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Irak 1597 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Ölpreisexplosion spült Irak Milliarden in die Kasse.
Sunnitenführer im Irak bei Überfall getötet
Mi.06.08.08 - Die Ölpreisexplosion hat dem Irak nach einem US-Regierungsbericht
seit 2005 einen Überschuss von zusammen bis zu 79 Milliarden
US-Dollar in die Kasse gespült. Allerdings wende Bagdad bislang
nur einen kleinen Teil davon für den Wiederaufbau des Landes auf,
berichteten US-Zeitungen unter Berufung auf eine Untersuchung des
amerikanischen Rechnungshofes. Der «Washington Post»
zufolge haben die USA seit Beginn des Krieges im Frühjahr 2003
rund 48 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau bewilligt.
Bei einem bewaffneten Angriff auf einen Konvoi im Irak ist ein mit den
USA verbündeter Sunnitenführer getötet worden. Neben
Scheik Ibrahim al Karbuli wurden sechs seiner Wachleute erschossen, wie
ein Mitglied der Gruppe am Dienstag mitteilte. Al Karbuli führte
einen der «Erweckungsräte», die sich gegen den
Aufstand sunnitischer Extremisten gestellt haben und mit den
US-Streitkräften zusammenarbeiten. Der Überfall ereignete
sich am Montag in Jussifijah südlich von Bagdad. Die Polizei fand
außerdem die Leichen von drei Erweckungsratsmitgliedern, die vor
mehreren Tagen entführt worden waren.
(Quellen: dpa, ap)
mehr Nachrichten vom Tage
Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 06.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertunddreiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mo.06.08.07 - Ministerpräsident Al-Maliki lehnt Rücktritt der sunnitischen
Minister ab +++ Elf Tote bei Granatenangriff in Bagdad +++ Vier US-Soldaten kommen
bei Kämpfen ums Leben +++ Nach Angaben von US-Truppen: vermehrt
Angriffe schiitischer Aufständischer in Bagdad +++ US-Soldat zu 110
Jahre Haft wegen Vergewaltigung und Mordes im Irak verurteilt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0708060.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Türkei vermittelt zwischen Syrien und Israel
Mi.06.08.08 - Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat sich in
die Vermittlungsgespräche zwischen Israel und Syrien eingeschaltet.
Erdogan traf am Dienstag den syrischen Präsidenten Baschar
al-Assad und führte mit ihm im türkischen Badeort Bodrum ein
mehrstündiges Gespräch. "Erdogan hat ihn eingeladen und sie
haben mehrere Themen zu besprechen, darunter die
Friedensgespräche", hieß es in Regierungskreisen.
Die Türkei befürchtet, dass die israelische Regierungskrise
die Vermittlungsbemühungen bremst. Ministerpräsident Ehud
Olmert hat für Mitte September seinen Rücktritt
angekündigt und die vierte Runde der indirekten Gespräche
endete kürzlich, ohne dass die Konfliktparteien eine direkte
Begegnung vereinbart hätten. Das nächste Treffen ist für
Mitte August angekündigt.
(Quelle: rtr)
Atomstreit: Iran verspricht Antwort auf Kooperationsangebot
Mi.06.08.08 - Im Streit um sein Atomprogramm hat der Iran hat den fünf
UN-Vetomächten und Deutschland eine Antwort auf ihr
Kooperationsangebot versprochen. Zunächst müssten jedoch noch
einige Punkte aus dem Angebot geklärt werden, schrieb die
iranische Regierung in einem Brief an den UN-Außenbeauftragten
Javier Solana, wie aus EU-Kreisen bekannt wurde. Zuvor hatte Solanas
Büro in Brüssel bereits die Ankunft der Nachricht aus Teheran
bestätigt, jedoch nichts über deren Inhalt bekanntgegeben.
Solana wollte den Brief demnach am (heutigen) Mittwoch mit der
sogenannten Sechsergruppe besprechen.
Aus dem Umfeld des Obersten Sicherheitsrats in Teheran hieß es
hingegen, die Nachricht an Solana stelle keine Antwort auf das
Kooperationsangebot aus Deutschland, der USA, Großbritannien,
Frankreich, Russland und China dar. Der amtlichen Nachrichtenagentur
Irna zufolge handelte es sich um das Protokoll eines Telefonats
zwischen Solana und dem iranischen Unterhändler Said Dschalili vom
Montag.
Die Sechsergruppe hat dem Iran wirtschaftliche und technologische
Zusammenarbeit im Gegenzug für den Verzicht auf die
Urananreicherung angeboten, Teheran ließ aber eine bis
vergangenen Samstag eingeräumte Bedenkzeit verstreichen. Solana
hatte daraufhin am Montag mit Dschalili telefoniert. Nach einem Bericht
des iranischen Fernsehens hatten sich Solana und Dschalili darauf
verständigt, die Gespräche fortzusetzen. Die Sechsergruppe
ihrerseits drohte dem Iran umgehend mit neuen Sanktionen, sollte
Teheran nicht auf ihr Kooperationsangebot eingehen. Dafür solle
der UN-Sicherheitsrat eingeschaltet werden.
Solanas Büro bestätigte Angaben der US-Regierung nach denen
die Sechsergruppe am Mittwoch über die iranische Reaktion auf das
vorgelegte Angebot beraten will. Es solle eine Telefonkonferenz zu dem
Thema geben, sagte US-Außenamtssprecher Gonzalo Gallegos in
Washington.
Der Abrüstungs- und Nahostpolitische Sprecher der
SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, forderte den Iran auf, in
den Verhandlungen über das Atomprogramm zu "Kooperation und zu
Verständigung" zurückzufinden. Das Angebot der Sechsergruppe
sei "sehr weitgehend", sagte Mützenich dem Rundfunksender WDR 5.
"Und eigentlich hätte man erwarten sollen, dass die iranische
Seite dieses Angebot nicht nur ernsthaft geprüft hätte,
sondern auch möglicherweise darauf eingegangen wäre", sagte
Mützenich.
(Quelle: afp)
Goldproduzent in Südafrika ersetzt Arbeiter durch Maschinen
Mi.06.08.08 - Südafrikas größter Goldproduzent Gold Fields ersetzt
die Arbeiter in einer seiner Minen im Land durch Maschinen und streicht
deshalb fast 1900 Stellen. Ziel sei, die Kosten zu senken und die
Produktivität zu erhöhen, sagte ein Unternehmenssprecher.
Dafür investiere Gold Fields umgerechnet sechs Millionen Euro in
die Mine South Deep im Süden von Johannesburg. Für die
Arbeiter habe das Unternehmen einen Sozialplan aufgelegt. Gold Fields
schürft auch in Ghana und in Australien nach Gold. Weltweit
beschäftigt das Unternehmen 47.000 Menschen.
(Quelle: afp)
ZEW-Studie: Olympia nutzt Chinas Wirtschaft langfristig kaum
Mi.06.08.08 - Die Olympischen Spiele in Peking haben einer Studie zufolge kaum
Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft.
Zwar habe der Bausektor zuletzt von den öffentlichen Ausgaben zum
Ausbau der Infrastruktur profitiert, teilte das Zentrum für
Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner
Umfrage unter etwa 300 Analysten und institutionellen Anlegern mit. "Zu
bezweifeln ist hingegen, dass diese Investitionen einen langfristigen
Effekt für die Volkswirtschaft haben."
Nur etwas mehr als ein Drittel der Experten erwartet leichte positive
Auswirkungen der Spiele auf die Wirtschaft, mehr als die Hälfte
sieht keinen nachhaltigen Nutzen. Von sehr positiven oder sehr
negativen Effekten gehe keiner der Befragten aus. Die Investitionen
beschränkten sich vor allem auf die Region rund um Peking, sagte
ZEW-Forscher Christian David Dick. "Für die gesamte chinesische
Volkswirtschaft ist der Sondereffekt durch Olympia daher wohl eher
gering."
Auch der Aktienmarkt in China erhalte durch die Sportveranstaltung kaum
Impulse. Die Anleger in Deutschland warteten zunächst ab, sagte
ZEW-Wissenschaftler Qingwei Wang. "Für deutsche Investoren wird
nicht die Olympiade über den Kauf oder Verkauf chinesischer Aktien
entscheiden."
Die Olympischen Spiele in Peking beginnen am Freitag. Tausende Sportler
halten sich bereits in der Stadt auf, die für 18 Milliarden Dollar
auf das Sportereignis vorbereitet wurde. Gastgewerbe und
Fluggesellschaften befürchten jedoch, dass nicht so viele
Touristen kommen wie erwartet; in vielen Hotels sind die meisten Zimmer
noch zu haben.
(Quelle: rtr)
Endlagerung von US-Atommüll kostet fast 100 Milliarden Dollar
Mi.06.08.08 - Die Endlagerung von Atommüll in den USA kostet nach einer
Schätzung des Washingtoner Energieministeriums 96,2 Milliarden
Dollar (61,7 Milliarden Euro) - falls keine neuen Reaktoren gebaut
werden. Sollten wie vom republikanischen
Präsidentschaftskandidaten John McCain bis zum Jahr 2030 insgesamt
45 neue Atomkraftwerke in den Dienst gestellt werden, könnte sogar
eine zweite Endlagerstätte notwendig werden. Bislang ist geplant,
den strahlenden Müll im Staat Nevada in der Anlage Yucca Mountain
vom Jahr 2020 an zu lagern.
Im Jahr 2001 wurden die Kosten für die Entsorgung des
Atommülls noch mit 57,5 Milliarden Dollar beziffert. Wegen der
Inflation und größeren Müllmengen aufgrund
längerer Laufzeiten stiegen die Kosten jedoch, sagte der
Atommüllexperte des Ministeriums, Ward Sproat, am Dienstag.
Wieviel die Umsetzung der McCain-Pläne kosten würde, sei
nicht bekannt. Sollte es aber eine Renaissance der Atomkraft in den USA
geben, könnte Yucca Mountain nicht ausreichen.
Das Energieministerium reichte in diesem Jahr einen Antrag für die
Genehmigung der Anlage bei der US-Atomkommission ein. Eine Entscheidung
wird vermutlich drei bis vier Jahre dauern. Das Lager, das etwa 150
Kilometer nordwestlich von Las Vegas entstehen soll, war von Anfang an
umstritten. Besonders Politiker aus Nevada lehnen das Projekt ab.
McCain ist ein Befürworter von Yucca Mountain, während sein
demokratischer Konkurrent Barack Obama die Prüfung von
Alternativen fordert.
(Quelle: ap)
Greenspan erwartet wegen Finanzkrise weitere Bankenpleiten
Mi.06.08.08 - Im Zuge der weltweiten Finanzmarktkrise rechnet der ehemalige
US-Notenbankchef Alan Greenspan mit weiteren Bankenpleiten. Vermutlich
werde es einige Banken und andere Finanzinstitutionen geben, die wegen
drohender Zahlungsunfähigkeit durch Regierungen gestützt
werden müssten. Das schreibt der ehemalige Fed-Vorsitzende in der
«Financial Times». Greenspan sprach von einer Krise, wie sie
nur ein- oder zwei Mal im Jahrhundert auftrete. Sie fuße vor
allem auf der Angst vor dem Zusammenbruch großer
Finanzinstitutionen.
(Quelle: dpa)
IWF erwartet 2009 Inflation in der Eurozone von unter zwei Prozent
Mi.06.08.08 - Die Inflationsrate in der Eurozone wird sich nach Einschätzung des
Internationalen Währungsfonds (IWF) im kommenden Jahr deutlich
abschwächen. Wie der IWF in seinem am Montag veröffentlichten
Jahresbericht zum Euroraum erklärt, wird die Jahresteuerung der
fünfzehn Länder des gemeinsamen Währungsgebiets bis Ende
2009 unter zwei Prozent fallen und damit wieder die
Preisstabilitätsnorm der Europäischen Zentralbank (EZB)
erfüllen.
Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerung von knapp zwei
Prozent erreicht. Im Juli waren die Verbraucherpreise im Euroraum
allerdings noch um 4,1 Prozent gestiegen. Damit wurde ein neues
Rekordhoch für die Zeit seit Einführung des Euro im Jahr 1999
verzeichnet. Die EZB hatte ihren Leitzins vor dem Hintergrund eines
zunehmenden Inflationsdrucks Anfang Juli um 25 Basispunkte auf 4,25
Prozent erhöht. Es war die erste Leitzinsanhebung seit Juni 2007.
Angesichts des anhaltend hohen Preisdrucks gingen die Meinungen der
IWF-Ökonomen über die Notwendigkeit weiter
EZB-Zinserhöhungen allerdings auseinander. Einige Volkswirte
hätten betont, dass die EZB bei ersten Anzeichen von starken
Lohnerhöhungen bereit sein solle, ihre Geldpolitik erneut zu
straffen. Da die zugrunde liegende Inflation und die Arbeitskosten
jedoch eingedämmt erschienen, habe sich die Mehrheit der
IWF-Ökonomen für ein unverändertes Leitzinsniveau
ausgesprochen. Die EZB entscheidet darüber am Donnerstag.
(Quelle: ddp)
Steuerschätzer geben trotz Konjunkturflaute vorerst Entwarnung
Mi.06.08.08 - Trotz aller Konjunktursorgen geben die Steuerschätzer vorerst
Entwarnung für die öffentlichen Haushalte. Rüdiger
Parsche vom Münchner Ifo-Institut sagte der «Frankfurter
Rundschau» (Mittwochausgabe) laut Vorabbericht:
«Frühestens im nächsten Jahr wird sich die
konjunkturelle Abschwächung bei den Steuereinnahmen deutlicher
bemerkbar machen.» Zwar sei im zweiten Quartal die Wirtschaft
offenbar stärker geschrumpft als gedacht. Doch umgekehrt
profitierten die Finanzminister von den kräftigen
Preissteigerungen.
Diese führten bei vielen Steuern zu Mehreinnahmen, etwa bei der
Mehrwertsteuer oder mittelbar, bei steigenden Löhnen, auch bei der
Lohnsteuer, sagte Parsche. «Das Wachstum fällt kleiner, die
Inflation größer aus als angenommen. Beides gleicht sich
derzeit noch in etwa aus», sagte er.
Heinz Gebhardt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für
Wirtschaftsforschung sagte dem Blatt, er rechne nicht mit einem
Einbruch der Steuern und verwies auf die relativ vorsichtige Vorhersage
der offiziellen Steuerschätzung. Im ersten Halbjahr hätten
sich die Steuereinnahmen etwas günstiger entwickelt als bei der
Steuerschätzung erwartet. «Ob es bei dem erzielten
Mehraufkommen im laufenden Jahr bleibt, hängt von der weiteren
konjunkturellen Entwicklung ab», sagte Gebhardt.
In der ersten Hälfte 2008 flossen der zeitung zufolge fast 250
Milliarden Euro an Steuern an Bund und Länder. Das entspricht
einem Plus von 5,9 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2007.
Für die reinen Gemeindesteuern lagen noch keine Daten vor. Die
Steuerschätzer hatten für das Gesamtjahr eine Zunahme um 3,0
Prozent prognostiziert.
(Quelle: ddp)
Allianz-Chefvolkswirt fordert Steuersenkung für Ärmere
Mi.06.08.08 - Der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, Michael Heise, fordert vor dem
Hintergrund eines sich abzeichnenden Wirtschaftsabschwungs
Steuersenkungen für Einkommensschwache. «Gerade die unteren
Einkommensschichten sind konsumstark, geben also von ihrem Einkommen
einen großen Teil gleich wieder aus. Gibt man ihnen mehr Geld,
springt auch die Binnenkonjunktur an», sagte Heise der
«Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe).
Eine Steuerreform sei zudem unabhängig von der konjunkturellen
Situation dringend erforderlich. «Sie wäre kein Strohfeuer,
mit dem ziellos Milliarden unproduktiv in die Wirtschaft gepumpt werden,
sondern notwendige Korrektur der sogenannten kalten Progression",
argumentierte der Volkswirt. Inflationsbedingt steige die
Steuerbelastung, obwohl die Einkommen real stagnierten.
Besonders für niedrige und mittlere Einkommen sei die Steuer- und
Abgabenlast in Deutschland zudem im Vergleich zu anderen Ländern
sehr hoch, «das muss sich ändern», sagte Heise. Die
Allianz-Gruppe rechnet damit, dass das Wachstum in Deutschland zum
Jahresende sehr schwach ausfällt. «Am wahrscheinlichsten ist
nicht die Rezession, sondern eine Stagnation im zweiten Halbjahr - also
ein sehr schwaches Wachstum, eine schwarze Null», prognostizierte
Heise.
(Quelle: ddp)
Linke bietet sich weiter als Partner für Regierungswechsel in
Hessen an
Mi.06.08.08 - Die Linksfraktion im hessischen Landtag steht weiter für eine
Unterstützung der SPD für eine Regierungsbildung bereit.
«Es bleibt dabei, wir wählen eine Regierung mit», sagte
Fraktionschef Willi van Ooyen in einem Interview der Nachrichtenagentur
ddp in Wiesbaden. Allerdings gehe es den Linken «nicht um
Tolerierung», betonte van Ooyen. Wenn es aber zu einer Koalition
zwischen SPD und Grünen komme, gehe er davon aus, «dass man
uns in einer gewissen Form beteiligen wird». Dann werde es wohl
«umfassende kooperative Gespräche» geben, bei denen
die Linke «in einzelnen Fragen» verhandeln werde.
Mit der SPD gebe es noch «viele gemeinsame Positionen»,
etwa bei der Bildung oder der sozialen Gerechtigkeit, sagte van Ooyen
weiter. Die Linke würde diese Gemeinsamkeiten «gerne in den
Vordergrund stellen», das gelte auch für die im Herbst
beginnenden Verhandlungen um den neuen Haushalt. Andererseits werde die
Linke auch «erkennbar bleiben, etwa bei der von uns abgelehnten
Kriegspolitik oder bei Hartz IV», fügte er hinzu. An einem
«Schlachtfest der SPD» werde er sich aber nicht beteiligen,
«denn natürlich wird die SPD für einen Politikwechsel
gebraucht», unterstrich van Ooyen.
Ziel der Linksfraktion sei weiter ein Politikwechsel in Hessen,
für den die Bürger auch am 27. Januar die Weichen gestellt
hätten, sagte der Fraktionschef. Die Linke sei deshalb auch gegen
Neuwahlen, ein Regierungswechsel sei für die Linke aber
«nicht existenziell». «Wir könnten auch mit einem
Nicht-Regierungswechsel leben. Aber mit ihm wäre es
leichter», sagte van Ooyen. Seine Partei werde über die
genaue Linie auf ihrem Parteitag Ende August entscheiden.
(Quelle: ddp)
Opposition übt scharfe Kritik an Atomplänen der Union
Mi.06.08.08 - Die Pläne für ein "Kernenergie-Nutzungsgesetz" von
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) stoßen bei SPD,
Grünen und Linken auf scharfe Kritik. Umweltminister Sigmar
Gabriel wies "Atom-Pläne aus dem Hause Glos" zurück und
warnte vor einem Verstoß gegen den Koalitionsvertrag. Eine von
Glos eingesetzte Energie-Expertengruppe legte Eckpunkte für ein
Gesetz vor, in denen längere Laufzeiten sowie die Rücknahme
des Atomausstiegs und ein günstiger "Atomstrom-Tarif" empfohlen
werden. Die Grünen kritisierten, Glos verbreite "die Mär vom
billigen Atomstrom" und verwiesen auf die ungeklärte Endlagerfrage.
Gabriel sagte, wenn das Bundeswirtschaftsministerium "an Konzepten zum
Wiedereinstieg bastelt, ist das nicht nur ein klarer Verstoß
gegen den Koalitionsvertrag". Der Vorgang zeige, "dass im Hause Glos
reiner Atom-Lobbyismus betrieben wird". Der Koalitionsvertrag sei
eindeutig, hob der SPD-Minister hervor: "Es bleibt beim Ausstieg aus
der Hochrisiko-Technologie Atomkraft."
Die von Glos eingesetzte Expertengruppe legte laut "Tagesspiegel"
Eckpunkte für ein "Energiepolitisches Programm" (PEPP) vor, das
als Grundlage für ein "Kernenergie-Nutzungsgesetz" dienen
könnte. "Eine Abkehr vom Ausstieg aus der Kernenergie ist
ökologisch und ökonomisch sinnvoll und erforderlich",
heißt es darin dem Bericht zufolge. Die Autoren empfehlen
demnach, die Akw-Restlaufzeit um acht auf "mindestens 40 Jahre"
auszuweiten.
Gabriel erklärte hingegen, die Energiepolitik der Zukunft
müsse auf die Steigerung der Energieeffizienz und auf erneuerbare
Energien setzen. Er verwies darauf, dass die deutsche Volkswirtschaft
vom Ausbau der erneuerbaren Energien profitiere. In der Branche
arbeiteten schon heute 250.000 Menschen, die Zahl werde weiter steigen.
"Ein Wirtschaftsminister, der diesen Boom abwürgen will, hat den
falschen Beruf", kritisierte Gabriel.
Die stellvertretenden Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion,
Jürgen Trittin und Bärbel Höhn, kritisierten die
Eckpunkte scharf. Es sei "ökonomisch unsinnig und ökologisch
verantwortungslos", tausende Tonnen zusätzlichen hochradioaktiven
Mülls zu produzieren, erklärten sie unter Hinweis auf die
Probleme bei der Suche nach einem Atommüllendlager.
Der energiepolitische Sprecher der Linksfraktion, Hans-Kurt Hill
erklärte, Glos "führt den Koalitionspartner SPD in Sachen
Kernenergie weiter am Nasenring durch die Manege". Was den Stromkunden
als Preis dämpfende Maßnahme verkauft werde, sei "nichts
anderes als Interessenpolitik für die Stromlobby".
(Quelle: afp)
Bedenkliche Uran-Funde in Trinkwasser
Mi.06.08.08 - Nach bedenklichen Funden giftiger Uran-Konzentrationen in
Leitungswasser wollen Bund und Länder die Bürger besser
schützen. Aus dem Leitwert des Umweltbundesamtes von 10 Mikrogramm
Uran je Liter Trinkwasser soll ein verbindlicher Grenzwert werden.
Dies kündigten das Bundesgesundheitsministerium sowie die
Länder Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt am Dienstag nach
jahrelangen Aufforderungen von Foodwatch an. Die
Verbraucher-Organisation hatte auf Basis von Länderangaben
festgestellt, dass von 8200 gemeldeten Wasser-Messdaten 150 oberhalb
von 10 Mikrogramm liegen. Betroffen sind vor allem
Baden-Württemberg und Bayern, während Berlin und
Nordrhein-Westfalen Entwarnung gaben. Im Körper können Uran
und seine Verbindungen zu schweren Nieren- und Leberschäden sowie
zu inneren Blutungen führen.
Etwa 800 und damit fast jede zehnte Probe lag zwischen 2 und 10
Mikrogramm. 2 Mikrogramm gelten bei Mineralwasser längst als
strikt einzuhaltender Grenzwert für Babys, sofern es als
«zur Herstellung von Säuglingsnahrung geeignet»
geeignet sein soll. Foodwatch- Geschäftsführer Thilo Bode
wies auf die unveränderten Gefahren für Säuglinge hin.
Gleichzeitig forderte er die Behörden zum Handeln auf.
«Ein Grenzwert ist wichtig, aber er entschuldigt nicht die
Passivität der Behörden», sagte Bode dem
dpa-Audiodienst. Diese hätten ihre Fürsorgepflicht
«sträflich vernachlässigt». Brunnen, bei denen
der Richtwert von 10 Mikrogramm überschritten werde, müssten
entweder sofort geschlossen oder das Wasser mit einem Filter gereinigt
werden.
Das Bundesgesundheitsministerium wies Bodes Kritik zurück. Nach
Fachgesprächen zwischen Bund und Ländern solle es im Herbst
zu politischen Beratungen kommen, sagte Ministeriumssprecher Klaus
Vater der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Das läuft
hoffentlich auf den Grenzwert von 10 Mikrogramm hinaus.»
Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad (SPD)
begrüßte diese Absicht in Mainz. Die Sozialministerin von
Sachsen- Anhalt, Gerlinde Kuppe (SPD), sagte der «Mitteldeutschen
Zeitung» (Mittwoch): «Sowohl die Verbraucher als auch die
Unternehmen wären auf der sicheren Seite, wenn Deutschland den Mut
aufbringt, statt eines weichen Grenzwerts einen harten Grenzwert
einzuführen.»
Auch der Toxikologe des Umweltbundesamtes (UBA), Hermann Dieter,
forderte die Festlegung des Grenzwertes von 10 Mikrogramm. «Damit
ist das Wasser sicher, jeden Tag, ein Leben lang - auch für
Säuglinge», sagte er der dpa. Beim Bundesverband der
Energie- und Wasserwirtschaft BDEW hieß es auf Anfrage, die
Wasserversorger lieferten das Trink- und Leitungswasser
gemäß den Anforderungen der Behörden. Für Uran,
das in unterschiedlichen Konzentrationen je nach Gestein natürlich
vorkommt, gebe es im Gegensatz zu Nitrat, Benzol oder
Pflanzenschutzmitteln bisher keinen Grenzwert.
Den Spitzenwert von 39 Mikrogramm Uran im Liter Trinkwasser hatte laut
Foodwatch das Gesundheitsamt Haßberge für Maroldsweisach in
Bayern gemeldet. Der Leiter des Landkreises Jürgen Reimann,
bestätigte, das Problem sei seit 2006 bekannt. Man sei
«dran, Lösungsmöglichkeiten zu finden».
(Quelle: dpa)
Mehr Informationen über Handystrahlung gefordert
Mi.06.08.08 - Zum Thema Handy-Strahlung herrscht nach wie vor großer
Informationsbedarf. Deshalb möchte sich jetzt auch die Fraktion Die
Linke in einer Anfrage an die Bundesregierung über mögliche
Gesundheitsschäden durch drahtlose Kommunikationstechniken
informieren. Unter anderem wollen die Politiker erfahren, nach welchen
wissenschaftlichen Kriterien die entsprechenden Grenzwerte festgelegt
wurden, weshalb das Bundesamt für Strahlenschutz nicht die
Notwendigkeit "sofortiger Vorortuntersuchungen" sieht und ob die
Menschen durch diese Grenzwerte vor den biologischen Auswirkungen durch
unterschiedliche Arten möglicher Strahlenbelastungen
geschützt sind.
In einer weiteren Anfrage möchte die Linksfraktion mehr über
die mögliche Verflechtung zwischen Behörden, die für die
Festsetzung der Grenzwerte im Bereich des Strahlenschutzes
zuständig sind, und der Mobilfunkbranche erfahren. Sie zitiert eine
Studie der amerikanischen Bioinitiative Group, nach der 80 Prozent
aller Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks von
der Mobilfunkbranche ganz oder teilweise finanziert seien.
(Quelle: gp)
Wertewandel: Familie ist für Studenten wichtiger als Karriere
Mi.06.08.08 - Bei Studenten zeichnet sich ein Wertewandel ab. Immer weniger
Studierende verfolgen in erster Linie karrierebezogene Ziele, für
die meisten sind Familie und Partnerschaft am wichtigsten. Das ist das
Ergebnis einer am Dienstag in Hamburg vorgestellten Studie der
Zeitschrift «Zeit Campus» und der
Hochschul-Informations-System Gmbh (HIS). Demnach wollen nur 57 Prozent
Überdurchschnittliches im Job leisten, 2002 waren es noch 67
Prozent. Der Anteil derer, die sich Familie und Partnerschaft widmen
wollen, stieg von 67 auf 72 Prozent.
Laut der repräsentativen Befragung von rund 6.000 Studenten ist
zudem mit 64 Prozent der weitaus größte Teil mit seinem Leben
sehr zufrieden. Das mag an der positiven Einschätzung der
Berufsaussichten liegen: 71 Prozent der Befragten bewerten ihre
Berufsaussichten inzwischen als gut oder sehr gut. Bei einer Umfrage vor
zwei Jahren seien es nur 53 Prozent gewesen.
(Quelle: ap)
Jede vierte Familie mit Kindern hat ausländische Wurzeln
Mi.06.08.08 - In Deutschland hat jede vierte Familie mit Kindern ausländische
Wurzeln: Von den insgesamt knapp 8,6 Millionen Familien mit
minderjährigen Kindern im Haushalt hatten im vergangenen Jahr 27
Prozent einen Migrationshintergrund, wie das Statistische Bundesamt in
Wiesbaden mitteilte. Dieser Anteil war im Westen mit 30 Prozent mehr als
doppelt so hoch wie im Osten mit 14 Prozent. In Familien mit
Migrationshintergrund besitzt mindestens ein Elternteil eine
ausländische Staatsangehörigkeit oder hat die deutsche durch
Einbürgerung erhalten.
In den gut 2,3 Millionen Familien mit Migrationshintergrund wuchsen im
Jahr 2007 vier Millionen Kinder auf, bei den übrigen gut 6,2
Millionen Familien 9,8 Millionen minderjährige Kinder. Damit lebten
in Familien mit ausländischen Wurzeln durchschnittlich 1,74
Minderjährige, in Familien ohne Migrationshintergrund 1,56 Kinder.
Mindestens drei Kinder im Haushalt hatten 16 Prozent der Familien mit
Migrationshintergrund, aber lediglich neun Prozent der anderen Familien.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Kindermenüs von Fast-Food-Ketten sind ungesund
Mi.06.08.08 - Kindermenüs in US-Fast-Food-Restaurants sind einer Studie zufolge
für den Nachwuchs alles andere als gesund. Die Untersuchung des
Center for Science in the Public Interest kommt zu dem Ergebnis, dass 93
Prozent der von den 13 großen US-Schnellrestaurantketten
angebotenen Gerichte mehr als die 430 empfohlenen Kalorien aufweisen,
die eine Mahlzeit für vier bis acht Jahre alte Kinder enthalten
sollte. Eine Mahlzeit in den Fast-Food-Restaurants enthält damit
doppelt so viele Kalorien wie ein zuhause zubereitetes Gericht.
Die Verfasser der Studie kritisierten auch, dass nicht alle Ketten
Angaben zum Nährwert ihrer Gerichte veröffentlichen. Einige
Schnellrestaurants stellten die Informationen lediglich ins Internet.
Die untersuchten Menüs bestanden den Angaben zufolge vorwiegend aus
frittiertem Hühnchenfleisch, Hamburger, Pommes und Softdrinks.
(Quelle: afp)
Fast die Hälfte aller Primatenarten vom Aussterben bedroht
Mi.06.08.08 - Die Zukunft sieht für viele Affenarten düster aus: Fast die
Hälfte aller Primaten sind vom Aussterben bedroht, wie aus der
jüngsten Studie der Internationalen Naturschutzunion (IUCN)
hervorgeht. Nach Angaben von Wissenschaftlern stehen 300 von 634 Arten
auf der Roten Liste für bedrohte Tiere. Dabei machen laut der
Untersuchung vor allem die Zerstörung der Regenwälder und die
zunehmende Jagd auf Primaten, dem Tierbestand zu schaffen.
"Wir haben bereits seit Jahren Bedenken geäußert, dass die
Primaten in Gefahr sind, aber nun haben wir haltbare Daten", sagte
IUCN-Vertreter Russell Mittermeier. Die Lage sei viel ernster als
gedacht.
Vor allem die Situation in Südostasien sei "erschreckend", sagte
der stellvertretende Chef des IUCN-Artenprogramms, Jean-Christian Vie.
90 Prozent der Affenarten in Vietnam und Kambodscha seien in Gefahr,
sie würden vor allem gejagt, um für Medikamente chinesischer
Medizin verarbeitet zu werden. In ganz Asien seien 70 Prozent der
Primaten vom Aussterben bedroht. Eine derartige Bedrohungslage sei
weltweit einzigartig, sagte Vie weiter.
Auch für Afrika zeichnet die IUCN ein deprimierendes Bild: Elf von
13 Stummelaffenarten seien dort bedroht. Diese kleinen Affenarten
drohen nach IUCN-Angaben noch eher auszusterben als größere
Vertreter wie die Gorillas oder Bonobos, die aber ebenfalls stark
gefährdet sind. IUCN-Vertreter fordern deshalb einen sofortigen
Stopp der Jagd auf Primaten und einen effektiveren Schutz ihrer
Lebensräume.
Laut der Studie gibt es aber nicht nur schlechte Nachrichten. So
hätten sich einige Primatenarten bereits dank Erhaltungsprogrammen
erholen können. In Brasilien seien zwei Tamarinarten erfolgreich
vor dem Aussterben bewahrt worden. Auch die Berggorillas haben sich
laut IUCN wieder vermehrt im geschützten Hochland von Ruanda,
Uganda und der Demokratischen Republik Kongo und könnten bald von
"vom Aussterben bedroht" auf "gefährdet" heruntergestuft werden.
An der IUCN-Studie haben sich mehr als 10.000 Wissenschaftler aus aller
Welt beteiligt.
(Quelle: afp)