B.O.A.-NACHRICHTEN
 last update: boa München, Mo.28.07.2008 - 14:00 
  [ Übersicht] [ Ticker ] [ Medien-Termine] [ Medien-Nachrichten]

 

.
 
a9-2008-k0807280      

Nachrichten und Berichte      [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ]

[ vorherige] [ nächste ]         

+++ Mo.28.07.08, 06:30         zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak 1588 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

US-Streitkräfte räumen Tötung unschuldiger Iraker ein. Türkisches Militär zerstört zwölf PKK-Stellungen im Nordirak. Sieben Tote bei Anschlag auf Pilger

Mo.28.07.08 - Die US-Streitkräfte im Irak haben die Tötung von drei unschuldigen Irakern eingeräumt. Die getöteten seien rechtschaffene Bürger gewesen, hieß es in einem Untersuchungsbericht des US-Militärs. Nach dem Zwischenfall Ende Juni auf einer Zubringerstraße des Flughafens Bagdad hatten die Streitkräfte erklärt, es habe sich um Aufständische gehandelt, die einen Militärkonvoi beschossen hätten. Eine Kette von Missverständnissen habe zu dem tragischen Ergebnis geführt. «Weder die Soldaten noch die Zivilisten waren schuld.»

Der Wagen der drei irakischen Bankangestellten näherte sich der Untersuchung zufolge mit großer Geschwindigkeit dem Militärkonvoi und reagierte nicht auf Warnschüsse. Die Soldaten fühlten sich deshalb bedroht und eröffneten das Feuer, wie es weiter hieß. Ursprüngliche Erklärungen der US-Streitkräfte, wonach aus dem Auto auf die Soldaten gefeuert wurde und später eine Waffe sichergestellt wurde, hätten sich als falsch erwiesen. «Das war ein extrem unglücklicher und tragischer Zwischenfall», erklärten die Streitkräfte.

Die türkische Armee hat am Sonntag bei Luftangriffen zwölf Stellungen der kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak zerstört.

Dabei hätten "die Terroristen Verluste erlitten", erklärte die Armee auf ihrer Website. Der Kampf gegen die PKK werde sowohl in der Türkei als auch jenseits der Grenzen weitergehen, hieß es.

Der Norden Iraks gilt als Rückzugsgebiet der PKK, die von der Türkei, der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft wird. Jüngst hatte sie durch die Entführung von drei deutschen Bergsteigern für Aufsehen gesorgt. Die Regierung in Bagdad hat wiederholt gegen türkische Militäreinsätze in der irakischen Provinz Kurdistan protestiert. Im Gegenzug hat die Türkei dem Irak vorgeworfen, nicht hart genug gegen Tausende PKK-Kämpfer in der Region vorzugehen.

Bewaffnete haben am Sonntag südlich von Bagdad sieben schiitische Pilger erschossen. Die Täter hätten den jungen Männern im Dorf Madain aufgelauert, erklärte ein Polizeisprecher. Die Pilger seien auf dem Weg zu einem Heiligtum im Bagdader Stadtviertel Kasimija gewesen. Dort werden zum Todestag eines im 8. Jahrhundert verstorbenen schiitischen Heiligen mehrere zehntausend Pilger erwartet.

boa (Quellen: ap, rtr)

mehr Nachrichten mehr Nachrichten vom Tage


 

 

Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 28.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundvierundzwanzigtsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Sa.28.07.07 - Schwere Kämpfe nach Festnahme eines Milizenführers in Kerbela - Siebzehn Tote... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707280.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

Dutzende Taliban bei Nato-Luftangriff in Afghanistan getötet

Mo.28.07.08 - Nato-Truppen haben bei einem Luftangriff im Südosten Afghanistans mehrere Dutzend Taliban-Kämpfer getötet.

Der Provinz-Gouverneur forderte nach eigenen Angaben die Unterstützung der Soldaten an, nachdem die Taliban am frühen Sonntagmorgen das Verwaltungsgebäude der Stadt Sepra angegriffen und mehrere Polizisten getötet hätten. "Bei dem Luftangriff haben sie 50 bis 70 Rebellen getötet", sagte der Gouverneur.

Der Vorfall ereignete sich in der südöstlichen Provinz Chost nahe der Grenze zu Pakistan. In der Region, in der viele Paschtunen leben, sind die Taliban sieben Jahren nach ihrer Verdrängung von der Macht in Afghanistan wieder besonders aktiv. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier befindet sich derzeit zu Besuch in Afghanistan.

(Quelle: rtr)
 



 

Indien nach Anschlagserie in Alarmbereitschaft - 46 Tote

Mo.28.07.08 - Nach einer zweitätigen Anschlagserie in Indien hat die Regierung am Sonntag das ganze Land in Alarmbereitschaft versetzt.

In allen großen Städten wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Die Polizei warnte mit Flugblättern und per Lautsprecher vor verdächtigen Gegenständen. Bei Bombenanschlägen in Ahmedabad und Bangalore waren zuvor seit Freitag mindestens 46 Menschen ums Leben gekommen.

Eine kleine Gruppe namens "Indische Mudschahedin" bekannte sich zu den Anschlägen. Die indische Zentralregierung macht militante Gruppen aus Pakistan und Bangladesch für die Anschlagswelle verantwortlich. Experten sehen Anhaltspunkte dafür, dass bisher friedliche muslimische Gruppen, die in Indien meist verarmt und vernachlässigt leben, nun mit ausländischer Unterstützung Gewalttaten verüben.

In Ahmedabad, einer relativ wohlhabenden Stadt im Westen Indiens, explodierten insgesamt 16 Bomben, unter anderem auf einem belebten Marktplatz und vor einem Krankenhaus. 45 Menschen starben, 161 wurden verletzt. In Bangalore, einem IT- und Outsourcing-Zentrum im Süden des Landes, war am Freitag eine Frau getötet worden. 15 Personen wurden verletzt.

(Quelle: rtr)
 



 

Nahost-Konflikt - Israels Armee tötet Hamas-Mitglied in Hebron

Mo.28.07.08 - Die israelische Armee hat in der Nacht zum Sonntag in Hebron im Westjordanland nach einem längeren Feuergefecht ein Mitglied der radikalislamischen Hamas-Organisation getötet.

Israelische Medien berichteten, es handele sich um den Drahtzieher eines Anschlags in der israelischen Wüstenstadt Dimona, bei dem im Februar eine 73-jährige Frau getötet worden war. Der bewaffnete Hamas-Arm Issedin el Kassam kündigte daraufhin Racheanschläge gegen Israel an. Israel hatte vor mehr als fünf Wochen eine Waffenruhe mit den militanten Palästinenserorganisationen im Gazastreifen vereinbart, darunter auch Hamas.

Nach Hamas-Angaben handelte es sich bei dem in Hebron Getöteten um den 25 Jahre alten Abdul Asis al-Natscheh. Die Mutter des Hamas- Mitglieds erzählte, die Soldaten hätten sie gezwungen, ihren Sohn, der sich in seinem Haus verschanzt hatte, per Lautsprecher zur Aufgabe aufzufordern. Er habe dies jedoch verweigert. Die Armee habe das Haus nach einem mehrere Stunden andauernden Feuergefecht zerstört. Unter den Trümmern sei die zerfetzte Leiche gefunden worden. Eine israelische Armeesprecherin teilte mit, während des Feuergefechts seien in dem Gebäude mehrere Explosionen zu hören gewesen. Vermutlich seien dort deponierte Sprengsätze explodiert.

Unterdessen flammt die Gewalt unter den Palästinensern im Gazastreifen wieder auf. Bei einer Serie von Bombenanschlägen in Gaza-Stadt wurden am Freitag mindestens sieben Menschen getötet, darunter mehrere Mitglieder der radikalislamischen Hamas. Die Hamas, die den Gazastreifen seit über einem Jahr kontrolliert, startete daraufhin am Samstag eine Großrazzia gegen Anhänger der rivalisierenden Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

Nach Angaben des Palästinensischen Zentrums für Menschenrechte PCHR wurden mindestens 160 Menschen festgenommen und zum Zentralgefängnis von Gaza gebracht. Über 40 Fatah-nahe Einrichtungen wurden durchsucht und geschlossen. Die Fatah bestritt allerdings jede Mitwirkung an den Anschlägen und nannte Konflikte innerhalb der Hamas als Ursache. Festgenommen wurde auch ein palästinensischer Kameramann des ARD-Fernsehens. Nach Angaben des ARD-Büros Tel Aviv ist er allerdings kein Fatah-Mitglied. Die Hamas beschlagnahmte ebenfalls Bürogegenstände und das Auto eines unabhängigen Parlamentariers.

Bei einer Bombenexplosion in der Nähe des Strandes in Gaza waren am Freitagabend sechs Palästinenser getötet und über 20 weitere verletzt worden. Es war der verheerendste Gewaltakt im Gazastreifen, seit sich Israel und die Hamas Mitte Juni auf eine Waffenruhe geeinigt hatten. Der Sprengsatz explodierte im Auto eines örtlichen Führers des bewaffneten Armes der Hamas und tötete dabei fünf Mitglieder der Gruppe sowie ein achtjähriges Mädchen. Keine militante Palästinenserorganisation bekannte sich zu der Tat.

(Quelle: dpa)
 



 

Türkei: Mindestens 16 Tote bei Anschlag in Istanbul

Mo.28.07.08 - Beim folgenschwersten Terroranschlag in Istanbul seit fünf Jahren sind am Sonntagabend mindestens 16 Menschen getötet worden. Bei der Explosion von zwei Bomben im Abstand von wenigen Minuten wurden 154 Menschen verletzt. 15 von ihnen schwebten noch in Lebensgefahr, teilte das Amt des Gouverneurs von Istanbul mit. «Es bestehen keine Zweifel: Das ist ein Terroranschlag», sagte Gouverneur Muammer Güler.

Die Sprengsätze waren den Angaben zufolge im europäischen Teil der Stadt auf einem belebten Platz in Mülleimern versteckt. Viele Menschen wurden verletzt, als sie nach der ersten Explosion den Opfern Hilfe leisten wollten. Türkischen Medienberichten zufolge vermutete die Polizei Rebellen der kurdischen Separatistenorganisation PKK hinter dem Anschlag. Der stellvertretende Ministerpräsident Hayati Yazici erklärte, es habe sich um einen Terroranschlag gehandelt, es sei jedoch noch unklar, wer das Attentat verübt habe.

Zeugenberichten zufolge war die erste Explosion nicht sehr stark. «Viele Menschen kamen, um zu sehen, was los war», sagte Huseyin Sentürk, der ein Schuhgeschäft in dem Viertel betreibt. «Dann kam es zur zweiten Explosion, die viele Schaulustige verletzte.» Der belebte Platz war nach den Detonationen voll mit Glasscherben, Kleidungsstücken, Schaufensterpuppen und Trümmerteilen. Die Polizei riegelte das Gelände ab.

Staatspräsident Abdullah Gül und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilten den Anschlag auf das Schärfste. «Mit dem Töten unschuldiger Menschen und mit Terrorismus können keine Ziele erreicht werden», erklärte Gül. «Diese Anschläge zeigen, wie unmenschlich und armselig die Urheber sind.»

Die türkische Wirtschaftsmetropole war zuletzt 2003 von einer Serie schwerer Anschläge erschüttert worden. Bei Selbstmordattentaten auf zwei Synagogen, das britische Konsulat und auf eine britische Bank wurden insgesamt 57 Menschen getötet. 2006 kam bei einer gegen Polizisten gerichteten Bombenexplosion in einem Internetcafé ein Mensch ums Leben, 16 weitere wurden verletzt. Anfang Juli schließlich eröffnete eine Gruppe Bewaffneter, die Verbindungen zur Terrororganisation Al Kaida gehabt haben sollen, das Feuer auf Wachleute des US-Konsulats. Drei Beamte und drei der Angreifer wurden getötet.

Die kurdische Arbeiterpartei (PKK) kämpft seit 1984 für die Unabhängigkeit der kurdischen Minderheit in der Türkei. Bei Kämpfen in den südöstlichen Provinzen und bei Anschlägen im ganzen Land sind seither Zehntausende getötet worden. Die Regierung in Ankara ging zuletzt verstärkt gegen die PKK vor und bombardierte wiederholt ihre Stellungen im Grenzgebiet zum Irak.

Die PKK war auch für die Entführung dreier deutscher Bergsteiger Anfang Juli am Berg Ararat im Osten der Türkei verantwortlich. Sie wurden von den Rebellen schließlich wieder freigelassen und kehrten nach knapp zwei Wochen nach Deutschland zurück.

(Quelle: ap)
 



 

WTO-'Doha'-Verhandlungen verlängert - USA machen Zugeständnisse

Mo.28.07.08 - Bei den zähen Verhandlungen der WTO über eine Liberalisierung des Welthandels haben die USA Zugeständnisse gemacht und damit wieder Hoffnungen auf eine Einigung genährt.

Die ursprünglich bis Samstag angesetzten Verhandlungen sollen einem Diplomaten zufolge bis zum Mittwoch fortgesetzt werden. Die Verhandlungsführer der Europäischen Union hatten sich am Samstag in Genf zufrieden mit der Unterstützung der Mitgliedsländer für einen Kompromiss zur Lösung des seit 2001 andauernden Ringens in der Doha-Runde gezeigt. Mehrere EU-Staaten forderten aber, im Gegenzug für Zugeständnisse bei der Deckelung von Agrarsubventionen müssten sie mehr Zugang zu den Märkten von Entwicklungsländern bekommen.

In Genf ringen gut 30 Minister um einen gemeinsamen Weg von Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern beim Abbau von Handelshürden. Strittig ist vor allem, wie weit die reichen Länder ihre Subventionen und Handelsschranken im Agrarbereich abbauen und wie stark im Gegenzug wichtige Schwellenländer ihre Märkte für Industrieprodukte und Dienstleistungen öffnen.

Die USA erklärten am Samstagabend, sie seien bereit, über die Ausgabe von mehr befristeten Geschäfts-Visa zu sprechen. Dies ist eine Forderung mehrerer Schwellenländer. Prompt äußerte sich Indiens Handelsminister Kamal Nath optimistisch: "Das sind konstruktive Zeichen", sagte er zu Journalisten. Die USA und die EU bewegten sich in die richtige Richtung.

Zuvor hatte EU-Handelskommissar Peter Mandelson gesagt, noch seien nicht alle Probleme gelöst. "Aber wir sind näher an einer Einigung als zu irgendeinem Zeitpunkt in den vergangenen sieben Jahren." Die Arbeit werde am Sonntag fortgesetzt.

Mehrere Staaten hatten nach mehrtägigem Stillstand in der Nacht zum Samstag einem Kompromiss zugestimmt, um ein Scheitern zu verhindern. Der Vorschlag sieht eine Kürzung der von den Schwellen- und Entwicklungsländern besonders kritisierten US-Agrarsubventionen auf 14,5 Milliarden Dollar vor. Zudem würde er die EU verpflichten, die Höchstgrenze für ihre Agrarsubventionen um 80 Prozent zu senken und ihren Markt für mehr Agrarimporte zu öffnen.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte indes, er habe ebenso wie sein französischer Kollege Nicolas Sarkozy große Sorgen bei dem Kompromissvorschlag. Frankreichs Handelskommissarin Anne-Marie Idrac sagte, mehrere EU-Länder hielten die Vorschläge für unausgewogen. Argentinien und Indien waren ebenfalls skeptisch bis ablehnend.

Für Deutschland als Exportnation sind die WTO-Verhandlungen von besonderer Bedeutung. Der Bundesregierung geht es vor allem darum, für Zugeständnisse beim Abbau von Handelshemmnissen der EU im Agrarbereich mehr Zugang zu Märkten für Industriegüter und Dienstleistungen in Schwellenländern zu erreichen.

(Quelle: rtr)
 



 

Zwei Kinder in Flüchtlingsboot nach Italien gestorben

Mo.28.07.08 - In einem Flüchtlingsboot auf dem Weg nach Italien sind zwei nigerianische Kinder ums Leben gekommen. Das berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf den Vater der Kinder. Demnach wurden die Leichname der zwei und vier Jahre alten Kinder über Bord geworfen. Der zweijährige Sohn habe sich kurz nach der Abfahrt des Bootes übergeben und sei bald darauf gestorben. Die vier Jahre alte Schwester sei später an Dehydrierung gestorben. Der Mann befand sich auf einem Boot mit 75 afrikanischen Flüchtlingen, das die italienische Küstenwache am Samstag vor Lampedusa gestoppt hatte.

Insgesamt kamen in Italien am Samstag neuen Angaben zufolge mehr als 350 illegale Einwanderer an. Mehr als 130 Menschen seien an der Westküste Sardiniens in verschiedenen Booten eingetroffen, drei weitere Boote seien vor Sardinien von einem Hubschrauber der italienischen Finanzaufsicht entdeckt worden. 227 Menschen wurden nahe oder auf der Insel Lampedusa aufgegriffen.

Die italienische Regierung geht seit ihrem Amtsantritt im Frühjahr verstärkt gegen illegale Einwanderung vor. Am Mittwoch verabschiedete das Parlament in Rom ein umstrittenes Gesetz, das für illegales Einreisen nach Italien Haftstrafen von sechs Monaten bis vier Jahren vorsieht und Abschiebungen erleichtert. Zuvor hatte die Regierung eine Fingerabdruck-Datei für nicht sesshafte Einwanderer eingeführt. Am Freitag verhängte sie den landesweiten Flüchtlings-Notstand.

Die Opposition warf der rechtskonservativen Regierung von Silvio Berlusconi vor, mit der Ausrufung des Notstands Ängste zu schüren. Auch der Vatikan kritisierte die Maßnahme und mahnte, auch in Zeiten des Notstands müssten Menschenrechte geachtet werden. Innenminister Roberto Maroni muss die Maßnahmen am Dienstag vor dem Parlament erläutern.

(Quelle: afp)
 



 

Steigende Energiepreise: Verbraucherschützer warnt vor wachsender Armut in Deutschland

Mo.28.07.08 - Die Verbraucherzentralen haben vor wachsender Armut in Deutschland wegen des drastischen Preisanstiegs für Energie und Lebensmittel gewarnt: «Ich bin sicher, dass die Armutsschwelle bei steigenden Energiepreisen nach oben gehen wird».

Das sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, vor einigen Tagen der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. «Das Problem wird verschärft durch die Lebensmittelpreise, die meiner Meinung nach ebenfalls weiter steigen werden. Wenn nicht gleichzeitig die Einkommen steigen, wächst die Gefahr der Verarmung.» Die Folge sei, dass die Menschen beim Essen sparten. «Diese Gruppe wird in den nächsten Jahren größer werden.»

Die höheren Energiepreise führen nach Angaben des Verbraucherschützers zu großer Mehrbelastung. «Für einen Vier-Personen-Haushalt haben die steigenden Energiekosten dazu geführt, dass er über das ganze Jahr gesehen rund 1000 Euro mehr an Ausgaben für Strom, Heizung und Benzin haben wird als im letzten Jahr», sagte Billen. Es gebe schon jetzt mehrere hunderttausend Haushalte, denen pro Jahr der Strom abgestellt werde.

Die Lösung liegt für Billen aber nicht in «Kampfpreisen» für Lebensmittel, weil dies auf Kosten der Qualität oder der Erzeuger geht. «Ich habe viel Sympathie für das Anliegen der Milchbauern. Es geht hier um einen fairen Preis», sagte er.

Der oberste Verbraucherschützer hält ein 20-Milliarden-Euro- Programm zum Energiesparen für nötig, um Konsumenten zu entlasten. «Wir fordern, dass die Bundesregierung hier erheblich mehr Geld in die Hand nimmt, um ein wirksames Klima- und Energieprogramm zu finanzieren», sagte Billen. «Das ließe sich zum Teil mit den Erlösen aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten finanzieren.» Mit zehn Milliarden Euro im Jahr könnten Hausbesitzer und Wohnungsbaugesellschaften unterstützt werden. Bei mehr als 15 Millionen Häusern, die saniert werden müssen, reichten keine günstigen Kredite für eine Heizung.

Fünf Milliarden Euro pro Jahr seien im Verkehr nötig. «Statt die Pendlerpauschale auszuweiten, plädieren wir dafür, mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr auszugeben und den Fernverkehr auszubauen.» Mit zwei Milliarden Euro solle unter anderem der Ausbau von Fernwärme und dezentraler Stromerzeugung gefördert werden, drei Milliarden sollten in mehr Anreize für Energiespargeräte fließen. «Deutschland ist ein Land mit alten Kühlschränken.» Das Durchschnittsalter liege bei 15 Jahren. Kurzfristig könne ein Durchschnittshaushalt bis zu 20 Prozent Energie sparen, etwa mit Energiesparbirnen und dem Abschalten von Geräten über eine Steckerleiste.

(Quelle: dpa)
 



 

Hessen-Grüne fordern dauerhafte Zusagen der Linken

Mo.28.07.08 - Die hessischen Grünen machen einen neuen Anlauf für eine Machtübernahme im Land mit der SPD von dauerhaften Zusagen der Linken abhängig. «Für Himmelfahrtskommandos sind wir nicht zu haben», sagte der Landesvorsitzende Tarek Al-Wazir der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Er werde einem Grünen-Parteitag keinen Regierungseintritt vorschlagen, wenn absehbar sei, dass eine solche Regierung keinen langen Bestand haben könne. Von der SPD-Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti erwarte er eine Aussage über ihre weiteren Absichten, sagte Al-Wazir. Ypsilanti steht nach einem Bericht des Magazins «Spiegel» unter massivem Druck der Bundes-SPD, keinen weiteren Versuch einer von der Linken tolerierten rot-grünen Minderheitsregierung zu wagen. Im «Tagesspiegel» hatte sie am Samstag gesagt, ganz oben stehe ein grundsätzlicher politischer Wechsel, der ohne Regierungsbeteiligung schwierig sei.

Al-Wazir sagte der FAS, er sei nicht begeistert von einer Zusammenarbeit mit der Linken: «Aber es gibt derzeit überhaupt keine denkbare Konstellation im hessischen Landtag, von der ich begeistert wäre.» Er forderte die FDP erneut zu Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen auf. Seit der Landtagswahl Ende Januar hat sich noch keine regierungsfähige Mehrheit in Wiesbaden gefunden. Die CDU-Landesregierung von Ministerpräsident Roland Koch ist daher weiter geschäftsführend im Amt.

(Quelle: dpa)
 



 

Bildungsministerin Schavan kündigt Ausweitung des Meister-BAföGs an

Mo.28.07.08 - Die Bundesregierung will das Meister-BAföG ausweiten. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte in der Zeitung «Bild am Sonntag» laut Vorabbericht an, die Regierung werde dafür in den nächsten vier Jahren zusätzlich 200 Millionen Euro ausgeben. Ihr Gesetzentwurf gehe nächste Woche in die Ressortabstimmung.

«Es gibt aber nicht nur mehr Geld, es werden auch mehr Menschen als bisher profitieren», versprach die Ministerin. So sollten diejenigen, die Familie und Kinder mit der Fortbildung vereinbaren wollen, künftig einen deutlich höheren Zuschuss bekommen als bisher. Wer nach der Fortbildung ein Unternehmen gründe und Mitarbeiter einstelle, bekomme noch einen Extrabonus. Bis zu zwei Drittel des Darlehens müssten dann nicht zurückbezahlt werden. Wer einen besonders erfolgreichen Abschluss macht, werde ebenfalls zusätzlich belohnt.

Zugleich appellierte die Ministerin an die Wirtschaft, Weiterbildung in die Tarifverträge aufzunehmen. «Ich erwarte, dass jetzt auch die Wirtschaft Signale setzt - zum Beispiel durch die Verankerung von Weiterbildung in den Tarifverträgen», betonte sie.

(Quelle: ddp)
 
 
 
 

mehr Nachrichten...


[ vorherige ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   



 

WebSite-Search

PicoSearch

| Nachrichtenticker | Nachrichten der vergangen Tage |

 | kunst&kult | philosophie | wissenschaft | gesellschaft | diverses | öko | medien | links

| home | home(no frame) |

B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax : 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de