+++ Mi.30.07.08, 06:30
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Aktuelle Nachrichten
Irak 1590 Tage nach Erlangung der formellen Souveränitä
Schiitische Pilger zeigen sich von Bomben unbeeindruckt.
Offensive gegen Al Kaida in Dijala. Türkische Luftwaffe greift
PKK-Stellungen im Nordirak an
Mi.30.07.08 - Unbeeindruckt von einer Anschlagserie sind am Dienstag Hunderttausende
Schiiten zum Kadhamija-Schrein in Bagdad gepilgert.
Ihre Wallfahrt war Höhepunkt des Gedenkens an den Imam al-Kadham,
der zu den zwölf Imamen der Schiiten gehört. Die
Behörden hatten scharfe Sicherheitsvorkehrungen getroffen und zur
Kontrolle von Frauen auch Beamtinnen eingesetzt. Drei
Selbstmordattentäterinnen hatten im Zentrum der irakischen
Hauptstadt am Montag 35 Menschen mit sich in den Tod gerissen.
Insgesamt wurden zum Abschluss der Pilgerreise eine Million
Gläubige am Kadhamija-Schrein erwartet. Um weitere Attentate zu
verhindern, erließen die Behörden in der Stadt ein
Fahrverbot für Autos, das am Morgengrauen in Kraft trat. Vor drei
Jahren war bei der Wallfahrt wegen eines Gerüchts über einen
geplanten Anschlag eine Massenpanik ausgebrochen, bei der bis zu 1000
Menschen ums Leben kamen.
Die jüngsten Anschläge werden der sunnitischen Al-Kaida
angelastet, in deren Augen die Schiiten Ketzer sind. Weil Frauen von
männlichen Sicherheitskräften nur zögerlich durchsucht
werden, greift die Extremistengruppe zunehmend auf Attentäterinnen
zurück. In diesem Jahr haben Frauen im Irak bereits mehr als 20
Selbstmordanschläge verübt.
Im nordirakischen Kirkuk hatte vermutlich ebenfalls eine Frau 23
Menschen mit sich in den Tod gerissen. Nach dem Anschlag war es zu
Straßenschlachten zwischen Demonstranten, die gegen ein
umstrittenes Provinzwahlrecht protestiert hatten, und der Polizei
gekommen.
Irakische und US-Streitkräfte haben am Dienstag in der Provinz
Dijala nordöstlich von Bagdad eine Offensive begonnen. Ziel der
Militäraktion sei, Al Kaida im Irak aus ihrer letzten Hochburg in
der Nähe der Hauptstadt zu vertreiben, erklärte der irakische
General Ali Ghaidan. Auch die US-Streitkräfte bestätigten den
Beginn der Offensive, betonten jedoch, dass diese primär von den
Irakern geführt werde.
Die Truppen errichteten in der gesamten Provinz neue Kontrollpunkte und
durchsuchten Gebäude in der Provinzhauptstadt Bakuba und Umgebung.
Viele Anwohner sagten, sie hätten Angst, ihre Häuser zu
verlassen. Der Aktion gingen bereits mehrere Versuche voraus, die
weitgehend ländliche Region unter Kontrolle zu bringen. Diesmal
äußerten sich die Kommandeure optimistisch über einen
Erfolg, da mehr Soldaten beteiligt seien und die irakischen
Sicherheitskräfte besser vorbereitet seien.
Dijala an der Grenze zum Iran ist wegen seiner Lage als Tor in die
Hauptstadt von hoher strategischer Bedeutung. Zugleich gilt die Provinz
seit Beginn des US-geführten Kriegs im März 2003 als eines
der am schwersten zu kontrollierenden Gebiete im Irak. In Bakuba wurden
am 15. Juli bei einem Doppelanschlag mindestens 28 Menschen
getötet.
boa (Quellen: rtr, ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 30.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundsechsundzwanzigtsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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USA und Indien bringen WTO-Verhandlung zum Scheitern
Mi.30.07.08 - Die Verhandlungen über die weitere Öffnung des Welthandels
sind am Streit um Agrarzölle zum Schutz von Bauern in den
Entwicklungsländern gescheitert.
Ein Vorschlag über entsprechende Schutzklauseln sei für die
USA und Indien nicht akzeptabel gewesen, erklärten Diplomaten am
Dienstag nach einem Verhandlungsmarathon in Genf. Die 2001 in Doha
begonnene Runde der mittlerweile 152 Mitgliedsländer der
Welthandelsorganisation (WTO) zum Abbau von Handelsschranken endete
damit einmal mehr in der Sackgasse. "Wir waren so nah daran, es zu
schaffen", sagte die US-Handelsbeauftragte Susan Schwab sichtlich
enttäuscht. Die Doha-Runde sei damit aber nicht endgültig
gescheitert.
Die Unterhändler von rund 30 führenden WTO-Länder hatten
seit neun Tagen über Kompromisse in der Doha-Runde gestritten.
Diese hat vor allem zum Ziel, die Entwicklungsländer stärker
in den Welthandel einzubinden. Die USA, die EU und andere reiche
Staaten boten Kürzungen von Subventionen und Zöllen im
Agrarsektor an und verlangten im Gegenzug den Abbau von
Handelsbarrieren für Industriegüter und Dienstleistungen.
Umstritten war zuletzt ein spezieller Sicherungsmechanismus, mit dem
die Entwicklungsländer die Einfuhrzölle auf Agrarprodukte wie
Reis nur begrenzt senken oder sogar erhöhen würden, um ihre
Bauern vor einem existenzbedrohenden Preisverfall zu schützen. Der
Vorschlag stiftete nicht nur zwischen den USA sowie China und Indien
Streit, sondern auch zwischen lateinamerikanischen Agrar-Exporteuren
wie Paraguay und Uruguay auf der einen und asiatischen Staaten auf der
anderen Seite. Die US-Verhandlungsführerin sagte, die USA hielten
ihre Angebote aufrecht und warteten auf Gegenleistungen. "Die USA
bleiben der Doha-Runde verpflichtet", sagte Schwab.
Doch auch auf europäischer Seite gab es Widerstand gegen die
Zugeständnisse im Agrarbereich. Neun EU-Staaten, darunter der
derzeitige EU-Ratspräsident Frankreich, forderten bessere
Konditionen für die Gemeinschaft. Die französische
Wirtschaftsministerin Christine Lagarde kritisierte, Indien
schütze seine Landwirtschaft, und die USA sicherten sich neue
Märkte für ihre Baumwolle. "Wir in Frankreich und Europa
sagen: 'Stopp, wir dürfen die Schleusentore nicht einfach
öffnen und die nächsten 14 Jahre den Chinesen
überlassen, die so tun als ob sie ein unterentwickeltes Land
wären", sagte sie. Deutschland setzte sich einem Diplomaten
zufolge vehement für eine Einigung ein.
Die Chancen dafür sind nach Einschätzung von Handelsexperten
nun aber für längere Zeit verspielt: Wegen der
Präsidentschaftswahl in den USA Ende des Jahres und des
Amtswechsels der EU-Kommission Ende 2009 werde es dauern, bis ein neuer
Anlauf genommen werden könne.
(Quelle: rtr)
Australien lockert umstrittene Einwanderungspolitik
Mi.30.07.08 - Australien lockert seine umstrittene Asylpolitik. Asylbewerber sollen
künftig nur noch in Ausnahmefällen inhaftiert werden,
kündigte Einwanderungsminister Chris Evans am Dienstag an. Die
bisherige Praxis, alle illegal Eingewanderten automatisch in
Internierungslagern unterzubringen, habe dem internationalen Ansehen
Australiens «enorm geschadet» und sei nicht mehr akzeptabel,
sagte Evans in Canberrra.
«Verzweifelte Menschen lassen sich nicht von der Drohung einer
harten Internierung abschrecken, sie fliehen oft vor viel schlimmeren
Zuständen», erklärte der Minister. Die Regierung des
früheren konservativen Ministerpräsidenten John Howard hatte
die obligatorische Inhaftierung von illegal Eingewanderten 2001
eingeführt. In den folgenden Jahren gerieten diese Lager jedoch
immer mehr in die Kritik; immer wieder gab es dort Unruhen,
Hungerstreiks und Versuche von Massenflucht. In einigen Fällen
hatten sich Flüchtlinge die Lippen zusammengenäht, um gegen
ihre Behandlung zu protestieren.
Menschenrechtler begrüßten die Aufhebung der
Zwangsinternierung. «Das ist ein wichtiger Schritt nach vorne, um
sicher zu stellen, dass Menschen nicht mehr auf unbestimmte Zeit
inhaftiert und bestimmten Leiden ausgesetzt werden», sagte der
Anwalt und Aktivist David Mann, der sich für die Rechte von
Einwanderern einsetzt.
Als einzige Ausnahme will Australien ein Internierungslager auf der
Weihnachtsinsel nahe Indonesien behalten, wie Evans erklärte. Dort
sollen aber nur noch Einwanderer inhaftiert werden, die eine Gefahr
für die Sicherheit darstellen. Alle drei Monate soll
überprüft werden, ob die Gründe für die Inhaftierung
noch gelten. Kinder sollen grundsätzlich nicht inhaftiert werden.
Die Lockerung der Einwanderungspolitik war eines der
Wahlkampfversprechen des neuen Ministerpräsidenten Kevin Rudd.
Seine sozialdemokratische Labour-Partei hatte im vergangenen Jahr die
Wahl gewonnen und damit die elfjährige Amtszeit der Konservativen
beendet.
(Quelle: ap)
Bosnische Serben wegen Srebrenica-Massaker verurteilt
Mi.30.07.08 - Ein Kriegsverbrechergericht in Bosnien-Herzegowina hat sieben bosnische
Serben für ihre Beteiligung am Massaker von Srebrenica zu
Haftstrafen zwischen 38 und 42 Jahren verurteilt.
Die Angeklagten hätten 1995 Hunderte bosnische Muslime in der
damaligen UN-Schutzzone ermordet, befand das Gericht am Dienstag. Das
Urteil ist das bislang erste eines Gerichts in Bosnien-Herzegowina
wegen der Kriegsverbrechen in Srebrenica.
Die Bestimmung der genauen Zahl der an nur einem einzigen Tag, dem 13.
Juli 1995, getöteten Menschen bezeichnete das Gericht als
unmöglich. Einige der Serben sollen mit Maschinengewehren auf ihre
muslimischen Gefangenen gefeuert haben, ein weiterer soll sie mit
Handgranaten beworfen haben.
Srebrenica war am 11. Juli 1995 von Truppen des früheren
bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic unter der Führung
von General Ratko Mladic eingenommen. Im Verlauf der nachfolgenden
Woche waren etwa 8000 Menschen, die zum Teil versucht hatten, durch die
umliegenden Wälder zu entkommen, gejagt und umgebracht worden.
Ihre Leichen wurden zunächst in Massengräbern verscharrt,
kurz darauf aber mit Hilfe von Bulldozern wieder ausgegraben, um den
Massenmord zu verschleiern. Überreste waren auf mehrere
Gräber verteilt worden. Eine Identifikation der Opfer war deshalb
nur schwer möglich.
Als Hauptverantwortlicher für das Massaker soll sich Karadzic bald
vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verantworten. Er war
vergangene Woche in Serbien festgenommen worden. Über seine
Auslieferung muss ein serbisches Gericht entscheiden. Mladic befindet
sich immer noch auf der Flucht und wird ebenfalls in Serbien vermutet.
Serbische Nationalisten wollten sich am Abend in Belgrad zu einer
Unterstützungskundgebung für Karadzic versammeln.
(Quelle: rtr)
Italien schickt Soldaten zur Kriminalitätsbekämpfung auf
Straßen
Mi.30.07.08 - In Italien sollen Soldaten die Polizei bei der Bekämpfung von
Kriminalität und illegaler Zuwanderung unterstützen.
Von Montag an werden nach dem Willen der konservativen Regierung
mehrere tausend Armeeangehörige in den Straßen von
Großstädten wie Rom, Mailand, Neapel und Palermo auf Streife
gehen. Sie sollen zudem den Vatikan, den Mailänder Dom,
Bahnhöfe, Botschaften und andere mögliche Anschlagsziele
bewachen. Den Unterstützungseinsatz vereinbarten am Dienstag
Innenminister Roberto Maroni und Verteidigungsminister Ignazio La Russa.
Die Entscheidung zeige die Entschlossenheit der Regierung, die Sorgen
der Bürger zu zerstreuen, sagte La Russa. Vertreter der linken
Opposition warnten dagegen, der Einsatz von Soldaten im historischen
Stadtzentren auf dem Höhepunkt der Urlaubssaison werde das Ansehen
des Reiselandes Italien zerstören. Die Probleme bei der
Kriminalitätsbekämpfung seien auf Etatkürzungen bei der
Polizei zurückzuführen. Die jetzt beschlossenen
Maßnahmen seien so erfolgversprechend wie "Gesicht waschen mit
schmutzigem Wasser", sagte der Oppositionsabgeordnete Antonio di Pietro.
(Quelle: rtr)
Erneut Zwischenfall in französischer Atomanlage
Mi.30.07.08 - In der französischen Atomanlage Tricastin ist es am Dienstag
erneut zu einem Zwischenfall gekommen. Wegen eines Alarms mussten rund
100 Beschäftigte das Werksgelände verlassen. Nach Angaben
einer Sprecherin des Werks, Stephanie Biabaut, handelte es sich um
einen Fehlalarm, der bei Wartungsarbeiten ausgelöst worden sei.
Zuvor hatte ein Ingenieur von einem Alarm wegen eines radioaktiven
Lecks gesprochen. Nach seinen Angaben wurden 45 Beschäftigte zur
Untersuchung in ein Krankenhaus eingewiesen. Bei Tests seien
«extrem schwache Spuren von Radioaktivität» bei zwei
Personen festgestellt worden, sagte der Ingenieur.
Das Atomkraftwerk Tricastin in der Nähe von Avignon hatte zuletzt
mit einer ganzen Serie von Pannen für Beunruhigung in Frankreich
gesorgt. Immer wieder gab es Lecks, durch die Radioaktivität
unkontrolliert in die Umwelt gelangte.
(Quelle: ap)
Warnungen vor einem Rütteln am Atomausstieg in der SPD
Mi.30.07.08 - In der SPD mehren sich die Warnungen vor einem Rütteln am
Atomausstieg. "Es wird systematisch versucht, Einzelstimmen aus der SPD
zu finden, die den Atomausstieg in Frage stellen", sagte
SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer in Berlin. Die
Klimaschutzproblematik, die immer wieder als Begründung für
eine längere Nutzung der Kernkraftwerke herangezogen werde, sei
seit längerem bekannt. Es gebe zu der bisherigen Position keine
"neue Sachlage". Er sehe aber nicht die Gefahr, dass es zu einem
Meinungsumschwung bei den Sozialdemokraten kommen könnte.
Scheer stellte sich damit auf die Seite von Bundesumweltminister Sigmar
Gabriel (SPD), der in einem Schreiben an die Bundestagsabgeordneten der
Sozialdemokraten davor warnt, den Atomausstieg in Frage zu stellen. "Die
Risiken durch den Betrieb der Atomkraftwerke, die Gefahren durch die
Verbreitung von waffenfähigem Nuklearmaterial und die
ungelöste Endlagerfrage sind nach wie vor die tragenden
Gründe, um am Ausstieg festzuhalten", heißt es der
"Süddeutsche Zeitung" vom Dienstag zufolge in dem Schreiben an die
Parlamentarier. Zudem sei das Risiko eines terroristischen
Flugzeugangriffs auf Atomkraftwerke spätestens seit dem 11.
September 2001 nicht mehr zu leugnen.
Weder für den Klimaschutz noch der hohen Strompreise wegen brauche
Deutschland die Reaktoren, heißt es den Angaben zufolge in dem
Schreiben weiter. Zum einen werde Deutschland trotz Atomkonsens bis 2020
die klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen um 40 Prozent senken
können - etwa durch den Ausbau erneuerbarer Energien und
effizientere Kraftwerke. Zum anderen würden längere Laufzeiten
die Kalkulation der Stromkonzerne kaum verändern, die Preiseffekte
seien minimal. Längere Laufzeiten führten lediglich zu
Gewinnerhöhungen für diejenigen
Energieversorgungsunternehmen, "die den deutschen Energiemarkt
dominieren".
(Quelle: afp)
DGB und Linkspartei befürworten Wirtschaftsminister Glos'
Konjunkturprogramm
Mi.30.07.08 - Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bekommt für seine
Forderung nach einem Konjunkturprogramm Rückendeckung vom Deutschen
Gewerkschaftsbund (DGB) und der Linkspartei. "Der DGB
begrüßt grundsätzlich die jüngsten
Überlegungen von Wirtschaftsminister Michael Glos für ein
Konjunkturprogramm", sagte DGB-Vorstand Claus Matecki der "Frankfurter
Rundschau". Allerdings sei das von Glos genannte Volumen von zehn
Milliarden Euro zu gering. Außerdem sei es effektiver, die
Staatsausgaben zu erhöhen als die Steuer zu senken, wie es der
Wirtschaftsminister vorgeschlagen hat.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag,
Herbert Schui, bezeichnete die Vorschläge von Glos in der
"Frankfurter Rundschau" als "zum Teil vernünftig". Sie seien "aber
noch lange kein Konjunkturprogramm", meinte Schui. Zwar sei es sinnvoll,
die alte Pendlerpauschale wieder einzuführen und den Steuertarif
zu reformieren. Aber Steuersenkungen führten kaum zu den
erwünschten Mehrausgaben der privaten Haushalte. Wirksamer sei,
die staatlichen Investitionen um 50 Milliarden Euro zu erhöhen.
(Quelle: afp)
Lufthansa-Streik zeigt Wirkung
Mi.30.07.08 - Der Streik bei der Lufthansa hat am zweiten Tag erstmals Reisende
getroffen. Die Fluggesellschaft musste am Dienstag 70 Flüge
absagen, weil neun Flugzeuge wegen des Ausstands nicht
vorschriftsmäßig gewartet werden konnten. Die Gewerkschaft
ver.di erklärte, die Auswirkungen auf den Flugverkehr nähmen
jetzt Tag für Tag weiter zu. Am Abend legte die Lufthansa gute
Bilanzzahlen für das erste Halbjahr 2008 vor.
Ver.di weitete den Ausstand beim Boden- und Kabinenpersonal am Dienstag
aus, unter anderem nach Berlin. Wenn die Nachtschicht in Stuttgart
ebenfalls in den Streik treten sollte, seien alle Standorte der
Lufthansa in Deutschland in den Arbeitskampf einbezogen, hieß es.
Wie am Vortag beteiligten sich laut Gewerkschaft rund 5.000
Beschäftigte an dem Ausstand.
Verhandlungsführer Erhard Ott erklärte, nach den
innerdeutschen würden zunehmend auch die europäischen und
schließlich die Interkontinentalflüge betroffen sein. Die am
Dienstag von den Flugausfällen betroffenen Reisenden wurden
umgebucht. Ein LH-Sprecher unterstrich, die 70 Verbindungen
entsprächen rund 3 Prozent der Tagesleistung.
Neun Kurzstreckenflugzeuge wurden nicht gewartet und durften deshalb
nicht starten. Sechs mussten in Frankfurt am Boden bleiben, drei in
München. Bei den meisten der stornierten Flüge handelte es
sich laut Lufthansa um innerdeutsche Verbindungen, aber auch Flüge
von Frankfurt nach Wien, Genf, Zürich, Brüssel oder Paris
waren betroffen.
Ver.di kündigte an, am heutigen Mittwoch würden erneut rund
5.000 Beschäftigte streiken. Schwerpunkte blieben Frankfurt am
Main und Hamburg. Gerold Schaub vom ver.di-Landesbezirk Hessen schloss
einen längeren Arbeitskampf nicht aus. «Wir müssen uns
darauf einstellen, dass es einige Tage dauern wird, bis die Lufthansa
an den Verhandlungstisch zurückkehrt.»
Die Lufthansa betonte ihre Gesprächsbereitschaft. «Unsere
Türen sind offen. Wir sind dialogbereit», sagte
Konzernsprecher Klaus Walther n-tv. «Das Angebot liegt auf dem
Tisch, und Verhandlungen sind aus unserer Sicht jederzeit und sofort
möglich.»
Ver.di fordert für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden und
in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld für ein Jahr. Die Lufthansa
hat 7,7 Prozent für 21 Monate inklusive einer Einmalzahlung
angeboten. Laut ver.di hat die Lufthansa auf zwölf Monate
gerechnet damit lediglich eine Erhöhung von 3,8 Prozent angeboten.
Die Lufthansa steigerte im ersten Halbjahr 2008 Betriebsgewinn und
Umsatz. Das operative Ergebnis kletterte um 219 Millionen Euro auf 705
Millionen Euro, wie der Konzern nach Börsenschluss mitteilte. Der
Umsatz stieg auf 12,1 Milliarden Euro nach 10,1 Milliarden Euro im
Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn lag mit 402 Millionen Euro deutlich
unter Vorjahresniveau. Im Vorjahreswert von 992 Millionen Euro seien
aber unter anderem Gewinne aus dem Verkauf der Thomas-Cook-Anteile (503
Millionen Euro) und der Aktienrückkauf der WAM Acquisition (71
Millionen Euro) enthalten gewesen, hieß es.
Man gehe nach wie vor davon aus, für das Gesamtjahr an das
operative Ergebnis des Vorjahres anknüpfen zu können,
hieß es. 2007 hatte die Kranichlinie ein Rekordergebnis
eingefahren. Risiken lägen aber in einer «erneuten und
nachhaltigen Erhöhung der Treibstoffpreise, einem anhaltenden
Rückgang des Wirtschaftswachstums und akut in den noch nicht
absehbaren Auswirkungen der Streikaktionen im Rahmen der laufenden
Tarifverhandlungen».
(Quelle: ap)
Tarifverdienste in Deutschlamd im April um 3,5 Prozent gestiegen
Mi.30.07.08 - Die Tarifverdienste der Arbeiter und Angestellten in Deutschland sind
im April 2008 um 3,5 Prozent gegenüber dem entsprechenden
Vorjahresmonat gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in
Wiesbaden berichtete, erhöhten sich im Vergleich dazu im selben
Zeitraum die Verbraucherpreise nur um 2,4 Prozent. Der vergleichsweise
hohe Anstieg der Tarifverdienste sei vor allem auf die bereits bis
einschließlich Januar 2008 wirksam gewordenen Tariferhöhungen
zurückzuführen, erklärten die Statistiker. Seither seien
die Tarifverdienste im Durchschnitt lediglich um 0,7 Prozent gestiegen.
(Quelle: ap)
Geschäftsführer verdienen in Deutschland am meisten
Mi.30.07.08 - Geschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter verdienen in
Deutschland einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes zufolge am
meisten. Wie die Behörde am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, kam
diese Berufsgruppe 2006 auf ein Jahreseinkommen von rund 92 600 Euro.
Rechtsvertreter und Rechtsberater lagen mit gut 82 000 Euro Jahresgehalt
an zweiter Stelle. Am wenigsten verdienten Friseure mit knapp 16 000
Euro. Selbständige werden in den Untersuchungsergebnissen nicht
erfasst.
Weiteren Angaben zufolge blieben den vollzeitbeschäftigten
Arbeitnehmern im Produzierenden Gewerbe, Handel, Kredit- und
Versicherungsgewerbe von 100 Euro Bruttolohn im Jahr 2006 nach Abzug von
Lohnsteuern und Sozialbeiträgen im Durchschnitt 64,41 Euro. Im
Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich lag der
durchschnittliche Bruttomonatsverdienst im Oktober 2006 bei 3093 Euro.
Der durchschnittliche Nettomonatsverdienst betrug 1986 Euro. Dabei
spielte die Unternehmensgröße bei der Höhe des
Bruttomonatsverdienstes eine wichtige Rolle. Je mehr Arbeitnehmer im
Unternehmen beschäftigt waren, desto höher war der
Bruttomonatsverdienst.
(Quelle: ddp)
Schmiergeldaffäre - Siemens verlangt Schadenersatz von
Pierer und Kleinfeld
Mi.30.07.08 - Wegen der milliardenschweren Schmiergeldaffäre will Siemens seine
früheren Chefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld sowie neun
weitere Ex-Manager zur Kasse bitten.
Der Technologiekonzern verlangt Schadenersatz von den
Zentralvorständen der Jahre 2003 bis 2006. Die elf Manager
hätten angesichts illegaler Geschäftspraktiken und Bestechung
ihre Organisations- und Aufsichtspflichten vernachlässigt,
erklärte das Unternehmen am Dienstag nach einem Beschluss des
Aufsichtsrates. Konkrete Summen oder Termine nannte Siemens nicht.
Die Aufsichtsräte gehen gegen die Manager vor, da sie sonst
Aktionärsklagen gegen sich fürchten müssen. "Die
Geltendmachung von Ansprüchen ergibt sich aus der Verpflichtung
der Gesellschaft gegenüber ihren Eigentümern", erklärte
das Unternehmen. Bevor Siemens die Schadenersatzklagen gegen die
einstigen Geschäftsverantwortlichen einreiche, werde ihnen
Gelegenheit gegeben, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Zu den
Betroffenen gehören neben Pierer und Kleinfeld auch die
Spitzenmanager Johannes Feldmayer, Thomas Ganswindt, Edward Krubasik,
Rudi Lamprecht, Heinz-Joachim Neubürger, Jürgen Radomski,
Uriel Sharef, Günter Wilhelm und Klaus Wucherer.
Pierers Anwalt Winfried Seibert sagte, sein Mandant habe die
Entscheidung des Aufsichtsrates "mit großer Betroffenheit und
Bedauern" zur Kenntnis genommen. "Selbstverständlich wird er sich
dagegen zur Wehr setzen." Pierer werde, wenn es soweit sei, eine
Klageabweisung beantragen, weil er sich zu Unrecht in Anspruch genommen
fühle. Kleinfelds Anwalt lehnte eine Stellungnahme ab. Auch die
Rechtsbeistände weiterer Betroffener wollten sich nicht
äußern.
Siemens will Unternehmenskreisen zufolge alle restlichen Verbindungen
zu den Ex-Managern kappen. Sie sollen nicht mehr bei Mandaten
unterstützt werden, Beraterverträge würden
gekündigt. Außerdem könnten sie nicht mehr auf
Vergünstigungen wie Dienstwagen oder Büros in
Konzerngebäuden zurückgreifen. Damit verliert Ex-Konzern- und
-Aufsichtsratschef Pierer auch sein Büro in der Münchener
Zentrale.
Bei Siemens flossen insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro in dunkle
Kanäle. Den Folgeschaden aus Strafen, Beraterkosten und
Steuernachzahlungen bezifferte das Unternehmen bis Ende Juni auf 1,9
Milliarden Euro. Am Montag war ein früherer Direktor der einstigen
Telekommunikationssparte als erster Beschuldigter in der
Korruptionsaffäre zu einer Haftstrafe auf Bewährung und einer
Geldbuße von 108.000 Euro verurteilt worden.
(Quelle: rtr)
Milchgipfel einigt sich auf Maßnahmen für höhere Preise
Mi.30.07.08 - Nach monatelangem Streit um die Milchpreise hat sich die
Bundesregierung mit Vertretern von Landwirtschaft, Handel und
Ländern auf einen Kompromiss verständigt.
Mit diesem sollten eine leistungsfähige Milchwirtschaft
sichergestellt und den Landwirten kostendeckende und faire Preise
gewährleistet werden, sagte Bundesagrarminister Horst Seehofer am
Dienstagabend im Anschluss an den sogenannten Milchgipfel in Berlin.
Die Länder erklärten ihre Bereitschaft, über den
Bundesrat mehrere von den Milchbauern geforderte Maßnahmen zur
Steuerung der Milchmenge umzusetzen. Seehofer sagte seinerseits zu,
sich auf EU-Ebene für die Errichtung eines Milchfonds stark zu
machen. Aus nicht benötigten Agrarmitteln sollen die deutschen
Bauern jährlich 300 Millionen Euro bekommen.
"Ich denke, dass uns heute ein erster wichtiger Schritt gelungen ist,
zu kostendeckenden Preisen", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands
Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber. Die Bauern
würden in Zukunft weniger produzieren. Sie würden zudem
handlungsfähiger im Markt. Mit den vereinbarten Maßnahmen
werde die Milchmenge am Markt um rund 1,5 Prozent gesenkt. Der
Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, sagte,
er stimme mit Seehofers Konzept fast vollständig überein.
Allerdings legten sich die Teilnehmer nicht fest, in welcher Höhe
sich die Maßnahmen bei den Preisen bemerkbar machen könnten.
Auch der Einzelhandel vermied jegliche Zusagen in dieser Richtung.
Seehofer sagte, er wolle in den Verhandlungen in Brüssel im
November auf die Verabschiedung eines Milchfonds drängen, der dann
schon im nächsten Jahr in Kraft treten könne. Er soll das
Ende der Milchquote im Jahr 2015 für Bauern in benachteiligten
Regionen abfedern. Weitere Maßnahmen zur Steuerung der Milchmenge
betreffen den Bundesrat. Verordnungen dazu sollen zum Teil aber von der
Regierung vorbereitet werden. Zum einen soll der Umrechungsfaktor
angepasst werden, der bei der Bezahlung der Milch eine Rolle spielt.
Derzeit noch müssen deutsche Bauern rund ein Prozent mehr melken,
um das gleiche Geld wie europäische Nachbarn zu erhalten. Auch
soll die Saldierung wegfallen, wonach bisher über oder unter den
Vorgaben liegende Mengen unter den deutschen Betrieben verrechnet
werden. Durch die Abschaffung erhält jeder Landwirt nun mehr
Verantwortung für die zulässige Milchquote. Die
Änderungen sollen laut Seehofer im Herbst im Bundesrat beraten
werden.
Die ebenfalls vom Milchbauern-Verband geforderte selbstfinanzierte
Umlage der Bauern zur Abfederung von Angebotsspitzen soll laut Seehofer
zunächst geprüft werden. Da hierfür eine Änderung
von EU-Recht notwendig sei, müsse das Gespräch mit der
Kommission gesucht werden.
Seehofer kündigte darüber hinaus an, die Molkereien in
Preisverhandlungen mit dem Einzelhandel stärken zu wollen, indem
sie Partner auf gleicher Augenhöhe würden. Dazu werde es zwei
bis drei kartellrechtlich abgesicherte "Leuchtturmprojekte" geben, die
die Regierung moderieren wolle. Erfreut zeigte sich der Minister
über die Zusage des Einzelhandels, deutsche
Landwirtschaftsprodukte in ihren Geschäften stärken zu wollen.
Der Präsident des Deutschen Raffeisenverbands, Manfred
Nüssel, sagte, er sehe gute Chancen, mit den Vereinbarungen faire
Preise auszahlen zu können. Der Geschäftsführer des
Einzelhandelsverbands HDE, Stefan Genth, versprach, die Firmen
würden auch künftig auf Lockvogelaktionen oder Angebote unter
Einstandspreis verzichten.
(Quelle: rtr)
Zentralrat der Juden fordert Bundesbeauftragten gegen Antisemitismus
Mi.30.07.08 - Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, hat
gefordert, das Amt eines Bundesbeauftragten gegen Diskriminierung,
Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus einzurichten. «Nach wie
vor fehlt eine effektive Koordination zwischen Bund, Ländern und
Kommunen», sagte Kramer der «Passauer Neuen Presse»
(Mittwochausgabe). Deshalb müsse ein Bundesbeauftragter
installiert werden. «Dann gäbe es jemanden, der sich
zuständig fühlt.» Mit Blick auf die jüngsten
rechtsextremistischen Übergriffe sagte er, ein leichter Anstieg
der Zahl in den Sommerferien sei «normaler Standard».
Auffällig sei die erhöhte Gewaltbereitschaft der Täter.
«Das gilt jedoch für die gesamte Gesellschaft, nicht nur
für Rechtsextreme», sagte Kramer laut Vorabmeldung der
Zeitung.
(Quelle: ap)
Aufruf zu Großdemo gegen Überwachung
Mi.30.07.08 - Bürgerrechtsorganisationen haben für den 11. Oktober zu einer
Großdemonstration in Berlin aufgerufen, um gegen Überwachung
durch Staat und Wirtschaft zu protestieren. Die Kundgebung unter dem
Motto «Freiheit statt Angst» wende sich unter anderem gegen
die für den Herbst geplante Aufrüstung des Bundeskriminalamts
zu einer zentralen Polizeibehörde mit der Befugnis zum geheimen
Ausspionieren von Privatcomputern, erklärte am Montag in Berlin der
Arbeitskreis Voratsdatenspeicherung.
In dem Aufruf heißt es: «Die Organisatoren sind sich einig,
dass es höchste Zeit ist, vor dem Hintergrund permanenter
Verschärfungen von Sicherheits- und
Überwachungsmaßnahmen für die Verteidigung unserer
Grundrechte auf die Straße zu gehen.»
Im vergangenen Jahr waren mehr als 15.000 Menschen einem ähnlichen
Aufruf gefolgt. Der Arbeitskreis teilte mit, dass in diesem Jahr
erstmals in verschiedenen Ländern gleichzeitig Menschen auf die
Straße gehen. Bereits 15 Länder hätten ihre Teilnahme an
dem internationalen Aktionstag am 11. Oktober angekündigt. Der
internationale Protest richte sich etwa gegen die geplante
Totalerfassung aller Flugreisenden in der EU, die geplanten
Datenauslieferungen an die USA, biometrische EU-Ausweispapiere und die
Vorratsspeicherung der Telekommunikationsverbindungen und Standorte
sämtlicher 455 Millionen Europäer.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.freiheitstattangst.de/
Wissenschaft
Schwarmintelligenz von Menschen wird in Bremen getestet
Mi.30.07.08 - Mit einem Großversuch soll in Bremen die Schwarmintelligenz von
Menschenmengen getestet werden. Das bundesweit bislang größte
Experiment dieser Art soll anlässlich des Jahres der Mathematik
vom 22. bis 24. August beim Bremer Stadtteilfest über die
Bühne gehen, wie am Dienstag ein Sprecher der Universität
Bremen sagte.
Schwarm- oder kollektive Intelligenz bedeutet, dass aus einfachen
Handlungen Einzelner ein komplexes Gruppenverhalten entsteht, das die
einzelnen Individuen nicht steuern oder kontrollieren können.
Bekannt ist das Verhalten beim Heringsschwarm, der von selbst seine
Richtung ändern kann, oder bei Glühwürmchen-Populationen,
die synchron blinken können. In Bremen soll nun herausgefunden
werden, ob Menschenmengen ähnliche Leistungen der
Selbstorganisation erbringen können.
Für den Versuch sollen Besucher des «ViertelFestes»
kleine Blech-Insekten erhalten, mit denen Knackgeräusche erzeugt
werden können. In dem Experiment soll herausgefunden werden, ob und
unter welchen Bedingungen die Menschenmenge sich rhythmisch
koordinieren kann. Erwartet werden an den drei Tagen insgesamt mehr als
150 000 Festbesucher. An den täglich etwa vier Versuchsreihen, die
nicht nur wissenschaftlichen, sondern auch Unterhaltungswert
hätten, würden sich möglicherweise jeweils bis zu 1000
Personen beteiligen, sagte eine Sprecherin des
«ViertelFestes».
Die Wissenschaftler der Bremer Uni sehen den Experimenten den Angaben
zufolge gespannt entgegen. Der Ausgang der Versuche sei nicht
kalkulierbar, sagte der Universitätssprecher. Am weltweit bislang
größten Schwarmexperiment hatten im März vergangenen
Jahres in Köln mehr als 200 Menschen teilgenommen.
(Quelle: ddp)