+++ Do.07.08.08, 06:30
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Irak 1598 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Laut US-Kongress gibt Irak nicht genug für Wiederaufbau aus
Do.07.08.08 - Der US-Kongress hat der Regierung des Irak vorgeworfen, sich nicht
ausreichend am Wiederaufbau des Landes zu beteiligen.
In einem Dienstag vorgelegten Bericht hieß es, der Irak werde
wegen des stark gestiegenen Ölpreises in diesem Jahr einen
Haushaltsüberschuss von 52,3 Milliarden Dollar erwirtschaften. Die
Ausgaben für die Erneuerung der Infrastruktur seien im Vergleich
dazu minimal und hätten im vergangenen Jahr gerade 896 Millionen
Dollar erreicht. Seit 2003 habe der amerikanische Steuerzahler 48
Milliarden Dollar für derartige Projekte aufgebracht. Abgeordnete
beider Parteien forderten vom Irak größere Anstrengungen.
Der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, hatte vor einigen Wochen
erklärt, die USA würden keine Großprojekte im Irak mehr
finanzieren.
(Quelle: rtr)
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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 07.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinhundertundvierunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Guantanamo: US-Militärgericht spricht Bin Ladens Ex-Fahrer schuldig
Do.07.08.08 - Das erste Militärverfahren gegen einen Terrorverdächtigen im
US-Gefangenenlager Guantanamo ist mit einem Schuldspruch gegen den
früheren Fahrer von El-Kaida-Chef Osama bin Laden zu Ende
gegangen. Eine Militärkommission sprach den Jemeniten Salim Hamdan
wegen Beihilfe zum Terrorismus schuldig. Von dem noch schwerer
wiegenden Vorwurf der Verschwörung wurde er aber entlastet. Das
Verfahren galt als Testlauf für die geplante Aburteilung der
Hauptverdächtigen vom 11. September 2001. Das Pentagon machte
derweil klar, dass Angeklagte auch nach einem Freispruch in
US-Gewahrsam bleiben könnten, wenn sie als Sicherheitsrisiko
eingestuft würden.
Die Geschworenen-Jury aus sechs US-Offizieren folgte am dritten Tag
ihrer Beratungen dem Argument der Anklage, Hamdan habe als Bin Ladens
Fahrer dem Terrornetzwerk El Kaida "wesentliche Unterstützung"
geleistet. In der Klageschrift war Hamdan unter anderem beschuldigt
worden, Waffen für El Kaida transportiert zu haben, obwohl ihm der
terroristische Charakter der Gruppe bekannt war. Die Jury sah indes den
Vorwurf der Anklage nicht als erwiesen an, dass Hamdan an der Planung
oder Ausführung von Attentaten beteiligt war. Dies wäre
Voraussetzung für eine Verurteilung wegen Verschwörung
gewesen. Das Strafmaß gegen Hamdan blieb zunächst offen. Ihm
droht lebenslange Haft.
Das Verfahren war der erste US-Kriegsverbrecherprozess seit dem Zweiten
Weltkrieg. Das Verfahren gegen Hamdan fand vor einer der so genannten
Militärkommissionen statt, die von der US-Regierung eigens
für die Terrorverdächtigen in Guantanamo eingerichtet worden
waren. Bürgerrechtler bemängeln sie als verfassungswidrig,
weil die Rechte des Angeklagten im Vergleich zu ordentlichen Gerichten
eingeschränkt sind.
Erwartungsgemäß gingen die Bewertungen des Urteils gegen
Hamdan weit auseinander. Ein Sprecher des Weißen Hauses sprach
von einem "fairen Verfahren", das die Eignung der
Militärkommissionen für weitere Verfahren unter Beweis
gestellt habe.
Verteidiger von Hamdan stellten hingegen sowohl das Urteil als auch das
ganze System in Frage. Verteidiger Michael Berrigan bezeichnete das
Verfahren als "Farce", weil das Gesetz zur Einrichtung der
Militärkommissionen erst 2006, also Jahre nach Hamdans Festnahme,
beschlossen worden sei. Hamdans Dienst für Bin Laden erfülle
zudem nicht den Tatbestand des Kriegsverbrechens, weswegen die
Militärjustiz nicht zuständig sei.
(Quelle: afp)
Anschlag auf Bundeswehr in Afghanistan
Do.07.08.08 - Auf die Bundeswehr in Afghanistan ist erneut ein Selbstmordanschlag
verübt worden. Dabei wurden drei deutsche Soldaten verletzt, zwei
von ihnen schwer, teilte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos
der Bundeswehr in Potsdam am Mittwoch mit. Ihr Zustand sei stabil.
Ob und wann sie ausgeflogen werden, stand noch nicht fest. Im Einsatz
schwer verwundete Soldaten werden in der Regel schnellstmöglich
zur Weiterbehandlung nach Deutschland gebracht. Nach ersten
Erkenntnissen sprengte sich ein Motorradfahrer neben einer Patrouille
nahe Kundus im Norden des Landes in die Luft. Die radikalislamischen
Taliban bekannten sich zu dem Anschlag.
Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr ereignete
sich der Anschlag am Mittwoch gegen 15 Uhr Ortszeit (12.30 MEZ) 35
Kilometer südlich von Kundes. Die verletzten Soldaten seien mit
einem Hubschrauber in das Krankenhaus des Bundeswehrstandorts in
Masar-i- Scharif geflogen worden und dort um 17.20 Uhr angekommen. Laut
«Focus online» waren die Soldaten auf dem Weg von Kundus
nach Pol-e Khomri, um ein defektes Bundeswehrfahrzeug zu bergen. Als
die Kolonne an einem Kontrollpunkt hielt, sprengte sich der
Motorradfahrer neben ihr in die Luft.
Nach Angaben der Polizei kam es in der Provinz Baghlan in Dscharikhusch
zu dem Anschlag. Baghlans Polizeichef Abdul Rahman Sayedchail sagte der
Deutschen Presse-Agentur dpa, der Attentäter habe den Sprengstoff
an seinem Körper getragen. Er sei ums Leben gekommen.
Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid bekannte sich im Namen der
Aufständischen zu dem Anschlag. Mudschahid sagte der dpa weiter,
zwölf ausländische Soldaten seien getötet worden.
Angaben der Taliban zu Opfern bei ihren Anschlägen gelten als
unzuverlässig.
Ende März war eine Patrouille des deutschen Wiederaufbauteams in
Kundus mit einem geschützten Fahrzeug vom Typ Dingo in eine
Sprengfalle gefahren. Zwei Soldaten waren schwer, ein Soldat leicht
verletzt worden.
(Quelle: dpa)
US-Präsident Bush belässt Nordkorea vorerst auf Liste der
Schurkenstaaten - Von Pjöngjang überprüfbare
Abrüstungsschritte verlangt
Do.07.08.08 - Zum Auftakt einer mehrtägigen Asienreise hat US-Präsident
George W. Bush von der Regierung in Nordkorea einen
überprüfbaren Stopp ihres Atomprogramms gefordert. Bei einem
Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul erklärte Bush
am Mittwoch, erst wenn Pjöngjang einer Überprüfung der
Abrüstungsschritte zustimme, könnten die USA das Land von
ihrer Terrorliste streichen. In einer Pressekonferenz mit dem
südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak kritisierte Bush
zudem die Menschenrechtslage in Nordkorea.
Beide Präsidenten hätten deutlich gemacht, dass sie Nordkorea
bei der Eingliederung in die internationale Gemeinschaft helfen wollten,
hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Lee sagte, Nordkorea
sei «ein sehr schwieriger Gegner». Er sei aber
zuversichtlich, dass der in Sechs-Parteien-Gesprächen vereinbarte
Prozess zur Überprüfung der von Nordkorea angekündigten
Abkehr von seinem Atomprogramm beginnen könne.
Seit der letzten Runde der internationalen Verhandlungen im Oktober
2007 hat Nordkorea seinen Atomreaktor Yongbyon abgebaut und eine
Erklärung mit Einzelheiten zu seinem Atomprogramm vorgelegt.
«Ich weiß nicht, ob sie ihre Waffen aufgeben oder
nicht», sagte Bush.
Bush hatte Nordkorea 2002 gemeinsam mit dem Iran und dem Irak unter
Saddam Hussein als «Achse des Bösen» eingestuft. Er
hoffe, dass es die Liste bald nicht mehr gebe. «Darauf hoffe ich
um unserer Kinder willen», sagte Bush auf der Pressekonferenz.
Von China mahnte Bush Meinungsfreiheit und Toleranz an. Das harte
Vorgehen gegen Regierungskritiker vor den Olympischen Spielen in Peking
bezeichnete der US-Präsident als Fehler. Zugleich warb er für
Religionsfreiheit. «Sie dürfen religiöse Menschen in
Ihrer Gesellschaft nicht fürchten», erklärte Bush.
«Tatsächlich machen religiöse Menschen Ihre Gesellschaft
zu einem besseren Ort.»
Nach seinem Besuch in Südkorea wollte Bush nach Bangkok fliegen,
wo 175 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Thailand und den USA
gefeiert werden. Dabei wird Bush auch eine außenpolitische Rede
halten. Allerdings gehen Experten nicht davon aus, dass der Republikaner
drei Monate vor der Präsidentenwahl noch bedeutende
außenpolitische Initiativen anstößt.
(Quelle: ap)
Hiroshima gedenkt des Atombombenabwurfs vor 63 Jahren
Do.07.08.08 - Mit einer Schweigeminute hat Hiroshima am Mittwoch des
Atombombenabwurfs vor 63 Jahren gedacht. Rund 45.000 Menschen, darunter
auch Ministerpräsident Yasuo Fukuda, versammelten sich an einem
Denkmal in der japanischen Stadt. Um 08.45 Uhr beteten sie in aller
Stille. Genau zu diesem Zeitpunkt hatten die USA 1945 die erste
Atombombe über der Stadt abgeworfen. Durch sie starben 140.000
Menschen, zehntausende wurden radioaktiv verstrahlt oder erlitten
schwerste Verbrennungen.
In einer Rede wies Hiroshimas Bürgermeister Tadatoshi Akiba darauf
hin, dass die USA zu den drei Gegnern der von Japan vorgelegten
UN-Resolution zur Abschaffung von Atomwaffen gehörten. "Wir
können nur hoffen, dass der Präsident, der im November
gewählt wird, gewissenhaft der Mehrheit zuhört, für die
das menschliche Überleben oberste Priorität hat", sagte er.
An der Gedenkveranstaltung nahm erstmals auch ein Diplomat der
Atommacht China teil. Jedes Jahr lädt Japan zu den Feierlichkeiten
Vertreter der Atommächte ein. Großbritannien, Frankreich,
Nordkorea und die USA schickten bisher keinen Diplomaten zu den
Gedenkfeiern nach Hiroshima.
(Quelle: afp)
Bundesausschuss Friedensratschlag fordert atomare Abrüstung
Do.07.08.08 -Zum Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs über Hiroshima am 6.
August 1945 hat der Bundessausschuss Friedensratschlag seine Forderung
nach einer atomwaffenfreien Welt bekräftigt. «Atomwaffen
abschaffen und Atomkraftwerke abschalten - das ist die
überlebensnotwendige Losung für das 21. Jahrhundert»,
erklärte Sprecher Peter Strutynski am Dienstag in Kassel. Derzeit
würden weltweit noch rund 26.000 nukleare Sprengköpfe
einsatzbereit gehalten.
Selbst die neuen Miniatur-Atomwaffen sowie bunkerbrechende Atomwaffen
hätten immer noch so viel Sprengkraft wie die Hiroshima-Bombe,
warnte Strutynski. An den Folgen der Bombenabwürfe über
Hiroshima und drei Tage später über Nagasaki seien rund
200.000 Menschen gestorben, manche erlägen ihnen noch heute.
"Ein erster Schritt zur atomaren Abrüstung wäre der Abzug der
Atomwaffen, die noch auf deutschem Boden lagern", sagte Strutynski
weiter. Letztlich werde der Kampf gegen die Atomwaffen aber vom
Engagement der Menschen entschieden. Diese müssten die Regierenden
«zur atomaren Abrüstung bis auf null zwingen».
(Quelle: epd)
Unzensiertes Surfen im Internet auch in China
Do.07.08.08 - Hilfe zur Selbsthilfe gegen die Zensur des Internet in China bietet der
Chaos Computer Club (CCC [http://www.ccc.de])
nun Sportlern und Journalisten. Die deutschen Computer-Experten geben
den Betroffenen detaillierte Tipps an die Hand, mit denen sich die
chinesischen Zensurmaßnahmen umgehen lassen. In der Fachwelt
werden die Schutzvorrichtungen der chinesischen Regierung als "Great
Firewall of China" bezeichnet. Sie besteht aus einer Reihe von Filter-
und Blockiertechnologien, die laut dem CCC von Firmen aus den USA und
Europa geliefert worden sind. Mit Hilfe dieser Tools kann der
chinesische Staat den Zugriff auf ihm nicht genehme Internet-Seiten
verhindern.
Wer nach China reist, kann über den CCC einen USB-Stick beziehen,
der mit der Software "TOR-Browser" bestückt ist. Die als "Freedom
Sticks" bezeichneten Datenträger sind nur während der
Olympischen Sommerspiele 2008 erhältlich. Durch den Freedom Stick
soll es dem Benutzer möglich sein, das TOR-Netzwerk zu verwenden
und damit die Zensur im Reich der Mitte zu umgehen. Bei TOR handelt es
sich um ein weltweites System von Servern, die von Freiwilligen
betrieben werden, um Zensur und Unterdrückung von Informationen im
Internet durch Anonymisierung der Datenpakete zu umschiffen ( http://www.torproject.org/torbrowser/index.html.de).
(Quelle: gp)
Ruanda gibt Frankreich Mitschuld an Völkermord
Do.07.08.08 - Ruanda hat französische Spitzenpolitiker wie den verstorbenen
Staatspräsidenten Francois Mitterrand und Ex-Regierungschef
Dominique de Villepin vorgeworfen, 1994 in den Völkermord an
800.000 Menschen verwickelt gewesen zu sein. Französische Soldaten
hätten direkt an der Ermordung von Tutsis und
gemäßigten Hutus mitgewirkt, heißt es in einem Bericht
der ruandischen Regierung. «Französische Soldaten haben
viele Vergewaltigungen verübt, besonders an Tutsi-Frauen.»
Das französische Außenministerium erklärte in einer
ersten Reaktion, man studiere die Vorwürfe noch.
Die Regierung des zentralafrikanischen Landes und Opferorganisationen
haben Frankreich schon des öfteren beschuldigt, die Milizen der
früheren Staatsführung ausgebildet zu haben, auf deren Konto
der Völkermord geht. Die jetzt erhobenen Vorwürfe sind aber
die bislang detailliertesten. Am Ende des Berichts tauchen unter
anderem auch die Namen Mitterrand und Villepin auf. Sie werden
beschuldigt, Hilfe «politischer, militärischer,
diplomatischer und logistischer Natur» geleistet zu haben.
(Quelle: ap)
Rechnungshof kritisiert Gehälter von Krankenkassen-Chefs
Do.07.08.08 - Der Bundesrechnungshof wirft einigen Krankenkassen überzogene
Gehälter für Vorstände und ungerechtfertigte
Vergünstigungen auch für Verwaltungsräte vor.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete am Mittwoch unter
Berufung auf eine Untersuchung des Bundesrechnungshofs, einige
Krankenkassenchefs würden bis zu 242.000 Euro Jahresgehälter
kassieren. Das sei deutlich mehr als jene 129.000 Euro, die Arbeitgeber
und Gewerkschaften als Vergütungsrahmen vorgeschlagen hätten.
Der Rechnungshof habe auch gerügt, dass ein erheblicher Teil der
Vergütung der Vorstände aus variablen Zahlungen bestehe,
für die keine Ziele festgelegt worden seien. Trotzdem seien diese
Leistungsprämien ausgezahlt worden. Die Entlohnung der
Vorstände sei undurchsichtig und müsse rechtlich klarer
geregelt werden.
In einem besonders eklatanten Fall kritisierte der Rechnungshof demnach
auch Leistungen für den Verwaltungsrat einer Krankenkasse. Die
Mitglieder des Kontrollgremiums sowie ihre Angehörigen hätten
Anspruch auf potenzsteigernde Viagra-Pillen, Haarwuchs- und
Nahrungsergänzungsmittel, Massagen im türkischen Bad,
orthopädische Matratzen und Ferienhausmiete während ambulanter
Versorgungsmaßnahmen gehabt. Den Mitgliedern der betreffenden
Kasse würden solche Leistungen nicht gewährt, hieß es
weiter. Der Rechnungshof habe 29 von 217 Kassen untersucht, schrieb die
Zeitung.
(Quelle: rtr)
Gewerkschaften wollen offensive Tarifpolitik fortsetzen
Do.07.08.08 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Forderung von
Wirtschaftsverbänden nach Lohnzurückhaltung in den anstehenden
Tarifrunden zurückgewiesen.
Die Gewerkschaften würden "ihre offensive Tarifpolitik
fortsetzen", sagte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki der "Neuen
Osnabrücker Zeitung" vom Mittwoch. Seit Mitte der neunziger Jahre
kämen die Bruttolöhne "nicht mehr vom Fleck". Die schwache
Lohnentwicklung sei verantwortlich für eine chronische
Schwäche des Binnenmarktes. Während Einzelhandel, Handwerk und
soziale Dienstleistungen am Boden lägen, wachse die
wirtschaftliche Abhängigkeit vom Ausland, kritisierte Matecki.
Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) hatte
verlangte, die Löhne dürften in den nächsten Monaten
nicht so stark steigen wie noch zu Jahresbeginn. "Die
Verteilungsspielräume werden enger", sagte Präsident Dieter
Hundt. Mit überzogenen Abschlüssen werde in einer sich
abschwächenden Konjunktur der Abschwung noch verstärkt. Auch
der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte die
Gewerkschaften zur Lohnzurückhaltung aufgerufen. Es gebe hohe
Gewerkschaftsforderungen, bei denen man Angst bekommen könne.
(Quelle: rtr)
IG Metall rückt erstmals von der 35-Stunden-Woche ab
Do.07.08.08 - Die IG Metall stellt offenbar erstmals die 35-Stunden-Woche in der
Metall- und Elektro-Industrie sowie in weiteren Branchen in Frage.
«Möglicherweise kann man die 35 nicht mehr für den
Einzelnen, sondern nur noch im Betriebsdurchschnitt durchsetzen»,
sagte Oliver Burkhard, NRW-Bezirksleiter der IG Metall, der in
Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen Post»
(Mittwochausgabe).
«Bei manchen belastenden Tätigkeiten müssen wir
über weitere Verkürzung reden», sagte Burkhard.
«Andererseits müssen wir dem Projektingenieur Lösungen
anbieten, der mit 32 Jahren ein riesiges Arbeitspensum absolviert und
mit 37 vielleicht ein halbes Jahr kürzertreten will, weil er ein
Haus baut.»
(Quelle: ddp)
Autos schlucken meist mehr Sprit als die Hersteller verraten
Do.07.08.08 - Das böse Erwachen kommt beim Nachrechnen an der Tankstelle. Nicht
genug, dass die Spritpreise dramatisch gestiegen sind, das Auto will
sich auch nicht an die Werksangaben zum Verbrauch halten. 6,6 Liter pro
100 Kilometer stehen im Bordhandbuch, gebraucht hat der Wagen 8,5 - eine
Diskrepanz, die auf dem Weg in den Urlaub schnell tiefe Löcher in
die Reisekasse reißt. So ergeht es fast allen Fahrern: Kaum einer
erreicht mit seinem Auto im täglichen Betrieb die sparsamen Werte
der Herstellerangaben.
Die Werksangaben zum Verbrauch werden nach dem «Neuen
europäischen Fahrzyklus» (NEFZ) ermittelt. Bei dem
standardisierten Test muss ein Auto für rund 20 Minuten in einen
Messtand und dort eine festgelegte Abfolge von Beschleunigungen und
Bremsvorgängen absolvieren. Zwei Drittel der Zeit wird eine
Stadtfahrt simuliert, den Rest der Zeit eine Überlandfahrt. Die
Ergebnisse seien zwar von Auto zu Auto vergleichbar, der Realität
entsprächen sie aber nicht, sagt Maximilian Prager vom Lehrstuhl
für Verbrennungskraftmaschinen an der Technischen Universität
München (TUM).
Die Beschleunigungen im NEFZ seien sehr niedrig, sagt Prager. Das senke
den Verbrauch. «Ich würde das im Münchner Stadtverkehr
aber nicht probieren», sagt der Wissenschaftler. Bei der
Autobahnfahrt gehe der Test zudem von maximal 120 Stundenkilometern aus
- auch das sei keine realistische Annahme. Zudem würden für
die Tests üblicherweise Fahrzeuge in der leichtesten
Minimalausstattung benutzt und ohne Klimaanlage betrieben. Das senke den
Verbrauch noch einmal.
Auch der ADAC kennt die Diskrepanz zwischen Werksangaben und
Realität und hat einen eigenen Testzyklus namens
«ECOTest» entwickelt. Dieses Verfahren sei realistischer,
sagt ADAC-Experte Maximilian Maurer, bei der Autobahnfahrt habe man
beispielsweise auch Überholvorgänge eingebaut. Im Schnitt
lägen die Ergebnisse des ADAC damit 10 bis 15 Prozent über den
Verbrauchsangaben der Hersteller, erklärt Maurer.
Wie viel Sprit der Einzelne brauche, «das hängt alles von
der Situation und vom Fahrer ab», betont Maurer. Die Bandbreite
sei dabei sehr groß. Zu viele Aspekte von der
Außentemperatur über den Straßenbelag bis zum
Reifendruck und vor allem dem persönlichen Fahrstil spielten eine
Rolle.
Die Verbrauchsangaben der Hersteller hält er trotzdem für
sinnvoll, auch wenn die wenigsten Fahrer sie erreichten. Weil alle Autos
nach dem selben Zyklus gemessen würden, könne der Käufer
auf dieser Grundlage vergleichen - das sei für ihn das wichtigste.
So argumentiert auch Eckehart Rotter vom Verband der Automobilindustrie
(VDA). Wenn es eine Abweichung durch den Test gebe, dann finde man sie
bei allen Fahrzeugen wieder, und die Vergleichbarkeit bleibe bestehen,
sagt Rotter. Die Alternative wäre, ein neues Messverfahren
einzuführen, das für alle gleichermaßen verbindlich sein
müsste - aber das wäre mit sehr hohem Aufwand verbunden.
Außerdem sei der NEFZ ja keine Erfindung der Automobilindustrie,
sondern vom Gesetzgeber so vorgeschrieben.
Grundsätzlich könne es nie ein Messverfahren geben, das den
Verbrauch für Alle darstelle, sagt Rotter. Eine Familie, die mit
zwei Kindern und vollbeladenem Auto nach Südfrankreich fahre, die
Klimaanlage eingeschaltet habe und vielleicht in den Stau komme, werde
sicherlich davon abweichen. Auf der anderen Seite gebe es aber auch
Autofahrer, die unter den Werksangaben zum Verbrauch blieben.
Dass ein Unterschreiten der Werksangaben machbar sei, sagen auch Prager
und Maurer. Aber man müsse sich schon sehr viel Mühe dazu
geben, erklärt Maurer und zählt eine Liste von Regeln auf: Im
niedrigen mittleren Drehzahlbereich bleiben, vorausschauend fahren,
möglichst nicht bremsen, nicht zu schwach und nicht zu stark
beschleunigen, 0,2 Bar mehr Druck in die Reifen pumpen,
Leichtlauföl benutzen, Kofferraum ausräumen und den
Skiständer vom Dach nehmen, um nur einige zu nennen. Damit
könnten die meisten Fahrer bis zu 30 Prozent sparen. Pragers Liste
sieht ähnlich aus, bei ihm kommt allerdings noch
regelmäßige Wartung hinzu.
Der TUM-Experte hält eine Änderung des Testzyklus für
sinnvoll. Schließlich sei gerade der Verbrauch für die
Autokäufer heute wichtig, sagt er. Und einen weiteren
ungünstigen Effekt der Messmethode gebe es: Häufig zielten die
Autohersteller mit ihren Entwicklungen darauf ab, im NEFZ gut
abzuschneiden, weil der offizielle Verbrauchswert im Wettbewerb wichtig
sei. Weil die Testbedingungen aber nicht die Realität abbildeten,
seien auch die Weiterentwicklungen nicht ideal auf sie abgestimmt.
(Quelle: ap)
Bevölkerungsmehrheit für aktive Sterbehilfe
Do.07.08.08 - Für aktive Sterbehilfe auf Wunsch schwerkranker Menschen sind
einer Umfrage zufolge 58 Prozent der Deutschen. Nach der Erhebung des
Instituts für Demoskopie Allensbach sprachen sich 19 Prozent der
Befragten dagegen aus. Unentschieden waren 23 Prozent, teilten das
Institut am Montagabend mit.
Aufgeschlüsselt nach Konfessionen sprachen sich 56 Prozent der
Protestanten für aktive Sterbehilfe aus. Bei den Katholiken war
jeder zweite dafür und bei den Menschen, die keiner oder einer
anderen Religion abgehören, waren es 65 Prozent. Dass die beiden
großen Kirchen aktive Sterbehilfe übereinstimmend ablehnen,
habe auf die Einstellung der Mitglieder nur wenig Einfluss, folgerten
die Forscher.
Unterschiede bei den Altersgruppen gebe es kaum, ergab die Umfrage. Mit
63 Prozent gab es die meisten Sterbehilfe-Befürworter in der
jüngsten Gruppe (16 bis 29 Jahre). Von den über
60-Jährigen sprachen sich 51 Prozent für die Tötung auf
Verlangen aus.
Dagegen waren bei der Frage nach passiver Sterbehilfe, bei der
lebensverlängernde Maßnahmen unterlassen werden, die
Älteren mit 76 Prozent an der Spitze. Von allen Befragten
befürworteten 72 Prozent passive Sterbehilfe, elf Prozent waren
dagegen und 17 Prozent unentschieden.
(Quelle: epd)