B.O.A.-NACHRICHTEN
 last update: boa München, Di.29.07.2008 - 14:00 
  [ Übersicht] [ Ticker ] [ Medien-Termine] [ Medien-Nachrichten]

 

.
 
a9-2008-k0807290      

Nachrichten und Berichte      [ Allg. Nachrichten ] [Nachrichtendienste ] [ Ticker ]

[ vorherige] [ nächste ]         

+++ Di.29.07.08, 06:30         zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak 1589 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Mindestens 56 Tote bei mehreren Anschlägen

Di.29.07.08 - Bei einer Serie von Anschlägen im Irak sind mindestens 56 Menschen ums Leben gekommen und über 200 weitere verletzt worden. In der Hauptstadt Bagdad verübten drei Selbstmordattentäterinnen Anschläge auf schiitische Pilger und rissen mindestens 25 Menschen mit in den Tod, wie die Sicherheitsbehörden mitteilten. Fast zeitgleich sprengte sich ein Selbstmordattentäter während einer Kurdendemonstration im nordirakischen Kirkuk in die Luft. Bei der Explosion und einer anschließenden Schießerei starben mindestens 27 Menschen. Nahe Baakuba tötete eine Bombe vier weitere Menschen. Die USA verurteilten die Angriffe.

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Gordon Johndroe, rief die irakische Bevölkerung und ihre Regierung auf, mit "gefasster Entschlossenheit" auf die "Bedrohung gewalttätiger Extremisten" zu reagieren, die das Land "destabilisieren" wollten. Er verurteilte die "gewalttätigen Angriffe gegen unschuldige Iraker".

Die Attentate im Bagdader Stadtteil Karrada richteten sich den Behördenangaben zufolge gegen Pilgergruppen auf dem Weg ins nördliche Viertel Kadhimija. Dort gedenken Schiiten bis Dienstag am Schrein des Imam Mussa el Kadhim dessen Ermordung im Jahr 799. Mehr als 70 Menschen wurden bei der Anschlagsserie verletzt.

Zum Höhepunkt der Festlichkeiten am heutigen Dienstag erwarten die irakischen Behörden bis zu eine Million gläubige Schiiten in Bagdad. Die von Schiiten dominierte irakische Regierung befürchtet weitere Gewalt in den kommenden Tagen. Um die Pilger vor Attentaten zu schützen, wurden bereits massive Sicherheitsvorkehrungen rund um das Mausoleum angeordnet. 5000 Polizisten und weitere Soldaten wurden dafür in Kadhimija stationiert. Bereits am Sonntag waren in Madin südlich von Bagdad sieben schiitische Pilger auf dem Weg zu den Feiern getötet worden.

Im kurdischen Kirkuk tötete ein Selbstmordattentäter am Morgen mindestens elf Menschen, als er sich während einer Demonstration im Stadtzentrum in die Luft sprengte. 54 weitere wurden nach Angaben des Polizeikommandeurs der Stadt verletzt. Anschließend sei unter den Demonstranten Panik ausgebrochen und eine Schießerei habe begonnen. Dabei seien weitere 16 Menschen ums Leben gekommen, 72 wurden verletzt.

(Quelle: afp)

mehr Nachrichten mehr Nachrichten vom Tage


 

 

Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 29.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundfünfundzwanzigtsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

So.29.07.07 - Irakischer Ministerpräsident Al-Maliki und General Petraeus offenbar zerstritten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707290.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

Afghanistan: NATO-General wirft Partnern Wortbruch vor

Di.29.07.08 - Der Oberkommandierende der NATO wirft den Staats- und Regierungschefs der Allianz Wortbruch vor. "Sobald wir anfangen, Truppen zu generieren, fallen wir auf die Nase", sagte General John Craddock der "Financial Times Deutschland" am Rande einer Inspektionsreise nach Afghanistan. Dabei hätten die Bündnisstaaten erst beim jüngsten NATO-Gipfel in Bukarest zugesagt, ihren Verpflichtungen nachzukommen. "Ja, darüber bin ich frustriert", sagte Craddock.

Der amerikanische Vier-Sterne-General bezieht sich mit seiner Kritik auf die Ausbildungseinheiten - 19 von 73 zugesagten fehlen noch. Diese Einheiten sollen den Aufbau der afghanischen Armee vorantreiben, um gemeinsam gegen die radikalislamischen Taliban und das Terrornetzwerk El Kaida zu kämpfen. Der Aufbau der Armee sei mitentscheidend dafür, ob die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) den Krieg dort gewinnen könne, heißt es in dem Bericht. Ein geheimes NATO-Dokument, das in Bukarest verabschiedet wurde, stellt demnach einen Zusammenhang zwischen der Anzahl afghanischer Soldaten und einem Abzug der NATO her.

Weiter beklagte Craddock, dass die NATO-Staaten zu wenig bereit seien, sich finanziell zu engagieren. Tschechien hat beispielsweise Helikopter für den Afghanistan-Einsatz bereitgestellt, doch es fehlt Geld für den Transport. "Ich habe Ausrüstung und Material, das hier gebraucht wird. Aber es steckt fest", sagte Craddock dem Blatt. "Mein Budget, um das Material hier rüber zu bringen, ist fast null und ich brauche rund 4,5 Millionen Euro, um es pünktlich zu haben", sagte der General.

Craddock sagte dem Blatt zufolge weiter, die Aufständischen hätten zuletzt ihre Strategie gewechselt. Weg von militärischen Zielen, hin zu zivilen. Von der internationalen Gemeinschaft gebaute Straßen und öffentliche Gebäude seien jetzt häufiger Ziel von Anschlägen. "Die Rechnung, wo eine Straße ist, ist der Taliban nicht mehr, gilt nicht mehr. Inzwischen gilt: Wo wir bauen, greifen auch die Taliban an."

(Quelle: afp)
 



 

Britischer Soldat in Südafghanistan getötet

Di.29.07.08 - In Südafghanistan ist am Montag ein britischer Soldat erschossen worden. Wie das Verteidigungsministerium in London mitteilte, wurde er während einer Patrouille in der Provinz Helmand tödlich getroffen. Einwohner hätten berichtet, dass sich in der Gegend Taliban-Kämpfer aufhielten, erklärte das Ministerium. Seit 2001 sind insgesamt 113 britische Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen.

(Quelle: ap)
 



 

Nahost-Konflikt: Israels Ministerpräsident Olmert sieht Hoffnung auf umfassendes Abkommen schwinden

Di.29.07.08 - Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sieht die Hoffnungen auf ein umfassendes Friedensabkommen mit den Palästinensern unter Einschluss einer Jerusalem-Lösung schwinden.

Allerdings hält er nach Angaben aus der Regierung noch in diesem Jahr ein Teilabkommen mit Lösungen in Grenz-, Sicherheits- und Flüchtlingsfragen für denkbar. Die Palästinenser lehnten in ersten Stellungnahmen einen Vertrag unter Ausschluss Jerusalems ab.

"Ich glaube nicht, dass es bis zum Jahresende eine Einigung über Jerusalem geben wird", sagte Olmert nach Angaben eines Regierungsvertreters am Montag vor einem Parlamentsausschuss. In den anderen Kernfragen der Grenzen und der palästinensischen Flüchtlinge seien die Differenzen nicht dramatisch. Olmert habe vorgeschlagen, die Verhandlungen über Jerusalem im kommenden Jahr fortzusetzen. US-Präsident George W. Bush strebt eine Einigung vor Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 an.

Jerusalem ist in den Friedensverhandlungen eine Schlüsselfrage, weil sowohl Israelis als auch Palästinenser Anspruch auf die Stadt erheben. Palästinenser-Sprecher Nabil Abu Rdainah nannte Jerusalem die "rote Linie" für seine Seite. "Wir werden kein Abkommen akzeptieren, das Jerusalem ausklammert." Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil der Metropole als Hauptstadt für einen künftigen Staat.

In dem von Olmert angestrebten Teilabkommen soll den Angaben des israelischen Regierungsvertreters zufolge nur allgemein von Jerusalem die Rede sein. Über den endgültigen Status der für Juden, Moslems und Christen heiligen Stadt soll nach Olmerts Vorstellungen 2009 weiterverhandelt werden.

Die von den USA angestoßenen Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern sind bislang nur schleppend vorangekommen. Hauptstreitpunkt sind die jüdischen Siedlungen im Großraum Jerusalem. US-Außenministerin Condoleezza Rice hat beide Seiten für diese Woche zu Gesprächen nach Washington eingeladen. Nach Darstellung Israels ist in dieser Runde ein Durchbruch nicht zu erwarten.

(Quelle: rtr)
 



 

Sudan: Hilfsorganisationen kritisieren Darfur-Friedenstruppen

Di.29.07.08 - Eine Gruppe von mehr als 40 Hilfsorganisationen hat die Friedenstruppen in der sudanesischen Krisenregion Darfur aufgefordert, sich mehr für den Schutz der Bevölkerung einzusetzen. Die UNAMID-Mission von UNO und Afrikanischer Union (AU) sei "in Gefahr, das neueste gebrochene Versprechen der Welt zu werden", heißt es in einem Bericht des Darfur Consortiums, einem Zusammenschlusses von in Afrika tätigen Hilfsorganisationen.

Die Gründe für den unzureichenden Einsatz seien Behinderungen durch die Regierung des Sudan, die fehlende politische Unterstützung von Vereinten Nationen und Afrikanischer Union sowie die nicht erfüllten Zusagen der Geberländer. Trotz dieser Hindernisse könnten die Friedenstruppen viel mehr tun, heißt es in dem Bericht.

Bislang habe die Truppe zwar nicht die Stärke, um die Kämpfe in der Region zu verhindern, da sie auf die Entsendung der ausstehenden Soldaten warte. Dennoch sollten die Friedenstruppen damit beginnen, die Bevölkerung vor den täglichen Angriffen zu schützen, forderte das Darfur Consortium. Beispielsweise müssten Dorfbewohner auf dem Weg zu Märkten oder auf der Suche nach Feuerholz begleitet werden. Nötig sei auch, die Präsenz in der Region und die Patrouillen in und um die Flüchtlingslager zu verstärken.

Die Hilfsorganisationen forderten die Geberländer zudem auf, die versprochenen Truppen für die Friedensmission zu entsenden. Von den vorgesehenen 19.500 Soldaten sowie 6500 Polizisten sind bislang etwa nur ein Drittel in Darfur stationiert. Bei dem Konflikt zwischen Rebellen und Regierungstruppen sowie arabischen Reitermilizen in Darfur starben nach UN-Schätzungen rund 300.000 Menschen.

(Quelle: afp)
 



 

UN-Sicherheitsrat uneins über weiteres Vorgehen in Darfur

Di.29.07.08 - Die Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al Baschir haben den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gespalten. Die USA, Großbritannien und Frankreich wollen den Antrag eines internationalen Haftbefehls nicht stoppen, die übrigen Vetomächte China und Russland wollen Al Baschir jedoch vor Strafverfolgung schützen. Der Sicherheitsrat sei in der Frage gespalten, erklärte US-Botschafter Zalmay Khalilzad am Montag (Ortszeit).

Khalilzad betonte nach den Beratungen, es sei zu früh, das Verfahren gegen al Baschir jetzt zu beenden. Damit deutete er an, dass die weiter laufenden Ermittlungen die Verhandlungsmacht des Sicherheitsrats gegenüber dem Sudan erhöhen könnte. Der Sicherheitsrat hatte das Gericht in Den Haag 2005 angewiesen, wegen der Hinweise auf Völkermord in der Provinz Darfur Ermittlungen aufzunehmen. Der Rat kann dem Gründungsstatut des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) zufolge die Einstellung eines Verfahrens verfügen. Dies gilt für Fälle, in denen die Schaffung eines Friedens Vorrang vor der Gerechtigkeit haben sollte.

Hintergrund der Debatte war die Verlängerung des Mandats für die gemeinsame Darfur-Friedenstruppe der UN und der Afrikanischen Union (UNAMID), das am 31. Juli ausläuft. Khalilzad rechnete mit einer Verlängerung des Mandats um ein Jahr. Die Abstimmung solle am Mittwoch stattfinden.

(Quelle: afp)
 



 

Türkei: Anschlag und AKP-Verbotsverfahren heizen  politische Spannungen an

Di.29.07.08 - Nach den Bombenanschlägen in Istanbul sind die wegen des möglichen Verbots der Regierungspartei AKP hohen Spannungen in der Türkei weiter gestiegen.

Wenige Stunden vor Beginn der Schlussberatungen des Verfassungsgerichts über den Verbotsantrag waren am Sonntag in einem Arbeiterviertel der Metropole zwei Bomben explodiert. Dabei wurden nach offiziellen Angaben 17 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt. Die Behörden verdächtigen die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK, hinter den Anschlägen zu stehen. Allerdings lag bis Montag eine Selbstbezichtigung nicht vor, und die PKK verurteilte die Tat.

Ministerpräsident Tayyip Erdogan, dem im Fall eines Verbots der AKP parteipolitische Aktivitäten untersagt werden könnten, rief bei einem Besuch des Tatorts im Stadtteil Güngören zur nationalen Einheit auf. "Unser Problem ist nicht das AKP-Verbot. Gegenwärtig besteht das Problem darin, unsere Einheit zu wahren, damit das Land in eine andere Richtung gehen kann", sagte der Regierungschef. Der Kampf gegen den Terrorismus werde bis zum Sieg weitergehen.

Derweil warteten türkische Politiker, die EU und ausländische Unternehmen mit Spannung auf die Entscheidung des Verfassungsgerichts über den Verbotsantrag gegen die AKP. Die Kontroverse über das Verbot der Partei, der die Ankläger islamistische Tendenzen in dem nach eigenem Verständnis weltlichen Land vorwerfen, hat die Türkei tief gespalten. Für eine Auflösung der AKP, die dem EU-Beitrittskandidaten und Nato-Mitglied umfassende Reformen verordnet hat, müssen sieben der elf Verfassungsrichter stimmen. Nach dem Willen der Ankläger soll Erdogan, Präsident Abdullah Gül und 69 AKP-Spitzenfunktionären für fünf Jahre jede parteipolitische Betätigung verboten werden.

Die Entscheidung der Verfassungsrichter wird Anfang August erwartet. Sollte die AKP verboten werden, wird die Regierung aufgelöst und das Parlament voraussichtlich im November neu gewählt. Die AKP-Abgeordneten erhalten im Fall eines Verbots ihrer Partei den Status unabhängiger Parlamentarier, die entweder eine neue Partei gründen oder sich bestehenden Organisationen anschließen können.

"Eine Regierung, die von 47 Prozent der Bevölkerung gewählt wurde, kann nicht einfach aufgelöst werden. Das kann die Türkei dem Ausland nicht erklären", gab der Politikprofessor Hüseyin Bagci von der Technischen Universität in Ankara zu bedenken. Erdogan selbst könnte bei der vorgezogenen Wahl als unabhängiger Bewerber antreten und bei einem Sieg die neue Regierung bilden, was für neue Spannungen zwischen säkularen und religiösen Kräften sorgen dürfte.

In einem Zeitungsinterview schloss Erdogan die Hinwendung zu autoritären Methoden für den Fall der Ablehnung des Verbotsantrags aus. Zugleich räumte er erstmals Fehler der AKP ein, die zu der Staatskrise beigetragen hätten. Der Streit zwischen beiden Lagern war im Januar eskaliert, als die Regierung das Kopftuchverbot für Studentinnen aufhob. Das Verfassungsgericht kassierte die Entscheidung im Juni.

(Quelle: rtr)
 



 

IWF: Finanzmärkte noch immer instabil, Inflation kommt hinzu

Di.29.07.08 - Die globalen Finanzmärkte haben nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch immer mit den Folgen der US-Kredit- und Immobilienkrise zu kämpfen.

Vor diesem Hintergrund und wegen des gestiegenen Inflationsdrucks seien die Möglichkeiten der Geldpolitik begrenzt, zur Stabilisierung der Finanzmärkte beizutragen, heißt in einem am Montag veröffentlichten IWF-Bericht.

Ein Ende der US-Immobilienkrise ist nach Einschätzung der Institution noch nicht in Sicht. Der Verfall bei den Immobilienpreisen könnte aber Häuser erschwinglicher machen und damit zu einer Stabilisierung des Marktes beitragen, schrieb der IWF in seinem Bericht zur Stabilität der weltweiten Finanzmärkte.

Der IWF hatte im April geschätzt, dass die Verluste aus der Kredit- und Immobilienkrise bis auf eine Billion Dollar steigen würden. An dieser Einschätzung sei auch aus heutiger Sicht nichts zu revidieren, sagte IWF-Direktor Jaime Caruana.

(Quelle: rtr)
 



 

Rezessionsangst macht sich in Deutschland breit

Di.29.07.08 - Die wachsende Angst vor einer Rezession und die rasant steigenden Energiepreise lassen die Verbraucher immer pessimistischer in die Zukunft blicken. Die Bürger schätzten ihre persönlichen Einkommensaussichten und die Wirtschaftsentwicklung erneut schlechter ein als im Vormonat, wie das Marktforschungsinstitut GfK am Montag in Nürnberg in seiner jüngsten Konsumklimastudie berichtete. Die Kauflaune nahm erneut ab.

Die GfK-Forscher erwarten den Konsumklimaindex, der sich aus den drei Teilindikatoren zusammensetzt, im August bei 2,1 Punkten. Das wäre der niedrigste Stand seit Juni 2003. Im Juli lag er bei 3,6. Auch für den weiteren Jahresverlauf stehen die Zeichen ungünstig. «Aufgrund der hohen Inflation werden wir sicher keinen Konsumrausch mehr erleben», erklärt GfK-Autor Rolf Bürkl.

Schuld an der anhaltenden Verschlechterung der Stimmung ist laut GfK-Studie die hohe Inflation durch die explodierenden Energiepreise. Sie verunsichere die Bürger zunehmend und lasse sie um ihre Kaufkraft fürchten. Der Index der persönlichen Einkommenserwartung verlor im Vergleich zum Vormonat 12,8 Punkte auf minus 20 - der niedrigste Wert seit 2004. Vor einem Jahr hatte er noch bei plus 27,9 Punkten gelegen.

«Die Konsumenten sehen ihre Kaufkraftzuwächse, die sich zunächst aufgrund der teilweise ansehnlichen Tariferhöhungen in einigen Branchen überaus erfreulich entwickelten, mehr und mehr schwinden», erklärt Bürkl. Das verdränge auch die noch immer guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt.

Erneut skeptischer als im Vormonat sehen die Verbraucher auch die weitere Wirtschaftsentwicklung. Der Index der Konjunkturerwartung büßte im Juli 15,5 Punkte auf minus 8,0. Vor einem Jahr lag er noch bei 64,8 Punkten. Hier sorgt die deutliche Abkühlung der Inlandskonjunktur für Verunsicherung unter den Verbrauchern. Gestützt werde diese Befürchtung durch Meldungen aus den USA, wonach die Finanzmarktkrise dort noch lange nicht ausgestanden sei.

Auch die Kauflaune der Verbraucher ist gedämpft: Der Index der Anschaffungsneigung verlor im Monatsvergleich 2,5 Punkte auf minus 26,2 und liegt damit um gut 35 Punkte unter seinem Vorjahreswert. Die Verbraucher rechneten damit, dass sie künftig einen größeren Teil ihrer Haushaltsbudgets für Energiekosten aufwenden müssten, schreibt Bürkl. Größere Anschaffungen würden häufig verschoben oder ganz aufgegeben.

Um den Privatkonsum in den kommenden Monaten doch noch etwas anzukurbeln, rät Bürkl zu einer Fortsetzung des begonnenen Reformprozesses, der in letzter Zeit vergessen worden sei. So müssten die Bürger angesichts der hohen Inflation etwa durch Steuersenkungen und geringere Sozialabgaben entlastet werden.

Für die aktuelle Studie wurden rund 2.000 Verbraucher befragt. Die nächste Erhebung wird am 26. August veröffentlicht.

(Quelle: ap)
 



 

Wohlfahrtsverband gegen Energie-Sozialtarife

Di.29.07.08 - Der Wohlfahrtsverband «Der Paritätische» hält die Forderung von DGB und Linken nach Sozialtarifen für Arme bei der Energieversorgung nicht für sinnvoll.

«Es macht jetzt keinen Sinn, in die Preispolitik derart einzugreifen... Der Energiesektor ist privatisiert worden», sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider am Montag im Radiosender NDR Info. «Wenn es darum geht, einkommensschwachen Familien bei der Energieversorgung zu helfen, müssen wir das über das Wohngeldgesetz machen.» Zum 1. Januar 2009 ist bereits vorgesehen, das Wohngeld mit Heizkostenzuschuss um fast 60 Prozent zu erhöhen.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, hatte am Wochenende beklagt, dass sich Zehntausende die steigenden Energiepreise nicht leisten könnten und künftig frieren müssten. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hatte gar von Kältetoten gesprochen.

Schneider wies darauf hin, dass Empfänger von Hartz-IV-Leistungen nicht betroffen sind, weil der Staat ihre Heizkosten bezahlt. Es würden aber mehr Geringverdiener eine Aufstockung ihres Einkommens aus Hartz-IV-Leistungen beantragen, «die aufgrund der gestiegenen Wohnwarmmieten nicht mehr aus eigener Kraft über die Runden kommen». Schwierig werde es auch für jene, die mit ihren Einkommen knapp darüber lägen. Rund 18 Prozent der Bevölkerung gälten als einkommensarm und gäben rund ein Viertel ihres Geldes nur für Energie und Miete aus. «Hier schlägt es hammerhart zu», sagte Schneider.

(Quelle: dpa)
 



 

Arbeitnehmer-Mitbestimmung dämpft laut Studie Vorstandsgehälter - Keine nachteilige Wirkung auf wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen

Di.29.07.08 - Mitbestimmung von Arbeitnehmern in Ausschüssen des Aufsichtsrats hält die Vorstandsgehälter in Unternehmen niedriger. Das berichtete die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Montag in Düsseldorf als Ergebnis einer Studie. In einem typischen DAX-Unternehmen falle demnach die Vorstandsvergütung etwa 11 Prozent geringer aus, wenn der darüber befindende Ausschuss des Aufsichtsrats zu gleichen Teilen mit Arbeitnehmern und Anteilseignern besetzt sei.

Sogar um rund 16 Prozent geringer sei die Vergütung, wenn ein Gewerkschaftsvertreter stellvertretender Vorsitzender sei, hieß es. Die Mitbestimmung im Aufsichtsrat und seinen Ausschüssen beschränkt der Studie zufolge auch den aktienorientierten Anteil der Vorstandsvergütung. Zugleich habe sie keine nachteiligen Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen.

Viele Aufsichtsräte haben der Studie zufolge inzwischen Ausschüsse eingerichtet, um ihre Kontrollaufgaben besser wahrnehmen zu können. Diese seien jedoch nicht immer zu gleichen Teilen mit Aktionärs- und Arbeitnehmervertretern besetzt, da es für Ausschüsse kaum gesetzliche Vorgaben gebe. Im Aufsichtsrat selbst müssen bei Kapitalgesellschaften mit mehr als 2.000 Beschäftigten hingegen gleich viele Vertreter von Anteilseignern und Arbeitnehmern vertreten sein.

Sigurt Vitols vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) analysierte für die Studie die Zusammensetzung der Aufsichtsrats-Ausschüsse in 104 börsennotierten, paritätisch mitbestimmten Unternehmen. Da eine übermäßige Vorstandsvergütung zunehmend als gesellschaftlich problematisch angesehen werde, könne die Stärkung der gewerkschaftlichen Präsenz im Aufsichtsrat positiv bewertet werden, sagte der Forscher. Für die Aktionäre entstünden keine Nachteile: Es gebe keine Auswirkungen auf Rentabilität, Beschäftigungsdynamik oder Börsenbewertung eines Unternehmens.

(Quelle: ap)
 



 

Erster Siemens-Prozess endet mit Bewährungsstrafe

Di.29.07.08 - In der Siemens-Schmiergeldaffäre hat das Münchener Landgericht den ersten Angeklagten zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Der Richter verhängte zusätzlich eine Geldstrafe über 108.000 Euro. Die 5. Strafkammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte Reinhard Siekazcek in 49 Fällen fast 50 Millionen Euro an Konzerngeldern veruntreut und in schwarze Kassen geleitet hat. Der 57-Jährige Ex-Manager der Telekommunikationssparte hatte bereits zu Prozessbeginn ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Er nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an, die Entscheidung ist rechtskräftig. Bei Siemens waren 1,3 Milliarden Euro in dunkle Kanäle geflossen. Der Korruptionsskandal kostete den Konzern bislang insgesamt 1,8 Milliarden Euro.

"Der Angeklagte hat das Geld in ein Firmengeflecht von Scheinfirmen eingeschleust und so vollständig dem Zugriff der Firmenorgane entzogen", sagte der Vorsitzende Richter Peter Noll zur Urteilsbegründung. "Das kann man sich vorstellen wie einen Schwamm, wo das Geld weg ist." Eine Kontrolle über die schwarzen Kasse habe es de facto nicht gegeben. "Man hat sich darauf verlassen, wenn irgendwelche Vertriebsmitarbeiter sagen: 'Ich brauche wieder etwas für nützliche Aufwendungen.'" Siekaczek habe sich als "altgedienter Siemensianer" zwar nicht persönlich bereichert, aber sehr wohl gewusst, dass sein Handeln illegal sei. "Kein ordentlicher Kaufmann macht das." Der Manager habe gewusst, dass das Geld für Korruption verwendet wurde. "Der Zweck, diese Mittel zur Seite zu schaffen, war ein krimineller", sagte Noll. Korruption sei "schlicht der ungenierte Griff in fremde Kassen".

Der Richter wertete neben der umfangreichen Kooperation des Beschuldigten die lückenhafte Korruptionsbekämpfung bei Siemens als schuldmindernd. "Man muss davon ausgehen, dass Herr Siekaczek in ein System der organisierten Unverantwortlichkeit eingebunden war, in ein System augenzwinkernder Zustimmung." Im Konzern habe es ein "weit erodiertes Rechtsverständnis gegeben."

Die Kompetenzen des obersten Korruptionsbekämpfers Albrecht Schäfer seien völlig unzureichend gewesen. "Das ist wie wenn die Feuerwehr zum Löschen mit einem Zahnputzbecher ausgestattet wird." Siekaczek habe zudem die Anweisungen seines Vorgesetzten Michael Kutschenreuter befolgt. "Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, er ist mindestens vom eigenen Bereichsvorstand Herrn Kutschenreuter beauftragt worden, schwarze Kassen zu führen", sagte der Richter. Kutschenreuter hat bereits seine Verstrickung in die Schwarzgeldaffäre eingeräumt.

Die mögliche Schuld von Top-Managern sei nach 15 Verhandlungstagen noch weitgehend ungeklärt. Allerdings habe der Konzern schwarze Kassen und Korruption begünstigt. "Praktisch haben alle Kontrollinstanzen, die gesamte Organisation darauf abgezielt, so ein Verhalten zu ermöglichen."

Der Richter kritisierte, dass die meisten ehemaligen Zentralvorstände nicht als Zeugen vor Gericht erschienen. "Man hätte es gut gefunden, wenn die Verantwortlichen hier Verantwortung zeigen", sagte Noll. "Die Zweifel, die bleiben, gehen zugunsten des Angeklagten." Oberstaatsanwalt Anton Winkler kündigte an, in den kommenden zwei bis drei Monaten gegen zwei weitere Beschuldigte in der Schmiergeldaffäre Anklage zu erheben.

(Quelle: rtr)
 



 

Streik bei der Lufthansa am ersten Tag verpufft

Di.29.07.08 - Nach einem fast folgenlosen ersten Streiktag will die Gewerkschaft ver.di ihren Lufthansa-Streik ausweiten. Am (morgigen) Dienstag sollen zusätzlich Mitarbeiter auf den beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld sowie in Stuttgart und Nürnberg ihre Arbeit niederlegen. Am Montag blieben Reisende von den Folgen des Streiks von mehr als 4.000 Lufthansa-Beschäftigten weitgehend verschont: Bis zum Nachmittag gab es keine Flugausfälle, wie das Unternehmen mitteilte.

Ver.di erklärte, der Notfallplan koste das Unternehmen «richtig viel Geld». Die Auswirkungen des ersten unbefristeten Ausstands beim Boden- und Servicepersonal seit 13 Jahren würden erst in den nächsten Tagen voll durchschlagen.

Laut ver.di beteiligten sich mehr als 4.000 Mitarbeiter aller Geschäftsfelder am Ausstand. Schwerpunkte waren das wichtigste Drehkreuz der Kranichlinie in Frankfurt am Main sowie Hamburg mit jeweils rund 1.500 Streikenden. «Wir rechnen damit, dass der Flugverkehr Mitte der Woche stärker und Ende der Woche massiv betroffen sein wird», sagte der Hamburger ver.di-Fachbereichsleiter Dietmar Stretz.

Ver.di-Sprecher Harald Reutter sagte, die Gewerkschaft habe am Montag «ein erstes Etappenziel erreicht: Wir haben die Lufthansa gezwungen, viel Geld in die Hand zu nehmen, um den Flugplan aufrecht zu erhalten». Er räumte ein: «Das haben sie geschafft.» Ziel des Ausstands sei nicht, die Passagiere zu behindern, sondern wirtschaftlichen Druck aufzubauen. «Catering bei der Konkurrenz einzukaufen oder das Fluggerät in anderen Werften warten zu lassen, ist richtig teuer», sagte Verhandlungsführer Erhard Ott.

Lufthansa-Konkurrent Air Berlin meldete spürbar gestiegene Buchungszahlen in den vergangenen Tagen. «Wo wir können, setzen wir größere Flugzeuge ein», sagte Vorstandschef Joachim Hunold der «Bild».

Laut Lufthansa starteten bis zum späten Nachmittag rund 1.200 der täglich 2.000 Flüge. Im Vergleich zu sonstigen Tagen habe es «keine Auffälligkeiten» bei den Verspätungen gegeben. Zu den Kosten für die Notfallpläne äußerte sich ein Sprecher nicht.

Ver.di fordert für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld für ein Jahr. Die Lufthansa hat 7,7 Prozent für 21 Monate angeboten - inklusive einer Einmalzahlung - und vorgeschlagen, den Konflikt mit einem Schlichtungsverfahren zu lösen. Die Gewerkschaft erklärte, das entspreche einer Erhöhung von 3,8 Prozent auf zwölf Monate gerechnet.

Ver.di sei bereit, wieder zu verhandeln, wenn seitens der Lufthansa klare Signale kämen, sagte Ott. Nachdem das Management das jetzige Angebot als das Äußerste bezeichnet habe, sei es aber nun Sache der Lufthansa, sich zu bewegen. Konzernsprecher Klaus Walther wies ver.di die Schuld am Streik zu. «Ver.di hat den Verhandlungstisch verlassen», sagte er. «Wir sind dialogbereit.»

Unterdessen gerät ver.di-Chef Frank Bsirske wegen seiner Doppelfunktion im Lufthansa-Streik in die Kritik. «Ich frage mich, wie man auf zwei Hochzeiten tanzen kann», sagte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel dem «Münchner Merkur» (Dienstagausgabe). Wenn der Gewerkschaftsfunktionär Bsirske den stellvertretenden Lufthansa-Aufsichtsratschef Bsirske bestreikt, müsse man sich fragen, «ob die Struktur der gewerkschaftlichen Mitbestimmung in den großen Unternehmen so noch zukunftsfähig ist». Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) forderte Bsirske auf, seinen Lufthansa-Aufsichtsratsposten für die Dauer der Streiks ruhen zu lassen.

(Quelle: ap)
 



 

Immer mehr Schulabgänger verzichten auf Studium

Di.29.07.08 - Immer mehr junge Leute verzichten auf ein Studium. Zwar gab es im vergangenem Jahr 17 Prozent mehr Schulabgänger mit Abitur oder Fachhochschulreife als noch 2003.

Gegenüber dem gleichen Jahr sank jedoch die Studienanfängerzahl um 5 Prozent, bestätigte das Statistische Bundesamt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zugleich wurden 28 Prozent mehr Abiturienten in einer betrieblichen Ausbildung registriert.

Als Gründe für den Studienverzicht gelten die erheblich ausgeweiteten Zulassungsbeschränkungen (Numerus Clausus) an den Hochschulen, Studiengebühren, die oft unklare Finanzierung des Lebensunterhalts sowie ein bürokratischer Wirrwarr bei der Studieneinschreibung seit Inkrafttreten des neuen Studentenauswahlrechtes der Hochschulen.

Die Kultusminister hatten wegen der geburtenstarken Schulabgängerjahrgänge allein in den vergangenen drei Jahren mit mindestens 60 000 Studienanfängern mehr gerechnet - und dies nur in ihrer «vorsichtigen» Prognosevariante, wonach 75 Prozent eines Abiturientenjahrgangs tatsächlich auch ein Studium beginnen. Bei einer Quote von 85 Prozent hätten es laut Kultusminister-Prognose sogar über 180 000 Studienanfänger mehr sein müssen.

Die Prognose war ein Auslöser für den 2007 von Bund und Ländern vereinbarten Hochschulpakt, mit dem bis 2010 über 91 000 zusätzliche Studienplätze für die starken Schulabgängerjahrgänge geschaffen werden sollen. Über die Fortsetzung des Paktes wird derzeit verhandelt.

Bei dem jüngsten Treffen der Wissenschaftsminister von Bund und Ländern wurde bekannt, dass vor allem große Flächenländer im Westen das Paktziel im ersten Jahr deutlich verfehlt haben. Statt der bereits für 2007 verabredeten zusätzlichen 13 000 Plätze in der ersten Ausbaustufe wurden bundesweit nur 2500 Plätze geschaffen. Gleichwohl ist der Bund gegenüber den Ländern finanziell bereits in Vorleistung getreten.

2003 wurde mit 377 504 Neueinschreibungen der bisherige Studienanfängerrekord erzielt - nach der Bafög-Reform von 2002 und einer großen Werbeaktion der Bundesregierung für das Studium. Zwischen 2004 und 2006 sanken dann die Anfängerzahlen wieder erheblich. 2007 gab es einen leichten Anstieg auf 358 673 - was politisch als «Trendwende» interpretiert wurde. Gleichwohl liegt die Zahl immer noch um gut 20 000 unter der niedrigsten Prognosevariante der Kultusminister.

Der Rückgang der Studienneigung wird auch bei den jährlichen Abiturientenbefragungen durch das Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover deutlich. Danach ist die «Intention» für ein Studium von 73 Prozent (2002) auf 68 Prozent (2006) gesunken - und nähert sich dem Tiefstand von 1999 an, als nur 66 Prozent der Abiturienten eine Studienabsicht bekundeten. Zwar entscheidet sich nach den Erfahrungen der Hochschulforscher später ein kleiner Teil der Befragten trotz ihrer zunächst negativen Studieneinschätzung dennoch für den Hochschulbesuch. Gleichwohl gilt die Befragung als wichtiger Stimmungstest für die aktuelle Studienneigung.

(Quelle: dpa)
 



 

Jeder zehnte Jugendliche ist computerspielsüchtig

Di.29.07.08 - Mehr als jeder zehnte Jugendliche ist einer Studie zufolge süchtig nach Computerspielen. Rund elf Prozent der befragten Zehn- bis 20-Jährigen zeige ein krankhaftes Computerspielverhalten, ergab eine Umfrage des Zentrums für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau. Jungen sind demnach eher betroffen als Mädchen. Viele computersüchtige Kinder und Jugendliche sind der Studie zufolge mit ihrem Alltag überfordert. Das Spielen sei für sie eine Art "Bewältigungsstrategie", heißt es.

Häufiges und langes Computerspielen allein sei aber noch nicht krankhaft, erklärt der Autor der Studie, Reinhold Jäger. Von einem auffälligen Computerspielverhalten könne erst gesprochen werden, wenn gleichzeitig Suchtmerkmale auftreten, also wenn der Jugendliche zum Beispiel Schwierigkeiten in der Schule und seinem sozialen Umfeld bekommt oder es nicht schafft, den Computer selbst auszuschalten. Manche zeigten auch körperliche Symptome wie Unruhe, Nervosität und Gereiztheit, wenn sie längere Zeit nicht am Computer gespielt haben.

Vermuten Eltern eine Computersucht ihres Kindes, sollten sie ihrem Kind das Spielen aber nicht gleich generell verbieten, heißt es in der Studie. Dies könne den Leidensdruck noch erhöhen. Stattdessen raten die Autoren, sich in das Kind beziehungsweise den Jugendlichen hineinzuversetzen, herauszufinden, warum er spielt und ihm dann Alternativen zu bieten. Für die Studie waren 688 Jugendliche im Alter von zehn bis 20 Jahren befragt worden.

(Quelle: afp)
 



 

Internet: Neue Suchmaschine 'Cuil' will den Markt erobern

Di.29.07.08 - Die neue Suchmaschine "Cuil" (http://www.cuil.com).will den Markt erobern. Ihre Betreiber beschreiben sie als die größte Suchmaschine der Welt, sie soll rund 120 Milliarden Internet-Seiten erfassen. Gegründet worden ist sie unter anderem von zwei US-Amerikanern, dem Professor Tom Costello von der Stanford University und von dessen Frau Anna Patterson, die früher bei Google gearbeitet hat. Laut dem Magazin "CNet" ist Cuil außerdem schneller als der aktuelle Suchmaschinengigant.

Einer der größten Unterschiede zwischen Cuil und Google ist das sogenannte Ranking-System, nach dem die Priorität der Internet-Seiten bewertet wird. Bei Google werden vor allem jene Seiten als wichtig erachtet, auf die häufig von anderen Seiten aus verlinkt wird. Cuil analysiert hingegen den Inhalt der jeweiligen Online-Präsenzen und ermittelt daraus die Relevanz für die Trefferlisten bei den einzelnen Suchanfragen. Anders als bei anderen Suchmaschinen üblich werden bei Cuil die Suchanfragen der Nutzer nicht gespeichert. Zu etlichen Suchbegriffen oder kombinierten Suchen findet Cuil allerdings (noch) nichts, wohingegen Google bei denselben Begriffen mit langen Trefferlisten aufwartet

(Quelle: gp)
 
 
 
 

mehr Nachrichten...


[ vorherige ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   



 

WebSite-Search

PicoSearch

| Nachrichtenticker | Nachrichten der vergangen Tage |

 | kunst&kult | philosophie | wissenschaft | gesellschaft | diverses | öko | medien | links

| home | home(no frame) |

B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax : 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de