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Irak 1591 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
50.000 irakische Soldaten und Polizisten bei Großoffensive gegen
die Al Kaida. Irak darf doch an Olympia teilnehmen
Do.31.07.08 - Fast 50.000 irakische Soldaten und Polizisten sind an der
Großoffensive gegen das Terrornetzwerk Al Kaida in der Provinz
Dijala nordöstlich von Bagdad beteiligt. Diese Zahl nannte am
Mittwoch die Regierung der Unruheprovinz. Mit Unterstützung der
US-Truppen wollen die irakischen Sicherheitskräfte die Al Kaida
aus ihrer letzten Hochburg nahe Bagdad vertreiben. Seit Beginn der
Offensive am Dienstag wurden nach offiziellen Angaben 35 gesuchte
Aufständische festgenommen und etliche Waffen sichergestellt.
Derzeit durchkämmen die Regierungstruppen die Provinzhauptstadt
Bakuba Haus für Haus, wie Ibrahim Badschilan, Chef des
Regionalrats, erklärte. Die Offensive soll dann auf die schwer
zugänglichen Gebiete nahe der iranischen Grenze ausgeweitet
werden. Rund zwei Wochen sind dafür veranschlagt. «Und dann
wird in ganz Dijala dem Gesetz wieder Geltung verschafft», sagte
der Vertreter der Provinzregierung.
Dijala an der Grenze zum Iran ist wegen seiner Lage als Tor in die
Hauptstadt von hoher strategischer Bedeutung. Zugleich gilt die Provinz
seit Beginn des US-geführten Kriegs im März 2003 als eines
der am schwersten zu kontrollierenden Gebiete im Irak. In Bakuba wurden
am 15. Juli bei einem Doppelanschlag mindestens 28 Menschen
getötet.
Die USA liefern bei der Offensive ihren Verbündeten
geheimdienstliche und logistische Unterstützung, aber auch
Feuerschutz. Die irakischen Truppen übernehmen seit Monaten immer
stärker Aufgaben an der Front, was zu dem starken Rückgang
der Zahl getöteter Amerikaner in diesem Jahr geführt hat.
Irakische Sportler dürfen sich nun doch auf den Weg zu den
Olympischen Spielen in Peking machen. Das Internationale Olympische
Komitee (IOC) hob am Dienstagabend nach achtstündigen
Gesprächen mit Vertretern Bagdads eine zuvor verhängte Sperre
gegen den Irak auf. Das IOC sei zuversichtlich, dass die Regierung
für die Unabhängigkeit des Nationalen Olympischen Komitees
bürge, hieß es nach der Entscheidung im Schweizerischen
Lausanne.
Das IOC lenkte damit in letzter Minute ein: Die Frist zur Anmeldung von
Sportlern für die Ende nächster Woche beginnenden Spiele lief
am Mittwoch ab. Der Irak wird voraussichtlich zwei Leichtathleten
anmelden.
Das IOC hat den Irak im Mai von den Spielen ausgeschlossen, nachdem die
Regierung zuvor das Nationale Olympische Komitee aufgelöst hatte.
Mit Hilfe deutscher und chinesischer Vermittler konnte nun ein
Kompromiss erzielt werden. Die Regierung in Bagdad verpflichtet sich,
freie Wahlen des Nationalen Komitees unter internationaler Beobachtung
abzuhalten. Die Spiele in Peking beginnen am 8. August.
(Quelle: ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 31.07.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundsiebenundzwanzigtsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Di.31.07.07 - Großbritanniens Premier Brown und US-Präsident Bush einer
Meinung - Ziel im Irak müsse eine schrittweise Übergabe der
Kontrolle an die dortigen Behörden sein +++ Irakische Regierung steht
vor lähmender Krise +++ Jeder dritte Iraker benötigt dringend
Hilfe - Rund zwei Millionen Vertriebene im eigenen Land +++ WHO
fordert Unterstützung für irakische Flüchtlinge...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707310.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt: Israels Ministerpräsident Olmert kündigt
Rücktritt an. US-Regierung hält an Nahost-Einigung bis
Jahresende fest. ARD schließt nach Entführung von Kameramann
Büro in Gaza
Do.31.07.08 - Der durch Korruptionsvorwürfe massiv unter Druck stehende
israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat überraschend
seinen politischen Rückzug angekündigt. Er werde bei den
Vorwahlen innerhalb seiner Kadima-Partei Mitte September nicht mehr als
Kandidat antreten, sagte Olmert bei einer im Fernsehen
übertragenen Ansprache. Nach der Wahl seines Nachfolgers für
den Vorsitz der Kadima-Partei werde er als Ministerpräsident
zurücktreten. "Ich habe Fehler gemacht, und das weiß ich."
Er werde seine Unschuld beweisen, kündigte Olmert mit Blick auf
das gegen ihn laufende Korruptionsverfahren an.
"Ich habe beschlossen, bei den Vorwahlen der Kadima nicht anzutreten",
sagte Olmert in seiner Rede. "Ich habe nicht die Absicht, mich in diese
Wahl einzumischen. Ich werde die Ergebnisse akzeptieren." Nach Olmerts
Rücktritt wird Präsident Schimon Peres denjenigen Kandidaten
benennen, der eine parlamentarische Mehrheit hinter sich bringen kann.
Dieser hat dann zwischen 28 und 42 Tage Zeit für die
Regierungsbildung. In dieser Zeit wird Olmert die
Übergangsregierung führen.
Olmert betonte, er werde seine Ämter ehrenhaft und auf korrekte
und verantwortungsvolle Weise abgeben, "genauso, wie ich auch
während meiner Amtszeit gehandelt habe. "Danach werde ich meine
Unschuld beweisen."
Weil Olmerts Beliebtheit wegen der Korruptionsaffären stark
eingebrochen war, hatte die Führung der Kadima-Partei den
Parteichef gedrängt, bei den Vorwahlen nicht anzutreten. Besonders
Außenministerin Zipi Livni hatte mit Olmert in letzter Zeit einen
offenen Machtkampf geführt. Sie gilt nun neben Verkehrsminister
Schaul Mofas als Favoritin für seine Nachfolge an der
Kadima-Spitze. Nach israelische Medienberichten finden die
parteiinternen Vorwahlen am 17. September statt.
Der 62-jährige Olmert ist seit mehr als zwei Jahren
Regierungschef, er trat damals die Nachfolge des nach einem
Schlaganfall ins Koma gefallenen Ministerpräsidenten Ariel Scharon
an. Wegen Korruptionsvorwürfen in mehreren Fällen geriet er
in den vergangenen Monaten immer stärker unter Druck. Unter
anderem wurde ihm vorgeworfen, mehrfach illegale Gelder von dem
US-Geschäftsmann Morris Talansky angenommen zu haben. Zuletzt
wurde er verdächtigt, als Bürgermeister von Jerusalem sowie
als Industrie- und Handelsminister Dienstreisen zu seinen Gunsten
mehrfach abgerechnet zu haben.
Die USA halten trotz des angekündigten Rücktritts des
israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert am Ziel einer
Einigung im Nahost-Konflikt bis zum Jahresende fest. Präsident
George W. Bush schließe vor dem Ende seiner Amtszeit im Januar
einen weiteren Nahost-Gipfel nicht aus, sagte der Sprecher des
Außenministeriums, Sean McCormack. Außenministerin
Condoleezza Rice bemühte sich am Mittwoch in Gesprächen mit
Unterhändlern Israels und der Palästinenser in Washington um
Fortschritte bei den Friedensverhandlungen.
Bush habe Olmert versichert, dass er bis zu dessen angekündigtem
Rückzug im September weiterhin eng mit dem Regierungschef
zusammenarbeiten werde, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses,
Gordon Johndroe. Allerdings wird Bushs Zeitplan immer fraglicher. Der
US-Präsident hatte die Neuauflage der
Nahost-Friedensgespräche im vorigen November mit einer
internationalen Konferenz in Annapolis in Maryland angestoßen.
Ein entscheidender Durchbruch wurde bei den Verhandlungen zwischen
Israel und den Palästinensern bisher aber noch nicht erzielt.
Als Reaktion auf die Festnahme ihres Kameramanns Sawah Abu Saif durch
die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hat die ARD
ihr Büro in Gaza-Stadt geschlossen. Der Kameramann sei fünf
Tage nach seiner Festnahme immer noch nicht in Freiheit, teilte die ARD
auf ihrer Internetseite mit. Wie die ARD erfahren habe, solle der
Gesundheitszustand von Abu Saif kritisch sein. Es müsse davon
ausgegangen werden, dass er möglicherweise gefoltert werde. Das
ARD-Büro in Gaza soll demnach erst wieder geöffnet werden,
wenn der Kameramann wieder frei sei.
Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff sagte demnach, die ARD sei in
großer Sorge um ihren Mitarbeiter. "Palästinensische
Menschenrechtsorganisationen und Human Rights Watch berichten
übereinstimmend über Folter im Gazastreifen und im
Westjordanland. Es gibt auch ernstzunehmende Hinweise darauf, dass
unser Kameramann davon betroffen ist", erklärte er. "Das ist
unmenschlich und wir fordern deshalb die Hamas noch einmal
nachdrücklich auf, unseren Mitarbeiter sofort freizulassen." Unter
den gegebenen Umständen sei journalistisches Arbeiten in Gaza
nicht mehr möglich.
Der ARD-Journalist war in der Nacht zum Samstag von vier maskierten
Hamas-Männern in seiner Wohnung festgenommen worden. Die Hamas
wirft Abu Saif vor, aktives Mitglied in der rivalisierenden Fatah zu
sein, die sie auch für einen Bombenanschlag vom vergangenen
Freitag in Gaza verantwortlich macht. Dabei wurden fünf
Hamas-Mitglieder und eine sechs Jahre altes Mädchen getötet.
Hamas-Sicherheitskräfte nahmen daraufhin hunderte Fatah-Mitglieder
fest. Die Fatah streitet ab, mit den Bombenanschlägen in
Verbindung zu stehen.
boa (Quellen: ap, afp)
UN beenden Friedensmission in Eritrea und Äthiopien erfolglos
Do.31.07.08 - Die Vereinten Nationen haben ihre erfolglose Friedensmission an der
Grenze zwischen Eritrea und Äthiopien eingestellt. Der
Weltsicherheitsrat beschloss am Mittwoch einstimmig, die im Jahr 2000
entsandten 1.700 Blauhelmsoldaten am Horn von Afrika abzuziehen. Diese
sollten eine Pufferzone zwischen den beiden Nachbarländern
garantieren, die sich zuvor zweieinhalb Jahre lang einen blutigen
Grenzkrieg geliefert hatten.
Der Misserfolg des Einsatzes wird von Diplomaten darauf
zurückgeführt, dass Eritrea den UN-Soldaten nur
eingeschränkte Patrouillen gestattet und die Lieferung von
Treibstoff und anderen Versorgungsgütern begrenzt hat.
Äthiopien wiederum hat die Empfehlung einer unabhängigen
Kommission abgelehnt, die Grenzstadt Badme an Eritrea zu
übergeben. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat vor einem neuen
Krieg in der Region gewarnt, wenn die Friedenstruppen abziehen.
(Quelle: ap)
Erneut Schüsse an der indisch-pakistanischen Grenze in Kaschmir
Do.31.07.08 - Pakistanische Soldaten haben laut indischen Angaben zum zweiten Mal
innerhalb von drei Tagen die Waffenruhe in Kaschmir verletzt. Die
Truppen hätten am Mittwoch auf indische Soldaten geschossen, die
das Feuer nicht erwidert hätten, teilten die indischen
Streitkräfte mit. Getötet worden sei niemand. In der Nacht zum
Dienstag hatten sich beide Seiten bereits einen mehr als
zwölfstündigen Schusswechsel geliefert, bei dem laut indischen
Angaben ein Inder und vier Pakistaner getötet wurden. Die
Kämpfe waren die bislang schwerste Verletzung des 2003
vereinbarten Waffenstillstands.
Der Status der Himalaya-Region ist seit der Unabhängigkeit Indiens
und Pakistans von Großbritannien im Jahr 1947 strittig, beide
Staaten führten deswegen bereits zwei Kriege. Seit der Waffenruhe
von 2003 blieb es an der Grenze aber weitgehend ruhig. Im indischen Teil
kämpfen zahlreiche Gruppen für die Unabhängigkeit oder
den Anschluss der Provinz an Pakistan. Die Gewalt hat mindestens 68.000
Menschen das Leben gekostet, die meisten von ihnen Zivilpersonen.
(Quelle: ap)
Blockfreie Staaten unterstützen Teheran im Atomstreit
Do.31.07.08 - Mehr als 100 Länder der Blockfreien haben sich für ein Recht
des Irans auf ein ziviles Atomprogramm ausgesprochen. Teheran
begrüßte die Entscheidung auf einer Konferenz der 120
Blockfreien Staaten am Mittwoch. Diese Unterstützung zeige, dass
anders als von einigen Ländern behauptet die internationale
Gemeinschaft das iranische Atomprogramm nicht ablehne, sagte
Außenminister Manutschehr Mottaki. Teheran will sein
Nuklearprogramm nach eigenen Angaben zur Energiegewinnung nutzen. Der
Westen befürchtet jedoch, dass die Regierung nach Atomwaffen
strebt.
(Quelle: ap)
WFP: Nordkorea vor schlimmster Hungerkatastrophe seit 90ern
Do.31.07.08 - Nordkorea steht nach Angaben des Welternährungsprogramms der
Vereinten Nationen (WFP) vor der schlimmsten Hungerkatastrophe seit den
90er Jahren. Fünf bis sechs Millionen Nordkoreaner bräuchten
dringend Lebensmittelhilfen, sagte Jean-Pierre de Margerie,
WFP-Direktor für Nordkorea, in Peking. Eine gerade fertiggestellte
Untersuchung der Organisation habe ergeben, dass fast die Hälfte
der 23 Millionen Einwohner nicht genug zu essen hätten und auf
essbare Gräser und Wurzeln zurückgreifen müssten.
Das WFP plant für kommenden Monat einen internationalen Aufruf, um
500 Millionen Dollar (320 Millionen Euro) an Hilfsgeldern
zusammenzubekommen. Bis zur nächsten Ernte im Oktober stünden
dem Land kritische Versorgungsengpässe bevor, warnte de Margerie.
Insgesamt werde Nordkorea noch bis mindestens Oktober 2009 auf Hilfe
aus dem Ausland angewiesen sein. Verheerende Fluten hatten im
vergangenen Jahr einen großen Teil der Ernte für dieses Jahr
zerstört. Daraufhin vervierfachten sich die Lebensmittelpreise;
die staatlichen Essensrationen musste um 70 Prozent gekürzt werden.
Anfang Juni nahm das WFP nach zweijähriger Unterbrechung die
Notlieferungen an Nordkorea wieder auf, um der schlechten
Versorgungslage Herr zu werden. Das stalinistisch regierte Land war
zwischen 1995 und 2005 der weltweit größte Empfänger
von WFP-Hilfen. 2006 hatte die Regierung in Pjöngjang die
Zusammenarbeit mit dem WFP und anderen Hilfsorganisationen
aufgekündigt, da sie diese als zu "aufdringlich" empfand.
(Quelle: afp)
China kündigt Internetzensur während Olympischer Spiele an
Do.31.07.08 - Die chinesischen Behörden wollen entgegen früherer Zusagen
während der Olympischen Spiele im August den Internetzugang
für ausländische Journalisten einschränken. Der Sprecher
des Organisationskomitees, Sun Weide, sagte in Peking, dass
"ausreichender Internetzugang" bereitgestellt werde, fügte aber
hinzu, mehrere Websites würden gesperrt. Als Beispiel nannte er
lediglich alle Seiten, die in Verbindung mit der in China verbotenen
Falungong-Sekte stehen. Beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC)
und bei Journalistenorganisationen stieß die Ankündigung auf
Kritik.
"Unser Versprechen war, dass Journalisten das Internet für ihre
Arbeit während der Olympischen Spiele nutzen können", sagte
Sun. "Und dafür haben wir ihnen genügend Zugang gegeben."
Journalisten im Pressezentrum der Spiele berichteten bereits, dass sie
zu zahlreichen Internetseiten keinen Zugang hätten, darunter
diejenigen der Menschenrechtsgruppe Amnesty International, der
britischen Rundfunkgesellschaft BBC, der Deutschen Welle, der
Hongkonger Zeitung "Apple Daily" und der taiwanischen "Liberty Times".
Auch Internetseiten von chinesischen Dissidenten, der tibetischen
Exilregierung und solche mit Informationen zur blutigen Niederschlagung
der Bewegung für mehr Demokratie auf dem Pekinger Tiananmenplatz
1989 waren am Mittwoch nicht zugänglich. Damit hält Peking
sein früheres Versprechen nicht ein, ausländischen
Journalisten vollständigen und ungehinderten Zugang zum Internet
zu gewähren.
Die IOC-Kommunikationschefin Giselle Davies sagte, die von den
Sommerspielen berichtenden Journalisten sollten den "für ihre
Arbeit notwendigen Zugang" ins Netz erhalten und sie werde daran
arbeiten, das sicherzustellen. Der Vorsitzende der
IOC-Pressekommission, Kevan Gosper, sagte, er werde das Thema mit den
chinesischen Verantwortlichen erörtern.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG/RSF) kritisierte "auf das
Schärfste", dass die rund 20.000 akkreditierten ausländischen
Journalisten während der Olympischen Spiele nur beschränkten
Zugang zum Internet haben. Zugleich machte die Organisation das IOC
dafür verantwortlich, die derzeitige Lage durch seine konziliante
Haltung und sein "jahrelanges Schweigen" ermöglicht zu haben.
Der Pressesprecher des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Hendrik
Zörner, sagte AFP, der "Versuch der Zensur der freien und
unabhängigen Presse" sei völlig inakzeptabel". Das deute
darauf hin, dass die chinesischen Behörden nicht bereit seien,
"ihr eigenes Versprechen einzulösen". Es sei zu hoffen, "dass
unter dem internationalen Druck die chinesischen Behörden ihre
Entscheidung ändern werden".
(Quelle: afp)
Aufstand von Ex-Militärs in Haiti
Do.31.07.08 - Eine Gruppe von rund 50 früheren Militärs hat nach Angaben
der UN-Stabilisierungstruppe Minustah in Cap Haitien im Norden von Haiti
ein verlassenes Gefängnis besetzt.
Wie der Oberkommandierende der Minustah, der uruguayische General Neris
Mauro Corbo, der Deutschen Presse-Agentur dpa am Dienstag auf Anfrage
sagte, waren der Besetzung mehrere Demonstrationen in der Stadt
Ouanaminthe an der Grenze Haitis mit der Dominikanischen Republik
vorausgegangen.
Es sei derzeit nicht bekannt, weshalb es zu der Besetzung gekommen sei,
sagte der General. Bisher sei die Meuterei friedlich verlaufen. Die
Minustah versuche, einen Dialog zwischen den Konfliktpartnern
herzustellen.
Nach Meinung von Experten könnten die Proteste auch mit dem
Versuch von Präsident René Preval in Verbindung stehen, das
Amt des Premierministers neu zu besetzen. Er war nach der sogenannten
Hungerrevolte im April gezwungen worden, seine Regierung zu entlassen.
Derzeit wird im Senat die dritte Kandidatur verhandelt, nachdem dieses
Gremium zwei frühere Bewerber hatte durchfallen lassen. Vor zwei
Wochen hatte das Unterhaus der neuen Kandidatin Michele Pierre Louis
zugestimmt. Oppositionelle Senatoren haben die Eignung der Kandidatin
bereits wegen unterstellter Homosexualität angezweifelt.
(Quelle: dpa)
Australien: Aborigines erhalten weitgehende Landrechte an Küsten
im Norden
Do.31.07.08 - In einem wegweisenden Urteil hat das oberste Gericht in Australien den
Ureinwohnern am Mittwoch Landrechte entlang der Küsten des
Northern Territory zugesprochen. Demnach können die traditionellen
Eigentümer andere Menschen daran hindern, das Stück Land
zwischen Ebbe- und Flutlinie des Strandes zu nutzen. Das Urteil des
Hohen Gerichts betrifft vor allem Fischer in einem 90.000
Quadratkilometer großen Gebiet im Northern Territory, das dem
Rechtsstreit zugrunde lag. Rechtsexperten zufolge könnte es aber
einen Präzedenzfall für andere Regionen des Landes setzen.
Der Vorsitzende des Northern Land Council der Aborigines, Wali
Wunungmurra, sprach von einem Sieg für die traditionellen Besitzer
des Landes. «Wir haben mehr als 30 Jahre darauf gewartet, dass
unsere Meeresrechte juristisch anerkannt werden», sagte er. Die
Ureinwohner hätten kein Interesse daran, kommerziellen oder
Hobby-Fischfang in der Region zu beenden. Wahrscheinlich werde ein
Lizenzsystem eingeführt. Die Einzelheiten müssten nun
ausgehandelt werden, vor einer Umsetzung des Urteils wollten die
Aborigines daher zwölf Monate abwarten.
Mit seiner Entscheidung bestätigte das Hohe Gericht mit fünf
zu zwei Stimmen das Urteil einer Vorinstanz, gegen das die Regierung
Einspruch eingelegt hatte. Ministerpräsident Kevin Rudd
erklärte, Anwälte der Regierung prüften das Urteil.
Möglicherweise seien neue Gesetze nötig, um die neuen Rechte
der Ureinwohner zu beschränken. Vorzuziehen sei aber eine
Verhandlungslösung, basierend auf «gesundem
Menschenverstand». Mit einem 1976 verabschiedeten Bundesgesetz
erhielten die Aborigines etwa die Hälfte des Northern Territory
zurück, darunter weite Teile des Küstenstreifens.
(Quelle: ap)
UN: Reiche Industrienationen dominieren immer noch Welthandel
Do.31.07.08 - Die Entwicklungsländer konnten im vergangenen Jahr nach Angaben
der Vereinten Nationen (UN) die Dominanz der reichen Industrienationen
am Welthandel nicht brechen.
Noch immer dominieren die wohlhabenderen Länder des Nordens das
globale Handelssystem zu fast zwei Dritteln, obwohl sie nur 15 Prozent
der Weltbevölkerung stellen. Die ärmeren Länder hingegen,
die knapp drei Viertel aller Menschen stellen, trugen nur rund ein
Drittel dazu bei, wie die UN-Entwicklungsorganisation (Unctad) am
Dienstag in ihrem Jahrbuch 2007 mitteilte. Dieser anhaltende Trend
läge vor allem an der mangelnden Diversifizierung der Exporte
vieler Entwicklungsländer. Der Fokus auf eine breitere
Produktpalette wird von vielen Volkswirten schon seit langem
eingefordert.
(Quelle: rtr)
Vereinte Nationen: Aids-Epidemie bleibt besorgniserregend
Do.31.07.08 - Trotz umfangreicher Kampagnen zur Vorbeugung bleibt das globale
Ausmaß der Aids-Epidemie nach UN-Angaben besorgniserregend. Ende
2007 lebten rund 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, wie das
Hilfsprogramm UNAIDS und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am
Dienstag in Genf mitteilten. "Wir können die Epidemie noch nicht
stoppen", betonten sie. Die Welt-Aids-Konferenz vom 3. bis 8. August in
Mexiko-Stadt müssen nach neuen Strategien suchen.
Im vergangenen Jahr starben laut UNAIDS rund zwei Millionen Menschen an
Aids. Die Immunschwäche breitete sich in jüngster Zeit vor
allem in China, Indonesien, Kenia, Mosambik, Papua-Neuguinea, Russland,
der Ukraine und Vietnam weiter aus. Afrika südlich der Sahara
bleibt mit 22 Millionen Aids-Infizierten die am stärksten
betroffene Region weltweit. Rund 1,9 Millionen Menschen hätten sich
in dieser Region 2007 angesteckt, hieß es.
In Süd- und Südostasien lebten Ende 2007 rund 4,2 Millionen
Menschen mit Aids. Diese Region weist nach Afrika die zweithöchste
Zahl an Infizierten auf. An dritter Stelle liegt Lateinamerika mit 1,7
Millionen Menschen, gefolgt von Osteuropa und Zentralasien mit 1,5
Millionen.
Die Finanzmittel für Anti-HIV-Programme sind den UN-Angaben
zufolge zwischen 2001 und 2007 in Entwicklungs- und
Schwellenländern um das Sechsfache gestiegen. In der Folge ging die
Zahl der Neuinfizierten weltweit leicht von 3 Millionen auf 2,7
Millionen zurück. Dazu trug auch der zunehmende Gebrauch von
Kondomen bei.
Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung in Hannover forderte, in
Entwicklungsländern wesentlich mehr Kondome kostenlos zu verteilen.
Derzeit seien es nur 3,3 Milliarden Kondome pro Jahr, nötig seien
jedoch 18 Milliarden, um wirksame Vorbeugung zu erzielen.
Laut UNAIDS warten junge Menschen in Ländern wie Äthiopien,
Burkina Faso, Ghana, Malawi, Uganda und Sambia heute länger, bis
sie das erste Mal Geschlechtsverkehr haben. In Kamerun seien heute 14
Prozent der Jugendlichen vor ihrem 15. Geburtstag sexuell aktiv. Im Jahr
2001 seien es schon 35 Prozent gewesen. Auch erhielten immer mehr
schwangere Aids-Infizierte antiretrovirale Medikamente, um eine
Übertragung des Virus auf ihr Kind zu verhindern.
Seit 2005 haben sich laut UNAIDS die Aids-Programme zur Aufklärung
und Vorbeugung für die besonders von HIV-Infektionen bedrohten
männlichen Prostituierten und Drogenabhängigen verdreifacht.
(Quelle: epd)
Mehr unter::
http://www.unaids.org
http://www.aids2008.org
Türkische Regierungspartei AKP wird nicht verboten
Do.31.07.08 - Die türkische Regierungspartei AKP wird nicht verboten. Im
Verfassungsgericht in Ankara kam am Mittwoch nicht die erforderliche
Mehrheit zustande, wie der Gerichtsvorsitzende Hasim Kilic nach den
dreitätigen Beratungen mitteilte. Zwar hätten sechs von elf
Richtern ein Verbot befürwortet, nach den Gerichtsvorschriften
wären jedoch sieben Stimmen erforderlich gewesen.
«Die Entscheidung ist eine Warnung, eine ernsthafte
Warnung», erklärte Kilic. Dies wurde auch deutlich an dem
Gerichtsbeschluss, der islamisch ausgerichteten Partei für
Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) die Hälfte der staatlichen
Förderung zu entziehen. Gleichwohl bedeutete die Entscheidung
einen Sieg für Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in
seiner monatelangen Auseinandersetzung mit der säkular
orientierten Staatsanwaltschaft.
Der Ministerpräsident begrüßte das Urteil. Die
große Unsicherheit, die über der Türkei gelegen habe,
sei jetzt beendet, erklärte Erdogan. Seine Partei werde jetzt
damit fortfahren, die Grundwerte der Republik zu verteidigen. Erdogan
wies erneut die von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe
gegen seine Partei zurück.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier reagierte
erleichtert. Jetzt komme es darauf an, dass alle
Entscheidungsträger ihren Beitrag zu Versöhnung und
politischer Stabilität im Land leisteten und am Reformkurs
entschlossen festhielten, erklärte der Minister. Für die
weitere Annäherung der Türkei an die Europäische Union
sei es nun wichtig, dass die Türkei ihre demokratischen
Institutionen im Rahmen der Verfassungsreform weiter stärke.
Außerdem müsse das Parteiengesetz mit europäischen
Standards in Einklang gebracht werden.
Die türkische Staatsanwaltschaft hatte ihren Verbotsantrag im
März eingebracht und neben dem Parteiverbot ein
fünfjähriges Verbot der politischen Betätigung für
Erdogan und 70 weitere AKP-Mitglieder beantragt, darunter auch
Staatspräsident Abdullah Gül. Chefankläger Abdurrahman
Yalcinkaya warf der Partei Erdogans vor, sie wolle in der Türkei
das islamische Recht einführen. Die AKP hat die Vorwürfe
zurückgewiesen und auf Reformen verwiesen, die die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union
ermöglichten.
Das Gerichtsverfahren war der vorläufige Höhepunkt in dem
Konflikt zwischen den dominierenden säkularen Kräften in
Justiz und Militär einerseits und der AKP andererseits. Deren
Mitglieder sind stark religiös geprägt und unterhalten zum
Teil Verbindungen zur islamistischen Bewegung der Türkei. Ein
Verbot der Partei hätte weitreichende politische Konsequenzen
gehabt und das Land in eine schwere Krise gestürzt. Die EU hat die
AKP als demokratisch legitimierte Partei bezeichnet, die gegebenenfalls
an der Wahlurne, nicht aber im Gerichtssaal diskreditiert werden sollte.
Die Beratungen der Richter begannen einen Tag, nachdem zwei
Bombenanschläge in Istanbul 17 Menschen in den Tod gerissen
hatten. Ein etwaiger Zusammenhang konnte vorerst allerdings nicht
nachgewiesen werden. Umstritten ist in der Türkei auch ein von der
AKP angestrengtes Gerichtsverfahren gegen 86 Personen, denen
Umsturzpläne vorgeworfen werden. Darunter befinden sich mindestens
ein früherer General sowie Journalisten, Akademiker und
Geschäftsleute.
(Quelle: ap)
Streik bei der Lufthansa trifft jetzt auch Langstreckenflüge
Do.31.07.08 - Der Streik bei der Lufthansa belastet die größte deutsche
Fluggesellschaft von Tag zu Tag mehr. Erstmals musste das Unternehmen
am Mittwoch auch Interkontinentalverbindungen streichen. Insgesamt
wurden 82 Flüge entsprechend gut 4 Prozent der Tagesleistung
annulliert, wie ein Sprecher mitteilte. Zudem wurde der innerdeutsche
und europäische Frachtverkehr auf andere Flüge umgebucht oder
auf Lastwagen verlagert.
Ver.di setzte derweil ihre Aktionen am dritten Streiktag an allen
Lufthansa-Standorten in Deutschland fort. Bei einer Veranstaltung von
rund 2.000 Streikenden vor dem Hauptsitz der Lufthansa in Frankfurt, an
der laut der Gewerkschaft auch Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber als
Zaungast teilnahm, machte ver.di-Verhandlungsführer Erhard Ott
eine Rückkehr an den Verhandlungstisch erneut von einem
verbesserten Angebot des Unternehmens abhängig.
Finanzvorstand Stephan Gemkow sagte zu dem Stand des Tarifkonflikts, es
herrsche Funkstille. «Die Gewerkschaften sind derzeit nicht
bereit, mit uns zu reden», betonte er. Es wäre
unverantwortlich, jetzt tabellarische Lohnsteigerungen von 10 Prozent
zu zementieren. Die Lufthansa sei aber bereit, über
Ergebnisbeteiligung zu sprechen.
BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf rief ver.di zum
Maßhalten und zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Die
explodierenden Treibstoffkosten gefährdeten ohnehin das Wachstum
der Branche.
Die Kosten des Ausstands sind nach Gemkows Angaben noch nicht
abzuschätzen. Klar sei nur: «Es ist teuer.» Mayrhuber
warnte vor «noch nicht absehbaren Auswirkungen möglicher
weiterer Streikaktionen und Kostenbelastungen aus den laufenden
Tarifverhandlungen».
Ver.di arbeitete am Mittwoch an einer Schätzung der Kosten, die
Lufthansa durch den Streik entstehen, wie Gewerkschaftssprecher Harald
Reutter der AP sagte. Dabei müssten die betroffenen
Geschäftsfelder zusammengerechnet werden.
Die meisten der am Mittwoch annullierten Flüge betrafen wie
bereits am Dienstag innerdeutsche und europäische Strecken, wie
Lufthansa-Sprecherin Amelie Lorenz sagte. Am dritten Streiktag fielen
nun aber auch Hin- und Rückflüge von Frankfurt nach New York,
Dallas, Kalkutta in Indien, Dubai und Calgary in Kanada sowie von
München nach Chicago aus.
Im Frachtverkehr kam es laut Sprecher Nils Haupt zu Verzögerungen.
Rund die Hälfte des Frachtaufkommens von rund 20.000 Tonnen pro
Woche wird nach seinen Worten von Passagiermaschinen transportiert. Dem
Unternehmen zufolge wurden Frachtsendungen teilweise auf andere
Maschinen umgebucht oder mit Lastwagen transportiert. Die eigenen
Cargo-Maschinen hoben aber alle normal ab.
Ver.di fordert für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden und
in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld für ein Jahr. Die Lufthansa
hat 7,7 Prozent für 21 Monate inklusive einer Einmalzahlung
angeboten. An dem Ausstand beteiligten sich zunächst nur
Angehörige des Bodenpersonals in der Technik, im Catering und im
Cargobereich. Hier sind nach Schätzungen rund 50 Prozent der
Mitarbeiter bei ver.di organisiert. Beim Kabinenpersonal sind dagegen
nur 15 Prozent ver.di-Mitglieder.
(Quelle: ap)
Rauchverbote teilweise verfassungswidrig
Do.31.07.08 - Das Bundesverfassungsgericht hat die bestehenden Rauchverbote in
Eckkneipen für verfassungswidrig erklärt.
Das oberste deutsche Gericht beanstandete am Mittwoch in Karlsruhe in
einem Grundsatzurteil, dass Besitzer kleiner Kneipen durch die Vorgaben
zu stark benachteiligt würden. Entweder müsse es ein
generelles Rauchverbot ohne Ausnahmen geben, oder die Ausnahmen
müssten die besondere Lage der kleinen Kneipen berücksichtigen.
Die Gesetzgeber müssen nun eine Neuregelung bis zum 31. Dezember
nächsten Jahres treffen, verkündete Gerichtspräsident
Hans-Jürgen Papier. Bis dahin sei das Rauchen in Gaststätten
mit weniger als 75 Quadratmetern und ohne abgetrennten Raucher-Nebenraum
weiter erlaubt. Am Eingang müsse die Gaststätte aber in
deutlich erkennbarer Weise als Raucherkneipe kennzeichnet werden, zu
der nur Erwachsene Zutritt haben. Auch gilt dies nur für reine
Schankkneipen, die keine Speisen anbieten.
Besitzer zweier kleiner Kneipen in Berlin und einer Diskothek in
Baden-Württemberg hatten gegen das Rauchverbot wegen
Umsatzeinbußen geklagt. Seit Jahresanfang ist das Rauchen in
Kneipen, Restaurants oder Diskotheken in fast allen Bundesländern
verboten. In Berlin und Baden-Württemberg ist es wie in den meisten
anderen Ländern aber weiter erlaubt, wenn die Gaststätte
einen abgetrennten Nichtraucherraum ausweist. Die klagenden
Kneipenbesitzer hatten beanstandet, dass ihnen dies nicht möglich
ist.
Auch im Fall der der baden-württembergischen Diskothek hoben die
Richter bis zu einer Neuregelung das generelle Rauchverbot für
Diskos auf, die nur von Volljährigen besucht werden dürfen.
Dort darf dürfen nun Raucherräume eingerichtet werden, in
denen sich allerdings keine Tanzfläche befinden darf.
(Quelle: rtr)
Schavan will Kernforschung weiter vorantreiben
Do.31.07.08 - Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) will trotz des
Atomausstiegs die Kernforschung weiter fördern. "Ich werde die
Förderung dafür in den nächsten Jahren konsequent
ausbauen und die Ausbildung junger Nuklearwissenschaftler verbessern",
sagte Schavan der "Berliner Zeitung". "Wir dürfen uns keinen
Kompetenzverlust in der Kernforschung leisten, solange um uns herum
überall neue Kernkraftwerke gebaut werden", verlangte die
Ministerin. Nach Angaben Schavans betrifft dies vor allem die
Reaktorsicherheit, den Strahlenschutz und die Endlagerung.
Schavans Ministerium hat in diesem Jahr erstmals wieder zehn Millionen
Euro für die Projektforschung zur Verfügung gestellt. Die
Ausgaben sollen dem Bericht zufolge weiter steigen: 2009 sollen es 13
Millionen Euro, 2010 dann 14 Millionen Euro sein. Daneben stellt Schavan
der Helmholtz-Gemeinschaft zusätzlich gut 33 Millionen Euro im
Jahr für die Sicherheits- und Endlagerforschung zur
Verfügung. Die Wissenschaftsorganisation betreibt in Karlsruhe und
in Jülich zwei der insgesamt drei nuklearen Forschungszentren
Deutschlands.
(Quelle: afp)
Unerwünschten Telefonwerbern drohen künftig hohe Strafen
Do.31.07.08 - Die Bundesregierung will die Verbraucher besser vor unerlaubter
Telefonwerbung schützen.
Das Kabinett verabschiedete am Mittwoch einen Gesetzentwurf, der
Verstöße mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro belegt.
Das in der Branche übliche Unterdrücken der eigenen Rufnummer
kann den Call-Centern eine Buße von 10.000 Euro einbringen. Mit
dem Gesetz wird außerdem eine Lücke im Widerrufsrecht
geschlossen: Künftig gilt auch bei telefonisch abgeschlossenen
Zeitungs- und Zeitschriftenabos sowie bei Wett- und Lottodiensten das
sonst auch übliche 14-tägige Rückgaberecht ohne Angabe
von Gründen.
Telefonwerbung ohne Einwilligung ist zwar auch heute schon verboten.
Zahlreiche Firmen gehen aber trotzdem weiter auf Kundenfang,
vorzugsweise am Abend oder am Wochenende. Nach einer Forsa-Umfrage im
Herbst 2007 fühlen sich 86 Prozent der Bevölkerung durch
diese Anrufe belästigt, 64 Prozent gaben an, ohne Einwilligung
angerufen worden zu sein. Deshalb legt der Gesetzgeber jetzt nach: Ein
Telefonat ist nur noch erlaubt, wenn der Angerufene vorher
ausdrücklich eingewilligt hat. Der Werber kann sich also nicht
mehr auf Zustimmungserklärungen berufen, die der Kunde in einem
anderem Zusammenhang abgegeben hat.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hofft, vor allem durch die
Ausdehnung des Widerrufsrechtes die unlauteren Anrufe eindämmen zu
können. Bei Abonnements und Glücksspielen greifen die
Regelungen zu Fernabsatzverträgen bisher nicht oder nur
unzureichend. Zypries zufolge kommen die meisten Anrufe deshalb aus
diesen Bereichen. Das Widerrufsrecht ohne Angabe von Gründen
binnen 14 Tagen - teils sogar vier Wochen - erhöhe das
wirtschaftliche Risiko, weil der Vertrag storniert werden könne.
Außerdem will die Regierung die Hürden für schwarze
Schafe am Telefon oder im Internet höherlegen, indem ein
Unterschieben von Verträge erschwert wird. Ein Beispiel: Eine
Firma bietet im Internet ein persönliches Horoskop an. Dass
dafür bezahlt werden muss, geht nur aus dem Kleingedruckten
hervor, die Website erweckt den gegenteiligen Eindruck. Eine Woche
später werden 100 Euro fällig. Künftig kann der Kunde
einen solchen Vertrag so lange widerrufen, wie er noch nicht
vollständig gezahlt hat.
Außerdem muss der Kunde schriftlich kündigen, wenn er seinen
Telefonanbieter oder Energieversorger wechseln will. Der neue Anbieter
darf das nicht mehr für ihn erledigen. Unseriöse Firmen waren
immer wieder mit Kündigungen hinter dem Rücken der Kunden
aufgefallen. Eine von Verbraucherschützern geforderte Pflicht zur
schriftlichen Bestätigung aller Aufträge lehnt Zypries ab.
Sonst müsste man jede telefonisch bestellte Pizza etwa per Fax
bestätigen. Schließlich will die Regierung mehr
Preistransparenz bei 0180-Nummern im Mobilfunk erzwingen. Künftig
müssen die Kosten für Anrufe aus den Festnetzen und vom Handy
angegeben werden. Zudem wird eine Preisgrenze eingeführt: Anrufe
vom Handy dürfen maximal 28 Cent pro Minute oder 40 Cent pro Anruf
kosten.
Die Gesetzesänderungen sollen spätestens zum 1. Januar 2009
inkrafttreten. Verstöße soll die Bundesnetzagentur
verfolgen. Ob es tatsächlich zu Bußgeldern kommt, muss sich
aber noch zeigen. Zypries räumte ein, dass eine Verfolgung nur
schwer möglich sein wird, wenn sich das Call-Center im Ausland
befindet. Das Recht auf einen Vertragswiderruf gilt allerdings auch in
diesem Fall.
Kritikern zufolge ist die nächste Gesetzesverschärfung schon
vorprogrammiert. Die Rechtsexpertin der FDP-Fraktion, Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger, monierte, Zypries sei bisher zu
zögerlich gegen die Landplage unerwünschter Anrufe
vorgegangen. Sie forderte eine einheitliche Vorwahl zur
Identifizierung. Dann könne jeder sofort erkennen, dass ein
Werbeanruf eingehe. Der Branchenverband Bitkom lehnte eine weitere
Verschärfung ab. Schon jetzt gälten in Deutschland die
schärfsten Regeln zur Telefonwerbung in Europa. Seriöse
Unternehmen würden unerwünschte Anrufe vermeiden, die die
Verbraucher verärgerten.
(Quelle: rtr)
Mehr Rechte für Verbraucher bei anonymer Bonitätsprüfung
Do.31.07.08 - Verbraucher sollen mehr Rechte bei der Beurteilung ihrer
Kreditwürdigkeit mittels anonymer Datenabgleiche bekommen.
Das Bundeskabinett brachte am Mittwoch einen Gesetzentwurf auf den Weg,
um für mehr Transparenz beim Einsatz des sogenannten
Scoring-Verfahrens zu sorgen. Damit trage die Regierung der Tatsache
Rechnung, dass Kreditgeschäfte immer anonymer abgewickelt werden,
sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in Berlin. Verbraucher
bekämen häufig mit Verweis auf statistische Berechnungen kein
Darlehen und könnten die Hintergründe nicht nachvollziehen.
Dies solle sich ändern. Opposition und Datenschützern geht
die Novelle nicht weit genug.
Grundlage des Scorings sind Datensammlungen von Auskunfteien über
Privatpersonen und Firmen. Informationen wie Wohnort, Beruf oder
Autobesitz werden statistisch hochgerechnet, um das Ausfallrisiko eines
Kredites zu bestimmen. Vor allem Banken, Telefonanbieter und
Versandhändler bedienen sich zunehmend dieser Methode, um die
Bonität neuer Kunden zu überprüfen.
Deutschlands oberster Datenschützer Peter Schaar forderte eine
weitergehende Regelung, um Missbrauch zu verhindern. Ein negativer
Eintrag bei einer Auskunftei könne dazu führen, dass jemand
keine Wohnung finde oder keine Versicherung erhalte. Die Bonität
eines Kunden werde ohne Informationen über Zahlungsverhalten sowie
Vermögensverhältnisse bewertet. Der Betroffene habe keine
Chance, die Beurteilung durch sein eigenes Verhalten zu beeinflussen.
Scharfe Kritik kam auch aus der Opposition. "Nach dem Willen der
großen Koalition bestimmt künftig der Stadtteil, in dem ich
wohne, darüber, ob und zu welchen Konditionen ich Verträge
abschließen kann", rügte die Grünen-Innenexpertin Silke
Stokar. Wer in einer "Risiko-Zone" mit Armen und Migranten wohne,
müsse höhere Zinsen bezahlen oder werde vom Kauf gegen
Rechnung ausgeschlossen. Die FDP sprach von einer verschenkten Chance
für einen modernen Datenschutz.
Damit die Verbraucher dem Scoring-Verfahren nicht hilflos ausgeliefert
sind, will das Kabinett ihre Auskunftsrechte stärken. Kunden
sollen Anspruch auf eine Erklärung darüber bekommen, mit
welchen Daten eine Einstufung zustande gekommen ist. So sollen sie die
Möglichkeit erhalten, Fehler zu korrigieren und
Missverständnisse aufzuklären. Außerdem muss für
Beschwerden ein Ansprechpartner zur Verfügung stehen, der
Verbraucher darf nicht mit einer reinen Computerprüfung
abgefertigt werden. Voraussetzung ist auch, dass das Scoring nach
anerkannten wissenschaftlichen Standards betrieben wird.
Der Entwurf legt fest, welche Daten an Auskunfteien übermittelt
werden dürfen. Banken etwa sollen Informationen über
kreditbezogene Geschäfte ihrer Kunden künftig
grundsätzlich weitergeben dürfen. Abhängig von der
Zustimmung des Bundestages könnte das Gesetz zum Januar 2010 in
Kraft treten.
(Quelle: rtr)
H&M behindert Betriebsräte angeblich systematisch
Do.31.07.08 - Bei der deutschen Tochter der schwedischen Modekette H&M werden
Betriebsräte angeblich systematisch bei ihrer Arbeit behindert. Wer
sich zum Betriebsrat wählen lassen wolle, müsse sich seine
Rechte oft vor Gericht erkämpfen und riskiere Lohnabzug oder gar
seine Stelle, berichtet das Magazin "Stern". Nur in rund 80 der
bundesweit 325 Filialen gebe es überhaupt eine
Arbeitnehmervertretung, heißt es in dem Bericht weiter.
Ulrich Dalibor, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel bei der
Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, sagte dem "Stern", H&M unternehme
vieles, um die Gründung von Betriebsräten zu verhindern.
H&M erklärte gegenüber dem Magazin seinen "Respekt vor
der individuellen Entscheidung, einen Betriebsrat zu gründen". Es
könne aber dazu kommen, "dass unsere klaren Werte und Richtlinien
nicht in der richtigen Weise umgesetzt werden oder persönliche
Missverständnisse entstehen".
Der "Stern" berichtete über mehrere Fälle in Bayern und
Niedersachsen, bei denen H&M Betriebsräten das Gehalt
gekürzt habe, etwa weil die Teilnahme an Gewerkschaftsseminaren
nicht angekündigt oder die Betriebsratsarbeit nicht erforderlich
gewesen sein soll. Das Magazin zitierte aus einem Brief an einen
Betriebsrat im Lager Großostheim: "Im Wiederholungsfall musst Du
mit einer fristlosen Beendigung des bestehenden
Arbeitsverhältnisses rechnen."
(Quelle: afp)
Neonazis drillen ihren Nachwuchs
Do.31.07.08 - Versteckt hinter Feldern und Wäldern schlagen Neonazis jeden
Sommer für ihren Nachwuchs die Zelte auf. Auf dem Programm des
rechtsextremen Vereins Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) stehen
Märsche, Appelle und Mutproben, wie Fotos und Publikationen
dokumentieren. Sogar von Scheinhinrichtungen war in der Vergangenheit
die Rede. Mädchen in langen Röcken und Jungen in Zunfthosen
werden in den Ferienlagern militärisch gedrillt. Ziel ist die
ideologische Schulung und körperliche Ertüchtigung der Kinder.
Wo die Camps stattfinden, ist streng geheim. Doch Experten sind sicher,
dass die HDJ auch in Berlin und Brandenburg aktiv ist.
Einige führende Aktivisten lebten nördlich von Berlin, sagt
der Politikwissenschaftler Gideon Botsch vom Moses-Mendelssohn-Zentrum
in Potsdam. Die «Einheit Preußen» sei ein aktiver
Verband, der auch bundesweit eine Rolle spiele. Gemeinsam mit anderen
rechtsextremen Gruppen richte die HDJ den jährlich stattfindenden
«Märkischen Kulturtag» aus, bei dem vor zwei Jahren in
Blankenfelde eine Journalistin von Neonazis angegriffen wurde. Zuletzt
erregte die Einheit Aufmerksamkeit, als ihre Anhänger laut
Verfassungsschutz im vergangenen Jahr in Uniform durch Oranienburg
marschierten.
Doch viel sei in der Öffentlichkeit über die Aktivitäten
nicht bekannt, betont Botsch. «Es herrscht eine extreme
Abschottung.» Die Mitglieder wollten unbeobachtet bleiben - zumal
sie bereits ihre Lager abbrechen mussten, als Pächter von der
wahren Gesinnung der scheinbar harmlosen Pfadfinder erfuhren. Bei den
Camps seien auch schon Waffen entdeckt worden, sagt Botsch. Er gehe
davon aus, dass der HDJ bundesweit rund 400 Jugendliche angehörten.
Nach Einschätzung von Ulli Jentsch vom Antifaschistischen
Pressearchiv (apabiz) hat die «Einheit Preußen»
mindestens 50 Mitglieder. In Berlin und Brandenburg fänden
regelmäßig Aktionen statt.
Die HDJ ist eigenen Angaben zufolge eine «aktive, volks- und
heimattreue Jugendbewegung für alle deutschen Mädel und Jungen
im Alter von 7 bis 29 Jahren», wie es auf ihrer Homepage
heißt. Doch Jentsch zufolge steht dahinter das Prinzip des
Lebensbunds: «Sie arbeiten mit Menschen vom Still- bis zum
Rentenalter.» Bei den Lagern hätten Frauen ihre Babys dabei,
für alle gebe es in der braunen Parallelwelt ein
Betätigungsfeld. Ziel der HDJ sei es, den Nachwuchs im
nationalsozialistischen Sinne zu erziehen. «Das ist die
Kaderschmiede der Neonazis», sagt der apabiz-Sprecher.
Der Chef des Mobilen Beratungsteams in Brandenburg, Dirk Wilking, hebt
den elitären Charakter des Vereins hervor: «Da soll nicht
jeder rein.» Seit den 50er Jahren gebe es eine relative
Kontinuität - sowohl personell als auch ideologisch. Nach Ansicht
der Experten steht die HDJ in der Tradition der 1994 verbotenen
Wiking-Jugend (WJ), die als eine der größten und
militantesten Gruppen in der rechtsextremen Szene galt. Das
Bundesinnenministerium verwies damals auf Parallelen zur NSDAP und
Hitlerjugend. Es wurde ausdrücklich verboten, Ersatzorganistionen
für die Wiking-Jugend zu bilden.
In den Augen von Wilking ähnelt die Heimattreue Deutsche Jugend
einer Sekte. Es sei eine hermetische Gruppe. «Für Jugendliche
ist es total schwer, da wieder rauszukommen», sagt er. Wer
während der Pubertät nicht dagegen rebelliere, sei für
die demokratische Gesellschaft verloren. Auch Botsch vom
Moses-Mendelssohn-Zentrum unterstreicht, dass die Jungen und
Mädchen zum Teil stark unter dem Druck der autoritären
Erziehung litten.
Die Einschätzungen der Experten gehen darüber auseinander, ob
die HDJ in dem geplanten Schulungszentrum der NPD in Biesenthal einen
Unterschlupf für ihre Aktivitäten finden könnte.
Während Jentsch und Botsch von der engen Kooperation überzeugt
sind, sagt Wilking: «Das wird sich die NPD nicht trauen.»
Die Partei wisse, dass der Verein kurz vor einem Verbot stehe und wolle
sicher keine Razzia in ihrem Gebäude riskieren. Der Leiter zeigt
sich überzeugt, dass die Strukturen der HDJ «zeitnah»
zerschlagen würden.
(Quelle: ddp)