+++ Di.29.07.08, 06:30
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Irak 1589 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Mindestens 56 Tote bei mehreren Anschlägen
Di.29.07.08 - Bei einer Serie von Anschlägen im Irak sind mindestens 56 Menschen
ums Leben gekommen und über 200 weitere verletzt worden. In der
Hauptstadt Bagdad verübten drei Selbstmordattentäterinnen
Anschläge auf schiitische Pilger und rissen mindestens 25 Menschen
mit in den Tod, wie die Sicherheitsbehörden mitteilten. Fast
zeitgleich sprengte sich ein Selbstmordattentäter während
einer Kurdendemonstration im nordirakischen Kirkuk in die Luft. Bei der
Explosion und einer anschließenden Schießerei starben
mindestens 27 Menschen. Nahe Baakuba tötete eine Bombe vier weitere
Menschen. Die USA verurteilten die Angriffe.
Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Gordon Johndroe,
rief die irakische Bevölkerung und ihre Regierung auf, mit
"gefasster Entschlossenheit" auf die "Bedrohung gewalttätiger
Extremisten" zu reagieren, die das Land "destabilisieren" wollten. Er
verurteilte die "gewalttätigen Angriffe gegen unschuldige Iraker".
Die Attentate im Bagdader Stadtteil Karrada richteten sich den
Behördenangaben zufolge gegen Pilgergruppen auf dem Weg ins
nördliche Viertel Kadhimija. Dort gedenken Schiiten bis Dienstag am
Schrein des Imam Mussa el Kadhim dessen Ermordung im Jahr 799. Mehr als
70 Menschen wurden bei der Anschlagsserie verletzt.
Zum Höhepunkt der Festlichkeiten am heutigen Dienstag erwarten die
irakischen Behörden bis zu eine Million gläubige Schiiten in
Bagdad. Die von Schiiten dominierte irakische Regierung befürchtet
weitere Gewalt in den kommenden Tagen. Um die Pilger vor Attentaten zu
schützen, wurden bereits massive Sicherheitsvorkehrungen rund um
das Mausoleum angeordnet. 5000 Polizisten und weitere Soldaten wurden
dafür in Kadhimija stationiert. Bereits am Sonntag waren in Madin
südlich von Bagdad sieben schiitische Pilger auf dem Weg zu den
Feiern getötet worden.
Im kurdischen Kirkuk tötete ein Selbstmordattentäter am
Morgen mindestens elf Menschen, als er sich während einer
Demonstration im Stadtzentrum in die Luft sprengte. 54 weitere wurden
nach Angaben des Polizeikommandeurs der Stadt verletzt.
Anschließend sei unter den Demonstranten Panik ausgebrochen und
eine Schießerei habe begonnen. Dabei seien weitere 16 Menschen ums
Leben gekommen, 72 wurden verletzt.
(Quelle: afp)
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 29.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundfünfundzwanzigtsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Afghanistan: NATO-General wirft Partnern Wortbruch vor
Di.29.07.08 - Der Oberkommandierende der NATO wirft den Staats- und Regierungschefs
der Allianz Wortbruch vor. "Sobald wir anfangen, Truppen zu generieren,
fallen wir auf die Nase", sagte General John Craddock der "Financial
Times Deutschland" am Rande einer Inspektionsreise nach Afghanistan.
Dabei hätten die Bündnisstaaten erst beim jüngsten
NATO-Gipfel in Bukarest zugesagt, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
"Ja, darüber bin ich frustriert", sagte Craddock.
Der amerikanische Vier-Sterne-General bezieht sich mit seiner Kritik
auf die Ausbildungseinheiten - 19 von 73 zugesagten fehlen noch. Diese
Einheiten sollen den Aufbau der afghanischen Armee vorantreiben, um
gemeinsam gegen die radikalislamischen Taliban und das Terrornetzwerk El
Kaida zu kämpfen. Der Aufbau der Armee sei mitentscheidend
dafür, ob die Internationale Schutztruppe für Afghanistan
(ISAF) den Krieg dort gewinnen könne, heißt es in dem
Bericht. Ein geheimes NATO-Dokument, das in Bukarest verabschiedet
wurde, stellt demnach einen Zusammenhang zwischen der Anzahl
afghanischer Soldaten und einem Abzug der NATO her.
Weiter beklagte Craddock, dass die NATO-Staaten zu wenig bereit seien,
sich finanziell zu engagieren. Tschechien hat beispielsweise Helikopter
für den Afghanistan-Einsatz bereitgestellt, doch es fehlt Geld
für den Transport. "Ich habe Ausrüstung und Material, das hier
gebraucht wird. Aber es steckt fest", sagte Craddock dem Blatt. "Mein
Budget, um das Material hier rüber zu bringen, ist fast null und
ich brauche rund 4,5 Millionen Euro, um es pünktlich zu haben",
sagte der General.
Craddock sagte dem Blatt zufolge weiter, die Aufständischen
hätten zuletzt ihre Strategie gewechselt. Weg von
militärischen Zielen, hin zu zivilen. Von der internationalen
Gemeinschaft gebaute Straßen und öffentliche Gebäude
seien jetzt häufiger Ziel von Anschlägen. "Die Rechnung, wo
eine Straße ist, ist der Taliban nicht mehr, gilt nicht mehr.
Inzwischen gilt: Wo wir bauen, greifen auch die Taliban an."
(Quelle: afp)
Britischer Soldat in Südafghanistan getötet
Di.29.07.08 - In Südafghanistan ist am Montag ein britischer Soldat erschossen
worden. Wie das Verteidigungsministerium in London mitteilte, wurde er
während einer Patrouille in der Provinz Helmand tödlich
getroffen. Einwohner hätten berichtet, dass sich in der Gegend
Taliban-Kämpfer aufhielten, erklärte das Ministerium. Seit
2001 sind insgesamt 113 britische Soldaten in Afghanistan ums Leben
gekommen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt: Israels Ministerpräsident Olmert sieht Hoffnung
auf umfassendes Abkommen schwinden
Di.29.07.08 - Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sieht die Hoffnungen auf ein
umfassendes Friedensabkommen mit den Palästinensern unter
Einschluss einer Jerusalem-Lösung schwinden.
Allerdings hält er nach Angaben aus der Regierung noch in diesem
Jahr ein Teilabkommen mit Lösungen in Grenz-, Sicherheits- und
Flüchtlingsfragen für denkbar. Die Palästinenser lehnten
in ersten Stellungnahmen einen Vertrag unter Ausschluss Jerusalems ab.
"Ich glaube nicht, dass es bis zum Jahresende eine Einigung über
Jerusalem geben wird", sagte Olmert nach Angaben eines
Regierungsvertreters am Montag vor einem Parlamentsausschuss. In den
anderen Kernfragen der Grenzen und der palästinensischen
Flüchtlinge seien die Differenzen nicht dramatisch. Olmert habe
vorgeschlagen, die Verhandlungen über Jerusalem im kommenden Jahr
fortzusetzen. US-Präsident George W. Bush strebt eine Einigung vor
Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 an.
Jerusalem ist in den Friedensverhandlungen eine Schlüsselfrage,
weil sowohl Israelis als auch Palästinenser Anspruch auf die Stadt
erheben. Palästinenser-Sprecher Nabil Abu Rdainah nannte Jerusalem
die "rote Linie" für seine Seite. "Wir werden kein Abkommen
akzeptieren, das Jerusalem ausklammert." Die Palästinenser
beanspruchen den Ostteil der Metropole als Hauptstadt für einen
künftigen Staat.
In dem von Olmert angestrebten Teilabkommen soll den Angaben des
israelischen Regierungsvertreters zufolge nur allgemein von Jerusalem
die Rede sein. Über den endgültigen Status der für Juden,
Moslems und Christen heiligen Stadt soll nach Olmerts Vorstellungen
2009 weiterverhandelt werden.
Die von den USA angestoßenen Verhandlungen zwischen Israelis und
Palästinensern sind bislang nur schleppend vorangekommen.
Hauptstreitpunkt sind die jüdischen Siedlungen im Großraum
Jerusalem. US-Außenministerin Condoleezza Rice hat beide Seiten
für diese Woche zu Gesprächen nach Washington eingeladen. Nach
Darstellung Israels ist in dieser Runde ein Durchbruch nicht zu
erwarten.
(Quelle: rtr)
Sudan: Hilfsorganisationen kritisieren Darfur-Friedenstruppen
Di.29.07.08 - Eine Gruppe von mehr als 40 Hilfsorganisationen hat die Friedenstruppen
in der sudanesischen Krisenregion Darfur aufgefordert, sich mehr
für den Schutz der Bevölkerung einzusetzen. Die UNAMID-Mission
von UNO und Afrikanischer Union (AU) sei "in Gefahr, das neueste
gebrochene Versprechen der Welt zu werden", heißt es in einem
Bericht des Darfur Consortiums, einem Zusammenschlusses von in Afrika
tätigen Hilfsorganisationen.
Die Gründe für den unzureichenden Einsatz seien Behinderungen
durch die Regierung des Sudan, die fehlende politische
Unterstützung von Vereinten Nationen und Afrikanischer Union sowie
die nicht erfüllten Zusagen der Geberländer. Trotz dieser
Hindernisse könnten die Friedenstruppen viel mehr tun, heißt
es in dem Bericht.
Bislang habe die Truppe zwar nicht die Stärke, um die Kämpfe
in der Region zu verhindern, da sie auf die Entsendung der ausstehenden
Soldaten warte. Dennoch sollten die Friedenstruppen damit beginnen, die
Bevölkerung vor den täglichen Angriffen zu schützen,
forderte das Darfur Consortium. Beispielsweise müssten Dorfbewohner
auf dem Weg zu Märkten oder auf der Suche nach Feuerholz begleitet
werden. Nötig sei auch, die Präsenz in der Region und die
Patrouillen in und um die Flüchtlingslager zu verstärken.
Die Hilfsorganisationen forderten die Geberländer zudem auf, die
versprochenen Truppen für die Friedensmission zu entsenden. Von den
vorgesehenen 19.500 Soldaten sowie 6500 Polizisten sind bislang etwa nur
ein Drittel in Darfur stationiert. Bei dem Konflikt zwischen Rebellen
und Regierungstruppen sowie arabischen Reitermilizen in Darfur starben
nach UN-Schätzungen rund 300.000 Menschen.
(Quelle: afp)
UN-Sicherheitsrat uneins über weiteres Vorgehen in Darfur
Di.29.07.08 - Die Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs gegen den
sudanesischen Präsidenten Omar al Baschir haben den Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen gespalten. Die USA, Großbritannien und
Frankreich wollen den Antrag eines internationalen Haftbefehls nicht
stoppen, die übrigen Vetomächte China und Russland wollen Al
Baschir jedoch vor Strafverfolgung schützen. Der Sicherheitsrat sei
in der Frage gespalten, erklärte US-Botschafter Zalmay Khalilzad
am Montag (Ortszeit).
Khalilzad betonte nach den Beratungen, es sei zu früh, das
Verfahren gegen al Baschir jetzt zu beenden. Damit deutete er an, dass
die weiter laufenden Ermittlungen die Verhandlungsmacht des
Sicherheitsrats gegenüber dem Sudan erhöhen könnte. Der
Sicherheitsrat hatte das Gericht in Den Haag 2005 angewiesen, wegen der
Hinweise auf Völkermord in der Provinz Darfur Ermittlungen
aufzunehmen. Der Rat kann dem Gründungsstatut des Internationalen
Strafgerichtshofs (IStGH) zufolge die Einstellung eines Verfahrens
verfügen. Dies gilt für Fälle, in denen die Schaffung
eines Friedens Vorrang vor der Gerechtigkeit haben sollte.
Hintergrund der Debatte war die Verlängerung des Mandats für
die gemeinsame Darfur-Friedenstruppe der UN und der Afrikanischen Union
(UNAMID), das am 31. Juli ausläuft. Khalilzad rechnete mit einer
Verlängerung des Mandats um ein Jahr. Die Abstimmung solle am
Mittwoch stattfinden.
(Quelle: afp)
Türkei: Anschlag und AKP-Verbotsverfahren heizen politische
Spannungen an
Di.29.07.08 - Nach den Bombenanschlägen in Istanbul sind die wegen des
möglichen Verbots der Regierungspartei AKP hohen Spannungen in der
Türkei weiter gestiegen.
Wenige Stunden vor Beginn der Schlussberatungen des Verfassungsgerichts
über den Verbotsantrag waren am Sonntag in einem Arbeiterviertel
der Metropole zwei Bomben explodiert. Dabei wurden nach offiziellen
Angaben 17 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt. Die
Behörden verdächtigen die verbotene Kurdische Arbeiterpartei
PKK, hinter den Anschlägen zu stehen. Allerdings lag bis Montag
eine Selbstbezichtigung nicht vor, und die PKK verurteilte die Tat.
Ministerpräsident Tayyip Erdogan, dem im Fall eines Verbots der
AKP parteipolitische Aktivitäten untersagt werden könnten,
rief bei einem Besuch des Tatorts im Stadtteil Güngören zur
nationalen Einheit auf. "Unser Problem ist nicht das AKP-Verbot.
Gegenwärtig besteht das Problem darin, unsere Einheit zu wahren,
damit das Land in eine andere Richtung gehen kann", sagte der
Regierungschef. Der Kampf gegen den Terrorismus werde bis zum Sieg
weitergehen.
Derweil warteten türkische Politiker, die EU und ausländische
Unternehmen mit Spannung auf die Entscheidung des Verfassungsgerichts
über den Verbotsantrag gegen die AKP. Die Kontroverse über das
Verbot der Partei, der die Ankläger islamistische Tendenzen in dem
nach eigenem Verständnis weltlichen Land vorwerfen, hat die
Türkei tief gespalten. Für eine Auflösung der AKP, die
dem EU-Beitrittskandidaten und Nato-Mitglied umfassende Reformen
verordnet hat, müssen sieben der elf Verfassungsrichter stimmen.
Nach dem Willen der Ankläger soll Erdogan, Präsident Abdullah
Gül und 69 AKP-Spitzenfunktionären für fünf Jahre
jede parteipolitische Betätigung verboten werden.
Die Entscheidung der Verfassungsrichter wird Anfang August erwartet.
Sollte die AKP verboten werden, wird die Regierung aufgelöst und
das Parlament voraussichtlich im November neu gewählt. Die
AKP-Abgeordneten erhalten im Fall eines Verbots ihrer Partei den Status
unabhängiger Parlamentarier, die entweder eine neue Partei
gründen oder sich bestehenden Organisationen anschließen
können.
"Eine Regierung, die von 47 Prozent der Bevölkerung gewählt
wurde, kann nicht einfach aufgelöst werden. Das kann die
Türkei dem Ausland nicht erklären", gab der Politikprofessor
Hüseyin Bagci von der Technischen Universität in Ankara zu
bedenken. Erdogan selbst könnte bei der vorgezogenen Wahl als
unabhängiger Bewerber antreten und bei einem Sieg die neue
Regierung bilden, was für neue Spannungen zwischen säkularen
und religiösen Kräften sorgen dürfte.
In einem Zeitungsinterview schloss Erdogan die Hinwendung zu
autoritären Methoden für den Fall der Ablehnung des
Verbotsantrags aus. Zugleich räumte er erstmals Fehler der AKP ein,
die zu der Staatskrise beigetragen hätten. Der Streit zwischen
beiden Lagern war im Januar eskaliert, als die Regierung das
Kopftuchverbot für Studentinnen aufhob. Das Verfassungsgericht
kassierte die Entscheidung im Juni.
(Quelle: rtr)
IWF: Finanzmärkte noch immer instabil, Inflation kommt hinzu
Di.29.07.08 - Die globalen Finanzmärkte haben nach Einschätzung des
Internationalen Währungsfonds (IWF) noch immer mit den Folgen der
US-Kredit- und Immobilienkrise zu kämpfen.
Vor diesem Hintergrund und wegen des gestiegenen Inflationsdrucks seien
die Möglichkeiten der Geldpolitik begrenzt, zur Stabilisierung der
Finanzmärkte beizutragen, heißt in einem am Montag
veröffentlichten IWF-Bericht.
Ein Ende der US-Immobilienkrise ist nach Einschätzung der
Institution noch nicht in Sicht. Der Verfall bei den Immobilienpreisen
könnte aber Häuser erschwinglicher machen und damit zu einer
Stabilisierung des Marktes beitragen, schrieb der IWF in seinem Bericht
zur Stabilität der weltweiten Finanzmärkte.
Der IWF hatte im April geschätzt, dass die Verluste aus der
Kredit- und Immobilienkrise bis auf eine Billion Dollar steigen
würden. An dieser Einschätzung sei auch aus heutiger Sicht
nichts zu revidieren, sagte IWF-Direktor Jaime Caruana.
(Quelle: rtr)
Rezessionsangst macht sich in Deutschland breit
Di.29.07.08 - Die wachsende Angst vor einer Rezession und die rasant steigenden
Energiepreise lassen die Verbraucher immer pessimistischer in die
Zukunft blicken. Die Bürger schätzten ihre persönlichen
Einkommensaussichten und die Wirtschaftsentwicklung erneut schlechter
ein als im Vormonat, wie das Marktforschungsinstitut GfK am Montag in
Nürnberg in seiner jüngsten Konsumklimastudie berichtete. Die
Kauflaune nahm erneut ab.
Die GfK-Forscher erwarten den Konsumklimaindex, der sich aus den drei
Teilindikatoren zusammensetzt, im August bei 2,1 Punkten. Das wäre
der niedrigste Stand seit Juni 2003. Im Juli lag er bei 3,6. Auch
für den weiteren Jahresverlauf stehen die Zeichen ungünstig.
«Aufgrund der hohen Inflation werden wir sicher keinen
Konsumrausch mehr erleben», erklärt GfK-Autor Rolf Bürkl.
Schuld an der anhaltenden Verschlechterung der Stimmung ist laut
GfK-Studie die hohe Inflation durch die explodierenden Energiepreise.
Sie verunsichere die Bürger zunehmend und lasse sie um ihre
Kaufkraft fürchten. Der Index der persönlichen
Einkommenserwartung verlor im Vergleich zum Vormonat 12,8 Punkte auf
minus 20 - der niedrigste Wert seit 2004. Vor einem Jahr hatte er noch
bei plus 27,9 Punkten gelegen.
«Die Konsumenten sehen ihre Kaufkraftzuwächse, die sich
zunächst aufgrund der teilweise ansehnlichen Tariferhöhungen
in einigen Branchen überaus erfreulich entwickelten, mehr und mehr
schwinden», erklärt Bürkl. Das verdränge auch die
noch immer guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt.
Erneut skeptischer als im Vormonat sehen die Verbraucher auch die
weitere Wirtschaftsentwicklung. Der Index der Konjunkturerwartung
büßte im Juli 15,5 Punkte auf minus 8,0. Vor einem Jahr lag
er noch bei 64,8 Punkten. Hier sorgt die deutliche Abkühlung der
Inlandskonjunktur für Verunsicherung unter den Verbrauchern.
Gestützt werde diese Befürchtung durch Meldungen aus den USA,
wonach die Finanzmarktkrise dort noch lange nicht ausgestanden sei.
Auch die Kauflaune der Verbraucher ist gedämpft: Der Index der
Anschaffungsneigung verlor im Monatsvergleich 2,5 Punkte auf minus 26,2
und liegt damit um gut 35 Punkte unter seinem Vorjahreswert. Die
Verbraucher rechneten damit, dass sie künftig einen
größeren Teil ihrer Haushaltsbudgets für Energiekosten
aufwenden müssten, schreibt Bürkl. Größere
Anschaffungen würden häufig verschoben oder ganz aufgegeben.
Um den Privatkonsum in den kommenden Monaten doch noch etwas
anzukurbeln, rät Bürkl zu einer Fortsetzung des begonnenen
Reformprozesses, der in letzter Zeit vergessen worden sei. So
müssten die Bürger angesichts der hohen Inflation etwa durch
Steuersenkungen und geringere Sozialabgaben entlastet werden.
Für die aktuelle Studie wurden rund 2.000 Verbraucher befragt. Die
nächste Erhebung wird am 26. August veröffentlicht.
(Quelle: ap)
Wohlfahrtsverband gegen Energie-Sozialtarife
Di.29.07.08 - Der Wohlfahrtsverband «Der Paritätische» hält die
Forderung von DGB und Linken nach Sozialtarifen für Arme bei der
Energieversorgung nicht für sinnvoll.
«Es macht jetzt keinen Sinn, in die Preispolitik derart
einzugreifen... Der Energiesektor ist privatisiert worden», sagte
Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider am Montag im Radiosender
NDR Info. «Wenn es darum geht, einkommensschwachen Familien bei
der Energieversorgung zu helfen, müssen wir das über das
Wohngeldgesetz machen.» Zum 1. Januar 2009 ist bereits vorgesehen,
das Wohngeld mit Heizkostenzuschuss um fast 60 Prozent zu erhöhen.
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael
Sommer, hatte am Wochenende beklagt, dass sich Zehntausende die
steigenden Energiepreise nicht leisten könnten und künftig
frieren müssten. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hatte gar von
Kältetoten gesprochen.
Schneider wies darauf hin, dass Empfänger von Hartz-IV-Leistungen
nicht betroffen sind, weil der Staat ihre Heizkosten bezahlt. Es
würden aber mehr Geringverdiener eine Aufstockung ihres Einkommens
aus Hartz-IV-Leistungen beantragen, «die aufgrund der gestiegenen
Wohnwarmmieten nicht mehr aus eigener Kraft über die Runden
kommen». Schwierig werde es auch für jene, die mit ihren
Einkommen knapp darüber lägen. Rund 18 Prozent der
Bevölkerung gälten als einkommensarm und gäben rund ein
Viertel ihres Geldes nur für Energie und Miete aus. «Hier
schlägt es hammerhart zu», sagte Schneider.
(Quelle: dpa)
Arbeitnehmer-Mitbestimmung dämpft laut Studie
Vorstandsgehälter - Keine nachteilige Wirkung auf wirtschaftlichen
Erfolg von Unternehmen
Di.29.07.08 - Mitbestimmung von Arbeitnehmern in Ausschüssen des Aufsichtsrats
hält die Vorstandsgehälter in Unternehmen niedriger. Das
berichtete die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Montag in
Düsseldorf als Ergebnis einer Studie. In einem typischen
DAX-Unternehmen falle demnach die Vorstandsvergütung etwa 11
Prozent geringer aus, wenn der darüber befindende Ausschuss des
Aufsichtsrats zu gleichen Teilen mit Arbeitnehmern und Anteilseignern
besetzt sei.
Sogar um rund 16 Prozent geringer sei die Vergütung, wenn ein
Gewerkschaftsvertreter stellvertretender Vorsitzender sei, hieß
es. Die Mitbestimmung im Aufsichtsrat und seinen Ausschüssen
beschränkt der Studie zufolge auch den aktienorientierten Anteil
der Vorstandsvergütung. Zugleich habe sie keine nachteiligen
Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen.
Viele Aufsichtsräte haben der Studie zufolge inzwischen
Ausschüsse eingerichtet, um ihre Kontrollaufgaben besser wahrnehmen
zu können. Diese seien jedoch nicht immer zu gleichen Teilen mit
Aktionärs- und Arbeitnehmervertretern besetzt, da es für
Ausschüsse kaum gesetzliche Vorgaben gebe. Im Aufsichtsrat selbst
müssen bei Kapitalgesellschaften mit mehr als 2.000
Beschäftigten hingegen gleich viele Vertreter von Anteilseignern
und Arbeitnehmern vertreten sein.
Sigurt Vitols vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
(WZB) analysierte für die Studie die Zusammensetzung der
Aufsichtsrats-Ausschüsse in 104 börsennotierten,
paritätisch mitbestimmten Unternehmen. Da eine
übermäßige Vorstandsvergütung zunehmend als
gesellschaftlich problematisch angesehen werde, könne die
Stärkung der gewerkschaftlichen Präsenz im Aufsichtsrat
positiv bewertet werden, sagte der Forscher. Für die Aktionäre
entstünden keine Nachteile: Es gebe keine Auswirkungen auf
Rentabilität, Beschäftigungsdynamik oder Börsenbewertung
eines Unternehmens.
(Quelle: ap)
Erster Siemens-Prozess endet mit Bewährungsstrafe
Di.29.07.08 - In der Siemens-Schmiergeldaffäre hat das Münchener
Landgericht den ersten Angeklagten zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf
Bewährung verurteilt.
Der Richter verhängte zusätzlich eine Geldstrafe über
108.000 Euro. Die 5. Strafkammer sah es als erwiesen an, dass der
Angeklagte Reinhard Siekazcek in 49 Fällen fast 50 Millionen Euro
an Konzerngeldern veruntreut und in schwarze Kassen geleitet hat. Der
57-Jährige Ex-Manager der Telekommunikationssparte hatte bereits zu
Prozessbeginn ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Er nahm das
Urteil noch im Gerichtssaal an, die Entscheidung ist
rechtskräftig. Bei Siemens waren 1,3 Milliarden Euro in dunkle
Kanäle geflossen. Der Korruptionsskandal kostete den Konzern
bislang insgesamt 1,8 Milliarden Euro.
"Der Angeklagte hat das Geld in ein Firmengeflecht von Scheinfirmen
eingeschleust und so vollständig dem Zugriff der Firmenorgane
entzogen", sagte der Vorsitzende Richter Peter Noll zur
Urteilsbegründung. "Das kann man sich vorstellen wie einen Schwamm,
wo das Geld weg ist." Eine Kontrolle über die schwarzen Kasse habe
es de facto nicht gegeben. "Man hat sich darauf verlassen, wenn
irgendwelche Vertriebsmitarbeiter sagen: 'Ich brauche wieder etwas
für nützliche Aufwendungen.'" Siekaczek habe sich als
"altgedienter Siemensianer" zwar nicht persönlich bereichert, aber
sehr wohl gewusst, dass sein Handeln illegal sei. "Kein ordentlicher
Kaufmann macht das." Der Manager habe gewusst, dass das Geld für
Korruption verwendet wurde. "Der Zweck, diese Mittel zur Seite zu
schaffen, war ein krimineller", sagte Noll. Korruption sei "schlicht der
ungenierte Griff in fremde Kassen".
Der Richter wertete neben der umfangreichen Kooperation des
Beschuldigten die lückenhafte Korruptionsbekämpfung bei
Siemens als schuldmindernd. "Man muss davon ausgehen, dass Herr
Siekaczek in ein System der organisierten Unverantwortlichkeit
eingebunden war, in ein System augenzwinkernder Zustimmung." Im Konzern
habe es ein "weit erodiertes Rechtsverständnis gegeben."
Die Kompetenzen des obersten Korruptionsbekämpfers Albrecht
Schäfer seien völlig unzureichend gewesen. "Das ist wie wenn
die Feuerwehr zum Löschen mit einem Zahnputzbecher ausgestattet
wird." Siekaczek habe zudem die Anweisungen seines Vorgesetzten Michael
Kutschenreuter befolgt. "Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, er ist
mindestens vom eigenen Bereichsvorstand Herrn Kutschenreuter beauftragt
worden, schwarze Kassen zu führen", sagte der Richter.
Kutschenreuter hat bereits seine Verstrickung in die
Schwarzgeldaffäre eingeräumt.
Die mögliche Schuld von Top-Managern sei nach 15 Verhandlungstagen
noch weitgehend ungeklärt. Allerdings habe der Konzern schwarze
Kassen und Korruption begünstigt. "Praktisch haben alle
Kontrollinstanzen, die gesamte Organisation darauf abgezielt, so ein
Verhalten zu ermöglichen."
Der Richter kritisierte, dass die meisten ehemaligen
Zentralvorstände nicht als Zeugen vor Gericht erschienen. "Man
hätte es gut gefunden, wenn die Verantwortlichen hier Verantwortung
zeigen", sagte Noll. "Die Zweifel, die bleiben, gehen zugunsten des
Angeklagten." Oberstaatsanwalt Anton Winkler kündigte an, in den
kommenden zwei bis drei Monaten gegen zwei weitere Beschuldigte in der
Schmiergeldaffäre Anklage zu erheben.
(Quelle: rtr)
Streik bei der Lufthansa am ersten Tag verpufft
Di.29.07.08 - Nach einem fast folgenlosen ersten Streiktag will die Gewerkschaft
ver.di ihren Lufthansa-Streik ausweiten. Am (morgigen) Dienstag sollen
zusätzlich Mitarbeiter auf den beiden Berliner Flughäfen Tegel
und Schönefeld sowie in Stuttgart und Nürnberg ihre Arbeit
niederlegen. Am Montag blieben Reisende von den Folgen des Streiks von
mehr als 4.000 Lufthansa-Beschäftigten weitgehend verschont: Bis
zum Nachmittag gab es keine Flugausfälle, wie das Unternehmen
mitteilte.
Ver.di erklärte, der Notfallplan koste das Unternehmen
«richtig viel Geld». Die Auswirkungen des ersten
unbefristeten Ausstands beim Boden- und Servicepersonal seit 13 Jahren
würden erst in den nächsten Tagen voll durchschlagen.
Laut ver.di beteiligten sich mehr als 4.000 Mitarbeiter aller
Geschäftsfelder am Ausstand. Schwerpunkte waren das wichtigste
Drehkreuz der Kranichlinie in Frankfurt am Main sowie Hamburg mit
jeweils rund 1.500 Streikenden. «Wir rechnen damit, dass der
Flugverkehr Mitte der Woche stärker und Ende der Woche massiv
betroffen sein wird», sagte der Hamburger
ver.di-Fachbereichsleiter Dietmar Stretz.
Ver.di-Sprecher Harald Reutter sagte, die Gewerkschaft habe am Montag
«ein erstes Etappenziel erreicht: Wir haben die Lufthansa
gezwungen, viel Geld in die Hand zu nehmen, um den Flugplan aufrecht zu
erhalten». Er räumte ein: «Das haben sie
geschafft.» Ziel des Ausstands sei nicht, die Passagiere zu
behindern, sondern wirtschaftlichen Druck aufzubauen. «Catering
bei der Konkurrenz einzukaufen oder das Fluggerät in anderen
Werften warten zu lassen, ist richtig teuer», sagte
Verhandlungsführer Erhard Ott.
Lufthansa-Konkurrent Air Berlin meldete spürbar gestiegene
Buchungszahlen in den vergangenen Tagen. «Wo wir können,
setzen wir größere Flugzeuge ein», sagte Vorstandschef
Joachim Hunold der «Bild».
Laut Lufthansa starteten bis zum späten Nachmittag rund 1.200 der
täglich 2.000 Flüge. Im Vergleich zu sonstigen Tagen habe es
«keine Auffälligkeiten» bei den Verspätungen
gegeben. Zu den Kosten für die Notfallpläne äußerte
sich ein Sprecher nicht.
Ver.di fordert für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden und
in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld für ein Jahr. Die Lufthansa hat
7,7 Prozent für 21 Monate angeboten - inklusive einer
Einmalzahlung - und vorgeschlagen, den Konflikt mit einem
Schlichtungsverfahren zu lösen. Die Gewerkschaft erklärte, das
entspreche einer Erhöhung von 3,8 Prozent auf zwölf Monate
gerechnet.
Ver.di sei bereit, wieder zu verhandeln, wenn seitens der Lufthansa
klare Signale kämen, sagte Ott. Nachdem das Management das jetzige
Angebot als das Äußerste bezeichnet habe, sei es aber nun
Sache der Lufthansa, sich zu bewegen. Konzernsprecher Klaus Walther wies
ver.di die Schuld am Streik zu. «Ver.di hat den Verhandlungstisch
verlassen», sagte er. «Wir sind dialogbereit.»
Unterdessen gerät ver.di-Chef Frank Bsirske wegen seiner
Doppelfunktion im Lufthansa-Streik in die Kritik. «Ich frage mich,
wie man auf zwei Hochzeiten tanzen kann», sagte
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel dem «Münchner
Merkur» (Dienstagausgabe). Wenn der Gewerkschaftsfunktionär
Bsirske den stellvertretenden Lufthansa-Aufsichtsratschef Bsirske
bestreikt, müsse man sich fragen, «ob die Struktur der
gewerkschaftlichen Mitbestimmung in den großen Unternehmen so noch
zukunftsfähig ist». Das Kölner Institut der deutschen
Wirtschaft (IW) forderte Bsirske auf, seinen
Lufthansa-Aufsichtsratsposten für die Dauer der Streiks ruhen zu
lassen.
(Quelle: ap)
Immer mehr Schulabgänger verzichten auf Studium
Di.29.07.08 - Immer mehr junge Leute verzichten auf ein Studium. Zwar gab es im
vergangenem Jahr 17 Prozent mehr Schulabgänger mit Abitur oder
Fachhochschulreife als noch 2003.
Gegenüber dem gleichen Jahr sank jedoch die
Studienanfängerzahl um 5 Prozent, bestätigte das Statistische
Bundesamt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zugleich wurden
28 Prozent mehr Abiturienten in einer betrieblichen Ausbildung
registriert.
Als Gründe für den Studienverzicht gelten die erheblich
ausgeweiteten Zulassungsbeschränkungen (Numerus Clausus) an den
Hochschulen, Studiengebühren, die oft unklare Finanzierung des
Lebensunterhalts sowie ein bürokratischer Wirrwarr bei der
Studieneinschreibung seit Inkrafttreten des neuen
Studentenauswahlrechtes der Hochschulen.
Die Kultusminister hatten wegen der geburtenstarken
Schulabgängerjahrgänge allein in den vergangenen drei Jahren
mit mindestens 60 000 Studienanfängern mehr gerechnet - und dies
nur in ihrer «vorsichtigen» Prognosevariante, wonach 75
Prozent eines Abiturientenjahrgangs tatsächlich auch ein Studium
beginnen. Bei einer Quote von 85 Prozent hätten es laut
Kultusminister-Prognose sogar über 180 000 Studienanfänger
mehr sein müssen.
Die Prognose war ein Auslöser für den 2007 von Bund und
Ländern vereinbarten Hochschulpakt, mit dem bis 2010 über 91
000 zusätzliche Studienplätze für die starken
Schulabgängerjahrgänge geschaffen werden sollen. Über die
Fortsetzung des Paktes wird derzeit verhandelt.
Bei dem jüngsten Treffen der Wissenschaftsminister von Bund und
Ländern wurde bekannt, dass vor allem große
Flächenländer im Westen das Paktziel im ersten Jahr deutlich
verfehlt haben. Statt der bereits für 2007 verabredeten
zusätzlichen 13 000 Plätze in der ersten Ausbaustufe wurden
bundesweit nur 2500 Plätze geschaffen. Gleichwohl ist der Bund
gegenüber den Ländern finanziell bereits in Vorleistung
getreten.
2003 wurde mit 377 504 Neueinschreibungen der bisherige
Studienanfängerrekord erzielt - nach der Bafög-Reform von 2002
und einer großen Werbeaktion der Bundesregierung für das
Studium. Zwischen 2004 und 2006 sanken dann die Anfängerzahlen
wieder erheblich. 2007 gab es einen leichten Anstieg auf 358 673 - was
politisch als «Trendwende» interpretiert wurde. Gleichwohl
liegt die Zahl immer noch um gut 20 000 unter der niedrigsten
Prognosevariante der Kultusminister.
Der Rückgang der Studienneigung wird auch bei den jährlichen
Abiturientenbefragungen durch das Hochschul-Informations-System (HIS) in
Hannover deutlich. Danach ist die «Intention» für ein
Studium von 73 Prozent (2002) auf 68 Prozent (2006) gesunken - und
nähert sich dem Tiefstand von 1999 an, als nur 66 Prozent der
Abiturienten eine Studienabsicht bekundeten. Zwar entscheidet sich nach
den Erfahrungen der Hochschulforscher später ein kleiner Teil der
Befragten trotz ihrer zunächst negativen Studieneinschätzung
dennoch für den Hochschulbesuch. Gleichwohl gilt die Befragung als
wichtiger Stimmungstest für die aktuelle Studienneigung.
(Quelle: dpa)
Jeder zehnte Jugendliche ist computerspielsüchtig
Di.29.07.08 - Mehr als jeder zehnte Jugendliche ist einer Studie zufolge süchtig
nach Computerspielen. Rund elf Prozent der befragten Zehn- bis
20-Jährigen zeige ein krankhaftes Computerspielverhalten, ergab
eine Umfrage des Zentrums für empirische pädagogische
Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau. Jungen sind
demnach eher betroffen als Mädchen. Viele computersüchtige
Kinder und Jugendliche sind der Studie zufolge mit ihrem Alltag
überfordert. Das Spielen sei für sie eine Art
"Bewältigungsstrategie", heißt es.
Häufiges und langes Computerspielen allein sei aber noch nicht
krankhaft, erklärt der Autor der Studie, Reinhold Jäger. Von
einem auffälligen Computerspielverhalten könne erst gesprochen
werden, wenn gleichzeitig Suchtmerkmale auftreten, also wenn der
Jugendliche zum Beispiel Schwierigkeiten in der Schule und seinem
sozialen Umfeld bekommt oder es nicht schafft, den Computer selbst
auszuschalten. Manche zeigten auch körperliche Symptome wie Unruhe,
Nervosität und Gereiztheit, wenn sie längere Zeit nicht am
Computer gespielt haben.
Vermuten Eltern eine Computersucht ihres Kindes, sollten sie ihrem Kind
das Spielen aber nicht gleich generell verbieten, heißt es in der
Studie. Dies könne den Leidensdruck noch erhöhen. Stattdessen
raten die Autoren, sich in das Kind beziehungsweise den Jugendlichen
hineinzuversetzen, herauszufinden, warum er spielt und ihm dann
Alternativen zu bieten. Für die Studie waren 688 Jugendliche im
Alter von zehn bis 20 Jahren befragt worden.
(Quelle: afp)
Internet: Neue Suchmaschine 'Cuil' will den Markt erobern
Di.29.07.08 - Die neue Suchmaschine "Cuil" (http://www.cuil.com).will den Markt erobern. Ihre
Betreiber beschreiben sie als die größte Suchmaschine der
Welt, sie soll rund 120 Milliarden Internet-Seiten erfassen.
Gegründet worden ist sie unter anderem von zwei US-Amerikanern, dem
Professor Tom Costello von der Stanford University und von dessen Frau
Anna Patterson, die früher bei Google gearbeitet hat. Laut dem
Magazin "CNet" ist Cuil außerdem schneller als der aktuelle
Suchmaschinengigant.
Einer der größten Unterschiede zwischen Cuil und Google ist
das sogenannte Ranking-System, nach dem die Priorität der
Internet-Seiten bewertet wird. Bei Google werden vor allem jene Seiten
als wichtig erachtet, auf die häufig von anderen Seiten aus
verlinkt wird. Cuil analysiert hingegen den Inhalt der jeweiligen
Online-Präsenzen und ermittelt daraus die Relevanz für die
Trefferlisten bei den einzelnen Suchanfragen. Anders als bei anderen
Suchmaschinen üblich werden bei Cuil die Suchanfragen der Nutzer
nicht gespeichert. Zu etlichen Suchbegriffen oder kombinierten Suchen
findet Cuil allerdings (noch) nichts, wohingegen Google bei denselben
Begriffen mit langen Trefferlisten aufwartet
(Quelle: gp)