+++ Mo.04.08.08, 06:30
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Aktuelle Nachrichten
Irak 1595 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Autobombe tötet in Bagdad acht Menschen
Mo.04.08.08 - Bei der Explosion einer Autobombe sind in Bagdad nach Polizeiangaben
acht Menschen getötet und 14 verletzt worden.
Der Anschlag mit einem geparkten Fahrzeug sei am Sonntag an einer
Geschäftsstraße im sunnitischen Viertel Adhamija im Norden
der Stadt verübt worden, hieß es weiter.
Größere Anschläge mit Autobomben sind in der irakischen
Hauptstadt im Zuge der verbesserten Sicherheitslage zuletzt relativ
selten geworden. Insgesamt ist die Zahl der Gewalttaten in dem Golfstaat
auf einen so niedrigen Stand wie zuletzt Anfang 2004
zurückgegangen. Die jüngste schwere Anschlagsserie in Bagdad
hatte sich vergangene Woche ereignet, als sich drei
Selbstmordattentäterinnen unter schiitischen Pilgern in die Luft
sprengten und 35 Menschen mit sich in den Tod rissen.
(Quelle: rtr)
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 04.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundeinunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Sa.04.08.07 - Verstärkte Rolle der UN im Irak wird immer wahrscheinlicher +++ Vier
US-Soldaten im Irak getötet - Seit Kriegsbeginn kamen 3.663
Mitglieder der US-Streitkräfte im Irak ums Leben +++ US-Soldat wegen
Mordes in Irak zu 15 Jahren Haft verurteilt +++ Britische Truppen leiden
unter totalem Streß...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0708040.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt: Mehr als 180 Fatah-Mitglieder aus Gaza nach Israel
geflohen
Mo.04.08.08 - Israel hat mehr als 180 Mitglieder der Palästinenserorganisation
Fatah aufgenommen, die vor der verfeindeten Hamas-Bewegung aus dem
Gazastreifen geflohen sind. Von den Flüchtlingen seien 22 mit
Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden, sagte eine Sprecherin
der israelischen Armee. Es handele sich um eine "humanitäre Geste"
angesichts der schweren Gefechte zwischen Hamas und Fatah im
Gazastreifen. Der Großteil der Flüchtlinge sollte weiter nach
Ramallah im Westjordanland gebracht werden. Aus israelischen
Regierungskreisen verlautete, dass 32 der geflohenen Fatah-Mitglieder
bereits in den Gazastreifen zurückgekehrt seien.
Vize-Regierungschef Haim Ramon sagte im Militärradio, dass Israel
denjenigen Palästinensern helfe, die den radikalen Islam
bekämpften und Verhandlungen unterstützten. Israel hatte nach
Angaben eines ranghohen Beamten am Samstag auf Anordnung von
Verteidigungsminister Ehud Barak den Grenzübergang Nahal Os
ausnahmsweise für die Flüchtlinge geöffnet. Zuvor habe
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas persönlich darum
gebeten. Die Grenze Israels zum Gazastreifen ist seit der
Machtübernahme der Hamas im Juni 2007 geschlossen.
Bei neuen Kämpfen zwischen Anhängern von Hamas und Fatah in
Gaza waren am Samstag nach palästinensischen Angaben neun Menschen
getötet und mehr als 90 weitere verletzt worden. Auslöser der
Gefechte war die versuchte Festnahme des Chefs eines der Fatah
nahestehenden Familienclans, der hinter einem Bombenanschlag auf
Hamas-Kämpfer stecken soll. Bei dem Anschlag waren am 25. Juli
fünf Mitglieder des militärischen Arms der Hamas und ein
fünfjähriges Mädchen getötet worden. In Folge des
Anschlags waren von der Hamas in den vergangenen Tagen hunderte
Fatah-Anhänger festgenommen worden. Die Beziehungen der beiden
Palästinenserorganisationen sind äußerst gespannt, seit
die radikale Hamas im die Macht im Gazastreifen übernommen hat.
(Quelle: afp)
Jordanien: 35 Menschen bei illegalen Nierenentnahmen gestorben - Opfer
zumeist Arme aus palästinensischen Flüchtlingslagern
Mo.04.08.08 - Mindestens 35 Jordanier sind in den letzten drei Jahren an den Folgen
illegaler Nierenentnahmen gestorben. Insgesamt seien im selben Zeitraum
120 Menschen von Händlern des nahöstlichen Schwarzmarktes
für Spendernieren rekrutiert worden.
Das erklärte Dr. Mohammed Ghneimat, der Präsident der
Vereinigung der Nierenpatienten in Jordanien, in der jordanischen
Tageszeitung «Al-Rai» (Sonntagausgabe). Dabei handelte es
sich zumeist um verarmte Menschen aus palästinensischen
Flüchtlingslagern.
Für die Entnahme einer Niere hätten die illegal angeworbenen
Spender 3000 jordanische Dinar (2720 Euro) erhalten. Die Organe wurden
an wohlhabende Patienten zumeist in Ägypten und in Pakistan
verkauft. Die Spender wurden außerhalb Jordaniens «unter
irregulären Umständen» operiert, sagte Dr. Ghneimat. Bei
vielen von ihnen seien nach dem Eingriff Komplikationen aufgetreten, so
dass mindestens 35 von ihnen daran starben. Inzwischen schritten
allerdings die jordanischen Behörden ein. Aufgrund der Aussagen
von Spendern seien bereits etliche Akteure des
Organhändler-Kartells festgenommen worden.
(Quelle: dpa)
Mindestens 15 Tote bei Bombenanschlag in Somalia
Mo.04.08.08 - Bei einem Bombenanschlag in der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind
mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Wie Augenzeugen der
Nachrichtenagentur AFP sagten, detonierte der Sprengsatz am
Straßenrand und traf eine Gruppe von Frauen, die sich an einer
Straßenreinigung beteiligten. Rund 40 Menschen seien verletzt
worden. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Allerdings
nehmen islamistische Gruppen immer wieder Militärkonvois der
Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) und der äthiopischen
Armee mit versteckten Sprengsätzen ins Visier.
In Somalia herrscht seit dem Sturz von Machthaber Siad Barre 1991
Bürgerkrieg. Die äthiopische Armee war Ende 2006
eingeschritten, um islamistische Kämpfer zu vertreiben. Die
Hauptstadt Mogadischu wird seitdem von ständigen Kämpfen
erschüttert. Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben
internationaler Hilfs- und Menschenrechtsorganisation rund 6000
Zivilisten bei Kämpfen getötet.
(Quelle: afp)
Gespräche über Machtteilung in Simbabwe wieder aufgenommen
Mo.04.08.08 - Regierung und Opposition in Simbabwe haben die Gespräche zur
Teilung der Macht in dem krisengeschüttelten südafrikanischen
Land wieder aufgenommen. Vertreter von Präsident Robert Mugabe und
Oppositionsführer Morgan Tsvangirai kamen an einem geheimen Ort in
Pretoria zusammen, wie der Sprecher des südafrikanischen
Präsidenten Thabo Mbeki, Mukoni Ratshitanga, am Sonntag
erklärte.
Die Verhandlungen waren am 24. Juli gescheitert, nachdem Mugabe darauf
bestand, auch eine mögliche Allparteienregierung zu führen.
Beide Seiten sind Mbeki zufolge entschlossen, die Gespräche bis
zum Montag abzuschließen. Mugabe und Tsvangirai hatten sich
darauf verständigt, eine Einheitsregierung zu bilden, um die
politische und wirtschaftliche Krise in dem Land zu beenden. Tsvangirai
hat Bereitschaft zum Kompromiss signalisiert, er will den seit 28
Jahren regierenden Machthaber Mugabe jedoch nicht weiter als
Präsidenten akzeptieren. Die Regionalmacht Südafrika
vermittelt zwischen beiden Parteien.
Mugabe hatte sich Ende Juni in einer Stichwahl ohne Gegenkandidaten
für eine weitere Amtszeit wählen lassen. Die erste Runde der
Präsidentenwahl im März hatte Tsvangirai zwar gewonnen, den
amtlichen Ergebnissen zufolge aber die notwendige absolute Mehrheit
knapp verfehlt. Wegen massiver Gewalt gegen seine Anhänger zog der
Oppositionsführer kurz vor der Stichwahl seine Kandidatur
zurück.
(Quelle: ap)
Neuer Grenzstreit zwischen Kambodscha und Thailand
Mo.04.08.08 - Thailändische Soldaten haben nach kambodschanischen Angaben eine
zweite Tempelanlage an der gemeinsamen Grenze beider Staaten besetzt.
Etwa 70 Soldaten seien am Donnerstag auf das Gelände des Tempels Ta
Moan Thom vorgedrungen, sagte Major Sim Sokha, Vizekommandeur einer
kambodschanischen Grenzschutzeinheit, am Sonntag. Der thailändische
Außenamtssprecher Tharit Charungvat wies die Angaben über
Truppenbewegungen zurück.
Sim Sokha sagte, die thailändischen Truppen wollten erst abziehen,
wenn der Streit um die mehrere hundert Kilometer östlich gelegene
Tempelanlage Preah Vihear beigelegt sei. Dort haben die
Nachbarländer seit Eskalierung des Streits vor rund drei Wochen
mehrere tausend Soldaten an der Grenze zusammengezogen. Noch immer sind
dort 800 kambodschanische und 400 thailändische Soldaten
stationiert. Bei einem Schlichtungsgespräch zwischen den
Außenministern am vergangenen Montag war vereinbart worden, die
Soldaten abzuziehen.
Die Tempelanlage liegt in einem Grenzgebiet, das der Internationale
Gerichtshof in Den Haag 1962 Kambodscha zugesprochen hat. In Thailand
wird diese Entscheidung jedoch nicht von allen akzeptiert. Die gespannte
Lage zwischen den südostasiatischen Staaten hatte sich im Juli
zugespitzt, nachdem die UNESCO die Aufnahme des Tempels als
kambodschanische Stätte in die Liste des Weltkulturerbes
bekanntgab. Auch das Gebiet, in dem der Tempel Ta Moan Thom liegt, ist
nach thailändischen Angaben umstritten.
(Quelle: ap)
Als Kriegsverbrecher angeklagter bosnisch-serbischer Ex-Präsident
Karadzic stand angeblich bis 2000 unter Schutz der USA
Mo.04.08.08 - Der als Kriegsverbrecher angeklagte bosnisch-serbische
Ex-Präsident Radovan Karadzic soll bis zum Jahr 2000 unter dem
Schutz der USA gestanden haben. Dann habe ihn der US-Geheimdienst CIA
dabei ertappt, wie er die als Voraussetzung für diesen Schutz
geltenden Vereinbarungen gebrochen habe, berichtete die serbische
Zeitung "Blic" unter Berufung auf eine US-Geheimdienstquelle. Die CIA
habe ein Telefongespräch abgehört, aus dem klar hervorgegangen
sei, dass Karadzic weiterhin seine Serbische Demokratische Partei (SDS)
geleitet habe.
Karadzic hatte am Donnerstag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den
Haag erklärt, der frühere US-Gesandte Richard Holbrooke habe
ihm im Gegenzug zu seinem Rückzug aus dem politischen Leben Schutz
vor Verfolgung durch das Tribunal zugesichert. Holbrooke bestreitet eine
derartige Vereinbarung. Die von "Blic" angeführte Quelle
erklärte: "Ich bin mir nicht sicher, ob es ein schriftliches
Dokument dafür gibt, aber ich weiß andererseits, dass
Holbrooke auf höchster Ebene mündliche Garantien für
Karadzic abgegeben hat."
Vor der Parlamentswahl in Bosnien-Herzegowina im November 2000 habe die
CIA erfahren, dass Karadzic entgegen den Abmachungen die
nationalistische SDS führte. Damals habe im ostbosnischen Bijeljina
eine von Karadzic persönlich geleitete Parteiversammlung
stattgefunden, auf der er seinen Anhängern Anweisungen gegeben und
Leute für Führungspositionen benannt habe. Aus
Verärgerung darüber sei der "informelle Schutz" für
Karadzic aufgehoben worden, der ihn auch vor der Festnahme durch andere
Geheimdienste wie diejenigen Frankreichs und Großbritanniens
geschützt habe.
Der frühere bosnisch-serbische Außenminister Aleksa Buha
sagte dem Sender Radio Belgrad, der US-Unterhändler in
Bosnien-Herzegowina, Richard Holbrooke, habe seinerzeit ihm
gegenüber die Abmachung bestätigt und ihm zugesagt, dass
Karadzic nicht vor das Kriegsverbrechertribunal komme, wenn er sich
nicht politisch betätige.
Dieses Versprechen habe Holbrooke während eines Treffens in
Belgrad in der Nacht zum 19. Juli 1996 abgegeben, an dem auch der
damalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic, der damalige
jugoslawische Außenminister Milan Milutinovic und der frühere
bosnisch-serbische Parlamentspräsident Momcilo Krajisnik
teilgenommen hätten. Krajisnik war während der
Friedensverhandlungen in Dayton in den USA der ranghöchste
Vertreter der bosnischen Serben. Holbrooke war an den Abkommen von
Dayton, die den Bosnien-Krieg 1995 beendeten, maßgeblich beteiligt.
(Quelle: afp)
Plutonium in IAEA-Labor in Österreich ausgetreten
Mo.04.08.08 - In einem Labor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA) in
Österreich ist am Sonntag Plutonium ausgetreten. Dabei wurde
niemand verletzt und es trat keine Radioaktivität in die Umwelt
aus, wie die IAEA und das Umweltministerium in Wien erklärten. I
In dem Hochsicherheitslabor in Seibersdorf rund 50 Kilometer westlich
von Wien platzte eine dort lagernde Probe, woraufhin Plutonium
freigesetzt wurde und automatisch ein Alarm ausgelöst wurde. Dies
führte zur Evakuierung des Gebäudes, wie die
Nachrichtenagentur APA berichtete. Zum Zeitpunkt des Ereignisses sei
niemand im Labor gewesen und die Radioaktivität in der Luft
dürfte von den Abluftfiltern zurückgehalten worden sein,
hieß es einer Mitteilung des Umweltministeriums.
Österreichische Messstellen außerhalb des Labors hätten
keine erhöhte Strahlung angezeigt.
Die in Wien ansässige IAEA ist die Atomaufsicht der Vereinten
Nationen. Das Labor wird von der Organisation zur Untersuchung von
Proben genutzt, die weltweit von Inspektoren in Atomeinrichtungen
eingesammelt wurden.
(Quelle: ap)
CSU-Chef Huber lehnt Atommüll-Endlager in Bayern ab
Mo.04.08.08 - CSU-Chef Erwin Huber hat sich erneut für längere Laufzeiten
für Atomkraftwerke ausgesprochen, eine Atommüll-Endlagerung in
Bayern aber ausgeschlossen. Es gebe seit 30 Jahren eine politische
Entscheidung für den Salzstock im niedersächsischen Gorleben,
sagte Huber dem "Bericht aus Berlin" der ARD. "Diese Arbeiten
müssen weitergeführt werden." Eine Endlagerung in Bayern als
mögliche Alternative zu dem höchst umstrittenen Standort
Gorleben würde die Debatte um die Endlagerung wieder um 30 Jahre
zurückwerfen. "Macht doch keinen Sinn", sagte Huber.
Gleichzeitig nannte Huber längere Akw-Laufzeiten eine "sehr
wichtige Bedingung" für Koalitionsverhandlungen, falls die Union
nach der kommenden Bundestagswahl weiter an der Regierung beteiligt sein
werde. Von einer absoluten Notwendigkeit für das Zustandekommen
einer Koalition wollte der CSU-Vorsitzende aber nicht sprechen.
(Quelle: afp)
BMW-Betriebsrat will gegen Stellenabbau klagen: Laut 'Spiegel' -
Ärger um angeblichen Plan zur Ausgliederung von
Personaldienstleistungen
Mo.04.08.08 - Der Betriebsrat des Autobauers BMW will gegen das Sparprogramm des
Konzerns klagen. Einen angeblichen Plan zur Ausgliederung von
Personaldienstleistungen bewertet Betriebsratschef Manfred Schoch als
Gesetzesbruch, wie der «Spiegel» am Wochenende berichtete.
Zu den betroffenen Personaldienstleistungen zählen dem
Nachrichtenmagazin zufolge Küchendienste, Sicherheitskräfte
und Betriebsärzte.
Das Betriebsverfassungsgesetz schreibe vor, dass der Betriebsrat
rechtzeitig über solche Veränderungen informiert werden
müsse. Daher wolle der Betriebsrat nun Klage einreichen: «Es
gibt Knatsch, wie ihn das Unternehmen noch nicht gesehen hat»,
wurde Schoch zitiert.
BMW wies die Kritik zurück. «Bisher ist der Betriebsrat bei
jeder Entscheidung informiert worden», sagte BMW-Sprecher Marc
Hassinger der AP. «Dies würde auch geschehen, wenn hier eine
Entscheidung getroffen würde.» Zu dem angeblichen
Ausgliederungsplan sagte er: «Im Rahmen unserer Strategie Number
One werden alle Aktivitäten untersucht, die nicht zum
Kerngeschäft gehören. Es gibt aber in keiner Weise eine
Entscheidung.»
Verärgert ist der BMW-Betriebsrat dem Bericht zufolge auch
über die Art, wie der Abbau von rund 8.000 Arbeitsplätzen
vorangetrieben wird. «Wenn wir auf diesem Niveau weitermachen,
bekomme ich Angst um dieses Unternehmen», wurde Schoch zitiert. Im
Februar hatte BMW den Abbau von 8.100 Arbeitsplätzen
bekanntgegeben, davon 7.500 in Deutschland.
BMW leidet ebenso wie Mercedes-Benz unter steigenden Rohstoffpreisen,
der Absatzkrise in den USA und dem schwachen Dollar-Kurs. Nach einem
Gewinneinbruch im zweiten Quartal hatte BMW am Freitag seine Prognose
für 2008 massiv gesenkt und stürzte daraufhin an der
Börse ab.
Der Autobauer rechnet jetzt nur noch einer Umsatzrendite vor Steuern
von mindestens 4 Prozent. Experten errechneten daraus eine Reduzierung
der Prognose um 1,5 Milliarden Euro. Statt mindestens 3,8 Milliarden
Euro Vorsteuergewinn wären es nur noch 2,3 Milliarden Euro. Die
BMW-Aktie verlor nach dieser Mitteilung zeitweise über 10 Prozent.
(Quelle: ap)
Müller sieht Saarlandwahl als 'Duell' mit Lafontaine
Mo.04.08.08 - Die Landtagswahl im kommenden Jahr wird nach Einschätzung von
Ministerpräsident Peter Müller (CDU) ein «spannendes
Duell» zwischen ihm und Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine. Der
«Financial Times Deutschland» (Montagausgabe) sagte
Müller, Lafontaine sei ein «idealer» und
«hilfreicher» Gegner. Mit der Kandidatur des
Linkspartei-Chefs sei «die Chance verbunden, den Menschen
deutlich zu machen, dass diese Wahl eine Richtungswahl für unser
Land ist». Lafontaine stehe für
«Steinzeitsozialismus».
Die Saarlandwahl wird nach dem Willen Müllers einige Wochen vor
der Bundestagswahl stattfinden. Der endgültige Termin steht aber
noch nicht fest. «Im Saarland steht die Alternative Rot-Rot zur
Wahl», sagte Müller. Dies werde Rückwirkungen auf die
Bundestagswahl haben.
(Quelle: ddp)
Landtagswahlkampf in Bayern - SPD-Spitzenkandidat Maget will Pendlergeld und
Energiebeihilfe
Mo.04.08.08 - Bayerns SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 28. September,
Franz Maget, fordert neben einem Landes-Pendlergeld für alle auch
einen bayerischen Energiezuschuss. «Es wäre ein Skandal, wenn
im reichen Bayern Menschen im Winter frieren, weil sie sich ihr
Heizöl nicht mehr leisten können», sagte der
SPD-Fraktionschef im Bayerischen Landtag dem Nachrichtenmagazin
«Focus». Die Steuerüberschüsse im Freistaat seien
derzeit «so groß, dass wir durchaus über eine
bayerische Energiebeihilfe nachdenken sollten», ergänzte
Maget.
Bei der Debatte um die Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale
ab dem ersten Kilometer warf Maget dem CSU-Vorsitzenden Erwin Huber vor,
«zu kurz» zu springen. Steuerlich könnten nur
diejenigen die Fahrt zum Arbeitsplatz geltend machen, die auch Lohn- und
Einkommensteuern zahlten. Gering verdienende Arbeitnehmer habe
«die CSU wie immer nicht auf der Agenda». Nach
österreichischem Vorbild schlage er deshalb ein aus Landesmitteln
finanziertes Pendlergeld für alle vor, auch für
Geringverdiener. Diese würden am Jahresende vom Freistaat einen
Zuschuss in Höhe von maximal 300 Euro erhalten.
(Quelle: ddp)
Umweltverbände pochen auf Tempolimit
Mo.04.08.08 - Die Umweltverbände verstärken in der Debatte um ein
Tempolimit den Druck auf die Bundesregierung. Auch der Verkehrsclub
Deutschland (VCD) forderte am Sonntag mit Blick auf den Klimaschutz und
hohe Unfallzahlen ein Einlenken von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Die stellvertretende Unions-Fraktionschefin Katherina Reiche (CDU) wies
die Vorstöße zurück.
Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND), Hubert Weiger, betonte in einem ddp-Interview: «Ein
Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf den Autobahnen wäre ein
deutliches Signal zum Umdenken.» Ein Verzicht «aufs
Rasen» bedeute «den Verzicht auf maximale
Energieverschwendung».
Auch Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens mahnte,
Deutschland müsse wegkommen «von PS-Wahn und
Geschwindigkeitsrausch». Mit einem Tempolimit könne der
Kohlendioxid-Ausstoß von Pkw sofort verringert werden. Behrens
fügte hinzu: «Die ´Verkehrstoten´ des 21.
Jahrhunderts sterben nicht nur auf deutschen Straßen, sie sterben
infolge des Klimawandels auch weltweit bei Flutkatastrophen, Dürren
oder bei Wirbelstürmen.»
Der VCD-Vorsitzende Michael Gehrmann kritisierte, es sei «ein
unverantwortlicher Anachronismus», dass auf den deutschen
Autobahnen noch unbegrenzt gerast werden dürfe. Die Kanzlerin
sollte deshalb «endlich» für ein Tempolimit eintreten.
Gehrmann fügte hinzu, die Vorteile eines generellen Tempolimits
auf den Autobahnen lägen «auf der Hand». So
könnten bei einer Begrenzung auf 120 Stundenkilometer «sofort
über drei Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart
werden». Ferner werde eine Entwicklung zugunsten leichter und
sparsamer Fahrzeuge beschleunigt.
Reiche entgegnete, sie halte ein Tempolimit «sowohl aus
klimapolitischen als auch aus verkehrspolitischen Gründen für
nicht geboten». So sei das CO2-Einsparpotenzial nur
«gering». Die Vizechefin der Unions-Fraktion mahnte:
«Wenn die Bürger das Gefühl haben, die Politik tut den
ganzen Tag nichts anderes, als sich immer mehr Verbote und
Einschränkungen auszudenken, dann erzeugt das null
Klimaverbesserung, aber viel Frust.»
Weiger warnte, Deutschland verspiele bei diesem Thema sein
internationales Ansehen. Der BUND-Vorsitzende fügte hinzu:
«Niemand glaubt uns, wir wollten die Umwelt schützen und
Öl sparen, wenn wir mit Sprit fressenden Fahrzeugen und einem Sprit
fressenden Fahrstil die Ressourcen vergeuden.»
(Quelle: ddp)
Foodwatch wirft Lebensmittelindustrie Täuschung vor
Mo.04.08.08 - Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft der Industrie
Täuschung bei manchen Lebensmitteln vor. Sie biete in
Werbebotschaften Scheinverbesserungen an, mit denen man im Grunde
schlechtere Produkte als vorher bekomme, aber für mehr Geld. Das
sagte Foodwatch-Chef Thilo Bode der dpa. Die Industrie wolle wegen
teurerer Rohstoffe die Kosten senken. Bode forderte von
Verbraucherminister Horst Seehofer eine Qualitäts-Kennzeichnung,
zum Beispiel eine Einteilung in Premium-, Bio- und Standardprodukte.
(Quelle: dpa)
Kultur
Literaturnobelpreisträger Solschenizyn gestorben
Mo.04.08.08 - Der russische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger
Alexander Solschenizyn ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er erlag
am späten Sonntag einem Herzversagen, wie sein Sohn Stepan der
Nachrichtenagentur AP sagte. Weitere Einzelheiten zu den Umständen
seines Todes wurden zunächst nicht bekannt. Solschenizyn war der
bekannteste Regimekritiker zu Sowjetzeiten und einer der bedeutendsten
Schriftsteller Russlands überhaupt.
Solschenizyns Hauptwerk ist das dreibändige «Archipel
Gulag». In diesem literarisch-dokumentarischen Werk setzt er sich
mit dem bis dahin geheimen System sowjetischer Gefangenenlager
auseinander und machte die stalinistische Herrschaft begreifbar. Seine
Schilderungen veränderten auch die Einstellung vieler westlicher
Intellektueller zur Sowjetunion grundlegend.
Solschenizyn war der älteste lebende
Literaturnobelpreisträger. Er hinterlässt seine Frau Natalja,
die auch seine Sprecherin war, sowie seine drei Söhne Jermolai,
Ignati und Stepan. Alle drei leben in den USA.
Solschenizyn wurde 1918 im Nordkaukasus geboren und zog als Kind mit
seiner Mutter nach Rostow am Don, wo er nach dem Abitur an der
Physikalischen und Mathematischen Fakultät studierte. Danach
arbeitete er kurz als Physiklehrer und wurde 1941 zur Roten Armee
eingezogen. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurde er wegen
abfälliger Bemerkungen über Stalin verhaftet. Er hatte den
Machthaber in einem Brief als den «Mann mit dem
Schnauzbart» bezeichnet. Solschenizyn verbrachte damals mehrere
Jahre in Straflagern.
Nach einer kurzen Karriere in der Sowjetunion als Schriftsteller Anfang
der 60er Jahre in der Zeit von Parteichef Nikita Chruschtschow fielen
seine als zu politisch betrachteten Werke in Ungnade. 1970 wurde er mit
dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Normalerweise ehrt die
schwedische Akademie der Wissenschaften Schriftsteller erst nach
Jahrzehnten des Schaffens. Solschenizyn durfte für die
Auszeichnung nicht nach Stockholm reisen. Die Anfeindungen der
Behörden verschärften sich, als 1973 in Paris der erste Band
der «Gulag»-Trilogie erschien.
Solschenizyn schloss sich schließlich einer Gruppe
Bürgerrechtlern an, wurde 1974 verhaftet, ausgebürgert und
nach Westdeutschland abgeschoben. Aufnahme fand er zunächst beim
Schriftstellerkollegen Heinrich Böll. Später zog er in die
Schweiz. 1976 verließ er die Schweiz und zog mit seiner Familie
auf eine Farm nahe der Kleinstadt Cavendish im US-Staat Vermont.
Im Westen hatte Solschenizyn in den Folgejahren die Rolle des Mahners,
Moralisten und Propheten, der in Vorträgen und Interviews immer
wieder eindringlich vor zu großen Zugeständnissen an die
Sowjetunion warnte. Sein moralischer Rigorismus, mit dem er auch die
westlichen Demokratien kritisch bewertete, fand gleichermaßen
Anklang und Ablehnung.
Anfang der 90er Jahre wurde er in Russland rehabilitiert und erhielt
seine Bürgerrechte zurück. Mitte der 90er Jahre kehrte er
unter großem Medieninteresse nach Russland zurück.
Später äußerte er sich verärgert und
enttäuscht darüber, dass die meisten seiner Landsleute seine
Bücher nicht gelesen hatten. Solschenizyn blieb bis kurz vor
seinem Tod ein kritischer Beobachter des neuen Russlands. Ähnlich
wie der frühere Staatspräsident Wladimir Putin lehnte er eine
russische Gesellschaft nach westlichem Vorbild ab und sprach sich
dafür aus, dass das Land seinen eigenen Weg gehen müsse.
(Quelle: ap)