabhängigen Parlamentariers.
Bei einer Bombenexplosion in der Nähe des Strandes in Gaza waren
am Freitagabend sechs Palästinenser getötet und über 20
weitere verletzt worden. Es war der verheerendste Gewaltakt im
Gazastreifen, seit sich Israel und die Hamas Mitte Juni auf eine
Waffenruhe geeinigt hatten. Der Sprengsatz explodierte im Auto eines
örtlichen Führers des bewaffneten Armes der Hamas und
tötete dabei fünf Mitglieder der Gruppe sowie ein
achtjähriges Mädchen. Keine militante
Palästinenserorganisation bekannte sich zu der Tat.
(Quelle: dpa)
Türkei: Mindestens 16 Tote bei Anschlag in Istanbul
Mo.28.07.08 - Beim folgenschwersten Terroranschlag in Istanbul seit fünf Jahren
sind am Sonntagabend mindestens 16 Menschen getötet worden. Bei
der Explosion von zwei Bomben im Abstand von wenigen Minuten wurden 154
Menschen verletzt. 15 von ihnen schwebten noch in Lebensgefahr, teilte
das Amt des Gouverneurs von Istanbul mit. «Es bestehen keine
Zweifel: Das ist ein Terroranschlag», sagte Gouverneur Muammer
Güler.
Die Sprengsätze waren den Angaben zufolge im europäischen
Teil der Stadt auf einem belebten Platz in Mülleimern versteckt.
Viele Menschen wurden verletzt, als sie nach der ersten Explosion den
Opfern Hilfe leisten wollten. Türkischen Medienberichten zufolge
vermutete die Polizei Rebellen der kurdischen Separatistenorganisation
PKK hinter dem Anschlag. Der stellvertretende Ministerpräsident
Hayati Yazici erklärte, es habe sich um einen Terroranschlag
gehandelt, es sei jedoch noch unklar, wer das Attentat verübt habe.
Zeugenberichten zufolge war die erste Explosion nicht sehr stark.
«Viele Menschen kamen, um zu sehen, was los war», sagte
Huseyin Sentürk, der ein Schuhgeschäft in dem Viertel
betreibt. «Dann kam es zur zweiten Explosion, die viele
Schaulustige verletzte.» Der belebte Platz war nach den
Detonationen voll mit Glasscherben, Kleidungsstücken,
Schaufensterpuppen und Trümmerteilen. Die Polizei riegelte das
Gelände ab.
Staatspräsident Abdullah Gül und Ministerpräsident Recep
Tayyip Erdogan verurteilten den Anschlag auf das Schärfste.
«Mit dem Töten unschuldiger Menschen und mit Terrorismus
können keine Ziele erreicht werden», erklärte Gül.
«Diese Anschläge zeigen, wie unmenschlich und armselig die
Urheber sind.»
Die türkische Wirtschaftsmetropole war zuletzt 2003 von einer
Serie schwerer Anschläge erschüttert worden. Bei
Selbstmordattentaten auf zwei Synagogen, das britische Konsulat und auf
eine britische Bank wurden insgesamt 57 Menschen getötet. 2006 kam
bei einer gegen Polizisten gerichteten Bombenexplosion in einem
Internetcafé ein Mensch ums Leben, 16 weitere wurden verletzt.
Anfang Juli schließlich eröffnete eine Gruppe Bewaffneter,
die Verbindungen zur Terrororganisation Al Kaida gehabt haben sollen,
das Feuer auf Wachleute des US-Konsulats. Drei Beamte und drei der
Angreifer wurden getötet.
Die kurdische Arbeiterpartei (PKK) kämpft seit 1984 für die
Unabhängigkeit der kurdischen Minderheit in der Türkei. Bei
Kämpfen in den südöstlichen Provinzen und bei
Anschlägen im ganzen Land sind seither Zehntausende getötet
worden. Die Regierung in Ankara ging zuletzt verstärkt gegen die
PKK vor und bombardierte wiederholt ihre Stellungen im Grenzgebiet zum
Irak.
Die PKK war auch für die Entführung dreier deutscher
Bergsteiger Anfang Juli am Berg Ararat im Osten der Türkei
verantwortlich. Sie wurden von den Rebellen schließlich wieder
freigelassen und kehrten nach knapp zwei Wochen nach Deutschland
zurück.
(Quelle: ap)
WTO-'Doha'-Verhandlungen verlängert - USA machen
Zugeständnisse
Mo.28.07.08 - Bei den zähen Verhandlungen der WTO über eine Liberalisierung
des Welthandels haben die USA Zugeständnisse gemacht und damit
wieder Hoffnungen auf eine Einigung genährt.
Die ursprünglich bis Samstag angesetzten Verhandlungen sollen
einem Diplomaten zufolge bis zum Mittwoch fortgesetzt werden. Die
Verhandlungsführer der Europäischen Union hatten sich am
Samstag in Genf zufrieden mit der Unterstützung der
Mitgliedsländer für einen Kompromiss zur Lösung des seit
2001 andauernden Ringens in der Doha-Runde gezeigt. Mehrere EU-Staaten
forderten aber, im Gegenzug für Zugeständnisse bei der
Deckelung von Agrarsubventionen müssten sie mehr Zugang zu den
Märkten von Entwicklungsländern bekommen.
In Genf ringen gut 30 Minister um einen gemeinsamen Weg von Industrie-,
Schwellen- und Entwicklungsländern beim Abbau von
Handelshürden. Strittig ist vor allem, wie weit die reichen
Länder ihre Subventionen und Handelsschranken im Agrarbereich
abbauen und wie stark im Gegenzug wichtige Schwellenländer ihre
Märkte für Industrieprodukte und Dienstleistungen öffnen.
Die USA erklärten am Samstagabend, sie seien bereit, über die
Ausgabe von mehr befristeten Geschäfts-Visa zu sprechen. Dies ist
eine Forderung mehrerer Schwellenländer. Prompt äußerte
sich Indiens Handelsminister Kamal Nath optimistisch: "Das sind
konstruktive Zeichen", sagte er zu Journalisten. Die USA und die EU
bewegten sich in die richtige Richtung.
Zuvor hatte EU-Handelskommissar Peter Mandelson gesagt, noch seien
nicht alle Probleme gelöst. "Aber wir sind näher an einer
Einigung als zu irgendeinem Zeitpunkt in den vergangenen sieben Jahren."
Die Arbeit werde am Sonntag fortgesetzt.
Mehrere Staaten hatten nach mehrtägigem Stillstand in der Nacht
zum Samstag einem Kompromiss zugestimmt, um ein Scheitern zu verhindern.
Der Vorschlag sieht eine Kürzung der von den Schwellen- und
Entwicklungsländern besonders kritisierten US-Agrarsubventionen
auf 14,5 Milliarden Dollar vor. Zudem würde er die EU
verpflichten, die Höchstgrenze für ihre Agrarsubventionen um
80 Prozent zu senken und ihren Markt für mehr Agrarimporte zu
öffnen.
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte indes, er habe
ebenso wie sein französischer Kollege Nicolas Sarkozy große
Sorgen bei dem Kompromissvorschlag. Frankreichs Handelskommissarin
Anne-Marie Idrac sagte, mehrere EU-Länder hielten die
Vorschläge für unausgewogen. Argentinien und Indien waren
ebenfalls skeptisch bis ablehnend.
Für Deutschland als Exportnation sind die WTO-Verhandlungen von
besonderer Bedeutung. Der Bundesregierung geht es vor allem darum,
für Zugeständnisse beim Abbau von Handelshemmnissen der EU im
Agrarbereich mehr Zugang zu Märkten für Industriegüter
und Dienstleistungen in Schwellenländern zu erreichen.
(Quelle: rtr)
Zwei Kinder in Flüchtlingsboot nach Italien gestorben
Mo.28.07.08 - In einem Flüchtlingsboot auf dem Weg nach Italien sind zwei
nigerianische Kinder ums Leben gekommen. Das berichtete die italienische
Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf den Vater der Kinder.
Demnach wurden die Leichname der zwei und vier Jahre alten Kinder
über Bord geworfen. Der zweijährige Sohn habe sich kurz nach
der Abfahrt des Bootes übergeben und sei bald darauf gestorben.
Die vier Jahre alte Schwester sei später an Dehydrierung
gestorben. Der Mann befand sich auf einem Boot mit 75 afrikanischen
Flüchtlingen, das die italienische Küstenwache am Samstag vor
Lampedusa gestoppt hatte.
Insgesamt kamen in Italien am Samstag neuen Angaben zufolge mehr als
350 illegale Einwanderer an. Mehr als 130 Menschen seien an der
Westküste Sardiniens in verschiedenen Booten eingetroffen, drei
weitere Boote seien vor Sardinien von einem Hubschrauber der
italienischen Finanzaufsicht entdeckt worden. 227 Menschen wurden nahe
oder auf der Insel Lampedusa aufgegriffen.
Die italienische Regierung geht seit ihrem Amtsantritt im Frühjahr
verstärkt gegen illegale Einwanderung vor. Am Mittwoch
verabschiedete das Parlament in Rom ein umstrittenes Gesetz, das
für illegales Einreisen nach Italien Haftstrafen von sechs Monaten
bis vier Jahren vorsieht und Abschiebungen erleichtert. Zuvor hatte die
Regierung eine Fingerabdruck-Datei für nicht sesshafte Einwanderer
eingeführt. Am Freitag verhängte sie den landesweiten
Flüchtlings-Notstand.
Die Opposition warf der rechtskonservativen Regierung von Silvio
Berlusconi vor, mit der Ausrufung des Notstands Ängste zu
schüren. Auch der Vatikan kritisierte die Maßnahme und
mahnte, auch in Zeiten des Notstands müssten Menschenrechte
geachtet werden. Innenminister Roberto Maroni muss die Maßnahmen
am Dienstag vor dem Parlament erläutern.
(Quelle: afp)
Steigende Energiepreise: Verbraucherschützer warnt vor wachsender
Armut in Deutschland
Mo.28.07.08 - Die Verbraucherzentralen haben vor wachsender Armut in Deutschland
wegen des drastischen Preisanstiegs für Energie und Lebensmittel
gewarnt: «Ich bin sicher, dass die Armutsschwelle bei steigenden
Energiepreisen nach oben gehen wird».
Das sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd
Billen, vor einigen Tagen der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.
«Das Problem wird verschärft durch die Lebensmittelpreise,
die meiner Meinung nach ebenfalls weiter steigen werden. Wenn nicht
gleichzeitig die Einkommen steigen, wächst die Gefahr der
Verarmung.» Die Folge sei, dass die Menschen beim Essen sparten.
«Diese Gruppe wird in den nächsten Jahren größer
werden.»
Die höheren Energiepreise führen nach Angaben des
Verbraucherschützers zu großer Mehrbelastung. «Für
einen Vier-Personen-Haushalt haben die steigenden Energiekosten dazu
geführt, dass er über das ganze Jahr gesehen rund 1000 Euro
mehr an Ausgaben für Strom, Heizung und Benzin haben wird als im
letzten Jahr», sagte Billen. Es gebe schon jetzt mehrere
hunderttausend Haushalte, denen pro Jahr der Strom abgestellt werde.
Die Lösung liegt für Billen aber nicht in
«Kampfpreisen» für Lebensmittel, weil dies auf Kosten
der Qualität oder der Erzeuger geht. «Ich habe viel Sympathie
für das Anliegen der Milchbauern. Es geht hier um einen fairen
Preis», sagte er.
Der oberste Verbraucherschützer hält ein 20-Milliarden-Euro-
Programm zum Energiesparen für nötig, um Konsumenten zu
entlasten. «Wir fordern, dass die Bundesregierung hier erheblich
mehr Geld in die Hand nimmt, um ein wirksames Klima- und Energieprogramm
zu finanzieren», sagte Billen. «Das ließe sich zum
Teil mit den Erlösen aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten
finanzieren.» Mit zehn Milliarden Euro im Jahr könnten
Hausbesitzer und Wohnungsbaugesellschaften unterstützt werden. Bei
mehr als 15 Millionen Häusern, die saniert werden müssen,
reichten keine günstigen Kredite für eine Heizung.
Fünf Milliarden Euro pro Jahr seien im Verkehr nötig.
«Statt die Pendlerpauschale auszuweiten, plädieren wir
dafür, mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr
auszugeben und den Fernverkehr auszubauen.» Mit zwei Milliarden
Euro solle unter anderem der Ausbau von Fernwärme und dezentraler
Stromerzeugung gefördert werden, drei Milliarden sollten in mehr
Anreize für Energiespargeräte fließen.
«Deutschland ist ein Land mit alten
Kühlschränken.» Das Durchschnittsalter liege bei 15
Jahren. Kurzfristig könne ein Durchschnittshaushalt bis zu 20
Prozent Energie sparen, etwa mit Energiesparbirnen und dem Abschalten
von Geräten über eine Steckerleiste.
(Quelle: dpa)
Hessen-Grüne fordern dauerhafte Zusagen der Linken
Mo.28.07.08 - Die hessischen Grünen machen einen neuen Anlauf für eine
Machtübernahme im Land mit der SPD von dauerhaften Zusagen der
Linken abhängig. «Für Himmelfahrtskommandos sind wir
nicht zu haben», sagte der Landesvorsitzende Tarek Al-Wazir der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».
Er werde einem Grünen-Parteitag keinen Regierungseintritt
vorschlagen, wenn absehbar sei, dass eine solche Regierung keinen
langen Bestand haben könne. Von der SPD-Landesvorsitzenden Andrea
Ypsilanti erwarte er eine Aussage über ihre weiteren Absichten,
sagte Al-Wazir. Ypsilanti steht nach einem Bericht des Magazins
«Spiegel» unter massivem Druck der Bundes-SPD, keinen
weiteren Versuch einer von der Linken tolerierten rot-grünen
Minderheitsregierung zu wagen. Im «Tagesspiegel» hatte sie
am Samstag gesagt, ganz oben stehe ein grundsätzlicher politischer
Wechsel, der ohne Regierungsbeteiligung schwierig sei.
Al-Wazir sagte der FAS, er sei nicht begeistert von einer
Zusammenarbeit mit der Linken: «Aber es gibt derzeit
überhaupt keine denkbare Konstellation im hessischen Landtag, von
der ich begeistert wäre.» Er forderte die FDP erneut zu
Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen auf. Seit der
Landtagswahl Ende Januar hat sich noch keine regierungsfähige
Mehrheit in Wiesbaden gefunden. Die CDU-Landesregierung von
Ministerpräsident Roland Koch ist daher weiter
geschäftsführend im Amt.
(Quelle: dpa)
Bildungsministerin Schavan kündigt Ausweitung des
Meister-BAföGs an
Mo.28.07.08 - Die Bundesregierung will das Meister-BAföG ausweiten.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte in der
Zeitung «Bild am Sonntag» laut Vorabbericht an, die
Regierung werde dafür in den nächsten vier Jahren
zusätzlich 200 Millionen Euro ausgeben. Ihr Gesetzentwurf gehe
nächste Woche in die Ressortabstimmung.
«Es gibt aber nicht nur mehr Geld, es werden auch mehr Menschen
als bisher profitieren», versprach die Ministerin. So sollten
diejenigen, die Familie und Kinder mit der Fortbildung vereinbaren
wollen, künftig einen deutlich höheren Zuschuss bekommen als
bisher. Wer nach der Fortbildung ein Unternehmen gründe und
Mitarbeiter einstelle, bekomme noch einen Extrabonus. Bis zu zwei
Drittel des Darlehens müssten dann nicht zurückbezahlt werden.
Wer einen besonders erfolgreichen Abschluss macht, werde ebenfalls
zusätzlich belohnt.
Zugleich appellierte die Ministerin an die Wirtschaft, Weiterbildung in
die Tarifverträge aufzunehmen. «Ich erwarte, dass jetzt auch
die Wirtschaft Signale setzt - zum Beispiel durch die Verankerung von
Weiterbildung in den Tarifverträgen», betonte sie.
(Quelle: ddp)