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Irak 1593 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Gewalt im Irak geht weiter zurück - Weniger zivile Opfer

Sa.02.08.08 - Die Gewalt im Irak ist deutlich zurückgegangen. Im Juli wurden nach Angaben der Regierung 387 Zivilpersonen bei Anschlägen und Angriffen getötet.

Das ist weniger als ein Viertel der Zahl, die noch vor einem Jahr erreicht wurde. Im Juni waren es 448 Menschen.

Auch die Zahl der im Kampf getöteten US-Soldaten blieb niedrig: Im Juli kamen sechs von ihnen im Einsatz zu Tode, vor einem Jahr waren es noch 66.

Die Verbesserung der Sicherheitslage wird auf die Truppenverstärkung zurückgeführt, die US-Präsident George W. Bush gegen den Widerstand der Demokratischen Partei durchgesetzt hat. Die Strategie im Irak gehört zu den strittigsten Themen im Präsidentschaftswahlkampf.

Bei einem Anschlag nahe der Stadt Kirkuk im Norden des Landes wurden am Freitag drei irakische Soldaten getötet. Ein weiterer Uniformierter wurde verletzt, wie die irakische Nachrichtenagentur Aswat al-Irak unter Berufung auf das Militär berichtete. Eine von Aufständischen gelegte Bombe explodierte 30 Kilometer südwestlich von Kirkuk unter dem Streifenfahrzeug der Soldaten. Die Millionenstadt 250 Kilometer nördlich von Bagdad ist zusammen mit den sie umgebenden Ölfeldern zwischen Kurden, Arabern und Turkmenen umkämpft.

(Quellen: dpa, rtr)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 02.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundneunundzwanzigtsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Do.02.08.07 - Mindestens 69 Menschen sterben bei Anschlägen in Bagdad +++ Größte sunnitische Bewegung verlässt irakische Regierung +++ Bush ermahnt irakischen Ministerpräsidenten Al-Maliki zu Reformen +++ US-Außenministerin Rice: Kein abrupter Abzug aus dem Irak +++ Weißes Haus beantragt weitere Milliarden für Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0708020.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

US-Verteidigungsstrategie konzentriert sich auf Extremismus

Sa.02.08.08 - Die US-Regierung hat eine neue Verteidigungsstrategie vorgestellt, die das Hauptaugenmerk zukünftig auf die Bekämpfung extremistischer Bewegungen richtet. Der "irreguläre Krieg", wie die Autoren des von Verteidigungsminister Robert Gates gebilligten Papiers schreiben, werde zukünftig mehr Bedeutung haben als konventionelle Kriege. Die Streitkräfte müssen "die Folgen eines Konfliktes im Auge behalten, der langfristig, episodisch, multi-dimensional und an vielen Fronten geführt wird", heißt es in dem Entwurf, den die "Washington Post" veröffentlichte.

In diesem Kampf spiele der Ausbau der militärischen Kapazitäten der Partnerstaaten eine wichtige Rolle, hieß es ferner. Durch Zusammenarbeit sollten "die Zonen der Welt, die sich selbst überlassen sind, reduziert und so Schutzgebiete für Extremisten verhindert werden". Kritiker fürchten, dass die neue Strategie auf Kosten der konventionellen Kampfkraft und weltweiten Überlegenheit der USA geht. Verteidigungsminister Gates stellte sich den Kritikern jedoch entgegen und forderte, die notwenigen Lehren aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan zu ziehen.

"Der Einsatz von Gewalt spielt eine Rolle, aber militärische Anstrengungen, Terroristen zu fangen oder zu töten, werden voraussichtlich Maßnahmen untergeordnet, die örtliche Regierungsbeteiligung und Wirtschaftsprogramme fördern, genauso wie Bemühungen, die Missstände zu verstehen und zu bekämpfen, die oft an der Wurzel von Aufständen liegen", heißt es in dem neuen Strategieentwurf. Deshalb sei die wichtigste militärische Aufgabe im Kampf gegen den Extremismus auch nicht so sehr die eigene Kampfkraft, sondern die Unterstützung für die Partner der USA, damit diese selbst regieren und sich verteidigen könnten.

(Quelle: afp)
 



 

Zahl ziviler Opfer in Afghanistan steigt

Sa.02.08.08 - Im Konflikt in Afghanistan sind im Juli nach Angaben von Hilfsorganisationen so viele Zivilisten getötet worden wie in keinem anderen Monat seit dem Sturz der Taliban. Die Zahl der Todesopfer lag im abgelaufenen Monat ersten Schätzungen zufolge bei mehr als 260.

Dies teilte die Dachorganisation von rund 100 internationalen und einheimischen Hilfsorganisationen in Afghanistan, ACBAR, am Freitag mit. Sie rief die Konfliktparteien zu deutlich mehr Vorsicht auf.

Für die steigende Zahl der zivilen Opfer seien alle Seiten verantwortlich - die Aufständischen ebenso wie die afghanischen und internationalen Sicherheitskräfte. Auch die Zahl der Angriffe auf Hilfsorganisationen habe weiter zugenommen.

Etwa zwei Drittel der Opfer seien bei Anschlägen von Aufständischen getötet worden. Luftangriffe der ausländischen Truppen, die seit dem Vorjahr um rund 40 Prozent zugenommen hätten, trügen ebenfalls zur wachsenden Zahl der zivilen Opfer bei. In diesem Jahr habe der Konflikt nach vorliegenden Berichten bereits rund 2500 Menschen das Leben gekostet, darunter könnten bis zu 1000 Zivilisten sein.

Wegen der zunehmenden Gewalt mussten zahlreiche Schulen und Gesundheitseinrichtungen geschlossen werden, wie es in der Mitteilung von ACBAR hieß. Der Konflikt behindere die Umsetzung wichtiger Entwicklungsprojekte und habe zu bedeutenden Flüchtlingszahlen im Land geführt. Helfer würden immer häufiger von Aufständischen und Kriminellen angegriffen oder bedroht. In diesem Jahr seien bereits 19 Helfer getötet worden, mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Viele Hilfsorganisationen schränkten ihre Operationen ein. Dabei hätten Dürren in manchen Landesteilen und hohe Lebensmittelpreise die Lebensumstände von vier Millionen Afghanen extrem erschwert.

(Quelle: dpa)
 



 

Fünf NATO-Soldaten bei Anschlägen in Afghanistan getötet

Sa.02.08.08 - In Afghanistan sind am Freitag insgesamt fünf NATO-Soldaten bei der Explosion von Bomben getötet worden, die an Straßenrändern versteckt waren. In der Provinz Kunar wurden vier NATO-Soldaten und eine Zivilperson getötet, ein fünfter NATO-Soldat kam in der Provinz Chost ums Leben, wie das Bündnis mitteilte. Die Nationalität der getöteten Soldaten wurde nicht genannt.

(Quelle: ap)
 



 

Nahost-Konflikt: Hisbollah soll Waffen behalten dürfen - Libanesische Regierung legt Kompromisspapier vor

Sa.02.08.08 - Die libanesische Regierung hat ein Kompromisspapier über ihre Haltung zum Waffenarsenal der Hisbollah erarbeitet. Dies gab Informationsminister Tarek Mitri am Freitagabend bekannt. Damit soll der Weg freigemacht werden für die Bestätigung der neuen Allparteienregierung von Ministerpräsident Fuad Siniora durch das Parlament. In der Regierung ist auch die schiitische Hisbollah vertreten.

Der Entwurf ist bewusst sehr vage gehalten. Es wird darin angedeutet, dass die Hisbollah ihre Waffen behalten darf, ohne dies aber ausdrücklich zu sagen. Die Frage des Waffenarsenals der Hisbollah ist seit langem ein Streitthema zwischen den verschiedene Gruppierungen im Libanon. Viele im prowestlichen Regierungslager fordern eine Entwaffnung der Hisbollah, diese lehnt das aber entschieden ab.

Nach einer monatelangen Staatskrise im Libanon hatte der prowestliche Ministerpräsident Siniora vor drei Wochen eine Regierung der nationalen Einheit vorgestellt, in der die von der Hisbollah angeführte Opposition faktisch ein Vetorecht haben wird. In dem neuen 30-köpfigen Kabinett entfallen 16 Posten auf die Parlamentsmehrheit und elf auf die Opposition. Drei Posten werden von Staatspräsident Michel Suleiman verteilt. Die Bestätigung der neuen Regierung durch das Parlament steht noch aus.

(Quelle: ap)
 



 

IAEA stützt Atomabkommen zwischen Indien und den USA

Sa.02.08.08 - Indien ist auf dem Weg zu einem umstrittenen Atom-Abkommen mit den USA einen wichtigen Schritt vorangekommen.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) billigte am Freitag einen Plan des Landes zur Inspektion seiner Atomanlagen. Mit der Vereinbarung soll Indien Zugang zu ziviler US-Atomtechnologie und Brennmaterial erhalten. Das Land besitzt Experten zufolge Kernwaffen und hat bis heute den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet.

Bevor die Vereinbarung umgesetzt werden kann, muss Indien eine Ausnahmeregelung von den 45 Staaten erhalten, die Nuklearmaterial anbieten. Sie liefern normalerweise nicht an Länder, die dem Sperrvertrag nicht beigetreten ist. Das Treffen der Staatengruppe ist am 21. und 22. August geplant. Auch der US-Senat muss das Abkommen noch ratifizieren.

Der Vorsitzende der Staatengruppe, der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, begrüßte die Einigung. Damit habe Indien einen wichtigen Schritt getan. Dem Kontrollsystem der IAEA würden nun mehr zivile Atomanlagen unterstellt.

In einigen kleineren westlichen Staaten und Entwicklungsländern gibt es Bedenken dagegen, den Weltmarkt für nukleare Ausrüstung für Indien zu öffnen. Es wird befürchtet, dass damit der Atomwaffensperrvertrag untergraben werden könnte. Die USA und deren Verbündete loben das Abkommen dagegen als Weg, Indien an den Sperrvertrag heranzuführen. Darüber hinaus heben sie den Nutzen der Atomenergie im Kampf gegen die globale Erwärmung und steigende Energiepreise hervor.

IAEA-Chef Mohamed ElBaradei sagte, die mit Indien vereinbarten Kontrolle der Atomanlagen entspreche den Sicherheitsauflagen der IAEA. Gespräche über deren Erweiterung um kurzfristig angekündigte und tiefgehende Inspektionen seien im Gange. Das dürfte helfen, Skeptiker für das Abkommen zwischen Indien und den USA zu gewinnen.

(Quelle: rtr)
 



 

Ärzte ohne Grenzen fordert mehr Hilfen für Birma und Somalia

Sa.02.08.08 - Drei Monate nach dem verheerenden Wirbelsturm "Nargis" hat die Organisation Ärzte ohne Grenzen mehr Hilfen und Aufmerksamkeit für die Überlebenden in Birma gefordert. "Es gibt weiterhin viel zu tun und dafür ist die Hilfe von vielen Organisationen notwendig", sagte der Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Tankred Stöbe, in Berlin. Besonders schlimm sei die Lage, weil sich die Bevölkerung Birmas bereits vor dem Sturm in einer dramatischen Situation befunden habe.

"Zu einer chronischen Krise kam mit 'Nargis' eine akute Katastrophe dazu", sagte Stöbe bei der Präsentation des Jahresberichts der Hilfsorganisation. Obwohl es derzeit keine maßgeblichen Behinderungen durch die Regierung mehr gebe, sei der Zugang zu den Wirbelsturmopfern weiter schwierig. "Wir sind noch nicht einmal überall dort hingekommen, wo Not ist." Bislang hätten rund 310 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen vor Ort aber rund 460.000 Hilfsbedürftige erreicht und sie mit Medizin, Reis und Planen versorgen können. Eine zusätzliche Herausforderung für die Hilfsorganisation sind laut Stöbe auch die seelischen Wunden der Bevölkerung. Familien, deren Kinder unter den 138.000 Toten oder Vermissten des Zyklons waren, seien schwer traumatisiert.

Ärzte ohne Grenzen kritisierte, dass die Militärregierung in Birma so wenig für Gesundheit ausgebe wie kaum eine andere Regierung weltweit. Laut UNO sind es nur 1,4 Prozent des Staatshaushalts. Zehntausende Birmaner sterben laut der Hilfsorganisation jährlich an Malaria, Aids und anderen behandelbaren Krankheiten.

Ein weiterer Einsatzschwerpunkt der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen war 2007 das vom Bürgerkrieg zerrüttete Somalia. "Die Situation in Somalia hat sich massiv verschlimmert in den letzten Monaten", sagte der Geschäftsführer der Hilfsorganisation, Frank Dörner. Allein 700.000 Menschen seien im vergangenen Jahr aus der Hauptstadt Mogadischu geflohen und müssten nun in Notunterkünften überleben. Gleichzeitig musste die Hilfsorganisation nach eigenen Angaben aufgrund der schlechten Sicherheitslage und nach einem tödlichen Anschlag auf drei ihrer Mitarbeiter ihre internationalen Helfer abziehen. Sie bleibt indes mit rund 800 Einheimischen Kräften vor Ort.

(Quelle: afp)
 



 

UN-Mitarbeiter beklagt anhaltende Tabuisierung von Aids

Sa.02.08.08 - An der bevorstehenden internationalen Aids-Konferenz wird nach Einschätzung eines UN-Mitarbeiters deutlich, dass die Immunschwächekrankheit vielerorts noch ein Tabu ist. Viele Teilnehmer der am Sonntag beginnenden UN-Konferenz in Mexiko-Stadt hätten ihren Kollegen und Familien erzählt, sie führen in Urlaub, sagte Manuel da Quinta vom Aids-Koordinierungsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS). Der selbst HIV-infizierte Portugiese hatte nach eigenen Angaben nicht oft mit Diskriminierungen zu kämpfen. In Lateinamerika werde die Krankheit aber oft als Schande empfunden.

Um die Konferenzteilnehmer vor ungewollten Medienauftritten zu schützen, sollen sie mit Ansteckern signalisieren, ob Journalisten sie filmen und fotografieren dürfen oder nicht. Bei Interviews sollen sie nach Angaben der Organisatoren außerdem angeben, ob ihre Aussagen in ihrem Heimatland nicht veröffentlicht werden dürfen. Die 32-jährige Anastasia möchte beispielsweise in ihrer Heimat Russland nicht in den Medien auftauchen. Menschen in anderen Ländern erzählt sie aber freimütig, dass sie sich Aids bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr zugezogen hat. Ihr Liebhaber, ein zuvor in Afrika stationierter Soldat, habe ihr nichts von seiner Infektion gesagt. "Ich habe mich in ihn verliebt und deshalb haben wir kein Kondom benutzt."

Weltweit waren im vergangenen Jahr etwa 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Die meisten Betroffenen, rund 22 Millionen, leben nach UN-Angaben in den afrikanischen Gebieten südlich der Sahara. Von den rund 22.000 Teilnehmern der UN-Konferenz in Mexiko haben sich etwa 2500 als HIV-positiv bekannt, nach Einschätzung der Veranstalter sind aber weit mehr Träger des Virus.

(Quelle: afp)
 



 

China hebt Zensur von Internetseiten teilweise auf - Präsident Hu Jintao warnt vor Politisierung der Olympischen Spiele

Sa.02.08.08 - Chinas Behörden haben die Sperre mehrerer Internetseiten aufgehoben, die sie zuvor blockiert hatten. Unter anderem waren die Websites der Menschenrechtsorganisation Amnesty International und der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen wieder zugänglich. Andere Seiten wie die chinesische Homepage der britischen Rundfunkgesellschaft BBC und Websites chinesischer Dissidenten blieben aber weiter gesperrt. Der Vorsitzende der Pressekommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) geht davon aus, dass China und Olympia-Funktionäre "eine Vereinbarung" getroffen haben, die eine Internetzensur auch für ausländische Journalisten erlaube.

Der Vorsitzende der IOC-Pressekommission, Kevan Gosper, sagte, er fühle sich gedemütigt und bloßgestellt, nachdem er zwei Jahre lang der Welt erzählt habe, dass China sein Versprechen halte und einen freien Zugang zum Internet gewähre. Laut Medienberichten geht er von einer "Vereinbarung" zwischen China und Olympia-Funktionären aus, die eine Internetzensur auch für ausländische Journalisten in Peking erlaube.

Gosper entschuldigte sich bei den Medien weltweit und sagte, er wisse nichts über das Abkommen. "Ich weiß nicht, wer die Abmachung getroffen hat", sagte er der Tageszeitung "The Australian". Er gehe aber davon aus, dass sehr hochrangige IOC-Vertreter daran beteiligt seien. Er sei aber absolut nicht damit einverstanden. "Ich hätte auch informiert werden sollen, statt dass ich isoliert werde und Fehlinformationen erhalte."

Chinas Präsident Hu Jintao hatte zuvor um Verständnis für Chinas Position geworben und gefordert, die Olympischen Spiele sollten nicht "politisiert" werden. In einer - äußerst seltenen - Pressekonferenz vor ausländischen Journalisten versicherte Hu, dass China für niemanden eine Bedrohung sei und während der kommenden Sportveranstaltungen zeigen werde, "dass das chinesische Volk ein friedliebendes Volk ist".

Der Staatschef ging auch auf die Empörung ein, die der eingeschränkte Internetzugang in der Weltpresse ausgelöst hatte. "Wir werden auch weiter Strukturen und Mittel bereitstellen, damit die ausländischen Journalisten arbeiten können", sagte Hu. "Dabei hoffen wir selbstverständlich, dass die ausländische Presse die chinesischen Gesetze und Vorschriften befolgt", sagte Hu, der sich "objektive Informationen" wünschte.

(Quelle: afp)
 



 

Polen erinnert an gescheiterten Warschauer Aufstand von 1944

Sa.02.08.08 - Mit Gedenkfeiern hat Polen an den gescheiterten Warschauer Aufstand gegen die NS-Besatzer von 1944 erinnert. Genau 64 Jahre nach dem Beginn der Erhebung heulten am Freitagnachmittag in der polnischen Hauptstadt die Sirenen. Fahnengeschmückte Busse und Straßenbahnen, aber auch Privatautos und Fußgänger hielten für eine Schweigeminute inne. Im Warschauer Aufstand hatte die im Untergrund tätige Polnische Heimatarmee (AK) vom 1. August 1944 an zwei Monate lang versucht, die deutschen Besatzer zu vertreiben. 18.000 Widerständler, 200.000 polnische Zivilisten und 20.000 Wehrmachtssoldaten wurden getötet.

"Wir hatten keine Waffen. Wir haben die deutschen Panzer mit Brandbomben angegriffen", sagte der damals 14-jährige Widerstandskämpfer Miroslaw Lisek am Rande einer Gedenkfeier im Stadtteil Mokotow, dessen Bewohner sich durch einen Abwasserkanal retteten, als sich die Aufständischen am 2. Oktober 1944 geschlagen geben mussten. Die deutschen Truppen machten Warschau daraufhin weitgehend dem Erdboden gleich. Rund 500.000 obdachlos gewordene Bürger mussten fliehen. Die etwa 15.000 überlebenden Aufständischen ergaben sich, nachdem ihnen die Nazis den Status von Kriegsgefangenen zugesichert hatten.

Der Warschauer Aufstand, der mehr als ein Jahr nach dem ebenfalls niedergeschlagenen Aufstand im Warschauer Ghetto begann, war eines der wichtigsten Weltkriegsereignisse in Polen. Er ist bis heute zwischen Polen und Russland politisch umstritten. Denn die Erhebung der Aufständischen war zwar direkt gegen die Nazis gerichtet; indirekt richtete sie sich aber auch gegen die Sowjetunion, deren Roter Armee, die damals auf Warschau vorstieß, die Aufständischen zuvorkommen wollten. Die sowjetischen Truppen griffen nicht in die Kämpfe ein, sondern rückte erst am 17. Januar 1945 in das Zentrum von Warschau vor.

(Quelle: afp)
 



 

Riesige Ölteppiche in der Nordsee

Sa.02.08.08 - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beklagt eine drastisch zunehmende Ölverschmutzung der Nordsee durch Ölfirmen. Die Unternehmen verschmutzten die Nordsee in katastrophalem Ausmaß beim täglichen Betrieb ihrer Ölplattformen, sagte Greenpeace-Biologe Christian Bussau am Freitag in Hamburg nach der Auswertung eines mehrtägigen Beobachtungsfluges entlang der dänischen, norwegischen und englischen Küsten. Bei den 75 Förder- und Bohrplattformen, die Ende Juni überflogen worden seien, hätten die Greenpeace-Experten große Ölteppiche entdeckt.

Die eingeleiteten Ölmengen seien in den vergangenen Jahren um ein Mehrfaches gestiegen, sagte Bussau. Hätten sie nach Angaben der Oslo-Paris-Kommission zum Schutz des Nordost-Atlantiks (OSPAR) 1984 noch rund 1700 Tonnen betragen, seien es 1994 schon rund 6000 Tonnen und 2005 sogar bereits etwa 13 000 Tonnen gewesen. Diese schleichende Ölverseuchung werde von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen und von der Politik hingenommen, kritisierte Bussau. Sie schädige die Meeresumwelt so stark wie ein großes Tankerunglück.

Die Plattformen fördern ein Gemisch aus Öl, Gas und Wasser, wie der Biologe erläuterte. Auf der Plattform werde das Wasser vom Öl getrennt und als sogenanntes Produktionswasser ins Meer geleitet. Das Abwasser dürfe maximal 40 Gramm Öl pro Kubikmeter Wasser enthalten. Das Problem sei jedoch: Je länger die Lagerstätte ausgebeutet werde, desto mehr Wasser enthalte das geförderte Öl und desto mehr mit Öl verschmutztes Produktionswasser werde ins Meer geleitet.

Greenpeace fordert die Regierungen der Nordsee-Anrainerstaaten auf, die Ölverschmutzung der Plattformen durch Produktionswasser sofort zu stoppen. Die Anlagen müssten regelmäßig kontrolliert und harte Strafen gegen Ölsünder verhängt werden. Ein Film des Überfluges ist im Internet unter greenpeace.de bei Greenpeace TV zu sehen.

(Quelle: ddp)
 



 

Wirtschaftskriminalität richtet in Deutschland 4,1 Milliarden Euro Schaden an

Sa.02.08.08 - Wirtschaftskriminalität hat in Deutschland im vergangenen Jahr einen Schaden von 4,1 Milliarden Euro angerichtet.

Dies seien 200 Millionen Euro weniger als 2006, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) am Freitag mit. Die Wirtschaftskriminalität verursache aber immer noch mehr als die Hälfte des Gesamtschadens in Höhe von acht Milliarden Euro, der bei der Polizei registriert wurde.

Die Fallzahlen gingen laut BKA um gut acht Prozent auf knapp 88.000 Fälle zurück. Von einer Trendwende will BKA-Chef Jörg Ziercke aber nicht sprechen. Den Grund für den Rückgang sehen die Ermittler vor allem darin, dass im vergangenen Jahr weniger Großverfahren mit einer Vielzahl einzelner Straftaten abgeschlossen wurden.

Ziercke betonte die Bedeutung der Wirtschaftskriminalität über den rein finanziellen Schaden hinaus. Mittelbare Folge seien Wettbewerbsverzerrungen, Arbeitsplatzverluste, eine stärkere Belastung der Sozialkassen und ein Vertrauensverlust im internationalen Wettbewerb, sagte er.

(Quelle: rtr)
 



 

Alle Bürger bekommen neue Steuernummer - Vorstufe zur elektronischen Steuererklärung ab 2010

Sa.02.08.08 - Ab sofort bekommen alle Einwohner Deutschlands eine neue Steuernummer, die auch nach Umzügen oder Arbeitswechseln gültig bleibt. Die elfstellige Zahlenfolge ist Voraussetzung für die elektronische Lohnsteuerkarte ab dem Jahr 2010 und ersetzt die bisher für die Einkommensteuer verwendete Steuernummer. Bis Jahresende verschickt das Bundeszentralamt für Steuern nun Briefe an alle rund 82 Millionen Einwohner.

Es ist mit weit über 1.000 Tonnen die größte Versandaktion in der Geschichte der Bundesrepublik, wie das Finanzministerium am Freitag berichtete. Ab 2011 soll es nach dem Plan der Regierung keine Lohnsteuerkarten aus Papier mehr geben. Das Steuerverfahren soll dann für alle Bürger komplett elektronisch abgewickelt werden.

Finanz-Staatssekretär Axel Nawrath nannte die bundeseinheitliche Identifikationsnummer einen entscheidenden Schritt in Richtung des elektronischen Zeitalters.

Die Identifikationsnummer wird auf Grundlage der Daten aller 5.300 kommunalen Meldebehörden vergeben. Jede Person, die mit Hauptwohnsitz gemeldet ist, erhält sie - vom Baby bis zum Greis.

Ursprünglich sollte die neue, elfstellige Identifikationsnummer (TIN) schon seit Juli 2007 nach und nach vergeben werden. Dieser Termin wurde aber mehrfach verschoben.

Nach Einführung der neuen TIN-Nummer sollen Änderungen in den persönlichen oder beruflichen Verhältnissen der Arbeitnehmer automatisch übermittelt werden. Die Beschäftigten müssen sich dann auch nicht mehr um die Ausstellung der Lohnsteuerkarte oder ihre Übermittlung an ihre Firma kümmern; die Mitteilung der TIN und des Geburtsdatums reicht. Da die Lohnbuchhaltung in fast allen Firmen inzwischen sowieso per Computer läuft, sparen auch die Unternehmen Arbeit.

(Quelle: ap)
 



 

Tarifstreit bei der Lufthansa beendet - Streik soll aufgehoben werden - Entgelterhöhungen von 5,1 in diesem und 2,3 Prozent im nächsten Jahr

Sa.02.08.08 - Nach tagelangen Streiks und Flugausfällen haben sich die Lufthansa und die Gewerkschaft ver.di auf einen Tarifabschluss für die rund 50.000 Bechäftigten am Boden und in der Kabine geeinigt. Der unbefristete Streik soll so schnell wie möglich beendet werden, wie beide Seiten am Freitag in Frankfurt am Main mitteilten. Zumindest in der kommenden Woche müssen sich die Passagiere aber dennoch auf weitere Einschränkungen des Flugverkehrs einstellen.

Die vereinbarte Tariferhöhung beträgt den Angaben zufolge 5,1 Prozent ab Juli und weitere 2,3 Prozent ab Juli 2009. Hinzu kommen Einmalzahlungen in Höhe von bis zu 2,4 Prozent. Die Lufthansa sprach von einer Erhöhung im Gesamtvolumen von 4,2 Prozent auf ein Jahr gerechnet, ver.di hob die Erhöhung bis 2009 von insgesamt 7,4 Prozent hervor. Der neue Tarifvertrag läuft 21 Monate bis Ende Februar 2010.

Ver.di und die Lufthansa sprachen von einem insgesamt vertretbaren Ergebnis, das nach harten und schwierigen Verhandlungen zustande gekommen sei. Das Unternehmen bezifferte die Mehrbelastung auf 40 Millionen für dieses und 100 Millionen Euro für nächstes Jahr.

Die Einigung gilt allerdings uneingeschränkt zunächst nur für die Bodenbeschäftigten. Die rund 14.000 Kabinenbeschäftigte erhalten vorerst nur die Einmalzahlungen. Denn die vereinbarten Erhöhungen stehen unter dem Vorbehalt, dass auch die ver.di-Konkurrenzgewerkschaft in der Kabine, UFO, zustimmt.

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft hat aber in ihrem Bereich mehr Mitglieder als ver.di und zuvor angekündigt, einem von ver.di ausgehandelten Ergebnis nicht zuzustimmen. UFO verlangt 15 Prozent mehr Geld. Neue Verhandlungen mit der Lufthansa stehen Ende des Jahres an. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer rief die UFO zum Einlenken auf.

Ver.di kündigte an, den seit Montag andauernden Streik mit der Frühschicht am Samstag zu beenden. Die Auswirkungen würden aber noch bis zu zwei Wochen zu spüren sein, sagte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer. «Wir werden jetzt alle Anstrengungen unternehmen, die erforderlich sind, um unseren Flugbetrieb zügig wieder in der gewohnten Zuverlässigkeit und Qualität unseren Kunden anzubieten.»

Am Freitag, dem fünften Tag des Arbeitskampfes, sollten rund 130 Flüge ausfallen, darunter 30 Langstreckenverbindungen. Am Samstag und Sonntag werden es laut Lufthansa voraussichtlich jeweils 100 sein. Der veröffentlichte Sonderflugplan gelte weiter bis Montag.

Lauer erklärte, der Abschluss sei in Anbetracht des Streiks ein Kompromiss, der allerdings das Unternehmen erheblich belaste. «Es ist sicherlich für beide Tarifpartner kein Abschluss im schmerzfreien Bereich.» Die Einigung sei nur mit Blick auf die lange Laufzeit und der ergebnisbezogenen Einmalzahlungen vertretbar. Die höheren Kosten müssten über eine bessere Produktivität aufgefangen werden.

Der Einigung vorausgegangen waren informelle Gespräche am Donnerstag. Ott sagte, er habe mit dem Lufthansa-Manager Lauer bis in den Abend hinein verhandelt. Dies sei sehr «quälerisch und schwierig» gewesen. Die Gespräche hätten mehrmals knapp vor dem Abbruch gestanden. Über das Ergebnis beriet die Tarifkommission von ver.di zunächst in der Nacht und dann erneut am Morgen.

Ver.di forderte für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine ursprünglich 9,8 Prozent mehr Geld für ein Jahr. Die Lufthansa bot zuletzt 7,7 Prozent für 21 Monate inklusive einer Einmalzahlung. Die Gewerkschaft will ihre Mitglieder in einer Urabstimmung über das Ergebnis entscheiden lassen. Sie soll am Mittwoch beginnen und übernächste Woche am Dienstag beendet sein. Die Zustimmung gilt als sicher.

(Quelle: ap)
 



 

SPD streitet über Clements Parteiausschluss

Sa.02.08.08 - In der SPD tobt ein heftiger Streit über den Ausschluss des früheren Bundesministers Wolfgang Clement. Parteichef Kurt Beck mahnte am Freitag zur Besonnenheit und kündigte an, dass sich der Vorstand in das schwebende Verfahren vor der Bundesschiedskommission einschalten wird. Ziel der SPD-Spitze ist es offenbar, Clements Rauswurf zu verhindern.

Finanzminister Peer Steinbrück schlug sich offen auf Clements Seite und verlangte dessen Verbleib in der SPD. Ebenso hatten sich zuvor schon Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier und Arbeitsminister Olaf Scholz geäußert.

Beck regte an, dass der Vorstand dem Parteiordnungsverfahren beitreten solle. Damit nehme die SPD-Führung ihr Recht wahr, «das Interesse der Gesamtpartei zu vertreten». Bevollmächtigter wird Generalsekretär Hubertus Heil. Ob die Bundesschiedskommission als letzte Instanz zu einer mündlichen Verhandlung einlädt oder im schriftlichen Verfahren nach Aktenlage entscheidet, ist noch unklar.

Der stellvertretende SPD-Chef Steinbrück erklärte: «Die SPD und Wolfgang Clement müssen einander aushalten.» Ähnlich äußerten sich Vertreter des konservativen SPD-Flügels Seeheimer Kreis und der bayerische Landeschef Ludwig Stiegler. Dagegen sagte SPD-Vorstand Hermann Scheer, Clement habe mit seinem Aufruf vor der hessischen Landtagswahl, nicht SPD zu wählen, seiner eigenen Partei bewusst geschadet.

Der frühere Ministerpräsident Clement äußerte sich erstmals selbst zu dem noch nicht rechtskräftigen Parteiausschluss der Schiedskommission NRW, gegen den er in Berufung geht. Der 68-jährige Ex-Politiker sagte dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Samstagausgabe): «Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung in der Partei Willy Brandts so gering geschätzt wird.»

Seine Kritik an der Energiepolitik der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti hielt Clement, der inzwischen Aufsichtsrat eines Energieunternehmens ist, aufrecht. «Der richtige energiepolitische Weg kann nicht sein, gleichzeitig auf Atomenergie und Kohle zu verzichten.» Er kündigte an, auch künftig unmissverständlich sein Wort zu erheben, «wenn in meiner Partei Unverantwortliches vertreten und gar in Regierungspolitik umgesetzt werden soll».

Beck mahnte die gesamte Partei zur Umsicht. «Besonnenheit und Verantwortung sind das Gebot der Stunde.» Nach der angekündigten Berufung habe jetzt die Bundesschiedskommission das letzte Wort, die wie die Justiz unabhängig und nicht an politische Weisungen gebunden sei.

Zum Fall selbst sagte Beck: «Die engere Parteiführung kann und wird dem Urteil der Bundesschiedskommission nicht vorgreifen. Mir ist aber wichtig, dass in einer Gesamtbetrachtung sowohl persönliches Verhalten als auch die politische Lebensleistung in die Beurteilung einbezogen werden.»

Steinbrück wurde deutlicher und begrüßte ausdrücklich die Entscheidung Clements, Berufung einzulegen. Clement habe durch sein politisches Lebenswerk erhebliche und beachtenswerte Leistungen und Beiträge erbracht und sich damit um die SPD verdient gemacht, erklärte Steinbrück.

Der Finanzexperte und Chef der bayerischen SPD-Abgeordneten im Bundestag, Florian Pronold, äußerte indes Verständnis für den Ausschluss. «Wer sich so unsolidarisch verhält, muss mit einer solchen Entscheidung rechnen», sagte Pronold der «Passauer Neuen Presse».

(Quelle: ap)
 



 

Linke will nach Treffen mit Schwan eigenen Kandidaten

Sa.02.08.08 - Die Linke will nach einem Treffen ihres Fraktionschefs Gregor Gysi mit der SPD-Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl, Gesine Schwan, einen eigenen Bewerber aufstellen.

Bei der Zusammenkunft am Donnerstag in Berlin habe es sich um ein rein privates Treffen gehandelt, sagte Fraktionssprecher Hendrik Thalheim am Freitag. Die Position der Linkspartei stehe: "Wir streben eine eigene Kandidatin oder eigenen Kandidaten an."

Vor einer Entscheidung sollten zunächst die Bayernwahl und die sich daraus ergebenden Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung abgewartet werden, erläuterte Thalheim. Dann erst werde die Fraktion auch entscheiden, ob und in welcher Form Schwan mit den Abgeordneten der Linken zusammentreffen werde.

In Briefen hatte die Hochschulprofessorin allen Bundestagsfraktionen ein Vorstellungsgespräch angeboten. Die Union und die FDP haben jedoch abgelehnt, da sie sich klar für eine zweite Amtszeit Horst Köhlers ausgesprochen haben.

Ein Sprecher Schwans wollte sich zu der Unterredung mit Gysi nicht äußern. Von der CSU kam dagegen scharfe Kritik. Die SPD-Politikerin zeige mit dem Treffen ihre wahres Gesicht, sagte Generalsekretärin Christine Haderthauer "Spiegel Online". "Ihre Beteuerungen, nicht mit den Linken zu kooperieren, sind völlig unglaubwürdig. Sie verkauft die Leute für dumm." Schwan sei jedes Mittel recht, um ins Schloss Bellevue einzuziehen.

Schwan hatte angekündigt, gezielt auch um die Stimmen der Linken werben zu wollen. Allerdings hatte sie bei der Partei mit Interviewäußerungen für Verärgerung gesorgt, die Linke habe keine Rezepte für die Gegenwart. Zudem hatte sie Parteichef Oskar Lafontaine als Demagogen bezeichnet.

Offen hält sich die Linkspartei bisher, ob sie trotz der geplanten Aufstellung eines eigenen Bewerbers bei der Wahl im Mai nächsten Jahres bereit sein könnte, in einem zweiten oder dritten Wahlgang Schwan ihre Stimme zu geben. Lafontaine hat mehrfach betont, ein von der Partei unterstützter Kandidat müsse wesentliche Positionen der Linken unterstützen.

CSU-Generalsekretärin Haderthauer verknüpfte ihre Kritik am Treffen zwischen Schwan und Gysi mit Attacken gegen die SPD: "Wer den obersten Hüter der Verfassung von Verfassungsfeinden wählen lässt, der schreckt davor auch bei der Kanzlerwahl nicht zurück." Bei einer rot-roten Koalition in der Bundesversammlung werde es nicht bleiben.

(Quelle: rtr)
 



 

Neue Höchstsätze bei Bafög-Neuanträgen für Studierende

Sa.02.08.08 - Studierende bekommen ab sofort mehr Geld vom Staat: Ab heute gelten bei Bafög-Neuanträgen neue Höchstsätze, wie das Deutsche Studentenwerk (DSW) in Berlin mitteilte. Der Höchstsatz für Studenten, die allein wohnen, steigt um zehn Prozent von bislang 585 auf jetzt 643 Euro. Wer noch bei den Eltern lebt, bekommt nun maximal 473 Euro - das sind ebenfalls knapp zehn Prozent mehr als bislang. Bei bereits laufendem Bafög greift die Erhöhung mit Beginn des Wintersemesters Anfang Oktober.

Zudem wird der Freibetrag vom Elterneinkommen um acht Prozent erhöht und liegt nun bei 1555 Euro. "Höhere Elternfreibeträge bedeuten, dass potenziell mehr Studierende Bafög erhalten können, vor allem aus Familien mit mittleren Einkommen", erklärte das DSW. Zudem dürfen Studenten ab sofort 400 Euro pro Monat verdienen, ohne dass sich die Höhe der Bafög-Förderung ändert. Zuvor lag die Höchstgrenze für Verdienste bei 350 Euro.

Die Bundesregierung geht durch die Neuerungen von rund 100.000 zusätzlich Geförderten aus. Laut DSW bekommt etwa ein Viertel der zwei Millionen Studierenden Bafög.

(Quelle: afp)
 



 

Wissenschaft

Auf dem Mars gibt es Wasser

Sa.02.08.08 - Auf dem Planeten Mars gibt es Wasser. Nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde NASA entnahm und analysierte die Mars-Sonde "Phoenix" mit ihren Instrumenten Eis aus dem Boden des Roten Planeten. Dabei sei bewiesen worden, dass es sich um gefrorenes Wasser handelt. "Wir haben Wasser", sagte William Boynton von der Universität von Arizona, der das Analysegerät TEGA der Mars-Sonde "Phoenix" betreut.

"Wir hatten schon vorher Hinweise auf Wassereis..., aber dies ist das erste Mal, dass Mars-Wasser berührt und geschmeckt wurde", sagte Boynton. Das Analyse-Gerät TEGA ist eine Art kleiner Ofen, in den ein Roboterarm der Sonde die Bodenproben einlegt. Diese werden dann erhitzt, die entstehenden Dämpfe können dann von den Instrumenten analysiert werden.

Der führende Mars-Wissenschaftler der NASA, Michael Meyer, bezeichnete die "Phoenix"-Mission als Erfolg. "Es ist sehr erfolgreich, der Mars hat sich als sehr interessant erwiesen, mechanisch funktioniert das Raumfahrzeug sehr gut und wir haben genügend Energiereserven, um bis über das Ende des Sommers hinaus weiterzumachen", sagte Meyer. Er kündigte zugleich eine Verlängerung der Mission bis zum 30. September an.

Phoenix war am 25. Mai am Nordpol des Roten Planeten gelandet. Mit einer kleinen Baggerschaufel nimmt die Sonde Bodenproben einer weißen Substanz, von der die Forscher seit längerem vermuteten, dass es sich um Eis handelt. Nach der Entdeckung von Wasser soll jetzt die Frage weiter erforscht werden, ob auf dem Mars Leben möglich wäre. "Wir wollen die Geschichte des Eises verstehen, indem wir herausfinden, ob es je geschmolzen ist und dadurch eine flüssige Umgebung geschaffen hat, die den Boden verändert", sagte "Phoenix"-Wissenschafler Peter Smith.

Die Instrumente der rund 350 Kilogramm schweren Sonde "Phoenix" sollen die Zusammensetzung der Mars-Oberfläche ermitteln. So verfügt "Phoenix" über einen 2,35 Meter langen Roboterarm, der einen Bohrer etwa einen Meter tief in den Boden treiben kann, bis er die verborgene Eisschicht erreicht. Alle Instrumente müssen bei Temperaturen von minus 73 bis minus 33 Grad funktionieren. Solarzellen sorgen für die Energieversorgung.

(Quelle: afp)
 
 
 
 

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