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Irak 1593 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Gewalt im Irak geht weiter zurück - Weniger zivile Opfer
Sa.02.08.08 - Die Gewalt im Irak ist deutlich zurückgegangen. Im Juli wurden
nach Angaben der Regierung 387 Zivilpersonen bei Anschlägen und
Angriffen getötet.
Das ist weniger als ein Viertel der Zahl, die noch vor einem Jahr
erreicht wurde. Im Juni waren es 448 Menschen.
Auch die Zahl der im Kampf getöteten US-Soldaten blieb niedrig: Im
Juli kamen sechs von ihnen im Einsatz zu Tode, vor einem Jahr waren es
noch 66.
Die Verbesserung der Sicherheitslage wird auf die
Truppenverstärkung zurückgeführt, die US-Präsident
George W. Bush gegen den Widerstand der Demokratischen Partei
durchgesetzt hat. Die Strategie im Irak gehört zu den strittigsten
Themen im Präsidentschaftswahlkampf.
Bei einem Anschlag nahe der Stadt Kirkuk im Norden des Landes wurden am
Freitag drei irakische Soldaten getötet. Ein weiterer
Uniformierter wurde verletzt, wie die irakische Nachrichtenagentur
Aswat al-Irak unter Berufung auf das Militär berichtete. Eine von
Aufständischen gelegte Bombe explodierte 30 Kilometer
südwestlich von Kirkuk unter dem Streifenfahrzeug der Soldaten.
Die Millionenstadt 250 Kilometer nördlich von Bagdad ist zusammen
mit den sie umgebenden Ölfeldern zwischen Kurden, Arabern und
Turkmenen umkämpft.
(Quellen: dpa, rtr)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 02.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundneunundzwanzigtsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Do.02.08.07 - Mindestens 69 Menschen sterben bei Anschlägen in Bagdad +++
Größte sunnitische Bewegung verlässt irakische
Regierung +++ Bush ermahnt irakischen Ministerpräsidenten
Al-Maliki zu Reformen +++ US-Außenministerin Rice: Kein abrupter
Abzug aus dem Irak +++ Weißes Haus beantragt weitere Milliarden
für Irak-Krieg...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0708020.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Verteidigungsstrategie konzentriert sich auf Extremismus
Sa.02.08.08 - Die US-Regierung hat eine neue Verteidigungsstrategie vorgestellt, die
das Hauptaugenmerk zukünftig auf die Bekämpfung
extremistischer Bewegungen richtet. Der "irreguläre Krieg", wie die
Autoren des von Verteidigungsminister Robert Gates gebilligten Papiers
schreiben, werde zukünftig mehr Bedeutung haben als konventionelle
Kriege. Die Streitkräfte müssen "die Folgen eines Konfliktes
im Auge behalten, der langfristig, episodisch, multi-dimensional und an
vielen Fronten geführt wird", heißt es in dem Entwurf, den
die "Washington Post" veröffentlichte.
In diesem Kampf spiele der Ausbau der militärischen
Kapazitäten der Partnerstaaten eine wichtige Rolle, hieß es
ferner. Durch Zusammenarbeit sollten "die Zonen der Welt, die sich
selbst überlassen sind, reduziert und so Schutzgebiete für
Extremisten verhindert werden". Kritiker fürchten, dass die neue
Strategie auf Kosten der konventionellen Kampfkraft und weltweiten
Überlegenheit der USA geht. Verteidigungsminister Gates stellte
sich den Kritikern jedoch entgegen und forderte, die notwenigen Lehren
aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan zu ziehen.
"Der Einsatz von Gewalt spielt eine Rolle, aber militärische
Anstrengungen, Terroristen zu fangen oder zu töten, werden
voraussichtlich Maßnahmen untergeordnet, die örtliche
Regierungsbeteiligung und Wirtschaftsprogramme fördern, genauso wie
Bemühungen, die Missstände zu verstehen und zu
bekämpfen, die oft an der Wurzel von Aufständen liegen",
heißt es in dem neuen Strategieentwurf. Deshalb sei die wichtigste
militärische Aufgabe im Kampf gegen den Extremismus auch nicht so
sehr die eigene Kampfkraft, sondern die Unterstützung für die
Partner der USA, damit diese selbst regieren und sich verteidigen
könnten.
(Quelle: afp)
Zahl ziviler Opfer in Afghanistan steigt
Sa.02.08.08 - Im Konflikt in Afghanistan sind im Juli nach Angaben von
Hilfsorganisationen so viele Zivilisten getötet worden wie in
keinem anderen Monat seit dem Sturz der Taliban. Die Zahl der Todesopfer
lag im abgelaufenen Monat ersten Schätzungen zufolge bei mehr als
260.
Dies teilte die Dachorganisation von rund 100 internationalen und
einheimischen Hilfsorganisationen in Afghanistan, ACBAR, am Freitag mit.
Sie rief die Konfliktparteien zu deutlich mehr Vorsicht auf.
Für die steigende Zahl der zivilen Opfer seien alle Seiten
verantwortlich - die Aufständischen ebenso wie die afghanischen und
internationalen Sicherheitskräfte. Auch die Zahl der Angriffe auf
Hilfsorganisationen habe weiter zugenommen.
Etwa zwei Drittel der Opfer seien bei Anschlägen von
Aufständischen getötet worden. Luftangriffe der
ausländischen Truppen, die seit dem Vorjahr um rund 40 Prozent
zugenommen hätten, trügen ebenfalls zur wachsenden Zahl der
zivilen Opfer bei. In diesem Jahr habe der Konflikt nach vorliegenden
Berichten bereits rund 2500 Menschen das Leben gekostet, darunter
könnten bis zu 1000 Zivilisten sein.
Wegen der zunehmenden Gewalt mussten zahlreiche Schulen und
Gesundheitseinrichtungen geschlossen werden, wie es in der Mitteilung
von ACBAR hieß. Der Konflikt behindere die Umsetzung wichtiger
Entwicklungsprojekte und habe zu bedeutenden Flüchtlingszahlen im
Land geführt. Helfer würden immer häufiger von
Aufständischen und Kriminellen angegriffen oder bedroht. In diesem
Jahr seien bereits 19 Helfer getötet worden, mehr als im gesamten
vergangenen Jahr. Viele Hilfsorganisationen schränkten ihre
Operationen ein. Dabei hätten Dürren in manchen Landesteilen
und hohe Lebensmittelpreise die Lebensumstände von vier Millionen
Afghanen extrem erschwert.
(Quelle: dpa)
Fünf NATO-Soldaten bei Anschlägen in Afghanistan getötet
Sa.02.08.08 - In Afghanistan sind am Freitag insgesamt fünf NATO-Soldaten bei
der Explosion von Bomben getötet worden, die an
Straßenrändern versteckt waren. In der Provinz Kunar wurden
vier NATO-Soldaten und eine Zivilperson getötet, ein fünfter
NATO-Soldat kam in der Provinz Chost ums Leben, wie das Bündnis
mitteilte. Die Nationalität der getöteten Soldaten wurde
nicht genannt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt: Hisbollah soll Waffen behalten dürfen -
Libanesische Regierung legt Kompromisspapier vor
Sa.02.08.08 - Die libanesische Regierung hat ein Kompromisspapier über ihre
Haltung zum Waffenarsenal der Hisbollah erarbeitet. Dies gab
Informationsminister Tarek Mitri am Freitagabend bekannt. Damit soll
der Weg freigemacht werden für die Bestätigung der neuen
Allparteienregierung von Ministerpräsident Fuad Siniora durch das
Parlament. In der Regierung ist auch die schiitische Hisbollah
vertreten.
Der Entwurf ist bewusst sehr vage gehalten. Es wird darin angedeutet,
dass die Hisbollah ihre Waffen behalten darf, ohne dies aber
ausdrücklich zu sagen. Die Frage des Waffenarsenals der Hisbollah
ist seit langem ein Streitthema zwischen den verschiedene Gruppierungen
im Libanon. Viele im prowestlichen Regierungslager fordern eine
Entwaffnung der Hisbollah, diese lehnt das aber entschieden ab.
Nach einer monatelangen Staatskrise im Libanon hatte der prowestliche
Ministerpräsident Siniora vor drei Wochen eine Regierung der
nationalen Einheit vorgestellt, in der die von der Hisbollah
angeführte Opposition faktisch ein Vetorecht haben wird. In dem
neuen 30-köpfigen Kabinett entfallen 16 Posten auf die
Parlamentsmehrheit und elf auf die Opposition. Drei Posten werden von
Staatspräsident Michel Suleiman verteilt. Die Bestätigung der
neuen Regierung durch das Parlament steht noch aus.
(Quelle: ap)
IAEA stützt Atomabkommen zwischen Indien und den USA
Sa.02.08.08 - Indien ist auf dem Weg zu einem umstrittenen Atom-Abkommen mit den USA
einen wichtigen Schritt vorangekommen.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) billigte am Freitag
einen Plan des Landes zur Inspektion seiner Atomanlagen. Mit der
Vereinbarung soll Indien Zugang zu ziviler US-Atomtechnologie und
Brennmaterial erhalten. Das Land besitzt Experten zufolge Kernwaffen
und hat bis heute den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet.
Bevor die Vereinbarung umgesetzt werden kann, muss Indien eine
Ausnahmeregelung von den 45 Staaten erhalten, die Nuklearmaterial
anbieten. Sie liefern normalerweise nicht an Länder, die dem
Sperrvertrag nicht beigetreten ist. Das Treffen der Staatengruppe ist
am 21. und 22. August geplant. Auch der US-Senat muss das Abkommen noch
ratifizieren.
Der Vorsitzende der Staatengruppe, der deutsche Außenminister
Frank-Walter Steinmeier, begrüßte die Einigung. Damit habe
Indien einen wichtigen Schritt getan. Dem Kontrollsystem der IAEA
würden nun mehr zivile Atomanlagen unterstellt.
In einigen kleineren westlichen Staaten und Entwicklungsländern
gibt es Bedenken dagegen, den Weltmarkt für nukleare
Ausrüstung für Indien zu öffnen. Es wird
befürchtet, dass damit der Atomwaffensperrvertrag untergraben
werden könnte. Die USA und deren Verbündete loben das
Abkommen dagegen als Weg, Indien an den Sperrvertrag
heranzuführen. Darüber hinaus heben sie den Nutzen der
Atomenergie im Kampf gegen die globale Erwärmung und steigende
Energiepreise hervor.
IAEA-Chef Mohamed ElBaradei sagte, die mit Indien vereinbarten
Kontrolle der Atomanlagen entspreche den Sicherheitsauflagen der IAEA.
Gespräche über deren Erweiterung um kurzfristig
angekündigte und tiefgehende Inspektionen seien im Gange. Das
dürfte helfen, Skeptiker für das Abkommen zwischen Indien und
den USA zu gewinnen.
(Quelle: rtr)
Ärzte ohne Grenzen fordert mehr Hilfen für Birma und Somalia
Sa.02.08.08 - Drei Monate nach dem verheerenden Wirbelsturm "Nargis" hat die
Organisation Ärzte ohne Grenzen mehr Hilfen und Aufmerksamkeit
für die Überlebenden in Birma gefordert. "Es gibt weiterhin
viel zu tun und dafür ist die Hilfe von vielen Organisationen
notwendig", sagte der Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion von
Ärzte ohne Grenzen, Tankred Stöbe, in Berlin. Besonders
schlimm sei die Lage, weil sich die Bevölkerung Birmas bereits vor
dem Sturm in einer dramatischen Situation befunden habe.
"Zu einer chronischen Krise kam mit 'Nargis' eine akute Katastrophe
dazu", sagte Stöbe bei der Präsentation des Jahresberichts
der Hilfsorganisation. Obwohl es derzeit keine maßgeblichen
Behinderungen durch die Regierung mehr gebe, sei der Zugang zu den
Wirbelsturmopfern weiter schwierig. "Wir sind noch nicht einmal
überall dort hingekommen, wo Not ist." Bislang hätten rund
310 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen vor Ort aber rund 460.000
Hilfsbedürftige erreicht und sie mit Medizin, Reis und Planen
versorgen können. Eine zusätzliche Herausforderung für
die Hilfsorganisation sind laut Stöbe auch die seelischen Wunden
der Bevölkerung. Familien, deren Kinder unter den 138.000 Toten
oder Vermissten des Zyklons waren, seien schwer traumatisiert.
Ärzte ohne Grenzen kritisierte, dass die Militärregierung in
Birma so wenig für Gesundheit ausgebe wie kaum eine andere
Regierung weltweit. Laut UNO sind es nur 1,4 Prozent des
Staatshaushalts. Zehntausende Birmaner sterben laut der
Hilfsorganisation jährlich an Malaria, Aids und anderen
behandelbaren Krankheiten.
Ein weiterer Einsatzschwerpunkt der deutschen Sektion von Ärzte
ohne Grenzen war 2007 das vom Bürgerkrieg zerrüttete Somalia.
"Die Situation in Somalia hat sich massiv verschlimmert in den letzten
Monaten", sagte der Geschäftsführer der Hilfsorganisation,
Frank Dörner. Allein 700.000 Menschen seien im vergangenen Jahr
aus der Hauptstadt Mogadischu geflohen und müssten nun in
Notunterkünften überleben. Gleichzeitig musste die
Hilfsorganisation nach eigenen Angaben aufgrund der schlechten
Sicherheitslage und nach einem tödlichen Anschlag auf drei ihrer
Mitarbeiter ihre internationalen Helfer abziehen. Sie bleibt indes mit
rund 800 Einheimischen Kräften vor Ort.
(Quelle: afp)
UN-Mitarbeiter beklagt anhaltende Tabuisierung von Aids
Sa.02.08.08 - An der bevorstehenden internationalen Aids-Konferenz wird nach
Einschätzung eines UN-Mitarbeiters deutlich, dass die
Immunschwächekrankheit vielerorts noch ein Tabu ist. Viele
Teilnehmer der am Sonntag beginnenden UN-Konferenz in Mexiko-Stadt
hätten ihren Kollegen und Familien erzählt, sie führen in
Urlaub, sagte Manuel da Quinta vom Aids-Koordinierungsprogramm der
Vereinten Nationen (UNAIDS). Der selbst HIV-infizierte Portugiese hatte
nach eigenen Angaben nicht oft mit Diskriminierungen zu kämpfen. In
Lateinamerika werde die Krankheit aber oft als Schande empfunden.
Um die Konferenzteilnehmer vor ungewollten Medienauftritten zu
schützen, sollen sie mit Ansteckern signalisieren, ob Journalisten
sie filmen und fotografieren dürfen oder nicht. Bei Interviews
sollen sie nach Angaben der Organisatoren außerdem angeben, ob
ihre Aussagen in ihrem Heimatland nicht veröffentlicht werden
dürfen. Die 32-jährige Anastasia möchte beispielsweise in
ihrer Heimat Russland nicht in den Medien auftauchen. Menschen in
anderen Ländern erzählt sie aber freimütig, dass sie sich
Aids bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr zugezogen hat. Ihr
Liebhaber, ein zuvor in Afrika stationierter Soldat, habe ihr nichts von
seiner Infektion gesagt. "Ich habe mich in ihn verliebt und deshalb
haben wir kein Kondom benutzt."
Weltweit waren im vergangenen Jahr etwa 33 Millionen Menschen mit dem
HI-Virus infiziert. Die meisten Betroffenen, rund 22 Millionen, leben
nach UN-Angaben in den afrikanischen Gebieten südlich der Sahara.
Von den rund 22.000 Teilnehmern der UN-Konferenz in Mexiko haben sich
etwa 2500 als HIV-positiv bekannt, nach Einschätzung der
Veranstalter sind aber weit mehr Träger des Virus.
(Quelle: afp)
China hebt Zensur von Internetseiten teilweise auf - Präsident Hu
Jintao warnt vor Politisierung der Olympischen Spiele
Sa.02.08.08 - Chinas Behörden haben die Sperre mehrerer Internetseiten
aufgehoben, die sie zuvor blockiert hatten. Unter anderem waren die
Websites der Menschenrechtsorganisation Amnesty International und der
Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen wieder zugänglich.
Andere Seiten wie die chinesische Homepage der britischen
Rundfunkgesellschaft BBC und Websites chinesischer Dissidenten blieben
aber weiter gesperrt. Der Vorsitzende der Pressekommission des
Internationalen Olympischen Komitees (IOC) geht davon aus, dass China
und Olympia-Funktionäre "eine Vereinbarung" getroffen haben, die
eine Internetzensur auch für ausländische Journalisten erlaube.
Der Vorsitzende der IOC-Pressekommission, Kevan Gosper, sagte, er
fühle sich gedemütigt und bloßgestellt, nachdem er zwei
Jahre lang der Welt erzählt habe, dass China sein Versprechen halte
und einen freien Zugang zum Internet gewähre. Laut Medienberichten
geht er von einer "Vereinbarung" zwischen China und
Olympia-Funktionären aus, die eine Internetzensur auch für
ausländische Journalisten in Peking erlaube.
Gosper entschuldigte sich bei den Medien weltweit und sagte, er wisse
nichts über das Abkommen. "Ich weiß nicht, wer die Abmachung
getroffen hat", sagte er der Tageszeitung "The Australian". Er gehe aber
davon aus, dass sehr hochrangige IOC-Vertreter daran beteiligt seien.
Er sei aber absolut nicht damit einverstanden. "Ich hätte auch
informiert werden sollen, statt dass ich isoliert werde und
Fehlinformationen erhalte."
Chinas Präsident Hu Jintao hatte zuvor um Verständnis
für Chinas Position geworben und gefordert, die Olympischen Spiele
sollten nicht "politisiert" werden. In einer - äußerst
seltenen - Pressekonferenz vor ausländischen Journalisten
versicherte Hu, dass China für niemanden eine Bedrohung sei und
während der kommenden Sportveranstaltungen zeigen werde, "dass das
chinesische Volk ein friedliebendes Volk ist".
Der Staatschef ging auch auf die Empörung ein, die der
eingeschränkte Internetzugang in der Weltpresse ausgelöst
hatte. "Wir werden auch weiter Strukturen und Mittel bereitstellen,
damit die ausländischen Journalisten arbeiten können", sagte
Hu. "Dabei hoffen wir selbstverständlich, dass die
ausländische Presse die chinesischen Gesetze und Vorschriften
befolgt", sagte Hu, der sich "objektive Informationen" wünschte.
(Quelle: afp)
Polen erinnert an gescheiterten Warschauer Aufstand von 1944
Sa.02.08.08 - Mit Gedenkfeiern hat Polen an den gescheiterten Warschauer Aufstand
gegen die NS-Besatzer von 1944 erinnert. Genau 64 Jahre nach dem Beginn
der Erhebung heulten am Freitagnachmittag in der polnischen Hauptstadt
die Sirenen. Fahnengeschmückte Busse und Straßenbahnen, aber
auch Privatautos und Fußgänger hielten für eine
Schweigeminute inne. Im Warschauer Aufstand hatte die im Untergrund
tätige Polnische Heimatarmee (AK) vom 1. August 1944 an zwei
Monate lang versucht, die deutschen Besatzer zu vertreiben. 18.000
Widerständler, 200.000 polnische Zivilisten und 20.000
Wehrmachtssoldaten wurden getötet.
"Wir hatten keine Waffen. Wir haben die deutschen Panzer mit
Brandbomben angegriffen", sagte der damals 14-jährige
Widerstandskämpfer Miroslaw Lisek am Rande einer Gedenkfeier im
Stadtteil Mokotow, dessen Bewohner sich durch einen Abwasserkanal
retteten, als sich die Aufständischen am 2. Oktober 1944
geschlagen geben mussten. Die deutschen Truppen machten Warschau
daraufhin weitgehend dem Erdboden gleich. Rund 500.000 obdachlos
gewordene Bürger mussten fliehen. Die etwa 15.000
überlebenden Aufständischen ergaben sich, nachdem ihnen die
Nazis den Status von Kriegsgefangenen zugesichert hatten.
Der Warschauer Aufstand, der mehr als ein Jahr nach dem ebenfalls
niedergeschlagenen Aufstand im Warschauer Ghetto begann, war eines der
wichtigsten Weltkriegsereignisse in Polen. Er ist bis heute zwischen
Polen und Russland politisch umstritten. Denn die Erhebung der
Aufständischen war zwar direkt gegen die Nazis gerichtet; indirekt
richtete sie sich aber auch gegen die Sowjetunion, deren Roter Armee,
die damals auf Warschau vorstieß, die Aufständischen
zuvorkommen wollten. Die sowjetischen Truppen griffen nicht in die
Kämpfe ein, sondern rückte erst am 17. Januar 1945 in das
Zentrum von Warschau vor.
(Quelle: afp)
Riesige Ölteppiche in der Nordsee
Sa.02.08.08 - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beklagt eine drastisch
zunehmende Ölverschmutzung der Nordsee durch Ölfirmen. Die
Unternehmen verschmutzten die Nordsee in katastrophalem Ausmaß
beim täglichen Betrieb ihrer Ölplattformen, sagte
Greenpeace-Biologe Christian Bussau am Freitag in Hamburg nach der
Auswertung eines mehrtägigen Beobachtungsfluges entlang der
dänischen, norwegischen und englischen Küsten. Bei den 75
Förder- und Bohrplattformen, die Ende Juni überflogen worden
seien, hätten die Greenpeace-Experten große Ölteppiche
entdeckt.
Die eingeleiteten Ölmengen seien in den vergangenen Jahren um ein
Mehrfaches gestiegen, sagte Bussau. Hätten sie nach Angaben der
Oslo-Paris-Kommission zum Schutz des Nordost-Atlantiks (OSPAR) 1984 noch
rund 1700 Tonnen betragen, seien es 1994 schon rund 6000 Tonnen und
2005 sogar bereits etwa 13 000 Tonnen gewesen. Diese schleichende
Ölverseuchung werde von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen
und von der Politik hingenommen, kritisierte Bussau. Sie schädige
die Meeresumwelt so stark wie ein großes Tankerunglück.
Die Plattformen fördern ein Gemisch aus Öl, Gas und Wasser,
wie der Biologe erläuterte. Auf der Plattform werde das Wasser vom
Öl getrennt und als sogenanntes Produktionswasser ins Meer
geleitet. Das Abwasser dürfe maximal 40 Gramm Öl pro
Kubikmeter Wasser enthalten. Das Problem sei jedoch: Je länger die
Lagerstätte ausgebeutet werde, desto mehr Wasser enthalte das
geförderte Öl und desto mehr mit Öl verschmutztes
Produktionswasser werde ins Meer geleitet.
Greenpeace fordert die Regierungen der Nordsee-Anrainerstaaten auf, die
Ölverschmutzung der Plattformen durch Produktionswasser sofort zu
stoppen. Die Anlagen müssten regelmäßig kontrolliert und
harte Strafen gegen Ölsünder verhängt werden. Ein Film
des Überfluges ist im Internet unter greenpeace.de bei Greenpeace
TV zu sehen.
(Quelle: ddp)
Wirtschaftskriminalität richtet in Deutschland 4,1 Milliarden Euro
Schaden an
Sa.02.08.08 - Wirtschaftskriminalität hat in Deutschland im vergangenen Jahr
einen Schaden von 4,1 Milliarden Euro angerichtet.
Dies seien 200 Millionen Euro weniger als 2006, teilte das
Bundeskriminalamt (BKA) am Freitag mit. Die
Wirtschaftskriminalität verursache aber immer noch mehr als die
Hälfte des Gesamtschadens in Höhe von acht Milliarden Euro,
der bei der Polizei registriert wurde.
Die Fallzahlen gingen laut BKA um gut acht Prozent auf knapp 88.000
Fälle zurück. Von einer Trendwende will BKA-Chef Jörg
Ziercke aber nicht sprechen. Den Grund für den Rückgang sehen
die Ermittler vor allem darin, dass im vergangenen Jahr weniger
Großverfahren mit einer Vielzahl einzelner Straftaten
abgeschlossen wurden.
Ziercke betonte die Bedeutung der Wirtschaftskriminalität
über den rein finanziellen Schaden hinaus. Mittelbare Folge seien
Wettbewerbsverzerrungen, Arbeitsplatzverluste, eine stärkere
Belastung der Sozialkassen und ein Vertrauensverlust im internationalen
Wettbewerb, sagte er.
(Quelle: rtr)
Alle Bürger bekommen neue Steuernummer - Vorstufe zur
elektronischen Steuererklärung ab 2010
Sa.02.08.08 - Ab sofort bekommen alle Einwohner Deutschlands eine neue Steuernummer,
die auch nach Umzügen oder Arbeitswechseln gültig bleibt. Die
elfstellige Zahlenfolge ist Voraussetzung für die elektronische
Lohnsteuerkarte ab dem Jahr 2010 und ersetzt die bisher für die
Einkommensteuer verwendete Steuernummer. Bis Jahresende verschickt das
Bundeszentralamt für Steuern nun Briefe an alle rund 82 Millionen
Einwohner.
Es ist mit weit über 1.000 Tonnen die größte
Versandaktion in der Geschichte der Bundesrepublik, wie das
Finanzministerium am Freitag berichtete. Ab 2011 soll es nach dem Plan
der Regierung keine Lohnsteuerkarten aus Papier mehr geben. Das
Steuerverfahren soll dann für alle Bürger komplett
elektronisch abgewickelt werden.
Finanz-Staatssekretär Axel Nawrath nannte die bundeseinheitliche
Identifikationsnummer einen entscheidenden Schritt in Richtung des
elektronischen Zeitalters.
Die Identifikationsnummer wird auf Grundlage der Daten aller 5.300
kommunalen Meldebehörden vergeben. Jede Person, die mit
Hauptwohnsitz gemeldet ist, erhält sie - vom Baby bis zum Greis.
Ursprünglich sollte die neue, elfstellige Identifikationsnummer
(TIN) schon seit Juli 2007 nach und nach vergeben werden. Dieser Termin
wurde aber mehrfach verschoben.
Nach Einführung der neuen TIN-Nummer sollen Änderungen in den
persönlichen oder beruflichen Verhältnissen der Arbeitnehmer
automatisch übermittelt werden. Die Beschäftigten müssen
sich dann auch nicht mehr um die Ausstellung der Lohnsteuerkarte oder
ihre Übermittlung an ihre Firma kümmern; die Mitteilung der
TIN und des Geburtsdatums reicht. Da die Lohnbuchhaltung in fast allen
Firmen inzwischen sowieso per Computer läuft, sparen auch die
Unternehmen Arbeit.
(Quelle: ap)
Tarifstreit bei der Lufthansa beendet - Streik soll aufgehoben werden -
Entgelterhöhungen von 5,1 in diesem und 2,3 Prozent im
nächsten Jahr
Sa.02.08.08 - Nach tagelangen Streiks und Flugausfällen haben sich die Lufthansa
und die Gewerkschaft ver.di auf einen Tarifabschluss für die rund
50.000 Bechäftigten am Boden und in der Kabine geeinigt. Der
unbefristete Streik soll so schnell wie möglich beendet werden, wie
beide Seiten am Freitag in Frankfurt am Main mitteilten. Zumindest in
der kommenden Woche müssen sich die Passagiere aber dennoch auf
weitere Einschränkungen des Flugverkehrs einstellen.
Die vereinbarte Tariferhöhung beträgt den Angaben zufolge 5,1
Prozent ab Juli und weitere 2,3 Prozent ab Juli 2009. Hinzu kommen
Einmalzahlungen in Höhe von bis zu 2,4 Prozent. Die Lufthansa
sprach von einer Erhöhung im Gesamtvolumen von 4,2 Prozent auf ein
Jahr gerechnet, ver.di hob die Erhöhung bis 2009 von insgesamt 7,4
Prozent hervor. Der neue Tarifvertrag läuft 21 Monate bis Ende
Februar 2010.
Ver.di und die Lufthansa sprachen von einem insgesamt vertretbaren
Ergebnis, das nach harten und schwierigen Verhandlungen zustande
gekommen sei. Das Unternehmen bezifferte die Mehrbelastung auf 40
Millionen für dieses und 100 Millionen Euro für nächstes
Jahr.
Die Einigung gilt allerdings uneingeschränkt zunächst nur
für die Bodenbeschäftigten. Die rund 14.000
Kabinenbeschäftigte erhalten vorerst nur die Einmalzahlungen. Denn
die vereinbarten Erhöhungen stehen unter dem Vorbehalt, dass auch
die ver.di-Konkurrenzgewerkschaft in der Kabine, UFO, zustimmt.
Die Flugbegleiter-Gewerkschaft hat aber in ihrem Bereich mehr
Mitglieder als ver.di und zuvor angekündigt, einem von ver.di
ausgehandelten Ergebnis nicht zuzustimmen. UFO verlangt 15 Prozent mehr
Geld. Neue Verhandlungen mit der Lufthansa stehen Ende des Jahres an.
Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer rief die UFO zum Einlenken auf.
Ver.di kündigte an, den seit Montag andauernden Streik mit der
Frühschicht am Samstag zu beenden. Die Auswirkungen würden
aber noch bis zu zwei Wochen zu spüren sein, sagte
Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer. «Wir werden jetzt alle
Anstrengungen unternehmen, die erforderlich sind, um unseren Flugbetrieb
zügig wieder in der gewohnten Zuverlässigkeit und
Qualität unseren Kunden anzubieten.»
Am Freitag, dem fünften Tag des Arbeitskampfes, sollten rund 130
Flüge ausfallen, darunter 30 Langstreckenverbindungen. Am Samstag
und Sonntag werden es laut Lufthansa voraussichtlich jeweils 100 sein.
Der veröffentlichte Sonderflugplan gelte weiter bis Montag.
Lauer erklärte, der Abschluss sei in Anbetracht des Streiks ein
Kompromiss, der allerdings das Unternehmen erheblich belaste. «Es
ist sicherlich für beide Tarifpartner kein Abschluss im
schmerzfreien Bereich.» Die Einigung sei nur mit Blick auf die
lange Laufzeit und der ergebnisbezogenen Einmalzahlungen vertretbar. Die
höheren Kosten müssten über eine bessere
Produktivität aufgefangen werden.
Der Einigung vorausgegangen waren informelle Gespräche am
Donnerstag. Ott sagte, er habe mit dem Lufthansa-Manager Lauer bis in
den Abend hinein verhandelt. Dies sei sehr «quälerisch und
schwierig» gewesen. Die Gespräche hätten mehrmals knapp
vor dem Abbruch gestanden. Über das Ergebnis beriet die
Tarifkommission von ver.di zunächst in der Nacht und dann erneut am
Morgen.
Ver.di forderte für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden
und in der Kabine ursprünglich 9,8 Prozent mehr Geld für ein
Jahr. Die Lufthansa bot zuletzt 7,7 Prozent für 21 Monate inklusive
einer Einmalzahlung. Die Gewerkschaft will ihre Mitglieder in einer
Urabstimmung über das Ergebnis entscheiden lassen. Sie soll am
Mittwoch beginnen und übernächste Woche am Dienstag beendet
sein. Die Zustimmung gilt als sicher.
(Quelle: ap)
SPD streitet über Clements Parteiausschluss
Sa.02.08.08 - In der SPD tobt ein heftiger Streit über den Ausschluss des
früheren Bundesministers Wolfgang Clement. Parteichef Kurt Beck
mahnte am Freitag zur Besonnenheit und kündigte an, dass sich der
Vorstand in das schwebende Verfahren vor der Bundesschiedskommission
einschalten wird. Ziel der SPD-Spitze ist es offenbar, Clements
Rauswurf zu verhindern.
Finanzminister Peer Steinbrück schlug sich offen auf Clements
Seite und verlangte dessen Verbleib in der SPD. Ebenso hatten sich
zuvor schon Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier und Arbeitsminister
Olaf Scholz geäußert.
Beck regte an, dass der Vorstand dem Parteiordnungsverfahren beitreten
solle. Damit nehme die SPD-Führung ihr Recht wahr, «das
Interesse der Gesamtpartei zu vertreten». Bevollmächtigter
wird Generalsekretär Hubertus Heil. Ob die Bundesschiedskommission
als letzte Instanz zu einer mündlichen Verhandlung einlädt
oder im schriftlichen Verfahren nach Aktenlage entscheidet, ist noch
unklar.
Der stellvertretende SPD-Chef Steinbrück erklärte: «Die
SPD und Wolfgang Clement müssen einander aushalten.»
Ähnlich äußerten sich Vertreter des konservativen
SPD-Flügels Seeheimer Kreis und der bayerische Landeschef Ludwig
Stiegler. Dagegen sagte SPD-Vorstand Hermann Scheer, Clement habe mit
seinem Aufruf vor der hessischen Landtagswahl, nicht SPD zu
wählen, seiner eigenen Partei bewusst geschadet.
Der frühere Ministerpräsident Clement äußerte sich
erstmals selbst zu dem noch nicht rechtskräftigen Parteiausschluss
der Schiedskommission NRW, gegen den er in Berufung geht. Der
68-jährige Ex-Politiker sagte dem «Kölner
Stadt-Anzeiger» (Samstagausgabe): «Ich hätte es nie
für möglich gehalten, dass das Recht auf freie
Meinungsäußerung in der Partei Willy Brandts so gering
geschätzt wird.»
Seine Kritik an der Energiepolitik der hessischen SPD-Chefin Andrea
Ypsilanti hielt Clement, der inzwischen Aufsichtsrat eines
Energieunternehmens ist, aufrecht. «Der richtige
energiepolitische Weg kann nicht sein, gleichzeitig auf Atomenergie und
Kohle zu verzichten.» Er kündigte an, auch künftig
unmissverständlich sein Wort zu erheben, «wenn in meiner
Partei Unverantwortliches vertreten und gar in Regierungspolitik
umgesetzt werden soll».
Beck mahnte die gesamte Partei zur Umsicht. «Besonnenheit und
Verantwortung sind das Gebot der Stunde.» Nach der
angekündigten Berufung habe jetzt die Bundesschiedskommission das
letzte Wort, die wie die Justiz unabhängig und nicht an politische
Weisungen gebunden sei.
Zum Fall selbst sagte Beck: «Die engere Parteiführung kann
und wird dem Urteil der Bundesschiedskommission nicht vorgreifen. Mir
ist aber wichtig, dass in einer Gesamtbetrachtung sowohl
persönliches Verhalten als auch die politische Lebensleistung in
die Beurteilung einbezogen werden.»
Steinbrück wurde deutlicher und begrüßte
ausdrücklich die Entscheidung Clements, Berufung einzulegen.
Clement habe durch sein politisches Lebenswerk erhebliche und
beachtenswerte Leistungen und Beiträge erbracht und sich damit um
die SPD verdient gemacht, erklärte Steinbrück.
Der Finanzexperte und Chef der bayerischen SPD-Abgeordneten im
Bundestag, Florian Pronold, äußerte indes Verständnis
für den Ausschluss. «Wer sich so unsolidarisch verhält,
muss mit einer solchen Entscheidung rechnen», sagte Pronold der
«Passauer Neuen Presse».
(Quelle: ap)
Linke will nach Treffen mit Schwan eigenen Kandidaten
Sa.02.08.08 - Die Linke will nach einem Treffen ihres Fraktionschefs Gregor Gysi mit
der SPD-Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl, Gesine
Schwan, einen eigenen Bewerber aufstellen.
Bei der Zusammenkunft am Donnerstag in Berlin habe es sich um ein rein
privates Treffen gehandelt, sagte Fraktionssprecher Hendrik Thalheim am
Freitag. Die Position der Linkspartei stehe: "Wir streben eine eigene
Kandidatin oder eigenen Kandidaten an."
Vor einer Entscheidung sollten zunächst die Bayernwahl und die
sich daraus ergebenden Mehrheitsverhältnisse in der
Bundesversammlung abgewartet werden, erläuterte Thalheim. Dann
erst werde die Fraktion auch entscheiden, ob und in welcher Form Schwan
mit den Abgeordneten der Linken zusammentreffen werde.
In Briefen hatte die Hochschulprofessorin allen Bundestagsfraktionen
ein Vorstellungsgespräch angeboten. Die Union und die FDP haben
jedoch abgelehnt, da sie sich klar für eine zweite Amtszeit Horst
Köhlers ausgesprochen haben.
Ein Sprecher Schwans wollte sich zu der Unterredung mit Gysi nicht
äußern. Von der CSU kam dagegen scharfe Kritik. Die
SPD-Politikerin zeige mit dem Treffen ihre wahres Gesicht, sagte
Generalsekretärin Christine Haderthauer "Spiegel Online". "Ihre
Beteuerungen, nicht mit den Linken zu kooperieren, sind völlig
unglaubwürdig. Sie verkauft die Leute für dumm." Schwan sei
jedes Mittel recht, um ins Schloss Bellevue einzuziehen.
Schwan hatte angekündigt, gezielt auch um die Stimmen der Linken
werben zu wollen. Allerdings hatte sie bei der Partei mit
Interviewäußerungen für Verärgerung gesorgt, die
Linke habe keine Rezepte für die Gegenwart. Zudem hatte sie
Parteichef Oskar Lafontaine als Demagogen bezeichnet.
Offen hält sich die Linkspartei bisher, ob sie trotz der geplanten
Aufstellung eines eigenen Bewerbers bei der Wahl im Mai nächsten
Jahres bereit sein könnte, in einem zweiten oder dritten Wahlgang
Schwan ihre Stimme zu geben. Lafontaine hat mehrfach betont, ein von
der Partei unterstützter Kandidat müsse wesentliche
Positionen der Linken unterstützen.
CSU-Generalsekretärin Haderthauer verknüpfte ihre Kritik am
Treffen zwischen Schwan und Gysi mit Attacken gegen die SPD: "Wer den
obersten Hüter der Verfassung von Verfassungsfeinden wählen
lässt, der schreckt davor auch bei der Kanzlerwahl nicht
zurück." Bei einer rot-roten Koalition in der Bundesversammlung
werde es nicht bleiben.
(Quelle: rtr)
Neue Höchstsätze bei Bafög-Neuanträgen für
Studierende
Sa.02.08.08 - Studierende bekommen ab sofort mehr Geld vom Staat: Ab heute gelten bei
Bafög-Neuanträgen neue Höchstsätze, wie das
Deutsche Studentenwerk (DSW) in Berlin mitteilte. Der Höchstsatz
für Studenten, die allein wohnen, steigt um zehn Prozent von
bislang 585 auf jetzt 643 Euro. Wer noch bei den Eltern lebt, bekommt
nun maximal 473 Euro - das sind ebenfalls knapp zehn Prozent mehr als
bislang. Bei bereits laufendem Bafög greift die Erhöhung mit
Beginn des Wintersemesters Anfang Oktober.
Zudem wird der Freibetrag vom Elterneinkommen um acht Prozent
erhöht und liegt nun bei 1555 Euro. "Höhere
Elternfreibeträge bedeuten, dass potenziell mehr Studierende
Bafög erhalten können, vor allem aus Familien mit mittleren
Einkommen", erklärte das DSW. Zudem dürfen Studenten ab
sofort 400 Euro pro Monat verdienen, ohne dass sich die Höhe der
Bafög-Förderung ändert. Zuvor lag die Höchstgrenze
für Verdienste bei 350 Euro.
Die Bundesregierung geht durch die Neuerungen von rund 100.000
zusätzlich Geförderten aus. Laut DSW bekommt etwa ein Viertel
der zwei Millionen Studierenden Bafög.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Auf dem Mars gibt es Wasser
Sa.02.08.08 - Auf dem Planeten Mars gibt es Wasser. Nach Angaben der
US-Raumfahrtbehörde NASA entnahm und analysierte die Mars-Sonde
"Phoenix" mit ihren Instrumenten Eis aus dem Boden des Roten Planeten.
Dabei sei bewiesen worden, dass es sich um gefrorenes Wasser handelt.
"Wir haben Wasser", sagte William Boynton von der Universität von
Arizona, der das Analysegerät TEGA der Mars-Sonde "Phoenix" betreut.
"Wir hatten schon vorher Hinweise auf Wassereis..., aber dies ist das
erste Mal, dass Mars-Wasser berührt und geschmeckt wurde", sagte
Boynton. Das Analyse-Gerät TEGA ist eine Art kleiner Ofen, in den
ein Roboterarm der Sonde die Bodenproben einlegt. Diese werden dann
erhitzt, die entstehenden Dämpfe können dann von den
Instrumenten analysiert werden.
Der führende Mars-Wissenschaftler der NASA, Michael Meyer,
bezeichnete die "Phoenix"-Mission als Erfolg. "Es ist sehr erfolgreich,
der Mars hat sich als sehr interessant erwiesen, mechanisch funktioniert
das Raumfahrzeug sehr gut und wir haben genügend Energiereserven,
um bis über das Ende des Sommers hinaus weiterzumachen", sagte
Meyer. Er kündigte zugleich eine Verlängerung der Mission bis
zum 30. September an.
Phoenix war am 25. Mai am Nordpol des Roten Planeten gelandet. Mit
einer kleinen Baggerschaufel nimmt die Sonde Bodenproben einer
weißen Substanz, von der die Forscher seit längerem
vermuteten, dass es sich um Eis handelt. Nach der Entdeckung von Wasser
soll jetzt die Frage weiter erforscht werden, ob auf dem Mars Leben
möglich wäre. "Wir wollen die Geschichte des Eises verstehen,
indem wir herausfinden, ob es je geschmolzen ist und dadurch eine
flüssige Umgebung geschaffen hat, die den Boden verändert",
sagte "Phoenix"-Wissenschafler Peter Smith.
Die Instrumente der rund 350 Kilogramm schweren Sonde "Phoenix" sollen
die Zusammensetzung der Mars-Oberfläche ermitteln. So verfügt
"Phoenix" über einen 2,35 Meter langen Roboterarm, der einen Bohrer
etwa einen Meter tief in den Boden treiben kann, bis er die verborgene
Eisschicht erreicht. Alle Instrumente müssen bei Temperaturen von
minus 73 bis minus 33 Grad funktionieren. Solarzellen sorgen für
die Energieversorgung.
(Quelle: afp)