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Irak 1598 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Laut US-Kongress gibt Irak nicht genug für Wiederaufbau aus

Do.07.08.08 - Der US-Kongress hat der Regierung des Irak vorgeworfen, sich nicht ausreichend am Wiederaufbau des Landes zu beteiligen.

In einem Dienstag vorgelegten Bericht hieß es, der Irak werde wegen des stark gestiegenen Ölpreises in diesem Jahr einen Haushaltsüberschuss von 52,3 Milliarden Dollar erwirtschaften. Die Ausgaben für die Erneuerung der Infrastruktur seien im Vergleich dazu minimal und hätten im vergangenen Jahr gerade 896 Millionen Dollar erreicht. Seit 2003 habe der amerikanische Steuerzahler 48 Milliarden Dollar für derartige Projekte aufgebracht. Abgeordnete beider Parteien forderten vom Irak größere Anstrengungen.

Der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, hatte vor einigen Wochen erklärt, die USA würden keine Großprojekte im Irak mehr finanzieren.

(Quelle: rtr)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 07.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundvierunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Di.07.08.07 - Mindestens 28 Tote bei Selbstmordanschlag im Nordirak +++ Neun Zivilisten sterben bei Bombenexplosion in Bagdad +++ Vier weitere US-Soldaten im Irak getötet... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0708070.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

Guantanamo: US-Militärgericht spricht Bin Ladens Ex-Fahrer schuldig

Do.07.08.08 - Das erste Militärverfahren gegen einen Terrorverdächtigen im US-Gefangenenlager Guantanamo ist mit einem Schuldspruch gegen den früheren Fahrer von El-Kaida-Chef Osama bin Laden zu Ende gegangen. Eine Militärkommission sprach den Jemeniten Salim Hamdan wegen Beihilfe zum Terrorismus schuldig. Von dem noch schwerer wiegenden Vorwurf der Verschwörung wurde er aber entlastet. Das Verfahren galt als Testlauf für die geplante Aburteilung der Hauptverdächtigen vom 11. September 2001. Das Pentagon machte derweil klar, dass Angeklagte auch nach einem Freispruch in US-Gewahrsam bleiben könnten, wenn sie als Sicherheitsrisiko eingestuft würden.

Die Geschworenen-Jury aus sechs US-Offizieren folgte am dritten Tag ihrer Beratungen dem Argument der Anklage, Hamdan habe als Bin Ladens Fahrer dem Terrornetzwerk El Kaida "wesentliche Unterstützung" geleistet. In der Klageschrift war Hamdan unter anderem beschuldigt worden, Waffen für El Kaida transportiert zu haben, obwohl ihm der terroristische Charakter der Gruppe bekannt war. Die Jury sah indes den Vorwurf der Anklage nicht als erwiesen an, dass Hamdan an der Planung oder Ausführung von Attentaten beteiligt war. Dies wäre Voraussetzung für eine Verurteilung wegen Verschwörung gewesen. Das Strafmaß gegen Hamdan blieb zunächst offen. Ihm droht lebenslange Haft.

Das Verfahren war der erste US-Kriegsverbrecherprozess seit dem Zweiten Weltkrieg. Das Verfahren gegen Hamdan fand vor einer der so genannten Militärkommissionen statt, die von der US-Regierung eigens für die Terrorverdächtigen in Guantanamo eingerichtet worden waren. Bürgerrechtler bemängeln sie als verfassungswidrig, weil die Rechte des Angeklagten im Vergleich zu ordentlichen Gerichten eingeschränkt sind.

Erwartungsgemäß gingen die Bewertungen des Urteils gegen Hamdan weit auseinander. Ein Sprecher des Weißen Hauses sprach von einem "fairen Verfahren", das die Eignung der Militärkommissionen für weitere Verfahren unter Beweis gestellt habe.

Verteidiger von Hamdan stellten hingegen sowohl das Urteil als auch das ganze System in Frage. Verteidiger Michael Berrigan bezeichnete das Verfahren als "Farce", weil das Gesetz zur Einrichtung der Militärkommissionen erst 2006, also Jahre nach Hamdans Festnahme, beschlossen worden sei. Hamdans Dienst für Bin Laden erfülle zudem nicht den Tatbestand des Kriegsverbrechens, weswegen die Militärjustiz nicht zuständig sei.

(Quelle: afp)
 



 

Anschlag auf Bundeswehr in Afghanistan

Do.07.08.08 - Auf die Bundeswehr in Afghanistan ist erneut ein Selbstmordanschlag verübt worden. Dabei wurden drei deutsche Soldaten verletzt, zwei von ihnen schwer, teilte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam am Mittwoch mit. Ihr Zustand sei stabil.

Ob und wann sie ausgeflogen werden, stand noch nicht fest. Im Einsatz schwer verwundete Soldaten werden in der Regel schnellstmöglich zur Weiterbehandlung nach Deutschland gebracht. Nach ersten Erkenntnissen sprengte sich ein Motorradfahrer neben einer Patrouille nahe Kundus im Norden des Landes in die Luft. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag.

Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr ereignete sich der Anschlag am Mittwoch gegen 15 Uhr Ortszeit (12.30 MEZ) 35 Kilometer südlich von Kundes. Die verletzten Soldaten seien mit einem Hubschrauber in das Krankenhaus des Bundeswehrstandorts in Masar-i- Scharif geflogen worden und dort um 17.20 Uhr angekommen. Laut «Focus online» waren die Soldaten auf dem Weg von Kundus nach Pol-e Khomri, um ein defektes Bundeswehrfahrzeug zu bergen. Als die Kolonne an einem Kontrollpunkt hielt, sprengte sich der Motorradfahrer neben ihr in die Luft.

Nach Angaben der Polizei kam es in der Provinz Baghlan in Dscharikhusch zu dem Anschlag. Baghlans Polizeichef Abdul Rahman Sayedchail sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, der Attentäter habe den Sprengstoff an seinem Körper getragen. Er sei ums Leben gekommen. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid bekannte sich im Namen der Aufständischen zu dem Anschlag. Mudschahid sagte der dpa weiter, zwölf ausländische Soldaten seien getötet worden. Angaben der Taliban zu Opfern bei ihren Anschlägen gelten als unzuverlässig.

Ende März war eine Patrouille des deutschen Wiederaufbauteams in Kundus mit einem geschützten Fahrzeug vom Typ Dingo in eine Sprengfalle gefahren. Zwei Soldaten waren schwer, ein Soldat leicht verletzt worden.

(Quelle: dpa)
 



 

US-Präsident Bush belässt Nordkorea vorerst auf Liste der Schurkenstaaten - Von Pjöngjang überprüfbare Abrüstungsschritte verlangt

Do.07.08.08 - Zum Auftakt einer mehrtägigen Asienreise hat US-Präsident George W. Bush von der Regierung in Nordkorea einen überprüfbaren Stopp ihres Atomprogramms gefordert. Bei einem Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul erklärte Bush am Mittwoch, erst wenn Pjöngjang einer Überprüfung der Abrüstungsschritte zustimme, könnten die USA das Land von ihrer Terrorliste streichen. In einer Pressekonferenz mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak kritisierte Bush zudem die Menschenrechtslage in Nordkorea.

Beide Präsidenten hätten deutlich gemacht, dass sie Nordkorea bei der Eingliederung in die internationale Gemeinschaft helfen wollten, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Lee sagte, Nordkorea sei «ein sehr schwieriger Gegner». Er sei aber zuversichtlich, dass der in Sechs-Parteien-Gesprächen vereinbarte Prozess zur Überprüfung der von Nordkorea angekündigten Abkehr von seinem Atomprogramm beginnen könne.

Seit der letzten Runde der internationalen Verhandlungen im Oktober 2007 hat Nordkorea seinen Atomreaktor Yongbyon abgebaut und eine Erklärung mit Einzelheiten zu seinem Atomprogramm vorgelegt. «Ich weiß nicht, ob sie ihre Waffen aufgeben oder nicht», sagte Bush.

Bush hatte Nordkorea 2002 gemeinsam mit dem Iran und dem Irak unter Saddam Hussein als «Achse des Bösen» eingestuft. Er hoffe, dass es die Liste bald nicht mehr gebe. «Darauf hoffe ich um unserer Kinder willen», sagte Bush auf der Pressekonferenz.

Von China mahnte Bush Meinungsfreiheit und Toleranz an. Das harte Vorgehen gegen Regierungskritiker vor den Olympischen Spielen in Peking bezeichnete der US-Präsident als Fehler. Zugleich warb er für Religionsfreiheit. «Sie dürfen religiöse Menschen in Ihrer Gesellschaft nicht fürchten», erklärte Bush. «Tatsächlich machen religiöse Menschen Ihre Gesellschaft zu einem besseren Ort.»

Nach seinem Besuch in Südkorea wollte Bush nach Bangkok fliegen, wo 175 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Thailand und den USA gefeiert werden. Dabei wird Bush auch eine außenpolitische Rede halten. Allerdings gehen Experten nicht davon aus, dass der Republikaner drei Monate vor der Präsidentenwahl noch bedeutende außenpolitische Initiativen anstößt.

(Quelle: ap)
 



 

Hiroshima gedenkt des Atombombenabwurfs vor 63 Jahren

Do.07.08.08 - Mit einer Schweigeminute hat Hiroshima am Mittwoch des Atombombenabwurfs vor 63 Jahren gedacht. Rund 45.000 Menschen, darunter auch Ministerpräsident Yasuo Fukuda, versammelten sich an einem Denkmal in der japanischen Stadt. Um 08.45 Uhr beteten sie in aller Stille. Genau zu diesem Zeitpunkt hatten die USA 1945 die erste Atombombe über der Stadt abgeworfen. Durch sie starben 140.000 Menschen, zehntausende wurden radioaktiv verstrahlt oder erlitten schwerste Verbrennungen.

In einer Rede wies Hiroshimas Bürgermeister Tadatoshi Akiba darauf hin, dass die USA zu den drei Gegnern der von Japan vorgelegten UN-Resolution zur Abschaffung von Atomwaffen gehörten. "Wir können nur hoffen, dass der Präsident, der im November gewählt wird, gewissenhaft der Mehrheit zuhört, für die das menschliche Überleben oberste Priorität hat", sagte er.

An der Gedenkveranstaltung nahm erstmals auch ein Diplomat der Atommacht China teil. Jedes Jahr lädt Japan zu den Feierlichkeiten Vertreter der Atommächte ein. Großbritannien, Frankreich, Nordkorea und die USA schickten bisher keinen Diplomaten zu den Gedenkfeiern nach Hiroshima.

(Quelle: afp)
 



 

Bundesausschuss Friedensratschlag fordert atomare Abrüstung

Do.07.08.08 -Zum Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs über Hiroshima am 6. August 1945 hat der Bundessausschuss Friedensratschlag seine Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt bekräftigt. «Atomwaffen abschaffen und Atomkraftwerke abschalten - das ist die überlebensnotwendige Losung für das 21. Jahrhundert», erklärte Sprecher Peter Strutynski am Dienstag in Kassel. Derzeit würden weltweit noch rund 26.000 nukleare Sprengköpfe einsatzbereit gehalten.

Selbst die neuen Miniatur-Atomwaffen sowie bunkerbrechende Atomwaffen hätten immer noch so viel Sprengkraft wie die Hiroshima-Bombe, warnte Strutynski. An den Folgen der Bombenabwürfe über Hiroshima und drei Tage später über Nagasaki seien rund 200.000 Menschen gestorben, manche erlägen ihnen noch heute.

"Ein erster Schritt zur atomaren Abrüstung wäre der Abzug der Atomwaffen, die noch auf deutschem Boden lagern", sagte Strutynski weiter. Letztlich werde der Kampf gegen die Atomwaffen aber vom Engagement der Menschen entschieden. Diese müssten die Regierenden «zur atomaren Abrüstung bis auf null zwingen».

(Quelle: epd)
 



 

Unzensiertes Surfen im Internet auch in China

Do.07.08.08 - Hilfe zur Selbsthilfe gegen die Zensur des Internet in China bietet der Chaos Computer Club (CCC [http://www.ccc.de]) nun Sportlern und Journalisten. Die deutschen Computer-Experten geben den Betroffenen detaillierte Tipps an die Hand, mit denen sich die chinesischen Zensurmaßnahmen umgehen lassen. In der Fachwelt werden die Schutzvorrichtungen der chinesischen Regierung als "Great Firewall of China" bezeichnet. Sie besteht aus einer Reihe von Filter- und Blockiertechnologien, die laut dem CCC von Firmen aus den USA und Europa geliefert worden sind. Mit Hilfe dieser Tools kann der chinesische Staat den Zugriff auf ihm nicht genehme Internet-Seiten verhindern.

Wer nach China reist, kann über den CCC einen USB-Stick beziehen, der mit der Software "TOR-Browser" bestückt ist. Die als "Freedom Sticks" bezeichneten Datenträger sind nur während der Olympischen Sommerspiele 2008 erhältlich. Durch den Freedom Stick soll es dem Benutzer möglich sein, das TOR-Netzwerk zu verwenden und damit die Zensur im Reich der Mitte zu umgehen. Bei TOR handelt es sich um ein weltweites System von Servern, die von Freiwilligen betrieben werden, um Zensur und Unterdrückung von Informationen im Internet durch Anonymisierung der Datenpakete zu umschiffen ( http://www.torproject.org/torbrowser/index.html.de).

(Quelle: gp)
 



 

Ruanda gibt Frankreich Mitschuld an Völkermord

Do.07.08.08 - Ruanda hat französische Spitzenpolitiker wie den verstorbenen Staatspräsidenten Francois Mitterrand und Ex-Regierungschef Dominique de Villepin vorgeworfen, 1994 in den Völkermord an 800.000 Menschen verwickelt gewesen zu sein. Französische Soldaten hätten direkt an der Ermordung von Tutsis und gemäßigten Hutus mitgewirkt, heißt es in einem Bericht der ruandischen Regierung. «Französische Soldaten haben viele Vergewaltigungen verübt, besonders an Tutsi-Frauen.» Das französische Außenministerium erklärte in einer ersten Reaktion, man studiere die Vorwürfe noch.

Die Regierung des zentralafrikanischen Landes und Opferorganisationen haben Frankreich schon des öfteren beschuldigt, die Milizen der früheren Staatsführung ausgebildet zu haben, auf deren Konto der Völkermord geht. Die jetzt erhobenen Vorwürfe sind aber die bislang detailliertesten. Am Ende des Berichts tauchen unter anderem auch die Namen Mitterrand und Villepin auf. Sie werden beschuldigt, Hilfe «politischer, militärischer, diplomatischer und logistischer Natur» geleistet zu haben.

(Quelle: ap)
 



 

Rechnungshof kritisiert Gehälter von Krankenkassen-Chefs

Do.07.08.08 - Der Bundesrechnungshof wirft einigen Krankenkassen überzogene Gehälter für Vorstände und ungerechtfertigte Vergünstigungen auch für Verwaltungsräte vor.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete am Mittwoch unter Berufung auf eine Untersuchung des Bundesrechnungshofs, einige Krankenkassenchefs würden bis zu 242.000 Euro Jahresgehälter kassieren. Das sei deutlich mehr als jene 129.000 Euro, die Arbeitgeber und Gewerkschaften als Vergütungsrahmen vorgeschlagen hätten.

Der Rechnungshof habe auch gerügt, dass ein erheblicher Teil der Vergütung der Vorstände aus variablen Zahlungen bestehe, für die keine Ziele festgelegt worden seien. Trotzdem seien diese Leistungsprämien ausgezahlt worden. Die Entlohnung der Vorstände sei undurchsichtig und müsse rechtlich klarer geregelt werden.

In einem besonders eklatanten Fall kritisierte der Rechnungshof demnach auch Leistungen für den Verwaltungsrat einer Krankenkasse. Die Mitglieder des Kontrollgremiums sowie ihre Angehörigen hätten Anspruch auf potenzsteigernde Viagra-Pillen, Haarwuchs- und Nahrungsergänzungsmittel, Massagen im türkischen Bad, orthopädische Matratzen und Ferienhausmiete während ambulanter Versorgungsmaßnahmen gehabt. Den Mitgliedern der betreffenden Kasse würden solche Leistungen nicht gewährt, hieß es weiter. Der Rechnungshof habe 29 von 217 Kassen untersucht, schrieb die Zeitung.

(Quelle: rtr)
 



 

Gewerkschaften wollen offensive Tarifpolitik fortsetzen

Do.07.08.08 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Forderung von Wirtschaftsverbänden nach Lohnzurückhaltung in den anstehenden Tarifrunden zurückgewiesen.

Die Gewerkschaften würden "ihre offensive Tarifpolitik fortsetzen", sagte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Mittwoch. Seit Mitte der neunziger Jahre kämen die Bruttolöhne "nicht mehr vom Fleck". Die schwache Lohnentwicklung sei verantwortlich für eine chronische Schwäche des Binnenmarktes. Während Einzelhandel, Handwerk und soziale Dienstleistungen am Boden lägen, wachse die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Ausland, kritisierte Matecki.

Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) hatte verlangte, die Löhne dürften in den nächsten Monaten nicht so stark steigen wie noch zu Jahresbeginn. "Die Verteilungsspielräume werden enger", sagte Präsident Dieter Hundt. Mit überzogenen Abschlüssen werde in einer sich abschwächenden Konjunktur der Abschwung noch verstärkt. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte die Gewerkschaften zur Lohnzurückhaltung aufgerufen. Es gebe hohe Gewerkschaftsforderungen, bei denen man Angst bekommen könne.

(Quelle: rtr)
 



 

IG Metall rückt erstmals von der 35-Stunden-Woche ab

Do.07.08.08 - Die IG Metall stellt offenbar erstmals die 35-Stunden-Woche in der Metall- und Elektro-Industrie sowie in weiteren Branchen in Frage. «Möglicherweise kann man die 35 nicht mehr für den Einzelnen, sondern nur noch im Betriebsdurchschnitt durchsetzen», sagte Oliver Burkhard, NRW-Bezirksleiter der IG Metall, der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen Post» (Mittwochausgabe).

«Bei manchen belastenden Tätigkeiten müssen wir über weitere Verkürzung reden», sagte Burkhard. «Andererseits müssen wir dem Projektingenieur Lösungen anbieten, der mit 32 Jahren ein riesiges Arbeitspensum absolviert und mit 37 vielleicht ein halbes Jahr kürzertreten will, weil er ein Haus baut.»

(Quelle: ddp)
 



 

Autos schlucken meist mehr Sprit als die Hersteller verraten

Do.07.08.08 - Das böse Erwachen kommt beim Nachrechnen an der Tankstelle. Nicht genug, dass die Spritpreise dramatisch gestiegen sind, das Auto will sich auch nicht an die Werksangaben zum Verbrauch halten. 6,6 Liter pro 100 Kilometer stehen im Bordhandbuch, gebraucht hat der Wagen 8,5 - eine Diskrepanz, die auf dem Weg in den Urlaub schnell tiefe Löcher in die Reisekasse reißt. So ergeht es fast allen Fahrern: Kaum einer erreicht mit seinem Auto im täglichen Betrieb die sparsamen Werte der Herstellerangaben.

Die Werksangaben zum Verbrauch werden nach dem «Neuen europäischen Fahrzyklus» (NEFZ) ermittelt. Bei dem standardisierten Test muss ein Auto für rund 20 Minuten in einen Messtand und dort eine festgelegte Abfolge von Beschleunigungen und Bremsvorgängen absolvieren. Zwei Drittel der Zeit wird eine Stadtfahrt simuliert, den Rest der Zeit eine Überlandfahrt. Die Ergebnisse seien zwar von Auto zu Auto vergleichbar, der Realität entsprächen sie aber nicht, sagt Maximilian Prager vom Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen an der Technischen Universität München (TUM).

Die Beschleunigungen im NEFZ seien sehr niedrig, sagt Prager. Das senke den Verbrauch. «Ich würde das im Münchner Stadtverkehr aber nicht probieren», sagt der Wissenschaftler. Bei der Autobahnfahrt gehe der Test zudem von maximal 120 Stundenkilometern aus - auch das sei keine realistische Annahme. Zudem würden für die Tests üblicherweise Fahrzeuge in der leichtesten Minimalausstattung benutzt und ohne Klimaanlage betrieben. Das senke den Verbrauch noch einmal.

Auch der ADAC kennt die Diskrepanz zwischen Werksangaben und Realität und hat einen eigenen Testzyklus namens «ECOTest» entwickelt. Dieses Verfahren sei realistischer, sagt ADAC-Experte Maximilian Maurer, bei der Autobahnfahrt habe man beispielsweise auch Überholvorgänge eingebaut. Im Schnitt lägen die Ergebnisse des ADAC damit 10 bis 15 Prozent über den Verbrauchsangaben der Hersteller, erklärt Maurer.

Wie viel Sprit der Einzelne brauche, «das hängt alles von der Situation und vom Fahrer ab», betont Maurer. Die Bandbreite sei dabei sehr groß. Zu viele Aspekte von der Außentemperatur über den Straßenbelag bis zum Reifendruck und vor allem dem persönlichen Fahrstil spielten eine Rolle.

Die Verbrauchsangaben der Hersteller hält er trotzdem für sinnvoll, auch wenn die wenigsten Fahrer sie erreichten. Weil alle Autos nach dem selben Zyklus gemessen würden, könne der Käufer auf dieser Grundlage vergleichen - das sei für ihn das wichtigste.

So argumentiert auch Eckehart Rotter vom Verband der Automobilindustrie (VDA). Wenn es eine Abweichung durch den Test gebe, dann finde man sie bei allen Fahrzeugen wieder, und die Vergleichbarkeit bleibe bestehen, sagt Rotter. Die Alternative wäre, ein neues Messverfahren einzuführen, das für alle gleichermaßen verbindlich sein müsste - aber das wäre mit sehr hohem Aufwand verbunden. Außerdem sei der NEFZ ja keine Erfindung der Automobilindustrie, sondern vom Gesetzgeber so vorgeschrieben.

Grundsätzlich könne es nie ein Messverfahren geben, das den Verbrauch für Alle darstelle, sagt Rotter. Eine Familie, die mit zwei Kindern und vollbeladenem Auto nach Südfrankreich fahre, die Klimaanlage eingeschaltet habe und vielleicht in den Stau komme, werde sicherlich davon abweichen. Auf der anderen Seite gebe es aber auch Autofahrer, die unter den Werksangaben zum Verbrauch blieben.

Dass ein Unterschreiten der Werksangaben machbar sei, sagen auch Prager und Maurer. Aber man müsse sich schon sehr viel Mühe dazu geben, erklärt Maurer und zählt eine Liste von Regeln auf: Im niedrigen mittleren Drehzahlbereich bleiben, vorausschauend fahren, möglichst nicht bremsen, nicht zu schwach und nicht zu stark beschleunigen, 0,2 Bar mehr Druck in die Reifen pumpen, Leichtlauföl benutzen, Kofferraum ausräumen und den Skiständer vom Dach nehmen, um nur einige zu nennen. Damit könnten die meisten Fahrer bis zu 30 Prozent sparen. Pragers Liste sieht ähnlich aus, bei ihm kommt allerdings noch regelmäßige Wartung hinzu.

Der TUM-Experte hält eine Änderung des Testzyklus für sinnvoll. Schließlich sei gerade der Verbrauch für die Autokäufer heute wichtig, sagt er. Und einen weiteren ungünstigen Effekt der Messmethode gebe es: Häufig zielten die Autohersteller mit ihren Entwicklungen darauf ab, im NEFZ gut abzuschneiden, weil der offizielle Verbrauchswert im Wettbewerb wichtig sei. Weil die Testbedingungen aber nicht die Realität abbildeten, seien auch die Weiterentwicklungen nicht ideal auf sie abgestimmt.

(Quelle: ap)
 



 

Bevölkerungsmehrheit für aktive Sterbehilfe

Do.07.08.08 - Für aktive Sterbehilfe auf Wunsch schwerkranker Menschen sind einer Umfrage zufolge 58 Prozent der Deutschen. Nach der Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach sprachen sich 19 Prozent der Befragten dagegen aus. Unentschieden waren 23 Prozent, teilten das Institut am Montagabend mit.

Aufgeschlüsselt nach Konfessionen sprachen sich 56 Prozent der Protestanten für aktive Sterbehilfe aus. Bei den Katholiken war jeder zweite dafür und bei den Menschen, die keiner oder einer anderen Religion abgehören, waren es 65 Prozent. Dass die beiden großen Kirchen aktive Sterbehilfe übereinstimmend ablehnen, habe auf die Einstellung der Mitglieder nur wenig Einfluss, folgerten die Forscher.

Unterschiede bei den Altersgruppen gebe es kaum, ergab die Umfrage. Mit 63 Prozent gab es die meisten Sterbehilfe-Befürworter in der jüngsten Gruppe (16 bis 29 Jahre). Von den über 60-Jährigen sprachen sich 51 Prozent für die Tötung auf Verlangen aus.

Dagegen waren bei der Frage nach passiver Sterbehilfe, bei der lebensverlängernde Maßnahmen unterlassen werden, die Älteren mit 76 Prozent an der Spitze. Von allen Befragten befürworteten 72 Prozent passive Sterbehilfe, elf Prozent waren dagegen und 17 Prozent unentschieden.

(Quelle: epd)
 
 
 
 

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