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Irak 1594 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Amnesty fordert von Deutschland sofortige Aufnahme irakischer Flüchtlinge. USA machen Milliarden-Waffen-Geschäft mit Irak. Rund 1.000 Menschen demonstrieren in Kirkuk. US-Armee läßt Häftlinge im Irak frei. Zwei US-Soldaten sollen irakischen Gefangenen getötet haben

So.03.08.08 - Die Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International (ai), Barbara Lochbihler, hat von der deutschen Regierung die sofortige Aufnahme irakischer Flüchtlinge verlangt. Die Situation für Flüchtlinge im Irak und in den Nachbarstaaten Syrien und Jordanien sei "extrem dramatisch", sagte Lochbihler der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Sie kritisierte, dass die Entscheidung über die Aufnahme auf EU-Ebene zurückgestellt worden sei. Deutschland dürfe jetzt nicht untätig bleiben, sondern müsse schon vor einer europäischen Einigung Flüchtlinge aus dem Irak aufnehmen und gleichzeitig "Druck in der EU" machen.

Lochbihler verwies darauf, dass die Zahl der Asyl-Antragsteller gegenüber 1996 um 84 Prozent zurückgegangen sei. "Wir haben also bei der Aufnahme von Flüchtlingen gewaltige Ressourcen frei", sagte sie. Scharfe Kritik übte die ai-Generalsekretärin am sogenannten EU-Einwanderungspakt. Zwar sei es notwenig, dass die EU ein Konzept ausarbeite, wie sie Migrantion organisiere. Die EU sehe aber "zu wenig den einzelnen Migranten - dass der ein Mensch ist und keine Ressource", sagte Lochbihler.

In der nordirakischen Stadt Hawidscha haben rund 1.000 Sunniten und Turkmenen gegen einen möglichen Einbezug der ölreichen Stadt Kirkuk ins kurdische Autonomiegebiet demonstriert. Am Freitag hatte sich bereits das schiitisch dominierte irakische Parlament gegen eine einseitige Veränderung des Status von Kirkuk ausgesprochen und vor einer Zunahme ethnischer Spannungen gewarnt. Am Sonntag wird sich das Parlament in einer Sondersitzung mit der Lage in Kirkuk beschäftigen und über die Machtteilung in der Stadt diskutieren. Der Streit zwischen den Volksgruppen um den künftigen Status der Stadt blockiert die Provinzwahlen, die ursprünglich für Oktober geplant waren.

Der Irak will nach Angaben des US- Verteidigungsministeriums von den USA Waffen für mehr als neun Milliarden Dollar (rund 5,8 Milliarden Euro) kaufen. Wie das Pentagon am Freitag (Ortszeit) in Washington mitteilte, wurde der US-Kongress über die Bestellung informiert.

Auf der Wunschliste, die die Agentur für Verteidigungssicherheit und Zusammenarbeit (DSCA) in den vergangenen Tagen auf ihrer Internetseite veröffentlichte, stehen Panzer, leichte Panzerfahrzeuge, Raketen, Helikopter, Transportflugzeuge und Munition.

Darüber hinaus will das Pentagon dem Irak technische Hilfestellung bei der Errichtung von Kasernen und beim Ausbau der Infrastruktur für die irakischen Sicherheitskräfte im Wert von 1,6 Milliarden Dollar verkaufen. Damit würde das Gesamtgeschäft ein Volumen von mehr als zehn Milliarden Dollar umfassen. Beobachter gehen davon aus, dass Bagdad die Rechnung aus seinen steigenden Öleinnahmen begleichen wird. Die Ölexporte haben dank der verbesserten Sicherheitslage in den vergangenen Monaten wieder den Stand von vor der US-Invasion im März 2003 erreicht. Zugleich zogen die Weltmarktpreise für Rohöl seitdem deutlich an.

Irakische Sicherheitskräfte nahmen unterdessen bei einer US- unterstützten Offensive in der Provinz Dijala im Zentrum des Landes 200 gesuchte Terrorverdächtige und Aufständische fest. Auch große Mengen an Waffen und Munition konnten sichergestellt werden, sagte ein hochrangiger Vertreter des Innenministeriums am Samstag der irakischen Nachrichtenagentur Aswat al-Irak. Die Unruhe-Provinz gilt als eine der wenigen verbliebenen Hochburgen der sunnitischen Aufständischen und des irakischen Ablegers der El Kaida. Die jüngste Offensive hatte am Dienstag begonnen.

Das US-Militär im Irak hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr bereits mehr als 10 000 Gefangene freigelassen. Die Entlassungen aus den US-Lagern Camp Cropper in Bagdad und Camp Bucca bei Basra seien «Teil eines Programms, Gefangene durch religiöse Betreuung und fachliche Bildungsangebote zu reintegrieren», hieß es in einer Stellungnahme des US-Militärs, die am Samstag in der irakischen Hauptstadt veröffentlicht wurde. Im gesamten Vorjahr seien 8900 Gefangene freigelassen worden. Insgesamt befänden sich noch 21 000 Insassen in den US-Gefangenenlagern im Irak. Die meisten von ihnen werden verdächtigt, an aufrührerischen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein.

Zwei US-Soldaten stehen im Verdacht, einen irakischen Gefangenen vorsätzlich erschossen zu haben. Wie die US-Streitkräfte im Irak am Samstag mitteilten, wurden der Unteroffizier Hal Warner und der Leutnant Michael Behenna vorigen Monat offiziell des vorsätzlichen Mordes, der Falschaussage und der Behinderung der Justiz beschuldigt. Sie sollen den Iraker Ali Mansur Mohammed in oder in der Nähre ihres Stützpunkts bei Beidschi, rund 250 Kilometer nördlich von Bagdad, getötet haben. Ursprünglich sei angenommen worden, der Iraker sei um den 16. Mai herum aus US-Gewahrsam freigelassen worden, hieß es in der Mitteilung der Streitkräfte. Eine Militärsprecherin wollte sich nicht näher zu der Tat äußern.

boa (Quellen: afp, dpa, ap)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 03.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Fr.03.08.07 - USA und Großbritannien fordern stärkere UN-Präsenz im Irak +++ Ministerpräsident Al-Maliki ringt um Erhalt seiner Regierung +++ Zahlreiche Tote bei Anschlägen und Gefechten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0708030.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

Iran: Ahmadinedschad zeigt sich im Atomstreit weiter unnachgiebig

So.03.08.08 - Der Iran zeigt sich im Streit um sein Atomprogramm weiter unnachgiebig. Das Land werde nicht ein Jota von seinen atomaren Rechten abweichen, sagte Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Samstag bei einer Unterredung mit seinem syrischen Kollegen Baschar al Assad in Teheran. Die Äußerungen Ahmadinedschad auf dessen offizieller Website verbreitet.

Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland hatten dem Iran am 19. Juli eine Frist von zwei Wochen gesetzt, um sich klar zu seiner umstrittenen Urananreicherung zu äußern. Diese Frist lief am Samstag aus. Ein EU-Beamter erklärte in Brüssel, der EU-Außenbeauftragte Javier Solana habe noch keine Antwort aus Teheran erhalten, erwarte diese aber in den nächsten Tagen nach Ablauf der Frist.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier forderte im «Spiegel» den Iran auf, nicht länger auf Zeit zu spielen und mahnte eine «klare Antwort» auf die jüngsten Vorschläge der fünf UN-Veto-Mächte und Deutschlands an.

Syrien hat sich in dem Streit als Vermittler angeboten. Auf einen Wunsch Frankreichs hin sagte Asssad zu, er wolle die iranische Regierung von der Notwendigkeit überzeugen, dem Westen eindeutig zu beweisen, dass Teheran nicht nach Atomwaffen strebe. Syrien ist der engste Verbündete des Irans in der arabischen Welt.

(Quelle: ap)
 



 

Nahost-Konflikt: Mindestens neun Tote bei Kämpfen zwischen Hamas und Fatah in Gaza

So.03.08.08 - Die Kämpfe zwischen der radikalislamischen Hamas und der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Gaza werden immer blutiger. Bei Gefechten zwischen Anhängern der rivalisierenden Organisationen in Gaza-Stadt wurden nach israelischen Medienberichten mindestens neun Menschen getötet. Darunter seien auch mehrere Hamas-Mitglieder gewesen. Laut palästinensischen Medienangaben wurden mehr als 80 Menschen verletzt.

(Quelle: dpa)
 



 

Südafrika; Mandela ruft ANC zur Einheit auf

So.03.08.08 - Der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela hat seinen Afrikanischen Nationalkongress (ANC) zur Einheit und zur Bekräftigung seiner Werte ermahnt. Bei einer Massenveranstaltung in Pretoria anlässlich seines 90. Geburtstags betonte Mandela am Samstag zugleich, dass er ohne den ANC ein Nichts geblieben wäre. Die ANC-Anhänger, die zu mehreren Zehntausenden ins Loftus-Versfeld-Stadion gekommen waren, rief er deshalb auf, lieber die Errungenschaften des ANC zu feiern als die Leistungen einer einzelnen Person.

Mandela, der am 18. Juli sein 90. Lebensjahr vollendete, wurde von seinem Amtsnachfolger, Präsident Thabo Mbeki, und dem heutigen ANC-Chef Jacob Zuma, auf die Tribüne geleitet. Mbeki und Zuma haben sich im vergangenen Jahr einen erbitterten Machtkampf um die Führung der Regierungspartei geliefert, so dass Mandelas Appell zur Einheit Beobachtern zufolge vor allem auch an diese beiden Politiker gerichtet war.

Auf der Bühne befand sich ein riesiger Geburtstagskuchen mit vielen Kerzen. Anwesend waren auch Mandelas Ehefrau Graca Machel, die er an seinem 80. Geburtstag geheiratet hatte, sowie seine Exfrau Winnie Madikizela-Mandela. Mandela, der 27 Jahre lang im Gefängnis saß, gilt als Symbolfigur für die Überwindung der Apartheid in Südafrika. Er wurde 1993 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet und 1994 zum ersten demokratisch legitimierten Präsidenten des Landes gewählt.

(Quelle: ap)
 



 

Entspannung in Beziehungen zwischen Sudan und Tschad

So.03.08.08 - Der Sudan wird seine Botschaft im Nachbarland Tschad wieder eröffnen. Präsident Omar al Baschir habe das Außenministerium beauftragt, die nötigen Schritte dafür in die Wege zu leiten, wie staatliche Medien am Samstag in Khartum berichteten. Außerdem wird Al Baschir seinen Kollegen Idriss Déby unter Vermittlung des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi treffe. Ein Zeitpunkt für das Gespräch stand noch nicht fest, wie es unter Berufung auf einen Präsidentenberater hieß.

Der Sudan hatte die diplomatischen Beziehungen zum Tschad im Mai abgebrochen, nachdem Rebellen der Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) aus der Darfur-Region die sudanesische Hauptstadt Khartum angegriffen hatten. Der Sudan warf dem Tschad vor, die Rebellen zu unterstützen. Tschad wirft dem Sudan ebenfalls die Unterstützung feindlicher Rebellen vor. Nach dem Angriff auf Khartum schloss der Tschad die Grenzen und setzte den Handel mit dem Nachbarland aus. Zwischen beiden Ländern gibt es seit Jahrzehnten immer wieder Spannungen.

(Quelle: ap)
 



 

Menschenrechtsdebatte wirft Schatten auf Olympische Spiele in China

So.03.08.08 - Knapp eine Woche vor Beginn der Olympischen Spiele dauert die Debatte um Menschenrechte und Meinungsfreiheit im Gastgeberland China an: Amnesty International Deutschland wirft dem Internationalen Olympischen Komitee Versagen vor. Es habe in Peking nicht wirklich darauf gedrungen, dass Zusagen bei Menschenrechten und Pressefreiheit auch eingehalten würden, sagte die Generalsekretärin der deutschen ai-Sektion, Barbara Lochbihler. Die US-Regierung erklärte, sie halte eine Verbesserung der Menschenrechtslage in China für wichtiger als eine mögliche Verärgerung in Peking über Kritik.

Ob Zensur, Todesurteile oder Arbeitslager - China habe das Versprechen auf Verbesserungen der Menschenrechtssituation gebrochen, sagte Lochbihler der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". "Das widerspricht den Kernprinzipien der olympischen Idee." In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" bezeichnete es Lochbihler als "höchst bedauerlich", dass das IOC in der Frage der Internetzensur eingeknickt sei. In den sieben Jahren seit Vergabe der Spiele an Peking hätte das IOC viel früher nachfragen müssen, ob das Versprechen der chinesischen Führung eingehalten werde, für eine Verbesserung der Menschenrechte zu sorgen.

IOC-Präsident Jacques Rogge stimmte nach Angaben eines ranghohen Vertreters des Komitees zu keiner Zeit einer Sperrung bestimmter Internet-Seiten zu. Dies sei ihm in einem Treffen mit Rogge persönlich versichert worden, sagte Kevan Gosper. Das IOC habe mit den Pekinger Organisatoren eine Arbeitsgruppe gebildet, um darüber zu verhandeln, welche Websites für Journalisten zugänglich gemacht werden könnten. Die Gespräche liefen nach seinen Angaben noch.

Grünen-Chefin Claudia Roth forderte das IOC auf, die Zensur nicht "in stiller Kumpanei" hinzunehmen. Das IOC habe versprochen, dass Journalisten bei den Spielen ungehindert arbeiten könnten, jetzt werde diese Zusage "stillschweigend entsorgt".

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich überzeugt, dass China sich durch Olympia mehr öffnen werde. "Die Chinesen scheinen einzusehen, dass Freiheit und Menschenrechte die beste Basis für eine gute Zukunft sind", sagte Schäuble der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Die US-Regierung erklärte, eine Verbesserung der Menschenrechtslage in China sei wichtiger als Pekings mögliche Verärgerung über Kritik. "Wir sind weniger mit ihren öffentlichen Kommentaren befasst als mit dem Vorgehen vor Ort in China", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino.

(Quelle: afp)
 



 

Brasilien gründet Amazonas-Fonds zur Rettung des Regenwalds

So.03.08.08 - Brasilien hat zur Rettung seines bedrohten Regenwaldes im Amazonas-Gebiet einen Fonds eingerichtet, durch den Projekte zur Wiederaufforstung und zur nachhaltigen Entwicklung der Region finanziert werden sollen. Präsident Luiz Inacio Lula da Silva unterzeichnete am Sitz der Nationalen Bank für wirtschaftliche und soziale Entwicklung (BNDES) in Rio de Janeiro ein Dekret zur Gründung des Amazonas-Fonds, der bis zum Jahr 2021 mit bis zu 21 Milliarden Dollar an Geldern aus dem In- und Ausland bestückt werden soll.

Als erster Geber will Norwegen im September 100 Millionen Dollar in den Fonds einzahlen, wie BNDES-Umweltchef Eduardo de Mello mitteilte. "Brasilien übernimmt seine vollständige Verantwortung für seine Pflicht, Amazonien zu retten", sagte Lula. Zugleich forderte er, Brasilien müsse seine Umwelt als Trumpf bei internationalen Verhandlungen einsetzen. "Heute versteht jeder, dass in den internationalen Diskussionen unsere Postkarte Amazonien Gewicht hat. Sie zu zerstören, widerspräche unseren Interessen." Lula kritisierte "die reichen Staaten, die reden, als seien sie die Besitzer des Amazonasgebiets". Brasilien müsse seine territoriale Souveränität wahrnehmen, verlangte der Präsident.

Laut Mello erhalten die Geberstaaten keine Gegenleistung wie etwa Steuerbefreiungen oder Luftverschmutzungsrechte im Rahmen eines CO2-Emissionshandels. Die Zahlungen seien freiwillig, und die Geber könnten keinen Einfluss auf die Nutzung der Gelder nehmen. Neben Norwegen hätten bereits andere Staaten sowie auch Banken und Unternehmen Interesse angezeigt, in den Fonds einzuzahlen. Bis zu 20 Prozent des Amazonas-Fonds können in Umwelt-Projekte in anderen Gebieten Brasiliens oder anderen tropischen Ländern fließen.

(Quelle: afp)
 



 

Schwach radioaktives Wasser aus amerikanischem Atom-U-Boot ausgetreten

So.03.08.08 - Aus einem atomgetriebenen U-Boot der US-Marine ist in den vergangenen Monaten mehrfach schwach radioaktives Wasser ausgetreten. Die Radioaktivität der von der «USS Houston» bei Stopps in Japan, Guam und Hawaii verlorenen Flüssigkeit sei minimal gewesen, sagte Marinesprecher Scott Gureck am Freitag. Der Wert habe bei jeweils weniger als einem halben Mikrocurie gelegen, das entspreche in etwa der Radioaktivität eines Sacks Kunstdünger.

Die Marine entdeckte das Leck nach eigenen Angaben bereits am 17. Juli bei Wartungsarbeiten an der «USS Houston» in einem Trockendock. Die Flüssigkeit trat demnach vermutlich bereits seit März aus, als das U-Boot im Pazifik unterwegs war.

Das Gesundheitsministerium in Hawaii erklärte, die Marine habe den Zwischenfall gemeldet. Die Behörden seien jedoch der Auffassung gewesen, dass keine Bedrohung vorliege und hätten daher nichts unternommen.

Das japanische Außenministerium erklärte, die US-Streitkräfte hätten die Regierung über den Vorfall informiert. Tokio sei im März und April mitgeteilt worden, dass möglicherweise in geringer Menge Radioaktivität aus der «USS Houston» ausgetreten sei, hieß es am Samstag.

(Quelle: ap)
 



 

Grünen-Chefin Roth schließt schwarz-grünes Bündnis 2009 aus

So.03.08.08 - Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat eine Koalition mit der Union nach der Bundestagswahl im nächsten Jahr ausgeschlossen. "Die Union hat sich Lichtjahre von der Möglichkeit einer Zusammenarbeit entfernt", sagte Roth der "Bild am Sonntag". Ein schwarz-grünes Bündnis werde es mit einer Union nicht geben, "die Laufzeiten verlängern, das Staatsbürgerschaftsrecht zurückdrehen und die Bürgerrechte abbauen möchte." Die Frage des Atomausstieges sei mit den Grünen "überhaupt nicht verhandelbar", sagte Roth.

Zugleich griff Roth den CSU-Vorsitzenden Erwin Huber wegen dessen Atomkraft-freundlicher Haltung scharf an. Huber sei bei der Atomkraft "ein echtes Sicherheitsrisiko", weil er "alle alten Schrottmeiler 60 Jahre laufen lassen" wolle. Der Union falle zur Zukunft der Energiepolitik nichts anderes ein, als auf veraltete Konzepte der 60-er Jahre zu setzen. Schon jetzt wisse niemand, wohin mit dem strahlenden Atommüll, und Huber wolle diesen noch mal verdoppeln. "Wo in Bayern will er denn die Endlager dafür bauen?"

(Quelle: afp)
 



 

Clement wertet Parteiausschluss als Teil des SPD-Richtungsstreits

So.03.08.08 - Der frühere Bundesminister Wolfgang Clement sieht den Richtungsstreit in der SPD als Auslöser seines möglichen Rauswurfs aus der Partei. Clement forderte am Samstag, die Bundesschiedskommission der SPD müsse die Ausschluss-Entscheidung aus Nordrhein-Westfalen zurücknehmen. «Ich bin Sozialdemokrat und werde das auch bleiben», betonte der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident.

Der tatsächliche Hintergrund des Beschlusses sei nicht seine Kritik an der Energiepolitik der hessischen SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti, sagte Clement den ARD-Tagesthemen. In dem Verfahren «haben meine Bochumer Freunde, die mich mit innigster Herzlichkeit verfolgen, gesagt, die Agenda 2010 sei menschenverachtend», erklärte er. «Das kann doch jemand wie ich nicht stehen lassen.»

Clement forderte, auch die Parteiführung müsse sich gegen eine solche Aussage zur Wehr setzen. «Das sind die wahren Hintergründe des Verfahrens gegen mich - es geht nicht darum, dass ich irgendwo einen Kommentar geschrieben habe, zu dem ich auch jetzt noch jederzeit stehe», bekräftigte der ehemalige Bundeswirtschaftsminister.

«Ich finde es wichtig, dass die Parteiführung offensichtlich verstanden hat, das ist keine Provinzposse, die sich da abspielt», ergänzte Clement im ZDF. «Sondern das ist ein Politikum. Und dass sie sich jetzt in das Verfahren einschalten will.»

Clement hat gegen den noch nicht rechtskräftigen Parteiausschluss der Schiedskommission NRW Berufung eingelegt. Das Verfahren gegen den 68-Jährigen war eingeleitet worden, weil der frühere Superminister der Regierung Schröder im hessischen Landtagswahlkampf das Energiekonzept der SPD kritisiert und von der Wahl Ypsilantis abgeraten hatte.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Frank-Walter Steinmeier stellte sich im «Spiegel» hinter Clement. Dieser sei kein Querulant, sondern ein Querdenker. «Dieses Attribut ist in unserer Partei sympathischerweise kein Schimpfwort.»

Nach internen Parteiunterlagen, die dem «Focus» vorliegen, hat der SPD-Unterbezirk Frankfurt den Parteiausschluss Clements selbst betrieben. Der Frankfurter Parteichef Gernot Grumbach, der als Ratgeber Ypsilantis gilt, sei im Parteiausschlussverfahren gegen Clement als einer von sieben Klägern aufgetreten. Ypsilanti sitzt für die Frankfurter SPD als Abgeordnete im Wiesbadener Landtag.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Gerd Andres, früher parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium unter Clement, sagte der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse», ein Parteiausschluss Clements würde für die SPD heftige Folgen haben: «Dann werden sich die Mitgliederverluste beschleunigen.» Sollte das Bundesschiedsgericht der Partei den Ausschluss nicht stoppen, «bleibt von der SPD nur ein Trümmerhaufen», meinte Andres.

Manfred Güllner, Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, fordert SPD-Chef Kurt Beck in der «BZ am Sonntag» auf, sich vor Clement zu stellen. Er sei einer der beliebtesten Bundesminister gewesen, mit großer Bindekraft für die Wähler der Mitte. «Wenn man den aus der SPD wirft, verliert die SPD massiv Wählerstimmen.» Beck hätte nach Ansicht Güllners eigentlich sagen müssen: «Wenn Nordrhein-Westfalen Clement ausschließt, nehmen wir ihn am nächsten Tag in Rheinland-Pfalz in die SPD wieder auf.»

(Quelle: ap)
 



 

Wohlfahrtsverband will mehr Geld für «Hartz IV»-Empfänger

So.03.08.08 - Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert wegen steigender Energiepreise und der hohen Inflationsrate mehr Geld für «Hartz IV»-Empfänger. Eine Anhebung der Regelsätze um rund 20 Prozent auf monatlich 420 Euro sei mehr als gerechtfertigt, sagte der Geschäftsführer des Gesamtverbandes, Werner Hesse, der «Rheinpfalz am Sonntag», laut einem Vorabbericht. Die vorgenommene Angleichung an die Rentenerhöhung reiche bei weitem nicht aus und sei nur «ein Tropfen auf dem heißen Stein».

Auch die Sätze für Kinder von gegenwärtig 211 Euro monatlich sollten deutlich erhöht werden. So fehle inzwischen vielen Familien das nötige Geld für Schulmaterialien, kritisierte Hesse. Denkbar sei auch ein einmaliger Betrag für Familien mit Kindern in Höhe von 50 bis 60 Euro zu Schuljahresbeginn. Es sei ein Unding, wenn Bund und Länder sich nicht einigen könnten, wer die Kosten übernehmen solle.

Zugleich machte der Geschäftsführer darauf aufmerksam, dass sich Sozialämter und Jobcenter zunehmend weigerten, die vollen Heizkosten zu übernehmen und stattdessen nur noch Pauschalen zahlten, um die Ausgaben zu drücken. «Das ist rechtswidrig», betonte Hesse. Die gesamten Kosten der Heizung müssten erstattet werden, egal, wie hoch sie seien.

(Quelle: ddp)
 



 

Umfrage: 75 Prozent wollen Steuerentlastungen wegen Energiepreise

So.03.08.08 - Eine große Mehrheit der Deutschen fordert einer Umfrage zufolge Eingriffe des Staates zur Senkung der explodierenden Energiepreise. 75 Prozent der Bundesbürger votieren nach der Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach dafür, dass «der Staat auf die hohen Energiepreise mit einer steuerlichen Entlastung» reagieren soll, schreibt Institutschefin Renate Köcher im Magazin «Wirtschaftswoche». Mehr als die Hälfte fordert sogar direkte Markteingriffe des Staates. «Die Mehrheit plädiert für direkte Eingriffe in die Preisbildung der Energieversorger. Diese Position wird weit überdurchschnittlich von der ostdeutschen Bevölkerung und Anhängern der Linkspartei verfochten» erläutert Köcher.

Aktuellen Umfragen zufolge sind die hohen Energiepreise derzeit das wichtigste Thema der Bundesbürger. «Vor drei Jahren empfanden bereits 55 Prozent der Bevölkerung die Kosten für Benzin und Diesel als große Belastung. 2007 lag dieser Anteil bereits bei 69 Prozent, jetzt bei 74 Prozent. Die Entwicklung der Strompreise empfinden zurzeit 71 Prozent der Bevölkerung als große Belastung», schreibt Köcher.

Laut Köcher zeichnet sich als Folge dieser Entwicklung der Trend ab, dass das Vertrauen der Bürger in den Markt und die Marktwirtschaft stark sinkt. Es sei zu beobachten, dass das «Zutrauen erodiert, dass ein funktionierender Wettbewerb ein Garant dafür ist, dass die Verbraucher den größtmöglichen Nutzen erzielen». Die Politik sehe sich zunehmend mit Erwartungen konfrontiert, die bei ihrer Umsetzung die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft teilweise gravierend verändern würden.

(Quelle: ddp)
 
 
 
 

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